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Kaya

Stadtbewohner

Posts: 101

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46

Saturday, March 11th 2017, 11:19pm

Irgendwann im Sommer 516

<-- Die Gasse der Webstühle

„Huaaah…“ Kaya seufzt laut und erleichtert als sie die kühle Eingangshalle Taresnars betritt. Wenn es nach ihr ginge, würde sie vor Sonnenuntergang keinen Schritt mehr aus dem Haus tun. Selbst die Faêntjares auf dem Grundstück haben allesamt schattige Plätzchen aufgesucht und nicht einmal den Kopf gehoben als Kaya mit Rialinn das Grundstück betrat. Was nicht heißt, dass sie nicht wachsam wären, wie man an dem Zucken der Ohren hätte erkennen können. Doch das Wolfsmädchen gehört schon lange wie selbstverständlich dazu und auch das Elbenkind ist nicht zum ersten Mal zu Besuch. Von daher haben sich die Hunde selbst dieses bisschen Energie gespart und die Mädchen ohne Weiteres passieren lassen.
Kayas Nase reckt sich in die Luft und kurz hört man sie schnüffeln. Mit einem breiten Grinsen wirft sie einen Blick über die Schulter zu Rialinn. Tatsächlich liegt leckerer Essensduft in der Luft. So schlägt das Menschenkind sogleich den Weg zur Küche ein, denn das Loch im Bauch ist auf dem Weg hierher immer größer geworden. Kurz vor der einen Spalt offen stehenden Küchentür verlangsamt sich ihr Schritt, wendet sie sich mit dem Finger auf den Lippen kurz zu der jungen Elbin um und sie hält schließlich inne, um durch den Türspalt zu lunzen. Auch wenn Kaya nichts für Gebete übrig hat, sie respektiert den Brauch der Angestellten und käme nicht auf die Idee, sie währenddessen zu stören.
Doch sie sieht allein Halla am Herd stehen und Gesine etwas vom Tisch räumen. Das gemeinsame Mittagessen ist wohl bereits vorüber. Augenblick stößt Kaya die Tür auf und betritt mit einem lauten „Ich bin wieder da!“ die Küche. Halla zuckt sichtbar zusammen und Gesine wirbelt so erschrocken herum, dass die gestapelten Teller in ihren Händen bedrohlich schwanken. „Kaya!“, ruft Gesine empört und Halla erwidert mit einem dennoch gutmütigen „Ja, das ist nicht zu überhören, junge Dame.“ Kaya grinst beide nur breit an. „Ich hab Besuch mitgebracht. Und großen Hunger!“, eilt sie an Hallas Seite, um zu schauen, ob denn für Rialinn und sie noch etwas Leckeres zu bekommen ist. Die beiden Küchendamen begrüßen das Elbenkind herzlich und Gesine erkundigt sich noch während sie die Teller beiseite stellt, ob das Mädchen etwas trinken möchte.
„Da kommt ihr gerade noch zeitig. Der Eintopf ist sogar noch warm. Aber erst wascht ihr eure Hände!“ Früher hätte Kaya patzig reagiert, heute aber tut Kaya nur wie ihr geheißen. Es gibt hier und da Kleinigkeiten, die sie sich inzwischen angewöhnt oder sogar eingesehen hat. Also eilt sie mit Rialinn die Hände zu waschen, woraufhin sie sich beide sogleich vor jeweils einen vollen Teller Gemüseeintopf setzen können. Das Wolfsmädchen hat schon den Löffel in der Hand, als Gesine ihnen auf einem weiteren Teller ein Würstchen präsentiert. „Eines ist noch übrig“, meint sie und zerteilt das Würstchen in der Mitte. Mit einem leisen Jauchzer schnappt sich Kaya ihre Hälfte mit den Fingern, beißt davon ab und schaufelt sogleich einen Löffel voll Eintopf hinterher.
„Ist Shu’re Shalhor da?“, will Kaya, den Mund noch nicht ganz leer, scheinbar beiläufig wissen. „Nein, seine Lordschaft erwarten wir erst am Abend zurück.“ Zunächst ist Kaya nicht anzusehen, was sie davon hält. Als sie Rialinn aber dann ansieht, blitzt es verräterisch in ihren Augen. Also haben sie genügend Zeit, um tun oder lassen zu können, was sie wollen. „Schmeckt es den jungen Damen denn?“, will Halla nun dann aber doch wissen. Kaya nickt und sieht fragend zu Rialinn herüber.
Kaya spricht nie viel während sie isst (was sie im Übrigen immer sehr schnell tut), aber dafür hört sie umso genauer hin, was andere zu erzählen haben. Und obwohl sie jeden Tag zusammen arbeiten, haben sich Halla und Gesine eine Menge zu erzählen. Die Arbeiten für diesen Tag, den neusten Klatsch vom Morgenmarkt (offenbar hält sich weiter hartnäckig das Gerücht, die Frau des Münzmeisters habe eine Affäre mit einem deutlichen jüngeren Mann) und was für wunderschöne (aber viel zu teure) Stoffe Gesine auf dem Markt entdeckt hat und wie gerne sie daraus ein Kleid nähen würde (da muss Kaya nun doch mit den Augen rollen).
Als sie fertig aufgegessen haben und Gesine ihnen versichert hat, dass sie nicht abzuräumen bräuchten, deutet Kaya mit einem Kopfnicken Richtung Tür und ist im nächsten Augenblick bereits aufgesprungen, um in die große Halle zu eilen. Auf der Treppe ins Obergeschoss nimmt sie gleich zwei Stufen auf einmal. Erst oben verlangsamt sie wieder ihren Schritt und sieht sich nach Rialinn um. Nachdenklich mustert sie das Elbenkind, sagt aber nichts, sondern geht langsam weiter den Wandelgang entlang. Kurz vor der Tür zu ihrem Zimmer allerdings bleibt sie stehen und scheint für einen Augenblick unschlüssig als sie über Rialinns Worte in der Schneiderei nachdenkt.
„Was habt ihr nur alle mit diesen Kleidern?“, platzt es unvermittelt und fast ein wenig patzig aus ihr heraus. Nein, sie versteht nicht, was daran so toll sein soll. Aber was sie viel mehr nervt ist, dass sie tatsächlich neugierig geworden ist. ‚Vielleicht solltest Du auch mal so ein Kleid ausprobieren‘, hallen Rialinns Worte in ihrem Kopf nach, während sie sich daran erinnert, dass auch Elisa und Martha und kurz darauf selbst Shu’re Shalhor ihr bei ihrer Ankunft ein Kleid andrehen wollten. Kaya schnaubt. „Das macht bestimmt keinen Spaß“, murmelt sie als sie sich umwendet, nicht aber, um ihr Zimmer zu betreten, sondern um wenige Schritte weiter aus der wandseitigen Vertäfelung die Trittleiter zu ziehen, die hinauf zum Dachboden führt.
Kaya ist schon länger nicht mehr hier oben gewesen, doch es hat sich nichts verändert, wie sie feststellt, nachdem sie die Stufen erklommen hat. Wie auch, wenn der Einzige, der außer ihr vielleicht noch hier hochgehen würde, der Hausherr selbst ist. Und das Mädchen wüsste nicht, dass er regelmäßig hier herauf kommt. „Komm“, blickt sie nach unten zu Rialinn und klettert daraufhin ganz hinauf. Ohne zu Zögern tritt Kaya an jene Truhe heran, vor der Shu’re Shalhor damals hockte, als er mit ihr hier oben war und sie dieses Zwergendingens fand (was immer noch in einer der Schubladen ihrer Kommode liegt).
Nun kniet sich Kaya vor die Truhe und öffnet diese auch sogleich. Der Inhalt überrascht sie nicht, auch wenn sie ihn sich damals nicht genauer angesehen hatte. Der Kasten ist voller Kleidungsstücke in verschiedenen Kindergrößen. Und jene Kleider, die Kaya an ihrem ersten Tag auf den Boden gepfeffert hatte, liegen ordentlich gefaltet gleich oben auf. Das erste, das sie heraus holt ist das voluminöse, mit dem bodenlangem Rüschenrock und Spitzeneinsätzen, von dem sie sich geschworen hat, es niemals anzuziehen.
Und auch jetzt kann das Mädchen nur mit der Nase rümpfen und legt das Kleid über den Truhendeckel, ob sich nicht was Besseres finden lässt, wenn es denn schon ein Kleid sein muss. Als sie das zweite Kleid herausholt runzelt sich unwillkürlich ihre Stirn. Sie hatte es nicht in Erinnerung, weil es sie nicht interessiert hatte, was seine Lordschaft für sie herausgesucht hatte. Jetzt aber staunt sie schon ein wenig, denn es ist ein Schleierkleid, Rialinns gar nicht so unähnlich, wenngleich hellblau und der Stoff mehr schimmert. Mit dem Kleid in den Händen steht Kaya auf und präsentiert es ihrer Freundin mit einem Hauch von Verwunderung auf dem Gesicht.

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Rialinn

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47

Sunday, March 19th 2017, 6:21pm

Kayas Rückmeldung in der Küche von Taresnar ist unüberhörbar… und typisch Kaya. Auch wenn Rialinn das vor den Erwachsenen niemals zugeben oder überhaupt aussprechen würde, gehört diese unbekümmerte Art des Mädchens (manch Erwachsener würden es auch vorlaut nennen) zu den Dingen, die sie so an ihr mag. Sie selber begrüßt die beiden Frauen in der Küche auf ihre eigene Art: Etwas leiser, mit einem 'Die Götter zum Gruße' und dem elbentypischen Neigen des Kopfes. Eine Geste, die von den beiden Frauen ebenso erwidert wird, während Kaya schon längst den Inhalt des Topfes auf dem Herd inspiziert. Hallas Antwort lässt das Elbenmädchen nicht weniger breit strahlen als Kaya, denn ihr Hunger ist auf dem Weg aus der Schneiderei hierher um keinen Deut geringer geworden. Die Aufforderung zum Händewaschen hätte es in Rialinns Augen allerdings nun wirklich nicht bedurft, ist es doch für sie eine Selbstverständlichkeit die sie seit Kleinkindertagen nicht anders kennt. Der Eintopf, der sie anschließend in den Schüsseln am Tisch erwartet, schmeckt genauso gut, wie es der leichte Duft in Eingangshalle schon hat vermuten lassen. "Der Eintopf ist ganz anders als der von Cassandra", erklärt sie, als Halla fragt ob es denn schmeckt, "aber er ist richtig gut." Das Glitzern in Kayas Augen ist ihr nicht entgangen und wird von Rialinn ebenso stumm erwidert. Sie wird erst am Abend wieder zuhause erwartet, mehr als genug Zeit also um zu tun wonach auch immer ihnen der Sinn steht. Kaum, dass sie ihre Teller geleert haben, sind die beiden Mädchen auch schon wieder auf den Beinen und auf dem Weg ins Obergeschoss. Zu Kayas Zimmer. Zumindest nimmt Rialinn das an, bis das Mädchen auf dem Wandelgang kurz vor seinem Zimmer stehen bleibt und sie seltsam fragend ansieht ehe es regelrecht aus ihr herausplatzt.

>Was habt ihr nur alle mit diesen Kleidern?<

Im ersten Moment weiß sie nicht so recht, was sie von diesem Ausbruch ihrer Freundin halten soll und braucht etwas, bis sie den Zusammenhang von ihrer Unterhaltung auf dem Weg zu Dornenbeutel über den Besuch in der Schneiderei bis zu der Unterhaltung der beiden Frauen eben in der Küche über Stoffe und deren Preise herstellen kann. Da Rialinn nicht weiß, was sie darauf antworten soll - oder ob Kaya überhaupt eine Antwort erwartet -, bleibt sie einfach nur neben dem Mädchen stehen, ihren Beutel mit dem Schleierkleid in der Hand. Die gemurmelten Worte, dass das bestimmt keinen Spaß machen würde (was auch immer 'das' sein mag) sind glücklicherweise so leise, dass sie so tun kann, als habe sie nichts gehört. Also sieht sie einfach nur schweigend zu wie ihre Freundin eine Leiter aus einer Wandverkleidung hervorholt und sie auffordert ihr nach oben zu folgen. Mit einem zustimmenden Schulterzucken hängt sie sich ihren Beutel wieder über den Rücken und steigt die Leiter empor.
Im nächsten Augenblick findet sie sich auf den schummrigen Dachboden von Taresnar wieder. Fenster gibt es hier keine. Und wenngleich das schwache Licht, das durch die Luke zu ihnen heraufdringt für Rialinns Elbenaugen auch genug sein mag um zumindest die Truhen und auch Umrisse von tuchverhüllten Gegenständen zu erkennen, ist es ihr ein kleines Rätsel wie Kaya sich hier so sicher bewegt. Sie muss öfter hier oben sein, wenn sie sich hier quasi blind bewegt… mutmaßt sie. Nur um im nächsten Moment zu blinzeln wie eine Eule in der Mittagssonne, als Kaya eine Laterne entzündet die Rialinns Aufmerksamkeit entgangen ist.
Und sie weiß noch immer nicht, was ihre Freundin hier oben sucht und das scheinbar nicht einmal Spaß zu machen verspricht. Also steht sie schweigend da und sieht gespannt zu, wie Kaya zielstrebig auf eine der Truhen zusteuert und diese öffnet. Der aufkommende Geruch von Lavendel und Melisse mit einer feinen Staubnote kommt ihr bekannt vor. So riecht es auch auf dem Dachboden von Vinyamar wenn sie nach dem Winter die dort eingelagerten Sommerkleider wieder hervorholen.

Und jetzt weiß Rialinn auch endlich, was Kaya hier sucht, als ein voluminöses Kleid, mit dem bodenlangem Rüschenrock und Spitzeneinsätzen und zahlreichen Schnürbändern über dem aufgeklappten Truhendeckel landet. Ganz offensichtlich ist es nicht das, was das Mädchen sucht. Und auch die junge Elbin mustert das Stoffungetüm mit hochgezogener Augenbraue, es sieht so unbequem und kratzig aus, dass sie sich beim besten Willen nicht vorstellen könnte es anzuziehen. Zumindest nicht freiwillig.
DAS, was Kaya ihr dann aber entgegen hält verschlägt Rialinn für einige Herzschläge die Sprache: Ein elbisches Schleierkleid aus feinem hellblau schimmerndem Stoff. Ungeachtet der Tatsache, dass sie sich in einem elbischen Haus befindet, hätte sie nicht mit einem so typisch elbischen Kleidungsstück gerechnet. Für einige Momente fällt dem Elbenmädchen nichts ein. Aber das aufkommende Schweigen ist nicht bedrückend, dazu kennen sich die beiden Mädchen inzwischen zu gut. Abschätzend wandert ihr Blick zwischen dem Kleid und dem Wolfsmädchen hin und her, als sie zu verstehen versucht, was die mit dem Kleid vorhat. Dann erinnert sie sich an ihren eigenen (nicht ganz ernst gemeinten) Vorschlag von vorhin, dass Kaya doch einfach mal ein Kleid ausprobieren solle.

"Du hast in Deinem Leben noch nie zuvor ein Kleid getragen, oder?" In Rialinns Kopf beginnt ein Gedanke langsam Formen anzunehmen als sie nachfragt. "Und Du hast auch nicht wirklich gewusst, dass dieses Kleid hier ist." Na gut, das ist eher eine Vermutung als eine Frage, während sich ein Lächeln auf ihrem Gesicht ausbreitet als sich eine Idee in ihr festsetzt. "Das da", sie zeigt auf das andere, das rüschige Kleid, "sieht schrecklich unbequem aus, das würde ich auch nicht anhaben wollen. Aber so ein Schleierkleid wie Elben es tragen ist ganz etwas anderes, das solltest Du wirklich mal ausprobieren…" Rialinn kann ein spekulatives Funkeln in ihren Augen beim besten Willen nicht unterdrücken. "Was meinst Du, wie Shu're Shalhor dreinschauen würde, wenn wir nachher beide solche Kleider anhaben und Du ihn zum Tee in Dein Zimmer einlädst…"
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Am Grunde des Herzens eines jeden Winters liegt ein Frühlingsahnen, und hinter dem Schleier jeder Nacht verbirgt sich ein lächelnder Morgen.
(Khalil Gibran)

Kaya

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48

Sunday, April 9th 2017, 3:28pm

>Du hast in Deinem Leben noch nie zuvor ein Kleid getragen, oder?< Kaya blinzelt kurz und schüttelt dann ziemlich deutlich mit dem Kopf. Nein, dazu hatte sie nie einen Anlass gehabt. Während der Reisen mit ihrer Mutter wäre so etwas nur hinderlich gewesen. Vollkommen unnütz, wenn nicht sogar gefährlich (was Kaya schon mehrfach versucht hat zu erklären, aber außer ihrer Mutter wohl niemand so richtig nachvollziehen kann).
>Und Du hast auch nicht wirklich gewusst, dass dieses Kleid hier ist.< Wieder schüttelt das Mädchen den Kopf, dieses Mal nur etwas langsamer. Sie wusste um Kleider in der Truhe, hatte Shu’re Shalhor sie ihr ja damals gezeigt. Aber dass eines davon ein elbisches Kleid ist und solch eines wie Rialinn es auch tragen würde, das wusste sie nicht (mehr). Doch jetzt, als sie es in den Händen hält und das Elbenkind mindestens genauso überrascht scheint, freut sie sich sogar ein klein wenig darüber.
>Aber so ein Schleierkleid wie Elben es tragen ist ganz etwas anderes, das solltest Du wirklich mal ausprobieren…< Jetzt reizt sie der Gedanke, es tatsächlich einmal anzuprobieren. Aber nur, weil Rialinn ebenfalls so ein Kleid hat. Und sie scheint es gerne zu tragen und sich darin wohl zu fühlen, erinnert sich Kaya an Rialinns Gesichtsausdruck als diese das Kleid beim Schneider präsentierte. Dann aber starrt das Wolfsmädchen ihre Freundin nur an. >Was meinst Du, wie Shu're Shalhor dreinschauen würde, wenn wir nachher beide solche Kleider anhaben und Du ihn zum Tee in Dein Zimmer einlädst…< Und ohne ein Wort zu verlieren, pfeffert sie die Kleider wieder in die Truhe und schließt den Deckel so rasch, als hätte sie Dämonen eingesperrt.
Drei Herzschläge lang starrt sie auf die Truhe und ihr Herz klopft wild bei dem Gedanken daran, dass der Hausherr, dass überhaupt jemand sie in diesem Kleid sehen könnte. Rialinn einmal ausgenommen. „Das geht nicht“, presst Kaya schließlich hervor und es dauert einen Moment bis sie das Elbenmädchen ansieht, nur um gleich wieder mit dem Blick vor dem ihren zu flüchten. Sie hat Shu’re Shalhor damals gesagt, sie würde keines dieser Kleider anziehen. Würde sie jetzt doch eines tragen, würde sie doch nachgeben. Was würde er da wohl sagen? Würde er sich nicht lustig machen?
„Ich…“, versucht sie sich an einer Erklärung. „Ich weiß nicht, wie sowas geht“, überwindet sie sich schließlich. Natürlich ist sie in der Lage ein Kleidungsstück anzuziehen und auch Tee aus einem Becher zu trinken. Aber wie man sich „hübsch macht“ und in einem Kleid bewegt, wie man jemanden höflich einlädt und „vornehm“ (so trinkt der Hausherr nämlich immer seinen Tee – vornehm) mit jemandem zusammen sitzt und Tee trinkt. Das war bisher nie Kayas Welt. „Ich kann das nicht“, setzt sie zögerlich fort (wer gesteht sich schon gerne ein, dass er etwas nicht kann - Kaya schon gar nicht) und meint doch vielmehr ‚Ich habe Angst mich zu blamieren.‘

Rialinn

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49

Monday, April 10th 2017, 5:10pm

Ehe Rialinn auch nur 'Hoppla' sagen kann, pfeffert Kaya das Schleierkleid zurück in die Truhe und knallt den Deckel mit einer Vehemenz zu, als habe sie eine giftige Schlange entdeckt. Doch dazu, zu fragen, was sie denn falsches gesagt oder getan habe - denn sie ist sich keiner Schuld bewusst - kommt sie auch nicht. Denn keine Handvoll Herzschläge später erklärt das Mädchen, dass das nicht ginge ohne sie dabei anzusehen. So langsam wird das Elbenmädchen immer ratloser, denn was genau nicht ginge, also das Kleid anzuziehen oder Shu're Shalhor zum Tee einzuladen, erschließt sich ihr nicht. Und das Eingeständnis, dass Kaya nicht wisse, wie "sowas" gehe und das nicht könne, hilft auch nicht wirklich weiter, da noch immer offen ist, was das Wolfsmädchen meint: Kleid anziehen oder Tee trinken.

Leise seufzt Rialinn, als sie ihre Freundin voller Verständnis ansieht, denn dass die sich unwohl fühlt und scheinbar selber nicht weiß, wie sie mit all dem umgehen soll, kann sie ihr anhören und ansehen. Also bleibt der jungen Elbin nichts anderes übrig, als sich langsam vorzuwagen und Stück für Stück vorzutasten um dahinterzukommen, was genau ihre Freundin meint. Also beginnt sie erstmal ins Blaue zu raten und versucht es mit der Art und Weise, wie man so ein Kleid anzieht.

"Schleierkleider sind einfach anzuziehen, viel einfacher als so eins mit Rüschen und engem Mieder. Man kann sie sich wie eine Tunika über den Kopf ziehen. Und mit der Schnürung im Rücken kann man dann selber entscheiden wie eng man das oben haben mag. Und ab hier", sie zeigt auf ihren Oberkörper, knapp unter dem Brustbein, "beginnt der Rock. Das ist aber eigentlich kein richtiger Rock wie bei dem Kleid da in der Kiste, das sind ganz viele einzelne Bahnen über- und nebeneinander. Die lassen viel Platz damit man sich bewegen kann … damit kann man sogar auf Bäume klettern", setzt sie grinsend nach, weil sie sich noch lebhaft an das Donnerwetter ihrer Mutter erinnert, als sie mit ihrem Kleid tatsächlich mal auf einen Baum geklettert ist.
Dann sieht sie ihre Freundin abwartend an und fragt ebenso direkt wie besorgt nach. "Was meinst Du genau, wenn Du sagst, dass Du nicht weißt, wie sowas geht… Ich meine, Du weiß doch wie man sich anzieht und wie man Tee trinkt. Immerhin bist Du nicht nackt und wenn ich hier war oder Du bei uns auf Vinyamar, hast Du auch schon Tee oder heiße Schokolade getrunken." Ein leichtes Schulterzucken begleitet ihr verlegenes Lächeln als sie versucht, der Unsicherheit Kayas auf die Spur zu kommen.
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(Khalil Gibran)

Kaya

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50

Saturday, May 6th 2017, 11:12pm

Kaya rollt innerlich mit den Augen, als Rialinn versucht ihr zu erklären wie das Kleid anzuziehen ist. Nicht, weil das Elbenkind nicht versteht, sondern weil es nicht verstehen kann. Das wird Kaya bewusst als sie ihre Freundin reden hört. Trotzdem unterbricht sie sie nicht und muss sogar schmunzeln, als sie das Grinsen schon in Rialinns Stimme hören kann, als diese meint, man könne in dem Kleid auch auf Bäume klettern, und muss sich gleich vorstellen, wie das Elbenmädchen in ihrem hübschen Kleid auf einem Ast hockt und keck die Beine baumeln lässt. Kaya mustert ihre Freundin und eine ganz kleine Stimme in ihr wünscht sich, sie wäre ein wenig mehr wie sie. Rialinn wird von allen geliebt. Kaya wüsste niemanden, der dem Elbenkind Zutritt verwehren, Hilfe verweigern oder sonst einen Wunsch abschlagen würde. Sie ist „beliebt“, bei Kindern wie Erwachsenen.
>Was meinst Du genau, wenn Du sagst, dass Du nicht weißt, wie sowas geht…< Kaya verschränkt die Arme vor der Brust und neigt den Kopf ein wenig zur Seite, während sie nach den richtigen Worten sucht, sich besser zu erklären.. „Ja… ja, natürlich weiß ich das. Aber… Hmpf… Das ist nicht dasselbe. Tee trinken und… Tee trinken.“ Ein wenig hilflos zuckt das Mädchen mit den Schultern. „Shu’re Shalhor trinkt seinen Tee… so anders. Deine Eltern übrigens auch“, meint sie schnell. „So… Naja, ruhig sitzen, gerade sitzen, Ellenbogen nicht auf dem Tisch, nicht aufstehen. Nette Dinge sagen, aber ganz anders als unter Freunden. Beim Kuchen essen bloß nicht die Finger benutzen und die müssen natürlich schön sauber sein. Und dann diese feinen Tücher auf dem Schoß, die doch eigentlich zum dreckig machen da sind und dann doch wieder nicht.“ Jetzt rollt Kaya wirklich mit den Augen. „Er hat mich erinnert, immer und immer wieder.“ Da erst fällt dem Wolfsmädchen auf, dass er sie schon eine ganze Weile nicht mehr erinnert hat. Und plötzlich ziehen sich ihre Brauen ein wenig bedrückt zusammen, denn es wird ihr noch etwas klar. Mit leiser Stimme ergänzt sie: „Er hat mich nie mitgenommen… wenn er außer Haus mit irgendwelchen Leuten essen war.“ Es hat sie nie gestört. Selbst wenn er jemals gewollt hätte, dass sie mitkommt, wäre sie nicht mitgegangen. Warum stört es sie jetzt? Es ist doch eh nicht ihre Welt…
Und auf einmal zuckt ihre Nase aufmüpfig. Er hat sie also aufgeben? Glaubt er etwa, sie könne es nicht lernen? „Hmpf!“ Kaya schlägt den Deckel der Truhe wieder auf und zieht das Schleierkleid hervor. „Gut, zeig mir wie das geht. Das richtig anziehen und ‚vornehm‘ Tee trinken“, blickt sie Rialinn herausfordernd an. „Ich werd‘ ihm schon zeigen, dass ich das wohl kann.“ Ein überzeugtes Nicken begleitet Kayas Worte. „Er wird sich schon noch wundern.“ Einst hatte er sie Tochter genannt und sich als ihren Vater vorgestellt. Ein Vater sollte seine Tochter nicht so schnell aufgeben! ‚Und eine Tochter…‘, flüstert da eine ganz leise Stimme in ihrem Kopf, die sie allerdings ganz schnell abwürgt, ehe sie Kaya etwas einreden kann. Kaya weiß, dass sie sich nicht immer so verhalten hat, wie Shu’re Shalhor es gern gesehen hätte. Besser gesagt hat sie sich ganz oft nicht wie gewünscht verhalten.

Nach jenem Besuch auf Vinyamar im Silberweiß und bald darauf bei Schalîk im Wegesend war das Mädchen in einen Zustand völliger Gleichgültigkeit gesunken. Uki war fort, neben ihrer Mutter der einzige Halt, den sie all die Jahre über gehabt hatte. Eine Tatsache, mit der sie sich nur schwer anfreunden konnte. Kaya hatte eine Weile einfach alles geschehen lassen. Sie hatte keine Widerworte gegeben, fast alles getan, was man ihr sagte, ohne sich dazu auf irgendeine Weise zu äußern. Sie hatte kaum geredet und sich anfangs häufig und lange in ihr Zimmer zurück gezogen, später es sie zu den Hunden, bei denen sie sogar vereinzelte Nächte verbracht hatte. Dieser Phase allerdings folgte Rebellion auf einem ganz neuen Niveau. Sie hatte nichts mehr von dem getan, das ihr aufgetragen oder um das sie gebeten worden war. Sie war frech und unhöflich wie gleichgültig und egoistisch gewesen. Immer wieder war sie verschwunden und hatte sich versteckt, wenn man nach ihr suchte (allerdings hatte sie nie das Grundstück verlassen). Irgendwann jedoch waren Wut und Frustration verraucht, wurden von Enttäuschung und Resignation abgelöst, die gelegentlich noch durchbricht, mit der das Mädchen nun aber halbwegs umzugehen weiß.

Das Schleierkleid über die Schulter gelegt, verschließt Kaya die Truhe wieder und löscht die Laterne. Nein, Shu’re Shalhor hat es sicher nicht leicht mit ihr gehabt. Und trotzdem hat er sie nicht hinaus geworfen, sie stattdessen geduldig ertragen. So kommt Kaya ein für sie doch recht untypischer Gedanke: ‚Vielleicht ist es an der Zeit auch einmal etwas zurück zu geben.‘ Ehe das Mädchen die Leiter herunter steigt, steckt sie ihren Kopf durch die Luke, sich zu versichern, dass niemand der Bediensteten sie sehen kann. Leise und langsam klettert sie die Sprossen hinab und lauscht währenddessen angestrengt. Doch Taresnars Bedienstete scheinen gut beschäftigt. Dennoch verfolgt Kaya ungeduldig Rialinns Abstieg und beeilt sich anschließend, den Zugang zum Dachboden wieder zu verschließen und mit dem Elbenkind in ihrem Zimmer zu verschwinden.
Sie lässt ihre Elbenfreundin zuerst ins Gemach, um dann hinter ihr sogleich die Tür zu schließen. Niemand außer Shu’re Shalhor betritt ihr Zimmer ohne ihre Erlaubnis, sodass keiner der Angestellten sie überraschen würde. Und der Hausherr kommt ja erst am Abend zurück. Und der wird Augen machen! Das Schleierkleid landet zunächst auf Kayas großem Muschelbett. Kaya streift sich den Wolfspelz von den Schultern und legt bis auf die Unterkleidung alles ab. Ganz ohne zu zögern lässt sie sich von Rialinn sogleich in das Kleid helfen. Den Kopf durch den Ausschnitt gesteckt, die Arme durch die Ärmel, den Stoff glatt gestrichen und… erst einmal tief durchatmen. Schon ein bisschen nervös öffnen und schließen sich ihre Hände immer wieder, während sie unsicher zwischen einem Punkt irgendwo an der Wand und Rialinn hin und her sieht. Das Kleid trägt sich überraschend… angenehm. Es zwickt an keiner Stelle, lässt ihr genug Bewegungsfreiheit… und scheint in der Größe beinahe wie für sie gemacht. Um die Brust herum ist vielleicht noch etwas viel Platz.
Langsam, beinahe andächtig schreitet das Menschenmädchen das Zimmer auf und ab, hebt die Füße höher als notwendig, um zu erkunden, wie sich das Schleierkleid unter ihren Bewegungen verhält. Wenn sie es nicht besser wüsste, könnte sie fast glauben, ihre Beine seien nackt. „Es ist so leicht“, meint Kaya und schaut an sich herab. Ihre Hände folgen dem Fluss des zarten Stoffes, greifen ihn an dessen Ende und heben die Schleierbahnen, nur um mit den Augen ihr sanftes Fallen verfolgen zu können als Kaya den Stoff wieder los lässt. Da legt sich ein schüchternes Lächeln auf ihre Lippen, als sie Rialinn ansieht und wissen will: „Und? Was meinst du?“

Rialinn

Stadtbewohner

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51

Sunday, May 21st 2017, 11:32pm

Für Kayas Verhältnisse ist es ein regelrechter Wortschwall, der da aus dem Menschenkind heraus bricht. Soviel hat sie in all den Monden, die einander nun schon kennen noch nicht von sich selber und von ihrer Beziehung zu Shu're Shalhor preisgegeben, wie jetzt auf dem Dachboden von Taresnar. Ob ihr das bewusst ist? fragt Rialinn sich, während sie ihrer Freundin zuhört und erahnt, dass es bei der ganzen Sache nicht nur um Kleider und 'vornehmes' Teetrinken geht – aber immerhin versteht sie nun was Kaya eigentlich gemeint hat. Sei es wie es sei, auf jeden Fall hat es bei ihrer Freundin eine Art trotzige Entschlossenheit geweckt. Das Mädchen klappt die Truhe wieder auf, schnappt sich das Schleierkleid und stopft das Rüschen-und-Spitzenmonster zurück ehe es den Deckel wieder zuklappt. In einvernehmlichen Schweigen machen sich die beiden Mädchen wieder auf den Weg die Leiter runter nach unten auf den Gang zu Kayas Zimmer. Warum das Mädchen allerdings erst hinunter späht und lauscht, ob sie auch ja niemand sieht, kann Rialinn nun beim besten Willen nicht verstehen. Nach dem 'Warum' zu fragen, hebt sie sich aber für später auf.

Im Zimmer ihrer Freundin wird Rialinns Blick wie stets von dem Muschelbett angezogen. Es ist einfach ein faszinierendes Möbelstück, so ganz anders als alles, was das Elbenkind bisher je gesehen hat. Und immerhin hat sie schon einiges gesehen, zum Beispiel bei ihrer Tante, wo das Bett aus dem Baum heraus gewachsen ist.

Während Kaya sich Ukis und ihrer Kleider entledigt, legt Rialinn den Beutel mit ihrem Kleid auf einem der Stühle am Tisch ab. Ihrer Freundin beim Anziehen des Schleierkleides viel zu helfen braucht sie nicht, denn wie sie gesagt hat, ist es kinderleicht: Kopf und Arme in die richtigen Öffnungen sortieren, reinschlüpfen, fertig. Damit scheint sich aber auch der entschlossene Tatendrang des Wolfmädchens erschöpft zu haben, wie sie so da steht, tief durchatmet, der Blick zwischen Rialinn und einem imaginären Punkt an der Wand hin und her pendelt und sich die kleinen Hände immerwieder öffnen und schließen, als wisse sie nicht, ob sie sich das Kleid vom Leib reißen, sich einfach nur schnell irgendwo verstecken oder mit dem weitermachen soll, was sie angefangen hat. Die junge Elbin ist wenigstens ebenso verunsichert wie ihr Gegenüber, einfach weil sie nicht weiß, was sie tun oder sagen kann um der ihre offensichtliche Unsicherheit zu nehmen. Dabei sieht Kaya in dem Kleid richtig gut aus - ungewohnt zwar aber hübsch. Noch immer schweigend sieht Rialinn zu, wie Kaya sich mit dem ungewohnten Kleidungsstück vertraut macht und im Zimmer hin und her geht. Bei der etwas übertriebenen Art, wie sie die Füße und Knie hebt, beißt sie sich allerdings auf die Zunge um nicht zu schmunzeln. Sie will ihre Freundin nicht auslachen und sie weiß ja nun, dass die noch nie zuvor ein Kleid getragen hat und kann sich vorstellen, dass das Gefühl bei einem Schleierkleid erst recht reichlich ungewohnt ist – nicht weil es das Mädchen einengt, sondern weil es gerade das nicht tut.

>Es ist so leicht.< Das Fazit ihrer Freundin klingt fast ein wenig erstaunt, während es noch mit den Schleierbahnen des Rockes spielt. > Und? Was meinst du? < Die Frage wird von einem Lächeln begleite, das derart schüchtern ist, dass Rialinn für einen Moment versucht ist zu fragen, "Wer bist Du? Und was hast Du mit Kaya gemacht?" Letztlich stellt sie die Frage dann doch besser nicht, weil sie das hier nicht kaputt machen will. Sie hat zwar neben dem Mädchen noch einen Freundeskreis, zu dem auch Mädchen gehören, Shaerela und Fianryn. Aber warum auch immer, haben sowas wie das hier noch nie zusammen gemacht. Natürlich haben sie sich auch schon auf Festen und Feierlichkeiten getroffen, aber dann waren sie alle immer schon fertig dafür angezogen. Sich gemeinsam herzurichten und 'hübsch zu machen', hat sich bisher irgendwie nie ergeben. Und wie Rialinn jetzt feststellt, macht es auf eine unerwartete Art Spaß. Mit schräg gelegtem Kopf tritt sie einen Schritt zurück und mustert Kaya eingehend.

"Das Kleid steht Dir… so ganz anders als das was Du sonst trägst, aber ich find's schön. Hier oben ist es vielleicht etwas zu weit", zupft sie kurz am Oberteil, "Aber wenn Du willst, kann ich das mit dem Band auf dem Rücken etwas enger machen, damit es nicht herumschlackert… Immerhin wird es Dir so nicht so schnell zu klein", setzt sie dann nach, als sie an ihr eigenes Kleid denkt und sich ein wenig Wehmut in ihr Schmunzeln mischt. Ob es ihr gefällt oder nicht, nochmal wird man es nicht weiter oder länger machen können. Es ist der letzte Sommer in dem sie es tragen wird.

"Diese ganzen Ermahnungen… bei Tisch nicht herum hampeln, still sitzen, ordentlich essen, nicht kleckern und krümeln… glaub mir, die kriegt jedes Kind zu hören. Mal mehr mal weniger oft", nimmt Rialinn den Faden von Kayas Erklärungen wieder auf. "Und erst das Teetrinken", rollt sie ein wenig mit den Augen, kann sich aber ein Schmunzeln dabei nicht verkneifen. "Weißt Du, um Tee zu trinken gibt es glaube ich so viele Regeln wie es Gelegenheiten dafür gibt. Von einfach so Tee trinken über Tee trinken mit Gästen bis hin zu einer Zeremonie, bei der es nur darum geht nach ganz bestimmten regen Tee zu machen und zu trinken... Erinnerst Du Dich noch an die Schneeballschlacht im Winter? Als wir hinterher auf Vinyamar waren? Wenn meine Eltern mit Shu're Shalhor zusammen sind oder mit anderen Leuten, die eben nur Gäste sind und keine Freunde, dann ist das alles immer sehr förmlich. Ich stelle mir das sehr anstrengend vor, wenn man immer aufpasst was und wie man etwas macht oder sagt. Aber wenn Freunde da sind, dann ist das viel entspannter und nicht so förmlich. Und weil wir Kinder sind, haben wir vielleicht auch noch ein paar Freiheiten, die Erwachsene nicht mehr haben… Es hat im Winter ja auch keinen gestört, dass wir beide auf den Bodenkissen gesessen und dort unseren Kuchen gegessen haben und eben nicht bei den Erwachsenen am Tisch in einem der Sessel… Und irgendwie gelten die meisten Regeln sowieso nur zuhause bei Tisch", beginnt das Elbenmädchen zu grübeln, "Denn wenn wir unterwegs sind, im Wald oder zur Jagd oder im Sommer zur Ernte auf den Feldern, achtet kaum einer auf die… naja, deswegen heißen die wohl auch 'Tischregeln'."

Während sie redet, hat Rialinn sich auch ihres Sommerkleides entledigt, ihr Schleierkleid aus dem Beutel geholt und es sich übergestreift. Zum einen, weil sie das Kleid einfach unheimlich gerne trägt. Und zum anderen, weil sie unbewusst davon ausgeht, dass Kaya ihre Unsicherheit leichter ablegen kann, wenn sie beide solch ein Kleid tragen. "Du hast gesagt, Shu're Shalhor hat Dich nie mitgenommen, wenn er außer Haus mit anderen Leuten essen gewesen ist." Aufmerksam mustert sie ihre Freundin als sie jetzt an einem vielleicht wunden Punkt kratzt. "Warum hat er Dich nicht mitgenommen? Weil es ihm peinlich wäre, Dich dabei zu haben wenn Du Dich mit den ganzen Benimmregeln nicht auskennst? Oder weil er wusste, dass Du Dich dabei nicht wohlfühlen würdest, mit fremden Leuten und in einer Situation, die Du nicht kennst und die Dich nicht kennen und verstehen?"
Rialinn weiß ja unterdessen, dass das Menschenmädchen so ganz anders aufgewachsen ist als sie selber, aber das ist für sie nie ein Problem gewesen. Schon alleine dadurch, dass sie quasi von Geburt an bei ihrer Mutter im Tempel groß geworden ist, ist sie von Kleinkindertagen an mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen, mit Winterkindern, Novizen, Priestern und Besuchern von unterschiedlichster Herkunft und unterschiedlichstem Verhalten konfrontiert worden. Von all dem, was der Freundeskreis ihrer Eltern und ihrer Verwandten in Lomirion so mit sich bringt einmal ganz zu schweigen. Das alles zusammen hat das Mädchen eine für Elben ungewöhnliche Unvoreingenommenheit entwickeln lassen, die sich auch von Anfang an gegenüber der Jung-Schamanin gezeigt hat, die ihr eine Freundin geworden ist.
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Kaya

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Sunday, February 11th 2018, 1:42pm

>Das Kleid steht Dir… so ganz anders als das was Du sonst trägst, aber ich find's schön.< Wenn Kaya sich selbst sehen könnte… Das Funkeln in ihren großen, grünbraunen Augen und das zufriedene Lächeln auf den Lippen, als sie Rialinns Worte vernimmt… Sie würde über sich selbst heftig den Kopf schütteln und die Augen bis zum Himmel verdrehen. Beides gleichzeitig. Mehrmals. Und dazu ihr Unverständnis über die Situation äußern, wie ein Stück Stoff, Mädchen wie Frauen in schüchtern gackernde Hennen verwandeln kann. Als Kaya dies schlagartig bewusst wird, ist das Lächeln flugs verschwunden, und rasch hat sie dem Elbenmädchen den Rücken zugewandt. Hoffentlich bevor dieser Kayas Reaktion aufgefallen ist, hat das Wolfsmädchen ihre Linke unter die dunklen Locken in ihrem Nacken geschoben und angehoben, so dass Rialinn ihr das Kleid enger schnüren könnte. Und während Kaya das Zupfen an den Schnüren wahrnimmt, verspürt sie eine merkwürdige Wärme auf Wangen und Ohren.
Wirkliche Gedanken darüber machen kann sie sich allerdings nicht, denn da fängt das Elbenkind an ihr zu erklären, dass diese ganzen Ermahnungen zu Tisch wohl so ziemlich jedes Kind zu hören bekäme, aber auch, dass sie als Kinder dennoch mehr Freiheiten zu haben scheinen als die Erwachsenen, und es erinnert Kaya an die Schneeballschlacht und das anschließende Beisammensein im Winter. Unwillkürlich huschen Kayas Augen hinüber zu dem Wolfsfell, ohne aber wirklich lange darauf zu verharren. Als Rialinn ihr bedeutet fertig zu sein, lässt sie ihre braunen, langen Locken wieder frei, wendet sich zu der jungen Elbin um, die nun ebenfalls beginnt, ihr Schleierkleid anzuziehen. Wie prüfend wandern Kayas Augen weiter zu dem Tisch, an dem sie oft gemeinsam mit dem Hausherren aß und nach einem weiteren Augenblick richtet sie mit einem leisen „Verstehe…“ ihre Aufmerksamkeit wieder auf ihre Freundin. Rialinns Ausführungen ergeben Sinn, wenngleich sich die Bedeutung solcher Regelungen Kayas Verständnis weiterhin entziehen will.
>Du hast gesagt, Shu're Shalhor hat Dich nie mitgenommen, wenn er außer Haus mit anderen Leuten essen gewesen ist. Warum hat er Dich nicht mitgenommen? Weil es ihm peinlich wäre, Dich dabei zu haben wenn Du Dich mit den ganzen Benimmregeln nicht auskennst? Oder weil er wusste, dass Du Dich dabei nicht wohlfühlen würdest, mit fremden Leuten und in einer Situation, die Du nicht kennst und die Dich nicht kennen und verstehen?< Etwas verdattert blinzelnd Kaya und sieht Rialinn mit hochgezogenen Brauen und fragendem Blick an. Dann neigt sie den Kopf etwas zur Seite, während sie sich vor ihrem geistigen Auge einige Erinnerungen abruft, um eine Antwort auf Rialinns Fragen zu finden.
Das Wolfsmädchen ist sich selbst nicht sicher, ob sie keine Antwort hat oder ihr die Antwort nicht gefällt, weil sie es so noch nicht gesehen hat. Und da sie ihrer Freundin nichts erwidern kann oder mag, rümpft sie nach einem Augenblick trotzig das Näschen und zuckt mit einem „Was weiß ich!“ die Schultern.
Mit einem leicht schmollenden Ausdruck auf dem jungen Gesicht besieht sich das Wolfsmädchen die Elbenfreundin in ihrem Schleierkleid, wodurch ihre Züge allmählich wieder etwas versöhnlicher werden. Da heftet sich allerdings ihr Blick auf Rialinns Haar und ihre Brauen heben sich nachdenklich. Kayas linke Hand gleitet durch ihr eigenes Haar, das im Gegensatz zu Rialinns glänzenden, glatten, schwarzen Haaren in wilden braunen Locken schwingt. „Hm…“, entfährt es ihr leise. Schon aber scheint ihr eine Idee gekommen und im nächsten Augenblick steht sie an der Zimmertür. „Komm mal mit“, bedeutet sie ihrer Freundin, ihr zu folgen.
Rasch hat sie Rialinns Hand ergriffen und mit ihr gemeinsam das Zimmer verlassen. Vorsichtig späht Kaya die Treppe hinunter und lauscht zudem, ob jemand der Angestellten zu hören ist. Einige Herzschläge lang verharrt sie, ehe sie ihre Freundin mit raschen, leisen Schritten die Treppe hinunter in die große Halle führt. Neben dem Kamin rechterhand, direkt neben dem wassergefüllten Marmorbecken inmitten der sechs goldgelben Marmorsäulen, hält das Mädchen schließlich inne und besieht sich das Bildnis einer jungen Frau. Das Wolfsmädchen weiß inzwischen, um wen es sich auf dem Gemälde handelt, wenngleich sie den Hausherren nie danach gefragt hat. Zwar hat sie darüber hinaus selbst von den teilweise recht redseligen Damen des Hauses nicht viel erfahren, aber zumindest schien es kein Geheimnis zu sein, wen die beiden Gemälde über den Kaminen der großen Halle zeigen.
Kayas Blick wandert fragend zu Rialinn, während der Zeigefinger ihrer freien Hand auf das Portrait der Elbin zeigt. „Kannst du mir die Haare so machen?“, will Kaya von ihr mit gesenkter Stimme wissen. Wenn sie schon deren Kleid trägt, dann will sie auch nicht irgendeine elbische Frisur tragen, sondern eben jene wie dort auf dem Bildnis. Das würde ihn doch bestimmt freuen, denkt Kaya ganz allein bei sich. Nicht, dass noch jemand auf die Idee käme, sie für diesen Gedanken aufzuziehen.

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53

Thursday, May 10th 2018, 10:39am

- Im Sommer 516 -





Rialinn hat zwar schon öfter mal die Redensart gehört, dass Worte tiefere Wunden schlagen können als jedes Schwert - und sie glaubt auch zu wissen, was damit gemeint ist. Aber dass die für sie schlichte Feststellung der Tatsache, dass es ihr gefällt wie Kaya in dem Kleid aussieht eine solche Freude bei dem Wolfsmädchen auslöst irritiert sie für einige Herzschläge ehe sie einfach begeistert zurücklächelt. Wenn Kaya wüsste, wie anders sie grade aussieht, wie … glücklich und zufrieden… sie würde es sich sofort selber verbieten… mutmaßt das Elbenkind wohl nicht ganz zu Unrecht, denn schon im nächsten Augenblick ist das Lächeln aus Kayas Gesicht verschwunden und sie dreht sich weg um ihr den Rücken zuzukehren. Sie sucht noch nach den richtigen Worten um ihre Freundin aus ihrer Befangenheit herauszuholen und die entspannte Stimmung von gerade eben zurückzuholen, als Kaya sich mit einer Hand die dichte Lockenpracht aus dem Nacken schiebt und sie so stumm auffordert, das Kleid etwas enger zu schnüren, damit es auch oben herum richtig sitzt und nicht mehr herumschlackert. Eine Aufforderung, der sie ebenso schweigend nachkommt.

Auf die Frage nach dem 'Warum Shu're Shalhor Kaya nicht mitnimmt' bekommt sie erst einmal keine Antwort. Sie scheint diese mit der Frage irgendwie überrumpelt zu haben, denn das Mädchen blinzelt sie erst fragen an, ehe sie den Kopf zur Seite legt und ihr Blick sich nach innen wendet als suche sie in ihren Erinnerungen nach einer Antwort. Es dauert eine Weile und die Antwort, die dann kommt ist ein fast schon trotziges Was weiß ich!. Eine so absolut typische Reaktion des Mädchens, dass Rialinn sich ein Grinsen nur mit Mühe verkneifen kann. Und der bunte Reigen der Stimmungen im Gesicht des Menschenmädchens geht munter weiter, pendelt von schmollend über versöhnlich zu nachdenklich und dann blitzt es in den Augen, als habe sie etwas ausgeheckt. Rialinn ist noch immer wie gebannt von diesem Wechselspiel an Mimik und Gefühlen das sich so sehr von den Elben unterscheidet, als sie schon an der Hand gepackt und aus dem Zimmer gezogen wird. Während ihre Gedanken unbewusst noch um die Überlegung kreisen, ob die oft so unbewegte Mimik der Elben mit der Abschirmung ihrer empathischen Sinne zusammenhängt, beobachtet sie wie Kaya sich leise über den Flur und die Treppe nach unten in die Halle pirscht. Ganz offensichtlich will sie nicht, dass jemand vom Gesinde sie bemerkt - warum auch immer, immerhin tun sie hier ja nichts Unerlaubtes. Vor einem der beiden Portraits, die sich über das Seerosenbecken hinweg ansehen, bleiben sie schließlich stehen. Das Bild zeigt eine junge Frau, jünger als die auf dem zweiten Bild, der sie aber so ähnlich sieht, dass es Mutter und Tochter sein müssen. Und Shalhors Tochter ist Rialinn sich sicher, denn das Erbe der Ilfa'ya ist ebenfalls unübersehbar.

>Kannst du mir die Haare so machen?<

Jetzt ist es an Rialinn, verdattert auszusehen. Aber die leise Frage oder vielleicht auch Bitte der Freundin überrascht sie wirklich. Irgendwas an dem Mädchen ist heute anders und ihr gefällt diese neue, andere Seite von Kaya. Fast so als würde sie das Mädchen vervollständigen. Aber vielleicht ist diese Seite auch nicht wirklich neu, sondern Kaya hat sie bisher nur gut vor allen versteckt.
Aufmerksam betrachtet Rialinn das Bild über dem Kamin, versucht sich die Einzelheiten der Frisur gut einzuprägen. Es zeigt die junge Frau im Halbprofil, sie kann also eine Seite und das Gesicht sehen. "Ich kann es versuchen. Aber es wird bei Dir ein wenig anders aussehen. Du hast ganz viele Locken und sie hatte glattes Haar. Und das Bild zeigt nicht den Hinterkopf, da kann ich dann nur raten, wie die Haare genau hochgesteckt werden sollen." Während sie im Geist bereits die Wunschfrisur mit Kayas Lockenpracht in Einklang zu bringen versucht, drängt sich ein ganz anderer Gedanke in den Vordergrund und sie fasst ihre Freundin fest in den Blick. "Ich werde Haarnadeln und Haarbänder brauchen… Hast Du sowas?"

Kaya hat, wie ihr mit einem stummen Nicken beschieden wird. Und im nächsten Moment pirschen sie sich heimlich still und leise wieder zurück ins Zimmer im Obergeschoss. Aus einer Schublade der Kommode holt das Mädchen erst Kamm und Bürste hervor und nach kurzem Kramen in den Tiefen einer anderen liegen auf dem Tisch auch eine Handvoll Haarnadeln unterschiedlicher Größe und einige Haarbänder, die fast genau die Farbe von Kayas Haaren haben.
Während Kaya sich also erwartungsvoll auf einen der Stühle an den Fenstern setzt, macht Rialinn sich erst einmal daran, die Lockenmähne mit einem grobzinkigen Kamm durchzukämmen und vorsichtig die Knoten zu entfernen, die sich in der Wärme unter Ukis Fell gebildet hatten. Ganz ohne ziepen und viel 'autsch' und 'tut mir leid' geht es natürlich nicht ab, aber irgendwann ist es geschafft und die sonst so wilden Locken legen sich weich und glänzend um Kayas Gesicht und über die Schultern. Während Rialinn behutsam Strähnen abteilt, eindreht und umeinander schlingt, sie zu kunstvollen Zöpfen flechtet und feststeckt, können sich die beiden Mädchen nicht einig werden, welche von ihnen die andere mehr um deren Haare beneidet: Rialinn hätte gerne Locken während Kaya glatte Haare toll findet. Dann ist Rialinn fertig und mit ihrem Werk auch ziemlich zufrieden, denn soweit sie das beurteilen kann, ist sie dem Bild ziemlich nahe gekommen. "So, fertig", erklärt sie und legt die letzte Haarnadel zur Seite. "Du kannst Dich im Spiegel anschauen und mir sagen, was Du davon hältst."
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Saturday, September 22nd 2018, 11:07pm

Nur noch einmal tief durchatmen. Kaya musste sich schon die ganze Zeit dazu zwingen, das nervöse Hampeln ihrer Beine zu unterbinden, während Rialinn versuchte ihre wilden Locken in die gewünschte Form zu bringen. Das lag nicht daran, dass Kaya nicht daran glaubte, dass ihre Freundin das nicht hinbekommen würde. Viel mehr war sie einfach auf das Ergebnis gespannt wie diese Frisur an ihr aussehen mochte. Und ob sie Shu’re Shalhor gefallen würde. Dafür überraschend langsam steht sie auf, um zu dem Spiegel herüber zu gehen und beinahe zögerlich vor ihn zu treten. ,So anders…‘, denkt Kaya bei sich und auch schon gleich gefolgt von einem ‚Hübsch…‘, das ihre Mundwinkel zucken lässt. Nicht, dass Kaya schon einmal wirklich damit auseinander gesetzt hätte, ob sie sich „hübsch“ fände. Aber tatsächlich gefällt ihr, was sie sieht. So ganz anders… Mit einem zufriedenen, vielleicht schon stolzen Lächeln blickt das Mädchen ihre Freundin an und nickt dieser glücklich zu. Oh, wie gerne möchte sie Shu’re Shalhors Gesicht sehen, wenn sie ihm ihre Verwandlung präsentiert. Und schon kann sie es tatsächlich kaum erwarten, dass er nach Hause kommt. Jetzt heißt es nur noch warten.
So kommt es, dass die beiden Kayas Zimmer vorbereiten (nicht, dass es sonderlich viel aufzuräumen gäbe, da Kaya herzlich wenig Unordnung macht), ihre Zeit mit Spielen (Kaya hat da dieses Säckchen Knöchelchen zum Würfeln), draußen bei den Hunden (Hunde und frische Luft genießt Kaya immer) und auch tatsächlich mit ein ganz klein wenig Plauderei (für Kaya immerhin noch etwas Neues und eine Herausforderung) vertreiben, sich das Wolfmädchen sogar nach unten wagt und bei Halla (deren staunenden Gesichtsausdruck sie gekonnt ignoriert) Tee und Gebäck bestellt, das sie bei Rückkehr des Hausherren benötige. Zuletzt läuft sie stetig zwischen dem Botanikum und dem Speisesaal im Obergeschoss hin und her und späht unaufhörlich aus den Fensterfronten, ob sie den Hausherren kommen sehen kann.

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Shalhor

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Monday, September 24th 2018, 1:12am

Ein anstrengender Tag in der Werft liegt hinter Shalhor, der sich nicht zu schade war, an einem solchen heißen Tag selbst mit hart anzupacken, damit seine Männer die Werkzeuge heute etwas zeitiger aus den Händen legen konnten. Viel eher ist zwar deshalb nicht dran, weil er noch in der Reederei bei Lanzir vorbeigeschaut und mit Lady Lasairiona ein Schwätzchen gehalten hat, aber es gäbe noch reichlich Zeit bis zum Abendessen, sich etwas Gutes zu tun. Der Sinn steht ihm nach einem Bad in der Grotte, so lang wie ihm beliebt, und sich dann auf der Ruhebank lang zu machen, solang man ihn gewähren lässt und lässt sich in Gedanken längst schon im wohltemperiertem Wasser treiben, als er seine Schritte durch die Einfahrt Taresnars lenkt.

Die Faêntjares kommen auf ihn zugestürmt, wie sie es immer tun, ihren Herrn überschwänglich zu begrüßen als sei er ganze Zeitalter fortgewesen und jeder einzelne soll seine Aufmerksamkeit bekommen, aber viel Auflesen machen sie heute nicht und trollen sich schnell wieder zu ihren schattigen Dösplätzen, außer Crona. Sein gutes altes Mädchen begleitet ihn treu bis auf den Vorplatz des Hauses, als hätten sie ausgeknobelt, wer das heute übernimmt. "Stäbchen oder Würfel?", klopft er ihr aufmunternd die Seite und lacht leise, als sie schnaufend vor den Stufen stehen bleibt, als wolle sie sagen, dass das jetzt aber reichen muss. "Schon gut, lauf!"

Shalhor hält sich nicht lang in der Großen Halle auf, nur ein flüchtiger Blick hin zu den Sitzgruppen, sich zu vergewissern, dass ihm kein unangekündigter Besuch auflauerte, einer zur Anrichte, nein keine Nachrichten, biegt er gleich zur Küche ab. "Oh Mylord sind zurück", wird Gesine sofort auf ihn aufmerksam, die rasch noch die Gebäckstücke in ihrer Hand auf den Teller am Tisch ablegt, um ihn mit Halla artig knicksend zu begrüßen. Shalhors Blick ist der Teller nicht entgangen und da sein Wölfchen (das sich in letzter Zeit leider als äußerst widerspenstige Wildkatze ausprobiert) noch nicht mit hungrigen Augen davor sitzt, muss sie wohl noch in der Stadt sein. Was immer das bedeuten mag, denn besonders mitteilungsfreudig ist sie schon seit einem geraumen Weilchen nicht mehr, genaugenommen seit der Einkehr bei den Mitarlyrs nach einer denkwürdigen Schneeballschlacht, aber nicht deswegen. Er hatte sie heute morgen noch fragen wollen, ob sie dafür Geld benötige, aber da war sie schon wieder aus der Tür.

"Ja, ich bin wieder da, nehme aber gleich ein Bad und möchte nicht gestört werden. Oder gibt es etwas, von dem ich sofort unbedingt wissen müsste?" Die Frage war eigentlich rhetorischer Natur, zumindest erwartet er nicht ungewöhnliches, doch Halla und Gesine wechseln einen so unsicheren Blick miteinander, dass er innehält. "Was ist denn?" Es ist Halla, die sich kurz verlegen über die Schürze streicht und meint: "Vielleicht sehen Mylord vorher kurz im Obergeschoss nach dem Rechten?" Sie sagt das so merkwürdig rästelhaft, dass sich eine von Shalhors Brauen skeptisch und fragend hebt. Aber just geben sich beide Frauen übertrieben auffällig geschäftig, als hätten sie irgendjemandem geschworen, nur ja nichts zu verraten. Es wird wohl wirklich das Beste sein. sich von was auch immer selbst ein Bild zu machen. Ob Yara San... Stopp, diesen Gedanken mag er nicht zu Ende führen und macht auf dem Absatz kehrt. Oben also!
Man sollte keine Dummheit zweimal begehen, die Auswahl ist schließlich groß genug!

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Kaya

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Monday, September 24th 2018, 10:59pm

Ermüdet vom vielen hin und her Laufen kniet Kaya vor einem Kübel im Botanikum und starrt das Pflänzchen darin an. Das heißt, sie starrt nicht wirklich das Pflänzchen an, vielmehr starrt sie einfach vor sich hin, den Kopf auf ihre Hände gestützt, die Ellenbogen auf dem Rand des Kübels. Auch wenn es nicht so ganz stimmt, kommt es ihr vor, als würde sie schon den ganzen Tag auf Shu’re Shalhors Rückkehr warten. Mit einem tiefen Seufzer schielt sie zu ihrer Rechten, an der Rialinn sitzt und in ein Buch starrt, das Abbildungen von vielerlei Pflanzen beinhaltet. „Was g’fund’n?“, nuschelt Kaya. Da das Wolfsmädchen so oft zwischen Botanikum und Speisesaal hin und her gehuscht ist, haben sie zwischenzeitlich beschlossen, dass die minütlichen Besuche bei den Pflanzen ihren Sinn haben sollten und begannen bei jedem Betreten des Botanikums mithilfe des Buches, das noch von Kayas letzten Pflanzenkundenstunde mit dem Hausherren dort gelegen hat, eine der Pflanzen zu bestimmen. Mit Rialinn zusammen hat es sogar tatsächlich ein wenig Spaß gemacht.
Plötzlich lässt kurzes, wirklich kurzes Hundegebell Kaya aufspringen und zu einem der vielen Fenster hechten. Sie muss gar nicht lange suchen, sondern nur den Faêntjares folgen, die ihrem Herren entgegen eilen, um ihn zu begrüßen. Crona hat ihr Wort gehalten, Kaya Bescheid zu geben, wenn Shu’re Shalhor eintrifft. Die wiederum bricht allerdings nicht in Begeisterung aus, wie das nervöse Warten zuvor vielleicht erwarten ließ. Stattdessen duckt sie sich schnell und mit klopfendem Herzen vom Fenster weg, in der Hoffnung, dass der Hausherr sie noch nicht entdeckt hat. Unsicher blickt sie herüber zu Rialinn und trifft deren fragenden Blick. „Vielleicht…“, versucht Kaya nach kurzem Zögern zu erklären, „war das eine doofe Idee. Was, wenn… es ihm nicht gefällt. Was, wenn… er böse wird, weil ich das Kleid ohne zu fragen genommen habe? Was…“
Da können sie hören, wie die Eingangstür ins Schloss fällt. Auf Zehenspitzen schleicht Kaya hinaus auf den Wandelgang und lauscht, ohne herunter zu sehen. Für einen Augenblick hält das Mädchen den Atem an. Dann sind in der Küche Stimmen zu vernehmen. Kayas Blick sucht den ihrer Freundin. „Geh du vor…“, flüstert Kaya gefolgt von einem flehentlichen „Bitte…“

Rialinn

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Wednesday, October 3rd 2018, 2:22pm

Sie haben Kayas Zimmer aufgeräumt, was deutlich schneller erledigt ist als das bei Rialinns Zimmer der Fall gewesen wäre. Das Wolfsmädchen hat ihr ein Spiel mit Würfeln gezeigt, das das Elbenmädchen noch nicht kennt, das aber richtig Spaß macht und die beiden Mädchen immerwieder zum Lachen bringt. Sie sind draußen im Garten gewesen und haben mit den Hunden gespielt. Wobei… das Spiel ist an diesem Tag deutlich weniger Getobe gewesen als sonst. Ohne darüber nachzudenken haben beide Mädchen sich in ihren Schleierkleidern vorsichtiger bewegt als sonst. Sogar die Hunde scheinen das gespürt zu haben. Irgendwann sind sie dann wieder im Haus, warten auf den Hausherrn und machen die Erfahrung, wie relativ die Wahrnehmung von Zeit sein kann, wenn man auf etwas (oder jemanden) wartet: Die Zeit scheint an diesem Nachmittag nämlich nur im Schneckentempo zu vergehen. Auch wenn Rialinn versucht, es sich nicht anmerken zu lassen, ist sie doch wenigstens so gespannt auf die Rückkehr des Rhaskeda'ya wie ihre Freundin.

Deren Ungeduld lässt das Mädchen unruhig im Obergeschoss hin und her laufen, von ihrem Zimmer ins Botanikum, weiter in das Speisezimmer und wieder zurück ins Kayas Zimmer um die Runde von vorne zu beginnen. Aber das lässt die Zeit nicht im geringsten schneller vergehen, wie ihnen der kaum wandernde Sonnenstand unmissverständlich klar macht. Abgesehen davon ist es langweilig. Bei einem der Zwischenstopps im Botanikum fällt Rialinns Blick auf eine Blume, die sie noch nie gesehen hat, weder in einem Garten, noch draußen im Wald oder auf den Wiesen und Feldern oder in den Büchern des Lehrpriesters im Tempel. Als sie Kaya danach fragt, kennt die Pflanze auch nicht, aber sie holt ein dickes, in Leder gebundenes Buch aus einem Regal und legt es zwischen ihnen vor der Blume auf den Boden. Das sei das Buch, mit dem Shu're Shalhor sie in Pflanzenkunde unterweisen würde. Die Stimme des Mädchens klingt dabei alles andere als begeistert. Rialinn kann da nur mit den Schultern zucken. "Der Unterricht im Tempel ist auch nicht immer spannend... aber wenn wir mit dem Kräutermeister draußen sind und er uns die Pflanzen zeigt und erklärt, das macht Spaß. Er macht da manchmal ein Spiel draus, weißt Du, zeigt uns eine Blume oder ein Blatt und dann lässt er uns die Pflanze bestimmen… Aber so eine wie die hier habe ich noch nie gesehen und ich will wissen, was das für eine ist. Vielleicht kann man die hier in Talyra bekommen, dann kann ich die auch bei uns im Garten wachsen lassen." Es braucht eine Weile, bis sie eine Abbildung finden, die zu der Blume in dem schlichten, weiß glasierten Topf passt, aber der Erfolg lässt beide Mädchen von einem Ohr bis zum anderen grinsen. Und ein neues Spiel ist geboren: Jedes Mal, wenn ihre unruhigen Runden sie ins Botanikum führen, suchen sie sich eine andere Pflanze dort aus und bestimmen sie mit dem Buch. Das lässt die Zeit wenigstens etwas rascher vergehen.
Irgendwann sitzen sie wieder im Botanikum, diesmal vor der Schale mit einer ziemlich unscheinbaren Pflanze und blättern durch das Buch. Dieses Mal haben sie jedoch keinen Erfolg und das Pflanzensuchen wechselt langsam von spaßig zu langweilig. "Was g’fund’n?" Kaya starrt reichlich gelangweilt auf das noch immer namenlose Grünzeug und klingt reichlich frustriert. "Nö... Entweder kann ich nicht richtig suchen oder die ist in diesem Buch nicht drin." Rialinn hat trotz dieser Vermutung keine Lust, in dem Regal zu schauen ob dort noch mehr Bücher mit Abbildungen sind, die ihnen vielleicht helfen könnten.

Plötzlich geben die Hunde draußen Laut, und zwar auf diese ganz bestimmte Art, mit der sie nur den Hausherrn begrüßen. Wied er Blitz ist Kaya erst am Fenster um sich zu vergewissern, dass es wirklich Shalhor ist, der den Weg zum Haus hochkommt. Er ist es. Und im nächsten Moment zuckt das Menschenmädchen zurück und versteckt sich vor etwaigen Blicken. So ungeduldig, wie Kaya bis eben noch die Rückkehr des Windelben erwartet kann, kann Rialinn weder diese Reaktion noch den unsicheren Blick ihrer Freundin auf Anhieb nachvollziehen und kann nur fragend zurückschauen. Eine Erklärung bekommt sie dann ohne gefragt zu haben. "Vielleicht… war das eine doofe Idee. Was, wenn… es ihm nicht gefällt. Was, wenn… er böse wird, weil ich das Kleid ohne zu fragen genommen habe? Was…" Das Geräusch der ins Schloss fallenden Haustür unterbricht Kaya, ehe sie ausgesprochen hat. Aber vielleicht unterbricht sie sich auch selber, denn das Mädchen huscht auf Zehenspitzen auf den Wandelgang und lauscht in die große Halle hinunter, wo Shalhor direkt auf die Tür zur Küche zuhält, von wo nur wenig später gedämpfte Stimmen zu hören sind.

Als dann die Küchentür wieder geht und sich leichte Schritte der Treppe ins Obergeschoss nähern, scheint Kaya der Mut zu verlassen. "Geh du vor…“, flüstert das Mädchen flehentlich, "Bitte…“ Rialinn nickt stumm und versucht ihrer Freundin stumm wieder Mut zu machen. Auch wenn sie im Gegensatz zu der denkt sie nicht, dass es dem Elben nicht gefallen könnte oder er gar wegen des Kleides böse werden könnte. Aber Kaya das zu erklären, bleibt ihr gerade keine Zeit, denn Shalhor ist die Treppe schon halb herauf. Außerdem kennt sie das Mädchen inzwischen mehr als gut genug um zu wissen, wieviel es sie gekostet haben muss, ihre Unsicherheit zuzugeben und sie um Hilfe zu bitten. Ein Vertrauensbeweis, denn sie nicht nur erkennt, sondern auch für sehr kostbar nimmt und nicht vorhat zu enttäuschen.
Also tritt Rialinn an die Balustrade und sieht zur Küchentür hinunter. Wie versprochen steckt Halla den Kopf heraus und nickt, als sie die beiden Mädchen sieht. Sie würde wie von Kaya vor einer gefühlten Ewigkeit erbeten in ein paar Minuten Tee und Gebäck nach oben in das Zimmer der 'jungen Dame von Taresnar' bringen. Mit einem aufmunternden Nicken ergreift Rialinn die Hand ihrer Freundin und geht zusammen mit Kaya dem Hausherrn entgegen. So fest wie die ihre Hand umklammert, ist Rialinn klar, dass ihre Freundin gerade keines der vorhin so sorgsam überlegten und geübten Worte herausbringen würde. Also übernimmt sie das kurzentschlossen als sie Shu're Shalhor auf dem obersten Treppenabsatz gegenüber stehen. "Die Götter zum Gruße, Shu're Shalhor", begrüßt sie den Rhaskeda'ya mit einem höflichen Neigen des Kopfes nach Art der Elben, während Kaya sich an dem vorhin geübten Knicks versucht, der unter Menschen üblich ist. "Dürfen wir Euch zu Tee und Gebäck einladen?", deutet das Shida'ya-Mädchen mit der freien Hand auf die Tür von Kayas Zimmer. Um sich dann heimlich auch im Geist an den Elben zu wenden. Bitte, Shu're, sagt nicht nein, es ist wichtig für Kaya...
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Shalhor

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Wednesday, October 3rd 2018, 10:11pm

Es gibt nur wenige Personen außerhalb seines Haushaltes, die sich erlauben dürften, ungebeten in das Obergeschoss und dessen Privaträume vorzudringen, neben der Jägerin vom Toten Blut eigentlich nur Mitglieder des Hauses Danjafaên. Es sei denn Borgil wäre wieder das Weibsbild abhanden gekommen und Olyvars Mannen durchkämmen sein Haus. Aber dafür ist es viel zu ruhig und unaufgeregt hier auf Taresnar, dass Shalhor derlei Gedankenspiele eher amüsiert denn besorgt in den Sinn kommen. Vielleicht hat sich auch einfach nur ein Vögelchen durch eines der großen Flügelfenster ins Hausinnere verirrt und findet vor lauter Aufregung nicht mehr heraus, dass er es mit behutsamen Windstrom hinauslotsen sollte. Shalhor hat es jedenfalls nicht übermäßig eilig, die Treppen zu erklimmen. Lässig umrundet er das marmorne Abbild Vendis', als er zweier Mädchen gewahr wird, die Hand in Hand wohl gerade die Treppe hinab kommen wollten. Eine davon ist Rialinn, die Andere ... bei den Göttern ... Es hat eines zweiten Blickes bedurft zu realisieren, dass ihm das zweite Mädchen keineswegs fremd ist und eines Dritten, um das Kleid an ihr wiederzuerkennen, dass vor ihr einst seine Tochter trug.

Shalhor ist im Allgemeinen zu selbstbeherrscht, als dass ihm die Gesichtszüge entgleiten würden. An Feinheiten ist ihm die Überraschung allerdings durchaus abzulesen. Da ist der Fuß, der gerade die erste Stufe des dritten Treppenabsatzes in Angriff nehmen wollte und sich doch wieder auf dem Absatz davor abstellt, der Blick, der ohne Lidschlag unterbrochen über Kayas ungewohntes Erscheinungsbild wandert, wieder hinauf zu ihrer neuen Frisur und auf ihrem Knicks verweilt und die weichende Strenge, die seinen Zügen so eigen ist wie der Schatten dem Licht. Sie macht nach diesem langen Augenblick einem sehr weichen, warmen Lächeln Platz. Ob Rialinns geteiltem Gedanken verkneift sich Shalhor allerdings, Wölfchen zu fragen, wer sie sei und was sie beide mit Kaya angestellt hätten, obwohl er nur zu gern erfahren würde, wie das hier nun genau zustande gekommen ist und noch mehr, was es etwas zu bedeuten habe.

"Myladies, ich könnte mir nichts Vergnüglicheres vorstellen und wenn Ihr mir die Bemerkung erlauben wollt: Ihr seid heute eine außerordentlich formidable Erscheinung, meine Verehrung." Und wie es einer Verehrung und eines außergewöhnlichen Dankes angemessen ist, verneigt sich Shalhor vor den jungen Damen, gern auch ein wenig länger und tiefer um dem Elbenmädchen die Gelegenheit einzuräumen, Kaya unbeobachtet zuzuraunen, dass er sie gerade besonders hübsch genannt hat ... sofern nötig. Er weiß tatsächlich nicht, wie lange Rialinn sein Wölfchen schon in der Etikette unterrichtet. Vielleicht ist das hier sogar eine Art "Abschlussprüfung", vielleicht auch nicht. Aber er ist wahnsinnig gespannt und das erfrischende Bad in der Grotte hat entschieden an Reiz verloren.
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Kaya

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59

Monday, October 15th 2018, 10:42pm

Kaya atmet innerlich erleichtert auf als Rialinn geistesgegenwärtig die Begrüßung übernimmt, nachdem sie selbst den Hausherren wohl nur stumm angestarrt hätte, während sie sich innerlich für seine Reaktion wappnete. Tatsächlich ist Kaya sich überhaupt nicht sicher, was für eine Reaktion sie erwartet hat und nach Shu’re Shalhors Worten tauscht sie einen unsicheren, fragenden Blick mit ihrer Freundin. Etwas Vergnügliches ist ja eigentlich etwas Gutes. Was er über ihre „Erscheinung“ sagt – Kaya muss bei der Wortwahl unwillkürlich an Geister denken – klingt fremd, aber weder vorwurfsvoll noch verärgert. Auf Rialinns Antwort hin heben sich Kayas Brauen verstehend und der Griff um die Hand des Elbenmädchens entspannt sich. Ihr aufgeregter Herzschlag beginnt sich zu beruhigen als sie ihren Blick wieder auf den Hausherren richtet. Und als dieser sich wieder aufrichtet und sich ihre Blicke treffen, kann Kaya gar nicht anders als zu lächeln.
„Torrak!* Dann komm mit!“, entfährt es ihr. Doch kaum, dass sie herumgewirbelt ist, hält sie auch schon wieder inne, neigt nachdenklich den Kopf und erinnert sich einst Elisas Worte. Da sieht sie den Hausherren wieder an, deutet mit der Hand in die Richtung, in der ihr Zimmer liegt und wiederholt: „Wenn du mir… uns folgen würdest… bitte…?“ Ein kurzer, versichernder Blick gilt Rialinn, ehe sie die Hand ihrer Freundin ergreift, um mit ihr zu ihrem Zimmer aufzubrechen. Dabei versucht sie sich Rialinns Tempo anzupassen anstatt den Gang entlang zu spurten. Drei rückversichernde Blicke über ihre Schulter gelten dem Hausherrn, dass er ihnen auch tatsächlich folge.
Vor ihrer Zimmertür bleibt sie stehen, öffnet sie und bedeutet dem Hausherrn mit einem beinahe schon aufgeregten „Komm rein“ einzutreten. Sie selbst hat noch vor, kurz auf den Tee und das Gebäck zu warten, was sie gar nicht wirklich muss, denn schon kann sie das leise Klappern der Teetassen vernehmen und geht Halla ein paar Schritte entgegen, um ihr das Tablett abzunehmen. Hallas warmes Lächeln auf Kayas Danke lässt das Mädchen für einen Augenblick verdutzt innehalten. Es fühlt sich gut an, dieses Lächeln zu erhalten. Dabei hat Kaya eigentlich nichts weiter getan, als sich zu bedanken. Gut, zugegeben, das ist etwas, dass man bisher nicht allzu oft von ihr zu hören bekommt.
Kayas schmale Lippen verziehen sich ebenfalls zu einem Lächeln. Dann macht sie auf der Stelle kehrt und kehrt mit dem Tablett in ihr Zimmer zurück, indem Shu’re Shalhor und Rialinn warten. Kaya stellt das Tablett auf den runden Tisch und sieht auf. Sie blickt zum Hausherren, dann zu ihrer Freundin, zurück zum Hausherren, auf das Tablett, dann wieder – mit inzwischen fast schon hilfesuchendem Blick – zu Rialinn. „Ähm…“, deutet sie auf eine der Tassen und sieht Shu’re Shalhor fragend an. „Tee?“


*Prima!

Shalhor

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60

Sunday, October 28th 2018, 4:58pm

Noch tausendmal schöner als alles Andere findet er Wölfchens Lächeln, als er wieder aufblickt und sich ihrer beider Blicke treffen. Sie hat ihm erst ein einziges Mal vorher so Eines geschenkt, im Winter am Strand nach einer Schneeballschlacht mit den Mitarlyrs. Er erinnert sich gern an diese Augenblicke zurück, an ihre schmale, kleine Hand, die sich zaghaft in seine gelegt hatte und wie sie ihm sagte, er mache sich gar nicht so schlecht. Vielleicht, so wagt sich ein hoffnungsvoller Gedanke hervor, hat das hier alles auch gar nichts mit Unterricht, Etikette und Bewährungsproben zu tun. Vielleicht hat sich sein Wölfchen dazu entschlossen, ihn doch wieder ein klein wenig zu mögen und es ihm auf diese Weise zu zeigen? Es ist nicht nur seiner Tochter einstiges Kleid, dass Kaya heute trägt, obwohl sie Kleider gar nicht leiden kann. Als sie herumwirbelt fällt es ihm auf. Kaya trägt ihr Haar genauso zurechtgemacht wie Noravendis auf dem Portrait in der Großen Halle.

Er hat schon den Fuß auf die erste Stufe gesetzt, als sie sich noch einmal zu ihm herumdreht und die legere Aufforderung mitzukommen zur formellen Bitte macht. Es ist auch nicht seine Hand, die sie sich schnappt, sondern die ihrer Freundin. Und doch vergewissert sie sich ganze drei Mal, dass er ihr auch wirklich folgt. Nichts könnte ihn davon abbringen und noch während sie die Galerie passieren, löst er den Waffengurt von seiner Hüfte. Doch statt diesen geschwind in seinem Gemach abzulegen, hängt er ihn lediglich an dessen Türklinke, denn es mischt sich so etwas wie Ungeduld oder Aufregung - genau kann er es nicht deuten - zu Kayas ohnehin schon spürbarer Nervosität, mit der sie ihn einzutreten heißt. Also beeilt er sich, ihre Anspannung nicht unnötig auf eine Zerreißprobe zu stellen und kommt sich ein bisschen so vor, als ob er auf rohen Eiern tanzt. Im Grunde tut er das ja auch, solange er nicht weiß, was genau Kaya wichtig ist. Und doch mag er die Jüngste der Mitarlyrs nicht danach fragen, gleichwohl es auf die stumme Weise ganz diskret möglich wäre und hält sich geradezu stoisch an Yaras Ratschläge - atmen lassen, laufen lassen, nachsichtig sein und sich in Geduld üben. Vielleicht ist heute dieses irgendwann, dass Kaya ihn so sehen mag wie Yara ihn sah.

Gespannt betritt er ihr Reich, in dem sie schon öfter zusammen gespeist hatten und sieht sich um, ohne etwas ausmachen zu können, dass anders wäre, als an anderen Tagen. Also rückt er zuvorkommend den Stuhl vom Pult an den Tisch und macht seinem Wölfchem Platz, damit sie das Tablett abstellen kann. Und nun? Erwartungsvoll ruhen seine Augen auf Wölfchen, da sie ihn nicht Platz zu nehmen bittet. Aaah doch gleich Tee, "ja sehr gern, danke."
Man sollte keine Dummheit zweimal begehen, die Auswahl ist schließlich groß genug!

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