You are not logged in.

Dear visitor, welcome to Weltenstadt Forum. If this is your first visit here, please read the Help. It explains in detail how this page works. To use all features of this page, you should consider registering. Please use the registration form, to register here or read more information about the registration process. If you are already registered, please login here.

Kaya

Stadtbewohner

Posts: 100

Occupation: angehende Schamanin

  • Send private message

31

Monday, November 9th 2015, 5:12pm

Kaya soll gar nicht dazu kommen, allzu lange trüben Gedanken nachzuhängen. Es ist das leise Klappern von Geschirr, das sich der Zimmertür nähert und dadurch ihre Aufmerksamkeit erhält. Schritte vernimmt sie allerdings keine bis die Tür aufgeht. Neugierig wirft das Mädchen einen Blick über die Schulter und ist ein weiteres Mal überrascht. Den Hausherrn selbst hat sie tatsächlich nicht erwartet. <„Uki ist wohlauf?“>, will er sogleich wissen, noch während er die Tür hinter sich mit der Ferse zuschiebt. Ob er aus tatsächlichem Interesse oder einfach nur aus Höflichkeit nach Uki fragt, vermag Kaya nicht zu sagen. Dennoch wundert es sie, dass er sich überhaupt nach Uki erkundigt. „Suu“, erwidert sie und wendet den Blick wieder dem Fenster zu, ehe sie – vielmehr sich selbst als dem Elben – kleinlaut eingesteht: „Asuki.*“ Sie wünschte, es wäre anders. Doch seit sie ihren ersten Schritt auf den namenlosen Pfad gewagt hat, bleibt ihr der Totemgeist verborgen. Manchmal, wenn sie völlig mit sich im Einklang war und es um sie herum vollkommen still, dann glaubte sie schon das eine oder andere Mal, Ukis Anwesenheit zu spüren.
Ganz kurz huscht Kayas Blick zur Seite als Shalhor das Tablett neben das Mädchen auf den Boden stellt und er sich dann auch noch tatsächlich dazu setzt. Einige Herzschläge lang sitzen sie nur schweigend nebeneinander und sehen aus dem Fenster. Kaya ist irritiert. Sie hatte damit gerechnet, dass er mit ihr schimpfen würde, sofern er überhaupt gedachte, mit ihr zu reden statt wie die Anderen zu schweigen. Nun aber ist sie nicht sicher, auf was er wartet, ob er überhaupt auf etwas wartet.
<„Wie sahen deine Tage aus, wenn ihr nicht auf Reisen wart?“> Kaya stutzt überrascht und schaut den Mann an ihrer Seite fragend an. „Wenn wir nicht…?“ Kaum merklich gleitet ihr Blick an seinem Antlitz vorbei und verliert sich in Erinnerungen. Nach wenigen Herzschlägen kehren ihre Augen zu ihm zurück und wie selbstverständlich stellt sie fest: „Wir waren immer… unterwegs.“ Das Mädchen wendet ihr Antlitz wieder dem Fenster zu und zunächst wirkt es, als wäre dies ihre Antwort. Dann aber setzt sie erneut zu reden an. „Manchmal sind wir ein paar Tage oder auch zwei, drei Siebentage an einem Ort geblieben, um Pause zu machen. Meist in irgendwelchen abgelegenen Gasthäusern.“ Ein zartes Lächeln huscht über Kayas Lippen, als würde sie sich an etwas Schönes erinnern, so gleichgültig sie eben noch klang. Schnell aber verfliegt es und mit gerunzelter Stirn zuckt das Mädchen mit den Schultern. „Aber den Ahnen sei Dank nie länger. Das wird immer so schnell laaaaaangweilig.“
Zunächst glaubt Kaya, seinem Interesse damit genüge getan zu haben. Doch der Elb neben ihr will offenbar noch mehr über sie wissen. <„Worin hat dich Yara’Sanchale unterwiesen?“> Das Mädchen mustert den Hausherrn, als könne sie seine Absichten in seinem Antlitz lesen. Kann sie aber nicht und so fällt ihre Antwort recht wage aus, ist aber doch nicht gelogen: „In allem, das mir nützlich sein kann.“ Was weiß sie schon über diesen Mann, außer, dass er ihre Mutter gekannt hat und sie ihn. Trotz ihrer knappen Antwort, lässt dieser sich allerdings nicht zurückweisen. <„Kannst du lesen?“> „Allgemeinsprache? Suu“, nickt das Mädchen. <„Schreiben?“> „Ein wenig.“ <„Rechnen?“> „Ich weiß, wie man mit Münzen bezahlt.“ Und was sie bisher nicht wusste, wusste in der Regel stets ihre Mutter. Und vor allem wissen sie beide, sich zu helfen. Dann jedoch will Shalhor etwas wissen, auf das sie nicht gleich eine Antwort findet. <„Gibt es etwas, das du selbst gern erlernen möchtest?“> Mit nachdenklichem Blick sieht das Mädchen aus dem Fenster und neigt dabei den Kopf leicht zur Seite.

Eine Antwort bleibt sie dem Elben schuldig, denn es klopft an der Tür und Elisa tritt nach Aufforderung des Hausherrn ein. „Mylord? Es sind Briefe angekommen.“ Auf seinen Wink hin tritt sie näher und reicht ihm die Briefe. Artig knickst sie, ehe sie das Zimmer verlässt und die Tür wieder hinter sich schließt. Kaya blickt ihr nicht nach. Stattdessen schielt sie auf die beiden gefalteten Pergamente in Shalhors Händen, von denen ihn Eines offenbar zögern lässt, so wie er es anstarrt. Da schnappt Kaya nach Luft, als sie des Siegels ansichtig wird, das auf beiden Papieren prangt. Kann das sein? Es sieht genauso aus wie das, das ihre Mutter für ihre Briefe nutzt. Erwartungsvoll blickt das Mädchen zwischen den Briefen und den Zügen des Elben auf und ab, rutscht unruhig mit ihrem Allerwertesten hin und her und presst ungeduldig die Lippen aufeinander. Gerade will sie ihn fragen, von wem diese Briefe sind, da schaut er sie an, ohne dass Kaya sagen könnte, was ihm durch den Kopf geht. Und dann hält er ihr tatsächlich einen der Briefe hin. Kaya senkt ihren Blick darauf und auf ihren Namen in den geschwungenen Lettern in der Handschrift ihrer Mutter. Wortlos greift sie danach und wendet dem Elben sofort den Rücken zu, ehe sie das Siegel bricht und das Papier entfaltet.


Quoted from "Yara"

Kijibwa,

Wenn du diesen Brief liest, hast du deinen Trotz überwunden und Taresnar aufgesucht. Oder du wurdest gerade von Schalîk hergebracht. Es ist einerlei, ich verspreche dir, dass du bei Shalhor in Sicherheit bist. Er wird sich gut um dich kümmern.

Sei nicht zu hart zu ihm, Kijibwa, auch er hatte es nicht leicht in seinem Leben, selbst wenn das Anwesen und sein Benehmen anderes vorgeben wollen. Auch ist er nicht vertraut mit unseren Wegen und unserem Denken. Hab Nachsicht und zeige Geduld, dann wirst du den Mann erkennen, den ich in ihm sehe.

Du fehlst mir und gerne hätte ich dich jetzt an meiner Seite. Doch der Weg, der vor mir liegt, ist zu gefährlich. Ich kann dich dieser Gefahr nicht aussetzen. Ich kann sie aber auch nicht ignorieren. Vielleicht wirst du das eines Tages verstehen. Vielleicht wirst du mir nie verzeihen. Wofür auch immer du dich entscheidest, es ist das Richtige.

Ich wünschte ich könnte sagen, wir sehen uns wieder, aber ich werde dich nicht belügen, Kijibwa, und keine Versprechungen machen, die ich nicht einhalten kann.

Uko kuu nyonda hjambo vyangu na kuu ngmumu tutaonana.*

Und so wird es immer sein, in dieser Welt und allen die folgen.

Ich liebe dich, Kijibwa.

* You are my most precious Hello and my hardest Goodbye.


Aber… Kaya versteht nicht. Nicht sofort. Sie liest den Brief ein weiteres Mal und diese eine Zeile immer und immer wieder. Ihre Mutter konnte ihr nicht sagen, wann sie wiederkommen würde. Deswegen ist sie hierher geschickt worden, um zu warten. Und nun, da sie hier ist, muss sie lesen, dass sie vielleicht vergebens warten wird? Ihr Herz beginnt ganz kräftig zu klopfen. Vor Empörung, vor Aufregung, vor Angst. Anaana… Sie muss mit ihr sprechen. Jetzt. Sofort. Sie hätte ihre Mutter begleiten sollen. Sie hätte darauf bestehen sollen. Sie hätte sich nicht fortschicken lassen dürfen.
Auf allen Vieren kriecht Kaya zu ihrem Beutel, löst das Band und dreht ihn herum, so dass ihr ganzes Hab und Gut herauspurzelt. Darunter befinden sich in Tücher eingewickelte Kästchen und Tiegel mit verschiedenen Kräutern, Wurzeln, Kreide- und Kohlestücken oder Fett, ihre Geldkatze, in der die Münzen klingen, Lederbeutelchen mit Schmuckstücken, die Lederscheide mit ihrem Knochendolch, eine handgroße Puppe aus Stoffresten, die ihre Mutter ihr gemacht hat, ein in Leder gebundenes Büchlein, sowie eine kleine Trommel mit einem Schlägel. Kayas erster, schneller Griff gilt dem Kästchen mit Kreidestücken. Auf dem Boden rutscht sie ein Stück von ihren Sachen fort und beginnt verschiedene Zeichen und Runen in einer bestimmten Konstellation auf das Parkett zu malen. Den Hausherrn völlig ausgeblendet, interessiert sie auch nicht, was dieser davon halten könnte. Viel wichtiger ist es, ihre Mutter zu finden, zu sprechen und ihr wenn möglich zu folgen. Mama, warum hast du mich nicht mitgenommen? Dass ihre Hand vor Aufregung zittert, bekommt das Mädchen gar nicht wirklich mit. Das Malen der Zeichen geht ihr ohne Nachzudenken von der Hand, wie anderen Leuten das Schreiben.
Achtlos lässt Kaya die Kreide zurück in das Kästchen fallen, während sie sich gleichzeitig nach Trommel und Schlägel reckt. In der Mitte der kreisförmig aufgemalten Runen sinkt sie auf die Knie und setzt sich mit dem Blick zum Fenster. Das Herz klopft wild, der Atem geht unregelmäßig und ihre ganze Haltung ist angespannt. Kaya schließt die Augen und versucht tief durchzuatmen, um sich zu beruhigen, doch es will nicht gelingen. Trotz dieser schlechten Voraussetzung beginnt sie die Trommel zu schlagen und stimmt den üblichen rhythmischen Singsang an, der ihr helfen soll, sich in Trance zu begeben, um sich auf einen Wechsel der Welten vorzubereiten. Doch schon nach einem kurzen Augenblick hält sie inne. Das Schlagen der Trommel war unregelmäßig und ihre schwankende Stimme bricht immer wieder ab, während sie versucht ein enttäuschtes Schluchzen zu unterdrücken. Auch als sie sich zu einem zweiten Versuch zusammenreißt, muss sie schon nach wenigen Schlägen erneut abbrechen. Mit einem frustrierten Aufschrei lässt sie Trommel und Schlägel fallen und schlägt die Hände vors Gesicht. Sie ist in ihrem Inneren derart aufgewühlt wie schon lange nicht mehr, dass sie nicht ansatzweise in der Lage ist, das Ritual durchzuführen.

Alles stehen und liegen lassend, springt das Mädchen auf und eilt hinüber zu dem muschelförmigen Bett. Nicht, um sich darauf zu werfen. Stattdessen verkriecht sie sich eilig dahinter, um sich unter dem Schutze einer bunt blühenden Zimmerpflanze zusammenzukauern. Die Arme um ihre Beine geschlungen und das Gesicht an ihren Knien vergraben kann sie nicht verhindern zu schluchzen, auch wenn sie sehr darauf bedacht ist, dies möglichst leise tun. Mit solch einer Nachricht hat sie nicht gerechnet. Bisher stellte sich für Kaya lediglich die Frage, wann ihre Mutter zurückkehrt und nicht ob überhaupt. Du hast bereits gelogen, Mama… Das hast du bereits.


* Asuki. = Keine Ahnung.

Shalhor

Stadtbewohner

  • "Shalhor" started this thread

Posts: 143

Occupation: Schiffbauer / Reeder

Location: Talyra

  • Send private message

32

Thursday, November 12th 2015, 5:12pm

Shalhor hätte wirklich zu gern erfahren, womit er Kaya die Tage auf Taresnar so interessant wie sinnvoll (und sinnvoll heißt in diesem Fall nichts anderes als lehrreich) ausfüllen könnte, dass sie ihr weniger ‚laaaaangweilig’ erscheinen. Denn sonderlich wahrscheinlich ist wohl nicht, dass die Jägerin das Mädchen schon morgen wieder abholen käme. Im Augenblick jedoch wird Kaya einer Antwort enthoben und sein eigenes Augenmerk auf zwei Briefe gelenkt, die an diesen Tag schon recht früh in seine Hände gelangen sollen. Beide tragen das gleiche Siegel, wundert sich Shalhor noch, um schon mit dem nächsten Wimpernschlag reichlich verblüfft auf einen Namen zu blicken, der nicht der Seine ist. Einer dieser Briefe ist für … Kaya? Da braucht es wahrlich nicht der Gabe der Voraussicht, um zu wissen, von wem die Nachrichten verfasst wurden. Es liegt ein gutes Weilchen zurück, dass er sie wieder gesehen hatte, schleicht sich ein sanftes Lächeln auf seine Züge. Die Aussicht, ihr bald wieder gegenüber zu stehen, erfüllt ihn mit großer Freude. Und wenn er das unruhige Gezappel da neben sich recht deutet, ist die Herkunft der Briefe nicht unbemerkt geblieben. Die zusammengekniffenen Lippen, dieser Blick – genau wie Noravendis in jungen Jahren, wenn er ihr ein Mitbringsel von einer Seereise versprochen hatte, dass sie nicht einfordern aber kaum erwarten konnte. Shalhor lässt Kaya nicht weiter zappeln und reicht ihn ihr. Sie wendet sich sofort ab, um sich auf die Zeilen zu stürzen, die von der Frau stammen, die sie Mutter nennt, so ungleich sie auch sein mögen.

Shalhor erhebt sich und nimmt das Tablett auf, um sich an die kleine Sitzgruppe zurückzuziehen. Unter den aromatischen Duftwölkchen seines Tees führt er sich der Jägerin Nachricht zu Gemüte, deren erste Zeilen ihn bereits erschüttern sollen.


Quoted from "Yara"

Tenka'heli,

Danke, dass du dein Versprechen gehalten hast.

Der Gefallen, den ich einfordere, ist groß, größer als du in diesem Augenblick vielleicht glaubst, denn ich habe sie nicht nur für Obdach und Essen zu dir geschickt, solange ich fort bin. Ich vertraue sie dir an, meine Tochter. sie und ihr Leben, denn entgegen aller Hoffnung weiß ich nicht, ob ich jemals zurückkehren werde. Der Pfad auf dem ich gehe ist finster und der Feind kein Geist, den ich zur Ruhe betten und kein Monster, das ich erjagen könnte. Noch weiß ich nicht, wohin die Dunkelheit mich führt und ob sie mich je wieder freigibt.

Sei nachsichtig mit Kaya und übe dich in der Geduld, die du nicht zu glauben besitzt, aber sehr wohl aufbringen kannst. Alltägliches Leben ist ihr fremd, Prinzipien und Moral kennt sie nur als fließenden Wechsel und nicht als etwas Beständiges. Auch ist sie mit keiner Kultur und keinen Sitten wirklich vertraut, dafür waren wir nie lange genug an einem Ort und in der Wildnis sind diese Dinge nur bedingt von Bedeutung.

Auch über die Ilfaya konnte ich ihr nicht mehr beibringen, als meine Großmutter mich einst gelehrt hat – und diese ist schon unter Menschen aufgewachsen. Kaya hat viel von mir übernommen, glaubt an die Macht der Geister, der Totems und der Totenseelen und sieht das Schicksal in ihren Träumen, aber ist seit jeher ihrem eigenen Weg gefolgt.

Sie ist aufgewachsen in der erbarmungslosen Kälte des Nordens, allein, ohne Familie und nur der Ruf der Wölfin hat mich zu ihr geführt. Sie hat viel gesehen und erlebt, musste schon früh ihre eigenen Entscheidungen treffen und eine Heimat kennt sie nicht. Lass sie atmen. Lass sie laufen. Und mach dir keine Sorgen. Sie wird bei dir bleiben. Weil ich es ihr gesagt habe und weil sie dich irgendwann sehen wird, wie ich dich gesehen habe.

Ich hätte dich gerne wieder gesehen, Tenka'heli. Dich und Noravendis und es tut mir so leid, dass sie so früh von uns geholt wurde. Ich gedenke ihrer. Für unsere Ahnen. Für unsere Verstorbenen. Für unsere Lebenden und für unsere noch nicht Geborenen.

Achte auf Kaya.

Achte auf dich.

Yara'Sanchale


Inzwischen hängt sein Blick nurmehr in regloser Fassungslosigkeit auf ihrer Handschrift, ohne dass seine Augen dem Lauf der Zeilen noch einmal gehorchen wollen, obgleich sie es sollten, um sicher zu gehen. Ein Mann wie er ist doch die denkbar schlechteste Wahl, ein Kind wie sie aufzuziehen, von allem anderen ganz zu schweigen. Träume, Geister, Totems, Totenseelen und Pfade in surreale … ja was? Welten? Sphären? Echos? Das alles entzieht sich seiner Vorstellungskraft, seinem Verständnis … und wird es immer tun. Dafür spricht nur sein Wort, alles von ihm verlangen zu können und es zu bekommen.

Das Geklapper unzähligen, auf den Boden ausgekippten Krempels, lässt Shalhor die Augen über den Brief heben und Kaya bei ihrem seltsamen Tun verfolgen. Es wirkt auf ihn wie ein Akt der Verzweiflung, was er durchaus versteht, denn sie wird aus allem, was sie kennt herausgerissen. Es wäre nur von Vorteil, Taresnar bliebe erhalten. Aber was immer sie vorhatte, will wohl nicht so recht gelingen, auch nicht beim zweiten Versuch. Zu einem dritten kommt es nicht. Stattdessen zuckt er unter ihrem wilden Aufschrei zusammen, während sie ihr Gesicht in ihren Händen vergräbt. Er sollte etwas tun! Eilig stellt er die Teetasse beiseite und will nur noch den Brief rasch zusammen falten, da springt sie auf und verkriecht sich wie ein verletztesTier. Oh Yara, achte auf dich. Du musst zurückkommen! Ein paar Momente lässt er den Kind, damit sich ihre Anspannung unter ihren Tränen lösen kann. Dann versucht er sie zu trösten.

„Weine nicht, Kaya, nicht heute. Vielleicht mag der Tag kommen, an dem der Hoffnung letzter Funke schwindet. Doch dieser Tag ist nicht heute. Die Jägerin, die du Mutter nennst, hat schon Taten vollbracht, die niemand mehr für möglich hielt und Schicksale gewendet, die längst besiegelt waren. Wenn Eine Pfade gehen kann, die sonst niemand zu nehmen wagt, wenn Eine zurückkehren kann, von wo es keine Wiederkehr gibt, dann wird sie es sein, Yara’Sanchale Adeyemi vom Toten Blut ... min onaerden Sapha …
Glaube an sie, so wie sie an dich glaubt. Sie hätte alles verlangen können und alles bekommen, was in der Macht meines Hauses steht. Sie hat für dich gewählt. Nein, Kaya, weine nicht. Heute ist der Tag, an dem sie dir einen … einen Vater und ein zuhause gibt.“
Man sollte keine Dummheit zweimal begehen, die Auswahl ist schließlich groß genug!

Avatar © 2015 gewichtelt by Niniane, der Bezaubernden

This post has been edited 1 times, last edit by "Shalhor" (Feb 22nd 2016, 4:35pm)


Kaya

Stadtbewohner

Posts: 100

Occupation: angehende Schamanin

  • Send private message

33

Thursday, November 12th 2015, 8:50pm

Sie solle nicht weinen? Sie weint ja gar nicht! Sie ist schließlich groß und stark und es gibt gar keinen Grund zu weinen. Am liebsten würde sie ihm das an den Kopf werfen, wenn dieses blöde Schluchzen sie nur nicht davon abhalten würde. <„Nein, Kaya, weine nicht. Heute ist der Tag, an dem sie dir einen … einen Vater und ein zuhause gibt.“> Schlagartig verstummt ihr Weinen. Einen Vater? Ein Zuhause? Das ist nicht sein Ernst. Das sagt er doch nur so. Angst und Unsicherheit wandeln sich schlagartig in Trotz und Zorn. Das Mädchen springt auf und stößt dabei sogleich die große Zimmerpflanze um. Mit einem lauten Klirren zerbricht der Topf und frische Erde ergießt sich über den sauberen Parkettboden. Ich brauche keinen Vater!
Mit weiten Schritten ist sie hinter dem Bett hervorgetreten, da schnappt sie sich das Kissen und schleudert es durch den Raum. Die Bettdecke fliegt nicht so weit, doch auf den Boden sieht er sie bestimmt nicht gerne. Nein, sie hat noch nie einen Vater gehabt und sie braucht auch zukünftig keinen! Die sorgsam auf dem Schreibtisch gestapelten Papiere fliegen in alle Richtungen, der gute Stuhl küsst mit einem Knall den Boden. Und was soll sie mit einem Zuhause, das sie an einen Ort bindet, wenn sie doch die ganze Welt ihr Zuhause nennen kann? Mit Schwung reißt das Mädchen die Schubladen der Kommode auf, greift sich die sorgsam gefalteten Kleider und Tücher und lässt auch diese durch den Raum fliegen. Sie braucht nur ihre Mutter, niemanden sonst! Den Kleiderschrank entleert sie auf die gleiche Weise.
Schnaubend und schnell atmend, als hätte sie einen harten Kampf hinter sich, wendet Kaya sich um und funkelt den Elben herausfordernd und mit geballten Fäusten an. Wirf mich schon hinaus! Das kann dir doch gar nicht gefallen! Er muss sie nur vor die Tür setzen. Dann hat sie einen guten Grund nach ihrer Mutter zu suchen. Aber zu Kayas Frustration macht der Hausherr keine Anstalten sie hinauswerfen zu wollen, geschweige denn überhaupt zu rügen. Er sitzt nur da, nippt an seinem blöden Tee und schaut sie an. Wie kann es ihm egal sein, was sie hier anstellt? Gestern noch hat ein falsches Wort genügt, ihn zu verärgern.
Schlagartig dreht Kaya sich herum und reißt ein Fenster auf. Dann stampft sie zum Hausherrn hinüber. Wütend sieht sie ihn an, als gäbe sie ihm noch eine letzte Chance, sie für ihr Verhalten zu rügen. Doch noch immer verliert er kein Wort. Da greift sich Kaya diese alberne, dickbäuchige Teekanne mit der Absicht, seinen geliebten Tee aus dem Fenster zu befördern. Noch bevor sie sich abwenden kann, hat der Mann ihr Handgelenk umgriffen. „Du kannst dir dein Zimmer so gemütlich einrichten, wie es dir gefällt. Aber mit dem Essen wird nicht gespielt!“ Ein Spiel? Glaubt er wirklich, dass es das für sie ist? Ein Spiel? Zornig heften sich ihre Augen auf sein Antlitz. Und doch lässt sie sich die Kanne widerstandslos abnehmen.
Ihr Blick wandert zu der Hand, die ihre umschlossen hält. Bestimmt, aber nicht fest. Kaya schließt ihre Augen und lässt aus den kurzen, hastigen Atemzügen lange und allmählich ruhigere werden. Ihre Züge glätten sich als Zorn und Trotz verrauchen und als sie die Augen wieder öffnet, schimmert wieder Unsicherheit und Sorge in ihnen. „Ich kann diese Pfade auch gehen. Seit ich bei ihr bin, gehe ich in ihren Fußstapfen. Ich kann… helfen…“ Rasch hebt sie den freien Arm vor ihr Gesicht, als Tränen ihre Wangen entlang rinnen. Mama, du musst zurückkommen! Nach einigen Herzschlägen sinkt ihr Arm wieder, obwohl sie noch schluchzt. „Dürfen… die anderen… wieder mit mir reden…?“

Shalhor

Stadtbewohner

  • "Shalhor" started this thread

Posts: 143

Occupation: Schiffbauer / Reeder

Location: Talyra

  • Send private message

34

Thursday, November 19th 2015, 11:56am

Soviel zu seinem Händchen für fremde Kinder! Ja richtig, Kaya weint nicht mehr. Sie macht aber auch recht wenig Hehl daraus, was sie davon hält. Und es braucht wahrlich nicht die Gabe der Empathie, ihren Gefühlsausbruch nicht mit euphorischer Begeisterung zu verwechseln. Sie lehnt ihn ab und er kann es ihr nicht einmal verdenken. Sie könnten gegensätzlicher nicht sein, auch nicht in der Art, mit Yara’Sanchales Entscheidung umzugehen. Ihre Tochter rebelliert wie ein Wirbelsturm und hat ihr Gemach binnen kürzester Zeit in ein heilloses Schlachtfeld verwandelt. Shalhor dagegen lehnt sich gelassen im Sessel zurück und greift sich seinen Tee. In einen Sturm, so weiß ein erfahrener Seefahrer, investiert man keine Kraft. Man dreht bei, hält sich tunlichst von allem fern, woran man zerschellen könnte und lässt ihn vorüber ziehen. Da fährt sie unvermittelt herum und funkelt ihn so angriffslustig mit geballten Fäusten an, dass sich Shalhor keineswegs sicher ist, ob sie jetzt nicht gleich auf ihn losgehen will. Aber er rührt sich nicht. Tut es nicht, als sie wider Erwarten einen Fensterflügel aufreißt und auch nicht, als sie wütend vor ihm aufbaut. Doch als sie sich seine Teekanne schnappt, da schnellt seine Linke vor und schließt sich um ihr schmächtiges Handgelenk. „Du kannst dir dein Zimmer so gemütlich einrichten, wie es dir gefällt. Aber mit dem Essen wird nicht gespielt!“ Auch nicht mit Getränken und ganz besonders nicht, wenn er sich daran noch gütlich tun wollte. Natürlich ist Shalhor klar, dass sich dieser Affront gegen ihn richten sollte. Zum Dämon mit nachsichtig und geduldig, er wird nicht abwarten, dass sie ihm den heißen Aufguss in den Schoß schüttet, den Kopf wäscht oder sonst etwas damit anstellt und entwendet ihr die Kanne. Da verebbt der Sturm genauso schnell wie er herauf gezogen war und vor ihm steht nur noch ein kleines, todunglückliches Mädchen, das nicht verstehen kann, warum seine Mutter es zurück gelassen hat. Keine Mutter tut das, wenn sie eine andere Wahl hätte, mag Kaya auch anderer Überzeugung sein. Eines Tages wird sie es begreifen. Shalhors Züge mildern sich. Nur was er noch sagen soll,, dass sie trösten könnte, das weiß er nicht. Langsam lockert sich sein Griff um ihr Handgelenk und seine Hand schließt sich um das schmale, Kinderhändchen, dass bei jedem Schluchzen erzittert.

Da geschieht, womit er so schnell nicht mehr gerechnet hätte. Sie bittet ihn, dass die Anderen wieder mit ihr sprechen dürfen. „Suu“, beeilt er sich zu erwidern, das Wort gebrauchend, das sie verwandt hatte, seine Fragen zu bejahen. So wenigstens hat er es verstanden und zieht das Mädchen auf seinen Schoß. „Du musst auch nicht mehr auf deinem Zimmer bleiben. Aber jetzt wisch dir erst einmal die Tränen weg und schnaub dich aus“, reicht er ihr seine Stoffserviette. „Und wenn wir gefrühstückt haben, begleitest du mich auf den Dachboden und wir suchen dir aus den Kleidertruhen passendere Kleidung aus. Aye?“
Man sollte keine Dummheit zweimal begehen, die Auswahl ist schließlich groß genug!

Avatar © 2015 gewichtelt by Niniane, der Bezaubernden

Kaya

Stadtbewohner

Posts: 100

Occupation: angehende Schamanin

  • Send private message

35

Monday, November 23rd 2015, 5:42pm

Die Tränen wischt sie sich sogleich mit den Ärmeln fort, während sie die Nase immer wieder hochzieht. Schließlich aber entleert sie sie in dem ihr angebotenen Tüchlein, zweimal, dreimal, bis die Nase wieder einigermaßen frei zu sein scheint. Das Bejahen ihrer Frage in ihrer Sprache hat ihre Mundwinkel für einen winzigen Augenaufschlag zucken lassen. Genau wie seine Aussage, dass sie nicht mehr in diesem – er nennt es „ihr“ – Zimmer bleiben müsse, ihr ebenfalls gefällt. Vielleicht ist dieser Kerl ja doch gar nicht so übel. Aber wer weiß, womöglich macht er ihr bald schon wieder Vorschriften. Auf seinen Vorschlag, nach dem Frühstück passendere Kleidung für sie auszusuchen, gibt Kaya ihm zunächst keine Antwort. Stattdessen sieht sie an sich hinab und mustert die Kleidung, die sie am Leib trägt, ehe ihr Blick hinüber zu den über den Boden verteilten Kleidern wandert und schließlich weiter durch den verwüsteten Raum.
Da rutscht Kaya vom Schoß des Elben, drückt ihm das benutzte Taschentusch in die Hand und eilt wieder hinter das Bett. Dieses Mal jedoch nicht, um sich zu verstecken. Stattdessen umschließen ihre schmalen Finger die Pflanze und versuchen sie samt des kaputten Topfes aufzurichten. Mit den Händen sammelt sie etwas von der verschütteten Erde auf und sie weitestgehend in den Überresten des Topfes unterzubringen. Als sie sich wieder aufgerichtet hat schließt das Mädchen für einen kurzen Augenblick die Augen und murmelt dabei ein leises „Ajuusaarpunga.*“ Nach einer angedeuteten Verbeugung huscht sie wieder hinüber zum Hausherrn und setzt sich auf den freien Stuhl an dem kleinen Tisch. Kurz besieht sie sich das Tablett, das er mit hinaufgebracht hat. Doch erst nachdem sie einen Blick mit dem Mann gewechselt hat, um sich zu versichern, dass das Frühstück auch für sie gedacht ist, greift sie sich eine Scheibe Brot und ein dickes Stück Wurst.
Will es zumindest, denn mitten in der Bewegung hält sie inne. Er hat nichts gesagt, doch Kaya schaut dennoch auf und den Elben an. Daraufhin besieht sie sich wie ertappt ihre Finger, an denen immer noch Erde klebt. Eigentlich wäre es ihr gleichgültig, aber ihm bestimmt nicht, so sauber und ordentlich wie es in diesem Haus (normalerweise) aussieht. Rasch werden die Finger an der (frischgewaschenen) Hose abgewischt. Dann aber greifen sie Brot und Wurst, von denen das Mädchen gleich jeweils ein Stück abbeißt. Während sie kaut schaut sie sich weiter im Zimmer um und lässt sie Beine dabei hin und her schwingen. Ihre Augen heften sich auf das Bett. „Gibt es im Meer wirklich so große Muscheln?“, will sie (immer noch kauend) mit einer Mischung aus Skepsis und Faszination wissen, als sie den Hausherrn fragend ansieht.


* Es tut mir leid.

Shalhor

Stadtbewohner

  • "Shalhor" started this thread

Posts: 143

Occupation: Schiffbauer / Reeder

Location: Talyra

  • Send private message

36

Thursday, November 26th 2015, 1:51pm

Mit spitzen Fingern pflückt Shalhor die zweckentfremdete Serviette aus seiner Linken und lässt sie zu Boden gleiten (weil darauf kommt es nun auch nicht mehr an), während Kaya von seinem Schoß gleitet, um neuerlich hinter dem Bett zu verschwinden. Nicht schon wieder, folgt ihr sein verdrießlicher Blick und wandert über das neu inszenierte Ambiente dieses Gemachs, welches seinem Sinn für Ästhetik ganz und gar nicht entsprechen will. Da richtet sich Noravendis’ veredeltes Hochstämmchen hinter dem Bett auf, weit weniger von Geisterhand als es aussieht. Sie räumt auf? Er weiß beim besten Willen nicht, womit er das erreicht haben könnte. Erst bittet sie ihn ganz artig, statt ihn anzuknurren und nun beseitigt sie das Chaos? Einfach so? Nicht das er sich beschweren wollen würde, wenn es sich nur jederzeit wieder heraufbeschwören ließe. Allerdings bleibt es bei der Pflanze und wenn er Kayas Geflüster recht deutet, hat diese Geste mit Ordnungsliebe auch nichts gemeinsam. Zugegeben, von einem wilden Wölfchen anzunehmen, es mauserte sich von jetzt auf gleich zu einem kultivierten Fräulein, wäre schlichtweg illusorisch. Wie weltfremd solche Vorstellungen sind, bewahrheitet sich Augenblicke später, als sich kleine Schmutzfingerchen nach dem Essen strecken. Den Atem bei dieser Aussicht scharf einzuziehen ist beinahe schon ein Reflex und eine Braue steil anzuheben nur logische Konsequenz. In nächster Zeit auswärts zu speisen, kann er vergessen. Wer weiß, was ihn noch alles erwartet. Innerlich wappnet sich Shalhor ob der zu erwartenden Tischunsitten, da sieht sie ihn an und zieht die Fingerchen zurück. Aha? Im Ansatz gut, aber ohne Frage entschieden verbesserungswürdig, wischt sie die Hände an ihren Hosen ab und langt zu.

Shalhor bevorzugt natürlich die Reiswaffeln, die er mit einer Marinade zerstampfter Algen und Kräuter bestreicht und mit Fischeiern garniert – ein Gaumenschmaus. Zum Essen soll er allerdings nicht gleich kommen, denn Noravendis’ Bettstatt hat nun doch Wölfchens Neugier geweckt. Und so fragt sie ihn bereits mit vollem Munde schmatzend, ob es denn tatsächlich so große Muscheln gäbe. „Suu“ antwortet Shalhor also. „Allerdings ist das nur eine Nachbildung aus Holz, täuschend echt, nicht wahr? Den Permuttanstrich hat ein Alchemist …“ Nun das wird sie vermutlich nicht interessieren und bevor er sie langweilt, besinnt er sich ihrer eigentliche Frage. „In den Gewässern der Sommerinseln gibt es so große Exemplare der Riesenmuschel, denn dort sind die Wasser am Wärmsten und deshalb besonders reich an Algen. Die wiederum füttern die Muscheln. Also finden sie dort die besten Lebensbedingungen. Und da sie zeitlebens wachsen, wenn auch nicht so schnell wie du, und obendrein uralt werden können, können sie auch so groß, vielleicht sogar noch größer werden. Zuweilen kann man sogar Perlen in ihnen finden. Die Größte, die je geborgen wurde, soll über acht Stein wiegen, die schwarze Träne von Avalea. Kannst du dir das vorstellen? Die Schönste und Kostbarste aller Zeiten fand jedoch mein Ururgroßvater vor den Himmelsinseln - die einzige, goldene Perle, die jemals aus den Tiefen geborgen wurde. Er machte sie unserem Königshaus zum Geschenk und wurde großzügig belohnt. Das war die Geburtsstunde des Hauses Danjafaên.“

Aufmerksam verfolgt Shalhor bei seinen Worten, ob er bei Kaya ein ernsthaftes Interesse für die Tierwelt der Meere oder für Geschichte entdecken lässt, denn noch immer weiß er nicht, was zu lernen ihr Begeisterung entlocken könnte. Im Grunde weiß er gar nicht, was er mit ihr anstellen soll, geschweige denn wer sie auf verborgene Pfade führen könnte. Er wird sich umhören und ein paar Beziehungen spielen lassen müssen, besonders da Yara’Sanchale zur Vorsicht mahnte. Zunächst aber will er sich selbst erst einmal ein Bild machen können. Vielleicht verrät ihm Wölfchen ja das ein oder andere, jetzt wo sie sich zugänglich zeigt. „Magst du mir nun vielleicht etwas über Uki erzählen?“
Man sollte keine Dummheit zweimal begehen, die Auswahl ist schließlich groß genug!

Avatar © 2015 gewichtelt by Niniane, der Bezaubernden

This post has been edited 1 times, last edit by "Shalhor" (Nov 26th 2015, 1:58pm)


Kaya

Stadtbewohner

Posts: 100

Occupation: angehende Schamanin

  • Send private message

37

Tuesday, December 1st 2015, 9:12pm

Noch größer? Das ist möglich? Kayas Blick wandert stirnrunzelnd wieder hinüber zum Bett, nachdem sie das Frühstück des Elben skeptisch beäugt hat, während sie sich die Erklärung des Hausherrn anhört. Nein, vorstellen kann sie es sich nicht. Weder wie es kommt, dass man in Muscheln Perlen finden kann, noch wie groß diese besagte acht Stein schwere Perle wohl gewesen sein mag. Kaya dachte bisher immer, dass Perlen… Naja, eigentlich hat sie sich darüber nie groß Gedanken gemacht. Sie hat nie eine besessen und vielleicht mal welche auf einem Markt gesehen (wenn sie denn überhaupt echt waren). Aber um herausfinden zu wollen, wo diese glänzenden Dinger tatsächlich herkommen, war ihr Interesse bisher einfach nicht groß genug. Das Muschelbett jedoch mustert sie recht eindringlich, auch wenn dieses nur aus Holz ist. „Können die einen auffressen, wenn man ihre Perlen klauen will?“, will sie wissen und schaut dabei den Elben wieder an. „Ich war noch nie auf dem Meer“, fügt sie schließlich leise hinzu und blick aus dem Fenster Richtung Ildorel (wenn es auch nicht das Meer ist). Es soll keine Rechtfertigung sein, um ihre Ahnungslosigkeit zu entschuldigen. Vielmehr eine Feststellung.
Kaya stopft sich das restliche Stück Wurst von ihrer Hand in den Mund. <„Magst du mir nun vielleicht etwas über Uki erzählen?“> Sofort hält das Mädchen beim Kauen inne und taxiert Shalhor mit ihrem Blick. Nicht grimmig, sondern abschätzend, vielleicht ein wenig neugierig, wie viel echtes Interesse er an Uki hat. Schließlich fragt er schon zum zweiten Mal nach ihr. Zunächst erwidert Kaya nichts, sondern kaut langsam zu Ende, während sie zeitgleich überlegt, was sie ihm sagen kann. Und was sie ihm sagen will. Manch einer würde sie belächeln oder für verrückt erklären. Weil sie keine Ahnung haben. Weil sie nicht sehen. Weil sie nicht sehen können. Oder wollen. „Sie passt auf mich auf“, erwidert Kaya und schiebt sich ein abgerissenes Stück Brot zwischen die Zähne. „Schon so lang ich denken kann. Sie hat versprochen bei mir zu bleiben, bis ich…“
Das Schaukeln ihrer Beine stoppt abrupt. Noch während sie das Stück Brot auf das Tablett zurücklegt, steht sie auf, ohne den Hausherrn anzusehen. „Ich bin satt“, verkündet sie, auch wenn das nicht so ganz stimmt. Aber Appetit hat sie ohnehin keinen mehr. Stattdessen schlendert sie durch die Unordnung und hebt schließlich eines dieser langen Kleider auf. Mit skeptisch gerunzeltem Näschen betrachtet sie es und es will ihr so gar nicht gefallen. Es sieht unpraktisch aus, viel zu viel unnötiger Stoff, Bändchen und Schleifchen. „Wem gehört das eigentlich?“, fragt sie laut in den Raum hinein und meint dabei nicht nur das Kleid in ihren Händen, als sie das Kleid sinken und ihre Augen durch den Raum wandern lässt.

Shalhor

Stadtbewohner

  • "Shalhor" started this thread

Posts: 143

Occupation: Schiffbauer / Reeder

Location: Talyra

  • Send private message

38

Saturday, December 5th 2015, 4:48pm

Satt? Shalhors Braue wandert ob dieser Behauptung skeptisch nach oben. Kaya kennt vielleicht nicht den Geschmack von Brötchen und Marmelade, aber dass sie nicht einmal von den süßen Goldbeeren oder vom Honig naschen will, verwundert ihn. Zusammen mit der ausweichenden und obendrein abgebrochenen Antwort über Uki glaubt er vielmehr, Wölfchen will sich zu persönlichen Fragen schleunigst entziehen. Allein die Ahnung, dass mehr hinter diesem ominösem Namen stecken muss als ein Wolfspelz, gewährt sie ihm für den Augenblick. Das wird er ihr nicht verübeln, auch nicht sich einfach vom Frühstückstisch erhoben zu haben, während er noch isst. Diese ganze Situation ist für sie Beide neu und wie wenig sie sich über die neuen Umstände im Klaren ist, führt ihm ihre Frage nur zu deutlich vor Augen. Sie meint nicht nur das Kleid, als sie wissen will, wem das eigentlich gehört. Während er den letzten Bissen hinunterschluckt und seine Tasse leert, streift ihr Blick durch den gesamten Raum. „Dir“, erhebt sich Shalhor schließlich und hebt den Kleiderbügel jenes Kleides vom Boden auf, dass sie noch in den Händen hält, um es ihr im nächsten Moment abzunehmen und sorgsam in den Kleiderschrank zu hängen. „Das ist dein Gemach. Das ist dein Schrank, in dem du deine Gewänder aufbewahrst. Das ist dein Bett, in dem du schlafen wirst. Das ist dein Pult, an dem du spielen, malen, lesen oder schreiben kannst. Das ist dein Kamin, der dir Wärme spenden wird, wenn es du es willst. Und das ist dein Tisch, deine Sessel, ob daran allein sitzen oder einen Gast bewirten möchtest. Das hier ist dein Reich, Kaya, dein allein. Hier bestimmst du und nur auf dein Geheiß, werden die Mägde dieses Gemach betreten. Der Einzige der hier noch ein Wörtchen mitzureden hat, bin ich, denn es ist mein Haus, sonst niemand. Und wo wir gerade bei Mitspracherechten sind, ein wenig Ordnung könnte nicht schaden, …“ erbarmt sich Shalhor des Daunenkissens, dass vor seinen Füßen liegt, „…findest du nicht auch?“ Schon wirft er es nach ihr.
Man sollte keine Dummheit zweimal begehen, die Auswahl ist schließlich groß genug!

Avatar © 2015 gewichtelt by Niniane, der Bezaubernden

This post has been edited 1 times, last edit by "Shalhor" (Dec 5th 2015, 5:12pm)


Kaya

Stadtbewohner

Posts: 100

Occupation: angehende Schamanin

  • Send private message

39

Saturday, December 5th 2015, 9:39pm

<„Dir“>, erwidert der Hausherr. Fragend schaut Kaya sich zu ihm um und sieht ihm zu, wie er ihr das Kleid aus der Hand nimmt und sorgfältig in den Schrank hängt. Ihr Kleid? Ihr Schrank? Das Mädchen rührt sich nicht vom Fleck. Mit den Augen folgt sie seinen Worten durch das Zimmer, zum Bett, zum Pult, zum Kamin, zu Tisch und Sesseln. Gäste bewirten? Mein Reich? <„Hier bestimmst du allein…“> Unwillkürlich macht Kaya einen Schritt zurück. Das ist nicht wahr. Das ist nicht ihre Kleidung, nicht ihr Bett, nicht ihr Zimmer. Es ist ein vorübergehender Aufenthaltsort… wie bei Schalîk. Gut, etwas großzügiger als bei Schalîk, sehr viel großzügiger, aber immer noch vorübergehend. Vorsichtig schaut Kaya auf, als der Hausherr sich, irgendwas von Ordnung faselnd, nach dem Kissen bückt. Im nächsten Augenblick schon fliegt es auf sie zu und obwohl es sie überrascht, greift sie reflexartig danach, noch bevor es in ihrem Gesicht landen kann. Und für den winzigen Augenblick, in dem sie es fängt, blitzen ihre Augen den Elben drohend an. Schnell aber fängt sie sich, denn hinter dieser Geste steckt keine feindselige Absicht.
Unschlüssig betrachtet Kaya das Kissen in ihrer Hand. Ganz allmählich ziehen sich ihre Brauen zusammen, als der Trotz auf ihr Gesicht zurückkehrt. „Nein.“ Demonstrativ lässt sie das Kissen auf den Boden fallen und funkelt den Elben herausfordernd an. „Das ist nicht mein Zimmer, nicht mein Bett, nicht mein… Pult! Nicht mein Kamin, nicht mein Tisch, nicht meine Sessel. Ich will keine Gäste… bewirten und mir ist egal, wer dieses… Gemach betritt!“ Bockig stampft sie hinüber zu den Kreide-Runen und stopft mit schnellem Händchen ihr gesamtes Hab und Gut wieder zurück in den Beutel. Alles andere jedoch lässt sie liegen. Kaum hat sie den Lederbeutel zugezogen, zieht sie sich mit ihm auf dem Arm rückwärtsgehend, ohne den Hausherrn dabei aus den Augen zu lassen, zurück bis zur Zimmertür. Rasch greift sie noch den Brief ihrer Mutter vom Frühstückstisch. Und schon im nächsten Augenblick ist sie ohne ein weiteres Wort zur Tür hinaus.
Mit vor Aufregung klopfendem Herzen steht sie in dem schmalen Flur und blickt zwischen den drei anderen abgehenden Türen hin und her, während sie zeitgleich lauscht, ob Shalhor ihr zu folgen gedenkt. Sie vernimmt jedoch nichts, was darauf hinweisen würde. Die Lippen aufeinander pressend sinkt das Mädchen in die Hocke und zieht sich das Wolfsfell über den Kopf. Ihren Beutel umklammernd starrt sie auf den blitzeblanken Fußboden. Kaya ist überfordert. Erst weiß sie nicht, ob sie ihre Mutter jemals wiedersehen wird und im nächsten Augenblick soll sie ein Zuhause und einen… Vater haben? Wenn Kaya es nicht besser wüsste, würde sie dies für einen sehr merkwürdigen Traum halten und spätestens jetzt versuchen, daraus zu erwachen. Und dann würde sie in der schmalen Kammer im Wegesend liegen und in das Antlitz ihrer Mutter blicken, die sie aus ihrem Traum geweckt hat, weil sie allmählich weiter ziehen müssen. Dann wäre alles gut…
Da fällt Kayas Blick auf den Brief in ihrer Hand. Langsam, weil widerwillig, entfaltet sie ihn und liest ihn ein weiteres Mal. Unbewusst drückt sie dabei den Beutel enger an sich, als könne er ihr Halt geben. <„Sei nicht zu hart zu ihm, Kijibwa.“> Bevor sie wieder das Heulen anfängt, faltet Kaya den Brief lieber wieder zusammen und steckt ihn zu den anderen Sachen in den Beutel. Dann steht sie auf und atmet tief durch. Es kostet sie Überwindung, aber was soll sie sonst tun? Als sie die Tür hinter sich wieder öffnet, vermeidet sie es den Elben anzusehen. Trotz allem mag sie nicht in enttäuschte Augen blicken. Wortlos legt sie ihren Beutel auf den Sessel, auf dem sie zuvor gefrühstückt hatte, ehe sie mit gesenktem Blick, aber weiterhin aufmüpfigen Zügen, zu ihm herüber tritt. Jetzt erst blickt sie auf und ihn mit aufständisch funkelnden Augen an. „Das da“, deutet sie auf das im Schrank hängende Kleid, „zieh ich aber nicht an.“

Shalhor

Stadtbewohner

  • "Shalhor" started this thread

Posts: 143

Occupation: Schiffbauer / Reeder

Location: Talyra

  • Send private message

40

Saturday, December 26th 2015, 12:23am

Von Ordnung hält Wölfchen also rein gar nichts und wo sie gerade dabei ist auch nichts von diesem Zimmer im Allgemeinen und dessen Interieur im Speziellen, von Gästen erst recht nichts und er scheint das Schlimmste aller Übel zu sein, wenn er ihre Blicke recht deutet. Bis zum letzten Wimpernschlag hängen ihre lauernden Augen an ihm, bis sie ihm durch die Tür entschlüpfen kann. Atmen lassen, hat die Jägerin geraten, also hat er Kayas Verhalten bei Tisch nicht korrigiert. Und tatsächlich machte es den Anschein, als komme er ihr etwas näher, wenigstens zeigte sie zu diesem Zeitpunkt noch ein gewisses Interesse an dem Muschelbett. Aber kaum konnten sie sich einen kleinen Schritt annähern, macht sie zwei Gewaltige zurück. Und nun ist sie ihm schon wieder davon gelaufen. Shalhor bezweifelt, dass sie gehen zu lassen, ein besserer Rat ist als der, den er zuvor befolgt hat. Er sieht ja, wohin es führt, sie tun zu lassen, was sie will. Und doch ist er noch nicht eingeschritten. Die wachsamen Faêntjares werden ihn wissen lassen, wenn seine „Beute“ das Haus verlassen will.

Verstimmt hebt er das Kopfkissen wieder auf und legt es zurück aufs Bett. Verstehe einer dieses Kind. Andere wären selig, sich auf ein weiches Daunenkissen betten zu können oder überhaupt ein eigenes Bett zu haben, von einem Zimmer ganz für sich allein ganz zu schweigen. Kaya hätte es wahrlich schlechter treffen können, seufzt Shalhor und bückt sich nach all den verstreuten Dingen, um sie eines nach dem Anderen an ihren Platz zu räumen. Nur eines wagt er nicht, diesem Kreis aus seltsamen Kreidezeichen zu berühren oder gar zu übertreten. Was nicht heißt, dass er sie nicht eingehend und argwöhnisch betrachtet und doch nicht weiß, was er da sieht. Keine Sorgen machen, ja? Yara hat gut reden. Das da muss weg, bevor das Gesinde dessen ansichtig wird und ihm auch noch davon läuft. Es sind einfache, abergläubische Menschen und er möchte sich nicht ausmalen …

Shalhor fährt herum, als sich die Tür unvermittelt ohne anzuklopfen öffnet, nur um im nächsten Moment erleichtert auszuatmen. Wölfchen, du bist wohl von allen guten Geistern verlassen! Da sie aber seinen Blick meidet und das Köpfchen gesenkt hält, dass es auf Shalhor ganz schuldbewusst wirkt, sagt er nichts. Ein Fehler, wie sich gleich darauf herausstellen soll, denn kaum steht sie vor ihm, blitzt sie ihn auch schon wieder rebellisch an. Ein Schritt vor, zwei zurück – er ist diesen Eiertanz leid, sagt nichts dazu, dass sie diese Kleider nicht anziehen wird, nimmt sie stattdessen wortlos aus dem Schrank. Er hatte ihr zugesichert, nach dem Frühstück auf dem Dachboden nach passenderer Kleidung zu sehen und Shalhor pflegt zu seinem Wort zu stehen.

„Komm“, wartet er an der Tür, bis sie ihm folgt und führt sie auf die Galerie hinaus. Wie schon tags zuvor zieht er die Trittleiter hinauf auf den Dachboden aus der wandseitigen Vertäfelung, als er hört, wie die ersten Bediensteten aus der Küche kommen. Kurzentschlossen legt er die Kleider über eine der höheren Sprossen und tritt ans Geländer. „Elisa. Marthe, seid so gut und ruft alle in der Halle zusammen. Ich möchte mit euch sprechen.“ Die Mägde tauschen einen schnellen Blick, schon machen sie auf dem Absatz kehrt. An Kaya gewandt erklärt der Hausherr: „Bevor wir uns um passende Kleidung kümmern, stellen wir dich der neuen Situation entsprechend allen Hausangestellten vor. Und auch du sollst wissen, wen du vor dir hast.“ Bevor sie ihm wieder so etwas entgegnen kann, wie dass es ihr egal sei, fügt er rasch an: „Du willst doch, dass sie wieder mit dir reden dürfen“ und bedeutet ihr ihm zu folgen.

Als sie über die Treppe in die Große Halle gelangen, haben sich die Mägde und Knechte des Hauses bereits vor dem kleinen Flur, welcher zu Küche und kleinem Salon führt, versammelt und schauen ihnen erwartungsvoll entgegen. Es kommt nicht gerade oft vor, dass ihr Dienstherr sie auf diese Weise zu sprechen wünscht, boten doch die gemeinsamen Mahlzeiten genug Gelegenheit zu allen Absprachen, allerdings hat er heute Morgen nicht mit ihnen gespeist.

„Ich fasse mich kurz“, spannt sie Shalhor auch nicht lang auf die Folter und legt seine Rechte auf Wölfchens Schulter. „Wie ihr bereits wisst, habe ich Kaya auf Taresnar aufgenommen. Allerdings haben sich die Umstände geändert. Sie ist fortan nicht mehr nur ein Gast sondern mein Mündel, was in etwa der Stellung einer Tochter entspricht.“ Shalhor hat es kaum ausgesprochen, schnappt Elisa aufgeregt nach Luft und schiebt sich neben Marthe. Unter seiner Lordschaft eindringlichen Blick wagt sie nicht, ihre Vermutung zu bekräftigen,. doch kaum wandern die wachsamen Augen weiter, flüstert sie der Wäschemagd zu: „Und sie hat ihn doch verhext! Jetzt bin ich mir ganz sicher.“

„Ich erwarte also von euch, dass ihr euch Kaya gegenüber wohlwollend und respektvoll verhaltet. Kommt ihren Wünschen nach, wie sie einem Kind ihres Alters zuträglich sind und wendet euch andernfalls an mich. Was ihr von ihr oder über sie erfahrt, werdet ihr so vertraulich behandeln, wie ich es in meinen eigenen Angelegenheiten erwarte. Gibt es dazu Fragen? Nicht? Gut, dann möchte ich euch bitten, euch ihr vorzustellen, damit auch sie weiß, mit wem sie es zu tun hat. Adele?“ Die Angesprochene tritt einen Schritt vor, deutet einen Knicks vor Kaya an und lächelt ihr freundlich zu. „Ich bin Adele, die Oberste Magd hier im Haus. Wenn dich jemand ärgert oder du einmal den Rat einer Frau brauchst, komm zu mir, kleines … Mylord, wie sollen wir das kleine Fräulein denn überhaupt ansprechen?“ „Wir nennen sie bei ihrem Namen, wenn wir unter uns sind. Gegenüber anderen ist die Bezeichnung junge Dame von Taresnar sicherlich angemessen.“ „Sehr wohl, Mylord. Ich freu mich für dich, Kaya. Willkommen auf Taresnar.“ Auch Gesine und Halla, die Küchenmägde, machen aus ihrer Freude darüber, dass Kaya ein solches Glück widerfährt, keinen Hehl. Jorindel dagegen lächelt nur schüchtern, nachdem sie sich vorgestellt hat, während Fine und die Knechte machen aus ihrer Neugier keinen Hehl. Nur Elisa und Marthe wirken alles andere als erfreut. Ihre Vortstellung ist steif und wird von keinem ehrlichen Lächeln begleitet, auch wenn sie Kaya höflich auf Taresnar willkommen heißen.
Man sollte keine Dummheit zweimal begehen, die Auswahl ist schließlich groß genug!

Avatar © 2015 gewichtelt by Niniane, der Bezaubernden

Kaya

Stadtbewohner

Posts: 100

Occupation: angehende Schamanin

  • Send private message

41

Saturday, January 9th 2016, 5:28pm

Der Elb sagt nichts dazu, dass sie die im Schrank hängenden Kleider nicht anziehen will. Aber er nimmt sie aus dem Schrank, was wohl bedeutet, dass sie es nicht muss, wenn sie es nicht mag. Kaya blickt dem Mann nach, als dieser zur Zimmertür geht und ist nicht sicher, was sie nun sagen oder tun soll. Fürs Erste wird ihr die Entscheidung aber abgenommen, denn der Hausherr fordert sie auf, ihm zu folgen. Das Mädchen tut wie ihr geheißen, schließt die Zimmertür hinter sich und verfolgt dann, schon etwas neugierig, wie Shalhor auf der Galerie eine Trittleiter hervorzieht. Doch wider Erwarten klettert er nicht hinauf, sondern legt die Kleider ab und blickt über das Geländer. Kaya rührt sich nicht vom Fleck, aber sperrt die Lauscher auf, um ja nichts zu verpassen. Der Elb weist die beiden Mägde Elisa und Marthe an, alle Bediensteten zusammen zu trommeln, weil er mit ihnen sprechen wolle. Kaya erklärt er auch sogleich, was so wichtig sei. Er wolle sie allen Bediensteten vorstellen.
Vielleicht ist es dem Mädchen anzusehen, was sie davon hält, jedenfalls lässt Shalhor ihr keine Gelegenheit zu widersprechen als er rasch anfügt: <„Du willst doch, dass sie wieder mit dir reden dürfen“> Schon, ja… Und dennoch zieht Kaya eine Schnute, um ihr Missfallen dann wenigstens wortlos zum Ausdruck zu bringen. Sie würde auch so schon rauskriegen, wer sich in diesem Haus rumtreibt und wer wie heißt. Schließlich ist sie ja nicht auf den Kopf gefallen! Ihn jedoch interessiert es nicht, bedeutet er ihr doch lediglich, ihm zu folgen. Kurz rümpft Kaya das Näschen als er es nicht sehen kann, folgt ihm aber schließlich hinunter in die große Halle.
Kaya mag es nicht, wie sie alle ihnen entgegen starren und huscht so hinter dem hochgewachsenen Elben her, dass sie wenigstens für den Moment vor den meisten Blicken verborgen bleibt. So bleibt sie auch einen kleinen Schritt schräg hinter dem Hausherrn stehen und lugt an ihm vorbei. Wenigstens solange bis er ihr seine Rechte auf die Schulter legt und kaum merklich, aber bestimmt neben sich schiebt. In dem Versuch möglichst gleichgültig zu wirken huscht ihr Blick über die Gesichter der Angestellten. Als Shalhor aber verkündet, sie sei nicht länger nur Gast, sondern habe die Stellung einer Tochter, blickt das Mädchen auf und ihn an. Ganz genau mustert sie seine Züge und hat doch keine Ahnung, was er wohl denken oder empfinden mag.
Erst als sich jeder Einzelne der Bediensteten vorstellen soll, wendet Kaya ihren Blick ab. Die Oberste Magd, Adele, stellt dabei mit so netten Worten vor, dass Kaya im ersten Augenblick angenehm überrascht ist, hatte sie doch mit solch herzlichen Worten nicht gerechnet. Ungewollt senkt sie den Blick, dass es fast schüchtern wirkt. Als die Frau wissen will, wie sie das Mädchen denn nennen solle, will Kaya sogleich einwenden, dass sie doch ‚Kaya‘ heiße. Die Frage jedoch richtete sich nicht im Geringsten an Kaya und als sie dies bemerkt, antwortet der Elb zu ihrer Zufriedenheit auch schon, man solle sie bei ihrem Namen nennen. Bei der Bezeichnung ‚junge Dame von Taresnar‘ kräuselt sich Kayas Stirn skeptisch. Sie versteht nicht, wozu das gut sein soll, wenn sie doch einen Namen hat. Alle anderen jedoch scheinen mit dieser Antwort mehr als zufrieden.
Und sie scheinen sich zu… freuen, dass Kaya nun hier wohnen soll? Irritiert blickt Kaya von Gesine zu Halla, von Jorindel zu Fine, zu den Knechten und schließlich zu Elisa und Marthe. Die beiden wiederum scheinen von der Ankündigung nicht gerade begeistert. Sich darum Gedanken zu machen, kommt dem Mädchen allerdings nicht in den Sinn. Denn plötzlich sehen alle sie erwartungsvoll an, als warteten sie darauf, dass Kaya irgendetwas sagt oder tut. Der Ausdruck auf Kayas Gesicht wird fragend, als sie zwischen den Bediensteten und dem Hausherrn hin und her sieht, bis sie schließlich unsicher den Blick senkt und der Kopf mitsamt einem leisen „Uhm…“ etwas vor zuckt. Das Mädchen ist sich selbst nicht sicher, ob das ein Nicken oder eine angedeutete Verbeugung sein sollte. Rasch wendet sie sich dies überspielend an den Elben. „Und die Hunde? Gehen wir auch noch zu ihnen?“, deutet Kaya mit dem Finger Richtung Eingang. Shalhor hat hier ganz eindeutig das Sagen, was Kaya zu dem Schluss kommen lässt, dass er auch der Rudelführer der Tiere auf dem Anwesen ist.

Shalhor

Stadtbewohner

  • "Shalhor" started this thread

Posts: 143

Occupation: Schiffbauer / Reeder

Location: Talyra

  • Send private message

42

Friday, January 15th 2016, 4:31pm

Uhm? Schwer zu sagen, ob das eine Geste der Verlegenheit oder tatsächlich ein danke ist. Beides würde gleichermaßen gut passen, wenn er sich Wölfchen so ansieht. Und doch hat sie ihre Sache gut gemacht, freut es Shalhor, ganz ohne knurren und weglaufen … ein Schritt vor also. Aber schon fragt sie nach den Faêntjares. Wachsam legen sich seine Augen auf die erwartungsvollen Züge des Kindes. Sie wissen beide, dass allein die Hunde verhindern können, dass sie sich aus dem Staub macht, denn er selbst kann sie unmöglich jeden Moment des Tages im Auge behalten, von den Nächten ganz zu schweigen und er kann sie nicht beschützen, wenn sie sich ihm entzieht. Nein, damit warten sie besser noch. „Alles zu seiner Zeit“, erwidert hält er sich Wölfchen gegenüber lieber vage und bedankt sich bei den Mägden und Knechten, Kaya willkommen geheißen zu haben. „Und wir beide kümmern uns jetzt um deine Garderobe … Gewänder zum wechseln“, ergänzt er unter Wölfchens skeptischen Blick. „Oder fürchtest du dich vor den dunklen Winkeln dieses Hauses?“ Natürlich nicht sagt ihre ganze Haltung, als sie über jeden Zweifel erhaben wie eine Königin an ihm vorbei marschiert, ohne ihn einer Antwort geschweige denn eines Blickes zu würdigen. Shalhor folgt ihr mit verschmitztem Lächeln hinauf auf die Galerie an die Trittleiter.

Mit den Kleidern steigt er hinauf und entzündet die Laternen, denn hier oben unter dem Dach gibt es keine Fenster. Doch im Schein der Laternen öffnet sich eine kleine, vergangene Welt aus vielen Truhen und tuchverhangenen Geheimnissen zwischen den Balken - all die Dinge, die Neridye und Noravendis einst gehörten. Shalhor weiß selbst nicht immer so genau, was sich gleich noch unter diesem oder jenen Tuch verbirgt, wenn die Silhouette es nicht erahnen lassen will. Bei Noravendis altem Puppenhaus lässt es sich natürlich leicht erraten, genau wie bei Schaukelpferd oder Staffelei. Aber ob Wölfchen daran Gefallen finden könnte? Er wartet am Durchlass bis auch sie die Leiter erklommen hat und ermuntert sie, sich umzuschauen, während er sich daran macht, die rechte Truhe finden zu wollen. Als er jedoch an die Truhe mit den allerersten Kleidungsstücken seiner Tochter gerät, da holen ihn die Erinnerungen ein und machen ihn Kaya vollkommen vergessen … Erweiß noch genau, wie er sie das erste Mal in den Händen gehalten hatte .. so winzig, zo zart ...
Man sollte keine Dummheit zweimal begehen, die Auswahl ist schließlich groß genug!

Avatar © 2015 gewichtelt by Niniane, der Bezaubernden

Kaya

Stadtbewohner

Posts: 100

Occupation: angehende Schamanin

  • Send private message

43

Saturday, January 16th 2016, 8:58pm

Pfff… Angst vor dunklen Ecken? Wenn er wüsste, wo Kaya sich schon überall rumgetrieben hat, würde er gar nicht erst so blöd fragen. Denn was in den dunkelsten aller dunklen Ecken haust, das kann er sich vermutlich noch nicht einmal vorstellen. So zögert Kaya nicht einen Wimpernschlag dem Elben hinauf auf den Dachboden zu folgen, egal wie dunkel es angeblich sein soll. Und lange soll es auch gar nicht dunkel bleiben. Shalhor zündet ein paar Laternen an, die den Dachboden in schwaches Licht tauchen und Schatten in Ecken und über die tuchverhangenen Dinge und Truhen tanzen lassen, die wirken, als hätte sie seit Jahren niemand mehr angefasst. Dennoch solle sie sich ruhig umsehen, meint der Hausherr, ganz ohne ihr zu verbieten, dieses oder jenes anzufassen, während er selbst eine bestimmte Truhe zu suchen scheint.
Also schaut Kaya sich um, wirkt dabei allerdings eher gelangweilt als neugierig, wie sie so an den Tüchern vorbeischlendert und nur gelegentlich mal eines anhebt oder mal in eine Truhe lunzt. Unter einem Laken verschwindet der Lockenschopf dann aber doch. Mit aufmerksamen Blick mustert Kaya im Halbdunkel das Haus, das wirkt, als wäre es für Feen gemacht. Tatsächlich aber liegen in einem Raum kleine Püppchen, gerade mal so groß, wie Kayas Hand. Mit gerunzelter Stirn nimmt das Wolfsmädchen eine dieser Puppen mit einem rosafarbenen Kleid in die Hand und mustert sie. Mit ihren schmalen Fingern setzt sie das Püppchen auf eines der Stühlchen. Doch scheinbar mag diese nicht dort sitzen, fällt sie doch gleich wieder um und landet mit dem Gesicht auf dem Puppenhausboden. Da schnappt sich das große Mädchen das kleine und legt es wieder zu den anderen Puppen. Und schon krabbelt Kaya wieder unter dem Tuch hervor. Wozu soll das überhaupt gut sein? So ein Kinderkram.
Gleich neben dem abgedeckten Puppenhaus schlägt Kaya ein Tuch beiseite, woraufhin es kurz und leise scheppert. Skeptisch wandert eine Braue des Mädchens nach oben als sie einen Blick auf kleine Töpfe und Pfannen wirft, die auf einer Art Ofen stehen, der ihr nicht einmal bis zu der Hüfte geht. Kleine Gabeln, Messer und Löffel, wie speziell für Kinderhand gemacht finden sich in einem Körbchen daneben. Noch mehr unnützes Zeug, findet Kaya und deckt den Puppenherd wieder zu. Sie findet eine kleine Truhe mit Messingpferdchen und eine weitere mit Holzspielzeug, von dem sie bei den meisten Dingen nicht weiß, wie man sie nennt oder gar benutzt. Unter einem Tuch ruht ein Pferd aus Holz, das allerdings nicht fest auf seinen Beinen steht, sondern auf abgerundeten Kufen vor und zurück schwingt. Weiter hinten scheint ein großer Rahmen zugedeckt. Doch unter dem Laken entdeckt das Wolfsmädchen kein Bild, sondern einen Teppich, erst zur Hälfte geknüpft. Schwierig und aufwendig sieht es aus, wenngleich sehr hübsch.
Eine in feinster Handarbeit verzierte Holzkiste weckt schließlich Kayas Interesse. Schon hat sie diese vor sich auf den Boden gestellt, um sie vorsichtig zu öffnen. Darin findet sie ein gut Handlanges, ebenfalls wunderschön verziertes Rohr. Kaya hat keine Ahnung wofür es gut ist und dreht und wendet es in ihren Händen. Da bemerkt sie an dem einen Ende ein kleines, rundes Glasstück, das fast wie ein kleines Fenster oder Guckloch wirkt. Neugierig hebt Kaya das Röhrchen an ihr rechtes Auge und schließt das linke, um sich auf das Innere des Rohres konzentrieren zu können. Doch in dem Rohr ist es dunkel und nur vage lassen sich unruhige Bewegungen ausmachen. Kaya hebt den Kopf ohne das Rohr abzusetzen und blickt sich damit um. Da hält sie erstaunt inne, als sie es auf eine der Laternen richtet. Im Inneren kommen farbige Muster in Bewegung, wenn sie das Rohr bewegt oder dreht. Fasziniert betrachtet das Wolfsmädchen das Spiel eine Weile.
„Was ist das?“, will sie schließlich wissen. Eine Antwort erhält sie jedoch nicht. Verwundert setzt Kaya das Röhrchen ab und sieht sich nach dem Elben um. Regungslos vor einer Kiste kniend entdeckt sie ihn, mit leicht gesenktem Haupt, als sähe er auf etwas hinab, woraufhin sie aufsteht und zu ihm hinüber schlendert. Schräg hinter ihm bleibt sie stehen und besieht sich die Kinderkleidung in seinen Händen. Schweigend mustert sie seine Züge, wie er so gedankenverloren vor sich hinstarrt. An was er wohl denkt? Dann blickt Kaya sich um. Sie hat keine Ahnung, was sie machen soll. Abwarten? Sich weiter umsehen? Ihn ansprechen? Sie senkt ihren Blick wieder auf den Elben und die Kleidchen in seinen Händen. „Das ist zu klein“, stellt sie schließlich fest. „Shu’re Shalhor?“, versucht sie es noch mal, als er nicht gleich reagiert. „Die Sachen sind zu klein.“

Shalhor

Stadtbewohner

  • "Shalhor" started this thread

Posts: 143

Occupation: Schiffbauer / Reeder

Location: Talyra

  • Send private message

44

Friday, February 5th 2016, 9:20pm

Als sei es gestern gewesen, sieht er sie vor sich, wie sie ihn mit ihren ersten beiden Zähnchen anlacht, wie sie einem Faêntjareswelpen auf der Wiese hinterher krabbelt, wie sie ihrer ersten Schritte in der Großen Halle tut, ihn mit leuchtenden Augen zum ersten Mal Papa ruft. Das Schwimmen und Tauchen hat er sie gelehrt und sie Faryoli gerufen, wenn sie kaum aus dem Wasser zu bekommen war. Sie hatte es geliebt, wie auch die Seefahrt und er hatte gehofft, sie würde später diesen Pfad einschlagen. Zu gern hätte er ihr den schnittigen Wogentänzer geschenkt, mit leichtem Kastell und elegant gestreckten Kranichhals als Bugspriet und mit ihr jeden Winkel des Ildorel befahren. Doch Neridyes Krankheit hatte auch sie verändert. Stiller war sie geworden, sein geliebtes Windröslein und ist der Mutter kaum mehr von der Seite gewichen. Sie hat immer zuerst gespürt, wenn sich Neridyes Geist verdunkelte. Die Gemahlin und Mutter war kaum von ihnen gegangen, da eröffnete ihm Noravendis, in Blurraent die Heilkunst erlernen zu wollen. Er hat nie verstanden, warum sie nicht mit ihm heimkehren und in der Asarida Anira in Cai’taran lernen wollte. Aber damals war sie ohnehin in dieser furchtbar rebellischen Phase, die wohl jedes junge Fräulein auf dem Weg zur Frau durchläuft. Olyvar oder besser gesagt Einer seiner Sieben hat sie letztlich nach Talyra zurückgeholt. Auch wenn es Shalhor nicht unbedingt geschmeckt hat, dass sie der Stadtgarde den Treueeid schwor, so war es doch Karmesin, der sein liebstes Röslein erblühen ließ, bis …

… zu klein? Oh! Blinzelnd schaut er zu Kaya und wieder auf das winzige Kleidungsstück in seinen Händen. „Aye“, diese Sachen hier sind wahrlich zu klein und garantiert auch nicht nach ihrem Geschmack. Den Erinnerungen entrissen legt Shalhor das Säuglingsleibchen zurück und schließt die Truhe energisch und mit ihr die Vergangenheit, beabsichtigt es zumindest, da bemerkt er das Kaleidoskop in Kayas Hand. „Hast du schon hindurch geschaut?“ Sie hat und das wechselnde Farbenspiel scheint ihr zu gefallen. „Zwerge haben es gemacht und Kaleidoskop genannt. Wenn du gut darauf achten willst, darfst du es gern nehmen. Nur schenken kann ich es dir nicht, weil es das Geschenk eines einst… eines Freundes ist.“ Shalhor weiß nicht zu sagen, ob er Borgil heute noch zu diesen zählen kann. Er kennt den Eisenzwerg länger als jeden anderen in dieser Stadt und hat das wackere Herz unter der rauen Schale sehr bald sehr zu schätzen gelernt. Wie es um dieses inzwischen bestellt sein mag, seit er dem tückischem Süßholzgeraspel dieser elenden Shebarucschlange erlag, mag sich Shalhor nicht ausmalen. Er erhofft den Tag, an dem die Bestie ihre wahre Absicht offenbart so sehr, wie ihm davor graut. Er hat nicht einen Wimpernschlag lang geglaubt, dass ihr etwas zugestoßen sei und während des Verhörs absolut offen über seine Befürchtungen mit dem Lordcommander gesprochen. Aber das ist eine andere Geschichte.

Die nächste Truhe, die Shalhor ögffnet, ist nämlich genau jene, die er gesucht hat. „Na wer sagt‘s denn! Das hier müsste doch ganz brauchbar sein.“ Zuoberst liegen schon die beiden derberen Hosen aus festem Segeltuch wie der steife gewachste Kaputzenmantel - unerlässliche Kleidung für die Seefahrt, darunter schlichte Leinentuniken, einfache bequeme Leibwäsche - an den Faltkanten schon etwas vergilbt, aber das werden Kochwäsche und viel Sonne schon richten, dann kommen die Reitsachen zutage, eine lederne Reithose – an Gesäß und Innenschenkel verstärkt, ein weichfallender Reitrock, zwei Westen . davon eine wattiert und warm, feine, weiche Handschuhe und hübsche Blusen und vier Alltagskleider – die Kaya vermutlich von vornherein verschmähen wird, dann der dicke Lammfellmantel mit passender Kappe und Muff und am Grund der Truhe, neben leichten Lederschnürschuhen, die Reit- und Winterstiefel und ein ganzes Bündel Strümpfe. Er breitet alles vor Wölfchen aus und das ein oder andere mag ihr noch ein wenig zu groß sein, aber auch das dürfte Marthe schon passend machen können und sieht sie erwartungsvoll an. „Was sagst du zu diesen Gewändern?“
Man sollte keine Dummheit zweimal begehen, die Auswahl ist schließlich groß genug!

Avatar © 2015 gewichtelt by Niniane, der Bezaubernden

Kaya

Stadtbewohner

Posts: 100

Occupation: angehende Schamanin

  • Send private message

45

Monday, February 22nd 2016, 5:42pm

Kaya schaut nachdenklich auf das Ding… diese… Zwergenkunst, in ihrer Hand, die der Elb als Kaleidoskop bezeichnet hat. Sie dürfe es vorläufig nehmen, wenn sie denn gut darauf achtet. Kaya nickt. Warum genau, das weiß sie selbst nicht so genau. Sie weiß eigentlich gar nicht, was sie damit anfangen soll. Aber immerhin ist es hübsch anzusehen. Statt es zurück in die verzierte Holzschatulle zu legen, behält sie es vorerst weiter in der Hand und sieht dem Hausherrn dabei zu, wie er die eine Truhe schließt und eine andere öffnet. Aus dieser holt er schließlich einige Kleidungsstücke und breitet sie vor Kaya aus. Ihre grün-braunen Augen gleiten über jedes einzelne. Einige davon sind durchaus in Ordnung, andere wie die Kleider wiederum mag sie dafür überhaupt nicht leiden. Doch anstatt sich wie zuvor darüber zu pikieren, gibt das Wolfsmädchen einige Herzschläge lang überhaupt keinen Ton von sich. Nicht nur, weil Shalhor sie äußerst diplomatisch nach ihrer Meinung fragt. Nein, es fällt ihr schwer überhaupt etwas davon anzunehmen, hat sie sich doch immer noch nicht mit dem Gedanken anfreunden können, dass dieses Anwesen nun für eine Weile ihr Heim bleiben soll. Hilflos wirkt ihr Blick, als sie den Kopf hebt und den Elben anschaut. Ihre Mutter kennt ihn und vertraut ihm, sonst hätte sie Kaya nicht hierher geschickt. Vielleicht könnte sie sich mit diesem Mann arrangieren. Was bleibt ihr auch schon anderes übrig, wenn sie hier auf ihre Mutter warten will. Kaya nickt schließlich und senkt mit einem gemurmelten „In Ordnung.“ ihre Augen wieder auf die Kleidungsstücke und dann auf das Kaleidoskop in ihren Händen. Dieses legt sie schließlich zurück in die Schachtel, die sie wiederum in den Händen behält, um sie später mit in das Zimmer zu nehmen, in dem sie nächtigen soll.
Ein paar Herzschläge lang steht das Mädchen unschlüssig da, lässt ihre Augen über den Dachboden wandern, ohne sich tatsächlich umzusehen. Dann wendet sie sich ohne ein Wort von Shalhor und den Kleidern ab und steigt vorsichtig mit dem Kästchen in der Hand wieder hinab auf den Wandelgang. Langsam und mit gesenktem Blick schlendert Kaya zurück zu jenem Zimmer. Eine ganze Weile liegt ihre Hand auf der Türklinke. Mit zusammengepressten Lippen starrt sie nachdenklich auf ihre Hand. ‚Mein Zimmer… Das ist jetzt mein Zimmer…‘, wiederholt sie im Geiste immer wieder. Ihre Hand drückt die Türklinke hinunter, doch bevor sie die Tür öffnet, huscht ein leises ‚Vorerst…‘ durch ihre Gedanken. Das Wolfsmädchen schaut sich um als würde sie das Zimmer zum ersten Mal betrachten. ‚Mein Bett…‘ Kissen und Decke liegen wieder darauf. ‚Mein Pult…‘ Die Pergamente sind wieder ordentlich gestapelt. ‚Mein Stuhl…‘ Kayas Beutel liegt immer noch darauf. Das von ihr verursachte Chaos hat der Hausherr bereits beseitigt. Vorsichtig schiebt Kaya das Kästchen neben das Frühstückstablett. Behutsam schreitet sie mit auf die Fenster gerichtetem Blick in die Raummitte und kommt schließlich genau in ihrem gezeichneten Runenkreis zum Stehen. Tief atmet sie durch und versucht das Gefühl der Sicherheit aufzunehmen, die dieser Kreis ihr bietet. „Erniinnaq takussaagut, anaana…“*. Mögen die Ahnen über dich wachen und die Geister mit dir sein und dich führen. Ich will daran glauben.


* Bis bald, Mutter.

This post has been edited 2 times, last edit by "Kaya" (Feb 28th 2016, 10:01am)


1 user apart from you is browsing this thread:

1 guests