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Aneirin

Stadtbewohner

Posts: 649

Occupation: Bäcker

Location: Talyra

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16

Thursday, March 20th 2014, 3:55pm

Warnhinweis: Nachfolgende Inhalte enthalten homoerotische Handlungen und sind für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren sowie zartbesaitete Personen nicht geeignet.

Ein zufriedenes Lächeln umspielt Aneirins Lippen als er tatsächlich Tyalfens lustvollen Seufzer vernimmt. Fasziniert beobachtet er die verschiedenen Regungen auf dem Gesicht des Elben auf das fordernde Spiel seiner Finger, die mal zärtlich streicheln, sich dann wieder forsch darum schließen, um anschließend sogleich wieder auf Erkundung zu gehen. Während er des Freundes Mienenspiel nicht aus den Augen lässt, wandern seine Lippen immer wieder begierig über dessen Haut. Als wollen sie ihn von jedem einzelnen Wassertröpfen höchstpersönlich befreien, fahren seine Lippen über dessen Schulter hin und her. Als der Barde dann aber auch noch dessen Hand um seine Erregung greifen spürt, ist plötzlich jede Konzentration dahin, dass es selbst schwerfällt, den Atem unter Kontrolle zu halten.
Widerstandslos lässt er Tyalfens Haar durch seine Finger gleiten, ist es doch ein angenehmer Tausch daraufhin dessen liebkosende Lippen auf seiner Haut zu spüren, dass es ihm die Härchen auf seinen Armen aufstellt. Gerade nähert er sich mit seinem Gesicht dem des Elben, um dessen Lippen zu empfangen, als sie ihm schon fordernd entgegen kommen, sich holen wonach ihnen verlangt und dann über seine Wange zu seinem Ohr streifen. Vergnüglich lächelnd lässt er ihn gewähren, bis…
<„Dreh dich um!“>, keucht Tyalfens Stimme an seinem Ohr. Sprachlos stockt ihm der Atem und seine geweiteten Augen starren wie versteinert ins Nichts. Er hat sich verhört, da ist er sich sicher. <„Bitte … dreh dich um!“> Also gut, er hat sich nicht verhört. Tyalfens Hand stoppt jegliche Bewegung und untermalt damit den Ernst in dessen Stimme. Aneirin wagt es den Freund anzusehen und was er in dessen Blick sieht, lässt ihm das Herz bis zum Hals schlagen. „D-Das ist nicht dein Ernst“, stammelt er, obwohl er die Antwort schon längst kennt. Das Verlangen in Tyalfens Augen und dessen bebender Leib verraten es ihm.
„Nein!“, entfährt es ihm. <„Dreh dich um!“>, wiederholt der Elb fordernder als zuvor und des Barden Antwort ignorierend. ‚Bei Lyr, hört er überhaupt zu?‘, schießt es Aneirin durch den Kopf. „Niemals! Vergiss es!“, protestiert er und will die Hände auf Tyalfens Schultern legen, um ihn fortzudrücken. Dummerweise hält der Elb seine rechte Hand immer noch umklammert und verstärkt den Griff sogar, als Aneirin versucht, sich daraus zu winden. Er legt seine Linke auf des Elben Brust. Doch bevor er Anstalten macht ihn fort zu drücken, hält er inne. Tyalfens Herz schlägt kräftig unter seiner Hand und
als er den Elben erneut mustert, scheint alles an ihm, sowohl Körper als auch Geist, nach Erlösung zu schreien. Und trägt er nicht mit Schuld daran? Wangen und Ohren röten sich, während er Tyalfen unsicher anblickt und sich dann, aber nicht ohne weiteres Zögern, in sein Schicksal ergibt.
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Tyalfen

Stadtbewohner

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17

Thursday, March 20th 2014, 3:56pm

Warnhinweis: Nachfolgende Inhalte enthalten homoerotische Handlungen und sind für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren sowie zartbesaitete Personen nicht geeignet.

Niemals? Vergiss es? Sie haben den Punkt längst überschritten, um noch umkehren zu können. Selbst in Tyalfens Antlitz scheint jeder Muskel vor Anspannung zu vibrieren und wie Donnergrollen dröhnt ihm das eigene Blut in den Ohren. Er bemerkt nicht einmal, wie fest sich sein Griff um Aneirins Handgelenk schließt. Und doch ist des Freundes Hand auf seiner Brust - eine unüberwindbare Barriere, die imstande ist, unsichtbare Fesseln um des Elben Leib zu schmieden. Sein Drängen versteht sie zu zügeln, doch das Drängen seiner eigenen Lenden wird zur entsetzlichen Folter, an der Tyalfen zu zerbersten glaubt. Wer hätte auch gedacht, dass der Elb statt an seinem Sonnenaufgang an seinem Retter zu verbrennen könnte?

Unerwartet wendet sich das Blatt, dieser faszinierende Menschensohn, dieser einmalige Freund und es ist ein überwältigendes Gefühl, wenn sich dunkle Leidenschaft mit geweitetem. lichten Herzen paart. Um so vieles sanfter schmiegt er sich an des Freundes Rücken und streicht ihm das nassschwere Haar aus dem Nacken, nur damit seine Lippen Platz für all die Zärtlichkeiten finden, die seine Hände allein nicht auszudrücken vermögen. So quälend es auch sein mag, seinen Hunger nicht sofort an ihm zu stillen, so will er den Freund doch alle Unbehaglichkeiten vergessen machen. Und erst als lüsterne Stürme durch Aneirins Körper peitschen, nimmt er ihn sich.

Erschöpft und schwitzend, aber auch von tiefster Zufriedenheit berauscht, lehnt Tyalfens Wange auf des Freundes Schulter, derweil er sein noch immer wild pochende Herz zu zähmen versucht. Seinen Natsai (Trost) und Syl (Bruder) hatte er ihn in der Hitze der Leidenschaft genannt und wenn er sich recht entsann sogar min Dotimo (mein Liebling), lächelt er versonnen und ist keineswegs bekümmert, dass Aneirin seiner Sprache nicht mächtig ist. Gerade will er ihm einen letzten Kuss auf die salzige Haut hauchen und sich von ihm lösen, als er im Augenwinkel einer Bewegung gewahr wird. Sie ist es, das Fräulein, dessen Angewohnheit es zu werden wollen scheint, sie in den ungünstigsten Momenten zu überraschen. Lächelnd lehnt sie gegen eine Wand und hebt drei Finger, als er ihr das Haupt zuwendet. ‚Drei?’ Tyalfen weiß sofort, was sie meint und hebt die Hand, um ihr zwei anzubieten. Sie lacht, stemmt die Hände in die Hüften und schüttelt heftig den Kopf. Der Elb muss einsehen, dass er in der denkbar ungünstigsten Positionen für die Verhandlung ausstehender Gefälligkeiten ist und gibt sich mit drei gehobenen Fingern geschlagen. Und während sie triumphierend davonhuscht, lehnt er seine Stirn seufzend an Aneirins Schopf. „I îhios bandaron!“ (Ich bin verrückt!)
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Aneirin

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18

Thursday, March 20th 2014, 5:18pm

Das Kinn auf seine Unterarme gestützt, die auf dem Beckenrand liegen, starrt Aneirin abgekämpft, gedankenverloren und mit immer noch etwas schneller klopfendem Herzen vor sich hin. Den Körper des Freundes an seinem Rücken und dessen Kopf auf seiner Schulter spürend, wagt er es kaum sich zu bewegen, um ihn nicht zu vertreiben. Kurz überlegt er, ob er Tyalfen später fragen soll, was die Worte wohl bedeuten, die ihm entfuhren. Dann überlegt er es sich aber anders, denn vielleicht ist es besser, wenn er nicht weiß, was er ihn alles geschimpft hat. Aneirin unterdrückt ein Kichern, das dennoch durch seinen Körper zuckt. Ein schmerzliches Ziehen in seinem Allerwertesten lässt ihn dann aber inne halten und tief seufzen. Er selbst kann es immer noch nicht fassen, dass er es so weit hatte kommen lassen. Und dennoch hat er es genossen, ganz und gar.
<„I îhios bandaron!“>, vernimmt er Tyalfens Worte, als dieser seine Stirn gegen seinen Hinterkopf lehnt. Aneirins Lippen verziehen sich zu einem Lächeln. „Ganz deiner Meinung“, erwidert er, auch wenn er keine Ahnung hat, was diese Worte bedeuten mochten. Aber seine Antwort würde auf viele Möglichkeiten passen. Er dreht sich um und blickt den Elben an. Dessen Züge mit diesem zutiefst zufriedenen Lächeln wirken so restlos entspannt, wie der Barde es an ihm zuvor noch nicht gesehen hat, sodass es jeglichen noch so winzig aufkeimenden Zweifel über das Geschehene erstickt. Er legt seine Arme um des Freundes Nacken und lehnt die eigene Stirn an die seine. Eine Weile starrt er einfach nur in Tyalfens tiefgrüne Augen. Doch bevor er beginnt sich darin zu verlieren, lacht er laut auf.
„Das nächste Mal lass mir wenigstens ein wenig Zeit, mich daran zu gewöhnen, bevor du dich derart gehen lässt!“, grinst er mit dem Gedanken an sein geschundenes Hinterteil. Schlagartig hält er inne und starrt Tyalfen erschrocken an, als ihm bewusst wird, was er dem Freund gerade angeboten hat. „Äh, ich meine…“, versucht er in seinen rasenden Gedanken verzweifelt nach einer wenigstens halbwegs plausiblen Ausrede zu fischen. „Ich… oh, bei Lyr, hör auf zu lachen!“, seufzt er tief und fällt umgehend in das Lachen mit ein. „Warte, du elender…“, schimpft er wenig ernst, holt Luft und taucht unter. Dann greift er mit den Armen um Tyalfens Leib und zieht und drückt ihn ebenfalls unter die Wasseroberfläche.
Als er wieder auftaucht, begibt er sich den Elben demonstrativ ignorierend Richtung Treppe. Sein Gang mag dabei ein wenig steif anmuten, während er die Lippen aufeinander gepresst hält und die Augen ein wenig zusammen kneift. Dann hält er aber doch noch einmal inne, wendet sich zu dem Elben um, während er darauf wartet, dass dieser sich auf seinen Wink hin zu ihm bequemt. Aneirins Lächeln verflüchtigt sich für einen Augenblick. „Tu mir bitte einen Gefallen und erwähne Dayan gegenüber vorerst nichts hiervon, ja?“, fragt er mit gesenkter Stimme und bittendem Blick, hat er keine Ahnung, wie er ihre Reaktion einschätzen soll. „Du bist mir dafür schließlich was schuldig!“, fügt er mit einem Fingerzeig auf seinen Hintern schon wieder etwas, wenn auch schmal grinsend hinzu. „Untersteh dich!“, keift er sicherheitshalber und weicht ein Stück zurück, muss dabei aber kichern. Heiler oder nicht, Tyalfen hat heute schon genug mit ihm angestellt.
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Tyalfen

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19

Friday, March 21st 2014, 1:16am

Das nächste Mal?’ Keine anderen Worte könnten Tyalfen in diesen butterweichen Momenten so hellhörig machen wie diese. Unweigerlich dehnt sich das innige Lächeln auf seinen Zügen zu einem Schmunzeln, keines mit spöttischen Touch, sondern ebenso nachsichtig wie breit. Aus dem Freund spricht die unverbesserliche Kühnheit nach dem ersten Mal. Sie sei ihm ohne jegliche Belehrung vergönnt, gleichwohl an seinen Entspannungstechniken noch zu feilen wäre. Doch des Einen Leid ist des Anderen Freud. Tyalfens Zwerchfell zuckt verräterisch bei dieser so frischen Erinnerung. Und als der Freund ihn auch noch mahnt, nicht zu lachen, da kann er nicht anders. Sie lachen beide.

Dieses Mal ist Aneirins Attacke vorhersehbar und als der Freund ihn unter Wasser reißt, sind seine Lungen gut gefüllt und die Lippen geschlossen, so dass der Freund keine neuerlichen Tritte fürchten muss. Das kühle Nass ist sehr willkommen, sich den Schweiß von der Haut zu spülen, schade nur, dass es auch den unverwechselbaren Geschmack des Freundes von seinen Lippen wischt. Tyalfen hätte schwören können, seine Haut schmecke nach einem Hauch frischen, würzigen Brotes. Dafür ist das kühle Nass imstande, die Lebensgeister zu erfrischen und diese wohlig-träge Schwere abzuwaschen. Ein paar Schwimmzüge verweilt Tyalfen unter der Wasseroberfläche, nicht so wendig wie Aneirin, als er ihm Kunststückchen zeigte, doch immerhin. Doch als er wieder auftaucht, ignoriert ihn der Freund so unauffällig auffällig, dass Tyalfen die Arme amüsiert vor der Brust verschränkt. Der arme Kerl hat sich wirklich erst recht spät entspannt. Sollte es tatsächlich irgendwann einmal ein nächstes Mal geben, sollte er ihm eine bessere Technik zeigen.

„Ich gehe mit derlei Genüssen grundsätzlich nicht hausieren.“, versichert er dem Freund und lässt die Arme sinken, um ihm aus dem Becken zu folgen, ohne pikiert zu sein, dass Aneirin das überhaupt anspricht. Dayan reagierte schon auf harmlose Freundlichkeiten Jenna gegenüber recht verstimmt. Da mag es wohl eine berechtigte Sorge sein, was passierte, wenn sie hiervon erführe. Er würde sie gewiss nicht anlügen, so sie ihn fragen sollte, doch er würde ihr keinen Anlass geben, Verdacht zu schöpfen. „Aber bei Deiner Gangart … Soll ich nicht doch? … Schon gut!’, hebt Tyalfen beschwichtigend die Hände und wird keine Hand mehr an ihn legen, außer er verlangt danach.

<„Du bist mir dafür schließlich was schuldig!“> Tyalfen muss leise lachen. „Was immer Du verlangst! Aber warst Du es nicht, der mich bat, Dich die Stabkunst zu lehren?“, grinst er ihn unverhohlen zweideutig an und klopft ihm zu ihm aufschließend beschwichtigend auf die Schulter. „Danke!“ Es ist ein einfaches Wort und drückt doch soviel mehr aus, für dass es keine rechten Worte gibt.
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Aneirin

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20

Friday, March 21st 2014, 4:24pm

<„Aber warst Du es nicht, der mich bat, Dich die Stabkunst zu lehren?“> Aneirin hebt den Finger und öffnet den Mund um etwas zu erwidern. Die auf seine Schulter klopfende Schulter und der ehrlich ausgesprochene Dank jedoch lassen den Finger einknicken und die Lippen sich wieder schließen. Dafür spiegeln sie daraufhin ein zutiefst ehrliches und erfreutes Lächeln wider, als er auch seine Hand an des Freundes Schulter legt. „Dafür sind Freunde da.“ Mit dann doch wieder aufblitzenden Schalk legt er den Kopf schief. „Nun ja, nicht unbedingt DAFÜR“, scherzt er und gleitet dann mit der Hand über Tyalfens Brust zu dessen Herzen. „Aber dafür… Denn ein Freund ist ein Mensch, der die Melodie deines Herzens kennt und sie dir vorspielt, wenn du sie vergessen hast.“
Versonnen lächelnd starrt er auf seine Hand auf des Elben Brust. Fast glaubt er das Band spüren zu können, das vom ersten Tage in dieser Stadt zwischen ihnen drein geknüpft worden und stetig wie fest gewachsen ist. Und er kann sich nicht vorstellen, dass dies sich jemals ändern würde. „Und mit Melodien kenne ich mich glücklicherweise gut aus“, fügt er schließlich den Blick hebend und die Hand zurückziehend hinzu und wendet sich mit einem Zwinkern ab, um über die Stufen hinaus aus dem Wasser zu steigen.
Schwer fühlt sich sein Körper an und die verweichlichten Knie brauchen einen Moment, um seinen Leib ohne Schwanken zu halten. Bald schon hat sich sein Körper wieder gefangen und auch der Gang hinüber zu Bank samt Handtüchern wirkt schon nicht mehr ganz so steif. Aneirin schwingt sich eines der größeren Badetücher um die Hüfte und wirft das andere dem Elben zu. Das kleine Handtuch legt er sich um den Nacken und löst das Haarband, das sowieso nur noch einen Teil der Haare zusammen hält. „Was immer ich verlange?“, fragt er nachdenklich, als er Tyalfen das letzte Handtuch reicht und den Freund eindringlich mustert. "Dann erzähl mir von ihr... von deiner Naralîn..."
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Tyalfen

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21

Friday, March 28th 2014, 2:09am

Tyalfens Hand legt sich auf die des Freundes auf seinem Herzen und er kann ob dessen Worten, in denen so viel Poesie wie Zuneidung liegen, nur zutiefst berührt lächeln. Er hätte nicht glauben können, dass es Menschen solch reinen Herzens gäbe, stünde Aneirin ihm nicht leibhaftig gegenüber. Hatte er wirklich geglaubt, es sei möglich, sich hier an niemanden zu binden, um wieder so gehen zu können, wie er gekommen war? Was für ein närrischer Gedanke! Ein wenig wehmütig lässt er Aneirins Hand ziehen, obwohl er ihrer nicht bedarf, ihre Verbundenheit zu fühlen. Hoffentlich mochte seine Melodie noch lange nachklingen, wenn er eines Tages heimkehrte.

Der Elb folgt dem Freund aus dem Becken und fängt das zugeworfene Handtuch, welches er behände um seine Lenden legt. „Wärmen wir uns noch ein wenig im Hârarat auf?“, schlägt Tyalfen einen Abstecher in die zweite Halle der Badehäuser vor, weil er die wohlige Trägheit seines Leibes noch etwas auskosten möchte, bevor sie sich durch die kalte Nacht auf den Heimweg machen. Doch Aneirin scheint andere Pläne zu haben. „Was immer Du verlangst!“, nickt er dem Freund aufmunternd zu, nur keine Scheu zu haben und auszusprechen, was immer er wollte. So tut er es auch und Tyalfen spürt, dass alles, was der Freund zu wissen wünschte, bei niemand anderem besser aufgehoben sein könnte. Er setzt sich und bedeutet Aneirin es ihm gleich zu tun. Für einen Augenblick schließt er die Augen und ein selbstvergessenes Lächeln stiehlt sich auf seine Züge.

„Naralîn …“, beginnt er leise, dass es kaum mehr als ein Flüstern ist, „… sie war ein leuchtender Stern in meinem Volk. Sie war so unfassbar schön, schön in ihrem Geist, schön in ihrem Herzen und wunderschön anzusehen. Du hättest sie gemocht. Wenn sie sang, verstummten alle Vögel, um den Klang ihrer Stimme zu lauschen. Wenn sie lachte, kannte mein Herz keine Sorge mehr. Wenn sie mich mir ihren azurblauen Augen ansah, war ich dem Himmel so nah. Ich weiß nicht, warum sie unter all ihren Freiern ausgerechnet mir ihr Herz schenkte. Doch nichts könnte mir je mehr bedeuten.“
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Aneirin

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22

Sunday, March 30th 2014, 6:29pm

Aneirin lässt sich neben dem Elben auf der Bank nieder und beobachtet dessen Züge, auf die sich ein Lächeln stiehlt, während er dort mit geschlossenen Augen und in Gedanken versunken in seinen Erinnerungen zu kramen scheint. Er würde nicht wagen den Freund zu drängen, sondern wartet artig bis Tyalfen es über sich bringt, von seiner Gemahlin zu erzählen. Sanft werden nun auch Aneirins Züge, wie er den Freund so voller Leidenschaft und Sehnsucht von seiner Liebsten reden hört, sodass er schließlich selbst die Augen schließt. Im Geiste versucht er sich ein Bild von ihr zu malen, das Tyalfens Ausführungen jedoch nicht einmal ansatzweise gerecht zu werden vermag.
Seine Finger huschen über die Bank und suchen nach Tyalfens Hand, diese zu umschließen, als könne es ihm helfen ein klareres Bild von ihr zu bekommen. Ob der Elb mittels dessen Fähigkeit zur Empathie womöglich tatsächlich ein Bild von ihr mit ihm teilen könnte? „Weil sie erkannte, dass die Melodien eurer Herzen die perfekte Harmonie bilden“, erwidert er lächelnd als wäre es selbstverständlich. „Sie muss wahrhaftig eine wundervolle Frau sein. Ich würde sie sehr gern kennenlernen.“ Da aber stutzt Aneirin und öffnet die Augen, um den Freund fragend anzusehen. „Ich verstehe nicht ganz. In der Harfe sagtest du, du würdest auf ihre Rückkehr warten. Aber jetzt redest du von ihr, als... wäre sie Vergangenheit.“
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Tyalfen

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23

Tuesday, April 1st 2014, 5:34pm

Die perfekte Harmonie zweier Herzen - vermutlich war es tatsächlich genau das. Eine andere Erklärung hat Tyalfen nie gefunden, war er doch damals noch ein Jüngling, der nichts als sich selbst vorzuweisen hatte. Tyalfen nickt von Aneirins Hand in dessen Antlitz aufschauend. Ja, er wünschte auch, Aneirin könnte sie kennenlernen – ein schöner, aber wohl illusorischer Gedanke. Dazu müsste er Naralîn in den nächsten fünfzig, sechzig Zwölfmonden finden und für sich gewinnen. Die nächsten zwölf Zwölfmonde jedoch konnte er weder das Eine noch das Andere, ist er „verbannt“ aus den Elbenlanden. Sie hätte ihn gemocht, diesen Menschensohn, ist sich Tyalfen sicher. Naralîn hatte immer mit dem Herzen gesehen, einem reinen, sanften Herzen, voller Glanz und Edelmut. Wie sehr es ihm doch fehlte, sie ihm fehlt.

Der Freund stutzt und Tyalfen wundert sich nicht darüber, schließlich teilen die Menschen nicht das Los der Wiedergeburt. „Sie ist Vergangenheit und Zukunft. Du sollst wissen, uns Elben ist es nicht vergönnt, nach unserem Tode für alle Ewigkeit zu Füßen der Götter zu wohnen, wie einst in unserer alten Welt Tiansidha. Wir sind immerfort an Roha gebunden und müssen zurückkehren, wenn unsere Seelen in Sithechs Hallen geläutert wurden. Sie wird es eines Tages auch und darauf warte ich. Auch wenn sie nicht mehr wissen kann, wer sie einst war, wer ich bin und sie meinen Augen fremd sein wird, so trage ich doch ihren letzten Kuss immer bei mir.“, senkt sich sein Blick auf den silbrigen Ring über dem alten Wundmal und seine Fingerspitzen umrunden andächtig seine Spur. „Es ist ein Mal wie die Narbe, die die Axt hinterließ, nur dass dieses hier von ihrer Seele stammt, als sie ihr Leben für mich gab. Es wird mich spüren lassen, wenn sie vor mir steht. Und bis dahin habe ich hoffentlich noch nicht verlernt, wie man eine Frau umwirbt.“
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Aneirin

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24

Tuesday, April 1st 2014, 8:18pm

Vergangenheit und Zukunft? Gebannt lauscht Aneirin des Elben Ausführungen, die sich für ihn zunächst so unglaublich anhören. „Ein neues Leben? Ein Neuanfang?“, raunt er leise. Also ist sie verstorben, schlussfolgert er, und tiefes Bedauern umschlingt sein Herz. Fragen über Fragen huschen durch seinen Kopf und vermutlich spiegelt sich eine jede als großes Fragezeichen in seinen Augen wieder, die Tyalfen immer noch ansehen. Roha ist so riesig, wo will er da anfangen zu suchen? Wann will er damit beginnen? Wird sie eine Elbin sein oder vielleicht ein Mensch? Wird sie überhaupt eine Frau sein? Aber viel wichtiger, wenn er davon ausgeht, Tyalfen würde sie tatsächlich finden, die eine, die Naralîns Seele in sich trägt, was Aneirin in diesem Augenblick trotz aller Sympathie für den Elben für unwahrscheinlich hält… Was, wenn sie ihr Herz bereits verschenkt hätte? Würde er ihr Leben auf den Kopf stellen, nur um selbst derjenige an ihrer Seite zu sein?
Etwas verwirrt schüttelt der junge Mann den Kopf. Wozu sich um solche Details jetzt Gedanken machen? Stattdessen folgt er mit seinem Blick Tyalfens Fingern auf dessen Brust und versucht dieses silbrig schimmernde Mal zu verstehen, während er des Freundes Erklärung lauscht. „Eine Axt“, wiederholt er leise, als er erfährt wodurch die Verletzung verursacht wurde. Und plötzlich stutzt er erneut. ‚Ihr Leben für das Seine?‘, runzelt sich seine Stirn und sein Blick ist zwar noch auf des Elben Körper gerichtet, doch sieht er ihn nicht mehr. Denn sein Geist beginnt unerwartet Erinnerungen hervor zu kramen und kehrt zurück an den ersten Abend in dieser Stadt. Er sieht Dayan, Tyalfen und sich selbst wieder vor dem Kamin sitzen und der Erzählung des Elben lauschen.
Seine Augen wandern nachdenklich abwesend von Tyalfen über die Wasseroberfläche, während er die Geschichte in seinem Geist Revue passieren lässt. Man könnte meinen, anhand seiner Züge erkennen zu können, an welcher Stelle in des Elben Erzählung er sich befindet. Hin und her huscht sein Blick auf dem Wasser. Eine Geschichte aus dem letzten Zeitalter. Ein junger Elb, von gewöhnlichem Stand, Jäger und Aniran. Mardil. Eine junge Elbin, wohlbekanntes Haus, Anirana, Geliebte. Nilowên. <Ich weiß nicht, warum sie unter all ihren Freiern ausgerechnet mir ihr Herz schenkte.> Liebe. Krieg. Eine Schlacht. Eine Axt. Der tödlich verletzte Mardil, nein, Tyalfen. Nilowên, die ihn dem Tode entreißt und ihr Leben dafür lässt. Seine Liebste, seine Naralîn.
Ohne ein Wort erhebt Aneirin sich, das Lächeln auf seinen Lippen längst fortgespült, und tritt an den Beckenrand, die Arme unsicher vor der Brust verschränkt. So ganz sicher ist er sich in diesem Augenblick nicht, was für eine Reaktion angebracht wäre. Ihm ist bewusst, dass hinter vielen Geschichten eine Wahrheit steckt. Aber diese so deutlich und eine der Personen betreffend, die ihm am meisten bedeuten, fühlt sich seltsam an. Nachdenklich neigt sich sein Kopf etwas zur Seite. Eine Geschichte aus dem letzten Zeitalter. Aus dem letzten Zeitalter. Aus dem letzten…
„Im letzten Zeitalter?“ Aneirin wirft einen Blick über seine Schulter und mustert den Elben. Dann wendet er sich ihm ganz zu und lässt wieder ein Grinsen auf seinen Zügen entstehen. „Über 500 Jahre?“ Er kommt näher, lehnt sich etwas vor und legt dem Elben die Hände auf die Schulter. „Du entsagst den Frauen seit über 500 Jahren?“, fragt er erneut mit übertriebenem Entsetzen in der Stimme, lehnt dann seine Stirn gegen die des Freundes und fügt kichernd hinzu: „Ich sollte mich wohl geehrt fühlen.“
Einen Moment verharrt er so, ehe er sich wieder aufrichtet. „Also gut. Wann und wo fangen wir an nach ihr zu suchen?“, stemmt er die Hände in die Hüften. „Jetzt möchte ich sie erst Recht kennenlernen.“ Ein aufrichtiges Lächeln liegt auf seinen Lippen und funkelt in seinen Augen wieder.
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Tyalfen

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25

Thursday, April 3rd 2014, 6:14pm

Tyalfen sieht allerlei Fragen in des Freundes Augen tanzen, vielleicht sogar Skepsis, wenn ihn dessen Mimik nicht trügt. Doch es könnte wohl kaum noch eine Frage geben, die Shadâno Arkendir nicht schon gestellt oder einen Zweifel, den der Lehrmeister noch nicht geäußert hätte. Sie hatten unzählige Abende diskutiert, philosophiert immer wieder und Tyalfen hat nicht mitgezählt, wie oft der Hochmeister das Seelenmal studiert hatte, nicht jenen Teil den man äußerlich mit eigenem Auge zu sehen vermochte, sondern dieses sonderbare Gespinst, dass es in seinem Inneren gewoben hatte- eine faszinierende Abnormalität für einen Gelehrten und Forscher wie Arkendir, doch ein Dorn in seinem Auge als Lehrmeister, blockiert es doch die Vollendung seiner Unterweisung aller Voraussetzungen zum Trotz.

Aneirin jedoch stellt keine Fragen, äußert keine Zweifel, scheint vielmehr die dürftigen Bruchstücke wiederzuerkennen und Schlüsse zu ziehen. Tyalfen sieht es an seinem Blick der wohl noch auf ihm ruht, doch längst nicht mehr sieht und sich schließlich im flirrenden Lichterspiel der Wasseroberfläche verliert. Je länger der Freund seinen eigenen Gedanken folgt und kein Wort über dessen Lippen kommt, desto unsicherer macht es Tyalfen. Was hatte ihn nur geritten, Aneirin damit zu belasten? In welchem Licht würde ihn der Freund nun sehen? Fragen die nichts nützen, denn sie machen nichts ungeschehen. Über sich selbst verärgert, vergräbt der Elb das Haupt unter dem zweiten Handtuch, auch wenn es so aussehen mag, als ob er sich die Haare trocken rubbelt, lässt es sich doch ausgezeichnet darunter verbergen.

Doch er hält inne, als Aneirin dann doch endlich etwas sagt. 500 Jahre, ja solang liegen die Ereignisse zurück und ja sie stammen aus dem letzten Zeitalter, doch warum beschäftigt den Freund so etwas völlig belangloses wie die Zeit? Tyalfen soll sich das nicht lange fragen müssen und blickt verblüfft auf. Aneirin beschäftigt, wie lang er …? Nun ja, nachdem was vor wenigen Minuten geschehen war, ist es wohl gar nicht so seltsam. Konnte man das eigentlich noch Verführung nennen? Aneirin ist unmöglich, herrlich unmöglich, um ehrlich zu sein … geehrt, also wirklich. „Aber gewiss doch!“ Tyalfen schmunzelt nicht weniger und alle Bedenken sind wie weggefegt. Doch nicht genug der plötzlichen Wendungen, will Aneirin wie selbstverständlich bei der Suche helfen und schon gleich Pläne schmieden. „ Bei Arúens Tochter?“, fragt Tyalfen zusehends überrumpelt und schüttelt gleich darauf lacheld doch den Kopf und erhebt sich. „Du bist so ungestüm! Lass uns für heute doch lieber nur unsere Betten aufsuchen, bevor sich die Frauen noch Sorgen um uns machen. Wir haben die Harfe schließlich schon vor einem ganzen Weilchen verlassen.“
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Aneirin

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26

Thursday, April 3rd 2014, 10:32pm

„Na, aber wenn du mich doch so verdammt neugierig machst…“, versucht Aneirin sich lachend zu rechtfertigen. „Du musst immer daran denken, dass ich doch keine Zeit habe… Zumindest nicht so viel, wie ich gerne hätte.“ Das würde fortan seine Ausrede für jegliches Anzeichen von Ungeduld werden, das Tyalfen zu kritisieren wagt. „500 Jahre auf eine Frau verzichten“, meint er immer noch ungläubig und mehr zu sich selbst, „nicht einmal 5 Tage würde ich es aushalten, befürchte ich…“, murmelt er, während sie sich auf den Weg zur Umkleide machen.
Doch das Grinsen wird etwas schmaler, als er an sein Bett denkt. Nicht des Bettes wegen, sondern wegen der Frau, die sich aller Wahrscheinlichkeit gerade darin befindet. Dayan würde ihn umbringen, ganz sicher, wenn sie davon erführe. Und die Wahrscheinlichkeit, dass sie es herausbekam, ist leider sehr groß. Was muss sie auch immer gleich so schnell aus allem die meist richtigen Schlüsse ziehen? Einmal hat er ihre Lieblingsplätzchen aufgegessen und obwohl das Haus voll von vielen möglichen Tätern ist, hat sie ihn natürlich sogleich entlarvt. Gut, vielleicht lag es an dem Puderzucker in seinem Bart, aber dennoch…
Aneirin seufzt tief und schielt dann zu dem Freund herüber. „Ich erwarte, dass du mir zur Seite stehst, wenn Dayan mir den Kopf abreißt, verstanden?“ Es ist mehr eine Aufforderung als eine Frage und sicherheitshalber fügt der Barde ein Zwinkern hinzu. „Aber erst dann. Vorher versuche ich noch meinen unglaublichen Charme und meine männliche Überzeugungskraft zu nutzen, um sie auf andere Gedanken zu bringen. Aber sollte das nicht zum gewünschten Erfolg führen, brauche ich deine Hilfe! Also nicht beim Zeugen, äh, Überzeugen, sondern beim Retten meines Kopfes…“, erklärt er und fährt sich mit der Hand durch das nasse Haar.
Und dann lacht er, laut und frei und so heftig, dass ihm die Tränen kommen. „Entschuldige, ich…“, presst er nebenbei hervor und muss sich den Bauch halten, als die Muskel zu ziehen anfangen. Es dauert einen Augenblick, ehe er sich beruhigt hat und weitergehen kann. „Ich denke, ich sollte morgen mal einen Tempel aufsuchen“, meint er und wischt sich ein letztes Tränchen aus dem Augenwinkel. „Ich war lange nicht mehr dort, aber ich möchte den Göttern danken. Dafür, dass sie mich hierher geführt haben und mir euch beide geschenkt haben…“ Wie um sich selbst zu bestätigen, nickt er. „Ja, das sollte ich.“
Während sie sich wieder anziehen, scherzt Aneirin noch ein wenig und verlangt ein paar Details darüber, wie Tyalfen Naralîns Herz erobert hat. Und als sie die Badehäuser schließlich verlassen, fühlt er sich irgendwie befreiter und wohler ums Herz. Auch die Trägheit und Müdigkeit des Körpers macht sich nun bemerkbar, aber auf eine angenehme Weise. Tatsächlich freut er sich auf zu Hause, auf sein Bett und vor allem auf seine liebste Dayan…

--> Meister Arkendirs Haus
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Arwen

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Occupation: Hohepriesterin der Anukis

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27

Tuesday, January 20th 2015, 8:37pm

~ Grünglanz 514, auf dem Marktplatz in der Nähe der Badehäuser ~
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Vorerst hält Arúen sich im Hintergrund. Sie überlässt es Narsaên, mit dem Kastellan der Steinfaust zu reden und zu klären, was ihr auf dem Herzen liegt. Mit den Ohren ist sie bei Smaragdelbin und Blaumantel, doch ihre Augen wandern über die Köpfe der Schaulustigen hinweg zu den beiden Delinquenten im Schandholz. Den Menschen kann sie kaum sehen, er wird von den Musikanten verdeckt. Tyalfen hingegen kann sie gut sehen. Und für einen kurzen Moment treffen sich ihre Blicke, ehe er abrupt den Kopf abwendet. Die Summe, die Sire Rhordri in diesem Moment für den angerichteten Schaden nennt ist ohne weiteres dazu geeignet, der jungen Elbin neben ihr die Sprache zu verschlagen. Selbst Arúen, die von einer nicht unerheblichen Summe ausgegangen ist, hätte nicht erwartet, dass es so viel ist. Die Reaktion der Laikeda'ya lässt sie vermuten, dass sie so viel Geld nicht so rasch aufbringen kann, wie sie die beiden Männer vom Pranger befreit sehen möchte. Wer weiß, bei DER Summe könnte es sein, dass sie so viel gemünztes Geld überhaupt nicht verfügbar hat. Und die strikte Erklärung Rhordris, dass die beiden Streithähne jeder Auslösung zum Trotz zur Strafe wenigstens eine Stunde am Prangen werden bleiben müssen, scheint die junge Frau fast noch mehr zu treffen als die Schadenssumme. Die Hochelbin tritt näher heran. "Sire Rhordri, die Götter zum Gruße." Während sie Narsaên sacht am Arm berührt, nickt sie dem Kastellan mit einem freundlichen Lächeln zu, auch wenn das ihre Augen nicht wirklich erreichen will. "Ich bürge für die Summe", erklärt sie dem Blaumantel um sich dann an Tyalfens Schwester zu wenden. "Ihr bleibt hier bei den beiden, Narsaên. Ich werde gehen und das Geld holen. Wie und wann Ihr es mir wiedergebt, können wir später in Ruhe klären."

Arúen verabschiedet sich für den Moment von Narsaên und Rhordri und begibt sich mit raschen Schritten an den Rand des Marktplatzes und dann in den Schatten der Stadthalle. Sie hat nicht vor, den Weg zurück nach Vinyamar zu laufen. Schon im Gehen beginnt sie den Zauber zu wirken, und kaum außer Sicht genügen ein letztes Wort und eine sachte Geste um ihn zu vollenden und sie zwischen zwei Herzschlägen in das Gewirr der Götter zwischen Zeit und Raum treten zu lassen. Wo sie eben noch gestanden hat, zittert nur noch die Luft, während sich zur gleichen Zeit auf Vinyamar in den Räumen der Elbin ein schimmernder Riss in der Wirklichkeit bildet, aus dem Arúen heraus tritt. Es hat gute Gründe, dass sie sich beinahe heimlich in ihr eigenes Haus schleicht. Das Letzte, das sie jetzt gebrauchen könnte wäre ein Zusammentreffen mit Cassandra und deren besorgtem Gluckengehabe (Elthevir ist ja den Göttern sei Dank mit Rialinn in das Larisgrün ausgeritten). In aller Heimlichkeit bewegt sie sich im Haus zwischen den Räumen, holt genügend gemünztes Silber um die beiden Männer vom Pranger auslösen zu können und verschwindet auf demselben Weg wieder, auf dem sie gekommen ist. In einer schmalen Gasse zwischen der Stadthalle und dem Badehaus tritt sie aus dem Gewirr. Mit einem kurzen Blick vergewissert sie sich, dass niemand sie beobachtet hat und überquert dann äußerlich vollkommen ungerührt den kurzen Weg bis hin den Blaumänteln, die den Pranger im Auge halten und bei denen Arúen auch wie erwartet Rhordri und Narsaên findet - und Aneirin, der sich unterdessen auch dort eingefunden hat. Die angesetzte Stunde ist noch längst nicht vorüber und auch die Formalitäten der Auslösung lassen die Zeit nur wenig voranschreiten. Arúen übergibt das Geld dem Kastellan der Steinfaust, bekommt im Gegenzug eine Quittung und die Versicherung, dass sie nach Abfindung aller Geschädigten außerdem eine Aufstellung aller beglichenen Schäden erhalten würde. Die Elbin zweifelt nicht im Geringsten daran, dass Sire Rhordri eine absolut korrekte Abwicklung der höchst unerfreulichen Angelegenheit sicherstellen wird, was sie dem Mann auch versichert. Und dann können die beiden Elbinnen und der junge Bäcker nichts anderes mehr tun, als zu warten, bis die angesetzte Frist verstrichen ist. Dass Zeit eine höchst relative Angelegenheit ist, wird Arúen bei dieser Gelegenheit wieder einmal bewusst. Immerwieder sieht sie zu den beiden Männern hinüber, insbesondere zu Tyalfen. Doch der Aniran hebt kein einziges Mal Kopf oder Blick. Und ihn mit einem Gedanken zu berühren wagt die Priesterin nicht. Sie ist sich zu unsicher, wie es um seine empathischen Sinne steht. Und auf keinen Fall will sie ausgerechnet in dieser Situation durch eine Berührung im Geist seine Privatsphäre verletzen, die sein aufgewühlter Geist womöglich grade nicht zu schützen in der Lage ist.

Dann ist es endlich soweit. Die Stunde ist um. Die Shida'ya empfindet Mitgefühl mit der jungen Laikeda'ya neben sich, die hin und her gerissen ist zwischen ihrem Bruder und dem Menschen, dem ihr Herz gehört und nicht zu wissen scheint, um wen sie sich jetzt zuerst kümmern soll. Arúen ist sich selber nicht sicher, inwieweit sich die tobende Wut des Smaragdelben gelegt hat, ob er seine Fassung wiedererlangt hat. Eine Fortsetzung der Prügelei will sie um keinen Preis riskieren. Kurzerhand nimmt sie Narsaên die Entscheidung ab und bittet die Blaumäntel, den Menschen zuerst zu befreien. "Nicht beide zur gleichen Zeit. Macht ihn bitte zuerst los." Der Mann ist deutlich gezeichnet von der Prügelei und so steif von der Demutshaltung am Pranger, dass er kaum in der Lage ist sich aus eigener Kraft aufzurichten. Er braucht dringend die Hilfe eines Heilers. "Narsaên, kümmert Euch um ihn. Er braucht einen Heiler, der ihn versorgt." Der Blick, den sie dafür von der Elbin erntet kündet von deren inneren Zerrissenheit. "Seid unbesorgt", beschwichtigt sie, "ich werde mich um Euren Bruder kümmern. Er wird nicht alleine zurückbleiben."
Nur kurz ist ihr Blick noch bei Elbin und Mensch, dann richtet sich ihre Aufmerksamkeit wieder auf Tyalfen, den die Blaumäntel jetzt aus dem Schandholz befreien. Er trägt kaum weniger Spuren von der Prügelei als der Mensch. Und er weicht ihrem Blick noch immer aus. Instinktiv verstärkt Arúen die geistigen Mauern um ihre empathischen Sinne noch ein wenig mehr, ehe sie an ihn herantritt um ihm zu helfen sich aufzurichten - und ihn zu stützen, sollte er Stütze nötig haben.


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Da die Prügelei auf dem Marktplatz in einer Zeitblase geparkt wurde, die Folgen daraus aber für das aktuelle RPG wichtig werden, liefern wir diese hiermit jetzt nach
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Tyalfen

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28

Tuesday, January 20th 2015, 9:03pm

‚Ihr Liebster’ dröhnt es wieder und wieder in seinem Geist und hält ihn nicht minder hier gefangen, wie dieses Holzkonstrukt, dass ihn schonungslos unterwirft. Jeder, tatsächlich jeder dahergelaufene Mensch kann sich an ihm vergehen, ihn schmähen und besudeln ganz nach Belieben und sie kennen weder Scham noch Scheu, diese Menschen. Gebeugt in diesem Holz bleibt er all den Anfeindungen und widerlichen Schmähungen vollen Bewusstseins ausgesetzt und sie branden wie eine Sturmflut gegen seine empathischen Sinne, trampeln alle Barrieren nieder, bis sein Geist gänzlich schutzlos ist - nackt und jeder Würde beraubt. Blanke Abscheu packt Tyalfen bei dem perfiden Vergnügen, dass diese Menschen empfinden, ihn zu demütigen, dass er sein Haupt gesenkt hält und angewidert die Augen schließt, in keines der Gesichter blicken zu müssen, die vielleicht schon morgen seinen Beistand als Aniran suchen.

Derart ausgeliefert und aufgewühlt dehnen sich die Augenblicke zu fast unerträglichen Ewigkeiten, in denen er übermannt kaum eines eigenen Gedanken fähig ist und lieber körperliche Qualen erduldet hätte als das, gleichwohl er sie verspürt. Doch das Brennen in seiner Brust, dass sich ein jedes Mal verstärkt, wenn sich sein Brustkorb zum Atemzug hebt, lässt all die Demütigungen nicht unbemerkt vorüber ziehen. Wie viel Zeit tatsächlich verstrichen sein mag, kann Tyalfen nicht einschätzen als sich mit einem Mal Musik und Gesang über den Marktplatz erheben und immer näher kommen, lauter und lauter werden und die Schmähungen allmählich verdrängen. Er muss nicht aufblicken, um die Musiker wieder zu erkennen. Ihre Stimmen sind ihm noch vertraut. Es liegt ja erst zwei Tage zurück, da hat er ihnen gelauscht. An diesem verfluchten Abend …

Mit einem Mal reißt Tyalfen die Augen auf und hofft sich getäuscht zu haben. Doch seiner Schwester Stimme ist viel zu deutlich zwischen den Gesängen auszumachen. Hatte er Aneirin nicht zugerufen, sie von hier wegzubringen? Nüchtern erinnert er sich, kaum sein eigenes Wort verstanden zu haben, als sich der Tumult des aufgebrachten Mobs erhob. Wie hätte Aneirin ihn da verstehen sollen. Und selbst wenn, wer wenn nicht er selbst kennt den Eigensinn seiner Schwester besser als jeder Andere. Aber das hier hat sie auf gar keinen Fall mitansehen sollen. Langsam hebt und wendet Tyalfen das Haupt, ihren Blick zu suchen und soll auf eine ganz andere, erschreckende Weise fündig werden. Die Augen, die die Seinen einfangen, sind so geheimnisvoll wie schön, nur nicht die seiner Schwester. Für einen knappen Wimpernschlag weiten sich seine Augen zutiefst schockiert, bevor er sich hastig abwenden kann. ‚Arúen! Warum ausgerechnet sie?’ Noch weit weniger als Narsaên soll sie, die Frau die er zutiefst verehrt, ihn so sehen – seiner Freiheit und Würde beraubt, doch genau das tut sie und es ist mehr, als Tyalfen ertragen kann. Keuchend stemmt sich Tyalfen gegen das Holz, das ihn knechtet. Ein vergebliches Unterfangen frei zu kommen oder gegen die brennende Scham anzukämpfen, die sich ungestüm in seinem Innersten ausbreitet. Und auch alle stummen Verwünschungen gegen die Götter, diese Welt, die Menschen und gegen sich selbst, lassen ihn nicht gnädig zu Staub zerfallen.

Eine geschlagene Stunde dauert dieser Albtraum. Selbst für einen Ilfaya kann eine Stunde eine kleine Ewigkeit bedeuten. Kein einziges Mal mehr hat er hat aufgeblickt, nicht als sie ging, nicht als sie wieder kam und auch jetzt nicht, da sie entscheidet, den Schreinerburschen zuerst vom Pranger loszubinden und mit seiner Schwester fortziehen zu lassen. Das bedeutet nicht, dass er es gutheißt. Doch Tyalfen ist sich der Tatsache vollkommen bewusst, an dieser Stelle verloren zu haben. Sie jedoch sagen zu hören, dass sie selbst bei ihm bleiben und sich um ihn kümmern wolle, lässt ihn letztlich doch resigniert die Augen schließen. Soll ihm ihre Gesellschaft denn nur noch in seinen dunkelsten Momenten beschieden sein? Zu seinem Leidwesen ist er jedoch auf ihre Hilfe angewiesen. Seine Glieder, sein Rücken, seine Schultern sind so steif und reagieren widerwillig mit Schmerz auf jede Bewegung, dass es ihm aus eigener Kraft kaum gelingen will, sich gerade aufzurichten, gleichwohl er sich am Pranger aufstützend darum bemüht. Wenigstens entfährt seinen zusammengepressten Lippen kein Laut oder Keuchen. Das ist allerdings nur ein kläglich schwacher Trost. Noch gegen den Pranger gestützt wischt er sich mit den Überresten seines Ärmels den gröbsten Unrat vom Haupt. Länger kann er den Moment nicht hinauszögern, sich ihr stellen zu müssen. Wenigstens danken sollte er ihr, will es ja auch, schließlich hat sie ihn aus diesem Martyrium befreit, wäre da nur nicht … unwichtig. Seufzend wendet er sich zu ihr um und zwingt seinen Blick zu ihr. Nur mehr als ein erbärmlich unsicheres „Danke“ kommt nicht über seine Lippen. Es will ihm nicht gelingen, zu überspielen, wie unangenehm ihm diese Situation ist, wie schäbig er sich in ihren Augen fühlt und lang hält er ihnen nicht stand.
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Arwen

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29

Tuesday, January 20th 2015, 9:40pm

Sie hilft Tyalfen, sich aufzurichten als offensichtlich wird, dass er es aus eigener Kraft nicht schaffen würde und stützt ihn auch danach noch, um sicherzugehen, dass seine Beine nicht unter ihm nachgeben. Als er sich dann haltsuchend an den Pranger lehnt und sich mit den zerrissenen Resten seiner Tunika den Unrat, mit dem man ihn beworfen hat aus dem Gesicht und von den Haaren wischt, lässt sie ihn wieder los und tritt einen halben Schritt von ihm zurück. Noch immer weicht sein Blick ihr aus, während ihr eigener auf den zerrissenen Resten der Tunika ruht. Weiß… er trägt noch immer Trauer. Es dauert eine Weile, doch dann dreht der Smaragdelb sich mit einem Seufzen zu ihr um und sieht sie an. Sein Dank ist knapp, doch was Arúen vor allem wahrnimmt, sind die Unsicherheit, die seine Stimme vibrieren lässt und die Scham in seinen Augen. Und sie weiß nicht, was sie erwidern soll. Mit jedem Wort, und sei es noch so mitfühlend gemeint, fürchtet sie Gefahr zu laufen ihn nur noch mehr zu beschämen. Und den Aniran zu beschämen ist nun das Letzte, das sie will. Nur wenige Herzschläge dauert der Blickkontakt zwischen den beiden Elben, dann weichen die Augen des Laikeda'ya ihr auch schon wieder aus. Diesmal ist es an Arúen, ein Seufzen auszustoßen – allerdings ein tonloses.

Es nutzt alles nichts. So gerne sie Tyalfen die Zeit lassen würde sich zu fassen. Hier auf dem Marktplatz, im Angesicht der noch immer gaffenden Schaulustigen würde er nie die Ruhe und Ungestörtheit finden um seinen aufgewühlten Geist zu beruhigen. Behutsam berührt sie ihn am Arm. "Tyalfen!?" Sein Name ist Anrede und Frage zugleich. "Ihr könnt hier nicht bleiben…" Bei dem Zustand in dem er sich befindet, will sie ihm aber den Weg durch die Straßen der Stadt auch nicht zumuten. Viel zu sehr kann man ihm ansehen, was geschehen ist - es würde nur noch mehr Gerede geben als ohnehin schon. Für einen kurzen Moment ist da die Überlegung, ihn von hier aus durch das Gewirr direkt in die Sicherheit seines Heims zu bringen. Doch schon im nächsten Augenblick verwirft sie den Gedanken wieder. "Bitte kommt mit…" Mit einer sachten Geste weist sie in Richtung der Treppen, die zum weißen Marmorportal der Badehäuser führt. "So, wollt Ihr Esta bestimmt nicht unter die Augen kommen." In ihrer Stimme liegt kein Vorwurf, nur ein leises Schmunzeln, das sich mit den nächsten Worten erklärt. "Zumindest dann nicht, wenn sie meiner Obersten Magd auch nur ansatzweise ähnelt… und so wie ich Esta kennengelernt habe, ist es mehr als nur ein Ansatz von Ähnlichkeit." Während sie zu den Badhäusern gehen, beobachtet sie den Smaragdelben aus den Augenwinkeln heraus. Sie ist zu gleichen Teilen besorgt um seinen körperlichen wie um seinen seelischen Zustand. "Hier in den Badehäusern könnt Ihr Euch die Spuren der letzten Stunden abwaschen und habt die Möglichkeit wieder etwas zur Ruhe zu kommen. Ich habe auch eine Tunika für Euch mitgebracht, damit ihr nach dem Bad etwas zum Anziehen habt." Kurz hebt sie das kleine Bündel, das sie in der linken Hand trägt und reicht es ihm.

Unterdessen haben sie die die Treppe erreicht und sind über die flachen Stufen bis vor eines der Eingangsportale getreten. Die schweren Ebenholztüren ruhen auf massiven Angeln und Zargen aus Bronze und der Türflügel lässt sich von der Elbin ohne großen Kraftaufwand aufstoßen. Im Inneren empfängt sie die große Säulenhalle mit lichten Schatten und tanzenden Lichtstrahlen, die durch die hohen Fenster hereinfallen. Das sanfte Zwielicht bietet den Augen Erholung und die Stille zwischen den Säulen lädt Besucher dazu ein, auch ihren Geist sich ausruhen zu lassen. Schon mit dem ersten Atemzug nimmt Arúen den Jasmin wahr, dessen Duft in diesen Hallen immer in der Luft zu liegen scheint. Ähnlich wie das grüngoldene Dämmerlicht im Tempel ihrer Göttin lässt die Athmosphäre in der Eingangshalle der Badehäuser die Elbin sich entspannen und weckt ein Lächeln, das silberne Funken in ihren Augen schimmern lässt.
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Tyalfen

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30

Tuesday, January 20th 2015, 9:42pm

Endlich! Die schweren Ebenholztüren schmettern kaum geschlossen allen Tumult des Marktplatzes ab und lassen Tyalfen die Ruhe finden, derer sein Geist so dringend bedarf. Er hebt sein Antlitz in das erholsame Zwielicht und mit jedem Atemzug gelingt es ihm ein wenig mehr, seine Gedanken und Gefühle zu ordnen, von all dem fremden Chaos zu trennen, dass seine Sinne so vehement überreizte. Nur das Brennen in seiner Brust nimmt mit den tiefen Atemzügen zu, dass er den Druck seiner Linken gegen seine Rippen verstärkt. Da ist noch etwas Anderes, dass er spürt und dass nicht zu ihm gehört. Doch es ist so angenehm und lindernd, dass er sich davon nicht löst, bis er begreift, was es ist. Überrascht blickt er in Arúens Antlitz. Es ist nicht die befürchtete Verachtung, die von ihr ausgeht, nicht einmal ein Hauch von Missbilligung. Von stillem Frieden erfüllt lächelt sie selbstvergessen und der geheimnisvolle Zauber ihrer Augen erwacht. Ob sie sich in diesen Augenblicken bewusst ist, dass es diese friedvolle Harmonie ihres Geistes ist, an der sich Tyalfen stärkt? Als es ihm selbst klar wird, richtet er eilig sein Augenmerk darauf, seine Sinne wieder einzuhüllen. Für den Anfang muss ein recht fadenscheiniges Schild genügen, sie nicht länger zu lesen, so verlockend wohltuend es auch gewesen ist.

Mit sanfter Stimme sagt sie ihm, sie werde in der Zwischenzeit die Halle der Träume aufsuchen und auf ihn warten. Er nickt unter ihrem Blick, der sich unaufdringlich vergewissert, für den Augenblick alles für ihn getan zu haben, bis hin zu dem Bündel in seiner Rechten. Selbst daran hat sie gedacht, huschen seine Augen über seinen Aufzug und wissen doch längst selbst, dass seine eigene Tunika nicht mehr zu retten ist. Seine Beinkleider dagegen sind intakt nur beschmutzt. Er wird sie also nur reinigen lassen müssen. Als er wieder aufblickt hat sie sich schon abgewandt und macht es ihm unerwartet leicht, sich um sich selbst zu kümmern, ohne auch nur eine einzige Erklärung abgeben zu müssen.

So ganz anders soll sich der Empfang in der ersten Halle gestalten, die Tyalfen anstrebt. Ein Vollweib, deren energisches Auftreten nicht hinter ihrer Leibesfülle zurücksteht „erbarmt“ sich Seiner und nimmt die Regie so unumwunden wie ungefragt in ihre Hände. Nach einem entsetzten Blick auf seinen derangierten Aufzug, muss sie wohl entschieden haben, dass er den Augen der anderen Badegäste nicht zuzumuten sei. Wenigstens liegt diese Vermutung nahe, denn statt ihn in dieser Halle willkommen zu heißen und mit den Örtlichkeiten vertraut zu machen, schiebt sie ihn mit einem entschiedenem „Kommt!“ hastig zu einem der abgelegen wandseitigen Zuber und heißt ihn ohne sonderlichen Federlesens: „Ausziehen!“ Tyalfen bleibt nur noch, ihrer mächtigen Kehrseite nachzusehen, die sich eilig entfernt. Seufzend legt er Arúens Bündel auf den Hocker neben dem hölzernen Bottich und taucht seine Fingerspitzen in dessen Wasser. Es ist nicht so warm, wie er es sich für seine steifen Glieder gewünscht hätte, aber er wird sich damit zufrieden geben müssen. Also beginnt er, sich die Einzelteile seiner Tunika vom Leib zu pflücken. Der Geruch von Wein steigt ihm dabei wieder in die Nase, wie auch andere, deren Ursprung er gar nicht so genau erfahren möchte. Seine Beinkleider bereiten ihm größere Mühe. Ungelenk und angestrengt keuchend steigt er aus ihnen. Und als er seinen geschundenen Leib endlich in das Wasser tauchen will, lässt ihn ein donnerndes „Halt“ zurückfahren. Er hat sich noch nicht einmal gänzlich zu ihr umgewandt, da ergießt sich ein Schwall kalten Wassers aus einem Eimer über ihn, lässt ihn viel zu schnell und tief nach Luft schnappen und in die Knie gehen.

„So steigt Ihr mir nicht in Zuber. Ich habe weder Lust noch Zeit, ihn nach Eurem Bade erst einmal gründlich zu schrubben… Nun stellt Euch doch nicht so an… Es war doch nur Wasser.“ Tyalfen aber keucht nur noch flach und hastig atmend unter dem heftigen Schmerz in seiner Brust. „Einen Verband“, bringt er nach einigen Herzschlägen zustande. Und ein weiterer Augenblick verstreicht, in dem das Weib ihn unschlüssig anstarrt, ob er sie nicht doch zum Narren hält. Schließlich aber eilt sie davon, Als sie wieder kommt, hat Tyalfen wenigstens seinen Atem unter Kontrolle. „Das Laken, das ich zerschnitten habe, müsst ihr aber zahlen.“, sagt sie, als sie ihm eine schmale, linnene Stoffbahn reicht, Tyalfen nickt nur, greift danach und müht sich umständlich, dass Linnen um seine Brust zu wickeln. Da endlich hilft sie ihm und schnürt das Linnen so straff um seine Rippen, wie er ihr bedeutet. So geht es wieder, erlaubt ihm genau so tiefe Atemzüge, wie er verkraften kann und allmählich lässt der Schmerz nach. „Ihr solltet einen Heiler aufsuchen.“, rät sie ihm und als er nicht gleich zustimmt, befleißigt sie sich anzufügen. „Ich weiß, ich hab es auch nicht so mit den Quacksalbern. aber im Haus der Heilung gibt es sogar einen Elbischen.“ Unter anderen Umständen hätte Tyalfen gewiss geschmunzelt und sich zu erkennen gegeben. Jetzt aber zieht er es vor, ihre Mitteilsamkeit mit einem schnellen „Danke, für Alles“ zu stoppen, bevor sie sich womöglich noch um Kopf und Kragen redet. „Schon gut“, winkt sie lächelnd ab und heißt ihn noch kurz zu warten, sie werde sich noch um heißes Wasser kümmern.

Und es fühlt sich himmlisch an, in wohltemperiertes Wasser abzutauchen. Tyalfen schließt die Augen und lässt sich mit angezogenen Beinen weit zurückgelehnt gänzlich ins Wasser sinken, taucht nur soweit wieder auf, dass er Luft holen kann und dehnt sich behutsam, seine Verspannungen zu lösen, soweit, wie es der Zuber zulässt. Nicht unbedingt die beste Variante, aber die Wärme des Wassers hilft ihm dabei, genau wie die harte Bürste, mit der er sich anschließend gründlich schrubbt und die Durchblutung seiner Glieder wieder in Schwung bringt. Zu guter Letzt wäscht er zügig sein Haar und spült es mit dem Wasser aus einem bereitstehenden Krug. Länger will er nicht verweilen. Sie wartet auf ihn.

Mit einem Handtuch um die Hüften geschlungen und einer provisorischen Bandage um die Brust, sowie einem Bündel in der Rechten biegt er in den Säulengang ein, der um eine atemberaubende Gartenanlage führt. Es ist das erste Mal, dass seine Augen diesen in seiner ganzen Pracht bei Tageslicht sehen – ein Anblick, der durchaus geeignet ist, alle Aufmerksamkeit gefangen zu nehmen, wäre da nicht der Gedanke an Arúen. Er weiß nicht, was ihn erwartet, was sie von ihm erwartet und doch gewinnt Neugier Oberhand über Besorgnis und Scham und lässt ihn seine Schritte beschleunigen hinein in eine Halle aus Nischen und Schleiern. Er sieht sich um, sucht sie, wagt es allerdings nicht, die Diskretion der Separees anzutasten. Also fragt er eines der Mädchen nach ihr. Zunächst will dieses ihn fortschicken und heißt ihn, im Atrium auf sie zu warten. Erst als er hartnäckig dabei bleibt, dass sie ihn hier erwarte, zeigt ihm schließlich, wo er sie finden kann.

Leise tritt er ein und weiß mit einem Mal nicht mehr so Recht, was er sagen soll. Da ist sie doch wieder, die Scham.
Wenn Du glaubst, dass Frauen das schwache Geschlecht sind, versuch mal nachts Deinen Teil der Decke wieder zu bekommen.