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Riaril

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  • "Riaril" started this thread

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1

Wednesday, March 5th 2014, 4:52pm

Die Unterstadt

Tief unter den kopfsteingepflasterten Straßen der Stadt liegt jener Bereich verborgen, denn die Bürger Talyras abfällig als "Unterstadt" bezeichnen. Jeder kennt ihn, auch wenn nicht viele wissen, wie man dort hinunter gelangt, und viele fürchten ihn, denn jener Teil Talyras ist nichts für zarte Gemüter. Zwielichte Gestalten, finstere Halunken, Diebe und Vogelfreie treiben dort ihr Unwesen, und die mächtigen, verschworenen Diebesgilden haben hier ihre Hauptsitze. Gelegentlich wird die Unterstadt auch als die heimliche Diebesmetropole bezeichnet, natürlich nur hinter vorgehaltener Hand, doch es lässt sich nicht von der Hand weisen, daß die meisten Diebe in der Unterstadt wohnhaft sind. Städte verändern sich im Laufe der Zeiten, das ist allseits bekannt. Ein Feuer bricht aus und vernichtet einen ganzen Stadtteil, ein Krieg zerstört vielleicht zahllose Gebäude und macht ein ganzes Viertel dem Erdboden gleich... und so türmt sich bald Stadt auf Stadt, Neues wird auf den wenigen Resten von Altem errichtet. Wie verschiedene Gesteinsschichten, so lagern auch verschiedene Epochen einer Stadt übereinander. Die Unterstadt ist solch ein Bereich. Auf ihren Ruinen wurde das Talyra errichtet, das wir heute kennen und lieben. Einige Schichten tief reicht die Unterstadt in die Finsternis und bietet dunklem Gezücht und allerlei Schattengestalten Zuflucht. Sie ist das Schandmal, der finstere Fleck der Stadt, und gibt jenen eine Heimat, die im herrlichen Glanz der prachtvollen Oberen Stadt, wie die Bewohner von Unterstadt Talyra nennen, nicht leben können, weil ihr Reich die Dunkelheit und ihr Gewerbe das Gesetzlose ist.

Die Unterstädter müssen nicht einmal großartig Razzien oder massive Einmischung der oberirdisch überall präsenten Blaumäntel fürchten, denn erstens schützen die Diebesgilden eifersüchtig ihr Reich, zweitens leben dort unten auch genug Bettler, Obdachlose, Krüppel, Straßenkinder und ähnlich arme Seelen, die den Dieben und dem Gesindel als lebendes Schutzschild dienen, und drittens weiß man auch beim Stadtrat und der Stadtgarde, dass selbst Ratten und Küchenschaben irgendwo ein Plätzchen zum Leben brauchen. Und so floriert der Schwarzmarkt in Unterstadt, der Wolfsmarkt, prächtig, ohne das wirklich etwas dagegen unternommen werden kann. Leichte Mädchen sind an jeder Straßenecke käuflich zu erwerben, und ihr Preis ist hoch, obschon man auch eine dürre Dirne für wenig Lohn zu erstehen vermag, wenn man nur lange genug sucht. Sein Geld verliert man in der Unterstadt jedoch in jedem Fall, sollte man sich hier nicht wirklich gut auskennen - wenn nicht an die das erstbeste Mädchen in einer schummrigen Gasse, dann eben an einen der zahlreichen Diebe, und nicht wenige bezahlen ihren Ausflug in die unteren Gefilde gar mit ihrem ach so kostbaren Leben, dass urplötzlich nicht einmal mehr einen Pfifferling wert ist.

In diesen Gassen, die alle verdreckt und schmutzig sind, und nach Kloake richten, triffst du mit Sicherheit auf den windigen Tarot, einen Dunkelzwerg wie er im Buche steht. Meistens treibt er sich im Bereich des unteren Wehrs herum, doch nicht selten trifft man ihn auch in der schwarzen Allee oder am Wolfmarkt im Herzen der Unterstadt. Suchst du etwas, so frage als erstes Blade, er wird dir gewiss weiterhelfen, oder dich wenigstens von der großen Last deines Geldbeutels erlösen.
Denn wisse dies: Tarot ist ein Hehler und Gauner, wie er im Buche steht; der Beste in ganz Unterstadt. Niemand kennt sich in den verruchten Straßen besser aus als Tarot Streitaxt. Sein Clanbruder Baril Faustkeil, ein findiger kleiner Wicht mit einer Armbrust, die beinahe genauso groß ist, wie er selber, bewacht mit seinen Kumpanen die Eingänge nach Unterstadt, und verlangen dort von den Eintreffenden so etwas wie Wegzoll. Das Haupttor zur Unterstadt liegt im Keller eines verfallenen Hauses am Blaupfuhl, gut verborgen und von Barils Schergen bewacht. Es gibt noch mindestens drei weitere Zungänge hinab in die Tiefe, doch sind sie nur wenigen redlichen Bürgern von Weltenstadt bekannt und gut verborgen. Eines aber wissen alle: Wage dich niemals ohne Waffe hinab in das dunkle Herz der Stadt, wenn nicht bist du auf jeden Fall verloren. Doch wie sagt Madam Grappe, die Inhaberin des "vornehmsten" Etablissements am ganzen Wolfsmarkt, so treffend:

"Abenteuersüchtige, Haudegen, Spieler, Habenichtse und Taugenichtse sind bei uns immer herzlich willkommen, hauptsache sie bringe ordentlich Zaster in die Kasse."


NSC's der Unterstadt:

Tarot Streitaxt,
bekanntester Hehler am Wolfsmarkt, ein Zwerg mit dem selten gut Kirschen essen ist.

Baril Faustkeil,
Tarots "Bruder" und Steingartenvetter, bewacht mit seinen Schergen und seiner Armbrust "Singende Lilly" das "Haupttor" zur Unterstadt unter dem Blaupfuhl. Wer in der Unterstadt keinen Namen hat oder schlicht nicht auffallen und keinen Ärger haben will, muss bei ihm Wegzoll bezahlen.

Nurio Kulgur,
der unorthodoxeste Zwerg, den man sich nur vorstellen kann. Gepudert, parfümiert und stets angetan mit den elegantesten Kleidern nach der neuesten, geckenhaftesten Mode, mit Schleifchen und Spangen in Haar und Bart, Spazierstock oder Schirm. Nurio hat die gepflegtesten Manieren, die man sich nur denken kann und eine schon fast gezierte Art, sich auszudrücken, doch darf man sich weder von seinem Aussehen, noch von seinem Auftreten täuschen lassen: er ist gerissen, skrupellos, steinreich, grausam und verschlagen, und nach Blaerans Tod ist er zu einer der mächtigsten Persönlichkeiten der Unterstadt avanciert. Nurio handelt vor allem mit Informationen, kostbarem Diebesgut und erlesener Schmuggelware, und ist Besitzer der Schwarzen Orchidee.

Madame Grappe,
die Leiterin des Bordells "Schwarze Orchidee", eine dicke Matrone mit einem ebenso dicken, langfelligen weißen Kater. Sie legt gelegentlich für auserwählte Besucher die Karten, doch ob etwas Wahres an ihren Prophezeihungen ist, weiß niemand zu sagen.

Krätze,
ein Unterstädter, ehemaliger Schmuggler auf der "Kreischenden Nymphe", Gefolgsmann Baertrams, meistens in einer der Spelunken rund um den Wolfsmarkt anzutreffen. Ein guter Führer durch diese Schattenstadt, solange man ihm nicht den Rücken zukehrt und entweder genug Gold hat, ihn zu bezahlen, oder ihm genug Angst machen kann.

Baertram,
ehemaliger Kapitän der "Kreischenden Nymphe", ein abgewrackter Schmuggler und Pirat, meistens in einer der Spelunken rund um den Wolfsmarkt anzutreffen. Statt einer rechten Hand trägt er einen bösartigen Eisenhaken. Versäuft das letzte bißchen Hirn, das er noch hat und würde für ein wenig billigen Fusel alles tun.


Thorfir Einauge,
der einzige noch lebende ehemalige Gefolgsmann Blaerans, ein herrenloser Schattendieb


Tote Unterstadtgrößen der Vergangenheit:

Blaeran,
ehemaliger Anführer der Kanalratten

Whytfisk,
Blaerans rechte Hand, ein Schattentänzer

Blutaxt, Rorge und der Rest der Kanalratten, ebenfalls tot und verrottet
★| Für Schwarz-Weiß-Denker hört die Welt dort auf, wo sie bunt zu werden beginnt. (Ernst Ferstl)
07/27

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Thursday, January 10th 2019, 11:12pm

„Nun mach schon, Schätzchen!“ Das Flatterviech hat gut reden. Dar findet es immer noch reichlich verstörend, dieses Volk so in der Luft schwirren zu sehen. und nicht zum ersten mal kommt ihm der Gedanke, dass es eine Frage der Geschwindigkeit ist, die sie abheben lässt und da Dar sich hier droben eh alles andere denn behaglich fühlt, auch ohne die Befürchtung beim Rennen doch noch den Boden plötzlich unter den Füßen zu verlieren, ist es nicht mehr, denn ein leichter Trott, der ihn voran eilen lässt, ein Tempo nichtsdestotrotz, das alles übertrifft, das die Fee bisher von ihm gesehen hat. Und selbst dieses Tempo lässt ihn immer wieder gegen die verschiedensten Hindernisse prallen, Passanten, Fuhrwerke, Häuserwände, Fässer wie Kisten, oder auch schlicht Unrat, den irgendwer vielleicht gerade verlud dann vermischen sich seine im Weitereilen zurück gerufenen Entschuldigungen mit wütenden Tiraden. Als er einmal in Unrat und wenig später gegen eine Hauswand läuft, diese verdammte Helligkeit hier droben ist einfach nicht für ein solches Tempo geeignet, steigt ihm sofort der penetrante Geruch nach ausgesprochen faulen Eiern in die Nase. Als er innehaltend nach unten schaut, sieht er den Inhalt eines guten halbes Dutzend zerbrochener Wachteleier unter seinem Stiefel grünlich hervorquellen und das heutige Frühstück, ob des schier bestialischen Gestanks, bricht sich Bahn, den Haufen Müll, in den er gerannt war, so mit einer weiteren hervorstechenden Duftnote zu zieren. Doch statt den Worten der genervt drängenden Fee Folge zu leisten, bückt sich Dar, vier noch heil gebliebene Wachteleier sich zu greifen und vorsichtig in einen leeren Beutel an seinem Gürtel gleiten zu lassen, ehe er, den breitkrempigen Schlapphut noch tiefer sich in die Stirn ziehend, der Fee Flammenblüte weiter folgt.

„Hier rein, du Trampel und bitte, bitte, bitte, versuche ab hier leise zu sein.“ Sehr zu Lux Erstaunen, macht Dar ab hier dann aber tatsächlich kaum noch ein Geräusch. Jeder geübte Dieb oder auch lebenserfahrene Unterstädter würde ihn mit seinem Schuppenpanzer und den schweren Schritten vermutlich immer noch hören, wenn er darauf achtete, aber wohl eben wirklich auch nur dann. Im Inneren einer Häuserruine über Schutt und herabgestürzte Balken zu klettern, ohne den blanken Himmel über sich oder das blendende Tagesgestirn, so blass es dieser Tage, verglichen etwa mit der Zeit um Scharonsend, auch ist, hat sehr viel mehr mit dem Leben unter der Erde gemein, denn am helllichten Tage durch Talyra zu hasten. Nur einmal verstummen des Zwergen Schritte, als er sich in einem der von ihnen gequerten Räume, in der zuletzt wohl eine zwischenzeitlich verlassenen scheinenden Töpferwerkstadt ihren Platz gefunden hatte, wiederfindet. Kurz bückt er sich und klaubt einen Batzen Ton aus einer Kiste neben einer zerbrochenen und vom Staub der Zeit zugedeckten Töpferscheibe. Doch ist dies mitnichten das Ende ihres Weges unter freiem Himmel, wie Dar feststellen muss, als es bald darauf wieder, und sehr zu seinem Leidwesen, wieder auf eine enge Gasse und unter der strahlenden Morgensonne weitergeht. Ihn stumm die Gasse in Richtung einer breiteren Straße weisend erklärt Lux ihm, dort angelangt, dass diese Abkürzung nötig war, trotz seines Tempos rechtzeitig das Ziel zu erreichen. Und so queren sie noch mindestens ein halbes Dutzend weiterer Straßen und Gassen, ehe Lux schließlich innehält. und ihm erklärt hier auf sie zu warten. Nachdem Lux davon geschwirrt ist, prüft Dar rasch seine Schleuder, die normalen Geschosse und die vier kleinen Wachteleier, die er vorsichtig in eine nahe Regentonne gleiten lässt wo sie, zu seiner großen Zufriedenheit obenauf dümpeln, derweil er den Batzen Ton mit etwas Wasser aus der Tonne angefeuchtet weder geschmeidig schlägt um dann die Wachteleier vorsichtig mit eben diesem zu umschließen, bis vier schleudersteingroße Tonkugeln den Weg zurück in den leeren Beutel finden.

Wenig später erscheint auch schon Lux, zu erklären, dass die Anderen noch nicht beim Zugang sind und sie, darum hier wohl am besten warten. Während sie ihm noch, augeregt auf und ab schwrrend, erklärt, was eigentlich genau passiert ist, biegt auch schon ein Hund, gefolgt von dem Elben Shalhor und dem Menschen Tane ums Eck. Der Anblick des, die Nase stets dicht am Boden haltende, Hundes entlockt Dar dann auch tatsächlich einen anerkennenden Pfiff, derweil er ansonsten stumm und reglos die Zwisprache Tanes mit Lux Flammenblüte, wie auch das weitere Geschehen verfolgt. Kaum ist die Fee davongeflattert, führt Tane sie auch schon zum verborgenen Zugang zur Unterstadt. Einen sichernden Blick, ob sie denn auch nicht aus dem Verborgenen heraus beobachtet werden erspart sich Dar derweil, machte das hier droben unter dem Tagesgestirn doch kaum Sinn, so geblendet, wie er hier ist. Während Tane den Zugang öffnet, Dar versucht sich das Prozedere so gut als möglich zu merken, wie er sich auch den Ort als solchen einzuprägen versucht und dabei die gesteppten, wie mit Sand gefüllt scheinenden, Lederbänder um Arme und Beine löst und in eine Innentasche seiner Gewandung versenkt. „Bereit? “Nachdem der Durchgang endlich freigelegt ist, tritt Tane zur Seite, die Fährte Sigournys nicht mit der Seien zu überdecken und lässt den Hund, den der Elb Tekat heißt, dann Shalhor und dann den Zwergen passieren, ehe er – wiederum aufmerksam von Dar verfolgt – den Zugang hinter ihnen erneut verschließt. Trotz des leichten Duftes nach Kloake atmet Dar bereits nach wenigen Schritten wie befreit auf, streckt sich merklich und muss beinahe an sich halten, nicht vergnügt loszupfeifen. Aufmerksam sich umblickend folgt Dar Shalhor, der von Tekat geführt offensichtlichst weiterhin auf Sigournys Fährte wandelt, derweil Tane sich nach vorne drängt und mit leisen Anweisungen dafür zu sorgen versucht, nicht allzusehr aufzufallen. Ein Bemühen, dem nach Dars Befinden, ob des die kleine Truppe so offensichtlich anführenden Fährtenhundes Tekat, langfristig aber wohl wenig Erfolg beschieden sein dürfte. Wehmütig wandern Dars Gedanken zu dem im Pfirsich an einer Wand seiner Unterkunt lehnenden polierten wie gefetteten Schild, derweil er sich weit leiser und geschickter hinter Tane, Shalhor und Tekat durch das ewige Dunkel der Unterstadt bewegt, denn seine sonst eher zaghaft behäbigen Bewegungen hätten für möglich halten lassen – und aber immer noch weit von echter Verstohlenheit dabei doch entfernt ist. Hatten die Fro'gar ihm nicht immer und immer wieder erklärt, das es keinen Moment gibt, keinen!, da ein Fro'gar sich sicher wähnen durfte? »Wenn ich hier lebend raus kommen sollte, Ketell, reden wir nochmals darüber wie überflüssig ein Schild im Unterricht so ist!« knurrte Dar leise auf Zardakh in seinen vollen Bart, die Riemen der geladene Schleuder so um seinen Unterarm geschlungen habend, dass er jederzeit den eingelegten Stein aus seiner geschlossenen Faust entlassend in einer Bewegung heraus abwickeln und abfeuern konnte.
“Siehst du einen Riesen, so prüfe den Stand der Sonne und gib acht, ob es nicht der Schatten eines Zwerges ist.”

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Sigourny

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Occupation: Pfirsichwirtin und Teilzeitdiebin

Location: Der Pfirsich

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3

Friday, January 11th 2019, 5:46pm

Sigourny hat sich nur kurze Zeit gegönnt, um sich etwas zu erholen, wieder Kräfte zu sammeln. Sie muss weg von hier, zumindest aus der Nähe der Orchidee. Auch wenn sie mitunter zu riskanten Aktionen neigt, sie ist nicht lebensmüde und wenn die Grappe sie hier erwischt, dann ist ihr Leben kaum mehr einen Kupferling wert. So beißt sie die Zähne zusammen und tastet sich am Rand des Wolfsmarktes weiter, weg von dem wuchtigen Bau. Aber sehr weit kommt sie nicht. Die Unterstadt erwacht zum Leben und eine humpelnde Frau bedeutet Schwäche. Und Schwäche kann hier unten tödlich sein. So zieht sie sich erneut in eine dunkle Nische zurück, kauert sich hin und zieht die Kapuze weit ins Gesicht. Mit Glück geht sie als Bettlerin durch, unbeachtet, vielleicht von ein paar Rotzgören bespuckt. Versteckt direkt unter der Nase der Grappe. Und es scheint zu funktionieren, von Bettlern, die hier so zahlreich sind wie der Sand am Strand des Ildoriel, nimmt kaum jemand Notiz. Vielleicht kann sie so durchhalten, bis der Abend kommt und sie sich im Schutz der Nacht nach oben schleppen kann. Darauf, dass Tane sie findet, wagt sie nicht zu hoffen. Fast hofft sie sogar, dass er zu schwach ist, um zu kommen. Sie will ihn nicht in Gefahr bringen. Anscheinend hast du dir gestern auch das Hirn aus dem Leib gespuckt, sonst hättest du nicht diese idiotischen Nachrichten verteilt! Du wirst weich, früher hast du deine Schlachten auch allein geschlagen. Erneut droht Angst sie zu überwältigen, ein Gefühl der Ohnmacht. Und Wut! Würde sie nun alles verlieren? Und dann schiebt sich, ungefragt und plötzlich, ein Gesicht vor ihr inneres Auge: Ein ernstes Gesicht, mit blauen Augen, eingerahmt von silbergrauem Haar. Markante Züge, edel und alterslos. Elbisch. Und trotz der gewissen Strenge sieht sie ein feines Lächeln vor sich, ein Blick, der ihr Mut macht. >Du bist so viel stärker als Du glaubst< dieser Satz, ausgesprochen in jener Nacht, als sie sich zum ersten und einzigen Male jemand geöffnet hat. Du kommst hier raus, immerhin willst du dich ja noch an dem Gedanken erfreuen, dass die alte Hexe sich den fetten, faltigen Arsch kratzt wie ein räudiger Straßenköter.

Doch anscheinend haben die Götter ihr Kontingent an Schutz für heute schon verbraucht. Denn mit einem Mal schiebt sich eine Gestalt in ihr Blickfeld und eine Wolke aus Alkoholdunst, Schweiß und sonstigen Unterstadtgerüchen sticht ihr in die Nase. >Na alte Vettel, heute schon was erbettelt? Wo ist denn deine Tasse, rück mal brav rüber! < Langsam hebt Sigourny den Blick und stemmt sich, ohne den verletzten Fuß unnötig zu belasten, in die Höhe. Niemals zulassen dass hier jemand auf dich herabsieht. „Verschwinde!“ Ihre Stimme ist kalt wie Stahl und ihr Blick eisig. Doch der Kerl ist mehr als von sich überzeugt. >Schau an, was haben wir denn da. Das ist ja gar keine alte Hexe sondern ein hübsches junges Vögelchen. Na Süße, wie wäre es wenn du mir nicht nur dein Geldtöpfchen sondern auch deine anderen Schätze übergibst? < Der anzügliche Blick lässt keinen Zweifel über, was er meint und mit schmierigen Fingern streicht er ihr über die Wange. „Nimm deine schmierigen Pfoten von mir sonst …“ >Sonst was? Darf ich dann nicht ran? Glaub mir, ich krieg was ich will, besser du machst mit, wäre für dich angenehmer, mir is es gleich!< Mit einem Ruck packt er ihren Hinterkopf, um sie an sich und zu einem Kuss zu ziehen doch soweit kommt er nicht, denn mit einem Schrei springt der Kerl nach hinten und presst eine Hand an die Wange. Genau dorthin, wo ein blutiger Schnitt prangt. Entgeistert starrt er auf Sigournys Hand. In der ruht ein Messer, von dessen Klinge ein feiner Bluttropfen auf den Boden fällt. >Du Schlampe!<

Trotz ihrer schmerzender Schulter hat die junge Frau das Messer gezogen, blitzschnell und noch ehe er ihre Lippen erreicht hat war die Klinge über sein Gesicht gefahren. Sie lässt ihn nicht aus den Augen, während sie mit der linken Hand die zweite Klinge aus dem Stiefelschaft zieht und unmerklich ihr Gewicht vermehr auf das unverletzte Bein verlagert und mit dem verletzten einzig ihr Gleichgewicht stabilisiert. >Ich bring dich um, Miststück, das wirst du büßen Hure! < Blanke Mordlust steht in sein Gesicht geschrieben, auch er hat ein Messer gezückt. Sigourny weiß, dass sie nun sehr schnell sein muss, will sie das überleben. Sie steht mit dem Rücken zur Wand, verletzt und daher nicht in der Lage, jene Beweglichkeit an den Tag zu legen, die für einen Messerkampf in der Regel notwendig ist. Sie hat nur eine Chance. Ganz ruhig ist sie, kalt. Wenn es sein muss, würde sie sich hier rauskämpfen. Inari, behüte meine Seele!
Avatar (c) by Azra 8)

Shalhor

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Occupation: Schiffbauer / Reeder

Location: Talyra

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Friday, January 11th 2019, 10:41pm

mit Dar und Tane unterwegs

Wie schnell sich die Dinge doch ändern. Genoss Dar zu ihrer ersten Begegnung einen denkbar schlechten Stand beim Windelben, so weiß Shalhor dessen Gegenwart inzwischen weit besser zu schätzen. Pfuscher hin oder her, er wäre ein Narr allein in dessen brachialer Stärke keinen Vorteil zu erkennen. Zudem sollen Zwerge wie kaum ein Geschöpf sonst, sich in der unteridischen Dunkelheit orientieren können, von den üblen Kreaturen des Dunkeln einmal abgesehen, von denen seine Lordschaft jetzt gewiss keines gern im Rücken hätte. Er war noch nie hier unten im verkommenen Teil der Stadt, hat sich die Kapuze tief ins Gesicht gezogen und die Rechte am Heft der Wogenklinge, jederzeit bereit, sie zu ziehen, wenn sie jemandes Aufmerksamkeit mehr auf sich ziehen sollten, als ihnen recht sein kann. Tyalo führt sie auf Sigournys Spuren, durch feuchte, vermüllte Gewölbe, die den Geruch von Fäulnis und Verwesung halten und in denen sich die Ratten tummeln wie Bienen auf einer Blumenwiese, vorbei an verfallenen Ruinen, deren Fensteröffnungen entweder vernagelt oder nur notdürftig mit zerschlissenen Stofffetzen verhangen sind, vor denen verwahrloste Kinder im Dreck spielen und bei ihrem Anblick in undurchdringliche Dunkelheit flüchten, durch marode Gassen in denen sie mehr als einmal über Trunkenbold oder Bettler steigen müssen, bis Tyalo vor einer Abzweigung mit gesträubtem Nackenkamm und leise knurrend verharrt. Shalhor befielt ihn leise an seine Seite zurück und zieht sich mit Mensch und Zwerg in den Windfang eines Gemäuers zurück, dessen rostzerfressenes Schild irgendwie an ein Schwein erinnert, auch wenn das Ringelschwänzchen fehlt. Im Verborgenen werden sie Zeuge, wie zwei Männer einem Einäugigen nachstellen, diesen niederstrecken und irgendetwas an sich nehmen, dass in Lumpen gewickelt ist, bevor sie weiterhetzen. Einige Augenblicke noch späht Shalhor hinaus in die Gasse, aber bis auf das letzte Röcheln des Einäugigen und den verhallenden Laufschritten seiner Schlächter ist Totenstille das Einzige, dass noch nach dieser Gasse trachtet. "Valonen", heißt Shalhor seinen Faêntjaro kaum hörbar leise und bedeutet auch Mensch und Zwerg mit einem Wink, den Weg fortzusetzen, doch Dar schickt sich an, nach dem Einäugigen sehen zu wollen, dass des Elben Hand ihn aufhält. "Für den könnt Ihr nichts mehr tun. Kommt weiter!"

Irgendwann gelangen sie in ein großzügigeres Gewölbe, in dem sich weit mehr zwielichtiges Gesindel herumtreibt, als ihnen bislang hier unten begegnet ist und jeder jeden zu belauern scheint, selbst jene, die beisammen stehen. "Der Wolfsmarkt", flüstert Tane und deutetans andere Ende hinüber zu einem auffällig großen, baufälligem Gebäude, dass gewiss einmal Teil einer Befestigungsanlage gewesen war. "Und das da ist die Schwarze Orchidee." Tyalo hält sich dichter an seinem Herrn und führt sie entgegen seiner Befürchtung nicht auf direkten Weg zu diesem Bordell, auch nicht an dessen imposantes Treppenportal, durch welches Shalhor auch auf die Entfernung zu verstehen lernt, was Sigourny mit den Katzen gemeint haben muss, blutjunge Mädchen, die kaum mehr am Leib tragen, als so ein Leibchen, wie er im Ärmel seines Waffenrockes verborgen bei sich trägt. Mehr Aufmerksamkeit erfahren die Kätzchen allerdings nicht, denn Tyalos Rute wedelt so fiebrig angespannt, als sei er auf etwas verwirrendes gestoßen, drängt erst in die eine Richtung hin zu einer rückwärtigen Seite des Bordells und dann wieder von diesem fort, als kreuzten sich Sigournys Spuren hier und hebt schließlich seine Nase in die Luft, während seine Ohren in alle Richtungen spielen. Dann prescht er los. Elb, Mensch und Zwerg hinterher. Der Goldhund hält auf eine dunkle Nische zu, aus der plötzlich eine männliche Gestalt aufschreiend zurückspringt und seine Hand hebt, in der es metallisch aufblitzt, bevor Tyalo zum Sprung ansetzt und den Arm zu eben jener Hand packt. Sie stürzen, doch Tyalo lässt nicht ab. Alles ist so schnell gegangen, dass Shalhor auf die Entfernung die noch zwischen ihnen liegt, nicht sagen könnte, wo das Messer (so zumindest liegt es nahe) abgeblieben ist. Noch im Lauf zieht er sein Schwert, noch zwangzig Schritt, fünfzehn ...
Man sollte keine Dummheit zweimal begehen, die Auswahl ist schließlich groß genug!

Avatar © 2015 gewichtelt by Niniane, der Bezaubernden

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Saturday, January 12th 2019, 12:46am

"Für den könnt Ihr nichts mehr tun. Kommt weiter!" Dar knurrt leise und erinnert sich der Mahnung des Apothekermeisters, bei dem er gelernt hatte. Der, selten rührselig, hatte am Todestag seines Bruders Dar beiseite genommen und erklärt die Arbeit könne für heute ruhig einmal liegen bleiben, da ein ausgesprochen gutes Fässchen Dusharrenmrtva ihrer harrte. „Als Heiler, Junge“, hatte der Alte gesagt und Dar widerspruchslos auf eine Bank gedrückt, ehe er ihm am Tisch gegenüber Platz genommen hatte. „Als Heiler, Junge – da musst du auch die Seele im Blick haben. Hörst du Junge, die Seelen.“ Und Tränen hatten dem Alten in den Augen gebrannt, als er zwei Becher bis obenhin mit Dusharrenmrtva auffüllte und nach einem kräftigen Schluck – Dar, dem das Moos damals noch feucht hinter den Ohren hervor lugte, so jung war er da noch, hatte sehr vorsichtige Schlucke zu jedem Toast, angefangen bei des Alten Bruder, nur genossen. „Auf Branon! … Auf Yrrond Yumrok Auf Skarrend Thum! Auf…“ Und als das Fässchen schon halb leer war, da hatte der Alte, mit einiger Mühe bereits, den Blick auf Dar gerichtet und ihn gemahnt stets den Verstand, die ihm silgeschenkte Weisheit bei der Beurteilung der seiner Hilfe Bedürfenden zu nutzen. „Weihhhhhst duhhhh“, hatte er gesagt, „So Jungspunde wie duhhh“, hatte er gesagt, „…die wollen noch jeden und alles retten. Spähter dann werden sie weihhhser, nur um im hohen Alder dann gefühllos und abgestumpft zu wern.“, hatte er gesagt und dann lange in das Licht der zwischen ihnen brennenden Steinölfunzel gestarrt. Dann nach einem weiteren tiefen Schluck hatte er Dar fest angeblickt und gesagt: „Wenn du Glück jast, Jun', dann lebste langenuch die Weisheitder reifen Jahre n'zu erfahn, Jun' un' wennst nochmeah Glück h'st stirbste bevor dein Hannwech dir die Seel ausbrennt undenichtsmehrfühlst, für nimmand'n!“, hatte er gesagt um nur Augenblicke später mit der Stirn laut auf den Tisch zu knallen und hernach den langen Rest des Tages laut und vernehmlich vor sich hin zu schnarchen. Dar, diese Erinnerung einen Augenblick so klar als damals vor Augen habend, wendet sich von dem Sterbenden fort und murmelt leise auf Zardak des Alten Worte von damals nochmals nach: »Wenn du Glück hast, Junge, dann lebst du lange genug, die Weisheit der reifen Jahre noch zu erfahren.« Offensichtlich liegt diese Reife noch weit vor ihm. »Sil, nimm dich seiner a-, ah nein den Sterblichen hier ist das ja Sitech. Wer auch immer! Lass die Seele nicht verkommen.« Leise zieht der Fro'gar die Nase hoch, was eher nicht an einer plötzlich über ihn hereinbrechenden erneuten Erkältung etwa liegt, derweil das leise Stöhnen des Sterbenden in ihrem Rücken immer leiser wird.

Man hatte Dar, das erste Mal, das er von der Unterstadt hatte reden hören, diesen Ort als überaus lebensgefährliches Pflaster beschrieben, das es um jeden Preis zu meiden gelte. Doch was er sieht, das sind in den Straßen spielende Kinder, abgedunkelte Lichter aus leeren Fensteröffnungen lugen und ansonsten Menschen, die ganz normal ihrem Tagwerk nachzugehen scheinen. Sprich solches wie hier, mochte er auch in seiner alten Heimat, so oder ähnlich, schon erlebt haben. Gut, da stach vielleicht eher nicht der eine Zwerg den anderen ab, hätte das doch nur geheißen, sich den wirklichen Gefahren gegenüber dadurch nur selbst zu schwächen, aber ein Ssirkaan, der sich an den, um die bewohnten Bereiche herum postierten, Wachen vorbei schlich – so wie Takat, Shalhor, Tane und er etwa gerade – mochte genauso schnell den Tod selbst in die besiedeltsten Regionen des Unterreichs tragen, wie es hier das Messer der beiden Räuber eben getan hat. Doch wie sich die Fro'gar von den alltäglichen Gefahren das Leben nicht verderben ließen, geht auch hier das Tagwerk ungestört weiter. Gut, einem Bruder im Unterreich, ja unter bestimmten Umständen selbst einem Schlangenelben konnte Dar daheim zu jeder Zeit unbesorgt den Rücken zukehren, derweil diese ehrlosen Gestalten hier ihn vermutlich selbst für einen seiner Stiefel über die Klinge würden fahren lassen, wenn sie damit durchzukommen glauben könnten. Das und der allgegenwärtige Verfall hier drunten, der Schmutz und das Elend unterschieden sich vermutlich doch so stark von seiner Heimat, das er… >Ich bring dich um, Miststück, das wirst du büßen Hure! < Die nächste Eskapade? Scheinbar war ein Leben hier doch weit schneller verwirkt als in seiner Enklave! Daheim war er unter Verbündeten, Freunden eventuell gar, derweil die Gefahren dort weit größer waren, denn alles was sich ihm hier in der Unterstadt derweil zeigte. Doch wenn hier jeder sein eigener und einziger bester Freund war und niemand weiter, als bis zu seinem oder ihrem eigenen Vorteil zu denken vermochte und der eigene Rücken also nie durch andere gedeckt, der eigene Schlaf nie bewacht war…

Dar sieht ein Messer in der Nische aufblitzten und Blut von der Wange des brüllenden Mannes zu Boden perlen, sieht Takat auf den Mann zustürmen, sich in dessen Arm verbeißend, sieht eine Klinge in des Mannes Hand sich gegen den Hund richten und Shalhor und Tane losstürmen. Zwei Schritte nach links und ein mutiger Sprung bringen Dar auf die niedrigen Überreste einer zusammengestürzten Mauer und – wichtiger – in eine mithin leicht erhöhte Position. Die Faust öffnend bringt der linke Arm die Schleuder sirrend in Rotation, das Geschoss jedoch noch vor Vollendung der dritten Kreisbewegung mit dem Lösen von Daumen und Zeigefinger auf die Reise zu schicken. Aufgrund der Eigenrotation der Kugel beschreibt die Flugbahn derselben einen leichten Bogen, ehe mit einem dumpfen Schlag gefolgt von einem helleren Knacken, wie wenn ein Ast zerbräche, erst das Geschoss auf den Körper trifft und dann eine Rippen des Bedauerlichen unter dem Einschlag vernehmlich bricht. Das Messer fährt zuckend durch die Luft, ohne indes Tekat oder die in der Nische stehende Sigourny verwundet haben zu können, da sind Tane und Shalhor auch schon beide zeitgleich bei dem Messerschwinger angelangt. Doch noch ehe sich Dar dem weiteren Verlaufe der Auseinandersetzung näher widmen kann, bemerkt er die Unruhe auf dem Wolfsmarkt, wie Tane jenen Ort nannte. Ein Teil derer dort drunten scheint aufgeschreckt nach Deckung bloß zu suchen, derweil eine andere Schar auszuschwärmen scheint und auch Rufe laut werden lässt. Hat das etwas mit ihnen hier oben zu tun? Hat man ihre Aktion verfolgt? Oder war dies einer allgemeinen vagen Unruhe bloß geschuldet, die zwar erkannt hat, das etwas im Argen war, aber noch nicht festzumachen wusste wo? Dar weiß es nicht, lässt sich aber hinter den Steinhaufen fallen, so etwaigen Blicken vom Wolfsmarkt her sich zu entziehen. Die Nische mit Sigourny und den Anderen liegt nicht im direkten Blickfeld zu jener “Orchidee”, Dar kann sich nicht erinnern jemals einen weniger passenden Namen zur Beschreibung eines Ortes vernommen zu haben, der Weg aber, den Shalhor und Tane schon beschritten hatten, der Weg zu jener Nische, er wiederum liegt klar im Blickfeld der Schar dort drunten.

Wenn er sicher wüsste, das dort nur Menschen, mit ihren schlecht angepassten Augen wären, er würde es wohl riskieren. Aber so? Leise huscht Dar in das Loch das die eingestürzte Mauer in dem Haus in seinem Rücken hinterlassen hat. Ängstliches Wimmern, zusammengekauerte Gestalten und schmutzstarrende leere Räume huschen an ihm vorbei. Einmal erwischt er eine Sackgasse,einmal hält ihn das Messer einer verzweifelt sich der vermeintlichen Bedrohung erwehrenden Gestalt auf, die Schlimmes wohl befürchtend die Flucht nach vorne wagt, das rostige Scherenblatt zwischen den Metallplättchen seiner Rüstung dabei indes wirkungslos bloß zerbricht. Die wahren Räuber scheinen draußen auf dem Wolfsplatz zu sein, nicht hier in dieser erbärmlichen Ruine. Dann endlich zeigt sich ihm ein Ausgang, wenn man eine leere Fensteröffnung denn so bezeichnen will. Rechts von ihm liegt die Nische, die er zu erreichen hoffte. Rechts davon der, nun durch das Haus hinter Sigournys Rücken dem Blick entzogene Wolfsmarkt, auf dem immer noch ein gehöriger Aufruhr herrscht, der indes alles überdeckt, was von hier erklingen mag. Wenn man noch nicht genau weiß, wo der Ärger stattfindet, ist der Lärm dort drunten also gut für sie und schlecht für die Andern. Wissen die Anderen indes schon woher der Ärger kommt… wäre das wiederum dann wohl eher weniger gut für sie, um nicht zu sagen tragisch. Denn zuletzt hatte Dar mehr Gestalten dort unten sich zusammenrotten sehen, denn sie vier wohl aufzuhalten vermochten. Rasch eilt der Zwerg darum zur Nische, ein gepresstes, »Wir müssen weg hier – sofort!« ausstoßend, ehe sein Blick die veränderte Situation seit seinem Eintauchen in die Häuserruine überhaupt recht erfasst hat.
“Siehst du einen Riesen, so prüfe den Stand der Sonne und gib acht, ob es nicht der Schatten eines Zwerges ist.”

This post has been edited 10 times, last edit by "Dar" (Jan 12th 2019, 5:34pm)


Shalhor

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Saturday, January 12th 2019, 2:03pm

... noch zehn ... iye, "ALJAS-TE CÎU!*" Shalhor erkennt das Messer in der anderen Hand des Kerls, dass sich hebt, um auf Tyalo niederzugehen - weiß, dass er ihn zu spät erreichen wird und sein treuer Gefährte nicht ablassen wird, ganz gleich, was er ihm zuschreit. Adrenalin peitscht durch seine Venen, während alles was gerade geschieht, quälend langsam zu passieren scheint. Irgendwas pfeift an ihm vorbei. Er bemerkt es nur nebenbei, doch es ändert ALLES. Das Messer sinkt, aber nicht auf Tyalo, der Kerl krümmt sich ... fünf Schritte nur noch ... Shalhor reißt sein Schwert mit beiden Händen hoch ... drei ... Er kann den Kerl laut keuchen hören ... zwei ... Shalhor und Tyalos Augen streifen einander ... einer ... Die Hand mit dem Messer schnellt wieder hoch, sein Schwert herab, trennt den Kopf vom Leib und Tyalo lässt ab. Augenblicklich saust Shalhor herum, das Schwert fest umklammert, bereit sich den vorzuknöpfen, der da noch in der dunklen Nische lauern muss ... und erstarrt. "Sonnenschein" hat er Tane überrascht ausstoßen hören und tatsächlich sie ist es, Sigourny. Erleichtert lässt er die Klinge sinken. Doch er soll nicht dazu kommen, sich zu vergewissern, ob sie unverletzt ist, denn Tyalo warnt ihn mit leisem, eindringlichen Knurren, dass die Gefahr noch nicht vorüber ist und mit einem Blick zurück über die Schulter, sieht er, was sein treuer Gefährte längst realisiert hat.
Tyalo hat instinktiv und vollkommen richtig gehandelt, aber sein Einschreiten und alles was sich daraufhin zutragen sollte, hat entschieden mehr Aufmerksamkeit auf sie gezogen, als gut für sie sein kann. Mehrere finstere Gestalten haben sich zusammengetan und scheinen entschlossen, diesem Vorfall nachzugehen. Shalhor zählt vier aus Richtung der Schwarzen Orchidee, zwei aus der Richtung aus der sie kamen und noch einmal drei aus der Richtung, die noch bliebe, für eine Flucht nun aber auch nicht mehr infrage kommt. Und wo zum Henker steckt der Zwerg? Lansunjâdait!** Sie können ihn doch nicht zurücklassen!

* Lass ab!
** Verflucht!
Man sollte keine Dummheit zweimal begehen, die Auswahl ist schließlich groß genug!

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Sigourny

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Saturday, January 12th 2019, 2:51pm

Mit einem Mal überschlagen sich die Ereignisse: Hat sie sich eben noch einem zu allem bereiten Gassenschläger gegenüber gesehen, stehen nun ein riesen goldbrauner Hund, Tane und … Shalhor vor ihr. Und der Kopf den Möchtegernvergewaltigers liegt vor ihren Füssen, allerdings ohne den zugehörigen Körper. Unwillkürlich zuckt sie zurück, als der Elb sich mit erhobenem Schwert zu ihr umwendet, doch er lässt die Waffe sofort sinken, als Tane sie erkennt. Vor Erleichterung würde sie am liebsten weinen, lachen, fluchen, alles gleichzeitig. Ihre Hände, die noch immer um die Messer gekrampft sind, zittern. Aber kann es sein, dass sie wirklich hier sind, oder hat der Kerl ihr eines übergebraten und sie träumt nur? Vergewissern, das dem nicht so ist, kann sie sich aber nicht, denn der Hund beginnt drohend zu knurren. Star ist der Blick des Tieres in Richtung Wolfsmarkt gerichtet, die Rute steil aufgerichtet, das Nackenhaar gesträubt. Und tatsächlich sind dort weitere Gestalten zu erkennen, die sich in ihre Richtung bewegen. >Wir müssen weg hier – sofort!< Die Stimme, eine bekannte, unverkennbar ob dem knarrenden Unterton, ertönt aus den Ruinen zu ihrer Linken und … sie traut ihren Augen nicht, es ist Dar, in voller Rüstung steht er auf den Resten einer Mauer zu ihrer Linken. Ihr Götter! Sie sind alle hier! Aus einem Reflex heraus will sie einen Schritt auf ihre Freunde zugehen aber ein stechender Schmerz im verletzten Knöchel erinnert sie an eine weitere Schwierigkeit. „Das könnte ein Problem werden, vor allem wenn wir schnell verschwinden wollen. Ich … ich hab mir den Knöchel verrenkt!“ Ihr Blick wandert von einem zum anderen ehe sie den Wolfsmarkt wieder ins Auge fasst. Die Gestalten kommen näher. „Aber ihr könntet es schaffen wenn ihr gleich verschwindet. Ich halt euch den Rücken frei, wenn sie mich haben werden sie Ruhe geben.“ Eine Träne schimmert in ihrem Augenwinkel. Zum ersten Mal in ihrem Leben hat sie das Gefühl, dass es außer Tane jemanden gibt, dem sie etwas bedeutet. Aber das soll kein Grund sein, dass sie für sie hier unten sterben. Hätte ich diese verdammte Nachricht nur nicht hinterlassen!
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