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Shalhor

Stadtbewohner

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Occupation: Schiffbauer / Reeder

Location: Talyra

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76

Wednesday, December 26th 2018, 4:45pm

> Naja, wenn es wichtig gewesen ist, wird sie bestimmt noch mal einen Brief schreiben <, erwidert Kaya, als sie sich neben ihn auf die Armlehne seines Sessels setzt und es soll offenkundig tröstlich klingen. Nur warum? Was muss er denn noch anstellen, damit auch die letzte Menschenseele in diesem Hause begreift, dass er weder die Shebaruc selbst noch deren Briefe (ganz gleich wie edel und duftend) oder irgendwas sonst von ihr hier duldet? Ein Königreich für deine Gedanken, Wölfchen, stützt er sich auf die andere Lehne und reibt sich enerviert über Stirn und Augen.
> Macht dich diese Frau… traurig? Warst du mal… in sie verliebt? < ... WAAAS? Ihr treibt's mit ... Da lacht er auf. Es ist kein schönes oder frohes Gelächter, sondern schief und kalt, vollkommen bar jeder Heiterkeit und endet mit einem Laut, der an ein gequältes Stöhnen erinnern mag. Er weiß, dass er es ihr erklären muss, wenn sie es verstehen soll, wenigstens einen Teil und seine Hand legt sich warm und schwer auf ihr Bein. Damit hätte er gern noch gewartet, bis sie älter ist. Aber nun muss es wohl so sein.
"Die Shebaruc sind Todfeinde aller Elben, besonders meines Volkes. Einst waren sie Elben, so wie wir, unsterblich und rein und wir lebten wie Brüder in vollkommener Eintracht mit ihnen und allen anderen Elbenvölkern im Fîrenglorion Amrun auf Tian Sidha, frei von allem Bösen und der Finsternis. Es waren gesegnete Lande, denn die Himmelsinseln waren die Heimstatt der Götter selbst und nichts welkte oder verdorrte, erkrankte oder starb im Schatten ihres Seins. Allein der Dunkle zog es vor, in den tiefsten Tiefen der Immerlande zu leben und hatte sich die Unterwelt zu eigen gemacht. Er neidete den anderen Zwölf Mächten unsere Liebe und Verehrung, den Frieden, all ihre Werke und die Schönheit ihrer Lande und sann darauf, all das zu zerstören und ganz Roha seiner Macht und dem Chaos zu unterwerfen. Er versuchte uns mit heimtückischen Einflüsterungen zu verführen. Alle widerstanden, alle ... nicht aber die Shebaruc. Sie schenkten ihm Gehör, begannen ihm zu vertrauen und er pflanzte die Saat von Neid, Zwietracht, Habgier, Rachsucht und Hass in ihre Herzen, so dass sie verdarben und sich im Verborgenen der Dunkelheit zuwandten und niemand ahnte davon, nicht ihre Brudervölker, nicht die Götter selbst, niemand, selbst als in den fernen Gegenden der Immerlande weit jenseits der großen Meere längst ein erbitterter Kampf zwischen den Zwölf Mächten und dem Dunklen um die Vorherrschaft über Roha entbrannte. Als sich jedoch das Dritte Zeitalter der Welt seinem Ende neigte und der dunkle Gott in den Ring des Schicksals gerufen wurde, um das Urteil zu hören, das die Zwölf ihm für seine Frevel und seine finsteren Taten auferlegt hatten, da war seine Stunde gekommen. Er beugte sich nicht, sondern entfesselte die Kräfte des Chaos und so kam es zum Krieg zwischen den Göttern. Alle Elbenvölker eilten den Heerscharen des Himmels zu Seite, um den Zwölf Mächten im Krieg der Götter beizustehen, auch die Shebaruc rüsteten sich für die Schlacht ... nicht aber um uns beizustehen. Sie fielen in die Bucht von Danjafar ein, metzelten jene nieder, die sie so arglos wie Brüder und Schwestern empfingen, löschten ganze Häuser aus, so viele meines Volkes, sie machten Taran Tianmar dem Erdboden gleich, stahlen unsere Schiffe und flohen auf ihnen über das Meer nach Osten, denn sie wussten von der Zerstörung, die über die Himmelsinseln und uns alle kommen sollte. Seither dienen sie niemand anderem als dem Dunklem selbst und seinem Angesandten Yogothzar, dem Dämonenfürsten und Mund des Dunklen ... sind Verräter und Brudermörder, verdarbte, sterbliche Kreaturen der Finsternis, widerwärtigster Abschaum und Feinde aller göttertreuen Geschöpfe.
Er hat sie alle Tücke und Hinterlist gelehrt und wer weiß, welch dunklen Künste noch. Vor fünfzehn Sonnentänzen gelang ihnen ein besorgniserregendes Meisterstück. Sie bedienten sich einer marodierenden Nargenhorde, um unsere Aufmerksamkeit von Talyra weg ins Umland zu lenken und während unser Augenmerk auf den Sümpfen im Nordosten bei den Ruinen von Liam Cailidh ruhte, schlich sich eine von ihnen unbemerkt in unsere Stadt. Binnen kürzester Zeit fiel der einflussreichste Mann dieser Stadt ihren Einflüsterungen anheim und wurde ihr hörig. Sein Einfluss und seine Beziehungen öffneten ihr Tür und Tor und jeder, der nur einen viertel Glockenschlag in ihre Nähe weilt, fällt in ihren Bann und kann nicht anders, als sie zu lieben und zu verklären, was immer sie auch tut. Selbst als sie vor drei Zwölfmonden Mann und Kinder verriet und ohne ein einziges Wort verließ, wurde sie wieder mit offenen Armen empfangen, als sei nichts gewesen und über das was gewesen war, decken all ihre Jünger den Mantel eisernen Schweigens. Es würde mich nicht wundern, wenn ich inzwischen der Einzige bin, der sich überhaupt noch daran zu erinnern vermag, der Einzige, der sich erinnert, was sie tatsächlich ist und ihr nun offenkundig ein Dorn im Auge. Ich gehe davon aus, dass ihr Brief danach trachtet, dies zu ändern. Doch noch hat sie keine Macht über mich und ich will alle Vorsicht walten lassen, dass es so bleibt."
Man sollte keine Dummheit zweimal begehen, die Auswahl ist schließlich groß genug!

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This post has been edited 3 times, last edit by "Shalhor" (Jan 6th 2019, 11:41am)


Kaya

Stadtbewohner

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Occupation: angehende Schamanin

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77

Sunday, January 6th 2019, 9:02pm

Sein Lachen vertreibt Kayas trösten wollendes Lächeln. Nicht, dass sie ihn schon oft laut lachen gehört hätte. Aber dieses jetzt ist ihr völlig fremd und unangenehm. So… kalt. Läge ihr nicht an ihm, sie würde aufspringen und Abstand zwischen sich und den Elben bringen. Doch sie bleibt sitzen, wenngleich wachsam, und wartet ab. Seine Hand legt sich auf ihr Bein, dass Kaya fast den Eindruck hat als solle sie die plötzliche Distanz zwischen ihnen überbrücken.
Und dann beginnt er zu erklären und holt dafür weit aus. Ziemlich weit. Für einen Elben vielleicht gar nicht so weit. Für Kaya jedoch ist die ganz Erzählung um die Elben und Shebaruc und Götter (mit denen sie es ja sowieso nicht so hat) schon recht schwer in dieser Gesamtheit zu erfassen. Mal ganz abgesehen davon, dass Kaya sich nicht gleich erschließen will, was das Ganze mit dieser Azra Blutaxt zu tun haben soll.
>Es würde mich nicht wundern, wenn ich inzwischen der Einzige bin, der sich überhaupt noch daran zu erinnern vermag, der Einzige, der sich erinnert, was sie tatsächlich ist und ihr nun offenkundig ein Dorn im Auge.<
Kaya runzelt die Stirn und mustert den Hausherrn skeptisch. Wenn sie ihn richtig verstanden hat und es so ist, wie er sagt, dann hätte diese Frau verdammt viel Macht. Und das soll niemandem aufgefallen sein? Und ja, Rialinn sprach wohlwollend von dieser Frau, aber nicht als stünde sie unter einem Bann oder dergleichen. Und Kaya ist sich zudem eigentlich recht sicher, dass sie früher oder später so etwas an dem Elbenkind bemerkt hätte.
„Verstehe…“, erwidert sie nach einer Weile leise, obwohl sich unlängst noch Fragen aufgetan haben. „Aber…“ Kaya neigt den Kopf. „Kann es nicht sein, dass sie vielleicht doch einfach nur… nett ist?“, hakt Kaya vorsichtig nach. Shu’re Shalhors Gesichtsausdruck lässt sie schnell weiter sprechen.
„Ich meine, ich weiß, dass zumindest nicht alle sooo böse sein können. Immerhin hat einer von ihnen Anaana* gerettet, vor seinem eigenen Volk.“ Kaya kann sich noch an diesen Shebaruc mit dem kurzen, schwarzblauen Haar erinnern, auch wenn sie vielleicht nicht mehr die ganze Geschichte zusammen bekommt, die der Shebaruc und ihre Mutter ihre damals erzählt hatten. „Ma… Mavir… Mahavir! Mahavir irgendwas aus dem Haus… hm… Bernstein, glaube ich.“ Kaya zuckt mit den Schultern.
„Und er hatte auch ein Mädchen aufgenommen. Sie war ein bisschen älter als ich.“ Wirklich gemocht hat Kaya das Mädchen mit den dunklen Locken und der Haut dunkler als ihre eigene, aber lange nicht so schwarz wie die ihrer Mutter, nicht wirklich. Warum könnte sie allerdings gar nicht sagen. „Jedenfalls war er nicht so wie die Shebaruc, die du beschreibst. Und das ist auch gut so, sonst wäre Anaana eine Sklavin geblieben und ich hätte sie nie kennengelernt.“ Und wäre vermutlich noch in den Eisigen Öden gestorben…
„Und dich hätte ich auch nie kennengelernt“, Kaya blickt auf und das Lächeln, das sie ihm schenkt, ist warm und herzlich. „Du hast mich auch aufgenommen. Wenn auch nur Anaana zuliebe“, senkt sie kurz den Blick als sie sich an den Augenblick erinnert, in dem sie das Amulett ihrer Mutter in seine Hand legte. „Aber weißt du, was… lustig ist?“ Sie sieht wieder auf und ihn an.
„Als ich noch klein war und bei… einem Stamm lebte, wurden uns Kindern manchmal schreckliche Geschichten erzählt – Geschichten von den Káínawa, Wesen, mit Augen so schräg wie die der Schneetiger, die nicht altern und die man nicht töten, ja, nicht einmal schneiden kann, weil sie glänzende Rüstungen tragen gegen die Waffen nichts ausrichten können. Und wenn wir uns nicht benehmen würden, kämen sie lautlos in unsere Zelte geschlichen, um uns zu holen…“
Kayas Lächeln wird breiter und es funkelt amüsiert in ihren Augen. „So furchtbar, wie sie uns immer erzählt haben, finde ich dich gar nicht.“
Im nächsten Augenblick hat sie sich vorgebeugt, ihre Arme um Shu're Shalhors Hals geschwungen und ihn fest gedrückt. Genauso schnell entlässt sie ihn allerdings auch wieder aus der Umarmung, steht auf und macht Anstalten zu gehen.
Die Hand auf der Türklinke hält sie aber noch einmal zögerlich inne und blickt dann mit deutlich ernsterer Miene zu ihm zurück.
„Vielleicht… könnten wir ihn dieses Mal tatsächlich feiern… meinen Ehrentag. Wir beide. Wenn du Lust hast.“ Irgendwie hab ich das Gefühl, es könnte vorerst die letzte Möglichkeit sein, dies zu tun.
Leise zieht Kaya die Tür hinter sich ins Schloss.



* Anaana = Mutter

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Sigourny

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Occupation: Pfirsichwirtin und Teilzeitdiebin

Location: Der Pfirsich

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78

Sunday, January 6th 2019, 9:02pm

25.Nebelfrost 518

TANE

So schnell ihn seine Beine tragen rennt Tane durch die Straßen. Sein Ziel ist das Seeviertel, genau am anderen Ende der Stadt. Und hier ist es Taresnar, das Anwesen Shalhors, das er ansteuert. Seine Lungen brennen und in seiner Seite sticht es aber er bleibt nicht stehen, keinen Augenblick. Er hat Briant nichts von der Botschaft gesagt, die Sigourny hinterlassen hat aber er hat genau verstanden, was es bedeutet: Sie ist in die Unterstadt zur schwarzen Orchidee gegangen. Was sie dort will, kann und will er sich nicht vorstellen aber er hat keineswegs vor zu warten, so wie sie es geschrieben hat. Wenn es notwendig ist, würde er das verrückte Frauenzimmer an den Haaren (und davon hat sie genug) wieder nach oben zerren. Aber er weiß auch, dass es heikel werden kann und darum würde er nicht allein gehen. Dar hat er holen lassen, da der Zwerg zum einen stark, außerdem in der Heilkunst bewandert (mögen die Götter geben, dass diese Fähigkeiten nicht gebraucht werden) ist und vor allem weil er sich unter der Erde heimisch fühlt.
Und jetzt ist er auf dem Weg, das Spitzohr zu holen, das Sigourny schöne Augen macht. Sie merkt es vielleicht nicht aber er ist ein Mann und er weiß, wenn einer seiner Geschlechtsgenossen Gefallen an einer Frau gefunden hat. Egal ob Mensch, Elb, Zwerg oder was auch immer, die Blicke und Gebaren sind gleich. Und wenn der Lord schon ein Aug auf seine Pseudoschwester geworfen hat, dann soll er jetzt mal helfen, sie wieder raus zu holen aus in Was-auch-immer sie sich hineingeritten hat. Und das kann nichts Gutes sein, denn er hat nicht nur den Zettel gefunden, nein er hat auch gesehen, was sie mit ihrer Truhe angestellt hat und er kennt sie.

Endlich, nach gefühlten Stunden (in Wahrheit ist es nicht mal eine) erreicht er das Anwesen. Von vier beeindruckenden Faêntjares mit Blicken verfolgt rennt er den Zufahrtsweg entlang. Bleibt mir bloß vom Hals, ich hab keine Zeit mich mit wandelnden Flohbeuteln abzugeben. Doch die Hunde machen keinerlei Anstalten, ihn zu behelligen, auch nicht als er schwer atmend am oberen Ende der Treppe zum Stehen kommt. Türklopfer ist an dem mächtigen Portal keiner zu finden aber ein Glockenzug und der wird von Tane nun mit aller Kraft gezogen. Immer wieder bringt er die Glocke zum Schellen, bis sich im Inneren Schritte vernehmen lassen (die er hören würde wenn er nur für einen Moment mit der Läuterei aufhören würde) und eine sichtlich erboste Magd die Tür öffnet. >Seid ihr von allen Göttern verlassen, so einen Lärm zu veranstalten? Was soll das? Wer seid ihr, was wollt ihr? < Argwöhnisch mustert die Frau den einfach gekleideten und atemlos, aufgelöst wirkenden jungen Mann (der zugegebener Masse ein sehr hübsches Exemplar ist).

>Muss sofort Shu’re Shalhor sprechen! < japst Tane, sich nicht mit so Nebensächlichkeiten wie Begrüßungen aufhaltend. Die Magd stemmt die Fäuste in die Hüften. Das war ja die Höhe, so was Unverfrorenes! Mit eisigem Blick misst sie ihn von oben bis unten.


>Seine Lordschaft ist nicht zu sprechen. Ihr könnt eine Botschaft hinterlassen, er wird sich zur gegebenen Zeit bei euch melden! < Tane verdreht die Augen. Die Götter mögen ihn vor sturen Frauenzimmern schützen!

>Hör zu Frau, es geht um Leben und Tod! < >Das kann jeder sagen! <
>Ahhh, sei nicht so stur verdammt. Shalhor wird dir das Fell gerben, wenn er hört, dass du mich hier aufhältst! <
>Also das ist doch die Höhe, ein wenig mehr Respekt wenn ich bitten darf. Ich fordere …<

Was sie fordern will, interessiert Tane nun überhaupt nicht und so drängt er sich einfach an der Magd vorbei ins Haus. Verdammt, das ist ja ein riesen Kasten, wie soll er den Elb da auf die Schnelle finden? >Wo ist er, wo sind seine Gemächer? < herrscht er die Frau an, die ihn ansieht als würde sie ihn am liebsten in den Ildoriel werfen. Als sie außer einem erbosten Luftschnappen nicht weiter reagiert, platzt Tane endgültig der Kragen. >SHALHOR! WO STECKT IHR? < Er ist bereit das ganze Haus zusammen zuschreien wenn es sein muss. >Seid ihr wahnsinnig?< Die Magd starrt ihn entgeistert an, aber ob es das beinahe irre Glitzern in seinen Augen oder die Erkenntnis, dass es ihm wirklich ernst ist, ist, sie lenkt dann doch ein. >Kommt mit, aber ich warne euch, wenn das alles ein schlechter Scherz ist dann …< Tane schnaubt nur und folgt ihr ins Obergeschoß. Hier klopft sie an eine der Türen. >Eure Lordschaft, verzeiht die …< Weiter kommt sie nicht, denn Tane schiebt sie einfach zur Seite, reißt die Tür auf und stürmt in das herrschaftliche Schlafgemach. > Shalhor, steht auf, bewegt euren Hintern aus den Laken. Sigourny ist dabei eine riesen Dummheit zu machen, ich bin mir sicher sie ist zur Orchidee unterwegs! <
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Shalhor

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79

Tuesday, January 8th 2019, 8:17pm

Am Morgen nach Corvalants Hochtag

Vermaledeite Landratten! Kein Schiffer, Seemann, Fischer oder Flößer käme auf die frevelhafteste aller Ideen, in der Nähe eines Leidensgenossen ausgerechnet heute, nach dem Tag aller Tage einschließlich der zugehörigen und obligatorisch durchzechten Nacht, mit irgendetwas zu malträtieren, dass in irgendeiner Form irgendeinen Laut von sich gibt, von solchem Lärm ganz zu schweigen. Selbst Kaya, die nichts von alledem ist, weiß inzwischen, dass ihre Trommel heute gänzlich tabu und der Hausherr unter gar keinen Umständen zu behelligen ist, bevor er nicht selbst irgendein Lebenszeichen aussendet, besser doch gleich ganz abzuwarten, bis dieser von sich aus auftaucht. Den Göttern sei Dank bevorzugt seine Lordschaft, sich das zweite Federkissen seiner Bettstatt kurzerhand über das geplagte Haupt zu ziehen und dem impertinenten Dauergeläut zu entkommen, statt sich umständlich zu erheben, den Dreizack vom Waffenständer zu nehmen und vortreffliche Position auf der Galerie zu beziehen. Sein Gesinde wird sich schon um den Störenfried kümmern.

Mir das Fell gerben, echot Adele im Geiste. Dieses Bürschlein nimmt den Mund ganz schön voll, aber ihre Menschenkenntnis sagt ihr auch, dass wer so außer Atem und ohne ausgefeilte Geschichte hier auftaucht, um zu seiner Lordschaft vorgelassen zu werden, wohl wirklich in sehr dringlicher Angelegenheit an dieser Tür ... nun ja, läuten kann sie das gar nicht nennen. So rüde wie sich dieser Kerl gebärdet, passt er sehr gut in ihr Bild der Schauerleute, die im Hafen arbeiteten, großmäulig und sich für keine Prügelei zu schade und obendrein keine Ahnung, wie man sich gegenüber einer Frau verhält, ja so kennt man diese Grobiane. Vielleicht hat eines von seiner Lordschaft Schiffen Leck geschlagen, oder die Werft brennt. Was wenn die Speicher ... oh das mag sie sich gar nicht ausmalen ... und ob der Bursche von hier unten seine Lordschaft aus den Federn schreit oder das oben hoffentlich etwas respektvoller erledigt ... Sie hat ihn jedenfalls gewarnt. Und da er nun mit Sicherheit auch nicht die Shebaruc ist, führt sie ihn also die Stufen hinauf ins obere Stockwerk und die Galerie entlang in einen kleinen Zwischenflur, wo sie an die Tür des Herrengemaches klopft. "Mylord, verzeiht die ...", weiter kommt sie nicht, denn dieser rabiate Kerl drängt sie einfach beiseite und stürmt an ihr vorbei das Schlafgemach. Erschrocken späht sie ihm durch die aufgestoßene Tür nach und sieht den Hausherren in beinahe vollständiger Gewandung, so wie er gestern das Haus verlassen hatte, außer dem Mantel natürlich, den sie in der Früh schon von der Treppenstufen aufgeklaubt und ordentlich im Entree aufgehangen hatte und den Stiefeln, von denen einer dem ausgelegten Schneepantherpelz im Maul klemmt, auf seiner Bettstatt liegen, den Kopf unter einem dicken Daunenkissen vergraben und ein übler Dunst alkohol- und tabakrauchgeschwängerter, verbrauchter Luft schlägt ihr entgegen.

> Shalhor, steht auf, bewegt euren Hintern aus den Laken. Sigourny ist dabei eine riesen Dummheit zu machen, ich bin mir sicher sie ist zur Orchidee unterwegs! < Das Kissen hebt sich, weil es der Schädel darunter wohl auch tut und sinkt von einem Aufstöhnen begleitet gleich wieder herab. Schließlich dringt es nur noch dumpf darunter hervor: "Auf morgen verschieben ... bitte."
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Sigourny

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80

Tuesday, January 8th 2019, 9:23pm

TANE

Schon beim Betreten des Gemachs sind Tane die typischen Gerüchte einer durchzechten Nacht in die Nase gestiegen. Hola, das hat er dem Spitzohr gar nicht zugetraut. Bei seinen Besuchen im Pfirsich war seine Lordschaft immer bei zwei bis drei Gläsern Wein geblieben, von Angeheitertheit oder gar Rausch kein Gedanke. Jetzt wirkt Shalhor aber erledigt und unter normalen Umständen hätte Tane nichts als männliche Solidarität für ihn – aber es ist nun mal kein normaler Tag. >Auf morgen verschieben ... bitte. < Der junge Mann rollt die Augen. Na bestens, wirklich bestens. Sonnenschein, wenn ich dich in die Finger bekomme, du stures, wahnsinniges, komplett verrücktes Weibsbild. In was hast du mich da rein geritten? Mit einem Ruck versucht Tane dem Elben das Kopfkissen vom Gesicht zu ziehen aber man sollte niemals die Entschlossenheit eines Mannes unterschätzen, der seine Augen und noch mehr seinen Kopf vor den quälenden Sonnenstrahlen schützen will, die nach einer solchen Nacht zwangsläufig einer Folter gleichkommen. Unter dem Kissen, welches als Licht- und Lärmschutz fungiert, ertönt ein unwilliges und ganz und gar unfeines Grunzen. Das dauert zu lange, verdammt, bis ich den aus den Fellen hab, kann wer weiß was passiert sein da unten. Langsam bekommt Tane nun wirklich einen Anflug von Panik. Die Magd, die mit entrüstet in die Hüften gestemmten Fäusten in der Tür steht ist auch keine Hilfe. Was … Da fällt sein Blick auf den Wasserkrug, der neben der Waschschüssel steht. Das ist gemein, wirklich böse und radikal aber was soll er tun? Er kann Sigourny allein nicht helfen, schon in komplett gesundem Zustand wäre es schwer aber jetzt …. Er spürt die Nachwirkungen des vergangenen Tages in jedem Knochen, am liebsten würde er sich neben den Elben in dieses unverschämt große Bett legen, sich ebenfalls Kissen und Laken über den Kopf ziehen und sich in männlicher Solidarität gesund schlafen. Und sämtliche Weiber Weiber sein lassen.

„Bedank dich bei Sigourny!“ Knurrt er vor sich hin, schnappt sich den Wasserkrug und zieht mit einem entschlossenen Ruck das Kissen vom Gesicht des Reeders. Dann landet der (kalte) Inhalt des Kruges im Gesicht des Elben. Die Magd an der Tür stößt einen heiseren Schrei aus, Shalhor fährt hoch als hätte ein Goblin ihn in den Hintern gebissen und starrt Tane mit einer Mischung aus Mordlust und Unglauben an. Aber der junge Mann lässt den zwar nun wachen, aber dafür reichlich erzürnten Elben nicht zu Wort kommen „Sigourny ist in die Unterstadt zur Orchidee gegangen, irgendwann heute Nacht hat sie sich davon gemacht. Was sie dort will weiß ich nicht aber sie hat sich, wie ein Großteil der Leute im Pfirsich, mich eingeschlossen, gestern beinahe die Seele aus dem Leib gespuckt und somit ist sie sicher nicht gesund genug für was auch immer. Von mir aus könnt ihr mir später das Fell über die Ohren ziehen, mir ein blaues Auge oder sonst was verpassen, aber jetzt müsst ihr mir helfen dieses verdammte, wahnsinnige Frauenzimmer da wieder raus zu holen.“ Tanes Atem geht schwer. Und deutlich leiser fügt er hinzu „Bitte Shalhor, ich weiß euch liegt was an ihr. Ich weiß nicht was da unten zwischen ihr und der Grappe vorgefallen ist aber mein Gefühl sagt mir, wenn wir ihr nicht nachgehen sehen wir sie vielleicht nie mehr wieder.“
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Shalhor

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81

Wednesday, January 9th 2019, 11:30pm

Am Morgen nach Corvalants Hochtag

Mit einer ziemlich durcheinander geratenen Mischung aus Fassungslosigkeit, Qual und Mordlust, starrt er diesen geisteskranken, lebensmüden, götterverfluchten ... ähm ... Tane? Doch wie oft sich Shalhor auch dröhnende Stirn und brennende Augen reiben mag, der junge Mann will ihm einfach nicht den Gefallen erweisen, eine Sinnestäuschung zu sein und bleibt hartnäckig, was und wer er ist. Sein Geist ziert sich, in diesem Zustand denken zu wollen, hat schon mit den Worten, die er zu hören bekommt, so seine Schwierigkeiten und als er deren Sinn so einigermaßen begriffen hat, ist das Erste, was ihm tatsächlich dazu in den Sinn kommt: "Ich leg sie über's Knie", denn er weiß zwar nicht mehr so ganz genau, wie er letzte Nacht ins Bett gekommen ist, dafür aber was zwischen der Grappe und Sigourny da unten vorgefallen ist und teilt Tanes Befürchtung.

Adele jedoch glaubt, seine Lordschaft meint sie und beeilt sich, ihm zu versichern, dass der Eindringling beteuert habe, es gehe um Leben und Tod, sich unmöglich aufgeführt und schon in der Halle herumgebrüllt habe und schwatzt und schwatzt und schwatzt in dieser unerträglich aufgeregten Tonlage, die sein Haupt gefühlt zu einem Bienenkorb mit äußerst penetranten Innenleben anschwellen lässt, dass sich Shalhor mit dem Kissen nach ihr werfend Ruhe verschafft - die Ruhe, die er braucht, aus diesem brummendem Getöse einen brauchbaren Gedanken zu erhaschen? "Sigourny? ... Orchidee? ... Allein?", sind zunächst einmal die Fragen, die er Tane stellt, um sicher zu gehen, dass sie wirklich eine solch ausgemachte Dummheit begeht. Die nächsten Anweisungen gelten der obersten Magd: "Wasser! Viel! Kalt! Sofort!" Das veranlasst Adele dazu, dem jungen Mann den Krug abzuknöpfen und schleunigst durch die andere Tür des Herrengemachs in eine kleine Zwischenkammer zu eilen, die einen Zugang zur hauseigenen Zisterne gewährt - der schnellste Weg, eben jenen Krug wieder zu füllen und besser gleich noch einen Eimer dazu. Derweil "bittet" Shalhor Tane wortkarg zwar, aber einsichtig um seine Stiefel, lässt sich von ihm schließlich auf die Beine helfen und verlangt von Adele, ihm von den sauer eingelegten Fischfiléts zu bringen. Den gräßlichen Durst dagegen stillt er gleich ganz unkonventionell am Wasserkrug. Für Etikette ist jetzt einfach keine Zeit, genauso wenig fürs Umkleiden und seine Morgenwäsche besteht einzig darin, sein Antlitz in den Wassereimer zu tauchen, vor allem um wieder einen klareren Kopf zu bekommen. Und während er sich abtrocknet, formt sich tatsächlich auch endlich etwas in seinem Geist, dass nach einem brauchbaren Plan klingt.

"Wir nehmen Tyalo, einen meiner Hunde mit und fahren erstmal mit einer Kutsche zum Pfirsich, damit er ihren Geruch aufnehmen kann. Dann führt Ihr uns zu dem Zugang zur Unterstadt, den sie am wahrscheinlichsten genommen hat. Dort kann Tyalo ihre Fährte aufnehmen. Aye?"

Über seine Kleidung, die unbeachteter Weise noch die Gerüche der gestrigen Feierlichkeiten tragen, zieht er sich ein Kettenhemd, darüber einen Waffenrock und legt sich seinen Waffengurt, samt Wogenklinge um und steckt sich ein Langmesser in den Stiefel. Inzwischen ist auch Adele mit dem Gewünschten zurückgekehrt. Doch auf dem Tablett bringt sie nicht nur das Katerfrühstück für seine Lordschaft hinauf, sondern auch eine Nachricht, von der sie sagt, sie sei gestern schon eingetroffen, was gut möglich sein kann, denn Shalhor ist vor den Feierlichkeiten in der Gildenhalle nicht noch einmal nach Hause gekommen. Und als er dann nach Hause kam ... nun ja, dass Anwesen und allem darinnen hatte einfach zu sehr geschwankt, möglicherweise auch nur er. So genau möchte er das an dieser Stelle gar nicht hinterfragen, nur zukünftig besser die Finger von neuen Trinkspielen lassen. > Nur von Shalhor persönlich zu öffnen – Iza k'Dar <, steht auf dem doppelt gefaltetem, unversiegeltem Papyrus. Dar? Der Dar? Der Zwerg aus dem Pfirsich? Eilig falten seine Hände die Nachricht auf und überfliegen seine Augen die Zeilen, bevor sie sich mit nachdenklich gerunzelter Stirn auf Tane legen. So langsam schwant Shalhor, was Sigourny veranlasst haben könnte, noch in der Nacht zu verschwinden. Zorn ist ein schlechter Ratgeber, Pfirsichblüte, ein ganz, ganz schlechter! Die Nachricht, steckt er sich unter den Waffenrock, nimmt sich seinen Elbenumhang aus dem Schrank und das Steinguttöpfchen mit den sauer eingelegten Fischfiléts vom Tablett. Aus Zeitgründen wird er davon in der Kutsche während der Fahrt zum Pfirsich essen und bedeutet Tane aufzubrechen.
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Shalhor

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82

Sunday, January 13th 2019, 4:16pm

Auch während der Fahrt spricht Shalhor kein einziges Wort mit Sigourny, streichelt und krault stattdessen Tyalo hingebungsvoll, der ihm heute so unschätzbare Dienste erwiesen hat und lehnt sich schließlich dösend gegen die lederbezogenen Polster, bis sie auf den Vorplatz seines Hauses vorfahren. Tyalo springt als Erster aus der Kutsche und wird freudig von den anderen Faêntjares begrüßt, wie auch neugierig beschnüffelt, wie auch der Hausherr selbst, als er aus der Kutsche steigt. Er befiehlt Xillian, Hund und Gefährt gründlichst zu säubern und Tyalo einen besonderen Leckerbissen zu geben, bevor er Sigourny aus der Kutsche hebt und die Stufen hinauf an das heimische Portal trägt. Die Tür wird aufgerissen, bevor er den Klingelzug überhaupt nur berührt und eine völlig aufgelöste Adele starrt ihn mit weit aufgerissenen Augen an. "Oh Mylord, was ist nur passiert? Seid Ihr verletzt? Soll ich nach jemandem schicken lassen?" Sie hat die Kutsche offenkundig schon von einem der Fenster aus kommen sehen und sich auch schon ein Bild von seinem derangierten Erscheinungsbild machen können. So wundert er sich nicht, dass auch Jorindel und Fine bereits mit überaus besorgten Gesichtern die Innentüren zur Großen Halle aufhalten. Behutsam setzt er Sigourny ab, um sich seines völlig verdreckten Umhanges und der Stiefel zu entledigen, bevor er deren Gestank auch noch ins Innere des Hauses trägt.
"Ich bin unverletzt und Madam Sigourny hat sich lediglich den Fuß verstaucht. Wir benötigen allerdings dringlichst ein heißes Bad ... getrennt, eine ordentliche Mahlzeit und Tee, Kräutertee. Richtet außerdem das Gästezimmer her und Fine schaut bitte, ob sich unter Neridyes Sachen nicht geeignete Kleidung für die Dame finden lässt. Was wir am Leib tragen, bedarf Marthes Künste! Jorindel, Du gehst ihr zur Hand." Die Frauen knicksen und huschen in alle Richtungen davon. "Willkommen in meinem Heim" murmelt er finster Sigourny zu, damit sie sich nur ja nichts darauf einbildet, dass er sie gleich wieder auf die Arme hebt, um sie nach oben zu tragen, dort angelangt die Galerie entlang von deren Seite aus Neridyes Gemälde zu sehen ist und deren immerwährendes, stilles Lächeln Shalhor nun ein stumpfsinniges Schnauben raubt. Er trägt sie bis hin zu einem kleinen Flur von dem drei Türen abgehen unter anderem auch in sein Gemach, aber nicht dort hinein, sondern in den Gesindetrakt in dessen diesseitigen Bereich sich neben zwei Schlafstätten der Mägde ein großer Badezuber diskret abgeteilt hinter einer Wand befindet. Dort stellt er sie wieder auf ihre Füße und bedeutet ihr einen Augenblick zu warten, um einen Schemel zu holen. Indessen näheren sich von der anderen Seite kommend, Adele, Jorindel und Fine, bewaffnet mit Wäschekorb, Wassereimern, frischen, dicken Linnen zum Abtrocknen und allerlei Krimskrams von dem sie meinen, was Frau zur Körperpflege eben so brauche. "Wenn Du fertigt bist, erwarte ich Dich in meinem Gemach", stellt Shalhor ihr den Schemel zum Platz nehmen zur Seite und deutet hinüber zu den Verbindungstüren, die sein Gemach vom Gesindetrakt trennen und nickt Jorindel zu, sie jetzt zu übernehmen, damit auch er zu seinem Bade kommt. Dann verschwindet er durch eben diese Türen.
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Sigourny

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83

Monday, January 14th 2019, 11:44am

So schroff sein Schweigen und die wenigen an sie gerichteten Worte auch sind, so sanft trägt Shalhor Sigourny die Treppen hinauf. Jetzt, wo das Adrenalin aus ihrem Blut verschwunden ist, fühlt sich die junge Frau erschlagen und kraftlos. Hatte sie im Hinterhof des Pfirsichs eigentlich noch Protest gegen ihren Transport nach Taresnar einlegen wollen, so war dieser im Keim erstickt worden: Tane und Dar hatten sie einfach ignoriert und Shalhor hatte ihr einen solch eisigen Blick zugeworfen, dass sie den Mund lieber gleich wieder geschlossen hat. Außerdem ist sie einfach zu müde, um zu streiten und zu diskutieren. Überhaupt nimmt sie alles nur wie durch einen Nebelschleier wahr, der sich erst zu lichten beginnt, als der Elb sie in einer Nische mit einem Badezuber auf die Füße stellt und ihr einen Schemel hinstellt. >Wenn Du fertigt bist, erwarte ich Dich in meinem Gemach. < Und schon ist er bei der Tür draußen, die mit einem deutlichen Klack hinter ihm ins Schloss fällt.

Sigourny blinzelt, als wäre sie eben aus einem Halbschlaf erwacht. Was? Doch sie kommt nicht dazu, viel nachzudenken (was ihr auch seltsam schwer fällt im Moment), denn die Angestellten des Hauses schleppen allerlei Krams herbei und eine junge Frau, wohl nur ein wenig älter als sie selbst, bringt sie mit sanftem Druck dazu, sich auf dem Schemel nieder zu lassen. Jorindel, so hat Shalhor sie genannt, fällt ihr ein. Mit flinken Fingern beginnt diese, ihr die Nadeln aus dem Haar zu lösen (ob der auffälligen Spitzen zieht sie nur kurz verwundert die Augenbraue hoch) und dann die dichten Flechten zu entwirren. Vor der eigentlichen weißblonden Farbe ist im Augenblick kaum etwas zu erahnen, die Locken sind eher schmutzgrau. Dann hockt sich die Magd vor ihr hin. „Die Stiefel Madam?“ Sigourny nickt nur und schafft es gerade noch so eben, sich den rechten Stiefel vom Fuß zu bugsieren. Der linke allerdings rückt und rührt sich ob der Schwellung keinen Deut. Sigourny beißt die Zähne zusammen, doch auch mit Jorindels Hilfe ist nichts zu machen. „Hör auf, das wird nichts!“ keucht sie schließlich, zieht das versteckte Messer aus besagtem Stiefelschaft und drückt selbiges der Magd in die Hand, die sie verdattert ansieht. „Schneid das verdammte Ding runter!“ >Aber Madame …< „Mach einfach. Ich würde es selber tun, aber ich glaube, da schneide ich mir heute eher noch den Fuß ab. Siehst du?“ Mit diesen Worten hält sie ihr die zitternde rechte Hand unter die Nase, denn mittlerweile ist die geprellte Schulter endgültig der Meinung, dass sie den Dienst quittieren will. Die Frau schluckt noch einmal, aber beginnt dann doch sehr vorsichtig durch das weiche Leder zu schneiden. Sigournys Messer ist verdammt scharf und so klappt es recht gut, dennoch ist die Wirtin am Ende der Prozedur schweißgebadet. „Ist schon gut!“ beruhigt sie Jorindel, die das Messer auf die Stiefelreste fallen lässt, als würde sie befürchten, dass es sie in den Finger beißt. Irgendwie erinnert sie Sigourny schwach an Maddie.

Den Rest der Kleidung bekommen sie ohne irgendwelche Zerstörrungen von ihrem Körper, wobei die Magd ein erschrockenes Keuchen ausstößt, als sie besagte rechte Schulter des Gastes zu Gesicht bekommt: Selbige schillert mittlerweile in allen Blau und Violett Tönen. „Nur geprellt, kein Grund zur Sorge!“ versucht Sigourny sie zu beruhigen. Ihren Knöchel hingegen kann sie sich selbst auch nicht mehr schön reden: Der Stützfunktion von Dars Schiene und des Stiefels beraubt, ist das Gelenk angeschwollen wie eine reife Melone und schimmert mit der Schulter um die Wette. Zur Probe versucht Sigourny ihn zu bewegen: Nach wie vor möglich aber schmerzhaft. Es scheint eine Ewigkeit zu dauern, bis sie von allen Kleidern befreit ist und, gestützt von Jorindel irgendwie in den Badezuber kommt. Mit einem Stöhnen lässt sie sich mit geschlossenen Augen in das warme Wasser zurückgleiten. Am Klappern hört sie, dass die Magd ihre Kleider in einen leeren Wäschekorb stopft (die Messer und Nadeln legt sie vorsichtig in einen separaten Korb). Dann spürt sie den sanften Druck von kundigen Händen an ihren Schläfen, als Jorindel beginnt, ihr das Haar zu waschen. Eine schwarzgraue Suppe ergießt sich aus den Locken in den Zuber. Als die blonde Mähne endlich ihre eigentliche Farbe wiedererlangt hat, steckt die Magd das Haar mit (gewöhnlichen) Nadel hoch. Sigourny lächelt ihr dankbar zu und nimmt ein Stück Seife entgegen, um sich die Reste der Aschetarnung und all den anderen Dreck und Gestank vom Körper zu waschen.

Unterstützt von Jorindel ist sie soeben aus dem Zuber geklettert und wurde von der Magd in ein weiches Linnen gewickelt, als sich die Tür öffnet und eine ältere Magd, die vorhin auch schon anwesend war, mit einem Korb den Raum betritt. >Ich habe Verbände für Madams Knöchel … oh! < Deren Blick bleibt an Sigournys Verletzungen hängen. „Sieht schlimmer aus als es ist!“ Die ältere Magd lässt nur ein unwilliges Grunzen hören und beginnt, sich mit Salben an den Prellungen, einer verdammt brennenden alkoholischen Lösung an der Schramme im Gesicht (die ob der Aschetarnung vorher nicht wirklich sichtbar war) und gefühlten Unmengen an Bandagen am Knöchel der Pfirsichwirtin zu schaffen zu machen. Die Resolutheit steht der ihrer Hausperle Annest um nichts nach und so versucht Sigourny, der das Ganze nun schön langsam unangenehm wird, gar nicht erst zu widersprechen. >Ich befürchte Schuhe werdet ihr nicht tragen können Madame. Das Gelenk ist zu sehr geschwollen, selbst wenn ihr in irgendeinen Schuh hinein kommt wird der Druck euch Schmerzen bereiten. Und ob ihr mit nur einem gehen wollt …< Die so Angesprochene schüttelt den Kopf, nein da lieber ganz ohne.

Jorindel hat mittlerweile ein Kleid aus einem der Waschkörbe gefischt: Es ist von einfachem Schnitt, dunkelblau mit einem Rechtecks Ausschnitt, der weniger tief ist, als es bei Sigournys Kleider ansonsten üblich ist. Um die Taille wird es von einem silbrigen Gürtel gehalten. Das Kleid passt ihr wie angegossen, ebenso wie die Leibwäsche. Auf ein Mieder haben sie allerdings verzichtet, ist sowas ob der gertenschlanken Figur der Wirtin auch nicht nötig. Dann beginnt die Magd, ihr das Haar zu kämmen und die feuchten Strähnen zu einem lockeren, einfachen Zopf zu flechten.

Ohne ihren Dolch am Oberschenkel kommt sie sich fast ein wenig nackt vor. Sei nicht so ein dummes Huhn, was soll dir hier bitte schon passieren? Das Bad und das Gefühl, nicht mehr wie die gesamte verdammte Unterstadt zu stinken, haben ihre Lebenskräfte neu entfacht, auch wenn sie sich noch immer unsagbar müde und ausgelaugt fühlt. Aber zumindest funktioniert ihr Denken wieder. Und das braucht sie nun wohl auch den … >Wenn ihr mir bitte folgen wollt? Seine Lordschaft erwartet euch …< Richtig, da war ja noch etwas. Sigourny hätte Shalhors Anweisung, sie nach der Generalsanierung zu sehen, fast vergessen … oder eher verdrängt, denn im Moment ist ihr eher nach einem Bett (und vielleicht dem einen oder anderen Becher Cofea) als einer Unterredung mit einem ziemlich verstimmten, wenn nicht sogar wütenden Mannsbild. Und dass der Elb nicht gut auf sie zu sprechen ist, ist ihr so klar wie ein Spiegel im Schlafgemach einer Lady. Aber nun gut, das würde sie nach diesem Tag auch noch überstehen. Die ältere Magd hat bereits jene Tür erreicht, hinter der der Reeder zuvor verschwunden ist und klopft höflich an, ehe sie diese einen Spalt öffnet. >Eure Lordschaft, Madame wäre fertig. < >Soll reinkommen! < Die Bedienstete stößt die Tür ganz auf und bedeutet Sigourny, einzutreten. Kaum ist die junge Frau auf bloßen Füssen hindurch gehumpelt (mehr als die Zehenspitzen aufzusetzen ist unmöglich), als diese auch schon wieder hinter ihr zugezogen wird. Für einen Moment fühlt sie sich wie ein Hase in der Falle. Sei nicht so albern, schielt sie sich im Geist. Vorsichtig tapst sie durch den kleinen Vorraum, ehe sie sein eigentliches Gemach betritt, bei dessen Anblick sie erst einmal die Luft anhält. Shalhor selbst steht, ihr den Rücken zugewandt, die Hände an selbigem verschränkt, an der Fensterfront und blickt über den Ildoriel. Auch er muss erst kürzlich dem Badezuber entstiegen sein, denn das graue Haar ist deutlich als feucht zu erkennen. „Shalhor?“ Keine Reaktion. „Shalhor!“ Langsam wird Sigourny wütend. Erst zitiert er sie wie eine Tempelschülerin zu sich und jetzt ignoriert er sie, würdigt sie nicht einmal eines Blickes. „Shalhor, verdammt rede mit mir!“ Noch immer keine Reaktion. Jetzt reicht es aber wirklich, nicht nur er hat bei der Flucht einiges einstecken müssen, sie auch, sogar mehr, immerhin ist ihre Schulter ein Potpourri an Farben und ihr Knöchel kann einer Melone Konkurrenz machen. Und wer hat ihm überhaupt angeschafft da runter zu gehen?

Auf dem Kaminsims steht ein Zinnbecher. Wenn dieses sture Mannsbild nicht von sich aus mit ihr reden will, obwohl er sie herbestellt hat, dann muss sie sich seine Aufmerksamkeit eben anders holen. Ewig wie eine Bittstellerin herum stehen, den Gefallen würde sie ihm sicher nicht tun. Den rechten Arm kann sie ob der Prellung nicht wirklich verwenden aber links tut es auch. Und ohne noch einmal darüber nachzudenken, schnappt sie sich den Becher und schleudert ihn in seine Richtung. Den Göttern sei Dank ist er leer und so scheppert er nur vernehmlich über den Boden und rollt ihm vor die Füße. Jetzt endlich dreht sich Shalhor um und sieht sich einer Sigourny gegenüber, die, ohne ihre übliche laszive Aufmachung jünger und verletzlicher aussieht, aber vielleicht sogar noch um einen Tick schöner, weil natürlicher. Und deren Augen vor Wut funkeln. „Wenn du mich schon her zitierst, dann wäre es zu gütig, wenn du auch mit mir redest. Ansonsten würde ich mich gern irgendwohin setzen oder legen, vorzugsweise in mein Bett, und versuchen das Gefühl los zu werden, von einer Horde besoffener Oger überrannt worden zu sein.“
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Shalhor

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Monday, January 14th 2019, 6:41pm

In seinem Gemach legt Shalhor als erstes Waffengurt und Waffenrock ab, um sich schleunigst aus dem schweren Kettenhemd zu schälen, während Adele ihm das Badewasser in der Wanne hinter dem halbrunden Paravent richtet. An das in den Ärmel gesteckte Leibchen denkt er schon lang nicht mehr. Erst jetzt als Marthe hereinkommt, um zu schauen, ob sie sich seiner Schmutzwäsche schon annehmen könnte und den Waffenrock vom Fußboden aufklaubt, fällt es heraus. Mit spitzen Fingern und überaus denkwürdigem Blick hebt sie es auf und begutachtet es am langen Arm, als sei es Dämonenwerk, dass er nicht seiner empathischen Sinne bedarf, um zu ahnen, was sie sich gerade fragt. Nein, dieser zarte Hauch von nichts ist wirklich nicht geeignet, eine Frau an diesen kalten Tagen zu wärmen, aber vollkommen unnütz? Nun darüber dürften sie und er eventuell geteilter Meinung sein, auch wenn er sich davon nichts anmerken lässt, als er Marthe dieses Wäschestück wortlos aus der Hand nimmt und keineswegs unglücklich darüber ist, sich seinem Gesinde gegenüber nicht erklären zu müssen. Ob sie ihm überhaupt glauben würde, wie er dessen habhaft wurde, steht ohnehin in den Sternen. In den Köpfen der weiblichen Bewohner dieses Haushaltes (ganz gleich welchen Alters oder welcher Stellung) scheinen sich neuerdings seltsame Hirngespinste festzusetzen, ungeachtet allem, was er dazu zu sagen hatte. Kaya gegenüber mag er gewiss alle Nachsicht walten lassen, weil sie ihrer Entwicklung geschuldet gerade mit anmaßender Selbstüberschätzung zu kämpfen hatte. Für alle anderen, bereits erwachsenen Frauenzimmer gilt das nicht. So wartet er lediglich ab, dass Marthe und Adele sein Gemach wieder verlassen, um sich endlich gänzlich entkleiden und in das himmlisch wohltuende Bad zu steigen, sich gründlich all das widerwärtige Unterstadtflavour abzuwaschen.

Da er beabsichtigt, nach der Unterredung mit Sigourny und nachdem sie sich mit einer anständigen Mahlzeit haben stärken können, die fehlende Nachtruhe nachzuholen und ihr gewiss nicht minder der Sinn danach stehen wird, sich ins Gästezimmer zurückzuziehen und auszuschlafen, streift er sich jetzt lediglich die bequeme, dunkelblaue Seidenhose über, die er immer trägt, wenn er sich zur Trance niederlegt und zieht sich seinen Morgenmantel darüber, der aus gleichem Material von gleicher Farbe ist. Noch scheinen die Mägde mit Sigourny oder dem herrichten des Gästezimmers beschäftigt zu sein und der Tee noch auf sich warten zu lassen. Doch so durstig wie er ist, bedient er sich einstweilen aus der Karaffe verdünnten Mostes, der hier immer bereit steht, dieses Mal allerdings vorzugsweise aus einem Becher, den er geleert auf dem Kaminsims abstellt. Da fällt ihm ihr Leibchen wieder ins Auge, dass er kurzerhand über den Paravent gehangen hat, damit es nicht wieder zwischen seine Schmutzwäsche gerät und kann nicht anders als es zu betrachten und sich vorzustellen. wie ... Da klopft es.

Fine bedeutet ihm, dass Madam fertig sei, also heißt er sie, Sigourny hereinzuschicken, nicht ohne augenblicklich etwas mehr Abstand zwischen sich und diesen Hauch von Nichts zu bringen und gönnt seinen überreizten Nerven den besänftigenden Ausblick auf den Ildorel. Er kann hören, dass sie barfuß eintritt, das sie dabei humpelt und sich nicht sonderlich weit hereintraut. >Shalhor?< Götter im Himmel, da platzt nach einhundert Zwölfmonden eine Frau in mein Leben, die mich tatsächlich reizen könnte und sie entpuppt sich als eine solche Närrin, starrt er auf die ewig murmelnden Wasser. >Shalhor!< Sehnst Du dich nach dem Tod, dass Du ihn suchst, Weib? >Shalhor, verdammt rede mit mir!< So wie sie? Er kann die Stelle von hier aus sehen, an der Lâris tagelang saß, um auf Neridye zu warten und sich des Nachts sein wundwaides Hundeherz aus dem Leib heulte. Das Scheppern des Zinnbechers auf dem Granitboden der Empore lässt ihn zusammenzucken und sich zu Sigourny umdrehen. Verblüfft wie verändert sie ohne die übliche Staffage aussieht, auf andere Weise so viel ... >Wenn du mich schon her zitierst, dann wäre es zu gütig, wenn du auch mit mir redest. Ansonsten würde ich mich gern irgendwohin setzen oder legen, vorzugsweise in mein Bett, und versuchen das Gefühl los zu werden, von einer Horde besoffener Oger überrannt worden zu sein.<

"Reden?", reißt er sich von ihrem Anblick los und bückt sich nach dem Becher, vielleicht nur weil er Unordnung einfach nicht ausstehen kann, viel wahrscheinlicher aber um sich zu fangen. "Nur zu meinem Verständnis, Du meinst diese völlig überbewerte Weise, mir mitzuteilen, dass es einen neuerlichen Anschlag gab, aye?" Er spricht nicht laut, während er langsam auf sie zu kommt. "Oder meinst Du eher diese viel zu gütige Art, miteinander zu besprechen, ob und wie wir darauf reagieren wollen?" Der scharfe Unterton dürfte ihr jedoch kaum entgehen."Ach ich vergaß, Du möchtest es bequem haben. Bitte setz Dich doch." Mit der Hand weist er ins Rauminnere, sich doch selbst auszusuchen, wie sie es denn gern hätte. Er jedenfalls geht zum Kamin und stellt den Becher dort ab, wo sie ihn hergenommen hat, bevor er sich wieder zu ihr umdreht und die Arme vor der Brust verschränkt. "Was hätte ich darum gegeben, die Folgen einer bedeutsamen wie ausgelassenen Festnacht vorzugsweise bequem und in meinem eigenen Bett ausschlafen zu dürfen. Stattdessen taucht Dein junger Freund getrieben von der blanken Angst um Dich hier auf - so krank vor Sorge, dass er sich nicht mehr anders zu helfen wusste, als mich mit einer kalten Guss aus einer Wasserkanne wach zu bekommen ... Verdammt Sigourny, was sollte das?!"
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Sigourny

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Monday, January 14th 2019, 9:45pm

„Deinen Zynismus kannst du dir sparen, der passt dir nicht!“ giftet sie zurück, während sie Shalhor keinen Moment aus den Augen lässt. Seine Stimme ist kalt und scharf wie geschliffener Stahl und unter der mühsam aufrecht erhaltenen Ruhe brodelt es. Seine „Einladung“ es sich bequem zu machen, ignoriert sie. Den Dunklen würde sie tun und sich setzen während er steht, ihm so die Gelegenheit geben, auf sie herab zu sehen. Schon jetzt muss sie den Kopf in den Nacken legen, um in seine Augen sehen zu können, überragt er sie doch um Haupteslänge und so nah wie er ihr nun steht … doch sie weicht keinen Schritt zurück. Zum einen, weil sie keine Schwäche zeigen will, zum anderen … ja warum eigentlich? Sein Tonfall und seine Haltung haben gewiss den einen oder anderen eingeschüchtert doch Sigourny spürt, weiß, dass er ihr niemals etwas tun würde.

„Was das sollte? Ich habe mein Heim und meine Leute verteidigt, das sollte das. Diese stinkende Gewitterziege ist in mein Haus eingedrungen, hat mich, aber noch schlimmer meine Gäste und eben diese, meine Leute vergiftet. Für Talyra und wahrscheinlich auch für dich mag der Pfirsich nur ein Gasthaus, nein ein Hurenhaus sein aber für mich ist es mehr: es ist mein Zuhause. Und nicht nur für mich. Ich will dir mal ein wenig was über die Menschen dort erzählen: Maddie ist nach dem Dämonenangriff zwei Tage unter den Trümmern verschüttet gelegen, neben ihrer toten Mutter, ehe Perrin und Ronan sie ausgraben konnten. Ronan hat es sich nie verziehen, dass er nicht da war, hat begonnen zu trinken und wenn wir ihn nicht aufgesammelt hätten, wäre er wahrscheinlich ebenfalls schon tot und seine Kinder Waisen ohne Zukunft. Annest stand mit knapp fünfzig Sommern auf der Straße, weil ihre Herrschaft, ein hirnloser junger Lord, sich im Vollrausch vom Pferd zu Tode gestürzt hat. Tane hätte wohl schon ein Messer zwischen den Rippen, säße im Kerker oder schlimmeres. Ich könnte dir noch weitere Geschichten erzählen, einschließlich meiner eigenen, aber die kennst du ja zum Großteil. Der Pfirsich war und ist für sie die letzte Chance, Zuflucht, Heimat … auch wenn es ein Bordell ist. Und ich stehe zwischen dieser dreckigen Kröte da unten und dem Pfirsich. Wenn es sein muss mit meinem Leben. Auf vieles in meinem Leben bin ich nicht stolz, die Götter wissen es. Aber auf das, dieses Heim, bin ich verflucht noch mal stolz und das lasse ich mir von nichts und niemandem kaputt machen.“

Sie hat sich in Rage geredet, die Hände zu Fäusten geballt und zittert. Doch aus jedem Wort hört man wie ernst es ihr ist. Ihr Blick findet seinen, sieht ihm in die Augen. „Und was die Sache mit, wie hast du es ausgedrückt, miteinander zu besprechen, ob und wie wir darauf reagieren wollen? Du hast heute diesen Unrat, dieses Drecksloch gesehen. Das ist das Drecksloch, aus dem ich gekommen bin und in das ich nie wieder zurück will. Denkst du, ich würde da, wenn es sich irgendwie vermeiden lässt, irgendjemanden mit hinunter ziehen? … Vor allem irgendjemanden, an dem mir etwas liegt?“
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Shalhor

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86

Tuesday, January 15th 2019, 6:35pm

Zynismus steht mir nicht? Wie in aller Häuser Namen kommt sie bloß auf den Gedanken, dass er gerade darauf aus ist, das ihm irgendetwas steht. Hm? Bürgen will er dafür allerdings nicht, wenn sie nicht bald ein bisschen Abstand, zwischen sich und ihm bringt. Sie steht ihm so nah, dass er unter tausenden die eine Seife herausfinden könnte, mit der sie sich eingeschäumt ... Arrrrgh! Dieser Bilder im Kopf kann er nun wirklich gerade nicht gebrauchen!

"Und? Was ist da oben los? Wie geht es ihm? Wer ist sie?", stecken Halla und Gesinde neugierig die Köpfe durch die Tür zur Waschküche und bombardieren Marthe geradezu mit Fragen, weil sie die Erste ist, die gerade wieder aus dem Obergeschoss herunter kommt und ganz bestimmt Licht ins Dunkel bringen kann. "Ja schaut euch doch diese Sauerei an", zerrt die Waschmagd eines dieser blut- und dreckverkrusteten dazu unglaublich übelriechenden Kleidungsstücke aus dem Wäschekorb und präsentiert sie den beiden Küchenmägden.
"Der war wirklich in der Unterstadt!"
"Wie kommst Du denn darauf."
"Hat Adele doch heute morgen gesagt. Hast Du nicht zugehört? Der freche Bursche von heute morgen hat irgendwas von Dummheit und Unterstadt gesagt."
"Was für eine Dummheit?"
"Weiß ich doch auch nicht."
"Bestimmt ihretwegen!"
"Ich verwette meine Seele darauf, er hat sich duelliert."
"Ist er verletzt?"
"Wegen ihr?"
"Nein, aber wisst ihr, was ich gerade zwischen seinen Sachen gefunden habe?"
"Was denn?"
"Nun sag doch schon!"
"Die unanständigste Reizwäsche, die mir je unter die Augen gekommen ist!"
"Er trägt Reizwäsche?"
"Er doch nicht, du dummes Huhn. Von einer Frau."
"Zeig doch mal her."
"Kann ich nicht, hat er mir gleich wieder aus der Hand genommen."
"Und was hat er dazu gesagt?"
"Na nichts, kennst ihn doch."
"Ich fress einen Besen, wenn der nicht doch irgendwo eine Geliebte hat. Was denkt ihr, wo er hingeht, wenn er abends noch das Haus verlässt."
"Irgendwo? Die ist jetzt hier. Adele und Fine richten ihr grad das Gästezimmer her."
"Wer ist sie denn?"
"Ist sie hübsch? Nimmt er sie zur Frau?"
"Das ist die Königin der Nacht", steht Xilian grinsend hinter den gackernden Weibsbildern und genießt es sichtlich, wie sie erschrocken herumfahren, weil sie vor lauter Schwatzerei gar nicht mitbekommen haben, wie er durch die Gesindepforte herein gekommen ist.
"Eine Königin? Hier in unserem Haus?"
Xilian kann nicht mehr. Halla und Gesine schauen ihn so bedeppert an, dass er schallend laut loslachen muss - so sehr, dass sein Zwerchfell schon rebelliert. Diese albernen Weiber halten die berühmt-berüchtigte Pfirsichwirtin für eine echte Königin, so eine ganz Hochwohlgeborene. Das ist einfach zu gut!
"Quatsch", meint dagegen Marthe. "Das ist eher eine Kriegerin, so eine die still und heimlich meuchelt. Hat ganz schwarze Kleidung getragen und Messerchen bei sich gehabt."
Das wird immer besser. Xilian, muss sich gegen die Wand lehnen und den Bauch halten ... eine meuchelnde Kriegerkönigin. Die haben sich doch auf dem Markt eindeutig zu viele Theaterstückchen angeschaut.
"Was lacht Du denn so dämlich", herrscht ihn die Wäschemagd an und er bemüht sich ja redlich, das Gelächter unter Kontrolle zu bekommen, wirklich.
"Sie ... Sie ist ... oh ihr dummen Gänse ... ihr ... gehört ... der Pfirsich. Das ist ein Bordell ... ein Freudenhaus .. da wird gevögelt, was das Zeug hält.
"Waaaaas?"
"Woher willst Du das denn wissen?"
"Ähm ..."
"Xilian!"
"Sag nicht, du ..."
"Muss weg, hab noch zu tun."
Völlig entgeistert und bis in Mark und Bein entsetzt schauen die Drei dem Pferdeknecht hinterher, der es mit einem Mal recht eilig hat.
"Das glaub ich nicht."
"Ich auch nicht!"
"Denkt doch an dieses verruchte Hemdchen, dass ich gefunden habe. Zu so einer passt das wie der Deckel auf den Topf."
"Aber er würde doch nie..."
"Warum ist sie dann hier?"
"Götter steht uns bei!"

Sie denkt nicht daran, es sich bequem zu machen und ihm erst recht nicht. Mit entzückend leidenschaftlichem Temperament rechtfertigt sie ihr Tun, dass es Shalhor immer schwerer fällt, sich darauf zu besinnen, warum er ihr eigentlich zürnen sollte. Ihre Wangen glühen so hitzig wie ihre Augen. Und warum muss sie ausgerechnet unter seinen Augen so bebend herumatmen, in diesem viel zu angegossen sitzendem Kleid, von dem er nur zu genau weiß, wie es zu öffnen ist, während sie redet und redet und redet. Hat er nicht unlängst erfahren, welch enge Bindungen sie zu ihren Leuten hegt. Ist das warum denn von Belang? Nicht wenn sie ihr Antlitz zu ihm hebt und ihm ihren schlanken, empfindlichen Hals darbietet, dass er glaubt ihre Venen unter alabasterzarten Haut pulsieren spüren zu können, bis es ihr gelingt seinen Blick mit ihren Augen einzufangen, so wild und stürmisch und unberechenbar wie die See. Und sie fragt ihn allen ernstes, was er denkt? Er zögert ohne den Blick von ihren Augen lösen zu können, so wild, so stürmisch, so unberechendbar wie die See. Aber er kann sich bemühen wie er will, eine andere Lösung will ihm nicht in den Sinn kommen. "Ich denke, Dir bleiben vier, fünf Herzschläge, bis Du Dich unter mir auf dem Bett hinter Dir wiederfindest. Zeit genug mir eine runterzuhauen und zur Besinnung zu bringen ... will ich meinen."
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Sigourny

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Tuesday, January 15th 2019, 7:31pm

Wa…? Mit jeder Antwort hätte sie gerechnet aber nicht damit. Innerlich hatte sie sich bereits weitere Argumente und Erklärungen zurechtgelegt und auch damit gerechnet, dass er sie in die Kutsche setzen und zum Pfirsich zurückbringen würde. Aber …. hat er ihr eben ein eindeutiges Angebot gemacht, er, der immer beherrschte und korrekte Elb, seine Lordschaft, der seine Gefühle hinter einer Mauer aus Eis verbirgt?
Eins …
Sie sucht sich die Männer aus, denen sie ihre Gunst schenkt, wenn sie einer unbedingt will, lässt sie ihn zappeln … ehe sie ihn fallen lässt, meist ohne dass er zum Zug kommt. Aber allein dieser Gedanke, er erscheint ihr so absurd, so undenkbar. Sie spürt mehr, als dass sie es sieht, wie sich seine Brust hebt und senkt. Eine Brust, an der sie sich in einer der schlimmsten Nächte seit Jahren anlehnen konnte, ohne Hintergedanken seinerseits.
Zwei …
Warum sie? Gewiss, sie hat einen Ruf, aber jeder weiß, dass sie die Jägerin ist und die Männer die Beute. Jetzt ist es aber umgekehrt, hat er sie nicht …. Aber war es nicht auch sein Antlitz, dass sie Stunden zuvor vor ihrem inneren Auge gesehen hat, aus dem sie Mut geschöpft hat? Und war er deshalb so wütend auf sie, weil er sich …. Sorgen gemacht hat?
Drei ….
Und was wäre morgen, ist er sich bewusst, dass es etwas anderes ist, sich eine Hure, und nichts anderes ist sie in den Augen der meisten Bewohner Talyras, ins Haus zu holen, als einfach den Pfirsich aufzusuchen. Denkt er daran, dass es Gerede geben kann, wird … mehr als bisher, denn dass er beinahe jeden Abend in ihrem Haus ein- und ausgeht bleibt wohl kaum verborgen. Doch nach dem was heute war, was scherrt sie, wohl sie beide, morgen?
Vier …
War sie es zuerst, die seinen Blick eingefangen hat, so ist es nun Shalhor, der den ihren festhält. Er steht regungslos vor ihr, würde er nicht atmen, man könnte ihn für eine Statue halten, eine ausgesprochen schöne Statue. Doch er ist so lebendig wie sie selbst und mit jeder Sekunde, die vergeht, scheint die Spannung zwischen ihnen zu wachsen, eine Spannung die sich in den letzten Tagen langsam und schleichend immer weiter aufgebaut hat. Bis heute …
Fünf …
Sie hebt die Arme, zieht seinen Kopf mit der linken Hand zu sich herunter, während die rechte nicht weiter als zu seinem Oberarm kommt, und küsst ihn. „Und das will ich meinen.“
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Shalhor

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Wednesday, January 16th 2019, 5:21pm

Ihre Art ihm zu zeigen, was sie meint, gefällt ihm. Es gefällt ihm so gut, dass er die Arme um sie schlingt und ihre betörenden Lippen wortlos und zärtlich um Wiederholung bittet, ungeachtet seiner Ankündigung, wo sie sich inzwischen wiederfinden sollte. Er holt es ein paar aus dem Takt geratener Herzschläge später nach, hebt sie an, rückt sich ihre Schenkel an seine Seiten und vergeht sich auf sinnlichste Weise an der empfindsamen Haut ihres Halses, während er die Empore besteigt. Schon als er sie auf das weiche Polster seiner Bettstatt sinken lässt, weiß er, dass es ihm nicht mehr genügt, dass sie sich ihm hingeben wird. Sie soll ihn wollen, so wie er sie will, soll nicht mehr denken und kaum noch atmen können, wenn er zu ihr kommt, ihm bedingungslos folgen und sich aufgeben, wenn der Moment kommt. Doch Sigourny ist nicht wie andere Frauen. Sie zu entfachen heißt, sich ihr zu unterwerfen oder ihr die Oberhand abzuringen, ein überaus raffiniertes leidenschaftliches Ringen wohlgemerkt, dessen ganz eigenen, innewohnenden Lustgewinn Shalhor sehr schnell sehr zu schätzen lernt, auch wenn sie letztendlich obsiegen soll und wahrlich wie eine Königin auf ihm thront, kühn wie Chamira, Gebieterin aller Stürme und so feurig schön, wie von Loa geküsst. So huldigt er ihr auf völlig zerwühlten Laken und entrichtet aufstöhnend seinen Tribut.
Als sie schließlich ermattet und zufrieden beieinander liegen, mit nichts am Leib als einander, muss Shalhor leise lachen. So sieht bei Dir neuerdings also über's Knie legen aus? Oder das ernste Wörtchen? Neu ist ihm allerdings auch, dass eine streitbare Frau so verführerisch auf ihn wirken kann. "Lor Phu'daerai*, nennt er sie leise murmelnd, weil sie ihn ansieht und streicht ihr selbstvergessen eine aberwitzige Haarsträhne von der Stirn.

Da klopft es. "Mylord? Das Gästezimmer wäre dann so weit. Wo sollen wir das Essen auftragen", ist es Adeles Stimme, die sich hinter geschlossener Tür erhebt und Sigourny seine Hand wie seine Augen entzieht. Einen Moment lang starrt Shalhor ziemlich mürrisch hinauf in die verspiegelte Kuppel über seinem Bett. Am liebsten würde er sich heute gar nicht mehr erheben wollen, ganz unkonventionell hier im Bett essen und vor allem seinen Durst stillen, um dann einfach nur wieder umzufallen und in die längst überfällige Trance gleiten. Nur diesen Anblick will er seinen Bediensteten natürlich nicht bieten. "Danke, Adele, wir speisen im Botanikum", bleibt ihm letztlich kaum eine Wahl. "Sehr wohl, Mylord", ist noch zu hören, bevor sich die Oberste Magd wieder entfernt. Das heißt dann also, doch wieder aufstehen, sich wieder ankleiden und das Gemach verlassen, seufzt er im Stillen und zieht seinen Arm unter Sigourny hervor, die auch nicht so aussieht, als könne sie es kaum erwarten. "Na komm", verpasst er ihr einen leichten Klaps auf den Schenkel und rafft sich selbst auf. "Vielleicht lernst Du ja Kaya kennen."

* kleine Kratzbürste
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Sigourny

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89

Wednesday, January 16th 2019, 9:17pm

„Lor Phu’daiada…was?“ Fragend blickt sie ihn an, während er zärtlich eine Strähne aus ihrer Stirn streicht. Ein leises Lachen entfährt ihm >Lor Phu'daerai< „Und was heißt das?“ Er sagt es ihr und sie streckt ihm die Zunge heraus, allerdings schmiegt sie sich dabei so an ihn, dass die freche Geste in einem zärtlichen Kuss endet. Die traute Zweisamkeit wehrt allerdings nicht allzu lange, denn ein Klopfen an der Tür holt sie beide in die Realität zurück. Sigourny zieht die Nase kraus. Nein, sie will jetzt absolut nicht aufstehen, weg aus dieser Blase des Friedens und der Ruhe. Shalhor scheint ihre Meinung zu teilen, doch ihnen bleibt nichts anderes über, wollen sie nicht den Argwohn der Bediensteten erregen. Auf seinen kleinen Klaps maunzt sie dennoch protestierend, krabbelt aber dann doch an den Rand des Bettes und angelt nach ihren Kleidern. Für einen Moment muss sie die Augen schließen, beginnt das Gemach sich doch mit einem Mal zu drehen. Was denkst du denn, immerhin bist du heute durch die Unterstadt marschiert, inklusive eines Fenstersturzes, bist durch die Kanalisation geflohen und hast eben neben einem absolut umwerfenden Mann gelegen. Und das alles nach einer Lebensmittelvergiftung und damit verbundenen zig Stunden ohne essen. Die paar Löffeln Hühnerbrühe zählen nicht! Doch sie hat sich schnell wieder gefangen und beginnt sich – vom Elben beobachtet - anzukleiden. Am Kleid zupft sie solange herum, bis die blaue Schulter zur Gänze verborgen ist. Muss ja nicht jeder gleich sehen, dass sie aussieht wie nach einer zünftigen Prügelei, der bandagierte Knöchel ist schon auffällig genug.

>Vielleicht lernst Du ja Kaya kennen. < Fragend sieht sie Shalhor an, während sie den Zopf neu flicht. „Wer ist denn Kaya?“ >Mein Mündel. Kaya lebt jetzt seit dreieinhalb Jahren hier auf Taresnar, während ihre Mutter auf Reisen ist. Sie zählt jetzt fünfzehn Sommer. < „Beinahe so alt wie Maddie.“ Von einem Mündel hat er ihr noch nie erzählt, eigentlich ein wenig seltsam. Aber andererseits … es ging in den vergangenen Tagen eher um sie und ihr Heim, auch ist sie zum erste Mal hier, da ist es eigentlich natürlich, nicht alles zu wissen. Aber gespannt ist sie schon auf diese Kaya, irgendwie kann sie sich den immer korrekten Elben nicht mit einem Backfisch vorstellen. Aber hat er sie heute nicht schon überrascht. Ihr Blick fällt auf die Bettstatt und ein sanftes Lächeln zieht über ihr Gesicht, bis zu ihren Augen. Noch kein Mann war ihr je so ebenbürtig gewesen, hatte ihr das Gefühl gegeben, auch die Frau hinter der Verführerin zu sehen. >Was ist denn? < „Nichts, alles ist gut.“ Sie haucht ihm einen sanften Kuss auf die Lippen, ein Hauch von Verheißung und Versprechen. „Lass uns gehen.“

Sigourny humpelt auf bloßen Füssen Richtung Tür, allerdings kommt sie nur sehr langsam voran. Wortlos hält Shalhor ihr seinen Arm hin, stummes Angebot sie zu stützen. Dankbar hackt sie sich ein und lässt sich, unauffällig aber doch, helfen. Es sind nur wenige Meter bis zum Botanikum, in dem der Tisch bereits gedeckt ist und jene Magd, die ihnen die Eingangstür geöffnet hat, sie erwartet. Diese muss Adele sein und selbige mustert Sigourny mit einer Mischung aus Interesse und Argwohn, sagt aber kein Wort, als der Hausherr die junge Frau zum Tisch geleitet und ihr hier den Stuhl zurecht rückt. So etwas wie dieses Botanikum hat Sigourny noch nie gesehen, exotische, ihr gänzlich unbekannte Pflanzen sind im ganzen Raum verteilt. „Es ist wunderschön!“ entfährt es ihr. Shalhor setzt sich ihr gegenüber und Adele schenkt beiden Tee ein. >Wünschen eure Lordschaft noch etwas? Oder Ihr, Madame?<
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Shalhor

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90

Monday, January 21st 2019, 6:58pm

Behutsam geleitet er sie die Galerie entlang, ganz darauf bedacht, dass sie ihren Knöcheln so wenig wie nur möglich belasten muss und ist sich dabei durchaus bewusst, dass er nicht die leiseste Ahnung hat, wie sich Sigourny die Verletzungen zugezogen hatte. Heute allerdings mag er diese Ereignisse nicht mehr anrühren, schon gar nicht mit ihr streiten, denn dazu ist er selbst nicht nur viel zu erschöpft. Auch er ist nicht immun gegen das, was es mit einem Mann macht, der gerade bei einer Frau gelegen hat und genießt diesen inneren Frieden.

Adele ist gerade fertig, den Tisch einzudecken, als er mit Sigourny das Botanikum betritt und er lächelt, als sie diese Räumlichkeit wunderschön nennt, denn das ist sie zweifelsohne, besonders in diesen Monden wenn die Bäume ihr Laub abwerfen und draußen nichts mehr grünt und blüht. Er sitzt gern hier und liest, wenn ihm das triste grau auf das Gemüt zu schlagen beginnt oder speist mit Kaya oder einem Gast hier oben, wie jetzt mit ihr. "Wenn Du möchtest, zeige ich Dir morgen das ganze Haus", bietet er ihr an, als er ihr den Stuhl zurechtrückt und nimmt schließlich ihr gegenüber platz.
Adele fragt zwar zuvorkommend, ob seine Lordschaft oder Madame noch etwas wünschen, aber sie arbeitet schon zu lang in seinem Haushalt, um seine Leibspeisen und Gepflogenheiten nicht genauestens zu kennen, einschließlich derer, was er an einem Tag nach langen Feierlichkeiten zu sich zu nehmen pflegt. Alles wonach ihm der Sinn steht, ist aufgetragen, die gekochten Muscheln, rohe Fischröllchen und Fischeier, genauso wie Reiswaffeln und der Apfel-Algen-Salat. Dazu noch Brot, Frischkäse, Blutwurst, Butter und ein Schälchen mit Radieschen und Kohlrabischreiben für den Fall, dass sein Gast seine zugegeben speziellen Vorlieben nicht teilt. Also wartet er lediglich, ob Sigourny andere Wünsche äußert und legt sich einstweilen seine Serviette achtsam über den Schoß.

Als sie schließlich allein und ungestört zusammen speisen, fasst sich Shalhor ein Herz, Sigourny zu Rate zu ziehen, weil ihm ihr Verhältnis zu ihren Leuten imponiert und sie sich mit Mädchen in komplizierten Alter zumindest etwas auszukennen scheint. Dazu muss er ihr allerdings ein bisschen mehr von seinem Mündel erzählen und beginnt wohl auch deshalb zögerlich. "Maddie ist für Dich so etwas wie eine kleine Schwester, wie es scheint. Weißt Du, Kaya und ich, wir haben unsere Zeit gebraucht, uns aneinander zu gewöhnen und ich kann auch nicht behaupten, dass es mir leicht gefallen ist, ihre Zuneigung zu gewinnen. Da gibt es eigentlich nur ein Mädchen, der das spielend einfach gelang, aber sonst macht sie sich nicht sonderlich viel aus anderen ... oder fremden Gepflogenheiten und hierzulande war ihr ziemlich vieles fremd. Vor wenigen Tagen hat sie mich allerdings überrascht. als sie zu mir meinte, dieses Mal könnten wir ihren Ehrentag doch feiern, nur sie und ich ... also kein herkömmliches Fest mit Geselligkeiten. Ich zermartere mir seit dem den Kopf, womit ich ihr wirklich eine besondere Freude machen könnte. Mit dem üblichen Mädchenkram brauche ich ihr gar nicht erst zu kommen, also habe ich mir überlegt, wir gehen Schlittschuhlaufen, wenn der Blaupfuhl zugefroren ist und machen dann vielleicht eine Kutschfahrt ins Larisgrün, wo wir uns unter warmen Fellen wieder aufwärmen und picknicken können oder eine Schneeballschlacht ... wir haben mal eine mit den Mitarlyrs gemacht. Das hat ihr gefallen, aber da waren wir auch zu fünft", seufzt Shalhor, weil er sich nicht vorstellen kann, dass ihr das mit ihm allein Spaß machen könnte. "Nun jedenfalls möchte ich ihr dazu auch gern etwas schenken. Zuerst habe ich an ein Pferd gedacht, weil sie des öfteren außerhalb Talyras unterwegs ist. Aber andererseits haben sie die Pferde auf Taresnar nicht sonderlich interessiert. Dafür mag sie aber meine Hunde und spielte gern mit ihnen. Aber jetzt, wo sie allmählich größer wird, wüsste ich auch nicht zu sagen, ob sie einen eigenen haben mag. Genaugenommen habe ich keine Ahnung."
Man sollte keine Dummheit zweimal begehen, die Auswahl ist schließlich groß genug!

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