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Sigourny

Stadtbewohner

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121

Tuesday, February 26th 2019, 8:12pm

Vorsichtig geht sie, die Schiene am Fuß, einige Schritte auf und ab. Es geht erstaunlich gut und nach den vergangenen beiden Tagen ist es eine Wohltat, wieder halbwegs sicher auf eigenen Beinen zu stehen. Dar kehrt soeben von seiner kurzen Unterhaltung mit Shalhor zurück und betrachtet ihre Schritte kritisch, wenn auch nicht unzufrieden. „Geht besser als ich dachte. Auch wenn Langstreckenläufe und flotte Tänze vielleicht noch nicht ganz funktionieren werden!“ Dars Vorschlag, einen Ausflug in den Tempelbezirk zu machen, klingt verlockend. Allerdings steht dem eine Kleinigkeit im Weg: Schuhe. Briant hat ihr zwar Schnürstiefel mitgeschickt, doch zum einen sind die oben im Herrengemach und zum anderen haben sie, wie eigentlich fast alle ihre Schuhe, Absätze. Und mit solchen wagt sie es nun doch noch nicht zugehen. „Die Idee ist gut, es ist nur …“ Sie kommt nicht dazu, den Satz zu beenden, denn in diesem Moment klopft es zaghaft an der Tür und die Magd, die ihr nach ihrer Ankunft geholfen hat, steckt zaghaft den Kopf herein. >Kann ich euch etwas bringen? < Jorindel, genau das ist ihr Namen. Im ersten Moment will Sigourny verneinen, aber da kommt ihr eine Idee. „Meine Stiefel, die, die ich getragen hab, als ich ankam … wo du mir den einen vom Bein geschnitten hast, sind die noch irgendwo hier?“ >Ja Madame, natürlich.< „Sehr gut. Bringst du mir die bitte. Und einen Streifen Stoff oder Leder, am besten in schwarz wenn das geht …“ Die Magd schaut zwar etwas verdattert drein, verschwindet aber um wenig später mit dem Gewünschten zurück zu kehren. Sigourny ist erleichtert, hat sie doch schon befürchtet, dass die Stiefel entsorgt worden sind, immerhin ist der eine ja zerschnitten. „Danke!“ Unter den neugierigen Blicken von Dar und der Magd schlüpft sie zuerst in den Heilgebliebenen. Der andere wurde, ihrem scharfen Messer sei Dank, fein säuberlich an der Vorderseite aufgeschnitten, bis ganz zum Rist hinunter. Nun klappt sie den Schaft nach hinten, steigt vorsichtig mit dem Fuß hinein und klappt das weiche Leder wieder hoch. Das Material schmiegt sich um die Schiene herum. An der klafft es allerdings ob des zusätzlichen Umfangs des Knöchels auseinander. Mit einer Hand hält sie die beiden Seiten zusammen und fixiert dabei gleichzeitig das Ende des schwarzen Stoffstreifens während sie mit der anderen Hand den Rest des selbigen einige Male um ihr Bein wickelt. Am Ende verknotet sie die beiden Enden und bindet sie zu einer Schleife. „Fertig! Jetzt können wir los. Jorindel, weißt du wo Xilian ist?“ >Bei den Ställen Madame!<

So verlassen Sigourny und Dar das Arbeitszimmer und gleich darauf das Haus. Jorindel hat ihr noch schnell einen Umhang gereicht, vermutlich von Shalhor, denn er geht ihr bis fast zum Boden. Aber er ist warm, das Wichtigste an einem doch recht frostigen Tag. Kaum haben sie im Garten allerdings den Hauptweg verlassen, um die Stallungen anzusteuern sehen sie sich von vier riesigen Hunden umgeben. Jener, der ihnen unmittelbar den Weg versperrt, kommt ihr vage bekannt vor. Ist es nicht derselbe, der Shalhor und die beiden anderen in die Unterstadt begleitet hat? Zumindest würde die Farbe stimmen … Langsam setzt sie ihren Fuß zu einem weiteren Schritt nach vorne, verharrt aber in der Bewegung, als ein dumpfes Grollen der Hundekehle entweicht. Ohoh … verdammt! Shalhor hat mir doch gesagt, ich soll Xilian Bescheid geben, wenn ich raus gehe … wegen der Hunde. Vergessen, Mist! Die Hündinnen lassen sie eben so wenig aus den Augen wie der Rüde, der dem Grollen ein deutliches und tiefes >Wuff< folgen lässt. Soll wohl so viel wie ‚Stehen bleiben! ‘ heißen. „Ich denke wir sollten zurück ins Haus gehen … aber langsam. Und den Tieren nicht in die Augen schauen, das reizt sie.“ Doch in diesem Moment kommt Xilian um die Ecke. >Jorindel hat mir gesagt, dass ihr nach draußen gegangen seid und dann habe ich die Hunde schon gehört.< „Xilian, Shal … seine Lordschaft hat mir gesagt, ich soll dir Bescheid geben, wenn ich raus will, ich … ich hab‘s aber vergessen, tut mir leid. Kannst du … ich meine denkst du es ist in Ordnung, wenn du Iza k'Dar und mich mit der Kutsche zum Faêyris-Tempel fährst?“ >Sicher Madame, gerne! Ich fahre die Kutsche vor, bittet wartet einstweilen am Hauptweg, der Hunde wegen. <

Unter den wachsamen Augen der selbigen kehren Sigourny und Dar die wenigen Schritten zu diesem zurück und es dauert nicht lange, bis der Kutscher mit dem Gefährt um die Ecke kommt. Sie ist froh, dass die Option, den Weg zum Tempel auf einem Pferd zurück zulegen gar nicht mehr zur Sprache gekommen ist. Sie ist noch nie auf einem solchen gesessen und wenn sie ehrlich ist hat sie ein wenig Respekt vor diesen Tieren, sind sie doch meist größer und vor allem um einiges stärker als sie. Erleichtert steigt sie, gefolgt von Dar in die Kutsche. >Zum Faêyris-Tempel? < vergewissert Xilian noch einmal, was Dar bestätigt. „Und können wir am Rückweg vielleicht beim Schuhmacher Halt machen? Auf Dauer wird diese Stiefel Lösung nicht funktionieren … nicht in der Form.“
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Sigourny

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122

Friday, March 1st 2019, 8:35pm

-> Straßen der Stadt
Am selben Tag, Nachmittags
Adele, denn niemand anderer als die oberste Magd ist es, die ihnen die Tür öffnet, schüttelt auf Dars Frage hin den Kopf. Nein, in diesem Haus sind keine Botenkinder zu finden. Der Zwerg schickt sich daraufhin sofort an, sich wieder auf den Weg zu machen, doch Sigourny hält ihn zurück. „Dar, wenn du zu der Frau mit den beiden Kindern gehst, dann nimm bitte einen Korb Lebensmittel mit. Geh da zu Annest, erklär ihr die Lage und beruf dich auf mich. Sie weiß dann schon, was zu tun ist. Keine Sorge, vertrau mir!“ Ihr ist der skeptische Blick nicht entgangen aber Dar kennt ihre Hausperle noch nicht lange genug. Auf Fremde oder weniger Bekannte wirkt die alte Köche schon etwas herrisch und streng, doch unter der harten Schale schlägt ein weiches Herz und es ist nicht das erste Mal, dass sie armen Kinderseelen Nahrungsmittel hat zukommen lassen. Überhaupt ist es unter den Gassenkindern und jenen aus den Armenvierteln ein offenes Geheimnis, dass es sich lohnt, von Zeit zu Zeit an die Hintertür des Pfirsichs zu klopfen: Mit Botengängen, kleinen Hilfsdiensten in Stall und Haus oder auch Unterstützung bei den Einkäufen konnten sie sich den einen oder anderen Kupferling verdienen zuzüglich einer warmen Mahlzeit. Und auch wurden keine Lebensmittel, sofern sie noch genießbar waren, je weggeworfen. Aber die Kinder wissen auch, dass sie immer zur Hintertür kommen müssen. Sigourny kann nur in kleinem Rahmen helfen, der Pfirsich ist was er ist und würde der Gasthof sich zu einem Waisenhaus oder einer offenen Armenspeisung wandeln, wäre es aus mit ihrem Geschäft. Aber dieses Wissen ist wohl der Grund, dass der Junge sie sofort erkannt hat obgleich sie ihn noch nie gesehen oder bewusst wahrgenommen hat.

Dar nickt ob dieser neuen Anweisung, verabschiedet sich und macht sich dann eiligst davon, dabei aber sorgsam darauf achtend, den Hauptweg nicht zu verlassen. Die Hunde sind im Moment zwar nicht zu sehen, aber Sigourny ist sich sicher, dass die treuen Wächter genau wissen, wer sich wo in ihrem Revier aufhält. Einen Moment noch sieht sie ihrem Haus- und Hofpfuscher nach, ehe sie Adele ins Haus folgt. Shalhor, so erfährt sie von der obersten Magd, sei noch nicht wieder zurück. „Wenn Madame wünschen, könnt ihr seine Lordschaft gerne in der Bibliothek erwarten oder im Botanikum oder … im Herrengemach.“ Ihr entgeht keineswegs das kurze Zögern der Magd, als sie ihr seine persönlichen Räume anbietet. Aber genau da hin will sie sich zurückziehen, sich vielleicht einen Moment hinlegen, spürt sie nun doch die Erschöpfung des Tages. Es sind nicht nur die Verletzungen des Fenstersturzes, auch steckt ihr die überwundene Vergiftung noch irgendwie in den Knochen, den im Gegensatz zu den anderen Patienten hat sie nicht ganz vierundzwanzig Stunden das Bett gehütet, von wirklicher Schonung ganz zu schweigen. „Ich gehe nach oben. Könnte ich vielleicht bitte einen Becher Coffea bekommen und noch einmal Wasser und Tücher für einen kalten Umschlag?“ Shalhors oberste Magd nickt und während diese in der Küche verschwindet, beginnt Sigourny langsam die Treppe zu erklimmen. Stufen steigen ist um einiges anstrengender, als sich auf ebenem Gelände fortzubewegen und als sie endlich im ersten Stock angekommen ist, muss sie kurz stehen bleiben, um den aufkommenden Schwindel zurück zu drängen. Nein, wirklich fit ist sie noch lange nicht und diese Erkenntnis behagt ihr ganz und gar nicht. Es fühlt sich an wie eine halbe Ewigkeit, bis sie endlich im Herrengemach angelangt ist und sich mit einem erleichterten Seufzer auf das Bett sinken lässt. Xilian oder eine andere gute Seele hat ihre Einkäufe schon neben die Kleiderschränke Shalhors gestellt. Heute würde sie gewiss nicht mehr mit der Stiefelreparatur beginnen aber ihr zweites Paar Schuhe würde sie gern noch mal anprobieren. Da fällt ihr Blick auf einen kleinen Zettel, der unter dem Schrank hervorlugt. Dieser ist ein filigran gearbeitet Möbelstück, welches nicht direkt am Boden steht, sondern auf kleinen Füßchen ruht, die einen schmalen Spalt zwischen dem Schrank und selbigem bilden. Und genau dort liegt das Pergamentstück. Normalerweise würde Sigourny es lassen wo es ist, immerhin ist es nicht ihr Haus und zu viel wissen kann mitunter schlecht ausgehen (eine der wichtigsten Regeln auf der Straße) aber ihr sticht die Handschrift ins Auge und die kennt sie zu gut: Es ist Tanes!

Mit zusammengebissenen Zähnen rappelt sie sich erneut auf, humpelt zum Schrank und fischt die Botschaft hervor. Anstatt sich aber wieder auf die Bettstatt zu setzen sinkt sie gleich auf einen der Stühle im Fensterrund. Gerade als sie sich anschickt, das Schriftstück zu lesen, hört sie Schritte. Da sie sich sicher ist, dass rumschnüffeln kein gutes Licht auf sie wirft und sie außerdem nicht erfahren würde, was Tane von Shalhor will, schiebt sie die Nachricht kurzerhand unter ihr Hinterteil. Einfach draufsetzen und tun als wäre nichts gewesen, ganz einfach. Aber es ist nicht, wie sie erwartet hätte, Shalhor, sondern Adele, ausgerüstet mit Coffea, einem Stapel Tücher und einer Schüssel kaltem Wasser. Wie am Vorabend legt ihr die Magd einen kühlen Wickel an. Gedankenverloren nippt Sigourny währenddessen am Coffea. Was hat Tane mit Shalhor zu tun, das es bedarf, Nachrichten zu verschicken? Wo ihr brüderlicher Freund, zwar des Schreibens und Lesens kundig ist, es aber absolut nicht leiden kann? Nur am Rande bekommt sie mit, dass Adele sich nach weiteren Wünschen ihrerseits erkundigt. Fast automatisch schüttelt sie den Kopf und zieht, kaum hat die Magd den Raum verlassen, die Botschaft unter ihrem Rock hervor.

Mit zusammengekniffenen Augen entschlüsselt sie die wenigen Zeilen

Quoted

Shu're Shalhor, gestern kam es zu einer erneuten unschönen Begebenheit, unsere gemeinsamen Freunde wollten unser Etablissement um eine Möglichkeit zum Schlittschuhlaufen vor dem Eingang erweitern. Leider wurde es verabsäumt, uns vorab darüber in Kenntnis zu setzen. Den Göttern sei Dank ist keinem etwas geschehen und wir haben die Gabe schon entsprechend entversorgt.

Ich bitte euch, Sigourny nichts zu sagen,da sie sich ansonsten bemüßigt fühlen wird, zurück zu kommen und ich, wir der Meinung sind, es ist angesichts der Lage und der letzten Vorkommnisse besser, sie bleibt wo sie ist. Besten Dank und verzeiht die Mühen, Tane
Ihre Hand mit dem Becher Coffea stoppt auf halben Weg zu ihrem Mund. Sie kann es nicht glauben, was sie da liest. Was soll das heißen, erneute unschöne Begebenheit? Und was soll der Schwachsinn, ihr nichts zu sagen? Sind denn alle komplett wahnsinnig geworden sie kann doch nicht …

>Guten Abend Puh‘! Na wie war dein Tag? < Sie hat Shalhors Rückkehr gar nicht mitbekommen und mit einem Ruck fährt sie hoch, als er sie anspricht. Ihre Augen funkeln vor Wut. Oh bei allen Göttern sie ist wütend, verdammt wütend sogar. Wenn sie eines nicht leiden kann, dann ist es, belogen zu werden. „Bis vor kurzem war er sehr erbaulich, besten Dank!“ Ihre Stimme ist schneidend ruhig, wie die Luft vor einem herannahenden Gewitter oder Sturm. „Aber dann habe ich das hier gefunden!“ Sie hält ihm den Zettel unter die Nase, denn mittlerweile ist er, alarmiert durch ihre Emotionen nähergekommen. Und bekommt nun einen Temperamentsausbruch an den Kopf geknallt, der sich gewaschen hat. „Verdammte Niederhöllen Shalhor WAS soll DAS? Was soll das heißen es ist besser ich bleibe wo ich bin? Und von welcher verfluchten Möglichkeit zum Schlittschuhlaufen ist hier die Rede? Und …“ bei dem nun aufkommenden Gedanken steigen ihr die Tränen in die Augen „… war das alles nur Maskerade, Schauspiel? Das was … was war in den letzten beiden Tagen, das … zwischen uns?“ Bei diesem Gedanken zieht sich alles in ihrem Inneren zusammen, gleichzeitig schielt sie sich eine Närrin. Wie hatte sie nur zulassen können, dass ein Mann ihr so nahekommt, ihr so unter die Haut geht?
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Shalhor

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123

Sunday, March 3rd 2019, 3:44am

Er war nicht seine Absicht, sie zu erschrecken. Aber sie war wohl so in das Schriftstück in ihren Händen vertieft, dass sie sein Eintreten gar nicht bemerkt hatte und zusammenzuckt, als er sie anspricht. Sie ist aufgebracht, wirklich furchtbar aufgebracht. Nicht nur ihre Augen funkeln mordlüstern, auch ihre Stimme ist schneidend scharf. Wegen des Schreibens? Schlagartig verschwindet das Lächeln, sie zu sehen, von seinen Zügen und er eilt zu ihr auf die Empore. Ist es etwa von der Grappe? Die Vermutung liegt nahe, denn Dar hatte ihm heute Morgen unter vier Augen zugeraunt, sich heute in der Oberstadt tunlichst zu zeigen und Oberstadt dabei derart betont, dass Shalhor sofort begriffen hatte, dass irgendwas in der Unterstadt geschehen würde, mit dem er besser nicht in Verbindung gebracht wird. Er hat keine Ahnung, was sich nun tatsächlich abgespielt haben mag. Aber es wäre gewiss nicht zu weit hergeholt anzunehmen, dass es einer gewissen, dort ansässigen Madam nicht gefallen sollte. Es ist also gar nicht so abwegig, dass das Biest Gift und Galle speit und Sigourny mit weiteren Drohungen und Ultimaten bedenkt.

Er soll jedoch nicht dazu kommen, sie zu fragen, was sie wütend macht, prompt erfährt er nicht nur, dass sie dieses Schreiben nicht erhalten sondern gefunden hatte und bekommt es postwendend unter der Nase gerieben. Ouuuh! Das ist nicht von der Grappe und d a s hat n i c h t in ihre Hände gelangen sollen, scheint ihm der Stehkragen doch ein wenig enger werden zu wollen und muss schlucken. Er hatte es doch wohlweislich in der Innentasche seines Surcots verwahrt, den er auch heute trägt. Er kann sich gerade noch verkneifen, danach zu tasten, denn dort kann es ja nun wirklich nicht mehr sein. Sie wird doch wohl nicht ... Nein, wehrt er diesen Gedanken ab, weil er ihr glaubt, dass sie es gerade erst gefunden hat. Sie haben heute morgen gemeinsam sein Gemach verlassen. Er hat sie ins Untergeschoss hinab getragen und Dars Obhut übergeben. Und als er nach hause kam und sich erkundigt hatte, wo Madam Sigourny zu finden sei, hatte ihm Adele erzählt, sie habe sich in sein Gemach zurückgezogen, nachdem sie mit dem schwarzen Mann und Xilian einen längeren Ausflug per Kutsche unternommen hatten, von dem sie auch noch nicht lang zurück seien. wenn sie nicht in seinem Haus war, muss er ihn aus der Tasche gefallen sein, gestern als er den Surcot abgelegt und über die Stuhllehne gelegt hatte.

Er weiß nicht, wie er es ihr erklären soll, ohne dass sie sich dabei fürchterlich bevormundet kommen muss. Vermutlich deshalb, weil sie letztlich nichts anderes getan hatten, auch wenn es natürlich nur zu ihrem Besten war. Auf ihre Verfassung will er allerdings auch nicht anspielen. Und plötzlich steht sie da mit Tränen in den Augen und konfrontiert ihn mit einer Vermutung, bei der sich ihm schier alle Nackenhärchen aufstellen. "Götter im Himmel, Puh' ... so etwas darfst Du nicht denken", nimmt er ihre Hände zwischen seine und beteuert ihr: "Mir würde niemals in den Sinn kommen, mit irgendjemandes Gefühlen zu spielen, mit Deinen erst recht nicht. Bitte, das musst Du mir glauben. Dass zwischen uns ... das alles ... ach Puh', ich weiß doch auch nicht, warum es geschieht oder wo es hinführen wird. Ich weiß mich eigentlich zu beherrschen, spreche mit niemanden über ... gewisse Dinge und ich bin auch kein Mann für gewisse Stunden ... eigentlich. Aber Du bringst mich aus dem Konzept, gehst mir unter die Haut und ich habe nicht den blassesten Schimmer, wie Du das anstellst", zieht er ihre Hände schließlich an seine Lippen und haucht ihr sanfte Küsse auf ihre zarten, schlanken Finger. "Ich bin nicht einmal imstande, irgendetwas zu bereuen."
Man sollte keine Dummheit zweimal begehen, die Auswahl ist schließlich groß genug!

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Sigourny

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124

Sunday, March 3rd 2019, 10:33am

Mit keinem Wort versucht er sich zu rechtfertigen, Nichts zu beschönigen. Eigentlich geht er überhaupt nicht auf die Sache mit dem Brief ein. Was er hingegen tut, ist genau das auszusprechen, was auch sie empfindet. Ihre Hände zittern, als seine Lippen diese sanft berühren. In ihrem Inneren toben die Gefühle, Wut, Erstaunen, Erleichterung, Furcht … alles gleichzeitig und durcheinander. >Ich bin nicht einmal imstande, irgendetwas zu bereuen.< „Ich bereue doch auch nichts, keine Sekunde. Aber ich habe Angst, ich meine noch vor wenigen Siebentagen wusste ich genau, was kommen würde, glaubte ich alles im Griff zu haben. Dann hat mich die Vergangenheit eingeholt und gleichzeitig bist du in mein Leben gekommen, richtig meine ich, nicht nur als Geschäftspartner. In gefühlt einem einzigen Moment Schwarz und Weiß, Schatten und Licht. Ich … ich habe noch nie jemanden so nahe an mich heran gelassen, jemanden so viel von meinem Inneren gezeigt. Du bringst mich dazu meine schwachen Seiten zu zeigen, jegliche Mauer fallen zu lassen und ich weiß nicht warum. Ich habe nie jemandem vertraut doch bei dir … bei dir ist es so leicht. Aber dieser Brief …“ Sie sieht ihm in die Augen, fängt seinen Blick ein, wie sie es schon einige Male getan hat, den Blick dieser indigoblauen Augen, die in ihre Seele zu sehen scheinen. „… kannst du dir vorstellen, was das für ein Gefühl ist, so zu erfahren, dass etwas im Gange ist, etwas verborgen wird, etwas, was dein Leben betrifft? Verflucht das tut weh!“ Bei den letzten Worten ist ihre Wut wieder aufgeflammt, die sich kurzfristig von seinen Worten hat beruhigen lassen. Mit einem Ruck entzieht sie ihm die rechte Hand und verpasst ihm einen Schlag gegen die Schulter, nicht allzu fest aber doch. Den ersten Schlag lässt er sich gefallen, den zweiten fängt er jedoch ab und hält ihre Hände nun einen Tick fester, ihren Vesuch, sich losreisen zu wollen einfach ignorierend. "Ich …ich will dir vertrauen, auch weiterhin, aber bitte, bei allen Göttern, verheimliche mir nichts was mit mir oder meinem Leben zu tun hat. Ich kann so ziemlich alles vertragen, ertragen … außer Lügen und Geheimnisse.“ Eine einsame Träne bahnt sich ihren Weg über ihr Gesicht, geschuldet dem Gefühlschaos in ihrem Inneren. Sie will ihn gleichzeitig küssen, schlagen, wieder küssen, wegrennen, hier bleiben, eigentlich weiß sie gar nicht was sie will. „Wo das alles hinführen soll … ich weiß es auch nicht aber … aber ich bin bereit den Weg zu gehen, … wenn du ihn mitgehen willst ...?“
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Shalhor

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125

Wednesday, March 6th 2019, 4:33pm

Ja diese vermaledeite Nachricht, seufzt Shalhor im Stillen. Er könnte sich ohrfeigen, Tanes Schreiben nicht gleich an Ort und Stelle in der Großen Halle im Kamin verbrannt zu haben. Sie hätte nicht davon erfahren und alles wäre in bester Ordnung. Doch es will ihm nicht gelingen, indigniert die Augen zu verdrehen, auch wenn er diese Aufregung gar nicht so recht verstehen will. Ihre Augen halten sie Seinen gefangen, wie ihn auch ihre Worte zwingen, sich doch in sie hinein versetzen zu müssen. Wohl fühlt er sich allerdings nicht in seiner Haut zu erfahren, dass es sie verletzt, auf diese Weise von der neuen Missetat zu erfahren. Aber das haben weder Tane noch er bezweckt! Mag sie denn gar nicht erkennen, dass all diese Geheimniskrämerei nur ihr Wohl im Auge hatte? "Wir waren verrückt vor lauter Sorge um Dich. Wir haben doch mit angesehen, wie Du am Boden kauernd und völlig verzweifelt weinen musstest. Wir haben Dich verletzt aus der Unterstadt rausgeholt und konnten Dich gerade noch vor Schlimmeren bewahren. Verdammt, Puh', ich weiß doch, was die Grappe Dir schon angetan hat und noch antun würde, wenn sie Dich nur in die Finger bekommt. Wenn es in meiner Macht stünde, würde ich auch jeden scheußlichen Traum von Dir fern halten. Das kann ich leider nicht, aber doch wenigstens alles Andere, was Dir ..." Kummer machen will, hatte er sagen wollen, doch sie entreißt ihm ihre Hand und verpasst ihm einen Schlag - keinen, der diese Bezeichnung eigentlich verdient und einen Zweiten kann er vereiteln. An ihrem Zorn ändert das natürlich nichts. Aber warum zum Dunklen muss sie schon wieder so verflucht aufregend auf ihn wirken, wenn sie aufgebracht ist? Das ist äußerst verstörend, übt zänkisches Weibervolk doch eine ganz andere Wirkung auf ihn aus. Und es ist auch nicht fair, denn wie soll er sich auf seine Rechtfertigung konzentrieren, wenn er sich nicht einmal entscheiden kann, ob er sie an sich ziehen und küssen oder von sich schieben und auf Sicherheitsabstand bringen will. Während sie von Vertrauen spricht und davon, alles außer Lügen und Geheimnissen ertragen zu können, hat er ganz andere Sorgen ... berühren ... argumentieren ... verführen ... disziplinieren. Und mitten in den Kampf zwischen Herz und Verstand platzt sie mit der Frage, ob er diesen Weg mit ihr zusammen gehen will? Verblüfft öffnet er den Mund, um etwas zu sagen, nur er weiß beim besten Willen nicht was. Das ist doch Wahnsinn! Hat sie überhaupt eine Vorstellung, auf was sie sich einlässt? Andererseits hat ihn das auch nicht davon abgehalten, sie zu verführen. Es wird kompliziert, viel zu kompliziert für eine einfache Antwort auf diese Frage. Er lässt ihre Hände fahren, um sich das Haarband vom Zopf zu ziehen, mit dem er sein Deckhaar zurückgenommen hat und fährt sich reichlich überfordert mit der anderen Hand durch das Haar. Doch weder das noch der starre Blick hinauf in die verspiegelte Kuppel, in der er sich von oben herab so sehen kann, als sei er nicht mehr Teil seiner selbst, mag seinen Zwiespalt klären. Mit einem Seufzer lässt er davon ab und zieht sie an sich, ganz fest, die Wange gegen ihren Schopf geschmiegt und schließt die Augen. Da wird es ihm klar. Er kann sich dagegen sträuben wie er will, es ändert nichts daran, dass er sich in sie verliebt hat. Er will nicht nur ihren Leib mit all seinen hinreißend, weiblichen Vorzügen. Er will nicht nur den Rausch, wenn sie sich ihm hingibt. Er will sie ganz und er gibt klein bei. "Keine Lügen und Geheimnisse mehr. Ich geh mit Dir, wohin Du willst."
Man sollte keine Dummheit zweimal begehen, die Auswahl ist schließlich groß genug!

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Sigourny

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126

Wednesday, March 6th 2019, 8:51pm

> Keine Lügen und Geheimnisse mehr. Ich geh mit Dir, wohin Du willst. < Keine noch so verführerische Nacht, keine noch so flammende Rede hätte das bewirkt, was diese beiden Sätze in ihr auslösen: Die letzte feine Schutzschicht, die sie noch um ihr Herz und ihre Seele trägt, zerspringt in gefühlte tausend Stücke. Sie erwidert seine Umarmung, schmiegt sich an ihn, spürt seinen Atem in ihrem Haar und kann es sich endlich eingestehen, was ihr Herz in einem verborgenen Teil schon seit jener ersten Nacht in ihrer Kammer, als sie einander aus den Schatten der Vergangenheit heraus geholfen hatten, gehofft, gewusst hat: er ist jener Mann, nach dem sie sich im Innersten immer gesehnt hat, jener Mann, der die Frau hinter der Verführerin sieht. Der, bei dem sie sie selbst sein kann, der den sie lieben kann, nicht nur seinen Körper, sondern vor allem auch seine Seele, einfach ihn als Ganzes. Und dem sie vertrauen will. Sie ist ihren Weg zumeist allein gegangen, gerade einmal Tane durfte sie manche Stücke begleiten. Aber das war ein Nebeneinander gewesen, kein Miteinander. Und mit ihm, diesem nach aussen so unnahbaren Elben, der im Inneren aber eine so einfühlsame Seele besitzt, will sie ein miteinander wagen. Sie weiß, dass sie sich auf etwas einlässt, von dem keiner von ihnen beiden weiß, wie es enden wird. Sie beide sind gezeichnet und doch: Sie sind hier, nicht zerbrochen und Leben heißt den Weg nach vorne gehen. „Und ich geh mit dir, wohin du willst. Keine Lügen, keine Geheimnisse … und keine halsbrecherischen Alleingänge.“ Wie zur stillen Bestätigung streicht er ihr über den Rücken. Sie hat keine Ahnung, wie lange sie so stehen doch irgendwann muss sie ihr Gewicht leicht verlagern, den verletzten Knöchel entlasten. Die Erschöpfung, die durch ihre Wut und die Aufregung in den Hintergrund gedrängt worden war, kehrt zurück und mit ihr auch das dumpfe Pochen. Er merkt es, hebt sie sanft hoch und legt sie auf die Bettstatt, schiebt ihr ein Kissen unter den Fuß. Behutsam streicht er ihr eine Haarsträhne aus der Stirn. Sie hält seine Hand fest und zieht ihn wortlos neben sich auf das Lager, kuschelt sich an seine Schulter, um einfach wieder gehalten zu werden. Irgendwann beginnt sie mit leiser Stimme von ihrem Tag zu erzählen, während ihr Finger gedankenverloren mit den Stofffalten seines Surcots spielen. Sie erzählt ihm von ihrem Besuch im Tempel, den seltsamen Empfindungen, als Ketell ihre Heilmagie gewirkt hat, dem Einkaufsbummel bei Meister Ahlenstiel und beim Kupferschmied bis hin zu ihrem Abstecher in den Nordspitz, um die beiden Kinder heim zu bringen. „Weißt du übrigens was Dar sich ausgedacht hat, um die Verletzungen zu erklären? Ich hätte versucht reiten zu lernen und wäre dabei vom Pferd gefallen.“ Ein leises Lachen entfährt ihr. „Ausgerechnet reiten lernen, wo ich doch noch nie näher als drei Schritt auf ein Pferd zugegangen bin, von drauf setzen ganz zu schweigen. Lach mich jetzt nicht aus Seemann aber … aber irgendwie hab‘ ich einen gehörigen Respekt vor denen. Ich leg mich ohne mit der Wimper zu zucken mit jedem Gossenschläger an aber Pferde … wenn es hoch kommt war ich vielleicht drei oder vier Mal im Mietstall. Verrückt nicht wahr?“ Sie dreht sich auf die Seite und stützt sich auf ihren Ellbogen. Nun spielt sie mit einer Strähne seines Haars. „Und wie war dein Tag?“
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Kaya

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127

Wednesday, March 6th 2019, 11:08pm

Müde schleppt Kaya sich die drei Stufen hinauf und durch die große Eichenholztür in die schützenden Mauern Taresnars. Die Rituale, die sie in den letzten Tagen durchgeführt hat, um auf ihren Wegen wenigstens einen kleinen Schritt vorwärts zu kommen, haben von Körper und Geist viel gefordert. Noch nie hat Kaya sich nach diesem weichen Muschelbett gesehnt. Jetzt aber ist sie sich ziemlich sicher, dass sie auf der Stelle einschlafen wird, sobald sie das Lager auch nur ansieht. Vielleicht sollte ich doch zuvor baden?, überlegt sie, als sie ihren Mantel ablegt. Prüfend schnuppert sie an ihren Achseln. Ach, was soll‘s. Auf eine Nacht mehr kommt es nun auch nicht mehr an.
Wenigstens hat sie es noch zeitig geschafft, bevor die Türen des Anwesens wie jede Nacht verschlossen werden, fällt es ihr auf, als Adele ihr entgegen kommt, eben jene Tür zu verschließen.
„Kaya, du bist zurück!“, wird sie herzlich empfangen und gedrückt, nur um nächsten Moment wieder fortgeschoben zu werden und mit einem von Schnauben begleiteten Kopfschütteln begutachtet zu werden.
„Kind, du brauchst dringend ein Bad.“
„Suu, aber erst morgen… Ich bin hundemüde…“
Adele schnalzt mit der Zunge, als wolle sie dem Mädchen widersprechen. Nach einer weiteren Musterung Kayas Züge allerdings lässt sie es gut sein und nimmt ihr stattdessen den Mantel ab.
„Wasch dir wenigstens Gesicht und Hände. Ich will gar nicht wissen, was du schon wieder alles angefasst hast. Ich bring dir gleich ein wenig warmes Wasser.“
Mit zusammengepressten Lippen, um ein Grinsen zu unterdrücken, nickt Kaya und greift nach ihrem Rucksack, endlich ihr Zimmer aufzusuchen. Da hält sie noch einmal inne und wendet sich noch einmal um.
„Ist Shu’re Shalhor da?“
„Ist er. Ich denke oben, in seinem Gemach.“
„Danke“, will Kaya schon ihren Weg fortsetzen als Adele fortsetzt.
„Es ist seit wenigen Tagen Besuch da.“
Fragend neigt Kaya den Kopf.
„Also… es ist eine Frau. Sie hatte sich wohl verletzt und seine Lordschaft nahm sie… Kaya? Kaya!“
Längst sprintet Kaya die Treppe empor. Ihr klopfendes Herz lässt sie für den Augenblick jede Erschöpfung vergessen. Besuch einer Frau und das nicht erst seit heute. Sollte etwa… Kann das sein? Nach dieser gefühlten Ewigkeit? Endlich?
Noch nie ist Kaya auf die Idee gekommen, die Tür zum Gemach des Hausherrn ohne Ankündigung zu öffnen. Jetzt aber verschwendet sie nicht einmal einen Gedanken daran.
„Anaana?!“
Verdattert steht Kaya in der Tür und starrt zu der… Frau in… Shalhors Bett? Also… Ihre Mutter ist das nicht. Kaya blinzelt. Aber wer…? In seinem… Bett? Mit…? Verwirrt sieht Kaya sich im Zimmer um, als könne sie irgendwo eine Antwort auf diese… merkwürdige Situation finden.
Dann sieht sie noch einmal zu den beiden herüber. Kurz nur. Ganz kurz. Um sicherzugehen, dass sie sich nicht verguckt hat. Und im nächsten Augenblick hat sie sowohl die Tür seines Gemachs wie auch die ihres Zimmers hinter sich zugezogen. Irritiert lehnt sie sich mit dem Rücken an die Tür.
Was zur Hölle…

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Shalhor

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128

Thursday, March 7th 2019, 6:20pm

Wie einfach sich alles mit einem Mal anfühlt ... und schön, lächelt Shalhor still in sich hinein, während er neben und mit ihr auf seinem Bett herumlümmelt und lauscht, was sie von ihrem Tag zu berichten weiß. Dabei fällt ihm Dars Rat von heute morgen wieder ein und auf, wie er ihn mit Puh', die davon nichts weiß, in die Tat umgesetzt hatte. Keine Lügen, keine Geheimnisse ... er sollte ihr unbedingt davon erzählen. Just allerdings bringt sie ihn zum Lachen. Er lacht sie nicht aus, sich vor Pferden zu fürchten, er lacht mit ihr. Ein bisschen verrückt mag es schon klingen, denn Pferde sind Fluchttiere, die eher Reißaus nehmen, statt anzugreifen, sofern sie die Ausweichmöglichkeit haben. Gut, diese Möglichkeit haben sie im Stall in einer Pferdebox nicht, aber Reit- und Kutschpferde sind an Zweibeiner gewöhnt und wenn man sich ihnen ruhig nähert alles Andere als ängstlich oder gar aggressiv. Das heißt leider nicht, dass es nicht bedauernswert verstörte Geschöpfe gäbe, die so schlecht behandelt wurden, dass sie niemanden oder nur ganz bestimmte Personen an sich heranlassen. "Jedem Geschöpf gebührt Respekt, wie allen Schöpfungen der Götter, aber gegen Deine Furcht vor Pferden könnten wir durchaus etwas tun, wenn Du willst. Ich habe zwei Reitpferde, meinen Hengst und eine inzwischen alte, aber noch sehr rüstige Stute, die einmal meiner Tochter gehörte. Sie hat ein vollkommen ausgeglichenes, sanftes Naturell, dass ich euch beide gern einmal miteinander bekannt machen würde. Und wenn Du ihr einen Apfel oder eine Karotte mitbringst, hat sie Dich schon ins Herz geschlossen. Jetzt schau doch nicht so erschrocken," haucht er ihr einen Kuss auf die Stirn. "Du brauchst sie nicht gleich reiten, aber wenn Du erstmal ihre warmen, weichen Nüstern unter Deinen Fingern spürst, wirst Du gar nicht mehr aufhören wollen, sie zu streicheln. Darauf gehe ich jede Wette ein", funkelt er sie herausfordend an. "Na wie wär's, wenn Du sie dann immer noch furchteinflößend findest, machen wir an diesem Tag genau das, was Du möchtest. Wenn nicht, begleitest Du mich in Talyras Umland und hilfst mir bei den Vorbereitungen zum Ehrentag meines Mündels, aye?" Sie nimmt an und er freut sich schon darauf, vollkommen gleich wie es ausgehen mag, Auch das sie ihn dann fragt, wie sein Tag war, rührt ihn an. Es hat etwas von den glücklichen Tagen seiner Ehe, als noch keine Schatten nach Neridye trachteten und sie beide es kaum erwarten konnten, dass er vom Tagewerk nach Hause kam, um einander zu erzählen, was sie währenddessen erlebt hatten. Und es macht diesen aufreibenden Tag wett, denn: "Er war anstrengend. Wir arbeiten gerade an einem kleinen Passagierschiff für einen Blurraenter Edelmann, der die Winter auf seinem Landsitz in Surmera verbringt und zukünftig lieber etwas komfortabler auf dem Seeweg dorthin reisen möchte. Auf dem Weg auf seinen Wintersitz hat er es nun heute seiner Tochter zeigen wollen und es war das reinste Desaster. Die junge Dame hatte recht eigenwillige Vorstellungen von Konstruktionsweisen, um nicht zu sagen gar keine und ich musste ihr erklären, dass der Mast nicht nur aus dekorativen Gründen auf dem Oberdeck herumsteht, sondern ganz zwingend mit dem Schiffsrumpf verbunden sein muss, dass das Steuerrad das Steuerruder nicht von Zauberhand bewegt, sondern eine gewisse Konstruktion unter Deck und somit auch seinen Platz benötigt, der Frachtraum und Kombüse durchaus Sinn machen, weil auf dem Ildorel keine Gasthäuser herumschwimmen und Besatzung sowie mitzunehmende Dienerschaft ganz sicher nicht an Deck hausen können, weil dem gnädigen ..." , bricht Shalhor ab, weil die Tür zu seinem Gemach ohne anzuklopfen aufgerissen wird und hört die vertraute Stimme, noch bevor er sich zu Kaya umgewendet hat. <Ananaa?!> "Kaya, Du bist zurück", kommt er allerdings nur dazu, erfreut festzustellen, denn als er seinen Arm unter Sigournys Leib hervorgeschält hat und sich aufrichten und zur Tür wenden kann, zieht sein Mündel die Tür schon zu. Was zum Dunklen ... Nun was immer das auch bedeuten sollte, er sollte ihr nachgehen und wendet sich noch einmal zu Sigourny um. "Ich sehe besser nach ihr. Magst Du mitkommen? Dann könnte ich euch gleich einander vorstellen."
Man sollte keine Dummheit zweimal begehen, die Auswahl ist schließlich groß genug!

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Sigourny

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Thursday, March 7th 2019, 9:56pm

Sie und ein Pferd? Bei jedem anderen würde sie einen solchen Vorschlag rundweg ablehnen und entsprechend erschrocken schaut sie ihn auch an, als er ihr vorschlägt, die Stute seiner Tochter kennen zu lernen. Aber sie wäre nicht sie wenn sie eine Herausforderung nicht annehmen würde und so willigt sie ein. Sein Gesichtsausdruck zeigt ihr, wie sehr er sich darüber freut, was ihr wieder Freude bereitet. So schwierig kann es nicht sein einem Pferd die Nase zu kraulen … denkt sie zumindest. Und sein Vorschlag, ihn ins Umland zu begleiten und ihm bei den Vorbereitungen für den Namenstag seiner Ziehtochter zu helfen rührt sie. Dass er sie so selbstverständlich in sein Leben einbindet, in das, was ihm wichtig ist. Das Umland … sie war kaum je wirklich aus Talyra heraus gekommen, früher, weil es dort eigentlich nichts Interessantes für sie gegeben hat und dann, weil sie es schlichtweg nicht geschafft hat neben ihrer Arbeit im und für den Pfirsich. Doch sie kommt nicht dazu, sich weitere Gedanken zu machen ob der kommenden Pferdebekanntschaft, denn nun ist es an ihm, sie zum Lachen zu bringen. Seine Schilderung von dem Edelmann und vor allem von seiner Tochter ist zu komisch und bei der Vorstellung von schwimmenden Gasthäuser am Ildoriel kichert sie dermaßen, dass ihr die Luft wegbleibt. Sie vergräbt ihr Näschen an seiner Schulter … als sie die Türe hört. Sie hat mit einer der Mägde gerechnet aber …>Ananaa?< Verdutzt blickt sie auf, während er sich hochrappelt. Ihr Blick fällt auf ein junges Mädchen, schätzungsweise ungefähr in Maddies Alter. Sie erhascht einen kurzen Blick auf braune Zöpfe und grün-braune Augen, die sie verdattert ansehen. >Kaya, du bist zurück< … das ist also sein Mündel. Aber ehe sie sie begrüßen und sich vorstellen kann, fällt die Tür wieder hinter ihr ins Schloss. Ups … Sigourny kann sich vorstellen, dass es für das Mädchen irritierend sein muss, sie eben so gesehen zu haben. Auch wenn sie sich nur unterhalten haben.

>Ich sehe besser nach ihr. Magst Du mitkommen? Dann könnte ich euch gleich einander vorstellen.< „Ich weiß nicht. Ich würde sie gerne kennen lernen aber ich denke, du solltest zuerst allein mit ihr sprechen. Denk dran, was ich dir über die Gemütsfassung von jungen Mädchen gesagt habe: Alles stellt sich auf den Kopf, zerlegt sich und wird neu zusammengesetzt. Und ich vermute mal, dass das eben für sie sehr … verwirrend war. Ich meine, sie kommt heim und findet eine Frau, die sie noch nie gesehen hat mit dir … im Bett.“ Sie hat sich aufgesetzt und ihre Beine über die Bettkante geschwungen. Nun steht sie auf, sehr vorsichtig, trägt sie doch keine Schiene und Dars Worte, was passieren kann, wenn sie erneut umknöchelt, klingen ihr zu deutlich im Ohr. Sanft küsst sie ihn auf den Mund, flüchtig, gerade ein Hauch. „Geh zu ihr, ich lege die Schiene an, warte ein paar Minuten und komm dann nach. Dann kannst du erstmal allein mit ihr reden. Aber … lass vielleicht ihre Zimmertür einen kleinen Spalt offen. Dann hör ich, ob es unpassend ist und kann ins Botanikum verschwinden. Und du kannst dann mit ihr dorthin nachkommen, wenn sie mich kennen lernen will.“ >Meinst du?< „Ja, ich denke das ist der beste Weg. Vor allem weil ich glaube, dass sie jemand anderen erwartet hat.“

Als er das Gemach verlässt, sieht sie ihm einen Moment nach, ehe sie zum Fensterrund humpelt und sich auf einem der Sessel niederlässt. Die Schiene liegt noch am Tisch und sie legt sie an. In Gedanken dankt sie Dar dafür, das Teil passt wie angegossen. Dann fischt sie ihre neuen Halbschuhe hervor und schlüpft hinein. Die Schiene schließt genau mit deren Rand ab. Schließlich geht sie noch hinter den Paravent, bürstet ihre Haare und flicht sie zu einem Zopf. Du schindest Zeit! Sie weiß nicht, warum, aber aus irgendeinem Grund hat sie ein wenig Magenflattern, wenn sie an Kaya denkt. Fast als wäre sie ein Eindringling. Du spinnst doch! Aber es ist ihr irgendwie wichtig, was das Mädchen von ihr hält, eben weil sie Shalhor etwas bedeutet. Sie hat sich noch nie vor irgendetwas gedrückt und so humpelt sie in Richtung Tür und zum Zimmer nebenan, aus deren angelehnter Tür Stimmen zu ihr dringen.
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Shalhor

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Friday, March 8th 2019, 1:21am

Verwirrend? Gewiss sie lagen zusammen in einem Bett, aber sie haben doch nur miteinander geredet, grübelt Shalhor, und das auch vollkommen bekleidet, dass an dieser Situation gar nichts unmissverständlich sein sollte. Oder doch? Menschen sind in solchen Dingen allerdings sehr eigen. Allerdings bezweifelt er, dass Kaya eine Vorstellung davon hat, was Mann und Frau außer darin liegen oder schlafen sonst noch miteinander tun könnten. Sie ist doch noch ... ist sie nicht, also nicht mehr so ganz. Die Menschen werden so irrsinnig schnell erwachsen, dass sich Shalhor immer wieder bewusst machen muss, dass Kaya nicht mehr sein kleines Wölfchen ist, beileibe auch noch keine Wölfin, aber wohl schon mächtig irgendwo dazwischen und gerade in dieser komplizierten Phase. Ganz bestimmt hat Puh' recht und er findet erst einmal allein heraus, warum Wölf...Kaya auf dem Absatz kehrt gemacht hat. In dieser Angelegenheit befolgt er bereitwillig den Rat einer Frau, besonders einer, der er vertraut. "Aber wenn sie mich zerpflückt, rettest Du mich, aye?" Es steckt weniger die Angst dahinter, zerpflückt zu werden als die Sorge, irgendetwas falsch zu machen. Bei ihrer letzten Unterhaltung hat sie ihn für einen verliebten Idioten und verrückten Märchenerzähler gehalten. Wer weiß, wozu sie ihre Gemütslage heute inspiriert. Mädchen in diesem Alter sind ihm einfach sehr suspekt.

Gerade als er sich erhebt, sagt Puh' etwas, dass ihn aufhorchen lässt, denn wen bei allen Göttern soll sie denn erwartet haben. Rialinn vielleicht? Moment, könnte Ananaa ein Name sein? Er ist sich nicht ganz sicher, aber ihm ist, als habe er sie dieses Wort schon einmal gebrauchen hören. Ananaa ... Ananaa ... nein er kommt nicht darauf. "Wünsch mir Glück", haucht er ihr nun seinerseits einen Kuss auf die Stirn, strafft sich und verlässt sein Gemach.

An ihrer Zimmertür klopft er dreimal an. "Kaya, ich bin's. Darf ich reinkommen?"
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Kaya

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Sunday, March 10th 2019, 1:41pm

Nach einem tiefen Atemzug löst Kaya sich von der Zimmertür und löst das Wolfsfell von ihren Schultern. Seufzend legt sie Uki über die Sessellehne und tritt an die Fensterfront.
Einige Herzschläge lang wandern ihre Augen ziellos durch die gerade angebrochene Nacht. Dann fährt sie sich mit beiden Händen erschöpft durch das Gesicht. Was immer das zu bedeuten hatte, heute wird sie das Zimmer ganz sicher nicht mehr betreten, um ihn danach zu fragen. Enttäuscht und irgendwie auch ein klein wenig traurig presst sie die Lippen aufeinander.
Du bist selbst schuld. Was machst du dir plötzlich solche Hoffnung?
Mit einem leisen, genervten Knurren wendet Kaya sich um und will sich gerade anschicken, eine Lampe zu entzünden als es drei Mal an der Tür klopft und Shu’re Shalhors Stimme erklingt.
Unschlüssig verharrt Kaya in der Bewegung und starrt zur Tür. Vielleicht… Wenn sie sich nicht bewegt?
Blödsinn. Er weiß, dass du da bist.
Das Mädchen rollt mit den Augen und seufzt tonlos. Dann geht sie zur Tür und öffnet sie nach einem zögerlichen Herzschlag gerade so weit, dass es nicht vollkommen ablehnend wirkt, aber auch nicht weit genug, als dass er es als Einladung, ihr Zimmer zu betreten, sehen könnte.
„Suu. Alles in Ordnung“, erwidert sie knapp und bemerkt dabei nicht mal, dass ihr Blick immer wieder an ihm vorbei huscht, als würde sie erwarten, dass jeden Moment hinter ihm jemand auftaucht.
Kurz zögert sie auf seine Frage hin, ob er reinkommen dürfe, tritt dann aber zurück und lässt ihn ein. Dabei greift sie nach ihrem Rucksack und trägt ihn herüber zum Schreibtisch.
„Ich bin nur müde, das ist alles“, erklärt sie, ohne ihn anzusehen, während sie beginnt, den Inhalt ihres Rucksackes auszupacken.

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Shalhor

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Sunday, March 10th 2019, 11:47pm

Es vergehen Augenblicke, bis Kaya ihm öffnet, nur ein Stück weit und nur um ihn mit einer fadenscheinigen Phrase abzuwimmeln. Hat das jemals funktioniert? Wenn er ihr nachgeht, dann um den Dingen auf den Grund zu gehen oder lässt es gleich ganz. Sie kennt ihn gut genug, dass zu wissen und lässt ihn schließlich ein. Und doch weicht sie ihm wieder aus, als sie sich ihren Rucksack schnappt, um ihm dort am Schreibtisch auszupacken und ihm erklärt, sie sei nur müde. Das sie müde ist, glaubt er ihr sofort, dass das alles sein soll nicht. Kaya besitzt ein äußerst pragmatisches Naturell. Wenn sie müde ist, legt sie sich schlafen. Dazu braucht sie ihn nicht und wozu sie ihn nicht braucht, tut sie, ohne ihn aufzusuchen. Da muss noch etwas anderes sein. Ananaa ...

Shalhor betritt ihr Zimmer, entzündet in aller Seelenruhe die Wandleuchter und nutzt diese Gelegenheit zu erfassen, was sie bewegt. Enttäuschung ist das erste und untrüglichste aller Gefühle, dass er wahrnehmen kann. Da ist noch mehr, doch so verworren, dass er sich nicht sicher ist, ob sie es nicht zu unterdrücken versucht, wegsperrt irgendwo in die geheimsten Winkel ihrer Seele. Er müsste die Barrieren um seine empathischen Sinne lockern, um etwas klarer zu sehen und tut es doch nicht. Mit ihr zu reden zieht er ganz entschieden vor. "Schön Dich zu sehen, Kaya", steht er schließlich hinter ihr und legt seine Hände auf ihre Arme, sie zum Innehalten zu bewegen. Den Rucksack kann sie später oder gar morgen auspacken. Der wird ihr schon nicht weglaufen. Er würde es auch begrüßen, sie direkt anzusehen. Einstweilen muss er aber mit ihrem Spiegelbild im Fensterglas vorlieb nehmen, als er sie fragt. "Du hast gewiss nicht aus Versehen mein Gemach betreten", lächelt er dabei und Nachsicht liegt in seiner Stimme, denn ihm steht gar nicht der Sinn danach, sie zu rügen, dass sie nicht angeklopft hatte. Er will erfahren: "Wolltest Du etwas von mir? Und was bedeutet Ananaa?"
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Kaya

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Tuesday, March 12th 2019, 11:28pm

Kaya lässt ihre schlanken Finger auf dem Rucksack ruhen als sich Shalhors Hände auf ihre Arme legen und sie inne halten lassen. Langsam senkt sie den Blick auf diese und entscheidet, ihn gewähren zu lassen. Sie kann seinen Körper dicht hinter sich spüren, der eine Wärme, Ruhe und Geborgenheit ausstrahlt, dass das Mädchen für einen kurzen Moment versucht ist, sich erschöpft an ihn zu lehnen und einfach halten zu lassen. Das ist, was sie in diesem Augenblick am liebsten tun würde. Und dennoch tut sie es nicht, kann sich nicht einfach fallen lassen. Nicht einmal für einen kurzen Augenblick.
>Du hast gewiss nicht aus Versehen mein Gemach betreten.<
Ganz leise schnaubt sie, zu einem Teil genervt, zu einem anderen belustigt und hebt den Blick, um sein Spiegelbild im Fenster zu mustern. Böse scheint er ihr jedenfalls nicht zu sein. Als er jedoch wissen will, was sie denn von ihm wollte und was Anaana bedeutet, senkt sie den Blick rasch wieder auf den Rucksack und setzt das Auspacken seine Hände ignorierend fort. Hätte sie doch bloß nichts gesagt. Über dieses Thema haben sie schon eine ganze Weile nicht mehr gesprochen. Was sollte es auch bringen? Ändern können sie es ohnehin nicht.
Unvermittelt hält sie wieder inne und starrt auf die flache Dose mit den Blättern der Mirr’che in ihrer Hand. Kurz streicht sie gedankenverloren darüber.
„Es bedeutet: Mutter…“
Kurz fröstelt sie, dass sie sich schüttelt und dann rasch die Dose bei Seite legt, um dem Hausherrn zu entfleuchen.
„Ich hab Adele nicht richtig zugehört, verzeih die Störung“, erklärt sie schnell und beginnt, nun mitten im Raum stehend, Weste und Überrock abzulegen.
Vielleicht sollte sie ihn nach der Fremden in seinem Bett fragen, da er ihr deswegen nicht böse zu sein scheint. Allerdings ist sie sich im Augenblick gar nicht sicher, ob sie es wirklich wissen will. So versucht sie es gleichgültig klingen zu lassen, obwohl sie selbst weiß, dass es das nicht ist: „Wir sind morgen beim Frühstück nicht allein?“

Shalhor

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Wednesday, March 13th 2019, 4:34pm

"Verstehe" flüstert Shalhor nur und nimmt den Blick von ihrem Spiegelbild, während seine Hände mitfühlend ihre Oberarme streicheln - wenigstens so lange, wie sie sich ihm nicht entzieht. Er würde ihr gern etwas Tröstliches sagen, doch Yaras letztes Lebenszeichen - jene beiden Briefe, die damals eintrafen, als Kayas zweiter Tag auf Taresnar angebrochen war, liegen schon so entsetzlich lang zurück. Für Kaya will er die Hoffnung nicht aufgeben, die Schattenjägerin eines Tages vielleicht doch wieder zu sehen, so brüchig sie auch mit den verstrichenen Zwölfmonden geworden sein mag. Andererseits möchte er auch nicht, dass sie sich darauf versteift, ewig auf ihre Mutter zu warten, während das Leben an ihr vorüber zieht. Sie wird zusehends erwachsen. Schon jetzt ist sie nicht mehr das kleine, wilde Mädchen, dass ihn damals in der Waschküche angeknurrt hatte. Sie ist größer geworden, verständiger und hat viel gelernt. In absehbarer Zeit wird sie weder ihn noch ihre Mutter brauchen, um ihren Weg zu gehen. Andere werden in ihr Leben treten, wichtig werden, sie begleiten, manche sicherlich nur ein Stück weit, doch wenn der Richtige kommt ... Er kann sie sich noch gar nicht als verliebten Backfisch vorstellen. So hat es gewiss auch noch etwas Zeit für dieses Gespräch. Da auch Kaya nicht das geringste Interesse daran zeigt, über ihre Mutter zu sprechen, fällt es Shalhor viel zu leicht, dass unbequeme Thema vor sich her zu schieben, auch wenn ihm durchaus bewusst ist, dass er gerade kneift. Er weiß sich allerdings auch mit dem Umstand zu rechtfertigen, dass es nicht die günstigsten Voraussetzungen schaffen würde, Kaya und Sigourny einander vorzustellen.

"Du hast nicht gestört, mach dir keine Gedanken", sieht er ihr längst gegen den Schreibtisch gelehnt und seine Handflächen gegen dessen Kante gestemmt nach. "Und du hast recht, wir werden morgen nicht allein frühstücken. Ich würde sie Dir gern vorstellen. Sie ist schon sehr gespannt auf Dich."
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Sigourny

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Wednesday, March 13th 2019, 8:35pm

Mit klopfendem Herzen steht sie in dem kleinen Gang zwischen dem Herrengemach und dem Zimmer, in dem Shalhor verschwunden ist. >Ich würde sie Dir gern vorstellen. Sie ist schon sehr gespannt auf Dich.< Das ist dann wohl ihr Stichwort. Nach einem Klopfen öffnet Sigourny vorsichtig die Tür einen Spalt und steckt den Kopf herein. „Slàn leat! Darf ich …?“ Ihr Blick trifft kurz Shalhors, der an den Schreibtisch gelehnt, ihr aufmunternd zunickt. Dann aber konzentriert sie sich auf das Mädchen, das in der Mitte des Raumes stehend, sie mit einem Blick mustert, den sie nicht recht deuten kann. Auf geht’s! Wird schon schief gehen! Mit einem Lächeln macht sie zwei, drei Schritte in den Raum, bleibt aber dann stehen. Sie will nicht zu weit in das Gemach, das Reich des Mädchens, eindringen, ehe diese ihr nicht zu verstehen gibt, dass es für sie in Ordnung ist. „Mein Name ist Sigourny, du bist Kaya nicht wahr?“ Dabei hält sie ihr ihre Hand hin, nicht fordernd, sondern in einer Art, die es ihr freistellt, ob sie sie ergreifen will oder nicht. Sie würde sich nicht aufdrängen, das wäre der falsche Weg. Unauffällig mustert Sigourny das Mädchen: Sie wirkt unsagbar müde. Aber gleichzeitig hält sie sich gerade, als wolle sie vermeiden, dass irgendjemand bemerkt, wie es ihr geht. Nur keine Gefühle zeigen, stark sein. Wie bekannt ihr solch ein Verhalten doch vorkommt. Aber ist Kaya nicht eigentlich zu jung für solch ein Verhalten? Andererseits, sie hatte das Immer-stark-sein noch früher gelernt, viel früher. Eilig schiebt sie diese Gedanken beiseite. Das hat hier keinen Platz, nicht jetzt. „Schön dich kennen zu lernen.“
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