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Tyalfen

Stadtbewohner

Posts: 538

Occupation: Aniran / Heilkundiger

Location: Ferndartha / Talyra

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16

Friday, May 9th 2014, 4:30pm

Er fühlt Lorwens Zauber, als habe sie in seinem Leib Trommeln angestimmt, ganz leise, ganz dumpf, vollkommen monoton und es breitet sich aus wie eine Welle – ein seltsames Gefühl mit nichts vergleichbar. Tyalfen lauscht in sich. Es fühlt sich eigenartig aber nicht unangenehm an, längst nicht so, wie er befürchtet hatte und stimmt ihn auf merkwürdige Weise ruhig, dass er es gewähren lässt, ohne sich dagegen aufzulehnen. Es nimmt ihn ein von Kopf bis Fuß, pulsiert in seinen Adern, vibriert in seinen Nervenbahnen und sein Herz beginnt im selben Rhythmus zu schlagen, ganz leise, ganz dumpf und vollkommen monoton.

Dann sieht er es, ein silbriges Licht dicht unter der Wasseroberfläche, zuerst kaum mehr als ein schwaches Glimmen über seinem Mal, ihrem Mal. Doch allmählich gewinnt es an Kraft und Intensität, wird heller und durchbricht das Wasser. Als dünnes Nebelgespinst kriecht an ihm empor, als schmiege es sich an ihn. Warm fühlt es sich an, so angenehm und so sanft wie das Sonnenlicht, dass er fast die Augen schließen und sich davon umhüllen lassen möchte.

Ein Gedanke hält ihn davon ab und es ist kein eigener, der seinen Geist streift. gleichwohl zu schwach, um ihn zu deuten. „Naralin?“ flüstert er zaghaft. Da löst sich eine Hand aus dem Nebelschleier, nichts anderes als selbst silbriges Gespinst und liebkost sein Antlitz auf eine Weise, wie nur sie es immer getan hatte. „Naralîn, mein Herz.“ hauchen seine Lippen zärtlich und entrückt und tauchen seine Züge in unendliches Glück. Sie ist bei ihm, nach so langer Zeit voller Einsamkeit und Sehnsucht kann er sie spüren, ihren Körper, der sich an ihn schmiegt, ihre Lippen auf den Seinen, zwar hauchzart nur, als schmeichle eine sanftes Lüftchen seiner bloßen Haut, doch umso vieles besser als ewige Entbehrung. Jetzt kann er sie sehen und sie ist wunderschön wie eh und je. Behutsam legen sich seine Hände an sie, nur ganz sacht, dass er ihr Abbild nur ja nicht zerstörte.

Ich bereue nichts, mein Licht., hört er sie auch endlich und es entflammt sein Herz, wie jede Faser seines Leibes. ‚Ich habe mich so nach Dir verzehrt, mein Herz, , so oft an Dich gedacht, nach Dir gesucht und die Götter angefleht. Oh Du mein Stern, ich …’ ‚Nicht!’ unterbricht ihn ihr Flehen, dass blanken Entsetzen seinen Leib durchfährt, mehr noch als sie sich von ihm löst. ‚Daran darfst Du nicht denken. Uns bleibt keine Zeit. Wir zerfallen, wenn ich bei Dir bleibe. Lass das nicht zu, bitte, tu das nicht.’ Verzweiflung schleicht auf Tyalfens Züge, so sie ihn in die Wirklichkeit zurück holt, daran erinnert, weswegen er tatsächlich hier ist. Er hätte es zu gern vergessen und sei es nur für ein paar kostbare Augenblicke mehr mit ihr. ‚Wie finde ich Dich?’, rast nur noch der eine Gedanke durch seinen Geist. Sie zögert. Langsam legt sich ihre Hand auf sein Herz und ihr Blick wendet sich von ihm ab. ‚Du wirst Dein Glück finden … wie ich das meine.’ Sie spricht es nicht aus, denkt es nicht einmal und doch meint sie nur das Eine – sie würden nie mehr zueinander finden. Tyalfen ist zu keiner Selbstbeherrschung mehr fähig. Ungehindert fließen die Tränen der Hoffnungslosigkeit über seine Wangen und sind doch nichts im Vergleich, was ihn im Innersten bewegt, wie er zerbricht.

„Du sollst frei sein, Naralîn. Die Götter und die Erdenmutter mögen meine Zeugen sein, ich entbinde Dich unseres Gelübdes und lass Dich gehen.“ Er hat die Worte kaum ausgesprochen, da zerfällt Naralîns Abbild, ihr letzte wahre Gestalt beginnt das Wasser um ihn zu brodeln und zu schäumen, als koche es. Das tut es nicht und statt heißen Dampfes steigt der Silbernebel auf, zieht alles Geflecht, jenes feine Gespinst, dass sich mit seinen inneren Strukturen verflochten hatte, um überdauern zu können, mit sich fort.

Ein unsäglicher Schmerz durchzuckt Tyalfen, als spaltete ihn Dramor mit seinem Speer unter dem sich des Elben Leib aufbäumt und ein grässlicher Schmerzenschrei hallt durchs Hohe Herz, der zu einem elenden Röcheln erstirbt. Gnadenvolle Nacht legt sich über seinen Geist, befreit ihn von jedem Gedanken, jedem Versprechen und jedem Willen und lässt ihn nichts mehr fühlen, nicht wie er fällt, nicht wie das Wasser über ihm zusammenschlägt, nichts. Es könnte vorbei sein, hier und jetzt.
Wenn Du glaubst, dass Frauen das schwache Geschlecht sind, versuch mal nachts Deinen Teil der Decke wieder zu bekommen.

Narsaen

Stadtbewohner

Posts: 206

Occupation: Waldläuferin / Bognerin

Location: Talyra

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17

Friday, May 9th 2014, 6:34pm

Kaum hat Tyalfen sich erhoben, findet sich Narsaên in seinen Armen wieder. Sein Versprechen rührt ihr Herz und erleichtert sie ungemein. Er kennt sie einfach zu gut und scheint ihre Sorge zu spüren, obwohl sie versucht hat, sich nichts anmerken zu lassen von den Befürchtungen, wegen derer sie ihm in die Stadt gefolgt ist. Gerade zur rechten Zeit, denn sie hat nicht vergessen, was er ihr damals in trauter Zweisamkeit gestand. Narsaêns Lippen beginnen zu beben und rasch presst sie sie aufeinander, bevor ihnen ein Schluchzen entweichen kann. Gerne würde sie die Arme um ihn schlingen und ihn ganz fest halten. Doch sie befürchtet sie Bemalung auf seinem Körper zu zerstören. So lässt sie sich für diesen kurzen Augenblick halten und nach wenigen Herzschlägen schon entlässt er sie aus seinen Armen.
Als Druidin und Hohepriesterin die Geschwister erreichen, tritt Narsaên einen Schritt in den Hintergrund, um sich bei dem folgenden herauszunehmen. Denn sie selbst könnte nun nichts für ihren Bruder tun, außer mit Gedanken und Herz bei ihm zu sein. So beobachtet sie angespannt und mit klopfenden Herzen die Druidin bei ihren Vorbereitungen, nimmt ihren klaren und reinen Singsang in sich auf, betrachtet fasziniert aus der Entfernung das Farbenspiel im Wasser, als sie beginnt die Bemalung von ihres Bruders Körper zu wischen.
Und dann nimmt sie nichts weiter wahr außer dem silbrigen Licht, das aus dem Wasser empor steigt und den Elben umrankt, als wolle es ihn umarmen. Sie bemerkt nicht einmal die Tränen, die aus ihren weit geöffneten Augen ihre Wangen hinunter rinnen, als das Licht Gestalt anzunehmen scheint und sich an Tyalfens Körper schmiegt. Dies sollte also das erste und zugleich einzige Mal sein, dass sie Naralîn, die Gefährten ihres Bruders, sehen dürfte. Bedauern und Erleichterung zugleich greifen nach ihrem Herzen und zerren daran, dass es beinahe schon zu zerspringen droht und sie am liebsten vorstürzen würde, um die beiden aufzuhalten, wenn es nur die Verzweiflung und Tränen aus seinem Antlitz fegen würde. Dieser Anblick ist so unglaublich schwer zu ertragen, hat sie ihn doch noch nie so verloren erlebt.
Gerade als ihr Körper einen Schritt nach vorn macht, hört sie ihren Bruder die Worte sprechen, die alles beenden würden und muss sich ans Herz greifen, dass es nicht zerfällt. Sie würde es brauchen, um seinetwillen, um ihn zu halten, ihn zu stärken und ihm Liebe zu schenken, dass er den Glauben an diese nicht verlieren würde. Und plötzlich sind ihre Sinne hellwach, nimmt sie alarmiert wieder alles um sich herum wahr, als Tyalfens Schmerzensschrei über die Lichtung hallt. Ihr Blick folgt nicht dem aufsteigenden silbernen Dunst, sondern verharrt auf ihrem Bruder. Doch erst in dem Augenblick, in dem sich das schäumende Wasser vollständig um seinen Körper schließt, hat sie begriffen, dass ihnen etwas zu entgleiten droht.
Mit wenigen eiligen Schritten überbrückt sie Distanz zu dem Wasserbecken und mit einem Satz springt sie hinein, um sich unter die Wasseroberfläche gleiten zu lassen. Unmittelbar streckt sie ihre Arme unter seinen Achseln hindurch und stößt sich mit den Füßen kräftig vom Grund ab, hievt seinen verkrampften Leib an den Rand des Teiches. „Helft mir!“, verlangt sie, denn es fällt schwer seinen Körper unter seinen unkontrolliert zuckenden Gliedern auf das weiche Moos zu ziehen. „Tyalfen! Bruder! Kannst du mich hören?“, ruft sie und legt die Hände auf seine Wangen. Angst erfüllt sie als sie ihm in die Augen blicken will, die sich so seltsam verdreht haben, dass fast nur noch das Weiß zu sehen ist. Kaum noch ist die Iris zu erkennen und doch stockt sie einen Herzschlag lang, als sie die Veränderung bemerkt. Die wohlbekannten güldenen Sprenkel auf dem tiefen Grün sind verschwunden, was seine Augen anders, aber weiterhin vertraut erscheinen lässt, gleichen sie jetzt doch… ihren eigenen.
Tyalfens Körper zuckt erbarmungslos, dass sie aufschrickt. „Geh nicht! Du hast es mir versprochen!“ Was soll ich tun? „Du hast es versprochen!“, schreit sie sich die Angst aus dem Leib und Hilflosigkeit lässt erneut Tränen über ihre Wangen laufen. „Bitte!“, reißt sie den Kopf hoch. „Helft ihm!“
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This post has been edited 1 times, last edit by "Narsaen" (May 9th 2014, 10:13pm)


Arwen

Stadtbewohner

Posts: 1,146

Occupation: Hohepriesterin der Anukis

Location: Vinyamar

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18

Saturday, May 10th 2014, 11:44am

Als sie die Hand der Druidin ergreift, spürt sie augenblicklich die Wärme, die ihren Körper erfüllt und schüttelt mit einem leisen Lächeln sacht den Kopf. "Verschwendet Eure Kräfte nicht an mich, Lorwen", wispert sie, "Tyalfen braucht sie nötiger." Ob die Waldelbin sie gehört hat, wüsste Arúen nicht zu sagen. Reaktion zeigt sie zumindest keine auf die Worte, einmal abgesehen davon, dass Lorwen endlich in Worte fasst, worin ihre Sorge liegt und welche Hilfe sie sich von der Anukispriesterin erhofft. Es deckt sich mit dem, was Arúen in Talyra schon zu Tyalfen gesagt hatte: Seine Kraft von Körper und Seele könnten vielleicht nicht reichen. Hand in Hand gehen die beiden Elbinnen schweigend hinüber zu dem Steinbecken, wo Tyalfen und Narsaên bereits auf sie warten.

Ebenso wortlos, wie sie an den Smaragdelben herangetreten ist, legt die Druidin die Hand Arúens, die sie eben noch gehalten hat in die Tyalfens um dann seine andere zu ergreifen. Diese Geste weckt in der Hochelbin schlagartig lang vergrabene Erinnerungen. Das letzte Mal, als meine Hand… Nein! … Schluss! … Das ist Vergangenheit. Vorbei, vergangen und vergessen… Es kostet sie einen Großteil ihrer Konzentration, die unliebsamen Gedanken wieder in den Tiefen zu vergraben aus denen sie hervorgekrochen gekommen sind. Und nur schwer kann sie den Reflex unterdrücken, ihre Hand wegzuziehen und zurückzuweichen.
Gemeinsam führen Druidin und Priesterin den Laikeda'ya nun zum Becken. Voller Respekt und mit gesenktem Haupt lauscht sie den Worten der Druidin, die in der alten Sprache die Winde grüßt und sich vor ihnen verneigt. Als sie dann Tyalfen auffordert, ins Wasser zu steigen, lässt Arúen seine Hand los und bleibt am Beckenrand zurück, nur wenige Schritte von Narsaên entfernt, und beobachtet das, was nun folgen würde.

Die in einer uralten Sprache gesungenen Verse sind so ganz anders als alle Lieder, Rituale und Segenssprüche, die Arúen als Priesterin kennt, aber nicht weniger erhaben und ehrfurchtgebietend, denn in ihnen schwingt der Segen der Weltenmutter mit. Mit jedem Vers, mit jeder Wiederholung folgt die Hand der Ealarageweihten dem aus sich selbst heraus leuchtenden Rankenmuster, benetzt es mit Wasser und lässt es so in das geweihte Wasser des Beckens fließen. Die Bewegungen führen zum Herzen hin, wieder von ihm fort und berühren doch nie die Narbe und das Mal direkt über Tyalfens Herzen selbst. Dann ist es soweit. Die Macht Ealaras, die sich um dir Druidin gesammelt hat, ihr nachtigallengleicher Gesang und das atemlose Schweigen von Elb, Tier und Pflanze außerhalb des Beckens, all das verbindet sich, als Lorwen ihre Hand mit der Tyalfens verschränkt und sie über das Mal legt. Mit einem letzten Wort vollendet sie das Ritual und wirkt den Zauber als sie das silbrige Mal auf der Brust berührt. Für einen endlosen Herzschlag lang geschieht gar nichts, und dann schält sich ein silbriges Gespinst nebelgleich aus dem schimmernden Wasser und schmiegt sich an den Elben. Ihn den Namen seiner einstigen Gemahlin nennen zu hören ist der erste Laut, der die Stille durchbricht - und dann auch für einige Zeit der letzte. Was auch immer zwischen den beiden gesprochen wird, die Gedanken gehören nur ihnen beiden. Die Gefühle, die es bei Tyalfen auslöst, sind dafür auf seinem Gesicht zu sehen, als wären sie in riesigen flammenden Lettern geschrieben. Sehnsucht. Glück. Zärtlichkeit.
Für einen Augenblick hegt Arúen die Hoffnung, dass er es doch aus eigener Kraft vollbringen und überstehen kann - und holt scharf Luft, als sie sieht, wie sich Entsetzen und Verzweiflung über seine Züge legen. Tränen, stumm und bitter, lassen ihre Hoffnung schwinden. Er würde vielleicht noch die Kraft finden, die Seele seiner Frau loszulassen, aber ob er noch die Kraft hätte seine eigene Seele in dieser Welt zu halten ist für sie in diesem Moment mehr als fraglich. Aus dem Augenwinkel bemerkt sie eine Bewegung, als Narsaên sich ihrem Bruder nähern will und streckt den Arm aus, um die junge Smaragdelbin daran zu hindern, in das Wasserbecken zu treten und so womöglich das Ritual zu stören und alle Hoffnung für die Seelen der beiden Anirani zunichte zu machen.

Dann spricht Tyalfen die Worte, die Naralîns Seele freigeben und in den Frieden von Sithechs Hallen entlassen und binnen eines Herzschlags zerfällt das nebelhafte Abbild, sinkt in das schimmernde Wasser zurück, aus dessen brodelnder Oberfläche nun Silbernebel aufsteigt, der die wiedervereinte Seele mit sich nimmt. Die Reaktion Tyalfens, als sich auch der letzte Rest von Naralîns Seele von ihm trennt, erschreckt Arúen. Sie hat mit einem Zusammenbruch gerechnet, ja, aber nicht mit diesem gellenden Schmerzensschrei, der die heilige Stille des Nar'Sarnis zerreißt, als sein Körper sich erst wie im Todeskampf aufbäumt und dann wie leblos ins Wasser fällt.

Schneller als Arúen überhaupt die Entscheidung für eine Bewegung hätte treffen können, ist Narsaên bereits im Wasser um ihren besinnungslosen Bruder zurück an die Oberfläche zu holen und auf den trockenen Boden zu ziehen. Letzteres gestaltet sich schwierig, da der Leib des Elben von heftigen Krämpfen und unkontrollierten Zuckungen geschüttelt wird. Die Bemühungen seiner Schwester, ihn wieder zur Besinnung zu bringen sind erfolglos. Arúen kniet bereits neben dem Elben, als tränenüberströmte Augen sie ansehen. "Genau darum bin ich hier, Narsaên", erwidert sie auf die flehende Bitte und malt mit einer ruhigen Bewegung das Segenszeichen der Zwölf auf die Stirn der jungen Waldläuferin. Sie hat den Zauber, durch den sie Tyalfen mit ihrer Kraft würde beistehen können schon vorhin soweit vorbereitet, dass es jetzt nur noch ein letztes Wort braucht um ihn zu vollenden. Mit einer Berührung würde sie die Verbindung zu ihm herstellen. Kurz zögert ihre Hand, scheut sich die Narbe über seinem Herzen zu berühren, aber dort wäre die Verbindung am stärksten. Schließlich holt sie tief Luft, wappnet sich für das was kommen wird und legt ihre flache Hand direkt über seinem Herz auf die kalte Haut.
Die Heftigkeit, mit der ihre Kraft in den Körper des Elben abfließt trifft sie wie ein Schlag in die Magengrube. Mit einem Keuchen krümmt sie sich zusammen bis ihre Stirn die Knie berührt. Dann ist der Schreck überwunden, sie kann ihre Konzentration wieder sammeln und den Energiefluss kontrollieren, damit es sie nicht überwältigt. Das Zeichen Anukis' strahlt jetzt flammendgrün auf Arúens Stirn als sie ihre Hand zurückzieht und Narsaên ansieht. "Es wird etwas dauern, ehe er wieder zu sich kommt. Holt Eure Mäntel und wickelt ihn darin ein, nachdem ihr ihn von den nassen Sachen befreit habt, damit er nicht unterkühlt." Ihre Stimme ist ruhig und sanft wie stets, aber die Anweisung unmissverständlich. In diesem Moment zeigt sich unverkennbar die Hohepriesterin, die sie nun einmal ist. "Ich kümmere mich um Lorwen."
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Die, die grundlegende Freiheiten aufgeben, um vorübergehend ein wenig Sicherheit zu bekommen, verdienen weder Freiheit noch Sicherheit.
[Benjamin Franklin, (1706 - 1790)]

Lorwen

Unregistered

19

Saturday, May 10th 2014, 9:39pm

Zuerst ist es nicht mehr als ein silbrig- milchiges Licht, aber es schwillt an und formt eine zauberhafte Elbin, nur dass sie durchscheinend ist. Aber vielleicht ist es genau dass was ihr dieses Erhabene und Unantastbarkeit verleiht. Diese Zweisamkeit rührt Lorwens Herz. Eine solche Liebe sah sie niemals zuvor. Vorsichtig tritt sie Schritt für Schritt zurück um dem Paar wenigstens diesen kurzen Moment für einander zu lassen.

Gerade will sie einschreiten, Tyalfen irgendwie klar machen, dass ihre Zeit zu Ende ginge, da wagt er es und lässt die Aniran frei. Längst laufen der Druidin silbrige Spüren über die Wangen, tränken sich mit phlurosirender Farbe und fallen wie Einhorntränen, zauberhaft und glimmend zu Boden. Lorwen muss schwer schlucken, um nicht den Augenblick, der so wichtig und unabdingbar ist, mit Schluchzen zu stören und doch wird es zunehmenst unerträglicher. Die Druidin hört jedes Wort Naralîns und kann Tyalfens Gedanken durch seine Mimik mehr als ahnen. Sie tritt noch weiter zurück um dem drohenden Zusammbruch zu entgehen. Nützen mag es nichts. Tyalfens hilflosen und hoffnungslosen Tränen stürzen Lorwens Geist in Chaos und die Schmerzen, die jedes Wort, wie Messerstiche mit feiner Silberklinge, sind schier unerträglich. Beide Hände greifen sich an die Schläfen.

Ein bisschen noch, gib ihnen die Zeit!

Lorwen lässt sich ins weiche Moos fallen und atmet schwer um ihr aufgewühltes Ich irgendwie wieder ins Reine zu bekommen.
Mit Tyalfens Schrei, schreit auch Naralîn und somit auch die Druidin. Lorwen beißt heftig auf ihre Zähne um nach Außen hin stark und unantastbar zu bleiben. Niemals sollte auch nur ahnen, dass man diesen Schmerz teilte.

Gleichzeitig entgleitet der Elb ihr, ganz so wie sie es gefürchtet hatte. Lorwen glaubte, sie könne beides. Den Schmerz teilen und Tyalfens Seele behüten. Welch fürchterlicher Irrtum!

Lorwen gelingt es nicht. Es entgeht ihr daher auch, dass seine Schwester den geliebten Bruder aus dem Becken unter Einsatz all ihrer Kräfte und Ausdauer zerrt. Erst ihr entsetzlicher Hilferuf durchdringt den schweren Nebel und erreicht damit Lorwens Geist.

Jetzt erst springt Lorwen auf, hin zu den Geschwistern und der Hohepriesterin überspielt sie ihre eigene Schwäche und übergeht damit auch ein <" ich kümmere mich um Lorwen"> "Raus aus dem nassen Zeug, Narsaên. Ihr holt euch ja den Tod!".
Die Druidin hingegen kniet sich neben den bewusstlosen Tyalfen. Schnell ist ein Bild entstanden wie es um ihn steht. Ihr selbst ist gut nach einer Pause. Die will sie sich aber noch nicht gönnen. Sie greift in den weichen Boden und streichelt die Pflanzen in kleinen kreisenden Bewegungen. Ich bitte euch zu wachsen um ihn warm zu halten. Gleichzeitig ruft sie drei Silberwölfe zu sich und bittet sie, sich ihr anzuschließen und den Elben mit ihrer Wärme am Leben zu halten, die auch sogleich gehorchen und sich ohne Mucks zuwachsen lassen. Sie sieht schon Sternchen vor ihrem Augen tanzen, aber "zudecken" wollte sie Tyalfen noch.

Wieder sammelt sie die von Ea geweihten Mächte und nach und nach ranken und winden sich viele Hundert Pilzchen, so leuchtend und schimmernd wie glitzernd, dass man glauben möchte in die Sterne zu blicken. Dazu wachsen in Windeseile viele lang gestielte Rispen mit ebenso langen, behaarten Blättern deren Form einer Hand gleichen. Die Blüten sind unscheinbar leicht grün bis blassgelb. Jeder der diese Pflanzen gesehen hat, weiß was er sieht.

Immertau oder auch Silbertau und Silbermantel genannt, von der man in Druidenlegenden zu berichten wissen, dass Ealaras Tränen um den Verrat des Dunklen der Wassertropfen sei, den man im Morgengrauen sammelt.

Diese Pflanze gilt somit als besonders heilig.
Wie dem auch sei, sobald Lorwen ihren Zauber zur Blüte reifen ließ erhebt sich die Druidin schwankend. Eigentlich wollte sie die drei, allen voran Tyalfen, sich selbst überlassen, sobald sie sich sicher war, dass er den Sonnenaufgang erleben würde. "Ich fürchte wir müssen erstmal frieren". Lorwen sagt es leichthin, aber man braucht sie nicht einmal gut zu kennen, um zu wissen, dass es ihr alles abverlangt nicht vor Erschöpfung zusammenzubrechen.

<" ich kümmere mich um Lorwen"> Sollte sie Hilfe annehmen? Nein! Doch da geben ihre Beine auch schon nach.

Tyalfen

Stadtbewohner

Posts: 538

Occupation: Aniran / Heilkundiger

Location: Ferndartha / Talyra

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20

Sunday, May 11th 2014, 3:23am

„Komm zu mir, Tyalfen aus dem Hause Laifaryn, der Hohe Herr ist gnädig gestimmt, Dich aufzunehmen.“ Die Stimme, die den Elben der Dunkelheit entreißt, brennt wie eine lodernde Flamme in seinen Sinnen, eine purpurne Flamme wie in den leeren, schwarzen Augenhöhlen, in die er blickt. Einmal schon hat er in dieses gesichtslose Haupt gesehen. Es liegt ein halbes Jahrtausend zurück.
„Nicht so eilig, Kyron!“, erhebt sich eine kühne, wilde Frauenstimme und mit ihr ein solches Wolfsgeheul, dass es des Elben Sinne erschüttert und in einen schwindelnden Strudel aus Licht und Schatten wirft. Tyalfen will die Arme ausstrecken, um Halt zu finden, sich an irgendetwas festzuklammern, doch er kann sie nicht bewegen, nicht einmal fühlen. Er ist vollkommen körperlos, nur noch Licht, so silbern, wie er es an Naralîn gesehen hat. „Schwarzfell, Nachtjäger, schweigt still. Wir wollen den Sohn des Morgenrots doch nicht verschrecken.“ Dicht beugt sich ein lächelndes Antlitz über ihn, das unverkennbar keine irdischen Züge trägt, so vollkommen, so rein und ihre Augen tragen ein so klares Grün, wie er es nie zuvor erblickte, von Haar umrahmt, dass zugleich auch leuchtende Federn und schillernde Schuppen ist und bekränzt von funkelnden Schmetterlingen, die ihr Haupt in anmutigem Reigen umschwirren.
Kyron und Anukis, glaubt Tyalfen zu erkennen und wähnt sich tot.
„Du bist nicht tot, noch nicht. Meine Dienerin lässt dir meinen Beistand zuteil werden, wenn du ihn annimmst.“ „Oder du nimmt die Gnade des Vergessens an und findest deinen Frieden, fühlst weder Schmerz noch Leid. Wähle!“
Wie verlockend das doch klingt, nie mehr die Einsamkeit zu spüren, nie mehr vor Sehnsucht zu vergehen, nie mehr sein Herz brechen zu fühlen, von aller Last des Lebens befreit. „Geh nicht! Du hast es mir versprochen!“, wispert ein Flüstern irgendwo aus der Unendlichkeit. Tyalfen erinnert sich, erinnert sich eine Schwester zu haben, der er gelobt hatte, sich nicht dem Fährmann anzubieten.

Auf der heiligen Lichtung, im Hohen Herzen des tiefen Waldes, kehrt Ruhe in Tyalfens Körper ein und seine Lider fallen zu. Doch während seine Glieder leblos und seine Züge regungslos bleiben, hebt und senkt sich seine Brust unter gleichmäßígen Atemzügen und sein Herz schlägt. Und gleichwohl er das Bewusstsein noch nicht zurück erlangt, murmeln seine Lippen: „versprochen“ Er hat seine Wahl getroffen.
Wenn Du glaubst, dass Frauen das schwache Geschlecht sind, versuch mal nachts Deinen Teil der Decke wieder zu bekommen.

Narsaen

Stadtbewohner

Posts: 206

Occupation: Waldläuferin / Bognerin

Location: Talyra

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21

Sunday, May 11th 2014, 3:03pm

<"Genau darum bin ich hier, Narsaên"> Die tiefen graugrünen Augen strahlen eine unendliche Ruhe und tiefes Vertrauen aus, dass Narsaêns Tränenstrom sogleich versiegt. Nur hauchzart berühren die Finger der Hohepriesterin ihre Stirn und dennoch spürt die Waldläuferin, wie sie eine innere Ruhe und Innigkeit überkommt, die ihre Ängste beiseite drängt, während sie sich in den Augen der Elbin zu verlieren glaubt. Ihr kräftig schlagender Puls, der sogar in ihrem Ohr widerhallt, beginnt allmählich sich zu beruhigen und wieder einen gleichmäßigen Schlag anzunehmen. Es ist nur ein kurzer Augenblick, der sich trotz allem wie eine kleine Ewigkeit anfühlt. Und erst als die Hohepriesterin ihren Blick auf Tyalfen richtet, erlangt die junge Elbin ihre Handlungsfähigkeit zurück.
Erschrocken zuckt sie zusammen als Arúen sich krümmt, die Hand über des Bruders Herz, und streckt schon die Hände nach ihr aus, um sie zu halten. Doch schnell hat sich die Hohepriesterin wieder gesammelt und Narsaên betrachtet ehrfurchtsvoll Anukis‘ flammendgrünes Zeichen auf ihrer Stirn. Ihre Hände sinken zurück auf ihre eigenen Knie und ihre Augen wandern an der Hohepriesterin herab, über den Körper ihres Bruders, hin zu dessen Antlitz. Liebevoll streicht sie ihm das nasse Haar aus dem Gesicht. ‚Du hast es mir versprochen…‘, flüstert sie in Gedanken. ‚Lass es jetzt nicht enden…
Und da kehrt Ruhe ein in des Bruders Körper. Seine Glieder hören auf zu zucken und erschlaffen, die Lider fallen zu. Narsaên befürchtet schon, dass er sein Versprechen dieses Mal nicht halten würde und hält unwillkürlich die Luft an. Sie beugt sich über ihn, legt ihren Kopf auf seine Brust. Das Ohr direkt über seinem Herzen überprüft sie den stetig langsamer werdenden Schlag. ‚Geh nicht…‘, fleht sie und starrt ihn an. Da beginnt sich seine Brust gleichmäßig zu heben und zu senken und das Herz seinen Rhythmus beizubehalten. <“Versprochen…“>, formen Tyalfens Lippen leise und die Waldläuferin erstarrt, schließt in ersehnter Erlösung zwei Herzschläge lang die Augen.
Arúen zieht ihre Hand zurück und blickt sie an, als die Schwester den Kopf wieder hebt. <“Es wird etwas dauern, ehe er wieder zu sich kommt.“> Erleichtert atmet Narsaên aus und ein schmales befreites Lächeln zeichnet sich auf ihren Lippen ab. „Danke…“, haucht sie mit dünner Stimme, obwohl Worte ihre tiefe Dankbarkeit nicht beschreiben können. <“Holt Eure Mäntel und wickelt ihn darin ein, nachdem ihr ihn von den nassen Sachen befreit habt, damit er nicht unterkühlt.“> Narsaên nickt sofort ob des bestimmten aber zugleich sanften Tonfalls der Hohepriesterin und erhebt sich mit einem prüfenden Blick auf ihren Bruder, um ihrer Aufforderung nachzukommen.
<"Raus aus dem nassen Zeug, Narsaên. Ihr holt euch ja den Tod!">, erklingt die Stimme der Druidin und im gleichen Augenblick nimmt diese ihren Platz an Tyalfens Seite ein. Narsaên wirft der Hohepriesterin noch einen kurzen, zögernden Blick zu, ehe sie sich zu ihren und Tyalfens Sachen an den Rand der Lichtung zurückzieht. Dabei blickt sie immer wieder über die Schulter, so dass ihr der Zauber der Druidin nicht entgeht, der ein wahres Blumen- und Pflanzenmeer wachsen lässt und als wäre das nicht schon genug, erscheinen wie aus dem Nichts drei Silberwölfe, die sich ganz nah neben die drei Elben auf die Lichtung legen. Die Waldläuferin verharrt und betrachtet die Szene aus der Entfernung, während sie sich über die zitternden Arme streicht. Erst jetzt nimmt sie das Frieren ihres Körpers überhaupt wahr.
Nur allzu gerne beginnt sie sich der engen und nassen Lederkleidung zu entledigen, was ihr gar nicht so leicht fallen mag, so sehr klebt die Kleidung auf ihrer feuchten Haut. Über einen tiefhängenden Ast legt sie nacheinander die ausgezogenen Kleidungsstücke und gerade als sie das letzte Stück Leder ablegt, landet das scharlachrote Vogelpärchen auf jenem Ast. Erwartungsvoll mustern sie die Waldläuferin, die deswegen aber keinerlei Bedürfnis verspürt, ihre Blöße zu bedecken, und zwitschern schließlich fragend. Narsaêns Blick gleitet zu ihrem Bruder, während sie mit beiden Händen ihr langes, nasses Haar auswringt, und müht sich um ein Lächeln. „Ja. Es wird alles gut“, antwortet sie und greift endlich nach den Mänteln.
Bedächtig schreitet sie über das Moos, das sich weich an ihre nackten Füße schmiegt, zurück zu Tyalfen. Zwei Schritte vor ihm hält sie etwas verunsichert inne, als die Wölfe ihren Blick heben. Sie schaut zu der Druidin und der sie umsorgenden Hohepriesterin nur wenige Schritte entfernt. Dann betrachtet sie das leuchtende sich rankende Pflanzenmeer und ein beklemmendes Gefühl macht sich in ihrer Magengrube breit. So schön all die Blumen und Pflanzen anzusehen sind und sie unter anderen Umständen sicher fasziniert und vergnügt in die Hände geklatscht hätte, hier und jetzt muss sie jedoch einige Gedanken verdrängen, um darin nicht ein Grab zu sehen. Zu tief sitzt ihr die Angst noch in den Knochen, auch wenn sie es nicht zugeben würde.
Langsam lässt sie sich neben ihren Bruder auf die Knie sinken und schiebt achtsam einige der Pflanzen beiseite. Tyalfens Mantel legt sie über seinen Unterleib und beginnt den geflochtenen Blätterschurz zu lösen und schließlich abzuziehen. Dann klemmt sie den Mantel fest um und unter seinen Unterleib. Der Silberwolf neben ihr verfolgt entspannt jede ihrer Bewegungen. Narsaên weiß nur zu gut, dass sie von diesen Tieren nichts zu befürchten hat, weswegen es ihr leicht fällt, sich neben ihnen unbeschwert zu bewegen. Ihren eigenen Mantel zieht sie einer Decke gleich über Tyalfens Oberkörper. Eine ganze Zeit lang betrachtet sie seine nun ruhigen, beinahe entspannt wirkenden Züge und hält dabei seine Hand, streichelt sanft mit den Fingern der anderen über seinen Unterarm. Er hat ihn sich verdient, diesen tiefen Schlaf, der ihm hoffentlich endlich Erholung und geistige Ruhe zu bringen vermag. Sie würde über ihn wachen, bis sein entkräfteter Geist wie Körper wieder fähig wäre wahrzunehmen.
Narsaên schließt die Augen, um nun selbst etwas zur Ruhe zu kommen. In einiger Entfernung vernimmt sie das wundervolle Zwitschern der leuchtend roten Vögel, das Rauschen des Windes in den Baumkronen, in das der flüsternde Teich mit einstimmt, spürt den kühlen Luftzug auf ihrer nackten Haut und atmet den Duft der unzähligen Pflanzen ein, unter den sich der tierische Geruch der Wölfe mischt. Sie braucht ihre Augen nicht zu öffnen, um die Bewegung an ihrer Seite zu bemerken, als sich der Silberwolf erhebt, um etwas näher heranzurücken und sich an sie zu schmiegen. Sanft streicht sein weiches Fell über die untere Hälfte ihres baren Rückens und schon bald empfängt sie dankbar die Wärme, die von dem Tier ausgeht. Nach einer Weile öffnet sie die Augen ein klein wenig, um einen Blick zu den beiden Elbinnen zu werfen.
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Arwen

Stadtbewohner

Posts: 1,146

Occupation: Hohepriesterin der Anukis

Location: Vinyamar

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22

Sunday, May 11th 2014, 7:25pm

Gerade will sie sich erheben, um nach der Druidin zu sehen, als die auch schon an Narsaêns Seite auftaucht und sich neben der jungen Elbin niederlässt. Wasser tropft Lorwen von dem weißen Federgewand, während sie der Smaragdelbin im selben Atemzug den ebenso dringenden wie gut gemeinten Rat erteilt, die nassen Gewänder abzulegen um sich nicht den Tod zu holen. Ein Rat, dem sie selber besser auch folgen sollte, mit den Federn, die nass an ihrem Körper kleben. Doch die Ealarageweihte scheint keinen Gedanken an sich selber zu verwenden. Während Tyalfens Schwester sich nur zögernd entfernt um die Mäntel zu holen und sich ihrer eigenen nassen Kleidung zuentledigen, ruft Lorwen die Mächte der Grünen Erdenmutter erneut zu sich und lässt rund um den Laikeda'ya hunderte und aberhunderte kleiner, schimmernder Pilze sprießen, denen die langen Blütenrispen von Immertau folgen und schließlich auch die Blätter des Immertaus, die sich wie schützende Hände über den zuckenden und bebenden Körper des besinnungslosen Elben legen. Zu guter Letzt erscheinen noch drei Silberwölfe, die sich so dicht an Tyalfen schmiegen, als würden sie einen Welpen vor den Stürmen des Winters behüten wollen.

In dem Moment, als Tyalfens Seele an einem anderen Ort ihre Entscheidung trifft, erschlafft sein Körper in dieser Welt schlagartig und die Lider schließen sich über den Augen. Für einen Herzschlag fürchtet Arúen ebenso wie Narsaên, dass der Elb es aller Hilfen zum Trotz nicht geschafft hat, dass seine Seele erschöpft und zerrissen in den Schutz Sithechs geflüchtet ist. Doch schon im nächsten Moment spürt sie, wie sein Körper die Kraft die sie ihm anbietet noch immer annimmt. Nur die geradezu gierige Vehemenz, mit der ihr Beistand aufgenommen wird beruhigt sich zu einem sanften Strom, dessen lebendige Wärme sich nach und nach in seinem ganzen Körper ausbreitet. Wem das leise Wort gilt, das Tyalfens Lippen entkommt, kann die Hochelbin nur raten, würde aber auf Naralîn der Narsaên tippen. Was auch immer er wem auch immer versprochen haben mochte, es scheint ihn in dieser Welt gehalten zu haben. Und dafür ist die Priesterin dankbar. Weniger dankbar ist sie allerdings für die Unerbittlichkeit Lorwens gegen sich selber.

Mit den letzten Zaubern hat die Darach Druidh sich selber bis an die Grenzen erschöpft, auch wenn sie erst noch versucht, es mit dem leichthin gemachten Hinweis zu überspielen, dass die drei Elbinnen die Nacht über wohl frieren müssten. Kaum hat die Druidin sich erhoben, als ihr die Beine auch schon nachgeben.
Rasch ist Arúen auf den Beinen und umrundet den Elben und die Wölfe um an Lorwens Seite zu gelangen. "Verflucht, Lorwen, ihr hättet das doch nicht alles alleine tun müssen…" Ohne auf eine Reaktion zu warten, zieht sie die Waldelbin an sich und in eine sitzende Position. "Wie könnt Ihr nur so rücksichtslos gegen Euch selber sein?" Kurz streckt sie die Hand aus und schiebt behutsam eine der Ranken zur Seite um an Tyalfens Hals zu gelangen. Dessen Herzschlag pulsiert ruhig und kräftig unter ihrer Hand. Mit einem erleichterten Lächeln zeichnet sie das Segenszeichen der Zwölf auf seine Stirn und beendet ihren Beistandszauber mit einem leisen Wort. Der warme Strom der Kraft, die sie mit dem Elben geteilt hat wird nach und nach schwächer und endet schließlich ganz.
"Lorwen?... Lorwen!... Seht mich an." Arúen fürchtet, die Druidin könnte erschöpft die Besinnung verlieren und das will sie unbedingt verhindern. "Lorwen, Ihr müsst auch aus Euren nassen Sachen raus, helft mir dabei." Mit ein wenig Hilfe der vor Erschöpfung steifen Elbin gelingt es der Shida'ya, die Waldelbin aus dem Federgewand zu schälen. "Ich hole Euren Mantel und trockene Kleidung, aber vorher…" Es braucht nur einige Worte und eine kurze Berührung, dann hüllt wohlige Wärme die Eichenpriesterin ein. "Ich bin gleich zurück."

Auf dem Weg zu jenem Wächterbaum, an dessen Fuß Arúen die Sachen Lorwens vermutet, beobachtet sie kurz, wie Narsaên ihren Bruder behutsam unter der Decke aus Immertaublättern in die Mäntel hüllt. Den Hinweis der Druidin hat sie befolgt, ihre nassen Kleider hat sie abgelegt. Bloß wie die Götter sie schufen, sitzt sie neben ihrem Bruder, nur gewärmt von einem der Wölfe, der sich an sie schmiegt.
Mit schnellen Schritten hat sie erst Lorwens Sachen geholt und dann auch ihre eigenen eingesammelt. Ebenso rasch ist sie wieder an der Seite der beiden Elbinnen und hüllt Lorwen in deren Mantel. Das wichtigste ist nun, dass keine von ihnen frieren oder auskühlen würde und dass sie alle die Kraft erneuern, die dieser Tag sie gekostet hat. Mit geübten Handgriffen löst Arúen die Riemen der beiden verschnürten Schlaffelle. Eines reicht sie Narsaên mit einem stummen Lächeln, damit die sich darin einwickeln kann. Die Wölfe würden nicht ewig bleiben und die Nacht würde lang und kalt werden. Das andere breitet sie für sich und Lorwen aus. Als nächstes ist das Leinenbündel an der Reihe, das Esta ihr gepackt hat. Die Shida'ya holt für jede von ihnen etwas von dem Nusszopf hervor und drückt es den beiden anderen in die Hände. Es mag sein, dass keine jetzt wirklich Appetit hat, aber sie müssen etwas essen.
Das nächste, was Arúen ihrem Bündel entnimmt ist ein unscheinbarer Beutel aus weichem Leder. Sein Inhalt ist allerdings alles andere als unscheinbar: Zwei klare, goldgelbe Steine, jeder halb so groß wie eine Männerfaust. Sonnenfeuer. Mit sachter Hand streicht sie über die Steine, die zu schimmern beginnen und genug Wärme abgeben, dass keiner von ihnen in dieser Nacht würde frieren müssen. Einen der Steine reicht Arúen der jungen Laikeda'ya, damit sie ihn zwischen sich und ihren Bruder legt. Den anderen legt sie neben Lorwen auf das Schlaffell und setzt sich zu ihr. Sobald die Druidin sich einigermaßen erholt und wieder angekleidet hätte, würden sie vielleicht alle ein wenig Ruhe finden. Zumindest um eine Nachtwache müssen wir uns an diesem heiligen Ort keine Sorgen machen. Erleichterung begleitet diesen Gedanken, denn Arúen ist kaum weniger erschöpft als Lorwen. Mit geschlossenen Augen isst sie ihr Stück von dem Hefezopf, zwingt sich dazu, denn wirklich Appetit hat sie nicht. Sie isst nur, weil sie weiß, dass sie ihrem Körper die Nahrung nicht vorenthalten darf, nachdem sie ihm so viel abverlangt und einen großen Teil ihrer Kraft mit Tyalfen geteilt hat.
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Die, die grundlegende Freiheiten aufgeben, um vorübergehend ein wenig Sicherheit zu bekommen, verdienen weder Freiheit noch Sicherheit.
[Benjamin Franklin, (1706 - 1790)]

Lorwen

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23

Sunday, May 11th 2014, 10:23pm

<"Verflucht, Lorwen, ihr hättet das doch nicht alles alleine tun müssen…">
"Das habe ich nicht."
Arúen drückt sie an sich und zieht Lorwen mit sich. Wäre sie nicht schon steif vor Erschöpfung, sie wäre bei einer solchen Berührung zur Salzsäule erstarrt. Sowas ist ihr nämlich so fremd, dass sie sich nicht mal erinnert wann sie zuletzt umsorgt worden ist. Sogleich erhält sie eine ordentliche Standpauke. Auch sowas dürfte rund 200 Jahre zuletzt vorgekommen sein. Sie sinnt noch nach der passenden Erinnerung und betrachtet dabei wie sich die Hohepriesterin um den Smaragdelben sorgt. Das hatte irgendwas heimeliges an sich. Arúen war aber auch eine Mutter und dazu sicher eine, die sich um ein Kind kümmert. Da soll es auch gleich sein ob es ihr eigenes war oder nicht. Tyalfen sieht so friedlich aus. Fast etwas zu friedlich. Bei weiteren Gedanken erinnert sein Krankenlager an ein Grab. hm...Behäbig wird da ihr Geist und es ist fast schon störend, wie Arúen nach ihr ruft.
<"Lorwen?... Lorwen!... Seht mich an."> Dennoch klärt sich ihr Blick wieder. So nickt sie auch müde und lässt sich gar helfen aus dem klebenden, nassen Federgewand zu steigen. Sowas war dann ganz sicher ihr ganzes Leben noch nicht vorgekommen, wenn man mal von den frühsten Kindertage absah. Da ist er wieder der verklärte Gedanke, Arúen als fürsorgliche Mutter für viele zu sehen... Wer jetzt glaubt, Lorwen friere, der irrt. Mit einer federleichten Berührung der Priesterin und wenigen Worte ist der Druidin wohlig warm. Es ist interessant zu sehen, wie es aussieht, wenn jemand anderes den Puppenspieler miemt und es besteht kein Zweifel daran, dass die hohe Dienerin Anukis mehr als geübt darin ist. So sieht sie sich bald in ihrem Umhang gehüllt auf einem Schafsfell sitzen.

Im nächsten Moment liegt ein Stück Nusszopf in ihren Händen. Appetit hat sie nicht, aber sie sieht die Notwendigkeit einer Mahlzeit und so isst sie schweigend in ihren eigenen Gedanken vertieft bis die beiden Sonnenfeuer in den Händen Arúens liegen und diese prächtigen Steine verteilt werden. "Diesen sanften Schimmer habe ich lange nicht mehr zu Gesicht bekommen."

Ein zartes Lächeln umspielt ihre erschöpften Züge. "Man sagt, es seinen Tränen der Ur-Drachenmutter, die zu Stein geworden sind."

Lorwen schaut von dem sonnengelben, klaren und durchscheinenden Stein auf, der sie wärmt und Frieden schenkt. "Danke, Shu'ra Arúen, ... für alles."

Anschließend angelt sie ihre Gewänder und hüllt sich wieder in diese alt bekannte Kluft. Lorwen zieht die Stoffe vor, gänzlich anders als es Smaragdelben und Waldelben beliebten. Einzig Schuhwerk mochte sie nur dulden und nicht leiden. "Wir sollten etwas zu Kräften kommen. Die Nacht ist klar, lang und kalt". Damit wickelt sie sich fester in ihren Umhang und gauert sich zusammen. Im letzten Moment, so scheint es, fällt der Eageweihten noch etwas ein :" Shu'ra Arúen, wartet nicht auf mich. Ealara îhiorael ôr lus - Ea sei mit Euch".

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Tyalfen

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24

Monday, May 12th 2014, 4:45pm

Noch liegt tiefe Nacht über den Immerlanden, über dem Larisgrün und über dem Hohen Herzen, als Tyalfens Sinne langsam erwachen. Es ist das viel zu frühe Lied eines aus dem Schlaf geschreckten, scharlachroten Vogels, der seine Benommenheit durchdringt. Dann spürt er das Dröhnen seines Schädels, seine unsäglich schweren Glieder und die elend trockene Kehle, noch bevor er irgendeines Gedanken fähig ist. Doch er fühlt auch die Nähe eines sich an ihn schmiegendes Leibes. Schwerfällig nur gehorchen seine Lider, sich zu heben, doch mehr als verschwommene Schemen, kaum mehr als hell und dunkel vermag er zunächst nicht erkennen. Dann brechen die Erinnerungen des vergangenen Tages über ihn herein und seine Hände krallen sich ins weiche Moos. Wild schlägt das Herz in seiner Brust, ihn davon zu überzeugen, dass es dazu noch fähig ist, ganz gleich wie eng es die eisige Klaue auch umklammerte. Er wünschte, es schwiege.

Jede Einzelheit zieht an seinem geistigen Auge vorbei, angefangen von der Reise mit Arúen, die Bemalung seines Leibes, seiner Schwester Furcht und sein Versprechen, wie sie ihn zum Rand des heiligen Wassers führten und Lorwens mächtiger Gesang, so fremdartig wie verzaubernd, dass selbst der Wind inne gehalten hatte, um zu lauschen. Tyalfen ahnt, dass es allein ihrer Gnade entsprang, Naralîn noch einmal gesehen, gefühlt und gehört haben zu dürfen – ein unermesslich kostbares Geschenk, auch wenn es eine grausame Gewissheit barg. Leer starren seine Augen in das heilige Gewölbe, gleichwohl sich sein Blick zu klären beginnt, nicht Willens sich zu rühren.

Er weiß nicht, wie lang er so gelegen hat, doch der Morgen konnte nicht mehr fern sein, denn die ersten Stimmen des Waldes erwachen bereits. Auf der Lichtung jedoch ist noch alles still. Langsam senkt sich sein Blick, auf jene, die bei ihm liegt und bemerkt das wachsame Augenpaar, das wohl schon eine ganze Weile auf ihm ruht. Da lösen sich seine Hände aus dem Moos und ziehen sie ganz fest an sich. ‚Es ist vorbei.’ Einige Herzschläge lang hält er sie so, sagt und denkt nichts. Dann treibt ihn der quälende Durst hoch. Widerwillig reagieren die steifen Glieder und kaum gelingt es ihm, sich ein wenig aufzurichten, da rebelliert sein Gleichgewichtssinn und die Umgebung tanzt wie ein wilder Kreisel um seine Sinne. Er spürt Naralîns Hände, die hastig nach ihm greifen. ‚Mir ist nur schwindlig.’, will er sie beruhigen, ahnt er doch nicht, welchen Schrecken er ihr bereits eingejagt hatte. Sie hält ihn sicher, bis sich wieder alles um ihn beruhigt.
Sein Blick fällt auf die Pflanzen und Pilze im seltsamen Schein eines Steines, die ihn schon überwuchert haben und erschrocken zu seiner Schwester sehen lassen. ‚Wie lang habe ich hier gelegen?’ Und sie erzählt ihm, wie Lorwen sie hat in Windeseile wachsen lassen und obendrein noch drei Silberwölfe herbeigerufen hatte, dass sie ihn warm hielten. Er kann weder die Wölfe noch die Druidin finden, nur Arúen die wenige Schritt neben ihnen ruht. Sie hat ihm also nicht vergeben, seufzt er im Stillen und schält sich vorsichtig aus dem Pflanzenbett, bedeutet seiner Schwester, ihn noch einige Augenblicke allein zu gönnen und wankt unsicher aber auf eigenen Beinen zum Teich, den Umhang fest um sich geschlungen. Dort lässt er sich auf die Knie fallen und stockt, als er das Wasser mit seinen hohlen Händen schöpfen will. Sein Spiegelbild zeigt fluoreszierende Flecken auf seinem Antlitz, verschmierte Flecken auf seinen Wangen, grazile Ranken auf seinen Schläfen – natürlich die Bemalung, erinnert er sich wieder und stillt rasch seinen Durst, um sich hernach die letzten Spuren druidischer Zeremonie aus dem Gesicht zu waschen. Die Farbe wiegt als leuchtender Schleier im Spiel der Strömung. Je länge Tyalfen darauf starrt, umso deutlicher erinnert es ihn an Naralîns Abbild und bittersüße Gedanken umschleichen seinen Geist. Leise erhebt sich sein Klagelied im Hohen Herzen, auf dass es sich unter das ewige Murmeln der Wasser mische und nie vergessen ward.

"Einmal noch durft ich dich sehen.
Wir hatten viel zu wenig Zeit
ich schwor, nicht mit dir fortzugehen,
hoffte, dass uns doch mehr bleibt.

Oh Naralîn, mein helles Licht,
oh du mein heißgeliebter Stern,
das alles wollt’ ich für uns nicht.
nun bist du unerreichbar fern.

So vieles wollt ich dir noch sagen,
so viele Küsse mit dir tauschen.
wollte dich auf meinen Händen tragen
und deinen süßen Worten lauschen.

Oh Naralîn, mein liebstes Herz,
oh du mein allergrößtes Glück,
ich brachte uns nur Leid und Schmerz
und bleibe hier allein zurück.

Die Welt kennt keine Farbe mehr.
Du nahmst sie mit dir fort.
Mein Herz ist schwer und elend leer,
ein tauber, dunkler Ort.

Oh Naralîn, du Einste mein,
was bleibt mir noch zu sagen?
Liebste, du sollst glücklich sein
in deinen nächsten Tagen."
Wenn Du glaubst, dass Frauen das schwache Geschlecht sind, versuch mal nachts Deinen Teil der Decke wieder zu bekommen.

Narsaen

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25

Monday, May 12th 2014, 10:08pm

Lieblos hatte sie an dem ihr von Arúen gereichten Stück Nusszopf gekaut und es sich herunter gezwungen. Nicht, dass es ihr nicht geschmeckt hätte, aber dennoch wollte sich das bisschen Nahrung nur widerwillig in Richtung Magen aufmachen. So hatte es auch eine ganze Weile gedauert, bis sie ihre Ration schließlich aufgegessen hatte. Überaus dankbar war sie auch für das Schlaffell, das die Hohepriesterin ihr überlassen hatte. Nachdem die Wölfe verschwunden waren und die heraufziehende Nacht die Kälte mit sich brachte, hatte sich Narsaên zwischen den Pflanzen hindurch an den Körper ihres Bruders geschmiegt, um mit ihm Mantel und Fell zu teilen. Auch spendete der Sonnenstein, den sie zuvor zu Tyalfen gelegt hatte, ihr bald eine wohlige Wärme, so dass sie sich sicher war, die Nacht gut verbringen zu können.
Die Wärme brachte aber auch das Bedürfnis nach Schlaf mit sich. Doch lange wollte die Waldläuferin diesem Verlangen nicht nachgeben. Wichtiger war es ihr mit der Hand, die auf Tyalfens Brust ruhte, seinen Herzschlag und seine Atmung zu überwachen bis er erwachen würde. Verhindern konnte sie es aber dank Ruhe, Wärme und Erschöpfung nicht, ab und an in einen leichten Schlaf zu fallen. Jede Regung jedoch, jeder Laut, der an ihr Ohr drang, ließ sie alarmiert die Augen aufschlagen, damit sie anschließend wieder gegen die Müdigkeit ankämpfen konnte.

Erneut öffnen sich ihre Augen unvermittelt als sich der Körper des Elben neben ihr spürbar anspannt und das Herz unter ihrer Hand heftig zu schlagen anfängt. Regungslos abwartend verharrt sie, bemerkt dabei nicht einmal, dass sie für einen Augenblick die Luft anhält. Die einzige Bewegung, die sie bewusst zulässt, ist die ihrer Augen, die sogleich zu Tyalfens Antlitz wandern. Sie beobachtet jede seiner Regungen, die Gefühle, die sich auf seinem Gesicht widerspiegeln und fürchtet sich sogleich davor, wie seine Reaktion ausfallen würde, wenn sein Geist erst einmal vollends das Bewusstsein erlangt hatte.
Narsaên vermag nicht abzuschätzen wie lange sie so neben ihm verharrt, doch kommt es ihr vor wie eine Ewigkeit. Eine quälend lange Ewigkeit. Aber dann endlich senkt sich sein Blick und trifft den ihren. Schon im nächsten Augenblick findet sie sich in seinen Armen wieder. Dieses Mal erwidert sie seine Umarmung, drückt ihn so fest sie nur kann, mag aber ihre überwältigenden Gefühle nicht in Worte zu fassen, so dass sie nur still nickt und ihn wenigstens ihre Erleichterung und Dankbarkeit spüren lässt.
Als er sich aufrichten will, wird sie wieder wachsam und das mit gutem Grund. Sofort greifen ihre Hände nach ihm und fassen ihn fest, um ihn zu halten. ‚Lass dir Zeit. Dein Körper ist erschöpft‘, antwortet sie ihm und schmiegt sich an seinen Rücken, so dass er sich an sie lehnen könnte, wenn er denn wollte. Tatsächlich lässt er sich einsichtig eine Weile halten, so dass die Elbin Zeit hat ihren Blick schweifen zu lassen. Während die Hohepriesterin ganz in ihrer Nähe liegt, ist von der Druidin nichts zu sehen. Es sollte sie wahrscheinlich nicht wundern, auch wenn sie etwas anderes erwartet hat.
<‚Wie lang habe ich hier gelegen?’>, unterbricht Tyalfen ihren Gedankengang und sein Blick wandert erschrocken von den Pilzen und Pflanzen hinauf zu ihr. So erzählt sie ihm das, was vorgefallen ist, und bemüht sich dabei ihre Gefühle, die sie damit in Verbindung brachte in Zaum zu halten. Eine sachliche Schilderung würde ihm vollends genügen, hat er auch so schon eine Menge zu verarbeiten. So sieht sie ihm auch nur bedauernd nach, als er sich erhebt und zu dem flüsternden Teich herüber wankt. Ihm bei seiner Trauer zuzusehen oder gar zuzuhören mag sie nicht. Der Moment sei ihm allein gegönnt, möchte sie sich selbst glauben machen, dass dies der einzige Grund ist. Tatsächlich schmerzt es ihr das Herz, ihn so sehen zu müssen, ihren tapferen und sonst so seelenstarken Bruder. Und doch vermutet sie, dass dieser klagende Augenblick in nächster Zeit sicher nicht der einzige bleiben würde.
Also erhebt auch sie sich, lässt das Fell sanft auf den Boden gleiten und zieht sich an den Rand der Lichtung zurück. Den Sonnenstein aber nimmt sie noch mit, um ihrem nackten Körper wenigstens noch ein wenig Wärme zu gönnen. Die im Schein des Sonnensteins kupfergolden glänzenden Vögelchen plustern sich auf und zwitschern ihr zur Begrüßung ein kleines Ständchen. Mit einem sanften Lächeln betrachtet sie die beiden, während sie mit der Hand prüfend nach ihrer Lederhose daneben greift. Missmutig verzieht sie die Lippen. Natürlich ist es noch nicht trocken. Aber in dieses kalte, nasse Lederzeug würde sie sich sicherlich nicht zwängen. Ihr Blick fällt auf ihre und Tyalfens Sachen und kurzerhand greift sie sich dessen Wams und zieht es über. Viel zu groß, muss sie feststellen und auch, dass es sich auf Höhe der Taille schließen lässt hilft ihr nicht so recht. Aber besser als Nichts, beschließt sie schließlich schulterzuckend, auch wenn es das Nötigste eher schlecht als recht bedeckt, und greift nach Tyalfens Hose, um sie ihm zu bringen.
Langsam nur schreitet sie zurück und gesellt sich vorerst zu Arúen, legt Hose und Sonnenstein neben sich und beginnt das Schlaffell aufzurollen. ‚Habt vielen Dank‘, spricht sie schließlich an die Hohepriesterin gewandt. ‚Auch im Namen meines Bruders. Sollte er nicht daran denken, es Euch selbst zu sagen, verübelt es ihm bitte nicht.‘ Dann legt sie das aufgerollte Fell vor sich hin und den Sonnenstein darauf. Ihr Blick wandert zu Tyalfen und wird ein wenig wehmütig. ‚Wirklich, vielen Dank. Ich schulde Euch etwas. Wenn Ihr nicht gewesen wärt…‘ Narsaên schluckt schwer, senkt die Lider und schüttelt dann kaum merklich den Kopf, verbietet sich selbst ein ‚Wenn‘ überhaupt nur in Erwägung zu ziehen.
Eine Weile gönnt sie Tyalfen noch ehe sie sich erhebt und zu ihm herüber geht. Nicht, weil sie ihm die Einsamkeit nicht gönnte. Aber genauso wenig will sie, dass er sich darin verliert. ‚Tyalfen?‘, spricht sie ihn an noch bevor sie ihn erreicht, legt ihm dann erst sanft die Hand auf die Schulter und hält ihm seine Hose hin.
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Tyalfen

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26

Wednesday, May 14th 2014, 7:54pm

Sein Blick hat sich längst vollkommen selbstvergessen auf dem Wasser verloren und er erinnert sich der unvergesslichen Momente, die er mit Naralîn geteilt hatte. Es hätten mehr sein sollen. Was sind schon 24 Zwölfmonde im Leben eines Elben und von diesen 24 hatten sie die ersten 15 einander nur im Verborgenen lieben dürfen. Wie sollte dieser flüchtige Wimpernschlag im Angesicht der Zeit Trost für die Ewigkeit spenden können? Seine Augen folgen einem Laubblatt, das einsam auf dem Wasserspiegel treibt, losgerissen von Seinesgleichen, ein Spielball fremder Kräfte, ein Nichts.

Narsaên zerrt ihn aus seiner Trauer, wenigstens fühlt es sich so an und er hätte ihren Ruf nur zu gern überhört, ihre Hand auf seiner Schulter kann er nicht mehr ignorieren. Ihm ist gänzlich entgangen, dass das Dunkel der Nacht bereits gewichen ist. Es ist wohl wirklich an der Zeit, sich für den Aufbruch zu rüsten. Auf Arúen warteten gewiss Verpflichtungen, nicht zuletzt ihre Tochter. Träge erhebt er sich und blickt irritiert auf sein Wams an seiner Schwester Leib, während sie ihm seine Hose reicht. Schließlich kann er ihre Kleidung über einen tiefhängenden Ast entdecken, darüber gelegt, als solle sie trocknen. So ganz will sich ihm der Kreis nicht schließen, was nun tatsächlich mit ihren Gewändern geschehen sein mochte, aber an eines kann er sich sehr wohl erinnern. ‚Du brauchst dringend passende Kleidung.’ Das ihr sein Wams nicht sonderlich gut passte, ist auch schwerlich zu übersehen. In anderer Verfassung hätte er sie deswegen geneckt, jetzt aber bleibt es bei einer nüchternen Feststellung und er wendet sich ab, um sich seine Hose überzustreifen. ,Ich werde Arkendir schreiben. Jetzt lässt er mich gewiss heimkehren.'
Wenn Du glaubst, dass Frauen das schwache Geschlecht sind, versuch mal nachts Deinen Teil der Decke wieder zu bekommen.

Narsaen

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27

Thursday, May 15th 2014, 1:52pm

Nur träge und widerwillig löst sich des Bruders Blick von der Wasseroberfläche. Aber Narsaên hetzt ihn nicht. Er soll die Zeit bekommen, die er braucht. Zumindest solange sie das Gefühl hat, dass er seine Trauer irgendwann überwinden könnte. Noch aber ist der Schmerz frisch und noch deutlich zu spüren, womit er alles Recht hat, um seine Geliebte zu trauern.
Irritiert mustert Tyalfen sie einen Augenblick lang. Sie folgt seinem Blick zu ihrer Kleidung, schweigt aber. Was er jetzt noch nicht weiß, muss er nicht wissen. Wichtig ist doch, dass sie alle nun wohlauf sind. <‚Du brauchst dringend passende Kleidung.’> Die Waldläuferin sieht ihn an und dann an sich herab. ‚Ist das so offensichtlich?‘, schmunzelt sie und neckisch wandert eine Braue etwas nach oben. Doch Tyalfen wendet sich wieder ab, ohne wie gewohnt darauf eingegangen zu sein. Auch sie wendet sich kurz um, damit er sich in Ruhe die Hose überstreifen könne.
<,Ich werde Arkendir schreiben. Jetzt lässt er mich gewiss heimkehren.'> Narsaên fängt für ihren Bruder ihr davonfliegendes Lächeln wieder ein und dreht sich wieder zu ihm. ‚Ja… Tu das‘, nickt sie. ‚Und während wir auf seine Antwort warten werden, musst du mir unbedingt etwas von der Stadt zeigen.‘ Wenn sie ganz ehrlich mit sich selbst ist, ist sie eigentlich nicht sonderlich erpicht darauf allzu lange in der Stadt zu verweilen. Aber Tyalfen würde es vielleicht etwas ablenken und außerdem gäbe es für sie selbst sicherlich eine ganze Menge zu lernen.
Mit einem zarten Kuss auf seine Wange wendet sie sich ab und schreitet zurück zu dem Blumenbett, um ihren dort liegenden Mantel aufzuheben und umzuwerfen. Dann beginnt sie am Rand der Lichtung ihre Lederkleidung zusammenzulegen und zu einem Bündel zu knoten. Bogen und Köcher schnallt sie wieder auf den Rücken und legt sich ihren Gürtel um die Hüfte. Das Lederbündel klemmt sie sich unter den Arm und hebt auch Tyalfens Sachen auf, um sie ihm zu bringen.
Zuvor jedoch lässt sie noch einmal den Blick über die Lichtung schweifen, schließt daraufhin die Augen, atmet tief durch und dankt den Göttern und Ealara aus tiefstem Herzen, dass sie Naralîn freigegeben und ihr ihren Bruder gelassen haben. Eine kühle Brise streift sanft ihre Wange und Narsaên neigt leicht den Kopf als würde sie sich an eine liebkosende Hand schmiegen. Lächelnd öffnet sie ihre Augen und geht zu ihrem Bruder und Arúen zurück. Sie ist bereit zurückzukehren.
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Arwen

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28

Thursday, May 15th 2014, 7:48pm

Irgendwann im Laufe der vergangenen Nacht ist Arúen in die tiefe, traumlose Ruhe der elbischen Trance geglitten. Einzig Vernunftgründen ist es geschuldet, dass sie ebenso wie die beiden andere Elbinnen etwas von dem Nusszopf gegessen hat. Hunger hat sie keinen verspürt, ebenso wenig wie Appetit. Aber das ist nichts ungewöhnliches, sondern eher etwas das sie kennt. Denn obwohl das Wirken von Magie Kraft und Energie kostet, die der Körper erneuern muss, hat sie anschließend trotz Müdigkeit und Erschöpfung nur selten Hunger.

Es sind nicht die ersten Strahlen des Morgenlichtes, die sie wecken, sondern das leise Klagelied Tyalfens. Erst ist es nur der Klang, der sie in den Tiefen der Ruhe erreicht, doch schon bald folgen ihm Worte voller Trauer und Leid und holen sie in die wache Welt zurück. Noch nicht wirklich wach und im Hier und Jetzt angekommen reibt Arúen sich die Augen und streicht sich die Haare aus dem Gesicht. Ihr geflochtener Zopf hat sich im Laufe der Nacht scheinbar aufgelöst und so hüllen die langen dunklen Strähnen sie nun mit ihren sanften Wellen ein. Blasses, rotgoldenes Licht schummelt sich durch den kuppelartigen Baldachin, den die Wipfel der Herzbäume über dem Nar'Sarnis bilden und kündet von der frühen Morgenstunde.
Mit langsamen Bewegungen vertuscht sie den Prostest ihrer Muskeln gegen das Ansinnen sich zu bewegen als sie sich aufsetzt. Mit raschem Blick hat sie die Lichtung nach dem Ursprung des Klageliedes abgesucht. Voller Mitgefühl bleibt ihr Blick am Rücken des Laikeda'ya hängen. Schweigend fährt sie durch ihre Haare und glättet diese in Ermangelung eines Kammes notdürftig mit den Fingern, ehe sie es in Strähnen teilt und zu einem neuen, festen Zopf flicht. Nicht einen Sekhel bewegt sie sich von ihrem Platz fort, um Tyalfen nicht durch ein unbeabsichtigtes Geräusch zu stören. So sehr seine Trauer sie auch berührt, weiß sie doch auch, dass nichts was sie sagen oder tun könnte, sein Leid in dieser Stunde lindern könnte. Und nicht zuletzt ist Trauer ein Teil des Weges, mit dem Verlust leben zu lernen - so unmöglich das dem Smaragdelben an diesem Morgen vielleicht auch erscheinen mag.

Der suchende Blick der Priesterin wandert weiter, sucht vergeblich nach Lorwen, findet aber Narsaên, die jetzt das Wams trägt, das sie am Tag zuvor noch an Tyalfen gesehen hat. Ebenso stumm wie die Hochelbin gesellt sie sich zu Arúen, legt die Hosen zur Seite, die anscheinend nicht ihre sind, sondern die ihres Bruders, und beginnt damit, das Schlaffell aufzurollen, das die ältere Elbin ihr für die Nacht überlassen hatte. Die Gedanken Narsaêns lassen Arúen von ihrem eigenen Schlaffell aufsehen, das sie ebenfalls gerade zusammenrollt um es zu verschnüren. Den Dank der jungen Elbin nimmt sie mit einem sachten Lächeln und einem Neigen des Kopfes entgegen. Als Narsaên ihren Bruder erwähnt, mischen sich Mitgefühl und auch Sorge in den Blick der Priesterin. Wie könnte ich es ihm verübeln, wenn seine Seele noch darum ringt nicht zu zerbrechen und noch nicht im Stande ist, sich der Welt mit ihren Alltäglichkeiten zu stellen. Seine Seele hat Wunden davongetragen, Narsaên. Tiefe Wunden, die Zeit brauchen werden um zu heilen. Er wird Zeit brauchen um zu trauern. Aber Körper und Seele können nur heilen, wenn er sich nicht in seiner Trauer verliert… Ohne den Blick von der Elbin vor ihr zu wenden, nimmt Arúen das Sonnenfeuer und legt es zusammen mit dem zweiten Stein zurück in den dunklen Lederbeutel, der im Inneren der Schlaffelle mitverschnürt wird. Ihr schuldet mir nichts, Narsaên. erwidert sie und silbrige Funken huschen durch ihre Augen, Ich habe nur getan, was ich ihm versprochen habe. Aber aller Macht die mir gegeben ist zum Trotz… Ich hätte ihm nicht gegen seinen Willen helfen können. Seine Seele hat die Entscheidung getroffen, nicht den Weg in die stillen Hallen Sithechs anzutreten sondern die Kraft anzunehmen, die ich ihm geben konnte… und weiterzuleben.

Die junge Smaragdelbin verweilt noch eine Weile neben Arúen und lässt ihrem Bruder Momente der Einsamkeit um sich zu fangen, ehe sie sich erhebt und zu ihm geht. Arúen lässt Bruder und Schwester ihre Abgeschiedenheit am Teich und macht sich daran, ihre Sachen zusammenzupacken.
Dass Lorwen irgendwann in den Stunden der Nacht sang- und klanglos verschwunden ist, irritiert sie. Irgendwie hat sie unterbewusst so etwas vermutet, es fast erwartet, so scheu und eremitengleich, wie die Druidin ihr Leben fern von anderen zu führen scheint. Und doch hat sie insgeheim gehofft, die Waldelbin würde ihre Gegenwart nicht bei Nacht und Nebel fliehen.
Auch Narsaên sieht sie die Sachen zusammenpacken, Bogen und Köcher auf den Rücken schnallen. Sie scheint am liebsten sofort und ohne jede weitere Verzögerung aufbrechen zu wollen. Arúen selber wäre durchaus bereit, sich jederzeit auf den Weg zu machen und sie durch das Gewirr der Zwölf zurück nach Talyra zu bringen. Aber sie ist sich alles andere als sicher, ob Tyalfen schon so weit ist, um den Schutz dieses heiligen Ortes zu verlassen. Das Leben geht weiter, sagt man, aber hat er schon die Kraft, sich dem Leben zu stellen? Es zu ertragen, seine Frau ein zweites Mal verloren zu haben? Und weiterzuleben? Die Elbin weiß auch, dass in Talyra Aneirin sicherlich auf seine Rückkehr warten wird, vermutlich hoffend und bangend zugleich. Verpflichtungen, die sie selber rufen würden, gibt es an diesem Tag keine. Rialinn ist wie so oft bei Niniane und macht zusammen mit Shaerela die Lichtung am Smaragdstrand und das angrenzende Larisgrün unsicher. Es ist einer jener Tage, die die Shida'ya sich sonst für sich ganz alleine nimmt, ohne irgendwelche Pflichten, Aufgaben oder Termine.

Als Tyalfen sich also von dem Wasserbecken abwendet und zu den beiden Elbinnen herüber kommt, überlässt sie ihm die Entscheidung, ob er schon zurück nach Talyra will, oder ob er noch Zeit für sich braucht, ehe er sich zu einer Rückkehr im Stande sieht. "Tyalfen?", ihre Stimme ist ruhig und fast noch sanfter als sonst und sie wartet, bis er sie ansieht und sie sich sicher sein kann, dass er sich mit seinen Sinnen im Hier und Jetzt befindet. "Fühlt Ihr Euch schon stark genug, um zurückzukehren?" Sie meint nicht nur die körperliche Stärke, und vermutlich weiß er das auch. "Wenn Ihr möchtet, können wir auch noch mit der Rückkehr nach Talyra warten… Die Entscheidung liegt bei Euch."
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[Benjamin Franklin, (1706 - 1790)]

Lorwen

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29

Thursday, May 15th 2014, 9:16pm

Hoch oben auf einer der uralten Wächter sitzen drei Blutraben, die durch den Ruf der Schwingen treu und ergeben ihren Auftrag erfüllen. So erheben sich nun zur frühen Stunde einer nach dem anderen und ruft in den Larisgrün hinein.
Die drei Elben sind erwacht, aus einer traumlosen Trance und so sind sie geheißen drei blutrote Säckchen gefüllt mit Beeren und Nüssen hinunter zu tragen.

Eine Runde schwingen die gewaltigen Robinroten durch das ebenso rote Blätterdach. Sie landen am Fels des Beckens um ihr Gefieder zu putzen. Eine davon opfern sie und lassen die schwarzroten Federn mit jeweils bronze- und robinrotem Glanz ins geweihte Becken abtauchen, bevor sie sich rufend erheben, reisen und dann Teil des Windes werden.

Es ist Lorwens Nachruf. So wandert sie fern der drei Elben durch das Grün und schaut in dem Moment, da sie die Raben hört auf. Wissend den Auftrag des weißen Anirans erfüllt zu haben, dankt sie der grünen Mutter. Nun müsste sie einen guten, wirklich guten Tätowierer finden um ihre Ranken weiter wachsen zu lassen. Die Druidin denkt noch darüber nach und streift dabei alle Bäume auf ihrem Weg im Vorbeigehen. Hier in mitten des Grüns pulsiert die reine Kraft der ehrwürdigen Weltenmutter. Ja hier war sie ganz gesund und lebendig und doch kehrt die Druidin zurück zu einer ihrer größten Wunden... Diese Stadt und noch schlimmer, Lorwen geht auf Dämonenjagd oder heilt dessen hinterlassene Wunden, wie auch immer...

[Ende der Zeitschiene, weiter Straße, Steinfaust, Haus der Bücher]

Tyalfen

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Occupation: Aniran / Heilkundiger

Location: Ferndartha / Talyra

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Friday, May 16th 2014, 6:10pm

Heimkehren, in diesem Wort liegt ein hoffnungsvoller Trost, der Stadt der schmerzlichen Erkenntnis und des endgültigen Abschiedes den Rücken kehren zu können und mit ihr alles hinter sich zu lassen. Tyalfen glaubt zu begreifen, warum ihn Arkendir fortgeschickt hatte. All das würde in weite Ferne rücken, wenn seine Füße erst wieder heimischen Boden betreten. Die fremde Sprache, die fremde Kleidung und die fremde Lebensweise würde er abstreifen, wie ein Schmetterling seinen Kokon und mit ihr die Vergangenheit bis zu jenen Tagen, da alle Irrungen ihren Anfang nahmen. Ja er würde heimkehren zu seiner einzig wahren Gefährtin, die ihn nie verlassen würde, so er ihr nur treu bleibt – der Heilmagie. Wenn Arkendir Recht behielt, und das hatte er bisher in allem, was dieses Seelenmal betraf, dann sollten alle damit verbundenen Restriktionen verflogen sein. So könnte er eines Tages ein Weißer Aniran sein und sein Haus ehren. Tyalfens Haltung strafft sich, so er zu sich gefunden zu haben glaubt und bemerkt nicht, dass es nicht klarer Verstand ist, der ihn leitet. Dabei sollten einem Aniran die Schutzmechanismen des Geistes vertraut sein.

Die Frauen haben bereits gepackt, so dass sie sogleich aufbrechen könnten, gäbe es da nicht noch eine Kleinigkeit. Statt auf Arúens Frage zu antworten. greift Tyalfen nach seinem Lederbeutel und sucht etwas Bestimmten herinnen. Doch er hat nichts dergleichen bei sich und gibt schließlich auf. „Immertau, Ealaras Tränen an ihrem geweihten Ort zu Sonnenaufgang und ich habe nichts, sie aufzufangen.“, seufzt er mit einem wehmütigen Blick zu dem Blumenhorst, als könnte es nichts anderes geben, dass ihn Kummer bereitet. „Fyllylylla wäre bitter enttäuscht!“ Wäre, denn er hat die Fee seit Mondläufen nicht mehr zu Gesicht bekommen, dabei war sie doch so versessen darauf, ihn in den Wandernden Wald zu begleiten. Am Ende würde sie seine Abreise wohl verpassen. Tyalfen ist zu abwesend, zu sehr von der Sehnsucht nach der Heimat beseelt, um zu bemerken, dass weder Narsaên noch Arúen die kaprizöse Fee kennen. Ungeachtet ihrer Blicke schultert er seine Tasche und will gerade nach seinem Bogen greifen, da kreisen drei Rubinraben dicht über ihre Köpfe hinweg, Einer nach dem Anderen und lassen jeder ein blutrotes Säckchen in ihre Hände fallen. Ein letzter Gruß von Lorwen? Tyalfen wirft einen Blick hinein ohne den Inhalt anzurühren. Er ahnt, dass er alles, was er jetzt zu sich nehmen würde, wieder zu Gesicht bekäme. Sein Geist schwirrt schon bei alltäglichen Sinnesreizen, muss sich daran gewöhnen, alle Eindrücke nicht länger mit einer anderen Seele zu teilen und nun steht eine Reise durchs Gewirr an. „Wenn Du mich hältst wird es schon gehen.“, sagt er dann endlich zu Narsaên gewandt und nickt Arûen zu, zum Aufbruch bereit zu sein.

Kurz schließt Arúen die Augen, lauscht auf ihren eigenen Herzschlag und öffnet ihren Geist und ihre Seele für die Macht Anukis'. Als sie die Augen wieder öffnet, flammt das Siegel der Wilden Herrin strahlend grün auf ihrer Stirn. Sie kann spüren, wie sich die Macht die sie gerufen hat in ihr sammelt und mit jedem Herzschlag durch ihr Blut pulsiert. Rein. Klar. Wild. Das Leben selbst. Arúen atmet tief ein und wieder aus, und mit dem nächsten Herzschlag mischt sich in den Atem ein Vibrieren, aus dem sich elbische Worte formen. Grüngoldener Dunst steigt aus dem Boden auf rings um sie herum auf, wächst zu einem Netz aus schimmernden Fäden, webt sich zu einer feenzarten Hülle, die sie alle drei schützt und umgibt. Mit einem letzten gewisperten Wort vollendet Arúen den Zauber und die schimmernde Hülle trägt sie auf den Pfaden Anukis' wie Sternenstaub durch Zeit und Raum. Und im Hohen Herzen zittert dort wo sie eben noch gestanden haben lediglich noch die Luft.

-> Meister Arkendirs haus
Wenn Du glaubst, dass Frauen das schwache Geschlecht sind, versuch mal nachts Deinen Teil der Decke wieder zu bekommen.

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