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Sigourny

Stadtbewohner

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Occupation: Pfirsichwirtin und Teilzeitdiebin

Location: Der Pfirsich

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106

Monday, February 11th 2019, 12:39pm

„Das wäre toll, gern. Was anderes als Talyra hab ich nicht mal in Bildern gesehen, grad ein wenig vom Larisgrün und vom Strand.“ Sie kommt sich neben dem weitgereisten Elben reichlich unwissend vor und auch Dar hat wohl schon einiges von Roha gesehen. Und doch, aus unerfindlichen Gründen ist es ihr nicht peinlich; sie ist wer sie ist, hat nie ein großes Geheimnis darum gemacht (es aber auch nicht an die große Glocke gehängt) und nach allem, was sie in den letzten Siebentagen erlebt haben, ist sie sich sicher, dass die beiden ihr aus ihrer fehlenden Erfahrung was die Immerlande angeht keinen Strick drehen werden.

Mittlerweile hat Dar seine Untersuchung an ihrem Knöchel beendet – den Göttern sei Dank! Eigentlich hat sie ja dagegen protestieren wollen aber die beiden Männer haben ihr da gleich gar keine Gelegenheit gegeben. Die Erklärung, dass irgendetwas in ihrem Fuß gerissen, also wirklich kaputtgegangen ist, ist dann aber doch ein gewisser Schock. Auch wenn Dar versichert, dass mit Schiene und Muskelaufbau alles wieder wird und sie auch in der Zwischenzeit kaum eingeschränkt sein wird … wenn sie sich das blaue, geschwollene Etwas ansieht, dass ihr Knöchel sein soll, wird ihr doch ein wenig mulmig. Das ging wirklich schief, war ein wenig Juckpulver das tatsächlich wert gewesen?

Doch ehe sie noch weiter grübeln kann, reißt Dars knarzende Stimme sie aus ihren Gedanken. >Briant schick dir übrigens das hier! < Verdutzt schaut sie auf den prall gefüllten Leinensack, den der Zwerg ihr entgegenhält. >Sie meint du kannst es brauchen und sollst dich schonen. Sie und Tane haben alles im Griff aber sicher keine Zeit, dich mit einem verletzten Fuß die Treppe auf- und ab zu schleppen. < Sigourny kann sich ein leichtes Schnauben nicht verkneifen. Das ist so typisch für die Mogbar: Praktisch und gerade heraus. Sie einfach hier einzuquartieren ohne zu fragen … Obgleich sie ihr leider recht geben muss, bezweifelt sie doch, dass sie, Schiene hin oder her, sofort wieder in alter Art und Weise herumlaufen kann, von den steilen Treppen im Pfirsich mal ganz zu schweigen. „Anscheinend hast du mich noch ein wenig am Hals“ wendet sie sich an Shalhor … und bekommt bei dem Gedanken, noch einige Zeit hier zu verbringen, Herzflattern. Um sich nichts anmerken zu lassen, steckt sie ihr Näschen in den Sack um den Inhalt mit größtem Interesse zu inspizieren. Briant hat an alles gedacht, sogar an Seelentröster in Form von Honigfingern. Zwischen diesen und einer Kostprobe von Maddies neuerster Kreation, den „besoffenen Pflaumen“, steckt ein kleines Stückchen Pergament: ‚Tu nichts, was wir nicht auch tun würden!‘. Freche Bande! Es ist eindeutig Maddies Schrift aber dahinter können nur Briant oder Tasha stecken. Da Shalhor und Dar sich eben im Detail über die benötigten Materialien für die Schiene unterhalten, lässt sie das verräterische Stückchen Pergament im Ausschnitt verschwinden, muss ja nicht jeder sehen!

>Lass uns nach unten gehen! < wendet sich der Elb ihr eben zu. Sigourny nickt. „Hilfst du mir?“ Eigentlich hast sie damit gemeint, dass sie sich wie am letzten Abend abstützen darf, als sie zum Essen ins Botanikum gegangen waren, aber Shalhor hebt sie einfach wieder auf die Arme. >Ohne Schiene läufst du mir sicher nicht herum! < Und so trägt er sie erneut durchs Haus, diesmal mit dem Zwerg im Schlepptau. Und am Gesinde vorbei, dass sich, betont unauffällig, den Hals nach ihnen verdreht. Unten in der großen Halle angelangt lässt sie sich dann aber doch absetzen um kurz dem Ruf der Natur zu folgen und die Latrine aufzusuchen. Wenn sie sich aber gedacht hat, dass sie den Rest des Weges dann auf ihren eigenen Beinen zurücklegen kann, hat sie sich geirrt, denn kaum ist sie wieder bei ihnen wird sie auch schon wieder hochgenommen. „Ich kann wirklich selbst gehen, hier sind doch gar keine Treppen mehr!“ >Vergieß es Puh‘, nicht ohne Schiene! < So landet sie also in der Bibliothek, wo sie sanft in einem der Sessel abgesetzt wird. Neugierig sieht sie sich um: Die Regale scheinen vor Büchern nur so überzuquellen, kein weiterer Band scheint hier mehr Platz zu finden. Beinahe ehrfürchtig gleitet ihr Blick über all das gesammelte Wissen, über die Bände mit Geschichten und Legenden. Träume, in Worte gegossen und zu Pergament gebracht. Wie herrlich muss es sein, all das lesen zu können. Und damit meint sie richtig lesen, nicht nur das mühsame und anstrengende Entziffern, welches sie zustande bringt. Wirklich lesen zu können, mühelos, so dass die Geschichten Freude bringen und nicht anstrengend werden, sich in den Bildern zu verlieren, die die Phantasie ob der Worte zeichnet … das zu beherrschen ist einer ihrer geheimsten, tief verborgenen Wünsche. Die Dekorationsbücher in ihrem Gemach … einige wenige Male hat sie schon begonnen darin zu lesen und es dann doch wieder aufgegeben. Sie hat kaum die Zeit und Muße dafür und ohne die Übung, derer sie bedarf, ist es einfach nur anstrengend und frustrierend. So hat sie den Wunsch bei einigen anderen tief in ihrem Inneren verschlossen, weggesperrt, um sich selbst zu schützen.

>Wir werden jetzt die Materialien zusammensuchen Puh‘. Einstweilen … hier der Reisebericht von den Sommerinseln! < Shalhor drückt ihr einen Bildband in die Hand, eher er sich anschickt, gefolgt von Dar, die Bibliothek zu verlassen. „Danke … und Dar, wenn du wieder kommst musst du mir erzählen warum bei allen Göttern du mit einem Handtuch auf der Schulter herumrennst?!“
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Shalhor

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107

Tuesday, February 12th 2019, 3:38pm

Wunderbar lächelt Shalhor zufrieden, etwas gefunden zu haben, dass ihr die Wartezeit etwas angenehmer macht. Und wer weiß, vielleicht findet er noch ein paar Dinge mehr heraus, die ihr Vergnügen bereiten, denn Dar überbringt ihr nicht nur einen Leinensack sondern auch Briants unmissverständliche Empfehlung, einstweilen auf Taresnar zu bleiben. Ihre Antwort lässt ihn leise auflachen und nimmt seiner Erwiderung, dies zu überleben, jede Ernsthaftigkeit - mit Absicht. Ihre Gesellschaft ist ihm nun alles andere als lästig oder zuwider. Außerdem wurde er längst über die wahren Beweggründe informiert und teilt Tanes und Briants Ansicht. Solang sie nicht vernünftig laufen kann, hat sie in der Gefahrenzone nichts zu suchen.
Während sie den Leinensack inspiziert, nickt er Dar dankbar zu und heißt sie beide schließlich, ihm in besagtes Arbeitszimmer beziehungsweise die angrenzende Bibliothek zu folgen. Natürlich kommt es gar nicht in Frage, dass Sigourny dies auf eigenen Füßen tut, solang sie keine Schiene trägt. Er gesteht ihr alle Privatsphäre beim Aufsuchen der Latrine zu, andere Einwände lässt er dagegen nicht gelten und ist erst zufrieden, als er sie sicher in einem der beiden, bequemen Sessel der Bibliothek weiß. Ein wenig muss er sich doch nach dem illustrierten Reisebericht umsehen, nicht dass hier nicht eine gewisse Ordnung herrschte, so liegt es doch schon länger zurück, dass er zu einem Buch über derartige Beschreibungen gegriffen hätte. Am meisten hatte er natürlich mit den Mann- und Seebüchern zu tun, die wie sämtliche Schiffsbaupläne sorgfältig und schnell zugänglich in den Regalen des vorderen Bibliotheksbereich einsortiert waren. Aber wenn er sich recht entsinnt, müssten alle Landbeschreibungen doch gar nicht weit der Niederschriften zur Seefahrt zu finden sein und gleich darauf wird er fündig. Er reicht ihr das Buch, damit sie schon darin stöbern kann, während er sich noch darum kümmern wird, dem Zwerg alles Nötige zur Verfügung zu stellen, was dieser verlangte - angefangen bei den Schnitzwerkzeugen. In einer Schublade des wuchtigen Schreibtisches im Arbeitszimmer verwahrt Shalhor verschiedene Ball-, Flach- und Rundeisen mit unterschiedlichsten Stichen, die er für den Modellbau der Schiffstypen benötigt, die in seiner Werft auch gebaut werden und zeigt sie Dar, legt ihm einen Klüpfel zurecht und klemmt eine Einspannvorrichtung an der Tischplatte fest, deren Funktionsweise so simpel wie rasch erklärt ist. Dann führt er den Zwerg durch Halle und Küchentrakt hinaus zu den Holzverschlägen, wo all das Feuerholz für die großen und kleineren Kamine des Hauses gelagert wird. "Das Beste wird sein, Ihr schaut selbst nach, ob Ihr hier fündig werdet. Ich will derweil aus den Stallungen die Sattlerwerkzeuge holen und sehen, was an Leder vorrätig ist." Als er wenig später wieder kommt, hat er zwar die gängigsten Werkzeuge dabei, allerdings nur Riemen aus dicken, gefettetem Rindsleder, die breitesten gerade einmal fünf Sekhel breit. "Das ist alles, was ich auf die Schnelle auftreiben konnte. Wenn ihr weiches Rehleder braucht, mache ich mich ins Gerberviertel auf. Wie sieht es mit dem Holz aus? Wollt Ihr lieber Bauholz aus der Werft?"
Man sollte keine Dummheit zweimal begehen, die Auswahl ist schließlich groß genug!

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108

Tuesday, February 12th 2019, 5:48pm

Leise vor sich hinsummend beobachtet Dar das weitere Geschehen, nachdem er Briants Botschaft, samt prall gefüllter Tasche überbracht hat und folgt Shalhor und Sigourny, die ersterer galant die Treppe herunter trägt. Als Shalhor dann Sigourny unten erklärt, sie keinen Schritt ohne Schine mehr laufen zu lassen, nickt der Zwerg bekräftigend, scheint ansonsten aber mit den Gedanken in weiter Ferne zu weilen. Doch spätestens als sie die Bibliothek betreten, finden seine Sinne weder ganz ins hier und jetzt und derweil Shalhor seine Last vorsichtig in einem Sessel niederläst, schwenkt Dar bedacht zu einem der Regale, mit den Fingern knapp über die Buchrücken hinwegzufahren, ohne sie dabei indes zu berühren. Nachdem Shalhor das Buch zu der vorhin frei erzählten Gespenstergeschichte herausgesucht hatte, Sigournys erster Blick ob der schieren Flut an Büchern, an Geschichten und Geschichte daselbst, hatte Dar ein kurzes und verstehendes Lächeln geschenkt, kommt der Zwerg dann aber doch noch ins Stutzen: >Danke … und Dar, wenn du wieder kommst musst du mir erzählen warum bei allen Göttern du mit einem Handtuch auf der Schulter herumrennst?!< Erstaunt blickt der Zwerg an sich hinab und tatsächlich hängt da noch das Handtuch, mit dem er auf dem Weg zu einem ausgiebigen Badespaß gewesen war, ehe der Kutscher nach ihm verlangt hatte. „Das? Ach die Wahrheit dazu ist furchtbar schnöde, aber auch dazu gibt es noch eine Erzählung, wonach einem Weltenreisenden auf Rohas Rund nichts so wertvoll ist, wie ein Handtuch. Denn wenn andere erst erfahren, das man auf all seinen gefährlichen Reisen immer noch sein Handtuch mit dabei hat, dann nehmen sie einfach an, man müsse sicherlich auch Zahnputzholz, Waschlappen, Seife, Keksdose, Trinkflasche, Kompass, Landkarte, Bindfadenrolle, Mückenschutz, Regenausrüstung, Festgewandung usw. haben. Na und wer nach so abenteuerlichen Reisen immer noch dermaßen organisiert ist und nicht einmal sein Handtuch verloren hat, dem kann man sicherlich auch alles Andere, das er vielleicht gerade verlegt hat getrost ausleihen: Beispielsweise Schnitzmesser oder auch Sattlerwerkzeuge!“(*) An dieser Stelle grinst Dar frech zu Shalhor und fährt dann aber noch, ehe die Tür hinter ihnen ins Schloss fällt an Sigourny grichtet fort: „Aber wenn du die langweilige Wahrheit nur wissen willst, erzähle ich das gerne auch noch.“

Shalhor folgend lässt er sich in dessen Arbeitszimmer dessen Werkzeuge zeigen, die weit mehr sind, denn er braucht und vermutlich von weit besserer Qualität, denn alles, was er als angehender Heiler im Faêyris-Tempel je in die Hände bekommen würde. Nachdem er dann aber Feuerholzstoß nach geeignetem Material für die Schiene durchsucht hat, derweil Shalhor nach Lederriemen schaut, um der mit den Worten >Das ist alles, was ich auf die Schnelle auftreiben konnte. Wenn ihr weiches Rehleder braucht, mache ich mich ins Gerberviertel auf. Wie sieht es mit dem Holz aus? Wollt Ihr lieber Bauholz aus der Werft?< dann zurückzukehren, kann Dar sich ein breites Grinsen doch nicht ganz verkneifen. „Nun“, beginnt Dar darum mit süffisant knarzender Stimme. „…ich kann mit dem da“, Dar deutet auf einen breiten risslosen Holzscheit und einen Anfeuerast von der Dicke eines Kinderarmes, „…und etwas einfachem Stoff zur Polsterung, wohl eine Schiene fertigen, die alles tut, was sie soll. Aber“ Dar blickt nachdenklich von unten zu des Elben Antlitz hinauf – ein leichtes Schaudern ob des hinter diesem sichtbaren fahlblauen Firmaments, sich nicht verkneifen könnend – „…ich tue mich, offen gestanden, etwas schwer damit, Sigourny im Pfirsich, aufgedonnert und in schnieker Gewandung, mit einer daraus“, Dar deutet erneut auf den Holzscheit nebst Ast, „…gefertigten Schiene, über sieben Siebentage hinweg, sich in den dortigen Tumult stürzen zu sehen. Ihr nicht auch?“ Leise lachend, aber keinesfalls abfällig oder gehässig dabei klingend, schüttelt der Zwerg den Kopf. „Andererseits bin ich auch noch reichlich ungeübt in der Erstellung einer Schiene, weswegen Ihr gut daran tätet, keine Kostbarkeiten an mich zu verschwenden.“ Tief atmet der Zwerg ein und wieder aus. „Die Riemen zur Fixierung sind ideal! Die Hölzer aber, die von links und Rechts wie Schalen das Gelenk stabilisieren und von seitlichen Bewegungen abhalten sollen – vielleicht wäre da ein Gang zu einer Tischlerei besser gar, als Bauholz?“ Die Frage ein wenig im Raum stehen lassend, weiß der Elb, anders als er selbst, die Qualitäten, die Bauholz bietet doch besser wohl einzuschätzen. „Wichtig ist nur, dass das Holz nicht zu biegsam und möglichst gut abgelegen ist – und weiches Rehleder?“, grübelt der Zwerg. „…ja, unbedingt! Aber hier genügen die Schnittreste, dient das doch primär nur der innenliegenden Polsterung.“

(*) Frei nach Douglas Adams Hitchhikers Guide!
“Siehst du einen Riesen, so prüfe den Stand der Sonne und gib acht, ob es nicht der Schatten eines Zwerges ist.”

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Shalhor

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109

Wednesday, February 13th 2019, 3:36am

>Nun ...< erwidert der Zwerg breit grinsend, >ich kann mit dem da und etwas einfachem Stoff zur Polsterung, wohl eine Schiene fertigen, die alles tut, was sie soll.< Sein Blick ist Dars Fingerzeig hin zu den beiden ausgewählten Holzstücken gefolgt und er will sich schon freuen, dass er sich wohl sogar den Weg ins nicht gerade angenehm schnuppernde Gerberviertel schenken kann, als der Zwerg eilends ein >aber< nachschiebt, dass den Elben fragend aufblicken lässt. Was denn? >…ich tue mich, offen gestanden, etwas schwer damit, Sigourny im Pfirsich, aufgedonnert und in schnieker Gewandung, mit einer daraus …gefertigten Schiene, über sieben Siebentage hinweg, sich in den dortigen Tumult stürzen zu sehen.< Irritiert wandern Shalhors Augen wieder zu den Holzstücken zurück. Das Eine ist unverkennbar Birkenholz, generell zu dünn, als das sich dessen gewerbliche Verarbeitung lohne und das Andere sieht nach einer Eschenart aus - beides, wunderbare Brennhölzer, aber auch gut zu bearbeiten. Just wird er aber schon gefragt: >Ihr nicht auch?< Nun, offen gestanden wüsste Shalhor so aus dem Stegreif nicht, was daran Sigourny hindern könnte, sich herauszuputzen und in die Alltagsgeschäfte zu stürzen, wenn die Schiene doch tut, was sie soll. Mit mehr als einem universellen "aye?" kann er dem Zwerg also nicht dienen und grübelt, während Dar nur lachend den Kopf schütteln kann. Was also stimmt denn nicht damit? Dieses Rätsel soll sich allerdings gleich aufklären.
>Andererseits bin ich auch noch reichlich ungeübt in der Erstellung einer Schiene, weswegen Ihr gut daran tätet, keine Kostbarkeiten an mich zu verschwenden.< Ahja! Die Hölzer sind ihm also nicht gut genug. Für eine Schiene, die unter langen Röcken verschwinden wird und weniger als zwei volle Monde ihren Zweck erfüllen soll? Hmm, na gut ... Shalhor nimmt es hin - einfach so, händigt Dar die Werkzeuge und für gut befunden Riemen aus und nickt zu dessen Ergänzungen. "Ich werde Euch alles binnen einer Stunde beschaffen. Für Euer leibliches Wohl wird gesorgt werden und es soll Euch frei stehen, Euch in der Bibliothek umzusehen, wenn Ihr mir nur die Mann- und Seebücher der Reederei und die Bauzeichnungen der Werft unangetastet lasst." Der wachsamen Faêntjares wegen (schließlich befinden sie sich nicht auf dem Hauptweg) geleitet er den Zwerg zurück zur Gesindepforte, weist Halla und Gesine an, dem Zwerg alle Annehmlichkeiten der Gastfreundschaft angedeihen zu lassen und ihn in sein Arbeitszimmer zu führen.

Dann nimmt der das Gewirr, jene magischen Wege, die ihm erlauben Distanzen binnen kürzester Zeit zu überwinden. Natürlich sucht er keine Tischlerei auf sondern geradewegs die Werft. Dar kann es nicht wissen, versteht von Holz und Schiffbau so viel wie Shalhor von Gestein und Bergbau, nämlich nichts. Jedenfalls ist Bauholz im Schiffbau keines, dass für nichts besseres taugt. Und je nach Verwendungszweck eines Schiffes, Ansprüchen und natürlich dem nötigen Kleingeld finden im Innenausbau der Kajüten auch Edelhölzer Verwendung, nicht selten auch in Teilen von Gallionsfiguren und bei Steuerrädern sogar nahezu ausschließlich, selbst auf den spartanischsten Handelskoggen. Dars wohlmeinenden Rat in allen Ehren, aber er weiß, was er tut. Sein Auftauchen in der Werft kommt überraschend, was nicht verwunderlich ist, hatte er Lanzir doch heute morgen angewiesen, den Vorarbeiter zu informieren, dass er die nächsten Tage nicht abkömmlich sein wird. Er nimmt sich Fôrgen beiseite und sucht mit diesem nach passenden Kanthölzern, eben solchen, aus denen sie Steuerräder bogen, beeindruckender als Esche und Birke aber nicht gar zu kostbar. Fôrgen weiß nicht wofür genau er es braucht, doch als er hört, dass es einer schönen Frau schmeicheln soll, schlägt er Purpurholz vor, Shalhor selbst liebäugelt mit Elderholz. Keines der beiden könnte zu gewöhnlich erscheinen. Nur was besonders schön aussieht, hat auch einen stolzen Preis. Shalhor seufzt. So wie der Zwerg ihm die Funktionweise der Schiene beschrieben hatte, würde er pragmatischerweise zu Bambus greifen, aber das wäre wohl zu einfach und knauserig. Es wird das Elderholz und Shalhor gibt es Fôrgen mit der Anweisung in die Hand, ein zwei Fuß langes Stück davon abzutrennen, auf größt möglichen Umfang schlicht rund zu drechseln und in der Mitte zu spalten und zwar vor allen anderen Arbeiten, denn er will gleich wieder kommen und die beiden Stücke mitnehmen.
Mit Hilfe des arkanen Netzes ist Shalhor tatsächlich schnell wieder aus den Gerberviertel zurück in die Werft gekommen und nimmt die Elderhölzer mit nach hause.
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110

Wednesday, February 13th 2019, 2:00pm

Wo Dar verlegene Zustimmung oder ein einstimmendes Gelächter erwartet, ob der Vorstellung Sigournys in zurechtgeschnitztem Feuerholz eingepackte Knöchel zur aufwendigen Abendgewandung, kommt von Shalhor indes… rein gar nichts! Unlesbar sind dessen Züge, derweil er dem Zwergen zustimmt, der daraufhin die nächste Zeit erst einmal grübelt, ob er vielleicht unbewusst etwas unsinniges gesagt haben könnte. Aber schließlich zuckt der Zwerg nur mit den Schultern und folgt dem Hausherren weiter bis hin zu einem Seiteneingang des Hauses. Zweier in einiger Entfernung vorüberjagender schlanker, vermutlich, Wachhunde wegen, die aussehen, als würden sie in ihrem Lauf bald vom Wind getragen abheben wollen (wieder kann der Zwerg ein Schaudern nicht vermeiden und prüft gedankenverloren den Weiterhin festen Sitz der Schnürungen um seine Unterarme und -schenkel) ist Dar um diese Begleitung nicht undankbar. Doch von den Bediensteten dann in das Arbeitszimmer zurückgeführt, legt Dar das mitgebrachte, wie vorhandene Werkzeug sogleich für die anstehende Arbeit zurecht (und lässt hier dann endlich das Handtuch auch zusammengefaltet auch liegen), ehe er – ein Maßband, Papier und einen Kohlestift vom Arbeitszimmer mitnehmend – sich zu Sigourny in die Bibliothek bringen lässt. Ob sie denn noch etwas trinken möchten, fragen die Bediensteten in der Bibliothek dann noch, was er mit der Bitte um einen Krug kalten Wassers für sich gerne in Anspruch doch nimmt.

Dann, Sigourny begrüßend, wie ihr nun endlich auch erklärend, das er gerade auf dem Weg in den Waschkeller war, ein ausgiebiges Bad sich zu gönnen, als der Kutscher nach ihm verlangte und das er das Handtuch auf seiner Schulter seitdem schlicht vergessen hatte. „Wobei die andere Erklärung vorhin nicht von mir war, sondern aus dem Reisebericht eines vertriebenen Verrückten. Eine köstliche Geschichte, die ich unterwegs einmal zwischen die Finger bekam.“ Mit Sigournys Erlaubnis misst Dar anschließend dann noch mit dem Maßband von der Fußsohle bis etwa das halbe Schienbein hinauf genauestens die Proportionen um den verletzten Fuß herum. Erfahrene Heiler, wie er schon mehrfach hat erleben dürfen, gehen mit bloßem Augenmaß und einem Schnitzmesser an die Arbeit, in allerkürzester Zeit ein Ergebnis dann zu erbringen. Doch, auch das weiß Dar sehr wohl, haben ausnahmslos alle Heilkundigen und seien sie noch so namhaft, angefangen, wie er.

„Ich habe heute übrigens die letzten Kranken“ und Verletzten fügt er – allerdings in Gedanken nur – hinzu, „…im Pfirsich für gesund erklärt. Der Betrieb dort sollte also nun wieder normal weiterlaufen können.“ berichtet Dar, dabei zu den Bücherregalen schlendernd, um dann einige Zeit schweigend an der Regalfront entlangzuwandern. „Und worum geht es in deinem Buch gerade?“, wendet er sich schließlich, mit zwei ausgesuchten Bänden (eines mit in der Handelssprache verfassten Lettern: Ogh und wie er die Schrift zu den Völkern brachte; das Andere mit dem, seinen Blick eingefangen habenden schlichten Shidar-Titel: Totenkulte), ehe er sich im Sessel neben ihr niederlässt um mit gefurchter Stirn und nicht weniger mühsam denn sie dabei scheinend, die ersten Zeilen des in Shidar verfassten Buches zu studieren, wie derweil auf die Ankunft des Elben mit dem rechten Holz wie Leder wartend.
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Sigourny

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111

Thursday, February 14th 2019, 9:50am

Als Shalhor und Dar die Bibliothek verlassen, schlägt sie die ersten Seiten des Berichts auf. Ablenkung wäre jetzt genau das Richtige, denn in ihrem Kopf drehen sich die Gedanken: Den Pfirsich allein zu lassen fällt ihr unendlich schwer, auch wenn sie Tane, Briant und den anderen vertraut. Doch war sie seit ihrem ersten Tag als Wirtin in diesem Etablissement keinen Tag länger als einige Stunden weg gewesen, hatte kaum je einen Tag frei genommen. Das Haus, seine Bewohner und das Geschäft sind zu ihrem Leben geworden. Einem aufregenden, herausfordernden Leben, das sie so in Beschlag nimmt, dass alle Schatten der Vergangenheit weit zurückgedrängt wurden. Und jetzt? Wie aus dem Nichts ist alles, was sie glaubte, hinter sich gelassen zu haben wieder präsent und außerdem ist auch noch ein Mannsbild in ihr Leben gestolpert, der ihre Einstellung zum anderen Geschlecht von Grund auf durcheinander zu bringen beginnt. Und gerade jetzt ist sie zum Nichtstun verdonnert. Nein, sie kann und will sich jetzt nicht den Kopf zerbrechen, denn im Moment bleibt ihr ohnehin keine Wahl, als still zu halten. Also ablenken und zwar schnell.

Shalhor hat nicht übertrieben: Wunderschöne, mit viel Liebe zum Detail gestaltete Bilder machen den Hauptteil des Werkes aus. Es ist beinahe, als würde man durch ein Fenster auf weit entfernte Gebiete und deren Wunder schauen. Die kurzen Textpassagen, die die Bilder erläutern, sind zum einen nicht so lang, als dass es ihr das Gefühl der Überforderung geben würde, zum anderen ist die Sprache leicht verständlich, so dass sie nicht auch noch über deren Bedeutung grübeln muss, wenn sie sie entziffert hat. Binnen weniger Momente ist Sigourny entgegen ihrer eigenen Erwartung so vertieft in den Band, dass sie ihre Umgebung kaum mehr wahrnimmt und als der Zwerg, begleitet von jener Magd, die ihr gestern bei der Körperpflege behilflich war, den Raum betritt, zuckt sie vor Schreck zusammen. Um ein Haar wäre sie aufgesprungen und ihre rechte Hand ist instinktiv Richtung rechter Oberschenkel geglitten … und durch Stoff und die Erkenntnis, dass die Messerscheide mitsamt Inhalt gar nicht an ihrem angestammten Platz ist, gebremst worden. Gerade rechtzeitig kann sie den Absturz des Buches vermeiden, war dieses doch auf ihrem Schoß gelegen. Ganz ruhig, alles in Ordnung. Hier bist du sicher! Sucht sie sich selbst zu beruhigen. Den Göttern sei Dank hat keiner der beiden etwas mitbekommen, zumindest scheint es so.

Als sich die Magd noch nach Wünschen erkundigt, ergreift sie die Gelegenheit beim Schopf. So viel war in den letzten Tagen und Stunden geschehen und ihre Nerven feuern wie wild um sich während ihre Emotionen Achterbahn fahren. Sie braucht irgendetwas, um wieder zur Ruhe zu kommen, denn auch wenn sie nach außen den Schein der Beherrschtheit aufrecht zu halten versucht: In Wahrheit hat sie das Gefühl, an einer Klippe entlang zu balancieren. „Könnte ich bitte noch Coffea haben, wenn möglich einen ganz großen Becher? Ohne Zucker und Milch, einfach nur schwarzen Coffea?“ bittet sie die Frau. Ein wenig unwohl ist ihr dabei schon, sich bedienen zu lassen ist so ganz und gar nicht ihre Art. Den Göttern sei Dank erbittet auch Dar eine Erfrischung, bevor er mit sicheren und auch sanften Griffen beginnt, ihren Fuß zu vermessen. Nachdenklich beobachtet sie ihn. Seine Ankunft und Anstellung im Pfirsich war nur ein kleines, wenn auch positives, Detail in dem ganzen Chaos der letzten Zeit. Mit Schrecken stellt sie fest, dass sie ihn zwar aufgenommen hat, ansonsten war er aber zu einem großen Teil sich selbst überlassen gewesen. Ob seiner Studien im Tempel sehen sie sich auch kaum und wenn wechseln sie nur wenige Worte, beide so in ihre Tätigkeiten vertieft. Mit Ausnahme des Tages mit dem Aledesaster, und das war nun nichtgerade eine gepflegte Unterhaltung gewesen. Auch im Rahmen ihrer Rettung hatten sie kaum ein Wort gewechselt. Dar scheint ihr das alles nicht übel zu nehmen aber sie tut es sehr wohl: Sie hat sehr hohe Ansprüche an sich selbst und ihre Art, den Pfirsich und ihre Angestellten zu führen … und die hat sie zumindest in ihren Augen in letztes Zeit nicht wirklich erfüllt.

>Und worum geht es in deinem Buch gerade? < Der Zwerg lässt sich eben in dem zweiten Sessel nieder, ausgestattet mit zwei Büchern. „Es ist ein Reisebericht von den Sommerinseln, Shalhor und ich sind vorhin auf diese Gegend Rohas zu sprechen gekommen … Dar, ich muss mich bei dir entschuldigen!“ Verwundert blickt der Angesprochene sie an. „Ich habe dich angestellt aber dann … mit Arbeit eingedeckt das schon aber ich hab mich kein einziges Mal erkundigt, ob du irgendetwas brauchst, wie es dir geht, also mit dem ganzen Irrsinn, der in den letzten Tagen und Siebentagen Überhand genommen hat. Und deine Studien, ob es überhaupt machbar ist, für mich zu arbeiten und das Pensum zu erfüllen. Und … naja, ich wollte mich auch entschuldigen wegen der Diskussion vor zwei Tagen, also ich hab dir das Leben nicht leichter gemacht damit, unbedingt wieder nach oben zu gehen. Aber es war mir einfach zu viel da unten bei all den anderen. Und danken wollte ich dir auch noch, dafür, dass du mich mit Tane und Shalhor aus der Unterstadt rausgeholt hast. Das hätte niemals so ausarten sollen, war alles ganz anders geplant. Auf jeden Fall … wenn du willst würde ich von mir aus die Probezeit beenden und dich fest als Pfuscher anstellen … und wenn du dann willst auch als Heiler.“
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112

Thursday, February 14th 2019, 10:15pm

Auf seine Frage, was sie dann da gerade liest, beziehungsweise sich anschaut, antwortet Sigourny erst noch ihm völlig nachvollziehbar >Es ist ein Reisebericht von den Sommerinseln, Shalhor und ich sind vorhin auf diese Gegend Rohas zu sprechen gekommen<, dass er schon von den sagenhaften Obsidianhallen Mor'Dhûs zu schwärmen anfangen will, welche er unbedingt noch vor seinem Tot mit eigenen Augen gesehen haben will und … >Dar, ich muss mich bei dir entschuldigen!< Was? >Ich habe dich angestellt aber dann … mit Arbeit eingedeckt das schon aber ich hab mich kein einziges Mal erkundigt, ob du irgendetwas brauchst, wie es dir geht, also mit dem ganzen Irrsinn<, an dieser Stelle zuckt Dar kurz merklich zusammen, >… und wenn du dann willst auch als Heiler.< Dar muss an sich halten, Sigourny nicht zu unterbrechen, ist ihr selbiges zu äußern doch gerade wichtig wohl. Doch nachdem sie dann, geendet habend, seine Reaktion offenkundig erwartet, kann er sich ein, wenn auch von einem stummen Lächeln begleitetes, Kopfschütteln doch nicht verkneifen. Auch wenn das Lächeln ihn nun wieder mehr Kraft kostet, die Wirkung der Betelbissen, mit anderen Worten, scheint wohl unlängst abgelaufen zu sein, behält er es bei. „Du hattest“, fängt Dar an. „… keine Zeit, mich zu fragen, wie es mir geht, wie sich meine Studien machen?“

Dar lächelt. „Richtig! Aber du hast mich in dein Haus aufgenommen und deine Freunde haben, erkennend, das die Grappe dir im Kopfe spukt, all dieses getan. Ich hätte dir, ehe mir Briant heute den Kopf gehörig wusch und mich aus meinem eigenen Jammertal des Selbstmitleids herausbrachte, vermutlich auch nichts erzählt. Denn selbst da sah ich, das du deine eigene Last zu tragen hast. Aber Briant, sicherlich das weiseste Frauenzimmer auf Rohas gesamtem Rund, tat genau all das an deiner statt – denn dafür sind Freunde schließlich da: Die Freuden mit einem zu teilen, aber auch das Leid und die Last! Und du hast dir viele Freunde geschaffen, im Pfirsich. Wenn du das anzunehmen bereit wärest, statt alleine alles lösen zu wollen …“, Dar deutet auf ihren verletzten Knöchel. „Hast du schon mal versucht ein Bündel Reisig in einem Schwung zu brechen, um dann doch Zweig für Zweig das Bündel zu zerteilen? Dann weißt du auch, was die Grappe gerade versucht.“ Dar lächelt nachdenklich. „Gerne bleibe ich weiter im Pfirsich, für eine Weile, einen Sommer vielleicht, vielleicht eine Dekade, vielleicht auch nur einige Wochen, vielleicht viele Menschenalter. Wer weiß schon was die Zukunft bringt? Aber wage es bitte nicht, dich dann auch noch für mein Schicksal mitverantwortlich zu fühlen. Das Moos hinter meinen Ohren mag zwar noch nicht ganz trocken sein, aber verantwortlich, im Guten, wie im Schlechten, für alle meine Taten, bin dann doch immer noch ich ganz alleine! Beziehungsweise“, Dar deutet das Brechen eines dünnen Zweiges mit den Händen an, „…im Verbund mit anderen! Wenn diese es denn anbieten und ich es annehme – was ich hiermit und den Pfirsich betreffend gerne tue. Danke!“

„Aber nun zu den ernsten Fragen des Lebens: Was sagt das Buch dort über das glorreiche Morr'Marzama, das legendäre im Gleichklang mit des Weltenschmieds Herz pochende Silsilr und die in ihrer Possierlichkeit selbst eines Zwergenkriegers Herz erweichen könnenden Obsidiankaninchen? Allesamt Wunder, die ich mit eigenen Augen zu sehen, ich das Glück noch nicht hatte und die ich darum unbedingt noch erschauen will, ehe mich Kyrom übersetzt?“ Und wenn Sigourny es irgends zulässt, wir der Zwerg ihr in der restlichen Zeit, da sie auf Shalhors Rückkehr warten – wenn auch aus grundverschiedenen Beweggründen heraus – von den Wundern einer fernen Welt vorschwärmen, von der er bisher nur gelesen und gehört, die er daselbst aber noch nie hat erschauen dürfen.
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Shalhor

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113

Friday, February 15th 2019, 3:52am

Shalhor hält Wort. Noch ehe eine volle Stunde vergangen ist, gibt ihn das arkane Netz im Entree des Hauses frei. In der Großen Halle streift sein Blick schon beinahe reflexartig die kleine Anrichte, wo alle Nachrichten abgelegt werden, sofern sie seiner Lordschaft nicht sofort ausgehändigt werden können. Aber jetzt wartet dort keine auf ihn. Keine Nachricht bedeutet einstweilen auch keine schlechten Neuigkeiten aus dem Pfirsich. Das wird wahrscheinlich nicht lange so bleiben, doch im Augenblick ist es sehr beruhigend. Das Arbeitszimmer findet er verlassen vor. Aber auf dem Schreibtisch liegen nicht nur die Werkzeuge und Riemen bereit, sondern auch ein gefaltetes Handtuch, jenes welches der Zwerg vorhin noch lose um den Hals trug. Shalhor muss schmunzeln, wenn er daran denkt, auf welche Weise Dar damit seine Vertrauenswürdigkeit begründete, natürlich nicht ernst meinend, dafür umso exzentrischer, Zwergenhumor eben.
Aus der Bibliothek nebenan dringen die Stimmen von Sigourny und dem Zwerg zu ihm, also legt er das besorgte Leder zu den anderen Dingen auf den Schreibtisch. Die Hölzer jedoch nimmt er mit.
>Was sagt das Buch dort über das glorreiche Morr'Marzama<, hört er Dar beim Eintreten fragen und von den Wundern dieses Eilands erzählen, die er irgendwann einmal mit eigenen Augen sehen möchte. Doch ist er es selbst, der an Sigournys Stelle antwortet - zum Einen weil nicht nur die Antwort sondern auch deren Gründe kennt, zum Anderen um sich bemerkbar zu machen, da er gerade den uneinsehbaren, vorderen Bereich der Bibliothek durchschritten hat.
"Dieses Buch weiß nichts über Morr'Marzama zu berichten, so bedauerlich das auch ist. Niemand kann auf dem Seeweg auf diese Insel gelangen. Sie ist von tückischen Riffen umgeben, die kein Schiff gefahrlos kreuzen kann. Und wenn es jemand in flachen Boot oder auf einem Floß versuchte, so würde er an schroffen Klippen und Steilküsten scheitern, die jeden Zugang verwehren. Nur die Feuerzwerge selbst wissen um andere Wege von und zur Feuerwiege und sie hüten ihre Geheimnisse, soweit mir bekannt ist ... Hier", ist er bei ihnen beiden angelangt und reicht dem Zwergen eines der Hölzer zur Begutachtung. "Ich hoffe, es ist in etwa das, was Euch vorschwebt?" Das andere zeigt er Sigourny, weil letztlich sie es ist, die es tragen soll. "Das ist Elderholz, Puh' und es gibt kein anderes Holz auf ganz Roha, dass so eine außergewöhnlich geflammte Maserung besitzt. Was sagst Du? Könnte Dir das gefallen?"
Man sollte keine Dummheit zweimal begehen, die Auswahl ist schließlich groß genug!

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Sigourny

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Friday, February 15th 2019, 12:31pm

Briant … die gute Seele. Hat die quirlige Mogbar mit dem wahrscheinlich größten Hausverstand Talyras doch tatsächlich all ihre Versäumnisse der letzten Siebentage im Bezug auf den neuen Mitbewohner kompensiert. Wie auch schon in den Tagen nach dem Stinkbombenanschlag, auch da hatte sie ihr unauffällig und doch zielstrebig unter die Arme gegriffen und die Organisation des Tagesgeschäfts im Pfirsich übernommen. Und ich habe es nicht mal richtig bemerkt … Dars Vergleich mit dem Reisigbündel gibt ihr zu denken … und erinnert sie an Shalhors Worte der letzten Nacht, unten in der Grotte, Aý hjir ay'as îr ay'as hjir â, einer für alle und alle für einen. Sehen denn alle etwas, dass sie selbst übersehen hat? Als sie den Pfirsich vor neun Jahren übernommen hat, waren die Mädchen ein aufgeschreckter Haufen gewesen und der Pfirsich hatte viel von seinem früherem Glanz verloren. Mit viel Liebe, Herzblut und Engagement hat sie das Geschäft wieder auf die Beine gebracht. Und im selben Maß war ihr Bedürfnis gewachsen, all das zu schützen, zu verteidigen. Ohne Rücksicht auf Verluste!

Als Dar sich bei ihr erkundigt, was in dem Buch zu Morr'Marzama steht, schluckt sie kurz. Sie hat keine Ahnung, wie sich das schreibt und wie sie das finden sollte. Doch den Göttern sei Dank kehrt in diesem Moment Shalhor zurück. > Dieses Buch weiß nichts über Morr'Marzama zu berichten, so bedauerlich das auch ist. Niemand kann auf dem Seeweg auf diese Insel gelangen. Sie ist von tückischen Riffen umgeben, die kein Schiff gefahrlos kreuzen kann. Und wenn es jemand in flachen Boot oder auf einem Floß versuchte, so würde er an schroffen Klippen und Steilküsten scheitern, die jeden Zugang verwehren. Nur die Feuerzwerge selbst wissen um andere Wege von und zur Feuerwiege und sie hüten ihre Geheimnisse, soweit mir bekannt ist ...< Wie schon zuvor in seinem Gemach zeichnen seine Worte Bilder von fernen, geheimnisvollen Orten.

In seinen Händen hält er zwei Holzstücke, wovon er, als er bei der kleinen Sitzgruppe angelangt ist, eines Dar reicht, ehe er das zweite an Sigourny überreicht.

„Ob mir das gefallen könnte? Shalhor, es ist wunderschön!“ Beinahe ehrfürchtig fährt sie über die ungewöhnliche Maserung. Damit würde vielleicht sogar eine klobige Schiene zum hübschen Accessoire werden. Dieses ganz eigene Lächeln, das ihre Augen blitzen lässt und welches nur Shalhor hervorrufen kann, schleicht sich in ihr Gesicht. „Danke Seemann!“ Erneut beginnt ihr Herz zu flattern, als sie in seine Augen blickt und dabei sanft seine Hand drückt. Dieser Kerl stellt einfach ihr ganzes Denken auf den Kopf. Es ist nicht nur die körperliche Anziehung, es ist das Gefühl der Sicherheit, der Vertrautheit, was sie vollkommen durcheinander bringt und ihr Herz dennoch höher schlagen lässt.
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Friday, February 15th 2019, 6:12pm

Dar will sich schon jetzt wieder bloß verkriechen, ohne es an irgend etwas bestimmten festmachen zu können, doch schwelen nun die neu gewonnenen Erkenntnisse in ihm, weisen ihm einen Ausweg, respektive ein Licht am Ende des Tunnels. Zu Shalhors Erklärung nickt er stumm, zwingt sich zu einem verstehenden Lächeln, welches seinen alten Gewohnheiten folgend indes leider wieder die typisch sardonischen Züge annimmt. Das Holz, auch ohne viel davon zu verstehen, weckt in seinem Geiste Formen der fertigen Schiene, scheint vor seinem geistigen Auge, wie von Selbst sich zu diesen umformen zu wollen. Mit einem „Na, dann will ich mich mal an die Arbeit machen.“ erhebt er sich scheinbar vergnügt aus dem Sessel, greift sich den Kohlestift, den er vorsorglich in Shalhors Werkstatt eingesteckt hatte, hält die Schiene in seiner Hand an die Außenseite von Sigournys verletztem Bein und die zweite, ihr aus der Hand schließlich genommene an die Innenseite ihres Beines; beides zurechtschiebend um schließlich in der erwünschten zukünftigen Position mit dem Stift Knöchel und anderen weniger offenkundige Merkmale an dem noch grob unbearbeiteten Halbstück zu markieren und sich dann mit einem „Ich werde noch ein paar Mal nachmessen und -bessern müssen.“ den Raum gen Arbeitszimmer Shalhors zu verlassen. Erst draußen fällt ihm noch etwas ein, weswegen er kurzentschlossen kehrt macht, an die Tür klopft, selbige öffnet, den Kopf durch den Türspalt steckt und mit einem „Ach und danke auch für die zusätzliche Mühe, Shalhor!“ wieder verschwindet.

In der Werkstatt atmet Dar tief durch. Eine halbherzige Bitte an Maekar äußernd, die bevorstehende Arbeit zu unterstützen legt der Zwerg die beiden Hölzer und das Leder zurecht. Das Begehren ist zwar aufrichtig, doch die Hinwendung an den Archon Sils – sie kommt ihm nur reichlich zögerlich über die Lippen. Dann beginnt er. Vielfach hat er seinem Meister beim Erstellen von Schienen schon zugesehen, aber freilich nie selbst Hand anlegen dürfen. Er müsste glatt mal Shalhor fragen, ob diese unendlich langsamen Ausbildungen die Norm bei den eher langlebigen Völkern ist, oder ob es denn doch an der Pedanterie des Apothekermeisters lag, der ihn in die Ausbildung zu nehmen das große Pech hatte, wie der Alte es nie müde wurde es Dar vorzuhalten. Doch im Ergebnis weiß Dar die Schritte und hat, im Geheimen und für sich, im Unterreich diese Schritte auch schon längst erprobt gehabt. Nur halt nicht am lebenden Objekt. Zuerst zeichnet er parallele Linien, dort, wo er das Holz quer zu dessen Maserung zu biegen gedenkt. Dann stemmt er die äußere Form der Schiene in das Holz, dabei ein Gefühl für das Werkzeug findend. Eine einfache Schiene wäre für ihn wohl keine allzu große Herausforderung mehr. Doch hier will der Zwerg eine Art Dankeschön für die Aufnahme in den Pfirsich erstellen. Vielleicht war es ihm darum auch so wichtig, etwas anderes denn bloßes Feuerholz nur zu verarbeiten.

Den Hobel beiseite legend, mit welchem er den neuen Formen des Holzes eine erste Glätte geschenkt hatte, macht er sich schließlich daran, jeweils drei der parallel gezeichneten Biegelinien zu vertiefen, bis die so geschaffenen Rillen fast durch die ganze Dicke das Holz gehen, ehe er zu Sigourny und Shalhor zurückkehrt, die Schienen dort erneut anzuproben und sich auch genau mitteilen zu lassen, wo es noch drückt und abzuschätzen, wo das Holz noch weiter gebogen werden kann und sollte, ohne dabei die Grundstabilität der Schiene zu gefährden. Dar hatte sehr wohl seinen Lehrmeister auch solch aufwendigere Schienen schon fertigen sehen, für Hochgestellte seines Clans etwa oder solche, die im Kampfe Mut und Ehre über das erwartbare Maß hinaus gezeigt hatten. Doch ist Holz im Unterreich eher selten und teuer und ein gut geschmiedetes Stück Eisen oder Stahl sowieso stabiler. Andererseits ist Sigourny kein pfundsschwerer Niryassamakka tsa Unda und würde sich wohl herzlich bedanken mit solch einem Gewicht beschwert, die nächsten Siebentage umher humpeln zu dürfen. Also muss Dar hier auch auf das auf der Oberfläche Erlernte wohl zurückgreifen. Doch scheint Maeker in diesem speziellen Fall der unwilligen Bitte des Fro‘gar nichtsdestotrotz nachzukommen – zumindest bis jetzt doch.

Auf der einen Schiene zwei verkürzte Rillen, wie auf der anderen drei etwas längere solche vorgezeichnet, sowie die nötige zusätzliche Aussparung um die Knöchel herum mit dem Kohlestift auf den Schienen kenntlich gemacht habend, macht sich Dar erneut auf, in die Werkstatt. Die Wirkung der Betelbissen nun endgültig abgeklungen wissend, gibt ihm indes nun die Arbeit an der Schiene, die Anpassung eine gewisse Ruhe mit auf den Weg, so das er schließlich, es ist schon später Abend, ein letztes Mal mit den Schienen zu Sigourny und Shalhor hinüber geht. Sehr zu seiner Freude passen die Schienen nun im sprichwörtlichen Sinne wie angegossen, sodass er sich an die Verleimung machen kann um morgen dann nur noch die abschließenden Leder- und Polierarbeiten vorzunehmen. Trotz seines generellen Grolls wider Sil, wegen der Dars Erachtens gezeigten unverzeihlichen Undankbarkeit desselben, kann er sich seinerseits nun, da die verleimten Fugen an den Innenseiten der Schienen in den Zwingen fixiert die Nacht über trocknen müssen, einen leisen Dank an den angerufenen Archon nicht verkneifen. Aber denke nicht, dass ich das Andere darüber etwa vergessen könnte!

Davon ausgehend, das die Einladung zum Verbleiben nur die Tages- und nicht etwa auch die Nachtstunden betraf, kann er des Nachts und bis die Verleimung der Schienen getrocknet ist, doch eh nichts mehr bewirken, verabschiedet sich Dar von Shalhor und Sigourny mit dem Versprechen, morgen, nach seinem kurzen Besuch im Faêyris-Tempel, wieder hier zu erscheinen und die Arbeit an den Schienen dann fertigzustellen. Etwaige Vorbehalte, dass er doch auch die Nacht über hier verbringen könne, sollten sie denn kommen, wird der Fro‘gar indes bestimmt abwehren. Er will schließlich wissen, was das Projekt – Steife Sahne, Eischnee und Anirian – macht, das im Pfirsich alle wohlauf sind, es keinen weiteren Ärger gab und … zur Feier des Tages, immerhin hat Sigourny seine Probezeit (von der er bis vorhin gar nichts wusste) ja für beendet und ihn als fortan dort aushelfen könnenden Scharlatan vom Dienst erklärt, auch will er – trotz der schon fortgeschrittenen Stunde – die Hârarat der zweiten Halle des Badehauses und den dahinterliegenden Becken und Massagemöglichkeiten sich noch ausgiebig hingeben, die – zumindest den schwärmerischen Angaben eines aus besserem Hause stammenden, angehenden Heilkundigen des Faêyris-Tempels zufolge – auch bis in die Nacht hinnein geöffnet waren.
“Siehst du einen Riesen, so prüfe den Stand der Sonne und gib acht, ob es nicht der Schatten eines Zwerges ist.”

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Wednesday, February 20th 2019, 2:30am

Sie verblüfft ihn. Er hätte nicht gedacht, dass Holz bei einer Frau solch eine Begeisterung auszulösen vermag. Gewiss, es ist außergewöhnlich, aber es ist weder Baum-, Feen- oder Spinnenseide für ein besonderes Kleid, noch Diamant oder Mitternachtsstern für einen bezaubernden Ring - Kostbarkeiten, die Frauen üblicherweise entzückten, so wenigstens war es ihm bislang geläufig. Aber ihre Begeisterung ist absolut echt. Er kann es nicht nur fühlen. Ihr ergriffenes Lächeln spiegelt sich genauso in hübschen, glänzenden Augen wieder und als sie dankbar seine Hand drückt, senkt er verlegen den Blick. Es war nicht seine Idee, ein außergewöhnlicheres Holz zu nehmen und er ist froh, Dars Einwand widerspruchslos gefolgt zu sein, aber es fühlt sich nicht so ganz richtig an, sie glauben zu lassen, es wäre allein sein Verdienst. Der Zwerg kann es zwar kaum erwarten, sich an die Arbeit zu machen und nimmt zu Sigournys Füßen bereits Markierungen an den Rohlingen vor. Dennoch mag Shalhor nicht unerwähnt lassen, dass es dessen Umsicht war, dass diese Schiene zu ihrer hübschen Erscheinung passen solle. Der Zwerg wird noch einige Mal nachmessen und -bessern müssen, wie er erklärt, was Sinn macht, schließlich soll sie ihr wie angegossen passen und nur sie selbst kann sagen, ob sie sich bequem anfühlt oder noch irgendwo drückt. Als er nach nebenan in Arbeitszimmer gegangen ist, um sich ans Werk zu machen, setzt sich Shalhor neben sie in den anderen gemütlichen Lesesessel. "Aber komm mir jetzt bloß nicht auf den Gedanken, öfter kontrolliert abzustürzen, damit Du sie wieder tragen kannst." Darüber lachen sie beide und mit angeregter Unterhaltung über die Sommerinseln und all den im Reisebericht beschriebenen Naturwundern und phantastischen Tierwesen bis hin zu Shalhors persönlichen Eindrücken dieses Archipels vergeht die Zeit wie im Fluge. So kommt es, dass Dar schneller als gedacht, ein letztes Mal in die Bibliothek kommt und erklärt, für heute seine Arbeit an der Schiene zu beenden, da diese nun verleimt sei und über Nacht trocknen müsse und er jetzt gehen werde. Davon kann ihn weder das Angebot eines frisch hergerichteten Gästerzimmers ganz für sich allein ebenso wenig abbringen, wie die Einladung zum Abendessen hier im Hause und natürlich käme es dem Elben nicht in den Sinn, dem Zwerg die Gastfreundschaft aufzudrängen. So verabschiedet sich dieser mit dem Versprechen, tags darauf wieder zu kommen. Also speisen sie zu zweit wieder im Botanikum, nur dieses Mal soll sie die Gelegenheit bekommen zu sagen, auf was sie Appetit hat. Dann zeigt er ihr das Haus, so wie er es ihr versprochen hat, wobei es gar nicht mehr so viel zu zeigen gibt. "Den Ostflügel kennst Du ja bereits, Puh', sogar meinen Badetempel", muss er schmunzeln, denn wer nicht um die Entstellung seines Rückens weiß, dürfte dies reichlich kapriziös finden, wo er doch den Ildorel vor der Tür und ein ausgezeichnetes Badehaus in der Stadt hat. Er trägt sie in die Große Halle und erzählt ihr, dass dies in seiner Heimat der zentrale Raum des gemeinschaftlichen Lebens sei, aber so nie funktioniert habe, weil sich Herrschaft und Gesinde hierzulande recht strikt voneinander trennen. Zwar haben seine Gemahlin und seine Tochter in Kindertagen hier den Tag mit allerlei Beschäftigungen verbracht, aber es wäre schlicht undenkbar gewesen, dass sich die Wäschemagd zum flicken, die Küchenmägde zum Erbsen puhlen oder die Hausmägde zum Silber polieren dazu gesellt hätten. Einzig in Ballnächten war dieser Raum so belebt, wie es ihm gerecht wurde, denn sonst erwarteten Gäste, in einem seperaten Salon empfangen zu werden, statt in einem "Durchgangszimmer", selbst wenn sie ohne Anliegen kamen. Er zeigt ihr, welches der Portraits Neridye zeigt und welches Noravendis, zeigt ihr die Statuen von Amur und Vendis, den kleinen Salon wie auch den Ballsaal, der allerdings schon länger nicht mehr genutzt wird. Das Haus ist inzwischen viel zu groß für ihn, stellt er beiläufig fest. Da gibt es noch ein Esszimmer, in dem niemand speist, ein Gästezimmer in dem kein Gast logiert und wäre Kaya nicht in sein Leben gestolpert, wäre auch ihr Zimmer verwaist. Manchmal hat er schon daran gedacht, das Anwesen zu verkaufen und auf seinem Schiff zu leben. Aber es gab auch gute Gründe dagegen, allen voran die Hunde. Er erzählt ihr allerdings nicht, dass all die Erinnerungen, die in diesem Gemäuer stecken, kein geringerer Grund waren, sich von diesem Haus zu trennen. Sie soll nicht glauben, er sei sentimental und ... schwach. Bis auf die Gesindekammern und Kayas Reich hat er ihr alles gezeigt. "Und wo Du Dich hier nun besser auskennst, magst Du vielleicht den Platz aussuchen, wo wir beide noch ein Glas Wein vorm zu Bett gehen trinken?"
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Sigourny

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Wednesday, February 20th 2019, 6:55pm

Shalhor kann nicht ahnen, dass es nicht nur die Schönheit des Holzes ist, die sie rührt. Auch, aber in erster Linie ist es das Wissen, dass sich jemand Gedanken um sie macht, sich Gedanken darum macht, ob ihr etwas gefallen könnte. Dass er etwas verlegen wird, hätte sie nie für möglich gehalten, aber irgendwie findet sie diese Reaktion rührend, gewährt sie ihr doch einen weiteren Einblick hinter seine beherrschte Fassade, die einen so vielfältigen, tiefgründigen und sensiblen Charakter zu verbergen scheint, Züge, die wohl nur wenige je in allen Facetten zu sehen bekommen oder bekommen haben. Auch sie ist sich sicher nur einen minimalen Teil davon zu Gesicht bekommen zu haben und doch, ob all dem, was er schon erlebt hat, ist es in ihren Augen ein Geschenk.

Den Rest des Tages verbringen sie in der Bibliothek und zwischen den Anproben der Schiene fragt Sigourny Shalhor regelrecht Löcher in den Bauch, ob all der Dinge, die sie in dem Reisebericht entdeckt. Geduldig beantwortet er all ihre Fragen. Als Dar sich nach der letzten Anprobe schließlich verabschiedet, bedankt sie sich auch bei ihm. „Vielen Dank! Und bitte sag Briant und vor allem Tane, dass sie bloß keinen Unsinn machen sollen. Und wenn irgendetwas ist, sollen sie es mich wissen lassen.“ Ihr ist schon etwas unwohl, die ihren allein und schutzlos vor der Grappe zu lassen …. Allerdings, da muss sie allen zähneknirschend recht geben: Ihre Abwesenheit könnte die Aufmerksamkeit vom Pfirsich ablenken. Trübe Gedanken lässt Shalhor aber erst gar nicht aufkommen. Heute ist sie an der Reihe, sich das Abendmahl auszusuchen. Ihre Wahl lässt ihn belustigt die Augenbraun hoch ziehen: warmer Linsensalat mit Hähnchen, Möhren und Äpfeln. Aber so wie sie seinen Fisch und Muscheln versucht hat, wagt er sich über diese doch etwas ungewöhnliche, wenn auch einfache Kreation. „Weißt du, ich liebe Salat in fast allen Varianten.“ vertraut sie ihm an, während sie beim Essen genussvoll ein Karottenstücken aufspießt.

Im Anschluss kommt sie dann noch in den Genuss der Hausführung, wobei er sie erneut nicht selbst gehen lässt, sondern behutsam herumträgt. In der großen Halle setzt er sie auf den Rand des Brunnens. Gedankenverloren fährt sie mit den Fingern über die Wasseroberfläche, auf der die Seerosen ungeachtet des doch schon weit fortgeschrittenen Jahres in voller Blüte treiben. Ihr entgeht keineswegs der Anflug von Melancholie in seiner Stimme, als er ihr erzählt, wie in elbischen Haushalten sich das Leben in solch einer prächtigen Halle abspielen würde. So ähnlich wie die Küche im Pfirsich. Für die Gäste spielt sich das gesamte Treiben in Schankraum beziehungsweise natürlich auch den Zimmern ab, das wahre Herzstück des Hauses ist aber die Küche mit dem riesigen, schon etwas abgenutzten Eichentisch. Auch wenn sie sich kaum je alle gemeinsam dort versammeln, irgendjemand ist immer in der Küche und auf der Anrichte im hinteren Teil steht für die Bewohner immer die eine oder andere Erfrischung und Verköstigung bereit. Ihre Finger gleiten weiter durch das Wasser, als er ihr die beiden Statuen neben der Tür und die beiden Gemälde über den Kaminen erläutert. Auch wenn er es zu verbergen sucht, ein kleiner wehmütiger Unterton ist in seiner Stimme, als er von seiner Frau und seiner Tochter spricht. Sie ist im Gegensatz zu ihm keine Empathin, aber eine Frau mit feinem Gespür für Stimmungen, angeeignet durch die harte Schule des Lebens. Er hat mittlerweile neben ihr Platz genommen und aus einem Impuls heraus fährt sie ihm mit einer sanften Geste übers Gesicht, streicht eine verirrte Haarsträhne aus seiner Stirn. Er muss sich mitunter sehr einsam fühlen! Doch sie spricht diesen Gedanken nicht aus, ist sie sich doch sicher, dass er sich selbst eine solche Schwäche nicht zugestehen will und sie ihr auch nicht zeigen würde … vielleicht irgendwann einmal, doch noch nicht jetzt. Denn seine Stärke und seine Selbstdisziplin ist für ihn so notwendig wie die Luft zum Atmen. „Es ist wunderschön, das alles hier!“ erwidert sie stattdessen. > Und wo Du Dich hier nun besser auskennst, magst Du vielleicht den Platz aussuchen, wo wir beide noch ein Glas Wein vorm zu Bett gehen trinken? <

Nachdenklich legt sie den Kopf schief und tippt mit den Zeigefinger an ihre Lippe, eine unbewusste Geste, die sie immer macht, wenn sie nachdenkt. „Wenn der Fuß nicht wäre, würde ich dich jetzt um einen Spaziergang am Strand bitten. Ich bin es einfach nicht gewohnt, den ganzen Tag mehr oder weniger still zu sitzen. Aber … wäre die Sitzgruppe in deinem Gemach in Ordnung, also im Fensterrund?“ Sie wird bei diesen Worten tatsächlich ein wenig rot, will sie sich ihm doch in keinster Weise aufdrängen. „Ich meine, auch wenn es schon dunkel ist … es ist Vollmond und der Himmel ist klar und … ich würde gern den See sehen, er ist so friedlich.“ >Gern Puh‘! < Und so wird sie die Treppen wieder hinauf getragen und in jenem Sessel abgesetzt, auf dem sie schon in den Morgenstunden gesessen ist. Ihr Fuß wird erneut auf den anderen Stuhl gelegt, mittlerweile pocht darin doch wieder ein dumpfer Schmerz und nur wenige Augenblicke später bringt eine der Mägde eine Karaffe mit Rotwein, zwei Gläser ... und eine Schüssel mit Eiswasser sowie einige Handtücher. >Kalte Wickel werden euch gut tun Madame! < Flugs legt sie ein Handtuch unter den verletzten Knöchel, damit der Stuhl nicht nass wird und wickelt das Gelenk anschließend in eines der Tücher, welches zuvor gründlich eingeweicht wurde. Sigourny schnappt erschrocken nach Luft. Kalt! Aber angenehm, das stimmt. „Vielen Dank!“ Sie schenkt der Frau ein herzliches Lächeln. Die Magd erkundigt sich noch, ob sie noch weitere Wünsche haben, ehe sie den Raum nach einem kurzen Knicks verlässt.

In der Küche wird Adele, denn niemand anderes war auf die Idee gekommen nebst dem Wein auch noch Eiswasser ins Herrengemach zu bringen, vom Rest des Gesindes schon erwartet.
>Und, was ist da oben los? <
>Nichts, sie sitzen am Fenster und trinken Wein. <
>Was hat sie an? <
>Das Kleid von gestern, was sonst? <
>Ich weiß ja nicht, der schwarze Mann hat ja diesen Sack gebracht heute Morgen. Wo hast du den hingetan Jorindel? <
>Neben die Kästen seiner Lordschaft, wo denn sonst hin? <
>Hast du denn nicht hinein geschaut? <
>Götter bewahre nein! Das kann ich nicht. Das wäre seiner Lordschaft bestimmt nicht recht. Ich würde mich sowas nie trauen. Auf was für Ideen kommst du nur? <
>Ich bin mir sicher, da ist noch mehr von der liederlichen Wäsche drinnen, denkt nur an das Hemdchen! <
>Also auf mich wirkt sie sehr freundlich, ich meine …<
>Naives Gänschen, was denkst du denn? Solche sind immer freundlich, das bedeutet gar nichts!<
>Ich weiß nicht, ich denke …<
>Und ich denke, ihr sollte wieder an die Arbeit gehen, Marthe hast du nicht noch Wäsche zum Stopfen? Und Jorindel, in der Bibliothek gehört noch Staub gewischt, jetzt wo seine Lordschaft mit seinem Gast nach oben gegangen ist.<
Mit diesen Worten scheucht Adele die beiden Mägde wieder an die Arbeit. Kopfschütteln sieht sie ihnen nach. Auf sie macht die junge Frau, die seine Lordschaft da ins Haus gebracht hat, auch einen freundlichen Eindruck und passt eigentlich gar nicht in das Bild, das sie sich so von den Damen aus einem Bordell so gemacht hat. Alles sehr seltsam!

Von all dem haben Sigourny und Shalhor natürlich nichts mitbekommen. Der Elb hat sich einen weiteren Stuhl geholt, den er neben ihrem abstellt. Nun sitzen sie nebeneinander, jeder mit einem Glas in der Hand und blicken in vertrauensvollem Schweigen auf den See. Shalhor hat den freien Arm um ihre Schulter gelegt und sie lehnt sich an ihn. Nach und nach kommen die Sterne hervor und über dem Ildoriel steigt der Mond empor. Um die angenehme Kühle, die im Raum herrscht, für die Nacht zu bewahren, wurden keine weiteren Scheite in den Kamin nachgelegt. Als Sigourny fröstelt, legt er ihr das Schultertuch, dass schon seit dem Morgen auf einem der Stühle hängt um ihre Schultern. „Danke Seemann!“ Erneut setzt er sich wieder zu ihr, schenkt Wein nach und prostet ihr zu. Dann genießen sie die Stille und die Nähe des anderen. Sie hat keine Ahnung, wie viel Zeit vergangen ist, aber irgendwann löst er seinen Griff um ihre Schulter. >Lass uns zu Bett gehen Puh‘. < Sigourny nickt. > Ich bringe deine Sachen hinter den Paravent, dann kannst du dich in Ruhe umziehen. < So folgt sie ihm und als er sie allein lässt, wühlt sie sich durch die Dinge, die Briant ihr geschickt hat. Haarbürste, Nachthemd, alles da. Im Raum hört sie Shalhor rumoren. Kritisch beäugt sie ihre Schulter: Das Blau des Blutergusses verfärbt sich bereits Richtung Violett. Als sie sich umgekleidet hat, bürstet sie noch ihre Haare bis diese sich in einem seidigen Schleier über ihren Rücken ergießen, ehe sie in den Raum zurückkehrt. Eben fällt das Mondlicht durch eines der Fenster, gerade als sie an diese Stelle tritt. Das Licht fällt genau auf sie: Ihr Nachthemd umschmeichelt ihre Figur und ihre langen Beine, ehe es knapp über ihren Füßen endet. Im Gegensatz zu ihrem Hemdchen ist es nicht durchsichtig, sondern aus helllila Badist, der im Mondlicht leicht silbrig glänzt, ebenso wie ihr Haar. Das Oberteil wird von breiten Trägern auf ihren Schultern gehalten, die in einem V-Ausschnitt münden. Obwohl es nicht eng anliegt, zeichnen sich ihre Kurven doch deutlich ab.
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Shalhor

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Sunday, February 24th 2019, 5:06pm

Sie hätte das Botanikum wählen können und es wäre der gleiche Ausblick auf die Monde und Sterne über dem Ildorel. Dennoch gibt es in seinen Augen keinen Grund zur Verlegenheit. Sein Rückzugsort ist in diesen Tagen auch der ihre und er teilt sein Gemach gern mit ihr. Als er sie nach oben bringt, fällt ihm sofort auf, dass neben aller wiederhergestellter Ordnung nicht nur sein Bett fein säuberlich gemacht, sondern frisch bezogen wurde. Damit dürfte also jede Orakelei über eine Liebschaft mit der Shebaruc in diesem Haus endgültig hinfällig sein, tröstet sich Shalhor im Stillen, weil er längst weiß, dass die Phantasie seines Gesindes neue Nahrung gefunden hat. Sie tun es, den Göttern sei Dank, nicht auffällig, doch die verunsicherte Neugier die Sigourny schon den ganzen Tag folgt, hätte ihm schwerlich entgehen können. Verdenken kann er es ihnen nicht nach allem, was sich gestern auf Taresnar zugetragen hatte - angefangen bei einem jungen Mann, der ihn mit radikalen Methoden aus dem Bett holte, bis hin zu einer bildhübschen Frau, die er mit in selbiges nahm, von blutgetränkten, übelriechenden Aufmachungen und hauchzarten Hemdchen zwischendurch ganz zu schweigen. Aber er verlässt sich darauf, dass nichts von alledem Taresnars Mauern verlassen wird und wenn die nächsten Tage so unaufgeregt verlaufen wie der heutige, wird alle Aufregung verblassen. Er beobachtet Adele, die ihnen den Wein bringt und ihr umsichtig einen kühlen Umschlag verpasst und ist zufrieden. Dann holt er sich den Stuhl vom Kamin, damit sie ihren Fuß weiter hochlagern kann, schenkt ihnen ein und macht es sich neben ihr bequem.

Seemann ... immer wenn sie ihn so nennt, rinnt ein warmer Hauch über seine Brust, als streife ihr Atem wieder seine nackte Haut. Er mag dieses Gefühl, als berühre sie ihn, ohne dafür eine Hand zu brauchen. Ach komm, jetzt tu doch nicht so, als würde Dich stören, wenn sie sie gebraucht, meldet sich allerdings prompt eine gehässige, innere Stimme zu Wort, die er mit unzähligen Ausflüchten in die verschlungensten Winkel seines Geistes zurückdrängt, weil er das weder ihr noch sich antun will. Eine zeitlang könnten sie gewiss glücklich sein, dass ist es ganz sicher nicht. Aber eines Tages wird sie feststellen, dass sie sich verändert, wie er es nicht kann. Sie wird beginnen sich zu fragen, ob er sie noch schön und begehrenswert findet und anfangen ihm zu misstrauen, ganz gleich wie er sich um sie bemüht. Sie wird Vorhänge verlangen und jedes Licht zu löschen, wenn sie zu Bett gehen. Pur wird er sie nie mehr sehen, bald auch nicht mehr berühren dürfen und schließlich des Gemaches verwiesen.Vielleicht könnte er mit den einsamen Nächten umzugehen lernen, wären die Tage nicht so kompliziert. Er müsste immer darauf achten, wann er welcher Frau wie begegnete, ganz gleich ob gesellschaftlich oder in geschäftlichen Belangen. Und es wäre doch nur ein Aufschub, bis es sie zerstört ... Was weißt Du schon von Frauen? Macht Dich eine zum Experten? Neridye war eine wunderbare Frau. Aber Du musst auch zugeben, wie behütet sie stets war. Sie hat sich nie durchbeißen müssen und musste nie lernen zu kämpfen. Ihr Vater hat sie verwöhnt und dann Du. Puh'daerai ist anders. Sie ist mutig und sie kämpft, wenn sie muss. ... ja,vielleicht ...

"Lass uns zu Bett gehen, Puh'". leert er sein Glas, der waghalsigen Gedankenspiele müde und trägt ihr den mitgebrachten Sack mit ihren Sachen hinter den Paravent, wo sie sich ungestört für die Nachtruhe zurecht machen kann. Er wird das gleiche tun und er wird sich beherrschen. Das kann er. Darin ist er wirklich gut. Ist er nicht. Ihr Anblick raubt ihm schier den Atem. So unfassbar schön, in fließend leichtem Gewand und silbernes Mondlicht gehüllt, bringt sie sein Herz dazu, ihren Namen zu flüstern und viel zu überwältigt um etwas zu sagen, tritt er vor sie mit Augen voller Bewunderung. Er kann ihr nicht widerstehen. Seine Hand hebt sich wie von selbst an ihr Haar, während seine andere ihren Arm hinabstreift, um sich in ihre zu schieben und seine Lippen sinken auf ihren süßen Mund, hauchzart. Er wird sie lieben in dieser Nacht, doch es wird anders sein als das erste Mal. Er darf sie entdecken, jedes kleinste Fleckchen betörend zarter Haut an ihr, so hingebungsvoll, dass er sie jederzeit malen könnte, besäße er dieses Talent. Er darf sie locken und verführen mit all der Zärtlichkeit, die er für sie empfindet und mit ihr verglühen.
Man sollte keine Dummheit zweimal begehen, die Auswahl ist schließlich groß genug!

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Sunday, February 24th 2019, 6:38pm

Die Sonne steht schon über dem Ildoriel, als Sigourny in Shalhors Arme geschmiegt aufwacht. In dieser Nacht ist sie von Alpträumen verschont geblieben, was wohl auch an der Art und Weise gelegen hat, in der er sie zu Bett gebracht hat. Beim Gedanken daran schleicht sich ein Lächeln in ihr Gesicht: Schweigend war er auf sie zugegangen, als sie vom Mondlicht beschienen hinter dem Paravant hervor getreten war. Sanfte Finger hatten mit ihren Locken gespielt, während seine Lippen sich gleich einem Flügelschlag eines Schmetterlings auf die ihren gesengt hatten. Wortlos waren sie die Stiegen zur Empore hinauf gestiegen, um auf die Bettstatt zu sinken. War ihre Vereinigung am Vortag noch von wilder Leidenschaft geprägt gewesen, war diese von Zärtlichkeit gekennzeichnet. Diesmal hatte Sigourny sich ganz Shalhors Führung überlassen und hatte in seinen Armen schließlich Erlösung gefunden. Aneinander geschmiegt waren sie danach in Schlaf und Trance gesunken und diese hatten bis eben angedauert. Mit einem sanften Kuss auf die Nase weckt sie ihn. „Guten Morgen Seemann!“ >Guten Morgen Puh‘! < Sanft drückt er sie an sich. Die Stille genießend liegen sie noch einige Minuten nebeneinander. Sigourny fährt die Narben an seiner Schulter und seinen Rippen nach, beobachtet sich dabei in jenem Spiegel, der ihr schon in der Nacht anregende Einblicke ermöglicht hat. Irgendwann würde sie ihn nach den Geschichten dazu fragen, aber jetzt ist sie zu träge.

Viel zu schnell ist dieser Moment der Zweisamkeit zu Ende und während Shalhor sich ankleidet, beobachtet sie ihn. >Ich hole uns Frühstück Puh. Solange die Schiene nicht fertig ist, solltest du nicht zu viel herum laufen. < „Klingt gut. Und …. Kannst du mir eine Tasse heißes Wasser mitbringen? Also zusätzlich zum Coffea?“ >Heißes Wasser? < echot er. „Mach‘s bitte einfach … Frauenangelegenheiten.“ Frech zwinkert sie ihm zu. Leise lachend schüttelt er den Kopf, verlässt aber dann das Gemach. Während er in die Küche hinunter geht, humpelt sie hinter den Paravent. Heute Abend würde sie Shalhor um ein Bad bitten. Für einen kurzen Moment überkommt sie ein Anflug von schlechtem Gewissen: Sollte sie nicht eigentlich in den Pfirsich zurückkehren? Doch im Moment fühlt es sich so gut an hier zu sein, sich einfach nur sicher zu fühlen. Und vor allem in Shalhors Nähe zu sein. Sigourny al’Mere, was bei allen Göttern hat der Kerl mit dir angestellt? fragt sie ihr Spiegelbild. Nachdenklich fährt sie über ihren Rock, den sie zuvor angezogen hat. Auf der Höhe ihres rechten Oberschenkels verharrt ihre Hand. Sie würde Shalhor fragen müssen, wo ihr Messer und die restlichen Waffen sind. Doch im Moment … Sie hört eine Tür klappen und der feine Geruch von Coffea steigt ihr in die Nase. Rasch kramt sie die kleine Dose heraus, die Briant ihr eingepackt hat. Das Mädchen denkt wirklich an alles. Damit sollte sie vor kleinen Überraschungen sicher sein, solchen, die in neun Monden die Nacht zum Tag machen und den Wäscheumsatz explosionsartig ansteigen lassen. Einige Blätter reichen, den Rest lässt sie wieder im Beutel verschwinden. Dann humpelt sie wieder hervor in Richtung des Fensterrunds.

Der Hausherr hat es sich schon gemütlich gemacht.>Ich muss dich heute für ein paar Stunden allein lassen Puh‘. Eben kam eine Nachricht aus der Werft, es gibt Probleme. Schau nicht so erschrocken, es hat nichts mit dir oder der Grappe zu tun! < „Bist du dir sicher?“ Trotz aller Mühe kann sie ein leichtes Zittern in der Stimme nicht unterdrücken. >Ja bin ich. < Beruhigend drückt er ihre Hand. >Fühl dich wie zu Hause, Dar kommt im Laufe des Vormittags und wenn die Schiene fertig ist, kannst du im Garten ein wenig spazieren gehen. Sag nur unbedingt Xilian Bescheid, dass er sich der Hunde annimmt. < Er drückt ihr einen sanften Kuss auf den Kopf und schickt sich an zugehen, als es klopft. >Verzeiht die Störung Mylord, aber der Zwerg Dar ist hier, um die Arbeit von gestern fertig zu stellen. <
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Tuesday, February 26th 2019, 4:00pm

Zufrieden blickt der Zwerg die von den Schraubzwinge befreite Arbeit des gestrigen Tages. „Nein, es hat keine Eile und ich will auch gewiss nicht beim Frühstück stören.“, wehrt Dar das Angebot ab, ihn direkt zu Shalhor und Sigourny zu führen, nachdem er – darauf bestanden habend, als erstes den Zustand seiner gestrigen Arbeit zu prüfen – sich zum Arbeitszimmer des Hausherren hatte bringen lassen. Ein echtes Meisterstück war es sicherlich nicht, aber eine rundum gute Arbeit ist ihm hier offensichtlich schon gelungen. Auch scheinen sich die beiden Schalen der Schiene nicht erkennbar verzogen zu haben, was aber natürlich nur eine weitere Anprobe würde klären können. Leise vor sich hin summend – wie dabei nur allzu deutlich aufzeigend, weswegen es unter seinesgleichen keine Harfner doch gibt – prüft Dar die Festigkeit des verleimten Holzes, schleift hie und da offenkundige Bearbeitungsfehler zurecht und versieht gerade die Hölzer mit Riemen und Schnallen sorgfältig zu einem gelungenen Ganzen, als schließlich Shalhor und Sigourny das Arbeitszimmer betreten, oder besser gesagt, Shalhor, Sigourny den Armen tragend, schließlich eintritt. „Ich grüße Euch, Shalhor. Guten Morgen Sigourny.“ Während Dar ohne weitere Umschweife Sigourny bittet die Schiene anzuprobieren und nun auch erste Schritte damit zu wagen, verabschiedet sich Shalhor auch schon wegen dringlicher Aufgaben bis zum Nachmittag von Ihnen. Hinter diesem her eilend versucht Dar vorgeblich nochmals nachdrücklich selbigem seine Absicht nahe zu bringen, doch gemeinsam zum Faêyris-Tempel zu fahren und bei der Gelegenheit dort seine Arbeit auch nochmals vorführen zu können. Doch im Flur, jenseits der Hörweite der im Arbeitszimmer noch immer ihre Schiene anprobierenden Sigourny, ist Dars gezeigte Begeisterung für seine Arbeit wie fortgewischt. Den Elben am Unterarm festhaltend flüstert der Zwerg leise aber eindringlich: „Es wäre klug, Euch – was auch immer Ihr in der Oberstadt“, die letzten drei Worte wispert Dar mit einem merklichem Unterton in der Stimme, „heute zu unternehmen habt – möglichst offen zu zeigen, das kein Zweifel daran entstehen kann, wo Ihr den Tag über gewesen seid.“

Dann ist der Zwerg auch schon wieder zurück, ehe Sigourny Anlass finden kann, misstrauisch zu werden. Die Schienen haben sich doch noch minimal verzogen und auch mit den nun an diesen, wie auch durch diese nun befestigte Riemen gibt sich hier und da noch einiges Weniges zu verbessern, was aber schnell erledigt ist, so das Dar nicht einmal den vierten Teil einer Stunde später, das innen liegende Leder mit kleinen Nägeln fest an das Holz der Schienen nagelt und Sigourny strahlend ihre neue und fertige Schiene überreicht. „Ich habe übrigens meiner Lehmeisterin dermaßen von den Schienen schon vorgeschwärmt, das ich sie – glaube ich – auf die Arbeit doch schon neugierig auch gemacht habe. Du hättest nicht Lust, einen ersten Ausflug zum Tempelbezirk darum zu wagen, die Schiene im Einsatz gleich zu erproben?“ Skeptisch blickt Dar dabei auf Sigourny, die ihre ersten Schritte mit der angelegten Schiene im Arbeitszimmer nun wagt und so zufrieden er mit dem Ergebnis auch ist, steht er einem Spaziergang, quer durch die halbe Stadt, dann doch eher skeptisch gegenüber. „Meinst du, man würde uns auch ohne Shalhors Anweisung die Kutsche oder zumindest doch ein einzelnes gesatteltes Pferd für dich bereit stellen?“ In seinem großartigen Plan, sich in der Stadt sehen zu lassen, hatte er eigentlich an einen Ausflug m i t dem Reeder gedacht. Was aber wenn wir nun hier festsitzen, ungesehen, unbespitzelt von Grappes Schergen? „Was meinst du?“ setzt Dar nach kurzem Grübeln schließlich, bemüht ungetrübt sich gebend, die Handflächen dabei aneinander reibend und mit einem schalkhaften Blick in den Augen, unternehmungslustig hinterher. „Wollen wir uns mal aufmachen und schauen, was hier auch ohne den Hausherren von uns alles bewegt werden kann, meine Arbeit im Tempel vorzuführen?“
“Siehst du einen Riesen, so prüfe den Stand der Sonne und gib acht, ob es nicht der Schatten eines Zwerges ist.”

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