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Shalhor

Stadtbewohner

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1

Saturday, July 11th 2015, 11:03pm

Taresnar

Taresnar wurde in den Jahren 371 bis 375 erbaut und befindet sich noch heute im Besitz des Bauherren Shalhor aus dem Hause Danjafaên.

Das großzügige Anwesen ist im Südosten des Seeviertels direkt an die Uferpromenade grenzend gelegen und wird von einer halbhohen Mauer aus talyrischem Buntsandstein begrenzt. Sie ließe sich ohne allzu große Anstrengungen überwinden. Anzuraten ist das allerdings nicht, denn das Anwesen wird von vier unbestechlichen Faêntjaresbewacht, die Jeden stellen, der sich abseits der Hauptwege bewegt, sofern er nicht zum Haushalt des Hausherren gehört. Gegenüber anderen Raubtieren hingegen verteidigen sie ihr Revier naturgemäß unerbittlich, aollten diese wagen, auch nur eine Pfote, Tatze oder Pranke auf das Anwesen zu setzen.

Vom Tor an der Straße führt ein mit Bruchstücken des Buntsandsteins gepflasterter Zufahrtsweg direkt an den südseitigen Vorplatz des Hauses - groß genug, dass ein Fuhrwerk das Wasserbecken in dessen Mitte bequem umrunden kann. Auf dem Wasserbecken „ankert“ eine bronzene Schiffsskulptur, deren Mast einen Schatten auf die im Beckenrand angelegte Sonnenuhr wirft und den Hausbewohnern mit einem Blick aus dem Fenster die Tageszeit anzeigt - Sonnenschein vorausgesetzt.

Zwischen zwei Erkertürmen führen drei Stufen hinauf an das große Portal aus Eichenholz, ein beeindruckendes Beispiel talyrischer Handwerkskunst, denn auf den Flügeltüren wollen in einem meisterlichen Relief eine Menschenfrau und ein Elb einander gerade die Hände reichen. Werden die Türen geöffnet, weisen ihre Hände wiederum einladend ins Hausinnere und erinnern an die Geselligkeiten vergangener Tage. Über ihren Häuptern glänzen die Worte Arien ayrkiot Zêan in silbernen, elbischen Lettern ins Mauerwerk getrieben. Einen Türklopfer wird man an diesem Portal vergeblich suchen, dessen dumpfes Klopfen sich in der Größe des Hauses verlieren würde. Stattdessen findet man einen Klingelzug, der eine Glocke in der Großen Halle hell erklingen lässt, die in jedem Raum zu hören ist.

Das Haus betritt man über das Entree, einem kleineren holzgetäfelten Vorraum mit einem Mosaik im Granitboden, dessen Symbolik jedem Seefahrer vertraut ist. Die bleiverglasten Innentüren gewähren hier bereits einen Blick auf die Große Halle und die sechs schlanken, goldgelben Marmorsäulen in deren Mitte, die sich über beide Stockwerke erheben und ein verspieltes Oberlicht tragen, dass die ansonsten fensterlose Halle in ein zauberhaftes Lichtspiel taucht. Ohne dies könnten die Teichrosen im wassergefüllten Marmorbecken nicht gedeihen. Auch die Wände dieser Halle sind gediegen vertäfelt, unterbrochen von weiteren Marmorsäulen, die sich im Untergeschoss an die Wände schmiegen und im Oberen den Wandelgang umrahmen und dessen gedrechseltes Geländer leiten. Auf der gegenüberliegenden Seite des Entrees wird die gesamte Front von drei bleiverglasten Flügeltüren eingenommen, die in den Ballsaal führen. Seit 405 FZ, dem Tod seiner geliebten Tochter Nôravendis, einer Heilkundigen im Dienst der Stadtgarde, die bei Liam Cailidh in der Schlacht gegen die Narge fiel, gehören Bälle, Konzerte oder Bankette allerdings der Vergangenheit an. Ihr Bildnis findet sich über dem rechten der beiden großen Kamine gegenüber dem Portrait ihrer Mutter, einer talyrischen Schönheit, jedoch unverkennbar sterblicher Natur.

Blickt man in der Großen Halle zurück, kann man zu beiden Seites des Entrees Treppenaufgänge in die obere Etage entdecken. Das erste Augenmerk werden allerdings zwei übermannsgroße, erhabene Statuen auf sich ziehen, zu dessen Füßen leuchtende Kristalle einen gedämpften goldenen Schein verströmen. Es sind die Abbilder der Gottheiten Amur und Vendis, die in diesem Hause eine besondere Verehrung erfahren.

Untergeschoss

Ballsaal
Arbeitszimmer & Bibliothek
Küche & Waschküche
Salon
Latrinen

Obergeschoss

Botanikum (im Ostflügel):
Kindergemach (im Ostflügel):

Herrengemach (im Ostflügel):
Shalhors Gemach ist einer der Räume, die mit kostbaren Parkett ausgelegt sind. Doch der erste Blick, wenn man dieses Turmzimmer betritt, gleitet unweigerlich zur großen Fensterfront im Halbrund, deren fantastischer Ausblick hinaus auf die endlose Weite des Ildorel entführt. Davor auf einer zweistufigen, kreisrunden Empore aus geschliffenem Basalt thront die Bettstatt des Hausherren, ein riesiges, rundes Bett eben diesem Ausblick zugewandt, ebenso eine kleine Sitzgruppe, an der der Hausherr ganz intim frühstücken oder zu Abend speisen könnte, so es ihm beliebt. Die Raumdecke über der Empore öffnet sich zu einer Kuppel, deren Raffinesse man jedoch erst entdecken kann, wenn man darunter steht beziehungsweise liegt, denn sie ist verspiegelt (und es gab eine Zeit, da wusste sich Shalhor daran zu erfreuen). Allerdings wird dieses kleine "Geheimnis" von einem Caidkenisyamar "bewacht", dessen wundervoll dicker Pelz immerhin anderhalb Schritt misst und sein Schwanz ist beinahe ebenso lang und flauschig dick. Seine nachgebildeten, eisblauen Augen aus Glas blicken zur Tür, als wollen sie jeden prüfen, der dieses Gemach betritt.
Im vorderen Teil des Gemaches beherbergen zwei große Kleiderschränke Shalhors Gewänder. Auf einem hölzernen Torso neben dem offenen Kamin sind Kettenhemd und Harnisch aufgebockt, dahinter an einem Waffenständer werden neben dem Waffengurt samt Wogenklinge, Harpunen unterschiedlicher Größe und ein Dreizack verwahrt.


Gästegemach (im Westflügel):
Speisesaal (im Westflügel):
Gesindekammern (im Nordflügel):

Grotte
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Shalhor

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2

Thursday, July 30th 2015, 11:20pm

NSCs

Xilian- Stallknecht (für das Wohl von Reit-, Kutschpferden und Hunden verantwortlich)
Ademas - Hausknecht (schwerere Arbeiten und einfache Reparaturen)
Gerndal - Gärtner

Adele - Oberste Magd / gutmütige Mittvierzigerin / brünett / braune Augen
Elisa - einfache Dienstmagd / Anfang 30 / kupferrotes, langes Haar / braune Augen
Jorindel - einfache Dienstmagd / Mitte 30 / weizenblond / graue Augen / schüchtern
Fine - einfache Dienstmagd / Anfang 50 / ergraut / hellblaue Augen
Marthe - Wäschemagd
Halla - Köchin
Gesine - Küchenhilfe

Crona - Hündin / Faêntjara
Tyalo - Rüde/ Faêntjaro
Haêra - Hündin/ Faêntjara, eine Tochter von Crona
Draûga - Hündin/ Faêntjara, eine Tochter von Crona
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Kaya

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3

Saturday, August 1st 2015, 4:22pm

Anfang Beerenreif 515

Mit schmollend verzogenen Lippen, die einander kneten und immer wieder von den Zähnen malträtiert werden, steht Kaya vor dem offenen Tor eines mehr als großzügigen Anwesens im Südosten des Seeviertels. Ihre grünbraunen Augen wandern den mit Bruchstücken von Buntsandstein gepflasterten Zufahrtsweg entlang, hoch zu dem zugegeben beindruckenden und sicher riesigen Gebäude. Schon zum dritten Mal steht das Wolfsmädchen vor diesem Tor und starrt dort hinauf, betrachtet die beiden prächtigen Erkertürme. Doch noch immer wagt sie es nicht, das Grundstück zu betreten. Stattdessen seufzt das Kind tief und wendet den Blick wie die Male zuvor wieder ab, ihren Beutel mit ihrem wenigen Hab und Gut über die linke Schulter zu hieven und erneut kehrt zu machen.
Ihre rechte Hand streicht über die sauber gemauerte Buntsandsteinmauer, während Kaya diese mit nachdenklich gesenktem Haupt linkerhand entlang schlendert. Ihre Füße tragen sie einige Schritte weit, bis sie sich nicht mehr in der direkten Nähe des Tores befindet. Mit einem weiteren tiefen Seufzen lehnt sich das Mädchen mit dem Rücken gegen den Sandstein und lässt sich langsam daran herabsinken. Der Beutel fällt achtlos zu Boden. Während sie ihre Beine heranzieht, schiebt ihre Rechte das Wolfsfell über ihr Haupt. Das Kinn auf ihre Knie gebettet, starrt sie eine Weile gedankenverloren vor sich. Ihre Finger tasten unter ihr Hemdchen und angeln nach einem Amulett, das sich an einem Kettchen kühl um ihren Hals und an ihre Brust schmiegt. Kaya wendet das runde Ding in ihrer Hand, so dass die in das Messing gravierte Inschrift zu sehen ist. Lesen kann sie die elbischen Zeichen nicht und dennoch weiß sie, was dort eingraviert ist. ‚Ehre krönt Tugend‘, prangt dort in kunstvoll geschwungenen Lettern, so hat ihre Mutter ihr verraten. Was auch immer das bedeuten mag.

„Anaana…“ Erst knapp drei Siebentage ist Yara fort, doch für Kaya fühlt es sich an, als wären es drei Monde. Dabei ist es nicht so, als wäre sie es nicht gewohnt, dass ihre Mutter sie für ein paar Siebentage alleine lässt, wenn die Jagd ruft. Doch für gewöhnlich, wenn sie auf eine Jagd geht, auf die Kaya nicht mit kann, quartiert ihre Mutter sie in einem kleinen, unauffälligen Gasthaus ein, in dem man keine Fragen stellt, wenn sie einige Siebentage im Voraus bezahlt. Dieses Mal allerdings ist es anders. Einen Siebentag nur hat Kaya bei Schâlik im Wegesend verbracht. Und das auch nur, weil das Mädchen so lange gequängelt hat, bis Yara schließlich mit einem tiefen Seufzen nachgegeben hat.
Denn eigentlich hatte ihre Mutter sie von Anfang an in der Stadt lassen wollen. Nicht in einem Gasthaus aber. Nein, stattdessen gab sie ihr dieses Messing-Amulett und beschrieb ihr das Anwesen. Das Wolfsmädchen hatte sich zunächst geweigert das Ding anzunehmen. Denn sie wusste sofort, was dies bedeutete. Ihre Mutter würde länger fortbleiben. Und viel schlimmer: sie konnte Kaya nicht sagen, wann sie zurückkäme. Akzeptieren wollte das Mädchen das zunächst nicht und so war sie ihrer Mutter heimlich aus der Stadt gefolgt, als diese so plötzlich, fast überstürzt aufgebrochen war. Nun ja, weniger heimlich, als sie angenommen hatte. Yara hatte sie zum Wegesend geführt. Dort haben sie lange gesprochen. Einen Siebentag, hatte ihre Mutter schließlich eingewilligt. Einen Siebentag und dann sollte Kaya zurück in die Stadt gehen, wenn sie noch nicht zurück wäre.
Yara kam nicht. Zwar hatte Kaya noch zwei weitere Tage heraushandeln können, doch dann hatte Schâlik sie schließlich vor die Tür gesetzt, ganz so, wie ihre Mutter ihm aufgetragen hatte. Doch zur Stadt war Kaya nicht sofort gegangen. Einige Tage ist sie durchs Larisgrün gestreift und hat nach Spuren gesucht, die sie zu ihrer Mutter führen sollten. Gefunden hat sie keine und schließlich haben ihre Füße sie doch wieder durch die Stadttore getragen. Taresnar, so nennt sich das Anwesen, hat sie schon von Anfang an beeindruckt. Eingestehen wollte sie es sich aber anfangs nicht. Und nach einem ersten Mustern aus der Ferne, hat sie wieder kehrtgemacht. Sie hatte keine Ahnung, wer dort lebt und fühlte sich irgendwie völlig fehl am Platze.
Also war sie einige Tage durch die Stadt gestreift, hatte auf der Straße geschlafen, während sie versuchte, etwas mehr über den Hausherren herauszufinden als seinen Namen, den ihr ihre Mutter verraten hat. Viel hat das Mädchen allerdings nicht in Erfahrung bringen können. Shu`re Shalhor aus dem Hause Danjafaên, wird er genannt. Ein Windelb mit heller Haut und hellem Haar, der eine Werft und eine Reederei besitzt. Einmal hat Kaya ihn gesehen, dort am Hafen, aus der Ferne. Sie hat ihn beobachtet, war ihm gefolgt, bis sie schließlich wieder vor den Toren Taresnars gestanden hatte. Und doch war sie wieder gegangen.

Mit dem Daumen streicht das Wolfsmädchen über die Inschrift und legt schließlich ihre Finger an den Rand des Amuletts, es zu öffnen. Vorsichtig klappt sie den Deckel mit den elbischen Zeichen nach oben und mustert das darunter zum Vorschein kommende Instrument. Mit den Augen verfolgt sie die mittig von einem Saphir gehaltene Nadel unter dem wertvollem Glas, die sanft hin und her wiegt, bis sie schließlich zum Stehen kommt. Ein Kompass, hat ihre Mutter ihr erklärt. Die Nadelspitze zeige immer in eine Himmelsrichtung, nach Norden. Ein hübsches, unscheinbares und doch sicher sehr wertvolles Ding.
Mit einem Seufzen klappt Kaya den Kompass wieder zu, lässt das Amulett wieder unter ihrem Hemdchen verschwinden und lehnt dabei den Hinterkopf gegen die Mauer, den Blick in den blauen, nur leicht bewölkten Himmel gerichtet. Ihr Magen knurrt, doch viele Münzen hat sie nicht mehr übrig. Und dazu kann sie ihre Kleidung allmählich nicht mehr riechen, von sich selbst ganz zu schweigen, rümpft sie die Nase bei dem Gedanken daran. Ob ihre Mutter schimpfen würde, wenn sie wüsste, dass sie ihren Anweisungen nicht gefolgt ist? Schwerfällig richtet das Mädchen sich wieder auf und greift nach ihrem Beutel. Dieses Mal aber schwingt sie ihn sich nicht über die Schulter, sondern hält ihn in der Hand, so dass er nur wenige Sekhel über dem Boden baumelt. Und dann macht sie sich erneut auf zum Tor mit dem Entschluss, dieses Mal tatsächlich einen Fuß auf das Grundstück zu setzen.

Tatsächlich geht sie nun den Zufahrtsweg aus Buntsandstein-Bruchstücken entlang, anstatt ihn nur mit den Augen zu verfolgen. Zu beiden Seiten des Weges erstrecken sich großzügige Wiesen, auf denen vereinzelte hübsch anzusehende Büsche voll bunter Blüten zu sehen sind, die wirken wie kleine Inseln in einem großen Meer. Im Schatten dieser Büsche dösen Hunde, Kaya kann drei sehen, mit schönem, goldenem Fell. Nicht einmal den Kopf heben die Tiere, obwohl das Mädchen sich sehr sicher ist, dass die Hunde sie bemerkt haben werden. Doch da sie ihr keine Aufmerksamkeit schenken, wendet auch Kaya den Blick wieder ab. Sie erreicht einen kleinen Platz direkt vor dem Anwesen, in dessen Mitte ein Wasserbecken steht, vor dem Kaya zum Stehen kommt. Fasziniert betrachtet sie die eindrucksvolle bronzene Skulptur, die ein sorgfältig und detailreich gearbeitetes Schiff inmitten des Wassers zeigt. Der Rand des Beckens zeigt in regelmäßigen Abständen Gravuren, die das Mädchen noch nicht ganz einordnen kann.
Also löst sie den Blick davon und wendet sich der großen Tür aus Eichenholz zu, die nicht weniger beeindruckend anmutet. Das Relief einer Frau und eines Mannes, die einander die Hände zu reichen scheinen. Stirnrunzelnd wandert Kayas Blick höher und bleibt schließlich an der silbern glänzenden Inschrift über der Tür hängen. Rasch zieht sie das Amulett hervor und vergleicht die Lettern des Kompasses mit denen über der Tür. Tatsächlich scheinen es dieselben Zeichen zu sein. Überrascht ob dieser Erkenntnis, lässt das Mädchen den Kompass wieder unter ihrem Hemd verschwinden und steigt die drei Stufen hinauf, um zu klopfen. Gerade atmet sie tief durch, da fällt ihr auf, dass ihre Augen vergebens nach einem Türklopfer suchen. Erst auf den zweiten Blick bemerkt Kaya den Klingelzug. Nach einem kurzen Zögern schließt sie ihre Finger darum und atmet noch einmal tief durch, ehe sie kräftig daran zieht und äußerlich gelassen, aber in ihrem Inneren unruhig, darauf wartet, dass jemand öffnet.

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Shalhor

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Sunday, August 2nd 2015, 11:14am

Wer mag denn das jetzt sein? Das Läuten der Glocke lässt Elisa aus der Waschküche eilen, wo sie Marthe die abgezogene Bettwäsche aus dem Herrengemach übergeben und ein kleines Schwätzchen gehalten hat. Seine Lordschaft dürfte im Augenblick eigentlich niemand mehr erwarten. Sein Companion, der junge und fesche Herr Lanzir ist kurz nach dem Käpt’n der Windgesang eingetroffen, die wohl gestern oder den Tag davor eingelaufen sein muss, was weiß Elisa schon. Nur der Gedanke an den jungen Herrn lässt sie leise seufzen, auch wenn der sie kaum wahrnimmt, wenn er seiner Lordschaft die Aufwartung macht, was ohnehin selten genug ist. Zumeist erledigt Lord Shalhor die Geschäfte außer Haus. Nun aber haben sich die Herren ins Arbeitszimmer zurückgezogen und wünschen nicht gestört zu werden. Nein er erwartet sicher niemanden und für Halla und Gesine, die Küchenmägde ist es noch zu früh. Sie sind doch erst mit Xilian, dem Stallknecht auf den Markt gefahren, um die Besorgungen zu machen.
Noch auf dem Weg durch die Küche streicht sich Elisa die Schürze glatt und tastet nach ihrem Haar, den dicken Zopf den sie sich fest um den Kopf geschlungen und festgesteckt hat, ob noch alles ordentlich sitzt und wirft in der Großen Halle einen Blick zurück, dass kein Wischeimer oder Besen herumsteht, bevor sie durch das Entree an das Portal huscht, um zu öffnen. „Grundgütiger“, entfährt ihr unvermittelt beim Anblick des sonderbaren Mädchens unter dem Wolfspelz. Mit einem der Straßenkinder hat sie nun wirklich nicht gerechnet. Wenn sich mal Eines hier her verirrt, dann meistens abends und nie kamen sie an den Haupteingang, sondern klopften artig an die Gesindepforte. Hier kann sich die Kleine aber keinesfalls länger herumtreiben, wo sie doch jeder sofort sieht, der die Einfahrt herauf kommt und das könnte ein wichtiger Geschäftspartner seiner Lordschaft sein. „Komm schnell herein, eil dich!“ Mit einem besorgtem Blick über das Mädchen vor zum Tor winkt sie die Kleine herein ohne abzuwarten, was sie wohl zu sagen hat. Sie wollen alle doch immer das Gleiche. Eine warme Mahlzeit und noch eine Nahrungsration zum Mitnehmen soll sie haben. Dann muss sie wieder gehen. Nur in bitterkalten Nächten erlaubt seine Lordschaft, diesen Kindern einen Schlafplatz auf dem Heuspeicher über dem Pferdestall zu gewähren und dann auch nur für eine Nacht. Da ist es besser, nicht nach Namen und Schicksalen zu fragen oder sonst etwas zu erfahren, dass Einem nahe geht. „Komm Mädchen, hier entlang.“ Mit einem aufmunternden Lächeln dirigiert Elisa die eingeschüchtert wirkende Kleine in die Küche, ohne sie sich erst noch in der Großen Halle umsehen zu lassen. Am Liebsten würde sie das Mädchen ja erst einmal in einen Badezuber stecken und das verlauste Fell verbrennen, denn eines von beiden verbreitet keinen besonders angenehmen Duft. Aber das geht sie natürlich nichts an und geht viel zu weit. Sie werden die Küche nachher also gut lüften müssen. „Da setz dich an den Tisch. Du hast Glück, heute gab es Stampfkartoffeln und gebratene Fleischklopse. Magst du lieber Zwiebelringe oder geraspelte Möhren dazu? Du kannst auch beides haben. Und ich glaube, vom Griespudding mit Kirschen ist auch noch ein bisschen da.“ Als Elisa dem Mädchen jedoch den Teller vor sie Nase setzt, kann sie die schmutzigen Finger gar nicht übersehen. Unter kleinen Fingernägeln schreien schwarze Halbmonde so dringend nach ein wenig Wasser und Seife, dass es Elisa schwer fällt, nichts dazu zu sagen. Mitleidig mustern ihre braunen Augen das junge Ding, als sie sich ihr gegenüber an den großen Küchentisch setzt. Eine Talyrerin ist das Mädchen auf jeden Fall nicht. Die Kleine schaut aus, als würde sie aus der Wildnis kommen, zumindest so, wie sich Elisa vorstellt, wie so jemand eben aussehen muss und dieser gruslige Wolfspelz tut sein übriges dazu. Was sie wohl nach Talyra verschlagen hat?
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Kaya

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5

Sunday, August 9th 2015, 11:39am

Lange muss Kaya nicht warten. Schon bald vernimmt sie leise, rasche Schritte und im nächsten Augenblick wird die Tür geöffnet. Das Mädchen blinzelt erst etwas überrascht beim Anblick der Frau mit den kupferroten Haaren. Schnell hat sie sich aber wieder gefasst. Natürlich lebt der Hausherr in so einem großen Anwesen nicht völlig allein und natürlich würde er wohl kaum selbst die Tür öffnen. Mindestens genauso verblüfft sehen Kaya braune Augen an, die sich aber genauso schnell wieder abwenden und an ihr vorbei blicken. Den leisen, beinahe entsetzten Ausruf ignoriert das Mädchen dabei fürs Erste. Gerade jedoch als das Wolfmädchen zum Reden ansetzen will, da winkt die Frau sie hinein. Und sie solle sich beeilen. Stirnrunzelnd wirft Kaya einen kurzen Blick über ihre Schulter, ohne dass sie jemanden entdecken könnte und findet sich sogleich nach dem Betreten des Anwesens in einem kleineren holzgetäfelten Vorraum wieder, dessen Boden mit seinem Mosaik schon unheimlich kostbar aussieht. Schon wird sie in und durch eine große Halle dirigiert, so eilig, dass sie gar nicht dazu kommt, sich dabei genauer umzusehen. Nur die goldgelben Säulen in der Hallenmitte sind ihr direkt aufgefallen.
Bevor sie jedoch den Blick nach oben richten kann, um zu sehen, was sie tragen, ist da schon die Frau über ihr und schiebt sie weiter und hinein in eine Küche, in der sie dem Mädchen ohne Umschweife bedeutet, sich an den Küchentisch zu setzen. Irritiert sieht Kaya sich zunächst in der Küche um und mustert die junge Frau, eine Magd vielleicht, während diese etwas von dem übriggeblieben Mittagstisch auf einen Teller gibt. Noch ist Kaya nicht dazu gekommen überhaupt ein Wort zu sagen, doch die Magd mit den kupferroten Haaren scheint fast Gedanken lesen zu können. Kayas knurrender Magen warnt das Mädchen jedenfalls davor, jetzt bloß nichts Falsches zu sagen. Denn das Essen riecht viel zu gut, als dass sie riskieren würde, wegen eines unbedachten Wortes wieder fortgeschickt zu werden, ohne dass sie sich zuvor den Bauch vollgeschlagen hat. So nickt sie nur artig, setzt sich auf den ihr zugewiesenen Stuhl neben den sie ihren Beutel platziert, woraufhin neben Stampfkartoffeln und gebratenen Fleischklopsen auch Zwiebelringe und geraspelte Möhren direkt vor ihre Nase gestellt werden.
Kaya muss sich zusammenreißen, nicht sofort los zu schlingen. Stattdessen beobachtet sie, wie die Frau sich ihr gegenüber an den Tisch setzt. Kaya erkennt das, was in ihrem Blick liegt und sie mag es nicht, denn es ist nicht notwendig. Es geht ihr schließlich gut, hat sie doch nur Hunger. Doch noch immer sagt Kaya nichts. Dafür senkt sie den Blick auf das köstlich duftende Essen. Und dann mag sie auch nicht länger warten. Alles andere kann ja ruhig warten bis sie aufgegessen hat. So schiebt sie den Wolfskopf von ihrem Haupt, dass ihre Locken ihr beinahe ins Gesicht fallen, schnappt sie sich die Gabel, die neben ihrem Teller liegt und beginnt damit, sich einen großen Haufen Stampfkartoffeln in den Mund zu schieben, dem auch schon bald ein Stück Fleisch folgt. Da hält Kaya plötzlich inne und starrt auf den Teller. „Das ist… verdammt gut!“, platzt es ihr heraus und schon sind die Backen wieder vollgestopft. Sie hört ihre Mutter in ihrem Kopf sagen, sie solle nicht so schlingen. Aber Kaya kann sich nicht erinnern, wann sie das letzte Mal so gut gegessen hat. Abgesehen davon, dass ihre Mahlzeiten in den letzten Tagen spärlich waren, so ist diese Mahlzeit kein Vergleich zu dem, was sie bei Schâlik gegessen hat. Und so gibt sie nichts auf langsames Essen und bedachtes Kauen, sondern leert den Teller so schnell, dass sie es fast schon bedauert, dass er schon wieder leer ist.
Mit deutlich zufriedenem Gesichtsausdruck lehnt das Mädchen sich auf dem Stuhl zurück und legt die Hände auf ihren Bauch. Fast schon hätte sie geglaubt, dass der versprochene Griespudding mit Kirschen nicht mehr hinein passt. Doch als er erst einmal vor ihr steht und so verdammt verlockend ist, schafft Kaya es irgendwie auch diesen noch in sich hineinzulöffeln. Danach aber hat sie wirklich das Gefühl, bald zu platzen, wenn sie auch nur noch eine Kleinigkeit isst. Ein Stückchen auf dem Stuhl tiefer gesunken sieht Kaya zu wie die Frau das Schüsselchen samt Löffel abräumt. „Hast du so lecker gekocht?“, will das Mädchen schließlich wissen, um sich anschließend mit einem „Vielen Dank“ zu bedanken. Und während sie der Magd weiter zusieht, was auch immer sie da treiben mag, dreht Kaya sich auf dem Stuhl in Richtung der Frau, so dass ihre Beine seitlich herunterbaumeln, ehe sie mit erwartungsvollem Blick wissen will: „Kann ich jetzt mit Shu’re Shalhor reden?“

Shalhor

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Sunday, August 9th 2015, 11:19pm

Der Hunger lässt die Kleine alle Schüchternheit über Bord werfen, lächelt Elisa still in sich hinein und schaut noch einen kleinen Moment zufrieden zu, wie sie das Essen gierig in sich hinein stopft. Wenigstens hat sie sich diesen unheimlichen Wolfskopf vom Schopf gezogen und siehe da, hübsche braune Locken kommen zum Vorschein, also sie könnten hübsch und lockig sein, wenn sie gewaschen und gebürstet wären. Jetzt gleichen ihre Haare eher einem Vogelnest aus dem Vorjahr, welches sich gerade in seine Bestandteile auflöst. Nun ja … Gerade will sich Elisa seufzend erheben, um dem Kind noch ein paar Kleinigkeiten zum Essen bereit zu legen, die sie mitnehmen kann, da sprudelt aus der Kleinen hervor, wie gut die vorgesetzte Mahlzeit ist. „Nicht wahr“, stimmt sie sofort grinsend zu, denn ihr schmeckt es hier genauso gut, auch wenn sie das Wörtchen verdammt nicht gewählt hätte. Seine Lordschaft duldet weder Schimpfworte noch Flüche in seinem Haus. Das hat sich Elisa auch erst abgewöhnen müssen und so manchen missbilligenden Blick eingestrichen. Den Göttern sei Dank nur das, weil sie sich sogleich entschuldigt und Besserung gelobt hatte. Nicht auszudenken, wenn er sie aus seinen Diensten entlassen hätte. Wo hätte sie dann hingehen sollen? Aber das ist eine andere Geschichte. Soll sie man schön ihren Teller aufputzen und dann ihren Nachtisch bekommen. Der wird ihr gleich noch mal so gut schmecken. Elisa lässt die Kleine in Ruhe essen, sucht derweil ein paar Nahrungsmittel zusammen und setzt ihr den Griespudding vor, als sie fein artig aufgegessen hat. Den schmutzigen Teller stellt sie einstweilen auf der Anrichte ab. Sie wird ihn nachher gleich noch abspülen, bevor sie sich wieder an ihre eigene Arbeit macht, zusammen mit dem Schälchen und dem Besteck. Da will das Mädchen wissen, ob sie so lecker gekocht hat. „Nein, ich bin keine Küchenmagd“, antwortet sie recht schlicht. Die Kleine wird sie zwar ganz sicher nicht über diesen Haushalt ausfragen wollen, aber auch zu schwatzhaft zu sein hat sie sich abgewöhnen müssen und inzwischen ist es ihr einfach in Fleisch und Blut übergegangen. Was auf Taresnar geschieht bleibt eben auf Taresnar. Dafür bedankt sich die Kleine so brav, dass Elisa zur Keksdose oben auf der Anrichte schielt. Halla wird es schon nicht merken, wenn sie eins von ihren Butterplätzchen stibitzt und die Dose wieder genauso hinstellt. Sie nimmt es ja nicht für sich selbst. Wie gedacht, so getan wandert auch ein Plätzchen zu der Essensration für das Kind und die Keksdose mit aller Sorgfalt wieder an ihren angestammten Platz zurück. Und das sollte nun auch genügen, der Kleinen auch morgen einen satten Magen zu bescheren, also schnappt sich Elisa die zusammengesuchten Dinge und wendet sich der Kleinen zu.

Shu’re Shalhor sprechen, tsss, auf Ideen kommt die Kleine. Kaum den Magen voll, schon übermütig werden. Als ob seine Lordschaft nichts anderes zu tun hätte, als sich mit Kinderkram zu befassen. Elisa überlegt, ob sie nicht gar das Plätzchen einbehalten soll. Aber sie will mal nicht so sein. Die Kleine muss eben einfach noch lernen, was geht und was nicht. "Nein, kannst du nicht" weist sie dieses dumme Vorhaben entschieden von sich und legt dem Mädchen die getrockneten Apfelringe, den Zwieback, ein schmales Stück Hartkäse, einen Zipfelrest von der Blutwurst und besagtes Plätzchen vor die Nase. „Da, pack dir das in deinen Beutel und dann zeig ich dir, an welche Tür du klopfst, wenn dich der Hunger das nächste Mal umtreibt. Aber übertreiben darfst du es nicht, sonst weist man dich ab. Ist ja hier schließlich kein Gasthaus, hörst du?“
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Kaya

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Monday, August 10th 2015, 5:00pm

Nein, könne sie nicht, erwidert die Frau bestimmt. „Aber…“ Doch ehe Kaya etwas einwenden kann, werden ihr einige weitere Leckereien vor die Nase gelegt. Sie solle sie einpacken. Und wenn sie irgendwann mal wieder großen Hunger habe, so wolle sie dem Mädchen zeigen, wo es das nächste Mal klopfen könne. Kaya betrachtet das Essen auf dem Tisch, rührt es aber nicht an. Stattdessen blickt sie wieder zu der Magd mit den kupferroten Haaren auf. Ihre Finger tasten über den Stoff ihres Hemdes nach dem Amulett. ‚Gib es nur Shu’re Shalhor, dem Herren von Taresnar‘, hat ihre Mutter ihr gesagt. Nur dem Hausherren dieses Anwesens. Niemandem sonst. Also lässt sie die Finger wieder sinken. Sofort ist sie auf den Beinen, macht sich so groß sie kann, um so selbstbewusst wie möglich auszusehen. Ihre Brauen ziehen sich etwas zusammen, als sie die Frau mit eindringlichem Blick ansieht. „Bitte. Ich muss mit Shu’re Shalhor reden“, wiederholt sie ihre Bitte mit fester, klarer Stimme. „Ich soll ihm etwas geben. Nur ihm. Niemandem sonst.“ Den letzten Satz betont sie besonders, da sie sich sicher ist, dass die Frau sie damit abweisen könnte, indem sie dem Hausherren das Amulett bringen will. Aber das geht nicht. Mutter hat es ihr so gesagt.

Shalhor

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Wednesday, August 12th 2015, 1:44pm

Ja wo gibt’s denn so was?! Sichtlich überrascht starrt Eliza auf das Mädchen, welches so gar nicht mehr an das schüchterne Ding erinnert, dass sie hereingelassen hat. Wenn sie nur gleich geahnt hätte, dass die Kleine ihr noch Schwierigkeiten machen wird. Aber das hat man eben von seiner Gutmütigkeit. Jetzt will sie seine Lordschaft also nicht nur sprechen, sondern muss ihm etwas geben, rein zufällig natürlich nur ihm höchstpersönlich. Und wenn sie es wenigstens zu sehen verlangt, ist es garantiert auch noch furchtbar geheim. Ja denkt sie denn, Elisa ist mit einem Klammersack gepudert? Pustekuchen! Sie wird sich von einem Kind doch nicht für dumm verkaufen lassen. Höchste Zeit der Kleinen beizubringen, dass nein in diesem Haus auch nein bedeutet … auf eine Weise die ihr eine Lehre sein wird … eine Frau austricksen wollen, die es nur gut mit ihr gemeint hat, tsss. Na da ist sie an die Richtige geraten.

„Ja Kindchen, warum sagst du das denn nicht gleich! Das kann ich doch nicht riechen“, murmelt sie verdrießlich und muss dafür nicht einmal schauspielern. Strafft sich und instruiert die Kleine „Aber dass du ihn mir nicht fortwährend anstarrst, hörst du! Wenn du seiner Lordschaft gegenüber stehst, wirst du artig knicksen und nur dann sprechen, wenn er dich dazu auffordert. Du duzt ihn nicht und wirst deine Zunge im Zaum halten, dass mir ja keine schlechten Redensarten zu Ohren kommen. Verstanden? Nicht dass du mich noch blamierst. Also komm.“

Erst als sich Elisa abwendet, um die Kleine selbstverständlich nicht zu seiner Lordschaft zu führen, sondern auf kürzestem Wege und mit Nachdruck an die frische Luft zu setzen, erlaubt sie sich ein kurzes, dafür umso verschmitzteres Grinsen, öffnet die Tür zur Waschküche (eine von drei Türen, die von der Küche abgehen), schließt sie rasch, kaum dass das Mädchen hindurch getreten ist und lehnt sich die Arme vor der Brust verschränkt dagegen. Neugierig schaut die Wäschemagd vom Waschbrett auf – ein Mannsweib, wie man landläufig sagen würde, von stämmigem Körperbau, der weder Hals noch Taille kennt, herben Gesichtszügen und einen Charme, den man bestenfalls sparsam nennen könnte. „Du, Marthe?“ „Ja was gibt’s?“ „Was machen wir eigentlich mit kleinen Rumtreiberinnen, die uns die Hucke voll schwindeln?“ Daher also weht der Wind, kneift Marthe abschätzend die Augen zusammen und mustert die Kleine von Kopf bis Fuß und wieder zurück. „Du meinst, wenn sie nicht schlau genug sind, die Beine in die Hand zu nehmen“, lässt sie die Wäsche zurück ins Wasser gleiten und deutet mit dem Kopf auffällig genug auf die Tür, die hinaus ins Freie führt, die Gesindepforte, die Elisa schon erwähnt hatte und nun Marthes Worte bejaht. „Hm, schwindeln ist eine wirklich üble Sache. Ich würde sie übers Knie legen und ihr gründlich den Hintern versohlen.“
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Kaya

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9

Wednesday, August 12th 2015, 9:15pm

Die Frau scheint einen Augenblick zu brauchen, um sich nach Kayas nachdrücklicher Bitte zu sammeln. Dass ihr diese nicht gefällt, ist ihr mehr als deutlich anzusehen. Dennoch gibt sie nach einem kurzen Ringen mit sich selbst nach, dass sich Kayas Miene sichtbar entspannt und sie artig nickt, als die Frau ihr sagt, wie sie sich zu verhalten habe, auch wenn sie die Hälfte davon schon längst wieder vergessen hat. Hätte ihre Mutter ihr das gesagt, hätte sie sich sogar den Tonfall gemerkt, aber nicht bei dieser Fremden. So greift das Mädchen seinen Beutel, während sie das angebotene Essen auf dem Tisch liegen lässt, um der Magd zu folgen. Eigentlich hatte Kaya geglaubt, sie müsse die Frau länger überreden, aber scheinbar ist sie doch überzeugend genug gewesen.
Zufrieden tritt sie hinter der Magd durch die Tür und hält dann überrascht inne, als sie feststellt, dass dies nicht die Tür ist, die in die große Halle führt. Stattdessen erblickt sie eine sehr üppige Frau, die von einem Waschbrett aufsieht und dabei so charmant dreinblickt, dass Kaya im ersten Moment nicht gerade angetan das Gesicht verzieht. Als sie vernimmt, wie hinter ihr die Tür ins Schloss fällt, wirbelt Kaya sofort herum und starrt die Magd, die wie ein Wächter vor der Tür steht, zunächst fragend an, bis die Züge des Mädchens deutliche und wenig erfreute Skepsis zeigen. Aufmerksam und ihre Füße in eine Hab-Acht-Stellung drehend, blickt Kaya zwischen den beiden Frauen hin und her und achtet auf jedes Wort. Auch der Wink zur offen stehenden Gesindetür ist ihr nicht entgangen, dem sie mit ihren grün-braunen Augen aber nur einen Wimpernschlag lang folgt.
„Ich habe nicht geschwindelt!“, erwidert das Mädchen empört und zieht sich rasch wieder den Wolfskopf über ihr Haupt. „Ich muss Shu’re Shalhor sehen, weil ich ihm etwas geben soll.“ Einschüchtern lässt sie sich von den beiden Mägden sicherlich nicht. Wenn die wüssten, wem Kaya schon alles die Stirn geboten hat, würden sie gar nicht erst versuchen, ihr zu drohen. Ihr Blick wandert wieder zu der Frau, die ihr das leckere Essen überlassen hatte. „Es ist wirklich wichtig“, erklärt das Mädchen mit einem ernsten Blick, der auf ihren jungen Zügen vielleicht ein wenig befremdlich wirken mag. „Kann ich bitte mit ihm reden?“

Shalhor

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10

Friday, August 14th 2015, 12:34pm

Die Kleine macht sie noch fertig! Jedes andere Kind hätte die Beine in die Hand genommen. Sie aber denkt nicht einmal daran? Verunsichert lässt Elisa die Arme sinken und genauso ratlos ist der Blick, den sie zu Marthe schickt. „Glaubst du ihr jetzt doch?“, fragt die Wäschemagd, die Rumtreiberin nicht aus den Augen lassend, während sie sich die Hände an ihrer Schürze abtrocknet. Sie ist deutlich älter als Elisa, bestimmt schon mehr als zehn Lenze und schon eine halbe Ewigkeit in Lord Shalhors Diensten (zumindest nach ihrem eigenen Empfinden). „Nein! … Doch? … Ach ich weiß es doch auch nicht.“ Immer wenn sich Elisa vollkommen unsicher ist, kaut sie auf ihrer Unterlippe, so auch jetzt. Die Kleine kommt nun wirklich nicht wie ein Bote mit wichtigem Auftrag daher. Üblicherweise legen die Leute deutlich mehr wert auf ihr Erscheinungsbild, wenn sie mit seiner Lordschaft sprechen wollen. Keiner hätte je gewagt, so verdreckt und müffelnd hier aufzukreuzen, dass es ja schon an blanke Missachtung grenzt. Und dazu noch dieser grausliche Wolfspelz, den sie sich auch schon wieder über den Schopf gezogen hat. Also ehrlich, so sieht sie aus, als wolle sie seiner Lordschaft eher ein kleines Messerchen zwischen die Rippen geben, als etwas an dem der Hausherr tatsächlich Interesse haben könnte. Wären da nur nicht diese großen Kinderaugen, die sie so empört wie entschlossen ansehen. Sie scheint sich ihrer Sache wirklich so sicher, dass sie nicht einmal die Aussicht auf eine Tracht Prügel davon abbringen kann. Aber es nützt ja alles nichts. „Ist aber auch egal. Seine Lordschaft ist in einer wichtigen Besprechung und will nicht gestört werden. Sie kann jetzt nicht zu ihm!“
„Und so schon gar nicht“, scheut sich Marthe nicht auszusprechen, was sie beide denken. „Also Kindchen, da wir ja nun genügend Zeit haben werden, dich herzurichten, kannst du dich schon mal ausziehen.“ Ohne weiteres Federlesen zieht die Wäschemagd einen Schemel unter dem steinernen Waschbecken hervor und stellt ihn neben das Kind. „Da kannst du deine Sachen ablegen.“ Schon bückt sie sich wieder, um zuerst einen hölzernen Bottich und gleich darauf zwei Eimer hervorzuziehen. „Pass du mir ja gut auf sie auf, während ich zum Brunnen gehe. Und dann besorgst du Seife, Schwamm, Linnentuch, Kamm, ein Hauskleid und Nähzeug. Mit ein paar schnellen Heftnähen, mach ich es ihr schon passend.“ Verblüfft starrt Elisa Marthe an. „Du glaubst ihr?“ „Ich kann es vor allem nicht haben, dass jemand so verdreckt.“ Nun weiß Elisa zwar noch immer nicht, wie die Wäschemagd darüber denkt, die Kleine vor seine Lordschaft zu führen, aber Marthes schon recht knurrende Worte mahnen sie, lieber keine weiteren Fragen zu stellen, sondern sie besser machen zu lassen und nickt nur noch. Und ja und wenn der Dreckspatz auch nicht abhaut, wenn Marthe sie mit eiskaltem Brunnenwasser von Kopf bis Fuß blitzeblank schrubbt und sie dabei sicherlich nicht mit Samthandschuhen anpacken wird, weil das einfach gar nicht ihre Art ist, ja dann will auch Elisa glauben, die Kleine sagt die Wahrheit. Es wird auf jeden Fall einiges an Zeit in Anspruch nehmen und es wäre doch gut möglich, dass sich die Herren inzwischen hinreichend besprochen hätten. So schlecht ist Marthes Idee also gar nicht.
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Kaya

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11

Friday, August 14th 2015, 10:25pm

Ohne wirkliches Mienenspiel zu zeigen, schaut Kaya zwischen den beiden Frauen hin und her und lässt ihren Blick etwas länger auf der Jüngeren ruhen, als die stämmige Magd sie fragt, ob sie dem Mädchen etwa glauben würde. Die Haltung der Frau ändert sich. Schien sie eben noch fest davon überzeugt, belogen worden zu sein, so sinken nun die Arme und sie wirkt sichtbar verunsichert. Schließlich äußert sie ihre Unsicherheit sogar, meint aber sogleich, dass das Mädchen ohnehin nicht zu dem Hausherr könne, da dieser in einer Besprechung sei. Sofort erhellt sich Kayas Miene ein klein wenig und sie ist schon drauf und dran zu versichern, dass sie eben warte würde, da meint die Dicke ganz unverblümt, dass sie SO ohnehin nicht vor seine Lordschaft, wie sie beide den Hausherren bezeichnen, treten könne. Den Kopf senkend sieht das Wolfsmädchen an sich herab, betrachtet ihre Kleidung und ihre Hände. Ja, zugegeben, sie hat schon mal sauberer ausgesehen, aber was ändert ihr Aussehen denn an ihrem Anliegen, bleibt dies doch ein und dasselbe?
Dann aber muss Kaya tatsächlich überrascht blinzeln. Statt sie in einem weiteren Versuch hinaus zu jagen, redet die Üppige der beiden Mägde davon, sie herrichten zu wollen und sie solle sich schon einmal ausziehen. Als sie einen Schemel heranholt, ihn neben Kaya zu stellen, weicht das Mädchen sicherheitshalber einen Schritt zurück und beobachtet die Frau ganz genau. Lust den Schemel über den Kopf gezogen zu kriegen, hat sie nämlich nicht. Nichts dergleichen geschieht und Kaya wird angewiesen, ihre Sachen auf dem Schemel abzulegen. Noch kommt das Mädchen der Aufforderung nicht nach, sondern beobachtet die Frau weiterhin, wie diese einen Bottich und anschließend Eimer hervorzieht. Zu der Jüngeren meint sie, sie solle gut auf Kaya Acht geben, während sie zum Brunnen gehe. Die wiederum scheint mindestens genauso verblüfft wie das Mädchen und schließlich starren sie beide der dicken Frau hinterher als diese den Raum durch die Gesindetür verlässt.
Erst nach ein paar Herzschlägen sieht sich Kaya zu der Magd um und schaut sicher ein wenig fragend drein, weil sie nicht so recht weiß, was sie davon halten soll. Außerdem ist sie sich nicht sicher, ob die beiden nicht doch ein Spielchen mit ihr treiben. Auf der anderen Seite klingt ein Bad nach all den Tagen wirklich verlockend und immerhin bringt es sie der Möglichkeit näher, den Hausherren zu treffen. Wenn er also tatsächlich so viel Wert darauf legt, wie die beiden die ganze Zeit behaupten, dann würde sie eben baden. Und sollten die Frauen sie doch veräppeln, dann wird Kaya schon einen Weg finden, mit dem Hausherren zu sprechen.
So wird der Blick des Mädchens wieder gefasster, während sie die jüngere Frau ansieht. „Ich habe nicht gelogen“, versichert sie der Magd ein letztes Mal mit ruhiger, leiser und dennoch bestimmter Stimme und stellt dann noch fest, ohne wirklich vorwurfsvoll zu klingen: „Du aber schon.“ Damit wendet sie den Blick von der Frau ab und beginnt dann sich zu entkleiden. Als allererstes zieht sie sich mit sicherem Griff den Wolfspelz von Kopf und Schultern und legt ihn bedächtig auf den Schemel, dass es fast schon etwas Liebevolles hat. Der Magd den Rücken zuwendend legt sie als nächstes ihren Halsschmuck ab, die Kette aus Wolfszähnen mit einem aus Tierknochen geschnitzten Wolfskopf in deren Mitte, ein einfaches Lederband, an dem mittig ein Arrangement aus Federn und Perlen prangt. Als die Finger aber jenes Kettchen ertasten, hält sie kurz inne, blickt zaghaft über ihre Schulter und streift es sich dann ganz rasch über den Kopf, den Kompass in dem Wolfsfell und unter ihrem restlichen Schmuck zu verstecken. Dem folgt zügig und gekonnt der Haarschmuck, Federn und Perlen aus Knochen.
Flink schlüpft Kaya aus ihren Stiefeln, die sie mit dem rechten Fuß unter den Schemel schiebt. Wie sie nun dort so barfüßig steht, fällt auf, dass ihr Beinkleid aus robuster, dunkler Baumwolle ihr schon längst nicht mehr bis zum Knöchel reicht. Dem schenkt Kaya jedoch keine Beachtung, sondern streift sich rasch die Hose von den dünnen Beinen. Als sie mit beiden Händen den Saum ihrer hellen Tunika aus leichtem Baumwollstoff greift, um sie sich über den Kopf zu ziehen, ist sie froh, dass ihre Mutter ihre Winterkleidung wie das Lederwams, ihre Übertunika, die dicken Strümpfe und vor allem den Parqa bei Schâlik lagern konnte, so dass sie die schwere Kleidung nun nicht mit sich herumtragen muss. Ob sie ihr im kommenden Winter noch passen werden? Beinkleid und Tunika bedecken den Schmuck auf dem Schemel, so dass sich Kaya schließlich nur noch des dünnen Höschens erledigen muss. Und das tut sie völlig ungeniert.
Abgesehen davon, dass Kaya etwas schmächtig wirkt, was ihre Agilität, die man ihr deswegen im ersten Moment gar nicht zutrauen mag, nicht beeinflusst, so wirkt ihre helle Haut auf den ersten Blick so gut wie makellos. Auf den zweiten jedoch könnte man an der einen oder anderen Stelle ihres Körpers wie dem Rücken oder den Armen wenige, verschiedenartige Narben erkennen, die entweder von Klingen oder aber gar Klauen zu stammen scheinen. Auffällig sind diese allerdings nicht, denn sie sind gut verheilt und verblasst, fügen sich gut in ihr fast blasses Hautbild ein. Generell heilten Kayas Wunden bisher stets rasch und gut und ihre Mutter musste sie deswegen bereits mehr als einmal ermahnen, nicht allzu leichtsinnig zu sein. Als habe sie keine Scheu ihren Körper, noch längst nicht Frau, aber auch ein kleines Kind mehr, nackt zu präsentieren, dreht sich das Mädchen um, dass ihre rückenlangen, braunen Locken schwingen, und schaut die Magd erwartungsvoll an.

Shalhor

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12

Saturday, August 15th 2015, 6:29pm

Marthe ist kaum aus der Tür, da beteuert das Mädchen noch einmal, nicht gelogen zu haben. „Das wird sich zeigen“, strafft sich Elisa. Sie soll sich schließlich nicht bequatschen lassen, sondern auf die Kleine aufpassen. Da dreht die Rumtreiberin den Spieß doch einfach um und bringt Elisa zum Lachen – ein gutmütiges Lachen, dem es an jeder Garstigkeit fehlt. „Na den Unterschied zwischen austricksen und anschwindeln musst du aber noch lernen“, blitzt es auch recht vergnügt in ihren Augen, fuchtelt aber auch schon mit der Rechten, sich nicht noch weiter ablenken zu lassen. „Jetzt aber raus aus den ollen Sachen.“ Und endlich legt sie dieses furchtbare, wirklich hässliche und ganz entsetzlich gruslige Vieh ab, dass sie schon die ganze Zeit anstarrt, als wolle es sie mit Haut und Haar verschlingen … einfach unheimlich. Ja natürlich weiß Elisa, dass der Wolf längst tot ist und keiner Fliege mehr etwas zuleide tun wird, aber hübscher macht ihn das trotzdem nicht. Sie muss schmunzeln, als die Kleine erst einen raschen Blick zu ihr über die Schulter wirft und dann etwas flink unter dem ollen Vieh verschwinden lässt, als könnte Elisa zu großen Gefallen an ihren Sachen finden und lange Fingerchen machen. Im Leben nicht, sie ist doch kein unzivilisierter Wildling! Aber sie will nichts sagen, solang die Kleine nur tut, was man von ihr verlangt. Sie ist gerade dabei, sich die Tunika über den Kopf zu streifen, als Marthe mit vollen Wassereimern zurückkehrt und Elisa zunickt. Und Elisa huscht los, die aufgetragenen Sachen zusammen zu suchen, so wie sie ihr die Wäschemagd aufgetragen hat, zuerst natürlich Seife, Schwamm, Linnen und Kamm, die Marthe als erstes zum Schrubben benötigen wird. Dann kann sie in Ruhe nach einem kleineren Hauskleid schauen und das Nähzeug holen.

Marthe interessiert sich nicht für der Kleinen Narben. Für solche Details hat sie einfach keinen Blick. Dafür entgeht ihr kein Schmutzfleck, ja nicht mal ein Staubkorn. Sauber muss es sein, sauber und ordentlich, dann ist sie zufrieden. Makellosigkeit, vielleicht gar noch Eleganz oder irgendwelcher Schischi sind nicht ihre Welt. Damit sollen sich getrost die feinen Herrschaften und eitlen Frauchen rumschlagen. Sie ist und bleibt ein gestandenes Weib, ein Vollweib eben durch und durch. Die Eimer stellt sie direkt neben dem Zuber ab und legt den Riegel vor die Gesindepforte. Die Kleine ist zwar noch ein Kind. Das heißt aber noch lange nicht, dass sie einem der Mannsbilder erlauben würde, einen Blick auf ihre zart sprießenden Knospen oder gar die blanke Scham zu erhaschen. Die sind es nämlich nicht, keine Kinder mehr und unschuldig schon gleich dreimal nicht! „Hock dich ruhig schon in den Zuber“, sagt sie der Kleinen von deren erwartungsvollen Augen angeblickt. „Elisa ist gleich wieder da. Du bist doch nicht wasserscheu wie eine Katze oder? Wirst schon sehen, sauber und frisch fühlst Dich gleich wie ein neuer Mensch. Und wo wir grad unter uns sind, was willst seiner Lordschaft denn so geheimnisvolles geben, hm?“
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Kaya

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13

Sunday, August 16th 2015, 1:55am

Sie solle sich ruhig schon in den Zuber hocken, meint die üppige Magd, nachdem sie die Tür verriegelt hat. Also scheint sie das Mädchen tatsächlich nicht mehr hinauswerfen zu wollen, stellt jenes fest. Geschickt steigt Kaya in den Zuber, der groß genug ist, um darin zu knien. Die Hände auf den Rand des Zubers legend blickt sie die Frau an, als diese meint, dass die andere, Elisa genannt, gleich wieder da wäre. Das Mädchen nickt nur und mustert die Stämmige. „Nein“, schüttelt Kaya den Kopf, denn wasserscheu ist sie nicht. Wenn sie an all die Tage denkt, die sie mit ihrer Mutter im Regen gewandert ist, der sie von Kopf bis Fuß durchnässt hat, dann wäre es auch ganz und gar nicht gut, wasserscheu zu sein. Eine Wasserratte ist sie zwar auch nicht unbedingt, aber solange ihr das Wasser höchstens bis zum Halse reicht, kommt sie damit gut zurecht. Und an seichten Flussufern oder flachen Bächen hat sie auch immer gerne geplanscht, besonders an so warmen Tagen wie diesen.
<„Und wo wir grad unter uns sind, was willst seiner Lordschaft denn so geheimnisvolles geben, hm?“> Abschätzend sieht Kaya die Frau an, die keinen Hehl aus ihrer Neugierde macht und das Mädchen fragend ansieht. Das Wolfskind jedoch antwortet nicht sofort, denn eigentlich geht es sie nichts an. Nicht, dass eine der beiden hinterher noch auf die Idee kommt, ihr das Amulett wegzunehmen. Schließlich erwidert sie aber doch etwas, wenngleich wohl nicht das, was die Magd gerne gehört hätte. „Warum nennt ihr ihn seine Lordschaft?“ Kaya hat keine Ahnung, was diese Bezeichnung beinhaltet und was sie ausmacht. Nicht, dass es ihr sonderlich wichtig wäre. Es ist nur ein kleiner Teil wirkliches Interesse, der sie diese Frage stellen lässt, mehr noch der Versuch, von ihrem Anliegen abzulenken.
Elisa kommt recht bald wieder mit Seife, Schwamm, Linnen und Kamm, die die Ältere ihr abnimmt und sich griffbereit zurechtlegt. Kaya mustert die Jüngere währenddessen, die schon Anstalten macht, den Raum erneut zu verlassen, als sie sich plötzlich ruckartig versteift, die Schultern so hoch wie möglich zieht und ein gedehntes, helles Quietschen von sich gibt, das schon etwas von einem Winseln hat. Ohne Vorwarnung hat die Dicke dem Mädchen den ersten Eimer kalten Wassers über das Haupt geschüttet und beginnt genauso unvermittelt, Kaya mit dem Schwamm von oben bis unten abzuschrubben. Immer wieder leise quietschend und jammernd lässt das Mädchen Marthe walten, ohne jedoch auch nur einmal irgendwelche Widerworte von sich zu geben, selbst dann nicht, als der Kamm ganz furchtbar in ihren langen, verknoteten Haaren ziept. Yara ist nie so grob zu ihr gewesen. Doch ihre Mutter ist nicht hier. Aber sie hätte ganz bestimmt gewollt, dass ihre Tochter tapfer ist. So presst Kaya die Lippen aufeinander, in der Hoffnung, dass die Frau mit den groben Händen bald zufrieden genug ist.

Shalhor

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14

Sunday, August 16th 2015, 6:50pm

„Das gehört sich so, wenn man über einen Lord spricht. Nur weil seine Lordschaft gerade nicht anwesend ist, wollen wir doch nicht gleich unsere guten Umgangformen vergessen, nicht wahr“ schmunzelt Elisa das Mädchen an. „Es hat nämlich noch niemandem geschadet, ein klein wenig auf sich zu achten, wenn es sonst keiner tut. Solltest du auch, Kindchen, denn, nimm’s mir nicht übel, aber angenehm schnupperst du nicht. Kennst du die Redewendung, jemanden nicht gut riechen können? Die kommt nicht von ungefähr. Musst es dir ja nun nicht unnötig schwer im Leben machen.“ Ach es ist schon beinahe schade, die Kleine nicht unter ihre Fittiche nehmen zu können, denn egal ob sie vielleicht ein klein wenig geflunkert hat oder nicht, so scheint sie doch ein recht braves und aufgewecktes Mädchen zu sein, viel zu schade um auf der Straße zu verkommen. Aber das würde seine Lordschaft nie erlauben. Keiner hier im Haus ist unter zwanzig Sommern hinzugekommen.

Elisa kehrt zurück, bevor sich Marthe ihrer eigenen, ursprünglichen Frage erinnern kann, dieses, kleine, gerissene Biest mit Unschuldmiene, nicht so ganz das Lämmchen im Wolfspelz wie es scheint. Aber Marthe verkneift sich jede Unmutsäußerung. Dafür wird sie ihr das Köpfchen umso gründlicher waschen. Und nicht nur den! Ohne jede Vorwarnung dafür mit umso größerem Vergnügen entleert sie den ersten Eimer mit eiskaltem Brunnenwasser über der Kleinen, dass der kleine Dreckspatz wie ein Ferkelchen aufquietscht. Und dann waltet sie ihres Amtes, taucht den Schwamm kurz in das Wasser, dass der Bottich aufgefangen hat und schäumt daran die Seife auf. Dann heißt sie die Kleine aufzustehen und seift sie so sorgfältig ab, dass es wohl kaum ein Fleckchen mehr an ihrem Körper gibt, das nicht äußerst rosig schimmert. Und schimmert ihr Haar nicht auch eine Nuance heller. Nachdem sich auch der zweite Eimer über ihr ergossen hat? Nun auf jeden Fall ist das Kind nun blitzeblank und wird in ein frisches Linnen gehüllt. Inzwischen hat Elisa auch ein Hauskleid aufgetrieben, so eines, wie alle Mägde des Hauses tragen, denn natürlich würde wohl keine eines ihrer eigenen Ausgehkleider hergeben wollen und bringt es zusammen mit dem Nähzeug in die Waschküche. Dort wird sie von der Wäschemagd angeleitet, wie sie am besten den ganzen Fitz samt all der Knötchen aus dem wild trocken gerubbelten Haarnest kämmt und Elisa versucht sich daran auch wirklich behutsamer als Marthe, aber einigen dieser blöden Dinger ist einfach nicht mit guten Zureden beizukommen. Dabei zuckt Elisa jedes Mal selbst zusammen, wenn die Kleine aufquietscht oder jammert, als zöge sie ihr die Haut vom Kopf, während Marthe in aller Seelenruhe die Säume des Kleides ein ganzes Stück einkürzt.

„Was hat das zu bedeuten?“ erhebt sich plötzlich eine angenehme Männerstimme und lässt die Mägde aufschrecken. Elisa bleibt sogar der Kamm im letzten Fitzrest hängen und schert sich auch nicht darum, sondern beeilt sich wie Marthe vor seiner Lordschaft zu knicksen, der mit einem dampfenden Becher in der Hand unerwartet im Türrahmen zur Küche erschienen ist. Nur kurz ruhen seine Augen auf dem fremden Kind, unbewegt und kühl, bevor sich sein Blick an die Mägde wendet.
Man sollte keine Dummheit zweimal begehen, die Auswahl ist schließlich groß genug!

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Kaya

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15

Sunday, August 16th 2015, 8:55pm

Es dauert eine Weile bis das eisige Wasser sich nicht mehr ganz so schrecklich kalt anfühlt. Kayas Körper gewöhnt sich bald daran und außerdem spürt sie dadurch das Schrubben des Schwammes auf ihrem Körper irgendwann auch nicht mehr ganz so doll. Alles in allem gibt es ihr doch nach und nach ein stetig besser werdendes Gefühl. Nicht nur, dass sich das kalte Wasser als willkommene Abkühlung an diesen warmen Tagen herausstellt, nein, auch dass der Schmutz der letzten Tage endlich von ihr abfällt, erleichtert sie deutlich mehr als gedacht. Einmal muss sie sogar kurz lächeln, als sie sich erinnert, wie sie mit ihrer Mutter in diesem eisigkalten Fluss gebadet hat. Kaya deutlich länger als Yara, gewöhnt sie sich doch recht schnell an kalte Temperaturen und reagiert im Allgemeinen nicht so empfindlich auf Kälte. Dafür macht ihr diese Hitze, die hier in der Stadt an dem einen oder anderen Tag herrschte, deutlich zu schaffen. Und ihre Mutter möchte irgendwann irgendwohin weiterziehen, wo es noch deutlich wärmer ist? Da müssten sie vorher aber tatsächlich ein ernstes Wörtchen miteinander reden. Dass sie ihr Haar in den letzten Tagen nicht gekämmt hat, bereut das Mädchen hingegen recht schnell. Dieses Ziepen, wenn der Kamm in ihren Locken hängen bleibt, will einfach nicht aufhören. Da kann Elisa sich noch so viel Mühe geben, ohne zu jammern, und Kaya jammert wirklich äußerst selten, lässt es sich einfach nicht ertragen.
Ganz unvermittelt halten die beiden Frauen inne und auch Kaya wendet den Kopf in Richtung der Küchentür, als eine durchaus angenehm anzuhörende Männerstimme wissen will, was hier vor sich gehe. Bevor sie auch nur irgendwas anderes sehen kann, bleibt der Blick des Mädchens an indigoblauen Augen hängen, die sie so kühl ansehen, dass sie ganz plötzlich fröstelt und dem Drang widerstehen muss, sich zu schütteln, obwohl der Blick seiner Augen ihr nur einen kleinen Moment lang gilt. Elisa und Marthe haben ganz abrupt von ihr abgelassen und sind schlagartig ganz still geworden. Und als die beiden wie auf Kommando knicksen, angeln Kayas Finger nach dem Kamm in ihrem Haar, ihn herauszuziehen, während sie sich unwillkürlich fragt, warum die beiden Frauen sich plötzlich so ganz anders verhalten. Dabei lässt sie den Blick nicht von dem Hausherren, dessen Erscheinung mit diesem hellgrauen fast silbern schimmernden Haar und der ebenfalls hellen Haut sie beeindruckt, ohne dass sie sich dessen wirklich bewusst ist. Zwar hat sie ihn schon aus der Ferne am Hafen beobachtet. Jetzt und hier aber wirkt er, obwohl er ihr so nahe ist, auf eine merkwürdige Art viel weiter weg, als vor wenigen Tagen am Hafen.
Mit einem Mal wird Kaya bewusst, dass sich ihr gerade die Gelegenheit bietet, auf die sie schon eine geraume Weile wartet und die man ihr bisher verwehrt hat. So zieht sie den Knoten des Leinentuches über ihrer Brust etwas fester und ist im nächsten Augenblick schon auf den Beinen, um zu dem Schemel mit ihren Sachen hinüber zu eilen. Hektisch kramt sie den Kompass an dem Kettchen unter ihren Sachen hervor, umgreift die Kette fest, so dass das Messing-Amulett unter ihrer geballten Faust hin und her schwingt und schiebt sich an Elisa und Marthe vorbei, um vor den Hausherren zu treten. Das Mädchen kann nicht verhindern, unsicher zu schlucken, als sie mit großen Augen zu dem hochgewachsenen Elben aufsieht und für einen Herzschlag lang fehlen ihr sogar die Worte. Kaya kann sich nicht erinnern, dass ihr schon einmal jemand die Sprache verschlagen hat. Plötzlich ist da allerdings die Stimme ihrer Mutter in ihrem Kopf, die sie daran erinnert, was sie ihm sagen soll. „Du bist Shu’re Shalhor.“ Keine Frage, sondern eine Feststellung, denn dass er es ist, da ist sie sich sicher. Und als sie beim Nennen seines Namens seine Aufmerksamkeit erhält, hebt sie die das Kettchen umschließende Faust und hält das Amulett so hoch sie kann. „Jägerin Yara’Sanchale Adeyemi vom Toten Blut möchte das Angebot Shu’re Shalhors, das an dieses Amulett gebunden ist, mit ergebenstem Dank annehmen.“ Bestimmt ein Dutzend Mal musste Kaya diesen Satz wiederholen bis ihre Mutter ihr das Amulett um den Hals gelegt hat. Und nun hat sie ihn genauso ausgesprochen und starrt den Elben mit erwartungsvollem Blick an.