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Niniane

Administrator

  • "Niniane" started this thread

Posts: 4,089

Occupation: Protektorin des Larisgrüns

Location: Talyra

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1

Tuesday, May 6th 2014, 11:18pm

Der Felsenkessel

Ein gutes Stück oberhalb Talyras, nördlich des Trollbaches zwischen dem Fischerdorf Forgan und dem altehrwürdigen Marktflecken Findronach, wird die Küste des Ildorel schroffer und steiler, als näher an der großen Handelsstadt. Während rund um Talyra sandige Dünen, nahe ans Wasser heranreichende Wälder und ausgedehnte, schneeweiße Strände zwischen einzelnen, hochaufragenden Findlingen das Seeufer prägen, bestimmen hier oben wild zerklüftete, von Felsen halb verborgene und durch hohe Klippen unzugänglich wirkende Buchten das Bild der Küstenlandschaft. Ein der Allgemeinheit kaum bekannter, in Schmugglerkreisen jedoch sehr geschätzter Ort ist eben eine jener Buchten, geformt wie eine bauchige Amphore mit einem schmalen Hals und einem lang gezogenen Ausguss.

Vom See her ist die Bucht kaum als solche auszumachen, denn vier hohe, verwitterte Felsen, die an abgebrochene Zähne oder ruinöse Türme erinnern, ragen neben- und hintereinander versetzt aus dem glasklaren, smaragdgrünen und türkisblauen, Wasser, so dass weder vom Ildorel aus das Ufer, noch vom Ufer aus der offene See eingesehen werden kann. Ein breiter Sandstrand säumt die Küste am Grund der Bucht, umgeben von hoch aufragenden Klippen und hier und dort unterbrochen von bizarren Felsengruppen - als hätte die Hand eines ungeduldigen Riesenkindes gigantische Steinquader wie Bauklötze aufgetürmt. Die Felswände, welche die kesselförmige Bucht im Norden, Westen und Süden umgeben wie die Tribünen eines gigantischen steinernen Amphitheaters ragen steil und an manchen Stellen fast lotrecht in die Höhe – eine Klippenlandschaft aus rotgelbem Stein, sicher zwanzig Schritt hoch, mit Felsformationen, Tunneln und Toren oder verwitternden Bögen, die in den Ildorel ragen.

Nur zwei schmale Pfade führen von den Klippen in die Bucht hinab, einer im Norden, einer im Westen. Im Süden gibt es auch die wenig Vertrauen erweckenden Überreste einer uralten, hölzernen Treppe und eines Steges, doch das Holz sieht derart morsch und verwittert aus, dass man ihm noch nicht einmal mehr das Halten des Gewichts einer Fliege zutrauen würde, geschweige denn das des eines Menschen. Aufgrund ihrer charakteristischen Form wird die Bucht von den Fischern Forgans und den Jägern Findronachs schlicht der 'Felsenkessel' genannt – die Schmuggler nennen dieses ihnen wohl bekannte und gern besuchte Versteck jedoch schlicht 'die hohle Hand' oder auch nur die Hand.
Me? I'm dishonest. And a dishonest man you can always trust to be dishonest. Honestly. It's the honest ones you have to watch out for, 'cause you can never predict when they're going to do something incredibly… stupid.

Olyvar

Stadtbewohner

Posts: 163

Occupation: Lord Commander

Location: Steinfaust

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2

Tuesday, May 6th 2014, 11:21pm

Irgendwann Ende Taumond

An einem Tag Ende Taumond hat sich die sonst so verlassen und vergessen da liegende Bucht "Hohle Hand" mit ihrer bizarren Felsenlandschaft und den dazwischen geschmiegten Abschnitten weißer Sandstrände in einen geschäftigen Hafen und – wie es scheint – in so etwas wie einen bunten Jahrmarkt verwandelt. Ein Schiff liegt nahe des Ufers vor Anker, und über wacklige Plankenkonstruktionen und die nackten Rücken leichtbekleideter, unter schweren Lasten gebeugter Träger, werden verschnürte Warenbündel entladen: bauchige Amphoren, Stoffballen, geflochtene Körbe voller Morhang, Moltakis und Khif, Seidenteppiche, Hamadat und Krüge mit Steinöl… allesamt Schmuggelgut, das ein Zollsiegel oder eine Hafenmeisterei noch nicht einmal von Weitem gesehen hat.

Im Schatten eines der größten Felsen am Strand, der sich wie ein felsiger Kegel aus dem weißen Sand erhebt, drängen sich ein paar bunte Zelte. Im größten von ihnen, einem wahren Ungetüm aus bestickter blauer rhaínländischer Leinwand, biegen sich lange Tische unter zahlreichen Köstlichkeiten, die an Exotik, Dekadenz und Extravaganz jedenfalls in Schmugglerkreisen (auch wenn es betuchte Schmuggler sind) kaum zu überbieten sein dürften: Azerolen und Amarulas, saftige Mangos und Ananas, Feigen und Granatäpfel, Kokosnüsse und süße Datteln, feinherbe Karambolen und große Sapoten türmen sich in Körben von Palmenbast. In flachen Schalen liegt Injera, das azurianische Fladenbrot, bereit und in allerlei Schüsseln, auf Platten und Tellern drängen sich gefüllte Nachtigallen, Feigenschnepfen, junge Schildkröten aus Ildala, geröstete Flamingozungen und eingelegte Shakti-blätter aus Harkan'nar, Juwelenreis, Couscous und Kobeibas, süße Muhallabias und Ma'amouls, saftige Sawarmas mit Hammel- und Lammfleisch, würziges Mansaf, erlesene Weindrosseln aus den Nebrinôrthares, gesalzener Chaviar aus Naggothyr, Perlwein aus den Nebrinôrthares und in der Mitte thront über allem ein achtpfündiger, mit Gänseleber gemästeter Steinbutt. Es gibt Roten und Weißen vom Ostufer ebenso wie kostbaren, schweren Rhaínwein und feinherben Persimonenwein, aber auch duftende Tees und gekühlte Mandelmilch.

Flatternde Baldachine und sacht im Wind schaukelnde Sonnensegel spannen sich über hölzernen Tribünen, die sich an und zwischen weitere Felsen am Fuß der Klippen schmiegen, und eine kreisrunde Arena von gut 16 Schritt Durchmesser überblicken, findet sich zwischen Felsenarmen, umzäunt mit Pfählen aus geschälten Baumstämmen, die tief in den Boden getrieben wurden. Etwa zwanzig Schritt entfernt von Arena und Zelten, stehen im Schatten der Klippen hölzerne Käfige, die allerlei Getier gefangen halten – ein paar winselnde und kichernde Hyaenas, einen gewaltigen Njassabullen, geifernde Blutwarane, mächtige Warthogkeiler, die ohrenbetäubend und zornig kreischen, zwei Wüstenfänge und selbst einen zischenden, wirbelnden Sandschrecken. In Korbtruhen winden sich Sandrassler, in reich verzierten Sandelholzkäfigen schwirren bunte Vögel umher, junge Tschakmas mit ledernen Halsbändern und dünnen Leinen sitzen angeleint auf ein paar Findlingen und blicken neugierig umher, und in Fässern mit brackigem, grünbraunem Wasser schlängeln sich zuckende, junge Dramoraale.

Unweit der Tierkäfige wartet auch die zweibeinige, lebendige Ware der Schmuggler und Menschenhändler – nacheinander angekettet und aufgereiht wie Perlen auf einer Schnur stehen die Sklaven im Schatten der aufragenden Felswände, starren zu Boden und harren wahlweise apathisch, schicksalsergeben oder zornig der Dinge, die da kommen sollen. Einige von ihnen scheinen schon länger in der den Fängen ihrer Häscher zu sein, ein paar südländisch aussehende Kinder und junge Frauen erwecken sogar den Eindruck, ihr ganzes Dasein auf Rohas Rund als Sklaven verbracht zu haben und andere wirken, als seien sie erst in der vergangenen Nacht aus ihrem Leben gerissen und in Ketten gelegt worden. Zwei Wachen behalten die unglücklichen Angeketteten im Auge, doch eine der beiden hat eine Amphore billigen Weines neben sich und ihm, so wie es aussieht, auch bereits reichlich zugesprochen. Auf den Klippen im Westen, also im Rücken der Bucht, wo der Waldsaum nicht bis dicht an die Felsenkante heranreicht, stehen zwei weitere Wächter und starren angestrengt wahlweise nach Norden oder Süden oder aber – mit neidischen Blicken und gehässigen Fratzen – hinab in die Bucht, wo ihre Kameraden nicht nur im Schatten hocken, sondern sich auch Kämpfe ansehen, den Bauch später bestimmt mit Resten vollschlagen und den ein oder anderen Krug Wein abstauben können.
And that's the thing about people who mean everything they say. They think everyone else does too.

The good thing about mages, I find, is that they die much like any other. You need to worry about what happens before that.

Karamaneh

Stadtbewohner

Posts: 212

Occupation: Femme fatale

Location: Feenwasserbucht

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3

Wednesday, May 7th 2014, 5:40pm

Zur Stunde des Fischers
Irgendwann im Taumond 514

Stumm wie immer reitet Karamaneh (gefolgt von Ogoun) hinter Nabil her, der die kleine Reiterschar an der Seite von Lady Shin anführt. Neben der Malankari, direkt hinter seiner Herrin, reitet Venditius in grimmigem Schweigen. Karamaneh versucht den Nargen so gut es geht zu ignorieren und hält ihren Blick scheu auf den Kopf ihres Pferdes gerichtet. Zum hundertsten Mal fragt sie sich, weshalb Nabil sie an diesem Tag mit sich führt. “Du kommst mit... als Begleitdame für Lady Shin!”, hatte er ihr erklärt, doch so ganz glaubt sie diese Worte nicht. Bisher hat der Azurianer sie immer aus seinen dreckigen Geschäften herausgehalten, warum er es sich in diesem Fall anders überlegt hat, will ihr nicht recht einfallen. Natürlich weiß sie, ebenso wie die Shin, was sie an ihrem Ziel erwartet und was dieser Tag bringen wird. Nabils Entscheidung sie mitzunehmen erfüllt sie aus eben diesem Grund einerseits mit Erleichterung, andererseits aber auch mit Angst. Was auch immer heute geschieht wird Karamanehs Leben für immer verändern - und nicht nur das ihre.

In aller Frühe haben sie die Stadt durch das Nordtor verlassen und sind auf der Großen Nordstraße in Richtung des Fischerdorfes Forgan losgeritten. Die Reiterschar hat sich dabei den heiteren Anschein einer morgendlichen Ausflugsgesellschaft gegeben, doch der Eindruck täuscht. Nördlich des Trollbaches, irgendwo zwischen Forgan und dem Marktflecken Findronach verlassen Nabil, Lady Shin, Karamaneh, Venditius und ihre Begleiter die breite, sichere Straße und lenken ihre Pferde auf schmalen, gut verborgenen Pfaden zu einer versteckten Bucht am Ufer des Ildorels. Der Anblick der Tierkäfige und aufgereiten Sklaven, welcher sich ihr bei der Ankunft in der 'Hohlen Hand' bietet, verschlägt Karamaneh kurzzeitig den Atem und ein kurzer Blick in Nabils Gesicht verrät der Malankari rasch, dass der Azurianer ihre Reaktion nicht nur bemerkt hat, sondern auch sichtlich genießt. In diesem Augenblick wird Karamaneh endlich klar, weshalb er sie an diesem Morgen wirklich mitgenommen hat... nicht als Begleitdame für Lady Shin, sondern um sie an ihren Platz zu erinnern und zu verweisen. Egal wie kostbar ihre Gewänder und wie teuer ihre Juwelen auch sein mögen, letztlich ist auch sie nur eine Sklavin wie die armen Kreaturen, die nun dort in Ketten vor ihnen stehen.

Bleich um die Nasenspitze herum geworden lässt sich Karamaneh aus dem Sattel gleiten und tritt stumm und lautlos neben Lady Shin an Nabils Seite. Ihre Reitgewänder sind dem Anlass und den Umständen entsprechend schlicht gehalten, aber dennoch weiblich und alles andere als praktisch, wie sie sich sehrwohl bewusst ist, schließlich soll sie einfach nur hübsch aussehen, etwas anderes wird nicht von ihr erwartet. Das gehört zu ihrer Rolle. Schweigend harrt die Malankari der Dinge, die da kommen werden und schaut mit gespielter Gleichmut in die Runde, um das geschäftige Treiben um sich herum auf sich wirken zu lassen. Die bunten Baldachine und flatternenden Sonnensegel, die exotischen Gerüche sowie der Anblick der Tierkäfige und Sklaven ruft Erinnerungen wach, die sie schmerzlich in ihre Kindertage zurückführen. Karamaneh schluckt schwer und schlägt züchtig die Augen nieder, um den Anblick der anderen Sklaven nicht länger ertragen zu müssen und den lusternen Blicken der Sklavenhändler zu entgehen.
♥ "What am I? Does my poor history matter-to anyone?" ―Sax Rohmer: The Insidious Dr. Fu Manchu
♥ "Many, having looked into her lovely eyes, had they found there what I found, must have forgiven her almost any crime." ―Sax Rohmer: The Insidious Dr. Fu Manchu
♥ "Karamaneh is a beautiful toy, I grant you; but so is a cobra." ―Sax Rohmer: The Return of Dr. Fu Manchu

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Atevora

Unregistered

4

Thursday, May 8th 2014, 6:23pm

<---- Die Nyzemia

Irgendwann Ende Taumond 514

Der Tag war herrlich, leicht wolkenverhangen, aber nicht regnerisch, nicht zu heiß und nicht zu kühl, sprich genau richtig. Während Karamaneh und Venditius stumm und schweigsam hinter Nabil und Atevora hinterher ritten, war die Stimmung zwischen dem Kaufmann und der weißen Mistress, die mit ihrer Kleidung ihrem Beinamen wieder einmal im vollen Umfang gerecht wurde, geradezu erquicklich heiter und auch die übrigen Männer waren in leichte Konversation verstrickt, sodass ihnen jeder der ihnen entgegen kam die Ausflugsgesellschaft sicher mit Leichtigkeit abgenommen hat.
Bald schon verließen sie den breiten Weg und drangen tiefer ins Larisgrün vor. Der Pfad wurde schmaler, unwegsamer und gewundener, und die Personen verschwiegener. Nur Atevora tauschte mit Nabil intensive, man könnte sagen, verliebte Blicke, denn viel mehr konnte Nabil leider nicht erkennen, denn Atevora trug wie so oft ihre lederne Maske und ein Tuch vor dem Mund um sich vor der Sonne zu schützen. Immer dann, wenn es der Weg es zuließ lenkten die Beiden ihre Pferde auf gleiche Höhe, um zumindest ein gezeigtes, und ein erahntes Lächeln zu tauschen oder einige Worte zu wechseln. Wirklich eilig hatten sie es nicht, denn sie beließen ihre Pferde im zügigen Schritt, oder leichten Trab. Eine schnellere Gangart wäre auch sicherlich nicht ratsam gewesen, denn Venditius mochte war ein guter Krieger sein, aber ein erbärmlicher Reiter. Kein Wunder, die Male, die er auf einem Pferderücken zubrachte konnte man getrost an einer Hand abzählen. Im Moment saß er auf Harm. Der Magierin wurde ein eigenes hübsches Reitpferd aus dem Stall der Nyzemia gegeben, das insgesamt weit besser zu ihr passte und mit ihr harmonierte als der derbe graue Ackergaul, der rot sah sobald jemand versuchte ihm einen Sattel aufzulegen.
Schließlich erreichten sie ihr Ziel, eine Bucht am Ildorel bekannt als der Felsenkessel, oder Hohle Hand.

Zuvorkommend half Nabil der weißen Mistress aus dem Sattel, und die Zügel der Pferde wurden ihnen von einem dafür bereitgestellten Mann abgenommen. Hier im geschützten Schatten der Felsen und der Bäume rings, ist die erste Handlung welche die Magierin tätigt, den Stoff vom Mund zu nehmen und ihre Maske abzunehmen. Als der Mann, der die Pferde übernommen hatte die beiden Frauen in der Gruppe besah, entblößte er mit einem schmierigen Lächeln eine Reihe stinkender verfaulter Zähne und seine stechenden Augen verfingen sich sofort im Vorbau der stummen Sklavenschönheit. Während die Magierin noch angewidert von dem lüsternen menschlichen Abschaum vor ihr die Nase rümpfte, hatte bereits ein Blick von Nabil ausgereicht dass einer seiner Begleiter dem Mann mit ruppiger Geste das ekelhafte Grinsen zum ersterben brachte. Auch wenn er die Wandlerin hier zum Teil nur aus Bosheit mit genommen hatte, und ihr schaudern sichtlich genoss, gehörte Karamaneh noch immer zu ihm, und war viel zu edel für diesen herumfeuchenden Lumpen.

Die Magierin indes zeigte ein hartes, affektiertes Schmunzeln voller Genugtuung. Ihre ganze Haltung atmete gegenüber dem Umfeld kühle Herablassung und Arroganz, wie eine Herrscherin die auf unwürdiges Fußvolk, oder elendes Bettlerpack herabsah ohne dabei nach unten zu sehen, denn dafür reichte ihre Körpergröße schlichtweg nicht aus. Ihr Blick glitt über die Umgebung, besah die Zelte und streifte über die bemitleidenswerten Gestalten die in Ketten lagen. Doch kein Mitgefühl und kein Funken von Anteilnahme waren in ihrem Gesicht zu erkennen, als die tiefblauen Augen kalt wie das Eismeer im Norden die lebende zweibeinige Ware erblickte, stattdessen zeichnete sich eine helle Begeisterung in ihre Züge. Der Azurianer hatte sich schlichtweg selbst übertroffen. Was für eine wunderschöne Örtlichkeit, was für ein wundervolles Arrangement! Was ist das dort vorne? Sie hat von ihm zwar erfahren was geplant ist und welcher Hergang er ersonnen hatte, und somit weiß sie auch, dass Venditius den Bietern seine Fähigkeiten präsentieren soll, doch, ist das da vorne tatsächlich eine Arena? Nabil hat sich selbst übertroffen, er weiß wie man ein Umfeld gekonnt und exklusiv inszeniert. Sogar eine Arena hat er hier zusammen zimmern lassen und verspricht den Anwesenden damit exquisite Unterhaltung. Naja, zumindest den meisten und zu dumm, dass der Narg darin zu kämpfen hatte. Mit ihm vermutlich auch noch andere aus den Reihen der armen in Ketten liegenden Gestalten, die der Shin allerdings überhaupt nichts bedeuten. Ja, ganz sicher würden einige Kämpfen müssen, sei es zu ähnlichen Vorführungszwecken wie beim Narg oder zur bloßen Unterhaltung und reinen Belustigung der Gäste, das heißt natürlich sofern man an solcherlei Kämpfen auf Leben und Tod gefallen findet. Die weiße Mistress, zählt allerdings nicht dazu. Rohe brachiale Gewalt gehört nicht unbedingt zu etwas, das zu ihrer Unterhaltung beisteuert.
Im Schatten einiger Zelte, an dessen Stoff geräuschvoll der Wind zerrt, stehen schon einige geladene Gäste mit etwas zu trinken in der Hand und spähen zu ihnen herüber. Auch mach bekanntes Gesicht, wie etwa das vom Hexer befindet sich darunter. Die Shin nickt ihnen freundlich zu, doch ihr erster Weg führt nicht zu dem erlesenen Personenkreis.

Zielstrebig hält sie mit Nabil, dem Narg und des Kaufmannes Schutzgeleit auf die aufgereihten Sklaven zu. Es ist bald die Zeit gekommen, dass sich Venditius zu ihnen gesellt.
Vorerst möchte sie die Ware begutachten, zumindest ist dies ihr Vorwand, den sie geäußert hatte. Gelogen ist es nicht, sie möchte tatsächlich sehen in welcher Verfassung die Leute sind, wer kampferprobt ist, wie sie genau gefesselt sind, wer die Schlüsseln hat und so fort. Der Narg ist noch ihr stummer Schatten, doch seine Miene ist grimmig, und spricht viele Worte. Auch die Magierin bedenkt er mit einem vielsagenden Blick, und seine Zähne kommen wie zu einem halben Blecken zum Vorschein. Das Aufbegehren des stolzen Kriegers. Die Magierin achtet nicht weiter darauf, sie gibt sich unnahbar und ungerührt von dem dem was sie zu sehen bekommt. Und sie spielt hier keine Rolle, denn sie empfindet kein Mitgefühl und kein Schauer läuft ihren Rücken hinab. Die Personen und deren Schicksal ist ihr vollommen gleichgültig, und dieses Bild präsentiert sie nach außen, atmet es mit jeder Pore, dass auch Nabil nicht anders kann als es als die Wahrheit anzuerkennen, in der Frau eine Gleichgesinnte zu sehen. Die Magierin lächelt nur unbeeindruckt und selbstgefällig zu angeketteten Personen hinab, sie hat genug gesehen und möchte sich abwenden, als sich einer der Geketteten zu Wort meldet. Er kennt sie, und die Shin weiß, sie kennt das Gesicht auch von irgendwoher. Es ist hübsch, elbenhaft sogar, doch sie kann es im Moment einfach nicht zuteilen. Er ist hockt am Boden und stämmt sich gegen seine Ketten, doch geknebelt und bewegungsunfähig wie er ist, spukt er der Shin schließlich schlicht vor die Füße.

Zornig schieben sich der Magiern Augenbrauen für den Bruchteil eines Augenblickes zusammen, dann wird der Blick wieder mild, für einige Momente fast weich sogar, und eine Andeutung eines Lächelns schiebt sich auf ihre Lippen, ganz wage, und geradezu raubtierhaft mutet es an, als sie sich plötzlich zu ihm herab beugt. Ihre Hände schnellen vor und mit ihren schmalen kalten Fingern packt sein Gesicht, und mit der anderen Hand umschließt sie seine Kehle, so fest dass ihm der Atem abgeschnürt wird und er sich ihr nicht sofort wieder entziehen kann. Sie reckt seinen Kopf zu ihr hoch, dass sie sich in die Augen sehen. Ihr Schmunzeln wird eisig und ihr Tonfall ist ruhig und so frostig wie der Wind auf den höchsten Gipfeln des Wolkenthrons. „Vielleicht.. kaufe ich dich heute. Und dann werde ich mich mit dir spielen. Ich werde es genießen dich lange am Leben zu lassen, dich leiden zu lassen, mit Brandeisen, mit Nadeln und Messer. Oh wie ich mich schon freue dir Schnitt für Schnitt dein Leben zu rauben, bis du darum betteln wirst sterben zu dürfen, doch der Tod wird nicht kommen, der dreckige Hund wird dich warten lassen bis ich entscheide deine Bauchdecke aufzuschlitzen, und dir deine Gedärme auf einen Stock zu Fädeln, aufdass das Letzte das du siehst ist, wie ich dich Ausweide.“ Nun spukt er ihr ins Gesicht und befreit sich aus ihrem Griff. Unbeeindruckt wischt sie sich den Speichel aus dem Gesicht, hebt die Hand und möchte dem Mann zum Dank in die Fratze schlagen. Sie kommt allerdings nicht dazu, denn sie wird von Nabil zurückgehalten. Überraschung zeichnet sich in der Magierin Gesicht, zumindest gespielte, denn sie hatte schon angenommen, dass der Azurianer nicht zulassen würde, dass sie seine Ware vor der Versteigerung beschädigt. Sie hat auch eine Rüge erwartet, doch das was er zu ihr sagte, damit hat sie nicht gerechnet. Er drängt er sich näher an sie, spürt seine Hitze, als er ihr fast zärtlich ins Ohr hauchend anbietet ihr an die widerborstige Kreatur zu schenken, um sich ihrer gemeinsam anzunehmen.
Der Magierin Augen leuchten und in ihr flammt für einen Moment echte Begierde. Was sie beide gemeinsam erreichen könnten. Es ist eine Schande, dass sie Gegenspieler waren. „Wir Beide? Das wäre wundervoll!" Klingt es ihm freudig, heiter fast einen Hauch kindlich erquickt und doch mit einer gefährlichen Nuance von Lust in ihrer hellen Stimme entgegen. "Gemeinsam würde sich der Genuss vervielfachen!“ Nun zerrt er sie ganz dicht an sich und Küsst sie leidenschaftlich, was sie natürlich erwidert.
Als sie wieder voneinander ablassen meint Nabil er werde nun eine kleine Begrüßungsrede halten. Einen Herzschlag lang sieht die Shin nochmals zu dem Mann herab dessen Gesicht bleich geworden ist. Ihr Lächeln ist unmenschlich, narzisstisch und boshaft. „Ich werde viel Spaß mit dir haben.“ Spricht sie, und wendet sich ab um Nabil zu folgen.

This post has been edited 2 times, last edit by "Atevora" (May 12th 2014, 11:44am)


Olyvar

Stadtbewohner

Posts: 163

Occupation: Lord Commander

Location: Steinfaust

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5

Saturday, May 10th 2014, 10:14pm

<- Der Westflügel der Steinfaust

Irgendwann Ende Taumond 514

Nicht mehr weit entfernt...

Einen Siebentag später sind nicht nur Nabil, Atevora und Karamaneh durch das Larisgrün nördlich Talyras zu einer gewissen Bucht am Ildorelufer unterwegs, sondern auch Olyvar und mit ihm achtzig Blaumäntel. Darunter sind ein Dutzend Bogenschützen, ein paar Sappeure, die sich wie immer in haarsträubend wilden Plänen ergehen, ein paar Späher (auch Dúma, Balain und Gu leòr, welche den Felsenkessel ausgekundschaftet und eine wunderbare und sehr genaue Karte der Bucht geliefert hatten, von der nicht nur die Magierin, sondern auch Karamaneh vor vier Tagen eine Abschrift erhalten hatte), vier Waldläufer, drei Heilkundige und ein Aniran, dazu zwei Handvoll Arkanisten - vom einfachen Magier bis zum Hohemagier jeden Elements -, geführt von Pumquat sowie Gilraen von Sûrmera als Auge und Zeugin der Tempel – und natürlich auch als Erzpriesterin der Faêyris, schließlich ist sie Olyvar mehr als nur einen Gefallen schuldig. Die meisten der Männer sind jedoch von der Wächter-, der Indigo- und der Lanzergarde, allesamt fähige, erfahrene Kämpfer und Gardisten… Grünschnäbel und Rekruten würde man in diesem Haufen vergeblich suchen. Neben Olyvar reiten außerdem Brenainn, der nach mehr als einem Jahr in seinem Dienst auch kein ganz unerfahrener Knappe mehr ist, Rayyan (mit missmutigem Gesicht, wie stets, wenn man ihm ein Pferd unterjubelt) und Diantha… ihnen hätte jedoch niemand eine beschwingte Ausflugsgesellschaft abgenommen.

Als er Rayyan an jenem Nachmittag vor sieben Tagen aufgesucht hatte, war der Magier wie erwartet Feuer und Flamme gewesen, ihn in diesem Kampf zu begleiten - und es ist nicht das erste Mal, dass sie miteinander gegen eine Überzahl an Gegnern antreten werden, auch wenn das letzte Mal eine halbe Ewigkeit her zu sein scheint. Olyvar gibt sich allerdings keinen Illusionen über Rayyans Beweggründe hin: durch und durch Azurianer, ist dem Erdmagier der Gedanke an Sklaverei nicht nur vollkommen vertraut, er ist wohl auch durchaus der Meinung, dass es völlig normal und absolut legitim ist, andere Menschen zu besitzen wie Ware und über sie zu verfügen, wie es einem beliebt… und das, obwohl er in den Shor'ifs von Mar'Varis halb in einer ärmlichen Lehmhütte, halb auf der Straße groß geworden ist und seine alte Großmutter sich im Leben keinen Sklaven leisten konnte, ganz im Gegenteil. Olyvar hatte mit Karamaneh gesprochen und ihr hat er alles erzählt: was er vorhat zu tun, was er tun kann und was er mit Rayyans Hilfe auch tun würde. Er hatte mit Rayyan gesprochen, der mit blitzenden Augen zugehört hatte und es kaum hatte erwarten können, den Heilern zu entkommen und etwas zu tun (egal was, Hauptsache es gäbe die Möglichkeit, sich magisch ordentlich auszutoben). Er hatte seine Späher instruiert, mit Pumquat und Rhordri die Männer ausgesucht und zusammengestellt, mit Diantha zu Abend gegessen und sie in alles eingeweiht und war am nächsten Morgen zum Faêyristempel marschiert, um mit Gilraen zu sprechen. Dann waren die Vorbereitungen ihres Unterfangens angelaufen, der Stadtrat informiert, die Gegend gründlich ausgekundschaftet, die ganze Bucht und ein guter Teil Umland kartographiert (und Kopien der Karten an die Magierin und Karamaneh verteilt) worden. Die beiden Kapitäne der Seesoldaten und ihre Mannschaften hatten ihre Befehle erhalten, ihre Schiffe sind längst ausgelaufen und auf ihren "Posten" und sie selbst… nun, sie würden in etwa einer Stunde ihr Ziel erreichen.

Olyvar hängt seinen eigenen Gedanken nach, doch er ist aufmerksam für alles um sich her, ebenso wie Rayyan und Diantha. Auch die übrigen Blaumäntel sind wortkarg, aber wachsam, ganz anders als die illustre Gesellschaft, die vor ihnen hier entlang kam. Misstraue jedem, der dir etwas von einem perfekten Schlachtplan erzählt, das hatte Sire Armand Braine ihm erklärt, als er noch ein Knappe gewesen war – vor einem halben Leben auf den Schlachtfeldern des Tals von Marmande. Es gibt ihn nicht. Pläne sind voller Unwägbarkeiten und Unvorhersehbarem. Wenn dir die Umstände einen Strich durch die Rechnung machen, ist der beste Plan Rohas keinen Pfifferling mehr wert - wisch dir den Hintern damit. Aber bis dahin liegt es an dir. Sei auf alles vorbereitet. Sei wachsam. Bleib unberechenbar. Lerne zu improvisieren, stell sicher, dass du noch mindestens eine andere Möglichkeit hast, und vor allem: stell nie infrage, was du tust. Hinterher kannst du damit hadern so viel du willst. Aber nie währenddessen.

Olyvar hebt die Hand und pariert Bayvard mit leiser Gewichtsverlagerung zum Halten durch, ein paar Herzschläge, bevor Gu leòr vor ihnen aus dem Unterholz auftaucht. "M'lord, noch hundertfünfzig Schritt, dann seid ihr nahe genug."
"In Ordnung, dann schickt die Späher und Waldläufer aus, ihr wisst, was ihr zu tun habt. Wir warten hier auf eure Meldung, ehe wir absitzen und zu Fuß weiter vorrücken." Neun Blaumäntel – alles andere als blaubemantelt und im frühlingshaften Wald so unsichtbar wie ein Wassertropfen im Meer – schwärmen lautlos aus und sind einen Herzschlag später bereits im dichten Unterholz verschwunden. Zuerst müssen die Wachposten, Späher und Kundschafter der Sklavenhändler ausgeschaltet und durch seine eigenen ersetzt werden, sonst hätten sie das Überraschungsmoment vollkommen verspielt und könnten ihre Freunde, ihre Verbündeten und alle Sklaven in der Bucht unten auch gleich selbst erschießen...
And that's the thing about people who mean everything they say. They think everyone else does too.

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Atevora

Unregistered

6

Tuesday, May 13th 2014, 1:42pm

Irgendwann Ende Taumond 514

Die weiße Mistress hält sich im Hintergrund als Nabil seine kleine „Begrüßungsansprache“ hält. Während er die Agenda erklärt, welches der Zelte für eine persönliche Atmosphäre für Geschäfte vorgesehen ist, und welche Waren käuflich zu erwerben sind, und zum Schluss noch erwähnt, dass alle natürlich dazu angehalten sind an den Speisen nach Lust und Laune gütlich zu tun, begutachtet die Magierin die Anwesenden. Es sind mehr Kaufinteressenten da als angenommen, bzw. mehr als Nabil erwähnt hatte. Ihr eingeschleuste Kaufinteressentin war natürlich auch anwesend, und sie und ihre Leute waren genau so unpassend in helle Gewänder gekleidet, wie sie selbst. Damit die seltsame Kleidungswahl nicht auffällt, hat die Dame vollkommen geistesgegenwärtig schon die letzten zwei Wochen begonnen von ihrem Geleit zu verlangen helle Gewänder zu tragen, und sie hat auch für sich selbst jeden hellen Fetzen aus dem Kleidungsschrank gerissen, als wäre es ihre neu erklärte Lieblingsfarbe. Was wohl ihr armer Mann von diesen neuen Kapriolen seiner Herzdame hielt? Ach, wobei, dem war das gewiss noch nicht aufgefallen, er war ohnedies kaum an ihrer Seite, sondern ständig auf Reise, und wer wusste schon von wem er sich dort aller die einsamen Stunden versüßen ließ. Von wem sie sich diese Versüßen ließ, wusste Atevora hingegen ganz genau. Aber gut, das war nun nicht von weiter Bedeutung. Wichtig war, dass sie für die Stadtwache, die sich bald rings um sie herum positionieren würde, gut erkennbar waren.

Interessant war auch die Wache bei den Sklaven. Ein elender unfähiger Stümper. Er sollte aufmerksam seiner Aufgabe nachkommen, stattdessen stand ganz unauffällig eine Weinkaraffe in Griffweite und seine Bewegungen waren schon verdächtig ausgreifend. Nabil hätte es gewiss ebenfalls bemerkt, und den Trottel sogleich seines Postens entheben lassen indem er ihn mit dem Degen vermutlich gleich vor aller Augen als Mahnung für Andere erstach, doch glücklicherweise ruhte seine Aufmerksamkeit derzeit häufiger auf ihrem knackigem Hinterteil, und dieser heißblütige Sklave bot ebenfalls eine willkommene Möglichkeit zur Ablenkung. Ja, womöglich hat sie ihre Natur etwas sehr aus dem Käfig der Zivilisiertheit herausgelassen, und sie hätte auch damit gerechnet Nabils Wohlwollen ihr gegenüber damit etwas zu trüben, doch stattdessen und zu ihrer Überraschung hat es ihn nur noch mehr angestachelt und ihn für sich vereinnahmt.

So war die Veranstaltung also offiziell eröffnet.
Nun wurde begutachtet, gustiert, gefeilscht, gehandelt, gevöllt, und Kontakte geknüpft. Auch Atevora nutzte die Gelegenheit um sich die Waren genauer zu besehen. Oh, wie ihr frostiges Herz hier höher schlug. Wie schon am Sklavenschiff, dass sie aufgerieben hatte, gab es hier so viele interessante Dinge, nur noch viel mehr. Rauschmittelchen, die wundervoll für eigene Zwecke eingesetzt werden konnten, Waren die sie sicher demnächst am Wolfsmarkt gesehen hätte, und diese exotischen Tiere in den Käfigen waren ein wahrer Genuss fürs Auge und genau das Richtige für Sammlernaturen. Viele dieser Wesen kannte sie gerade mal aus Büchern und hätte niemals gedacht sie jemals zu Gesicht zu bekommen. Waren das tatsächlich Sandschrecken? So sehen die also aus. Erquickt, fast mit kindlichem Übermut wanderte die Magierin von Käfig zu Käfig und betrachtete voll staunen was sie hier an Eindrücken geboten bekam. Nabil, als vollbeschäftigter Mann kam natürlich der Aufgabe des Geschäftsmannes und Veranstalters nach und konnte nicht ständig an der Magierin Seite sein, doch wie sich Zeit bot war er bei ihr. Jetzt als sie vor einem Käfig von einem Tier stand, welches Morrak seltsam ähnelte, und doch anders aussah trat er wieder zu ihr. <<“Das ist ein Wüstenfang“>> Hauchte er ihr ins Ohr, und übergab ihr einen Becher Wein und als sie ihn nahm flüsterte er ihr eine Geschichte, die man sich über diese wilden Kreaturen erzählte ins Ohr. Einige süße Momente der Nähe später ließ er sie mit ihrem Geleit wieder alleine zurück, denn seine Person war äußerst gefragt. Natürlich hatte die Magierin dagegen nichts einzuwenden. Sie unterhielt sich unter Anderem mit dem Hexer, der gerade zufällig neben ihr erschien über flache Themen, wie beispielsweise über die Lokalität über oder das grandiose Ambiente. Wie immer gab er sich den Anschein eines Edelmannes mit sorgsam zurecht gestutztem Spitzbart, und wie immer hatte er seinen Stock dabei in dem gewiss eine Klinge verborgen lag. Wer würde hinter diesem Mann einen wilden Magier erwarten? Niemand, selbst sie nicht, wenn sie seine aufbrausende, feurige Seite die immer unter der Fassade schwelte und genau so rasch, unvorhersehbar und ungezügelt zur Explosion kommen konnte, nicht bereits einmal erlebt hätte. Auch mit ihm ging sie eine Zeit lang über das Gelände, an den Käfigen vorbei und zu den Angeketteten. Dort unterhielten sie sich über das Aussehen der zweibeinigen Ware, debattierten über mögliche Vorzüge und Verwendungsmöglichkeiten. Sie ließ sich einen Weinkrug kommen, und ihn versehentlich beinahe voll bei einer der Wachen stehen die inzwischen bereits eine ordentliche Weinfahne sein Eigen nannte. Er würde sich vermutlich im Laufe des Tages noch ganz selbstständig ins Koma saufen.
Ein Lärmen von der Arena zog die Aufmerksamkeit auf sich. So langsam bewegte sich die Veranstaltung dem Höhepunkt zu es galt sich um die Arena zu sammeln. Natürlich galt es dem Geheiß nachzukommen, denn es lockte Belustigung und Kurzweil mit Blut und Tod.
Jetzt war des Nargen Stunde gekommen. Nun galt es den Anwesenden von seinen Fähigkeiten zu überzeugen, und Nabil hatte so manch Überraschung für ihn parat, bei der er sich zu beweisen hatte.

Sie sammelten sich rund um die Arena, und ihr Bote tat was vereinbart war, und nur weil sie gezielt wusste was er trieb konnte sie die Handlung erkennen, während alle anderen in gieriger Vorfreude ihren Blick bereits zum Schauplatz hinab richteten. Selbst die Wachposten spähten hinab und waren ob des beginnenden Spektakels unaufmerksamer als sonst.
Sie selbst stand neben dem Hexer bereit, und Karamaneh hielt sich in Nabils Schatten. Die Magierin hoffte, dass die Stadtwache ihren Teil erfüllte und bereits in der Nähe war um sofort einzugreifen, denn gleich nach dem Schauspiel, würde die Versteigerung beginnen.

Karamaneh

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Location: Feenwasserbucht

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7

Friday, May 16th 2014, 3:54pm

Karamaneh hält sich dezent im Hintergrund, und weicht selten mehr als ein paar Schritt von Nabils Seite. Dem übrigen Geschehen in der Hohlen Hand versucht die Malankari so wenig Beachtung wie möglich zu schenken, weshalb sie sich auch so gut es geht von den Sklaven fern hält und jeglichen Blickkontakt mit ihnen zu vermeiden versucht, wenn es sich doch einmal nicht verhindern lässt, dass sie Nabil und der Shin an ihnen vorüber folgen muss.

Der Versteigerung schaut sie mit gemischten Gefühlen entgegen. Natürlich ist sie darüber im Bilde, wie besagtes Ereignis ablaufen soll – ihre Schwester und sie wurde schließlich als Kinder auf ähnlichen Veranstaltungen feil geboten – aber dennoch ist dieses Mal einiges anders. Hoffentlich geht alles gut, denkt sie besorgt und fragt sich, ob die Männer des Lord Commanders gerade ihre Positionen einnehmen oder sogar schon eingenommen haben. Sie selber hält sich ebenfalls bereit. Die Wandlung, die sie durchzuführen gedenkt, benötigt einige Zeit – Zeit in der sie vollkommen ungeschützt ist, wenn sie nicht auf sich Acht gibt und zu unbedacht handelt.

Als Nabil der Shin ein Zeichen gibt, begreift Karamaneh, dass es nun bald soweit ist, die Versteigerung soll in Kürze beginnen. Der Azurianer ergreift die Magierin galant am Arm und führt sie zu den Plätzen hinüber, die in der kreisrunden Arena für sie vorbereitet sind. Auch die übrigen Anwesenden tuen es Nabil ind Lady Shin gleich, und so ist es Karamaneh ein leichtes sich in all dem Menschengewimmel unauffällig zurückfallen zu lassen. Nabils Aufmerksamkeit wird im Augenblick ohnehin von viel zu vielen anderen Dingen beansprucht – der Versteigerung, den Sklavenhändlern und Lady Shins Hinterteil – als das ihm groß auffallen würde, dass sein stummer Schatten nicht mehr in seiner Nähe weilt.

Lautlos und unbemerkt entfernt Karamaneh sich in Richtung der hölzernen Käfige, die etwa 20 Schritt weit von der Arena und den Zelten aufgebaut sind. Sie muss sehr vorsichtig sein, damit die Wachen, die dort auf die gefangenen Tiere und die nahebei aufgereihten Sklaven aufpassen, sie nicht bemerken. Da die Versteigerung nun jedoch jeden Moment beginnen kann, haben die Männer alle Hände voll zu tun und sind viel zu beschäftigt, um ihrer Umgebung allzuviel Aufmerksamkeit zu schenken. Erleichtert zieht sich die Malankari schließlich in den Schutz mehrer Klippenfelsen zurück, wo sie sich ungesehen verbergen und gleichzeitig die Tierkäfige gut im Auge behalten kann.

Wenn es an der Zeit war sich zu verwandeln, würde eine Schattenkatze, die aus ihrem Käfig entschlüpfen konnte, für Ablenkung sorgen, aber gewiss nicht bei Nabil den Verdacht wecken, es könnte sich um eine Wargin handeln. Sollte die Shin ihr Wort gehalten haben, und bisher hat sie Karamaneh keinen Grund dafür geliefert es gebrochen zu haben, dann ist dem Azurianer bisher nichts über ihre anderen Wandelgestalten bekannt. Die Malankari horcht auf. Da, den Geräuschen nach zu urteilen, wurde die Versteigerung soeben eröffnet...
♥ "What am I? Does my poor history matter-to anyone?" ―Sax Rohmer: The Insidious Dr. Fu Manchu
♥ "Many, having looked into her lovely eyes, had they found there what I found, must have forgiven her almost any crime." ―Sax Rohmer: The Insidious Dr. Fu Manchu
♥ "Karamaneh is a beautiful toy, I grant you; but so is a cobra." ―Sax Rohmer: The Return of Dr. Fu Manchu

Atevora

Unregistered

8

Sunday, May 18th 2014, 10:01pm

Die Versteigerung beginnt und der Magierin Blick wandert unauffällig wie abschätzend über das Umfeld. Sie hat die ganze Veranstaltung damit zugebracht mit diesem und jenem zu Plauschen, ihren Gegenüber reden zu lassen, sich allerhand interessantes zutragen zu lassen und dessen Begleitung zu mustern. Welche Ausrüstung, welche Waffen. Nun ist die Zeit des Redens jedoch vorüber. Die Aufmerksamkeit des Umfeldes ist auf das Geschehen der Versteigerung gerichtet, auch die Nabils. Er hat nicht bemerkt wie sich seine hübsche Sklavenblume zurückgezogen hatte und sie würde, wenn es nötig war, auch dafür sorgen, dass es so blieb.

Sie brachten die Sklaven in die Arena um sie den Anwesenden zur Ersteigerung anzubieten, und der hitzköpfige Schönling, der ihr vor die Füße spuckte, nutzte die erstbeste Gelegenheit um für einen Aufruhr zu sorgen. Er riss sich los, stahl einer der Wachen ein Messer und schleuderte es in der Magierin Richtung. Sie wich im letzten Moment aus, stolperte jedoch über ihre eigene Kleidung. Ein Glück, dass die Leute dicht standen, so wurde sie aufgefangen, während der Sklave niedergeschlagen und zurück in die Reihe gebracht wurde. Während sie sich wieder aufrichtete und die Kleidung glatt strich, fragte sie sich wieder weshalb dieser Mann ihr solchen Hass entgegenbrachte, mehr noch als den Peinigern um ihn herum. Seine Unbändigkeit und sein ungebrochener Wille imponierten ihr dabei allerdings ebenso wie ihr der Zwischenfall gelegen kam. Sie trat vor und verkündete mit entschlossener Stimme: „Ich will ihn für mich.“ Einen genannten Preis später war er der Ihre. Sie ging sich ihren Besitzt abholen und raunte ihrem Liebsten noch zu er solle ruhig weitermachen. Die Geschäfte wurden fortgesetzt indes die Shin ihrem Sklaven ein raubtierhaftes Lächeln schenkte und die Wache anwies ihn zu ihrem Pferd zu bringen und an den den nächstbesten Baum in der Nähe zu fesseln. Damit war eine Gefahrenquelle beseitigt,. Wer wusste schon, wenn die Aktion losging und sie womöglich zu den Sklaven eilte um ihren Rückzug zu unterstützen, ob der Mann in seinem Hass nicht versehentlich auf sie losging. Natürlich hätte sie den Wunsch auch von oben herab erteilen können und bei Nabil zu bleiben, anstatt ihren Platz zu verlassen, doch sie wollte es anders, denn wenn sie zurück zum Kaufmann ging, würde sie sich wieder am Hexer vorbei drängen müssen.

Der Höhepunkt der Veranstaltung wurde angekündigt. Jetzt war des Nargen Zeit gekommen sich zu beweisen und seine Fähigkeiten zu präsentieren. Er wurde in die Arena gelassen, am Rand richteten sich die Wachen mit Armbrüsten aus um ihn sofort niederzustrecken, sollte er nur mit der falschen Wimper zucken. Ihm wurden die Ketten abgenommen und die Magierin nutzte die Ablenkung um etwas hervorzuholen was sie verborgen gehalten hatte und machte sich auf den Rückweg an Nabils Seite. Oh welch Pech, welch Ungeschick, da ist sie doch glatt gestolpert und hat den Hexer angerempelt. Ein kurzer Schnitt mit der scharfen Klinge, er merkt es kaum. Sie entschuldigt sich noch im Vorbeigehen knapp und drängt sich weiter. Die Wachen verlassen die Arena. Die Aufmerksamkeit ist auf das Geschehen inmitten der Arena gerichtet, dass niemand bemerkt wie sich der Hexer zu räuspern beginnt. Er merkt dass etwas nicht stimmt. Gleich bemerkt er vielleicht noch, dass er am Arm blutet. Die Tür schließt sich, und bald würde sich eine andere öffnen um des Nargen Gegner freizulassen. Der Hexer röchelt. Dem Narg werden seine Waffen in das hölzerne Rund geworfen. Plötzlich geht ein Aufruhr durch die Personen die nebst des wilden Magiers stehen. Seine Augen schwellen zu, die Haut wirkt aufgedunsen, er ringt vergeblich nach Luft. „GIFT! Vergiftet!“ Scheit noch einer, und noch während der Hexer zu Boden geht, zieht einer von Mercants Leibwächtern seine Waffen, der Zweite wirft eine Phiole. Dort wo sie zerspringt raubt ein Lichtblitz und Rauch die Sicht, der Narg wirft sich gegen die Arenamauer und überwindet sie als wäre sie Nichts und das Chaos bricht los.

Rayyan

Hänfling

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Occupation: Hexerjäger

Location: Talyra

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9

Monday, May 19th 2014, 9:50pm

Hätte Rayyan geahnt mit welcher Dekadenz diese Sklavenhändler ihre Gäste empfangen, er selbst hätte sich den einen oder anderen Sklaven zugelegt, oder sich zumindest als interessierter Käufer hervorgetan, nur um sich einmal quer durch das köstliche Buffet futtern zu können. Aber weder besitzt er Sklaven, sehr zum Leidwesen Táhirihs, noch verkauft er welche. Weder Ersteres noch Zweiteres aus irgendeiner Art von moralischer Überzeugung, sondern weil Menschenhandel nach herzländischem Gesetz auf Todesstrafe verboten ist (und einer seiner besten Freunde Lord Commander der talyrischen Garde ist, was die Sache mit dem Handel unangenehm erschwert hätte).
Anstatt sich also auf Kosten anderer den Bauch voll zu schlagen, harrt Rayyan im Schatten einer mächtigen Kastanie auf dem Rücken eines besseren Ackergauls dem Unvermeidlichen und kaut auf einem Stück Brot-von-gestern herum. Aller fehlender kulinarischer Feinfühligkeit zum Trotz sehr dankbar über diese Gelegenheit den städtischen Mauern und Táhirihs unausstehlichen Launen zu entkommen. Seit mehr als einem Siebentag hat er keinen Fuss mehr über Talyras Stadtgrenze gesetzt, nicht einmal das Wenige, was ihm das dreiste Pack von seinen Habseligkeiten gelassen hat, durfte er selber aus den Trümmern des Häuschens bergen. Das Häuschen. Schon bei dem Gedanken daran, wie Colevar und Calait auf den Anblick der Hütte, die sie beide mit viel Blut, mehr Schweiss und einer nicht fassbaren Menge an Regenwasser und Holz wieder in Stand gesetzt haben, reagieren würden, legen sich eiserne Fesseln um seine Brust. Er kann nur hoffen, dass sein Weniges Erspartes ausreichen wird den Haufen Handwerker, Zimmerleute und Tischler zu bezahlen, die Borgil Blutaxt ausgeschickt hat um das Häuschen wieder herzurichten und mit neuen Möbeln auszustatten. Wenn nicht, wird sich Táhirih von dem einzigen Diamanten trennen müssen, den vor ihren Häschern retten konnte.

Alle außer ihm tragen das Blau der Garde und die silberne Faust in Form einer Fibel, er selbst steckt in zweckdienlichem, braunem Leinen, das wenig darüber preisgibt wer oder was er ist. Das hebt ihn im Augenblick zwar von der Menge ab, wird aber später im Getümmel dafür sorgen, dass er nicht sofort als Helfer der Garde erkannt wird. Er ist der festen Überzeugung, dass Olyvars Plan aufgehen und seine Soldaten die Männer im Felsenkessel schneller überwältigt haben werden, als sie "Scheiße" sagen könnten, aber was kann es schaden für den Ernstfall vorbereitet zu sein. Immerhin hängt alles von einer Frau ab, über die Rayyan nicht mehr weiss, als das sie laut Olyvar ein ziemlich prekäres Verhältnis zu Moral und Anstand pflegt, sofern denn überhaupt eines existiert. Die Sache mit dem Nargen hat er schon fast wieder vergessen, immerhin ist seither viel Wasser den Blutfluss hinunter geflossen und er hat wissen die Götter Besseres zu tun als sich den Kopf über irgendwelche Scheinheiligen zu zerbrechen.
In diesem Moment kehrt der erste Späher zurück. Er schält sich aus dem Grün der Bäume wie ein Schatten aus der Nacht, windet sich mühelos zwischen den schweren Pferdeleibern hindurch und erstattet Olyvar unverzüglich Bericht. Fehlt nur noch einer. Für einen Moment bleibt Rayyans Blick an Dianthas Rücken hängen, die in Leder gekleidet und mit hochgebundenem Haar neben ihrem Mann auf einer stolzen, braunen Stute sitzt. Er kann nicht nachvollziehen, warum Olyvar ihr erlaubt hat mitzukommen, immerhin bringt er sie damit in Gefahr, so verschwindend gering diese auch sein mag, und im schlimmsten Fall enden seine Kinder als Vollwaisen. Dabei ist Rayyan durchaus bewusst, dass die Frauen der Herz- und Nordlande (sowie vereinzelte, namentlich nicht weiter erwähnte Azurianerinnen) gar nicht nach einer Erlaubnis fragen, sondern sich das Recht herausnehmen zu tun und zu lassen, wie es ihnen beliebt und Diantha scheint ein ganz besonders eigensinniges Köpfchen zu besitzen.

Trotzdem fragt er sich, ob es klug war sie mitzunehmen, immerhin sollte Olyvar sich voll und ganz auf die Sklavenhändler und seine Männer konzentrieren und sich nicht mitten im Gefecht den Kopf über seine Frau zerbrechen. Sala-salam. Er wird schon wissen, was er tut. Das letzte Stück Kruste verschwindet in seinem Mund, dann steht auch plötzlich der zweite Bote neben dem Lord Comander und das Zeichen zum Absitzen wird gegeben. Alles andere als anmutig, aber sichtbar erleichert gleitet Rayyan vom Pferderücken, geneigt sich auf die Knie zu werfen und die Erde zu küssen. Der Wallach, den Olyvar ihm angedreht hatte und der mindestens genauso glücklich darüber sein muss die ungemütliche und obendrein absolut unfähige Last endlich loszuwerden, dreht den Kopf in seine Richtung, legt die Ohren an und gibt ihm mit einem unmissverständlichen Zähneblecken zu verstehen, dass er mit seinem groben Zügel und den Hackefersen bloss Leine ziehen soll. "Ajwa, nichts lieber als das."
Es stellt sich heraus, dass es tatsächlich nur noch hunterfünfzig Schritt bis zu ihrem Ziel sind. Diese legen sie in angespanntem Schweigen zurück. Jeder weiss, worauf es ankommt. Auf alle und auf jeden. Es wirkt wie eine einfache Aufgabe. Es ist keine einfache Aufgabe, denn wer des Sklavenhandels in den Herzlanden schuldig gesprochen wird, der hängt. Jeder einzelne Mann dort unten in diesem Felsenkessel weiss da - entsprechend werden sie kämpfen.

Olyvar

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Occupation: Lord Commander

Location: Steinfaust

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10

Sunday, May 25th 2014, 11:30pm

Achtzig Blaumäntel warten gespannt darauf, dass in der Bucht unten die Dinge ihren Lauf nehmen würden. Die Späher und Wachen der Sklavenhändler sind alle ausgeschalten und durch Männer der Steinfaust ersetzt worden, die ihre Kleidung übergeworfen hatten, nur für den Fall, dass dort unten irgendeiner der illustren Sklavenhändlergesellschaft einen etwas längeren Blick nach oben auf den Felsgrat werfen würde, doch niemand scheint auch nur den Kopf zu heben… fast alle dort unten verfolgen fasziniert und gebannt das Geschehen in der Kampfgrube und keiner der Sklaven wagt es, auf irgendetwas anderes zu starren als den Sand zwischen den eigenen Füßen. Eine ganze Weile geschieht rein gar nichts und die Zeit scheint nur so zäh und träge wie dicker Sirup dahin zu trödeln, doch dann, von einem Herzschlag auf den anderen, gerät dort unten etwas in Bewegung. Sie können nicht erkennen was, eine Art Unruhe, dort im größten Gewühl, Stimmen die laut werden, jemand schreit wie von Sinnen, ein Wogen und Bersten und plötzlich bricht die Hölle los. Die eben noch in azurianischer Dekadenz und trügerischer Friedlichkeit – sieht man von ein paar leidenden Sklaven, die das pittoreske Bild abrunden einmal ab – unter der Taumondsonne liegende Bucht verwandelt sich in ein Inferno aus einem tobenden Nargen, splitternd zerberstenden Holzpalisaden, panisch flüchtenden Pferden und sonstigen Begleittieren, und in wilder Panik in alle Richtungen davon spritzenden Menschen, ganz gleich ob Sklavenhändler, Wächter oder selbst Grubenkämpfer. Warum hatte er Atevora eigentlich nicht vorgeschlagen, dass ihr Narg einfach allein losziehen und alle umbringen sollte, während sie aus sicherer Entfernung zusehen würden. Und wenn der dann mit der blutigen Schlachtarbeit fertig gewesen wäre, hätten sie in aller Ruhe die Sklaven abholen und wieder nach Hause gehen können. Was Olyvar in dem ganzen Durcheinander nicht sehen kann, ist, ob der Hexer nun gefallen ist oder nicht und für einen Moment ist die zornige Versuchung, sich umzudrehen und die Magierin ihrem Schicksal zu überlassen sehr groß. Stattdessen hört er sich den Befehl zum Angriff geben, auch wenn erst Lichtblitz und Rauch vermuten lassen, dass der Hexer tatsächlich daran glauben musste. Und selbst wenn nicht, jetzt können wir nichts mehr ändern.

Einen Moment später ist Olyvar im Gewirr, um von Rayyan hinunter gebracht zu werden und die milde Frühlingsluft ist voller wispernder Pfeile, denn die Bogenschützen oben sind längst auf ihren Posten - und unten in der Bucht fallen die völlig überraschten Wächter und angeheuerten Schwerter wie die Fliegen, während die Blaumäntel die steilen Klippenpfade herunterströmen um niederzumachen, was nach den Pfeilsalven noch steht. Olyvar kümmert sich nicht um Kämpfe, schreiende Menschen oder das anhaltende Brüllen des Nargen weiter entfernt – seine erste Aufgabe ist die Befreiung der angeketteten Sklaven, seine zweite Karamaneh den Weg zu Nabil freizukämpfen, wenn es sein muss und sie seine Hilfe bräuchte. Im Augenblick jedoch haben Rayyan und er anderes zu tun. Als er aus dem Magischen Netz springt, keine zwei Schritt von der weinseligen Wache entfernt, die auch noch mit dem Rücken zu ihm steht und wild gestikulierend auf das Geschehen an den Klippen zeigt, meint er aus den Augenwinkeln Karamanehs Rücken zu erspähen. Wenn sie es ist, verschwindet sie gerade hinter einem der hölzernen Tierkäfige in der Nähe, doch Olyvar ist nicht sicher und er hat auch keine Zeit, auch nur einen zweiten Blick zur riskieren. Eine Steinerne Faust donnert in den Rücken des Wächters, reißt ihn von den Füßen und schmettert ihn gut zehn Schritt weit durch die Luft und Olyvar hält sich nicht mehr damit auf, zuzusehen wie Rayan auch noch den zweiten Wächter erledigt, sondern wendet sich gleich den Sklaven zu, die sie entgeistert anstarren. "Wir sind zu eurer Rettung hier", erklärt er hastig und überprüft rasch die Fesseln der Gefangenen. Sie liegen alle in Handeisen, die der Reihe nach an einer langen, massiven Kette hängen. "Bleibt zusammen, ein paar Magier werden gleich hier auftauchen und euch alle aus der Bucht schaffen. Aber zuerst…" Síaíls rauchige Klinge durchschneidet die Eisenglieder so mühelos wie weiche Butter. Noch immer tragen die Sklaven Hand- und Fußketten, aber sie sind frei und nicht länger an den Felsen gefesselt. Die meisten von ihnen drängen sich furchtsam zusammen, doch ein oder zwei geben panisch Fersengeld und weder Olyvar noch Rayyan können sich damit aufhalten, ihnen nach zu hetzen, denn inzwischen kommt Gegenwehr in die Reihen der Sklavenhändler.

Dann schimmern lichte Risse in der Luft auf und öffnen sich zu schmalen Durchlässen… Pumquat und die übrigen Magier sind da und holen die verwirrten Sklaven ins Netz. Quälend langsam, wie es Olyvar erscheint, denn die Männer, Frauen und Kinder sind verwirrt und ängstlich, und einigen muss mühsam gut zugeredet werden, sich auf diese Weise aus der Bucht schaffen zu lassen, während sie hier wie auf dem Präsentierteller herumstehen. Es kommt wie es kommen muss – es dauert keine halbe Minute, ehe sie angegriffen werden, und das von erstaunlich vielen Wachen. Olyvar macht einen Ausfallschritt, beugt Kopf und Schultern, holt sehr tief Luft und rammt den Fuß seines Langschildes in den weichen Sandboden. Dann schließt er seine Augen und ruft einen Teil der Macht an, die ihm verliehen wurde. Er mag nur ein einzelner Ritter sein, auf den viele einstürmen, doch er ist ein Ritter Brans und er wirkt wie ein Bollwerk: ein ganzer schier undurchdringlicher Schildwall, der einen breiten Keil hinter ihm beschirmt… und nichts anderes ist er in diesem Augenblick auch. Das wird ihn viel seiner Kraft kosten und er wird den Schutz nicht sehr lange aufrechterhalten können, aber lange genug für Rayyan, aus seiner Deckung heraus zu agieren und hoffentlich lange genug für die Magier, die übrigen verschreckten Sklaven in die Sicherheit des magischen Netzes zu holen.
And that's the thing about people who mean everything they say. They think everyone else does too.

The good thing about mages, I find, is that they die much like any other. You need to worry about what happens before that.

Karamaneh

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Location: Feenwasserbucht

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11

Tuesday, May 27th 2014, 6:54pm

Karamaneh entledigt sich mit ein par schnellen, geübten Bewegungen aller überflüssigen Kleidungsschichten, bis sie nur noch in einem dünnen Untergewandt im Schutz der Klippenfelsen hockt, dann huscht sie lautlos und so vorsichtig wie möglich zu den Tierkäfigen hinüber, die gar nicht weit von ihr entfernt sind. Jene, welche die gefährlicheren Tiere beherbergen, sind weitestgehend mit richtigen Schlössern fersehen, doch nicht alle. Es gibt auch einige Käfige, deren Gittertüren lediglich mit festen Lederriemen zugebunden sind, und diese lassen sich durchaus auch mit ein paar geschickten Händen öffnen.

Die Malankari zögert nicht lange. Ein Handgriff hier, ein Handgriff da. Käfig um Käfig lässt sie die gefangenen Kreaturen frei, während das Chaos im Felsenkessel immer mehr hochzukochen beginnt und der Lord Commander mit seinen Bläumänteln in das Geschehen einzugreifen beginnt. Karamaneh sieht nur kurz aus den Augenwinkeln, wie der hochgewachsene Mann sich in Richtung der angeketteten Sklaven zu wenden scheint, die unweit der Käfige aufgereiht sind. Die Malankari wartet nicht auf ihn, sondern duckt sich hinter einem der Käfige zusammen und huscht in den Schatten einiger Büsche, um sich zu wandeln.

Ihr bleibt nicht viel Zeit: Die Wandlung benötigt einige Augenblicke, in welchen sie ungeschützt ist. Außerdem ist sie mit der Gestalt der Katze noch nicht so vertraut, die Wandlung vollzieht sich nur sehr schmerzhaft und es ist Kara noch nicht möglich sie so lange zu halten wie die der Schlange. Um Nabil zu überrumpeln, würde es jedoch genügen. Einige Augenblicke später ist es soweit: eine dunkle Schattenkatze springt aus dem Gebüsch, mischt sich wie selbstverständlich unter das Gewimmel der befreiten Tiere und bewegt sich mit eleganten, schnellen Bewegungen auf den Kampflärm zu. Ihre bernsteinfarbenen Augen taxieren wachsam die Umgebung auf der Suche nach ihrem Ziel: Nabil Saif-Al-Qadir.

Wo ist er? Der wuchtige Kopf der Katze schwenkt von links nach rechts und der Blick der großen, schrägstehenden Augen gleitet über das Durcheinander hinweg. Mit einem bedrohlichen Fauchen weicht sie einem Wächter aus, der sie anzugreifen versucht, lässt den Mann ihrerseits aber unbescholten – Karamaneh hat nicht vor sich an diesem Tag noch mit irgendjemand anderen als Nabil zu messen. Die Schlechtigkeit der Sklavenhändler ist ihr unbegreiflich, dennoch kann sie es einfach nicht über sich bringen, die Männer anzugreifen, solange diese ihr Leben nicht unmitelbar gefärden und sie Blutvergiesen vermeiden kann. Nabil! Die Schattenkatze stürmt schneller voran, als sie den Azurianer endlich in einiger Entfernugn erspäht – umgeben von einer kleinen Traube treuer Leibwächter.
♥ "What am I? Does my poor history matter-to anyone?" ―Sax Rohmer: The Insidious Dr. Fu Manchu
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Diantha

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Location: Nürnberg

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12

Thursday, May 29th 2014, 12:02am

In angespannter Stille wartet der gesamte Trupp bis endlich auch der letzte Späher Meldung macht. Diantha nutzt die Zeit um zum wiederholten Male zu überprüfen, ob ihre Wurfsterne auch wirklich griffbereit sind und der Schwertgurt mit dem Kurzschwert richtig sitzt. Sie hatte mit Olyvar abgesprochen, dass sie sich im Hintergrund halten und vor allem um die Sklaven kümmern würde. Noch zu keinem Zeitpunkt in ihrem Leben war sie eine herausragende Nahkämpferin, sie kann sich zwar verteidigen, doch ihre Stärke liegt eindeutig in der Distanz. Allerdings geht die Immerfrosterin nicht davon aus, dass sie in große Kampfhandlungen verstrickt werden würde, solange nicht etwas absolut Unwahrscheinliches passieren sollte. Sag niemals nie… Es ist durchaus möglich, dass etwas schief gehen könnte, vor allem angesichts der Tatsache, dass zwischen Lady Shin und Olyvar alles andere als ein vertrauensvolles Klima herrscht. Diantha kann sich noch gut daran erinnern, mit was für einer Laune ihr Ehemann von dem letzten Treffen mit der Magierin kam – freundlich gesagt alles andere als begeistert. Sie selbst hofft sehr, dass die Shin nicht hinterrücks ein anderes Spiel spielt, sondern sich als zuverlässige Verbündete herausstellt. Obwohl Diantha die Frau im vergangenen Jahr hin und wieder auch privat getroffen hatte, ist sie nie so wirklich schlau aus ihr geworden und hat noch immer wieder das unbestimmte Gefühl, dass etwas nicht mit ihr stimmt, ohne den Finger darauf legen zu können, was das eigentlich ist. Aber inwiefern sollte sie davon profitieren, sich mit den Blaumänteln anzulegen? Das wäre selten dämlich, es sei denn, sie möchte die Stad verlassen und nicht wieder zurückkehren. Das hält die Immerfrosterin immerhin für sehr unwahrscheinlich, vollkommen beruhigen tut es sie aber trotzdem nicht. Jetzt können wir ohnehin nichts mehr daran ändern, sondern nur das Beste daraus machen, was sich uns bietet, schüttelt sie die müßigen Überlegungen ab.

Kurz gleitet ihr Blick über die versammelte Truppe und bleibt kurz an Rayyan hängen, der alles andere als ein hochherrschaftliches Bild auf seinem Pferd abgibt, sondern eher so aussieht, als würde er das Tier unter ihm am liebsten zu Hackfleisch verarbeiten wollen. Von seinen Gedanken ahnt sie indes nichts, sonst hätte sie ihn wohl auch mit hochgezogener Augenbraue gefragt, ob denn seine liebe Tahiri auch nur den ganzen Tag über artig daheim sitzt, kocht, putzt und Wäsche wäscht. Dennoch hat er natürlich einen Punkt: Es ist fraglos ein Risiko – das Leben ist ein Risiko, die Welt in der sie leben ist voller Gefahren, Mord und Blut. Selbstredend hätte sie hinter den dicken Mauern der Steinfaust oder ihres Ladens bleiben und darauf verzichten können, sich in diese Situation zu begeben. Allerdings hat eine Diantha eine tiefe Abneigung gegen das Konzept der Sklaverei und wenn sie die Chance sieht, dazu beizutragen, Menschen von diesem Joch zu befreien, dann kann sie einfach nicht untätig herumsitzen und Däumchen drehen. In anderen Ländern mag Sklaverei ganz normal sein, doch ihrem Verständnis nach nimmt es Menschen jedwede Würde, jede Möglichkeit über ihr eigenes Leben zu bestimmen und das kann, das darf in der Weltenstadt, ihrem Zuhause und der Zukunft ihrer Kinder, schlichtweg nicht erlaubt werden. Mit dieser felsenfesten Überzeugung steigt sie von ihrem Pferd und folgt den übrigen zu den Magiern, die sie an die Bucht transportieren würden. Wie die wenigen Male zuvor, in denen Diantha durch das magische Netz gegangen ist, fühlt sie sich wieder äußerst unwohl. Die bunten Farben sind zwar ein beeindruckendes Schauspiel, doch sie fühlt sich so fremd in dieser Dimension, die keinerlei Verbindung zu ihrer Realität zu haben scheint. Ihre Instinkte rebellieren, sodass sie die Zähne zusammenbeißen muss, um auch nur die kurze Distanz zurückzulegen, die bis zu den Sklaven nötig sind.

Entgegen jeder Logik ist die Immerfrosterin erleichtert, als sie aus dem magischen Netz tritt und von dem Chaos umgeben wird, welches sich im Felsenkessel ausgebreitet hat. Inmitten fliegender Pfeile, schreiender Menschen, exotischer Tierschreie und mit dem fast genauso erschütternden Kriegsschrei des Narges im Ohr, schärfen sich Dianthas Sinne und alles, was um sie herum geschieht, scheint sich zu verlangsamen, als sich ihre Hand so fest um den Griff ihres Kurzschwertes schließt, dass sich die Knöchel weiß abzeichnen, in der anderen Hand hält sie einen Wurfstern bereit. Sie sieht, wie Olyvar und Rayan einige Schritt von ihr entfernt zwei Wächter niedermähen, bevor diese wissen, wie ihnen geschieht. Mit wenigen Schlägen seines Schwerts, begleitet von kurzen Erklärungen, sorgt der Lord Commander dafür, dass die Sklaven nicht mehr an der langen Kette im Stein gehalten werden, auch wenn keine Zeit dafür ist, ihre Hand- und Fußeisen zu lösen. Diantha sieht als sie die Sklaven kurz betrachtet in ängstliche und verwirrte Gesichter, doch es ist auch eines dabei, in dem mehr Skepsis als Angst liegt. Letzteres gehört zu einem Mädchen von nicht einschätzbarem Alter, eher klein und schrecklich dürr, ihre Haut ist sonnengebräunt und lässt vermuten, dass sie nicht aus den Herzlanden stammt. In ihren dunkelbraunen Augen liegt neben Skepsis noch etwas, das die Immerfrosterin nur zu gut kennt: Der unbändige Wille zu überleben – und daneben tiefes, vermutlich auf schlimmen Erfahrungen beruhenden Misstrauen, vermutlich glaubt sie von den Händen des einen Sklavenhändlers in die des nächsten zu geraten. Und wer kann es ihr verdenken? Kaum hat Olyvar sie befreit, dreht sich das Mädchen um rennt davon, so schnell es seine dünnen Beine tragen. Dummes Kind! Unbewaffnet und schutzlos inmitten dieses Durcheinanders! Ohne es bewusst entschieden zu haben, hat sich Diantha in Bewegung gesetzt und folgt der Kleinen. Sie wird versuchen aus dem größten Tumult hinauszukommen und sich unbemerkt wegzuschleichen… So hätte ich es an ihrer Stelle jedenfalls gemacht. Den Blick fest auf den schmalen, in graue Lumpen gekleideten Rücken geheftet, beschleunigt sie ihren Schritt, bereit anzugreifen, der sich ihr in den Weg stellt.
The thing with words is that meaning can twist just like a snake.
(Terry Prachett, Lords and Ladies)

Atevora

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Saturday, May 31st 2014, 12:07am

Mit dem aufsteigenden Rauch surren plötzlic,h wie aus dem Nichts, Pfeile durch die Luft. Die Stadtwache war wie geplant vor Ort. Dort wo es die baulichen Gegebenheiten zulassen, streben die Leute vom plötzlichen Ansturm überrascht, kopflos in alle Richtungen davon. In dem brodelnden Gewühl aus Flüchtenden, Fallenden und jenen die sich formatieren, verliert die Magierin für einen Herzschlag völlig den Überblick und Karamaneh, die weit schneller als sie es ihr zugetraut hatte zwischen der Fülle aus Leibern verschwunden war, aus den Augen. Venlain und Venditius bauen sich nebst von ihr schützend auf und bilden für sie und ihren magischen Kollegen lebende Schilder, und schon öffnet sich neben ihr das magische Gewirr und Mercants wird von ihrem magischen Kollegen Tevish in Sicherheit gebracht. Auch sie hat vor dem Brennpunkt zu entkommen um entweder Karamaneh, oder den Commander zu unterstützen, doch dazu müsste sie sehen wo man ihrer bedarf damit sie nicht plötzlich aus dem Nichts aufploppt und alle behindert. Schon ist die erste Welle des Schreckens vorbei, und die Männer haben den Verrat erkannt. Vom Mut der zornigen Todgeweihten bestärkt, stürzen sie sich Venlain und dem Narg entgegen. Mit einem wütendem Kampfgebrüll hebt Venditius sein Schild, holt mit seiner Waffe aus und spaltet mit roher Gewalt einen der Angreifer geradewegs förmlich entzwei. Auch Atevoras Stimme erhebt sich und schwebt verhalten und doch vernehmlich wie unheilvoller Singsangsang zwischen Doggras donnernden Lauten und brachialen Axthieben und dem Säuseln und Klirren Venlains Klinge, die durch die Luft scheidet, oder auf harten Stahl trifft. Venlain und Venditius kennen die Worte des Zaubers die Atevora spricht, oder zumindest die letzten Silben, und beim Erklingen dieser, reißt der Narg sein derbes Schild in die Höhe, Venlain vollführt eine Finte und dreht sich aus der Linie und Beide ducken sich. Schon rast ein dünner Wasserstrahl, gleich dem scharfen Blatt einer Sichel über sie hinweg, dringt durchs weiche Gewebe ihrer Gegner und schneidet deren Kehlen auf. Blut spritzt, ein Gurgeln ertönt, und die Feinde sacken zuckend in sich zusammen.

Ihre Gefährten streben voraus und auch sie steigt eilig sie über die toten Leiber und lässt somit das hölzerne Konstrukt der Arena hinter sich. Endlich kann sie zu dem Areal sehen wo die Sklaven angekettet sind und erspäht den Lord Commander. Defakto nur den Lord Commander und einige Magier wohlgemerkt.. achja und einen Blondschopf. Ist das Diantha?! Der Commander hat in Bezug auf das Retten durchs magische Gewirr nicht auf ihren Rat gehört! Wie erwartet braucht die Unternehmung Zeit und die zerrinnt ihnen gerade viel zu schnell, denn einige Wachen organisieren sich bereits zum Angriff und da sind weit und breit (noch) keine Blaumäntel die Deckung geben. Leck er mich hint... „HUCH!“ Die Magierin kommt nicht dazu sich ernsthaft zu ärgern, und hin und her gerissen zu sein, ob sie ihm zur Hilfe kommen und den Slavenwächtern in den Rücken fallen, oder ihn mit ihnen alleine stehen lassen soll, denn er weiß schließlich was er da tut, nicht wahr, und wenn er unbesonnen war, und dadurch verletzt wird und viele verrecken, ist es nicht ihr Verschulden. Was kümmert es sie schon? Doch, wie erwähnt, sie kommt nicht zu diesen Gedanken, nicht einmal dazu gedanklich zu Ende zu fluchen, denn da rennt plötzlich mit panischen Kicherlauten ein hundartiges Wesen an ihr vorbei. Weitere Tiere huschen, oder Flattern an ihr vorbei, dass sie instinktiv den Kopf einzieht um nicht mit einem Flatterding zu kollidieren. Wo kommen mit einem Mal die ganzen Tiere her die in alle Richtungen davonstürzen? Während Venlain und Venditius kaum Zeit haben, in Kämpfe verstrickt sind und ihren Waffen für Freiraum sorgen, zuckt in der Beiden Deckung der Magierin eine Erkenntnis durch den Kopf. Aber natürlich! Das muss Karamaneh gewesen sein. Sicher, sie wird in ihrer Wargengestalt angreifen. Warum erzählt ihr niemand etwas? Aber das ist die einzig logische Erklärung, warum sollte sie sonst die Tiere freilassen, als aus Tarnung, und die Käfige bieten eine gute Deckung fürs Wandeln. Wusste der Lord Commander bereits von ihrer Fähigkeit? Wussten es die Gardisten? Wusste der Commander von ihrem Vorhaben? Niemand hat etwas verlauten lassen, dass bedeutete, dass Karamaneh womöglich Hilfe benötigen würde, denn wer achtet schon auf eine freilaufende Schattenkatze, es sei denn um sie sich sie vom Leib zu halten, und dafür die Waffen zu benutzen. Ihre Überlegungen gehen schnell, dauern vielleicht einen Herzschlag, doch in der Zeit hat es ein Angreifer geschafft durchzubrechen. Sein Kurzschwert dürstet nach ihrem Leib und geschwind springt Atevora zur Seite, weicht dem Schwerthieb mit Not aus, strauchelt, fällt, rollt sich ab und müht sich in die Höhe um der Attacke zu entgehen. Kaum dass sie wieder steht, sinkt der Angreifer schon mit Venlains Schwert im Rücken in die Knie.

Kurz fliegt der Magierin Blick nochmal zum Geschehen bei den Sklaven, und sieht wie der Commander sein Schild in den Boden rammt und eine goldkupferne Dunstwolke - eine Art kegelartiges Schutzschild, das nichts mehr von außen passieren lässt - das Geschehen zu umgeben beginnt. Es hat etwas eindrucksvolles, bezauberndes an sich, das ihre Sinne lockt daran hängen zu bleiben, die Dunstkräusel und schwebenden goldenen Schlieren länger zu betrachten. Das meinte er also mit 'er bringt die Leute dazu sich ihm zu stellen'. Er spielt Ein-Mann-Schutzschild. Aha. Kommentiert sie gedanklich trocken. Und das war es was er ihr nicht näher erzählen wollte weil sie ein ach so gefährliches böses Wesen ist das zu dumm ist um die Bedeutung von Vertrauen zu erfassen. Was dachte er was sie mit dem Wissen sonst wie schreckliches verbrechen sollte? Dachte er sie stellt ihm und seinen Gardisten eine Falle und lässt ihn von Nabil abschlachten? Es ärgert sie noch immer ungemein. Sie beschließt, dass der Herr hervorragend ohne sie zurecht kommt, und ihr Blick zuckt in eine andere Richtung. Hin zu den Käfigen, und tatsächlich: Dort, ein blonder Haarschopf der zwischen den Gittern verschwindet. „Kara.“ Sie hat auch Nabil gesehen, er bewegt sich mit seinen treuen Gefolgsmännern zum Rand des Geschehens um sich davon zu stehlen. Wie ist er nur so schnell dort hin gekommen? Die Zeit eilt, er wird ihnen noch entwischen! „Leute, dort lang!“ Bellt sie Venditius und Venlain zu und gibt ihnen die Richtung vor um Karamaneh am Weg zu Nabil abzufangen und ihr den Weg zu ihrer Rache zu ebnen, während zu ihrer Linken und Rechten unangenehm nah Pfeile an ihnen vorbei sausen, sodass sie meint sogar noch deren Luftzug zu spüren. Sie müssen unbedingt aus diesem Hexenkessel heraus, bevor sie noch von verirrten Pfeilen der Garde getroffen werden!

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Diantha

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14

Sunday, June 29th 2014, 3:35pm

Innerhalb des ausbrechenden Chaos ist es nicht einfach den Überblick zu bewahren und das dunkelhaarige Mädchen erweist sich als überraschend schnelle Läuferin. Bei der Art sich zu bewegen korrigiert Diantha ihre Altersannahme nach oben, vielleicht ist die Kleine bereits um die acht oder neun Jahre alt. Sie weicht geschickt den Kämpfenden aus und schlägt Haken um alles, was ihr gefährlich werden könnte Sie muss schon viel weggerannt sein in ihrem Leben… Gerade als Diantha endlich aufzuholen beginnt, erklingt eine schmierige Stimme von links: „Na, wen haben wir denn hier? Die Kleine vom Commander?“ Ein untersetzter Mann mit einer breiten Narbe an der rechten Wange schiebt sich Diantha so in den Weg, dass sie nicht an ihm vorbeikommt. In seinen grünbraunen Augen schimmert gleichzeitig Hass und Vorfreude auf baldiges Blutvergießen. „Warum ist sie denn nicht Kinder hüten oder Steinchen verkaufen?“ Wut steigt in der Immerfrosterin auf, doch sie weiß, dass das genau die Absicht ihres Gegners ist, er will, dass sie unvorsichtig wird und es ihm leicht macht, also reißt sie sich zusammen. Im Bruchteil eines Augenblicks macht sich Diantha einen Eindruck von ihrem Gegenüber und ihr fällt einiges auf: Seine Rüstung ist zwar schon ordentlich mitgenommen, aber nicht die schlechteste. An seiner Hüfte hängt eine Scheide für ein Langschwert, doch in der Hand hält er ein Fünffingerschwert, also höchstwahrscheinlich ist es nicht seine Waffe, die er führt. Das heißt er ist den Umgang mit ihr nicht gewohnt und das kann ein großer Vorteil für Diantha sein, außerdem ist ihr Katzbalger seinem Schwert möglicherweise überlegen, dafür hat sie vermutlich weniger Kraft als er. Zudem stimmt an seiner Körperhaltung etwas nicht so recht, er steht nicht in der Balance und die Immerfrosterin schätzt, dass er an seinem linken Bein schon etwas abbekommen hat. „Verschwindet von hier und ich lasse euch leben“, entgegnet sie unbeeindruckt und erhält als Belohnung einen unrunden Schwerthieb, dem sie mühelos ausweicht. „Um mich dann zwei Tage später aufzuknüpfen?“, zischt der Angreifer. Natürlich hat er Recht und in seinem Blick liegt das Wissen, dass er bald sterben wird, sich aber nicht kampflos ergeben will. Am liebsten würde er natürlich Diantha mit sich nehmen, doch das kann sie ihm nicht erlauben, also greift nun sie an und zielt auf seine linke Seite, er pariert jedoch mit finsterem Blick. Bei seinem anschließenden, diesmal genaueren Angriff verfehlt er Diantha nur knapp, die sich rasch wegduckt und nun ihre Chance sieht, als er sich durch den Schwung seines Angriffs ein Stück zur Seite dreht. Unerbittlich bohrt sich der Katzbalger durch die Rüstung im Rippenbereich unter dem linken Arm. Mit weit aufgerissenen Augen schlägt der Mann hektisch mit seiner Waffe nach Diantha, die sich wegdreht und so nur einen kleinen Teils den Schlages am linken Oberarm abbekommt, der noch durch ihre Lederrüstung abgedämpft wird. Kaum hat sie ihre Drehung vollendet setzt sie nach und zielt dieses Mal auf die linke Kniekehle ihres Gegners, der kaum dass sie trifft wie ein Stein umfällt und sein Schwert fallen lässt. Blutend und stöhnend liegt er am Boden und schaut hilfesuchend zu Diantha auf, die ihm eine Gnade zukommen lässt, die er in ihrer Position sicherlich nicht gezeigt hätte, als sie ihm einen schnellen Tod zukommen lässt.

Nur kurz ruht ihr Blick auf dem Toten, dann schaut sich die Immerfrosterin nach dem Mädchen um, das vermutlich mittlerweile längst über alle Berge ist. Sie meint aus dem Augenwinkel die Shin zu sehen und es wirkt, als würde sie sich aus dem Kampfgeschehen zurückziehen, doch das kann auch eine Täuschung sein. Da fallen Diantha zwei Männer mit abstoßendem Grinsen ein Dutzend Schritt von ihr entfernt auf, einer hält die Kleine an der Schulter gepackt, der andere scheint ihr den Kittel vom Leib reißen zu wollen. Beide Kerle sind groß und breit, nicht sonderlich gut ausgerüstet, der eine scheint sogar nur eine Peitsche zu besitzen, aber ihre Gesichtsausdrücke sind eindeutig. Der Blick der Immerfrosterin heftet sich auf einen der Widerlinge, die das Mädchen bedrängen und kalter Zorn steigt in ihr auf. Der Blick in den Augen der beiden Männer ist nur zu deutlich und lässt jeden Zweifel an der Gerechtigkeit ihrer Sache schwinden. Ohne das Wissen, dass es sich hier um zwei Menschen handelt, die anderen gerne und mit Begeisterung Schmerzen zufügen, wäre Dianthas Hand sicherlich nicht so ruhig, als sie ohne weiter darüber nachzudenken zielt und in kurzem Abstand zwei Wurfsterne auf ihr erstes Opfer wirft. Kalter Stahl fliegt durch die Luft und findet sein Ziel, einer der Sterne bohrt sich unerbittlich tief in das Auge, der andere in den Hals des Mannes und er bricht zusammen. Als sich Diantha gerade dem anderen Ekel zuwenden will, fällt dieser von drei kurz hintereinander abgeschossenen Armbrustbolzen gespickt um. Voll Dankbarkeit stellt die Immerfrosterin fest, dass ihr wohl jemand den Rücken freihält, doch Zeit sich nach ihm umzusehen hat sie nicht. Sie überprüft, ob die beiden auch tatsächlich ihr Leben ausgehaucht haben, was zutrifft, und zieht die Wurfsterne aus dem Opfer. Das Mädchen starrt Diantha aus großen braunen Augen an und die reicht ihr die linke Hand. „Ich bringe dich hier raus, aber du musst mir vertrauen!“ Kaum hat sie ausgesprochen erklingt ein lautes Brüllen aus einiger Entfernung, das es einem flau in der Magengegend machen kann. Mit zittrigen Fingern nimmt das Mädchen ihre Hand und sie rennen los, so schnell die Kleine kann, was schon ein beträchtliches Tempo ist. Diantha hält soweit es geht den Kopf oben um einen Überblick über das Kampfgetümmel zu behalten und mögliche Angreifer frühzeitig auszumachen, während das Mädchen seinen Blick auf den Boden gerichtet hält um sicheren Tritt für ihre Füße zu finden. Damit ist die Wahrscheinlichkeit, dass es ausrutscht und fällt schon einmal sehr gering, was beruhigend ist. Der Gestank nach Blut, Schweiß, Urin und Erbrochenem, wie ihn die meisten Schlachtfelder an sich haben, tritt in den Hintergrund und Diantha nimmt nur noch den festen Griff der Kinderhand wahr und konzentriert sich so gut sie kann auf jeden Sekhel ihres Fortkommens, ohne die Umgebung aus den Augen zu lassen. Es kommt ihr zugute, dass der Großteil der Angreifer sich auf Rayyan und Olyvar konzentriert oder in andere Kämpfe verstrickt ist, sodass kaum jemand Diantha und das Mädchen bewusst wahrzunehmen scheint. So folgen sie einem Weg, den nur die Immerfrosterin sehen kann und die Kleine hält gut Schritt, bis wenige Meter vor ihrem Ziel. Dort stellt sich ihnen ein kleiner, breiter Mann mit höhnischem Grinsen und einem Beil in jeder Hand in den Weg und Diantha reißt das Mädchen hinter sich und ihren Katzbalger hoch, doch noch bevor er zum Einsatz kommen kann, wird der Gegner von einem Blaumantel fast überrannt und in einen Kampf verstrickt. Dank der unerwarteten Hilfe haben sie es endlich geschafft und sind ganz in der Nähe von Olyvar und Rayyan, als die Immerfrosterin ihr Glück kaum fassen kann: Dort steht tatsächlich noch Pumquat und hält Ausschau nach ihr! Mit ein paar langen Schritten ist Diantha bei ihm und drückt ihm das Mädchen förmlich in die Arme. „Bring sie hier weg!“, ruft sie und will die Kleine loslassen, doch die Kinderfinger krallen sich fest um ihre Hand. „Er bringt dich in Sicherheit, versprochen!“, sagt die Immerfrosterin eindringlich und schaut in skeptische braune Augen, die endlich nachgeben und der Griff löst sich. Noch bevor Pumquat mit dem Mädchen in das magische Netz verschwindet, wendet sich Diantha um, greift sich einen am Boden liegenden kleinen herrenlosen Rundschild und macht sich auf den Weg, Rayyan und Olyvar beizustehen.
The thing with words is that meaning can twist just like a snake.
(Terry Prachett, Lords and Ladies)

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Rayyan

Hänfling

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Sunday, July 13th 2014, 12:24pm

Ende Taumond 514

Eins, zwei, fünf… viele. Mit einem achtlosen Schulterzucken lässt Rayyan den Gedanken an ein wenig Angeberei fallen, hebt beide Arme und lässt die Handinnenflächen nach unten gerichtet einmal von links nach rechts in einem Halbkreis über den Sand hinweg gleiten. „Sar mede…” Ein goldenes Flirren gleich kochender Hitze bildet sich in der Luft zwischen seinen Fingern und beginnt in kleinen Wirbeln über seine dunkle Haut zu tanzen. Es ist das Mana, das er gerufen hat, die Essenz seiner Kraft, die ihm die Herrschaft über das Element Erde verleiht. Ein dumpfes, schweres Rauschen steigt aus den Tiefen des Sandes empor und nicht nur er fühlt wie ein schwaches Beben unter ihren Füßen hindurch rollt, als würde sich viele Schritt unter ihnen ein riesiges Monster seinen Weg an die Oberfläche graben. Auch Olyvar kann es spüren und verändert seinen Stand unmerklich, während zwei der Männer, welche sich mit aller Kraft gegen den unsichtbaren Schildwall stemmen argwöhnische Blicke tauschen. Einer der beiden lässt selbst von seinen Bemühungen ab und weicht durch innere Instinkte geleitet zurück. Es rettet ihm das Leben.
„… forwyrcan.“ Als würde er die letzte Zeile einer Beschwörung theatralisch untermalen wollen, reißt Rayyan seine Hände in die Höhe und drückt sie nahezu im gleichen Augenblick wieder nach unten.
Die goldenen Manaströme, die sich eben noch um seine Finger gewunden haben, schießen nach vorne und versickern direkt unter ihren Angreifern im Sand.
An dessen Stelle nur eine Sekunde später eine halbmondförmige, zwei Schritt tiefe Grube klafft. Die Männer sind gefallen, noch ehe sie realisieren was geschehen ist und Rayyan gibt ihnen keine Zeit sich zu sammeln. Mit der exakt gleichen Gestik, nur umgekehrt ausgeführt, und nahezu identischem Wortlaut füllt er das Loch im Boden wieder auf und vergräbt die Männer bei lebendigem Leib.
Nur ein Einziger hat es geschafft sich mit einem beherzten Sprung rechtzeitig in Sicherheit zu bringen und starrt nun ebenso verwirrt, wie entsetzt auf die Stelle, wo eben noch mehr als ein halbes Dutzend seiner Kameraden standen. „Der gehört dir“, erklärt Rayyan ohne aufzusehen und klopft sich den Staub von seinem Hemd, während Olyvar den letzten Überlebenden mit zwei schnellen, langen Schritten erreicht und zwei noch viel schnelleren Hieben niederstreckt.

In diesem Moment taucht aus dem Nichts Pumquat neben ihm auf und bedenkt ihn aus scheelen Glubschaugen mit herausfordernder Geringachtung. Seit Rayyan versucht hat den Kobold mit einem alten Folianten zu erschlagen ist dieser nicht mehr allzu gut auf den Azurianer zu sprechen. Mittlerweile herrscht zwischen den zwei Magiern eine Art erzwungener, jedoch sehr strikter Waffenstillstand, mit Vornamen auch Olyvar genannt, der sehr deutlich gemacht hat, dass er keinen Streit zwischen seinem Freund und seinem Scriptor dulden wird und sie beide ein paar lange Nächte fernab jeglicher Behaglichkeit – ohne zirpende Feen und willige Huren – in den Kerkern fristen würden, sollte es ihnen einfallen ihre gegenseitige Abneigung handfest oder magisch zu besiegeln. Kein Grund seine Manieren zu vergessen: „Kleiner, schwebender Scheißer.“ In den Koboldaugen blitzt es und das linke Lid des Scriptors beginnt hektisch zu zucken, da stürzt Diantha aus der Menge, ein Kind in ihren Armen. Sie hält sich gar nicht erst mit langatmigen Erklärungen auf, sondern wirft einen hektischen Blick auf den Rücken ihres Mannes und drängt das Mädchen dann dem Kobold regelrecht in die Winzärmchen, mit der Bitte es unverzüglich in Sicherheit zu bringen. Das Mädchen, ein verschmutztes, mageres Ding, löst sich jedoch nur widerwillig von ihr und lässt sich noch viel widerwilliger von Pumquat durch das simmernde Tor bugsieren, welches er die ganze Zeit über offen gehalten hat. Kaum sind Kobold und Kind im magischen Gewirr verschwunden, löst sich der Riss mit einem schlangenähnlichen Zischeln in Rauch auf und gibt den Blick auf das Kampfgetümmel direkt dahinter frei.

In diesem Moment hört Rayyan Olyvar rufen. Nicht laut hinaus, nicht in Form von Worten, sondern über die Bande, die sein Freund noch vor der Schlacht über dessen dritten Ritterring zwischen ihnen gespannt hat. Lyamh`s Eid hat eine eiserne Verbindung zwischen den beiden Männern geschaffen, die es ihnen erlaubt instinktive Handlungen und Intentionen des jeweils anderen wahrzunehmen, bevor dieser sie umgesetzt hat. Auf diese Weise bilden sie nun einen perfekt eingespielten Trupp, wie es für gewöhnlich nur jahrelange Zusammenarbeit schafft. Die unausgesprochene, lediglich gefühlte Aufforderung ihm unverzüglich zu folgen, beziehungsweise der Instinkt auf Verstärkung zu warten, sirrt durch Rayyans Körper, doch als er sich umdreht ist Olyvar bereits unterwegs und halb im Chaos fliehender und kämpfender Menschenmassen verschwunden.
„Diantha, komm!“, ruft Rayyan der Immerfrosterin über die Schulter zu, ohne sich wirklich zu ihr umzudrehen. Er weiß bereits, wen Olyvar eigentlich sucht und zu wessen persönlicher Unterstützung sie eigentlich da sind und auch wenn er den ganzen Aufwand, den sein bester Freund für diese Sklavin betreibt, nicht wirklich versteht, so wird er tun, worum Olyvar ihn gebeten hat. Ihm den Rücken freihalten und Karamaneh den Weg freiräumen. Nabil gehört Karamaneh. Wir kümmern uns um seine Leibwächter, hatte Olyvar gesagt und Rayyan hatte ohne zu zögern versprochen ihn dabei zu unterstützen, abgesehen von ihrer Freundschaft treiben ihn allerdings keinerlei edlen Werte, sondern einfach nur der Wunsch Ballabars vielleicht blinden, aber immer noch verdammt wachsamen Argusaugen zu entkommen. Als er endlich zu Olyvar aufgeholt hat, vergewissert sich dieser soeben innerlich, dass sie beide bereit sind, ohne dabei den Blick von einem Mann etwas abseits des Geschehens zu nehmen, der den Kampf aus der Sicherheit hinter seinen vier Handlangern hervor verfolgt. Karamaneh kann Rayyan nicht entdecken (und die Schattenkatze, die ungehört und ungesehen entlang der schattenzerklüfteten Felshänge huscht, glücklicherweise auch nicht, sonst hätte er sie möglicherweise als unmittelbare Gefahr eingestuft). Rayyan ist dem Sklavenhändler mehrfach in der Nyzemia begegnet, hat selbst über eine Flasche exquisiten Hamadat hinweg einige Floskeln in Hôtha mit ihm gewechselt, damals noch ohne das Wissen, dass Olyvar einen Spion auf den Mann angesetzt hatte. Er hegt keinen Groll gegen den Landsgenossen und in Azurien wären sie beide einfach ihrer Wege gegangen. Aber das hier ist nicht Azurien.
Ajwa, erwidert Rayyan, indem er einen festen Stand sucht und die Arme nach vorne streckt, bereit.