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Colevar

Stadtbewohner

  • "Colevar" started this thread

Posts: 137

Occupation: Sithechritter

Location: Talyra

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Friday, August 10th 2012, 2:24pm

Das Larisgrün

Das Larisgrün ist ein Wald voller geheimnisvoller, grüner Tiefen, borkeumkleideten, bemoosten Riesen von gewaltigen Ausmaßen und silbrig schäumenden Wildbächen. Die Kronen der riesigen Bäume, deren Äste ineinander greifen und sich so selbst zu einem natürlichen Baldachin vernetzen, bilden ein dichtes Dach und oft umranken weißblühende Lianen ihre Stämme. Das Licht der Sonne ist hier im Schatten des Larisgrüns nur ein saphirgrünes Dämmer, ab und an unterbrochen von einem vereinzelten Strahl, der durch das Dach der Bäume fällt und Inseln aus Sonnenlicht ins samtweiche Gras des Waldbodens zaubert. Die Randgebiete des Waldes sind licht, immer wieder unterbrochen von Waldweiden, Lichtungen, Gehöften oder Katen - dringt man jedoch tiefer in ihn ein so wird er düster und bedrohlich und bei Nacht sollte man sich nicht ohne Schutz hineinwagen. Dieser riesige uralte Wald erstreckt sich von den Sonnenhügeln im Norden bis an den Heideweg im Süden über den gesamten Westen der Herzlande und ist somit nach dem Dunkelwald das größte zusammenhängenden Waldgebiet der ganzen Immerlande. Das Larisgrün ist ein dichter Mischwald und reich an Unterholz, in dem zahlreiche Arten von Farnen und Moosen wachsen - auch eine Vielzahl von essbaren oder giftigen Pilzen, Heilkräutern und anderen nützlichen Pflanzen finden sich hier allerorts. Im nördlichen Larisgrün und rund um Talyra bestimmen hauptsächlich Buchen, Eichen, Fichten, Kiefern, vereinzelt Tannen, Edelkastanien, Ulmen, Honiglinden, Herzbäume und Kletterpflanzen wie Efeu und wilder Hopfen das Bild des Waldes. Hohe Baumriesen, nicht so hoch wie die Rotholz-Giganten des Nachtwaldes oder die himmelhohen Foawr Kelley des Dunkelwaldes, aber immer noch mächtige, imposante Geschöpfe, werfen ihren Schatten über singende Bäche und moosigen Grund. Im Süden des Larisgrüns dagegen, wo der Boden sandiger und trockener wird, findet man hauptsächlich Lärchenpinien, Goldbirken, Lebenseichen und Akazien.

Viele Legenden ranken sich um diesen riesigen uralten Wald und seine verschlungenen Pfade, munkeln von den Geheimnissen seiner grünen, schattenstillen Tiefen. Wundersame Orte sollen sich im Larisgrün befinden, uralte Tropfsteinhöhlen voll glitzernder Pracht, geheime Sümpfe, lange vergessene Ruinen oder heilige Stätten der Ersten Menschen, die vor Tausenden von Jahren hier lebten. Nur im Larisgrün findet man noch Blutbäume, jene heiligen Bäume alter Zeit mit ihrer milchweißen Borke und den rostroten Blättern in den mächtigen Kronen. Vereinzelt leuchtet ihr fahles Weiß durch die Reihen der anderen Baumstämme, niemals stehen mehr als drei beieinander. Eine bekannte "Persönlichkeiten" des nördlichen Larisgrüns rund um Talyra ist Grymauch Einauge, ein uralter, notorisch schlecht gelaunter Höhlenbär, dem man, ist man nicht gerade Waldläufer, nicht zu nahe treten sollte. Bis zum Sommer des Jahres 517 lebte auc heine schon etwas betagte und sehr scheue Schattenkatze in der Nähe der Stadt, doch seit dem Sonnenthron dieses Jahres liegt sie auf der Lichtung des Baumes am Smaragdstrand begraben. Die größten Raubtiere des Waldes sind Grymauchbären und Silberwölfe, doch Überfälle auf Reisende oder Menschen sind, ausgenommen in sehr strengen Wintern, selten und auch die Bauern haben kaum Verluste an Vieh zu beklagen, denn das Larisgrün ist reich an Beutetieren wie Rothirschen, Rehen, Wildschweinen und Niederwild. Eigenes Jagdrecht allerdings hat nur, wer direkt im und vom Wald lebt, wie etwa die Wandler, die niemals mehr von der Natur nehmen würden, als sie unbedingt brauchen, der talyrische Adel auf seinen eigenen Ländereien und einige Großgrundbesitzer... doch auch sie müssen sich an die festgelegten Schonzeiten halten. Protektorin des Larisgrüns ist Niniane, die Halbelbin, doch es gibt viele Waldläufer und Späher oder Jäger im Dienst der Steinfaust, die ein wachsames Auge auf das Geschehen rund um Talyra haben und für den Schutz des Waldes und seiner Bewohner sorgen. Mit ihnen ist nicht zu spaßen, wenn es um das Wohl des Larisgrüns geht und besonders Wilderer und Fallensteller sollten sich vor ihnen in acht nehmen, denn die Strafen für diese Vergehen sind hart. Auch im Larisgrün gilt das Jagdrecht der Herzlande. Es wird unterschieden zwischen Hoher Jagd, der dem Adel und Gutsbesitzern vorbehaltenen Jagd auf Hochwild, und Niederer Jagd für Bauern oder Waldkätner, Hirten und sonstige Waldbewohner auf kleinere Tiere wie Hasen und Federwild sowie Rehwild, dass als einziges Schalenwild zum Niederwild gezählt wird. Gebiete, in denen ein Adliger auf seinem eigenen Land Jagdrecht für sich allein beansprucht, werden als Wildbann bezeichnet. Es gibt Ausnahmen dieser Gesetze, etwa die traditionelle herbstliche Büffeljagd im Larisgrün, welche jedoch talyrischen Bürgern vorbehalten ist sowie Sonderregelungen, etwa wenn nach Mastjahren Wildschweine zur Plage zu werden drohen, so dass man sie für ein oder zwei Jahre als Niederwild freigibt. Ist man selbst Waldläufer oder Jäger, so kann man bei Niniane, der Protektorin des Larisgrüns, beim Stadtrat Talyras, bei einem Adligen oder Großgrundbesitzer oder bei Findinmir Daumengrün (NSC) eine Sondererlaubnis für den Eigenbedarf erwirken.


SC's:

Niniane
Protektorin des Larisgrüns, Jägerin und Waldläuferin, lebt mit ihrer Familie im Baum am Smaragdstrand

Kaney
Hauptmann der Späher und Kundschafter bei der Stadtgarde


NSC's:

Findinmir Daumengrün
Erzdruide und Mitglied des Stadtrates von Talyra







Beerenreif 512, zwischen Sarthebergen und Kreuzweg


Colevar ist durchgefroren und trotz des breiten Felsüberhangs, unter dem er mit Filidh und Reykir hastig Schutz gesucht hatte, als das Unwetter losgebrochen war, ist er schon längst so nass wie eine getauchte Katze. Hier in den westlichen Ausläufern der Sartheberge hoch oben auf einem schmalen, steinigen Grat am Wegesrand, scheint der Wind aus allen Richtungen gleichzeitig zu kommen und peitscht ihm den kalten Gewitterregen in solchen Massen ins Gesicht, als würde eine aufgebrachte Scheuermagd ihm einen Eimer Wasser nach dem anderen entgegenschütten. Dem verheerenden Sturm im Frühjahr war ein langer, heißer Sommer gefolgt, schwere Gewitter im staubigen Mantelsaum – und ausgerechnet in ein solches hatte ihn sein überstürzter Aufbruch von Weidengrund, einem kleinen Dorf in den Bergen, mitten hineingeführt. Colevar war mit einer Handvoll Männern der Burg und einem Schreiber seit Wochen in ganz Lyness unterwegs gewesen, um im Namen seines Vaters überall nach dem Rechten zu sehen, den Zehnten einzutreiben oder zu erlassen, je nachdem wie schwer der Sturm die Lehnsmänner und ihre Familien getroffen hatte, die Wiederaufbauarbeiten und die Ernten zu überwachen und ähnliches. Er hatte das getan, was er Calait schon im Winter geschrieben hatte: Lord gespielt – nur dass es kein Spiel mehr war, nicht für ihn, nicht für seinen Vater, nicht für seine Männer noch für die Menschen, die hier leben und ihm anvertraut sind. Niemand hatte es mehr erstaunt als ihn selbst, dass er seine Sache offenbar gar nicht so schlecht gemacht hat, im Gegenteil. Und es hatte ihn wider Erwarten mit großer Zufriedenheit erfüllt. Es hatte ihn glücklich gemacht - es hatte ihn beschäftigt gehalten. Selbst die Bücher, vor ein paar Monden noch Sprichwörtliche mit sieben Siegeln und allesamt rhaínländische Dörfer für ihn, sind längst keine Mysterien mit geheimnisvollen Zahlen und exotischen Bezeichnungen mehr. Er hatte gut gewirtschaftet. Er hatte alle Lynesser heil durch den Sturm und die schwierige Zeit danach gebracht. Die Burg steht noch immer, es gab nur wenige Verletzte und keine Toten, die Ernten versprechen gut zu werden und die Silberminen ordentliche Ausbeute. Abgesehen davon hatte der alte Ruben im Goldschein eine Lagerstätte türkisblau schimmernder Steine entdeckt, die noch keiner der Bergleute je vorher gesehen hatte. Einige davon ruhen nun tief in seinen Packtaschen, um sie in Talyra einem Schätzer zu zeigen und herauszufinden, auf was sie dort gestoßen sind. Alles in allem könnte er also durchaus zufrieden mit sich sein. Er ist es nur nicht. Da ist nach wie vor ein blinder Fleck in seinem Inneren. Er kann die Leere dort spüren und das befremdliche Gefühl, das sie in sich trägt... etwas, das eigentlich kein Hunger ist und sich dennoch so anfühlt. Und manches Mal brennt. Brennt wie eine alte Wunde, die sich, obwohl sich Fleisch und Haut längst wieder um die blanken Knochen geschlossen haben, noch immer bemerkbar macht... vermutlich weil selbst Wunden, die heilen, Narben hinterlassen.


Vielleicht aber auch... Colevar schüttelt den Kopf und bringt den Gedanken mit voller Absicht nicht zu Ende. Für gewöhnlich kann er alte Wunden und schmerzende Narben sehr gut ignorieren, heute nicht. Schon seit Stunden nicht. In Weidengrund hatte ihn ein Botenrabe erwartet, der ihm von Burg Lyness hinterhergeschickt worden war und der Brief Calaits, den er ihm gebracht hatte, hatte ihn nur eine hastige Nachricht an seinen Vater kritzeln und seine Männer dann ohne Erklärung - und ohne ihn selbst - mit den Fuhrwerken und den Pachteinnahmen, dem Silber und dem eingesammelten Vieh zur Burg zurück schicken lassen. Der Brief war Anfang Grünglanz geschrieben worden, vor drei langen Monden und sein Inhalt hatte ihn zu Tode erschreckt. Ihn dazu gebracht alles stehen und liegen zu lassen, in überstürzter Hast aufzubrechen und zu reiten, als wäre der Dunkle hinter ihm her und wenn er sich noch so oft gesagt hatte, dass es ihr wieder gut gehe, dass sie es überstanden hatte. Dass es ihn - über freundschaftliche Sorge hinaus verdammt! - überhaupt nichts angehe. Drei Monde, wissen die Götter allein, wo der Brief so lange verschollen war. Und das hat er nun davon: er sitzt in einem heftigen Gewittersturm auf einem Berghang fest, der Regen rauscht wie eine Wasserwand herunter, Donnergrollen rollt bebend durch die Felsenschluchten um ihn herum und am zinngrauen Himmel duellieren sich herabzuckende Blitze wie grellweiße Mistgabeln. Und Calait muss mich für den größten Scheißkerl aller Zeiten halten, Götter im Himmel! Abgesehen davon ist ihm eiskalt und er ist nass bis auf die Knochen. Woher kommt mir das nur bekannt vor? "Mmpf." Der Felsvorsprung ist keine Höhle mit einem alten Schmugglerversteck und es gibt zwar einige heiße Quellen in den Sarthebergen, aber soweit er weiß keine einzige in der Nähe, außerdem ist außer Filidh auch Reykir bei ihm und starrt hechelnd in das rumpelnde, regenprasselnde Inferno außerhalb ihres schützenden Unterschlupfs, aber er fühlt sich dennoch frappierend an jenen Tag in den Zeven Zusjes erinnert.


"Mmmmmpf! Wenn dieser Sturm nachlässt", erklärt er leise und wie zu sich selbst, doch seine Stimme geht im Rauschen des Regens ohnehin völlig unter, "wenn wir wieder aufbrechen und dann irgendeinem Mädel in Schwierigkeiten am Wegesrand begegnen, dann reiten wir einfach weiter, aye? Und wenn es Inari persönlich wäre, wir halten nicht an, wir hören nicht zu, wir werden keinen Finger rühren. Ganz egal. Was es auch sein mag." Filidh zuckt noch nicht einmal mit den Ohren, doch Reykir quittiert diese feierliche Erklärung mit einem langgezogenen "Whuuff!" das in Colevars Ohren sehr nach einem "das glaubst du doch selbst nicht" klingt. Zumindest bist der Hund erneut anschlägt, diesmal sehr viel dringlicher, und gebannt aus gelben Augen in den Regen hinausstarrt, jedes einzelne silbergraue Haar seines Nackenfells heftig gesträubt. Colevar hat längst gelernt, sich auf Reykirs Wachsamkeit zu verlassen, auch wenn er selbst dank des Sturms auf der felsigen, gewundenen Bergstraße vor seinem Unterschlupf zuerst nicht das Geringste erkennen kann. Doch dann hört er es, ein rhythmisches, dumpfes Trommeln, das sich in das Stakkato der schweren Regentropfen mischt, die auf den Boden klatschen und über die Steine hüpfen. Er legt Reykir die Hand zwischen die ausgefransten Überreste seiner pelzigen Ohren, um dem Grollen des Hundes Einhalt zu gebieten, das auch prompt verstummt und legt selbst den Kopf leicht schräg, um zu lauschen. Das Geräusch wird lauter, deutlicher... und der heftige Regen lässt tatsächlich ein wenig nach. Hufschlag, zwei Pferde, beschlagen und sehr schnell. Er kann ihre Eisen auf dem steinigen Boden hören – und noch etwas anderes, eine Art klatschendes, splitterndes Krachen, das sich im selben Rhythmus wie die galoppierenden Hufschläge wiederholt. Wer zum... ihm bleibt gerade noch genug Zeit, um sich in Gedanken zu fragen, welcher Vollidiot bei einem solchen Sturm seine Pferde derart antreibt, als sie auch schon an ihm vorbeirauschen – in kopfloser Panik und ohne Reiter, dafür behängt mit den verrutschten Überresten ihrer Geschirre, die zersplitterten Reste einer Deichsel und einige Bretter hinter sich her schleifend, die vor nicht allzu langer Zeit noch zu so etwas wie einem Fuhrwerk oder einer Karosse gehört haben mussten. Yffern! Colevar unterdrückt einen Fluch, bedeutet Reykir, dicht bei ihm zu bleiben und führt Filidh hinaus in den Sturm, um sich wieder in den Sattel zu schwingen. Die beiden durchgehenden Gäule waren Gespannpferde. Irgendwo muss der Wagen sein, den sie gezogen hatten - und so wie das eben ausgesehen hatte, befürchtet er Schlimmes. Das Gewitter hat tatsächlich nachgelassen, der Donner ist zu einem dumpfen Grollen in der Ferne abgeschwollen und der Wind hat abgeflaut - nur der Regen hämmert ihm trotz der Kapuze seines Umhangs und seines dichten Haares schwer auf Kopf und Schultern. Einerlei – nasser als er ohnehin schon ist kann er gar nicht mehr werden.


Keine zehn Minuten später und nicht einmal einen Tausendschritt weiter talwärts, hören Sturm und Regen so unvermittelt auf, wie sie begonnen hatten. Der Himmel ist noch mit dunklen, drohenden Wolken überzogen und das trübe Licht, das über dem Tal des Sarthe unter ihm liegt, dämpft alle Farben, dennoch erkennt er in der Düsternis einen Grauschimmel, der am Wegesrand neben ein paar Felsbrocken steht und sich stoisch das Wasser aus seinem Fell rinnen lässt. Er ist ein wenig kleiner als Filidh, aber schwerer gebaut und seine Mähne klebt ihm klitschnass am dampfenden Hals. Offenbar waren die beiden Gespannpferde nicht die einzigen, die wegen des Sturms Fersengeld gegeben hatten, nur war dieser Bursche hier die solide Panik früher wieder losgeworden. Das Pferd lässt sich widerstandslos von Colevar auf Verletzungen untersuchen und dann, eindeutig erleichtert, nicht mehr allein im Nirgendwo stehen zu müssen, sanftmütig wie ein Lämmchen als Handpferd mitnehmen. Auch hier fehlt von einem Reiter jede Spur und im Gegensatz zu den beiden durchgegangenen Kutschpferden von vorhin, trägt der Kaltblüter noch nicht einmal einen Sattel, geschweige denn ein Zaumzeug... nur ein ledernes Halfter, an dem die Reste eines offensichtlich gerissenen Stricks baumeln. "Wer hat dich verloren, Junge, hm? Warst du an der Kutsche festgebunden?" Das fremde Pferd prustet leise, blinzelt aus seelenvollen braunen Augen zu ihm auf und macht ein Gesicht, als könne es sich immer noch nicht ganz erklären, wie es eigentlich auf diesen Weg gekommen und warum es so lange so schnell gelaufen war. "Schon gut, Samtnase. Wie wär's mit Schlammfuß? Irgendwie muss ich dich ja nennen, bis wir..." Sie biegen um eine Kehre, wo die schmale Straße aus den Bergen sich dicht ans steile Sartheufer schmiegt, um sich dann, immer am Flusslauf entlang, nach Westen in Richtung Hexerbrücke, Ribérac und weiter bis zur Hohen Warte zu schlängeln, wo sie auf den Kreuzweg nach Talyra treffen würde. "Ho! Steh. Steh! Reykir, du bleibst hier!" Colevar springt aus dem Sattel, wirft Filidh die Zügel über den Hals und überlässt es dem Hund, die beiden Pferde auf dem Weg zu halten. Sie haben die Kutsche gefunden... oder das, was noch von ihr übrig ist. Die Böschung zwischen Straße und Sarthe ist hier felsig und abschüssig, der Fluss rauscht wild und schäumend durch sein steiniges Bett und halb im Wasser, halb auf ein paar nassen Felsbrocken liegt das, was einmal eine schwere, geschlossene Karosse aus Eichenholz mit wuchtigen Rädern und eisernen Beschlägen war. Jetzt erinnert sie eher an einen dicken Käfer auf dem Rücken - mit gebrochenem Panzer und ausgerissenen Beinen.


Vom Kutscher fehlt nach wie vor jede Spur, aber wenn die Karosse oben auf der Straße in der Kurve den Halt verloren, auf die Seite gestürzt und dann die Böschung hinabgerutscht war, ist der Mann vermutlich in den Fluss geschleudert worden - und dort entweder ertrunken oder er wurde von der reißenden Strömung weit abgetrieben. Colevar stellt sich seitlich und schliddert die Böschung hinunter, während sich unter seinen Stiefeln kleine Steinchen lösen. Allen Göttern sei Dank ist die Kutsche nicht auf die Seite mit dem Einstieg gefallen, sonst hätte er eine der Karossenwände mit der Axt einschlagen müssen. Er klettert auf die Seitenwand und späht hinein. "Ist da jemand?" Das Innere ist ein Stück weit voller Wasser gelaufen und so dunkel wie eine Bärenhöhle, so dass er im ersten Moment außer zersplittertem Holz und einem Wirrwarr von herumschwimmenden Gepäckstücken überhaupt nichts erkennen kann. Aber da ist etwas, etwas großes, dunkles, das in einer Ecke herumkriecht - und im nächsten Moment hat er eine feuchte Hundenase im Gesicht und eine rosige Zunge, die ihm euphorisch Stirn und Wangen ableckt. Überrascht fährt er ein Stück zurück und aus den Tiefen des Innenraums und dem kalten Flusswasser darin taucht ein schwarzer Hund auf, der sich schier überschlägt vor lauter winselnder, schwanzwedelnder Begeisterung ihn zu sehen. Colevar kann Reykir oben auf der Böschung bellen hören. Der schwarze Hund bellt ebenfalls, springt aber beinahe sofort ins Kutscheninnere zurück. Colevar kann ihn knurren und kratzen, winseln und herumscharren hören. "Verdammt..." Er schwingt die Beine über den Rand des Einstiegs, fragt sich dumpf, wo eigentlich die Tür abgeblieben ist und zwängt sich hinein. Es ist eng und das Wasser steht ihm bis zu den Knien, aber seine tastenden Hände finden sofort, was er sucht und was der Hund nicht hatte allein lassen wollen – eine Frau, klein und schmal und eiskalt, halb im Wasser, halb auf den Resten der ehemaligen Sitzbänke. Entweder sie ist selbst noch dorthin gekrochen, oder der Hund hatte sie hergezerrt. Larnaker Bärenhunde sind bekannt dafür, dass sie Menschen vom Ertrinken retten. Im trüben Halbdunkel erkennt Colevar nur Strähnen langen, weißen Haares, die auf der Wasseroberfläche schwimmen und hält sie für eine alte Frau. Als er sie hochhebt, scheint ihr ganzes Gewicht vom Flusswasser zu kommen, das in Sturzbächen aus ihren triefenden Kleidern rinnt, aber sie ist überhaupt nicht alt – trotz ihrer schlohweißen Haare. Schicksal. Verschwörung. Spott der Götter. Und schon wieder liest er ein Mägdelein am Wegesrand auf... Sithech. Liebt. Dich. Schon vergessen?


Für den Bruchteil eines Herzschlags spielt er tatsächlich mit dem Gedanken, sie einfach wieder fallen zu lassen und auf der Stelle zu verschwinden, aber natürlich tut er das nicht. Stattdessen hievt er erst die Frau, dann den Hund (der um einiges schwerer ist) aus der Kutsche, klettert selbst hinaus und stellt fest, dass sie tatsächlich noch atmet. Eine hastige Untersuchung fördert ein paar böse Prellungen und blutige Schürfwunden auf Armen, Beinen und an der linken Seite, wo ihr Gewand in Fetzen hängt, zu Tage, aber keine Brüche, Verrenkungen oder schlimmere Wunden. Ihre Ohnmacht rührt wohl am ehesten von der hühnereigroßen Beule an ihrem Hinterkopf her. Trotzdem ist sie kalt wie der Tod und klitschnass obendrein. Und sie sieht sehr seltsam aus. Sie scheint zwar ein Mensch zu sein, aber verwettet hätte er nichts darauf. Ihre Gestalt ist schmal, ihr Gesicht kindlich, aber sie ist eindeutig eine Frau, wenn auch jung... nur ihr Haar ist weiß wie frischgefallener Schnee und ihre Haut ebenso. Colevar hebt ihre von der Kälte bläulich verfärbte Oberlippe leicht mit der Fingerspitze an... nur um sicher zu gehen, auch wenn sein Verstand ihm augenblicklich sagt, dass ein Munduskind oder Sithechjünger einen Kutschenabsturz wie diesen in sehr viel besserer Verfassung überstanden hätte. Ihre Eckzähne sind tatsächlich spitz, doch viel zu klein geraten für Fänge. Abgesehen davon atmet sie und ist es helllichter Tag! Alles andere als sonnig, aber dennoch... er kennt nur einen einzigen Vampir, der verrückt genug ist, sich bei schlechtem Wetter auch nach Sonnenaufgang herauszuwagen, und der ist zwei Schritt groß, schwarzhaarig und eindeutig männlich. Was immer sie ist, eine wandelnde Tote ist sie nicht. Aber das wird sie bald sein, wenn du sie nicht schleunigst ins Trockene bekommst.


Gut eineinhalb Stunden später hat er sie, sich selbst, die Hunde und die Pferde genau dort – im Trockenen. Er hatte sich an die Jagdhütte Bairne Treffguts hier irgendwo in der Nähe erinnert, wo er als Kind oft gewesen war, und zu seinem Glück hatte er sie auch auf Anhieb wieder gefunden. Die Bäume sind natürlich älter, dunkler und höher, aber der verborgene Saumpfad ist immer noch derselbe und die kleine Quelle neben der Hütte auch. Bairne, ein Jäger und Waldläufer im Dienst der Lorcains, ist scheinbar nicht zu Hause, aber als gewissenhafter Mann hat er einen Brennholzvorrat und ausreichend Fleisch, Zwiebeln, Wurzeln und getrocknete Kräuter in seiner Vorratskammer, so dass Colevar so etwas wie eine kräftigende Fleischbrühe zubereiten kann. Es ist bestimmt kein kulinarisches Meisterwerk, aber es ist heiß, nahrhaft und würde seinen Zweck erfüllen. Die Fremde wacht allerdings nicht einmal auf, als er sie aus ihren nassen Kleidern schält, bis auf die Haut auszieht und – um das Blut wieder zum Zirkulieren zu bringen - nicht gerade sanft mit ein paar weichen Ledertüchern trocken reibt, ehe er sie in mehrere, dicke Wolldecken einpackt. Danach schürt er das Feuer, bis es im Inneren der düsteren Hütte glüht wie in einem Hochofen und geht hinaus, um die Pferde zu versorgen. Er legt ihnen weiche Fußfesseln an und lässt sie zwischen den Bäumen grasen, holt die Packtaschen und Filidhs Sattel ins Trockene und füttert die Hunde mit eingeweichtem Dörrfleisch. Seine eigenen Kleider sind noch ein wenig klamm, sein Haar noch feucht, aber seine Stiefel quietschen immerhin nicht mehr wassertriefend bei jedem Schritt, als er sich etwas von der Brühe holt, sich ans Feuer setzt (einen schmatzenden, kauenden Hund zur linken, einen zur rechten) und in vorsichtigen, kleinen Schlucken paradiesische Hitze trinkt.
Some say the world will end in fire. Some say in ice.
From what I’ve tasted of desire I hold with those who favor fire.
But if it had to perish twice, I think I know enough of hate
To say that for destruction ice is also great - and would suffice.
R.Frost

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Atevora

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Friday, August 10th 2012, 8:05pm

Beerenreif 512, zwischen Sarthebergen und Kreuzweg


Es war Ende Inari als sie eine geschäftliche Entwicklung dazu zwang unerwartet und rasch aufzubrechen. Sie hatte nur wenige Tage Zeit um alle Vorbereitungen zu treffen. Anders als die letzten Male konnte sie nur zwei der Söldner gewinnen die sie sonst als zusätzlicher Schutz begleiten. Sie willigten auch nur aufgrund der langen fruchtvollen Geschäftsbeziehung ein und sie würden sie zwar an den Bestimmungsort begleiten aber sich verfrüht verabschieden, und sie den letzten Rest auf dem Weg nach Talyra alleine reisen lassen. Der dritte Söldner unter ihren normalen Begleitern war leider an irgendwelche Feierlichkeiten und an dessen Vorbereitungen gebunden. Es handelte sich dabei Ausgerechnet um jenen der sonst die Kutsche lenkte.

So hatte es sich wieder bewahrheitet. Es ist immer gut wenn Leute in ihrer Schuld stehen. So war es für sie glückicher Weise nicht sonderlich problematisch derart kurzfristig auf längere Zeit eine Kutsche zu Mieten und einen Kutscher für die Dauer der Reise gestellt zu bekommen.
Es war der letzte Tag Grünglanzmond als sie sich von Yasraena mit einer Umarmung und einigen liebevollen Worten verabschiedete, unterdessen Brock, der Kutscher, die letzten Gepäckstücke einlud und Harm an die Kutsche band.

Mittlerweile ist es Anfang Beerenreif. Wie vereinbart hatten sich die Söldner vor einigen Tagen in der letzten größeren Stadt von Atevora getrennt. und ihren Teil der Abmachung wie gewohnt erfüllt. Sogar darüber hinaus. Die Magierin hat längst begriffen, und so abwegig ihr der Gedanke zuvor erschien, dass der Jüngere der Söldner tatsächlich Interesse an ihr zeigte. Anders könnte sie es sie sein zuvorkommendes Verhalten und seine Bemühungen abseits der Vereinbarung, wie zum Beispiel sein Angebot ihr grundlegendes zum Dolchkampf, oder zum Stabkampf beizubringen - um sich auch zur Not verteidigen zu können wenn, die Magie verbraucht und ihre Beschützer nicht zugegen wären - nicht erklären, und schon gar nicht die kleinen Witzeleien seines Kumpanen ihm gegenüber. Die Shin wäre nicht sie selbst, hätte sie dieses Angebot nicht sofort bereitwillig angenommen. Die langen Wegstrecken und Übernachtungen im Freien, oder Rasten zur Erholung der Kutschenpferde erwiesen sich aus diesem Grund, schließlich wurde die Zeit zum üben genutzt, wesentlich kurzweiliger als sonst, und natürlich auch durchaus körperlich anspruchsvoll.

Eigentlich hatte Atevora vor sich von den, für sie ungewohnten, körperlichen Strapazen auf der letzten Wegstrecke ein wenig zu erholen und sich Ruhe zu gönnen, doch wirklich möglich war es ihr nicht. Brock hatte sich bei einem kurzen Schauer ein wenig verkühlt und schnarchte seither des Nachts unter der Kutsche als wollte er den gesamten Wald absägen. Nicht eine Stunde Schlaf hat Atevora, deshalb die letzten zwei Nächte gefunden und Tagsüber hatte sie schon immer Probleme auch nur kurz ein wenig Schlaf zu finden, ganz so als hätte sie in sich eine innere Uhr die es ihr verbot. Gedankenverloren den Kopf ihres Hundeungetüms kraulend, war ihr Hirn mittlerweile in einem absoluten Energiesparmodus. Der reichte soweit, dass sie Schwierigkeiten hatte wirklich zu begreifen was auf den Seiten des Buches stand, welches sie gerade las, oder vielmehr lesen wollte. Einige Sekunden starrt sie noch auf die geschriebenen Worte vor sich ohne sie zu sehen, dann driftet der Blick in die ferne und das rhythmische Schaukeln und das klappern der Hufe lässt sie schließlich doch in die seligen Tiefen des Schlafes hinüber gleiten.

Sie spürt Yasraenas Wärme in deren Armen sie liegt. Lange Minuten, oder Stunden verharren sie so, ohne ein Wort, und teilen nur die Zeit der Zweisamkeit. Dann nach einer seligen Ewigkeit die noch länger hätte andauern können streicht ihr die Elbe zärtlich über das gestreifte Haar und haucht ihr einen milden Kuss auf die Wange.

Ein ohrenbetäubendes Krachen zersprengt ihren Traum. Das Tosen strömenden Regens peitscht gegen das schwere Holz der Kutsche die wild schwingt und hüpft als würde die Erde bebend zu Grunde gehen. Sie hört den Kutscher rufen. Ein Donnergrollen verschlingt seine Stimme. Plötzlich reißt es sie vom Sitz, fast wie von einer unsichtbaren Gewalt ergriffen wird sie auf die andere Seite des Innenraums geschleudert. Das berstende Geräusch von splitternden Holz füllt die Ohren. Die Tür, gerade noch da: Sie fehlt. Wie auf dem Rücken ein wilden Tiers das sich schüttelt wird sie durchgerüttelt, die Kutsche schlingert, nein sie rollt und schleudert sie hart herum. Schmerzvoll prallt sie gegen ihren Hund, oder er gegen sie, ein blutrotes Farbenspiel, füllt den Blick, raubt die Luft aus den Lungen. Ein Winseln. Wieder reißt es sie herum, stößt sie gegen die Seite. Ein grausames Flackern von Schmerz am Hinterkopf zersprengt die Sinne. Tüb, Schwarz. Nasse Kälte. Ein warmer Atem. Sie kann nichts sehen, der Blick bleibt verschwommen.Wasser. Es reißt an ihr, umspült sie, kühlt die Schmerzen, zieht an ihr, zieht nach unten. Etwas in ihr schreit „hoch!“ Hoch! Ihre Hand sucht blind nach etwas Halt, findet ihn an nassen Überresten von etwas das ein Sitz war. Sie versucht sich hochzuziehen. Schwindel, alles dreht sich, es fehlt an Kraft. Die Finger verlieren den Halt, gleiten quietschend ab, zurück ins Wasser. Dann herrscht: Schwärze.


Das leise knacken und knistern brennenden Holzes schwebt wolkig wie vom Traume her in der Luft. Strömt durch wogende Düsternis und gleitet herab als grüße es sie. Wie wohlig warm es ist. War es das Ende? Ein Duft drängt sich ihr auf. Wurst? Eintopf? Wie sollten Laute schweben? Die Magierin öffnet die Augen und erkennt eine rustikale Holzdecke. Die Frage „Wo bin ich“ ist noch nicht greifbar und brandet doch irgendwo leise an ihr Bewusstsein. Sie versucht sich aufzusetzen. Nur ein Stück und schon zucken Schmerzen durch ihren Körper, pochend brennend, stechend vernebeln sie ihren Blick. Ihr Kopf dröhnt unbeschreiblich, Übelkeit und Schwindel überrollen sie - beinahe hätte sie sich übergeben - und sie sinkt unverrichteter Dinge zurück.
Als sie sich zur Seite dreht und die Augen wieder öffnet um es erneut zu versuchen spürt sie schon Shafirs heißen Atem vor sich. Winselnd schleckt er sacht und fürsorglich über das Gesicht als wolle er sie ermutigen und ihr sagen: „Alles wird gut.“
Während sie sich ein Stück in die Höhe drück sieht sie einen Augenblick lang nur Shafirs Rumpf, die riesigen Tatzen und seine große schwarze Nase, und ohne genau darüber nachzudenken was sie eigentlich tut, streckt sie wacker, die Schmerzen verdrängend eine Hand aus dem Berg von warmen Decken hervor und streicht ihm mit müdem Lächeln kraftlos über den Kopf.
Sie sieht ihren bleichen Arm. Keine Kleiderärmel? Dieses Gefühl an der Haut: Raue Wolle an auf ihrem Körper anstatt des weichen Leders, des samtenen Stoffes – überall. SIE IST NACKT! Das sachte Lächeln erstirbt mit der Erkenntnis. Irritiert klettert ihr Blick weiter in den Raum hinein. Vor dem Feuer sitzt ein unbekannter Mann, ein wahrer Hüne mit feuchtwellig, goldblondem Haar, flankiert von einem riesenhaften grauen Hund, der sie kurz beifällig mustert und dann keine weitere Notiz von ihr nimmt, sondern mit dem fortsetzt das er zuvor schon tat: fressen.
Auch das Blondhaar hatte gerade gespeist oder ist im Grunde noch dabei. Der Mann betrachtet sie nur ruhig und abschätzend aus blauen Augen und Atevora wäre es am Liebsten er würde es dem Hund gleichtun, damit sie augenblicklich auf die Größe einer winzigen Fee schrumpfen und sich unter dem Berg aus Decken verstecken kann. Den Gefallen tut er ihr leider nicht.
Vielleicht träumt sie nur? Nein träume sind nicht so schmerzhaft.
Unfroh ziehen sich ihre Augenbrauen zusammen. Ohne wirklichen darüber nachzudenken, nur aus einem reflexhaften Verlangen dazu heraus, mit der freien Hand eine der Decken festhaltend damit sie nicht davonrutscht und das offenbart was der Mann eigentlich ohnehin schon gesehen hat, drückt sie sich weiter in die Höhe. Es wirkt alles so zäh, die Sekunde wie in Blei gegossen. Jeder Sekhel, und jede kleine Bewegung ist eine Tortour, selbst das Atmen.
Die Magierin öffnet den Mund als wolle sie etwas fragen, doch die sie schließt die Lippen wieder und bleibt stumm. Was sollte sie denn auch fragen? Etwa: „Was ist passiert?“ Die Antwort kennt sie: Die Kutsche, ein Unfall, sie hatte so etwas ähnliches schon einmal erlebt. Oder vielleicht: „Wo bin ich? Wer seid Ihr?“ Die Antworten die sie hat sind ausreichend: In irgend einer kleinen Holzhütte - entweder Einsiedler oder Jägerhütte - irgendwo im nirgendwo mit irgendwem der sie scheinbar gerettet hat, der gut aussieht, angezogen ist und sie nackt. „Das gefällt mir nicht..“ Flüstert sie wie zu sich selbst und ist sich tatsächlich nicht gewahr, dass sie es wirklich laut ausgesprochen hat. Er könnte wenigstens so fair sein und ebenfalls kaum etwas tragen. Dann hätte sie wenigstens jetzt auch etwas nettes zu sehen, denn ein Hüne mag er wohl sein, aber zumindest ein gutaussehender. Jemand fehlt. Drängt sich ihr plötzlich auf.
„Wo.. wo ist der Kutscher?“

Colevar

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Friday, August 10th 2012, 9:38pm

Beerenreif 512, zwischen Sarthebergen und Kreuzweg


Colevar blickt auf, als die junge Frau beginnt, sich zu regen. Doch er beobachtet erst einmal nur schweigend das langsame Erwachen der Fremden und lässt ihr ein wenig Zeit, wieder zu sich zu kommen. Er sieht ihr schwaches Lächeln und das kraftlose, sanfte Tätscheln des Hundes, ihre irritierte Erkenntnis der eigenen Nacktheit und wie sich die schmalen, dunklen Bögen ihrer Brauen unmutig deswegen zusammenziehen, ehe sie sich behutsam aufrichtet. Dass sie Schmerzen hat, ist offensichtlich - es gibt nur leider nicht das Geringste, das er dagegen tun könnte. Doch als sie mit einer sehr seltsamen und irgendwie auch liebenswerten Mischung aus hilfloser Verärgerung und erstaunter Empörung erklärt, das gefalle ihr nicht und damit wohl auf ihre Nacktheit anspielt, hätte er beinahe gelacht. Nicht über sie... oder doch ja, natürlich über sie und ihren Humor, den sie offenbar auch in einer solchen Situation nicht verloren hat, aber in keinerlei spöttischem Sinn. Er lächelt halb und seine Augen glitzern belustigt, doch jede Erheiterung stirbt mit ihrer nächsten Frage. "Ich konnte ihn nirgends finden, auch sonst niemanden. Die Kutschpferde sind über alle Berge, aber ich habe einen schweren Grauschimmel am Straßenrand eingesammelt. Ist das...?" Sie nickt hastig, murmelt etwas, das sich wie "Harm" anhört und zieht gleich darauf zusammenzuckend den Kopf zwischen die schmalen Schultern, vermutlich, weil ihr die Bewegung Schmerzen verursacht. Colevar steht auf, holt eines seiner Hemden aus den Packtaschen und bringt es ihr.

"Hier. Ihr könnt das anziehen. Es wird Euch viel zu groß und zu lang sein, aber es ist trocken. Euer Gewand ist zerrissen und hängt unter den Dachsparren zum Trocknen, aber vielleicht kann man es nähen. Schafft Ihr es mit dem Hemd allein oder braucht Ihr Hilfe?" Wieder ein Nicken, vorsichtiger diesmal und gleich darauf ein sachtes Kopfschütteln. "Ich bringe Euch ein wenig heiße Suppe." Er lässt sich Zeit mit dem Schöpfen der Fleischbrühe und klappert am Herd ein bisschen mit hölzernen Schalen, der Schöpfkelle und dem Topf herum, damit sie sich in Ruhe das Hemd überstreifen kann - was ein wenig dauern dürfte, schwindlig und zerschlagen, wie sie ist. Ein leises Räuspern verrät ihm schließlich, dass sie es geschafft hat und er bringt ihr eine Schale heißer Brühe. "Hier. Versucht das zu trinken, wenn Euer Magen mitspielt." Draußen weicht der graue Tag einer noch düsteren Dämmerung. Im warmen Licht des Feuers hat er zum ersten Mal Gelegenheit, ihr Gesicht zu betrachten, wenn sie dabei wach und nicht wächsern und besinnungslos ist. Ihre Augen sind sehr hell und blau, wenn auch ein wenig umschattet, vermutlich von Schmerzen und Schock, aber das Kindliche ist ihren Zügen erhalten geblieben. Ihr Haar ist nicht nur weiß, sondern um ihr Gesicht auch merkwürdig schwarz-weiß gemustert, wie das Fell eines Schneetigers oder das gesprenkelte Gefieder eine Schneeeule. "Ich bin Colevar von Lyness. Und Ihr seid?"
Some say the world will end in fire. Some say in ice.
From what I’ve tasted of desire I hold with those who favor fire.
But if it had to perish twice, I think I know enough of hate
To say that for destruction ice is also great - and would suffice.
R.Frost

Atevora

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4

Saturday, August 11th 2012, 12:01pm

Beerenreif 512, zwischen Sarthebergen und Kreuzweg


Ein gewinnendes leises Lächeln liegt auf seinem gleichmäßigen, hübschen Gesicht und seine strahlend hellblauen Augen leuchten ihr freundlich entgegen. Bestimmt bringt dieses Lächeln Frauenherzen zu Fall gleichsam wie der Herbst die bunten Blätter. Seine Züge werden ernst als sie ihre Frage stellt. Er hätte kein Wort sprechen müssen, sie weiß so schon anhand der Reaktion in welche Richtung die Antwort geht.
Die Chancen einen solchen Unfall auf einem Kutschbock sitzend zu überleben sind denkbar gering. Wenn er ihn nirgends finden konnte, dann stürzte Breck ins Wasser. In Gedanken erinnert sie sich an die Kraft der Fluten die an ihr Sogen, aber zuvor schon von dem Überresten der Kutsche gebremst worden sein mussten. Selbst wenn Breck überlebte und angeschlagen und benebelt in den Fluss fiel, dann ist er wohl ertrunken. Es ist schade um den Mann der die letzten Monde so verlässlich die Kutsche lenkte. Er war nie aufdringlich, fiel beinahe nicht auf und war doch immer freundlich zur Stelle. Sie hat kaum ein Wort mit ihm Gewechselt, nicht dass sie ihn als unwürdig erachtet hätte mit ihm zu sprechen, sie ist nur nicht unbedingt ein Mensch der die ganze Zeit plappert als wäre sie in den Klang ihrer eigenen Stimme verliebt und doch: i]Er hat es verdient, dass ich nach ihm Suche. Seine Frau und die zwei Kinder nahe des Erwachsenenalters haben es verdient, dass sie nach ihm sucht. Gleich morgen. Denn sie erkennt das sterbende Licht des Tages welches ihr eindeutig mitteilt, dass jeglicher Versuch heute, ganz abgesehen von ihrer körperlichen Verfassung, gänzlich sinnfrei wäre.

Dass der blondhaarige Mann auch sonst niemanden fand, wundert sie nicht, sie war schließlich mit Shafir die Einzige in der Kutsche. „Es war keine weitere Person bei mir.“ Erwähnt sie knapp, als wäre es für den Mann auch nur irgendwie erheblich. Vermutlich ist es das nicht.
Dann erwähnt er die Pferde, die Shin nickt bei der Erwähnung des grauen Rosses, eine unüberlegte Bewegung die sie hätte lieber bleiben lassen, denn mit ihr explodieren hunderte Lichter wie unzählige winzige Glühwürmchen die panisch zu allen Richtungen hin vor ihr fliehen.
Der Mann bedenkt sie mit keinem mitleidigen Blick - ein Glück, denn sie verachtet mitleidige Blicke - und steht stattdessen auf.
Atevora folgt ihm mit den Augen, und sie schenkt der Kleidung dabei etwas mehr Beachtung. Sie ist nicht abgetragen, von guter Qualität aber nicht übermäßig modisch oder mit unnötigem Schnickschnack verziert und lässt somit nicht nur auf seine finanziellen Gegebenheiten schließen. Zusätzlich schätzt sie seine Größe. Etwa so groß wie Ronan? Zwei Schritt? Vielleicht ein wenig mehr? Wenn sie nebeneinander stünden, wäre sein Bauchnabel vermutlich gerade in der rechten Höhe um ihn eindringlich zu betrachtet.
Weshalb sind eigentlich fast alle Männer die sie „persönlicher“ trifft solche Riesen? Dass die Anderen nicht so groß, sondern sie womöglich nur so klein sein könnte, auf die Idee kommt die Magierin natürlich nicht.

Unterdessen der Unbekannte etwas aus einer Tasche, genauer gesagt sieht es aus wie eine Satteltasche, kramt, schiebt sie ihre Beine über die Bettkante und Shafir nimmt dies sofort als Einladung seinen Kopf in ihren Schoß zu legen. Sie weiß, sie selbst hat es nicht geschafft sich aus eigener Kraft aus dem Wasser zu ziehen. Kann es möglich sein, dass der Fremde so schnell zur Stell war um sie vor dem Ertrinken zu retten? Oder...? Langsam und vorsichtig dreht sie den Kopf zur einen Seite, dann zur Anderen und ihre Augen tasten über ihre Schulter und den Arm entlang. Da sind abdrücke auf ihrer linken Seite die eigentlich nur von Einem stammen konnten. Es war Shafir, der sie aus den Fluten gezogen hat, der Hund hat ihr das Leben gerettet. War womöglich sogar er es, der den unbekannten Mann gefunden und zu ihr geführt hat? Wie auch immer, er hat seine Sache gut gemacht. Die Magierin lächelt auf ihn herab, und ihre zarten Finger verweben sich mit seinem Fell. Sie ist froh darum, dass er bei ihr ist.
Shafir merkt die leichte Veränderung ihm gegenüber und beginnt ob der ungewohnten reinen Herzlichkeit in Atevoras Gestus mit seinem Schwanz sofort glücklich die Holzbretter des Bodens aufzuwischen.

>>"Hier. Ihr könnt das anziehen.“<< Mit den Worten steht der Hüne wieder vor ihr und hält ihr ein Hemd aus guter Tuche unter die Nase. Wortlos und ohne ihm ins Gesicht zu sehen - sie müsste dazu den Kopf zu weit in den Nacken legen als es im Moment für sie gut ist - greift sie nach dem Kleidungsstück. >>„Es wird Euch viel zu groß und zu lang sein, aber es ist trocken.“<< Ein schmuckloses Danke, ist das Einzige, das sich ihrer Kehle entringt. >>„Euer Gewand ist zerrissen und hängt unter den Dachsparren zum Trocknen, aber vielleicht kann man es nähen. Schafft Ihr es mit dem Hemd allein oder braucht Ihr Hilfe?" <<
Atevora nickt unfroh. Ja man könnte das vielleicht nähen, sie aber wohl eher nicht. Sie hat die Zeit über viele Fähigkeiten errungen, aber nähen zählt nicht dazu. Sie muss später ihr Gewand einer näheren Begutachtung unterziehen, denn vielleicht könnte sie die Risse zu beiden Seiten angleichen, damit es wie Absicht aussieht? Danach schüttelt sie den Kopf. Sie kann sich auch alleine anziehen, und auch wenn sie sich ihres Körpers nicht schämen braucht, noch einmal gönnt sie dem Mann dieses ungleiche Spiel nicht.
>>"Ich bringe Euch ein wenig heiße Suppe."<< Mit den Worten dreht er ihr den Rücken zu und geht ans Feuer über dem der Topf mit der Speise hängt. Die Eismaid macht sich sofort daran ungelenk und steif, zudem vernehmlich von Schmerzen geplagt die Luft einziehend, in dieses riesige Stoffzelt zu schlüpfen, welches der Blondschopf als Hemd bezeichnet hat. Dieser schöpft unterdessen entschieden, genaugenommen übertrieben langsam und geräuschvoll die Suppe aus dem Topf um ihr ausreichend Zeit für das Unterfangen zu bieten und die Shin zollt ihm dieses entgegenkommende Verhalten insgeheim mit respektvoller Anerkennung.
Die Bezeichnung viel zu groß für das Kleidungsstück ist übrigens noch eine Untertreibung. Von der Länge könnte es als Kleid durchgehen, und sie könnte das Hemd vermutlich drei mal um sich herumwickeln und hätte noch immer genug Stoff für ein zweites Leibchen für sich in der Hand. Vermutlich muss sie sogar aufpassen, dass sie nicht als ganzes aus dem Halsausschnitt des Leibchens wieder herausrutscht und erst wieder völlig frei dasitzt. Außerdem neigt sie nie zu gedanklichen Übertreibungen.

Langsam hebt sie den Blick und betrachtet einen Moment des Blondschopfes Hintern. Auch wenn der Mann selbst mit seiner groben Größe und dem eindeutig reichlich muskelbepackten Körper nicht unbedingt in ihr Beuteschema passt, seine Pobacken zu betrachten ist ein kleiner Genuss den sie sich gerade freizügig gönnt.
Mit einem Räuspern macht Atevora dann doch deutlich, dass er damit enden kann seine Bewegungen ihr zuliebe in zelebrierter Zeitlupe auszuführen und nimmt kurz darauf die Schüssel entgegen.
Ihrem Magen geht es, wenn sie davon absieht Genick und den Kopf zu sehr zu bewegen, sogar erstaunlich ausgesprochen gut, und so schlürft vorsichtig an der Suppe. Schweigsam lässt der Hüne sie ein paar Schlucken trinken bei denen sie feststellt, dass die Brühe sogar ganz schmackhaft ist. Auf jeden Fall besser als alles was sie sich selbst zum Essen vorsetzt, wenn sie versucht der Tätigkeit nachzukommen, die man gemeinhin als kochen bezeichnet. Bei ihr ist Giftmischen und Kochen nahezu das Selbe, bei Beiden könnte man ihr getrost Tötungsabsichten unterstellen wenn sie das Endprodukt jemand anderen vorsetzt.
>>"Ich bin Colevar von Lyness. Und Ihr seid?"<< Bricht der blondhaarige schließlich die Stille, die nur von den knackenden Geräuschen des Feuers ausgefüllt wurde. Unschlüssig?.. Erstaunt?.. Verletzt? Hungring?... Nicht mehr nackt? Auf jeden Fall reichlich in Versuchung allerhand darauf zu antworten in dessen Richtung der angefangene Satz gar nicht zielt. Unschlüssig und erstaunt deshalb, weil sie gerade nach ihrem Namen gefragt wurde und nicht mit einem der vielen für sie geläufigen bedacht wird, schließlich ist sie im Umland Talyras wie ein bunter Hund bekannt. Es gibt ja nicht unbedingt viele, die so aussehen wie sie. Schlags darauf wird ihr bewusst wie unnötig Reich an Namen sie ist, und wie ärmlich Namenlos zugleich, und Zeitlich ist ihr auch schon der Name Colevar von Lyness ein Begriff. Colevar, ein Sohn des Adeligen Lyness. Dient er nicht in der Stadtgarde? Heißt es nicht, dass er lange Jahre auf Reisen war? Kann es denn möglich sein, dass er noch nichts von ihr gehört hat? Und: Ist es nicht Ironie, dass ihr ausgerechnet ein Ritter des Totengottes das Leben rettet? Es ist fast wie eine Ausladung des Gottes selbst: Nein danke, du darfst noch warten bevor ich mich mit dir beschäftige. Gegen diesen Entscheid hat sie natürlich absolut nichts einzuwenden.
Nur einen halben Wimpernschlag später setzt sie schließlich den Satz fort: „Erfreut Euch kennen zu lernen, Sire Lyness.“ Der Tonfall und die Mimik mit einem halbherzigen Zucken um die Mundwinkeln, das womöglich eine Andeutung eines kurzen Lächelns hätte sein können, strafen der Worte ein wenig Lügen. Natürlich ist sie nicht unerfreut ihn kennen zu lernen, doch die Umstände schmecken ihr überhaupt nicht. Die Suppe allerdings schon und so nimmt sie noch einen weiteren Schluck um sich ein wenig Zeit zu erstehlen.

Sie weiß zwar nicht genau wo sie sind, wo es die Kutsche krachend in ihre Einzelteile zerlegt hat und wo er sie genau hingebracht hat, doch sie weiß in etwa wo sie sich befand bevor sie in in der Kutsche in Schlummer fiel. Die Ländereien hier in der Gegend sind also die seinen und seiner Familie. „Ihr dient in der Stadtgarde von Talyra, nicht wahr?“ Eigentlich mehr eine Feststellung als eine Frage.
„Meine Person ist weithin als Shin, Lady Shin bekannt, doch der Titel steht mir nicht zu.“ Hätte sie auf das „Ihr seid..“ sogleich mit „Lady Shin“ geantwortet, hätte sie gelogen, und sie hält sich lieber möglichst an der Wahrheit. „Ich fürchte ich stehe tief in Eurer Schuld.“
Jetzt lächelt sie doch, traurig, mit gesenktem Blick. Noch jemand. Dar Szallyr, Yasraena und jetzt auch noch er. So viele Schulden lasten auf ihren zarten Schultern, die sie so schwer begleichen kann.
Dabei muss sie ihn nun auch noch um einen Gefallen bitten. Wenn zum trocknen nur hängt was sie an hatte ist das schlecht. Sie hatte keinen Umhang und keine Gugel in der Kutsche um die nackten Schultern. Sie hat nichts mit zum Schutz vor der Sonne. Sie wird ihn nicht nur um eine Beschreibung zurück auf den Kreuzweg, sondern auch darum bitten müssen sie zurück zur Kutsche zu führen, damit sie nachsehen kann was sie aus den Trümmern bergen kann.
Atevora Atmet vernehmlich schwer die Luft ein und wieder aus: „Und nun muss Euch auch noch um einen Gefallen bitten. Wärt Ihr so freundlich mir den Weg zurück zu den Resten der Kutsche und zum Kreuzweg zu zeigen?

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Colevar

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5

Saturday, August 11th 2012, 7:13pm

Beerenreif 512, zwischen Sarthebergen und Kreuzweg


Sie nennt ihn Sire Lyness und Colevar grinst verhalten. "Lorcain. Colevar Lorcain aus dem Haus Lorcain, Erbe von Lyness," korrigiert er in leisem, selbstironischen Spöttelton über sich selbst, um gleich klarzustellen, dass er von Adelsgehabe recht wenig hält, und neigt formvollendet den Kopf. "Euer Diener, Mistress." Doch bevor sie ihm ihrerseits Namen verrät, will sie wissen, ob er in der Stadtgarde dient, doch eigentlich ist es eher ein Vergewissern, als eine wirkliche Frage. Colevar nickt, zuckt gleich darauf jedoch mit den Schultern. "Im Augenblick bin ich noch vom Dienst befreit, aber ja... ich bin ein Blaumantel." Er verlässt sie, um sich selbst noch etwas von der Brühe zu holen und setzt sich mit der dampfenden Tonschale dann wieder auf seinen alten Platz am Feuer, wo Reykir inzwischen sein Fleisch restlos verputzt hat und sich mit einem tiefen Hundeseufzen ausstreckt, wobei er den pelzigen Schädel wie so oft auf Colevars Füßen ablegt.
>Meine Person ist weithin als Shin, Lady Shin bekannt, doch der Titel steht mir nicht zu.< Die interessante Wortwahl lässt ihn aufhorchen, doch auf sein fragendes Lächeln hin erhält er keine näheren Auskünfte... einen Vornamen etwa, oder eine Erklärung, und sie sieht auch nicht aus, als erhoffe sie weitere Fragen, im Gegenteil. Eher als wäre ihr das Thema ein klein wenig unangenehm. Erst die jungfräuliche Unschuld, dann das vorlaute Rotzgör, jetzt eine seltsame Dame mit Geheimnissen, die sie andeuten, aber nicht offenbaren mag... was kommt dann als nächstes? Die Matrone oder die alte Vettel? Was ihre Aussage, sie sei weithin bekannt angeht, kann er dazu nicht viel sagen – außer dass sie ihm in keiner Weise bekannt ist und auch im gesamten Fürstentum von Lyness hatte er noch kein Wort über eine "Lady Shin" gehört... oder überhaupt über eine fremdartig aussehende Frau mit weiß-schwarzem Haar und schneeblasser Haut, dabei ist ihre Erscheinung so ungewöhnlich, dass sie landauf landab einfach auffallen muss.
>Ich fürchte ich stehe tief in Eurer Schuld.<
"Nein," er verzieht den Mund zu einem halben Lächeln, eigentlich kaum zu mehr, als zu einem Vertiefen der Mundwinkel, trotzdem ist es durch und durch echt. "Nein, sicher nicht. Anscheinend haben die Götter mir auferlegt, ständig ahm... Damen am Wegesrand aufzusammeln. Ich tue das schon eine ganze Weile, wisst Ihr." Und bisher hat es dir nichts als Leid und Ärger eingebracht, das kannst du auch gleich erwähnen... nur für den Fall, dass sie die goldene Ausnahme dieser Regel sein sollte. "Ihr schuldet mir nichts, wirklich. Ich habe gern geholfen. Außerdem hat Euch Euer Hund das Leben gerettet, er hat Euch aus dem Wasser gezogen."

Sie senkt den Blick und ihr Lächeln ist mehr als melancholisch – doch von ihren Gedanken kann er natürlich nichts ahnen, noch weiß er etwas über ihre Schwierigkeiten mit der Sonne. Er kann sich natürlich denken, dass sie sich wohl nicht oft im Freien aufhält, schließlich ist ihre Haut weißer als Harchamarmor, aber sie könnte ebenso gut eine jener eitlen herzländischen Adligen sein, die so viel Wert auf ihre schimmernde Magnolienhaut legen, dass sie sich ständig mit Hüten und Schleiern schützen, dauernd in Buttermilch baden und die Mittagssonne meiden wie der Dunkle das vielzitierte Weihwasser. Dieser Gedanke beschwört unvermittelt das Bild von sonnenwarmer, honigdunkler Haut, überzogen von einem Meer von Sommersprossen, goldbraun wie Zimtstaub, herauf.
>Und nun muss Euch auch noch um einen Gefallen bitten. Wärt Ihr so freundlich mir den Weg zurück zu den Resten der Kutsche und zum Kreuzweg zu zeigen?<
"Natürlich," erwidert er ohne das geringste Zögern, doch dann erscheint eine schmale, nachdenkliche Falte zwischen seinen honigfarbenen Brauen. "Ihr wart auf dem Kreuzweg unterwegs? Dann sind die Pferde wohl ein ganzes Stück durchgegangen, denn im Augenblick sind wir noch fast am Fuß der Sartheberge. Das nächste Dorf ist Hexerbrücke, nicht ganz zwei Tausendschritt von hier in westlicher Richtung. Ich bin auf dem Weg nach Talyra und werde den Kreuzweg nehmen, wenn Ihr wollt könnt Ihr Euch gern anschließen – zumindest bis zur Hohen Warte haben wir denselben Weg." Colevar leert seine Schale und überlegt, noch auf die Jagd zu gehen... die Brühe ist gut und nahrhaft, aber satt wird sie ihn nicht sehr lange machen und er will Bairnes unwissende Gastfreundschaft auch nicht überstrapazieren, indem er ihm die halbe Vorratskammer ausräumt. Er hatte damit gerechnet, spätestens in der Nacht in Talyra anzukommen und Calait hätte sicher irgendetwas Essbares für ihn gehabt, also hatte er sich nicht noch damit aufgehalten, Proviant einzupacken. "Was Eure Sachen angeht... die Kutsche ist voller Wasser gelaufen und was von Eurem Gepäck nicht vom Fluss fortgespült wurde, schwimmt jetzt. Ich reite hin und hole es Euch, es ist nicht weit. Kann ich Euch allein lassen? Reykir wird bei Euch und Eurem Hund bleiben und aufpassen."
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R.Frost

Atevora

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6

Saturday, August 11th 2012, 10:53pm

Beerenreif 512, zwischen Sarthebergen und Kreuzweg

Atevora ist nicht bewusst, dass sie versehentlich frech gegenüber den Adeligen wurde, oder er es so empfindet. Sie hatte es nicht beabsichtigt und ahnt auch nichts davon. Sie registriert aber den Ton mit dem er auf das Sire reagiert. Die Fehlwahl des Namens kümmert sie nicht sonderlich, er nimmt es ihr offenbar nicht übel und an einem anderen Tag wäre ihr der faux pas ohnehin nicht passiert. Sie ist mit diesen hämmerten Kopfschmerzen die von ihrem Hinterkopf her heiße Wellen durch ihren Körper senden gerade nicht in besonders geistigen Höhen unterwegs. Und sie fühlt sich ausgelaugt und müde. Kein Wunder, man purzelt auch nicht jeden Tag mit einer Kutsche einen Hang hinunter um schließlich im eiskalten Wasser eine runde plantschen zu gehen.
Aber damit beschäftigen sich ihre Gedanken gerade nicht. Er hält also nichts von diesem Hohen Getue. Eine solide Einstellung ihrer Meinung nach. Wenn es nach ihr geht, sind ihr die Huren im Pfirsich allesamt bei weitem lieber als so mach ach so edle Dame oder Herr von Geschlecht die anderen irgend einen subtilen Wert zusprechen der natürlich weit unter dem ihren liegt. Sie hat schon viele solcher Puten und Gockel getroffen und immer wieder überkam sie ob derer Überheblichkeit das dringende Bedürfnis ihnen die Haut in streifen blutig vom Leib zu reißen.

Colevar Lorcain also ohne Sire, Mylord, oder sonstigem Titel davor. Das lässt sich machen. Seinen Beteuerungen sie schulde ihm nichts schenkt sie nur halbherzig Gehör, sie hat ihre eigenen unumstößlichen Moralansichten. Sie wird dies aber sicher nie jemanden auf die Nase binden, und sie wird auch keinem auf die Nase binden, dass sie mit dem klaren wie selbstverständlichen >>„Natürlich.“<< aus seinem Mund nicht gerechnet hatte. Selbstlos, Hilfsbereit: Eigenschaften die einem Ritter zugesprochen werden, aber so wenige wirklich aufbringen.
Der nächste Satz schockiert sie dann. „Die Sartheberge?“ Wiederholt sie entgeistert. Irgendwas passt nicht. Sie kann doch nicht die ganze Wegstrecke mit durchgehenden Pferden verschlafen und nur den letzten Teil mitbekommen haben. Oder hatte sie schon während dieser Hatz einen Filmriss?
„Mein Ziel ist ebenfalls Talyra..“ Gibt sie kund. Nein, das ist nicht ganz richtig. Ihr Ziel ist Yasraena, und diese lebt in Talyra. Seit die Magierin die wundervolle Frau kennt und liebt, weiß sie was der Spruch: „Heimat ist wo den Herz wohnt“ bedeutet. Nur bei der Elbe verspürt sie ein Gefühl von Heimat und dieses Gefühl möchte sie nicht mehr missen.
Zeitgleich mit Herrn Lorcain leert Atevora auch den letzten Rest ihrer Schale. Sie ist mehr als satt und entgegen Colevar würde bei ihr die Mahlzeit länger anhalten. Sie war noch nie eine große Esserin. Sie ist jemand der gelernt hat auch mit wenig auszukommen und sich damit zufrieden zu geben, auch wenn sie sich in Talyra oft anders gibt und natürlich durchaus jemand ist, der exquisite Delikatessen und schmackhafte Gaumenfreuden zu schätzen und zu genießen weiß. Es ist aber ein reiner Luxus den sie nicht braucht und ohne den sie ebenfalls leben kann.
>>"Was Eure Sachen angeht... die Kutsche ist voller Wasser gelaufen und was von Eurem Gepäck nicht vom Fluss fortgespült wurde, schwimmt jetzt. Ich reite hin und hole es Euch, es ist nicht weit.<<
Er will jetzt aufbrechen? Jetzt noch? Es beginnt doch bereits zu Dämmern.. Außerdem ist ihr leicht unbehaglich zumute das Angebot anzunehmen, und das aus mehreren Gründen. Allerdings, wenn er es schon so frei anbietet, warum nicht? Etwas besonders ungewöhnliches, oder verräterisches wird er unter ihrem Gepäck ohnehin nicht finden. Andererseits hatte sie tatsächlich vor selbst ihre Habseligkeiten zu bergen und auch ein wenig den Fluss hinab zu gehen um nach der Leiche von Breck Ausschau zu halten. Langsam arbeitet ihr Hirn aber wieder ein wenig vernünftiger und in normalen Bahnen. Er hätte es zwar verdient, dass jemand nach seinen Überresten sucht, aber Sinn und Zweck hätte es keinen. Sie könnte nicht mehr als ihn finden. Nichts weiter mehr. Was sollte das nützen? Wem sollte es dienen? Verschwendete Mühe, Zeit, sinnlos aufgebrachte Ressourcen.
„Würdet ihr? Das wäre sehr..“ Ritterlich. „zuvorkommend und freundlich.“
>>“Kann ich Euch allein lassen? Reykir wird bei Euch und Eurem Hund bleiben und aufpassen."<<
Reykir also. Ja, ich denke schon, danke.“ Sie ist sich sicher auch Shafir würde gut auf sie aufpassen, irgendwie, auf seine Weise.
Colevar nimmt beim Aufstehen auch ihre Schüssel, stellt sie in der nähe des Topfes ab. Ohne viele weitere Worte zieht er sich seinen Umhang über und geht hinaus in die Dämmerung.

Kaum ist der Mann aus der Tür und das Geräusch der Hufe seines Pferdes verstummt seufzt Atevora Schicksalsergeben. Womit hat sie es verdient in solche Situationen zu geraten? Aber es hilft nichts sich lange mit Selbstmitleid aufzuhalten oder sich der Situation zu grämen. Was geschehen ist ist nunmal geschehen und damit gilt es nun eben zu Rande zu kommen.
Die Magierin gönnt sich noch einige Augenblicke der Rast, dann versucht sie aufzustehen, und es gelingt ihr auch. Sie war schon schlimmer verletzt, zum Beispiel als sie in der Inarinacht zusammengeschlagen wurde.
Sie macht die ersten zögerlichen Schritte und beinahe wäre sie gestürzt, denn ihr rechtes Bein ist ungewohnt steif und schwer gibt unter der Belastung unfein nach, fast so als wäre es eingeschlafen, aber das Gefühl ist doch ein wenig ein anderes. Nach wenigen Schritten ist es besser und bald verschwunden. Der graue Hund betrachtet sie bei ihren starksenden Schritten Skeptisch, legt aber dann schließlich wieder seine Schnauze auf den Boden um weiterzudösen. Sollte sie Colevar Lorcain von Lyness fragen was es damit auf sich hat, dass seines Hundes Ohren nur zerfetzten Resten gleichen?

Am Feuer angekommen legt die Shin einen Scheit ins Feuer damit es nicht ausgeht und das obwohl ihr eigentlich mehr als warm genug ist in der Stube. Danach wankt sie müde weiter um sich ihre Kleidung näher anzusehen. Sie kommt zu dem Schluss, dass diese nicht so übel aussieht wie befürchtet, mit Ausnahme der einen Seite, wo es ihr plötzlich fast wie ein Wunder erscheint, dass sie keine schlimmeren Verletzungen davongetragen hat.
Müde schleppt sie sich zurück zur Liegestadt und nutzt die Zeit um auch Shafir auf Verletzungen zu untersuchen die er jetzt noch nicht anzeigt. Als sie seine Rippen abtastet winselt er vernehmlich. Womöglich hat er sich geprellt, einen Bruch fühlt sie ihrer bescheidenen Meinung nach nicht. Sein Fell sah auf jeden Fall schon einmal wesentlich gepflegter aus. Es ist furchtbar zerzaust und verknotet, und was gäbe sie darum nun eine Bürste zur Hand zu haben um das zu ändern. Zu seinem Glück hat sie keine. Vermutlich steht es um ihre eigene Haarpracht nicht besser als um die ihres Hundes
Mittlerweile war es stockfinstere Nacht. Die Magierin hat sich wieder hingesetzt, und etwas später hingelegt. Sagte der Mann nicht es wäre nicht weit? Wie lange war er nun wohl schon unterwegs? Könnte ihm etwas zugestoßen sein? Weshalb interessierte es sie überhaupt ob ihm etwas zugestoßen ist? Ach ja, weil sie nicht weiß wo zum Namenlosen sie eigentlich genau ist und welche Richtung sie einschlagen muss um wieder nach Talyra zu kommen.
Atevora starrt noch eine gefühlte Ewigkeit ins Feuer und schläft dann erschöpft ein.

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Colevar

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7

Sunday, August 12th 2012, 1:52pm

Beerenreif 512, zwischen Sarthebergen und Kreuzweg


Am nächsten Morgen erinnert nichts mehr an den schweren Sturm des Vortages, außer vielleicht die balsamische Luft, die nach dem Regen mild und wie reingewaschen vom Staub der wochenlangen Hitze wirkt. Doch die Sonne steigt rasch empor und füllt den nebligen Wald mit goldenem Dunst – es würde nicht lange dauern, bis sie Morgenkühle und Tau mit ihrer Hitze verbrannt hätte, denn schon jetzt ist es warm und sommerlich. Er war gestern erst spät in der Nacht in Bairnes Jagdhütte zurückgekehrt, obwohl der Weg nicht weit war, doch er hatte ein wenig Zeit allein mit sich und seinen Gedanken gebraucht... verworrenen Gedanken, die sich in seinem Kopf ständig im Kreis drehen wie aufgebrachte Hunde, die ihre eigenen Schwänze jagen. Er hatte alle Habseligkeiten Lady Shins aus den Überresten der Kutsche gezogen, die er gefunden hatte, und auf dem Rückweg eine fette Waldgans erlegt, die neben ihm am Wegesrand hochgeflattert war. Kurz vor Mitternacht hatte er sich jedoch nicht mehr damit aufgehalten, den Vogel auch noch zu rupfen, sondern ihn nur ausgenommen, Füße und Hals abgetrennt und mit den Innereien an die Hunde verfüttert, ihn mit Gewürzen und Kräutern gestopft und dann in einen Mantel aus feuchtem Lehm gepackt und in die Feuerglut geschoben, wo er Zeit hatte, langsam bis zum Morgen durchzugaren. Die Hitze würde den Lehm zu einer festen Hülle brennen, die man nur noch aufbrechen muss um an das schmackhafte Innere zu kommen und an der außerdem alle Federn festkleben würden. Die verführerischen Gerüche dieses Morgenmahls ziehen nun durch die kleine Jagdhütte und über die halbe Lichtung, doch Lady Shin scheinen sie noch nicht geweckt zu haben, denn er hört nicht das allerkleinste Geräusch von drinnen. Er war schon vor der Sonne aufgestanden, geweckt von einem Traum, der einen sehr seltsamen Nachgeschmack hinterlassen hat, hatte die Hunde mit hinausgenommen, die Pferde versorgt und ein Bad im Quellteich genommen... und innerlich über jeden Augenblick geflucht, der ereignislos verstrichen war ohne ihn auch nur einen Sekhel näher an Talyra zu bringen.

Das 'Vielleicht aber auch...', das er gestern so entschlossen von sich geschoben und zurück in die tiefsten Winkel seiner Seele verbannt hatte, aus denen es gekrochen war, hat ihn wieder eingeholt und spukt nun in seinen Gedanken herum. Er hatte Zeit und Gelegenheit über die Situation nachzudenken, in der er schon wieder steckt, und was bisher nicht mehr als eine vage Ahnung gewesen ist, ein flüchtiger Gedanke hin und wieder, leicht zu ignorieren und noch leichter als abergläubische Narrheit abzutun, wird allmählich zu einer Möglichkeit, mehr noch... es bekommt das Potential zur festen Überzeugung. 'Slan lead, Calait. Wir sehen uns bald.' Das waren seine Worte gewesen, damals im Langschnee. Bald – der blanke Hohn! Selbst nach anderen Maßstäben als seinen, sind acht lange Monde nicht bald. Es ist, als würde irgendetwas, und er will verdammt sein, wenn er wüsste was, er ist nur sicher, dass es ausnahmsweise nicht die Götter sind, Sithech schon gar nicht, denn diesen Geschmack kennt er nur zu gut, aber etwas, eine Art seltsamer Kraft vielleicht, vielleicht auch das Schicksal oder eine Verschwörung, ein Fluch, ein Bann, was auch immer ihn mit aller Macht von Calait fernhalten. Gestern, als er ihren Brief in den Händen gehalten hatte, drei Monde zu spät, und nicht glauben konnte, was er darin lesen musste, war ihm der Gedanke, so abwegig er auf den ersten Blick und bei Licht betrachtet auch erscheinen mag, zum ersten Mal durch den Kopf geschossen und heute, nach einer halb durchwachten Nacht und wirren Träumen, fragt er sich allmählich, ob daran nicht vielleicht etwas Wahres ist. Aber wenn ja, falls es so ist, warum zum Dunklen? Aus welchem dreimal verdammten Grund?

Lautes Bellen reißt ihn unsanft aus seinen Gedanken und er lässt die Holzfälleraxt, die er hinter dem Haus auf dem Spaltklotz gefunden hat, wieder sinken. Offenbar ist die kleine Schlafmütze aufgewacht, denn es rumort in der Hütte. Colevar treibt das Beil mit einem Schlag tief ins Holz, pfeift nach Reykir – das schwarze Fellungetüm verschwindet gerade schwanzwedelnd im Inneren – vergewissert sich, dass die Pferde friedlich grasen und folgt den Hunden dann hinein. Lady Shin ist wach und auf den Beinen, wenn auch noch etwas wackelig, wie es scheint, aber sie sieht schon sehr viel besser aus, als gestern und inspiziert gerade den Inhalt ihrer Taschen und Bündel, die er neben ihr Lager gestellt hat. Außerdem zuckt ihre schmale, weiße Nase beim Geruch des Essens. "Ihr habt einen gesegneten Schlaf, Lady Shin", stellt er fest. "Guten Morgen. Draußen ist eine Quelle, wenn Ihr Euch waschen wollt. Das Wasser ist kalt, aber die Sonne scheint warm. Ich..." er wendet sich dem Feuer zu und holt mit dem Schürhaken die Gans aus der Glut, die man im Augenblick wirklich nicht als das Festmahl erkennen kann, das sie eigentlich ist, denn momentan ähnelt sie eher einem überdimensionierten, verknautschten und verkohlten Klumpen. "... kümmere mich um ein Morgenmahl, aber dann würde ich gerne aufbrechen, falls Ihr Euch gut genug fühlt, um zu reiten." Ich hoffe sie kann sich ohne Sattel auf ihrem Pferd halten... wo immer der abgeblieben sein mag, ich habe ihn nicht gefunden.
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Atevora

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Sunday, August 12th 2012, 6:14pm

Beerenreif 512, zwischen Sarthebergen und Kreuzweg


Es ist ein wiederkehrendes vertrautes Geräusch, dass erst langsam nicht klar umrissen und dann deutlicher ihren traumlosen Schlaf beiseite schiebt. Das Geräusch von Holzhacken. Es braucht einen Augenblick da blinzelt sie nur schlaftrunken um sich überhaupt wieder bewusst zu werden wo sie ist. Schmerzen sind allerdings immer eine gute Erinnerungsstütze.

Sie ist alleine in der Hütte, die Tür ist weit offen und lässt die ersten strahlen des Morgens herein. Dem Licht nach zu urteilen muss es noch früh am Morgen sein. Wie lange Colevar wohl schon wach ist und Holz hackt? Sie nimmt an, dass Shafir bei ihm ist.
Noch ein wenig schlafbleiern steht Atevora auf und blickt unglücklich auf sich herab. Die Tracht die sie gerade trägt steht ihr nicht unbedingt, es wirkt als hätte der Mann sein Kleidungsstück einem Birkenstecken übergeworfen an dem es nun lustlos herabhängt. Die Magierin schiebt den Gedanken beiseite als sie einen Teil ihres Gepäcks neben der Schlafstatt entdeckt. Der Mann also hatte sein Wort gehalten. Wann er die Bündel neben dem Bett abgestellt hatte könnte Atevora nicht sagen, sie hat es vollkommen verschlafen und trotz des tiefen Schlafes fühlt sie sich nicht sonderlich ausgeruht.
Shafir, der gerade mit wedelnder Rute in die Stube trabt macht hier einen ganz anderen Eindruck, und Atevora wünschte sich er könnte vielleicht ein wenig von seiner Energie an sie abgeben. „Guten Morgen Shafir, hast du Via irgendwo erspäht?“ Natürlich kann er nicht verstehen was sie zu ihm spricht, er sieht nur hechelnd mit großen braunen Augen zu ihr hoch als wollte er antworten: „Ich hab dich lieb!“. Atevora schmunzelt und wuschelt ihr Fellmonster kurz, welches die Zuneigung sichtlich genießt.
Mit Bewegungen denen es an Eleganz fehlt, beginnt sie dann die Überreste ihres Gepäcks zu untersuchen. Ein Bündel mit einem Kleidungsstück, natürlich ein Schulterfreies überhaupt nicht exzentrisches das einem überhaupt nicht am ehesten das Wort „Magier“ entgegenbrüllt. Sie hatte es sich vor dem Aufbruch zurück nach Talyra in Verd geleistet, oder eher dort abgeholt, zusammen mit einem neuen Unterkleid, und einem zur Kleidung dazupassendem Umhang die sich ebenfalls in dem Bündel befinden. Ihre Tasche mit dem Schreibermaterial ist auch dabei. Es stellt sich heraus, dass es eine gute Idee war nicht den trockenen Schwarzdrontintenblock mitzunehmen, sondern die sorgsam verkorkte Eisen-Gallus-Tinte. Vermutlich hat ihr Büchlein mit den persönlichen Notizen das sich bei dem Schreibzeug befindet sehr gelitten. Ihre Ledermaske liegt auf einer weiteren Tasche in dem einige Toiletteartikel zu finden sind. Möchte sie nachsehen wie es der Seife darin ergangen ist? Lieber nicht.. Daneben liegen noch ein Bündel in dem sie Verbandslinnen und Ringelblumensalbe eingepackt hat und daneben leere Satteltaschen, warum auch immer sie leer sind.
Darüber hinaus fehlt aber alles. Keine weiteren Kleidungsstücke, keine warmen Socken, Strümpfe, Handschuhe, Unterkleider, Bruchen. Keine Wasserflaschen, kein Geschirr oder Besteck sind zu sehen, das Pad zum Reiten für Harm. Ebenso fehlen alle Bücher und Aufzeichnungen, eigentlich der Großteil von dem was sie mitgeführt hat, und ihr Geld. Damit ist sie für den Rest der Wegstrecke also hochoffiziell mittellos und muss sich quasi mit nacktem Hintern auf ihren flauschigen Gaul setzen. Toll. Das kann was werden. Und Außerdem:Was riecht hier eigentlich so gut?

>>"Ihr habt einen gesegneten Schlaf, Lady Shin. Guten Morgen."<<
Beinahe hätte sie sich erschrocken, sie hat die Schritte des Mannes nicht gehört. So im Licht des neuen Tages sieht er schrecklich aus, nunja nicht wirklich schrecklich, aber er hat tiefe Ringe unter den Augen, als hätte er die Nacht keines seiner zwei Augen zugetan. „Nein, normalerweise nicht, doch der Körper holt sich maches Mal das was er benötigt. Guten Morgen Herr Lorcain.“ Beinahe hätte sie ihm gesagt: Ihr seht aus als hättet ihr nicht besonders gut geruht. Aber sie verkneift es sich zur Ausnahme, denn sie, oder das holen ihres Gepäcks (und somit eigentlich auch wieder sie) könnten daran Schuld haben und es ist besser das Thema unaufgegriffen zu lassen, damit sich nicht die Möglichkeit bietet, dass ihr dieser Umstand gleich um ihr zartes, bleiches Näschen gerieben wird.
>>„Draußen ist eine Quelle, wenn Ihr Euch waschen wollt.“<< „Sehr gerne.“ Oh ja, wirklich, wirklich sehr gerne! Sie liebt es zu baden. >>“Das Wasser ist kalt, aber die Sonne scheint warm. Ich.. .. kümmere mich um ein Morgenmahl, aber dann würde ich gerne aufbrechen, falls Ihr Euch gut genug fühlt, um zu reiten."“<< Atevora folgt seinem Blick zu dem seltsamen Lehmklumpen am Feuer, der so gar nicht nach einer Mahlzeit aussehen möchte. Das ist schlecht. Also nicht wegen des Wassers, des Essens ,oder des Aufbruchwunsches, doch die Erwähnung mit der Sonne. Sie sieht zu ihm zurück und nickt: „Natürlich, ich werde mich beeilen... Ahm..Ihr habt nicht zufälligerweise einen Kamm, oder eine Bürste die ihr mir freundlicherweise borgen könntet? Ich fürchte der Fluss hat meine gefressen...“

Atevora nimmt aus ihrem Bündel den Umhang heraus und wirft ihn sich über, sodass man meinen könne sie wäre ein furchtbar erfrorenes Ding, dass in der frische des Morgens unbedingt ihren warmen Umhang benötigt. Zutreffend ist das natürlich nicht, sie findet die Temperatur so wie sie ist eigentlich gerade überaus angenehm und wäre erfreut wenn es nicht wärmer würde. Der Wunsch wirkt allerdings irrsinnig. Außerdem gibt es einen Fehler am Bild mit dem Umhang, damit er wärmend sein könnte, müsste er trocken sein, und nicht so feuchtklammnass wie er aktuell ist.
Mit der Tasche die ihren Miswak, die Nagelpflege, Haarnadeln und Seife enthält, aber keine Bürste da sie die zum Zeitpunkt des Unfalls unordentlich auf dem Sitz ihrer Mietkutsche liegen hatte, und dem feuchten Bündel das ihre Kleidung enthält (anstatt die mittlerweile trockene vom Unfalltag zu nehmen) begibt sie sich zu der Quelle.
Tatsächlich, alles in der prallen Sonne. Unerfreulich.. Aber ein lösbares Problem. Atevora legt Tasche und Bündel auf den Boden setzt sich der Kälte des Wassers wacker trotzend, gleich mit Hemd und Umhang ins Nass. Die Kälte der Quelle ist auf ihren heiß pochenden Prellungen und Abschürfungen mit denen ihr Körper großzügig bedeckt und rotbläulich verfärbt ist, eine Wohltat.
Als die Magierin ihre Tasche öffnet ist diese großzügig mit einem wässrigen wundervoll nach Apfelblüten duftenden Matsch ausgefüllt, der einmal ihre Seife war. Ungerührt säubert sie sich selbst mit der Matschseife, danach den Inhalt sowie die Tasche selbst.

Nur wenig später tritt sie Angezogen durch den Türrahmen. Das Hemd das ihr der Lord übergeben hat ist feinsäuberlich zusammengelegt, duftet nach Apfelblüte, genau wie sie selbst und ihre eigene Kleidung, nur der Magierin Haare sind Nass. Sie entledigt sich ihres Umhanges, legt ihr Zeug zum Anderen, und geht dann nur mit dem akkurat zusammengelegten Hemd das ihr nicht gehört und der Bürste bewaffnet zu Colevar „Herzlichen Dank dafür.“ Mit den Worten überreicht sie ihm sein Hab und Gut und setzt sich zu ihm.

Er hat in der Zeit während sie gebadet hat den unansehnlichen Lehmklumpen zu einem schmackhaften Frühstück verwandelt, und es duftet jetzt noch verführerischer als noch zuvor. Das einzige Problem daran: Eigentlich hat sie noch von der Suppe vom Vorabend einen vollen Magen, und auch so speist sie normalerweise Morgens nie derart reichhaltig.
Wieder überkommt sie das Unbehagen. Die Waagschale wird immer unausgeglichener. Zuerst rettet er ihr das Leben, lässt sie an seinem Abendmahl teilhaben, trägt ihr ihre Sachen nach, und nun verköstigt er sie schon wieder. Nicht, dass sie normalerweise Probleme hätte Angebote auch auszunutzen, aber selbst nach ihrem Geschmack wäre es langsam an der Zeit einen kleinen Ausgleich zu schaffen, ein kleines gegenseitiges Geben und nehmen wie es eben so üblich ist, das Problem dabei ist nur: sie kann nichts geben. Obendrein ist ihr bewusst, dass sie nicht die angenehmste oder einfachste Gesellschaft unter der Sonne ist. Vermutlich sieht man ihr die Unschlüssigkeit und das Unbehagen an, obendrein kann sie sich nicht des Gefühls entwenden, dass in Colevar eine gewisse Unruhe herrscht, dass er es eilig hat und nur sie ihn gerade aufhält. Sie selbst wäre auch lieber am Kreuzweg und spätestens Morgen in Talyra, dennoch ruht sie eher in sich. Unruhe und Aufregung sind nicht förderlich für Magiebegabte, es lässt Zauber fatal scheitern. Sie hat sich damit abgefunden: In ihrer Verfassung kann sie es vergessen die ausständige Wegstrecke an einem Tag zurückzulegen, und auf Shafir muss sie ebenfalls Acht geben. Und keine Kutsche zu besitzen in der sie sich vor der Sonne verkriechen kann, wird auch nicht angenehm.
Sie würde Colevar nur aufhalten, aus diesem Grund rechnet sie fest damit, dass sie sich am Beginn des Kreuzweges trennen, und er mit wehendem Haar davon galoppieren wird, obwohl sie das selbe Ziel haben.
„Ich kam nicht umhin eine gewisse Unruhe zu bemerken. Eilt eure Ankunft in Talyra?.. Darf ich?“ Mit den letzten zwei Wörtern deutet sie auf das Fleisch vor sich und nimmt sich nach einem Nicken von Colevar ein Stück.

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Colevar

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9

Monday, August 13th 2012, 9:34am

Beerenreif 512, zwischen Sarthebergen und Kreuzweg


Colevar hat Lady Shin einen geschnitzten Hornkamm geliehen und er hätte ihr auch mit Seife aushelfen können, wenn sie danach gefragt hätte, wenn auch nicht unbedingt mit einer mit Apfelblütenduft. Während die Frau ihr Bad nimmt, schält er die Waldgans aus ihrer hartgebackenen Hülle. Er hatte zwar verwundert eine Braue über ihren seltsamen Aufzug mit dem noch feuchten Umhang gehoben, aber kein Wort darüber verloren, sie kann schließlich alles Mögliche damit anfangen wollen. Am wahrscheinlichsten, den schweren klammen Stoff in die Sonne zu legen, um ihn vollends zu Trocknen. Das Fleisch ist durch das stundenlange Garen in der Glut so zart geworden, dass es praktisch von allein von den Knochen fällt und er verteilt einiges davon auf zwei größeren Lehmscherben und legt den Rest zur Seite. Sie können es mitnehmen und unterwegs essen, wenn sie Hunger bekommen. Lady Shin hält ihr Versprechen, sich zu beeilen, denn sie braucht tatsächlich nicht sehr lange. Doch als sie ihren - keineswegs zum Trocknen in der Sonne ausgebreiteten - Umhang ablegt und ihm seine Sachen zurückgibt, entpuppt sich ihr Gewand nicht nur als absolut reiseuntauglich, wenn man nicht auf den Komfort einer geschlossenen Karosse zurückgreifen kann, sondern auch als eine jener Roben, die Magierinnen oder Zauberinnen so gern tragen. Abgesehen davon ist sein Hemd gewaschen (wenn es auch nach grünen Äpfeln duftet), peinlich genau zusammengefaltet und... knochentrocken. "Hm", stellt er fest. "Wasser oder Luft - oder nur ein extravaganter Kleidungsstil?"

"Wasser", wird ihm beschieden und er nickt, doch Lady Shin scheint noch irgendetwas umzutreiben, das über bloßes Unwohlsein aufgrund der Ereignisse und ihrer momentanen Verfassung – und wohl einiger Verluste, was ihr Gepäck betrifft – hinauszugehen scheint. Es dauert einen Moment, bis sie beginnt, mit der Sprache herauszurücken und selbst dann kann er sich des Eindrucks nicht erwehren, dass sie irgendwie auf der Hut ist, sich behutsam vortastet, als fürchte sie sich irgendwie davor, offener zu sprechen. Das kann er ihr nicht verdenken, schließlich ist er ein Fremder. >Ich kam nicht umhin eine gewisse Unruhe zu bemerken.< Beginnt sie also ein wenig umständlich. >Eilt eure Ankunft in Talyra?<
"Ja." Gibt er unumwunden zu. Sie hat geschrieben, dass du dir keine Sorgen machen musst. Es geht ihr gut. Aber das heißt nicht, dass er Lady Shin - in ihrer Situation - einfach sich selbst überlassen würde. Er weiß zwar nun, dass sie eine Wassermagierin ist und daher auch allein nicht gerade hilflos sein dürfte, aber sie hat schließlich dasselbe Reiseziel, ist nicht unbedingt in bester Verfassung, hat offensichtlich einiges von ihrem Besitz verloren und kennt sich hier außerdem nicht aus. Aus all diesen Gründen und der schlichten und einfachen Tatsache, dass er wirklich nicht dazu erzogen wurde, eine junge Frau, Magierin oder nicht, in einer Notlage allein am Straßenrand sitzen zu lassen, ist es für ihn selbstverständlich sie bis nach Talyra zu begleiten. >Darf ich?<

Er nickt. "Bedient Euch. Den Rest packe ich ein, wir können unterwegs davon essen. Aber Ihr habt meine Frage noch nicht beantwortet." Hätte sie die Karten einfach auf den Tisch gelegt und ihm von ihrem Problem mit der Sonne erzählt, hätte er natürlich anders reagieren können, zum Beispiel vorschlagen, des nachts zu reiten oder ihr seinen Umhang zu leihen, in den sie sich dreimal von Kopf bis Fuß einwickeln hätte können, aber so ahnt er natürlich nichts. Er weiß auch nicht, dass Shafir kein junger Hund mehr ist, auf dessen alte Knochen man ein wenig Rücksicht nehmen muss, denn man sieht dem Larnaker Bärenhund sein gesetztes Alter weder an, noch lässt sein Benehmen in dieser Hinsicht irgendwelche Rückschlüsse zu - im Gegenteil. So wie der schwarze Fellberg heute Morgen um Reykir herumgehüpft war, hätte Colevar eher Stein und Bein geschworen, der Hund sei noch nicht einmal aus dem Flegelalter heraus. "Wie fühlt Ihr Euch? Glaubt Ihr, Ihr schafft es, Euch auf dem Pferd zu halten? Wir können jederzeit eine Rast einlegen, wenn es Euch zu viel wird."
Some say the world will end in fire. Some say in ice.
From what I’ve tasted of desire I hold with those who favor fire.
But if it had to perish twice, I think I know enough of hate
To say that for destruction ice is also great - and would suffice.
R.Frost

Atevora

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10

Monday, August 13th 2012, 1:05pm

Beerenreif 512, zwischen Sarthebergen und Kreuzweg


Ein einzelnes Wort, ohne Ausschmückung und Erklärung ist die Antwort. Ein einfaches Ja, klar und endgültig. Andere hätten vielleicht nachgehakt und sich neugierig erkundigt was denn so eilt, aber für Atevora ist es Recht so, denn die Gründe, die ihn so rasch nach Talyra ziehen, sind seine Privatsache und gehen sie nicht das geringste an. Somit steht für sie fest: ab dem Kreuzweg wird sie sich alleine durchschlagen.
Auch wenn sie die letzten Jahre die Annehmlichkeiten genossen hat, welche eine bezahlte Reisebegleitung mit sich bringt, sie kann und weiß sich auch alleine zu helfen, schließlich hat sie sich ein ganzes Jahr von Etain aus bis nach Talyra durchgeschlagen, mit Häschern und Schlächtern im Genick und egal wie erbärmlich ihr Zustand war, wie oft sie halb tot und von Hunger hab wahnsinnig zusammengekauert im Schatten lag, sie hat überlebt. Dagegen ist die Reise am Kreuzweg ein Witz, ein einfacher Spaziergang. Sie gilt hier nicht als Vogelfrei, hat niemanden im Genick der gezielt ihren Tod wünscht, und der Kreuzweg, nunja, ist eben ein Weg den sie nur zu folgen braucht um nach Talyra zu gelangen.
Sie würde vielleicht sogar das Glück besitzen sich einer Handelskaravane anschließen und in einem der Planwagen übernachten zu können. Die Dienste eines gebildeten Geistes, oder einer Magierin werden gerne gebraucht um sich etwas zu Essen und den Schlafplatz und Schutz vor der Sonne zu erarbeiten. Wenn sie dieses Glück nicht besitzt, wird sie versuchen Nachts zu reisen und sich Tagsüber irgendwo verkriechen.
Dass es für Colevar völlig außer Frage steht das kleine Persönchen neben sich, dass gerade sehr verhalten einige wenige Stücke von der wirklich delikaten Gans verzehrt, nicht in Stich zu lassen ahnt sie nicht. Natürlich gibt die gesellschaftliche Erziehung und Norm normalerweise so ein Verhalten eher als selbstverständlich anzusehen vor, doch vermutlich wird Atevora es nie lernen was diese Dinge betrifft, sie hat es schließlich auch vollkommen anders gelehrt bekommen.
Die Magierin ist also gerade eben schon dabei Gedanklich ein wenig ihre nahe Zukunft zu umreißen, als Colevar fortsetzt:
>>"Bedient Euch. Den Rest packe ich ein, wir können unterwegs davon essen. Aber Ihr habt meine Frage noch nicht beantwortet."

Fragend ziehen sich Atevoras Augenbrauen zusammen und sie sieht zu ihm hoch, wobei sie wieder merkt wie steif ihr Nacken noch ist, und wie unangenehm schmerzend die Bewegung. Habe ich nicht? Welche Frage hätte sie nicht beantwortet? „Welche Frage?“
>>"Wie fühlt Ihr Euch? Glaubt Ihr, Ihr schafft es, Euch auf dem Pferd zu halten?“<< Achso.. Diese Frage. Eigentlich galt das „Natürlich“ als Einwilligung zu seinen Aufbruchsplänen.
„Ich fühle mich..“ Als wäre ich mit einer Kutsche verunfallt verdammt! Aber.. „den Umständen entsprechend gut.“ Ja, dass diese Aussage bar jeder brauchbaren Definition ist, und alles oder nichts bedeuten kann, steht hier außer Frage. Die Schmerzen sind erträglich wenn sie sich nicht zuviel bewegt, oder zu rasche unüberlegte Bewegungen macht. Wie das Ganze am Rücken eines Pferde aussieht, und ob sie mehr als einen gemächlichen Schritt schafft weiß sie nicht. Sie ist Schmerzen gewohnt. Es wird sich zeigen wie viel sie ertragen kann und in welcher Verfassung sie tatsächlich ist. Glücklicherweise ist ihre Ausdauer und Kondition aufgrund der Übungen mit dem Söldner der letzten Wochen wesentlich höher als normal. „Ich denke meine Verfassung ist Aufbruchtauglich. Aber..“ Es hat keinen Zweck es nicht zu erwähnen, er wird es ohnehin bald bemerken. Atevora seufzt vernehmlich. Die Information die sie ihm jetzt zukommen lässt wird ihn bestimmt sehr erfreuen, vor allem, da er schließlich überhaupt nicht schon gerne gestern in Talyra gewesen wäre und nur sie diesem Vorhaben in die Quere kam. „diese Information wird Euch nun sicher sehr erfreuen.“ Spricht sie knochentrocken. Es ist klar, wie unwillig sie hier in Anbetracht der Gegebenheiten für klaren Tisch sorgt,.: „ich habe ein geringes Problem, nein, das ist eine Untertreibung, ich habe meine liebe Not mit der Sonne. Würde ich einige Zeit ohne Schutz in der prallen Sommersonne reiten, würde ich vermutlich bald frappierende Ähnlichkeit mit dieser Gans aufweisen. Aber vermutlich würde ich nicht so gut schmecken.
Ich habe keine Salben, Strümpfe, oder Handschuhe“ Ich könnte die Stofflinnen um die Arme wickeln, dann wären nur die Finger der Sonne ausgesetzt.. „mehr zum Schutz, nur noch die Halbmaske und einen Umhang und es ist natürlich sehr vorteilhaft, dass die Kleidung die ich noch zur Verfügung habe gar so wenig Haut zeigt..vielleicht sollte ich mir meinen exzentrischen Kleidungsstil abgewöhnen..
Ja, das sollte sie wirklich, aber diese Art von Kleidung steht ihr einfach gut. Atevora ist zwar nicht wirklich Eitel, aber sie weiß, abgesehen von ihrer Totenbleiche, braucht sie sich nicht verstecken und sie ist niemand, der damit geizt die körperlichen Vorzüge die sie besitzt auch zu zeigen.
"So lange der Weg allerdings durch den Wald führt ist es vermutlich eine eher geringe Sorge." Danach muss sie eben sehen wie sie selbst zurechtkommt.
Recht viel hat sie nicht gegessen, ein paar kaum beachtenswerte Happen, als hätte sich ein Mäuschen an dem Mahl bedient, aber sie ist satt. „Ich werde alles für den Aufbruch vorbereiten, ich danke für das delikate Morgenmahl.“

Colevar

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11

Monday, August 13th 2012, 7:09pm

Beerenreif 512, am Sarthe entlang


Sie knabbert an ein paar Stückchen von der Gans und isst ungefähr so viel wie der sprichwörtliche Kupfersperling, das entgeht ihm nicht. Es scheint ihr aber durchaus zu schmecken, so dass Colevar sich unwillkürlich fragt, ob sie einfach keinen Hunger hat (was er nicht so recht glauben kann, schließlich hatte sie nur ein klägliches Schälchen Brühe gestern Abend) oder zu jenen angeblich ach so feinen Damen gehört, denen man von Kindesbeinen an einbläut, sie müssten in Gesellschaft, speziell in männlicher, alle essen wie die Vögelchen. Nein, sie sieht definitiv nicht aus wie eines dieser Schafe, denen ständig die Notwendigkeit gepredigt wird, vor der Welt nur ja nie etwas anderes als ein hilfloses, geistloses Geschöpf mit kugelrunden Puppenaugen zu sein und obendrein alle Naslang in Ohnmacht fallen zu müssen. Als er nachhakt, wie es um ihre Verfassung bestellt ist, braucht er jedoch kein Hellseher zu sein, um ihre unausgesprochenen Worte oder zumindest deren Sinn zu erraten, als sie erwidert, es gehe ihr den Umständen entsprechend gut. >Ich denke meine Verfassung ist aufbruchtauglich. Aber...< Ihr betontes "Aber" lässt ihn aufhorchen, ihre missmutige Miene und ihr abgrundtiefes Seufzen, lassen ihn schon Schwierigkeiten befürchten. Doch vor allem verwirren ihn ihre kryptischen Worte, wie sehr ihn diese Information nun erfreuen würde. Information? Was zum... Was dann allerdings kommt, ist ziemlich überraschend und das sieht man seiner zweifelnden Miene auch an. Lady Shin erwähnt das Wort Krankheit kein einziges Mal und sie spielt die Schwere ihres Problems mit dem Sonnenlicht auch durch ihre maßlose Übertreibung mit dem Braten derart herunter, dass er einen Moment braucht um zu realisieren, dass es ihr hier tatsächlich nicht nur um die Unversehrtheit sorgsam kultivierter Totenblässe geht, sondern wirklich darum, sich nicht binnen kürzester Zeit die krebsrote Haut in Streifen vom Leib ziehen zu können. >Ich habe keine Salben, Strümpfe, oder Handschuhe mehr zum Schutz, nur noch die Halbmaske und einen Umhang, und es ist natürlich sehr vorteilhaft, dass die Kleidung die ich noch zur Verfügung habe gar so wenig Haut zeigt...< Sein Blick ruht für einen Moment auf den nackten weißen Schultern der Magierin und er nickt. "Aye, hier am Sarthe sollte es mit dem Umhang gehen, denn der Weg am Fluss entlang führt meist durch lichten Wald. Aber er ist nicht besonders dicht, hier stehen die Bäume nicht so eng und es ist bestenfalls Halbschatten. Auf dem Kreuzweg wäre es damit ohnehin vorbei."
>So lange der Weg allerdings durch den Wald führt ist es vermutlich eine eher geringe Sorge.<
"In Ribérac finden wir sicher einen breitkrempigen Hut und ein paar Bahnen Stoff zu kaufen, um Euch vor der Sonne zu schützen. Und wenn es nicht anders geht, nehmen wir eben verschlungene Saumpfade durch den Wald anstatt die Straße."

Während die Magierin ihre Siebensachen zusammenpackt, schreibt Colevar eine Nachricht für Bairne und hinterlässt ein paar Münzen auf dem Schemel neben der Bettstatt, dann verlassen sie die Jagdhütte und treten in den sonnigen Beerenreifmorgen hinaus. Der Tag verspricht tatsächlich warm und hell zu werden. Der Wald ringsum ist vom Lärm der Vögel erfüllt, keine Alarmrufe, sondern nur alltägliches Flattern und Füttern der letzten Brut vor dem Herbst, ein fröhliches Geplapper, dessen Tonfall sich auch dann nicht ändert, als sie die Lichtung betreten. Die Vögel beobachten sie seit Stunden und machen sich längst keine Sorgen mehr. Lady Shin hingegen schon, so wie sie aussieht: sie hat sich weiße Stoffstreifen um die Arme gewickelt, ihren Umhang umgelegt und trägt eine lederne Halbmaske, dennoch zieht sie unwillkürlich den Kopf ein wenig zwischen die Schultern, als sie den Türsturz verlässt, als wolle sie vor der Sonne am liebsten wegtauchen. "Ich schätze, jetzt weiß ich, warum Ihr im Hochsommer in einer geschlossenen Karosse ohne jedes Fenster unterwegs wart." Er erinnert sich an die schießschartenartigen Schlitze in der Seitenwand und schüttelt sacht den Kopf. Lady Shin hatte sich allerdings standhaft geweigert, sein Hemd noch einmal anzuziehen, dafür ist sie dann wohl doch ein wenig zu eitel. Eine seiner Hosen hatte er ihr gar nicht erst angeboten, sie würde ja postwendend darin untergehen, doch über seinen Umhang als Leihgabe diskutiert er erst gar nicht mit ihr, sondern legt in ihr einfach um die Schultern. "Seht Ihr? Ihr braucht nur die Kapuze aufzusetzen und schon seid Ihr völlig verschwunden." Sie schlägt gehorsam den schweren Stoff hoch und tatsächlich reicht ihr der Saum der Kopfbedeckung übers ganze Gesicht bis herab auf die Schulterblätter. Nach einem Moment des enervierten Schweigens schnaubt sie von innen dagegen, so dass sich der Stoff auf Höhe ihrer Nasenspitze ein wenig bläht, aber er ist viel zu schwer, um zu verrutschen und Colevar lacht leise. "Ich gebe zu, es ist nicht gerade ahm, vorteilhaft, aber es erfüllt seinen Zweck, aye? Eine azurianische Burka würde auch nicht mehr von Euch bedecken." Die Magierin hatte ihre wenige Habe in Satteltaschen verstaut, doch da sie alles Lederzeug außer dem Halfter für ihr Pferd verloren hatte, befestigt er sie einfach über seinen eigenen an Filidhs Sattel und zurrt sie mit ein paar Lederschnüren fest. In Bairnes Schuppen hatte er einen langen, dicken Strick gefunden, den er wie einen Zügel ohne Gebiss an Harms Halfter geknotet hat und er hofft einfach, dass Pferd wäre nicht nur bei ihm, sondern auch bei seiner Herrin so brav wie ein Lamm und würde sich gut führen lassen. Wenn nicht kannst du den Apfelschimmel immer noch als Handpferd nehmen und sie muss nur noch auf seinem Rücken sitzen bleiben.

Lady Shin wartet im Schatten der Hütte und äugt misstrauisch unter dem mit spitzen Fingern angehobenen Kapuzensaum hervor, doch als er ihr Pferd zu ihr führt, wird ihr Blick angesichts ihrer voluminösen Verhüllung doch recht zweifelnd. Colevar allerdings grinst nur, hebt sie einfach hoch und setzt sie auf Harms Rücken. Er wartet, bis sie ihre Beine sortiert und die improvisierten Zügel ergriffen hat, stellt fest, dass das so nicht gehen würde, schließlich klafft der Umhang dadurch immer wieder vorn auf und ihre Finger sind ungeschützt der Sonne preisgegeben, bittet sie kurz zu warten, kramt in seinen eigenen Satteltaschen herum, fördert dort etwas zu tage und... ist im nächsten Moment wieder bei ihr, um ihr zwei Strümpfe über die Hände zu stülpen. Entweder sie hält das tatsächlich für eine gute Idee, oder sie ist zu sprachlos, um zu reagieren, jedenfalls lässt sie es widerstandslos mit sich geschehen. Dann tritt er einen halben Schritt zurück und mustert sein Werk. "Oh, Ihr seht... seht... hm..."
"Blöd aus." Vollendet sie staubtrocken seinen Satz auf eigene Faust und er sieht dorthin, wo er ihr Gesicht unter dem Kapuzenstoff vermutet.
"Ungewöhnlich", korrigiert er diplomatisch, aber seine Mundwinkel zucken verdächtig. "Bis Ribérac werdet Ihr's aushalten, aye? Wenn wir auf dem Weg wirklich jemandem begegnen sollten, können wir uns ja immer noch irgendwo in die Büsche schlagen." Er steckt die Umhangsäume um ihre Beine fest, so dass sie tatsächlich von Kopf bis Fuß verpackt auf ihrem Pferd sitzt und die Zügel mit sockenbewehrten Händen halten kann... nicht ganz so elegant und fingerfertig, wie sie es gewohnt sein mag, aber wirkungsvoll geschützt und außerdem gehen ihr seine Strümpfe bis weit über die Ellenbogen. Mit einem letzten Blick vergewissert er sich, dass sie nichts vergessen und die Tür von Bairnes Hütte sorgsam verschlossen haben, dann pfeift er nach Reykir und schwingt sich selbst in den Sattel. "Es ist nicht weit", erklärt er, als sie aufbrechen und der schmalen Straße entlang des Flusses in westlicher Richtung folgen. "Ribérac ist nur etwa vier Tausendschritt entfernt." Selbst wenn sie im Schneckentempo vorankriechen würden, sie wären in spätestens einer Stunde da. "Dort könnt Ihr Euch bestimmt einen etwas... eleganteren Sonnenschutz zulegen, wenn Ihr wollt. Es gibt einen recht guten Schneider im Dorf, die Frau des Wirts vom Goldenen Schlüssel ist eine ausgezeichnete Näherin und ihr findet bestimmt ein paar Hüte zur Auswahl in Oleanders Allerley."
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R.Frost

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Atevora

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12

Wednesday, August 15th 2012, 1:51pm

Beerenreif 512, am Sarthe entlang


Während sie ihre zerrissene Kleidung sorgsam zusammenfaltet und beginnt ihr restliches Hab und Gut in die Satteltaschen zu stopfen, gehen ihr nochmals Colevars Worte durch den Kopf. Seine Gestik, seine Mimik. Ironie, Sarkasmus Zynik und ihre Selbstironie dürften ihrer Einschätzung nach schon einmal nicht ganz seiner Welt entsprechen. Er spricht ohne viel Ausschmückungen, und schon gar nicht nur des Redens willen, sondern nur wenn es auch etwas zu sagen gibt. Außerdem dürfte er die Ruhe, die zwischen Gesprächen liegt genießen anstatt sie mit peinlicher Stille gleichzusetzen die unbedingt überwunden, oder vernichtet gehört. Vor allem letzteres sagt Atevora sehr zu und spielt zur Ausnahme ihrem eigenen Wesen in die Hände.

Sie hätte dem Herrn von Lyness vermutlich beim Frühstück mitteilen können, dass sie im Moment keine finanziellen Mittel zur Verfügung hat um sich in Ribérac für die restliche Reise entsprechend auszurüsten, aber sie hatte das unbestimmte Gefühl, dass er es bereits weiß, oder zumindest stark ahnt hat. Weswegen hatte er es dann also erwähnt? Nach einem rein boshaften Satz in die Richtung: du könntest wenn du könntest, hörte es sich jedenfalls nicht an. Aber das ist es nicht das was ihr wirklich zu denken gibt. Wie schon vorhin beim Essen, bevor sie sich mit dem Vorwand sie würde nun alles einpacken erhob, kreisen ihre Gedanken um jenen Satz: Und wenn es nicht anders geht, nehmen wir eben verschlungene Saumpfade durch den Wald anstatt die Straße.
Wir. Obwohl alles in ihm danach zu drängen scheint möglichst bald in Talyra anzukommen, würde er dieses innere Bedürfnis ihretwegen zurückstellen, und sie sogar über das Nirgendwo kleinerer Wege führen, wenn es notwendig würde. Er hatte also offenbar wider ihrer strikten Annahme auch nie vor auf und davon zu reiten wenn sie den Kreuzweg erreichen.
Atevora kaut ein wenig an ihrer Unterlippe und weiß nicht was sie mit der Erkenntnis genau anfangen soll. Vermutlich sollte ihr das Herz aufgehen, und sich in ihrem Inneren Gefühle von Sympathie, Hinneigung, ein Bedürfnis nach Freundschaft, oder irgend etwas in diese Richtung, etablieren, aber vielmehr lässt sich nur ein Meer aus Ratlosigkeit und Unverständnis erkennen. Selbstlosigkeit. So etwas gibt es also tatsächlich. Selten aber doch. Es ist dumm, selbstloses Verhalten lädt nur dazu ein ausgenützt zu werden. Sie wäre die Erste die mit dem Krug so lange zum Brunnen ginge bis er bricht, das heißt, unter vielerlei Umständen. Doch nicht bei diesem, niemandem dem sie ihr Leben verdankt.

Der Erbe von Lyness bekommt von Atevoras inneren Zwiespalt nichts mit, er ist damit beschäftigt eine Nachricht zu schreiben.
Während er sorgsam seine Schrift auf das Pergament bannt, stopft Atevora ihr restliches Habe in die Packtaschen, umwickelt ihre Hände mit den Verbandsmulden und legt die Halteschiene mit ihren Wurfmessern und ihren Dolch an bevor sie sich auch noch ihren Umhang überwirft. Sire Lorcain lässt seine geschriebene Nachricht am Tisch mit einigen Münzen liegen. Atevora kombiniert, es handelt sich hierbei also entgegen ihrer vorherigen Annahme nicht um Colevars eigene Jagdhütte und die Zeilen, sowie das Geld, sind an den eigentlichen Besitzer gerichtet, damit diesen keine all zu üble Überraschung erwartet, wenn er wieder heimkehrt.

Bevor die Eismaid dem blondhaarigen Hünen nach draußen folgt, vergewissert sie sich, ob sie auch nichts übersehen hat und legt noch die Ledermaske an, die wenigstens einen Teil des Gesichtes schützen würde. Sie bräuchte jetzt noch ein Tuch um auch den Rest abzudecken, aber sie hat keines. Sie hat vollkommen vergessen wie angenehm ihr Leben mit Meallas Salbe, oder Miss Al'Meres Wachsschminke geworden ist. Es ist mittlerweile viel zu verständlich geworden diese Annehmlichkeiten als Schutz zu besitzen. Ein wenig zerknirscht tritt sie aus der Hütte und späht mit eingezogenem Kopf kritisch zum sonnigen Himmel hinauf. Ihr wäre es weit lieber es würde jetzt in Strömen regnen, aber der Tag verspricht heiß und vollkommen Wolkenlos zu werden. Außerdem fragt sie sich wo die Eule schonwieder steckt. Vermutlich irgendwo ganz in der Nähe, sie ist immer irgendwo in der Nähe, und sie sieht sie nur einfach wieder nicht. >>"Ich schätze, jetzt weiß ich, warum Ihr im Hochsommer in einer geschlossenen Karosse ohne jedes Fenster unterwegs wart."<<
Der Eismaid Aufmerksamkeit gleitet sofort zu dem Sithechritter zurück. „Ohne Fenster ist übertrieben. Sie waren nur etwas geringer dimensioniert!“ Herr Lorcain bietet ihr daraufhin wieder sein Hemd an, es würde die freien Schultern verdecken und schützen. Sie kann nicht in Abrede stellen, dass die Argumente nachvollziehbar wären, oder er damit nicht vollkommen Recht hätte, aber sie würde sich doch sehr unwohl fühlen, und irgendwie wie ein Kartoffelsack vorkommen. Ihr eigenes Gewand zu tragen fühlt sich einfach besser an, sie fühlt sich darin wesentlich wohler, auch wenn sie die eine oder andere Brandblase dadurch riskiert. Schulterzuckend nimmt Colevar Atevoras Eigensinnigkeit und die Ablehnung des Angebotes hin, lässt sich aber nicht davon abhalten ihr einfach seinen Umhang umzulegen, bevor die Magierin auch nur die kleinste Chance hat dagegen zu widersprechen. Sie hätte sich höchst Wahrscheinlich ebensogut einen Vorhang überwerfen können, zumindest sieht es fast so aus als trüge sie einen, denn nicht nur, dass sie mit dem Stoff gefühlte 10 Stein mehr auf die Wage bringt, sondern fast die Hälfte des Umhanges schließt nähere Bekanntschaft mit dem Waldboden.
>>"Seht Ihr? Ihr braucht nur die Kapuze aufzusetzen und schon seid Ihr völlig verschwunden."<< Skeptisch äugt sie zu ihm hoch, wirft aber doch die Kapuze über. Die ist natürlich viel zu groß, der ganze Stoffwall rutscht ihr Augenblicklich über das Gesicht, und sie sieht überhaupt nichts mehr. Ja, genau, passt perfekt! Unglücklich schnaubt sie gegen das Innere der Kapuze und hört Colevars leises Lachen. Eigentlich ein sympathischer Laut von dem man ruhig mehr und öfter etwas hören könnte. Wenigstens konnte ich zu des Herrn Belustigung beitragen. Denkt sie sich bitter, aber obwohl Colevar sich gerade ein wenig auf ihre Kosten amüsiert, verärgert ist sie nicht. Warum sollte sie es auch sein? Zum Einen lässt sie, trotz ihrer völlig unterentwickelten Emphatie, die Vermutung nicht los, er könnte die Stimmungsauflockerung gut vertragen, und zum Anderen kann sie sich lebhaft vorstellen was für ein dämliches Bild sie gerade abgibt. Was sie zu dem Zeitpunkt nicht ahnt ist, dass es noch um einiges schlimmer kommt.
>>"Ich gebe zu, es ist nicht gerade ahm, vorteilhaft, aber es erfüllt seinen Zweck, aye? Eine azurianische Burka würde auch nicht mehr von Euch bedecken."<<
„Richtig.“ Gibt sie unverwunden zu, unterdessen sie mit ihren bleichen, schmalen Fingern die Kapuze hochkrempelt um nicht nur auf dicken Stoff zu starren.“ Die würde nämlich weniger verdecken.“ Sie spielt damit eindeutig auf den hier fehlenden Sehschlitz an.

Mit einer offenbar etwas aufgehellteren Laune als zum Frühstück, holt Sire Lorcain von Lyness ihren Ackergaul. An seinem Halfter baumelt ein ganz anderer Strick als der den sie sonst zum Reiten benutzt, und die kleine Hoffnung, dass ihr Pad und der Brustgurt doch nicht verloren gingen, sondern nur wo anders zum Trocknen verstaut wurden verflüchtigt sich. Für gewöhnlich schafft sie es, auch wenn es wohl weniger Anmutig als vielmehr wie ein kleiner Kampf aussieht, selbst auf ihr ach so kleines Pferdchen hochzukommen. Doch dann hat sie zwei Haltegriffe zum Hochziehen zur Verfügung, trägt ein entsprechendes fürs Reiten gedachtes Kleid, oder sogar Hosen und ist in körperlich weit besserer Verfassung. Wie sie allerdings so wie jetzt, mit vollkommen reituntauglicher Kleidung, zerschlagen wie sie sich fühlt und auch noch einen halben Stoffladen auf ihren Schultern, alleine auf diesen riesigen Gaul hochkommen soll, ist ihr mehr als schleierhaft.
„Herr Lorcain, währt ihr so freundlich mir Aufstieghi..“ Sie hat den Satz noch nicht zu Ende gesprochen, da schleicht sich plötzlich ein äußerst verdächtiges Grinsen auf des Blondhaarigen Gesichtszüge, und bevor sie sich noch darüber wundern kann, schließen sich schon seine großen starken Hände um ihre Taille „iek!..“ und er hebt sie einfach wie ein kleines Kind auf ihr überdimensioniertes Pony hoch. Oder so geht’s natürlich auch. Denkt sie sich, und versucht bei den vielen Prellungen und der Schürfwunde an ihrer Seite, die sich mittlerweile wohl etwas entzündet hat, und sich bei dieser Behandlung lautstark zur Wort melden, nicht wehleidig das Gesicht zu verziehen. „Dankesehr.“

Höflich wartet der Sithechritter an ihrer Seite bis sie die Stoffberge überall unter sich herausgezogen hat wo sie stören, und die - weniger improvisierten Zügel als Colevar meint – aufgenommen hat. Als sie damit fertig ist bemerkt sie seine skeptische Musterung. Ein gewisser Teil möchte genaugenommen gar nicht erst fragen weshalb er denn so zweifelnd schaut, aber sie tut es doch. Mit Überzeugung erklärt er ihr, dass das so nicht funktioniert, denn ihre Finger wären ständig dem Sonnenlicht ausgesetzt. Die Magierin weißt das selbst nur zu gut, aber was sollte sie schon groß dagegen unternehmen, außer versuchen den Stoff ihrer langen Ärmel irgendwie über den Fingern zu halten? Fragend blickt sie dem blondhaarigen Mann hinterher wie er zu seinem Pferd hinübergeht und etwas aus seinen Satteltaschen hervorholt. Sind es Handschuhe die er da mitgenommen hat? Sie kann es nicht erkennen. Eine Atemzug später ist er wieder bei ihr, krallt sich ihren Arm, dass ihr nichts anderes übrig bleibt als den Zügel wieder loszulassen, und zieht ihr allen ernstes sind das..? SOCKEN?! seine Strümpfe über. Perplex lässt sie sich auch den zweiten Strumpf überstülpen, und hofft inständig die Kleidungsstücke sind unbenutzt. Zumindest riechen sie unbenutzt. Müsste sie nicht insgeheim zugeben, dass die Beinkleider ein vernünftiger Lösungsansatz sind, hätte sie diese vermutlich postwendend ausgezogen und ihm gegen den Schädel gepfeffert. So lässt sie diese kleine Tortur aber einfach schweigend über sich ergehen und denkt sich nur frustriert: Ich hasse diesen Tag jetzt schon.

Natürlich lässt es sich Colevar nicht nehmen einen Schritt zurückzugehen und seine modische Schöpfung eindringlich zu betrachten. >>"Oh, Ihr seht... seht... hm..."<< Beginnt er. Oh, sie weiß ganz genau wie sie aussieht. Wie ein seltsam unförmiger Stoffsack mit Sockenhänden. „Blöd aus.“ Beendet sie den Satz einfach auf eigene Faust. „Ungewöhnlich“ Entgegnet der Sithechritter sofort gewandt, wobei seine Mundwinkeln belustigt und eine spur frech nach oben zucken, „Ja, das auf jeden Fall.“ Atevora kann nicht anders als selbstironisch, leise und bitter zu grinsen.
>>"Bis Ribérac werdet Ihr's aushalten, aye?"<< Hat sie denn eine andere Wahl? Nein, hat sie nicht. Nungut, doch sie hat, aber sie wäre mehr als unvernünftig. >>"Wenn wir auf dem Weg wirklich jemandem begegnen sollten, können wir uns ja immer noch irgendwo in die Büsche schlagen."<<
Atevora stellt sich die Szene sofort bildlich vor ihrem inneren Auge vor und stellt Fest, dass die Vorstellung Hals über Kopf ins nächste Gebüsch zu stürzen nur weil irgend e in Hinz oder Kunz ihren Weg kreuzt, nicht einer gewissen Komik entbehrt. Wieder stiehlt sich einen Moment lang der Hauch eines knapp bemessenes Schmunzeln auf ihre Lippen.
„Das wird nicht nötig sein. Wenn wirklich jemand des Weges kommt, zieh ich einfach die Kapuze herunter und dann sieht ohnehin niemand mehr wer dieses Sockenhandmonster auf dem edlen Ross hier ist.“
Während sie spricht steckt Colevar schmunzelnd und fürsorglich den Umhangsaum rund um ihre Beine fest. Dann wirft er einen letzten Blick in die Hütte, schießt diese ab und schwingt sich ebenfalls in den Sattel. Mit ein wenig Schenkeldruck setzt sich Harm in Bewegung und Atevora beißt auf seinem Rücken des Tieres die Zähne zusammen. Die Schmerzen halten sich allerdings glücklicherweise in Grenzen und sind eigentlich gut zu ertragen, denn Harm hat zwar sehr wuchtige, aber zum Glück sehr angenehme Gänge, dessen Bewegungen sich entspannt schwingend über die kräftigen Rückenmuskeln fortsetzen. Im Vergleich zu Yasraenas Pferd ist Harm ein gemütlicher Schaukelstuhl und darüber war Atevora noch nie so froh wie jetzt.
>>"Es ist nicht weit"<< Meint Colevar schließlich, als sie beinahe gleichauf sind. >>"Ribérac ist nur etwa vier Tausendschritt entfernt. Dort könnt Ihr Euch bestimmt einen etwas... eleganteren Sonnenschutz zulegen, wenn Ihr wollt. Es gibt einen recht guten Schneider im Dorf, die Frau des Wirts vom Goldenen Schlüssel ist eine ausgezeichnete Näherin und ihr findet bestimmt ein paar Hüte zur Auswahl in Oleanders Allerley."
Nein das kann sie nicht. „Ich bin so frei und berichtige: Dort _könntet_ ihr Euch bestimmt einen etwas eleganteren Sonnenschutz zulegen, _wenn_... Ich bin dummerweise seit gestern Abend ein klein wenig mittellos.“ Gibt die Shin zerknirscht zu.
Als ihr Colevar das Angebot unterbreitet hier auszuhelfen, wirkt Atevora nicht unbedingt von Freude beseelt. Natürlich ist sie froh über dieses Entgegenkommen, aber sie fühlt sich auch unwohl und das liegt nicht nur daran, dass es ihr zu wider ist von irgend jemandes Wohlwollen abhängig zu sein. Der Mann neben ihr entspricht nicht nur vom Aussehen her den edlen Rittern in farbenfrohen Geschichten und Märchen, sondern in vielerlei Hinsicht passt auch sein Benehmen zu den Kindergeschichten, und ein kleiner, unscheinbarer Teil, gut versteckt, verborgen und tief vergraben in ihrem Inneren fragt sich insgeheim verzweifelt wo jemand wie er gewesen ist damals, um sie vor den Monstern zu retten und mitzunehmen in eine bessere Welt.
„Das ist sehr.. freundlich. Danke“ Spricht sie trübsinnig und die kalte Härte die sonst so oft ihren Tonfall begleitet ist ihr dabei abhanden gekommen.

Der Weg den sie entlang der Sarthe nehmen ist beinahe romantisch. Nur eine leichte milde Brise weht, sie trägt den frischen Duft das trocknenden Waldes heran. Die Vögel zwitschern vergnügt, begleitet vom sachten rascheln des grünen Laubdaches der nicht besonders dicht stehenden Bäume. Sie lassen das Licht des frühen Tages in samtgoldenen Strahlen bis zum Fluss hinab scheinen, wo es das gurgelnde Wasser funkelnd und glitzernd zurückwirft, als bestünde es aus einer Flut geschliffener Diamanten. Shafir lässt sich natürlich nicht lange bitten und stürmt bei der ersten vernünftigen Möglichkeit gleich freudig den feuchten Hang hinunter und hüpft mit einem Satz in das kühle Nass. Die Eismaid kommt aber nicht wirklich dazu die Schönheit der Natur um sich herum, samt der vielen Pflanzen die den Wegesrand säumen, auf sich wirken zu lassen und zu genießen. Immer wieder rutscht ihr die Kapuze des schweren Mantels herunter und raubt ihr gänzlich die Sicht, dass sie nicht einmal richtig erkennen kann wohin sie reitet. Immer wieder schiebt sie den Saum in die Höhe, hält ihn mit der Hand fixiert bis sie meint ihr Arm würde ihr jederzeit abfallen, lässt es wieder bleiben und startet das Ganze von neuem. Außerdem wird es beginnend heißer unter den Berg aus Soff, und lässt Atevora zunehmend leiden. Glücklicherweise stapft Harm stoisch den Weg entlang und lässt sich nicht von seiner ungewöhnlich unruhigen Last auf seinem Rücken beeindrucken.
Die Magierin zermürbt das Ganze allerdings immer mehr und sie wäre nun schon vom Pferd gerutscht und ein paar Mal verärgert im Dreieck gehüpft, wenn es ihr auch nur irgendwas genützt hätte. Stattdessen lässt sie schlussendlich mit einem entnervten Schnauben die Zügel fallen, legt sich frustriert am Pferd zurück und zieht sich dabei demonstrativ endgültig die Kapuze über den Kopf. Wenn sie sowieso die halbe Zeit nichts sieht, ist das alles ohnehin ein vollkommen nutzloses Unterfangen. Harm schafft es auch ohne ihr im Moment gänzlich unnützes Zügelhalten und herumwurschteln sich an den Arsch des anderen Pferdes zu heften.
„Schritt Harm, Schritt.“
Harm der kurz stehen geblieben ist, und wie fragend zu seiner Reiterin gelinst hat, macht den Eindruck als würde er kurz gleichmütig mit den Schultern zucken, und setzt sich brav dem anderen Pferd folgend wieder in Bewegung.

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Colevar

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13

Friday, August 24th 2012, 2:35pm

Beerenreif 512, auf dem Weg nach Talyra


Es hätte ein wirklich schöner Ritt durch einen frischen, grünen Beerenreifmorgen sein können... wäre da nicht der wachsende Unmut der Magierin hinter ihm, die ihn ihrer frustrierten Verzweiflung über so viel Sonnenschein und ihre eigene, unzulängliche Bekleidung inzwischen so laut vor sich hin schweigt, dass einem die Stille förmlich in den Ohren dröhnt. Mehr als einmal macht sie den Eindruck, als würde sie am liebsten vom Pferd springen, vor lauter Ärger in den Umhang, der wie ein Hauszelt von ihren schmalen Schultern hängt, beißen und dabei laut fluchend im Kreis herumstapfen... Colevar kann es nicht ändern, er hat getan was er konnte. Er kann sich vorstellen, dass es nicht das angenehmste sein kann, blind und eingewickelt wie eine halb fertige Mumie, die ein paar schlampige Einbalsamierer vergessen hatten (und obendrein mit Sockenfäustlingen an den Fingern) durch die Gegend zu reiten, vor allem nicht in der hochsommerlichen Wärme der Hundstage, aber es ist immer noch besser, als Laufen zu müssen. Obwohl wir auf unseren eigenen Füßen auch nicht langsamer wären... Es ist offensichtlich, dass Lady Shin zu angeschlagen ist, um irgendeine schnellere Gangart als entspannten Schritt auszuhalten - also bewegen sie sich nur sehr gemächlich zwischen dem Waldsaum mit seinem lichten Baumbestand und dem Fluss mit seinen Stromschnellen und niedrigen Wasserfällen in Richtung Westen. Sein Angebot, ihr mit ein wenig Silber auszuhelfen, hatte die Magierin zwar dankend angenommen, aber sie schien darüber auch... nun ja, nicht wirklich beschämt, eher bekümmert – und Colevar wird den Eindruck nicht los, dass diese Niedergeschlagenheit nicht das Geringste mit Münzen tun hat. Er kann es nicht benennen, geschweige denn den Finger wirklich darauf legen, aber eine seltsame Traurigkeit scheint wohl zu ihrem Wesen zu gehören. Vielleicht ist es einfach nur der Nachhall des Unglücks, das ihr widerfahren ist, aber das glaubt er eigentlich nicht. Hinter ihm hört das entnervte Gezappel allmählich auf und als er über die Schulter blickt, sieht er, dass die Magierin sich einfach auf ihr Pferd gelegt hat – breit genug, um eine bequeme Liege abzugeben ist der Rücken des recht stabilen Kaltbluts dafür allemal. Colevar schüttelt mit einem kurzen Lächeln den Kopf – traurig oder nicht, sie besitzt einen gewissen Galgenhumor. Ihr Schweigen gibt ihm jedoch auch Zeit, seinen eigenen Gedanken nachzuhängen und im Augenblick zumindest ist er dafür sogar dankbar.

Noch immer versucht er, sich an seinen seltsamen Traum zu erinnern und es will ihm nicht recht gelingen. Als er am Morgen erwacht war, hatte ihm das Herz mit der Kraft eines Schmiedehammers bis zum Hals geschlagen und das Hemd war ihm schweißnass auf Brust und Rücken geklebt, während Wellen der Erregung durch sein Blut gebrandet waren... kleine, rhythmische Erschütterungen, wie die Nachwirkungen eines fernen Bebens. Für gewöhnlich sind solche Träume nicht mehr als flüchtige Ahnungen, die ihn hin und wieder streifen, sanft wie Sommerseide. Wenn er tatsächlich davon erwacht, schläft er meist sofort wieder ein und sie hinterlassen auch nie mehr, als ein schwaches Nachglühen, das er am Morgen schon wieder vergessen hat. Diesmal ist es anders. Nicht, dass ihm tatsächlich viele Bilder noch vor Augen stünden, im Gegenteil... er kann sich an fast nichts mehr erinnern. Aber was geblieben ist, ist der Eindruck, dass schlanke Hände voller weißer Linien nach ihm greifen und eine Stimme so laut nach ihm ruft, dass ihm davon die Ohren gellen. Die fragwürdigen Verschwörungstheorien des Morgens kehren in seine Gedanken zurück, mehr als halb gefühlte Ahnungen, denn als wirkliche Theorien, dennoch... Alles nur Zufälle? Er wirft einen Blick über die Schulter, auf den Zufall hinter ihm, der schnaubend auf seinem Pferd liegt und sich frustriert durch die Gegend schaukeln lässt. Nicht in diesem Leben und nicht im Nächsten. Nicht nur, dass ihm, als er es mehr als eilig gehabt hatte, nach Talyra zu kommen, erst ein schweres Unwetter einen Strich durch die Rechnung gemacht hatte, kaum hatte der Sturm sich gelegt, hatte ihm das Schicksal eine verunglückte Magierin vor die Füße gespielt. Und diese Magierin war nicht nur verletzt und ohnmächtig, so dass er ihr nicht einfach aufhelfen und sie dann wieder ihres eigenen Weges hätte schicken können, nein sie hatte auch all ihre Habe inklusive des Großteils ihrer Kleidung verloren und sie erträgt kein Sonnenlicht (woraufhin es prompt am nächsten Morgen wieder wunderbar sommerlich geworden war). Es ist das reinste Wunder, dass sie ihr Pferd noch hat. Allmählich fragt er sich, welche Stolpersteine ihm (wer auch immer) noch so in den Weg legen würde, bevor er die Stadt wieder erreicht. Wahrscheinlich...
Na endlich! Ich dachte schon, du würdest nie anfangen, in die richtige Richtung zu denken! Die Stimme ist nicht mehr als ein leises Wispern in seinen Gedanken, aber Colevar zuckt dennoch zusammen und blickt sich instinktiv um – denn es ist eindeutig nicht seine eigene. Natürlich liegen Weg, Flussufer und Waldrand sonnenbeschienen und völlig friedlich vor und hinter ihm, und zu beiden Seiten zwitschern auch nur die Vögel im Unterholz.

"Was?!" Er flüstert nur, doch das mindert die Heftigkeit in seiner Stimme nicht. Es ist ja nicht so, dass er nicht eine gewisse Erfahrung damit hätte, die Präsenz anderer Mächte unerwartet im Kopf zu haben, aber das hier ist eindeutig nicht Sithech und auch keiner seiner Archonen, es sei denn, der Herr über Tod und Winter hätte neuerdings eine zahnlose Alte in seinen Reihen. Und die Stimme klingt alt. Genau genommen nach alter, faltiger, vorlauter Ur-ur-ur-wie-viele-Ur-auch-immer-Großmutter. Psst! Nicht so laut! Die denkt sonst noch, du hörst Stimmen!
"Hmpf!" Aha. Und was tue ich denn gerade? Wer zum Dunklen bist du und was...
Tut gar nichts zur Sache. Aber denk weiter, Junge. Denk nach! Denk nach...denk! Mit jedem Wort wird das zahnlose Gelispel in seinen Gedanken leiser und ferner, und das höchst seltsame Gefühl, von einem fremden Geist gestreift zu werden, auch. Colevar unterdrückt das starke Bedürfnis, sich zu schütteln wie ein nasser Hund, starrt finster und verwirrt vor sich hin, kommt sich mehr und mehr vor, als würde er zum Narren gehalten und verbietet sich jeden weiteren Gedanken an Zufälle oder überhaupt an irgendetwas, bis sie Ribérac erreicht haben. Natürlich ist der Schneidermeister nicht da. Welch Zufall. Das halbe Dorf ist nicht da, denn nahezu alle Männer sind wegen der Ernte auf den Feldern (Meister Tesan, der Schneider, ist allerdings wegen der Hochzeit seiner jüngsten Tochter in Siebenföhren), aber Götterlob die Frau des Wirtes, die sich auch bereit erklärt, Lady Shin rasch "etwas anzupassen" – nachdem sie ihn und seine verhüllte, unbekannte Begleitung mit wissbegieriger Miene gemustert hat. Colevar beobachtet mit einem Anflug von Mitleid, wie die Magierin augenblicklich von Murdina Graeme in Beschlag genommen, zu ihrem Unglück ausgefragt, wortreich bedauert und dann kurzerhand entführt wird. Die Wirtin der Goldenen Schüssel – die Frau hat zwar eine unleugbar fürsorgliche Ader, aber auch die Statur einer Walküre, die obendrein aussieht, als würde sie sich hauptsächlich von Kartoffeln und Maismehl ernähren – ist zwei Köpfe größer als ihr sanftmütiger Mann, der rein äußerlich eher einem azurianischen Jahrmarktsaffen gleicht, und um einiges resoluter. Lady Shin hat nicht die geringste Chance, den Ball flach zu halten: kaum hat sie ihr Anliegen vorgetragen, bleibt ihr gerade noch genug Zeit, ihm einen um Beistand flehenden Blick zuzuwerfen, dann wird sie auch schon auf einem Schemel mitten in der ansonsten leeren Wirtsstube gestellt und in der folgenden Stunde heißt es: stillstehen, Position halten, Arme heben, senken, anwinkeln, wieder stillstehen, Finger spreizen, Fäuste ballen und ganz allgemein alle möglichen und unmöglichen Verrenkungen vollführen, damit man die gewünschte Hemdgugel (die es natürlich nirgends in dieser Form für Geld zu kaufen gibt), auch richtig anpassen kann.

Während all dem dreht sich Mistress Graeme um die Magierin herum wie ein Brummkreisel, passt Stoffbahnen an, steckt Säume ab, schneidet hier, heftet dort und plaudert dabei unaufhörlich vor sich hin ohne auch nur einmal Luft zu holen geschweige denn eine wirkliche Atempause zu machen. Es ist ein Schauspiel, das Colevar insgeheim sehr genossen hätte, wäre er selbst währenddessen nicht in die Fänge von Murdina Graemes Töchtern geraten (soweit er weiß sind es insgesamt sieben, doch allen Göttern sei Dank sind nur vier von ihnen anwesend). Zufall? Ertönt es resigniert in seinen Gedanken, doch diesmal gehört die Stimme ganz allein ihm selbst. Mistress Graemes Töchter – Fiarna, Cigfa, Brangwen und Ysbail - sind allesamt klein, rundlich, auf bodenständige Weise hübsch wie braune Hennen, ebensolche Glucken wie ihre Mutter, allesamt im (mehr oder weniger) heiratsfähigen Alter, und haben scheinbar ein festes Ziel vor Augen, nämlich möglichst rasch eine möglichst gute Partie zu machen, weswegen er ihnen wohl gerade recht kommt. Binnen weniger Herzschläge ist er umzingelt von braungelockten Mädchen mit rosigen Wangen, Rosenknospenmündern und spekulativen Kulleraugen, und obendrein ihrer schier nicht enden wollenden, geballten Fürsorge ausgesetzt. Hätte er sie gelassen, hätten sie ihn gestopft wie eine Julmastgans – ob er kaltes Bier wolle oder lieber Quellwasser, ob er einen Beerenkuchen versuchen möchte oder lieber frisch gebackene Honigfinger, er müsse doch hungrig sein, hier, er solle das Brot versuchen, sie hätten da noch kalten Braten von gestern in der Küche, oh, sein Hemd sei ja ganz schmutzig, man könne es rasch ausbürsten, wenn er wolle, ob M'lord länger zu bleiben gedenke und man ihm ein Gemach im Gasthaus richten solle, ob er ein Bad wünsche, Wein möchte, sonst etwas brauche, er müsse es nur sagen, kurz: sie treiben ihn in den Wahnsinn. Er ist heilfroh, als sie nach einer gefühlten Ewigkeit endlich den Fängen des Graemschen Haushalts entkommen und weiter reiten können, und atmet tief und unleugbar erleichtert durch, als sie Ribérac endlich hinter sich lassen. Frieden. Stille. Ruhe. Keine Fiarna, keine Ysbail, keine Brangwen, keine Cigfa. Kein Beerenkuchen, kein Bier, kein Ausbürsten von Hemden oder Putzen von Stiefeln. Zufall? Auch Lady Shin atmet auf - und auch wenn das amüsierte Glitzern immer noch in ihren Augen liegt, es ist wohl mehr ihrem neuen Hemd geschuldet, als dem Entkommen der gackernden Jungmädchenschar. Sie ist nicht weniger verhüllt, als vorher, als sie in seinen Umhang eingewickelt war, aber unleugbar besser gekleidet und genießt sehr viel mehr Bewegungsfreiheit. Ihr Gesicht ist zwar nach wie vor noch zusätzlich mit einem leichten Tuch verhüllt und ihre schmale Gestalt verschwindet völlig in der Hemdgugel, aber alles sitzt so wie es soll und rutscht nicht ständig hier oder dorthin. Außerdem stecken ihre zierlichen Hände nicht länger in Strümpfen, sondern in ein paar weichen, eng anliegenden Handschuhen.

Von Ribérac bis zum Kreuzweg sind es nur vier Tausendschritt, doch nachdem sie die Sarthefurt passiert haben, wenden sie sich gleich nach Osten und reiten über verschlungene Saumpfade und schattige Waldwege tiefer ins Larisgrün hinein, denn die Sonne brennt inzwischen unbarmherzig von einem makellos blauen Himmel – Hemdgugel hin oder her, hier im grünen Dämmerlicht unter dem dichten Laubdach der Bäume, wo bestenfalls helle Sprenkel den schattigen Waldboden erreichen, kann Lady Shin wenigstens die Maske und das Tuch abnehmen und bestimmt auch die Kapuze von ihrem Kopf streifen, wenn sie möchte. Immerhin haben sie Gelegenheit, sich ein wenig zu unterhalten, auch wenn sie damit nicht sehr weit kommen. Ihren Namen und dass sie Wassermagierin ist, weiß er bereits, und er erfährt auch, dass sie in Talyra lebt, nicht nur auf der Durchreise ist. Sie reiten durch eine Schlucht mit steilen, von Efeu und Bergahornen überzogenen Felswänden zu beiden Seiten, die hechelnden Hunde bald ein Stück hinter ihnen, bald ein wenig voraus und er will, eingedenk ihrer Schwierigkeiten mit der Sonne, gerade nachfragen, ob sie schon einmal an ein Schutzamulett gedacht hat, als lautes Bellen, etwa hundert Schritt vor ihnen, ihn aufblicken lässt. Nein. Nein. Oh... nein. "Das darf doch nicht..." Colevar treibt Filidh in eine schnellere Gangart, um sich den nächsten Stolperstein auf seinem Weg zurück nach Talyra anzusehen, doch aus der Nähe betrachtet entpuppt er sich leider als genau das, wonach er von weitem schon aussah. Der Sturm des gestrigen Tages war offenbar auch hier durchgekommen, hatte einen der größeren Bäume entwurzelt und fein säuberlich mitten in die Schlucht drapiert. Verkeilt, um genau zu sein, ein Dammbauer hätte es nicht besser hinbekommen – links und rechts ist nicht das kleinste Durchkommen und ein Wirrwarr von Ästen und Laub ragt vor ihnen auf wie eine Wand. Colevar unterdrückt mühsam ein paar haarsträubende Verwünschungen und wirft einen bitterbösen Blick in den strahlend blauen Himmel. Wenn das ein Scherz sein soll, ist es nicht lustig! Irgendwo in weiter Ferne glaubt er für einen kurzen Moment das Lachen einer Urgroßmutter zu hören, aber wahrscheinlich ist es nur Harms dumpfer Hufschlag, als die Magierin zu ihm aufschließt und den umgestürzten Baum betrachtet. "Lady Shin, glaubt Ihr eigentlich an Zufälle?"
Some say the world will end in fire. Some say in ice.
From what I’ve tasted of desire I hold with those who favor fire.
But if it had to perish twice, I think I know enough of hate
To say that for destruction ice is also great - and would suffice.
R.Frost

Atevora

Unregistered

14

Sunday, August 26th 2012, 4:07pm

Beerenreif 512, auf dem Weg nach Talyra



Angenehm von Harms gemütlichen Schritt geschaukelt, und unter dem Stoffberg der Kapuze verdeckt, lauscht Atevora den Geräuschen der Umgebung. Harm Schnaubt zufrieden aus, er scheint froh darum, dass die zappelnde Last auf seinem Rücken endlich zur Ruhe gekommen ist. Atevora hört während sie von den starken Muskeln Harms leicht von einer zur anderen Seite geschubbst wird das dumpfe Hufklappern der Pferde, das vergnügte Zwitschern der Vögel und das Rascheln der tief grünen Blätter im Sommerwind. Warum nur hört sie keine aufgeregten Vogelrufe? Normalerweise sind die Vögel immer in Aufruhr wenn Via des Weges fliegt. Hoffentlich ist ihr bei dem kurzen Sommersturm nichts zugestoßen Wieder schaukelt sie hin, Shafirs Gebell am Fluss samt lauten platschenden Geräusch, sie wiegt her, vermutlich versucht er wieder einen Fisch zu fangen, obwohl er nicht wüsste was er damit anfangen sollte. Die Shin schmunzelt verborgen unter dem Stoff still vor sich hin, während ihre Gedenken beginnen langsam davon zu driften. Sie hätte trotz der immer drückender werdenden, stickigen Hitze und der flammenden Hiebe, die jeder kleine falsche Ruck zur Seite durch ihren Körper sendet um in einem wilden Pochen unterzugehen und wieder neu zu aufzulodern, beinahe in einen Zustand der Meditation hinüber gleiten können, als sie Colevars Stimme herausreißt. Zumindest meint sie seine Stimme vernommen zu haben, wobei es vom Klang her auch das verärgerte Zischen einer Schlange hätte sein können. Atevora hätte sich natürlich wieder gerade aufrichten und die elende Kapuze hochschlagen können - doch dafür fühlt sie sich gerade zu träge, oder sie hätte gleich halb den Stoff fressend durch den Stoffberg ein „Wie bitte?“ hindurch nuscheln können - wobei das akustisch wohl höchstens ein „fmi widde“ ergeben hätte. Sie spitzt allerdings nur die Ohren und denkt sich, wenn er wirklich etwas von ihr möchte, wird er sie schon nochmals ansprechen. Kein weiteres Wort brandet an ihr Ohr, nur die üblichen Geräusche. Das heißt entweder war es nicht so wichtig, oder Colevar meint Atevora döse vielleicht, oder es war nur Einbildung. Die Shin vermutet letzteres.
Auf diese Weise lässt sich die Magierin also von ihrem artigen Pferdchen die Wegstrecke durch die Gegend tragen, erst als sich die Geräuschkulisse langsam ändert, richtet sie sich wieder auf. Als sie schließlich Ribérac erreichen macht das Dorf auf Atevora einen etwas ausgestorbenen Eindruck. Es sind kaum Leute auf der Straße, die Schneiderei ist geschlossen, auch bei „Oleanders Allerley“ haben sie kein Glück. Währenddessen Atevora dies sehr gelassen hinnimmt, trägt Colevar dabei in etwa den selben verbissenen Gesichtsausdruck wie sie zur Schau, als sie sich noch mit der Kapuze herumgeärgert hat.

Im „Goldenen Schlüssel“ werden sie sofort freundlich in Beschlag genommen, und die Magierin wird sofort mit neugierigen Blicken und allerhand Fragen konfrontiert. Obwohl Atevora nicht die gesprächigste Person unter der Sonne ist, die Wirtin ist so persistent wie ein Môrgrimm auf der Jagd wenn es darum geht ihr jede noch so kleinste Information förmlich aus der Nase zu ziehen. Kaum dass die Frau ihren Wissensdurst einigermaßen zufriedenstellend befriedigt weiß, prasselt ein unaufhörlicher Wortschwall auf Atevora ein während sie resolut vorangeschoben und auf ein Podest gestellt wird. Und die Frau plappert unermüdlich weiter. Von Worten des Bedauerns über Geschichten von ähnlichen Vorfällen, Beteuerungen wie ungesund sie den aussehe, über freundliche Angebote, gut gemeinten Ratschlägen was sie nicht alles Essen und lassen sollte damit mal ein wenig mehr Fleisch auf ihre Rippen kommt, Vorschläge zu kleinen Hausmittelchen damit die Wangen rosiger Werden, bishin zu Klatsch und Tratsch von und über jeden Trottel und Bürger des Dorf die Atevora weder kennt noch kennen lernen möchte, geschweige den interessieren, und bishin zu Ungewöhnlichkeiten der letzten Tage, inklusive der Erwähnung eines weißen Eulenvogels der im Garten gesichtet wurde, ist alles dabei, sodass Atevora zu nichts mehr als einem gelegentlichen Nicken oder Kopfschütteln käme, selbst wenn sie dies wollte. Dazu kommt alsbald noch das penetrante, nervenaufreibende ständige Kommen und Gehen und Geschwätz und Geschnatter und herumgeschwirre von Fiarna, Cigfa, Brangwen und Ysbail , die nach einem kurzen abschätzenden Blick zu Atevora (vermutlich ob sie eine Konkurrenz darstelle – was sie laut deren Einschätzungen scheinbar nicht tut) - um Colevar herumschwirren wie die Schmeißfliegen um einen frischen Kuhfladen und ihm dieses und jenes anbieten und in Umhätschel und versorgen als wollten sie dabei gegenseitig miteinander Wetteifern. Atevora hätte am Liebsten alle gefesselt und geknebelt, oder optional sofort in der nächsten Kloake ersäuft nur für etwas Stille! Das heißt, zumindest die erste halbe Stunde, bis sie neben ihren unöglichen Verrenkungen - deren Notwendigkeit und deren Sinnhaftigkeit sich hier hinsichtlich der gewünschten Kleidungstücke nicht erschließen möchte - Colevars gequälten Gesichtsausdruck bemerkt. Er wirkt zeitweise fast so als wollte er die Arme in die Höhe reißen und mit einem gellenden Schrei wie vor einer Horde Monster aus der Tür flüchten. Sie hätte nun mitleidig daran denken können, dass er diese Qualen ihretwegen durchsteht, aber in der Art wie er krampfhaft um eine gediegenen Ruhe und Höflichkeit bemüht ist, in den kurzen Ruhepausen vernehmliche tiefe Ein- und Ausatmet und dazwischen sein Lächeln zur Schau trägt das mittlerweile eher einer schiefen Grimasse ähnelt, hätte sie beinahe laut und Boshaft aufgelacht,

Gestopft wie eine Mastgans, von all dem was Colevar (in der Zeit in der sie auf die endgültige Fertigstellung der Kleidungsstücke gewartet haben) an Atevora von dem Zeug das Murdina Graeme Töchterschar angeschleppt haben weiter geschoben hat, und neu ausgerüstet mit zwei Tüchern, einer naturfarbenen Gugel und hellen Handschuhen, brechen sie Beide wieder auf. In der neuen Ausrüstung, bei der sie in ihr Büchlein penibel vermerkt hat was sie Colevar dafür schuldet, fühlt sie sich gleich wesentlich wohler und diese Ruhe die sie umfängt ist ein Segen! ERLÖSUNG! Der Erbe von Lyness macht auf sie einen ähnlichen seligen Eindruck diesem aufgescheuchtem Hummelnest entkommen zu sein, bei dem sich Atevora insgeheim wundert, dass sich die vier Töchter nicht auch noch einen ordentlichen Faustkampf um ihr Objekt der Begierde geliefert haben. Atevoras Augen funkeln belustigt. Ein wenig schade findet sie es schon, sie hätte sich dabei köstlich amüsiert. Das nächste Mal wird sie vermutlich Colevar fragend ins Ohr flüstern, ob sie nicht vielleicht umsichtig für einen Schlammring sorgen sollte in dem die Frauen seinetwegen – und ganz uneigennützig natürlich - nach Herzenslust – und natürlich leicht bekleidet - übereinander herfallen können. Die Shin schweigt allerdings vorerst lieber nur erheitert vor sich hin, als sie die Pferde durch eine Furt lenken und tiefer ins Larisgrün vordringen. Der Wald wird dichter die Bäume höher bald schon kämpft sich noch kaum ein Sonnenstrahl durch das eindrucksvolle Blättergewölbe über ihnen seinen Weg zum Boden um tanzende goldgelbe Sprenkel auf den moosbewachsenen teils steinigen Weg zu malen. Auch die Hitze scheint hier vom kühlem Atem der Wälder ein wenig verdrängt, und so befreit sich die Shin vom stickigen Tuch über ihrem Mund und schiebt ihre Ledermaske in die Höhe. Viel angenehmer.. Obwohl ihr stattlicher Wegweiser bisher die Stille ausgekostet hat, sucht er nun, vielleicht ermutigt von Atevoras nun sichtbaren Mienenspiel, das Gespräch mit ihr.
Er möchte wissen, ob sie sich nur auf der Durchreise befand, oder in Talyra lebt, womit sie ihr Geld verdient und so fort. So erzählt ihm, dass sie seit längerer Zeit in Talyra, genauer in der Tausendwinkelgasse wohne und umreißt knapp ihre beruflichen Tätigkeiten, dass sie die warmen Monate gelegentlich Eiskeller in diversen Anwesen oder Wirtshäusern auffüllt, Schreiber und Übersetzerdienste anbietet, so manch Warensendung organisiert, oder in eine investiert, wie zB die eine oder andere Schiffsladung, wobei jene, die Schmucksteine zur Farbherstellung, wie etwa Lapislazuli, Azurit oder Malachit transportieren, immer besonders interessant und gewinnträchtig sind. Bei der kleinen Unterhaltung segelt Atevora gekonnt um ihre nicht vollkommen gesetzestreuen Aktivitäten herum und stellt sich auch mit ihren Bemühungen im Armenviertel nicht als Heilige der Stadt in den Vordergrund, sondern lässt es vollkommen unerwähnt, auch wenn sich sicher die Möglichkeit geboten hätte letzteres es anzusprechen. So besonders weit kommen sie mit dem sich langsam über ein relativ einseitiges Frage-Antwort-Spiel hinaus entwickelndes Gespräch nicht. Das Gebell ihrer Hunde hallt ihnen durch die enge Felsschlucht, durch welche sie gerade reiten, mit einem seltsam Klang entgegen und Atevora kommt nur noch dazu Filidh schwingenden Hufen nachzublicken.
Die Magierin möchte es ihrer Reisebegleitung gleich tun, und auch Harm in einen Trab schicken, doch das Pferd entscheidet nach dem ersten Trabsprung wegen der sich verkrampfenden Last auf seinem Rücken von sich aus, dass dies eine sehr schlechte Idee ist und wählt einen überaus seltsamen Kompromissgang zwischen dem was seine Reiterin möchte und dem was er für sie als Gut erachtet, in dem er hinten langsam trabt vorne aber noch eindeutig einen Schritt geht.
Ein wenig später hat sie schon zu Colevar aufgeschlossen, der seinen Blick bitterböse gen Himmel wirft und sieht den Schlamassel weswegen die Hunde vorhin geschimpft haben. Ein riesiger Baum verkeilt ihnen das weiterkommen.
hm.. Sire Lorcains Frage vernichtet jeden aufkommenden Gedanken.
>>"Lady Shin, glaubt Ihr eigentlich an Zufälle?"<<
An Zufälle und nicht an Vorhersehung? „Eine interessante Fragestellung“ Der Sithechritter sieht sie an, als wolle er sich erkundigen was denn an der Frage so interessant wäre. „Gemeinhin besteht die Prämisse, dass prinzipiell alles Zufälle sind und fast jeder stellt eher die Frage ob man daran glaube, dass zur Ausnahme einmal ein Ereignis keiner ist.“
Weil sie ihm seine Frage damit eindeutig nicht beantwortet hat, erkundigt er sich nochmal was denn ihre Meinung sei: „Ich glaube vieles ist eine durch unserer und anderer Entscheidungen ausgelöste Aneinanderkettung zeitweise sogar vorhersehbarer Zufälle, die wir vielleicht sogar erkennen, oder manche sogar verhindern könnten, wenn wir in der Lage wären weit genug zu sehen, und ich glaube es gibt Wesen die können entgegen uns sehr weit blicken. Aber was ich glaube ist vermutlich nebensächlich. Die Frage ist wohl eher was glaub ihr? Denkt ihr denn hier schmeißt jemand aus irgend einem Grund mit Bäumen?“ Dabei kommt Atevora ein Gedanke der ihr dann so gar nicht gefällt. Ein Gedanke der weniger absurd ist als sie es gerne hätte. Normalerweise ist Via immer aus unerfindlichen Gründen irgendwo in der Nähe wenn Atevora Gefahr droht, doch dieses mal hat sie offenbar nur seelenruhig und gemütlich in Ribérac schon auf sie gewartet, genauer im Garten des Wirtshauses, als hätte sie gewusst, dass ihr Weg sie dorthin führen würde: “..oder mit Kutschen?“

Atevora möchte schon danach fragen ob sie wieder zurückreiten und einen anderen Weg nehmen sollten, als Colevar von seinem schönen Ross absteigt und seine Lochaberaxt zur Hand nimmt. Die Magierin versteht ja nicht viel vom holzverarbeitenden Gewerbe, schon gar nicht vom Holzhacken, aber ihr ist so, als würden Holzfäller normalerweise eine ganz andere Axtform benutzen um den Wäldern zu Leibe zu rücken, und das vermutlich nicht ohne Grund. Atevora zuckt allerdings nur mit den Schultern, schwingt dann das rechte Bein über den Pferderücken und rutscht vom Gaul, währenddessen Colevar sich einfach seines Hemdes entledigt zum ersten Schlag gegen das widerspenstige Laubholz ausholt.
Atevora lässt ihren Blick über jeden Bogen der stählernen Muskeln gleiten die zum Vorschein kommen. Da sie ohnehin nicht helfen könnte, nungut vermutlich mit etwas Einfallsreichtum doch, aber besser nicht wenn sie von ihrer körperlichen Verfassung so abgelenkt ist, kümmert sich um des Ritters Pferd, bringt das Kleidungsstück in Sicherheit und setzt sie sich im Schneidersitz in einem gewissen Sicherheitsabstand gemütlich auf den Boden. Harm lässt sich nicht lange bitten und legt sich in der Idylle und in einem offenbaren Gefühl von Sicherheit neben Atevora auf den Boden, sodass sie ihr Pferd angenehm als Lehne nutzen kann und Beide ein äußerst friedliches Bild abgeben. Bald schon taucht wie aus dem Nichts eine weiße Eule auf, die sich auf dem Pferd niederlässt. Kurzzeitig sorgt es für einen kleinen Aufruhr unter den Hunden, weil ihr schwarzes Fellmonster sich schützend zwischen Via und dem Grauen aufbaut und unmissverständlich klar macht, dass die Eule gefälligst keine Beute ist. Reykir wirkt einen Augenblick lang ein wenig ratlos, nimmt die Dinge aber dann recht ausgeglichen und gleichmütig hin, als wäre es ihm zu viel Aufwand mit dem alten Opahund über Federvieh zu streiten. Bald schon flankiert von Shafir und Reykir und auch in Gesellschaft von Via, betrachtet Atevora wie die Axt unermüdlich auf den Baum niedersaust, Späne im hohen Bogen davonfliegen, oder sich in Colevars goldgelben Haar verfangen, und sich in der Hitze des Tages langsam kleine Schweißperlen über den nackten Oberkörper ausbreiten und mit ihrem gleichmäßigen Glanz auf der Haut jedes einzelne Muskelspiel zusätzlich hervorheben. Endlich kommt sie auch einmal auf ihre Kosten. Das wurde längst überfällig. Ob er so einen ansehnlichen Hintern hat wie es den Anschein hat? Die Hose könnte da ruhig auch noch weg.

Das Astwerk erfolgreich vernichtet, dreht sich Colevar von Lyness zu der Magierin um. Seine Haarspitzen kleben leicht wellig auf seinem schweißnassen Oberkörper, und währen die 4 Hennen von heute Morgen zugegen, würden sie sich vermutlich im irren Inariwahn augenblicklich auf ihn Stürzen und darum betteln von ihm in den nächsten Strohhaufen gezerrt zu werden, oder ihm gleich hier und jetzt die die Beinkleider vom Leib reißen um ohne Umschweife zur Sache zu kommen.
„Möchtet ihr etwas Wasser zur Abkühlung?“ Fragt Atevora mit einem unergründlichen Lächeln auf den Lippen. Ja er möchte.
Ein listiges Funkeln tritt in Atevoras Augen, kurz bevor ein Gedankenbild aus ihr herausströmt über Colevar Form annimmt und mit einer kleinen Handbewegung eine kalte Wasserwand auf ihn herabstürzt als hätte der Himmel all seine Schleusen geöffnet. Einen Moment lang wirkt es so, als hätte der Ritter etwas anderes erwartet, etwa dass die Magierin ihm den Wasserschlauch zum Trinken bringt, dann aber öffnet er die Arme, und lässt mit geschlossenen Augen, das Gesicht zum Himmel gerichtet sichtlich mit Genuss das kühle Nass auf ihn herab prasseln. Und mit jedem erschaffenen Wassertropfen der ihn streift, seine Haut benetzt, kleine Rinnsale bildet, gleiten Atevoras Sinne an ihn herab, die Haut entlang zum Boden hin. Sie schließt die Augen und genießt während weiter auf den Mann niederprasselt.
Augenblicklich richten sich Shafirs auf, den massigen Kopf die Ohren neugierig zu dem Geschehen Gerichtet und trotztet mit freudig wedelndem Schwanz dem Wasser entgegen und die Magierin öffnet die Augen wieder, als die Tropfen eine zusätzliche Formen und zwar die ihres und Colevars Hundes streifen und mit dem kleinen Schauspiel, das nun zu sehen bekommt hätte sie nicht gerechnet.

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Kaney

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15

Sunday, August 26th 2012, 9:53pm

Nach dem Sturm zog es Kaney in den Wald. Sicherlich, er hatte erst seine wichtigeren Pflichten zu erledigen, aber nun, endlich, konnte er sich den kleineren Pflichten widmen. So verwandelte er sich in seine zweite Gestalt, spürte kurz danach die Erde des Waldes, das Laub unter seinen Pfoten.
Der Wald hatte nach deisem Sturm etwas gespenstiges an sich. Ein leichter Nebel 1kroch über den Waldboden, es roch noch nach dem Sturm.

An diesem Tag hatte Kaney sich vorgenommen, den Wald wegen der möglichen Sturmschäden zu kontrollieren, um dann zu entscheiden, wo zuerst Hilfe
geleistet werden musste. Einige Wege waren durch herabgestürzte Bäume blockiert worden, andere Bäume drohten noch zu fallen. Hier mussten einige Waldarbeiter unbedingt dafür sorgen, dass die Wege von dem Holz befreit wurden.

Ansonsten besuchte Kaney die Bewohner des Larisgrüns, die es nicht rechtzeitig ins Innere Talyras geschafft haben – sowohl die menschlichen, als auch die tierischen.
Er stattet den im Wald lebenden Köhlern und einigen Bauern Besuche ab – diese hatten sich daran gewöhnt, dass der Hautmann der Späher schonmal nackt zu Ihnen zu Besuch kam.
Anders bei den Druiden die im Larisgrün lebten – diese besuchte er in seiner wölfischen Gestalt, denn die magiebeherrschenden Männer und Frauen kannten ihn, hatten keine Angst vor seiner anderen Gestalt. Sie unterhielten sich mit ihm, als wäre er in seiner menschlichen Gestalt, verstanden wenn er zustimmend brummte, genervt kurz die Zähne zeigte, winselte, schnaubte und knurrte.

Er besucht die örtlichen Wolfsrudel – einige von diesen begegnen ihm mit Freundschaft, andere mit einem wachsamen Respekt. Die Rudel hatten den Sturm, bis auf ganz wenige Verluste, komplett überlebt.
Bei den Herden sah das etwas anders aus. Die Hirsche waren in Panik geraten, hatten sich teilweise bei ihrer Flucht die Beine gebrochen und waren dann von Jägern getötet worden. Andere Hirsche waren in den Fluten ertrunken, weil das Wasser zu schnell anstieg.
Für die anderen Raubtiere des Larisgrüns gab es dadurch erst einmal genug zu Fressen, und so erbeutete auch der Wargenblütige eine verletzte Hirschkuh, die die nächsten Siebentage nicht überlebt hätte.

Der schwarze Riesenwolf schlägt sich gerade den Bauch voll, als er in den Waldrändern eine Bewegung bemerkt.
Kaney hält während des Fressens inne, blickt auf, sträubt das Fell und knurrt –bis er erkennt, wer da im Wald auf ihn zukommt.
Er kläfft, wedelt mit dem Schwanz.
Und dann tritt der Besucher aus dem Waldrand hervor.

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