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Lyall

Stadtbewohner

Posts: 458

Occupation: Magd

Location: Anwesen de Winter

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31

Tuesday, November 13th 2012, 9:23pm

Die letzten sturmzerfetzten Wolkenschleier ziehen über den Himmel und ab und zu fegen Windböen Laub auf. Feuchte, klamme Luft lässt eine Gänsehaut ihren Körper überziehen, als sie sich schräg gegenüber dem Wargen niederlässt. Noch immer weiß Lyall nicht genau, wie sie mit dem nackten Körper des Wargen umgehen soll, doch sie gewöhnt sich langsam an seine Gegenwart - in jeder Form-.
Ihre Augen versuchen jede seiner Bewegungen einzufangen, fast so, als müsste sie jeden Moment fliehen. Kaney scheint ihre Unsicherheit zu spüren, da er langsam und ruhig zu sprechen beginnt, ohne Hastig oder Aufgewühlt zu wirken. Seine Körperhaltung ist entspannt und offen.
Ganz im Gegensatz zur Wargin. Auch wenn Lyall versucht ihre Unsicherheit hinter einer mehr oder weniger gekonnt nach außen getragenen Ruhe zu verstecken, kann sie ein leichtes nervöses Zittern ihres Körpers nicht unterdrücken. Mit nach vorn gerichteten Wolfsohren hört sie jedoch Kaneys Ausführungen still zu, ohne ihn zu unterbrechen.
Ihr Gegenüber scheint eine angesehene Person in Talyra zu sein, so wie ihre Herrin. Viele Personen scheinen zu ihm aufzusehen oder ihm zu unterstehen und -was am wichtigsten für Lyall ist- er erzählt ihr nun, woher er Aurian deWinter kannte. Langsam und zu ihrem eigenen Erstaunen kriechen unterdrückte Erinnerungen in ihr hoch. Und diese wachsen an in dem Maße, wie ihr Misstrauen schrumpft.
Natürlich, dies alles ergab Sinn. Den Grund ihrer Herrin, den Kaney ihr im gleichen Zug nennt, ist durchaus plausibel. Und hatte man ihr nicht auch beiläufig von diesem „Warg in der Steinfaust“ erzählt? Sie weiß es beim besten Willen nicht mehr. Vielleicht hat sie diese Gedanken verdrängt und unterdrückt, da sie sich nie in ihrem Leben getraut hätte auf eigene Faust nach Kaney in der Steinfaust zu fragen oder ihn in sonst einer Art zu suchen. Nun hatten sie die Götter doch noch zusammen geführt, wenn auch mit einiger Verspätung. So sollte es nun also sein.
Fast schämt sie sich, nicht früher den Mut aufgebracht zu haben ihresgleichen zu suchen. Obwohl sie sich schon immer so alleine gefühlt hatte...
"Das war also der Grund, warum Lady Aurian nichts gesagt hat. Ich kann es irgendwie verstehen. Irgendwie auch wieder nicht.... Aurian ist nunmal eine Magierin, und was denen alles so im Kopf herumspukt, dass wissen nur die Götter alleine. Es tut mir jedenfalls leid, dass ich mich nicht ordentlich vorgestellt habe, als wir uns kennen gelernt haben. Ich war aufgeregt, und wollte euch nicht verschrecken." Schulterzuckend blickt der Warg kurz zu Boden und sieht dabei so traurig aus, dass Lyall am liebsten tröstend eine Hand auf seine Schulter gelegt hätte. Trauen tut sie sich jedoch nicht.
Leise seufzt sie und blinzelt ein Paar Tränen aus ihren Augen. „Ich bin die, die sich entschuldigen muss... auch wenn ich über die Beweggründe meiner Herrin nichts wusste. Die im Nachhinein jedoch sinnvoll erscheinen.“
Nach Worten ringend kaut sie kurz auf ihrer Unterlippe und fährt dann fort: „Ich weiß mich nicht mehr mit Bestimmtheit zu erinnern, ob mir jemand von dir erzählt hat... und wenn ja dann... hätte ich mich nie getraut allein nach dir zu suchen. Bitte verzeih mir dies und auch die Zeit, die durch meine Angst verstrichen ist, ohne dass wir uns kennen gelernt haben. Ich war als Warg immer alleine und traurig darüber. Nichts sehnlicher habe ich mir gewünscht, als einen anderen Wargen kennen zu lernen. Und doch war allein der Gedanke daran, jemanden wie mich zu treffen so furchteinflößend, dass ich es kaum beschreiben kann. Ich... hoffe du verstehst...“
Das sie nur immer so feige war, was Beziehungen zu anderen Personen anging! Sie konnte sich jedoch nicht überwinden offener sein sein, auch wenn sie dies jedes mal im Nachhinein bedauerte.
Kurz sieht sie ihm in die Augen, doch als die untergehende Sonne sich in seinen goldenen Augen spiegelt, blickt sie schnell wieder auf den Boden. Errötend bohrt sie ein kleines Loch in die weiche Erde und schnippst ein Blatt zur Seite. „Ich denke du weißt wer ich bin, aber da du dich vorgestellt hast, werde ich dies auch tun. Mein Name ist Lyall... ich bin Magd am Anwesen der Herrin deWinter und... wirklich sehr erfreut dich nun vollständig kennen zu lernen. Würdest du, als Wiedergutmachung sozusagen, mit zum Anwesen kommen? Ich möchte dich auf ein Essen einladen... da du Ragna und mich auch bewirtet hattest. Du...musst nicht sofort zusagen... du... hm... kannst es dir gerne noch überlegen.“ Trocken schluckt sie und zwingt sich ihn wieder anzusehen, als er ihr zögerlich antwortet. Schüchtern lächelnd lauscht sie seiner Stimme und dann fällt ihr doch noch etwas ein: „Halte ich dich eigentlich nicht von deiner Arbeit ab? Ich meine... du warst doch sicher nicht einfach so im Wald, oder?“ Wenn er der Hauptmann der Späher ist, dann hat er doch einen Auftrag? Der Besuch beim Bauern lässt zumindest darauf schließen... und nach dem Sturm gibt es sicher viel aufzuräumen. Oder doch eher Schadensbegrenzung zu betreiben? Das letzte was sie möchte ist ein Mitglied der Garde bei der Ausführung seiner Tätigkeit zu behindern. Insgeheim möchte sie jedoch auch nicht so schnell wieder von seiner Seite verschwinden, vor allem ihre wölfische Seelenseite scheint recht überzeugt davon zu sein mehr Zeit in seiner Nähe zu verbringen. Diese Art von Gedanken sind nicht ganz neu für sie, doch ihre Intensität schon. Nicht weiter tiefer darüber nachdenkend, schiebt sie es auf die Tatsache, dass er ebenfalls ein Warg ist und konzentriert ihre Aufmerksamkeit weiter auf Kaney.
'Er, excuse me,' said the man as Nanny Ogg turned away, ' but what is that on your shoulders?'
'It's... a fur collar,' said Nanny.
'Excuse me, but i just saw it flick its tail.'
'Yes. I happen to believe in beauty without cruelty.'
~Terry Pratchett "Maskerade"~

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Arwen

Stadtbewohner

Posts: 1,148

Occupation: Hohepriesterin der Anukis

Location: Vinyamar

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32

Thursday, January 17th 2013, 4:54pm

~ Ende Silberweiß 513 ~


Nachdem sie schon vor einigen Mondläufen auf den anderen Höfen gewesen war um mit ihren Pächtern den Zehnten festzulegen, ist Arúen heute auf dem Weg zum letzten der Höfe. Dieser Hof liegt in einem Waldstück, das zu den Ländereien Vinyamars gehört und begleicht seinen Zehnten nicht nur mit Ackerfrüchten, sondern auch mit Bau- und Feuerholz. Aber Allard, der Pächter ist mehrere Mondläufe überfällig und das ist für ihn höchst ungewöhnlich.

Begleitet von Elthevir auf seinem Falben und Ullmar auf dem Leiterwagen mit den beiden schweren Zugpferden davor, ist die Elbin schon am frühen Morgen aufgebrochen. Anfangs auf der Südstraße und nach kurzer Strecke dann auf den breiten Feldwegen kommen sie rasch voran. Aber kaum schwenkt die kleine Gruppe auf den Pfad ein, der sie in den Wald hinein und zu Allards Hof führt, ändert sich das.
Sie finden nur mit Mühe einen Weg zwischen den Bäumen, weil unzählige herabgefallene Zweige und Äste den schmalen Pfad versperren; eigentlich hätte dieses Holz schon im Herbst gesammelt und für den nahenden Winter als Heizmaterial zum Trocknen eingelagert werden sollen. Stattdessen liegen Reisig und Bruchholz nun unter dem Schnee und blockiert ihren Weg. Immerwieder müssen sie absitzen und den Pfad für Pferde und Wagen von dürren Zweigen und stabilen Ästen frei räumen. Einmal versperrt sogar ein Baum den Weg, der bei einem der Gewitter im vergangenen Herbst von einem Blitz gespalten worden sein musste. Und nur mit der Hilfe der beiden Zugpferde gelingt es, die massiven Splitterteile des Baumstammes zur Seite zu schaffen. Als sie schließlich die Lichtung mit dem Waldhof erreichen, runzelt Arúen die Stirn und eine stille Verzweiflung macht sich in ihr breit.

Der alte Allard, den Arúen nun schon seit zehn Jahresläufen kennt und zuletzt vor einem Götterlauf gesehen hat, humpelt aus einem ziemlich baufälligen Gebäude, anscheinend aufgeschreckt vom Hufschlag ihrer Pferde.
Über dem gesamten Anwesen liegt der saure Geruch von verfaulendem Heu in der klaren Winterluft. Auf dem Stalldach fehlen scheinbar schon länger Ziegel, es musste also in die Ställe geregnet haben, und auch andere Anzeichen des Verfalls sind unübersehbar. Ein Trog ist zur Seite gekippt und ein anderer sieht trotz einer dünnen Schneedecke grünlich und schaumig aus, als würde das Wasser bereits seit viel zu vielen Tagen darin stehen.
Eine verwahrloste Hecke verdeckt den freien Blick auf das Haus, aber Arúen kann zumindest das Dach des Wohnhauses sehen. Die Elbin ist mehr als bloß schockiert, als sie Shur in die Mitte des kleinen Hofes zügelt, und dann mehr vom Haus sehen kann. Die Fenster haben keine Scheiben und keine Läden mehr, sie sind nicht einmal mit Brettern oder Häuten vernagelt, sondern stehen einfach offen. Auf dem Dach fehlen mehrere Ziegel und der Schornstein hat sich gesenkt und sieht aus, als würde er jeden Augenblick abstürzen. Allard starrt sie alle nur an, als wären sie eine Erscheinung. Der Mann ist seit ihrem Besuch im vergangenen Zwölfmond stark gealtert und wirkt abgemagert. Seine Kleidung als abgetragen zu bezeichnen wäre noch geschmeichelt. Hemd, Überwurf und Hosen weisen zahlreiche Löcher und Risse auf und die ursprünglichen Farben sind unter Dreck und undefinierbaren Flecken nicht einmal mehr zu erraten. Die Stiefel sind an den Zehen so dünn, dass ein strumpfloser Zeh heraus schaut. Das Haar des alten Mannes ist ungepflegt und klebt an seinem Schädel, und seine Zähne sind verfault oder fehlen ganz. Bevor Arúen etwas sagen kann, dreht der Wind, und ein scharfer, beißender Geruch sticht ihr in die Nase, der von irgendwo hinter dem Haus kommen muss. Sie braucht einen Moment, um sich zu fangen. Einordnen kann sie den Gestank nicht, und irgendwie hat sie das drängende Gefühl, dass sie auch gar nicht wissen will, woher er stammt.

"Guten Tag, Allard. Wie geht es Euch?", beginnt sie in fröhlicherem Ton als ihr zu Mute ist. "Willkommen, M'lady. Könnte nicht besser gehen." Dann zögert er, blickt zu Boden und tritt nervös von einem Fuß auf den anderen. "Ich habe Euch nicht erwartet. Euch nicht und die Männer auch nicht.." Er reibt seine schwieligen Hände während er mürrisch von einem zum anderen sieht. "Für so viele Pferde ist hier kein Platz. Und es gib nicht genug Futter." Arúen übergeht die wenig freundlichen Worte des Alten und steigt ab. Sie hatte die vergangenen Tage nur wenig Ruhe gefunden, ist müde und friert. Entsprechend dünn ist ihre Nachsicht und Geduld an diesem Tag. Der unangenehme Geruch aus dem Stall stört sie und das ungute Gefühl, dass hier etwas nicht stimmt, zerrt an ihren Nerven. Und trotz dessen unbewegter Miene kann sie bei dem Elben an ihrer Seite die wachsende Anspannung und Wachsamkeit spüren, als Shu're Elthevir wie unbewusst seine Hand an den Griff seines Schwertes legt. Arúen hat keine Ahnung, wo das Problem liegt, aber sie ist entschlossen, der Sache unverzüglich auf den Grund zu gehen.
Ullmar steigt vom Wagen und nimmt die Zügel von Shur, da Allard offensichtlich nicht die Absicht hat, etwas anderes zu tun, als dazustehen und verwirrt dreinzuschauen. "Ich nehme die Pferde, Shu'ra. Wir haben Futter für sie dabei. Denn so wie es hier draußen aussieht, gibt es hier nicht einmal genug Futter für die Tiere auf dem Hof. Und so wie es hier stinkt, gibt es hier auch kein einziges Büschel sauberes Heu." Er verzieht angewidert das Gesicht. "Ich bezweifle, dass es hier überhaupt genug Futter gibt um irgendwelche Tiere über den Winter zu bringen." Allard gibt kein Wort von sich, aber er starrt den Großknecht von Vinyamar feindselig an. Das Unbehagen, das Arúen gespürt hat je näher sie dem Hof gekommen sind, schlägt abrupt in Angst um. Sie unterdrückt dieses Gefühl mit der ihr eigenen eisernen Disziplin und sieht sich Allard genauer an. Der Mann, den sie aus den vergangenen Jahren kennt, ist schon immer wortkarg gewesen, aber immer freundlich und niemals feindselig. Außerdem hatte sie ihn als ordentlichen und intelligenten Mann kennengelernt. Dieser Mann hier scheint jedoch ein völlig anderer Mensch zu sein - mürrisch und ziemlich abgestumpft. Aus der Nähe betrachtet wirken seine Augen trüb und glasig.

Shu're Elthevir ist inzwischen ebenfalls abgestiegen und geht zum Stall, seine Haltung wirkt angespannt, so als erwarte er das Schlimmste. Er verschwindet in der im Dunkeln liegenden Scheune und nur wenige Augenblicke später hört Arúen ihn laut auf Shidar fluchen. Die blumige Kreativität, die er dabei an den Tag legt, verschlägt ihr allerdings schlichtweg die Sprache. Einen solchen Ausbruch hätte sie dem sonst so ruhigen Ritter ihres Vaters nie zugetraut. Einen Augenblick später taucht er wieder auf, sein sonst so unbewegtes Gesicht ist vor Zorn gerötet. "So behandelt man kein anständiges Vieh!" zischt er und fast sieht es so aus, als wolle er den Bauern ohrfeigen.
Elthevir war mit Pferden aufgewachsen, seine Familie betreute seit Generationen in Lyrtaran die Zucht des Hauses Mitarlyr. Der sonst so ruhige Elb bebt vor Empörung. Der Stall muss in einem noch schlechteren Zustand sein als Arúen nach dem äußeren Anschein angenommen hat. "Was meint Ihr damit, Elthevir?" "Ich habe nur einen kurzen Blick hineingeworfen, Shu'ra, aber das hat mir gereicht! Da sind zwei Zugtiere, und sie stehen bis zu den Fesseln im Abwasser und die Boxen sind völlig verdreckt. So etwas habe ich noch nie gesehen." "Ich habe eben nicht die Kraft, mich um die Tiere zu kümmern," jammert Allard nun und sieht verschämt auf den Boden. "Ich schaffe es gerade, sie zu füttern, das Holz für das Feuer zu hacken und …" "Es wird eine ganze Menge Arbeit brauchen, diesen Stall auszumisten," unterbricht Elthevir ihn unwirsch. "Und das Dach muss auch repariert werden. Das ganze Gebäude ist eine einzige Schande!" Arúen würde jeden Eid schwören, dass sie den Elben noch nie so viel auf einmal in der Allgemeinsprache hat reden hören. Aber sie ist ganz seiner Ansicht und hofft, dass wenigstens Allards Frau in besserer Verfassung ist als er. Wo ist sie überhaupt… und sein Sohn sollte doch auch hier sein… Dann ruft ein Blick auf den verwahrlosten Stall ihre Gedanken zurück zu den naheliegenden Problemen. Es macht sie regelrecht krank, wenn sie an die Tiere in diesem Stall denkt.
Es sind noch einige Stunden bis zur Dämmerung, und sie spürt einen gewaltigen Widerwillen, das Wohnhaus zu betreten und nach der Frau und dem Sohn zu suchen. Das Gefühl erscheint ihr merkwürdig, wie eine Art Prickeln auf der Haut, eine Kälte, die nichts mit der kalten Winterluft zu tun hat. Und so nickt sie Ullmar und Elthevir zu. "Dann lasst uns sehen, was wir vor der Dunkelheit noch tun können, um es den Tieren erträglicher zu machen." Die beiden Männer wechseln einen schnellen Blick, der Arúen nicht entgeht. Es ist eine Sache, wenn die Elbin auf Vinyamar die Arbeiten des Gesindes teilt wenn Not am Mann (oder der Frau) ist, aber es ist etwas ganz anderes, wenn sie es hier tut, scheinen die Blicke der beiden Männer zu sagen. Unter normalen Umständen wären auch die beiden auch nicht zu Stallarbeiten abkommandiert worden, das gehört zu den Aufgaben Gerions und der anderen Knechte. Die ganze Situation ist ihnen offenkundig unangenehm, und sie bemühen sich, Arúens Stellung als Herrin von Vinyamar und Hohepriesterin (eine Liste, die sich noch um einiges erweitern ließe und die Arúen stets zu verdrängen versucht) mit der dringenden Notwendigkeit, hier Ordnung zu schaffen, in Einklang zu bringen.
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Die, die grundlegende Freiheiten aufgeben, um vorübergehend ein wenig Sicherheit zu bekommen, verdienen weder Freiheit noch Sicherheit.
[Benjamin Franklin, (1706 - 1790)]

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33

Friday, January 18th 2013, 5:31pm

Nachdem Keeshar das Gasthaus Wegesend verlassen hat, reitet er noch einige Tausendschritte im Schein einer Laterne weiter.
Er hat es nicht sonderlich eilig zurück nach Talyra, zurück in die Unterstadt zu kommen. Gut, er will sich unbedingt rasieren, will aus den Kleidungsstücken heraus und nur ein ordentliches Bad nehmen... aber deshalb durch die Nacht zu preschen, während man selbst im Schein der Laterne kaum etwas sieht, nein, das will der Einäugige nicht.
Er will weder das Leben seines Reittieres, noch sein eigenes gefährden, nur um einige Stunden eher zurück in seiner Heimat zu sein.
Also genießt Keeshar diesen Ritt, die Freiheit die er einen Moment lang, eine Nacht lang hat.
Er muss sich um nichts kümmern, keine weitere Verantwortung tragen, alle Probleme der Unterstadt liegen noch einige Stunden in der Zukunft.

Schließlich, endlich, hält Keeshar an.
Er schlägt sein Lager relativ in der Nähe der Großen Nordstraße auf, sattelt Bancharaid ab und versorgt sie, macht sich ein Feuerchen. Dann macht sich der Einäugige daran, seinen Proviant zu verspeisen.
Angst vor irgendwelchem Diebesgesindel hat Keeshar nicht.
Er vertraut seinen Instinkten, dem Gehör seines Pferdes - und dem Rabenschnabel der offen an seiner Seite liegt.
Wenn er überfallen werden sollte - was sich Keeshar nicht wirklich vorstellen kann, die meisten Gesetzlosen im Larisgrün kennen den Herrscher des Toten End - würde die gefährliche Waffe schnell klarmachen, dass er keine einfache Beute ist.

Arwen

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34

Thursday, January 24th 2013, 7:55pm

~ Ende Silberweiß 513 ~


Arúen wartet nicht, bis die beiden Männer ihr zustimmen, sondern steuert schnurstracks auf das feuchte und düstere Gebäude zu. Und augenblicklich ist sie mehr als froh, dass ihr Magen leer ist, denn von dem beißenden Gestank wird ihr augenblicklich speiübel. Sie geht zur nächstgelegenen Box, schlüpft an dem armen Pferd vorbei und nimmt das Zaumzeug vom Haken an der Wand. Mit ruhigen Handbewegungen streift sie es dem Pferd über den Kopf und führt das Tier vorsichtig rückwärts aus der Box.
Der Gaul ist zu mutlos, um sich der fremden Hand zu widersetzen. Er hat offene Stellen an den Beinen und ist offensichtlich schon lange nicht mehr beschlagen worden. Die Hufe sind ausgewachsen, und das arme Tier knickt bei jedem Schritt in den Fesseln ein. Die Haut hängt ihm schlaff über die Rippen, und es ist vollkommen apathisch. Arúen erkennt in ihm das schwere Zugpferd wieder, mit dem Allard im vergangenen Zwölfmond Feuerholz nach Vinyamar gebracht hatte. Ein Verder Kaltblut, ein prächtiges Tier damals, das ganz bestimmt eine bessere Behandlung verdient hätte. Die Elbin dreht es langsam um und führt es in den Hof hinaus, schlingt den Strick um eine Strebe an dem Wagen mit dem sie gekommen sind und tätschelt den Hals des Pferdes. Es sieht sie aus riesigen dunklen Augen an und tritt unbehaglich von einem Huf auf den anderen, als schmerzten seine Beine. "Kann einer von euch beiden ihm vielleicht die Hufe schneiden? Ich habe das nie wirklich gut gelernt." Elthevir zischt etwas unverständliches, was sich aber offensichtlich nicht gegen die Elbin richtet, geht zu seinem Pferd und holt einen Lederbeutel aus der Satteltasche. Augenblicke später hält er ein sichelförmiges Messer in der Hand und sieht Arúen an. "Das habe ich immer dabei - schließlich weiß man nie, wann man es brauchen kann." Dann bückt er sich, nimmt einen Huf in die Hand und beginnt damit, überschüssiges Horn wegzuschneiden. Ullmar ist unterdessen Arúens Beispiel gefolgt und hat das zweite Pferd aus dem Stall geführt. Der Elb schneidet verbissen die verwachsenen Hufe, schimpft dabei leise auf Shidar vor sich hin und besänftigt die Tiere, obwohl sie alle beide viel zu schwach sind um auch nur daran zu denken, ihm Ärger zu machen. Und Allard steht nur dabei und sieht ihnen aus trüben Augen zu.

Ullmar besorgt sich in der Zwischenzeit Forke und Schaufel und fängt an, die verdreckten Boxen auszumisten. Der Ammoniakgeruch ist fast betäubend, das verfaulte Stroh ist voller Parasiten und Würmer, größtenteils Regenwürmer. Außerdem scheucht er eine Rattenfamilie auf, die quiekend in eine dunkle Ecke flüchtet. Es ist harte Knochenarbeit, schmutzig und stinkend, aber der Großknecht von Vinyamar will es partout nicht dulden, dass Arúen ihm hilft. Als sie es doch versucht, nimmt er ihr kurzerhand die Mistgabel wieder aus der Hand.
Zwei der Boxen sind anscheinend schon lange nicht mehr benutzt worden, denn dort ist der Lehmboden nicht von den ständigen Bewegungen der Hufe zu Wannen ausgehöhlt. Sie sind sogar einigermaßen sauber und wieder brauchbar, nachdem Ullmar sie einmal kurz aufgelockert hat. Dann steigt er auf den Dachboden und findet tatsächlich einen Ballen Stroh, der noch nicht modrig ist, und streut es sparsam aus. "Ich kann Lord Elthevir seine Wut gut nachfühlen, Shu'ra. Das sind anständige Pferde, und es ist nicht richtig, sie so verkommen zu lassen", meint er zähneknirschend, und mit einem Blick zur Decke rauft er sich die Haare. "Das Dach hat fast mehr Löcher als Schindeln, nichts schützt die Tiere hier vor Schnee und Regen." "Ich weiß, Ullmar, ich hab's auch gesehen. So etwas wie das hier habe ich auch noch nie gesehen. Was für ein Schweinestall." Der Mensch schnaubt ungehalten. "Selbst Schweine hätten so etwas nicht verdient." Arúen kann zur Antwort erst nur nicken. "Da habt ihr Recht, Ullmar." "Es sieht aber nicht so aus, als ob den alten Allard das sonderlich kümmern würde. Und wo ist seine Familie? Sie müssen uns doch gehört haben." "Ich habe keine Ahnung, Ullmar. Aber wir werden es bald wissen. Ich werde Allard fragen, sie können sich ja nicht in Luft aufgelöst haben." "Ich kümmere mich noch um den Trog, ich glaube kaum, dass den Pferden das faule Wasser bekommt. Allard muss sie mit einem Eimer getränkt haben. Sie sehen zwar halb verhungert aus, aber nicht, als wären sie ausgetrocknet. Und ich geh' Futter suchen. Die Tiere sind bestimmt seit gut einem Siebentag nicht gefüttert worden." Arúen nickt zustimmend und wendet sich dann an den alten Allard, der noch immer stumm neben dem Fuhrwerk steht und stumpfsinnig zusieht, wie sich die anderen um seine beiden Pferde kümmern.

"Allard?... Allard!" Die Elbin muss ihn an der Schulter packen und schütteln, ehe sie sich seiner Aufmerksamkeit sicher sein kann. "Allard, wo ist Eure Frau? Und Euer Sohn?" Es dauert eine ganze Weile, ehe der Mann ihre Frage zu begreifen scheint und nochmal genau so lange, bis er zu einer Antwort ansetzte. "Ich bin alleine." "Das sehe ich, dass ihr alleine hier seid, Allard. Aber wo sind Marthe und Joan?" Sie hielt seinen Blick mit ihrem fest und zwang ihn so, sie anzusehen. Es scheint ihr, als wolle Allard ihr antworten, fände aber nicht die Kraft, die Worte auch auszusprechen. "Tot", kommt es schließlich leise und heiser über seine Lippen. "Beide tot." "Tot?" Der alarmierte Klang ihrer Stimme ruft nun auch Shu're Elthevir auf den Plan, der augenblicklich Pferde Pferde sein lässt und neben Arúen tritt. "Shu'ra? Was ist passiert?" "Ich weiß es nicht, noch nicht… Allard, erzählt mir, was passiert ist. Wann sind sie gestorben? Und wie?" Wieder dauert es eine gefühlte Ewigkeit, bis der Mann seine Gedanken soweit sortiert und die gesuchten Worte gefunden hat, dass er mit der Elbin redet. "Im… im Herbst. Wir waren alle krank und hatten kein Geld für einen Heiler. Das… das Fieber hat sie umgebracht, und… und ich hab keine Kraft mehr seitdem." Zu sagen, der Mann täte Arúen leid, wäre nur die halbe Wahrheit. Ja, sie bedauert seinen Verlust. Aber sie ist auch wütend auf ihn. Warum war er nicht einfach zu ihr gekommen? Sie hätte doch geholfen und den Heiler bezahlt. Für Arúen gehört das zu den Dingen, die sie als ganz selbstverständliche Fürsorge für ihre Pächter ansieht. Oder, wenn er schon sie nicht um Hilfe bitten wollte, warum war er dann nicht zu einem der Tempel gegangen und hatte sich dort Hilfe geholt?
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Die, die grundlegende Freiheiten aufgeben, um vorübergehend ein wenig Sicherheit zu bekommen, verdienen weder Freiheit noch Sicherheit.
[Benjamin Franklin, (1706 - 1790)]

Lyona

Stadtbewohner

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35

Friday, January 25th 2013, 9:20pm

Ein Morgen versteckt im Wald - Ende Silberweiß 513

Er hat eine sanfte Stimme. Sie erinnert an den Wind, der über die Gräser streicht und an das Tapsen von Pfoten auf weichem Waldboden . Doch sie ist auch tief wie die eines Branbären (sollten diesem Tier einmal menschliche Laute entspringen.) An einen Bären erinnern sie auch sein braunes Haar und seine starken Arme, welche sie als sie kleines Mädchen in den Schlaf gewiegt und vor der Kälte beschützt haben. >Lyona<, sagt er, >Lyona< >Pass auf, sie sind freundlich zu dir, aber ihre Hauer können genauso schnell zuschlagen wie du 'Sula' sagen kannst.< Sie tun es nie. Sie bleiben immer freundlich zu ihr.
Eine helle Gestalt. Sie weiß, dass sie schön ist, auch, wenn sie sich nicht richtig an ihr Aussehen erinnern kann. Ihre Stimme kann sie nicht beschreiben. Vielleicht erinnert sie an den Gesang einer Nachtigall oder aber an einen Tropfen Wasser, der beim Auftreffen auf den Boden zerfällt. Es ist ihr auch egal, wenn sie nur das Wort nicht vergisst. Das Wort, dessen Bedeutung sie nicht kennt. >Dioma<, sagt sie, >Dioma< Mehr nicht. Aber sie sieht außerdem die Sehnsucht und Trauer in den Augen des Mannes mit der Branbärstimme. Ein trauriger Branbär, der auf leisen Pfoten durch den Wald läuft und dem der Wind das Fell zerzaust.


Aufwachen. Sie schlägt die Augen auf und weiß, sie ist da, denn sie sieht und fühlt es, schmeckt, riecht und hört es mit ihrem ganzen Körper. Die Bäume, welche sie am Abend als dunkle Wächter in den Schlaf begleitet haben, stehen noch dort, wo sie sie zuletzt erblickt hat. Ihre Haut wird wie so oft von weichem Fell gekitzelt und spürt außerdem die Kälte, die der Winter mit sich bringt. Sie nimmt den Geruch von purem Leben in sich auf. Der vertraute Duft des Waldes: Frisch und klar, ein bisschen würzig, manchmal auch süß. Zu Zeiten des Silberweiß überzogen mit dem frostigen Geschmack der winterlichen Erneuerung. Dazu kommen die unzähligen Geräusche, die sie genauso deutlich wahrnimmt, wie sie mit ihren Augen sieht. Äste knacken, Pfoten laufen über Schnee. Irgendwo ein gleichmäßiges Wassertropfen. Dann das Rauschen des Windes und das Rascheln von Gräsern, die der Schnee noch nicht ganz verdeckt hat. Lyona erwacht mit einem Lächeln, auch wenn sich die wehmütige Erinnerung an ihre Träume nicht ganz vertreiben lässt.

Sie setzt sich auf und schiebt vorsichtig eine große, graue Pfote von ihren Beinen. Durch die Löcher in ihren ledernen Schuhen spürt sie den kalten Schnee. Ihren Unterschlupf hat sie zum größten Teil von seiner weißen Decke befreit und am Boden mit im Sommer gesammelten und zu Heu getrockneten Gräsern, außerdem Moos und Reisig ausgelegt. Die Kälte vertreiben weder der weiche Bodenbelag, noch die Decken, die sie sich nachts um den blassen, zierlichen Körper wickelt, vollständig. Doch seit ein paar Tagen ist die Schattenkatze bei ihr – eigentlich ein nicht besonders zutraulicher Einzelgänger. Ihr warmer Tierkörper und ihr dickes Fell sind der beste Schutz vor dem Winter für ein einsames Mädchen im Wald. Für eine Weile werden sie zusammen leben, jagen, nach Wasserstellen und trockenen Schlafplätzen suchen. Es ist nicht so, dass ihr die Katze auf Schritt und Tritt nicht mehr von der Seite weicht. Aber sie ist immer in der Nähe, beobachtet sie versteckt hinter einem Strauch oder folgt ihr in einem größeren Abstand von Tausendschritt.

Die Tiere werden Lyona nie verlassen. Sie wissen wahrscheinlich genauso wenig wie sie, warum. Manchmal braucht sie nur an einer ruhigen, geschützten Stelle zu sitzen und zu warten. Irgendwann gesellt sich ein Tier zu ihr, vergisst seine natürliche Scheu und leistet ihr Gesellschaft. Ein Goldfuchs, ein Kaninchen oder eine Schattenkatze. Aber auch, wenn sie auf die Tiere zugeht, zeigen sie keine Angst und behandeln sie wie ihresgleichen. Lyona spricht selten mit Menschen, doch mit den Tieren unterhält sie sich. Sie teilt mit ihnen nicht ihre Gedanken, sieht aber in ihren Blicken, was sie fühlen und weiß, ihre Bewegungen zu deuten. Die Tiere verstehen auch sie. Sie sind ihre Lehrer in all den Jahren, in denen sie Menschen – außer um ihr Brot zu stehlen – meidet. Lyona folgt ihnen zu Waldbächen, wenn sie durstig ist und weiß, wo es die süßesten Beeren gibt. Auch vor Giftpflanzen beschützen sie sie durch ihren natürlichen Instinkt. Inzwischen kennt sie auch die grünen Bewohner des Waldes – die Pflanzen – und kann so manches Heilmittel herstellen.

Als sie die Nadeln und Äste beiseite schiebt, um ihren Unterschlupf zu verlassen, würde sie am liebsten wieder zurückkriechen. Aber es nützt nichts, sich vor dem Winter zu verstecken, sie muss sich bewegen und etwas zu essen suchen. So kalt ist es nicht! Es gibt kältere Orte hoch im Norden. Doch Lyona ist dünn und der schmerzende Hunger lässt sie die Kälte noch stärker spüren. Die Schattenkatze streicht an ihr vorbei und beginnt sich zu strecken, dann gibt sie einen leisen Knurrlaut von sich. Auch sie hat Hunger. „Na, dann lass uns mal den Tag beginnen, den Winter und den Hunger besiegen.“ Die graue Raubkatze sieht sie mit ihren gelben Augen an und stellt die runden Ohren auf, um ihrer Stimme zuzuhören, welche einen freundlichen aber rauen Klang hat, und wenn sich Lyona nicht täuscht, vernimmt sie sogar ein leises Schnurren. Aber ihre Worte haben für sie keine Bedeutung. Statt menschlicher Laute könnte sie sich auch in animalischen äußern, doch ganz ohne Worte ist die Einsamkeit zu groß. Bevor sie sich auf den Weg macht, zieht sie sich über ihr einmal weißes, inzwischen ziemlich dreckiges Leinenkleid ein wärmeres aus Wolle. Außerdem umwickelt sie ihre Waden mit zerrissenem Leinen. Dann laufen sie durch den Wald, Lyona und die Schattenkatze, auf der Suche nach etwas Essbarem. Lyona fühlt sich glücklich, der Kälte und dem Hunger zum Trotz. Der Wald und die Wiesen rundherum, das ist ihr zu Hause, welches sie im Winter ebenso wie im Sommer liebt.

Schneeflocken tanzen über ihr und verfangen sich in ihrem blonden Haar. Sie spürt den weichen Waldboden unter sich, dessen Schneedecke ihn gleich ein paar Sekhel größer werden lässt. Neben ihr das Atmen eines Tieres, der grauen Schattenkatze, die mit wachsamen Augen und Ohren ihre grüne, vom Schnee glitzernde Umgebung verfolgt. Ein silbrig-grauer Pelz taucht zwischen den Bäumen auf und der Körper der Katze neben ihr krümmt sich leicht. Ein Silberwolf. Er sieht die beiden an – Lyona vielleicht ein bisschen länger – und verschwindet wieder. Sie ziehen weiter – die Raubkatze hoffnungsvoll witternd nach einem Kaninchen, während das Mädchen mit dem Gedanken spielt, sich auf einem versteckten Pfad ins nächste Dorf zu schleichen. Verhungern werden sie nicht, auch nicht erfrieren. Da hätte der Tod sie schon längst geholt.

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Bregond

Herr Bergland

Posts: 301

Occupation: Silberschmied

Location: Der Turm des Verrückten

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36

Saturday, January 26th 2013, 1:41pm

Mürrisch, so und nur so konnte man die Laune von Skor beschreiben. Seit nunmehr vier langen Jahren war er nun schon mit seinem Herrn unterwegs, seit vier Jahren waren sie auf den Handelstraßen und versuchten ihre Ware unter die Leute zu bringen. In den meisten Fällen aber besserten sie nur alte Werkzeuge aus und verdienten ihren Lohn, oder aber auch nur mal eine warme Malzeit und Futter für die Pferde.
Seinen Traum vom großen und schnellen Reichtum hat er schon lange aufgegeben. Zurück in seine Heimat kann der junge Mann auch nicht mehr, der junge Adlige den er in einem Wirtshaus geschlagen hatte, war an seinen Verletzungen gestorben. Sein Vater hatte ihm die Nachricht durch einen Boten nach Talyra schicken lassen, kaum das sie vor vier Jahren in dieser wundersamen Stadt angekommen waren. Bregond, sein Herr war kurze Zeit später mit ihm aufgebrochen um wie er sagte Gras über die Sache wachsen zu lassen. Damals war er ihm dankbar dafür gewesen, hatte sogar mit dem trinken aufgehört und sich mit der Zeit als zuverlässiger Knecht erwiesen, so langsam wurde es ihm aber zuviel. Dieses ewige herum Reisen, von einem Ort zum anderen, nie zu wissen wo man hingehört. Vor einiger Zeit hatte er noch einmal Nachricht von seinem Vater erhalten, die Lage in seiner Heimat wäre immer noch nicht zum Besten, allerdings würde nicht mehr aktiv nach ihm gesucht, nur nach Hause kommen könnte er nicht. Mit dem Brief kam ein wenig Geld, nicht viel seine Familie war nie die Reichste, aber soviel das er sich einige Zeit über Wasser halten könnte, wenn er den sparsam wäre. Nach einer Unterredung mit Bregond hatten sie beschlossen zurück nach Talyra zu reisen, dort könnte er wenn er wolle auf einem Schiff anheuern und in den Süden segeln wenn das den dann noch sein Wunsch wäre. Das ganze war jetzt zwei Wochen her und nun lagerten Sie eine Tagesreise von ihrem Ziel entfernt. Eigentlich sollte der junge Mann sich freuen, bald wäre er sein eigener Herr könnte tun und lassen was er wollte. Keiner würde ihm mehr vorschreiben wohin sein Weg ihn führen sollte. Auf der anderen Seite war der Elb immer gut zu ihm gewesen, hatte ihm nie unzumutbare Arbeiten auf getragen oder ihn gar in Gefahr gebracht in all der Zeit wo sie unterwegs waren. Damals als sein Vater ihn zu diesem bedrohlich wirkendem Elb steckte hatte er sich ein schlimmes Schicksal für sich ausgemalt, zu viele Geschichten hatte er gehört, doch diese stellten sich als übertrieben oder unwahr heraus, zumindest im Fall von Bregond. Er hätte wirklich allen Grund froh zu sein und trotzdem war er schlecht gelaunt….


Gleichgültig und völlig im Gleichschritt trotten die beiden Kaltblüter vor sich hin, das monotone Geräusch ihrer Hufe auf der Nordstraße und das knarrende Holz des Fuhrwagens klingen so vertraut in den Ohren von Bregond, so beruhigend das er sich fast fürchtet nach Talyra zurück zu kehren. Die Straße war in den letzten vier Jahren seine Heimat geworden. Hatte er nicht wirklich viel gesehen? Land und Leute kennen gelernt seine Selbstzweifel und Ängste besiegt? Natürlich waren ihm auch Angst und Misstrauen auf seinen Reisen begegnet, doch er hatte sich ihnen gestellt und war nicht wie so oft in seinem Leben davon gelaufen. Ja er hatte sogar Verantwortung übernommen als er vor Jahren Skor mit auf die Reise genommen hatte. Der Elb lächelt als er den Knecht hinten im Wagen schnarchen hört. Wahrscheinlich würden die kommenden Tage die letzten sein, bald würden sie Talyra erreichen. Skor hatte vor auf einem Schiff an zu heuern, so hatte er es ihm zumindest gesagt. Wieder schmunzelt Bregond auf dem Kutschbock, die Lederzügel locker in er Hand haltend. Es war eine gute Zeit und er würde sie vermissen.
Aus einem dunklen Lederbeutel der an einem Metallhaken seitlich über ihm baumelt fischt sich der Elb einen runzligen Apfel heraus mustert ihn kurz und beißt dann ein kleines Stück aus der Frucht heraus. “ Naja süß sind sie ja” murmelt er vor sich hin, kurze Zeit später ist außer klebrigen Fingern nichts mehr vom Apfel übrig. “Skor! Skor wach auf, komm schon du Faulpelz du hast lange genug geschlafen” aus dem Wagen ist eine Mischung aus Knurren und schnarchen zu hören, ein Laut den Bregond nur gut genug kennt. So schnell würde den Mann nichts wecken, wenn er etwas sein eigen nannte so war es sein Gesunder Schlaf. “ und wieder einmal lenkt der Herr den Wagen und sein Knecht ruht wie ein Fürst …ich bin zu gut für diese Welt” sagt er zu sich selber. Eine Angewohnheit die er nicht ablegen konnte, immer wieder sprach er mit dem einzigen der ihm zuhörte, mit sich selber.
Inzwischen war die Sonne untergegangen und auch wenn die Straße gut befahrbar war wollte er dennoch einen Platz für die Nacht suchen. Am nächsten Morgen würden sie dann ihre
Kleidung in Ordnung bringen, gut Frühstücken und dann die letzte Etappe bis zu den Toren Talyras zurück legen. Bregond hatte Skor versprochen mit ihm in die Goldene Harfe zu gehen und ihm ein Festessen spendieren für seine Dienste die im Lauf der Jahre wirklich besser geworden war. Naja vielleicht würde er auch erst die Badehäuser auf suchen. “ Vielleicht solltest du erstmal einen Platz für die Nacht suchen du Held” murmelt er zu sich.
Schon kurze Zeit später rumpelt der Wagen lautkrachend über einen zugefrohrende Wagenspur die er nicht gesehen hatte. " Bei allen guten Göttern" flucht er laut genug um alles Leben im Umkreis aufzu schrecken. Nur nicht seinen treuen Knecht Skor. " Verdammt jetzt hab ich mir noch auf die Zunge gebissen", aus dem Augenwinkel sieht er ein schwaches Licht das gut abgeschirmt zur Straße durch eine Lücke im Buschwerk zu erkennen ist. Na das hätt ich doch glatt übersehen ohne das kleine Missgeschick, da hat mir doch schon wer die Arbeit des Feuerholzsammelns abgenommen Leicht schmunzelnd, lenkt er den Wagen etwas zur Seite.
Scharfe Schwerter schneiden sehr, scharfe Zungen noch viel mehr.

Lyona

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37

Sunday, January 27th 2013, 9:21pm

Immer noch versteckt...

Sie liegt in ihrem Unterschlupf, der aussieht wie ein natürlicher Bestandteil des Waldes. Die Wände bestehend aus zerteilten Stämmen und Ästen, bedeckt mit Zweigen, Reisig und Moos, verschmelzen mit der Umgebung und der sich darauf niedergelassene Schnee lässt auch die Ahnung von einem von Menschenhand erbauten Wohnsitz inmitten der Wildnis, verblassen.

Es wird Abend um Lyona herum. Wie ein großes Tier reißt die Dunkelheit ihr Maul auf, um alles zu verschlingen. Auch am Tag lässt sie ihrer hellen Schwester kaum eine Chance, den Wald mit seinen vielen Bäumen einzunehmen, doch zu so später Stunde vertreibt sie mit ihrem nächtlich kalten Atem die Wesen des Tages und lockt jene, denen sie den Vorteil der Überlegenheit bringt aus ihren Verstecken. Mit der Nacht kommt für viele auch die Furcht und manch einer der, sich zwischen den holzigen Riesen verirrt hat, wünscht sich an einen Ort, voll selbst erschaffenen Lichts und Häusern mit Türen, vor welchen sich die Angst aussperren lässt.
Lyona liebt die Dunkelheit, denn sie ist Teil ihres Waldes und damit ihrer ganzen Welt. Sie lebt in ihr ohne Furcht und findet sich im nächtlichen Wald genauso gut zurecht wie am Tag. Die Sicht, die ihr die Schwärze nimmt, ersetzen ihre für ein Menschenmädchen ziemlich spitzen Ohren, da die nie verklingenden Geräusche der grünen Wildnis im Dunkeln um einiges lauter erscheinen. Der Schrei einer Schleiereule, das seltsam traurig klingende Heulen eines Wolfes, ein leises aber plötzliches Rascheln, verursacht durch ein aufgeschrecktes nun flüchtendes Tier.

Sie wartet während sie auf dem sich immer kälter anfühlenden Boden liegt. Auf die Schattenkatze. Es ist nur natürlich, dass sie die Nacht zum jagen nutzt, bevor sie sich zu ihr gesellt. Lyona wird auch allein zurechtkommen, ist es auch für viele Jahre. Aber sie vermisst sie trotzdem. Die Katze nimmt die Kälte von ihrem Körper mit ihrem weichen, dicken Fell, und auch mit ihrem Schnurren, dass Lyona innerlich erwärmt und zum lächeln bringt.
Außerdem vertreibt sie die Einsamkeit, die sie umklammert hält seit... Seit er weg ist, ihr Vater der Branbär, einfach verschwunden. Was ist das für ein Vater, der seine Tochter zurücklässt? Er wusste, dass sie stark ist, stark genug, um sich nicht von Hunger und Kälte besiegen zu lassen. Verziehen hat sie ihm jedoch lange Zeit nicht. Sie hat gewartet, Sommer und Winter. Und in ihrem Herzen spürt sie auch an diesem Abend die Hoffnung auf seine Wiederkehr. Dabei ist es nicht wirklich die Schuld meines Vaters. Es ist ihre Schuld! Ja, die Schuld von ihr, die wohl meine Mutter war...

Nein. Sie darf nicht an sie denken. Muss die Vergangenheit hinter sich lassen. Sie muss beginnen ihre Zukunft zu suchen. Hier! Hier ist meine Zukunft und ich lebe sie mit jedem Herzschlag. Der Wald, das Grüne, die Wildnis. Lyonas Zu Hause seit sie geboren wurde. Fast siebzehn Winter hat sie erlebt, in einigen Wochen achtzehn. Ihr ganzes Leben an diesem Ort.
Der Gedanke fortzugehen erschreckt sie, und lässt sich eine ihr unbekannte Angst in ihrem Körper ausbreiten. Warum sollte ich fortgehen? War sie doch immer glücklich in ihrem Wald, den sie auch im Winter liebt. Er ist für sie ein Ort, an dem man nicht ums Leben kämpft, sondern der es einem schenkt. Er gibt ihr Frieden, Nahrung, einen Platz, an dem sie Tränen vergießen kann – ob vor Freude oder Trauer – ohne sich dafür zu schämen. Er schenkt ihr Zeit für ein Leben voller Träume, nur gebunden an Müdigkeit und gelegentlichen Hunger. Sie braucht keine andere Welt, was gibt es, was sie glücklicher macht.
Doch Lyona ist kein ungebildetes Mädchen. Ihr Vater brachte ihr nicht nur lesen und schreiben bei, er erzählte ihr auch viel. Von den zwölf Göttern. Von großen Städten vollgestopft mit Menschen. Von fremdartigen Wesen, freundlichen, aber auch furchteinflösenden, die an Orten weit weg von ihrer kleinen Waldhöhle lebten. Sie fragte ihn einmal, ob er mit ihr den Wald verlassen würde und ihr die Welt außerhalb zeigen, solche Städte wie Talyra. In Talyra hatte er einige Zeit gelebt, das wusste sie. Er antwortete ihr: >Ja ich werde dir all das zeigen. Doch vorher musst du verstehen, was du hast und was du suchst.< Er wird es ihr nie zeigen, denn er ist verschwunden. Lyona ist sich nicht sicher, ob sie weiß, was sie hat. Sie hat eine Welt voller Glück, aber ganz ohne Leid ist ihr Leben nicht verlaufen. Sie hat Erinnerungen an Menschen, die sie, wie sie hofft, liebten. Und sie hat Fragen, so viele Fragen, auf welche sie die Antworten sucht.

Lyona schiebt sich aus ihrer kleinen Höhle, in der Hand ein kleines an vielen Stellen zerrissenes Buch. Es ist das Buch, durch dessen Worte sie lesen lernte. Eine wichtige Fähigkeit, die Welt zu verstehen, wie ihr Vater sagte. Doch was nützt es mir, wenn ich hier fort von all den ungelesenen Worten warte... Sie entfacht ein kleines Feuer, welches die Dunkelheit und Kälte zurückdrängt. Dabei fragt sie sich, wie viele Feuer zu dieser Stunde im Wald brennen und ob es noch weitere außer ihr gibt, die in die Flammen schauen und nicht wissen, wohin mit ihrem Leben.
Das Knistern der Flammen begleitet sie, während sie auf die Schattenkatze wartet. Sie ist sicher, dass sie kommen wird, auch wenn vor ihrem Unterschlupf nun ein abschreckendes Feuer prasselt. Als sie das Buch aufschlägt, fallen ein paar Seiten heraus. Nicht nur die Zeit hat es zersetzt, auch die Feuchte des Waldes hat es leiden lassen. Lyona versucht in dem blassen Lichtschein ein paar Worte der Lieder zu erkennen, die auf den zerrissenen Seiten stehen. Die meisten erzählen über die Natur, beschreiben ihr eigenes Leben. Doch andere berichten auch von blühenden Städten und Schiffsreisen an ferne Orte. Nun entdeckt sie ein Lied, welches sie als kleines Mädchen manchmal gesungen hat. Sie sang es während ihr Vater sie anlächelte und ihr über die Haare strich... Ich habe es gern gesungen. Vor Jahren... Lyona macht den Mund auf – und wieder zu. Sie räuspert sich. Es klingt so seltsam laut in der klaren Nacht. Dann versucht sie es noch einmal, und nun kommen Worte aus ihrem Mund. Worte, verbunden durch eine Melodie.

Der Wald ist ein schöner Ort, auch in den Liedern. Lyona singt von seinen atmenden Bäumen und flüsternden Winden, von Träumen anderer und ihren eigenen.
Wenn sie singt verschwindet das raue Kratzen aus ihrer Stimme. Sie haucht den Worten Leben ein und lässt sie sanft in die Welt hinaus. Lyona singt die ganze Nacht, vergisst die Kälte und den Hunger. Irgendwann spürt sie einen Körper neben sich. Weich und warm. Ihre Begleiterin, die Schattenkatze hat sie nicht vergessen. Sie hört ihr mit ihren runden, grauen Ohren zu, während sie weiter singt.
Sie sieht die Vögel des Liedes vor ihren Augen fliegen, über die Baumkronen hinweg und hinaus aus dem Wald. Der Welt entgegen. Lyona wünscht sich, ihre Augen zu haben - nein, am Besten ihre Flügel. Sie würde losfliegen in dieser Nacht, hin zu den Lichtern. Und wenn es ihr zu hell wäre wieder umkehren. Doch sie ist gebunden an die Erde, gebunden an den Wald... Bin ich das?
Plötzlich meint sie, die Lieder, die sie so oft gelesen, geflüstert oder auch gesungen hat, nun erst wirklich zu verstehen. Sie weiß, was sie tun muss, und schluckt die Angst davor herunter. Ich muss nicht fliegen können, um zu sehen, was die Vögel sehen. Ich muss mich nur aus dem Wald heraus trauen. So wie ihre Welt mit jedem Flügelschlag wächst, so kann meine mit jedem Schritt wachsen. Mit jedem Schritt in die Zukunft, in das Unbekannte. Lyona streichelt das graue Fell der Katze und lauscht ihrem Schnurren. Ihr Entschluss steht fest: Sie wird den Wald verlassen.

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Bregond

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38

Tuesday, January 29th 2013, 6:41pm

Es dürften nur einige Schritt von der Straße bis zum Lagerfeuer sein, wenn der Reisende am Feuer nicht ganz taub wäre müsste er den Fuhrwagen gehört haben. wahrscheinlich ein Bruder von Skor Vorsichtig steigt der Elb vom Kutschbock herunter, von der langen Fahrt und der schneidenden Kälte sind seine Knochen etwas steif der Boden der Straße ist rutschig und tut sein bestes um Bregond ins straucheln zu bringen. Ein Beobachter würde wahrscheinlich ein schmunzeln nicht verbergen können, der Elb selber findet das gar nicht lustig. „ Verdammt noch mal, so etwas wäre mir früher nicht passiert!“ Aus dem Wagen ist ein lautes schnarchen zu hören. Wenn Blicke töten könnten wäre der gute Knecht spätestens jetzt ins Totenreich übergewechselt. Schlecht gelaunt, kalt und hungrig bindet Bregond die Pferde an einen Baum in der nähe.

Natürlich weiß er nicht was da am Feuer auf ihn wartet, der Wald ist gefährlich genug und zu dieser Jahreszeit gab es sicherlich auch genug hungrige Tiere die sich auch einem Feuer nähern würden wenn sie Beute bekommen könnten. „ Sei Wachsam“ redet er sich selber zu, und geht einige Schritte auf den Feuerschein zu. Auch wenn er seinen alten Geflogenheiten abgeschworen hatte, versteht der Elb sich noch immer darauf sich nahezu lautlos zu bewegen. Er verschmilzt mit der Dunkelheit des Waldes, der Reisende dürfte ihn nicht sehen wenn er vorher ins Feuer geschaut hat. Sicher ist sicher, lieber schaue ich mir das ganze mal an, nicht das ich noch Räubern in die Hände falle, auf einen Kampf habe ich wirklich keine Lust heute Abend

An dem Lagerfeuer sitzt einsam ein Mann, in einen dicken Umhang gehüllt. Viel mehr kann er auch nicht von ihm erkennen, ohne seinen Standort zu verändern. Ein wiehern schreckt ihn auf, gar nicht laut aber dennoch gut hörbar und nicht von seinen Pferden kommend lässt Bregond wie einen Anfänger dastehen. Na toll, trag doch eine Glocke um den Hals, war ja wohl klar das er ein Reittier dabei hat! Gegen den Wind…..nähere dich immer gegen den Wind an einer dir unbekannten Situation an

„ BREGOND HERR BREGOOOND“ erschalt es plötzlich hinter ihm, so laut das sämtliches Leben im Umkreis von eintausend Schritt ihn hören musste. „ HERR WO SEIT IHR?“ warum nur, warum muss mir nur so etwas passieren..
Scharfe Schwerter schneiden sehr, scharfe Zungen noch viel mehr.

39

Tuesday, January 29th 2013, 9:42pm

Ein Geräusch ist von der Straße aus zu hören - irgend ein hölzernes, rumpelndes Geräusch.
Sowohl Keeshar, als auch Bancharaid horchen auf. Während der Mann nur in die Richtung des Geräusches schaut, das Auge zusammengekniffen.
Das schwarzfellige Maultier scharrt mit einer Hufe, während sich die Ohren nach vorne hinstellen.
"Kriegen wir Besuch, Bancharaid?" flüstert Keeshar, während er seine Waffe, den Rabenschnabel in die Hand nimmt und das vertraute Gewicht spürt.
Der Einäugige lächelt grimmig. Je nachdem, wie unangenehm sein Besucher sein würde, würde dieser eine ebenso unangenehme Antwort bekommen.

Keeshar hockt sich hin, die Decke um seine Schultern geschlungen, den Rabenschnabel in der einen, ein Messer in der anderen Hand - und dann wartet er, auf seine Umgebung lauschend.
Es ist ruhig, das Knistern des Feuers ist leise zu hören, dazu die typischen Geräusche der Nacht.
Eigentlich, so könnte man meinen, eine friedliche Nacht.
Trotzdem stellen sich dem Einäugigen die Nackenhaare auf - irgendetwas stimmt hier nicht. Und das macht Keeshar schon etwas nervös.
Dann schreit das Maultier, stößt einen einem Esel recht ähnlich klingendes Geräusch aus.
Ah, der Kerl ist gut! denkt der Einäugige, greift die Waffe noch fester.

Doch dann dringt ein weiteres Geräusch durch die bisherige Stille der Nacht.
> BREGOND, HERR BREGOOOND! HERR WO SEIT IHR?<
Keeshar weiß nicht, ob er Lachen oder Weinen soll. Immerhin weiß er jetzt, dass es sich nicht um irgendwelche Räuber handelt - und wenn doch sind die doof genug, dass sie für ihn persönlich keine allzugroße Gefahr darstellen.
Bancharaid hingegen wiehert leise, schnaubt und scharrt mit den Hufen. Keeshar zuckt mit den Schultern, steckt das Messer ein, lässt den Rabenschnabel aber gut sichtbar liegen.
Dann steht er auf und geht zu seinem Reittier, um ihm dem Tier über die Nüstern zu streicheln.
Nicht, dass die Stute beruhigt werden müsste. Wie viele Maultiere ist sie recht ruhig und fast so stur - oder sollte man eher unerschrocken sagen? - wie ein Esel. Die Stute war eher vorsichtig-neugierig, wer da so laut geschrieen hat, oder was sich da gerade anschlich.

"Maester Bregond.", beginnt Keeshar mit etwas lauterer Stimme zu sprechen. "Maester Bregond, es ist unhöflich, sich an Reisende anzuschleichen. Außerdem kann das ganze auch gefährlich enden. Wenn Ihr also kein Räuber seid - davon gehe ich nicht aus - dann zeigt euch, und lasst euer Versteckspiel sein. Wenn ihr euch nicht zeigen wollt, dann geht wieder und lasst mich alleine."
Noch einmal streichelt Keeshar seinem Reittier über die Nüstern, dann dreht er sich um und geht zurück zum Feuer. Äußerlich sieht er relativ entspannt aus - innerlich ist er bereit, auf einen möglichen Angriff zu reagieren.

Bregond

Herr Bergland

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40

Wednesday, January 30th 2013, 12:15pm

Die Katze ist aus dem Sack, alle Vorsichtsmassnahmen umsonst. Der Mann am Feuer tut nicht einmal so als wäre er Erschrocken. In aller Ruhe steht er auf und geht zu seinem Maultier um beruhigend auf das Tier einzureden, aber selbst das ist scheinbar nicht nötig. Hinter sich hört er Skor auf der Straße, dieser Dummkopf, warum musste er ausgerechnet jetzt wach werden und dann auch noch rumschreien wie ein kleines Kind. Erst jetzt dreht der Mann sich in seine Richtung und Bregond lässt seine Hand zum Dolchgriff an seiner Seite wandern. Das äußere des Mannes ist nicht gerade vertrauenswürdig, auf der Straße und auf den ersten Blick hätte er ihn für einen Bettler gehalten, so heruntergekommen und ungepflegt ist sein äußeres. lass dich nicht von Äußerlichkeiten leiten Kurz überlegt er ob er sich nicht zurückziehen soll, der Mann sieht gefährlich aus. Nun gut das war er auch, als er dann von ihm angesprochen straft der Elb die Schultern, steht auf und tritt in den Schein des Lagerfeuers. Mit der linken Hand streift er seine Kapuze ab und versucht sich an einem freundlichen, fast entschuldigendem lächeln. „ Nichts für ungut“ beginnt Bregond langsam das Gespräch „ Ich…beziehungsweise wir“ sagt er mit einem Fingerzeig in Richtung des Pferdegespanns auf der Straße, von wo aus Skor immer noch laut und deutlich zu hören ist. „ wollten euch nicht erschrecken, wir sahen euer Feuer und ihr werdet sicherlich verstehen das ich erstmal schauen wollte wer den in der Nacht hier sein Lager aufschlägt. Nun da ich sehe“ sagt er jetzt mit einem breiterem lächeln „ das ihr ein Ehrenwerter Reisender seit, würde ich gerne mit meinem vorlauten Knecht euch etwas Gesellschaft leisen.“ Kurz zuckt er mit den Achseln. „ Vielleicht mögt ihr mir den neusten Klatsch und Tratsch aus Talyra erzählen, wir müssten noch ein kleines Fässchen Wein aus den Ostlanden dabei haben.“ Kurz hält er inne um Luft zu holen und schaut sein Gegenüber an der muss mich für selten dämlich halten

„ Verzeiht guter Herr, ich rede und rede und lass euch gar nicht zu Wort kommen. Durch meinen Begleiter kennt ihr meinen Namen, vielleicht wollt ihr euch auch vorstellen, nicht das ich darauf bestehe, nur wäre es einfacher sich zu unterhalten, meint ihr nicht auch? Und wieder schwätze ich wie ein Waschweib ohne unterlass, es tut nur so gut mal wieder ein zivilisiertes Gesicht zu sehen, außer meinem Knecht habe ich die letzten Tage nur auf die Hintern der Kutschpferde gestarrt, was bei den Göttern nicht gerade der Traum meiner schlaflosen Nächte ist.“ ob er mir den naiven Idioten abnimmt?
Während er so vor sich hinredet geht der Elb noch einen Schritt auf das Lager zu, bleibt mit dem Fuß an einem unter der Schneedecke verborgenen Ast hängen. Zwar versucht er sich noch zu fangen, was aber nur dazu beiträgt ihn noch lächerlicher Aussehen erscheinen lässt um dann dennoch der Länge nach in den Schnee zu fallen. Na jetzt bestimmt…..
Scharfe Schwerter schneiden sehr, scharfe Zungen noch viel mehr.

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Lyona

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41

Wednesday, January 30th 2013, 3:16pm

Der Wald lichtet sich

Sie schauen sich an. Gelbe Augen, in denen Verwegenheit und leichte Ungeduld leuchten, blicken in grau-blaue Augen, welche einem Regentag gleichen und nicht viel preisgeben, aber die Trauer über den nahenden Abschied nicht ganz verbergen können. Die Schattenkatze wird sie nicht vermissen. Zurück zwischen die Bäume, heißt es für sie. Die Unsicherheit der nahe liegenden Wege mit ihrem Duft nach Menschen, Elben, Zwergen oder anderen unberechenbaren Zweibeinern verlassen. Bis sich der Wald lichtet, ist sie der jungen Frau gefolgt, deren Duft für sie – im Gegensatz zu anderen ihrer Gattung – noch immer Vertrauen verströmt. Doch in anderen Dingen unterscheidet sie sich nicht von ihren Verwandten. Sie verlässt den Wald in der Hoffnung, ihr Glück in der Stadt zu finden und begibt sich mitten im Winter auf eine Reise ins Unbekannte. Vielleicht ist sie schlauer als ich. Sie ist glücklich mit ihrem jetzigen Leben und sehnt sich nicht nach fernen Welten, denkt Lyona und zwingt sich endlich die Hand aus dem grauen, weichen Fell zu nehmen, der Schattenkatze ein leises „Pass auf dich auf“ zuzuflüstern und sich der Straße zuzuwenden. Ein letztes Mal streicht ihr ihre vierbeinige Freundin um die Beine, dann ist sie schon verschwunden, verschluckt von der Dunkelheit der Bäume, die Lyonas Heimat war.

Bei jedem Schritt schlägt ihr der Lederbeutel gegen die schon durchgefrorenen Beine, welchen sie an den schweren Gürtel gebunden hat, der so unpassend über ihrem Kleid wirkt. Er hat ihrem Vater gehört, ebenso wie das kleine Buch, welches er enthält. An dem Gürtel steckt außerdem ein nicht allzu großes aber scharfes Messer – ebenfalls eines der Dinge, die sie fand, als sie einsam und verlassen in ihrer Höhle erwachte. Lyona trägt ihren ganzen Besitz am Körper, doch trotz der verschiedenen Kleiderschichten – ein Leinen- und ein Wollkleid, außerdem ein kürzlich „erworbener“ wollener Umhang –, fühlt sich die Kälte unerträglicher als sonst an. Sie wird genährt durch die Einsamkeit und Furcht, die sich in ihr breitmacht. Ihre Schuhe wiesen schon Löcher auf, bevor sie loszog, doch sie fürchtet, dass sie ihr ganz von den Füßen fallen, bevor sie ihr Ziel erreicht, denn nun werden ihre schmerzenden Füße nicht von weichem Waldboden getragen, sondern von einer harten Straße, über die vor ihr unzählige Fuhrwerke gerollt und Stiefel gestapft sind. Was ist ihr Ziel? Nach Talyra möchte sie, der einzigen Stadt, deren Namen sie kennt. So richtig weiß sie selbst nicht, was sie dort zu finden hofft, nur dass ihr Vater einige Jahre dort lebte, von denen er stets mit einem Leuchten in den Augen erzählte. Nach Süden heißt es nun, nach Süden in Richtung einer Stadt voller Licht und den verschiedensten Völkern beherbergt von unzähligen Häusern.
Niemand begegnet ihr während sie dem gleichmäßigen Trommeln ihrer Schritten auf der Handelsstraße lauscht. Sie ist sich nicht sicher, ob sie sich Gesellschaft wünscht oder sogar froh darüber ist, noch eine Weile für sich zu sein. Sie möchte es vor sich selbst nicht zugeben, aber sie hat Angst. Angst vor ihrem Ziel, der ihr völlig fremden Welt und dem Leben, dem sie sich wird anpassen müssen.

Da ist sie wieder die Dunkelheit, die von der nahenden Nacht über Roha getragen wird. Sie verschluckt nicht nur den Weg vor ihr, sondern empfängt sie auch mit einer Vertrautheit, die sie vergessen lässt, dass sie weit weg von ihrem alten Unterschlupf in den Tiefen des Waldes ist. Vielleicht findet sie einen geeigneten Platz etwas entfernt der Straße, um ein wärmendes Feuer zu entfachen und sich in der Nacht vor der Kälte verkriechen zu können. Und wenn sie Glück hat, sucht ein nicht ganz so scheuer pelziger Bewohner des Waldes ihre Gesellschaft.
Lyona ist in Gedanken versunken und beginnt zu summen, fügt ihre Stimme zu den Geräuschen der Nacht, als sie einen lauten Ruf hört. So plötzlich in der doch ruhigen Dunkelheit. Für einen Herzschlag erstarrt sie, in Gedanken ebenso wie mit ihrem Körper. Eine menschliche Stimme ruft nicht weit von ihr, und Lyona vermutet, dass nach jemandem gesucht wird. >Wo seit Ihr?<, meint sie zu verstehen und vielleicht noch einen Namen. >Regond< oder so ähnlich. Der rufende wird vor mir auf der Straße sein. Sie beginnt ihre Schritte zu beschleunigen, auch wenn ihre Füße einer Erholung bedürfen.
Lyona ist so müde, dass sie erst noch einige Schritte weiterläuft, bevor es ihr bewusst wird. Eine Wagenspur am Boden, frischer als die anderen. Es sieht aus, als wäre das Fahrzeug über eine gefrorene Erhebung im Boden gerumpelt, die Vertiefung ist deutlich zu sehen und sie ist nicht geforen. Die Fahrspuren jenes Wagens führen nun von der Straße hinunter an den Rand der Bäume. Hier ist also jemand. Kurz beschleicht sie eine lähmende Angst. Es ist dunkel und sie ist allein... Doch sie glaubt nicht wirklich, dass Räuber oder andere böse Gesinnte die Verursacher der Spuren sind. Niemand halbwegs gescheites würde so einen Lärm machen, wenn er sich im Verborgenen halten will. Nein, sie ist sogar sehr neugierig darauf, den Rufer auszumachen. Sie wendet sich nun auch ab von der Straße und erblickt einen hölzernen Wagen, vor den zwei Kaltblüter gespannt sind, welche hoffnungsvoll mit ihren Mäulern den frostigen Boden nach einem Flecken Gras absuchen. Niemand sonst ist weit und breit zu sehen, auch der Wagen ist leer. Sicher haben sich die Reisenden einen Platz für die Nacht gesucht. Falls sie diesen „Regond“ gefunden haben. Aufmerksam mustert sie ihre von Sträuchern umrahmte Umgebung und lauscht in die Dunkelheit. Da – ein Lichtschein zwischen all dem mit Weiß überzogenem Grün. Und wenn sie sich nicht täuscht, vernimmt sie auch Stimmen.
Lyona hat gelernt ihre Füße so sanft und leise zu setzen, wie ein vierbeiniger Jäger des Waldes. Vorsichtig nährt sie sich dem Licht, der hellen Farbe im dunkeln. Sie hofft auf ein paar ehrliche Leute zu treffen, die nicht gleich eine hilflose Reisende überfallen und mit ihr vielleicht die Wärme des Feuers teilen. Wobei weder ehrlich noch hilflos wirklich auf Lyona zutrifft.

This post has been edited 1 times, last edit by "Lyona" (Jan 30th 2013, 5:14pm)


42

Wednesday, January 30th 2013, 4:52pm

Als der Einäugige sieht, wer - oder im ersten Moment auch, was - da aus dem Schatten des Waldes tritt, kann er nicht anders, er spuckt erst einmal auf den Boden aus.
Ein Elb, wie es scheint. Der dunkelste, den Keeshar jemals gesehen hat - und er hat einige Erfahrungen mit den Spitzohren gesammelt, während der Reisen die er gemacht hat.
Vielleicht ein Bastard? Vielleicht ein Nandé-Spitzohr-Mischling? Fast könnte man meinen, dass die Haut des Spitzohrs dunkel wie Kohle ist. Die passenden Brandnarben hat er ja auch in der Fresse... Die Brandnarben die die linke Gesichtshälfte zieren sind alt, vergleichsweise gut verheilt. Der Kerl kann immerhin normal sprechen, bei solchen Verbrennungen im Gesicht war es schonmal möglich, dass die Narben einen Mann beim Reden stören konnten.
Keeshar mustert den Fremden, der sogleich mit dem Reden beginnt.
> Nichts für ungut. Ich…beziehungsweise wir wollten euch nicht erschrecken, wir sahen euer Feuer und ihr werdet sicherlich verstehen das ich erstmal schauen wollte wer den in der Nacht hier sein Lager aufschlägt. Nun da ich sehe das ihr ein Ehrenwerter Reisender seit, würde ich gerne mit meinem vorlauten Knecht euch etwas Gesellschaft leisten.<
Ehrenwerter Reisender? Keeshar stößt einen Ton aus, der einem halb unterdrückten Lachen, halb einem Hustenanfall gleichkommt.
Der Kerl macht doch Witze, wenn jemand absolut nicht wie ein "ehrenwerter Reisender" aussieht, dann doch er, Keeshar.
Aber der Elb spricht weiter wie ein Wasserfall, ohne irgendeine Pause.

> Vielleicht mögt ihr mir den neusten Klatsch und Tratsch aus Talyra erzählen, wir müssten noch ein kleines Fässchen Wein aus den Ostlanden dabei haben.
Verzeiht guter Herr, ich rede und rede und lass euch gar nicht zu Wort kommen. Durch meinen Begleiter kennt ihr meinen Namen, vielleicht wollt ihr euch auch vorstellen, nicht das ich darauf bestehe, nur wäre es einfacher sich zu unterhalten, meint ihr nicht auch? Und wieder schwätze ich wie ein Waschweib ohne unterlass, es tut nur so gut mal wieder ein zivilisiertes Gesicht zu sehen, außer meinem Knecht habe ich die letzten Tage nur auf die Hintern der Kutschpferde gestarrt, was bei den Göttern nicht gerade der Traum meiner schlaflosen Nächte ist.<
Schon will Keeshar antworten, mit dem üblichen Knurren in der Stimme, als das Spitzohr einen Schritt nach vorne geht - und sich an irgendetwas auf dem Boden verfängt und mit der Eleganz eines fallenden Baumes auf das Gesicht fällt.
Keeshar schüttelt den Kopf.
Dieser Elb ist wahrhaftig ein komisches Bürschchen.
Keeshar dreht sich um, lässt den dunklen Elb erst einmal im Schnee liegen und legt stattdessen einen weiteren trockenen Ast auf das Feuer.
"Mein Name ist Cagar. Und von mir aus könnt ihr und euer Reisegefährte gerne an das Feuer kommen. Gegen einen Schluck Ostlandwein hab ich nichts, aber leider kann ich euch außer einigen Geschichten aus Talyra nichts weiteres bieten. Ich hatte nur Proviant für mich dabei, und der ist ehrlich gesagt schon verspeist worden."
Das ewige Knurren in Keeshars Stimme ist deutlich zu hören. Nicht sonderlich laut, aber doch deutlich zu vernehmen.
"Kutschpferde, hm? ich nehme mal an, dann habt ihr auch einen Wagen dabei? Ihr solltet gut auf den aufpassen und in der Nacht eine Wache aufstellen, hier im Wald treibt sich Gesindel herum, dass nicht so... ehrenwert... sind wie ich."

Keeshar schaut sich um. Das Gefühl in seinem Nacken, das ihm eine Gänsehaut verursacht hat, ist immer noch da. Sicherlich liegt das daran, dass der Begleiter dieses dunklen Elben nicht in Reich- und Sichtweite ist. Dann hockt er sich ans Feuer, um seine Finger etwas aufzuwärmen.

Lyona

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43

Wednesday, January 30th 2013, 9:14pm

Die Kaltblüter schenkten ihr nicht viel Aufmerksamkeit, als Lyona sich an ihnen vorbeischob. Nun kauert sie wie ein Tier, das seiner Beute auflauert hinter einem Busch, allerdings hegt sie keine räuberischen Absichten, sondern möchte lediglich ihre baldige Bekanntschaft beobachten, bevor sie sich zeigt. Natürlich bleibt sie nicht unbemerkt. Ein Maultier, halb Pferd, halb Esel mit schwarzem Fell steht witternd nahe des Feuers. Es schaut sie aufmerksam an, bleibt aber ruhig, während sie versucht, nicht gefährlich zu wirken. Sie erkennt in ihm bald ein ruhiges und ausgeglichenes Wesen, welches sich nicht leicht erschrecken lässt.
Nun wendet sie sich den drei um das Feuer versammelten Gestalten zu. Es scheinen alles Männer zu sein, nach ihren Stimmen zu urteilen. Einige ihrer Worte schnappt sie auf: >...einigen Geschichten aus Talyra nichts weiteres bieten. Ich hatte nur Proviant für mich dabei, und der ist ehrlich gesagt schon verspeist worden.< Eine knurrige Stimme. Unberechenbar. Ein unheimliches Gefühl befällt sie. Vor wilden Tieren, ob fauchend oder knurrend, fürchtet sich Lyona nicht. Aber dieses Wesen – Ist es ein Mensch? – welches am Feuer sitzt lässt sie vorsichtig werden. Ein Bär, ja der Mann hat etwas von einem Bären. Aber von keinem sanften wie ihr Vater, sondern von einem bedrohlichen, wilden Tier. Sie ordnet seine Stimme einer in einen an manchen Stellen geflickten Umhang gehüllten Gestalt zu, welche die Hände über dem Feuer wärmt. Der Verursacher des Lärmes ist das nicht. Und auch bestimmt nicht der Gesuchte. Da er den anderen von seinem Proviant erzählt, scheinen sie sich selbst noch nicht lange zu kennen. Irgendwie beruhigend. Aus Talyra stammt er wie es scheint und innerlich spürt Lyona Belustigung in sich aufsteigen. Da dachte ich, in Talyra muss ich mich dem gesitteten, ehrlichen Leben anpassen. Das bedrohliche Gefühl bleibt während sie die nebenstehende Person mustert.
Eine ebenso dunkle Gestalt, aber das liegt nicht nur an ihrer Kleidung, sondern auch an ihrer Haut. Sie hat noch nie eine Person mit fast kohlefarbener Haut gesehen. Auch sonst wirkt sie fremd, nicht wie ein Mensch. Aber doch irgendwie bekannt. Lyona muss an die Lieder und Geschichten ihres Vaters denken. Der schlanke Körper. Sind die verdeckten Ohren vielleicht spitz? Er ist der erste Elb, den sie in ihrem Leben sieht. Irgendwie erinnert er mich an...Nein! Sie war nicht... Ihr Vater erzählte ihr nie, woher sie kam, aber Lyona kommt ein Verdacht. Ein Verdacht, der ein Stück ihrer verlorenen Vergangenheit aufdeckt. Die Stimme des Elbs ist ebenfalls nicht die des Rufers - vielleicht die des Gesuchten, die von "Regond"? - also muss es die der dritten Person sein.
Ein wenig abseits von den anderen steht ein offenbar jüngerer Mann. Der sieht wenigstens nach einem normalen Mensch aus. Er scheint gerade erst dazugestoßen zu sein und wirkt ein wenig verloren. Ihm vertraut sie am ehesten, was daran liegen kann, dass seine unbedachte, lautstarke Stimme sie anlockte, welche sicher nicht zu einem Bösewicht gehört.

Nun wird es aber mal Zeit, dass ich mich zeige. Lyona fragt sich plötzlich, wie sie wohl erscheinen mag. Nicht wirklich saubere Sachen. Zum Glück trage ich den neuen Umhang. Ohne Gepäck, nicht mal in Begleitung eines Reittieres. Durchgefroren, halb verhungert. Die Haare hat sie sich geflochten, um nicht ganz so verwahrlost zu wirken. Ihre nicht wirklich runden Ohren sind dadurch deutlich zu sehen. Ich hab mir noch nie Gedanken über mein Aussehen gemacht! Also los.
Es klingt unerwartet laut, als sie mit voller Absicht auf einen trockenen Ast tritt. Mit schnellen Schritten verlässt sie die Deckung der Sträucher. Dann steht sie da, inmitten der drei Gestalten. Ein Elb, ein Mensch und eine menschenähnliche, knurrende Person. Und was bin ich?, fragt sie sich während sie versucht einen sicheren Eindruck zu geben. Sie räuspert sich. Mit ihrer durch ihre seltene Gesprächigkeit rauen, etwas kratzigen Stimme sagt sie: „Guten Abend, ich hoffe, ich störe nicht.“ Sie versucht den Versammelten in die Augen zu schauen, doch sie halten sich verdeckt. Das Messer im Gürtel wissend und die Beine bereit wegzurennen wartet sie. Was soll sie auch sonst sagen. Worte lehren. Und Worte verraten.

Bregond

Herr Bergland

Posts: 301

Occupation: Silberschmied

Location: Der Turm des Verrückten

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44

Wednesday, January 30th 2013, 10:06pm

So war das nicht geplant, ganz und gar nicht geplant. Der Boden ist kalt und nun ist er auch noch zu allem Überfluss Nass ein zustand der nicht gerade dazu beiträgt seine Laune zu verbessern . Innerlich verflucht sich der Elb für seine ungeschickten Füße, natürlich lässt er sich das nicht anmerken. Nun hatte er begonnen und jetzt wollte er seine Rolle auch weiter spielen. Umständlich steht er auf und klopft sich den Schnee aus der Kleidung, wobei er mehr mit den Armen fuchtelt als Notwendig ist. “ Herr Cagar richtig nicht wahr?” vorsichtig tritt er näher ans Feuer heran und somit auch an den Reisenden vor ihm. Sein Blick fällt auf den Rabenschnabel und unmerklich hebt er eine Augenbraue um seine Verwunderung oder auch Überraschung auszudrücken. Er hatte so ähnliche Waffen schon gesehen, mit der Spitze konnte man die schwersten Rüstungen durchschlagen und widerliche Wunden verursachen, sein Gegenüber sieht auch kräftig genug aus um sie effektvoll führen zu können. “ Nun in meinem Wagen sollte noch genug zu Essen sein, das ich gerne mit euch teilen möchte. Meinen Begleiter habt ihr ja schon gehört, er ist auch wenn ich nicht zugeben mag ein besserer Koch als ich es bin.” In diesem Augenblick tritt Skor in den Schein des Lagerfeuers, sein Gesicht zeigt eine Mischung aus verschlafendem Hund und misstrauischer Katze in der rechten hält er einen unterarmlangen Knüppel. “ Herr Bregond, warum habt ihr mich nicht geweckt wenn ihr ein Lager aufschlagen wollt? Geht einfach so weg und lasst euren treuen Begleiter alleine…” scheinbar will er noch mehr jammern, doch Bregond lässt ihn mit einer Geste verstummen. “ Hier ist alles in Ordnung, der nette Herr Cagar hat uns eingeladen an seinem Lagerfeuer Platz zu nehmen, geh und kümmere dich um den Wagen und die Pferde, danach komm wieder und bringe etwas gutes von den Vorräten mit, sowie das kleine Fässchen Wein aus deiner Heimat. Ja schau nicht so ich weiß das du noch welchen vor mir versteckt hast.” Kurz stutz Skor, wirft noch einen Blick auf den Mann am Feuer und geht dann schweigend zum Fuhrwagen zurück. ein guter Kerl, auch wenn er etwas schwerfällig ist wenn es ums denken geht.
“ mir ist nicht entgangen das ihr etwas überrascht von meinem äußeren gewesen seit Cagar “ spricht er weiter ohne noch auf Skor zu achten. Mit zwei weiteren Schritten die unüberlegt und leichtfüßiger sind als er es beabsichtig hatte ist er am Feuer und hält seine Hände über die Flammen um sich zu wärmen. Licht und Schatten vermischen sich auf seinem Gesicht und lassen es verzerrter ja fast grotesker wirken als es in Wirklichkeit ist. “ Ich hoffe das ich euch nicht allzu erschreckt habe durch mein plötzliches Auftauchen. Über einige Geschichten aus Talyra würde ich mich freuen, es ist vier Jahre her, das ich hier war. Ich, nein wir” damit deutet er hinter sich Richtung Wagen und Skor “ sind schon länger unterwegs und können uns mit so mancher Geschichte aus den Nord und Ostlanden unterhalten. Schließlich müssen wir uns ja für eure Gastfreundschaft erkenntlich zeigen, nicht wahr Cagar!?” Immer noch schaut er nicht zu dem Mann mit der Augenbinde, sondern blickt gelassen ins Feuer.
Kurze Zeit später kommt Skor schnaubend zurück, zwei große Ledertaschen die mit feinem Silber beschlagen sind und einen offenen Rucksack tragend. “ Ich werde beim Wagen und den Pferden bleiben Herr. Die Bäume stehen zu dicht um ihn näher heran zu bringen. In den Taschen findet ihr Essen und im Rucksack ist das Fässchen Wein, ihr wisst ja das ich nicht mehr trinke seit damals” wieder unterbricht ihn der Elb mit einer Handbewegung. “ Skors Augen blitzen kurz auf, aber dann nickt er und verlässt schweigen den Lagerplatz.
Kurze Zeit später sitzt Bregond am Feuer und scheidet mit einem Jagdmesser eine Scheibe Käse ab um sie dann auf einen Stock zu spießen auf dem schon eine Scheibe Brot steckt, danach macht er sich daran einen zweiten Spieß vor zu breiten. “ Erzählt doch mal guter Mann, wer hat den das sagen in Talyra?” fragt er fast beiläufig “ Wem muss man gefällig sein wenn man etwas erreichen möchte und ich meine nicht den Rat der Stadt.” er hätte genauso gut übers Wetter reden können, so emotionslos trägt er seine Frage vor. Lächelnd lässt er Wein in zwei Holzbecher laufen die ebenfalls mit feinen silberranken verziert sind und reicht dem einäugigen einen der Becher.

Bevor er in nehmen kann erscheint Skor noch einmal am Lagerplatz. “ Herr Bregond “ beginnt er und der Elb steht auf, er hatte ihm doch klar gemacht das er beim Wagen bleiben sollte.
KNACKS ertönt von der Seite und eine wie aus alten Legenden so unerwartet steht eine Frau oder eher ein junges verdrecktes Mädchen vor ihnen, ein Messer im Gürtel und breit wie ein junges Reh sofort wieder im Wald zu verschwinden “ Guten Abend, ich hoffe ich störe nicht?” fragt sie mit leicht zitternder Stimme. Bregond, immer noch beide Becher in den Händen haltend schaut zuerst sie, dann den Reisenden und zuletzt Skor an.
Scharfe Schwerter schneiden sehr, scharfe Zungen noch viel mehr.

45

Thursday, January 31st 2013, 3:23pm

Der Kerl beginnt zu nerven.
Der Elb plappert weiter wie ein Wasserfall, fuchtelt nervös herum, und lädt ihn noch dazu ein nicht nur Wein mit ihm zu teilen, sondern auch noch Proviant.
Dann tritt der Begleiter dieses Bregond an das Feuer, ein junger Bursche mit einem Knüppel in der Hand.
>Herr Bregond, warum habt ihr mich nicht geweckt wenn ihr ein Lager aufschlagen wollt? Geht einfach so weg und lasst euren treuen Begleiter alleine…<
Wasn Jammerlappen. denkt Keeshar mit erhobener Augenbraue, aber eine Geste von dem Elb lässt den Burschen verstummen. Vielleicht sollte ich das bei dem Feuerkuschler auch mal ausprobieren?
Bregond spricht weiter zu dem Handlanger, sagt dem Burschen was zu tun ist, und der gehorcht.
>Ich hoffe das ich euch nicht allzu erschreckt habe durch mein plötzliches Auftauchen. Über einige Geschichten aus Talyra würde ich mich freuen, es ist vier Jahre her, das ich hier war. Ich, nein wir sind schon länger unterwegs und können uns mit so mancher Geschichte aus den Nord und Ostlanden unterhalten. Schließlich müssen wir uns ja für eure Gastfreundschaft erkenntlich zeigen, nicht wahr Cagar!?<

"Ihr habt mich nicht erschreckt, Herr Bregond. Allerdings solltet Ihr aufpassen, nicht jeder hier in den Wäldern ist so... zivilisiert und freundlich wie ich." Die Ironie trieft praktisch nur aus diesen Worten, aber bevor Keeshar oder Bregond noch etwas dazu sagen können, kommt Skor der Handlanger vorbei und bringt den gewünschten Proviant in mit silber beschlagenen Taschen vorbei.
>..... im Rucksack ist das Fässchen Wein, ihr wisst ja das ich nicht mehr trinke seit damals....< Wieder werden die Worte des jungen Manns unterbrochen, und Keeshar bekommt langsam ein Bild von diesem Gespann.
Bregond, der soviel redet und nervös herumgestikuliert, achtet genau darauf was sein Begleiter erzählt. Keeshar blickt noch einmal auf die Waffe des Elb, einen fein gearbeiteten Langdolch.
Eine hübsche Arbeit, vorallem die feine, silberne Rose. Die Silberarbeiten an der Tasche waren ähnlich fein gearbeitet.
Nicht gerade billig. Keeshar setzt das Gesehene und Gehörte weiter zusamemn. Seid vier Jahren unterwegs. Alleine, keine Söldner als Begleiter. Nur mit einem Langdolch bewaffnet. Kann sich anschleichen, das Spitzohr. Um mit so einer Waffe, und so einem Begleiter so lange auf der Straße unbeschadet zu überleben, braucht es schon einiges.
Kurz denkt Keeshar auch über den jungen Burschen nach, der dem Alkohol wohl irgendwann einmal etwas zu stark zugewandt war, aber dann spricht das Spitzohr weiter.
>Erzählt doch mal guter Mann, wer hat den das sagen in Talyra? Wem muss man gefällig sein wenn man etwas erreichen möchte und ich meine nicht den Rat der Stadt.<
Keeshar seufzt, während er den Becher mit dem Wein in die Hand nehmen will. Als wenn sich in Talyra soviel verändert hat...

Der Gehilfe kommt noch einmal dazu, beginnt zu reden, Bregond steht sofort auf um seinen Gehilfen zurecht zu weisen...
und dann ertönt ein lautes Knacken im Wald.
Keeshar springt praktisch auf, legt die Hand an seinen Dolch.
Ein Mädchen tritt aus dem Wald.
>Guten Abend, ich hoffe, ich störe nicht.<
Keeshar ist angespannt. Was soll das Ganze? Ein Angriff war das doch nicht? Das Mädel sieht von der Körperhaltung eher aus, als würde sie jeden Moment wegrennen wollen, als wäre sie überrascht worden.
Sowohl der Elb, als auch der menschliche Begleiter sehen nicht so aus, als wenn sie gewusst hätten, dass das Mädel irgendwo im Unterholz lauert.
Wie konnte sie sich so leise anschleichen?
Das Mädel - nein, eher eine junge Frau - sieht verloren aus. Die Kleidung - zwei Kleider, soweit Keeshar erkennt, und ein Umhang aus einem Wollstoff - scheinen absolut zu dünn für das aktuelle Wetter zu sein, auch die Schuhe wirken unpassend, zerlaufen, verrottet.
Die junge Frau erinnert Keeshar stark an einige der Huren in der Unterstadt, die nichts als die Kleidung an ihrem Leib hatten und nur das schlimmste erwarteten.

"Mädel, was suchst du hier draußen bei dem Wetter alleine im Wald?" hört Keeshar sich selber sprechen, vergleichsweise ruhig, das Knurren in seiner Stimme ist fast verschwunden.
Der Beschützerinstinkt, den Keeshar bei den meisten bedürftigen Frauen hat, schlägt bei der jungen, blondhaarigen Frau gerade voll zu.
Am liebsten würde er dieser Besucherin seinen eigenen Mantel umlegen, aber da sprechen Keeshars Menschenkenntnisse und Instinkte dagegen.
Er ist sich sicher, wenn er JETZT einfach so auf die junge Frau zugeht, wäre sie sehr schnell wieder im Wald verschwunden.

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