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Diantha

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  • "Diantha" started this thread

Posts: 968

Occupation: Studentin

Location: Nürnberg

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1

Wednesday, March 5th 2014, 10:23pm

Nar'Sarnis - Das Hohe Herz

Gut verborgen in den dunklen Tiefen des Larisgrüns befindet sich ein geheimnisvoller Ort, der älter als der Wald, ja beinahe älter als die Zeit selbst zu sein scheint. Nicht jeder wird den Weg dorthin finden, denn obwohl nicht allzu weit von der Stadt entfernt, wissen sich die uralten Pfade zu diesem Hain im schattigen Dämmerlicht des Waldes gut zu verhüllen und nur selten werden sie beschritten.

Doch führen sie zu einer Lichtung, bedeckt von samtweichem, dunklem Moos und umgeben von acht uralten Bäumen, deren Kronen sich zu einer gewaltigen rotschimmernden Kuppel verflochten haben, durchbrochen nur vom silberhellen Schein der Sterne oder von den goldenen Fingern der Sonne, die durch das dichte Laubwerk fallen wie das Licht durch die bunten Fenster einer Kathedrale.

Wie die mächtigen Säulen eines Tempels reihen sich die silberweißen, vom Alter gezeichneten Stämme der Herzbäume aneinander und tragen das rotgolden verwobene Dach des Hains. Ihre knorrigen Gesichter sind auf die Mitte der Lichtung gerichtet, wo in einem in Jahrtausenden ausgewaschenen und in den granitharten Fels geschnittenen Becken ein kleiner Teich ruht, den die durch das Laubdach dringenden Strahlen des Tagesgestirns wie einen glitzernden, tiefgrünen Smaragd in einer silberhellen Fassung funkeln lassen.

Über einen vom Wasser ganz glattgeschliffenen, schimmernden Felsen stürzt sich ein Bach in den Teich und sein helles Rauschen und Murmeln hat ihm vor langer Zeit den Namen Calaeri Far eingebracht - die singenden Wasser. Und wirklich, lauscht man dem Plätschern der Kaskaden, die sich in den Teich ergießen, glaubt man fast, die Gesänge der Erdmutter selbst würden durch Zeit und Raum hinweg über die Lichtung flüstern, so wie ihre Allmacht hier sonderbarerweise überall spürbar ist, in jedem Stein, in den glitzernden Wassertropfen, im erdigen Geruch des Waldes und in den Liedern der Vögel.

Nichts in diesem Hain wurde je von Hand der Elfen, der Zwerge, der Menschen oder der anderer Wesen geschaffen, nur die Göttin allein schickte Wasser und Wind, um die Erde und den Fels an diesem verborgenen Ort zu formen und alte Legenden, die sich um diesen Platz ranken, erzählen, es wäre Eas Atem gewesen, der den Stein geschliffen habe und es seien ihre Tränen, die dort aufgefangen würden, geweint um all die Wunden, die ihre Kinder ihrem wundervollen Werk und der Natur zufügen würden.

Ein Hauch von uralter Macht liegt über diesem Ort wie ein Gespinst aus Alter und Zeit und das Lied der Calaeri Far scheint vom Anbeginn der Welt zu erzählen, als die Erde noch jung war und die Gesänge der Göttin über das Land wehten. Und vielleicht waren es wirklich die ersten Menschen, die hier an den hohen, grünbemoosten Findlingen am Rande des Teiches zu Ea beteten, wer weiß ...
The thing with words is that meaning can twist just like a snake.
(Terry Prachett, Lords and Ladies)

Dayan

Unregistered

2

Thursday, March 6th 2014, 8:10am

21. Langschnee

"Was treibt er da?", fragt sich Dayan laut und folgt dem Barden gnadenlos mit ihren Augen. Jeden Zug, jeden Schritt hinauf hat sie gesehen und holt erst wieder tief Luft als ihr Liebster oben ist. "Oh endlich! Du verdammter Narr!", fügt sie nicht ohne eine deutliche Spur Erleichterung in der Stimme hinzu als der Barde endlich oben angekommen ist. Zumindest weiß sie, dass er dort oben ist und vermutlich schwer atmend und wie ein Fisch am Strande liegend, nach Luft schnappt. Aber, und das ist der ausschlaggebende Punkt, er wäre stolz auf sich, so wie sie es ist, so wie es alle jungen Burschen waren, sobald sie den Menhir besiegt hätten vor dem sie Jahr um Jahr standen und auf diesen Tag warteten.

Aneirin taucht auf und sofort hält Dayan die Luft an. So leichtsinnig er da stand, könnte er vor lauter Freude und Frohsinn glatt den Halt verlieren. Da ruft er sich die Seele vom Leib. Einfache drei Worte und doch in der Zusammensetzung alles was sie hören will.

Sofort springt Dayan tanzend hin und her und mit einer fliessenden Bewegung fallen ihre Gewänder und mit einer entzückenden Kehrseite zu Tyalfen springt sie galant in die Luft, flimmert kurz und schraubt sich mit dem Aufwind hinauf in den Himmel. Eine Feder kreist dabei langsam zu Boden und bleibt beim Elben liegen. Der Sithechrabe hingegen kräht fröhlich und schwingt sich in einer weiten Bewegung und einer vollendeten Grazie zu Aneirin. Noch während der große Vogel auf ihn zukommt wandelt sich wieder Tier in Mensch und springt Aneirin in die Arme um ihn einen wilden Kuss zu rauben und, und darauf kommt es an, ihn umzustürzen. "Ich dich auch. Ich liebe dich vom ganzen Herzen. Du machst mich so glücklich!", flüstert sie ihm immer wieder unter Küsschen zu. "Aneirin, bitte klettere nicht mehr, ja...?"

Aneirin

Stadtbewohner

Posts: 654

Occupation: Bäcker

Location: Talyra

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3

Tuesday, March 25th 2014, 9:05pm

Mit bebendem Herzen beobachtet Aneirin wie sich der Rabe in den Himmel schraubt und dann anmutig auf ihn hinabsaust. Die Sonne blendet ihn als er aufblickt, woraufhin er muss blinzeln muss und seine Augen mit der Hand abschirmt. Gerade noch erkennt er wie sich die Silhouette des Vogels wandelt. Aus Schwingen werden Arme, die sich um ihn schlingen und aus dem Schnabel ein unwiderstehliches Paar zarter Lippen, die sich auf die seinen stürzen. Bedächtig lässt er sich auf den Rücken fallen, um den Schwung von Dayans Körper zu bremsen, ohne dass ihm dabei die Luft aus den Lungen gepresst wird. Mit unzähligen Küssen übersät sie ihn, während er froh und leichten Herzens lacht.
Lächelnd mustert er sie, streichelt über ihren nackten Rücken und verbannt dann die langen, ungezähmten Haare aus ihrem Gesicht. Fragend runzelt er die Stirn, als sich ihre Lippen zu einem Schmollen verziehen und ihn beinahe vorwurfsvoll anblicken. <"Aneirin, bitte klettere nicht mehr, ja...?">, eröffnet sie ihm und verdattert starrt er sie an. „Waaaaaas?“, entrüstet er sich schließlich. „Dabei war ich gerade dabei Gefallen daran zu finden“, erwidert er lächelnd und raubt ihr sogleich einen langen, innigen Kuss, bevor sie auf die Idee kommen könnte, ihn weiter zu schelten.
Mit einem Ruck dreht er sich herum, so dass Dayan mit dem Rücken auf dem Waldboden zum Liegen kommt, während er selbst auf allen Vieren einen Blick über den Rand hinunter zu dem wartenden Elben wirft. „Tyalfen? Beweg dich nicht von der Stelle! Wir suchen einen Weg hinab!“, ruft er ihm zu und wendet sich dann wieder zu der Wandlerin um.
Der Anblick, der sich ihm bietet, lässt ihn alles um sich herum vergessen und verbannt absolut jeden Gedanken aus seinem Kopf. Was für ein herrlich verlockendes Bild sich ihm bietet, wie seine Liebste dort auf dem Waldboden liegt, so vollkommen und bar wie die Götter sie geschaffen haben, umrahmt von Blättern, Gräsern und zarten Pflänzchen. Welch atemberaubend natürliche Schönheit, deren eisblauer und doch so liebevoller Blick ihn gefangen nimmt, dass er wie verzaubert zu ihr herüber kriecht. Seine Lippen wandern von der Zehenspitze, über ihre schlanken Beine, ihren reizenden Schoß, den flachen Bauch, ihre verführerischen Brüste und den zarten Hals hinauf, nur um sich mit den ihren zu vereinen und in einem verlangenden Kuss zu versinken. Begierig umgreift er ihre zierliche Hüfte, zieht sie auf seinen Schoß und beginnt an seiner Hose herumzufummeln.
„Recht so! Nimm sie dir!“, erklingt plötzliche eine erhitzte männliche Stimme, die Aneirin auf der Stelle inne halten lässt, dicht gefolgt von einem schmerzerfüllten Stöhnen. „Du Idiot! Jetzt hast du es verbockt!“, ertönt eine enttäuschte Frauenstimme, die der Barde sogleich wieder erkennt. Genervt greift er sich einen nahe liegenden Ast und wirft ihn die Richtung der Fingerlinge. „Schert euch!“, ruft er ihnen nach und wenn man genau hinsieht, könnte man sie kichernd durchs Unterholz flüchten sehen.
Aneirin seufzt tief und betrachtet Dayan noch einmal eingehend, um dieses Bild in sein Gedächtnis zu brennen. Dann beugt er sich vor und drückt ihr einen Kuss auf die Stirn. „Tyalfen wartet…“, lächelt er, tippt mit dem Finger auf ihre Nase und fährt anschließend mit diesem über ihre Lippen. „Aber glaub ja nicht, dass du mir heute ungeschoren davon kommst“, verspricht er vielsagend. Er zieht sich das Hemd über den Kopf und zieht es der Wandlerin über. „Wer weiß, wessen Augen noch alles zusehen“, flüstert er ihr verschmitzt ins Ohr und drückt ihr einen Kuss auf die Wange.
Mit nun völlig freiem Oberkörper bemerkt er erst wieder, wie kalt es eigentlich ist. Die Anstrengung beim Klettern und das anschließende glühende Verlangen bei Dayans Anblick, haben ihn die Temperaturen für eine Weile vergessen lassen. Natürlich könnte sie sich auch einfach wandeln und sich mit ihrem dichten, weißen Fell schützen, damit er das Hemd wieder überziehen könnte. Lieber aber würde er die Kälte ertragen, bis sie sich wieder bei Tyalfen einfinden und vollständig in die Klamotten schlüpfen. „Wandle dich bitte nicht. Ich hab dich so am liebsten“, bittet er deswegen. Dann steht er auf, reicht seiner Liebsten seine Hand und fügt grinsend hinzu: „Komm. Das Familienoberhaupt wartet.“
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Dayan

Unregistered

4

Wednesday, March 26th 2014, 1:56pm

21. Langschnee

Aneirin verschließt ihre Lippen noch bevor sie ihm ob seiner Kletterfähigkeit oder besser gesagt im Sinne des Wolkenvolks Unfähigkeit antworten kann. Dann spürt sie plötzlich das alte Laub des Winters, mochte er auch noch so mild sein, im Rücken. Es behagt ihr wenig, doch sein Forsches Handeln erfüllt so manche Fantasie der Wandlerin, die sich die jungen Mädchen von der Wintersonnenwende erhofften und erzählten.
Und so streckt sie sich nur all zu gern um jeden Sekhelrin an Haut zu straffen, damit auch noch ein weiteres Küsschen auf ihr flammen konnte und ein Feuer entfachten, die ein kühles, waldiges, Bodenmaterial vergessen ließ.
Aneirins Lippen gehorchen und auch der restliche Barde reagiert wie erhofft, geträumt und erbeten. Doch eine freche Stimme entrückt jede Vorstellung junger Frauen. Nimm‘ sie dir?
Dayan glaubt sich verhört zu haben. War es Aneirins Stimme, die sie aus ihrem wundervollen Sog der Empfindung herausriss? Oder gar Tyalfens? Nein!
Jetzt hört sie eine weibliche Stimme antworten und Aneirin einen Stock werfen. Sogleich folgt sie der Flugspur. Dayan muss schon ganz genau hinsehen, um die winzigen Wesen nahe des Unterholzes und schnell verschwindend auszumachen.
Der „Kletterkünstler“ seufzt, drückt ihr ein wehleidiges Küsschen auf die Stirn und bemerkt, dass ihr Freund und Familienoberhaupt unten wartet.
Ohne Kommentar, nur kopfnickend, notiert sie dessen Bemerkung und legt erst beim Versprechen einer Nacht nach den Wünschen und Träumen ein keckes Grinsen auf. Das allerdings verschwindet schnell, denn Aneirins Wunsch in Menschengestalt zu bleiben rückt nicht auf wachsende Begeisterung. Es ist Langschnee, wenn auch mild und durchaus schön, aber es ist Winter! Auch wenn Dayan dieses Klima niemals als solchen bezeichnen würde, Gevatter Frost herrscht dennoch, sobald die Sonne hinter Wald und Stadt verschwindet.
Zudem gehört ein jede Form zu ihr. Gleich ob Rabe, Luchs oder Mensch. Wann wollte sein Ego das begreifen?! Schon aber reicht er ihr sein Hemd. „Wir werden beide krank am Herd sitzen und löffelweise Brühe schlürfen, statt diese elbischen Bettstatt und ihre Vorzüge auszukosten“, kommentiert sie knapp und streift den dünnen Stoff des Musikers über den Kopf um anschließend mit Anreins Hilfe aufzustehen.
„Was waren das für kleine Wesen? Sie sahen aus wie meine Püppchen, die mir einst mal geschnitzt wurden“, fragt die Wandlerin und führt Aneirin auf leiser Sohle einen gewundenen Weg mit wenig Klettereinsatz nach unten. Allein hier zeigt sich, wie geschickt ein Kind der Wolkenvölker ist und warum sie so wenig von seiner Kletterkunst hielt. Es war ein Teil ihres Lebens. Jeder konnte es, niemals fand man ein Kind, dass nicht Schwindelfrei oder ein meisterlicher Kletterer war. Man könnte fast meinen, die Kinder könnten es noch bevor sie allein laufen konnten.
Sobald sie unten sind suchen Dayans Augen nach Tyalfen, strahlen frech und mit einem kleinen, niedlichen Augenrollen zieht sie ihre Kleider wieder an. „Musstest du lange warten? Verzeihung, mein Fehler.“


Aneirin

Stadtbewohner

Posts: 654

Occupation: Bäcker

Location: Talyra

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5

Thursday, April 24th 2014, 10:14am

21. Langschnee

<“Wir werden beide krank am Herd sitzen und löffelweise Brühe schlürfen“> Aneirin grinst breit und tröstet seine Liebste mit einem Kuss auf ihren Handrücken. „Solange wir dies gemeinsam tun, soll es mir recht sein“, kommentiert er lediglich und versucht sich die Kälte, die sich in seinen Körper schleicht, nicht anmerken zu lassen. Doch seine frierende Haut verrät ihn und wird wie er selbst froh sein, wenn er Hemd und Mantel wieder anziehen kann. Dayan führt den Barden von der Anhöhe herunter und er lässt sich von ihr leiten, vertraut er ihrem Orientierungssinn doch bei Weitem mehr als dem eigenen. Währenddessen möchte die Wandlerin wissen, was dies für Wesen waren, die sie gestört hatte. „Ich bin mir nicht sicher“, antwortet Aneirin wahrheitsgemäß. „Ich habe Geschichten gehört über Wesen, die aussehen wie Menschen, aber die Größe eines Fingers haben. Offensichtlich sind es mehr als nur Geschichten“, lächelt er und ergötzt sich an Dayans grazilen Bewegungen, mit denen sie sich durch den Wald bewegt, während er selbst darauf achten muss, nicht über jede Wurzel zu stolpern.
Wieder bei Tyalfen angekommen zieht er sich rasch sein von Dayan zurückgereichtes Hemd mit einem Zwinkern dem Elben gegenüber an und auch sogleich den Mantel darüber. Erleichtert atmet er tief ein und aus und grinst forsch. „Und? Wie habe ich mich gemacht?“, fragt er. Bevor Dayan seine Frage kommentieren kann, wedelt er abwinkend mit der Hand vor ihrem Gesicht und wirft ihr einen Blick zu, der ihr bedeutet, dass er schon weiß, was sie davon hält. Und das ist nicht viel. Aber jetzt kommt es auf des Elben Urteil an, wie die Wandlerin ihm gesagt hat. So blickt er den Tyalfen erwartungsvoll an und fügt mit einem gespielt drohenden Unterton, aber immer noch grinsend, hinzu: „Sag bloß nichts Falsches!“
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Lorwen

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6

Thursday, May 1st 2014, 9:29pm

Die Sarnisa'ya erreicht die Lichtung schnell. Drei Silberwölfe rief sie zu sich. Drei starke, gesunde, ausgewachsene Tiere, die ihr nicht nur treu ergeben sind, sondern auch willens sind sie zum Herz zu tragen. Es ist jedesmal eine helle Freude und ein kleiner Umweg zu einem Versteck, dass sie für diesen Tag vorbereitet hat zu plündern, macht kaum einen zeitlichen Verlust.
Der Wald ist ihr Element und diesen Ort besucht die Druidin oft. Die Macht vierer Erzdruiden ist all gegenwärtig, so wie der Zauber der hier gesprochen wurde und allen Wesen ein Heim vor der Finsternis, dem Bösem oder Unheil verleiht. Widernatürlichkeit konnte hier nicht bestehen und so entschied sich Lorwen vor länger Zeit für diesen Ort. Hier hatte sie auch Tyalfen das erste mal gesehen. Damals ohne es zu wissen. Mit einem stillen Gruß verneigt sie sich vor den mächtigen Wächtern. Ein Heiligtum wie dieses hier ist selten, mehr als das. Es ist so rein und friedlich, dass kein böser Geist hier weilen kann. Hier hätte Tyalfen die größte Chance, hier wo geweihtes Wasser, heilige Bäume und Pflanzen, wie auch Steine, Felsen und Erde allem Natürlichen Schütz gewährt würd Lorwen es wagen, nirgends sonst.

Sie fürchtet diesen Tag, seit der weiße Aniran seine Gedanken mit ihr teilte. Doch sie ist vorbereitet, so viel wie man es eben nur sein kann. Demütig tritt sie in die Mitte des Ortes und kniet sich das Becken und betet um Kraft und Beistand um ihre Ängste im hinterstem Winkel ihres Seins zu stecken. Mit der so gewonnen Ruhe, einem Gleichgewicht ihrer selbst, streift sie ihre Gewänder ab und zeichnet mit phosphoreszierender Pflanzenfarbe die tätowierten Ranken weiter und weiter bis weite Teile ihres Leibes atemberaubende, in einander verdrehte und reich verzierte Blätter und Blätter zeigen. Ein in feinstes Linnen und hierfür gefertigtes, weißes Federgewand, so wenig verhüllend wie man es für Waldelben erwarten darf, verschleiert ihre Blöße. Lorwen knüpft in ihre Haare Holzperlen und Federn. Zu keiner Zeit hört sie auf Ealara anzurufen. Es würde nur diesen einen Versuch geben, Tyalfen und auch seiner Gefährtin ein neues Leben zu geben. Da durfte nichts dem Zufall überlassen werden. Dazu meditiert sie und geht jenes Vorhaben wieder und wieder durch.


"Ewige Mutter von allem das ist,
von allem das war
und von allem das jemals sein wird.
Große Mutter allen Seins.
Du bist die fruchtbare Leere.
Aus der unendlichen Dunkelheit deines Schoßes
hast du alles geboren:
[...]
Du bist die Quelle aller Weisheit und die heilige Ordnung allen Seins,
die allmächtige Kraft der Schöpfung und die heilenden Klänge
die Alles zusammenhalten.
Dies bekräftigen wir mit unserer Wahrheit
und unserer Liebe
und unserem gesamten Sein."

This post has been edited 2 times, last edit by "Lorwen" (May 4th 2014, 8:06pm)


Tyalfen

Stadtbewohner

Posts: 538

Occupation: Aniran / Heilkundiger

Location: Ferndartha / Talyra

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7

Saturday, May 3rd 2014, 2:41am

<,Glaubst du, dass sich fliegen ähnlich anfühlt?’> Es sind Aneirins Worte, die durch seine Gedanken ziehen, während seine Hand fest die seiner Schwester hält. Worten, denen Tyalfen damals nicht folgen mochte, waren seine eigenen Gedanken doch bei ihr, Arúen. Und wieder hat er das Augenpaar vor Augen, das so geheimnisvoll wie schimmernder Dunst nach einem erlösenden Sommerregen im aufatmenden Wald anmutet, nur jetzt entspringt es keiner Erinnerung. So nah war sie ihm nie zuvor und sie hat nichts von ihrer Anziehungskraft verloren, rein gar nichts, so viel sich inzwischen auch zugetragen hatte. ‚Wenn etwas dem Fliegen nahe kommt, mein Freund, dann dies.’ Doch sie gleiten so oft durch Raum und Zeit, wie es Tyalfen nie zuvor erlebte, kaum nimmt eine Umgebung Gestalt an und versuchen seine Sinne sich zu orientieren, verschlingen sie die Strudel der Sphären wieder, dass es einem schwindelnden Rausch gleichkommt. Ihre Augen hat er längst im Gewirr verloren, allein das Mal ihrer Göttin – ein stetes Glühen – bietet dem Blick einen festen Punkt, sich aufrecht halten zu können. Da wirkt der plötzliche und bleibende Stillstand mit einem Mal so fremd wie ein Trugbild der eigenen Benommenheit. Doch sie sind da. Herzschläge vergehen, bis sich seine Sinne fassen können und als sie es vermögen, bemerkt er ihr erschöpftes Antlitz, dass seine Hand instinktiv vorschnellt, Arúen am Ellenbogen zu stützen, während sein Blick weiter zu seiner Schwester eilt. Auch sie scheint gerade erst dem Rausch entronnen, doch sie lächelt und scheint wohlauf zu sein.

Da hört er die vertraute und doch auf fremde Weise mächtig klingende Stimme im Rücken. Die Druidin, sie ist tatsächlich hier! Jetzt spürt er auch das weiche Moos unter seinen Sohlen, riecht den erdig-würzigen Duft des Waldes und hört das Wispern der Lüfte unter der Kuppel der Wächter, dieses unheimliche Murmeln körperloser Stimmen aus dem Wasser, fühlt das seltsame Knistern auf seiner Haut wie damals. Ein letzter Blick gilt Arúen, sich zu vergewissern, dass es ihr dennoch gut ginge, dann löst er sich von seinen Reisegefährtinnen wendet sich zu ihr um. „Lorwen“ Ihr Name rinnt so leise von seinen Lippen, dass ihm wohl nur Arúen und Narsaên hören können- Er macht einen Schritt auf sie zu, nur diesen einen, um das Knie tief vor ihr zu beugen, bis es vom Moos empfangen wird. Und ebenso neigt er sein Haupt vor ihr. Für einiges hat er sie um Vergebung zu bitten, für vieles mehr ihr zu danken, doch als seine Rechte sich über sein Herz legt, soll es ehrfürchtige Anerkennung sein, die ihn erfüllt, vor dem, was sie für Naralîn gewillt ist zu tun.
Wenn Du glaubst, dass Frauen das schwache Geschlecht sind, versuch mal nachts Deinen Teil der Decke wieder zu bekommen.

This post has been edited 1 times, last edit by "Tyalfen" (May 6th 2014, 12:49am)


Lorwen

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8

Saturday, May 3rd 2014, 9:28am

Lorwen berührt einer der Riesen, murmelt ein uraltes Wort der vielerorts verlorenen Sprache der Diener der Ealara. Dabei zählt sie wie oft die Herzschläge bis der Zauber wirkt. Diese Wächter waren alt. Die Bilder die sich offenbaren erzählen viel und heißen sie dennoch willkommen, auch jene Elben, die sie erwartet. Just tut sich ein Kreis grüner Nebel auf und als sich dieser verflüchtigt gibt er die Hohepriesterin zusammen mit den Geschwistern frei.
Tyalfen kommt auch so gleich auf sie zu. Einen Schritt nur und sinkt demütig vor ihr auf die Knie. Das allein ist so falsch und fremd, dass Lorwen kurz nicht weiß wie sie reagieren soll. Schon packt sie den Knieenden unterm Arm und zieht ihn sachte zu sich hinauf. Schweigend legt sie ihm den Zeigefinger auf seine Lippen und hinterlässt dabei einen zarten Strich der Farbe. Jetzt ist sie dunkel, aber später würde man sich über ihr Leuchten freuen. Die Waldelben glauben auch, dass die Farbe den Träger schützt.
Auf ihrer eigenen Haut mochte man die Tätowierung von dem Gemalten nicht unterscheiden. Bei Tyalfen würde es etwas anders sein, aber gut möglich, dass die Ranken am Seelenmal bleiben würden, wenn auch blasser, ob sie aber ihre leuchtende Kraft behalten würden, kann selbst die Druidin nur erahnen.
Lorwen schaut in die Runde. Sie mag es nicht im Mittelpunkt zu stehen, doch das genau schien ihre Aufgabe zu sein.
„Sie heißen Euch Willkommen. Und sie erlauben uns hier zu sein“ flüstert sie. Bei seiner Schwester bleibt ihr erster Blick hängen und wandern zurück zu Tyalfen. Die Druidin hätte mit Aneirin, vielleicht auch mit Dayan als Gäste gerechnet, aber nicht mit einer Waldläuferin des wanderden Waldes. „Er braucht ein Festgewand.“ gibt sie der Fremden Anweisung. So braucht sie sich nicht drum kümmern. Lorwen schließt die blauen Augen. Also sie diese wieder öffnet fügt sie an: „Ihr dürft vom Äußeren Rand nehmen was ihr braucht.“
Ihre Augen wandern weiter zu Arúen. „Shu’ra Arúen“, sie neigt den Kopf „Das ist Ea’s geweihtes Heiligtum. Ihre Kinder sind hier Willkommen, vor allem die wilde Herrin und ihre Dienerin.“
Die jungen, roten Blätter der Wächter rascheln alle zugleich, als wollten sie die Aussage der Druidin unterstützen.
Lorwen dreht die kleine Runde weiter und bleibt so wieder beim Smaragdelben stehen. Sie ergreift mit zittriger Hand die Tyalfens um ihn über das Moos hinweg zum Becken zu führen. Nach ihrer Auseinandersetzung hat sie sich von ihm Fern gehalten, ja sogar mit dem Gedanken gespielt ihn seinem Schicksal zu überlassen. Doch genauso weiß sie, dass sie es niemals geschafft hätte ihn und somit auch sie fallen zu lassen, nicht aus niederen Gründen, die ihr durch ihre Enttäuschung durch den Kopf gingen.
„Ja, du bist bereit!“ lächelt Lorwen ihn an.

This post has been edited 2 times, last edit by "Lorwen" (May 3rd 2014, 2:11pm)


Narsaen

Stadtbewohner

Posts: 206

Occupation: Waldläuferin / Bognerin

Location: Talyra

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9

Saturday, May 3rd 2014, 11:01pm

Kurz senkt Narsaên den Blick als der grüngoldene Dunst vom Boden aufsteigt und sich wie eine schützende Hülle um sie legt. Mit einem vertrauensseligen Lächeln schließt sie die Augen, lauscht den Worten der Hohepriesterin und spürt Tyalfens festen Griff um ihre Hand. Da bemerkt sie auch schon, worauf die Elbin sie noch kurz hingewiesen hat. Es fühlt sich an, als würde eine unsichtbare, riesige Hand sie für einen Augenblick anheben, nur um sie gleich darauf wieder abzusetzen. Neugierig öffnet sie die Augen. Es ist interessant und zugleich auch faszinierend, sowohl Arúen den Zauber weben zu sehen als auch dieses ‚Gewirr‘ zu beobachten. Auch wenn sie wieder und wieder angehoben sind, hat sie keinerlei Probleme aufrecht zu stehen und ihr Gleichgewicht zu halten. Und gerade als sie behaupten könnte, dass sie sich an diese Art zu reisen gewöhnte, verfliegt der verschleiernde Dunst endgültig und gibt die Sicht auf eine herrliche Lichtung frei.
Narsaên blinzelt mehrmals und neigt leicht den Kopf, um ihre Sinne für diese neue, erstaunliche Umgebung zu öffnen. Ein Lächeln ziert bereits ihre Züge, als sie die Lichtung betrachtet, umringt von acht uralten Bäumen, die ihre rotschimmernden Häupter schützend über sie neigen und deren Begrüßung im Winde zu wispern scheint. Des Bruders Griff um ihre Hand löst sich und eine rasche Bewegung in ihrem Augenwinkel, lässt sie noch einmal ihren Blick abwenden und zu der Hohepriesterin sehen. Tyalfen stützt die erschöpft aussehende Elbin bereits mit gebührendem Abstand. Auch die Waldläuferin bietet ihr mit schweigender Geste ihren Halt an, um sich bloß nicht aufzudrängen. Erst als sie sicher gehen kann, dass Arúen sich aus eigener Kraft auf den Beinen halten kann, wagt sie es den Blick wieder von ihr abzuwenden und ihre Aufmerksamkeit auf diesen fremden, wie doch seltsam vertrauten Ort zu lenken.
Zu ihren Füßen breitet sich samtweiches, dunkles Moos aus und schmiegt sich schließlich an glattgeschliffenen Felsen, der einen Teich umrahmt, in den murmelnd ein Bach stürzt, dass es in den Ohren klingt wie Gesang. Die Mächte, die hier am Werk sind, können der Elbin gar nicht entgehen und würden für sie dennoch nicht vollständig fassbar sein. Ehrfürchtig wagt sie es tief ein- und auszuatmen. ‚Lorwen‘ Kaum vernehmbar ist Tyalfens leises wie ehrfürchtiges Flüstern. Narsaêns Blick senkt sich mit ihrem auf die Knie fallenden Bruder, um dann an der Druidin wieder empor zu klettern. Bewundernd mustert sie die eindrucksvollen Bemalungen auf der bronzefarbenen Haut, das lange, sandfarbene Haar und blickt schließlich in ihre wie blaue Edelsteine leuchtenden Augen, als die Druidin sie anschaut.
Kurz erschrickt die Waldläuferin, hat sie vor Faszination vergessen, sich vorzustellen und ihr den entsprechenden Respekt in einer Begrüßung entgegen zu bringen. Ganz abgesehen davon, dass sie sie wie ein neugieriges Kind angestarrt hat. Doch scheint Lorwen weder auf das eine noch das andere gesteigerten Wert zu legen. Stattdessen erhält sie sogleich eine Anweisung, ihrem Bruder ein Festgewand zu knüpfen. <“Sie ist… anders“>, gehen ihr Tyalfens Worte durch den Kopf. Unsicher blickt zu ihrem Bruder hinüber. Für gewöhnlich hätte sie die Anweisung einer Fremden nicht so ohne weiteres befolgt. Doch Lorwen ist nicht irgendeine Fremde. Sie ist eine Druidin und schon allein das lässt die Waldläuferin ihr offen gegenübertreten. Außerdem schenkt ihr Bruder ihr in dieser Angelegenheit sein Vertrauen, hält sie gar für die Einzige, die ihm helfen kann. Alles andere, wie Förmlichkeiten oder Fragen tritt dadurch für sie in den Hintergrund. So strafft sie sich, verneigt sich respektvoll und ist binnen weniger Herzschläge zwischen den Bäumen verschwunden.
Avatar © 2013 by Ursula Dorada aka SulaMoon

This post has been edited 1 times, last edit by "Narsaen" (May 6th 2014, 6:55pm)


Arwen

Stadtbewohner

Posts: 1,148

Occupation: Hohepriesterin der Anukis

Location: Vinyamar

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10

Tuesday, May 6th 2014, 7:19pm

Als die Nebelfäden des letzten Zaubers sich lichten und sie am Rand der Lichtung inmitten des Ringes aus wachenden Herzbäumen wieder die Sphären Rohas betreten, stehen Arúen Schweißperlen auf der Stirn, der Herzschlag pulsiert hastig in ihren Adern und rasche, tiefe Atemzüge erfüllen das vehemente Fordern ihrer Lungen nach mehr Luft. Magie zu wirken mag für Uneingeweihte leicht und spielerisch wirken, doch in Wahrheit ist es Schwerstarbeit. Selbst ein viertrangiger Zauber wie dieser Weg durch das Gewirr der Götter verlangt einer Hohepriesterin ein nicht unerhebliches Maß an Kraft und Konzentration ab, wenn sie Begleiter mit sich nehmen will und die Reichweite die sie überbrückt bis an die äußersten Grenzen ausreizt - und in siebenmal hintereinander in kürzester Zeit wirkt.
Während ihre Sinne sich noch nach innen richten, um ihren Herzschlag und ihre Atmung wieder zu beruhigen, löst sich Tyalfens Blick von ihrem, den er nicht mehr abgewandt hat, seit sie die ersten Worte des Zaubers gesprochen hat. Der Smaragdelb streckt seine Hand und fasst sie am Ellenbogen, um sie zu stützen sollte sie dessen bedürfen. Doch als sie ihm stumm zunickt, dass mit ihr alles in Ordnung sei, wendet er sich ein wenig zur Seite und mustert die Wächterbäume, ehe er sich mit einem tiefen Atemzug der Druidin zuwendet. Er spricht deren Namen so leise aus, dass selbst Arúen sich anstrengen muss, um ihn zu verstehen. Soviel liegt in diesem einen Wort, soviel, das sich in diesem Moment nicht in Sprache fassen lässt und das sich schließlich in dem Kniefall und der Hand über dem Herzen ausdrückt.

Arúens Blick ist dem Tyalfens zu den Bäumen gefolgt. Sie kennt diesen Ort, ist auch schon hier gewesen, aber nur zwei oder drei Mal in all den Jahren die sie schon in Talyra lebt. Es ist ein geweihter Ort, heiliger Boden. Es muss unzählige Generationen her sein, seit diese Bäume Sämlinge waren, seit sie wuchsen und gediehen und die Stürme der Zeiten überdauerten. Wie lange es wohl her sein mag, dass Druiden einst diesen Ort mit Gebeten, Gesängen und ihrem Blut Ealara weihten? Sie hat sich diese Frage nie zuvor gestellt, und warum sie ihr gerade jetzt in den Sinn kommt, wüsste sie nicht einmal zu raten, ist es doch für das was sie vorhaben vollkommen unerheblich.
Für einige Momente hat sie nicht auf ihre Umgebung geachtet, hat weder Lorwens Begrüßung von Tyalfen noch ihre Anweisung an Narsaên mitbekommen. Als sie sich jetzt dem Zentrum der Lichtung zuwendet, sieht sie sich Lorwen gegenüber. Die Erscheinung der Waldelbin ist so ganz anders als sonst. Mit den Gewändern des Alltags scheint sie mehr abgelegt zu haben als nur einige Stücke Stoff. Ihre Erscheinung ist selbst für hochelbische Augen alles andere als alltäglich. Ganz abgesehen davon, dass die Macht die sie an diesem Ort umgibt wie ein Mantel für Arúen beinahe körperlich spürbar ist. Wirke ich auch so auf andere, wenn ich die Macht Anukis' zu mir rufe? Sie verdrängt den Gedanken, kaum dass er da ist. Für solcherlei hat sie jetzt keine Zeit, es gibt wichtigeres. Auf die Worte, mit denen die Druidin sie im Heiligtum der Weltenmutter auch im Namen der Baumwächter willkommen heißt, neigt sie respektvoll das Haupt. "Ich danke Euch." Der Dank gilt Ealara ebenso wie deren Eichenpriesterin und den Herzbäumen, die raschelnd ihre Zustimmung kundtun. Lorwen wendet sich nun Tyalfen zu und Arúen zieht sich ein wenig von den beiden und Narsaên zurück, um ihre eigenen Vorbereitungen zu treffen und sich auf jene Zauber vorzubereiten, die sie vielleicht brauchen würde um dem Laikeda'ya die versprochene Hilfe sein zu können.

Es sind nur wenige Schritt Abstand, die sie zwischen sich und die anderen bringt, aber an einem Ort wie diesem würde es ihr ausreichend Ruhe für ihre Meditation bieten. Mit ruhigen, kontrollierten Bewegungen legt sie ihren Köcher mit dem Bogen und den Mantel ab, faltet ihn zusammen und legt ihn zusammen mit dem in Leinen gewickelten Brot von Esta und der Rolle ihrer Schlaffelle neben die Wurzeln eines der Bäume. Sie löst das Messer von ihrem Gürtel, legt es dazu und streift auch die Stiefel ab. Weiches, federndes Moos schmiegt sich kühl unter ihre Sohlen. Arúen sieht in das Gesicht des Herzbaumes, sagt kein Wort und bittet doch um so etwas wie seine Erlaubnis. Das uralte und zeitlose Gesicht rührt nicht eine Faser, und doch umgibt die Shida'ya ein Gefühl des Willkommens, das sie als Zustimmung deutet.
Arúen lässt sich auf die Knie nieder, schlägt die Beine unter und legt die Füße flach auf den Boden. Mit sachten Bewegungen und der ruhigen Selbstverständlichkeit, die aus der Routine ungezählter Tage erwächst, setzt sie sich zurecht, aufrecht und doch entspannt legt sie ihre beiden Hände so in ihrem Schoß ineinander, dass sie mit den Daumen einen Kreis bilden. Ihr Blick richtet sich auf einen imaginären Punkt einige Schritt vor ihr auf dem Boden und Arúens Wahrnehmung gleitet mit jedem Herzschlag und jedem Atemzug weiter aus dem Hier und Jetzt. Körper, Geist und Seele werden eins und die Wahrnehmung ihrer Umgebung verblasst bis zur völligen Bedeutungslosigkeit. Dann öffnet sie ihren Geist und ihre Seele für die Macht der Wilden Herrin.
Arúens Herzschlag geht ruhig und im Gleichmaß mit ihren tiefen Atemzügen, als sich die gerufenen Mächte mit Geist, Körper und Seele verbinden. Die Elbin sammelt ihre Konzentration und gewährt sich Momente der Erholung ehe sie ihre Kräfte für den Zauber, der an diesem Tag vermutlich am wichtigsten sein würde (zumindest wichtiger als jene, die sie hierher gebracht haben), bündelt. Der Blick der Priesterin kehrt ins Hier und Jetzt zurück und auch die Wahrnehmung ihrer Umgebung setzt wieder ein. Noch einige tiefe Atemzüge um dieses tiefe Gefühl der Harmonie für einen Moment auszukosten, dann erhebt sie sich mit einer geschmeidigen, fließenden Bewegung, der man die Anstrengungen des Weges in keinster Weise mehr ansieht. Wieviel Zeit hier im Nar'Sarnis vergangen ist, kann sie nicht sagen, denn für sie vergehen in einer Meditation Augenblick und Ewigkeit zugleich. So wendet sie sich Lorwen, Tyalfen und Narsaên zu um zu sehen wie weit die Vorbereitungen gediehen sind - und worin sie bestehen mögen - und was nun von ihr selbst als nächstes erwartet wird.
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Die, die grundlegende Freiheiten aufgeben, um vorübergehend ein wenig Sicherheit zu bekommen, verdienen weder Freiheit noch Sicherheit.
[Benjamin Franklin, (1706 - 1790)]

Tyalfen

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Location: Ferndartha / Talyra

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11

Tuesday, May 6th 2014, 10:01pm

Hat sie ihm vergeben? Lorwens Griff um seinen Arm entbehrt jeder Grobheit, doch ihre Züge bleiben unergründlich. Tyalfens Geist sucht nach rechten Worten, doch kaum wollen sich seine Lippen öffnen, gebietet ihr Finger ihnen Einhalt - derart zart, dass es ihn an ihren Kuss in jener Nacht erinnert. Seitdem hat er sie nicht mehr gesprochen. Ergeben senkt er die Lider und schweigt. Er wird alles tun, was sie verlangt.

Und sie verlangt ein Festgewand. Tyalfen sieht an sich hinab. Seine Gewänder sind weder festlich noch rituell, nur zweckmäßig. Doch was konnte diesem Anlass überhaupt gerecht werden? Seine Augen streifen Lorwens Leib, die weißen Federn, ihre Tätowierungen, ihre Bemalung, einerseits vertraut, andererseits sehr exotisch, gleichwohl verführerisch wie erhaben, was keinesfalls ein Widerspruch sein muss. Eilig blickt er sich zu Narsaên um, der Lorwens Aufforderung gilt und nickt ihr zu, zu tun, was sie verlangt. So will er es auch halten. Und schon zieht ihn Lorwen an den Rand des Teichbeckens. Dort legt er Bogen, Köcher, Tasche und Umhang ab und letztlich auch das Wams und nimmt dem Seelenmal die Verborgenheit. Ja er ist bereit.
Wenn Du glaubst, dass Frauen das schwache Geschlecht sind, versuch mal nachts Deinen Teil der Decke wieder zu bekommen.

Lorwen

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12

Tuesday, May 6th 2014, 10:43pm

Lorwen beobachtet schweigend wie Tyalfen an sich herabsieht. Es war kein Gewand wie man es im wandernden Wald trug, dass weiß sie. Es ist ein Reisegewand, dass sicher seinen Nutzen hat, aber hier bräuchte er es nicht. Geduldig wartet sie bis ihr Gegenüber ihrem Wunsch nach kommt und hernach seine Augen musternd auf ihr ruhen.
„Ea behütet dich und wir achten auf deinen Leib.“ Mit einem Griff zu einem dunkelgrünen Tiegelchen schließt sie kurz ihre Augen. Es ist nicht einfach ihm gegenüber zu treten, seit der einen Nacht. Wie dumm sie sich vorkam und wie naiv ihre Gedanken und Ideen ihr Fantasien schenkte, die sie oft verfolgten. Nicht weil sie grausam waren, nein, weil sie sich nach den zarten Lippen sehnte.

Sie taucht Zeigefinger und Mittelfinger in die dunkle Farbe um nach einem wie zufälligen Blick nochmals ihrer Sache sicher zu werden. Ja, Tyalfen war es wert, alles zu riskieren. Kurzentschlossen kreist sie hauchzart in Schnörkel und Windungen, so fein und perfekt, genau über seinem Herzen und führt schnell davon fort um die Hauptschlagadern hinauf zum Hals ihre Spuren zu ziehen. Immer wieder lässt sie die Finger kreisen, taucht sie erneut in Farbe und fährt fort und fort. Sein Gesicht umrahmt sie nur malt aber auf die Wange das Zeichen des Anirans auf die eine Seite und die seines Hauses auf die andere. Beides passt sich perfekt in sein Antlitz.
Anschließend führt sie behutsam seinen Zeigefinger den anderen Arm entlang und umgekehrt. Dann hält Lorwen inne. All seine Fingerkuppen an ihre gedrückt. Das war fast unerträglich für sie und nach kurzem Zittern legt sie die Seinen im weichen Moos ab um seinen Rücken zu zeichnen bis die kleinsten Häarchen sich stellen. Anschließend widmet sie sich seiner Brust. Zunächst umkreist sie das Mal aber alle Ranken die sie irgendwo auf ihn malte enden oder beginnen, wie man es sehen will hier und winden sich überall hin bis sie sein Herz erreichen.

„Du hast eine gute Wahl getroffen, Tyalfen. Wer ist deine Gefährtin?“ fragt sie nach einer halben Ewigkeit mit leiser, melodischer Stimme die unausgesprochene Frage. „Sie trägt Freiheit, Vertrauen und Stärke mit sich. Der Wald liebt sie. Ich hätte hingegen mit deinen Menschenfreunden gerechnet.“

Narsaen

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13

Wednesday, May 7th 2014, 5:12pm

Schweigend, aber versonnen lächelnd schreitet die Waldläuferin durch den Wald, lässt ihre Finger durch hohe Gräser und durch Sträucher wandern, über breite Blätter streichen und über Baumrinden fahren. Und immer, wenn sie glaubt ein leises Flüstern zu vernehmen, lächelt sie dankbar und nimmt mit, was die Pflanzen um sie herum bereit sind ihr zu geben. Es ist ein wunderbares Gefühl nach dieser Nacht in der Stadt durch dieses alte wie mystische Fleckchen Erde zu wandern und die Sinne allein für dieses zu öffnen, bei jeder Berührung dieses magische Prickeln auf der Haut zu fühlen und das Wispern uralter Mächte in jedem Luftzug zu vernehmen. Die Druidin hatte sich einen wahrhaft ehrwürdigen Ort ausgesucht.
Narsaên lässt sich an Ort und Stelle nieder und beginnt die bisher gesammelten Pflanzenfasern zusammen zu drehen und ineinander zu flechten. Sie würde nicht mehr nehmen, als sie benötigte, so wie die Druidin ihr es gesagt hatte. Während sie die Fasern und mindestens handgroßen Blätter aneinander und übereinander reiht und allmählich zu einem Lendenschurz formt, neigt sie gedankenverloren den Kopf und ruft sich die Elbin mit dem sandfarbenen Haar wieder vor Augen, betrachtet in ihrer Erinnerung noch einmal die rankenförmige Bemalung, die sie so fasziniert hat. Bei dem Gedanken an Lorwens klaren und durchdringenden Blick ihrer topasblauen Augen, schleicht sich ein eisiger Schauer ihren Rücken hinunter, so dass sie sich unwillkürlich schütteln muss.
Eine wundervolle Melodie dringt an ihr Ohr und eine Bewegung in ihrem Augenwinkel bekommt ihre Aufmerksamkeit. Lächelnd betrachtet die Waldläuferin den neugierig dreinblickenden scharlachroten Vogel, der stetig näher hüpft und immer wieder fragend zwitschert. Narsaên lächelt und knüpft scheinbar unbeeindruckt weiter. „Das ist für meinen Bruder“, erklärt sie mit leiser Stimme. „Er soll doch dieses Ortes würdig sein.“ Erfreut neigt sie den Kopf, als ein zweites Vögelchen mit einem genauso leuchtenden Gefieder, das in der Sonne kupfergolden glänzt, neben dem ersten landet und sie mindestens genauso interessiert beobachtet. Leise summend flicht die Elbin weiter, die beiden winzigen Vögel unauffällig beobachtend, wie sie beginnen ihre Schnäbel in ihrem bezaubernden Gefieder zu versenken. Kurz darauf erheben sie sich schon und schwingen sich zurück in die Baumkronen. Überrascht betrachtet Narsaên die langsam zu Boden sinkenden leuchtend roten Federn und streckt die Hand nach ihnen aus, um sie aufzufangen und aufzusammeln. Da hebt sie den Blick in die Baumkronen. „I cara lus“, flüstert sie, auch wenn sie die beiden nicht mehr sehen kann. Die Federn würden in Tyalfens Haar sicher wundervoll aussehen.
Nachdem sie noch eine Weile dort gesessen und an dem Lendenschurz geknüpft hat, erhebt sie sich, um zurück zu ihrem Bruder zu gehen. Den Rest würde sie bei ihm und an ihm erledigen, damit sie auch sicher sein kann, dass alles bedeckt ist, was bedeckt sein soll. Leichtfüßig tänzelt sie um die Bäume herum, sammelt hier und da noch eine Kleinigkeit, ehe sie zurück auf die Lichtung zu den anderen tritt. Fasziniert betrachtet sie die Bemalung auf Tyalfens Körper, die Zeichen auf seinen Wangen und für einen Augenblick verliert sich ihr Blick, als sich tief in ihrem Inneren ein beklemmendes Gefühl breit macht. Da sie aber nicht zulassen würde, dass es auch nur ansatzweise an die Oberfläche dringt, legt sie wieder ihr liebevolles Lächeln auf und tritt näher an ihren Bruder und die Druidin heran.
Sieht wundervoll aus‘, meint sie und legt die gesammelten Blätter, Gräser und Federn auf den steinernen Rand des flüsternden Teiches. Ihr Blick fällt auf Tyalfens abgelegte Sachen. Sogleich greift sie nach allem und trägt es von der Lichtung in den Schutz eines der gewaltigen Bäume, um ihre Sachen, Bogen, Köcher, Mantel und den Gürtel mit den Taschen dazu zu legen. Auf der Lichtung wirken sie unpassend, gar störend. Hier aber könnten sie liegen, ohne die uralten Kräfte dieses Ortes zu beleidigen. Dann schlendert sie zurück, wirft dabei einen Blick zu Arúen und bleibt bei Tyalfen und Lorwen, aber dennoch in gebührendem Abstand stehen und wartet artig ab, bis die Druidin ihr signalisierte, dass sie sich um ihren Bruder kümmern dürfte.
So legt sie ihm den aus den Pflanzenfasern und großen Blättern geknüpften Lendenschurz über die Beinlinge um seine Hüfte, um abzuwägen wie viel sie noch hinzufügen müsste. Dann nimmt sie ihn wieder ab und setzt sich auf die Steine am Rande des Teiches, scheinbar vertieft in ihre Arbeit, wie sie hier und da noch einige Blätter und Stränge hinzufügt. Tatsächlich aber hat sie Tyalfen genau im Auge, ohne dass sie ihn dafür ansehen muss. ‚Es wird alles gut‘, merkt sie an und ist sich nicht sicher, ob sie damit ihren Bruder oder sich selbst beruhigen will. Bald darauf erhebt sie sich wieder, um ihm ihr Werk erneut umzulegen. Zufrieden nickt sie und beginnt den Schurz zu und sicher haltend zu flechten. Schließlich tritt sie einen Schritt zurück und um ihn herum. Ja, nun könnte er die Hose ablegen.
Dann macht sie wieder den Schritt auf ihren Bruder zu und sieht ihn an, als wolle sie etwas sagen. Doch keiner ihrer Gedanken dringt zu ihm und die Lippen bleiben verschlossen. Mit einer Geste ihrer Hand bittet sie ihn, Platz zu nehmen oder sich hinzuknien, was er bevorzugen würde. Sorgsam öffnet sie die wenigen geflochtenen Zöpfe in seinem Haar, um sie zu erneuern und Gräser und Federn, sechs an der Zahl, hinein zu flechten. „I dioma ti dun, Sylnar“, flüstert sie schließlich, während ihre Finger geschickt durch sein Haar fahren. ‚Verlass mich nicht… Bitte…‘, fügt sie in ihren Gedanken hinzu. Für einen Augenblick hatte sie es in Erwägung gezogen ihm ihre tiefste Sorge mitzuteilen. Doch womöglich würde ihn das gar erst auf dumme Gedanken bringen. So behält sie es für sich. Tyalfen braucht jetzt Stärke und Sicherheit. Und es ist ihre Aufgabe sie ihm zu schenken.
So schiebt sie ihre Befürchtungen erneut beiseite, verzieht die Lippen wieder zu einem Lächeln und tritt vor ihn, um ihm zu bedeuten, dass er sich wieder erheben könnte. ‚Fertig!‘, lächelt sie und blickt ihn verzückt an. ‚Was meinst du? Soll ich noch etwas ausbessern?‘, erkundigt sie sich, nachdem sie alles Gesammelte genutzt hat, wie sie es sich vorgenommen hatte.


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I cara lus. = Ich danke euch.
I dioma ti dun. = Ich liebe dich sehr.
Sylnar = Bruderherz
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Tyalfen

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14

Thursday, May 8th 2014, 2:22am

Tyalfen bemerkt nichts von Lorwens Befangenheit, als sie ihm mit einem Tiegelchen in ihren schmalen Händen gegenüber tritt. Auf ihn wirkt sie vollkommen konzentriert und selbstsicher, ja geradezu unantastbar von Eas Macht erhellt, während seine Muskeln unter ihren malenden Berührungen hin und wieder unwillkürlich zucken und er würde die Ursache nicht in seinen überreizten Nerven suchen, nicht an diesem Ort und nicht zu dieser Stunde. Angespannt folgt er den kunstvollen Rankengewirr, das sie auf seine Haut zaubert, solang er es vermag und als sie sein Gesicht schmückt, ruht sein Blick auf ihren juwelengleichen Augen, die funkeln, als halte mal einen geschliffenen Edelstein ins Sonnenlicht, um sein inneres Feuer erglühen zu lassen. Es hilft ihm jedoch nicht, die Anspannung abzuschütteln, gleichwohl er wenigstens seinen Geist besänftigen sollte, um jeden Gedanken fern zu halten, wenn ihre Seelen sich trennten. Doch wie entspannt man sich, wenn der Augenblick immer näher rückt, da man das Liebste endgültig verliert. Seine Augen wandern weiter, einen Ruhepol zu finden, hinauf ins Laubgewölbe, über die mahnenden Baumgesichter und das unstete Wasser, bis sie bei Arúen Einkehr finden. Sie strahlt eine solch unbeirrbare Ruhe aus, dass es gar seinen Herzschlag zu mäßigen versteht.

Doch schlagartig holt Lorwen ihn zurück und er starrt sie an, da ihrer beider Hände an den Fingerspitzen zusammenfinden. Tyalfen empfindet diese Geste sehr intim, entschieden zu intim! Es fehlt nur das sie ihre Stirn an seine schmiegt und sie zärtliche Gedanken tauschten. Sie tut nichts dergleichen und gewiss gehörte dies zum Bemalungsritual, bezähmt sich Tyalfen schließlich, auch wenn sich ihre Kunst nunmehr nach einem kleinen und scheinbar nie enden wollenden Martyrium anfühlt. Er habe eine gute Wahl getroffen, hört er sie dann irgendwann sagen, ohne gleich deuten zu können, auf was sie abzielte, bis sie weiter spricht. „Narsaên, meine Schwester“, flüstert er knapp, ihr Gebot, kei unnötiges Wort zu verlieren nicht vergessend. Er könnte nicht genau sagen, warum er Dayan und Aneirin bei diesem Ritus nicht bei sich haben mochte, vielleicht weil sie seine Gemahlin nicht kannten, was allerdings auch auf seine Schwester zutrifft. Dann also vielleicht, weil sie ihre eigenen Sorgen zu haben schienen oder sie ihn so nicht sehen sollten, wer weiß das schon. Die Antwort muss er Lorwen schuldig bleiben.

Ohnehin kehrt Narsaên zurück und mustert seine Leibeszier wohlwollend, nennt sie wundervoll. Er hingegen kommt sich wie ein Opferlamm vor, herausgeputzt um schlussendlich auszubluten. Aber er will keineswegs undankbar erscheinen und lächelt nur gequält. Er zieht es vor, sie zu beobachten, wie sie umsichtig sein Hab und Gut ablegt, wie ihre geschickten Finger das Flechtwerk fertig stellen und ihm schließlich umlegen. Er dankt es ihr, ebenso wie ihre beruhigen wollenden Gedanken. War es wirklich eine gute Idee, sie mit hierher zu nehmen? Tyalfen ist sich längst nicht mehr so sicher. Dieser Angst und Sorge hat er sie nicht aussetzen wollen, für wenn und aber ist es allerdings zu spät. Sie ist hier und er wird sich zusammen nehmen, komme was da wolle. Er kennt sie zu gut, um nicht zu ahnen, was sie bewegt. Linkisch schlüpft er aus Stiefeln und Hose, setzt sich, wie geheißen und schweigt, damit sie ihm die blutroten Federn ins Haar flechten kann. Doch kaum ist sie fertig, springt er auf und zieht sie an sich. „Ich werde mich dem Fährmann nicht anbieten. Ich verspreche es dir.“, flüstert er liebevoll und streicht ihr übers Haar. Dann löst er sich von ihr, es endlich hinter sich zu bringen und nickt Lorwen entschlossen zu.
Wenn Du glaubst, dass Frauen das schwache Geschlecht sind, versuch mal nachts Deinen Teil der Decke wieder zu bekommen.

Lorwen

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15

Thursday, May 8th 2014, 12:53pm

Nein, mit Tyalfens Wort wird ihr Herz nicht leichter, aber wie kaum eine Andere konnte sie so kühl und herablassend wirken wie man es den Elben so im Allgemeinen nachsagt. Dennoch hört sich <“meine Schwester“> deutlich besser an als Gefährtin und tatsächlich sehen sich die beiden einander ähnlich. Sie wiederholt also ihr „gute Wahl“ und krampft dann ihre rechte Faust. Die beiden sprachen miteinander und daher ‚hört‘ Lorwen ein schreckliches Rauschen, dass sie sich sogleich erhebt, gleich einer Wildkatze vielleicht, und über das Moos hin zur Hohenpriesterin springt. Dabei wirkt sie wie so oft einen tröstenden Zauber, der dem Druck der diese Kommunikation auslöst entgegen zu wirken weiß. Acht Herzschläge und einem gemurmelten Wort später strömt die Wärme durch ihre Adern und erleichtert sogleich diese störende Gewirr im Kopf. Das Herz mochte da sehr schnell nach Hilfe schreien, doch die Jahre, und derer vieler, lehrten auf schmerzliche Weise, dass allein sein, die beste Möglichkeit war ihr zu helfen. Hernach würde sie wieder ihrer Wege gehen…
Erst kurz vorher , knapp vor der Priesterin, holt sie mehrmals tief Luft und löst ihre verkrampfte Hand. In einem Augenblick, dessen sie sich sicher sein will, dass sie die Dienerin der wilden Herrin nicht stört, tritt Lorwen lautlos heran. „Ealara îhiorael ôr lus, Shu’ra*“ –
Wieder reicht sie ihrem Gegenüber die Hand und sobald sie ergriffen wird, würde eine reine Kraft, warm und leicht überspringen. Lorwen würde die Hand allerdings nicht mehr loslassen bis sie Tyalfen erreicht, um ihm diese Kraft, der alle Kälte nimmt, ebenso zu Teil werden zu lassen.
„Nicht erschrecken, wenn ihr mich anfasst“, zwinkert sie der dunkelhaarigen Elbin entgegen. „Kommt, wir werden gebraucht.“

Sogleich ergreift Arúen die Hand der Druidin und lässt sich von ihr zum Wasserbecken aus glattem Fels führen. Wie es Lorwen vorausgesagt hat gleitet eine wohltuende Wärme von der sandfarbigen Elbin zur Anderen. "Wenn ich raten müsste, würde ich sagen Tyalfen hat zu lange gewartet. Das Seelenmal raubt ihm zuviel seiner Kraft. Ihr müsst ihn davor bewahren seiner Gefährtin von eins zu folgen, wenn irgendwas schief läuft und das hier schreit geradezu danach."

Bei den Geschwistern angekommen legt Lorwen Arúen Hand in die es Elben und ergreift die Andere um ihn zum Becken zu führen. Lorwen grüßt in der alten Sprache alle Winde und verneigt sich respektvoll, zuletzt dem Wasser im Osten.

Wie zuvor Arúen strömt nun Wärme über ihre Hand hinüber zu Tyalfen.

"Eas heiliges Wasser behütet dich, Tyalfen. Steig hinein. Arúen und Narsean sind an deiner Seite. Du kannst loslassen und du musst loslassen, hörst du!"

Lorwens Stimme ist leise geworden, doch nicht weniger entschlossen und ihr melodischer Klang, vieler Glöckchen gleich, stimmen dem Nachdruck sanfter. Doch was gesagt werden muss, muss gesagt werden. "Kehrst du uns an einem bestimmten Punkt den Rücken, Tyalfen, wird dir keiner von uns folgen und beide Seelen sind verloren. Vergesse weder dich noch sie."

Lorwens Angst zu versagen wird zunehmt greifbarer und so gilt es dagegen zu wirken, solange sie sich irgendwie noch im Griff hat. Sie wird sich also selbst auf die Sprünge helfen und schwingt noch im Vorbeigehen mit einem gemalten Löwen in der Luft und seinem gesummten Kinderlied den Zauber, der in kürzester Zeit allen herum die Ängste nimmt und gegen Tapferkeit und Mut ersetzt. Eigentlich müsste ihr Selbstvertrauen reichen, aber es ist ihr unerträglich aus Angst zu versagen. Wenn sie ihr bestes gab und sich das Schicksal nicht wenden ließe, so soll es Eas Willen sein.
Die Druidin hält ihre freie Hand ins Wasser und deutet dem Elben hineinzusteigen. Dann webt sie den Zauber, den sie zuvor so fürchtete.
Ihre stimme erhebt sich in einer uralten Sprache, vielleicht so alt wie Zeit selbst, denn es ist die Sprache der ersten Diener der grünen Weltenmutter. Lorwen singt die Verse, immer und immer wieder und fährt Stück für Stück die Ranken auf Tyalfens Haut, die jetzt mit der einsetzenden Dämmerung wie von Zauberhand zu leuchten beginnen. Die Farbe, die Lorwen so abwäscht, lässt das Wasser glimmen, mehr und mehr bis die Waldelbin ganz Nahe am Seelenmal angelangt ist. Hier ist ihr Singsang so Nachtigall klingend und rein, wie kaum einmal zuvor. Ganz sachte führt sie Tyalfens Hand mit der Ihren vereint über das Mal.
Ein einziges Wort flüstert Lorwen noch, dann berührt sie das silbrige Geflecht auf des Anirans Brust. Es ist ganz, ganz still geworden. Selbst die Schwärme Glühwürmchen und Grillen, Vögel und Tiere, nah und fern, alles, gleich Baum, Blume, Flechte, alles schweigt und hält den Atem an nur um das milchig- durchscheinende Gespinst, dass sich von des Elben Brust löst und sich vor aller Augen zu einer Gestalt empor erhebt.


* Ealara sei mit Euch

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