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Kaya

Stadtbewohner

Posts: 101

Occupation: angehende Schamanin

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61

Sunday, October 28th 2018, 9:52pm

Kaya nickt auf Shu’re Shalhors Antwort hin und richtet ihre Aufmerksamkeit wieder auf das Tablett vor sich. Ihre Hände haben sich schon gehoben, da hält sie plötzlich inne. Erst den Tee einschenken und dann hinstellen oder erst die Teeschale hinstellen und dann füllen. Puh… Gestern noch hätte sie an eine solche in ihren Augen Belanglosigkeit nicht einen Gedanken verschwendet. Nun aber will sie den Hausherren doch ein klein wenig beeindrucken, auch wenn es ihr schwerfällt das zuzugeben. Schließlich hatte sie sich vorgenommen, ihm zu zeigen, dass sie auch anders kann. Dass sie durchaus seinen Lektionen zuhört und daraus lernt, auch wenn es oft nicht den Anschein hat. Doch jetzt kann sie sich auch beim besten Willen nicht daran erinnern, wie die Mägde diesen Kram handhaben. Sie zwingt sich dazu, nicht fragend zu Rialinn zu blicken. So eine Kleinigkeit wird sie ja wohl noch hinkriegen. Und dann gibt sie es auf. Ist es nicht eigentlich völlig egal? Wichtig ist doch nur, dass er zu seinem Tee kommt, bevor dieser kalt ist. Puh… Das fängt ja schon gut an…
So füllt sie aus dem Bauch heraus die Schalen mit Tee und stellt diese anschließend an die drei Plätze am Tisch. Aus dem Augenwinkel bemerkt sie dann doch, dass Rialinn ihr ganz dezent einen Hinweis geben möchte. Und doch braucht Kaya einen Augenblick länger um zu verstehen, worauf ihre Freundin sie aufmerksam machen möchte. „Uhm…“, blickt sie zu Shu’re Shalhor auf und deutet dann auf den Stuhl neben ihn. „Möchtest du sitzen?“ Er möchte wohl, zumindest setzt er sich mit einem Lächeln, von dem Kaya sich nicht ganz sicher ist, ob es vielleicht ein ganz klein wenig belustigt wirkt. Vielleicht bildet sie es sich aber auch ein. Dem Rhaskeda’ya hat sie ja noch nie wirklich ansehen können, was er gerade denkt oder fühlt. Auch Rialinn hat inzwischen Platz genommen, also setzt Kaya sich auch. Im nächsten Augenblick steht sie allerdings schon wieder und deutet auf das Gebäck. „Keks?“, will sie von Shu’re Shalhor wissen und als er auch diesen möchte, greift Kaya in die Schale mit dem Gebäck und hält ihm einen Keks hin.
Auch Rialinn bekommt natürlich einen, da fragt Kaya erst gar nicht nach. Und sich selbst nimmt sie dann auch einen, setzt sich und beißt noch im selben Augenblick hinein. Noch kauend schaut sie den Hausherrn wieder an und will gerade ansetzen zu sprechen, da fällt es ihr ein. Artig kaut sie den Bissen zu Ende, schluckt und will dann aber wissen: „Wie war dein Tag?“

Shalhor

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62

Monday, October 29th 2018, 3:41am

Shalhor ertappt sich dabei, mitzufiebern und Kaya in Gedanken am liebsten kleine Stützen an die Hand geben zu wollen, weil sie sich mit der kleinen Teezeremonie so schwer tut. Gleich beim ersten Mal als Gastgeberin aufzutreten, ist aber auch verdammt gewagt mutig und es ist nicht mehr nur zu spüren, sondern seinem Wölfchen auch anzusehen, wie viel Mühe sie sich gibt - so viel Mühe, dass er absolut bereit wäre, den Tee auch im Stehen zu sich zu nehmen oder sich bei passender Gelegenheit eigenmächtig niederzulassen, um sie nicht gleich wieder zu entmutigen, muss aber letztlich weder das Eine noch das Andere. Beeindruckt hat sie ihn längst und er wird den Dunklen tun, sie darauf hinzuweisen, dass die kleinen Teller und die Gebäckzange da auf dem Tablett eigentlich keine Dekorationen sind, auch wenn er vielleicht ein klein wenig schmunzeln muss. Das hier ist ihr wichtig, sie tut es zum ersten Mal, sie ist aufgeregt und im Vergleich zu heute morgen oder überhaupt ist das hier geradezu sensationell. Fragen stellte sie bestenfalls nur im Rahmen ihrer Unterweisungen und traf ansonsten vorzugsweise Feststellungen oder setzte ihn in Kenntnis. Jetzt aber erkundigt sie sich nicht nur nach seinem Tag, sondern denkt sogar daran, nicht mit vollen Mund zu sprechen. Angetan setzt er die Teeschale ab und entscheidet sich für einen Mittelweg zwischen seichten Smalltalk und informativem Gesprächsstoff, um den beiden Mädchen zu belassen, wie sie es hier halten wollen.

"Gut soweit und ohne besondere Vorkommnisse. Wir haben derzeit in der Werft alle Hände voll zu tun, dass ich nur kurz bei Lanzir in der Reederei vorbei geschaut habe. Von der 'Windgesang' ist heute eine Nachricht eingetroffen, dass sie Idala wegen anhaltender Flaute erst zwei Tage später angelaufen ist, aber damit war bei dieser Wetterlage zu rechnen. Als ich mich auf den Heimweg machen wollte, habe ich noch Lady Lasairiona getroffen. Das ist die Betreiberin der 'Kapitänsmesse' gleich neben unseren Geschäftsräumen, aber den Göttern sei Dank wollte sie mir heute nicht wahrsagen. Sie glaubt nämlich fest daran, anhand der Linien der Handflächen anderen die Zukunft voraussagen zu können - gern auch aus ominösen Drachenkarten oder dem Cofeasatz. Wenn ihr also irgendwann einmal die Kapitänsmesse besuchen solltet, rate ich euch dringend davon ab, einen Cofea zu bestellen." Dabei lacht er leise, weil es ihm ohnehin ziemlich unwahrscheinlich anmutet, die Mitarlyrs oder gar sein Wölfchen dort jemals anzutreffen, ganz zu schweigen davon, dass Cofea einfach nichts für so junge Damen ist und er nebenbei bemerkt diesem Hokuspokus nur reinen Unterhaltungswert beimisst. "Und wie war euer Tag? Wart ihr zusammen in der Stadt?"
Man sollte keine Dummheit zweimal begehen, die Auswahl ist schließlich groß genug!

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Rialinn

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63

Wednesday, October 31st 2018, 4:39pm

Kaya schlägt sich richtig gut mit der Teezeremonie. Wobei…eine richtige Zeremonie ist es nicht, nicht einmal die kleine Zeremonie des Alltags, wie sie unter Elben üblich ist. Aber zum einen ist Kaya eben auch keine Elbin - elbischer Haushalt hin oder her - und zum anderen haben sie nachdem der Plan aufkam auch nur nebenbei und ganz allgemein über das 'wie' des Teeservierens und -trinkens unterhalten. Und wo Shalhor Verbesserungspotential oder gar Fehler sieht, sieht Rialinn nur, wie gut Kaya sich macht, wieviel sie alleine beim Zusehen von ihrem Vormund gelernt haben muss. Da sie noch immer stehen und der Hausherr keinerlei Anstalten macht, sich zu setzen, wird der jungen Elbin langsam klar, dass Shalhor ganz selbstverständlich in die Rolle des Gastes geschlüpft ist, da Kaya ja ganz offensichtlich die Gastgeberin dieser 'Teeparty' ist. Er wartet, dass sie ihm einen Platz anbietet… Unauffällig versucht sie ihrer Freundin einen Hinweis zu geben, sucht deren Blick um ihn auf die Stühle am Tisch zu lenken, legt dann (schon etwas weniger subtil) eine Hand auf die Lehne des Stuhls und sieht Kaya auffordernd an. Da scheint der Heller bei dem Mädchen zu fallen und sie fragt den Rhaskeda'ya, ob er sitzen möchte. Er möchte, und so sitzen sie wenig später alle drei am Tisch. Kaya allerdings nur kurz, als der die Kekse einfallen und sie Shalhor davon anbietet. Auch Rialinn nimmt sich einen Keks aus der Schale. Und als ihr Blick dabei auf die kleinen Platzteller und die Gebäckzange fällt, wird ihr siedend heiß bewusst, dass es da eine Menge gibt, von dem sie vergessen hat Kaya zu erzählen. Zur Entschuldigung des Elbenmädchens muss aber angeführt werden, dass sie Gebäckzangen von zuhause auch nur von besonderen Gelegenheiten kennt. Alltags, wenn man einfach so mit Freunden Tee trinkt, gibt es zwar auch diese kleinen Teller (auf die zum Frust jedes Kindes immer nur genau ein Gebäckstück passt) aber keine Gebäckzangen. Immerhin haben sie alle gewaschene Hände und können sich problemlos direkt an der Schale bedienen. Immerhin sind sie hier ja nicht auf einem Empfang beim Stadtrat. Egal. Kaya beginnt sogar eine der von ihr so ungeliebten Plaudereien und fragt Shalhor nach seinem Tag.

>Gut soweit und ohne besondere Vorkommnisse. Wir haben derzeit in der Werft alle Hände voll zu tun, dass ich nur kurz bei Lanzir in der Reederei vorbei geschaut habe. Von der 'Windgesang' ist heute eine Nachricht eingetroffen, dass sie Idala wegen anhaltender Flaute erst zwei Tage später angelaufen ist, aber damit war bei dieser Wetterlage zu rechnen. Als ich mich auf den Heimweg machen wollte, habe ich noch Lady Lasairiona getroffen. Das ist die Betreiberin der 'Kapitänsmesse' gleich neben unseren Geschäftsräumen, aber den Göttern sei Dank wollte sie mir heute nicht wahrsagen. Sie glaubt nämlich fest daran, anhand der Linien der Handflächen anderen die Zukunft voraussagen zu können - gern auch aus ominösen Drachenkarten oder dem Cofeasatz. Wenn ihr also irgendwann einmal die Kapitänsmesse besuchen solltet, rate ich euch dringend davon ab, einen Cofea zu bestellen.<

Erstaunlich entspannt plaudert der Reeder über seinen Tag, viel weniger steif als Rialinn befürchtet hat. Bei der Bemerkung zu den Drachenkarten kann sie sich allerdings ein leises, abfälliges Schnauben nicht ganz verkneifen. Diese Lady Lasairiona klingt nicht nach einer Priesterin und nur Priester können die echten Drachenkarten legen und mit ihren wechselhaften Bildern deuten.

>Und wie war euer Tag? Wart ihr zusammen in der Stadt<

"Ja, wir haben uns in der Stadt getroffen, als ich auf dem Weg zu Meister Dornenbeutel war. Ich wollte dort mein Kleid abholen, weil es geändert werden musste. Und da ist Kaya dann mitgekommen. Und weil wir beide Hunger hatten, sind wir dann hinterher nach Taresnar gegangen. Die Gemüsesuppe von Halla war übrigens richtig lecker." Hier hört Rialinn dann auf zu erzählen, damit Kaya weitermachen kann, und schnappt sich einen neuen Keks. Dann kann ihre Freundin entscheiden, was und wieviel sie Shalhor von ihren Nachmittagsaktivitäten mit dem Kleid vom Dachboden, dem Haare machen, Spielen im Garten und Pflanzenraten im Botanikum erzählen mag.
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Am Grunde des Herzens eines jeden Winters liegt ein Frühlingsahnen, und hinter dem Schleier jeder Nacht verbirgt sich ein lächelnder Morgen.
(Khalil Gibran)

Kaya

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64

Saturday, November 3rd 2018, 10:39pm

Als Shu’re Shalhor ihr antwortet und von seinem Tag berichtet wird Kaya plötzlich bewusst, dass sie eigentlich gar keine Ahnung hat, wie seine Arbeit und seine Tage aussehen. Sicher, sie weiß, wo er zu finden wäre, wenngleich sie noch nie dort gewesen ist, und im Groben – wirklich nur im Groben – kann sie sich vorstellen, um was es bei der Arbeit in der Reederei und der Werft geht. Es sich selbst angesehen hat sie allerdings noch nie. Und auch nicht gefragt. Es hat sie einfach nicht interessiert. Sie mustert den Hausherrn nachdenklich. Genau genommen weiß sie auch kaum etwas über ihn. Nur das, was man eben so nebenbei mitbekommt, wenn man in diesem Haushalt lebt. Kaya senkt den Blick und richtet ihn auf die Schale mit den Keksen auf dem Tisch vor ihr. Sollte es sie nicht vielleicht ein klein wenig interessieren? Könnte es sie vielleicht zumindest ein ganz kleines bisschen interessieren?
>Und da ist Kaya dann mitgekommen.< Das Mädchen schaut auf und ihre Freundin an, während diese Hallas Gemüsesuppe lobt. Doch dann erzählt Rialinn auf einmal nicht mehr weiter, woraufhin Kaya fragend die Stirn runzelt und ihr zusieht, wie sie sich einen weiteren Keks nimmt. Doch erst als das Elbenmädchen dann auch noch hineinbeißt anstatt weiter zu erzählen, wird Kaya klar, dass ihre Freundin im Moment nicht vorhat weiter zu erzählen. „Uhm…“, stutzt sie kurz und überlegt, was sie erzählen soll. „Wir…“ Den Dunklen wird sie tun, ihm von dem Ausflug auf den Dachboden und dem Haare machen zu erzählen. Nicht, dass er noch meint, sie hätten wie kleine, gackernde Hühner vor dem Spiegel gesessen und sich „hübsch“ gemacht. Und dass Rialinn ihr die Haare gemacht hat, wird er ja wohl sehen, wenn er nicht gerade blind ist.
„Eine von den Pflanzen steht nicht in dem Buch“, versucht sie schließlich das Gespräch fortzusetzen. Und ihr wird auch gleich wieder bewusst, warum sie lieber andere reden lässt. „Also im Botanikum. Die Pflanzen. Und das Buch, mit dem wir immer üben.“ Hilfesuchend blickt sie sich zu Rialinn um und würde bei deren aufmunterndem Lächeln am liebsten laut seufzen. Stattdessen atmet sie einmal unauffällig ein und wieder aus und wendet den Kopf in Shu’re Shalhors Richtung, zunächst ohne ihn anzusehen. „Wir… hatten Langeweile und haben uns die Pflanzen im Botanikum angesehen. Wir kannten aber nicht alle Namen und haben dann im Buch nachgesehen. Aber eine haben wir nicht gefunden.“ Da sieht sie den Windelben erwartungsvoll an, als müsse er wissen, von welcher Pflanze sie spricht.

Shalhor

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65

Sunday, November 4th 2018, 3:08pm

Seine Lordschaft lauscht interessiert Rialinns Erzählungen und vermutet inzwischen eher, dass der Besuch bei keinem Geringeren als Meister Dornenbeutel, Inspiration für Wölfchens Verwandlung gewesen sein könnte. Nur als ihre Schilderungen des Tages zu dem Teil gelangen, der Shalhor vielleicht wirklich Aufschluss geben könnte, zieht das Elbenmädchen den Genuss eines Gebäckstückes vor. Aufmerksam legt sich sein Blick nun auf sein Mündel. Wir? Doch was so hoffnungsvoll begann, versumpft im Grünzeug.

"Das ist schade", erwidert er also darauf, dass die Mädchen erfolglos bei der Suche nach dem Namen der Einen geblieben waren. Noch mehr bedauert er allerdings, dass sein Wölfchen ihm nicht mehr über ihren Tag erzählen mag, insbesondere warum sie sich so hübsch gemacht hat, bedauert dass sie ihn nicht mehr so aufgeregt anlächelt und weiß nicht, ob er etwas falsch gemacht haben könnte. Andererseits erklärt sie auch nicht, jetzt etwas anderes mit ihrer Freundin machen zu wollen und lässt ihn hier nicht einfach sitzen. Er hört sie von Langeweile reden, dass er davon ausgehen kann, dass sie wohl wirklich auf seine Heimkehr gewartet haben müssen. Und schließlich schaut sie ihn erwartungsvoll an. Wegen irgendeiner Pflanze? Notgedrungen erklärt er:
"Die Pflanzenkunde war Noravendis' Leidenschaft ... schon von Kindesbeinen an. Sie hat alle Blümchen und Kräutlein, die sie irgendwo gefunden und ausgebuddelt hatte, weil sie ihr besonders gefielen, in ihr kleines Gärtchen hier auf dem Anwesen eingepflanzt und hingebungsvoll umsorgt. Nachdem sie lesen gelernt hatte, wusste sie bald, dass es noch so viel mehr Arten gab, als man hier in Talyra und im Umland finden konnte und sie wünschte sich, dass ich ihr welche mitbrachte, wenn ich zur See in die südlichen Lande fuhr. Es wurden schnell sehr viel und weil diese Exoten den Winter hier nicht im Freien überdauern konnten, verlegten wir irgendwann den Salon ins untere Stockwerk. So entstand das Botanikum hier oben in einem der hellsten Räume. Sie hätte euch zu jedem Einzelnen den Namen und seine Besonderheiten aufzählen können. Ich kann es nicht. Allerdings gibt es noch andere Almanache dazu unten in der Bibliothek. Wenn ihr das Geheimnis um diese eine Unbekannte lösen wollt, suche ich euch diese Bücher gern heraus."
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Kaya

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66

Sunday, November 4th 2018, 4:49pm

Für einen kleinen Augenblick ist Kaya enttäuscht, als Shu’re Shalhor erklärt, dass die Pflanzen die Leidenschaft seiner Tochter waren, hatte sie sich doch ein klein wenig erhofft, er würde anbieten mit ihnen oder später mit ihr alleine nach der Pflanze zu sehen und gemeinsam mit ihr zu schauen. So soll es ihr aber auch recht sein, schließlich läuft sie ihnen nicht weg, die Pflanze, und vielleicht würde sie irgendwann einmal in einem der besagten anderen Bücher nachsehen. Dennoch hat sich ganz unwillkürlich ein schmales Lächeln auf ihre Lippen gelegt. Ob er weiß, dass seine Stimme ganz unterschwellig diesen liebevollen Klang annimmt, wenn er von seiner Tochter spricht (und das ist Kaya aufgefallen, obwohl oder gerade weil sie ihn selten hat von Noravendis sprechen hören)? „Sie war eine gute Tochter, hm?“, fragt sie leise, schon fast mehr zu sich selbst als tatsächlich an den Hausherrn gewandt und merkt dabei gar nicht, wie ihre Finger über eine der von Rialinn geflochtenen Haarsträhnen streifen. „Du auch!“, meint sie plötzlich an eben jenes Elbenmädchen gewandt und grinst dabei. „Und eine mindestens genauso gute Freundin“, nickt sie. „Und du…“, neigt sie den Kopf in Shu’re Shalhors Richtung und mustert ihn dabei ganz unverhohlen. „Hmmmmm…“, schaut sie ihn noch ein wenig intensiver an. Auf einmal wendet sie den Blick ab, hebt neunmalklug das Näschen in die Höhe und stellt fest, als wäre es selbstverständlich: „Du bist ein guter Vater.“ Kaum ausgesprochen springt sie wieder auf und will nach einem weiteren Keks greifen. „Und ich…“ Ihr Blick wandert über das Tablett zu den kleinen Tellern und der Gebäckzange, die demonstrativ neben der Schale mit den Keksen steht. Da stellt Kaya jedem von ihnen einen kleinen Teller hin, schnappt sich die Gebäckzange und legt erst einen Keks auf Rialinns Teller, dann auf ihren und zuletzt auf den des Hausherrn. Belustigt funkelt sie diesen an und klappert dabei mit der Gebäckzange. „… ich übe.“

Azra

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67

Tuesday, December 11th 2018, 10:58pm

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"You own everything that happened to you. Tell your story. If people wandet you to write warmly about them, they should have behaved better. "


Zwei Tage nach einem vertrackten Nachmittag im Nebelmond überbringt ein Botenjunge der Harfe einen Brief für seine Lordschaft Shu're Shalor. Couvert und Briefbögen sind aus feinstem, handgeschöpftem Büttenpapier, die ganz zart nach Rosen duften. In feinen, geschwungenen Lettern steht darin geschrieben:

"Shu're Shalor,

Wie ich heute erfahren habe, kam es zwischen Euch und meinem Mann zu einem schweren Zerwürfnis. Ich habe es stets bedauert, dass meine Liebe zu meinem Mann diesen um Eure Freundschaft gebracht hat. Ich weiß, er hat Euch immer sehr zu schätzen gewusst. Er erinnert sich bis heute gerne an eure gemeinsamen Abende, an denen ihr so manchen armen Ahnungslosen beim Diamantrückenspielen ausgenommen habt (Borgil bezeichnet eure Opfer allerdings als reiche Pfeffersäcke). Bislang habe ich Euer Benehmen hingenommen, in der Hoffnung die Zeit würde Euch beweisen, dass ich nicht die Unholdin bin, die Ihr offenbar in mir zu sehen wünscht. Da wir uns aufgrund Eurer ausgeprägten Aversion nie von Angesicht zu Angesicht begegnet sind und Ihr mir dadurch die Möglichkeit verwehrt habt, einen persönlichen Eindruck zu hinterlassen, nehme ich mir mit diesem Brief die Freiheit folgendes klar zu stellen:

Mein Vater war Es'chare aus dem Haus Chalzedon. Ein Shebaruc und ein Finsterer. Meine Mutter war eine Menschenfrau ohne Namen und nur eine von vielen unter seinen zahlreichen Sklaven. Ich bin als Sklavin der Shebaruc geboren und groß geworden und nur der Güte der Götter habe ich es zu verdanken, dass ich nicht auch als Sklavin in den Höhlen von Dror Elym gestorben bin.
Ich selbst glaubte viele Jahre daran, dass mein Blut verdorben sei. Das mein Shebarucerbe mich irgendwann in genau das Monster verwandeln würde, das so viele in mir sehen wollten. Das ich quasi zum Bösen verdammt war.

Ich fürchtete mich derart vor meinem eigenen Blut und dem damit verbundenen vermeintlich unausweichlichen Schicksal, dass ich Borgil bat mein Erstgeborenes vor mir in Schutz zu nehmen, sollte das Schlimmste eintreten. Vor mir. Seiner eigenen Mutter. Glücklicherweise hat mein Mann mir diesen Nonsens ausgeredet und mich gelehrt, dass ich meine eigene Herrin bin und nicht von meinem Blut und meiner Herkunft bestimmt werde.

Weiterhin hat mein eigener Vater erst vor wenigen Jahren versucht, mich umzubringen, ist dabei allerdings an Borgils Axt gescheitert. Wie ihr seht, seid Ihr nicht der Einzige, der allen Grund hat die Shebaruc zu hassen. Ich allerdings möchte mein Leben nicht von Hass bestimmen lassen und dieses Gefühl auch niemandem entgegen bringen. Nicht einmal Euch. Im Gegenteil, Ihr besitzt mein größtes Bedauern.

Gerne hätte ich Euch alle diese Dinge eines Tages als Zeichen meines Vertrauens eingedenk der Freundschaft, die euch einst mit meinem Mann verband, anvertraut. Leider ist dies nicht mehr möglich. Ihr mögt meinen Mann vielleicht vor fünfzehn Jahren aufgegeben haben, doch bis vor zwei Tagen blieb er Euch stets als Freund gewogen und hat auch nie nur ein schlechtes Wort über Euch verloren. Doch nun hat er sich von Euch abgewendet und die Endgültigkeit seiner Entscheidung bringt auch meinem Hoffen, eines Tages im Vertrauen zu Euch zu sprechen, ein jähes Ende. Deshalb sah ich mich genötigt diesen Brief zu verfassen und Euch mit der Wahrheit zu konfrontieren, die ihr fünfzehn Jahre lang so verbittert verleugnet habt.

Ich bin mir sicher, Ihr werdet verstehen, dass unser Haus Euch nicht mehr offen steht.


Ergebenst,

Azra Blutaxt"
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An Irish taxi driver: "We Irish don't tell lies. We just try hard not to tell the truth."


nyanyanyanyanyanyanyanya.... BAT-CAT! :yell:

You walk me animally on the cookie! - Du gehst mir tierisch auf den Keks! ;D

Shalhor

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68

Saturday, December 15th 2018, 3:17am

- zwei Tage nach einem vertrackten Nachmittag im Nebelmond -

Als seine Lordschaft in der Stunde der Heimkehr sein zuhause betritt, bleiben seine Augen irritiert in der Großen Halle hängen. Die gesamte Ballustrade des Wandelganges ist mit Tannengrün und roten Bändern umwunden und allerlei Beiwerk geschmückt, ebensolche Girlanden schwingen sich von den äußeren Säulen zu den Inneren und in deren Mitte hängt das große Kerzenrad. Seit wann schmücken sie Taresnar denn wieder im großen Stil? Sein Blick streift weiter über die festlichen Arrangements aus Kerzen, Schnitzfiguren und Mistelzweigen auf den beiden Kaminsimsen unter den Portraits, den Kränzen an den Flügeltüren zum Ballsaal und die rot-grün-karierten Hussen über den Sitzgruppen. Warum? Seine Augen huschen von Säule zu Säule ja sogar zu den Abbildern von Amur und Vendis, ob nicht Kaya irgendwo dahinter hervorspähte, um ihn dabei zu beobachten, wie er darauf reagiert und kehren ratlos zurück. Aber gut, er wird es schon noch erfahren, schüttelt nur noch den Kopf und wendet sich erst einmal wichtigeren Angelegenheiten zu - den eingegangen Nachrichten, die auf der kleinen Anrichte inmitten goldgetünchter Tannenzapfen und bemalter Holzkugeln in weiteren Tannengrün auf ihn warten. Noch auf dem Weg in sein Arbeitszimmer öffnet er das Erste und überfliegt es im Gehen. Er weiß zwar nicht, was es noch wegen des Festes zu Ehren Corvalants zu besprechen wäre, denn alle Details sind am Kapitänsstammtisch längst geregelt worden, aber es soll ihn auch nicht stören am nächsten Faertag mit Kapitän Isaio im "Stummen Fisch" zu Mittag zu speisen.

Glücklicherweise pflegt seine Lordschaft das Arbeitszimmer abzuschließen, so dass er es vorfindet, wie er es verlassen hat. Die Nachrichten landen zunächst auf seinem Schreibtisch, damit er in Ruhe anlegen kann, doch da erregt ein Couvert, dass unter einem anderen hervorlugt seine Aufmerksamkeit und er angelt neugierig doch danach, wer ihm denn wohl eine Nachricht auf feinstem, handgeschöpften Büttenpapier zukommen lässt. Doch wie er es dreht und wendet, ein Absender ist darauf nicht vermerkt noch trägt es ein Siegel. Zudem kann er einen Hauch von Rose riechen und die Handschrift seines Namenszuges ist so fein geschwungen, dass sie ziemlich sicher von einer Frauenhand stammen muss. Sigourny? Der Gedanke veranlasst ihn, dass Couvert sofort zu öffnen und gleich zu lesen.

Quoted

Shu're Shalor,
Wie ich heute erfahren habe, kam es zwischen Euch und meinem Mann zu einem schweren Zerwürfnis.

Mann? Zerwürfnis? Diese beiden Worte allein genügen, dass Shalhor im höchsten Maße alarmiert hastig das Papier wendet, um eine Auge auf die Abschiedsfloskel zu werfen und soll nicht enttäuscht werden.

Quoted

Ergebenst,
Azra Blutaxt

Dieses elende Schlange, wie kann sie es wagen ...
Erzürnt pfeffert seine Lordschaft diese maßlose Dreistigkeit auf den Schreibtisch zurück, geht zwei Mal die gesamte Länge seines Arbeitszimmer auf und ab, schnappt sich das Couvert und rauscht wehenden Mantels in die Küche. "Wie ist das hier her gelangt?" Gesine hat nicht Hallas Glück, gerade im Vorratskeller die Zutaten für die Zubereitung des Abendessen zusammen suchen zu dürfen und fährt erschrocken hoch. "Um Himmels Willen, Mylord, ihr habt ..." Beim Anblick der strengen Miene des Hausherren besinnt besser, ihm nicht zu sagen, dass ihr Herz gerade einen Takt ausgesetzt hatte und schaut zwischen ihm und dem Couvert hin und her. "Das weiß ich nicht, Aber Elisa hatte es in der Hand, weil wir daran riechen sollten." "Schick sie zu mir ins Arbeitszimmer! Sofort!" Gesine kommt nicht einmal dazu zu knicksen, schon hat seine Lordschaft kehrt gemacht und ist aus der Küchentür hinaus.

"Mylord wollten mich sehen?" Noch ahnt Elisa nicht warum der Herr, sie in sein Arbeitszimmer zitiert, außer dass er sie unter vier Augen zu sprechen wünscht. Letzten Zwölfmond kurz um diese Zeit hat seine Lordschaft sie auch alle Einzeln in sein Arbeitszimmer befohlen und Gratifa... Grafiti... Ach zum Henker mit diesen blöden Bezeichnungen. Er hat ihnen einen Extralohn gegeben und frohe Jultage gewünscht. Wenn er das heute wieder macht, dann würde sie sich diesem hübschen Muff, also den mit dem feinen Pelzbesatz aus dem Schaukasten vom Schneider Luhys Witton holen. Der würde nämlich genau zu der Pelzkappe passen, die sie sich vom letzten Gratidings geholt hat. Damit könnte sie dann über den Julmarkt stolzieren und sich wie ein edles Fräulein fühlen. Alle würden Augen machen. Besonders liebreizend lächelnd knickst sie vor seiner Lordschaft.
Shalhor erwartet sie bereits mit vor der Brust verschränkten Armen gegen den Schreibtisch gelehnt, das Couvert natürlich in seiner Hand. "Wie gelangt das hier in mein Haus?"
Elisa stutzt. Wie sollen die Briefe schon in sein Haus kommen, wenn sie weder Beine noch Flügel haben. Lächelt aber noch immer äußerst liebreizend und erklärt geduldig: "Mit einem Botenkind, Mylord, wie üblich."
"Und seit wann nehmen wir Couverts unbekannter Herkunft entgegen?"
Ach das meint er, atmet Elisa erleichtert auf. Das kann sie erklären: "Wir waren gerade dabei, die Girlanden aufzuhängen, Adele stand auf der Leiter und Joringel hatte das Monstrum hoch gehalten, weil ich es entwirren sollte. Es hatte sich so schrecklich verheddert. Und dann schellte es an der Tür. Ich war so in Eile, da habe ich es gar nicht gleich bemerkt. Erst als ich sie zu den anderen stellen wollte, ist es mir aufgefallen, so feines Papier und habt Ihr mal daran gerochen? Ich habe mich ja auch gewundert, dass da gar nicht darauf stand, von wem der ist, aber dann hab ich mir gedacht ..." Oh, damit sollte sie vielleicht besser nicht vorweggreifen, wenn es sich vermeiden lässt. Sie weiß ja noch gar nicht, ob er den Brief schon gelesen hat.
"Was dachtest du?"
"Nun ja, Mylord", windet sie sich und überlegt fieberhaft, wie sie es denn umschreiben soll. "Wenn ein Mann einen Brief aus feinstem, handgeschöpftem Büttenpapier bekommt, der nach Rosen duftet und nicht verrät, woher er kommt ..." Na? Jetzt muss es ihm doch endlich dämmern.
Shalhor ahnt tatsächlich, worauf dieses närrische Frauenzimmer hinaus will und fragt eigentlich nur zur Sicherheit "und weiter?"
"Ich meine, als ich neulich in Euer Gemach ging um alles herzurichten, war Euer Bett unberührt. Mylord können ganz unbesorgt sein, wir tratschen doch nicht herum, dass Ihr eine heimliche Geliebte habt. Was auf Taresnar geschieht, bleibt auf Taresnar ... ähm ... oder woanders, Egal wo!"
"Das ist ein Brief von der Shebaruc!"
"WAAAS? Ihr treibt's mit ..." Viel zu spät beißt sich Elisa auf die Lippen. Aber das hat sie ja wohl nun wirklich nicht ahnen können. Dabei hat er doch immer so getan, als sei die die Pest selbst.
Shalhor dagegen platzt nun endgültig der Kragen. "Nein! Ihr packt noch heute Eure Sachen und bleibt auf Eurer Kammer. Nach dem Abendessen lasse ich Euch rufen. Dann sollt Ihr Euren Lohn und ein Referenzschreiben erhalten und verlasst mein Haus."
"Aber Mylord ...", starrt ihn Elisa erschrocken an und versteht die Welt nicht mehr.
"Wozu predige ich jedes verdammte Mal vor der Herdfeuersegnung die Regeln dieses Hauses? Wozu verlange ich wohl, die Shebaruc, so sie denn jemals die Dreistigkeit besitzt hier aufzutauchen, kategorisch abzuweisen, wie alles - ich betone ausnahmslos alles - was von ihr kommt? Etwa damit Du den erstbesten Brief von ihr in meine Hände schleust und dir das Maul darüber zerreißt, ob ich ... Es reicht!"
"Es war ein Missverständnis, bitte ... Mylord ...", schießen ihr die Tränen in die Augen. Wenn er das verlangt, dann will sie doch gern offiziell so tun, als sei diese Shebafrau immer noch unerwünscht.
"Es ist nicht das erste Mal, dass mir Dein Betragen missfällt. Du bist aus meinen Diensten entlassen!"
"Wo soll ich denn hin?"
"Nicht. Mein. Problem. RAUS!"

Shalhor will nicht wissen, warum ihm diese tückische Brut duftige Briefe schickt. Als Elisa fort ist, langt er nach dem Brief und übereignet ihn zusammen mit dem Couvert den Flammen des Kamins in der Großen Halle. Elisas Entlassung sollte dafür sorgen, dass sein Gesinde zukünftig sorgfältiger darauf achtet, was in sein Haus gelangt und was nicht.
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Kaya

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69

Saturday, December 15th 2018, 3:04pm

Nebelmond 518

Als Kaya an diesem Abend zeitig zum Abendessen heim kommt ist irgendetwas anders, das bemerkt sie sofort. Dabei meint sie nicht das fürs Auge Offensichtliche, auch wenn sie sich im ersten Moment überrascht in der Großen Halle umsieht und all das Tannengrün, die vielen Bänder und Girlanden betrachtet. Die Stimmung aber, die in der Luft liegt, passt irgendwie so gar nicht zu dem Festschmuck.
Kaya schiebt sich den Wolfskopf vom Haupt und blickt sich unschlüssig um. Beiläufig zieht sie die schmutzigen Stiefel aus, um sie im Eingangsbereich stehen zu lassen. Dann steuert sie auf die Küche zu und lugt hinein. Überrascht stellt sie fest, dass der Tisch noch nicht vollständig gedeckt ist und Halla noch geschäftig durch die Küche schwirrt und das Essen zubereitet, das sonst eigentlich längst fertig ist, wenn Kaya um diese Zeit heim kommt. Auch kann sie Gesine nirgends entdecken.
„Alles in Ordnung?“, fragt Kaya in den Raum hinein, woraufhin Halla erschrocken beinahe den großen Holzlöffel fallen lässt. „Wo sind die anderen?“ Die Köchin streift ihre Schürze glatt und räuspert sich. Irgendwie wirkt sie unschlüssig, was sie Kaya antworten soll. „Oben… bei Elisa“, bekommt Kaya schließlich zur Antwort. „Seine Lordschaft hat sie vorhin aus seinen Diensten entlassen.“ Überrascht heben sich Kayas Brauen über fragendem Blick, doch Halla hat sich schon wieder abgewendet, um sich um das Essen zu kümmern.
So wendet sich das Mädchen ab und steuert auf die Treppe zu, während sie sich das Wolfsfell von den Schultern streift. Shu’re Shalhor hat Elisa entlassen? Was sie sich wohl geleistet hat? Kurz vor ihrem Zimmer hält Kaya inne, als sie Stimmen und Schluchzen aus den Gesindekammern vernimmt. Leise nähert sie sich den ein wenig offen stehenden Türen. „Nun beruhig dich doch erst einmal“, versucht Gesine jemanden zu beruhigen. „Warum passiert mir sowas?“, hört sie Elisa weinen und so wie sie sich anhört wohl nicht seit gerade eben. „Dass der Brief ausgerechnet von ihr…“ „Ja, das war unglücklich…“ „Was soll ich denn jetzt machen? Ich weiß doch nicht wohin…“, klingt Elisas Stimme schon vom Weinen heiser und gedämpft, vielleicht weil sie das Gesicht in ihren Händen vergräbt.
Kaya wendet sich ab und betritt ihr Zimmer. Es ist nicht so, dass es Kaya besonders nahe geht. Elisa und sie sind miteinander nie wirklich miteinander warm geworden und weit entfernt davon, auch nur so etwas wie gute Bekannte zu sein. Doch irgendwie tut ihr die junge Frau schon ein wenig leid. Entlassen wegen eines Briefes? Schon seltsam…
Das Mädchen legt das Wolfsfell über einen Stuhl und zieht den warmen Mantel aus, den sie beiläufig über einen weiteren hängt. Nachdenklich blickt sie aus dem Fenster bis sie eine Tür ins Schloss fallen hört. Auf Zehenspitzen schleicht Kaya zum Wandelgang und sieht noch Gesine die Treppe herunter und zur Küche gehen. Durch die geschlossene Tür dringt leise immer noch Elisas Weinen.
Zögerlich presst Kaya die schmalen Lippen aufeinander. Einen Augenblick später klopft sie an die Tür zu Shu’re Shalhors Zimmer. Als sich dahinter auch nach einem Moment nichts regt, geht sie den Wandelgang entlang, die Treppen herunter und rechterhand zu des Hausherren Arbeitszimmer. Sie wirft noch einen Blick über die Schulter, ehe sie hier ebenfalls klopft. „Ich bin es.“

Shalhor

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Saturday, December 15th 2018, 4:29pm

Seine Lordschaft sitzt gerade über dem Empfehlungsschreiben, ohne das Elisa kaum eine Anstellung in einem gehobenerem Haushalt finden könnte, so sie denn wollte und bemüht sich redlich, deren grenzenlose Dämlichkeit in wohlklingende Worte zu hüllen, die wirklich nur vage andeuten, dass sie in allzu vertraulichen Positionen eine Fehlbesetzung wäre ohne ihre ansonsten recht guten Dienste herabzuwürdigen, als es klopft und Kayas Stimme vor der Tür zu hören ist. "Bitte komm doch herein. Es ist offen", fordert er sie auf und legt die Feder achtsam weg, um sich zu erheben und ihr bis zur Sitzgruppe entgegen zu gehen.

Sein Zorn über den Erhalt eines Briefes, der niemals hätte Einzug in sein Haus finden dürfen, ist nicht vergessen, aber einer deutlich besonnereren Verfassung gewichen, schließlich hat er ihn nicht gelesen. Und sollte ein dunkler Zauber auf seinen Zeilen gelegen haben, so ist er mit dem Brief verraucht. Er ist jedenfalls nicht auch hörige Marionette dieser widerwärtigen Kreatur geworden und dieser Vorfall letztendlich eine gute Lehre, seinem Geheiß in diesem Haus mit entschieden mehr Sorgfalt nachzukommen. Shalhor hat sich vorgenommen, seinem Gesinde vor dem Abendessen gleich nach dem Dankgebet den Grund für Elisas Entlassung zu erklären und damit soll diese Angelegenheit dann auch erledigt sein. Das heißt, er wird sich wohl noch mit seiner obersten Magd absprechen, ob sie wirklich eine neue Magd brauchen werden oder nicht. Damit hat es sich dann aber auch.

"Schön Dich zu sehen, Kaya" ist er also längst wieder imstande, seinem Mündel entgegen zu lächeln und zu fragen. "Hattest Du einen guten Tag? Magst Du Dich setzen?"
Man sollte keine Dummheit zweimal begehen, die Auswahl ist schließlich groß genug!

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Saturday, December 15th 2018, 11:13pm

Als Kaya eintritt kommt der Hausherr ihr bereits lächelnd entgegen, dass sie nach einer kurzen unauffälligen Musterung seiner Person ebenfalls lächelnd auf ihn zugeht. Auf den ersten Blick zumindest bei ihm alles in Ordnung zu sein. Da Kaya aber inzwischen auch weiß, dass Shu’re Shalhor eine selbst für Elben beinahe schon unnatürliche Disziplin an den Tag legen kann, kann sie sich auf diesen ersten Blick bei ihm wohl wenig verlassen.
Dennoch geht sie vorerst unbefangen auf ihn zu, nimmt mit ihren schmalen Hände seine und drückt diese kurz herzlich (und wer die beiden kennt, der weiß auch, dass dies zwischen ihnen schon fast einer innigen Umarmung gleich kommt). Das Angebot sich zu setzen nimmt Kaya gerne an.
„Hmmm… Sagen wir so: Es war ein soweit recht guter Tag, wenn auch wieder wenig erfolgreich. Es scheint, als könne man in der ganzen Stadt keinen Mouratabak erstehen, zumindest von keiner vertrauenswürdigen Quelle. Du hast nicht zufällig ein Schiff, das in absehbarer Zeit die Sommerinseln ansteuern wird?“ Kaya zuckt dabei mit den Schultern, da sie nicht davon ausgeht. „Oder Beziehungen, über die ich welches bekommen könnte? Und ich meine hier reinen Mouratabak, keinen gemischten. Wer weiß, was man da angedreht bekommt.“
Selbst Schalîk hat momentan keinen, den er ihr verkaufen könnte. Zumindest aber hat er ihr versprochen, sich umzuhören und sie wissen zu lassen, falls er welchen auftreiben konnte.
Sicherlich könnte Kaya gelegentlich auch auf die Blätter der Mirr’che zurückgreifen, die ihre Mutter ihr vor ziemlich genau vier Jahren an einem kalten Nebelmondmorgen überreichte. Seitdem hat sie diese sorgfältig gehütet und die Anwendungen als Sud kann sie immer noch an nur einer Hand abzählen. Und das soll sich auch so schnell nicht ändern, schon allein wegen der giftigen Wirkung auf den Geist.
Das Mädchen beugt sich vor und mustert den Elben unverhohlen. Normalerweise würde sie ihn nun fragen, wie sein Tag gewesen sei, doch Elisas Schluchzen im Hinterkopf fragt sie ihn lieber gleich: „Was hat Elisa angestellt, dass du sie hinauswirfst?“

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Sunday, December 16th 2018, 4:54pm

Auch Shalhor macht es sich auf einem der beiden bequemen Sessel gemütlich und wundert sich schon längst nicht mehr, dass sein Wölfchen für ein Mädchen ihres Alters ungewöhnliche Sachen sagt oder tut oder eben wünscht so wie jetzt. Dass ist es also nicht, was seine Lordschaft Mund und Kinn in der abgestützten Rechten vergraben lässt, auch nicht dass es vom Ildorel zum Synamuris gar keine für den Schiffsverkehr passierbare Wasserstraße gibt, um überhaupt zu den Sidh'Amriel zu gelangen, noch dass zu dieser Zeit im Sonnenlauf hierzulande kein Schiff mehr in See stechen würde, ganz zu schweigen von dem Aufwand, den es bräuchte, um letztlich nur eine Handvoll von dem Zwergenkraut zu wollen, denn was könnte Kaya mit einer ganzen Schiffsladung schon anfangen. Nein, sein Problem ist, dass er die zuverlässige Quelle tatsächlich viel zu gut kennt, um dort jemals wieder einen Fuß hineinzusetzen, solange die Hölle nicht zufrieren will. Genauso wird er den Dunklen tun, Kaya selbst dorthin gehen zu lassen. Aber da ist ja noch die Nachricht von Kapitän Isaio, der ihn nicht an den Mittagstisch bitten würde, wenn er nicht etwas von ihm wolle und zu einem guten Rum nur zu gern seine Pfeife schmaucht, wie so viele unter ihnen. Es würde nicht auffallen, wenn Isaio an seiner Stelle und verschwiegener Weise eben jene zuverlässige Quelle abklopft. Ein Gefallen für einen Gefallen, denkt Shalhor recht zuversichtlich und erklärt seinem Wölfchen: "Ich sehe zu, was ich für Dich tun kann."

Damit sind aber noch längst nicht alle Klippen umschifft. Aber gut, er konnte sich ja ausmalen, dass Elisas Entlassung hier im Hause schneller die Runde macht, als er ihr Empfehlungsschreiben aufgesetzt hat und Kaya wäre die Letzte, die nicht ganz unverblümt fragen würde, wenn sie etwas wissen will. "Elisa hat meine Anweisungen missachtet, nicht eine der täglichen, bei der ich unter Umständen ein Auge zudrücken könnte, sondern eine ganz essentielle ... grundlegende, die ich ihr nicht durchgehen lassen kann und will." Und weil er seinem Mündel nicht sagen mag, dass diese Magd ihr sowieso ständig misstrauisch hintergeschnüffelt hatte oder ihm gar eine überaus unappetitliche Affaire andichten wollte, wechselt er ganz schnell das Thema. "Und was hast Du angestellt, dass sie die Große Halle so herausgeputzt haben? Du hast nicht zufällig zum Julball geladen, oder etwas anderes vor, von dem ich eventuell vorab wissen sollte", schmunzelt er sie unverhohlen herausfordernd an.
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Sunday, December 23rd 2018, 10:44pm

Mit einem zufriedenen Lächeln nimmt Kaya seine Antwort auf ihre Frage nach dem Mouratabak zur Kenntnis. Vielleicht hat sie ja tatsächlich Glück und er kann ihr von eben jenem besorgen.
Auf seine Erklärung hin, dass Elisa eine überaus grundlegende Anweisung missachtet hätte, beäugt sie den Elben ganz offenkundig. Wie könnte die Magd durch ein Stück Papier eine ihm so wichtige Anweisung nicht befolgen? Was dann auch noch solch eine weitreichende Konsequenz hat. Ob sie die Dreistigkeit besessen hat, einen Brief, der an den Hausherrn gerichtet ist, zu lesen? Kaya bezweifelt das. So etwas Dummes würde nicht einmal Elisa machen.
>Dass der Brief ausgerechnet von ihr…< Von ihr? Wie kann ein Brief einer einzelnen, offenbar weiblichen Person…
Uh…‘, stöhnt Kaya innerlich auf.
Das Mädchen blinzelt als der Hausherr ihre Aufmerksamkeit wieder auf sich lenkt. „Angestellt? Pfff…“, rümpft Kaya übertrieben beleidigt das Näschen.
„Als würde ich jemals etwas anstellen. Niemals. Du weißt doch, alles was ich tue ist von langer Hand geplant und gut durchdacht.“ Um ein selbstironisches Lächeln zu unterdrücken, streckt sie dem Hausherrn frech die Zunge heraus, muss dann aber doch lachen. Mit einem Lächeln seufzt sie und senkt den Blick auf ihre Hände, dass er den Schatten nicht sähe, der sich kurz wie ein dunkler Schleier über ihren Blick legt und jedes fröhliche Glitzern darin trübt.
Nach einem Augenaufschlag ist der Schleier aber schon wieder hinfort und als sie auf und den Elben anblickt ist davon nichts mehr zu sehen. Stattdessen neigt Kaya den Kopf leicht zur Seite und grinst schelmisch zurück.
„Nun… ich dachte, wir könnten diesen Zwölfmond meinen Ehrentag vielleicht doch einmal feiern und naja, wenn schon, denn schon, meinst du nicht?“, flunkert sie. In all den Jahren hat Kaya nämlich nie Wert darauf gelegt, den Tag ihrer Geburt zu feiern, mal ganz abgesehen davon, dass sie den genauen Tag gar nicht kennt und sich selbst auch eigentlich gar nicht sicher ist, ob sie tatsächlich im Nebelmond geboren worden ist. Das nimmt sie nur aufgrund der Erinnerungen an ihre ersten Jahre an.
„Da dürfen dann natürlich auch Gäste nicht fehlen: Vielleicht… Rialinn und ihre Mutter, Yaron und Lioba…“ Das freche Grinsen auf ihren Lippen wird ein Stückchen breiter und in ihren Augen blitzt es herausfordernd auf.
„Familie Blutaxt…“
Neugierig beäugt sie den Hausherrn. Kaya kennt Azra Blutaxt wie den Rest der Familie nicht. Aber sie kennt die Predigten, die Shu’re Shalhor den Bediensteten stets vor der Herdfeuersegnung hält. Kaya fand sie immer furchtbar übertrieben, denn seit sie auf Taresnar lebt, hat sie noch nicht mitbekommen, dass tatsächlich mal ein Bote von jener Familie es gewagt hat, das Grundstück auch nur zu betreten, geschweige denn ein Mitglied der Familie selbst. Von diesen Predigten aber mal abgesehen, weiß Kaya von Rialinn zumindest so viel, dass es unmöglich wäre, beide Parteien zu ein und derselben Feier einzuladen.
„Ach, komm schon. Ich bin doch nicht blöd. Auch wenn es nur einmal im Zwölfmond ausgesprochen wird. Ich wüsste nicht, dass es eine andere Frau gäbe“, in Kayas Blick steht offenkundig geschrieben, dass sie an den Gesindekammern gelauscht hat, „von der etwas so unerwünscht wäre wie von ihr. Mal abgesehen von ihr selbst“, schmunzelt sie.
Kaya macht keinen Hehl daraus, dass sie neugierig ist, was in einem Brief von dieser Person stehen könnte, der so überraschend und scheinbar ohne Anlass ins Haus kommt und beugt sich mit einem vorwitzigen Funkeln in den Augen vor.
„Ein Brief, ja? Wirklich von ihr? Was steht drin?“

Shalhor

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Monday, December 24th 2018, 2:14pm

"Oh wie konnte ich das nur vergessen", reagiert Shalhor spöttisch neckend auf Kayas gespielte Empörung, schmunzelt verräterisch während sie ihm frech die Zunge herausstreckt und noch ein ganzes Stück breiter als sie selbst darüber lachen muss. Doch da ist auch ein Anflug ... Melancholie (?) ..., den sie mit gesenktem Blick zu verbergen versucht und der ihn wieder ernst werden lässt, so kurz dieser Moment auch nur andauert. Er sollte bald mit ihr reden, nicht jetzt so nebenbei, aber ... Was bitte? Kaya lässt es wie eine Flunkerei klingen, ihren Ehrentag feiern zu wollen und sie hat auch in den vergangenen Zwölfmonden keinen Wert darauf gelegt, ihren Namenstag würdig zu begehen. Aber sie ist auch nicht mehr so ganz das verschlossene Mädchen, dass ihn eines Nachmittags im Beerenreif in der Waschküche angeknurrt hatte und Shalhor ist sich nicht so sicher, ob nicht doch der leise Wunsch Vater ihrer Worte ist - erwacht aber noch zu scheu, um sich in ernsthafter Gestalt zu zeigen und lauscht ihr sehr genau. Die Mitarlyrs würde sie also einladen wollen, was nicht überraschend ist. Aber wer sind Yaron und Lioba? Neue Freunde? Er sieht das freche Grinsen auf ihren Lippen, das herausfordernde Funkeln in ihren grünbraunen Augen, doch was sie dann vorschlägt, hat er nicht erwartet und es trifft ihn unvermittelt hart wie ein Schlag in die Magengrube. Ohne es wissen zu können, streut sie Salz in eine viel zu frische Wunde und unter gesenkten Lidern kehrt der elendigliche Schmerz um das hässliche Ende einer langen Freundschaft zurück. Treffer versenkt, Wölfchen. Shalhor sinkt in seinen Sessel zurück, wie in sein Innerstes und all die wunderbare Leichtigkeit der letzten Augenblicke ist fort.
Nein er hat sie nie für blöd gehalten, noch hätte es ihn verwundert, dass sich neben Elisas Entlassung auch der Anlass dafür hier im Haus inzwischen herum gesprochen hat - von wem oder auf welchem Wege spielt keine Rolle. Er hätte ihr zugetraut, ganz unverblümt danach zu fragen, wenn sie es wissen wollte, so wie immer und jetzt auch ihm gegenüber. >Ein Brief, ja? Wirklich von ihr? Was steht drin?< "Ja, er war von der Shebaruc", kehrt sein Augenpaar beschwert zu ihr zurück, während es seiner Stimme weit besser gelingt, unbewegt zu klingen. "Doch was sie damit bezweckte, wissen nur die Flammen."
Man sollte keine Dummheit zweimal begehen, die Auswahl ist schließlich groß genug!

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Kaya

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Tuesday, December 25th 2018, 11:53pm

Plötzlich passt die Stimmung im Raum leider viel zu sehr zu jener, die Kaya erfasste als sie vorhin das Anwesen betrat. Während sie diese aber noch unbeteiligt zur Kenntnis genommen hatte, ist sie von dem Blick, mit dem Shu’re Shalhor sie nun bedenkt, im ersten Augenblick wirklich irritiert. So stammelt sie zunächst nur ein leises „Oh…“ auf seine Antwort hin, dass er den Brief verbrannt habe, ohne ihn zu lesen. Da kommt nach all den Jahren ein Brief von dieser Frau und er liest ihn nicht?
Unsicher, was eine angemessene Reaktion wäre, senkt sie den Blick auf ihre Hände, wo sie bereits mit den Fingern ein dunkles, geflochtenes Lederarmband samt Knochenperlen befingert. Sie ist sich nicht einmal sicher, was genau sie in seinen Augen gesehen hat, das sie so überrascht hat. Aber irgendwie sahen sie… traurig aus. Heißt das, dass sie nach tröstenden Worten suchen sollte? Weswegen aber genau sollte sie ihn trösten (mal abgesehen davon, dass Kaya so etwas nun einmal gar nicht liegt)?
Weil diese Stille zwischen ihnen irgendwie erdrückend wird, steht sie schließlich auf und nähert sich dem Hausherrn langsam mit einem durchgerungenen Lächeln, während sie meint: „Naja, wenn es wichtig gewesen ist, wird sie bestimmt noch mal einen Brief schreiben.“ Langsam setzt sie sich halb zu ihm auf die Armlehne und sieht ihn an. Kaya neigt den Kopf ein klein wenig und mustert ihn unsicher. Sie hat vorher nie gefragt, warum diese Frau so unerwünscht ist und es gab nie einen Anlass danach zu fragen. Jetzt aber versteht Kaya nicht, warum ein einzelner Brief Grund dafür ist, eine der Mägde hinauszuwerfen, obwohl er ihn noch nicht einmal gelesen hat.
„Macht dich diese Frau… traurig? Warst du mal… in sie verliebt?“ Nicht, dass Kaya sich mit solchen Dingen auskennen würde, aber wenn man so manchem Gespräch auf dem Marktplatz (oder schon allein in den Gesindekammern Taresnars) lauschte, so schien Verliebtheit doch eines der größten Probleme (in unterschiedlichsten Anwandlungen) der Menschheit auf Rohas weitem Rund zu sein. Und auch, wenn Kaya sich den Elben überhaupt gar nicht verliebt vorstellen kann, hat dieser immerhin mal eine Frau und eine Tochter gehabt, was ja dafür spräche, dass er zumindest schon einmal verliebt gewesen sein sollte.