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Riaril

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  • »Riaril« ist der Autor dieses Themas

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1

Mittwoch, 5. März 2014, 16:49

Die Kanalisation

Zahllose Schritt tief unter den Straßen Talyras, ja selbst noch unter der verborgenen Unterstadt mit ihren Gewölben, Stollen, Hallen und halbverfallenen Gebäuden erstreckt sich ein weitläufiges Netz aus Gängen, Tunneln und Abwasserkanälen - die Kanalisation der Stadt. Noch zu imperialer Zeit von kundigen Zwergenhandwerkern erbaut, sind diese Tunnel und Stollen zwar uralt, doch die meisten sind erstaunlich gut erhalten und noch immer in Betrieb - hier fließen die Abwässer Talyras. Einige jedoch sind auch verfallen, überflutet, eingestürzt oder führen ins Nichts - und bilden mit der noch genutzten Kanalisation ein geheimnisvolles Labyrinth aus Finsternis, Gestank, gewundenen Stollen und gemauerten Kammern, aus Eisenleitern, Falltüren, Tunneln, Treppen, Schächten und natürlichen Höhlen. Was hier unten außer Ratten, dem Unrat der Stadt und der ewigen Dunkelheit noch alles zu finden ist, weiß nur der, der seine Abscheu und Furcht überwindet, und sich hinunter wagt. Es gibt nur sehr wenige bekannte Zugänge zu diesem Tunnelsystem. Einige, zu den noch immer genutzten Abwassertunneln, sind der Stadt bekannt und werden scharf bewacht. Andere liegen im Verborgenen und führen eher ins halbverfallene Labyrinth der stillgelegten Gänge. Ein paar befinden sich in der Unterstadt, wohlverborgen selbst vor dem zwielichten Volk dort. Andere sollen sich gar in der Oberstadt befinden, doch wo genau, das will niemand wissen...
★| Für Schwarz-Weiß-Denker hört die Welt dort auf, wo sie bunt zu werden beginnt. (Ernst Ferstl)
07/27

Bregond

Herr Bergland

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2

Freitag, 11. April 2014, 20:10

Skor!
Mit tief ins Gesicht gezogener Kapuze und einem Rucksack unter dem Umhang sieht er fast aus wie ein Buckliger der nach einigem Suchen tatsächlich den alten Teeladen seines Freundes betritt. Zwar war die Türe durch ein Schloss gesichert, doch unter seinen geschickten Fingern und einem Dietrich war dies kein Problem. Im Laden selber ist es dunkel und es riecht muffig, die Fenster sind mit schweren Brettern vernagelt und kurz wundert sich Skor das der Laden nicht schon wieder vermietet oder zumindest irgendwem als Wohnraum dient. Wachsam schaut er sich um und entdeckt kurze Zeit später das Bild des Seefahrers im hinteren Teil der Räumlichkeiten. Von Bregond weiß er das dahinter einer der wenigen Zugänge zu den Kanälen in der Oberstadt ist, seine Finger berühren zärtlich das dunkel lackierte Holz des Bilderrahmens und kurz überlegt er um zu kehren um sich wieder um das Frühstück zu kümmern. Doch dann fast er sich ein Herz und durch leichten Gegendruck springt der Rahmen nach vorn so das der Zugang freigelegt wird. Der Geruch im Fliegengrund war eine Blumenwiese im Sommer zu dem was ihm entgegenschlägt, ein bestialischer Gestank der ihn zurücktaumeln lässt. Zwar hatte Bregond auch davon gesprochen, aber das es so schlimm sein würde und mit Sicherheit noch schlimmer damit hatte er nicht gerechnet. Aus seinem Rucksack holt er ein Seidentuch und tränkt es in eine Tinktur die er vor kurzem gekauft hatte und Eigentlich für einen bestimmten Zeitpunkt mit Lyona bestimmt war, ja er hatte ein Parfüm gekauft um gut für sie zu riechen! Na und? „Die Schurken da unten werden denken da kommt ein Idiot, oder eine Männliche Hure“ raunt er vor sich hin während er sich das Seidentuch vor Mund und Nase bindet. Dann macht er sich auf die steile Leiter in die Tiefe hinab zu steigen. Unten angekommen betätigt er den Mechanismus der das Bild wieder in seine Verankerung bringt. Jetzt erst beginnt er mit Feuerstein und Zunder eine der Fackeln zu entzünden. Nach wenigen Augenblicken erstrahlt seine Umgebung in diffusem Licht seiner Fackel und er beißt sich leicht auf die Unterlippe „ Nun gut Meister Skor, dann beweis mal was für ein toller Hecht du bist, ein Idiot bist du und wahrscheinlich ein Toter noch dazu in kurzer Zeit.“ Trotz seiner schlechter Laune macht sich Skor auf den Weg und schon kurze Zeit später steht er knietief in der Scheiße und das ist wörtlich zu nehmen. Davon hatte der gute Bregond nichts erzählt und auch nicht von der Weggabelung die vor ihm liegt. Gerade als er sich für den linken der beiden entscheiden will kommt aus einer Öffnung in der Tunneldecke ein Schwall Abwasser und hätte ihn um ein Haar getroffen, nur durch einen Sprung zur Seite kann er sich davor retten mit dem Unrat überschüttet zu werden. Irgendwie hatte er sich Heldentaten anders vorgestellt, so etwas stand nie in Büchern. Naja die Wege der Zwölf waren unergründlich und so nimmt er kurzer Hand den rechten Gang und nimmt es als gutes Omen und Fingerzeig der Götter die ihm auf diese Art zeigen wollten wie scheiße seine Idee war den linken Gang zu nehmen. Wenn es einen lukrativen Markt für Ratten gäbe könnte man hier unten ein Vermögen verdienen, sie sind überall und wirklich Fett und die ständigen Begleiter von Skor, so als hofften sie das er umfällt und sie über ihn herfallen könnten um noch fetter zu werden. Zuerst hatte er versucht sie zu vertreiben, sie mit der Fackel zu verscheuchen, doch diese Viecher waren hartnäckig und kehrten immer zurück.
Der rechte gang war wohl doch nicht der rechte gang, den er endet Unverhofft nach einer schier unendlichen Zeit an einem riesigen Geröllhaufen. Der Tunnel war schon vor langer Zeit eingestürzt und unpassierbar. „ Soviel zum Fingerzeig der Götter“ Missmutig macht er sich auf den Rückweg und wenn er es nicht besser wusste, würde er schwören die Ratten grinsen breit vor sich hin. Die erste Fackel ist schnell verbraucht ebenso die zweite, dennoch beschließt er an einer trockenen Stelle erstmal eine Pause einzulegen nachdem er den linken Gang einige Zeit gefolgt war. Essen kann er nichts, er würde es wahrscheinlich gleich wieder den Ratten vor die Füße kotzen, einige Schlucke Wasser würden reichen um zu Atem zu kommen. Held sein war anstrengender als gedacht.
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Bregond

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3

Samstag, 12. April 2014, 23:02

Skor!

Hier unten ist immer Nacht, noch nie hat ein Sonnenstrahl die dunklen Wände der Gänge erhellt. Die gemauerten Rundbögen sind seit einiger Zeit schon den groben Steinwänden gewichen und Skor der Heldenanwärter hat schon vor geraumer Zeit jegliche Orientierung verloren. Er ist an so vielen Abzweigungen, Schächten und in den Stein geschlagenen Kammern vorbeigekommen das er aufgehört hat zu zählen. Schon zweimal ist er im Kreis gelaufen und einmal wäre er fast in einen der schier endlos erscheinen Schächte gestürzt. Sein Vorrat an Fackeln ist bei einer Rutschpartie verloren gegangen und er ist zur Zeit so sehr verängstigt und gefrustet wie man nur sein kann wenn man bis zum Hals in der Kloake steckt.
In totaler Düsternis ist er verloren in diesem Labyrinth, ein einziger Fehltritt und es wäre um ihn geschehen. Welche unheimliche namenlose Schrecken in der Dunkelheit auf ihn lauern mag er sich gar nicht vorstellen, in den Geschichten Bregonds hatte es sich immer so angehört, als wenn man auch den aussichtslosen Situationen mit Geschick, Witz und Götterglaube entkommen könnte. Hier und jetzt in einer Grotte die zur hälfte mit brackigem Wasser geflutet ist konnte er nur hoffen überhaupt an einem Stück gefunden zu werden.
Plötzlich zuckt er zusammen und hebt den Kopf, er muss wohl eingeschlafen sein vor Erschöpfung, wie lange er geschlafen hat weiß er nicht. Da er noch lebt und keine der Ratten ihn angenagt hat kann es aber nicht lange gewesen sein stellt er erleichtert fest. Plop! Da war wieder das Geräusch von dem er geweckt wurde. So leise wie möglich greift er neben sich um die Armbrust aus dem in Öltuch zu befreien. In einem Ogerarsch könnte es nicht dunkler sein, dennoch kann Skor die Waffe spannen und sogar einen Bolzen einlegen. Plop...Plop! Vorsichtig tastet sich Skor zum Ausgang der Grotte und späht in den Gang, ein dumpfes Licht hüpft auf ihn zu. Eine Gestallt in einem dunklen Mantel und einem Hut aus dunklem Stoff trägt eine Laterne vor sich her und spießt mit einem metallenen Stab Ratten auf. Plop! Und diesmal hört Skor auch das Quiieeck bevor das zappelnde Tier stirbt. Scheinbar zufrieden mit seiner Treffsicherheit nickt der Kerl, betrachtet die fette Ratte und verfrachtet sie in einen Jutebeutel. Durch die Dunkelheit vor den Blicken des Rattenfängers geschützt verhält er sich still und beobachtet den Mann. Eideutig ein Mensch mit langen verfilzten Haaren dessen Farbe Skor nicht erkennen kann, dafür reicht das Licht nicht aus. Außer dem speerartigem Rattenspieß sieht er keine Waffen und so beschließt er heldenmutig oder total verzweifel sich dem Fremden gegenüber zu stellen. Mit gespannter und angelegter Armbrust tritt er langsam und vorsichtig, schließlich will er auf dem glitschigen Untergrund nicht ausrutschen in den Tunnel. Überrascht und erschrocken bleibt der Rattenfänger stehen und hebt seine Arme halbherzig hoch. „ Hey, hey! Mach bloss keine Dummheiten mit dem Ding da.“ grient er „ Wenne was von den Viechern abhaben willst....ich hab auch nur Hunger, weißte!“ Ein zahnloses Grinsen schmückt sein bärtiges Gesicht in der Hoffnung Skor zu überzeugen das er nichts böses will. Dessen Nerven sind bis zum zerreissen gespannt, trotz der kühle in den Tunnel ist im plötzlich ganz heiß. Bisher hatte er nie alleine einem möglichen Feind gegenübergestanden, immer war Bregond bei ihm gewesen, dies war eine neue und völlig andere Situation. „ Hör zu Alter, ich will deine Viecher nicht“ sollte er zugeben das er sich verlaufen hatte, oder ihm einfach nur die Laterne abnehmen? Er könnte ihn einfach erschießen, ja das könnte er tatsächlich. In dem Tunnel und der kurzen Entfernung würde er ihn unmöglich verfehlen. Alles würde gut werden und um diesen rattenfressenden Alten wäre es doch nicht schade, niemand würde ihn vermissen und er würde mit seiner Ausrüstung den Weg zur Grotte mit der Dämonenleiche finden und dann als Held zurück kehren. Ja das war ein guter Plan! Skor verzieht das Gesicht zu einer finsteren Grimasse, langsam hebt er die Armbrust an. Der Alte wäre nicht so alt geworden wenn er nicht auf der Hut wäre. Gerade hier unten trieb sich gerne der Abschaum der Gesellschaft rum, meistens ließen sie ihn ruhe und stehlen ihm nur seine Beute. Doch dieser da vor ihm war anders, diesen Gesichtsausdruck hatte Rattenhain schon gesehen. Der Mann vor ihm war nicht er selbst und nicht bereit zu verhandeln. Ruckartig reist er den Arm hoch und wirft Skor den Jutesack entgegen. Rattenhain hört das surren der Armbrust und den dumpfen Aufprall, der Bolzen hatte den Jutesack und die darin befindlichen Ratten durchschlagen. Doch der Sack hat die Flugbahn verändert und ihn so nicht tödlich getroffen, sondern nur am Arm gestreift. Bevor der wahnsinnige Mann seine Waffe nachladen kann läuft Rattenhain schreiend davon und ziemlich schnell aus dem Blickfeld von Skor, der sich verwundert über sich selbst über die Augen streicht. Der Alte war weg, seine Laterne hatte er auf der Flucht fallen lassen und ihr Licht leuchtet immer noch dumpf in der Dunkelheit. „ Fressen oder gefressen werden“ raunzt er und hebt das rettende Licht auf und macht sich in entgegen gesetzter Richtung davon.
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Bregond

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Sonntag, 13. April 2014, 11:24

Skor!
Wie auch immer er es geschafft hat kommt Skor tatsächlich in die Grotte mit der Säule in der Mitte. Er hat nicht darüber nachgedacht wohin er geht war einfach gelaufen, niemand hat ihn verfolgt und er traf auch sonst auf keine Schwierigkeit seit er das Licht von Rattenhain trägt. Die Rampe liegt vor ihm wie Bregond sie ihm beschrieben hatte und im Kegel seiner Laterne erkennt er deutlich die kegelförmige Säule. Langsam und fast ehrfürchtig nähert er sich dem Ort, stellt die Laterne auf den Boden und spannt seine Armbrust, ein kribbeln läuft durch seinen ganzen Körper, plötzlich hat er das Gefühl das tausend Augen ihn beobachten, hastig dreht er sich im Kreis um seine Umgebung zu überprüfen, aber außerhalb des Lichtkegels ist alles in schwarze Düsternis gehüllt. Fröstelnd nähert er sich dem Felsen der von verkrustetem Blut schwarz verfärbt es, es muss verdammt viel Blut gewesen sein stellt Skor ängstlich fest. Doch ist kein Körper zu sehen, nichts was Bregonds Geschichte von einer wunderschönen Frau im Stein beweist. Vorsichtig lässt er seine Finger über den glatten Stein der Säule wandern. Unbemerkt vom Möchtegernhelden im Hintergrund der Grotte sammelt sich in der Düsternis ein grünlich-schwarzer Nebel von dem eine unnatürliche Kälte ausgeht eine Grabeskälte die nach Knochen und Bein greift. Erst als diese Schwaden schon um seine Beine wabern begreift Skor das dies nicht natürlich ist, doch ist es schon zu spät. Er ist unfähig sich zu bewegen, mit weit aufgerissen Augen und einem stummen Schrei schießt er in die Dunkelheit und tatsächlich hört er den dumpfen Aufprall seines Bolzen. Nutzlos fällt seine Armbrust aus seinen tauben Fingern zu Boden, als er sieht was er getroffen hat. Ein Mann war es wohl einst, groß mit kahlem bleichen Kopf. Seine Haut ist fleckig und und löchrig, ebenso sehr wie seine einst wohlhabende Kleidung. Tote kalte Augen fixieren Skor in hungrigem Glanz, langsam aber unaufhörlich schlurft der ehemalige Händler auf Skor zu, der immer noch unfähig ist sich zu bewegen. „ Verdammt noch mal, bist du bescheuert LAUF“ hört er plötzlich eine Stimme hinter ihm, ein sich schnell bewegender Schatten huscht an ihm vorbei und er hört ein Plop als Rattenhain wie aus dem nichts auftauchen. Der Alte schlägt dem Untoten, den nichts anderes als ein Guhl steht hier vor den beiden, die Beine mit seinem Rattenspieß weg. Es lässt ihn straucheln, aber nicht stürzen. Doch genau dieser Augenblick reicht um Skor zur Besinnung zu bringen, gemeinsam mit Rattenhain rennt er die Rampe hoch. Warum der Alte hier ist und warum er ihn gerettet hat, fragt er sich ebenso wenig wie er seine Armbrust mitnimmt oder die Laterne mit dem Licht. Er rennt nur, er rennt um sein Leben!
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Bregond

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5

Montag, 14. April 2014, 12:54

Skor

Panisch vor Angst folgt Skor dem Rattenmann durch die gewundenen Gänge, halbgemauerten Tunneln und zum teil eingestürzten Schächte, eine Flucht geprägt von Stürzen ins kniehohe faulige Wasser. Trotz seines Alters ist Rattenhain schnell und flink, auch wenn seine Bewegungen mitunter abgehakt und seltsam aussehen. Ja Aussehen, Skor kann ihn sehen und er kann auch sein direktes Umfeld erkennen, doch wendet er seinen Blick von ihm ab ist nur schwärze um ihn herum und die Gewissheit das der Ghul seine Fährte aufgenommen hat und unaufhörlich hinter ihm her ist. Sie steigen eine eiserne Leiter weiter in die Tiefe und folgen einem Tunnel der trockener ist, als die letzten, rutschen eine alte Kohlerutsche herunter durch einen glatten schwarzen Schacht, immer Tiefer in die Erde. Sein Herz schlägt schnell und sein Atem kommt nur noch stoßweise,alle Knochen tun ihm weh und alle Glieder schmerzen zum zerreissen gespannt.
Ich darf ihn nicht verlieren, ich darf ihn nicht aus den Augen verlieren in dieser Düsternis. Denkt sich Skor und humpelt mehr als das er läuft hinter Rattenhain her.
Irgendwann bleibt er stehen und dreht sich zu dem angehenden Silberschmied um „ Man watt bisse für ein Arsch“ schnauft dieser ihn an „ Kommst ausser feinen Stadt runter zu uns, machst einen auf dicke Hose und rennst natürlich direkt in die nächste Scheiße.“ Skor starrt ihn nur wortlos an, ihm fehlt die Luft um eine passende Antwort zu geben oder sich auch nur ansatzweise zu bedanken. Der Alte nickt ihm dann zu und grinst ihn Zahnlos zu. „ Na da hasse ja Glück gehabt das Rattenhain nicht nachtragend is, wah?“ Unter seinem dunklen Mantel holt er eine bauchige Flasche hervor und entkorkt sie mit dem letzten verfaulten Zahnstummel. „Willste?“ Großzügig hält er ihm sie unter die Nase und ein atemraubender Gestank, begleitet von einem brennen in den Augen breitet sich wie eine giftige Wolke unter ihm aus. „Is gegen alles“ grinst er wieder und nimmt einen Tiefen schluck, bevor er sie wieder verkorkt und wieder unter seinem weiten Mantel verstaut. „ Los Jungchen, heb deinen stinkenden Kadaver hoch, dein Freund is da draußen und der riecht deine Angst.“ Wie zum Beweis hören sie beide wie weit hinter ihnen etwas die Kohlenrutsche herunterkommt. Skor versucht auf zu stehen, rutscht aus und landet auf den Knien. „Warum?“ keucht er an Rattenhain gewannt. Doch dieser Antwortet nicht, reißt ihn am Arm hoch und schleift ihn fast mit. An die folgenden Stunden kann sich Skor nicht mehr erinnern. Tunnel,Gänge,Schächte und Treppen. In Stein gehauen, Eisenleitern und Durchgänge so eng das sie krischen mussten, auf allen vieren wie Tiere. Und die ganze Zeit hatte er Angst um sein Leben, kreisten seine Gedanken um Rattenhain, den Ghul, eine barbusige rothaarige Schönheit, einen schwarzen Elben, eine Waldelenprinzsessin mit goldenem Haar um eine Rotkapuze im Larisgrün und alle lachten ihn aus, zeigten mit den Fingern auf ihn und spotteten über ihn. Spiralförmig dreht sich alles um ihn und das letzte woran er sich erinnert das er auf dem Boden liegt und Rattenhain sich über ihn beugt, dann wird es dunkel!
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Bregond

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6

Donnerstag, 17. April 2014, 23:02

Skor!

„ Nu mach schon! Los mach die verdammten Augen auf und heb deinen Arsch hoch“ raunzt in eine unbekannte Stimme an. Skors Augen sind dick verquollen, sie fühlen sich an als wenn sie voller Sand währen. So sehr er sich bemüht ihm gelingt es nicht die Augen zu öffnen, auch kann er sich kaum bewegen, geschweige den Aufstehen. „ Mann Alter was haste da wieder angeschleppt“ hört er die neue Stimme erneut. Eindeutig befinden sie sich nicht mehr in einem feuchten, stinkenden Tunnel. Er liegt zusammen gekrümmt auf einer Pritsche, zugedeckt mit einer löchrigen Wolldecke. Brennende Schmerzen durchziehen seinen ganzen Unterleib, er hat Durst und ihm ist speiübel. Als er versucht zu sprechen, platzen seine trockene Lippen auf und nur ein krächzen ist zu hören. Kraftlos und ohne zu wissen wo er ist fällt sein Kopf auf die Pritsche zurück und er fällt in eine tiefe Ohnmacht.
Schweissgebadet wacht er auf, seine Augen brennen wie Höllenfeuer darüber hinaus füllt er sich ausgedörrt. Vorsichtig setzt sich Skor auf, seine Arme zittern vor Anstrengung bei dem Versuch und nur mit mühe kann er sich an die Wand hinter ihm anlehnen. In dem Raum in dem er sich befindet brennen mehrere dicke Talgkerzen und tauchen alles in ein unwirkliches Licht. Gemauerte Wände beherbergen zahlreiche Nischen in denen allerlei untergebracht ist. In einer Ecke baumeln tote Ratten an Lederschnüren von der Decke und eine schwere mit dunklem Metall beschlagende Türe verschließt den einzigen Ausgang. Gegenüber der Türe und rechts von seiner Schlafstatt steht ein wie verwachsen ein aus Stein gehauener Quader, auf dem Holzschalen stehen die leise vor sich hin qualmen und alles mit einem süßlichen Geruch übertünchen. Erschöpft fällt im sein Kinn auf die Brust, unfähig seine Augen wieder zu öffnen versinkt Skor in einen traumlosen dunklen Schlaf.
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Bregond

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7

Freitag, 18. April 2014, 12:19

Skor!

Wieder erwacht er durstig und total erschöpft. Der Schlaf hatte ihm nicht die erhoffte Erholung gebracht. Er ist immer noch alleine in dem Raum, nichts zu sehen von Rattenhain dem Alten aus den Kanälen. Vorsichtig und sehr behutsam richtet Skor sich zur hälfte auf, der Schmerz in seinem Unterleib ist nicht mehr ganz so stark und es gelingt ihm die Beine über die Bettkante zu schwingen. Auf dem Boden liegt die bauchige Schnapsflasche von Rattenhain, doch der sie ist entkorkt und leer. In seiner Situation und seinem unmenschlichem Durst hätte er wahrscheinlich sogar das widerliche Gebräu getrunken. Langsam blickt er an sich herunter, ein dreckiger blutgetränkter Verband ist um seinen Bauch angelegt worden. Ihm wird übel und ein Schwindel macht sich in ihm breit. Wieso konnte er sich nicht erinnern, hatte der Ghul sie letztendlich doch erwischt was war geschehen?
Etwas abseits auf dem Boden liegt eine Holzschale und ein Haufen blutiger Tücher, irgendwer hatte sich um ihn gekümmert um ihn dann hier liegen zu lasen, all dies passte nicht zusammen. Sollte dies das Ende seines Heldenlebens sein, würde er je seinen Freund wiedersehen, würde er jemals wieder das lachen Lyonas hören? „ Ja das werde ich“ flüstert er heiser und mit brüchiger Stimme. Trotzig versucht er auf zu stehen, doch sein Körper ist zu geschwächt vom Blutverlust und so bricht er vor seiner Pritsche zusammen und fällt in eine nicht so traumlose Ohnmacht wie beim letzten mal.

Verstohlen blickt er sich in den Gasse um, sie ist wieder Erwartens leer, ein feiner Bodennebel nicht mehr als Kniehoch wabert durch die Gasse und ein für die Mittagszeit unmöglich diffuses Licht erhellt alles um ihn herum. Jeder Schatten scheint ein Eigenleben zu führen und nach Skor zu greifen. Dunkle Hände, nein Krallen greifen nach ihm, kalter Schweiß läuft ihm den Rücken herunter und verzweifelt versucht er einen Ausweg aus dieser Alptraumhaften Situation zu finden. An einem Hauseingang der etwas nach hinten gebaut ist lehnt ein junger Seemann in dunkelvioletten Pluderhosen und einer Handtellergroßen Gürtelschnalle, in seiner Hand hält er eine schwere Tonflasche, mit der anderen winkt er Skor zu sich. Keinen Schritt kann der junge Mann tun, seine Beine werden von Schattenhaften Klauenhänden festgehalten die sich schmerzhaft in sein Fleisch bohren. Als er Aufblickt steht der Seemann immer noch dort an der Türe, doch sein Gesicht ist zu einer Totenfratze verzogen und aus seinem Mund fressen sich unzählige Maden und Käfer und ergießen sich über sein Gesicht. Skor will nur noch fliehen, aus dieser Gasse fliehen, doch immer noch halten ihn die Klauen und ziehen ihn langsam aber stetig nach unten. Panik überfällt ihn, er will nicht so enden wie der Seemann der nun völlig und in einer aberwitzigen Geschwindigkeit vom Ungeziefer verschlungen wird. Sie scheinen zu einem schwarzen Körper zu verfestigen. Unbeholfen aber zielstrebig und unaufhaltsam richtet er sich auf und wendet sich zu Skor um. Tausende schwarze Fliegen umgeben ihn wie eine unheilbringende Wolke und als es sein Maul aufmacht quellen Maden daraus hervor. Skor ist absolut starr unfähig seinen Blick abzuwenden von diesem grausigen Anblick. Ers als er ein raschelndes, kratzendes schmatzendes Geräusche hört schaut er nach unten. Unter ihm hat sich ein Maelstrom geöffnet aus dem Würmer, Asseln und Käfer auf ihn zu krabbeln und ihn verschlingen!
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Bregond

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Donnerstag, 24. April 2014, 19:50

Skor!

Die Kerzen sind niedergebrannt als Skor das nächste mal erwacht, eine beängstigende Düsternis liegt in der Steinkammer und lässt ihn frösteln obwohl sein Körper in Flammen zu stehen scheint. Viel zu erschöpft um nur den Kopf zu drehen, geschweige den sich zu erheben lauscht er nach irgendeinem Geräusch das ihm verrät wo er sich befindet. In welcher verflucht misslichen Lage er sich durch sein Handeln gebracht hat. Verzweiflung steigt in ihm hoch, als er an den Zettel denkt den er im Turm hinterlassen hatte. Niemand würde ihn vermissen, keiner würde sich auch die Suche nach ihm machen in den nächsten fünf Tagen und er würde in diesem Zustand keine fünf Stunden mehr überleben. Plötzlich ein leises rascheln hinter ihm, mit aller kraft die ihm noch verblieben ist dreht er den Kopf und schaut an sich herunter, zwei paar blitzende Augenpaare huschen unter die Pritsche und warten scheinbar nur darauf das er wieder in Ohnmacht fällt. Ratten! Schießt es ihm durch den Kopf, verfluchte Ratten. Er musste sich unter allen umständen zusammenreißen, ein Held würde auch nicht jammern und sich von Ratten fressen lassen. Doch alle seine Anstrengungen führen nur dazu das sein Körper endgültig strikt, seine Augenliedern flattern, er beginnt zu zittern vor Hitze und Kälte gleichermaßen. Kurz bevor er das Bewusstsein verliert wird die schwere Holztüre geöffnet und eine gestallt mit einem strahlend blendendem Licht humpelt hinein.

Langsam öffnet Skor die Augen, gewöhnt sich an das Licht das wie heiße Nadeln in sein Hirn sticht. Erleichtert stellt er fest das er noch lebt, jemand der schmerz spürt lebt noch hatte sein Vater immer zu ihm gesagt wenn er wieder einmal zu viel getrunken hatte und sein Hirn voller Amboss schlagender Wichte war, die lauthals schweinische Zwergenlieder grölten. Er liegt auf einem Holztisch, seine Beine und Arme an den Gelenken mit schweren Lederbändern festgebunden, etwas unnötig wie Skor in seinem Fieberwahn anmerkt. Wie sollte er fliehen, die Kraft die er dafür brächte war längst verflogen. Immer noch ist er nur mit seiner Hose bekleidet, doch scheinbar hatte man ihm etwas zu trinken gegeben, denn sein Durst war nicht mehr so stark. „ Ah unsere Prinzessin geruht ausgeschlafen zu haben.“ Die Stimme kommt so unerwartet für Skor das er vor Schreck die Augen ganz aufreißt, nur um vor stechendem Schmerz in seinem Kopf wieder zusammen zu zucken. „ Vorsicht, vorsicht mein jungchen wir wollen doch nicht das du gleich wieder wegsackst. Du musst doch mit mir reden.“ Eine haarige feingliedrige Hand kommt zum Vorschein mit einem großen nassen Schwamm. Es ist eine Erleichterung das kühle Nass auf seiner Haut zu spüren und Skor schließt dankbar die Augen. „ Weißt du, wenn du nicht mit mir redest kann ich doch nicht wissen was du spürst, verstehst du?“ Ein leises kichern lässt Skor wieder die Augen öffnen und was er sieht weiß er nicht richtig ein zu ordnen. Vor ihm steht ein Mann mit grauem schütteren Haar und einem verfilztem Bart, wenn Skor stehen könnte würde ihm den Mann bestimmt nur bist zur Brust reichen. Seine Schultern und sein Brustkorb sind am ehesten mit einem Fass zu vergleichen und irgendetwas an ihm lässt Skor an einen Zwergen denken. „ Schön, schön das du jetzt wieder wach bist, ich dachte schon der dämliche Rattenhain hätte dich verrecken lassen in seinem Loch. Sei froh das ich dich gefunden habe.“ Der bärtige steckt ihm zum Gruß die Hand hin, schaut dann auf die gefesselten Arme von Skor stutzt kurz und lacht dann etwas unkontrolliert. „ Es ist nicht schlimm wenn du zur Zeit etwas gebunden bist, wir werden uns später die Hand reichen. Dich hat es schlimm erwischt da unten in den Kanälen, sei froh das ich dich gefunden habe und dich davor bewahrt habe als Rattenfutter zu enden. Du fragst dich bestimmt wer ich bin und warum du gefesselt auf meinem Tisch liegst! Gut so, das hält deinen Geist wach und du hast was worüber du nachdenken kann, bis ich wieder komme. So und nun tue mir einen Gefallen und stirb nicht weg, ich bin nicht lange weg.“ Kichernd dreht sich der alte weg und verlässt mit der einzigen Lichtquelle den Raum und lässt Skor sprachlos und völlig verängstigt zurück.
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Bregond

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Freitag, 25. April 2014, 22:36

Skor!

Gebratenes Hühnchen, der Duft von gebratenem mit Honig und Kräutern bestrichenes Hühnchen weckt ihn auf, reist ihn aus Düsternis und Verzweiflung und erfüllt ihn mit Hoffnung. Die Kammer ist in sanftes Kerzenlicht gehüllt das von dicken tropfenden Wachskerzen gespeist wird. Das bärtige Gesicht taucht in seinem Blickfeld auf und ehrliche Freude spiegelt sich in seinen Augen. „ Ah du bist wieder wach, das ist gut mein Junge. Die ganzen Heiler schwören ja darauf das Körper im Schlaf heilt und sich erholt, aber mal unter uns. Schlafen können wir noch genug wenn wir tot sind, oder?“
Erst jetzt bemerkt Skor das seine Handgelenke nicht mehr gebunden sind, vorsichtig schaut er an sich herunter. Irgendwer hatte ihn gewaschen und ihm einen neuen Verband angelegt, ja sogar rasiert ist er. „ Wer seit ihr?“ bringt er irgendwie über die Lippen und es hört sich an wie das unharmonische krächzen einer Nebelkrähe. Der Alte dreht sich um und schaut ihn eingehend einen Augenblick an, dann verzieht er seinen Mund zu einem Haifischgrinsen. „ Ach herje mein Junge, du kannst ja sprechen, das ist schön aber streng dich nicht an, du bist noch zu erschöpft.“ Vorsichtig tupft er Skor die Stirn mit einem Nasen Tuch, fast zärtlich streicht er ihm eine widerspenstige Strähne aus dem Gesicht. „ Nenn mich Azgaral“ raunt er ihm entgegen, dann dreht er sich wieder weg und hantiert an seinem Tisch herum „ Du musst hungrig sein Junge, das Huhn hier hab ich selber zubereitet, es wird dir Kraft geben. Du wirst Kraft brauchen in nächster Zeit, weißt du?“
Nein Skor weiß nicht, er weiß nicht so recht wo er sich befindet, er weiß nicht wer dieser abgebrochene Zwerg ist und auch nicht was dieser mit ihm vor hat, was er weiß ist allerdings das er tatsächlich Hunger hat und als Azgaral ihm etwas Huhn in den Mund schieb, schlingt er es begierig herunter so als wenn er tagelang nichts mehr gegessen hatte. „ Langsam Junge, dein Körper wird sich wehren wenn du so schlingst“ und tatsächlich wie zur Bestätigung verschluckt er sich und hustet kräftig.
Nachdem er etwas Huhn gegessen hatte legt sich Skor erschöpft zurück. „ Warum?“ fragt er noch, doch der Zwerg winkt ab und bringt ihm zum schweigen. „ Ich habe dich gefunden Junge, dein Peiniger Rattenhain hat es erwischt. Irgendwer oder irgendwas hat ihm den Schädel eingeschlagen und sein Hirn an den Tunnelwänden verteilt.“ Sofort fällt Skor der hungrige Ghul ein, der bestimmt immer noch nach ihm sucht. „ Du hast eine schlimme Bauchwunde, wenn ich dich nicht gefunden hätte wärst du jetzt ebenfalls Futter für die Ratten. Den meisten hier unten würdest du am Arsch vorbei gehen mein Junge, aber ich habe nun mal ein gutes Herz und zu deinem Glück kenn ich mich in der Heilkunde aus. Ich war vor zehn Jahren im Feldlazarett dabei als Talyra gegen die Narge gezogen ist, das grauen welches ich dort gesehen habe kannst du dir nicht vorstellen mein Junge. Blut, Erbrochenem und Scheiße stand mir bis zu den Knien. So etwas prägt einen, man verändert sich weißt du? Aber die feinen Heiler und Gardemagier haben gesagt der Krieg hätte mich Wahnsinnig gemacht. Verjagt haben sie mich und mir untersagt meine Heilkunst anzuwenden, ich bin ein Meister in dem was ich tue und nun soll ich etwas anderes machen. Aber nicht mit mir, nicht mit Azgaral.“
Begierig mehr über den Zwerg zu erfahren beugt sich Skor etwas vor um zu sehen was der Zwerg macht, doch hat er ihm den Rücken zugewannt. „ wenn sie meine Arbeit sehen werden sie mich wieder mit offenen Armen empfangen und sich bei mir entschuldigen, jawohl das werden sie...“
Das darauf folgende murmeln, fluchen und kichern bekommt Skor nicht mehr mit, eine unnatürliche Müdigkeit macht sich in ihm breit und lässt ihn in traumlosen Schlaf versinken.
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Bregond

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Donnerstag, 1. Mai 2014, 13:34

Skor!

Azgaral beugt sich freundlich lächelnd über Skor, sein Blick ist klar und zum ersten mal seit einer gefühlten Ewigkeit hat er weder Durst noch verspürt er einen übermäßigen Schmerz, nur noch ein leichtes ziehen im Bauch. „ Schön das du wach bist Junge, deine Wunden verheilen gut, ja sehr gut sogar. Es wird allerdings eine hässliche Narbe zurück bleiben mit der du dann bei der Damenwelt angeben kannst.“ Sein lächeln verwandelt sich in ein diebisches Grinsen bevor er sich wieder seinem Arbeitstisch zuwendet.
Skor versucht sich aufzurichten, doch immer noch halten kräftige Lederriemen an seiner Pritsche fest. „ Ah Vorsicht, nicht bewegen nicht das die naht wieder aufgeht, ich wußte schon warum ich dich festgebunden habe, jaja“ Der Halbzwerg dreht sich wieder zu ihm um mit einer kleinen Holzschale in der Hand, sein lächeln ist verschwunden und er schaut Skor ernst an. „ Du musst jetzt stark sein mein Junge.“ er senkt seine Stimme zu einem flüstern, so als wenn er Angst hätte das ihn hier irgendjemand hört. „ Was immer dich da unten so zugerichtet hat, es hat dir mehr zugefügt als eine Bauchwunde. Ich weiß noch nicht was es ist, es wuchert wie ein Pilz und lässt...nun wie soll ich es sagen, es lässt dich verfaulen.“ Skor reißt die Augen auf und nur ein gekeuchtes „ wie?“ kommt über seine Lippen. „ Ich kann es eindämmen, ja das kann ich! Aber ich muss das übel entfernen“ er deutet auf Skors linke Hand die sich tiefschwarz verfärbt hat, gelber Eiter bildet dicke Krusten unter den Fingernägeln. Skor wird speiübel, er empfindet keinen Schmerz nicht mal ein Taubheitsgefühl, ja er kann die Finger sogar bewegen. Schwarze Panik umfängt seinen Geist mit Macht versucht er sich aufzurichten und reißt an den Bändern, doch das Leder hält und Azgaral drückt in sanft aber bestimmt wieder zurück. „ Ruhig mein Junge, ruhig. Du machst es nur noch schlimmer, denk an deine Bauchwunde, die hätte ich fast umgebracht. Ich kann dich wieder gesund machen, aber du musst mir helfen und das kannst du am besten wenn du dich nicht Aufregst. Ich kann ja verstehen das dich das aus der Fassung bringt, ja ruhig!“ Der Zwerg streicht ihm eine Strähne aus der inzwischen klatschnassen Stirn. Langsam beruhigt sich Skor, sein Atem geht gleichmässiger, die Panikattacke ebbt wieder ab. Er schaut den Zwerg an, seine Lippen sind trocken und seine Stimme brüchig „ Wie könnt ihr mir helfen?“ er kennt die Antwort schon bevor der Heiler es ausspricht. Skor ist nicht dumm und hat schon genügend Kriegsverletzungen gesehen und als der Zwerg ihm erklärt was er vorhat nickt er nur stumm.
Azgaral kocht Wasser in einem Kupferkessel und hantiert mit metallenen Werkzeugen, zumindest hört sich es für Skor so an, er hat die Augen geschlossen und hat sich seinem Schicksal ergeben. Der Zwerg hatte ihm erklärt das er Sterben würde, wenn sie das unvermeidliche hinausschieben würden. Das der Pilzbefall seinen Arm herauf kriechen würde, sich ausbreitet wie ein wucherndes Geschwür. Und Skor glaubt ihm jedes Wort als er auf seine Hand herunter schaut auch als der Zwerg ihm versichert das es ihm leid täte. An die folgenden Stunden kann er sich nicht mehr erinnern. Nachdem er einen heißen Kräutersud getrunken hatte war er in einen tiefen Schlaf gefallen, als er wieder erwacht traut er sich zuerst nicht an seinem Arm herunter zu schauen, fast spürt er seine Finger, glaubt sie Bewegen zu können. Hatte der Zwerg die Hand doch retten können? Doch dann sieht er den dicken Verband an seinem linken Arm, der ruhig auf seinem Bauch über der Decke liegt. „ Du wirst wieder gesund mein Junge, ich konnte den Pilz komplett entfernen. Du wirst wieder gesund!“ Azgaral tupft ihm die Stirn mit einem Tuch. Skor bleibt stumm, sein Blick auf den Stumpf gerichtet, wie sollte er je wieder seiner Arbeit nachgehen, er war so stolz auf seine erste selbständige Arbeit für den Feuerzwerg gewesen und nun würde er als Krüppel auf die Gutmütigkeit anderer angewiesen sein. Er ist ein solcher Narr, was hatte er sich nur gedacht, er war kein Held und nun würde er auch nie wieder einer werden.
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Bregond

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11

Sonntag, 4. Mai 2014, 21:54

Skor!

„ Weißt du eigentlich welch ein Glück du gehabt hast mein Junge das ich dich gefunden habe?“ Diesen Satz kann und will Skor nicht mehr hören, ja er hat den ganzen Arsch voll Glück! Irgendwo unter der Erde an einem Tisch angebunden mit einer langsam verheilenden Bauchwunde und einem Armstumpf. Eingesperrt mit einem Zwerg und seinen Folterinstrumenten und seinen ständigen Lobpreisungen auf sich und seine Künste. Er verfällt immer mehr in Depressionen und Selbstmitleid, denkt immer wieder an die verpassten Möglichkeiten und Chancen die er ausgelassen hatte in seinem Leben. Was war er schon noch wert, selbst wenn er jemals wieder dieses Loch, das der Zwerg liebevoll sein Zuhause nennt, verlasen würde. Seine angehende Karriere als Kunstschmied ist in ungreifbare Ferne gerückt, nie wieder würde er für seinen Herrn und Freund Arbeiten können, und er würde einen Teufel tun ihm oder gar Lyona auf der Tasche zu liegen. Das viele andere Gliedmaße im Kampf oder durch Unfälle verloren hatten und dennoch ein glückliches und wertvolles Leben führen entzieht sich in der jetzigen Situation Skor völlig. „ Jungchen, auch wenn du mir nicht glaubst in meinem früheren Leben war ich genau auf solche Verletzungen wie du sie jetzt hast spezialisiert.“ Vorsichtig macht er sich daran den Verband zu lösen und die Wunde mit einem Kräutersud zu beträufeln, leichter brennender Schmerz breitet sich in seinem linken Arm aus , doch es ist zu ertragen. Füllt es sich fast so an als wenn tausend Armmeisen über die Haut krabbeln. „ Ich kann verstehen was nun in die vorgeht mein Junge, ja wirklich“ bestätigt er den fragenden Blick von Skor und nickt dabei heftig.
Skor glaubt ihm kein Wort, er hatte schließlich noch beide Hände. Schnaubend wendet er sich ab und starrt schweigend die Wand an, lässt sich aber ohne sich zu wehren seine Wunde weiter behandeln. „ Du solltest dankbarer sein mein Junge, ja das solltest du. Du benimmst dich wie eine Hafenhure der man ihr liebstes Spielzeug genommen hatte. Sei froh das du noch lebst, das ist mehr als ich noch vor ein paar Tagen erwartet hatte“ fügt er leise hinzu.
Es dauert nicht lange da ist der neue Verband sauber und Fachgerecht angelegt und auch die Bauchwunde ist gereinigt und neu Verbunden. Zu seiner Verwunderung legt der Zwerg ihm wieder die Fesseln an, doch dieser schweigt weiter und denkt gar nicht daran sich zu erklären. Seltsam still und in sich gekehrt packt er einige Gegenstände in einen Rucksack, zündet einige dicke Kerzen an und stellt Skor eine Flasche neben die Pritsche die er trotz der Fesseln erreichen kann, dann dreht er sich zu ihm um, schaut ihm kurz in die Augen und verschwindet ohne ein Wort durch die schwere Holztüre die knarrend ins Schloss fällt.
Alleine in seiner Zelle, den nichts anders ist das zuhause von Azgaral zur Zeit für Skor denkt er als erstes daran sich zu befreien und zu fliesen, doch die Fesseln halten allen seinen Bemühungen stand . Und irgendwann gibt er matt und erschöpft auf, fällt zurück aufs Bett. Seinen Heldenmut beraubt liegt er da und hört seinen eigenen Herzschlag der ihn zwar daran erinnert das er noch lebt, doch wie lange würde das noch so sein, war der Zwerg wirklich daran interessiert ihn zu heilen oder suchte er nur ein Versuchskaninchen für seine kranken Experimente?
Die Kerzen sind fast niedergebrannt als sich die Türe wieder öffnet und der Zwerg Azgaral den Raum betritt, kurz schaut er sich um vergewissert sich das ihm niemand gefolgt ist dann verschließt er die Türe mit einem Riegel von innen. Skor meint ihn etwas von guten Riemen murmeln zu hören ist sich aber nicht sicher, da er den Mann links liegen lässt und ihn nicht beachtet. Neugierig regt Skor den Hals um etwas zu sehen, doch immer verstellt der Zwerg ihm geschickt das Blickfeld. „ Auch wenn du es nicht verdient hast du undankbarer Junge, ich war für dich bei einem alten Freund von mir, er war mir noch etwas schuldig“ ein unkontrolliertes kichern lässt die Schultern Azgarals erzittern bevor er fortfährt „ Er wird es nicht mehr brauchen und dir wird er nützlich sein“ Der Zwerg dreht sich um und zeigt Skor eine Hand wie er im ersten Moment glaubt, er schreckt etwas zurück und malt sich aus wie er ihm eine Fremde Hand an den Arm näht wie einen Knopf. Doch dann tritt der Zwerg näher an ihn heran, er hält keine Hand sondern einen Panzerhandschuh in den Händen. Skor ist kein Soldat oder Krieger, einen solchen Handschuh hatte er noch nie gesehen und seine Augen leuchten fast fiebrig als er ihn erblick. Der Handschuh ist aus gelblich schimmerndem Metall über der Handfläche sind Verzierungen und Runen eingegraben die der junge Mann nicht versteht, am Handgelenk windet sich wie eine Schlange ein Armband um Daumen und Zeigefinger und verbindet jeden Finger einzeln. Der Oberarm wird zusätzlich durch einen Spitzzulaufende Metalldorn geschützt. Drei Löcher über den Handknöcheln verbergen Metalldornen, ebenso unter der Abdeckung am Unterarm. Noch während Skor den Handschuh bewundert macht sich Azgaral daran den Verband am Armstumpf zu lösen. „ Keine Zeit, solange es noch frisch ist“ murmelt er vor sich hin und gerade als Skor ihn fragen will was das zu bedeuten hat schlägt der Zwerg ihm genau auf die Nase und es wird dunkel!
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Bregond

Herr Bergland

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12

Montag, 12. Mai 2014, 22:54

Der alte Teeladen
Das Licht der Druidin lässt die Welt hier unten anders aussehen, als es Bregond in Erinnerung hat. Sie passieren schweigend alte gemauerte Rundbögen, weichen geschickt den Zuläufen aus durch die immer wieder neues Abwasser und Unrat in die Kanäle gelangt. Bregond ist sich der Gefahren hier unten durchaus bewusst, dennoch fühlt er sich sichtlich beschwingt. Er ist mit starken Verbündeten hier unten, was sollte ihnen schon passieren, das letzte mal war er allein und ohne Hoffnung in den Tunneln, dies war jetzt anders, alles würde gut gehen. Die Zauberhafte Lyona war gleich hinter ihm, deutlich kann er ihren Atem hören. Eine Druidin, stark in der der Macht Eas und selbst der kräftige Nordmann waren ihm gefolgt, warum konnte er nicht sagen, aber er ist froh das er dabei ist. Das seine Zuversicht nicht die seine ist, wird ihm nicht bewusst. Selbst dann nicht als er eine lächelnde und mutige Lyona sieht die ihn fast überholt.
Der Elb hofft einfach das Skor sich an seiner Beschreibung gehalten und, und so führt Bregond die Gruppe zielstrebig und ohne Umwege in die Höhle in der er die vermeidliche Dämonin getötet hat. Die steinerne Rampe liegt genau so vor ihm wie er sie in Erinnerung hat, auch die Kegelförmige Säule. Just in diesem Augenblick verlischt der Lichtzauber Lorwens, doch die Düsternis hüllt sie nicht ein wie erwartet, ein ungesundes rötlichess Glimmen geht von der Säule aus und lässt alles unwirklich erscheinen. Bisher wurde nicht viel gesprochen und auch nun besteht für Bregond nicht der Sinn danach. Kurz überlegt er in den Schatten ab zu tauchen, sich auf sich verlasen, noch konnte er diesem Wahnsinn entfliehen, das konnte er bisher immer. Er ist ein Einzelgänger, einer der alleine immer am besten klar gekommen ist, wieso hatte er sie alle hierhin geführt, nein gelockt? Unterlag er einem Zauber, waren seine Freunde neue Opfer für die Dämonin und er hatte sie geradewegs zu ihr geführt? Nein! Das würde er nicht zulassen. Mit grimmigem Gesicht richtet er sich auf und stellt sich schützend vor Lyona, mit einer fließenden Bewegung zieht er Schattentod. Er würde nicht fliehen, diesmal nicht!
„ Wir brauchen wieder mehr Licht! Seit auf der Hut, dies ist der Ort an dem ich auf das Dämonenweib stieß.“ Sein Blick durchsucht die Grotte, doch nirgendwo kann er eine Spur von Skor erkennen, dennoch könnte er hier sein. Er weiß das die Felsengrotte größer war und einige Teile der Höhle nicht durch das rötliche Licht erhellt wurden, es besteht also Hoffnung. „ Licht“ zischt er leise und geht langsam die Rampe herunter.
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Lyona

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13

Mittwoch, 14. Mai 2014, 20:52

Finsternis und Gestank scheint alles zu sein, woraus diese himmelferne Welt gemacht ist. Da gibt es nur ein Gefühl, das einem aufkommen kann.
Schon einmal hat sie solche Angst gehabt. Und daran ist kein Räuber und kein Messer Schuld gewesen. Sie ist aufgewacht und die Furcht hat neben ihr gehockt und sich gleich auf sie gestürzt. Losgelassen hat sie für eine Ewigkeit nicht.
Es gibt ein Ende, redet sie sich ein, ein Ende, an dem sie etwas findet, nicht verliert. Sie schafft es schon, ganz sicher, das hat sie doch gesagt. Doch das Gefühl, dass alles um sie herum lauert und nirgendwo ein gefahrloser Flecken bleibt, lässt sie nicht los. Natürlich nicht, es ist überall Gefahr – und dennoch muss sie gehen.
Lyona weiß nicht, wo er plötzlich herkommt. Die Götter selbst müssen ihn gesandt haben. Ein Freund, ein Retter und natürlich eine Raubkatze. Er bringt kein wärmendes Fell mit, ist nur ein Bild oder nicht einmal das, so schnell ist er verschwunden in ihrem Selbst und gehört mit einem Mal zu ihr. Mut gibt er ihr und Entschlossenheit oder zeigt ihr vielleicht eher, wo sie die Stärke finden kann. Es ist wie ein Zauber – sie mag keine Zauber, aber wie soll sie fürchten, was ihr die Angst nimmt?
Sie steckt in einem stinkenden, tödlichen Rachen, doch nun erscheint er ihr schon wie ein gehbarer Weg. Da ist auch endlich Licht in dem Tunnel, als Lorwen zu ihnen stößt. Vielleicht stammt der Zauber von ihr. Bestimmt. Bei ihr ist Learcan, der Riese mit seinem Schwert. Warum?, denkt sie. Wegen Lorwen?

>Lyona bleibt immer in der Mitte<
, hört sie die Elbin sagen und will es gar nicht hören. Dabei weiß sie, dass sie nur froh sein kann.
So folgt sie Bregond, geht schnell wie er, von ähnlichem Mut getrieben. Nass ist es, kalt und außerhalb der Reichweite Lorwens Lichtkugel droht die Dunkelheit. Noch immer spürt sie, dass ganz nahe etwas Böses auf sie wartet, wenn es sie auch nicht mehr lähmt, nur alarmiert.
Nach unzähligen Schritten durch Tunnel und Abwasserströme erreichen sie einen Ort, den sie wiedererkennt. Es ist ein seltsames Gefühl, Bregonds Erzählung so wirklich zu sehen. Seltsam und ziemlich erschreckend. Auch Raubkatzen können sich fürchten. Doch sie ist mutig.
Mit einem Mal ist das gelbe Licht fort und weicht einem roten. Die Steinsäule in der Mitte des Raumes ist der Ursprung. Ein widernatürliches Leuchten ist es, das nicht viel erkennen lässt.
Bregond schiebt sich vor sie und versperrt ihr noch mehr der Sicht. Seine Konturen erscheinen undeutlich im Dunkeln. Für einen Moment formen sie sich zu denen eines anderen, der sich vor sie gestellt hat. Oh... Der Elb zieht sein Schwert und sie hat nichts anderes im Kopf als den Wunsch, eine Hand auszustrecken und ihn zu berühren.
Ebenso schnell ist sie wieder bei Vernunft und jeder Gedanke kreist um den roten Schein und das Böse, welches in ihm lauert. Bregond zischt nach Licht und welch Glück, dass sie Lorwen bei sich haben. Sofort entflammt sie einen neuen Lichtkreis um sie herum, der die Höhle großflächig erhellt.
Lyonas Augen huschen durch die Grotte und landen auf dem Boden vor der Säule. Kein Lebenszeichen sieht sie, nur zwei Dinge. Eine Armbrust – Skors Armbrust – und eine erloschene Laterne. Kurz stolpert ihr Herzschlag, dann kriecht langsam etwas in ihr hoch. Aber sie schafft es rechtzeitig, dieses Gefühl zu wandeln. Na toll, jetzt müssen wir diesen Mistkerl auch noch suchen!!
Das rote Glimmen, sie muss sich wieder darauf konzentrieren.

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Lyona« (14. Mai 2014, 21:53)


14

Donnerstag, 15. Mai 2014, 20:13

Lorwen hätte kein Licht gebraucht. Der rote Schein erinnert sie an so manche Straßenbeleuchtung, der Hafenviertel, wenn die letzte Arbeitslaterne erlosch und ein zweites Gesicht den Hafen überzeichnet. Es hatte ähnlich Schmieriges an sich, wie die Hurenhäuser und Absteigen mitsamt den Ausdünstungen. Einfach ekelhaft. Kaum die Heuer erhalten kehrten die Hoffnungslosen in die Gassen und Häuser ein und gaben ihren Lohn für entbehrungsvollen, langen Zeiten auf See schnell aus, bevor die Schiffe im Morgengrauen wieder aus fuhren. Die Druidin schüttelt den Gedanken ab.
Aber Mensch blieb Mensch.
Learcan jedoch ist angewiesen auf Licht, welcher Art auch immer und ihr war es wesentlicher lieber, wenn ein stinkendes Loch wie dieses, heller und freundlicher erschien als es war. Wie es mit Lyona bestellt ist, weiß Lorwen nicht. Sicher könnte sie besser sehen wie ein Mensch, aber ihre Züge wiesen viel menschliches auf. Bregond hätte jedoch keine Forderung, nach Magie wohlgemerkt, zischen müssen. Kaum erlischt der erste Kreis, kehrt ein etwas hellerer an des letzten Stelle. Sogleich stellt sich der dunkle Elb mit gezogener Klinge mit grimmiger Miene nun vor Lyona. Auch Lorwen stellt sich in den Kreis so, dass die Halbblütige die Mitte bildet und Learcan die restliche Seite mit seiner Statur füllen könnte. Jetzt fällt ihr auch wieder ein, woher sie dieses rote Zeug kennt. "Schaut von dem Glimmen weg. Es täuscht eure Augen. Schaut ihr zu lange hinein blickt ihr eurer größten Furcht ins Angesicht, aber es ist nicht echt!"

Langsam dreht sie sich und zwingt damit die ganze Truppe sich mitzubewegen. Mit einer filigranen Geste malen ihre Finger winzige Symbole.


"Bregond, Learcan ... von rechts... Sechs Menschen, in 70 Schritt. 68... 65."

Lorwen wartet ab, lauert, dreht ihren Stab in der Hand ohne dabei ein Laut zu verursachen. Ihr Körper und Verstand ist auf alles vorbereitet und doch strahlt sie diese Ruhe und Zuversicht aus, die ein Heerführer inne hat, auch wenn er die seinen direkt ins Verderben schicken muss.
Das, da ist sich Lorwen sicher, wird noch nicht der Fall sein, aber man kann sich andererseits auch dessen nur sicher sein und dennoch keine Gewissheit verspüren. Menschen konnten ungemein einfältig sein. "60"...

15

Freitag, 16. Mai 2014, 17:10

Mit gemischten Gefühlen folgt Learcan Bregond und den anderen durch das unterirdische Labyrinth. Das Licht ist nützlich in der Finsternis. Learcan ist sich aber durchaus bewusst, dass sie gleichzeitig ein gut beleuchtetes Ziel abgeben.

In einer Höhle, in deren Mitte eine steinerne Säule aufragt, bleiben sie stehen. Plötzlich erlischt Lorwens Licht und ein rötliches Glühen breitet sich um sie herum aus. Es wird von der kegelförmigen Säule ausgestrahlt und wirkt seltsam anziehend auf den Normander. Er kann den Blick gar nicht mehr abwenden und überhört sogar Bregonds Warnung bezüglich des Dämonenweibs. Learcan steht wie gebannt. Er hat das Gefühl, als bewege sich die Luft um die Säule herum. In dem wabernden roten Lichtschein vor ihm erscheint etwas, das er noch nicht erkennen kann. Aber es nimmt langsam Gestalt an. Sehr langsam. Gleich...Learcan streckt wie in Trance die Hand aus. Doch plötzlich ist es wieder fast taghell und Learcan wendet irritiert den Blick ab. Wie es aussieht, wird er so schnell nicht in Erfahrung bringen, welches seine größte Furcht ist.
Stattdessen untersucht er nun interessiert die Armbrust, die von Skor auf dem Boden vor der Säule zurückgelassen wurde. Es ist fast so, als würde Learcans Wunsch erfüllt, den er eben noch im Stillen geäußert hat. Nur hat Learcan dummerweise vergessen, sich die nötigen Bolzen dazu zu wünschen und so ist dieses Geschenk der Götter recht nutzlos.

Lorwens Worte lassen den Normander kurz darauf hochschrecken. Sie bekommen Gesellschaft! Learcan geht nicht davon aus, dass sie hier unten als Besucher freundlich empfangen werden.Daher zieht er sein Schwert und nimmt auch die Armbrust auf. Mit etwas Glück lassen sich die Ankömmlinge vielleicht für einen kurzen Moment täuschen.
Gemeinsam und für alles bereit warten sie dann, bis die sechs Männer in ihren Sichtbereich kommen. Ein Mann mit heller Haut und pechschwarzem Haar, der in dunkle Kleidung gehüllt ist, ist unverkennbar ihr Anführer. Ein, zwei Schritt dahinter folgt ein bunter Haufen weiterer Männer. Die Art, wie sie auf sie zukommen und ihre Waffen halten, lässt wenig Fragen offen, ob hier noch groß geredet werden muss. Besuch ist anscheinend unwillkommen. Learcan wirft einen raschen Blick auf Lyona und nimmt sich vor, sie im Auge zu behalten, denn sie wirkt am verletzlichsten von allen.
Dann bleibt kein Raum mehr für weitere Gedanken, denn während sich ihr Anführer auf Bregond stürzt, hat Learcan es mit einem riesenhaften, stiernackigen Kerl zu tun, der sich von Learcans ungeladener Armbrust nicht beeindrucken lässt und nun mit dem Schwert angreift. Dabei bleckt er die Zähne und zeigt Learcan ein paar unschöne Zahnstümpfe, so dass sich Learcan unwillkürlich fragt, wie man damit noch irgendwas beißen kann. Der Hüne ist jedoch kein wirklicher Gegner für Learcan. Sicherlich wäre er ihm im Ringkampf überlegen. Aber mit dem Schwert hat er keine Chance gegen den ebenso großen, erfahrenen und weitaus wendigeren Normander. So dauert es gar nicht lange, bis Learcan den Mann von seinen Zahnproblemen erlöst hat und von allen anderen Problemen gleich mit.
Ein kurzer Blick zu seinen Mitstreitern zeigt Learcan, dass diese ebenfalls gut beschäftigt sind. Lyona scheint aber in Schwierigkeiten. Daher eilt Learcan jetzt zu ihr, um ihr beizustehen.

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Learcan« (16. Mai 2014, 22:28)


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