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Raven

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1

Monday, June 18th 2012, 3:29pm

Der Heideweg

Der Heideweg ist eine uralte, im Fünften Zeitalter fast vergessene Handelsstraße im Südlichen Larisgrün, die quer durch das Fürstentum Sûrmera verläuft. Er führt von den Mondtoren, jener Grenzfestung der Elbenlande an den Furten des Farnafaris immer am Waldsaum entlang durch die Randgebiete des südlichen Larisgrüns bis zur Stadt Sûrmera an der Marmelmündung in den Ildorel, und trifft dort auf die Große Südstraße. Vor tausenden von Jahren war der Heideweg eine vielbefahrene Handelsroute, die die Elbenreiche hinter dem fernen Mondgrün mit den Königreichen der Menschen verbunden hat - heute ist er nicht mehr als ein sandiger Weg, und die uralten Pflastersteine schimmern nur noch hier und da zwischen Bingelkraut und Heideblumen hervor. Einst mag er schnurgerade und gut gepflastert gewesen sein... und viel befahren von allerlei Händlern, Wanderern, Kaufleuten und Kriegern, mit zahlreichen Gasthöfen und Wirtshäusern oder gar vereinzelt kleinen Dörfern an seinem Saum, jetzt überzieht ihn Moos. Gras und Unkraut haben ihn fast völlig überwuchert und dichte Preiselbeersträucher säumen seine ausgefransten Ränder. Stehen im Norden des Larisgrüns die Bäume dicht an dicht, ein grüner, undurchdringlicher Wald voller Kühle, tiefen Schatten und zahllosen Geheimnissen, so wachsen hier vor allem Buchen, Eichen und vereinzelte Soldatenkiefern in offenen, parkähnlichen Hainen mit wenig Unterholz. Viele kleine Pfade, manchmal nicht mehr als Wildwechsel, zweigen vom Heideweg in Richtung Norden, nach Liedberg und weiter nach Tiefwald oder quer durch das Südliche Larisgrün bis nach Brioca hinauf ab, doch außer Waldläufern, ortskundigen Spähern und einheimischen Waldbauern sind sie so gut wie niemandem bekannt. Die wenigen Reisenden, die sich auf den Heideweg verirren oder tatsächlich von den Mondtoren her nach Osten ziehen, wenden sich zumeist der Großen Südstraße zu. Etwa auf halber Höhe zwischen den Grenzen der Elbenlande und Sûrmera ist nördlich des Heidewegs unmittelbar neben der alten Straße ein kleiner Hain aus Schwarzkiefern, Buchen und vereinzelten Fichten. In seiner Mitte erhebt sich eine einzelne, mächtige Tanne und unter ihren ausladenden Zweigen, die eine natürliche Höhlung um den gewaltigen Stamm bilden, finden sich zwei schlichte, mit bemoosten Steinen abgedeckte Grabhügel ohne jeden Schmuck oder eine Inschrift, die Hinweise auf die Toten geben würde, die hier ruhen.

Mitarlyr

Stadtbewohner

Posts: 45

Occupation: Klingentänzer

Location: Lomirion

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2

Friday, May 6th 2016, 9:03pm

~ Im Voshor 516 ~




Der Heideweg, auf den Tausendschritten seit den Mondtoren nur ein schmaler, sich windender Pfad zwischen Kissen von kaum austreibendem Gras, wilden Kräutern und einigen bunten Farbtupfern von Winterlingen und Leberblümchen neben bereits welkenden Schneeglöckchen, weitet sich erst kurz vor den ersten bewohnten Siedlungen der Menschen langsam zu einer wenn auch alten und unter Moos, Gras und Flechten verborgenen so doch noch immer fest gefügten Straße, deren einst viel befahrenes Pflaster hier und dort auch nach all den Jahrhunderten noch zu erahnen ist. Still und verlassen liegt sie auch an diesem Morgen unter dem regengrauen Himmel. Wind wispert durch die jungen, saftiggrünen Blätter der einzelnen Birken, deren weißgraue Stämme in der frühen Sonne glänzen. Der Dunst des Sturmwindmorgens hat sich mit dem Morgenwind schon verzogen, doch die dicken Teppiche von Heidekraut beiderseits des Weges sind noch nass von seiner Feuchtigkeit und der Boden gesättigt von den Regenfällen der vergangenen Tage und Wochen.

Im Westen des Heideweges, dort wo das Heideland endet und der Wald wieder dichter wird, schälen sich zwei Silhouetten aus dem Zwielicht der Bäumen und zwei hochgewachsene Reiter auf schlanken, hellen Pferden nehmen unter den Ästen der Schwarzkiefern und Birken Gestalt an. Auf den ersten, flüchtigen Blick (und vermutlich für die meisten sterblichen Augen auch noch auf den zweiten und dritten Blick) sehen sie aus wie Brüder. Jeder von Ihnen trägt ein elbisches Kettenhemd unter einem lichtgrauen Wams aus gutem Leder und darüber einen aschegrauen Mantel aus festem, gewalktem Tuch, unter dem sich die Umrisse ihrer Schwerter abzeichnen.
Als sie ganz aus dem Schatten des Waldes treten, zügeln sie kurz ihre Pferde und wenden den Blick erst zum Himmel um das Wetter zu prüfen und dann gen Norden, dem Ziel ihrer Reise zu: Talyra, die Weltenstadt am Ildorel.

Nichts ist zu sehen, als Gildin und Andovar bei den Ruinen von Larde den Heideweg verlassen und sich nach Norden halten, außer der fernen Silhouette eines Botenraben, der eilig seinem Ziel entgegen strebt. Und nichts ist zu hören außer dem Wind, der von den Bergen herab kommt, über das offenere Land zieht und sein Lied von Tau und Regen singt. Das Wetter ist ihnen immerhin etwas gnädiger als noch während ihres Weges durch die Elbenlande. Lange halten die beiden Reiter sich jedoch nicht auf, ehe sie ihre Pferde wieder antreten lassen und ihren Weg fortsetzen.

Der Sturmwindmond ist bereits zur Hälfte verstrichen. Und mit jedem Tag der vergeht, mit jedem Moment, den Shenrahs Auge Roha länger Licht und Wärme schenkt nähert sich der Tag von Inaris Hochfest. Nicht, dass die beiden Elben viele Gedanken an jenen Festtag verwenden. Nach den Siebentagen ihrer Reise, deren Aufbruch von der späten Schneeschmelze erst verzögert und die dann auf der Hohen Ayre von einem unerwarteten Wintereinbruch mit neuem Schneefall gar für Tage unterbrochen worden war, ehe sie den Abstieg in die Ebenen hatten antreten können, nach Wind und Regen, Schlamm und aufgeweichten Straßen und Pfaden, ist ihnen jeder Moment Sonne und Wärme ein mehr als willkommenes Geschenk. Auch wenn es sie daran erinnert, wie die Zeit verrinnt und dass sie nicht wie ursprünglich geplant vor dem Inarifest in Talyra werden eintreffen können.

Gildin und Andovar zügeln ihre Pferde ein letztes Mal ehe sie gänzlich in die Tiefen des nur scheinbar pfadlosen Waldes eintauchen und sehen hinauf in den Himmel über den noch immer Wolkenfetzen vom Wind getrieben werden und ein sich stetig wechselndes Muster vor dem hohen blauen Himmel bilden. Der Sternenwächter ist hin und her gerissen. Einerseits drängt es ihn, den trockenen Tag zu nutzen um möglichst viel Strecke zurückzulegen und ihrem Ziel näher zu kommen. Andererseits muss er Andovar Recht geben, als der nicht grundlos darauf hinweist, dass die Pferde in absehbarer Zeit einen oder auch zwei Tage Ruhe in einem warmen und trockenen Unterstand brauchen können. Stumm nickt er dem Elben zu, der ihm der Bruder ist, den er nie hatte. Anders als in vorherigen Jahren sind sie diesen Zwölfmond ohne Begleitung unterwegs. Sie sind schnell gereist - nun ja, so schnell, wie Wetter und Wege es erlaubt haben - und mit leichtem Gepäck. Ohne Knechte, Fuhrwerke oder Knappen. Ihre Pferde sind schnelle und ausdauernde Tiere, aber auch die haben Grenzen. Ihr Weg würde noch gute drei, fast vier Siebentage in Anspruch nehmen. So oder so werden sie die Weltenstadt also erst im Grünglanz erreichen, da kommt es auf einen Tag früher oder später nicht mehr an. Und neben Erholung für die Pferde würde ihnen selber eine Rast an einem möglichst vor Wind und Wetter geschützten Ort vielleicht auch die Gelegenheit bieten, ihre Kleidung zu reinigen und richtig trocken zu bekommen.

Der Weg durch das den Wald verläuft ruhig und ereignislos. Das Wetter ist ihnen weiterhin gewogen und bis auf einige meckernde Eichhörnchen, schimpfende Eichelhäher und einige liebestrunkene Frühjahrsbrüter begegnen sie niemandem. Das ändert sich erst als sie die Rotgoldenseen erreichen. Erst treffen sie auf einen Sprung Rehe, das nicht die geringste Scheu vor den beiden Reitern zeigt. Entweder sind die Tiere noch nie bejagt worden oder sie kennen den Kalender und wissen, dass der Inar noch nicht angebrochen ist und sie zwei Elben gegenüber stehen, die ohne Not nie die Schonzeit brechen würden. An den Seen selber treffen sie auf einen Waldläufer, der sich ihnen als Odon Maelor vorstellt und ihnen die Gastfreundschaft seines Heimes anbietet. Ein Angebot, dass die beiden Elben ohne zu zögern annehmen. Die lange Wegstrecke ihrer Reise fordert von ihnen allen ihren Tribut, von Elben wie Pferden gleichermaßen. Und das Angebot Odons, dass sie gerne nicht nur über die Nacht, sondern auch noch einen oder zwei Tage bleiben können, damit ihre Pferde (und sie selber auch) Kräfte für den Rest des Weges sammeln können, ist ihnen da sehr willkommen.

Zwei Tage später verlassen die beiden Elben den Waldläufer und das Gebiet der Rotgoldenseen und setzen ihre Reise fort. Sie nehmen die Alte Waldstraße, passieren Demarsan, wo sie lediglich ihre Vorräte aufstocken aber kein Quartier im Gasthaus nehmen um sich das Gestarre und Gegaffe der Einwohner zu ersparen. Stattdessen schlagen sie ihr Lager einige Tausendschritt entfern von dem Ort und etwas abseits der Waldstraße auf und teilen sich die nächtlichen Wachen. Und so halten sie es vorerst auch auf dem weiteren Weg bis Liedberg.
Erst dort kehren sie wieder in einem Gasthaus ein, gönnen sich ein Bad in einem richtigen Zuber mit heißem Wasser und nicht nur eine Wäsche im nächsten Bach oder Teich am Wegesrand, eine zwar einfache aber reichliche warme Mahlzeit und eine Nacht in sauberen Betten ohne Wache halten zu müssen, während ihre Pferde im Stall auf sauberem Stroh stehen und sich durch eine doppelte Ration Hafer und kräuterduftendes Heu fressen. Am nächsten Morgen die die beiden Klingentänzer schon vor Sonnenaufgang wieder im Sattel um die Strecke von Liedberg nach Nimzár in Angriff zu nehmen.
Die Schwarze Stute, das größte Gasthaus zwischen Liedberg und Nimzár passieren Gildin und Andovar nicht nur einfach ohne dort Rast oder gar Quartier zu machen, sondern schlagen angesichts des Rufes dieses Hauses sogar einen größeren Bogen um keine ungewollten Aufmerksamkeiten zu wecken. In Nimzár nutzen sie die Gelegenheit des Markttages um ihre Vorräte ein weiteres Mal zu ergänzen oder überhaupt erst wiederherzustellen und lassen bei Gildins Pferd zwei Eisen erneuern. Die nun anstehenden Tausendschritte auf derAlten Waldstraße sind die letzten auf sûrmerischem Gebiet, sobald sie Tiefwald erreichen, haben sie talyrisches Hoheitsgebiet erreicht. Das Wetter meint es gut mit ihnen und sie kommen gut voran. Es ist trocken und wird mit jedem Tag der vergeht frühlingshafter, auch wenn so manche Nacht noch einmal empfindlich kühl wird und sie eines Morgens sogar noch mit schimmerndem Reif auf Bäumen und Gräsern überrascht, der jedoch im Lichte Shenrahs rasch vergeht und zu funkelnden Tropfen schmilzt ehe er vergeht.
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