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Niniane

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  • "Niniane" started this thread

Posts: 4,088

Occupation: Protektorin des Larisgrüns

Location: Talyra

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1

Wednesday, July 30th 2014, 4:56pm

Das Feld der Pavillons und das Sommerturnier

Südlich der Stadtmauern, zwischen der großen Südstraße und dem Ufer des Ildorel, wo sonst grüne Wiesen und saftige Weiden im sanften Sommerwind wogen, erheben sich nun Zelte und Pavillons von Rittern und hohen Lords wie seidene, vielfarbige Pilze aus dem Boden rund um die hölzernen Tribünen der Turnierarena, wo zu Ehren Shenrahs der Große Buhurt stattfinden würde. Gut fünf Dutzend Feuerstellen erfüllen die Luft mit blauem Dunst, unzählige Diener und Knappen der angereisten Streiter richten die Zelte ihrer Herren und versorgen deren Tiere, die im Schatten der Stadtmauern ihre Gevierte haben und für die versammelten Fahnenstangen mag ein kleiner Hain abgeholzt worden sein, so viele recken sich in den Sommerhimmel. Die stählernen Spitzen von Lanzen und Piken, Hellebarden und Partisanen flammen rot im Sonnenlicht, als wären sie bereits mit Blut verschmiert, während überall zwischen den Zelten rund um die Tribünen und den eingefriedeten Kampfplatz wimmelndes Lagerleben herrscht.

Pagen tragen Botschaften und Herausforderungen hin und her, Kinder spielen Stock-und-Ball, Knappen polieren Schwerter, mühen sich mit den widerspenstigen Reittieren ihrer Herren ab oder tragen deren Jagdfalken spazieren. Man sieht Schmiede mit fahrbaren Essen, die hier und dort ihre Dienste anbieten oder Handkarren voll hochaufgetürmter Schwerter und Schilde hinter sich her ziehen, Stellmacher bei der Arbeit, Fuhrleute, die Heu und Hafer für die Reitpferde und Schlachtrösser der Ritter herbeikarren, Pasteten- und Zuckerbäcker oder Fleischbräter, die sich eine goldene Nase damit verdienen, aus kleinen Bauchläden Essen in die Hand zu verkaufen, Gaukler und Bänkelsänger, welche umherstreifen und zotige Weisen ebenso wie kleinere Kunststücke zur Unterhaltung zum Besten geben und natürlich Huren, die all ihre Verführungskünste aufbieten und alsbald o-beinig gehen und bei jedem Schritt vor lauter Münzen klingeln. Überall flattern die Wappen und Banner der Herzlande im Wind, doch sie prangen auch auf der rechten Brust von Kriegern und Dienern, auf den Seidenbannern, die Lanzen und Piken zieren, auf den Schilden, die vor den Pavillons hängen oder auf den Brustharnischen der Rüstungen, die wie es Sitte ist, vor den Zelten ihrer Träger Wache stehen.

Das Sommerfest zu Ehren Shenrahs ist weit über Talyras Grenzen hinaus für seine Wettkämpfe bekannt, und so ist es kaum verwunderlich, dass Ritter und Edelleute, Söldner und Krieger mit ihren Eheweibern, Liebchen und Huren, mit ihren Vätern, Schwestern oder Töchtern, mit ihren Knappen, Pagen und Dienern selbst aus so weit entfernten Fürstentümern wie den Nebrinôrthares oder Ildala oder der Wolfsmark, ja selbst aus den Freien Städten und den Drachenlanden des Ostens angereist sind. So hat Lord Rayn der Wolfsmark mit Eallair von Casteron, den alle Welt jedoch nur den Schwarzen Prinzen nennt, nicht nur seinem Bastardsohn und Erben geschickt, sondern stellt mit Rochesis von Castéron, genannt die Feuerschlange, einer Loaritterin und Eallairs Schwester, noch eine weitere Kämpferin im Buhurt. Èrard von Hattin, ebenfalls ein Bastard Lord Rayns, wird hingegen als Bogenschütze beim Wettschießen antreten… böse Zungen witzeln darob bereits im Vorfeld, der Buhurt und die Wettkämpfe stünden dieses Jahr wohl ganz im Zeichen der Rayns. Auch Sûrmera und die Nebrinôrthares haben berühmte Schwertkämpfer nach Talyra entsandt, etwa Sire Einion Hir aus dem Haus Surlot oder Sire Airaud Royan in seiner prachtvollen grün emaillierten Rüstung, die Wölfe der Anukis als goldene Einlegearbeiten auf dem Brustharnisch.

Der Weiße Greif Sire Morgan ap Pasgens, Kommandant der Weißen Greifen und Herr von Caer Branair ist ebenso vertreten, wie die Spottdrossel der Tástramaras aus den Nebrinôrthares. Die seidigen Banner der Weyrs aus den Sonnenhügeln Gríanàrdans wehen prunkvoll im Wind, das steigende elfenbeinfarbene Einhorn auf grünem Grund, ebenso wie die gekreuzten, silbernen Lauten Briocas. Aus dem fernen Belgrave ist niemand anderes als Sire Tammen Mesander angereist, ein junger Mann von zu gutem Aussehen und recht zweifelhaftem Ruf, aber schnell und tödlich mit dem Schwert, der das Banner des Schwarzen Greifen führt und dessen Rüstung die Farben seiner drachenländischen Heimat, blutrot und schwarz trägt, womit er auf seinem silbergrauen Cardosser einen wahrhaft beeindruckenden Anblick bietet. Auch Heckenritter haben sich eingefunden, um das ein oder andere Preisgeld einzustreichen, sich anderen, edleren Rittern im Buhurt als Verbündete anzubieten oder schlicht um durch Kampfesmut und Fähigkeiten auf sich aufmerksam zu machen, etwa Hwyl der Wilde, Duncan der Große oder Rath der Reißer. Natürlich werden auch talyrische Streiter im Buhurt zu Ehren des Sonnengottes vertreten sein – Sire Rhys Godfraidh aus dem Haus Godfraidh, zarte siebzehn Jahre jung und der ganze Stolz seines Vaters, Meithrin Godfraidhs, des Herren von Drôtian und "Lord des Kreuzweges," Tiuri Blutaxt vom Clan der Blutaxt, angenommener Sohn Borgil Blutaxts, Blaumantel und Stadtgardist, ein Ritter Loas samt seinem rabenschwarzen Höllengaul Njördyr oder Gwardur Rífbardán, Sohn des "Löwen der Schlacht", ein noch recht junger, aber schon kampferprobter Ritter der Mondfrau und einer der großen Favoriten des Buhurts.

Im Herzen des Feldes der Pavillons, direkt im Schatten der Stadtmauern liegen die von Sonnensegeln beschatteten Tribünen und Umzäunungen des Turniergeschehens. Der lange, rechteckige Kampfplatz, auf welchem der Buhurt stattfinden würde, ist mit starken Holzpalisaden umzäunt. Hinter den Schranken erheben sich die Logen und Tribünen und an der Mauerseite ein mitternachtsblauer Baldachin, verziert mit goldenen Löwen, wo sich Stadträte, hohe Würdenträger und bedeutende Adlige auf den besten Plätzen versammeln können.
Me? I'm dishonest. And a dishonest man you can always trust to be dishonest. Honestly. It's the honest ones you have to watch out for, 'cause you can never predict when they're going to do something incredibly… stupid.

2

Tuesday, August 5th 2014, 2:23pm

Noch ziemlich früh

Bræn flitzt lachend durch die Menge – obwohl es noch früher Morgen ist, sind schon zahllose Leute hier auf den Beinen - auf dem Feld der Pavillons, die kichernde Heledd an der einen Hand, in der anderen drei klebrige, aber riesige Honigfinger und sucht Tiuris Zelt. Irgendwo 'nahe am Seeufer bei der großen Eiche' hatte sein Da gesagt (und außerdem noch 'Fall mir ja nicht ins Wasser', 'Bleib mit Heledd bloß von den Schlachtrössern weg' und 'Dass du mir bloß keine Streitaxt von irgendeinem Ritter anfasst') – aber hier sind so viele Zelte und ein jedes sieht prachtvoller aus, als das andere. Nach Bræns felsenfester Überzeugung wäre das seines Ziehbruders zwar bestimmt das allergrößte und allertollste überhaupt, aber mit jedem prunkvollen Pavillon, an dem sie vorbeikommen, ist er sich da weniger sicher. Und wie aufregend alles ist! Ihm kribbelt und kribbelt schon den ganzen Morgen der Magen, als hätte er einen Ameisenschwarm darin. Außerdem gibt es neben den ollen Ritterzelten noch tausend andere Dinge zu bestaunen – die Farben und Wappen, die Pferde und Rüstungen, die Waffen, fahrende Ritter und ihre Knappen, hochgeborene Damen in kostbaren Gewändern, Blaumäntel auf Patrouille, ehrbare Bürger und Beutelschneider, Schausteller, Knechte, Spitzohren, Zwerge und Halbzwerge, ein Zentaur, Faron der Faun… ganz Roha scheint heute hier versammelt. Er hat schon mindestens ein Dutzend Gäste seines Da gesehen, die in der Harfe logieren, vor allem die in bunte Seide gewandeten Südländer, die selbst hier herumstolzieren wie die Pfauen, Zwerge aus Blurraent, die er kennt, seit er ein Dreikäsehoch war (nicht, dass er das jetzt nicht mehr wäre), Tante Nan, Cron und Shaerela hatten ihm gerade im Vorbeigehen zugewunken und Dayan und der Blaumantelrekrut wollten auch aufs Fest, soweit er weiß. Rimeon und Jojen sind bei seinem Da und seiner Mutter, weil man mindestens so viele Hände und Augen braucht, um Brion und Branon in Schach zu halten, aber Kara und Missa wollten auch vorbeischauen, und Brenainn würde bestimmt mit Olyvar kommen. Vielleicht bringt der Lord Commander ja Njáll mit, überlegt Bræn und lacht ein bisschen in diebischer Vorfreude, denn mit Njáll lassen sich die lustigsten Streiche anstellen – außerdem versteht er, warum Heledd immer dabei sein muss und das macht ihn praktisch zu seinem allerbesten guten Freund. Die Luft riecht nach Aufregung, nach Wasser vom Seeufer und nach poliertem Stahl, nach warmen Pferdeleibern und teuren Parfähs oder wie die Dinger heißen… und natürlich auch nach den verführerischen Bratgerüchen der zahllosen Stände, an welchen fetttriefende Würste ebenso verkauft werden wie gefülltes Fladenbrot, dicke Honigfinger oder gebackene Sterngucker am Spieß. Die Honigfinger hat er ja schon, einen für sich, einen für Heledd, einen für Tiuri. Wo ist denn jetzt das verflixte Zelt? Um sich spähend hält er nach blutigen Äxten auf irgendwelchen Schilden, Harnischen und Wimpeln, und einem schwarzen Pferd Ausschau, das Njördyr sein könnte, kann aber nichts erkennen, bis Heledd ihn am Ärmel zupft und in Richtung des Seeufers deutet. Da ist es – ganz nah, fast unter der großen Eiche, genau wie sein Da gesagt hat. In Gedanken geht er alles durch, was man ihm aufgetragen hat, Tiuri auszurichten, ehe man ihn nach endlosem Betteln endlich hatte gehen lassen. "Komm, wir schauen, ob er schon wach ist!"
"Bræn! Musst du wirklich in jede Schlammpfütze treten?"
"Ach Mama, die sind immer ganz genau vor meinen Füßen!"

Karamaneh

Stadtbewohner

Posts: 212

Occupation: Femme fatale

Location: Feenwasserbucht

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3

Tuesday, August 5th 2014, 3:20pm

Am Amirtag, irgendwo zwischen den Pavillons
Etwas später, aber immer noch ziemlich früh

Langsamen Schrittes schlendert Karamaneh mit Missandei an der Hand zwischen den zahlreichen Pavillons umher und bewundert lächelnd das bunte Farbenmeer aus Zelten, Fahnen und Bannern. Grid, Martheas älteste Tochter, hat ihr geholfen ihr glänzendes, honiggoldenes Haar zu abertausenden dünner Zöpfe zu flechten, welche anschließend ebenfalls wieder und wieder miteinander verflochten worden sind, bis am Ende jene komplizierte Frisur dabei herausgekommen ist, die die Malankari nun zur Schau trägt und die so manchen Blick auf sich zieht. Auf Schmuck hat Karamaneh indes, ganz entgegen ihrer üblichen Art, heute vollständig verzichtet und auch ihre Gewandung - ein cofeabrauner Saree mit dazu passendem sonnengelben Unterrock und Choli - ist elegant, aber dezent gehalten. Lediglich ihre Füße stecken in feinen Ledersandalen, deren Riemen mit goldschimmernden Stickerreien verziert worden sind. Missandei hüpft derweil in einem niedlichen sonnenblumenfarbigen Kleidchen mit roten und orangen Sonnenstickereien darauf, welches sie von Azra bekommen hat, neben der Malankari her. Eine einzelne leuchtend rote Schleife bändigt die wilde Lockenpracht des Mädchens nur mäßig.

Fröhlich bewundert Missa die flatternden Banner und lässt sich wissbegierig von Karamaneh über die Bedeutungen der verschiedenen Wappen und Schilde aufklären. “Schade das Ogoun nicht mitmachen wollte. Er könnte sie alle besiegen... außer Tiuri!“, verkündet das Mädchen laut im Brustton der Überzeugung ohne sich um die Blicke der tapferen Recken zu scheren, die ganz in der Nähe interessiert zu ihnen herübersehen. “Heledd und Bræn hätten mir sicher geholfen ein Banner für ihn zu basteln. Mit einem Sonnenlöwen drauf...!“ Missandei nickt heftig mit dem Kopf, um ihre Worte noch mehr zu unterstreichen, und Karamaneh lächelt erheitert. Missas absolutes Zutrauen in die Fähigkeiten des grimmigen Nande sind einfach herzerwärmend. Aber auch sie selber hatte Ogoun gute Chancen eingeräumt, weshalb sie ihn vor einiger Zeit tatsächlich gefragt hatte, ob er sich nicht im Buhurt messen wolle. Doch der stolze Nande hatte mit einer abfälligen Handbewegung entschieden verneint. Er habe es nicht nötig sein Können in einem albernen Wettstreit zur Schau zu stellen, hatte er ihr geringschätzig erklärt. Dabei hatte er es belassen und Karamaneh hatte nicht gewagt noch weiter nachzufragen. Dennoch muss sie Missa beipflichten, ein Banner mit einem Shenrah'slane darauf würde Ogoun gut zu Gesicht stehen. Irgendwie passt die große Raubkatze zu dem dunkelhäutigen Hünen.

“Wo sind Heledd und Bræn überhaupt?“, fragt Karamaneh mit ein paar schnellen Bewegungen ihrer Hände und Finger. “Hast du sie schon irgendwo entdeckt?“ Die Malankari zieht es nach wie vor vor in der Öffentlichkeit so wenig wie möglich von ihrer Stimme Gebrauch zu machen, egal wie oft Azra, Marthea und Sigrun sie zum Gegenteil zu ermutigen versuchen. »Du musst nur regelmäßig sprechen, Mädchen«, reden sie immer wieder auf Karamaneh ein. »Wirst sehen, mit der Zeit wird das schon wieder. Deine Stimme braucht bloß etwas Übung, um wieder in Schwung zu kommen...!« Die Malankari schiebt die Erinnerung an die gutgemeinten Ratschläge der drei Frauen beiseite und konzentriert sich stattdessen auf Missandei, die ihre Frage munter beantwortet. “Bræn und Heledd wollten zu Tiuri. Sein Zelt ist irgendwo am Seeufer glaube ich. Wusstest du, dass auf seinem Banner BLUTTRIEFENDE Äxte drauf sind?“ Mit einem kindlichen Schaudern verzieht das Mädchen die Schnute und schüttelt sich leicht. Kara lacht. Als Borgils Ziehsohn führt Tiuri ganz selbstverständlich das Wappen des Blutaxtclans auf seinem Banner. Bei der Beschreibung eben jenen Wappens hat Bræn, einer der zahlreichen leiblichen Sprosslinge von Borgil Blutaxt, Missa gegenüber aber vielleicht ein klitzekleinwenig übertrieben. Bluttriefend...?!

“Dann also zum Seeufer?“, erkundigt sich Karamaneh und Missandei nickt zustimmend. Gut gelaunt schlagen sie die entsprechende Richtung ein ohne sich dabei jedoch sonderlich zu beeilen. Es ist noch früh am Tag, die Wettkämpfe würden erst am Nachmittag beginnen und somit bleibt ihnen noch mehr als genug Zeit sich umzusehen, etwas zu essen und zu trinken, und das eine oder andere Schwätzchen zu führen, bevor sie zu den Tribünen eilen müssen, um sich gute Plätze für den Anblick des Spektakels zu sichern.
♥ "What am I? Does my poor history matter-to anyone?" ―Sax Rohmer: The Insidious Dr. Fu Manchu
♥ "Many, having looked into her lovely eyes, had they found there what I found, must have forgiven her almost any crime." ―Sax Rohmer: The Insidious Dr. Fu Manchu
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Elthevir

Elvis the Pelvis

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Occupation: Klingentänzer

Location: Vinyamar

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4

Tuesday, August 12th 2014, 9:50am

~ Am Morgen des Turniertages, bei Sonnenaufgang ~


Erst spät hat Elthevir sich entschieden, an diesem Sommerturnier teilzunehmen. Wie so oft in den vergangenen Zwölfmonden hat er seine Entscheidung bereut, den Weg in die Weltenstadt auf dem zwar ausdauernden und schnellen Wallach angetreten zu sein, der zwar ein ausgezeichnetes Reit- und Jagdpferd ist, aber nun einmal nicht für die Schlacht ausgebildet wurde. In diesem Jahr hat ihm nun Tennra Arúen angeboten jenen Fuchs zu reiten, den sie vor einigen Monden gekauft hatte. Ein schwerer Hengst und ein ausgebildetes Schlachtross. Erst hat er ablehnen wollen. Immerhin hat der Fuchs schon am ersten Tag im Stall von Vinyamar deutlich gemacht, dass er selber entscheidet, wen er in seine Nähe oder gar auf seinen Rücken lässt. Doch wider Erwarten aller (außer der Elbin und ihrer Tochter) hat der Hengst sich von dem Klingentänzer anstandslos zäumen und satteln lassen und ihn auch im Sattel akzeptiert. Seit jenem Tag hat er das Pferd jeden Tag bewegt, ist mit ihm ausgeritten und hat in den frühesten Morgenstunden am leeren Strand mit dem Hengst wieder und wieder all jene Lektionen geübt, die der einst gelernt hatte und die er in den vergangenen Jahren Mangels Übung vergessen aber ganz offensichtlich nicht verlernt hatte. Jetzt, am Tag des Buhurts, hat der Fuchs seine alte Wendigkeit und Schnelligkeit wiedererlangt und Ross und Reiter verstehen sich bestens.

Das silbergraue Leinenzelt mit dem weißen Quellenwappen des Hauses Valayar auf lichtblauem Grund davor steht ganz am Rand des Feldes der Pavillons, nahe am Wasser und der kühle Morgendunst vom See schmückt es mit Tautropfen, die im Schein der aufgehenden Sonne glitzern, um dann in der aufkommenden Wärme des Tagesgestirns rasch zu vergehen. Das Äußere des durchaus geräumigen Zeltes ist alles andere als prunkvoll, sondern ebenso schlicht und schmucklos wie die Einrichtung: Ein Kohlebecken, falls es nachts doch kühl werden würde (und das in der vergangenen Nacht ungenutzt geblieben ist), Scherenstühle, ein kleiner Tisch aus Zedernholz auf dem ein Tablett mit einer Teekanne und Schalen aus feinstem lackierten Holz steht, dann Schalen mit Obst, Brot und Salz, seine Schlafstelle mit Feldbett, Matratze, Kissen und Fellen neben der Truhe für die Kleidung der Turniertage. Und natürlich Elthevirs Waffen und sein Schild. Seine Rüstung steht, wie es Sitte ist, vor dem Zelt Wache: Ein Harnisch aus poliertem, leicht bläulich schimmerndem Stahl, auf deren Brustplatte Opalsplitter die weiße Quellfontäne schimmern lassen. Und davor der Schwertständer mit dem Caidlor, dem Schwertpaar Elthevirs aus Taqât und Tiril'Taqât.

Gerion, ein Knecht von Vinyamar und die beiden Knappen Ladir und Naenor haben das Zelt am Vortag aufgebaut und alles hergerichtet. Unter der Anleitung ihrer Herren haben die beiden Knappen sich um Waffen und Ausrüstung ebenso gekümmert, wie um sein Pferd. Und Cassandra, Gute Seele und Hausdrachen des Ulmenanwesens in einer Person, hat es sich nicht nehmen lassen, sich um seine Verpflegung zu kümmern und obendrein alles persönlich vorbei zu bringen. >Es kommt schließlich nicht oft vor, dass ein Angehöriger des Ulmenanwesens am Buhurt zu Ehren des Herrn der Sonne teilnimmt - genau genommen ist es noch nie vorgenommen, und Ritter hatten wir ja wissen die Götter schon genug im Haus<, klingen ihm ihre Worte noch im Ohr. So kommt es, dass Elthevir sich keinerlei Sorgen mehr darum machen muss, er könnte Besuch erhalten, dem er womöglich nichts anbieten könnte.

Die vergangene Nacht hat der Klingentänzer nicht auf Vinyamar verbracht, sondern hier in seinem Zelt. Noch vor Sonnenaufgang, das Tagesgestirn zeichnet kaum einen purpurnen Schimmer an den Horizont, ist er aufgestanden um im Ildorel zu schwimmen. Eine Angewohnheit, die er von der Herrin Vinyamars übernommen hat. Als er jetzt mit nassen Haaren und bloßem Oberkörper zu seinem Zelt zurückkehrt, sind die beiden Knappen Ladir und Naenor bereits dabei, sich um ihren Teil des Tagwerks zu kümmern.
Wahrhaft siegt, wer nicht kämpft
Sun Tsu

Ladir

Stadtbewohner

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Occupation: Page

Location: Vinyamar, Talyra

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5

Tuesday, August 12th 2014, 2:36pm

~ Am Morgen des Turniertags, bei Sonnenaufgang ~
Vor Elthevirs Zelt

Rückblickend erinnert Ladir sich immer wieder gerne an die Reise, die Miroyel und ihn im Gefolge von Gildin schließlich nach Talyra geführt hat. Ende Sturmwind war es gewesen als eine erste sanfte Sommerbrise sie durch die Stadttore geweht und auf den Weg zum Vinyamar-Anwesen gebracht hatte. Verträumt schaut der Junge vor sich hin, während er dem roten Fuchshengst, welchen Elthevir im Buhurt reiten wird, das Fell striegelt. Dabei ist der Knabe ganz in seine Erinnerungen versunken.

Der Weg von den Elbenlanden bis an den Ildorel war lang gewesen, länger als Ladir sich hatte vorstellen können. Und nicht immer war die Reise angenehm gewesen. Regen und Unwetter hatten ihnen ebenso zugesetzt wie eine unerwartete Hitzewelle, während der Ladir sich prompt einen Sonnenbrand geholt hatte. Auch mit den Wagen hatten sie Pech gehabt. Nachdem dem der eine während ihres Aufenthalts im Gasthaus an der Wegkreuzung repariert worden war, war einige Tage nach ihrer Weiterreise bei einem anderen das Rad gebrochen und sie hatten abermals halten müssen.
Miroyel und er hatten die Zeit genutzt die Gegend etwas näher zu erkunden, sofern es ihnen gestattet wurde und es ihre täglichen Pflichten zuließen. Gemeinsam hatten sie süße Beeren gesammelt, waren durch seichte Bäche gewattet, hatten Vögel und Rehe beobachtet und trockenes Brennholz für die abendlichen Feuer gesucht. Ohne es zu merken waren sie dabei kräftiger und ausdauernder geworden und ihre bleichen Nasenspitzen hatten ordentlich Farbe abbekommen. Abends hatten sie mit den Erwachsenen um die Feuer herum geseßen, ihre Kleider geflickt und den sich entspinnenden Gesprächen zugehört oder einfach nur dem Prasseln der Flammen gelauscht.

In aller Frühe waren sie schließlich wieder auf die Rücken ihrer Pferde geklettert und mit dem Tross weitergeritten. Ihre wunden Hinterteile hatten langsam zu schmerzen aufgehört, ihre O-Beine waren allmählich verschwunden und sie hatten die Zeit hoch zu Ross endlich wieder genießen können. Neugierig und offen für alles Neue hatten Ladir und Miroyel die vorbeiziehende sich stetig verändernde Landschaft bewundert, wobei beide Jungen ihr Augenmerk auf sehr unterschiedliche Dinge gerichtet hatten. Miroyel hatte Ladir in regelmäßigen Abständen auf interessante Tiere und Pflanzen aufmerksam gemacht, und Ladir wiederum hatte seinen Freund im Gegenzug auf in der Ferne erkennbare Siedlungen und von Menschenhand geschaffene Landmarken hingewiesen.

Ladir lächelt, während er dem Fuchs ein letztes Mal mit dem Striegel über das Fell streicht. Er hat unterwegs viel gelernt. Nähen mag er noch immer nicht sonderlich gern, aber er hat erkannt, dass es sehr wohl nützlich sein kann, die eigenen Kleider selber in Ordnung zu halten. Doch auch neue Dinge hat er gelernt: Worauf es zu achten gilt, wenn man eine Reise plant. Wie man Vorräte einteilt und sicher verstaut. Wie man ein gebrochenes Wagenrad repariert. Wie man Zelte auf und abbaut oder unter freiem Himmel lagert, wenn es nötig ist. Wie man sich so gut es geht vor Wind und Wetter schützt. Vor sengender Sonne und nicht enden wollendem Regen. Auch der nächtliche Sternenhimmel ist dem Elbenknaben heute vertrauter als zu Reisebeginn. Aufmerksam hat er den älteren, erfahrenen Elben zugehört und sich so manchen Trick abgeschaut, die für jeden reisenden Ritter nützlich sein können. Praktische Dinge vor allem. Wie man seine Zunderbüchse regensicher verstaut zum Beispiel. Oder wie man mit Wirtsleuten gute Preise aushandelt. Oder wie man sich Fremden gegenüber verhält, wenn man ihnen unterwegs begegnet. Voller Bewunderung hatte Ladir ein ums andere Mal Gildins Wortgewandheit und diplomatisches Geschick beobachtet.

Der Elbenjunge lässt die Hand, die den Striegel hält, sinken und streicht dem roten Fuchs respektvoll mit der freien Hand durch die Mähne. Der Hengst ist sehr eigenwillig und nur mit Vorsicht zu genießen. Das Tier duldet Ladir zwar in seiner Nähe und lässt sich von ihm meist auch anstandslos striegeln und bürsten, aber der Junge hat gelernt, die Launen des Roten nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Lächelnd wendet der Junge sich dem Zelt hinter sich zu. Er ist froh die Nacht zur Abwechselung hier und nicht im Vinyamar zugebracht zu haben. Auch dort hat er schon einiges gelernt. Beispielsweise das Cassandra Njarda in absolut nichts nachsteht. Gewiss würde sie ihm die spitzen Elbenohren langziehen, wenn er sich mit Dreck unter den Fingernägeln zum Morgenmahl an ihren Tisch setzt. Aber zum Glück ist sie ja nicht hier, denkt er verschmitzt und wäscht sich die Hände in einem Einer voll Wasser, welches eigentlich zum Tränken des Roten bereitsteht. Lächelnd lässt Ladir seinen Blick über das bunte Zeltmeer gleiten, welches ihn umgibt. Das Feld der Pavillons. Auf dem Sommerfest. Das Sommerfest. Der Junge ist noch immer ganz aufgeregt, weil er Shu're Elthevir beim Buhurt als Knappe dienen darf. Gemeinsam mit Gideon und Andovars Knappen Naenor, der die Nacht wie er selber in einem eigenen kleinen Zelt neben dem Hauptzelt zugebracht hat und gerade das Morgenmahl vorbereitet, hat er gestern das Zelt des Elbenritters am Rand des Feldes ganz nahe am Seeufer aufgebaut. So schlicht und hellgrau wie es ist, schaut es für Ladirs Geschmack im Vergleich zu den übrigen Zelten rein wenig langweilig aus, aber das behält er für sich. Die Hauptsache für ihn ist ohnehin, dass er nun hier ist.

Als er Schritte hinter sich vernimmt, dreht Ladir sich um, um zu sehen, wer sich nähert. Er rechnet mit Naenor, doch das leise Klappern von irgendwelchen Schüsseln erinnert ihn daran, dass der andere Knappe sich ja gerade um das Essen kümmert, welches Cassandra für Elthevir und sie vorbereitet hat. Stattdessen sieht er sich dem Elbenritter gegenüber, der offenbar soeben von einem Morgenbad im Ildorel zurückkommt. Hastig verbeugt der Knabe sich. “Khel Dar, Shu're Elthevir. Ich hoffe Ihr hattet Ihr eine angenehme Nacht?“ Verlegen und ein wenig schüchtern schaut Ladir zu dem hochgewachsenen Elben auf. Njarda war stets sehr darauf bedacht gewesen ihm und den anderen Pagen und Knappen im Adlerhorst gute Umgangsformen einzubläuen -- mit Erfolg. Schüchtern wartet Ladir ab, dass Elthevir das Wort an ihn richtet. Zwar lebt er nun schon eine Weile im Vinyamar, aber abgesehen davon, dass der Klingentänzer praktisch nie von Tennra Arúens Seite weicht, und somit fast immer zugegen ist, wenn man Ladir zu ihr schickt, hatte der Elbenjunge bisher nie sehr viel mit Elthevir zutun.
»When I grow up I want to be a little boy.«
· Joseph Heller ·

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Karamaneh

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Sunday, August 17th 2014, 2:43pm

Am Amirtag zwischen den Pavillons
Auf dem Weg zu Tiuris Zelt

Bei einem breitschultrigen, stämmigen Herzländer, der einen schweren Bauchladen vor sich herträgt erstehen Missandei und Karamaneh auf dem Weg zu Tiuris Zelt ein paar süße klebrige Honigfinger. Und die nette dralle junge Frau an der Seite des Händlers - vielleicht seine Tochter? - schenkt dem kleinen schwarzgelockten Mädchen auch noch ein paar saftige Sonnenbeeren dazu. Artig bedankt Missa sich und macht einen kleinen ungeschickten Knicks, wie sie es sich von den zahlreichen (möchtegern) Edelfräulein abgeschaut hat, die zwischen den Zelten herumschwirren. Die freundliche Händlerstochter kichert erheitert, woraufhin das Mädchen verlegen errötet und einen Schritt winzigen zurücktritt. Ein kleines Loch im Boden, vielleicht ein Mauseloch oder der tiefe Abdruck eines Pferdehufes, wird dem Kind dabei zum Verhängnis und es gerät ins Stolpern. Rücklings taumelt es und stößt dabei unachtsam mit jemandem zusammen, der soeben seinen Weg kreuzt.

“Dummes Görr, pass doch auf wo du hinläufst!“, knurrt die Frau, die von Missa angerempelt wurde und schaut das Mädchen und Kara verärgert an. Offenbar gehört sie zum Tross der Heckenritter, jedenfalls trägt sie keine Farben zur Schau, die Karamaneh etwas sagen, und auch das Wappen auf ihrem Schild ist der Malankari unbekannt. Missandei blickt ängstlich zu der Heckenritterin auf, nuschelt hastig eine Entschuldigung und versteckt sich dann - den Blick fest auf den Boden geheftet - schleunigst hinter Kara, um keinen weiteren Unmut auf sich zu ziehen. Auch die Malankari macht eine entschuldigende Geste, um die Frau zu besänftigen. Die Unbekannte schnaubt leise und lässt eine abfällige Handbewegung folgen, zieht dann aber wortlos weiter, wohl um den Festtagsfrieden zu respektieren.

Bekümmert schaut Missandei der Fremden nach, der Vorfall hat die fröhliche Stimmung der Kleinen merklich getrübt. Die Augen des Mädchens werden sogar noch trauriger, als es den großen grünen Grasfleck entdeckt, der nun auf seinem schönen neuen Kleid prangt. Als Kadamaneh dies bemerkt, geht sie hastig vor der Kleinen in die Knie, nimmt sie tröstend in den Arm und raunt Missa, nur für das Mädchen hörbar, etwas ins Ohr. Dann lacht sie leise, pflückt ein paar saftige Grasbüschel und im Nu verwandelt sie mit dessen Hilfe den unansehnlichen Fleck in ein paar grüne Blüten. “Siehst du“, erklärt Karamaneh mit fliegenden Fingern, “halb so schlimm.“ Mit strahlenden Augen betrachtet Missandei die neue Zierde ihres Kleides und nickt glücklich, während das verlorengegangene Lachen wieder auf ihr Gesichtchen zurückkehrt. “Lass uns weitergehen“, schlägt Kara ihr mit einer knappen Handbewegung vor, und gemeinsam setzen sie sich wieder in Bewegung.

Auf ihrem Weg zum Seeufer, wo Tiuris Zelt sich in der Nähe einer großen Eiche befinden soll, passieren sie unzählige Zelte und kommen auch an der Arena, in welcher der Buhurt abgehalten werden wird, vorbei. Unterwegs geraten sie zudem in einen größeren Besucherstrom, der ebenfalls dem Seeufer zuströmt, da sich dort auch das Wettkampfgelände fürs Bogenschießen befindet. Ob der Wettkampf bereits begonnen hat, kann Karamaneh nicht sicher sagen. Falls nicht, wird es aber gewiss jeden Augenblick soweit sein. Die Malankari kümmert sich allerdings nicht weiter darum, und setzt stattdessen ihren Weg zu Tiuris Zelt fort. Aus dem Augenwinkel heraus vermeint sie im Weitergehen noch kurz Dayan in der vorbeiströmenden Menge zu erspähen, erkennt jedoch rasch ihren Irrtum. Die Frau, die sie gesehen hat, sieht der Wandlerin auf den ersten Blick zwar ein klitzekleinwenig ähnlich, schon beim zweiten sind die Ähnlickeiten aber verschwunden. Kara ist von ihrem Fehler nicht weiter überrascht. Dayan hat ebenso wie sie selber bei Borgil in der Harfe Unterschlupf gefunden, aber die beiden Frauen hatten bisher nur selten miteinander zu tun und kennen sich daher bestenfalls flüchtig. Nach allem was Karamaneh über Dayan weiß - und das ist bei Ealara nicht wirklich viel - ist die schwangere junge Frau sehr nett und aufgrund ihrer freundlichen Art bei den Harfengästen sehr beliebt. Aus irgendeinem ihr selbst völlig unerfindlichen Grund hat Kara sich bis jetzt jedoch nicht getraut, sich mit der Wandlerin anzufreunden. Dabei fände sie es eigentlich schön, sich endlich einmal mit jemandem austauschen zu können, der über ähnliche Fähigkeiten verfügt. Doch stattdessen ist Karamaneh bis jetzt lieber scheu auf Abstand geblieben, und so weiß Dayan nicht einmal wie ähnlich ihr die Malankari tatsächlich ist.

Überhaupt hat Karamaneh in der letzten Zeit sehr zurückgezogen gelebt. Auch heute hat sie es wiedereinmal vorgezogen für sich zu bleiben, und lediglich in Begleitung von Missandei auf das Fest zu gehen. Immerhin, sie wird sich gleich mit Tiuri treffen und sich später vermutlich der Familie Blutaxt anschließen, um dem Buhurt zuzuschauen, aber seit der Sache im Felsenkessel hat sie sich schon länger nicht mehr mit größerer Gesellschaft umgeben. Ich muss wirklich wieder mehr unter Leute, begreift sie, und zuckt doch sogleich ganz unwillkürlich zusammen, als sie mit Missandei die bunten Zelte einiger südländischer Turnierwettstreiter passiert. Schnell eilt sie weiter, um so viel Abstand wie möglich zwischen sich und die Männer aus Azurien zu bringen. Da, erleichtert atmet Karamaneh auf, als sie an dem hellgrauen Zelt eines Elbenritter vorüberkommt und gleich darauf die Eiche und Tiuris Zelt davor erspäht. Sie entspannt sich wieder etwas und folgt Missandei, die fröhlich auf Tiuris Zelt zuzuhüpfen beginnt. Vom Wettkampfgelände der Bogenschützen her weht ein sachter Wind den Klang von Fanfaren herüber, während Kara sich ihrem Ziel nähert.
♥ "What am I? Does my poor history matter-to anyone?" ―Sax Rohmer: The Insidious Dr. Fu Manchu
♥ "Many, having looked into her lovely eyes, had they found there what I found, must have forgiven her almost any crime." ―Sax Rohmer: The Insidious Dr. Fu Manchu
♥ "Karamaneh is a beautiful toy, I grant you; but so is a cobra." ―Sax Rohmer: The Return of Dr. Fu Manchu

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Elthevir

Elvis the Pelvis

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7

Sunday, August 17th 2014, 4:11pm

Der Junge, Ladir, ist eigentlich der Page von Tennro Gildin. Eigentlich sollte Elthevir dankbar sein. Andere wären es auch und würden es eine große Ehre nennen, dass der Sternenwächter ihm seinen eigenen Knappen zur Verfügung stellt. Er selber sieht das ein wenig anders. Ladir ist jung, sehr jung, noch keine zehn Sommer alt und hat gerade erst seine Pagenzeit begonnen. Er hat keine Ahnung, wie es auf einem Turnier zugeht. Er hat nie gesehen oder erfahren, wie sehr sich ein Buhurt vom Tjost unterscheidet… oder von den Übungsstunden auf dem Waffenhof. Elthevir sieht vor allem die Verantwortung, die dieser Knabe für ihn bedeutet. Und beinahe hätte er daher das Angebot Gildins abgelehnt, als der es vor einem Siebentag gemacht hat, und Tennra Arúen gebeten, dass sie ihm ihren Knecht Gerion für den Tag als Knappen überlässt. Erst Gildins Versicherung, er und Shu're Andovar würden am Turniertag auch an der Schranke der Turnierbahn sein und ein Auge auf Ladir und Naenor haben, hat ihn schließlich umgestimmt. Die beiden Elben würden eingreifen, sollten die Jungen überfordert sein.

"Khel Dar, Ladir. Ja, ich hatte eine ruhige Nacht." Mit einem angedeuteten Neigen des Kopfes erwidert er den Morgengruß des Knaben. Er fragt ihn nicht, aber Elthevir vermutet, dass der Junge vor lauter Aufregung nur wenig Ruhe gefunden hat. Prüfend wandert sein Blick über den Fuchshengst, der sich gerade mit dem Hafer in seinem Futtereimer beschäftigt. Das Fell glänzt in der aufgehenden Morgensonne, die Mähne ist gekämmt und wie es aussieht, hat sich der Junge auch um die Hufe gekümmert. Kurz klopft er dem Pferd den Hals und lässt dann die Hand nach unten gleiten. Ein Bein nach dem anderen prüft er Sehnen und Gelenke auf Schwellungen, heiße Stellen oder andere Verletzungen. Gewohnheit langer Jahre, aber alles andere als überflüssig. Von der Wendigkeit und Standfestigkeit und damit von den Beinen des Pferdes werden in den nächsten Stunden sein Erfolg oder Misserfolg und damit in nicht geringem Maße auch seine Gesundheit abhängen. "Er sieht gut aus, ordentliche Arbeit", stellt der Klingentänzer lobend fest, als er sich wieder aufrichtet. "Nach dem Frühstück werde ich mir den Turnierplatz genauer ansehen. Ich möchte, dass Du in der Zeit zusammen mit Naenor alles vorbereitest und es nochmal kontrollierst: Sattel und Zaum von Noro und seine Schabracke." Die Ausrüstung des Pferdes für den Buhurt stammt noch von seinem einstigen Besitzer. Der Templer war vor einer Dekade ohne den Roten in die Schlacht gezogen, und als dessen Knappe den Roten gestohlen hatte, war all das auf Vinyamar zurückgeblieben. Gerion hatte den Schutz des Pferdes aus beschlagenem Leder ordentlich verstaut und stets gepflegt - und heute würde es wieder zum Einsatz kommen.

Es sind nur wenige Schritte bis zum Zelt, doch der Weg reicht, dass eine vorbeigehende Frau die Aufmerksamkeit auf sich zieht. Eine Menschenfrau, kleiner als Elbinnen gewöhnlich sind und von schlanker Gestalt. Ihre Bewegungen, deren Anmut und Geschmeidigkeit sind es, die noch vor der goldenen Haarpracht seinen Blick einfangen. Ihr Gewand ist für seine Augen trotz der zurückhaltenden Farben ein ebenso schöner wie exotischer Anblick, dem er mit den Augen folgt, bis sie sich einem Zelt in der Nähe unter der Eiche zuwendet. Wer auch immer der Recke sein mag dem ihr Besuch gilt, Vater, Bruder oder Gemahl, er gehört nicht zu jenen eitlen Gecken, die im Hochsommer mit seidenen Zelten in schreienden Farbenangeben, womöglich noch kombiniert mit dunklen Farben für den Kontrast.
Mit einem Nicken weist er Ladir auf das Zelt hin, das ebenso schlicht ist wie sein eigenes. "Dort hat ein kluger Mann sein Lager aufgeschlagen. In der Beerenreifhitze wird es hier in Seenähe in einem Leinenzelt lange nicht so heiß und stickig werden, wie in dem protzigen Pavillon dort drüben in Schwarz und Dunkelrot… und ruhiger ist es hier am Rand des Pavillonfeldes außerdem."
Vor seinem eigenen Zelt hat Naenor bereits das Frühstück fertig: Frisch aufgebrühter grüner Tee, warmes, geröstetes Fladenbrot und ein Eieromelett mit gedünstetem Gemüse. "Naenor. Wenn ihr nachher alles für Noro vorbereitet habt, kümmerst Du Dich anschließend um das Rüstzeug. Ladir soll Dir dabei zusehen." Nun zeigt sich auch, was Njardas Schule wert ist. Ohne, dass Elthevir etwas sagen oder anweisen muss, macht Ladir sich daran das Morgenmahl für den Klingentänzer auf dem Tisch im Zeltinneren herzurichten und zieht sich dann mit dem anderen Knappen zurück um selber auch etwas zu essen.
Wahrhaft siegt, wer nicht kämpft
Sun Tsu

Tiuri

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8

Monday, August 18th 2014, 10:33pm

Am Morgen des Turniers

Gerade noch hat er, ein Kissen über dem Kopf, halb zugedeckt und alle viere von sich gestreckt, den Schlaf der Gerechten geschlafen, als ihn plötzlich jemand mit Schwung in den Bauch tritt und ein anderer Angreifer ihn je, aber ziemlich schwächlich zu würgen beginnt. Wie von der Tarantel gestochen fährt der junge Ritter hoch um sich dem vermeintlichen Angreifer zu stellen und blickt dabei in ein weit aufgerissenes grünes Augenpaar. Erschrocken zieht Heledd ihre Ärmchen von Tiuris Hals zurück, während Bræn, immer noch in Tiuris Magengrube sitzend, laut zu lachen beginnt.
„Sehr komisch ihr zwei!“ stellt er schmunzelnd fest, gähnt herzhaft und setzt Heledd mit Schwung neben Bræn zu ihm aufs Bett. Natürlich hatte seine neue kleine Schwester auch ihm, wie all den Bewohnern der Goldenen Harfe, von dem Tag an dem sie bei ihnen eingezogen ist, den Kopf verdreht. Auch jetzt kann er sich einfach nicht eines Lächelns erwehren wenn sie ihn so anblinzelt. Er ist nur froh, gestern Nacht alleine zurück in sein Zelt gegangen zu sein sonst hätten die Kinder heute nicht nur ihn, sondern auch die hübsche blonde Schmiedetochter geweckt.

„Was macht ihr zwei eigentlich hier schon in aller Götter Frühe?“ fragt er schließlich, fährt sich selbst durch das wirre Haar und wuschelt dann auch Bræn grinsend durch den Irokesen, weil er weiß, wie er den kleinen Bruder am besten ärgern kann. Er lässt die zwei Kinder auf seinem Bett sitzen, froh zumindest in einer langen weichen Leinenhose geschlafen zu haben und wandert auf der Suche nach seinem Hemd durch sein Zelt. Ich hätte einen Suchhund mit hier rein nehmen sollen…

So einfach sein Zelt äußerlich auch gehalten ist, aus hellem Leinen mit lediglich schwarzen Bannern auf denen die Axt des Blutaxtclans abgebildet ist, was die Größe anbelangt hat Borgil sich nicht lumpen lassen und seinem Jungen ein halbes Haus geschenkt. Das Zelt ist beinahe doppelt so groß wie die meisten Pavillions seiner Mitstreiter und beherbergt eine komplette Einrichtung. Natürlich haben er und einige der Blaumäntel hier gestern noch etwas gefeiert und untereinander Wetten abgegeben wer ihrer Meinung nach den Buhurt gewinnen würde. Natürlich hatte keiner von ihnen auf Tiuri gesetzt – nicht mal er selbst – sondern ihm in den schillerndsten Farben ausgemalt auf wie viele verschiedene Arten man (üblicherweise extrem blutig und übertrieben) in einem Buhurt sterben kann. „Wenn ich deinen zerschmetterten Körper raus kratze, kann ich dann dein Kettenhemd erben?“ hatte einer seiner „Freunde“ lachend gefragt und mit dem schimmernden Yalarishemd geklimpert. „Vergiss die Rüstung, ich will Fahl!“ kam von einem anderen sofort. „Ihr seid allesamt Leichenschänder, was wollt ihr sonst noch, Njördyr?“ hatte Tiuri lachend geantwortet, aber nur in völlig entgeisterte, kopfschüttelnde Gesichter geblickt, bevor allesamt in Lachen ausgebrochen waren und sie noch einmal darauf angestoßen haben, dass entweder Gwardur Rífbardán oder der riesige Elbenkrieger aus dem Nachbarzelt Tiuri in wenigen Stunden vermutlich den Schädel einschlagen würde.

Er findet sein Hemd schließlich, ziemlich zerknittert unter einem Stuhl und wirft es sich über die Schulter. Der Platz unter der alten, schattenspendenden Eiche und nahe dem Wasser ist eindeutig der Beste auf dem ganzen Feld. Nur einmal schnell den Kopf ins Wasser halten!
Mit Schwung tritt er durch die beiden Stoffbahnen des Zelteinganges an dessen Seiten sein schwarzer Schild – ebenfalls mit der Axt des Clans – und Fahl angebracht sind. Angst, dass etwas hier gestohlen oder sabotiert werden könnte hat er nicht, denn ebenfalls vor dem Zelt steht sein Herdenschutzpferd Njördyr, wie immer mit einer Laune wie der Dunkle persönlich. Doch anstatt einer schwarzen Pferdenase sieht er sich einer honigblonden Erscheinung in einem cofeabraunen Saree gegenüber. Egal wie früh am Morgen es sein mag, Karamaneh ist wie immer perfekt zurecht gemacht und sieht so schön aus wie die strahlende Morgensonne.
„Guten Morgen!“ stellt er überrascht fest, während Missandei schon hüpfend um ihn herum zu tanzen beginnt. „Und guten Morgen Prinzessin!“

Ladir

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9

Monday, August 18th 2014, 11:20pm

~ Am Morgen des Turniertags, bei Sonnenaufgang ~
Vor Elthevirs Zelt

Ladirs Augen beginnen zu leuchten, als Elthevir ihn dafür lobt wie gut er den Fuchshengst -- Noro -- versorgt hat. Das Lob bedeutet ihm viel. Bisher sind er und der Elbenritter noch nicht ganz warm miteinander geworden. Ladir fällt es schwer den kühlen, stets vollkommen beherrscht erscheinenden Klingentänzer richtig einzuschätzen. Sicher, Elthevir behandelt ihn gut, aber er bis jetzt nur wenig Worte für ihn übrig gehabt. Ladir weiß es zwar nicht sicher, vermutet aber dass Elthevir ihn für zu jung hält, um als Knappe bei einem Buhurt zu dienen. Und auch wenn er dies weder Miroyel und Naenor, noch einem Erwachsenen gegenüber zugeben würde, so kränkt ihn der Gedanke in seinem kindlichen Stolz. Er ist selbst einfach noch nicht erwachsen und erfahren genug um zu erkennen, dass Elthevir lediglich um ihn besorgt ist, und dass es für den Elbenritter eine große Verantwortung bedeutet, sich um ihn zu kümmern. Allein die Vorstellung ist Ladir völlig fremd. Irgendwann, in ferner, ferner Zukunft, wenn er an eigener Erfahrung reicher geworden war, würde er vielleicht auf dieses Sommerfest und das Turnier zurückblicken und Elthevir verstehen, doch nicht heute. Nicht im zarten Alter von neun Jahren, wenn man sich trotz oder gerade aufgrund der eigenen Jugend für praktisch unbesiegbar hält.

Der Blick des Knaben folgt jenem des Klingentänzers und deckt ebenfalls die Menschenfrau, die in einiger Entfernung an Elthevirs Zelt vorüberkommt und sie offenbar nicht bemerkt. Für ihre Schönheit und Anmut hat Ladir allerdings im Gegensatz zu dem Elbenritter keinen Blick übrig. Ihn interessiert vielmehr das schmächtige Mädchen mit dem wilden Lockenkopf, welches fröhlich vor der Fremden her hüpft. Ein bisschen beneidet der Junge die Kleine um ihre Sorglosigkeit. Sie und ihre Mutter (oder ältere Schwester?) sind hier, um das Fest zu genießen. Ladir hingegen hat mittlerweile mitbekommen, dass es einiges an Arbeit bedeutet, einem Ritter beim Buhurt als Knappe zu dienen. Und nicht alle seine Pflichten machen Spaß. Pferdeäpfel schaufeln beispielsweise ist nun wirklich kein großes Vergnügen.

Als Elthevir ihn auf das Zelt aufmerksam macht, auf welches die Frau und das Mädchen zuhalten, schaut er interessiert -- und wirkt zunächst enttäuscht, denn das Zelt sieht ähnlich schlicht aus wie ihre eigenen. Elthevirs Worte lassen Ladir die Zelte jedoch schnell in neuem Licht erscheinen. Darüber, dass das schlichte einfache Aussehen vor allem auch einem praktischen Nutzen dient, hat der Junge bisher noch gar nicht nachgedacht. Erst jetzt, wo der Klingentänzer das Offensichtliche anspricht, ergibt es auch für Ladir einen Sinn. Es stimmt tatsächlich, bereits gestern beim Aufbauen hatte er bemerkt wie angenehm kühl es unter der hellgrauen Leinentuchbahnen trotz der sengenden Sommerhitze gewesen war. “Oh“, murmelt er, als er begreift. Der schwarz-rote Pavillon -- Ladir hat ihn bereits am vergangenen Tag bewundert -- sieht wirklich hübsch aus, doch Elthevirs Worte lassen ihn mit einem Mal viel weniger verlockend erscheinen. Der Duft von warmem Eieromlette und gedünstetem Gemüse, der nun langsam in seine Nase steigt, ist hingegen geradezu verführerisch. Ladirs Magen knurrt leise ohne das der Junge etwas dagegen tun kann und er errötet verlegen. Hastig nickt er, um Elthevir zu verstehen zu geben, dass er verstanden hat, was der Elb von ihm erwartet, dann geht er eifrig dazu über das Morgenmahl für den Ritter in dessen Zelt herzurichten. Der Knabe ist sich dessen nicht bewusst, aber Njardas gute Schule in Verbindung mit seinem Wunsch seine Sache als Knappe gut zu machen und Elthevirs Anerkennung zu gewinnen, zeigen deutliche Wirkung.

Nachdem Ladir und Naenor ihr gemeinsames Morgenmahl beendet haben, machen sie sich daran den ihnen aufgetragenen Aufgaben nachzukommen. Als Älterer der beiden übernimmt Naenor das Kommando und weißt Ladir an, was er als nächstes zu tun hat. Noch mehr Mädchenkram von dem der Elbenjunge mittlerweile gelernt hat, dass er keinesweg reiner Mädchenkram ist, als da wären: Tische abräumen, Geschirr spülen und Essensreste entsorgen bzw. für den späteren Verzehr sicher verstauen. Daher macht sich Ladir daran Elthevirs Tisch abzudecken, nachdem der Klingentänzer sein Mahl beendet hat, und beginnt ihrer aller Essgeschirr in einer Waschschüssel zu säubern, welche er zuvor mit klarem Seewasser gefüllt hat, während Naenor beginnt das Rüstzeug zu sichten, damit sie sich sofort darum kümmern können, sobald Ladir mit dem Abwasch fertig ist. Da der Junge weiß, dass es allein von ihm abhängt wie schnell er sich der in seinen Augen wesentlich interessanteren Aufgabe zuwenden kann, versucht er die lästige Pflicht des Geschirrspülens so rasch es geht hinter sich zu bringen. Die dreckigen Platten und Becher klappern in dem Wasser, während er sich bemüht sie mit einem Lappen ordentlich sauber zu schrubben, und das ehemals saubere Seewasser wird immer dunkler und dunkler. Dann und wann schaut Ladir von der Waschschüssel auf und blickt zu Elthevirs Zelt hinüber, wobei er sich fragt, was der Elb wohl gerade macht. Zu gerne würde er einen Blick riskieren, aber er weiß, dass Neugierde sich für einen Ritter nicht gehört. Und er will schließlich irgenwann einmal auch ein Klingentänzer werden und sich wie Elthevir im Buhurt messen. Mit einem leisen Seufzen schafft er das schmutzige Spülwasser fort.

Nachdem der Abwasch endlich erledigt ist -- den Göttern sei Dank war es weniger schmutziges Geschirr als es zunächst aussah -- kann Ladir sich schließlich zu Naenor gesellen, der bereits damit begonnen hat, sich um das Rüstzeug zu kümmern. Aufmerksam schaut Ladir dem Älteren zu, lässt sich jeden einzelnen Handgriff ganz genau erklären und befolgt anschließend gewissenhaft jede Anweisung, die Naenor ihm erteilt. So vergeht die Zeit...
»When I grow up I want to be a little boy.«
· Joseph Heller ·

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Wednesday, August 20th 2014, 6:23pm

"Ihr könnt Euer Pferd hier nicht anbinden!", empört sich ein drahtiger kleiner Mann neben Learcan, als dieser sich anschickt, sein schwerfälliges Kaltblut-Arbeitspferd neben einigen nervös tänzelnden, sehr viel edleren Tieren anzubinden. "Dieser Bereich ist nur für Pferde, die am Turnier teilnehmen", ergänzt er näselnd und bekommt vor Aufregung über Learcans Dreistigkeit hektische Flecken auf den Wangen.
"Hmpf", antwortet Learcan und betrachtet nachdenklich Elsi, die neben den stolzen Edelrössern so unpassend wirkt wie ein Narg inmitten einer Elbenversammlung. "Dann meldet sie halt an. Ihr könnt mir ja hinterher erzählen, ob sie was gewonnen hat", fügt er hinzu und ein kurzes Grinsen huscht über sein Gesicht. "Aber Herr...!"
Learcan hört gar nicht mehr zu und entfernt sich einfach, während der Mann ihn weiterhin empört verfolgt. "Das geht nicht!" "Ist schon gut. Ich bin bald zurück. Passt gut auf sie auf! Sie ist ein Juwel unter
ihrer rauen Schale!" Mit diesen Worten gibt Learcan dem Mann ein paar Münzen in die Hand und geht dann schließlich weiter. Der Mann will ihm erneut folgen, überlegt es sich dann aber anders. Kopfschüttelnd über so viel Dreistigkeit besieht er sich die Münzen in seiner Hand, zuckt dann leicht mit den Schultern und geht zu den Pferden zurück .

Learcans Interesse gilt längst den vielen Zelten und unterschiedlichen Bannern, die im Wind flattern. Nur wenige sind ihm bekannt.
Trotz der frühen Stunde ist schon viel Volk auf den Beinen. So viel Trubel ist Learcan gar nicht mehr gewöhnt. Die letzten Monate hat er relativ abgeschieden auf einem Hof südlich von Talyra verbracht. Nachdem er erfahren hatte, dass es weiterhin seine Aufgabe sein wird, den Mondsteinschlüssel zu hüten, kam es kurz darauf zu einem folgenschweren Zusammentreffen mit seinen Verfolgern. Zwar konnte er den Mondstein retten und sich seiner Verfolger endgültig entledigen. Learcan wurde bei dem Angriff jedoch selber schwer verletzt. Nur dem Zufall war es zu verdanken, dass ein Bauer ihn fand und auf seinem Hof gesund pflegte. Nachdem es Learcan besser ging, blieb er ein paar Tage auf dem Hof, um sich für die Pflege und Fürsorge erkenntlich zu zeigen. Nach einer schlechten Ernte und einem räuberischen Überfall war dort jede Hilfe willkommen und so wurden aus Tagen Wochen und aus Wochen mittlerweile einige Monate, in denen Learcan kaum sein neues Zuhause verließ. Er fand Gefallen am einfachen Leben, der harten Arbeit und den Menschen dort.
Vor dem Winter hat er vor, weiterziehen. Vielleicht zurück in seine Heimat. Aber noch verschwendet er keinen Gedanken daran.
Heute will er den Tag genießen, sich das Turnier ansehen und sich einfach inmitten des bunten Geschehens ein wenig treiben lassen.

Ist das dahinten nicht dieser Elthrevir?, überlegt Learcan, kann es aber nicht mit Bestimmtheit sagen, denn er sieht Lady Aruens Beschützer nur aus einiger Entfernung in eines der Zelte entschwinden.
Dafür macht der Normander nun ein Gesicht in der Menge aus, das er wohl überall wiedererkennen würde, und sei es nur wegen der auffälligen Tätowierung, die es ziert. "Lorwen!" Learcan geht schnellen Schrittes auf sie zu und mustert die Elbin lächelnd, erfreut darüber, sie gesund und munter zu sehen. "Was treibt dich hierher? Wirst du an den Wettkämpfen teilnehmen?"

Esme

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Wednesday, August 20th 2014, 8:34pm

Tuniertag

Wie jedes Jahr zog die Sippe um Esme mit der Karawane ein. Es wurde getanzt, gelacht, gesungen und hin und wieder formten die dunklen Troubadoure zusammen mit ihrer Schwester menschliche Pyramiden und so manch einer hielt beim Anblick die Luft an, so spektakulär fand man es.
An jedem Tag trat Esme mit ihren Brüdern auf. Sie waren einfach überall und nirgends, schließlich ist der Glan groß und überall gern gesehen und gar eingeladen. Esme und ihre Brüder waren ein Garant für besten Umsatz.
Gerade treten sie vor den großen Mengen an Besuchern für das Sommerturnier auf, die in Scharen gekommen sind, um ihre Vorstellung zu sehen und auch da sie an der Wagenburg vorbei kommen.
Darius stimmt für seine Brüdern und seine Schwester seine Laute an. Esme, in kurzem Rock und Mieder, schwingt sich über ein Trapez gekonnt auf ein Hochseil und tritt zum anderen Podest als wäre das Seil der feste Boden. Aaron und die drei restlichen Brüder Esmes klettern ebenso geschwind hinauf und führen rasante Akrobatik vor. In dessen Mitte immer die tänzelnde Schwester. Sie führen mit viel Charme und Talent eine bekannte Ballade auf, alles hoch zu Lüfte und in tadelloser Perfektion.
„Zu Tyala am Ildorel,
wohnt eine Zauberin,
die war so schön und ein Juwel,
und riss viel Herzen hin.
Sie machte viel zu schanden,
der Männer rings umher.
Aus ihren Liebesbanden,
war keine Rettung mehr.
Loreley, Loreley, Loreley, Lo-oreley
Der Templer ließ sie laden,
vor Geistliche Gewalt,
doch musst er sie begnaden,
so schön war ihr Gestalt.
Er sprach zu ihr gerühret:
Du schöne Loreley.
Wer hat dich den verführet
zu böser Zauberei?
Loreley, Loreley, Loreley, Lo-oreley
Mein Schatz hat mich betrogen,
hat sich von mir gewandt.
ist fort von hier gezogen,
dort in ein fremdes Land.
Drum lasst mein Recht mich finden.
Mich sterben wie ein Haufen Mist.
Denn alles muss verschwinden,
wenn er nicht bei mir ist.
Loreley, Loreley, Loreley, Lo-oreley
Der Templer ließ drei Ritter holen.
Bringt sie ins Kloster hin.
Geh Lore Inari befohlen,
Seit dein betrübter Sinn.
Zum Kloster nun sie ritten,
der Männer alle drei
und traurig in der Mitten
die schöne Loreley.
Loreley, Loreley, Loreley, Lo-o-oreley
Oh Ritter, lasst mich gehen,
auf diesen Felsen groß.
Ich will noch einmal sehen,
nach meines Liebsten Floß.
Oh sehet nur, da gehet
ein Schifflein auf dem Ildorel.
Der in dem Schifflein stehet,
das könnt mein Liebster sein.
Mein Herz wird mir so munter,
es muss mein Liebster sein.
Da lehnt sie sich hinunter
und stürzet in den Ildorel.“
Inzwischen hat sich Esme in ihrer Rolle in ein langes schwarzes Tuch gewickelt und mit dem Sturz der Holden im Lied lässt sich die Seiltänzerin vom hohen Podest fallen. Es dreht sich atemberaubend schnell auf. Die Zuschauer halten den Atem an. Eine Damen und auch Herren quietschen in allen hohen Tönen. Dann aber, kurz vor dem Boden, endet das Band und Esme springt mit einem Überschlag und einem Rad und einer schwindelerregenden Tanzdrehung davon und entschwindet der Bühne mit tosendem Applaus und Darius Stimme, in die Aaron, Yan, Nerjan, Espen einstimmen.

„Loreley, Loreley, Loreley, Lo-o-oreley
Loreley, Loreley, Loreley, Lo-o-oreley
Loreley, Loreley, Loreley, Lo-o-oreley
Loreley, Loreley, Loreley, Lo-o-oreley“


Lied: verändert, Original die Streuner

Tyalfen

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12

Saturday, August 23rd 2014, 6:21pm

In und um Aniras Zelt

Zur frühen Morgenstunde, noch bevor sich Shenrahs strahlendes, allsehendes Auge gänzlich über die unzähligen Zelte und Banner rund um den Turnierplatz erhoben hat, erreicht das Fuhrwerk das erste Zelt neben dem Durchlass der Palisaden zur Arena. Gestern Abend noch hatten sie es errichtet, die Männer des Hauses der Heilung, Phelann (ein Bär von einem Mann und von Haus aus ein angenehm schweigsamer Zeitgenosse), Leannan (der Gehörlose und überaus geschickt in praktischen Dingen) und Tyalfen. Im Vergleich zu den anderen Zelten kann dieses hier mit deren Farbenpracht und Zierrat nicht mithalten, muss es aber auch nicht. Die im Morgenwind flatternden Banner und Wimpel im Zeichen der Anira sprechen für sich und können an diesem prädestinierten Platz keinem Besucher des Turniers entgehen. Hier harrt kein edler Ritter, kein Lord und kein Königsspross darauf, Mut und Geschick unter Beweis zu stellen, um Ruhm und Ehre zu erlangen. Nein hier wird ein Jeder schnelle Hilfe finden, der im Wettstreit, ganz gleich ob im Turnier oder selbst arrangierten Kräftemessen oder durch Unachtsamkeit im Gedränge der Menge oder sonstwie des Leibes zu Schaden kommt, ganz gleich wer er sein mag..

Noch allerdings mangelt es dem Zelt an Einrichtung und so schicken sich eben jene drei Männer an, dass Fuhrwerk zu entladen. Vier stabile, einfache Liegen bauen sie auf und tragen sie in den hinteren Teil des geräumigen Zeltes, zwei dicht an die rückseitige Zeltwand geschmiegt zum Ruhen und je eine an die Seitenwände doch mit genügend Abstand zu diesen an jeder beliebigen Seite Behandlungen durchführen zu können. Leichte, schmale Paravents trennen die Liegen voneinander und vom vorderen Bereich des Zeltes, dort wo auf der einen Seite all die Truhen und Kistchen mit Behandlungsmaterialen, Decken, Laken, Tücher und ein Fass Quellwasser abgestellt werden, während sie gegenüber vier Sitzplätze zur Behandlung leichterer Blessuren einrichten. Angehörige werden mit einem Sitzplatz auf einfachen Bänken unter dem Sonnensegel vor dem Zelt vorlieb nehmen müssen, denn so groß das Zelt zunächst erscheinen mochte – dass übrigens eine großzügige Leihgabe eines bestens situierten Kaufmanns für diesen Anlass ist – mit allem benötigtem Hab und Gut ausgestattet erschöpft sich sein Fassungsvermögen.

„Nein Phelann, die Trage steht uns hier drinnen nur im Weg. Lehn sie am Besten gegen den Karren, aber so, dass mir keiner darüber stürzt.“ Mit Beginn des Buhurts würden sie samt der Trage einsatzbereit in der Arena sein und hoffen, dass alle Reiter das Rennen auf ihren edlen Rössern beendeten, während die Lehrmädchen am Zelt bleiben und Tyalfen im Notfall hinzu holen sollten. Nach dem Buhurt würden Phelann und Leannan mit dem Fuhrwerk ins Haus der Heilung zurückfahren. Aber die Mädchen, wo bleiben sie denn? Es gibt noch so viel im Zelt vorzubereiten, dass Tyalfen ihnen die Leviten lesen würde, sollten sie sich an einem Tag wie diesem verspäten, da alles Hand in Hand funktionieren muss. Er muss es nicht, nur wenige Augenblicke später hört er schon ihr Geschnatter und Kichern vor dem Zelt erklingen. „Aber wie er Dich angesehen hat.“ „Das macht ihn auch nicht hübscher.“ Wie Mädchen in diesem Alter so sind, interessieren sie sich natürlich für die Knappen, die zu dieser Stunde um die Zelte huschen, um ihren Herren bei ihren Vorbereitungen zu Diensten zu sein. „Wenn die Damen dann soweit wären einzutreten.“, schlägt Tyalfen die Eingangsplane zurück, um die Mädchen in empfang zu nehmen. „Guten Morgen, Herr Tyalfen.“, knicksen die Mädchen übertrieben und grinsend und Zaira hält ihm strahlend ein Bündel entgegen. „Die Überwürfe sind doch noch fertig geworden.“ „Die Götter zum Gruße“, erwidert Tyalfen gelassen und hätte sich doch gewünscht, die scheußlichen Überwürfe wären unvollendet geblieben, sie sind nämlich für sie bestimmt, die Mädchen und ihn selbst, damit man sie gleich als Heiler erkannte. In kühlem Grau mit dem Zeichen der Anira auf Brust und Rücken, dem Anirastab um den sich zwei weiße Schlangen winden, werden die Lehrmädchen Schürzenkleider tragen, während sein Überwurf an die Wappenröcke der Ritter angelehnt ist … leider. Ein dezenteres Wams wäre ihm lieber gewesen. Doch der edle Spender legte Wert darauf, nicht den Anschein von Knausrigkeit erwecken zu wollen, also wird er es über seiner weißen Tunika tragen … später ... und nur hier zu diesem Anlass.
Wenn Du glaubst, dass Frauen das schwache Geschlecht sind, versuch mal nachts Deinen Teil der Decke wieder zu bekommen.

This post has been edited 2 times, last edit by "Tyalfen" (Aug 24th 2014, 1:39pm)


Aneirin

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13

Saturday, August 23rd 2014, 10:05pm

Die vielen ‚Oh’s und ‚Ah’s der Kinder zu ihren Füßen als sie die in Reimen erzählte Geschichte der Zauberin, die sich auf dem Weg zur Zaubererakademie verläuft, hören und erleben, lassen Aneirin lächeln. Der Gaukler, mit seinem vor die Brust geschnürten Puppentheater, lässt seine über die linke Hand gestülpte Puppe in den Augen der Kinder derart lebendig werden, dass die Kleinen ganz gebannt die Reise der kleinen Zauberin verfolgen, die von einem, sich in des Gauklers rechten Hand ständig drehenden, Wegweiser an der Nase herumgeführt wird. Und obwohl das kleine Schauspiel eindeutig an die jüngeren Zuschauer gerichtet ist, durch deren Interaktion das kleine Theater überhaupt erst lebt, muss auch Aneirin ein ums andere Mal breit schmunzeln oder gar kichern. Damit ist er allerdings nicht allein. Auch Eliza neben ihm lacht das eine oder andere Mal zurückhaltend.
Aneirin schaut die junge Frau an. Ihre langen blonden Haare hat sie heute zu zwei Zöpfen geflochten, die ihr zu beiden Seiten über die Schulter auf die Brust fallen. Hübsch sieht sie aus, findet er. Als sie mit ihren blauen Augen zu ihm aufsieht, wohl, weil sie seinen Blick bemerkt haben muss, lächelt er, nickt mit dem Kopf fort von dem Gaukler und bietet ihr seinen Arm an. Eliza hakt sich daraufhin bei ihm unter und lässt sich von ihm fort und über das Feld an unzähligen Pavillons und weiteren Gauklern und Bänkelsängern vorbei führen. Für jeden einzelnen jedoch hat Aneirin keinen Blick. Er sucht etwas beziehungsweise jemanden bestimmtes. Bei einem Gaukler, der gerade mit brennenden Fackeln jongliert, hält er dann doch noch eine Weile inne, da Elli, wie er sie nennen darf, schüchtern an seinem Arm zieht, weil sie sich die Kunststückchen ansehen möchte.
Entschuldigend legt Aneirin dabei einen Arm um sie. Er sollte ihr mehr Aufmerksamkeit schenken und nicht gleich am Vormittag ungeduldig über das Feld heizen, sondern lieber mit ihr den Tag genießen. Schließlich hatte sie ihn vor zwei Tagen gefragt, ob sie nicht heute zusammen hierher kommen sollten, als sie in der Bäckerei einkaufte. Aneirin hatte eingewilligt, da er nicht davon ausgeht, dass Tyalfen viel Zeit haben würde, mit ihm den Tag zu verbringen. Und Jenna wollte ihn offenbar nicht dabei haben, hat sie ihn doch nicht einmal gefragt und ist seiner Nachfrage gar ausgewichen. Wenn sie allein mit ihren Mädels den Tag verbringen wollte, hätte sie es ihm doch sagen können, denkt er bei sich und zieht eine Schnute. Beifall reißt ihn aber sogleich wieder aus seinen Gedanken und lässt ihn einstimmen, als der Gaukler seine Vorführung für den Moment beendet. Sie schlendern weiter und Aneirin spendiert der jungen Frau getrocknete Früchte mit Honig, die er bei einem Händler mit seinem Bauchladen erwirbt. Beim Weitergehen lässt Eliza ihn dafür auch daran teilhaben, was er ihr mit einem herzlichen Lächeln dankt.
Und dann hat er es endlich entdeckt: das schlichte Zelt unter Aniras Banner. Aneirin deutet mit dem Finger hinüber und steuert gemächlich das Zelt an. „Ich grüße Euch!“, winkt er, als Zaira, die vor dem Zelt steht, ihn bemerkt und zur Begrüßung anlächelt. Ein paar Mal, die man auf jeden Fall noch an zehn Fingern abzählen kann, hat er Tyalfens Lehrmädchen schon im Haus der Heilung getroffen, wenn er ihn dort aufsuchte. „Ihr wollt sicher zu Herrn Tyalfen, nicht wahr?“, fragt sie. Aneirin nickt lächelnd zur Bestätigung, um dann auf Zairas Kopfnicken hin nach Ellis Hand zu greifen und an dem Lehrmädchen vorbei ins Zelt zu schlüpfen. Kaum dass er es betreten hat, fällt sein Blick auch schon auf den Freund, der wohl bis zu seinem Eintreten in ein Gespräch verwickelt war. Aneirin hebt die freie Hand zum Gruße und wartet artig, bis Tyalfen Zeit für ihn hat. „Und? Wie sieht es aus? Magst du dich uns anschließen und ein wenig über den Platz schlendern?“, lächelt er aufmunternd.
Avatar © 2013 liegt bei der wundervollen Azra

Tyalfen

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Sunday, August 24th 2014, 1:39pm

In und um Aniras Zelt

„Meidet in den nächsten Tagen fette und scharfe Speisen, Milch, Quark und Käse, Bohnen und Kohl und Ihr seid Eures Leidens in Kürze befreit.“, deutet Tyalfen dem Herren, sich wieder von der Liege erheben und seine Gewandung zu richten. „Das ist …. das kann doch nicht Euer Ernst sein. An Festtagen wie diesen soll ich darben wie ein Bettelmann?“ Es ist Tyalfens Ernst und mit der unerschütterlichen Geduld und Gelassenheit eines Aniran erwidert er dem Fremden, der Bescheidenheit offenkundig nicht gewohnt ist und seinen Unmut nicht verbirgt: „Es liegt natürlich allein in Eurem Ermessen, diesem Rat zu folgen oder allen Genüssen zuzusprechen und Euch in Windeln zu hüllen. Gegen die Krämpfe gebe ich Euch ein Pülverchen mit, von dem Ihr ein Löffelchen in Wasser oder Tee aufgelöst bis zu sechs Mal am Tag zu Euch nehmen könnt.“ „Wasser und Tee? Das wird ja immer schöner. Sagtet Ihr nicht, Ihr seid ein Aniran? Wieso veranstaltet Ihr keinen Hokuspokus und alles ist gut?“ Was immer sich Tyalfen bei den Worten des Fremden denken mag, wenn es ihn denn überhaupt beschäftigen sollte, so spiegelt sich davon nicht auf seinen Zügen wieder. „Die Gabe der Anira mag unerschöpflich sein, meine Kraft sie zu nutzen ist es bedauerlicherweise nicht. Zum heutigen Tag des Buhurts gedenke ich, sie klug einzuteilen.“ „Ja, ja, schon gut …“, winkt der Fremde ab, ob nun aus Verständnis oder Unwillen weiter zuzuhören, wenn es ihm doch nicht dienen soll. „Gebt mir das Pulver und sagt, was ich Euch schuldig bin.“ Tyalfen nickt dem Fremden zu und wendet sich ab, um besagtes Mittelchen aus einer der Kisten im vorderen Bereich des Zeltes zu holen, da entdeckt er Aneirin und ein erfreutes Lächeln huscht über seine Züge. Für den Moment kann er ihm nur flüchtig zunicken, doch als der Fremde das Zelt schließlich verlässt und sich Tyalfen gründlich die Hände gewaschen hat, hat er endlich Zeit, den Freund und seine Begleiterin zu begrüßen und durchzuatmen.

Es waren die vielen, unscheinbaren Kleinigkeiten, die weit mehr Zeit in Anspruch genommen hatten, als das Zelt einzuräumen und während Tyalfen schon die ersten Patienten behandelte, den Knaben mit dem geprellten Handgelenk, das Freudenmädchen, dass vorerst besser keinen mehr erfreuen solle und den Edelmann mit Magen-Darm-Beschwerden, schwirrten die Lehrmädchen noch die letzten Dinge herzurichten.

„Aneirin, wie schön Dich zu sehen. Lang kann ich Euch nicht Gesellschaft leisten“, lächelt er auch freundlich dem blonden Fräulein an des Freundes Arm zu, „doch ich brauche dringend eine Kleinigkeit im Magen. Habt ihr schon gefrühstückt?“, fragt er an die Lehrmädchen gewandt. Gyinna nickt bescheiden, Zaira hingegen nickt zwar gleichermaßen, scheut sich aber nicht, einen Wunsch nach etwas Süßem zu äußern. Er wird ihnen beiden etwas Naschwerk mitbringen. Doch bevor er sich zum Gehen anschickt, weißt er sie an. „Wenn weitere Fälle, wie jener eben zu uns finden, notiert unbedingt Namen und wo sie zu finden sind, auch wenn im Augenblick nichts auf eine Epidemie hindeutet. Und achtet mir unbedingt …“ „… auf die Hygiene.“. nehmen ihm die Mädchen zeitgleich und kichernd das Wort aus dem Mund, das selbst Tyalfen lächeln muss. Er hat sie an diesem Morgen wohl schon sehr oft dazu angehalten. Also gut, ich bleibe nicht lang fort.“ Verabschiedet sich der Aniran und greift nach dem Korb, den die Lehrmädchen mitbrachten, um sich um ihrer eigenes Leibenswohl zu kümmern, da hält ihn Zaira auf. „Herr Tyalfen, Euer Gewand!“ Richtig, er war noch nicht dazu gekommen, den „Wappenrock“ anzulegen, nicht zuletzt auch weil er sich davor scheut. Doch es muss schließlich sein. Also löst Tyalfen den Gürtel um seine Hose, streift sich das kühlgraue Übergewand über den Leib und gürtet es zu guter Letzt. „Zufrieden?“ Errötend nicken die Mädchen, dass Tyalfen nur im Stillen seufzt.

„Wir können!“, schnappt sich Tyalfen den Korb und hält seinem Freund und seiner Begleiterin die Zeltplane vor dem Eingang auf. „Möchtest Du uns einander vorstellen?“
Wenn Du glaubst, dass Frauen das schwache Geschlecht sind, versuch mal nachts Deinen Teil der Decke wieder zu bekommen.

Lorwen

Unregistered

15

Sunday, August 24th 2014, 6:12pm

Lorwen wandert über den Turnierplatz. Es ist ein mehr an Fahnen und Bannern. Sie trägt heute auch ein Wappen auf der Brust. Das hohe Haus der Waldelben soll vertreten sein, auch wenn sie nicht gedenkt am Turnier selbst anzutreten. Überhaupt ist ihre Aufmachung auffallend anders. Kein überflüssiger Zwirn, wallende Röcke oder weit offene, lange Ärmel aus mehreren Lagen durchscheinender , treuer und auffallender Stoffe.
Sie trägt einen dunklen, grünen eng anliegenden Anzug aus sehr wohl erlesener Qualität, deren Seiten völlig offen mit aufwändiger Schnürung aus feinen, rehbraunen Kordeln dem Ganzen Halt geben. Die Ärmel, Kragen fehlen und auch ansonsten hat ihr Gewand nur sehr wenig mit den Kleidern der Damen zu tun und das ist auch durchaus der Plan dahinter. Lorwen würde sich wohl nur unter großen Protesten in mehr Stoff hüllen, solche Schleierkleider und dutzende Rocklagen sind einfach nur Verschwendung. Dazu ein passender Gürtel und der Stadtmenschen zu Liebe Stiefel.
Durch die offenen Seiten sieht man einen Teil der Tätowierung. Das ist neben Stirnreif, den Perlen und Federn im Haar der einzige Schmuck, den man offen sieht.
Vor einiger Zeit ist sie am Zelt der Anira vorbei gegangen und merkte im Nachhinein erst, dass sie einen großen Bogen darum gemacht hat.
Tja, so kann es gehen, denkt sie noch, da hört sie ihren Namen von einer Stimme, die sie länger nicht vernommen hat und doch gesucht hat. Selbst die Tiere nah und Fern, gerufen wie gefunden, konnten den Nordmann nicht finden. Wie auch, wenn man weiß was er erlebt hat.
„Shur‘ re Learcan“, neckt sie ihn nett, seit der Zeit die sie gemeinsam erlebt haben.

Ihr selbst war es besser ergangen. Sie suchte die Erholung im Larisgrün, verfolgte ein ums Andere Mal Wilderer und erwehrte so manchen Händler vor Dieben. Sie würde sich wohl damit etwas näher beschaffen müssen, aber ihre innere Liste ist lang, viel zu lang. „Ich suche Euch! Dachte ich es mir doch, dass jeder irgendwie und irgendwann hier aufkreuzt. Wo stecktet Ihr so lange?“

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