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Shalhor

Stadtbewohner

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16

Wednesday, August 19th 2015, 1:44pm

Ja ist sie denn noch bei Trost? Gerade als sie einen eiligen Blick mit Marthe tauscht - eine stumme Absprache, wer von ihnen seine Lordschaft über die Kleine und ihr Anliegen in Kenntnis setzen soll, drängelt sich der Wildfang einfach zum Hausherren durch. Und dann blamiert die sie doch tatsächlich bis auf die Knochen. Elisa schnappt hastig nach Luft, als sie weder knickst noch abwartet, bis sie zu sprechen aufgefordert wird. Und als wäre das nicht schon genug, duzt sie seine Lordschaft auch noch und starrt ihn wie ein Mondkalb an, dass die Magd ihr am Liebsten gegen das Schienbein treten würde.

Ungerührt, fast schon gelangweilt wandern Shalhors Augen noch einmal über das Kind. Mit seinem Namen erhält er weder die geforderte Auskunft noch eine nennenswerte Neuigkeit, denn: „Das ist mir bekannt.“ Vielmehr würde ihn interessieren, wieso dieses Kind in seinem Haus gebadet, gekämmt und nach den Dingen in Marthes Händen zu urteilen auch eingekleidet wird. Seine Anweisungen diesbezüglich sind unmissverständlich. Länger als für eine Speisung duldet er kein herrenloses Kind auf Taresnar. Just aber schnellt der Arm des Kindes hoch und hält ihm etwas entgegen, dass im Licht der frühen Nachmittagsonne golden glänzt und etwas, dass Shalhors ungeteilte Aufmerksamkeit sofort auf sich zieht. Er erkennt das Amulett in ihrer Hand sofort wieder, sowie sich seine Augen auf das Amulett fixieren. Es ist viel mehr als das, selbst mehr als ein kostbares Instrument der Seefahrt, wenn man es öffnet. Seit es sich in anderen Händen als den Seinen befindet, ist es der Unterpfand eines Versprechens und nun kehrt es zu ihm zurück. „Gewährt!“ Das Kind hat die Worte kaum ausgesprochen, so soll ihr versichert sein, ganz gleich welche Hilfe Yara’Sanchale Adeyemi vom Toten Blut erbitten will, er wird sie bedingungslos erfüllen. Mit einem weichen Lächeln hebt er die geöffnete Hand, damit die Überbringerin es hinein legen kann und heißt die Mägde im gleichen Atemzug, sie beide allein zu lassen.

Elisa traut ihren Augen kaum. Statt das unmanierliche Wildlingskind unverzüglich vor die Tür zu setzen, trifft es noch nicht einmal ein missbilligender Blick. Es ist ja fast so, als habe die Kleine seine Lordschaft verhext, mit einem Zauber belegt, der ihn gefügig macht. Dennoch knickst sie rasch und entfernt sich mit Marthe wie aufgefordert in die Küche. „Hat wohl doch nicht geschwindelt, die Kleine.“ Marthe klingt ziemlich erleichtert, Elisa aber bleibt äußerst skeptisch. „Pssst“, legt sie den Zeigefinger hurtig über ihre Lippen und ihr Ohr an die Tür zur Waschküche. Sie wird der Kleinen schon noch auf die Schlichte kommen und seine Lordschaft vom Bann des Toten Blutes befreien. Oh hätte sie dieses Kind doch gleich davon gejagt! Welches anständige Kind versteckt sich denn auch bitteschön unter einem unheimlichen Wolfspelz? Sie könnte sich selbst ohrfeigen, so einfältig gewesen zu sein. Aber sie wird es wieder gerade biegen. Und wenn es das Letzte ist, was sie tut!

„Arien ayrkiot Zêan“, mit leisem Flüstern lässt Shalhor seinen Daumen andächtig über die Gravur streichen, bevor er den Deckel aufspringen lässt. In die Allgemeinsprache übersetzt bedeuten diese Worte ‚Ehre krönt Tugend’. Es sind die Leitworte des Hauses Danjafaên, seines Hauses, seine Worte, sein Bestreben. Welche Abenteuer Yara’Sanchale in all den Jahren auch erlebt haben möge, dieses Amulett hat sie wohl behütet. Zufrieden verfolgt er, wie sich die Nadel des Kompasses nach Norden ausrichtet und auspendelt, bevor er das Amulett mit sichtlichem Ruck zuklappt und seine ganze Aufmerksamkeit der Überbringerin widmet. Um sie nicht länger einzuschüchtern, beugt er sogar das Knie und kann ihr selbst auf gleicher Höhe auch weit besser in die Augen sehen. Aus den Seinen ist jegliche Unnahbarkeit gewichen. „Scheu dich bitte nicht auszusprechen, womit ich der Jägerin zu Diensten sein kann. Was immer sie verlangt, wird ihr zuteil.“
Man sollte keine Dummheit zweimal begehen, die Auswahl ist schließlich groß genug!

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Kaya

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17

Wednesday, August 19th 2015, 4:39pm

Kaya hat gerade erst die letzte Silbe ausgesprochen, da erwidert der Elb, es sei gewährt, ohne dass er wissen will, was genau der Grund für ihr Hiersein ist. Das Mädchen blinzelt überrascht und mustert den Hausherren eingehend, der seinen Blick auf das Amulett gerichtet hält, das sie auf seine stumme Aufforderung hin bedächtig auf dessen offene Handfläche sinken lässt. Seine Züge verlieren etwas von dieser Kühle und auch sein Blick scheint wärmer als zuvor, als er sie mit diesem kühlen Desinteresse in seinen blauen Augen gestreift hat. Im gleichen Augenblick fordert er die beiden Mägde auf, den Raum zu verlassen und sie beide allein zu lassen. Immer noch ein wenig überrascht, allerdings ohne es sich anmerken zu lassen, blickt Kaya den Frauen nach. Während Marthe sie keines Blickes mehr würdigt, wirft Elisa ihr einen kurzen skeptischen Blick zu. Doch ehe das Mädchen darauf etwas erwidern könnte, was sie aber auch gar nicht vorhat, schließt sich die Tür zur Küche und Kaya ist mit dem Elben alleine.
<„Arien ayrkiot Zêan“>, vernimmt sie sein Flüstern und schaut ihn wieder an. Kaya erkennt die Laute wieder, die ihre Mutter ihr vorgesprochen und erklärt hat. Er wirkt ein wenig wie in Gedanken versunken als er den Kompass aufklappt und betrachtet. Vielleicht kontrolliert er auch nur, ob er noch funktioniert? Kayas Brauen heben sich ein wenig unsicher. Da aber klappt er das Amulett wieder zu und richtet seinen Blick auf sie. Und zum ersten Mal hat das Wolfsmädchen das Gefühl er schaue sie nicht nur an, sondern sehe sie wirklich. Mehr als das beugt der hochgewachsene Hausherr sogar das Knie, ihrer Augenhöhe näher zu kommen. <„Scheu dich bitte nicht auszusprechen, womit ich der Jägerin zu Diensten sein kann. Was immer sie verlangt, wird ihr zuteil.“>
Kayas grün-braune Augen huschen aufmerksam zwischen seinen hin und her. Da erhellt sich ihr Antlitz. „Du kennst meine Mutter.“ Wieder eine Feststellung, keine Frage. Erst jetzt wird dem Mädchen bewusst, dass dieser Kompass mehr als nur ein nützliches Ding ist. Er muss sie gekannt haben, muss es ihr gegeben haben. Wann und warum, das weiß Kaya zwar noch nicht, aber allein das Wissen darum, erleichtert sie sichtbar. Und weil er sie auffordert, ganz ohne Scheu zu sprechen, setzt sie zur Erklärung an. „Meine Mutter ist auf der Jagd und ich durfte dieses Mal nicht mit. Sie gab mir dieses Amulett und schickte mich hierher. ‚Gib es nur Shu’re Shalhor, dem Herrn von Taresnar‘, hat sie gesagt. ‚Dort bist du sicher und ich weiß, wo ich dich finde‘, hat sie gesagt. ‚Dort wird man dir helfen‘, hat sie auch gesagt.“ Kaya macht eine kurze Pause, in der ihre Finger ein wenig unruhig hin und her wackeln, und mustert erwartungsvoll die indigoblauen Augen des Rhaskeda’ya. „Wirst du mir helfen?“

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Shalhor

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Saturday, August 22nd 2015, 4:46pm

Von allen Dingen, die Yara’Sanchale hätte haben können, verlangt sie ausgerechnet das? Für ein geduldiges Händchen mit fremden Kindern ist Shalhor nun wahrlich nicht bekannt. Seine Vorzüge würde er in ganz anderen Bereichen ansiedeln und hatte eher glauben wollen, die Jägerin bediene sich eines Tages daraus. Nun soll es aber anders kommen und dafür wird sie ihre Gründe haben, die erkennen zu wollen bestenfalls anmaßend ist. Eines jedoch ist so sicher wie das Licht Shenrahs. Wenn die Jägerin sein Wort für das Wohl dieses Kindes verwendet, muss dieses Mädchen für sie von großer Wichtigkeit sein. Und umgekehrt offenkundig nicht weniger, denn das Mädchen nennt sie Mutter. Mehr muss er nicht wissen.

„Sei unbesorgt, deine Mutter hat mein Wort. Du sollst hier Schutz und Fürsorge finden.“ Vielmehr wird er sie ob ihrer anzunehmenden Bedeutung wie seinen Augapfel hüten. Für wen das allerdings die größere Umstellung sein wird, muss sich noch zeigen. Das Kind wird sich an den Tagesablauf sowie die Regeln und Ansprüche des Hausherren gewöhnen müssen und bald heraus finden, wie wenig er von Müßiggang hält. Auf was wird er sich wohl einstellen müssen? „Herzlich willkommen auf Taresnar, junge Dame. Wir sollten uns wohl zunächst um deine Aufmachung kümmern“, streift sein Blick von ihrer augenblicklichen, unzulänglichen Gewandung hinüber zu den Sachen, die sie auf den Schemel abgelegt haben muss. „Ist das alles an Ausstattung, was du mitbringst oder wartet noch Gepäck im Entree?“

Er hat es kaum ausgesprochen, da lenkt etwas seine Aufmerksamkeit auf sich, dass auf den ersten Blick nicht zu erkennen ist und lässt ihn das Haupt über die Schulter lenken. Für ein, zwei Herzschläge verharrt er so, ohne dass sich seine Augen auf ein konkretes Ziel richten. Er lauscht und das weiche Lächeln von eben verschwindet in der Strenge seiner Züge. „Und man wird ihr ein Zimmer richten, wenn der Neugier genüge getan ist, nicht wahr Elisa? Sie wird Noravendis’ Gemach bewohnen.“ Derart ertappt fährt Elisa der Schreck durch Mark und Bein, dass sie im ersten Augenblick zu gar keiner Antwort fähig ist. Erst Marthes unverkennbar schadenfröhes Lachen lässt sie zunächst puterrot anlaufen und schließlich hastigstottern. „My-my-my-mylord, ganz wie ihr wünscht.“ Dann sind nur noch ihre eiligen Schritte zu hören, die sich zielstrebig entfernen.

Zufrieden und mit einem Hauch von Schalk im Blick kehrt Shalhors Aufmerksamkeit zu seinem jungen Gast zurück, während er sich wieder zu voller Größe aufrichtet. „Magst du mir zuvor vielleicht deinen Namen verraten?“
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Kaya

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Saturday, August 22nd 2015, 10:22pm

Sie dürfe bleiben, versichert der Elb ihr, dass Kaya sichtlich erleichtert lächelt, ja beinahe strahlt, bedeutet das doch, dass sie nicht mehr ziellos durch die Stadt streifen muss. Durch Wälder oder Städte zu streifen macht ihr an sich ja nichts aus, doch ohne jegliches Ziel vor Augen, ohne ihre Mutter an ihrer Seite, fühlt sich selbst Kaya irgendwann einsam und verloren. Jetzt aber hat sie wieder einen Ort, an den sie bleiben darf und zu dem sie am Ende ihrer täglichen Streifzüge durch die Stadt zurückkehren kann. Er heißt sie willkommen und meint sofort, dass man sich als erstes um ihre „Aufmachung“ kümmern müsse. Kaya blickt an sich herab und findet selbst, dass das Leinentuch keine vernünftige Kleidung ist.
<„Ist das alles an Ausstattung, was du mitbringst oder wartet noch Gepäck im Entree?“> Verdattert wandert eine von Kayas Augenbrauen etwas höher und ihre Mundwinkel verziehen sich so, dass ihre Gesichtszüge geradezu „Was willst du von mir?“ schreien. Ontreee-was? Skeptisch zuckt ihre Nasenspitze, dann aber folgt sie seinem Blick hin zu ihren Sachen auf dem Schemel. „Das ist alles, was ich habe“, erwidert sie und deutet auf den Schemel mit den Sachen darauf und dem Beutel darunter. Als sie den Hausherren wieder anschaut, neigt sie den Kopf ein wenig und mustert ihn mit neugierigem Blick, ob es das ist, was er wissen wollte.
Des Elben Aufmerksamkeit jedoch gilt in diesem Augenblick nicht ihr. Stattdessen scheint er konzentriert auf etwas zu lauschen. Bei ihrer Mutter konnte sie schon mehrmals ein ähnliches Gebaren beobachten. Als er zu sprechen fortsetzt, scheint er allerdings nicht mehr mit ihr zu reden. Skeptisch runzelt sich Kayas Stirn und sie stutzt, als der Mann die Magd von vorhin beim Namen nennt. Bei dem anschließenden Gestotter auf der anderen Seite der Tür muss das Mädchen aber grinsen, als sie versteht.
Da liegt plötzlich was in den Augen des Elben, das Kaya als sehr angenehm empfindet. Etwas, wodurch sie sich auch nicht mehr eingeschüchtert fühlt, selbst als er sich wieder zu voller Größe erhebt. Ob sie ihm aber zuvor ihren Namen verraten wolle, möchte er wissen. Das Mädchen nickt, denn jetzt spricht nichts mehr dagegen. „Kaya“, erwidert sie. Und schon wendet sie sich ab und huscht zu ihren Sachen auf dem Schemel, sich rasch anzukleiden. Die Ketten sind sofort umgelegt, doch als sie nach Hemdchen und Hose greifen will, hat selbst sie nicht das Bedürfnis, so frisch gewaschen in ihre dreckigen und müffelnden Sachen zu schlüpfen. Ihr Blick fällt auf das Kleid, an dem die dicke Frau vorhin noch gearbeitet hat. Man könnte ihr ansehen, dass sie davon ebenso wenig begeistert ist, aber eine Wahl hat sie wohl kaum.
Also eilt Kaya zu der Tür, die zur Küche führt und öffnet sie. Sofort tapst sie zu Marthe und blickt zu ihr hoch. „Machst du es fertig? Ich brauche was zum Anziehen!“ Eine Antwort wartet das Mädchen gar nicht ab, da ist es schon wieder in der Waschküche verschwunden. Vorsichtig zieht sie das Wolfsfell unter ihrer Kleidung hervor und hält es ganz fest an ihrem Körper, als sie damit zu dem Zuber hinüber geht. Ohne das Fell loszulassen, angelt sie nach dem Schwamm und legt den Wolfspelz dann über den Zuberrand, über den sie sich ebenfalls beugt, um den Schwamm im Wasser zu tränken. Ganz feinfühlig und langsam, aber durchaus mit Bewegungen, denen man ansehen könnte, dass sie es nicht zum ersten Mal macht, beginnt Kaya das Fell zu säubern. Sie muss ja doch leise zugeben: „Uki stinkt schon ein kleines bisschen.“

Shalhor

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Wednesday, August 26th 2015, 5:58pm

Kaya also und während sich das Mädchen augenblicklich und ganz geschäftig daran macht sich herzurichten, beobachtet Shalhor sie aufmerksam hinter seinem Becher Tee, lässig gegen die Reihe steinerner Becken gelehnt. Sie ist recht schmal für ein reinblütiges Kind der Menschen, was bedeutet dass ... Nein, nicht das! Mit einem sachten Kopfschütteln begegnet er Marthes fragenden Blick, ob sie dem kleinen Fräulein besagtes Kleid fertig ändern solle. Kaya wird keinesfalls die Gewandung einer Hausangestellten tragen. Sie ist Gast in seinem Haus und dieser Umstand soll sich auch äußerlich deutlich zeigen, um Missverständnisse gar nicht erst entstehen zu lassen. Sie wird mit Sicherheit in Noravendis’ abgelegte Kinderkleider passen, denen seine Tochter ihrerzeit viel zu schnell entwachsen war, um sie abgetragen nennen zu können.

Seine Stirn soll sich allerdings entschieden runzeln, als sein junger Gast unter ihrer Habe ein Fell hervorzieht, das eine Geruchswolke eines Bockes zur Brunft entfaltet. Der Appetit auf sonst so erfrischenden Minztee will ihm augenblicklich vergehen und seine Geduld schlagartig enden. Den Becher abstellend löst sich Shalhor von den Becken und gebietet dem Mädchen mit seiner Hand auf ihrer Schulter Einhalt in ihrem Tun. „Um Uki wird sich Marthe kümmern und Kaya kommt mit Shalhor!“ Er will sie schon zur Küchentür hinüber schieben, da dreht sich das Mädchen geschickt aus seinem Griff, dass er überrascht innehält. Will sie sich seiner Anordnung etwa widersetzen?
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Wednesday, August 26th 2015, 9:38pm

Kaya hält inne, muss gezwungenermaßen inne halten, als sich eine Hand schwer und bestimmt auf ihre Schulter senkt. Fragend schaut sie zu dem hochgewachsenen Elben auf, dessen Miene wieder an Strenge gewonnen hat. Noch ehe sie reagieren kann, hat er sie schon von dem Kübel und dem über dessen Rand hängenden Fell weggedreht, dass sie nicht einmal danach greifen kann und auch vor Überraschung den Schwamm fallen lässt, und ist drauf und dran sie aus der Waschküche herauszuschieben. Marthe würde sich um Uki kümmern, behauptet er. „Nein!“, entfährt es Kaya bestimmt und sie windet sich flink duckend und drehend aus dem Griff des Elben. Mit zwei Schritten ist sie wieder bei ihrem Wolfspelz, greift ihn sich und huscht, das Fell fest an sich gedrückt, um den Kübel herum, so dass dieser zwischen ihr und den Erwachsenen steht. Mit einem beinahe wölfisch lauernden Blick ihrer grün-braunen Augen funkelt sie den Hausherren und die Magd böse an und knurrt sogar leise, aber warnend. „Wird sie nicht! Niemand fasst Uki an! Niemand außer mir! Nur ich allein!“, empört sie sich. Die Schultern leicht angezogen, die Beine gebeugt, um sich jederzeit bewegen zu können, fixieren ihre Augen den Elben. „Wenn du mich sie nicht waschen lässt, nehm ich sie so mit.“ Keine Bitte, kein Vorschlag, eine Feststellung.

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22

Thursday, August 27th 2015, 1:55am

Sie widersetzt sich ihm tatsächlich, keine Bitte, keine Erklärung, ein Ultimatum untermalt von feindseligen Blicken und drohendem Geknurr. Sie wird also als Erstes lernen müssen, nicht nach der Hand zu schnappen, die sie füttern soll. „Aye“, erwidert ihr Shalhor zunächst nur zu, während er Herzschläge verstreichen lässt, sie studiert und gleichzeitig abwägt, wie er ihren Affront begegnen will. Bis er schließlich zustimmt: „Nur Kaya kümmert sich um Uki.“ Allerdings verspricht sein ernster Blick, der auch jetzt nicht von ihr lässt, dass diese Angelegenheit damit noch nicht erledigt ist, auch wenn einstweilen noch weitere Augenblicke verstreichen sollen, bis er fortfährt. „Und nur Uki kümmert sich um Kaya.“ Seine Entscheidung ist gefällt. An Marthe gewandt, die dreinblickt, als wolle sie das Kind am Liebsten über’s Knie legen, gibt er Anweisungen, dass diesem Mädchen ab sofort keinerlei Hilfe oder auch nur Aufmerksamkeit mehr zu schenken sei und schickt sie fort, alle anderen darüber zu informieren. Auch er sieht sie nicht wieder an, betrachtet schweigend noch einmal das Amulett, dass sie ihm mit Yara'Sanchales Bitte überbrachte und legt es sich schließlich um. „Mein Haus, meine Regeln! Wenn Uki Kaya nicht weiterhelfen kann, wird Kaya Shalhor in aller angemessenen Form bitten müssen.“
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Kaya

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Thursday, August 27th 2015, 9:46pm

Nur eine Winzigkeit, die äußerlich vermutlich gar nicht auffällt, entspannt das Mädchen sich, ohne die Augen von dem Elben zu lassen, denn auch er sieht sie weiterhin mit ernstem Blick an. Er gesteht ihr zu, dass nur sie allein sich um Uki kümmern würde. Einige Augenblicke sieht er sie so an. Augenblicke, in denen sich Kayas Lippen entspannt schließen und sich das Mädchen wieder etwas weiter aufrichtet, auch wenn sie weiterhin achtsam ist. Dann aber blinzelt sie überrascht. <„Und nur Uki kümmert sich um Kaya.“> Und zu der fülligen Magd meint er, ihr solle keine Hilfe mehr zu Teil werden und überhaupt solle man ihr keine Aufmerksamkeit mehr schenken. Keine Hilfe? Obwohl er eben noch beteuerte, dass sie hier Hilfe finden würde? Empört richtet sie ihre Augen wieder auf den Hausherren, doch der sieht sie nicht an, blickt stattdessen auf das Amulett.
Als er es sich schließlich umlegt, spricht er dann doch noch einmal, allerdings mehr in den Raum hinein als wirklich zu ihr. <„Mein Haus, meine Regeln! Wenn Uki Kaya nicht weiterhelfen kann, wird Kaya Shalhor in aller angemessenen Form bitten müssen.“> Dieser fiese… Kaya presst die Lippen aufeinander. Auf keinen Fall wird sie sich empören. Auf keinen Fall wird sie ihn fragen! Sie kommt sehr gut allein zurecht, war es schon oft genug. Wenn er meint, sein Wort nicht halten zu wollen… Und dann steht sie allein in der Waschküche. Noch einige Herzschläge lang starrt sie auf die offen stehende Tür. Ganz allmählich senkt sich ihr Blick über den Boden, den Kübel, den darin schwimmenden Schwamm, das Fell in ihrer Hand. Mit tief heruntergezogenen Brauen schreit sie innerlich auf (wirklich laut zu schreien, kommt gar nicht in Frage, nicht, dass er sich hinterher noch im Recht fühlt). Und weil sie gerade nicht weiß, was sie sonst tun soll, legt sie das Wolfsfell wieder über den Kübelrand, angelt nach dem Schwamm und schrubbt und schrubbt.

Wie lange sie dort schrubbt und schließlich auch bürstet (eine Bürste hat sie nach kurzer Suche gefunden), weiß sie hinterher nicht zu sagen. Vielleicht eine Stunde, vielleicht auch zwei, selbst drei würden sie nicht wundern. Was nicht nur daran liegt, dass Uki inzwischen tatsächlich recht dreckig geworden ist, sondern auch, weil sie wütend ist. Wütend auf diesem Elben und enttäuscht von diesem Elben. Niemand hat seit seinen Worten mehr mit ihr gesprochen. Wenn jemand in die Waschküche kommt, um etwas zu holen oder sie einfach nur zu durchqueren, bekommt sie höchstens einen kurzen neugierigen oder bösen Blick zugeworfen (je nachdem, wer hinein kommt), den sie ebenso erwidert. Was hat sich ihre Mutter nur dabei gedacht, sie hierher zu schicken? Wäre sie doch besser bei Schâlik geblieben. Kaya schrubbt und bürstet schon so lang und fest, dass ihre Arme bereits schmerzen. Und als sie schließlich doch mal inne hält, weigern sie sich gar, noch weiter machen zu wollen.
Kaya wäscht den Wolfspelz noch einmal aus und besieht ihn sich dann. Es genügt, stellt sie fest und ist doch mit der Situation unzufrieden. Mit dem Tuch, das sie immer noch um ihren Leib trägt, reibt sie Fell und Leder grob trocken, ehe sie es sich wieder umlegt. Noch immer hat sie nichts Anständiges anzuziehen. Ihre Kleidung liegt noch auf dem Schemel. Das Kleid aber, das Marthe ihr erst geben wollte, hat diese längst wieder mitgenommen. Unschlüssig blickt das Mädchen sich um und wieder zur Tür. Schließlich tauscht sie Fell und Kleidung und macht sich daran auch diese zu waschen. Dank Uki ist das Wasser zwar nicht mehr das Sauberste, aber sie würde lieber Dämonen in der Hölle jagen als diesen… Shalhor um Hilfe bitten.

Mit der feuchten Kleidung und dem Fell auf dem Arm und dem Beutel über ihrer Schulter tritt sie schließlich durch die Gesindetür hinaus. Die da drinnen können ihr doch alle mal gestohlen bleiben. Hier draußen ist es warm und sie wird sicherlich auch ein Fleckchen Sonne finden, um ihre Sachen trocknen zu lassen. Nach links und rechts blickt sie sich um und entscheidet sich dann, einige Schritte linkerhand abseits des Weges auf der Wiese nach einem Plätzchen zu suchen.
Es sind nur wenige Augenblicke, in denen sie das Gras unter ihren nackten Füßen spürt, da hält sie inne, als sie einen der Goldhunde in ein paar Schritt Entfernung stehen sieht. Mit in wachsamer Haltung aufgestellten Ohren starrt der Hund zu ihr herüber. Noch ehe Kaya überlegen kann, was sie tun will, erscheinen zwei, nein, drei weitere Hunde. Sicherheitshalber blickt das Mädchen hinter sich, kann dort aber keinen weiteren Goldhund ausmachen. Als sie wieder nach vorn blickt, bewegen sich die Hunde wachsam auf sie zu. Rasch senkt Kaya den Blick auf das Gras und bewegt sich langsam, Schritt um Schritt rückwärts. Doch das Knurren der goldenen Hunde wird schnell lauter, sodass sie bald innehält. Unter gesenkten Lidern schielt sie zu den Tieren und erkennt die hochgezogenen Lefzen. Rasch wendet sie den Blick ab, kneift die Augen zusammen und zieht den Kopf ein Stück ein. Als das Knurren daraufhin ein wenig leiser wird, dreht das Mädchen sich um und macht drei Schritte zurück dorthin, wo sie her gekommen ist. Als sie zaghaft über ihre Schulter blickt, haben die Hunde aufgeschlossen und sind doch noch nicht zufrieden. Drei weitere Schritte und das Bild bleibt das Gleiche. „Och menno…“, seufzt Kaya leise, als sie versteht. Sie kann nicht vermeiden, dass sich ihre Schultern ergeben senken, ehe sie, von den Hunden gedrängt, zurück zur Gesindepforte stapft.

Frustriert geht das Mädchen auf der Schwelle der Tür in die Hocke und starrt in die Waschküche. Ein paar Herzschläge vergehen, in denen sie nichts mit sich anzufangen weiß. Plötzlich springt sie auf, stampft hinein und verpasst dem Schemel einen kräftigen Tritt. Mit einer raschen Handbewegung reißt sie sich das Leinentuch vom Leib und schleudert es zu Boden. Schnaubend streift sie sich die feuchte Kleidung über und legt sich auch das Wolfsfell wieder um die Schultern. Auf den namenlosen Pfad mit ihnen, mit ihnen allen. Und diesem Elben voran. Sie schlüpft in ihre Stiefel, schnappt sich ihren Beutel und schreitet erneut zur Tür. ‚Kijibwa, adabachuu‘, erklingt die Stimme ihrer Mutter in ihrem Kopf und gemahnt sie ihres Verhaltens. Und erinnert sie außerdem daran, warum sie hier ist. „Anaana…“, flüstert sie leise und lässt den Kopf hängen. Tief atmet das Mädchen ein und lange wieder aus. Dann dreht sie sich herum und hebt den Schemel wieder auf.
Mit einem kurzen Blick Richtung Küche wird sie auf geschäftiges Treiben aufmerksam, das sie bis zur Tür lockt. Zwei Frauen, die Kaya noch nicht gesehen hat, scheinen mit den Vorbereitungen des Abendessens begonnen zu haben. Einige Augenblicke sieht Kaya ihnen zu und kämpft mit sich. Wenigstens ist dieser Elb nicht hier. So zögert das Mädchen nur einen kurzen Moment noch, ehe sie die Küche betritt. Die beiden Mägde schauen nur kurz auf, ohne ihre Arbeit zu unterbrechen. Kaya legt ihren Beutel auf einem Stuhl neben der Tür ab und schlendert hinüber zu dem Tisch, an dem eine der beiden dabei ist, Äpfel zu schälen und zu kleinen Stiften zu schneiden. Ihr Blick wandert weiter über ein Grünzeug, das Kaya nicht kennt, Kartoffeln, etwas Gemüse und etwas Zwieback. Die andere Frau unterdes holt aus einem Schrank Töpfe hervor.
Rasch hat Kaya ein auf dem Tisch liegendes Messer gegriffen und sich auf einen der Stühle geschwungen. Dass die Frau ihr gegenüber kurz innehält, ignoriert das Mädchen, greift sich stattdessen einen der Äpfel und beginnt ihn zu schälen. Und schließlich noch einen zweiten. Beide legt sie der Magd hin. Da ist kein Dankeschön, kein Lächeln, nicht einmal ein Blick. Trotzdem macht Kaya mit den Kartoffeln weiter. Keine der beiden sagt etwas dagegen, keine macht den Versuch ihr Kartoffeln oder Messer wegzunehmen. Und so hat Kaya nach einer Weile sicher ein Dutzend Erdäpfel geschält, wie auch die zweite Frau, die sich irgendwann mit an den Tisch gesetzt hat. Was die beiden mit dem Gemüse machen beobachtet Kaya genau, allerdings hat sie kein Brett vor sich, um Möhren und Lauch klein zu schneiden. Also rutscht sie vom Stuhl und beginnt die Schränke nach einem solchen Brettchen zu durchstöbern. Ihr soll sogar ein kleines Lächeln über die Lippen huschen, als sie tatsächlich fündig wird und damit zurück an den Tisch kehrt. Da kann sie tatsächlich noch ein paar Möhrenstücke und Lauchscheiben schneiden.

Durch Beobachtungen findet Kaya heraus, wo die Abfälle hingehören und hilft beim Abräumen und Saubermachen des Tisches, indem sie sich ebenfalls einen Lappen greift und diesen abwischt. Und als eine der Frauen bereits beginnt, den Tisch einzudecken, huscht Kaya flink an ihr vorbei und deckt mit ein, soweit sie erkennen kann, was gebraucht wird. Letzten Endes sind elf Plätze eingedeckt, einer davon auf der Kopfseite des Tisches und jeweils fünf zur Linken und fünf zur Rechten. Und wärend die beiden Mägde die letzten Vorbereitungen treffen, lehnt Kaya sich gegen den Rahmen der Tür, die zur Waschküche führt, und schwingt auf ihren Füßen immer wieder ungeduldig vor und zurück.
Nach und nach trudeln die Bediensteten ein und Kaya beobachtet jeden einzelnen von ihnen. Einige plaudern lässig miteinander, lachen und scherzen. Nur für Kaya hat niemand auch mehr als einen kurzen Blick übrig. Diesen noch nicht einmal der Hausherr, als er die Küche betritt. Und dabei verfolgt das Mädchen ihn mit ihren Augen ganz genau. Kein böser Blick, nur ein musternder, abschätzender. Und als sich schließlich alle nach und nach setzen, löst Kaya sich vom Türrahmen und kommt ein wenig näher. Da aber hält sie inne und lässt den Blick über den eingedeckten Tisch wandern. Elf Plätze sind eingedeckt und elf Personen sitzen bereits am Tisch. Da muss selbst Kaya schlucken. Kurz öffnet sich ihr Mund, als wolle sie etwas sagen. Sie schließt ihn aber wieder ohne einen Laut von sich gegeben zu haben. Ihre Augen huschen über die Anwesenden und bleiben an dem Hausherren hängen. Doch niemand sieht zu ihr herüber, niemand lädt sie an den Tisch ein, niemand macht Anstalten, überhaupt von ihr Notiz zu nehmen.
Da macht das Mädchen erst einen Schritt zurück, bei dem sich ihre kleinen Hände zu Fäusten ballen, nur um darauf auf dem Absatz kehrt zu machen und davon zu stürmen. Im Vorbeigehen greift sie sich ihren Beutel und kommt erst in der Waschküche zum Stehen. Mit wild klopfendem Herzen sieht sie sich hektisch um und bleibt an der Gesindetür nach draußen hängen. Kurz kneift sie die Augen zusammen, ehe sie sich für eine andere Tür entscheidet. Hauptsache außer Blick- und Hörweite. Kaum hat sie den Raum betreten, schlägt sie die Tür hinter sich zu und lässt den Blick schweifen. Tische und Stühle, auf und nebeneinander, sowie einige Schränke. Vermutlich ein Lagerraum. Aber was interessiert sie das schon. Kaya bahnt sich ihren Weg in die hinterste Ecke des Raumes, klettert über zwei Sessel auf den hintersten und rollt sich frustriert darauf zusammen. Den Beutel gegen ihren Bauch gedrückt und das Wolfsfell weiter über sich ziehend, schließt sie die Augen und will nichts mehr sehen und nichts mehr hören.

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Shalhor

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24

Wednesday, September 2nd 2015, 2:48am

Er muss sie nicht ansehen. Sie muss nichts sagen. Er spürt ihre Empörung, ihre Wut und eine geballte Ladung Trotz und das ist gut. Für den Augenblick zufrieden überlässt Shalhor das Kind sich selbst. Ihm hat sich ein starker Charakter präsentiert, kampfeslustig und eigensinnig durch und durch, aber keineswegs schwer von Begriff. Letzteres stimmt ihn zuversichtlich. Nichts hätte Shalhor ungelegener kommen können, als auf einfältige Hilflosigkeit oder noch einfältigere Gleichgültigkeit zu stoßen. Yaras Mädchen aber wirkt ganz gut bei Verstand, soweit er das in der Kürze der Zeit beurteilen kann. Eine Einzelkämpferin, die den gegenseitigen Nutzen einer funktionierenden Gemeinschaft noch nicht erfahren durfte, so schätzt er sie ein. Und wer weiß, vielleicht liegt der Jägerin Absicht genau darin, sie dies zu lehren. Oder aber niemand wollte sich freiwillig dieses anstrengenden Wildfangs annehmen, seufzt Shalhor still in sich hinein und folgt den Stimmen Elisas und Marthes in die obere Etage.

„Wirklich? DAS hat er gesagt?“ Haarklein lässt sich Elisa erzählen, was sich in der Waschküche zugetragen hat und ist so erleichtert, dass seine Lordschaft doch nicht verhext wurde. Willenlos hat die Kleine ihn jedenfalls nicht gemacht und alles andere kriegt sie schon noch heraus. „Warte“, hält sie Marthe zurück, die sich gerade anschicken will, den Hausknecht und die anderen Mägde zu informieren. „Hat er gesagt, ob ich das Zimmer noch fertig herrichten soll?“ Doch die Wäschemagd schüttelt den Kopf. „Seine Anweisung lautet nur, dem Mädchen weder zu helfen noch sie zu beachten. Mehr kann ich dir auch nicht sagen.“ Unschlüssig schaut sich Elisa in diesem Zimmer um, dass einmal seiner Lordschaft Tochter bewohnt hatte. Das war vor ihrer Zeit. Elisa kennt es nur tuchbehangen und verwaist … kannte. Die Tücher hat sie allesamt abgenommen und zusammengelegt. Sie wollte hier noch durchfegen und das Bett beziehen, das aussieht, als wäre es in einer riesigen Muschel eingebettet, viel zu fein für ein unzivilisiertes Wildlingskind. „Wie soll ich denn das Zimmer fertig machen, ohne ihr damit zu helfen?“

„Leg das Bettzeug nur zurecht, bezieh es aber nicht. Stell Waschschale und Wasserkanne bereit, füll sie aber nicht. Auch die Kerzen für die Leuchter legst du nur in einer Schublade zurecht, stell auch eine Obstschale ohne Früchte auf den Tisch und eine Karraffe ohne Saft. Kaya ist mein Gast und es soll ihr an nichts Grundsätzlichem mangeln - an nichts außer Komfort, Gesellschaft und Verständnis, solang sie sich mir nicht fügen will.“ So ganz scheinen Elisa und Marthe noch nicht ganz zu verstehen, was er von ihnen allen gegenüber dem Kind erwartet, also besinnt sich Shalhor landläufiger Worte, die so schlicht wie einprägsam sind und erklärt. „Kaya darf sich alles nehmen, was sie braucht, aber keiner wird ihr Zucker in den Arsch blasen, bis sie mir gehorcht. Aye?“ „Jawohl Mylord“ erhellen sich die Gesichter der Mägde, Elisa kichert sogar, ob der recht gewöhnlichen Wortwahl, denn seine Lordschaft pflegt sich üblicherweise gewählter auszudrücken. Wer allerdings auch unter weitaus raubeinigeren Seemännern verstanden und respektiert werden will, muss Tacheles reden können. Nun jedenfalls haben diese Beiden ihn sehr gut verstanden und können seine Absichten auch allen anderen Hausangestellten unmissverständlich erklären, nickt Shalhor zufrieden und kehrt auf die Galerie zurück – jenen offenen Wandelgang, der die Große Halle in der oberen Etage umrundet.

An dessen Wandseite schwingt er eine schmale Trittleiter herunter, die sich zurückgeklappt so harmonisch in die Holzvertäfelung einfügt, dass man sie als solche nicht mehr erkennen kann. Sie führt zu einer Luke in die Hohlräume unter den Dachschrägen, die sich bestens dafür eignen, all die Dinge unterzubringen, die man nur selten oder gar nicht mehr gebraucht, Nôravendis Kleidertruhen beispielsweise. Es ist beileibe nicht so, dass seine Tochter keine alltagstauglichen Gewandungen besessen hätte, gerade in Kayas Alter. Shalhor wählt jedoch nicht ohne Bedacht ein Schleierkleid aus, dessen viele schmale Rockbahnen sich störrisch um Beine wickeln, wenn man nicht angemessen langsam darin schreitet und ein Weiteres mit voluminösem, ebenso bodenlangem Rüschenrock, dass die Bewegungsfreiheit kaum weniger einschränkt – rennen, hüpfen, klettern schier unmöglich, dafür aber sehr hübsch anzusehen, dazu Leibchen die Nôravendis einst verschmähte, weil deren Spitzeneinsätze kratzen und leichte Stiefelchen, die geduldig geschnürt werden wollen. Nur das Nachthemdchen ist für seine Zwecke eigentlich viel zu bequem, in Ermangelung eines unbequemeren wird er sich damit allerdings zufrieden geben müssen. Diese Kleidungsstücke bringt er Elisa, sie in den Kleiderschrank zu hängen beziehungsweise in die Kommode zu legen.

Dann heißt es warten – abwarten, dass Kaya mit sich und Uki in diesem fremden Haus nichts mehr anzufangen weiß – abwarten, dass sie nicht mehr erträgt, dass niemand mit ihr spricht – abwarten, dass sie sich allein hier vollkommen verloren vorkommt, Trotz und Kampfeslust an Kraft verlieren und die rechte Zeit sich zu besinnen anbrechen kann. Die erste Stunde will noch recht kurzweilig sein. Shalhor hat sich ins Arbeitszimmer zurückgezogen und dort ohnehin genug zu erledigen, Bücher müssen geführt und Briefe beantwortet werden. Nach einem Weilchen bemächtigt sich Seiner allerdings eine seltsame Unruhe - eine der Art, als hätte sich Nôravendis verspätet und raubt ihm jede Konzentration, dass er schließlich aufgibt. Mit einem Buch aus der Bibliothek zieht er sich ins Botanikum zurück, ertappt sich aber immer wieder dabei, sich zu erheben und über das Geländer der Galerie hinab in den kleinen Flur auf der gegenüberliegenden Seite zu spähen, von der die Tür zur Küche abgeht und angespannt zu lauschen. Und nein, er wüsste nicht zu sagen, was er soeben gelesen hat. Seine Augen streifen zwar willig über die Zeilen, sein Geist jedoch weilt bei einem kleinen, zähen Mädchen, dass es ihnen Beiden unerwartet schwer machen will. So legt Shalhor nach einer weiteren, verstrichenen Stunde auch das Buch zur Seite, schlendert hinüber in das Esszimmer und geht dort ruhelos vor der Fensterfront auf und ab. Er sieht die dösenden Hunde unter den Azaleen,, beobachtet eine Katze, die auf der Mauer entlang schleicht und den pickenden Vögeln auf der Wiese begehrliche Blicke zuwirft ohne sich herunter zu wagen, bemerkt irgendwann den Pferdeknecht zusammen mit Halla und Gesine samt Fuhrwerk und Einkäufen heimkehren, eine einzelne Federwolke am Himmel, die von einer sanften Brise langsam zerpflückt wird, bis nichts mehr von ihr übrig bleibt, wieder die Katze, die die Goldhunde so eindringlich fixiert, als könnte sie die mit der Kraft ihrer Blicke dazu bewegen, den Platz vor dem Haus für sie zu räumen … unbeeindruckte Faêntjares … immer noch pickende Vögel … nirgends ein Wolkenfetzen am azurblauen Himmel … eine kleine Spinne am Fensterrahmen … einen ausgewaschenen Wachsfleck auf dem Tischläufer … einen hellen Krümel neben dem Tischbein … eine regungslose Katze auf der Mauer … dösende … Stopp! Die Faêntjares liegen nicht mehr an ihren Plätzen. Auf der anderen Seite, der Hausseite an der sich die Gesindepforte befindet, entdeckt er sie wieder und da rufen sie ihn auch schon. Sie wissen längst, dass sie dazu keinen Laut von sich geben müssen und er ihrer Anspannung dennoch gewahr wird. Und da ist sein kleiner Sturkopf ja auch endlich wieder. Schön dich zu sehen, Kaya. Na wohin wollen wir denn? Ihr Aufzug entlockt ihm ein gerührtes Schmunzeln, wie sie da steht mit ihren nassen Kleidern auf den Armen. Aber die Hunde kennen kein Pardon mit Eindringlingen abseits der Wege, ganz gleich wie groß oder klein sie sein mögen und erwarten seine Führung. Meine Beute, macht er seinem Rudel klar, ich will sie zurück! Seine Gefährten reagieren unverzüglich, schließen den Halbkreis um Kaya, der ihr nur noch die Möglichkeit lässt, sich ins Haus zurück zu ziehen und fletschen warnend die Zähne. Das hier ist kein Spiel! Er beobachtet sehr genau, wie sie die Faêntjares zu beschwichtigen versucht, sich deren Beharrlichkeit rückversichert und sich schließlich unterordnet. Vielleicht sollte sich Shalhor auch einen Wolfspelz umlegen und die Zähne fletschen? Dieser Gedanke hat nur leider einen ganz gravierenden Haken. Sie soll sich ihm und der Gemeinschaft dieses Haushaltes anpassen, nicht umgekehrt.

Shalhor löst sich von den Fenstern. Seine Gefährten haben ihr Revier im Griff. Die Ordnung in seinem will erst wieder hergestellt werden. In der Hoffnung, dies könnte jetzt geschehen, begibt er sich ohne Umschweife in die Große Halle hinab. An der Anrichte, auf der Erfrischungen bereit stehen, schenkt er sich einen leichten Wein ein und lässt sich am Beckenrand bei den Teichrosen nieder. Neridye hat sie so geliebt und oft hier gesessen, dabei gestickt oder gelesen – zumeist der erste Anblick, wenn Shalhor heimkehrte und immer hat er sich mit einem Glas Wein zu ihr gesetzt und ihr von seinem Tag erzählt und sie ihm von ihrem, bevor … Seufzend lässt er von den Erinnerungen ab, deretwegen er nicht hierher gekommen ist. Yaras Mädchen soll ihn nicht lang suchen müssen, wenn sie ihn zu sprechen wünscht, keinesfalls so lang, dass sie der Mut dazu verlässt und so wartet er und wartet. Doch Kaya kommt nicht. Schwer zu sagen, wie lang er dort ausgeharrt hat. Nun aber ist an der Zeit, das Abendessen einzunehmen. Mit Mina hat sich auch die letzte der Mägde in der Küche eingefunden und Shalhor folgt ihr unverrichteter Dinge.

Er erkennt sie sofort schon aus dem Augenwinkel, wie sie dort abwartend in der Tür zur Waschküche steht und muss sich zwingen, sich an sein eigenes Geheiß zu halten. So tritt er also ohne einen Blick hinüber zu Kaya an die Stirnseite der Tafel, legt seine Hände an die Lehne seines Sitzplatzes und wartet, bis es ihm alle gleich getan haben. „Elisa, sprich du heute unseren Dank“, wählt er unter seinem Gesinde Jene aus, die sich in seinen Augen heute besonders löblich hervor getan hat und die Freude über diese, wenn auch kleine Anerkennung ihrer Mühen, macht sich auf ihrem Gesicht breit. „Wir danken den Mächten für ihre Gaben, jene derer wir uns gütlich laben, jene die der Tag uns brachte und die uns alle zufrieden machte.“ „Mögen die Götter mit uns sein“, beenden sie gemeinsam Elisas Worte und nehmen an der gedeckten Tafel Platz. Diese gemeinsamen Mahlzeiten in der Küche sind trotz seiner Anwesenheit stets ganz zwanglos. So erhebt sich neben dem Klappern von Suppenkelle und Löffeln unbefangene Plauderei und frohes Gelächter unter den Mägden und Knechten. Nur zwei unter ihnen allen bleiben vollkommen stumm. Shalhors Sinne sind ganz auf Yaras Mädchen gerichtet, auch wenn ihm davon nichts anzumerken ist und er sich scheinbar vollkommen ungerührt von den gekochten Teichmuscheln und Algen-Apfel-Salat auftut. Wenn sie ihn doch nur endlich bitten würde, sich zu ihnen an die Tafel setzen zu dürfen. Er spürt ihren inneren Kampf, fühlt bittere Enttäuschung und Zorn gegen seine Barrieren prallen, nur den Blick hebt er nicht zu ihr. Sie muss auf ihn zukommen, so hat er es von ihr verlangt, dann wenn Uki ihr nicht mehr weiterhelfen kann. Sie trägt den Pelz wieder, genau wie ihre eigene Kleidung, wie er unter gesenkten Lidern feststellen kann, bevor sie auf dem Ansatz kehrt macht und davon stürmt. Alle sehen ihr nach, manche ratlos, manche mitfühlend und niemand scherzt und lacht mehr an diesem Tisch. Irgendwann berichtet Halla in die lastende Stille hinein, dass das Mädchen ganz von sich aus bei der Zubereitung des Essen geholfen habe. Shalhor jedoch antwortet nur: „Das ist nicht das, was ich von ihr verlange.“ Es bleibt eines der schweigsamsten Abendessen aller Zeiten in dieser Küche und niemand mag länger an dieser Tafel sitzen, wie an anderen Abenden, bis nur noch der Hausherr an einem abgeräumten Tisch zurück bleibt. Doch Kaya soll er an diesem Abend nicht mehr zu Gesicht bekommen. Es muss schon weit nach Mitternacht sein, als sich auch Shalhor schließlich müde und des vergeblichen Wartens überdrüssig in sein Schlafgemach zurückzieht. Möge der kommende Tag erfolgreicher sein!
Man sollte keine Dummheit zweimal begehen, die Auswahl ist schließlich groß genug!

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Kaya

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25

Saturday, September 5th 2015, 12:23am

Als Kaya die Augen wieder aufschlägt ist es stockdunkel um sie herum. Geschlafen hat sie nicht, vielmehr geruht, vielleicht auch ein wenig gedöst. Aber in eine wirklich tiefe Schlafphase gelangt sie nicht, solange sie sich ihrer Umgebung nicht sicher genug ist und niemanden an ihrer Seite hat, dem sie vertraut und der über sie wacht. Sprich: ohne Yara schläft Kaya niemals tief und fest und selbst an der Seite ihrer Mutter oft nur bei äußerster Erschöpfung oder Krankheit. Ohne sich zu regen horcht das Mädchen in die Stille des Hauses. Mehrere Herzschläge lang vernimmt sie nichts, weswegen sie rasch die Hände auf ihren Bauch legt, als dieser knurrt, dass man meinen könnte, es schalle durchs gesamte Gebäude. Hunger… Kaya hat großen Hunger. Und schuld daran ist das leckere Mittagessen, das ihr Elisa genehmigt hat. Hätte Kaya zum Mittag genauso dürftig gegessen wie die Tage davor, so wäre der Hunger mit Sicherheit erträglich. Nun aber hat sie am Mittag ordentlich zugeschlagen und nun umso größeren Hunger. Und das Abendessen hatte ebenfalls verdammt gut ausgesehen und sie hätte gerne mitgegessen. Wenn nur ER nicht am Tisch gesessen hätte. Wenn er sie wenigstens nur kurz angesehen hätte. Wenn er ihr nur wenigstens das Gefühl gegeben hätte, sie wäre am Tisch willkommen. Hat er aber nicht. Und Kaya dafür immer noch Hunger.
Angespannt lauscht sie, doch noch immer ist niemand zu hören. So richtet sich das Mädchen auf und streift die Stiefel von ihren Füßen, um ihre Wahrnehmung in der Dunkelheit zu verbessern. Ihren Beutel auf dem Sessel zurücklassend, tastet Kaya sich langsam vor und klettert über zwei Sessel, bis sie ihre Füße ganz langsam auf den kühlen Steinboden gleiten lassen kann. Auch wenn sich ihre Augen allmählich an die Dunkelheit gewöhnen, so erkennt sie doch kaum etwas und muss sich ganz auf ihre taktile Wahrnehmung verlassen. So tastet sie sich mit Händen und Füßen vorwärts und erreicht die Tür tatsächlich, ohne sich einen Zeh oder sonst was anzustoßen. Kaya atmet tief durch, als sie die Hand auf die Klinke legt und zögert einen Augenblick. Was, wenn dort jemand auf sie wartet? Ihr Magen grummelt, dass es ihm egal sei und so öffnet sie leise und langsam die Tür. Vorsichtig streckt sie den Kopf hindurch und späht und lauscht hinein in die Dunkelheit der Waschküche. Sie kann niemanden erkennen und niemanden hören. Also öffnet sie die Tür weiter und schleicht durch die Waschküche zur Küchentür, um in eben jene hinein zu lugen.

Den Ahnen sei Dank kann sie auch hier niemanden ausmachen. Stattdessen nimmt sie den leichten, rötlichen Schimmer der Glut im Herdofen wahr, die ihr einen, wenn auch kleinen, Orientierungspunkt liefert, um sich in der Küche zurecht zu finden. Beim Betreten des Raumes bemerkt sie allerdings auch, wie sie allmählich die groben Konturen der Möbel erkennen kann. Vor wenigen Tag erst konnte Kaya den vollen Mond bestaunen, dessen Licht immer noch hell die Nacht in seinen silbrigen Schimmer taucht. Nun gewöhnen sich ihre Augen daran und nach einigen Augenblicken des Wartens kann sie sich bewegen, ohne sich Sekhel um Sekhel vortasten zu müssen. Als Erstes steuert Kaya den glimmenden Herd an. Darauf steht nichts mehr, doch auf der Arbeitsstelle direkt daneben findet sie den großen Topf, in dem das Abendessen bereitet worden ist. Kaum den Deckel hochgehoben, knurrt ihr Magen in freudiger Erwartung ob der köstlich duftenden Kartoffelsuppe, wenn sie auch längst nicht mehr warm ist. Das allerdings soll Kaya einerlei sein. Vorsichtig und leise legt sie den Deckel beiseite und ist schon dabei, jenen Schrank anzusteuern, aus dem sie am Abend bereits den einen oder anderen Teller geholt hat. Es klappert auch nur leise, als sie mit den Fingern in dem dunklen Schrank umher tastet und schließlich einen Teller herauszieht. Den Schrank schließt sie wieder leise, öffnet einen weiteren, um sich einen Löffel zu organisieren und tappst auf Zehenspitzen zurück zum Topf, die Sachen daneben abzustellen.
Bevor sie jedoch nach der darin befindlichen Kelle greift hält sie inne und presst die Lippen aufeinander. Ihr Gewicht von einem Bein auf das andere verlagernd starrt sie nachdenklich auf den Topf. Niemand hat ihr erlaubt, sich etwas davon zu nehmen. Es hat ihr zwar auch niemand verboten, dennoch sträubt sich etwas in Kaya. Das Essen bei Schâlik war nie umsonst, selbst dann nicht, wenn sie aus purer Langeweile in der Küche ausgeholfen hat. Zu einem Entschluss gekommen lässt das Mädchen alles stehen und liegen und schleicht zurück in jenen Lagerraum, in dem sie ihren Beutel zurückgelassen hat. Geschickt klettert sie dort wieder über die Sessel und kramt schließlich blind, bis sie ihre Geldkatze findet. Samt Beutelchen macht sie sich wieder auf in die Küche. Dort lässt sie auf dem großen Küchentisch die Münzen langsam aus ihrem Beutel gleiten, nur um dann die, die sie nicht braucht, wieder hinein zu tun. Die übrigen gebliebenen Münzen greift sie sich und nimmt sie hinüber zu dem Topf, sie daneben zu legen. Dann erst füllt sie sich den Teller mit kalter Kartoffelsuppe und balanciert ihn proppenvoll hinüber zum Küchentisch.
Selbst kalt schmeckt sie wunderbar und Kaya löffelt ohne Pause, lässt dabei die Beine hin und her baumeln. Ihr Kopf ist bar jeglicher Sorgen und für diesen Augenblick ist sie einfach nur zufrieden. Und als der Teller leer ist, schielt sie hinüber zum Topf, nur um sich wenige Herzschläge später noch eine halbe Kelle davon aufzutun und zu vertilgen. Zufrieden seufzend schiebt Kaya den Teller von sich und lässt die ausgestreckten Arme auf dem Tisch liegen, ihren Kopf dazwischen auf die Tischplatte gebettet. Für einen kurzen Moment schließt sie die Augen und lächelt. Das Lächeln verschwindet jedoch schon bald wieder, als das Mädchen die Augen öffnet und in die Dunkelheit starrt. Es ist so ruhig, dass man annehmen könnte (wenn sie es nicht besser wüsste), sie wäre allein in diesem riesigen Haus. Ob ihre Mutter sich wohl auch ein wenig einsam fühlt, wo auch immer sie steckt? Ob sie an Kaya denkt? Kaya richtet sich auf, rutscht vom Stuhl und stellt den leer gefutterten Teller neben den Topf, den sie wieder mit seinem Deckel versieht. Als sie sich daraufhin umdreht, lässt sie den Blick schweifen und bleibt mit dem Blick an der Tür hängen, durch die sie am Nachmittag vom Eingang her geschoben worden ist und durch die der Hausherr am Abend erschienen war.

Einen Schritt vor den anderen setzend arbeitet sich Kaya vor bis in die große Halle, auf die sie vor einigen Stunden nur einen kurzen Blick werfen konnte. Jetzt aber tritt sie an das Wasserbecken in der Mitte der Halle heran, unter die große, gläserne Kuppel, und starrt hinauf in den sternenklaren Nachthimmel. Ganz allmählich wandert ihr Blick die langen Säulen hinab zu dem Becken. So etwas hat Kaya noch nie innerhalb eines Hauses gesehen. Sogar Teichrosen gedeihen dort drinnen und das Mädchen muss zugeben, dass es verdammt hübsch anzusehen ist. Ein Weilchen besieht sie sich jede einzelne Teichrose, soweit sie sie erkennen kann. Und im nächsten Augenblick steht sie mit ihren nackten Füßen auf dem Rand des Marmorbeckens. Mit vorsichtigen Schritten, beginnt sie den Hausteich zu umrunden und schlingt ein jedes Mal, wenn ihr eine Säule den Weg versperrt, die Arme darum, um sicher an den sechs Säulen vorbei zu gelangen. An vieren zumindest. Denn an der fünften Säule rutscht eine ihrer Hände plötzlich ein paar Sekhel hinab, so dass ihr Fuß statt auf dem Beckenrand hinein ins Wasser platscht. Glücklicherweise findet sie umgehend wieder Halt, auch wenn sie dabei fast die Säule küsst. Dennoch hat das Ende ihres Hosenbeins genügend Zeit, sich mit etwas Wasser vollzusaugen, denn Kaya zieht ihren Fuß nicht sofort heraus. Stattdessen verharrt sie regungslos und lauscht einige Herzschläge lang, ob sich jemand im Haus regt, ehe sie wieder mit beiden Beinen auf dem Becken steht und das nasse Hosenbein auswringt.
Der kleine Ausrutscher bringt sie jedoch nicht davon ab, auch noch die letzten beiden Säulen zu umrunden, ehe sie von dem Beckenrand hüpft und den Blick durch das Erdgeschoss wandern lässt. An den beiden nach oben führenden Treppen direkt neben dem Haupteingang verweilen ihre Augen einen Augenblick länger und richten sich schließlich auf den Ausgang selbst. Einen Augenblick zögert Kaya, dann tritt sie näher, öffnet die Tür zum Entree und drückt schließlich die Klinke einer der großen Flügeltüren herunter. Verschlossen. Kaya hat es nicht anders erwartet und dennoch hatte sie das Bedürfnis sich rückzuversichern. Die Zwischentür hinter sich schließend tritt sie wieder in die große Halle und wendet sich den beiden Türen zu ihrer Rechten zu. Doch auch diese beiden sind verschlossen. Ein wenig empört pustet sie sich eine Haarsträhne aus dem Gesicht und tappst dann mit raschen, leisen Schritten genau auf die entgegengesetzte Seite, auf der sich auch der Zugang zur Küche befindet. Dort entdeckt sie die Latrinen und einen tatsächlich unverschlossenen Raum, in dem sich jedoch nichts weiter befindet als eine Anrichte, ein Tisch und Liegesofas samt passender Bestuhlung. Desinteressiert schließt Kaya auch diese Tür wieder und kehrt zurück. Vorbei an einer Anrichte mit bereitgestellten Erfrischungen und ein paar Sesseln, zieht es sie zu den drei großen Flügeltüren. Kaya wählt die Mitte und drückt auch hier zunächst vorsichtig die Klinke herunter, woraufhin die Tür etwas nachgibt.

Dass dieses Haus noch einen größeren Raum als die Halle, aus der sie kommt, beherbergt, hätte das Mädchen nicht gedacht. Doch als sie den riesigen Saal betritt werden ihre Augen vor Erstaunen noch etwas größer. In der Dunkelheit vermag Kaya die den Raum begrenzenden Wände zunächst nur erahnen. So legt sie ihre linke Hand auf die Wand und schreitet den Raum langsam ab, lugt dabei immer wieder an den Säulen vorbei, fährt mit den Fingern über eine lange Kommode und hält inne, als sie an einer weitere Flügeltür gelangt. Natürlich späht sie auch dort hinein. Tische und Stühle, auf und nebeneinander, sowie einige Schränke. Vermutlich ein Lagerraum. Nein, DER Lagerraum, wie sie nach einem Augenblick erkennt. Kaya lässt von dem Raum ab und setzt ihren Streifzug durch den riesigen Saal fort, umrundet Tische und Stühle, geht vorbei an weiteren verschlossenen Flügeltüren und erreicht eine in schräg stehenden Reihen angeordnete Bestuhlung. Neugierig schreitet das Mädchen durch den Mittelgang, den Blick nach vorne auf die Innenseite des großen, runden Erkers gerichtet.
Zwei Stufen führen hinauf in das Rund, in dessen Mitte Kaya stehen bleibt und ihre Augen über das riesige Wandgemälde wandern lässt. Es dauert eine Weile bis sie bei den im Saal herrschenden Lichtverhältnissen die Darstellung ausgemacht hat. In deren Mitte thront ein hellhäutiger Elb auf einem von schäumenden Wellen getragenen Streitwagen, strahlt Stolz und Macht aus, allerdings auf eine eher schrecklich wirkende Art und Weise. Sein blaues Haar wird vom Wind aufgepeitscht und seine Züge umrahmt ein Gischt geschweifter Helm, aus dem seine brennenden Augen hervorstechen. Sein Körperpanzer aus steinharten Dornenschuppen schimmert in einem wunderschönen Perlmuttsilber. In der Linken hält er einen silbernen Dreizack, während seine Rechte Zügel hält, die Kaya an das Grünzeug erinnern, das am Abend auf dem Küchentisch gestanden hatte. Gezogen wird sein Streitwagen von seltsamen Meerestieren mit riesigen, spitzen Hörnern an deren Stirn, die das Mädchen noch nie zuvor gesehen hat. Skeptisch runzelt sich Kayas Stirn, noch ein wenig mehr, als ihre Augen über die vielen sehr freizügigen, weiblichen Gestalten wandern, die die Gestalt des Elben begleiten, ihn auf ihre eigene Art im Wasser und auf den Wellen umtänzeln, ihn geradezu anhimmeln. Trotz ihrer menschlichen Züge wirken diese Gestalten nicht wirklich menschlich. Nymphen, kommt es Kaya in den Sinn. Von denen hat ihre Mutter ihr schon erzählt. Selbst gesehen hat das Mädchen allerdings noch keine. Mit dem Abbild des Elben aber kann Kaya nicht viel anfangen. So wendet sie sich nach einer Weile ungerührt wieder ab und kehrt in die Halle zurück, da sie in dem Saal sonst nichts für sie Interessantes entdeckt.

Sich die müden Augen reibend schlendert sie zurück zu dem Teich und starrt einige Augenblicke lang auf die stille Wasseroberfläche. Sie hätte mit ihrer Mutter gehen sollen. Sie hätte darauf bestehen müssen, mitkommen zu dürfen. Sie ist doch schließlich alt genug und ihre Fähigkeiten haben sich im letzten Zwölfmond deutlich verbessert, wie jene erste Nacht im Silberweiß deutlich gezeigt hat. Sie wäre Yara sicher kein Klotz am Bein mehr. Nein, bestimmt nicht. Ihr Gähnen reißt sie aus ihren Gedanken und macht ihr deutlich, dass ihr noch ein wenig Ruhe gut tun würden. Wieder richten sich ihre Augen auf die Treppen, die ins Obergeschoss führen. Einige Herzschläge lang kämpft sie mit ihrer Neugierde. Doch sie würde auch am Tag noch genügend Zeit haben, das riesige Haus weiter zu erkunden.
So führen ihre Schritte sie nicht hinauf, lediglich auf das stille Örtchen daneben. Dann erinnert sie sich des flüchtigen Anblicks der Zierkissen im Raum daneben, huscht hinein und schnappt sich gleich beide. Nicht, dass Kaya nicht auch ohne hätte schlafen können. Aber so ein Kissen, in das sich ihr Haupt schmiegen kann, ist schon etwas Feines. Mit beiden Kissen auf dem Arm schlurft das Mädchen durch die Küche und die angeschlossene Waschküche und denkt auch dabei auch nicht mehr daran, die Türen zu schließen. Bis auf diejenige, die in den Lagerraum führt. Die schließt sie und tastet sich mit den Zehen anschließend langsam durch die Dunkelheit. Die Kissen landen auf dem Sessel neben ihrem Beutel. Kaya macht sich noch daran den Sessel in der Reihe davor unter in den Ohren dröhnendem Quietschen und Knarzen umzudrehen und ihren provisorischen Schlafplatz so ein wenig zu vergrößern. Tief seufzend rollt sich Kaya auf den Sesseln ein und schmiegt sich an das Kissen. Es sind nur wenige Augenblicke, die sie noch nachdenklich in die Dunkelheit starrt, bis ihr schließlich die Augen zu fallen und sie einschläft.

Shalhor

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26

Tuesday, September 8th 2015, 6:24pm

Der Alltagsgewänder entledigt und nurmehr mit einer mitternachtsblauen Seidenhose bekleidet, lässt sich Shalhor auf seinem großen, runden Bett im Turmrund nieder. Seine Schlafstatt thront auf einer Empore vor einer halbrunden Fensterfront, hoch genug auch im Liegen einen phantastischen Ausblick auf die endlosen Wasser des Ildorells im Mondlicht genießen zu können – üblicherweise ein äußerst besänftigender Anblick. Nur heute will es ihm ungewöhnlich schwer fallen, alle Gedanken zu befrieden und in erholsame Trance zu gleiten. Shalhor ist sich sicher, es gelänge ihm besser, wüsste er ein kleines, dickköpfiges Mädchen dort, wo es zu dieser Stunde hingehört, im Zimmer nebenan friedlich schlafend in einem Bett. Er hat die Türen offen gelassen, damit sie es selbst finden kann, die Tür vom Wandelgang in den kleinen Flur und jene vom Flur direkt in Nôravendis’ Gemach, ja selbst seine, wenn auch nur ein winzigen Spalt, damit ihm nicht entgeht, wenn sie auf leisen Sohlen in dieses Zimmer huschen sollte – nur zu seiner Beruhigung. Sie darf sich frei im Haus bewegen. Nur wenige Räumlichkeiten bleiben auch ihr versperrt, sein Arbeitszimmer samt Bibliothek und die Badegrotte um genau zu sein. Dort hat ohne ihn niemand etwas verloren. Und nun liegt er wach und lauscht vergeblich auf leichten Kinderschritt.

War das eine Tür? Angespannt in die Tiefe des Hauses horchend richtet sich Shalhor auf seinem Lager auf. Da! Das war ganz eindeutig wieder eine Tür. Lächelnd lässt er sich in die Kissen zurück sinken. Sein kleiner Gast hat endlich ausgeschmollt und macht sich auf Erkundungstour. Jetzt kann es nur noch eine Frage der Zeit sein, bis sie in ihr Bett findet. So wenigstens glaubt er es und schiebt sich zufrieden die Hände unter den Nacken. Er könnte sie am Morgen wecken, sich freundlich lächelnd zu ihr an den Bettrand setzen und sie fragen, ob sie eine Bitte auf dem Herzen hätte. Und wenn sie brav ist, könnten sie zusammen im Botanikum frühstücken, nur sie beide. Das müsste ihr doch sicher gefallen. Aber es kommt ganz anders als erhofft. Das Plätschern von Wasser, so als wäre etwas in das Becken gefallen, lässt ihn aufschrecken und hochschnellen. KAYA! Nein, dafür dass sie in das Becken gefallen sein könnte, war das Plätschern eigentlich zu leise. Sie wird doch wohl nicht …

Aus Sorge erhebt sich Shalhor nun doch leise, greift sich seinen seidenen Morgenmantel, den er sich schon im Gehen überzieht und schleicht fast lautlos auf nackten Sohlen auf den Wandelgang hinaus. Im Schatten einer Säule verborgen, späht er hinab und atmet auf. Kaya ist weder dabei, sich, noch Karaffen, Vasen oder sonstige Dinge, derer sie habhaft werden könnte, zu ersäufen, noch wütend die Teichrosen heraus zu reißen. Sie … spielt? Das muss es wohl sein. Eine andere Erklärung will sich Shalhor zumindest nicht erschließen, während er sie beobachtet, wie sie sich dort sanft vom Mondlicht beschienen um die Säulen schlängelt. Notwendig wäre es nämlich nicht, um auf das nächste Stückchen Beckenrand zu gelangen, erst recht nicht wenn es dort nichts gibt, weswegen man dorthin gelangen sollte. Mir nichts, dir nichts hüpft sie wieder herunter und verschwendet kein Augenmerk mehr an das Marmorbecken. So wie sie sich umsieht, zieht sich Shalhor wieder gänzlich hinter die Säule zurück. Auch wenn das Mondlicht durch die gläserne Kuppel die Galerie nicht erreicht, so weiß er doch um seine helle Haut und sein genauso helles Haar, das ihn im Dunkel nur schlecht verbirgt. Aber sie sieht nicht einmal hinauf und zu seinem Bedauern hegt sie auch nicht die Absicht, in die obere Etage zu kommen und ihr Zimmer zu finden. Stattdessen zieht sie das Entree vor, den direkte Weg hinaus. Allerdings werden alle Türen nach draußen mit Einbruch der Dunkelheit verschlossen, so auch diese Nacht. Und wären sie es nicht, so würde sie zwangsläufig an seinen Gefährten scheitern, die stets über das Anwesen wachen. So muss Shalhor nicht lang auf ihre Rückkehr warten. Auch die anderen Türen der unteren Etage wecken ihre Neugier. Seine Blicke verfolgen das Kind, wie es in dem kleinen Flur verschwindet, von dem die Zugänge zu Grotte und Arbeitszimmer abgehen, beobachten ihre erfolglose Umkehr, die Entdeckung der Latrinen und des kleinen Salons, nur die Treppe hinauf scheut sie wie der Dunkle geweihten Boden. Und dann ist sie auch schon wieder verschwunden. Der Lärm, der an seine Ohren dringt verrät nur zu deutlich, wo sie sich ein mehr oder weniger bequemes Lager errichtet.

Nachdenklich löst sich Shalhor aus dem Schatten der Säule, versteht nicht, wieso sie es sich nicht wenigstens im Salon gemütlich macht, wenn sie schon nicht herauf kommen mag. Auf einer der Recamieren liegt es sich zweifelsfrei besser, als in zurecht geschobenen Sesseln. Ob er ihr nicht wenigstens eine Decke bringen soll? Wenn er seine Worte sehr genau nimmt, wäre es nicht einmal eine Inkonsequenz, denn schließlich soll sie ihn bitten, wenn ihr Uki nicht helfen kann. Zudecken allerdings ist eines der wenigen Dinge, die Uki ganz zweifellos gut kann, ergo fällt eine Decke nicht unter sein Geheiß und er hätte einen Vorwand, nach ihr sehen zu können und ihr eine gute Nacht zu wünschen. Den Morgenmantel nun sorgsam über seine Brust gekreuzt und zugebunden kehrt Shalhor in sein Gemach zurück, um dem Mädchen eine Decke zu holen und eilt damit hinunter. Die Türen zur Küche stehen offen und genauso findet er jene zur Waschküche vor.

Doch noch bevor er sich dieser nähert, zieht etwas anderes seine Aufmerksamkeit auf sich. Münzen liegen auf dem großen Küchentisch und glänzen kühl im einfallenden Licht des Mondes, Münzen die von Kaya stammen müssen, denn er war der Letzte vor ihr in der Küche. Sie wird sie kaum zufällig hier deponiert haben. Nur was bezweckt sie damit? Shalhor entzündet eine Kerze. Aber es liegt keine Notiz dabei, dass man ihr etwas besorgen solle, dabei gibt es gewiss einiges, dass sie brauchen könnte, von Kleidung einmal ganz abgesehen. Doch wie dem auch sei, sie wird ihn nach wie vor nur bitten müssen und ... Was in aller Häuser Namen tut er hier eigentlich? Hat er sich eben noch wirklich einreden können, er blase ihr keinen Zucker in den Allerwertesten, wenn er ihr nachläuft sie zuzudecken? Was auch immer in ihn gefahren sein mag, ist nicht von langer Dauer. Energisch streicht er ihre Münzen ein. Es gibt keine Gefälligkeiten, die sie sich damit erkaufen könnte, nicht unter seinem Dach und um ihr das unmissverständlich klar zu machen – so seine Absicht – platziert er die Geldstücke auf der Schwelle jener Tür, hinter der sie sich zurückgezogen hat, fein säuberlich in Reih und Glied. Dann zieht auch er sich zurück, mit der Decke und ohne sich ihres Wohlergehens zu versichern.

Mit dem neuen Tag erwacht auch das Leben im Hause. Während in der Küche schon geschäftig das Frühstück bereitet wird, macht sich Shalhor noch fertig und benötigt dafür länger als gewöhnlich. Seine Hand will ihm Schwierigkeiten machen, vielmehr die alte Narbe, die die Handfläche seiner Rechten teilt und heute schmerzt, dass jeder Handgriff eine kleine Tortur ist. So rächt sich die ruhelose Nacht auf ihre Weise. Aber sich die Blöße zu geben und sich helfen zu lassen, mag sich der Hausherr nicht geben. Das Meiste gelingt auch einhändig, kostet nur deutlich mehr Zeit. Und so haben sich alle schon längst in der Küche eingefunden und warten, als sich endlich auch Shalhor blicken lässt. „Guten Morgen allerseits. Haben alle gut geruht und sind wohl auf?“ „Jawohl Mylord, guten Morgen“, erwidern Knechte und Mägde fast einhellig, nur Eine nicht … Kaya. Wie am Abend zuvor, als sie sich hier zum Essen versammelt haben, steht sie wieder in der Tür zur Waschküche. Vielleicht hat sie auch wieder beim Anrichten geholfen, ein zwölftes Gedeck liegt allerdings nicht auf dem Tisch und sie wagt sich auch nicht heran, als mit ihm alle anderen an ihre Plätze treten. Jetzt wäre eigentlich der Moment, jemandem mit dem Dankgebet zu betrauen, doch seine Augen schleichen sich dieses Mal ganz unverhohlen zu seinem kleinen Hausgast und ruhen ein paar Herzschläge lang auf dem Kinde, während auch niemand anderes etwas zu sagen wagt. Statt nun jemanden auszuwählen, weicht er vom gewohnten Prozedere ab und fragt: „Ist jemand unter uns, der eine Bitte vortragen möchte?“ Jeder hier im Raum, weiß, wem diese Frage eigentlich gilt und alle Blicke wandern zu dem Mädchen dort im Türrahmen. Manche aufmunternd, manche neugierig, Elisa allerdings sehr ungeduldig.
Man sollte keine Dummheit zweimal begehen, die Auswahl ist schließlich groß genug!

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Kaya

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27

Sunday, September 13th 2015, 11:27am

Schon als die ersten gedämpften Geräusche und Stimmen an Kayas Ohr dringen ist sie wach. Einen Moment lang starrt sie einfach nur mit offenen Augen den Sessel an und lauscht in die Tiefen des Hauses. Doch offenbar macht niemand Anstalten, nach ihr sehen zu wollen. So steht sie schließlich auf, streckt und reckt sich gähnend und greift sich ihren Beutel. Darinnen sucht sie nach einem in Tuch eingeschlagenen Tiegel. Kaum gefunden hüpft sie damit von den Sesseln herunter und kniet sich, sich das Wolfsfell von den Schultern ziehend, auf den kalten Boden. Uki vor sich ausgebreitet beginnt sie das Leder einzufetten, damit es auch schön und lange erhalten bleibt, und anschließend kräftig zu walken. Eine Arbeit, bei der ihr ihre Mutter normalerweise hilft, weil es alleine zeit- und vor allem kraftaufwändig ist. Doch Kaya ist geduldig, denn es geht um Uki. Nach getaner Arbeit wischt sie sich die Finger an dem Tuch ab (und sicherheitshalber noch einmal an ihrer Hose), in das sie das Tiegelchen wieder einwickelt, das wiederum zurück in ihren Beutel wandert.
Das Fell nun wieder über den Schultern öffnet Kaya die Tür zur Waschküche. Doch bei ihrem ersten Schritt hinein hält sie inne, als sie etwas Flaches, Kühles unter ihrem nackten Fuß spürt. Diesen hebend blickt sie hinab und beobachtet, wie sich eine Münze von ihrer Sohle löst und zurück auf den Stein fällt. Nun nicht mehr ganz so ordentlich nebeneinander liegt dort eine Reihe Münzen. Nicht irgendwelche Münzen allerdings. Es sind Kayas, die sie in der Nacht für das Essen zurück gelassen hat. Mit gerunzelter Stirn hockt das Mädchen sich hin und starrt ratlos darauf. Der Ausdruck auf ihrem Gesicht wandelt sich allmählich von fragend zu grimmig. Wenn sie ihre Münzen nicht wollen, dann eben nicht. Aber wehe, man wirft ihr später vor, sie würde sich ohne Gegenleistung durchfuttern! Schnaubend sammelt Kaya das Münzgeld wieder ein und bringt es zurück in ihre Geldkatze.

In der Küche sind die Mägde bereits dabei den Tisch einzudecken. Das Mädchen sieht ihnen vom Türrahmen her wieder zu. Noch immer nimmt man keine Notiz von ihr. Vielleicht mal ein kurzer Blick, als man sie bemerkt, aber mehr auch nicht. Für einen Moment ist sie versucht, es den anderen gleich zu tun und sich nur um sich selbst zu kümmern. Dann aber entscheidet sie, noch einmal ihren guten Willen zu beweisen. Sie will ja mal nicht so sein, schließlich darf sie hier bleiben. So hilft sie wieder beim Eindecken des Tisches, ohne ein Dankeschön oder wenigstens ein Lächeln zu erhalten. Als nach und nach auch die anderen Bediensteten eintreffen, sich grüßen und unterhalten, wandert Kayas Blick von einem zum anderen. Innerlich seufzt sie tief. Ihre Mutter fragt sie morgens stets, was sie in der letzten Nacht geträumt habe.
Das Erscheinen des Hausherrn lässt die Anwesenden leiser werden und seinen Morgengruß gemeinsam erwidern. Einen Augenblick lang verharren Kayas grün-braune Augen auf ihm, als könnte sie ihn dazu bringen, herzuschauen. Dann senkt sie den Blick und presst die Lippen aufeinander. Er sieht sie immer noch nicht an und Kaya versteht überhaupt nicht so recht, womit sie diese Ignoranz überhaupt verdient hat. Als sie jedoch des Elben Stimme vernimmt blickt sie auf und stutzt plötzlich überrascht, da seine blaue Augen sich doch tatsächlich ihr zugewendet haben. Kaya braucht zwei Herzschläge, um sich zu fangen und sich seiner Worte bewusst zu werden. Insgeheim hofft sie, dass er ihr die Überraschung nicht ansehen konnte. Da wenden sich auch die anderen am Tisch ihr zu und Kayas Blick wandert von einem zum anderen. Niemand schaut vorwurfsvoll, niemand ablehnend, nur diese Elisa wirkt ein wenig… genervt, vielleicht?
Kaya schluckt unwillkürlich, als sich ihre Augen wieder auf den Elben heften. Eine Bitte? Naja, es wäre schon schön, mit diesen Leuten an einem Tisch zu sitzen und gemeinsam mit ihnen zu frühstücken, öffnen sich ihre Lippen bereits, noch bevor sie gedanklich bei einem „Aber“ angelangt ist. Schlagartig besinnt sie sich und schließt den Mund wieder, ohne dass ein Laut über ihre Lippen gekommen ist. Stattdessen schiebt sich ihr Kinn ganz allmählich trotzig vor, während sich gleichzeitig ihre Nase etwas kräuselt und die Brauen tiefer sinken. Was glaubt er eigentlich? Dass sie seinen Launen folgt wie ein junges Hündchen? Und das vor allen Anwesenden?
Ohne die Augen, in denen es eigensinnig funkelt, von „seiner Lordschaft“ zu nehmen, macht sie einen Schritt rückwärts und will ihnen allen im nächsten Augenblick eigentlich den Rücken zukehren. ‚Wölfchen?‘ Kaya schnaubt widerwillig. ‚Wölfchen!‘ Ein kleines Knurren. ‚Kaya!‘ ‚Aaaaach, Mama!‘ Da setzt sie sich mit Schwung auf den Stuhl, der direkt neben dem Türrahmen steht, zieht die Beine an, legt die Arme darum und bettet ihr Kinn auf ihre Knie. Die Kiefer fest aufeinander pressend starrt sie trotzig auf den Steinboden. Sie bleibt nur, um ihren guten Willen zu beweisen. Und das auch nur, weil er sie angesehen hat. Nur deshalb. Hunger hat sie nämlich eh keinen.

Shalhor

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28

Friday, September 25th 2015, 5:53pm

Keinen Wimpernschlag lässt Shalhor das Mädchen aus den Augen, beobachtet aufmerksam jede ihrer Regungen von dem Moment an, da sie aufblickt und ihre Augen genau auf seine treffen. Sie kann vor ihm schlecht verbergen, überrascht zu sein. Es würde ihn wundern, wenn es anders wäre, denn es ist die natürliche Reaktion auf unerwartetes Verhalten und darauf zielt er auch ein klein wenig ab. Wenn schon keine Nacht allein in einem fremden Haus (was ein Kind, dass eine Frau wie Yara’Sanchale Mutter nennt wohl auch nicht sonderlich beeindruckt) ihrem Starrsinn beikommen kann, dann vielleicht ein Signal, dass er ihr gern entgegen kommen würde, eines mit dem sie auch nicht rechnet, das ihren dummen Starrsinn überrumpelt. Und für einen Moment sieht es auch ganz danach aus. Als ihr Blick nach einem Rundflug über die Gesichter aller Anwesenden zurückkehrt, setzt sie zu sprechen an … und entgleitet ihm wieder. Ihre Züge strotzen schlagartig vor Trotz und knurrend zieht sie sich vor ihm zurück, um sich bockig auf einem Stuhl neben der Tür niederzulassen. Shalhor ist brüskiert, dass sie ihm zum zweiten Mal in seinem eigenen Haus anknurrt, just als er einen Schritt auf sie zugetan hat – ein Gebaren, welches er auch heute keinesfalls tolerieren kann, schon gar nicht, wenn sie sich ihm so offenkundig widersetzt. Er muss sie reglementieren. um seine Autorität zu wahren. „Also gut, solange Kaya lieber Eigen- statt Gemeinschaftssinn haben möchte, soll sie auch in ihrem eigenen Gemach bleiben“ und hoffentlich bald merken, dass sie es viel angenehmer haben kann, wenn sie ihn nicht dauernd anknurrt wie ein Wolfsjunges in der Flegelphase. „Elisa, zeig ihr ihr Zimmer und nach dem Morgenmahl bringst du ihr ein Frühstück hinauf.“

„Jawohl Mylord“, knickst Elisa, die wie jeder Andere am Tisch noch hinter ihrer Stuhllehne steht. Niemand wird Platz nehmen, bevor der Dank gesprochen wurde und der Hausherr den Anfang macht und nun hält diese kleine Kratzbürste sie alle davon ab. Muss die sich denn auch ausgerechnet zum schmollen in die Küche pflanzen, dass seiner Lordschaft der Appetit ja vergehen muss. Nun ja, dann wird sie das anstrengende Wildlingskind eben schnell in das Zimmer verfrachten, dass der Herr für sie vorgesehen hat. auch wenn es viel zu schade für die ist und dann können sie endlich in Ruhe essen. Sie hat schon so einen Hunger. „Wenn Du mir bitte folgen würdest“, ist sie an die Kleine herangetreten und deutet mit der Hand zur Tür, die zur Großen Halle führt. Schneller ginge es natürlich über die Gesindetreppe, aber das würde seiner Lordschaft sicherlich missfallen, wenn er sie trotz allem als seinen Gast betrachtet. Einen von ihnen hätte erlängst vor die Tür gesetzt. Aber was soll’s, je schneller sie es hinter sich bringt, desto eher kann sie futtern.
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Kaya

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29

Sunday, September 27th 2015, 1:07am

Auch wenn es nicht so aussehen mag, weil sie weiterhin auf den Boden starrt, so hört Kaya doch ganz genau zu, als der Hausherr spricht. Kurz zuckt die Nase eigenwillig, als er meint, wieder ohne sie direkt anzusprechen, sie solle in ihrem „Gemach“ bleiben. Einerlei. Wenn man sie sowieso nicht am Tisch haben will, ist es Kaya egal, ob sie hier sitzt oder in einem anderen Zimmer. Wider Erwarten scheint er allerdings nicht das Zimmer zu meinen, das sie sich letzte Nacht ausgesucht hat. Denn er bittet, nein, er verlangt von dieser Elisa, ihr „ihr“ Zimmer zu zeigen. Kayas Augen wandern zu Elisas Füßen, als diese bei ihr steht und möchte, dass das Mädchen ihr folgt. Sie mag sie bitten, doch Kaya kann ihrem Tonfall ganz genau entnehmen, dass die Frau offenbar genauso wenig begeistert über diese Aufgabe ist wie sie selbst. Trotzig wandert ihr Blick an Elisa hinauf bis sie sie ansehen kann, dann an ihr vorbei und hinüber zu dem Elben.
Schnaubend erhebt Kaya sich, doch anstatt Elisas Wink zur Tür auf der anderen Seite der Küche zu folgen, wendet sie sich der Tür zur Waschküche zu. Das empörte Luftholen der Magd ignoriert sie. Plötzlich versteift sich Kayas kleiner Körper alarmiert und lässt sie mitten im Schritt inne halten. Nicht einmal einen Wimpernschlag später schlägt die Tür vor ihr mit Wucht und einem Knall, der ihr noch kurz in den Ohren dröhnt, zu. Ein feiner Lufthauch streift ihre Wangen. Das Wolfsmädchen hat zwar mit keiner Wimper gezuckt, doch die Augen sind erschrocken geweitet. Zwischen Kayas Nasenspitze und Tür würde vielleicht gerade noch ein Blatt Pergament passen. Uki hingegen hat durchaus mit dem harten Holz Bekanntschaft gemacht. Ganz langsam rutscht der Wolfskopf von ihrem Haupt und gibt ihre braunen Locken frei. ‚Magie‘, geht es ihr durch den Kopf, während ihre Augen über die Tür gleiten. Leise lässt sie den angehaltenen Atem durch die Nase entweichen und löst die angespannten Muskeln.
In diesem Raum befindet sich also mindestens ein Magiebegabter. Kaya wendet sich langsam um und lässt ihren Blick über die Anwesenden Gesichter bis hin zu jenen strengen, blauen Augen wandern. Wer von ihnen Magie gewirkt hat, könnte sie nicht sagen. Sie hat nichts gehört und nichts gesehen, nur das Kribbeln in der Luft gespürt als es geschah. Eines aber ist sicher. Dieser Shalhor hat hier zweifelsohne das Sagen, was sie unweigerlich dazu führt, mit ihm sprechen zu müssen. „Ich möchte nur meine Sachen holen“, erklärt sie sich, sieht ihn dabei fest an und wartet auf eine Reaktion. Zurücklassen möchte sie ihr Hab und Gut nicht, wer weiß, wann sie sonst Gelegenheit bekommt, es zu holen. Ein Nicken soll seine Antwort sein. Noch einmal wandert Kayas Blick abschätzend über die Anwesenden, ehe sie sich umdreht und die Tür ohne Zögern öffnet und hindurch geht.

Den Lagerraum durchschreitet Kaya recht gemächlich, als hätte sie alle Zeit der Welt, und reibt sich dabei die dünnen Arme, denn es fröstelt sie ein wenig. Diese Art von Magie ist so völlig anders als die, die sie selbst zu wirken in der Lage ist. Viel weniger fassbar, was sie in ihren Augen unbegreiflicher und vor allem gefährlich macht. Das Mädchen muss sich etwas strecken, um über die Sessel hinweg nach ihrem Beutel zu greifen. Einen Moment lang drück sie ihn gegen ihre Brust und schielt zu der Tür, die in den großen Saal führt. Wenn sie sich eilt, würde man ihr Verschwinden erst bemerken, wenn sie schon einen Vorsprung hat. Dann aber wendet sie sich ab und kehrt um. Ihre Mutter hat sie nicht ohne Grund hergeschickt. Und außerdem… ist sie neugierig geworden.
Mit geschultertem Lederbeutel tritt sie in die Küche, in der sie von Elisa ungeduldig erwartet wird. Einen kurzen Blick wirft sie der Magd zu, ihr zu bedeuten, dass sie nun mitkommen würde. So folgt sie ihr die lange Tafel entlang. Auf Höhe des Hausherrn hält sie jedoch inne und schaut ihn an. Den Trotz hat die Tür für den Moment von ihrem Antlitz gefegt. Wachsamkeit hat sich stattdessen auf ihre Züge geschlichen und Neugierde schimmert zunächst noch zurückhaltend in ihren Augen. Worte verliert sie keine und eilt der ungeduldigen Magd nach zwei Herzschlägen auch schon hinterher.

Elisa führt sie eine der großen Treppen hinauf in die obere Etage. Sofort blickt sich das Mädchen um, sich einen Überblick zu verschaffen. Doch bereits der erste Raum bannt ihren Blick. Verschiedenste Pflanzen, Blumen wie Sträucher und kleine Bäumchen, wachsen in kleinen Beeten oder großen Töpfen. In diesem Raum mit zwei riesigen Fensterfronten grünt es wie in einem kleinen Garten. Innerhalb eines Hauses hat Kaya so etwas noch nicht gesehen. Fasziniert steht sie im torlosen Zugang und lässt sich diesen seltenen Anblick gefallen. Gerade will sie einen Fuß hinein setzen, da sichert sich Elisa mit einem Räuspern die Aufmerksamkeit des Mädchens. Widerwillig nur wendet Kaya sich ab und folgt der Magd weiter den Wandelgang entlang. Nur wenige Schritte weiter geht Elisa rechterhand durch eine Tür, die in einen winzigen Raum oder Flur führt, von dem drei weitere Türen abgehen. Davon öffnet die Frau die Rechte und bedeutet Kaya hineinzugehen.
Beim Eintreten wandern die Augen des Mädchens geradewegs über einen kleinen runden Tisch, an dem zwei Stühle stehen. Dahinter in der Zimmerecke ragt ein offener Kamin in den Raum hinein. Als Kaya aber den Blick schweifen lässt, wird dieser sofort von dem Bett eingefangen, denn auch so etwas hat sie noch nicht gesehen. Zwei flache Stufen führen hinauf zu einer Liegestatt, deren Matratze, Kissen und Decke in eine riesige, in zartem Perlmutt schimmernde Muschelhälfte eingebettet sind. Die Tür hinter Kaya fällt ins Schloss und mit einem kurzen Blick über die Schulter versichert das Mädchen sich, tatsächlich alleine zu sein. Langsam nähert sie sich dem Bett und steigt die Stufen hinauf, es sich ein wenig genauer anzusehen. Ob es tatsächlich solch riesige Muscheln gibt? Kaya kennt nur kleine, höchstens Handtellergroße, aber wer weiß schon, welche Sonderheiten in den Tiefen der Meere verborgen liegen.
Als sie die Stufen wieder herunter steigt wirft sie noch einen Blick auf den Kleiderschrank und die Kommode. Neben dem Schreibtisch tritt sie an eines der Fenster heran und besieht sich das von hier einzusehende Grundstück. Als ihre Augen Richtung Horizont wandern staunt sie nicht schlecht, von hier sogar den Ildorel sehen zu können. Nach einer Weile kehrt sie dem Ausblick wieder den Rücken. Obwohl neugierig, fasst Kaya nichts an. Etwas anzufassen hieße, zuzugeben, dass sie neugierig ist. Etwas in diesem Raum zu nutzen hieße, dies als „ihr“ Zimmer zu akzeptieren. Doch so weit ist Kaya noch nicht. Doch was nun? Unschlüssig dreht Kaya sich einmal um sich selbst. Tief ausatmend lässt sie sich schließlich in der Raummitte mit Blick auf die Fenster auf den Boden sinken und starrt von dort aus in den Himmel. Herzschlag um Herzschlag vergeht. Bald schon lauscht sie unbewusst dem Schlagen ihres eigenen Herzens. Das einzig Vertraute in dieser fremden Umgebung. Und auf einmal vermisst sie ihre Mutter so sehr.

Shalhor

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30

Sunday, November 8th 2015, 6:28pm

Kaya würde einen Fehler begehen anzunehmen, man würde ihr verschwinden nicht bemerken. Shalhor jedenfalls denkt gar nicht daran, sich nun dem Morgenmahl zu widmen. Die Hände auf der Stuhllehne vor ihm ruhend, wartet er ihre Rückkehr ab und mit ihm gezwungenermaßen alle anderen auch, denn niemand würde wagen, vor seiner Lordschaft Platz zu nehmen. Es ist mehr als die Frage, ob er ihr trauen kann, die ihn abwarten lässt, auch mehr als die Absicht, ihr vor Augen zu führen, dass sich ihr Handeln auf die gesamte Gemeinschaft dieses Hauses auswirkt. Es ist ihre Reaktion, die ihm zu denken gibt, so vollkommen anders als erwartet, so wenig kindlich und unerfahren. Dieser Blick mit dem das Mädchen jeden Einzelnen zu durchdringen suchte, diese prüfenden Augen, die vermutlich mehr gesehen hatten, als die meisten Menschen bis an ihr Lebensende zu Gesicht bekommen. Das war nicht der Blick eines Kindes, so wie sie keines mehr ist, kein gewöhnliches zumindest. Ist er es mir ihr vielleicht falsch angegangen?

Kaya hält Wort. Mit ihrem Beutel kommt sie zurück, doch was hat sich geändert? Shalhor registriert aufmerksam, dass Yaras Tochter Elisa nicht mehr keines Blickes würdigt, wie auch der Dienstmagd nicht entgangen ist, dass das Mädchen ihr nun zu folgen Willens ist und sich eilends anschickt, seiner Anweisung nachzukommen. Und dann dieser eine Augenblick! Kaya ist auf seiner Höhe angelangt, als sie verharrt und ihn ansieht, anders ansieht als zuvor, so vollkommen anders, dass er ihr nachsieht, als sie geht … mehr noch, er fasst einen Entschluss, der seine Entscheidung zuvor über den Haufen wirft.

Elisa ist noch nicht zurück, als er Halla bittet, den Dank für sie alle zu sprechen. Die Plätze haben sie jedoch gerade erst eingenommen und jeder langt herzhaft zu, sich für den Tag und die Aufgaben, die er bringt, zu stärken. Shalhor allerdings lässt sich von Elisa ein Tablett reichen. Neben den Speisen, die er für Kaya auswählt, finden auch jene auf das Tablett, die er bevorzugt. „Ademas, schick nachher gleich einen Boten zu Werft und Reederei. Ich lasse ausrichten, dass ich heute … dass ich die nächsten Tage nicht abkömmlich bin. Lanzir wird mich vertreten und mir jeden Abend Bericht erstatten..“ Besagter Lanzir, sein Companion ist ein vielversprechender junger Mann, ob seiner Jugend doch sehr besonnen und mit hellem Verstand gesegnet, vielleicht eines Tages genau der Mann, der sein Erbe hierzulande antreten kann und ihm die Freiheit der Heimkehr schenkt. „Sehr wohl Mylord“, antwortet der Hausknecht und schaut nicht weniger neugierig als die Mägde auf das Tablett, dass ganz eindeutig nicht nur für eine Person gerichtet ist. Shalhor kann sich leisten, ihnen eine Erklärung schuldig zu bleiben und wüsste genau genommen auch keine, mit der er seine Meinungsänderung glaubhaft vertreten könnte. – nicht einmal vor sich selbst. Inkonsequent nennt ihn die mahnende Stimme seines Verstandes und möglicherweise hat sie Recht … vielleicht aber auch nicht. Etwas hat sich verändert, an ihr … an ihm?

„Uki ist wohlauf?“ Das Tablett in den Händen, hat Shalhor die Türklinke mit dem Ellenbogen herunter gedrückt und stößt die Tür nun, da er Kaya auf den Boden sitzend vorfindet, mit der Ferse zu. Ohne Eile stellt er das Tablett neben ihr auf den Boden und setzt sich wie selbstverständlich dazu, mit verschränkten Beinen auf das blanke Parkett statt auf einen der Sessel. Eine geraume Weile sitzt er so schweigend neben ihr, blickt wie sie hinaus in das sanfte Farbenspiel des Morgenhimmels und schenkt sich schließlich Tee aus einer hübschen, bauchigen Kanne ein, bevor er die Stille bricht. „Wie sahen deine Tage aus, wenn ihr nicht auf Reisen wart? Worin hat dich Yara’Sanchale unterwiesen? Kannst du lesen? Schreiben? Rechnen? Gibt es etwas, dass du selbst gern erlernen möchtest?“
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This post has been edited 1 times, last edit by "Shalhor" (Nov 8th 2015, 6:36pm)


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