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Briant

Stadtbewohner

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1

Monday, May 6th 2019, 2:43pm

Das Mogbarviertel

Beschreibung folgt ....
Lieber eine Hure mit Herz, als eine Edle mit Gift in der Seele

Briant

Stadtbewohner

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2

Monday, May 6th 2019, 3:48pm

>Gibt‘s noch irgendwas, was ich wissen müsste, irgendwelche Schnitzer, die ich besser vermiede?< Briant denkt kurz nach, schüttelt aber den Kopf. „Nicht wirklich. Nur wenn dir deine Kreuzer, Silberlinge und sonstiges heilig sind, dann spiel nicht mit Onkel Damian Diamantrücken. Großmutter meint, er muss das Glück mit der Muttermilch aufgesogen haben, sooft wie er gewinnt. Ich bin ja eher der Meinung, dass er schummelt, aber es hat ihm bis heute noch keiner beweisen können. Nicht mal Tane, und der kennt wirklich fast alle Tricks, die die Götter verboten haben!“

Mittlerweile haben sie den Rand des Mogbarviertel erreicht. Briant ist Dars skeptischer Blick auf die schmalen Gassen zwischen den Häusern nicht entgangen. „Ich denke, es ist besser, wenn du die Kutsche samt Pony bei meinem Bruder unterstellst. Er hat einen Mietstall, gleich hier um die Ecke.“ Dar nickt erleichtert und so stehen sie wenige Augenblicke später im Hof eines kleinen, aber sauberen Stalles. Ein Mogbar, eine ältere und männliche Kopie Briants, kommt ihnen mit einem breiten Lächeln entgegen. >Kücken! Was treibt dich hierher?< begrüßt er seine Schwester, die seine Umarmung erwidert, ihm aber ob des Spitznamens einen Knuff an die Schulter verpasst. „Könnt ihr diesen dummen Spitznamen endlich mal lassen? Ich bin mittlerweile erwachsen …“ >Und wirst immer unser Kücken bleiben, finde dich damit ab. Das ist das Los der Jüngsten und der Ausgleich dafür, dass du immer alles bekommen hast und machen konntest, was du wolltest, während wir armen älteren Geschwister um jedes Recht kämpfen mussten!< Kurz folgt noch weitere, liebevoll geschwisterliche Kabbelei, ehe Briant endlich dazu kommt, Dar vorzustellen. „Wir sind am Weg zu Großmutter und dem Rest, könntest du inzwischen die Kutsche unterstellen und dich des Ponies annehmen?“ >Sicher. Du hast dir den richtigen Tag ausgesucht, gestern hat Nara Zwillinge bekommen, zwei Jungen. Vermutlich hat Da dir schon eine Nachricht geschickt … falls er und Melvin schon nüchtern genug sind, du kennst doch die Feierlaune bei neuen Familienmitgliedern.<

Bei diesen Worten zieht sich ein breites Lächeln über Briants Gesicht: Nara ist ihre Schwester, nur zehn Mondläufe älter als sie und die beiden Jungen sind die ersten Kinder, die sie und ihr Mann Melvin bekommen haben. „Das sind wunderbare Nachrichten! Und sicher kann ich mir vorstellen, wie die neuen Bewohner Rohas gefeiert wurden … und werden.“ Und so macht sich Briant voll Freude auf ihre neu geborenen Neffen, Dar im Schlepptau, auf den Weg in das enge Gewirr der Gassen. Wie immer summen diese vor Leben, auch wenn die Temperaturen bei weitem nicht mehr zum Sitzen auf den Bänken vor den Häusern einladen. Für ein Pläuschchen reicht es aber allemal und immer wieder wird der Mogbar ein Gruß zugeworfen, den sie lachend erwidert. Hier ist sie ihre Heimat, hier sind ihre Wurzeln. Auch wenn der Pfirsich mittlerweile ein Zuhause ist, hier stammt sie her und ihre Verbundenheit zu diesem Stadtviertel wird immer bestehen bleiben. Auf dem Weg zeigt sie Dar verschiedene Plätze, den kleinen Hain, wo sie als Kinder gespielt hatten und die Eiche, unter der sich die Päärchen treffen und unter deren Zweigen so manches Mädchen den ersten Kuss bekommen hat.
Schließlich halten sie vor einem einstöckigen Fachwerkhaus, aus dessen Inneren lautes Lachen dringt. „Da wären wir. Hier wohnen Ma und Da, Großmutter und im oberen Stock Nara und Melvin mit den zwei Kleinen. Aber ich glaube, heute sind noch mehr Leute da!“ Mit diesen Worten öffnet sie die Tür. „Slàn leat!“ ruft sie in den Eingangsbereich. >Tante Bria, Tante Bria!< tönt es vielstimmig als Antwort und vier Mogbarkinder schießen um die Ecke und fallen ihr lachend um den Hals, um sie nur einen Moment später wild durcheinander redend mit den neuesten und wichtigsten Informationen zu versorgen.

>Die Kleinen sind da! Du musst sie dir ansehen, die sind so winzig!<
>War ich auch einmal so klein? Das kann doch nicht sein!<
>Hast du uns was mitgebracht?<
>Wen hast du denn da mitgebracht?<
Lieber eine Hure mit Herz, als eine Edle mit Gift in der Seele

3

Tuesday, May 7th 2019, 11:11pm

> … wenn dir deine Kreuzer, Silberlinge und sonstiges heilig sind, dann spiel nicht mit Onkel Damian Diamantrücken. Großmutter meint, er muss das Glück mit der Muttermilch aufgesogen haben, sooft wie er gewinnt. Ich bin ja eher der Meinung, dass er schummelt, aber es hat ihm bis heute noch keiner beweisen können. Nicht mal Tane, und der kennt wirklich fast alle Tricks, die die Götter verboten haben!< Ein tiefes und warmes Lachen entringt sich Dars Kehle, ein Lachen, das noch lange nachdem es wieder verstummt ist, in seinen Augen fortbestehen bleibt. „Danke für die Warnung, aber ich werde in den nächsten Monaten vermutlich eh jeden verfügbaren Heller sparen, mir so bald als möglich ein eigenes Gespann leisten zu können. Jiiiiiiii-ha!“ Mit diesem letzten und lauten Ausruf lässt Dar die Peitsche knallen und Olett in einen – nach dem lahmen Trott der vergangenen Stunde – begeisterten Galopp davon eilen, bis zum Ende der Straße, wo Olett gerade noch rechtzeitig, wie funkenschlagend, in die Eisen steigt, um mit Dars daraufhin erst nachfolgendem Bremsmanöver, so eben noch vor der, für den Wagen zu schmalen, Toreinfahrt an dessen Ende zum Stehen zu kommen. Während einige Mogbarkinder johlend applaudieren und einige der erfahrenen Älteren ob dieser Dummheit nur fassunglos die Köpfe schütteln, setzt Dar zurück, wendet und lässt Ollet in einem leichten Schritt zu Briant zurück traben. „Du hast ja keine Ahnung, was für einen Spaß das macht!“, strahlt Dar, den Wagen diesmal – was Zufall bloß sein mag – gekonnt um die Mogbar herum zu lenken und neben ihr mit Olett wieder in einen langsamen Schritt zurück zu verfallen.

Tatsächlich mag Briant sich von dem späteren Strahlen in den Augen der sie begrüßenden Nichten und Neffen im Hause ihrer Familie an das Strahlen des Fro‘gar auf dem Kutschbock zurück erinnert fühlen. Doch in eben dem Moment, da er die Schwelle zu ihrem Elternhaus übertritt, strahlt Dar so ganz und gar nicht. Ein leichtes, beinahe unsicheres, Lächeln ziert vielmehr seine Züge, als die Kinder sie umtosen und auch die anderen Erwachsenen sie freundlich umringen. Was werden die Verwandten wohl denken, wenn eine Hure mit einem fremden Mann zu Besuch kommt? Was wird man über seine Augen denken, sagen und was wird das für Briants zukünftiges Verhältnis zu ihrer Familie wohl bedeuten? Also lehnt sich Dar erst einmal zurück, wartet ab – oder zumindest ist das sein, so nur leider nicht umsetzbarer, Plan. Doch keines der Kinder läuft schreiend vor seinen Augen davon, sondern vielmehr umbrandet ihn ein vielstimmiges: >Boah, guckt mal seine Augen an!<>Sieht ja super lässig aus! Kannst du das auch in anderen Farben!<>Kann man das lernen, kannst du mir das beibringen? Aber ich will das unbedingt in blau können!< Auch die Älteren behandeln ihn keinesfalls anders, als vermutlich jeden anderen willkommenen Besucher. Nicht ein seltsamer Blick wird ihm geschuldet – oder etwa Briant! Doch in ihrer Neugierde stehen die älteren Mogbar den Kindern in nichts nach! >Ein angehender Heiler also, so-so?<>Und im Pfirsich, ja?<>Wie ist das denn so für ihn als Hahn im Hühnerstall – hehe?<>Und wo genau kommst du jetzt her?<>Wie war es denn da so und warum bist du da dann überhaupt weg?<>Stimmt es, das…< Doch statt eines Verhörs mit ihn blendender Laterne in einem Verlies irgendwo tief unter der Steinfaust und von grimmigen Blaumänteln umstellt, sind es hier vergnügliche Frauen und Männer, die ihn bei Cofea und Kuchen wie ein Kuriosum herumreichen, zugleich doch aber auch ihm das Gefühl geben unter Freunden zu sein und ihm mindestens ebenso viel über sich zugleich auch berichten, wie sie ihm Interessantes aus der Nase doch ziehen.

>Genug Kinder!< ruft schließlich eine junge Mogbar die Kleinen, wie die weitaus älteren Familienmitglieder schließlich zur Räson. Schiebt Dar in einen Sessel, schenkt ihm einen Tee ein und stellt sich drohend einigen der auf weitere Neuigkeiten hoffenden Kindern in den Weg. >Dar braucht jetzt Ruhe! Ihr lasst ihn ja überhaupt nicht zu Luft kommen.< Beinahe erwartet Dar schon von der resoluten jungen Frau schlafen geschickt zu werden. Und bei ihrem – dabei in keinster Weise unfreundlich wirkendem Befehlston – würde er sich nicht einmal wundern, wenn selbst gestandene Templer und Offiziere der Blaumäntel ihren Worten fraglos folgten. Andererseits, wenn er sich dieses – durchaus sympathische – Tohuwabohu so anschaut: Vermutlich braucht es solch feste Hand, will man hier nicht hoffnungslos unterliegen. Und so findet sich Dar schließlich doch noch in einer stilleren Ecke des großen Raumes beobachtend wieder, derweil Briant erst einmal ausgiebigst von ihren neugeborenen Familienmitgliedern in Beschlag genommen ist und Begrüßungen austauscht. Dort auf dem beinahe schon ruhigen Beobachtungsposten ausharrend und doch immer mal wieder – aber sehr viel rücksichtsvoller – von einzelne Erwachsene oder auch Kinder aufgesucht, mit Fragen gelöchert und mit Anekdoten aus dem Alltag der verschiedensten Mogbar unterhalten (und nebenbei mit Unmengen an Tee, Hochprozentigerem, Hochprozentigerem in Tee und Gebäck (auch das wahlweise gerne in den Tee getunkt) versorgt, findet Briant ihn schließlich vor. Von den Neugeborenen, die sie sich unbedingt hatte ansehen müssen, zurück, lässt sie sich in einen momentan gerade wieder leeren Sessel neben ihm sinken. Aber noch ehe sie irgend etwas sagen kann, wagt sich Dar s e h r weit aus dem Fenster, indem er, verschmitzt sich vorbeugend, leise fragt: „Kücken, wirklich? Darf ich dich vor den Anderen im Pfirsich wohl auch so nennen? Vor Tane etwa, oder auch Dobesto oder Perrin vielleicht?“
“Siehst du einen Riesen, so prüfe den Stand der Sonne und gib acht, ob es nicht der Schatten eines Zwerges ist.”

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Briant

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4

Thursday, May 9th 2019, 11:49am

„Untersteh dich!“ Ihrem entrüsteten Unterton und dem vor seiner Nase drohenden Zeigefinger wird durch das schelmische Glitzern in ihren Augen jedoch die Schärfe genommen. Doch bei allen Göttern, wenn er diesen absolut idiotischen Spitznamen im Pfirsich verbreitet, dann würde sie ihn wohl in den nächsten Zuber mit eiskaltem Wasser befördern, so wahr ihr Inari helfe! Sie weiß genau, wie Tane Sigourny mit ihrem Spitznamen ‚Sonnenschein‘ zur Weißglut treiben kann und vor ihr hat der Frechdachs bei weitem weniger Respekt als vor seiner Ziehschwester. Und was Dobesto und Perrin angeht …. Briant will sich gar nicht ausmalen, was die mit solch Wissen für Unsinn aushecken. „Diesen verflixten Namen haben mir meine Brüder verpasst, da war ich gerade mal vier Sommer alt. Und sie sorgen dafür dass er nicht in Vergessenheit gerät. Und das mit sehr wirksamen Methoden!“ >Och, die Küken zu deinem Geburtstag waren doch herzallerliebst!< Mit einem breiten Grinsen hat sich ein weiterer Bruder, Galen, neben sie gesetzt. >Vor allem weil sie es sich in deiner Wäschetruhe so ein hübsches Nest machen konnten!< Briant streckt ihm die Zunge heraus. Oja, sie kann sich genau an die Sache erinnern, es war der Tag nach ihrem sechzehnten Namenstag gewesen und sie war, da schon ganz das lebenslustige Mädchen, erst in den Morgenstunden heim gekommen, hatte sie doch mit Freunden gefeiert. Leicht berauscht war sie die Treppen in ihre Kammer gestolpert, hatte sich nicht einmal gewundert warum ihre Truhe offen war und hatte hineingegriffen, um sich ein Nachthemd zu angeln und wenigstens noch ein bisschen zu schlafen … und ihre Finger waren in Hühnerdreck gelandet, der sich auf ihren Sachen ausgebreitet hatte. Denn Galen und seine Brüder hatten die Küken schon am Vorabend hineingesetzt und eine Nacht ist für fünf Küken genug Zeit, eine heillose Sauerei zu veranstalten.

Genau diese Geschichte gibt ihr Bruder nun zum Besten und Dar hält sich den Bauch vor Lachen. „Vergiss aber bei der Sache nicht, dass ihr dann das Vergnügen hattet, meine Wäsche zu waschen und zwar drei Siebentage lang. Und glaub mir, das waren jene Siebentage, in denen ich so ungeschickt war wie noch nie zuvor und danach in meinem Leben. Ich habe es wirklich geschafft, keiner einzigen Matschpfütze in ganz Talyra auszuweichen.“ Dabei klimpert Briant ganz unschuldig mit den Wimpern, als könne sie kein Wässerchen trüben. Galen will seiner kleinen Schwester eben Konter geben, als eine alte Mogbar den Raum betritt. Sie muss sich zwar auf einen Stock stützen doch ihre Augen strahlen Lebensfreude und Agilität aus. Den Kopf voller weißer Locken ist die Ähnlichkeit mit Briant nicht zu übersehen, vielmehr sieht sie wie eine ältere Ausgabe derer aus. „Großmutter!“ Mit einem strahlenden Lächeln springt Briant auf, um ihr entgegen zu eilen, während Galen für die alte Dame den Platz räumt.

>Briant, meine Kleine! Schön dich zu sehen. Du warst schon zu lange nicht mehr hier!<
„Ich weiß Großmutter, tut mir wirklich leid. Es war einfach sehr viel zu tun. Du weißt doch, der Julmarkt kommt und Sigourny hat mir einige Aufgaben übertragen.“

Geschickt umschifft sie die Ereignisse der letzten Siebentage, sie will die alte Dame nicht beunruhigen … oder aufregen. Denn sie kann sich gut vorstellen, was ihre Großmutter mit Stinkbombenwerfern, Alevergiftern und Möchtegern-Eislaufplatzarchitekten zu tun gedenken würde: Ohren langziehen und mit dem Teppichklopfer ein paar über den Allerwertesten. Und zu erklären, warum das bei ein paar Unterstadtschlägern nicht das beste Mittel der Wahl ist, diese Diskussion erspart sie sich lieber, würde das doch die gute Stimmung trüben. Ihre Großmutter hat sich bei ihr eingehackt und mittlerweile sind sie bei Dar angelangt. Während die Alte sich mit einem leisen Seufzer in den Sessel sinken lässt, stellt Briant ihren Begleiter vor. „Das ist Dar. Er ist angehender Heiler und arbeitet seit kurzem neben seinen Studien im Pfirsich als unser Haus- und Hofpfuscher. Dar, das ist meine Großmutter Eliseth.“
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5

Friday, May 10th 2019, 8:47pm

„Dar, das ist meine Großmutter Eliseth.“ wiederholt Dar, sich wieder niedersetzend, hatte er sich mit dem Nahen der alten Frau doch aus dem Sessel erhoben, eine leichte Verbeugung anzudeuten ehe sie sich in den ihr dargebotenen Sessel niederließ. „Ich verdanke euch, beziehungsweise euren von Briant im rechten Moment mir gegenüber geäußerten Worten, das ich nicht irgendwo in einem dunklen Keller kauernd mit Sarurnir um die Herrschaft über meinen Geist ringe.“ Dankbarkeit stiehlt sich in Dars Blick, der sich die brechende Stimme und die ihm plötzlich in die Augen Schießenden Tränen darum umso weniger erklären kann. Doch wischt der Fro'gar die Tränen – ohne Scham – sich vom Gesicht, atmet tief und langsam ein, seine Stimme auch wieder in den Griff zu bekommen. „Ihr habt da eine sehr weise Enkelin in die Welt entlassen, auch wenn diese meint, das ihre Worte nichts weiter als einfacher Hausverstand sei und nicht erkennt, dass der rechte Moment für die richtigen Worte die Weisheit ausmacht, derweil jeder Narr die Worte als solche nachplappern könnte, ohne sie zu begreifen oder ihnen Wirkkraft zu verleihen. Wenn ich irgendwann in naher oder ferner Zukunft mich für diese Worte revanchieren, euch in irgend einer gerechten Sache beistehen kann – wisst, ich sehe mich in eurer Schuld!“ Obgleich das alltägliche Chaos im Rest des Hauses weiter tost, Kinder spielen, lachen, streiten und toben und auch die Älteren reden und singen (nun weiß Dar endlich mit Gewissheit, wo Briant ihr Sangestalent her hat, auch wenn die Gruppe älterer Mogbar an einem entfernten Tisch weit züchtigere Texte zum Besten geben – die Lacher der Zuhörer sind ihnen so gewiss wie Briant im Pfirsich, wenn sie mal wieder einige zotige Verse zum Besten gibt) scheint es in diesem Moment, als umgebe Dar Briant, ihren Bruder und deren Großmutter eine beinahe schon unnatürliche Sphäre der Stille! … >Wirrkopf!<, erwidert die Großmutter darauf indes nur und bricht damit den Bann. Ungetrübt stimmt Dar in darauf aufbrandende Lachen ein, das indes nicht Abfälliges hat. >Ach Kleines, wo hast du den denn bloß wieder aufgetrieben?<, wendet sich Eliseth an Briant, derweil Dar einerseits das Bild einer kleinen Briant ob dieser Worte vor Augen hat, die mal wieder mit einem verletzten streunenden Hund nach Hause kommt, es gesundzupflegen, wie der Blick der Alten ihn andererseits vermuten lässt, dass sie ihn indes sehr gut wohl verstanden hat und nur – gerade zu dieser Feier ob der Geburt zweier ihrer Urenkel – einfach die seiner Rede innegewohnt habende Ernsthaftigkeit nicht weiter hier haben will. Und tatsächlich sind die Gespräche von hier ab auch wieder frohgemut wie eh und je.

Als Erstes ist die Großmutter natürlich ausgiebigst an Neuigkeiten von Briant interessiert und gibt auch ihrerseits etliche Neuigkeiten zum Besten, die Dar erkennen lassen, wie wach sie noch in die Welt hinaus blickt, über alles Bescheid zu wissen scheint und den Rest sich auch noch anzueignen versucht. Auch die alte Eliseth scheint an dem ungewöhnlichen Gast rege interessiert, doch wo die anderen Mogbar ihn über seine Vergangenheit zu löchern versuchten, so das Dar immer wieder heikle Punkte, über die er nicht reden mochte oder konnte so höflich als möglich zu umschiffen sich bemühte, schafft es die alte Mogbar sich ein Bild von ihm zu machen, indem sie ihn schlicht und ergreifend eine einzelne Anekdote erzählen lässt. So kommt es, dass als man deutlich später schließlich zu Tische ruft, Briant, Eliseth Galen einige weitere Zuhörer bis ins letzte Detail über Dars leidvollen Ausflug auf einem Pony und an der Seite des Faêyris-Priesters Bittertrank in das winterliche Larisgrün informiert sind. Dar vermag nicht anders, als laut mitzulachen, derweil er sich außer Stande sieht, den zwölften seiner Stürze und die darauf noch Folgenden zu verschweigen oder als Galen gekonnt imitiert, wie er sich den auf dem Rückweg schmollenden Zwergen vorstellt oder … Eliseth scheint sich viel Zeit zu nehmen, ehe sie stumm nickt, sich offenbar endlich ein Bild von dem Zwerg gemacht hat und es zufrieden scheint, was sie sieht. Obgleich Dar sich redlich darum bemüht, zu gehen, als sich die Anwesenden zum Essen schließlich zusammenfinden, sitzt er dann doch schließlich an einer langen Tafel zwischen Briants Brüdern, die ihm weitere Informationen aus der Nase zu ziehen versuchten, womit man Briant alles aufziehen könnte. Doch nachdem Eliseth mit ihm fertig ist, scheint es Dar beinahe schon zu einfach die freundlich neckenden Nachfragen ins Leere laufen zu lassen, indem er einfach seinerseits drängt mehr über die Neckereien zu erfahren, mit denen die Brüder ihre jüngste Schwester in der Vergangenheit so alles zur Weißglut getrieben haben mochten. Briant, wo sie nicht ihrerseits in Gespräche vertieft und folglich abgelenkt ist, erkennt aber, das weder Dar, noch ihre Familie hier ernsthafte Boshaftigkeiten etwa austauschen. Dennoch kann sie sich ein erleichtert wirkendes Lächeln nicht verkneifen, als das Essen schließlich aufgetischt ist und die Gespräche darob verstummend dem Schaben von Löffeln, Schlürfen und Schmatzen voller Münder Platz macht und – wenigstens für den Augenblick so keine weiteren Neckereien mehr ausgetauscht werden können.
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Briant

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6

Saturday, May 11th 2019, 4:11pm

Briant kennt ihre Großmutter genau und so weiß sie, dass die Alte zwischen Dars Worten herausgehört hat, was er eigentlich sagen wollte. Das – mit mildem, fast schon herzlichem Unterton – ausgesprochene ‚Wirrkopf‘ hat sich, da ist sie sich sicher, darauf bezogen, dass Dar anscheinen so leicht von einer Stimmungslage zur anderen wechselt. Eliseth ist der Ansicht, dass es eine Zeit für Freude, eine für Traurigkeit, eine für Angst gibt … und alles zu vermischen macht Kopfweh. Und da heute eindeutig ein Tag für Fröhlichkeit ist, lässt sie triste Stimmung gar nicht erst aufkommen. So vergeht die Zeit wie im Flug. Die kleineren Kinder haben inzwischen bereits ihr Abendbrot zu sich genommen und sind in Richtung der Betten entschwunden, als die Erwachsenen sich schließlich auch um den großen Tisch versammeln. Dar versucht vergeblich, sich auf den Heimweg zu machen, ihre Brüder haben ihn mit Beschlag belegt. Sie will lieber nicht wissen, was sie ihm erzählen oder zu erfahren versuchen. Sie war immer die wildeste der Mädchen gewesen, die, die sich heimlich aus der Tempelschule davon geschlichen hat um fischen zu gehen oder mit den älteren Jungen Eichkätzchen zu jagen. Wobei sie eher die Eichkätzchen vor den Schleudern zu beschützen versucht hat. Je nach Alter und angewandter Taktik hat sie sich damit mehr oder weniger beliebt gemacht. Irgendwann hat man es mit ihr aufgegeben, nachdem sie leidlich rechnen und ihren Namen schreiben konnte. In anderen Familien wäre sie wohl das schwarze Schaf, hier ist sie einfach das wilde Küken.

Melvin hat ein Tablett mit Speisen beladen und ist zu seiner Frau in den ersten Stock gegangen, um mit das Wochenbett Hütenden das Mahl einzunehmen, ansonsten sind alle vollzählig. Wie immer, wenn alle zusammenkommen, biegt sich der Tisch. Die meisten haben etwas mitgebracht und so würde wohl auch in den folgenden Tagen noch genug an Resten da sein um die Bewohner des Hauses zu ernähren. Briant lehnt sich satt auf ihrem Stuhl zurück und lässt ihren Blick über die ganze Runde schweifen. Mit einem Mal wird ihr bewusst, warum sie das Chaos und all die Turbulenzen im Pfirsich liebt, ja dieses wilde, pulsierende Leben geradezu braucht: Es erinnert sie an daheim, angereichert um den Reiz, immer neue Leute kennenzulernen. Sie liebt das Leben, die Bewohner Rohas (und Männer im Besonderen) und sie würde es um nichts anders haben wollen. Aus den Augenwinkeln sieht sie, dass ihr Vater, ihre Brüder und Onkeln Dar mit in den angrenzenden ‚Salon‘ (eine reichlich übertriebene Bezeichnung für ein gemütliches Wohnzimmer) ziehen. Das übliche Pfeifen und Zigarrenrauchen mit den unvermeidlichen politischen und teilphilosophischen Thesen und Diskussionen … sofern sie nicht die Gelegenheit nutzen wollen, dem Zwerg weitere Löcher in den Bauch zu fragen. Briant hat sich zu ihrer Großmutter an den Kamin gesetzt. Eigentlich wollte sie ihrer Mutter beim Abwasch helfen, doch diese hat sie resolut aus der Küche gescheucht. Sie sei heute zu Besuch und nicht zum arbeiten hier. Und Großmutter freue sich doch immer so, also soll sie sich mit der alten Dame in Ruhe unterhalten. >Der Junge hat das Herz am rechten Fleck.< Sie muss nicht fragen, wenn Eliseth damit meint. Ihre Großmutter würde wohl auch einen Elben wie Shalhor als Jungen bezeichnen. Mit der Gelassenheit des Alters scherrt sie sich keinen Deut um Alter, Rang oder Stellung. Was zählt, ist der Charakter, punkt um. >Vielleicht ein bißchen wirr aber was macht das schon? Er wird ein guter Heiler werden, weil er es mit Herz und Seele tut. Aber er braucht jemanden, der ihn davor bewahrt, sich in seinen Gedanken und Gefühlen zu verlieren und zu verirren. Aber ich denke, da seid ihr in eurem Pfirsich schon die Richtigen … ihr wist wie man sich um kalte Herzen kümmert!< Ein schelmisches Lächeln zieht sich auf das Gesicht der Alten und sie zwinkert Briant zu. Für einen Moment blitzt das junge Mädchen durch, dass sie einst war und das Briant so ähnlich gewesen ist.

Dann wird ihr Gesicht ernst. >Kleines, ich habe gehört ihr hattet Ärger. Schau nicht so erschrocken, deine Eltern wissen von nichts. Galen und Melvin sind zu mir gekommen, als sie einige dieser seltsamen Flugblätter in die Finger bekommen haben. Ich habe ihnen aufgetragen, das ganze Viertel nach dem Schund abzusuchen und den Mist zu verbrennen. Es ist nicht weit zum Fliegengrund, sie halten die Ohren und Augen offen, vielleicht finden sie den Witzbold. Und was die Sache mit dem Ale angeht ….< Briant wundert sich schon gar nicht mehr, woher ihre Großmutter das alles weiß. >Ich weiß, ich soll mich nicht einmischen, aber wenn Sigourny, so heißt deine Dienstherrin doch?< Briant nickt. >Also wenn sie einen neuen Lieferanten sucht, Lorcan und Enya haben in der Nähe zum Händlertor eine kleine Brauerei aufgemacht.< „Sie sind wieder da?“ Enya ist Briants Cousine und hat die letzten Jahre mit ihrem Mann Lorcan in Verd zugebracht. Eliseth nickt. >Seit einem Mondlauf, sie hatten Heimweh.< Briant lächelt. Ja das versteht sie, sie würde auch nie weg wollen aus Talyra. „Ich werde es Sigourny sagen, es ist immer gut mehrere Optionen zu haben.“
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Saturday, May 11th 2019, 11:09pm

So angenehm das hier alles auch ist, so verhält es sich bei ihm – ohne das er sich dessen jedoch auch nur bewusst sein kann – gerade diametral zu Briants Ansprüchen an das Leben. Wo diese regelrecht aufblüht, sei es hier, bei ihrer Familie oder auch im Pfirsich, der für sich genommen ja fast auch schon so etwas wie eine ganz eigene Familie darstellt, da spürt Dar mit jedem weiteren Herzschlag, das ihm dies alles hier mehr und mehr über den Kopf wächst. So freundlich, gesellig und offen die Mogbar um ihn herum auch sind, schreit es in seinem Innersten doch mehr und mehr nach Stille und Rückzug, sodass schließlich … „Nein wirklich Damian, ich möchte k e i n Diamantrücken mehr spielen, wirklich. Ich – ich muss noch zum Tempel!“ Das Letzte war eine Ausflucht nur, aber endlich etwas, das der sympathische alte Mogbar ebenso gelten ließ, wie auch die anderen Feiernden. Als Dar sich darum in aller Hast leise von Briant und ihrer Runde, wie auch der alten Eliseth verabschiedet, mag, wer ein gutes Auge für derlei besitzt, wohl den gehetzten Blick und die etwas zu schnelle und flache um noch entspannt zu wirkende Atmung, erkennen. Schon in Ordnung Dar. Ich wollte heute Nachts sowieso hier übernachten. Sag nur bitten im Pfirsich Bescheid, dass ich erst am Morgen zurückkomme, ja?< Dar nickt, lächelt – für das scharfe Auge erkennbar gequält – und verlässt dann raschen Schrittes das Haus, dabei zwei weitere Einladungen, doch noch zu bleiben, freundlich ausschlagen müssend.

Dann schließlich, den kalten Stein der Hauswand im Rücken und eine eisige Brise im Gesicht, atmet Dar erst einmal tief ein und aus, bis sich sein Herzschlag langsam wieder beruhigt. Er hätte es eigentlich besser wissen müssen. Die ausgelassene Stimmung, die Freude der letzten Stunden, war zu gut um wahr zu sein. Nach dem, was er in den vergangenen Monden durchgemacht hatte, konnte eine Stunde auf dem Kutschbock das zuvor Durchlittene wohl kaum so einfach ungeschehen machen.

Erst als sich sein Herzschlag langsam wieder beruhigt hat, löst Dar sich wiedervon der Wand in seinem Rücken und schreitet zum Mietstall hinüber. Olett ist ganz und gar nicht begeistert, aus dem warmen Stall wieder heraus geführt und angeschirrt zu werden, noch ist es der ‘für die Nachtschicht’ zuständige Mogbar, sonderlich glücklich, den sich beim Anschirren verzettelnden Dargar nch helfen zu müssen, statt weiter entspannt oben auf dem Heuboden faulenzen zu können. Doch schließlich ist alles geschafft und wieder an seinem rechten Platz. „Los Ollet, nur noch kurz zum Tempel und dann endgültig nach Hause.“ Langsam und dieses Mal ohne irgendwelche Dummheiten, wie aber mit einer geliehenen Laterne bestückt, lenkt Dar das Gespann durch die teilweise doch recht engen Straßen des Mogbar-Viertels. Mehr als einmal muss er in die Bremsen steigen, Olett langsam zurücksetzen lassen um dann im zweiten oder manchmal auch dritten Anlauf eine Enge Kurve oder ein leeres Fass oder dergleichen mehr zu umfahren. Doch dann schließlich weitet sich der Weg vor ihm zu einem, man mag es beinahe schon einen kleinen Park nennen unter dessen Bäumen die Straße breit hindurchführt um nochmals einige Häuser – und weitere Mogbar – zu passieren, ehe das Viertel endgültig hinter ihm liegt und sich vor ihm die Weite des Sitechhains auftut.
“Siehst du einen Riesen, so prüfe den Stand der Sonne und gib acht, ob es nicht der Schatten eines Zwerges ist.”

This post has been edited 1 times, last edit by "Dar" (May 12th 2019, 12:49am)


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