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Riaril

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Mittwoch, 5. März 2014, 16:33

Die Schwarze Orchidee

Tief im Herzen der Unterstadt, am nordwestlichen Rand des Wolfsmarkts, befindet sich die Schwarze Orchidee, das verruchteste und berühmt-berüchtigteste Bordell von ganz Talyra. Das Gebäude ist groß, wirkt baufällig und erinnert an eine alte Befestigungsanlage - eine Befestigungsanlage mit der ausgesprochen frevelhaftes Schindluder getrieben wird. Ein breites Treppenportal, welches offenkundig nicht ganz so alt ist wie die meisten anderen Gebäudekomplexe, führt zu einem wuchtigen Eingangsportal empor. Darüber prangt seit einiger Zeit ein nigelnagelneues, protziges Schild, welches Nurio Kulgur der Orchidee großzügig gestiftete, nachdem er sich zu ihrem neuen Besitzer erhoben hat. Sehr viel schöner als das alte Schild, ist das neue Prunkstück über dem Eingangsbogen aber auch nicht. In schwarzen, geschwungenen Lettern steht auf der hölzernen Platte geschrieben: Zur Schwarze Orchidee.
Neben dem auffälligen Schriftzug prangt eine schwarze, stilisierte Blüte, damit auch alle Analphabeten der Unterstadt, und derer gibt es hier viele, sogleich wissen, wo sie sich befinden. Notwendig wäre dies aber nicht, denn die zahlreiche Schar der Treppenkatzen (und –kater), die überall in der Unterstadt wohlbekannt ist, sagt einem jeden deutlich genug vor welchem Etablissement er sich gerade befindet. Und so sitzt die liederliche Schar dar, in Gewänder aus dünnen, hauchzarten Stoffen gekleidet, die mehr entblößen als sie verdecken. Die meisten von ihnen sind noch blutjung, dem Kindesalter gerade eben erst entwachsen und fast alle von ihnen warten sehnsüchtig darauf, von Madame Grappe in den erlesenen Kreis der Orchideen aufgenommen zu werden, die ihre Gäste ausschließlich im Inneren des Bordells umgarnen.

Lässt man die Treppenkatzen hinter sich und betritt die Schwarze Orchidee, so wird man gewiss überrascht sein. Von Außen mag die Anlage baufällig, schmutzig und heruntergekommen wirken, doch im Inneren wird man von geradezu verschwenderischem Luxus empfangen. Bereits die große Empfangshalle lässt einem die Augen übergehen. Dicke Teppiche, in welchen man bei jedem Schritt versinkt, bedecken den Boden und auch die Wände sind mit kostbaren Brokatteppichen und ähnlichem Plunder geschmückt. Überall stehen riesige Vasen, gefüllt mit herrlichen Blumengestecken, deren Duft sich mit dem schweren Dunst von Parfüm vermischt, welches die Damen in der Schwarzen Orchidee aufgelegt haben. Dazwischen stehen überall größere oder kleiner Statuen herum, vornehmlich Standbilder Inaris sowie ihrer Archonen Damarias, Veissa und Lalaid. Die übrigen Räume sind nicht weniger prunkvoll ausstaffiert. Es gibt einen Schankraum mit offenem Kamin und kleine abgetrennte Alkoven für abgeschiedene Zusammenkünfte. Hier kann man lernen wie Rubinwein und gebratener Schwan schmecken und wie es sich anfühlt, auf ceresdorer Seidenlaken zu liegen - immer vorausgesetzt, man bringt das nötige Gold mit, um diesen völlig dekadenten Luxus zu genießen.
Auch die restlichen Räume, in welche man sich zu gegebener Zeit zurückziehen kann, sind mit prächtigen Teppichen, wallenden Vorhängen, kostbaren Wasserpfeifen, kleinen Silberbecken, Diwanen, Kissen und Ruheliegen ausgestattet, auf welchen sich die wahren Schätze der Schwarzen Orchidee tummeln und wie die Spinne in ihrem Netz darauf lauern, ihren willigen Opfern das Gold aus der Tasche zu ziehen. Für jeden Geschmack ist etwas dabei: Füllige warme Mogbarmädchen, gertenschlanke Elben, junge, hübsche Menschenfrauen, Lustknaben oder dunkelhäutige Damen aus den Südländern. Wer die Wahl hat, hat die Qual. Und ist man erst einmal in der Schwarzen Orchidee gefangen, verlässt man sie so schnell nicht wieder. Denn wie gesagt, ruhige Zimmer stehen, über drei Stockwerken verteilt, in ausreichender Zahl zur freien Verfügung und niemand bleibt hier lange allein. Mit katzenartiger Geschmeidigkeit, raubtierfeinem Gespür und der List einer Schlange angeln sich die Mädchen einen jeden Gast den sie wollen.

Madam Grappe, die Herrin all dieser Mädchen, thront zwischen ihren Orchideen wie eine dicke Matrone, ihren ebenso runden Kater liebevoll im Arm. Gebieterisch schaut das Tier mit seinen stechenden, grimmigen Augen umher und mustert jeden neuen Gast eingehend. Nur selten gewährt er jemand anderem als seiner Herrin die Ehre, über sein langes, seidenweiches, weißes Fell zu streichen. Die ungekrönte Herrscherin der Schwarzen Orchidee begrüßt derweil jeden Gast auf ihre eigene vortreffliche Art. Einige Auserwählte kommen sogar in den großen Genuss einer seltenen Ehre: sie werden in jenes geheimnisvolle Hinterzimmer vorgelassen, welches die Hausherrin ihr eigenes privates Refugium nennt. Dort werden die Karten aufgelegt. Gelegentlich wagt Madame Grappe zu solchen Anlässen einen Blick in die Zukunft, wesentlich öfter zieht sie aber ein gepflegtes Spiel in angenehmer Gesellschaft vor. Manch reicher Freigeist verließ ihr Refugium daher als gebrochener Mann, denn was das Kartenspiel anbelangt, ist Madame Grappe mit allen schmutzigen Wassern gewaschen.
Doch auch wenn sich die Grappe sich nach wie vor gerne als uneingeschränkte Herrin in der Schwarzen Orchidee aufspielt, so ist sie, trotz all ihres Einflusses, nur noch eine Marionette, seit Nurio Kulgur, ein Steingartenvetter Borgils, der neue Besitzer der Schwarzen Orchidee ist. Im Hintergrund zieht Kulgur dort an allen wichtigen Fäden und ganz Verwegene behaupten gar: Wie dem einen Zwergen die Hälfte der oberen Stadt gehöre, so gehöre dem anderen die Hälfte der unteren Stadt.



Die NSCs der Schwarzen Orchidee

Madame Grappe, die Leiterin des Bordells Schwarze Orchidee, eine alte, dicke Matrone mit einem ebenso fetten, langfelligen weißen Kater. Früher einmal war die ehemalige Hure eine schöne Frau, aber ihre Glanzzeiten sind längst vorbei. Dennoch hegt die behäbige Frau noch immer eine Vorliebe für üppige, dekadente Kleider, reichlich aufgetragene Schminke, welche ihr teigiges Gesicht geradezu maskenhaft erscheinen lässt, und aufwendige Turbane - gehässige Mäuler behaupten, sie schmücke sich lediglich damit, um darunter ihr schütter gewordenes Haar oder gar einen unansehnlichen Glatzkopf zu verbergen. Für auserwählte Besucher legt Madame Grappe gelegentlich die Karten, doch ob etwas Wahres an ihren Prophezeiungen ist, weiß niemand zu sagen. Die Bordellleiterin zieht es ohnehin zumeist vor ihre Karten zu einem ganz anderen Zweck aufzulegen: schon so mancher wohlhabende Dummkopf verließ ihr Reich als gebrochener Mann, den was Kartenspiele anbelangt, kennt die Grappe jeden noch so dreckigen und hinterhältigen Kniff.

Nurio Kulgur, der unorthodoxeste Zwerg, den man sich nur vorstellen kann. Gepudert, parfümiert und stets angetan mit den elegantesten Kleidern nach der neuesten, geckenhaftesten Mode, mit Schleifchen und Spangen in Haar und Bart, Spazierstock oder Schirm. Nurio hat die gepflegtesten Manieren, die man sich nur denken kann und eine schon fast gezierte Art sich auszudrücken, doch darf man sich weder von seinem Aussehen noch von seinem Auftreten täuschen lassen: er ist gerissen, skrupellos, steinreich, grausam und verschlagen, und nach Blaerans Tod ist er zu einer der mächtigsten Persönlichkeiten der Unterstadt avanciert. Nurio handelt vor allem mit Informationen, kostbarem Diebesgut und erlesener Schmuggelware, und ist Besitzer der Schwarzen Orchidee.

Ailes und Ceres*, die Töchter von Madame Grappe. Ceres war eine üppige, goldlockige Schönheit und Orchidee, die sich auch schon lange vor ihrem Tod nicht mehr in dem Bordell, welches sie verabscheute, hat blicken lassen. Ihr Name ist in dem Etablissement aber immer noch in aller Munde. Von Zeit zu Zeit kann es sogar heute noch vorkommen, dass jemand, unwissend von Ceres Ableben, nach ihr verlangt.
Die schweigsame, unauffällige Ailes hat nichts von der spöttischen, hochmütigen Sicherheit ihrer sieben Götterläufe jüngeren Halbschwester an sich und ist den meisten Gästen der Orchidee nur als der Schatten bekannt, denn sie dient ihrer Mutter mit unterwürfiger, alles erduldender Ergebenheit. Sie bietet keinen verlockenden Anblick. Ailes, die immer dunkle, schlichte Gewänder trägt, wirkt vielmehr knochig und hohlwangig, was zusätzlich dadurch betont wird, dass sie ihr glattes, aschgraues Haar stets im Nacken zu einem festen Knoten zusammen bindet. Und wenn jemand optisch so rein gar nicht in die Orchidee passen mag, dann ist dies Ailes.
*Achtung! Ceres ist ein ehemaliger SC und wurde am 21. Grünglanz 508 d5Z im Zuge des Quests "CSI Talyra" ermordet aufgefunden.

Coming soon: Conchobar, der Hund.


Ein paar ganz besondere Orchideen:

Aranis, die derzeitige Schwarze Orchidee. Die feurige Südländerin macht ihrem gegenwärtigen Titel wirklich alle Ehre: Schwarz glänzendes, schulterlanges, welliges Haar; dunkelbraune Augen umrahmt von langen, dichten Wimpern; sinnliche, volle Lippen; sehr dunkle, samtige Haut - wer von diesem wohl gerundeten, festen Körper kosten will, muss eine wahrlich mehr als gut gefüllte Geldkatze sein eigen nennen können.

Eilidh und Parla, zwei kleine, dralle Mogbarmädchen, sind sowohl einzeln als auch im Doppelpack zu haben. Für jeden, der gerne etwas mehr in den Armen hält, genau das Richtige. Eilidh und ihre jüngere Schwester haben krauses, kastanienbraunes Haar, nussbraune Augen, runde, sommersprossige Gesichter und rot glänzende Wangen. Die Rundungen ihrer Körper sind äußerst üppig und lassen eigentlich nichts zu wünschen übrig.

Lux, die Flammenblüte, gehört zu den exotischsten Juwelen der Schwarzen Orchidee, denn sie ist eine Fee. Wie alle Geschöpfe ihrer Art ist sie nicht sonderlich groß, nur knapp 27 Sekhel. Ihre seidige Haut schimmert elfenbeinfarben, ihre Augen funkeln rotbraun, ihr Haar, so fein wie Spinnenseide, ist immer zu einer frechen-fransigen Kurzhaarfrisur zurechtgemacht und von feurigem, flammendem Rot, während ihre Schmetterlingsflügel in warmen hellem kirschrot, flammenorange und sonnenblumengelb schillern. Sich nur einfach so von Lux verwöhnen und bezaubern zu lassen, hat allein schon deshalb einen stolzen Preis. Wünscht jemand gar, dass sich die Fee extra für ihn auf Menschengröße verwandelt, so kostet ihn dies mindestens das Doppelte.

Coming soon: Rhiz'an'th'ella Nachtschatten, wahlweise Rhiz oder Ella gerufen.

Nairca, eine halbe Blutelbe und Aranis schärfste Konkurrentin - wer Gefahr und Schmerz nicht scheut und den besonderen Nervenkitzel sucht, sollte sich ihr zuwenden. Ein freundschaftlicher Rat am Rande: zusätzlich zu einer prall gefüllten Geldkatze kann eine ordentliche Portion Mut nicht schaden. Wen dies nicht schreckt, den erwartet ein schlanker, hochgewachsener Körper von raubtierhafter Anmut und Geschmeidigkeit; helle, fast schon schneeweiß zu nennende Haut; lange, auf Hochglanz polierte Fingernägel; blutrote Lippen; pechschwarze Augen und ebenso schwarzes, glattes Haar, welches von etlichen weißen Strähnen durchzogen ist und bis zum Gesäß hinabreicht.

Sotirios, der unbestritten hübscheste aller Lustknaben der Schwarzen Orchidee. Wilde, schwarze Locken, strahlende, azurblaue Augen und ein fester jugendlicher Körper, so schön anzusehen wie eine meisterlich gefertigte Bronzestatue, bekommt man unter anderem von ihm geboten – übrigens ein Anblick, den auch Madame Grappe gerne von Zeit zu Zeit genießt.


Einige aus der Schar der Treppenkatzen:

Fayza, Lileas und Nyree, drei blutjunge, kindliche Schönheiten. Sie gehen dem Gewerbe in der Schwarzen Orchidee noch nicht lange nach. In hauchdünne Gewänder gehüllt, dienen sie auf den Stufen vor dem Bordell zunächst einmal als Blickfang, doch selbstverständlich sind auch sie für klingende Münze zu haben. Fayza ist eine südländische Schönheit, in ein paar Jahren, wenn sie sich im Gewerbe halten kann, ist sie möglicherweise eine ausgezeichnete Anwärterin für den Titel der Schwarzen Orchidee; zudem ist Fayza die kleinste der drei Grazien. Lileas, die Schwanenbraut, eine Elbe, besitzt helle, milchige Haut, rose Lippen, stechendgraue Augen und langes, weißes Haar; sie ist noch etwas scheu. Nyree, eine Halbelbe, ist die größte der drei jungen Frauen; sie hat ebenfalls recht helle Haut, graugrüne Augen, Sommersprossen und feuerrotes, fülliges Haar.

Maura, die älteste Dame, die in der Schwarzen Orchidee arbeitet. Die brünette Frau mit den braunen Augen ist aber noch immer recht ansehnlich, auch wenn sie schon die ersten Falten und grauen Strähnchen aufweißt. Ihr Körper ist rund und etwas mollig, aber nach wie vor fest und die scheuen, jungen Kätzchen können von ihrem schlagfertigen Mundwerk noch so einiges lernen. Vor allem ältere Herren nehmen Mauras Dienste gern in Anspruch, denn wie alle Treppenkatzen ist Maura günstiger zu haben, als die hübschen Orchideen. Darüber hinaus steht sie in dem Ruf eine gute Zuhörerin zu sein. Aus diesem Grund erfährt Maura natürlich etliches, was die Männer sonst eher für sich behalten würden, und Madame Grappe weiß dieses Talent sehr gut für ihre eigenen Zwecke zu nutzen.

Sunan und Thao, der älteste und der jüngste Treppenkater; die beiden Männer sind gute Freunde. Sunan ist Ende dreißig und bereits ein gestandener Mann, weshalb sich die Leute schon des Öfteren fragen, wieso er noch immer in der Schwarzen Orchidee seinen Körper verkauft. Wer ihn kennt, weiß, dass er dies vor allem tut, um dem jungen Thao zur Seite zu stehen, als dessen Beschützer er sich gibt und den er mehr als einen Bruder liebt. Wer Thao nicht höflich und angemessen behandelt, kann es daher sehr rasch mit dem dunkelhäutigen, schwarzhaarigen Hünen zu tun bekommen, der auch oft von Madame Grappe gerufen wird, wenn es darum geht, Gäste aus der Orchidee zu befördern, die sich mehr als ungebührlich benommen haben. Thao ist ein zierlicher, schlanker Jüngling mit blond gelocktem, kinnlangem Haar und blassen, veilchenblauen Augen. Niemand weiß genau wie er ausgerechnet in der Schwarzen Orchidee gelandet ist. Die ewigen Lästermäuler am Wolfsmarkt tuscheln jedenfalls schon, dass sich der etwas kränklich wirkende junge Mann auf Dauer nicht in der Unterstadt behaupten kann und gewiss eines Tages ein recht tragisches Ende finden wird.
★| Für Schwarz-Weiß-Denker hört die Welt dort auf, wo sie bunt zu werden beginnt. (Ernst Ferstl)
07/27

Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von »Riaril« (14. Dezember 2018, 14:17)


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Freitag, 14. Dezember 2018, 14:57

I don't exactly hate you,
but if you were on fire and I had water,
I would drink it...
(Unknown)

Mitte Nebelfrost 518


Ein kleines Mäuschen hockt ängstlich in einer dunklen Ecke unter dem pompösen Himmelbett. Die Schnurrhaare des Tiere zittern nervös. Aufgebracht trommelt Madame Grappe mit ihren teigigen Fingern auf der Ablage ihrer Frisierkommode herum, während Ailes ihr den Turban richtet und ihr ihre Perlen um den Hals legt. "Dieses Biest!", keift die Alte aufgebracht. "Glaubt wohl, ich hätte sie vergessen, was? Denkt wohl, ich wüsste nicht wo sie sich all die Jahre verkrochen hat! Meint wohl, sie wäre sicher da oben!" Wütend wuchtet sie sich in die Höhe und beginnt behäbig in ihrer Kammer auf und ab zu schreiten.
Es dauert eine Weile bevor sie sich beruhigt und ihr hochroter Kopf wieder eine halbwegs normale Gesichtsfarbe angenommen hat. Was jedoch nur geringfügig darüber hinwegzutäuschen vermag, dass die Grappe innerlich nach wie vor vor Wut kocht. Als sie ihren schwarzen Gehstock mit seinem grinsenden Katzenkopf-Knauf und den hinterlistig darin funkelnden Smaragdaugen dreimal wuchtig auf die Holzdiehlen poltern lässt, hält das Mäuschen in seinem Versteck die Anspannung nicht länger aus und huscht panisch einmal quer durch den Raum hinüber zu seinem Loch unter der großen Eichenkommode.

"Ratten!", kreischt die Grappe eifrig, als sie das Tier gewahrt und ruckt zu Ailes herum. "Ratten! Schick ihr ein paar Ratten zur Warnung! Das wird ihr eine Lehre sein.” Schnaufend stampft Madame aus dem Raum. "Orchideen und Pfirsichblüten passen einfach nicht zusammen", grollt sie leise vor sich hin und verschanzt sich übellaunig für Stunden in ihrem Arbeitszimmer. Als sie wieder herauskommt, hat sie zweierlei bei sich: einen Brief mit Siegel und eine welke Orchidee.
"Conchobar, mein Hündchen, wo bist du?", kreischt sie schrill, und alle Türen, die eben noch offen gestanden haben mögen, werden eilends ins Schloss gezogen. In dieser Laune, geht man der Grappe wenn möglich besser aus dem Weg.

Nur Conchobar kommt eilfertig angekrochen wie immer, Speichellecker der er ist. Der kahlköpfige Kobold verbeugt sich unterwürfig. "Ihr wünscht M'dame?", nuschelt er eifrig.
Madame Grappe reicht ihm sowohl den Umschlag als auch die Orchidee. "Schick ein paar Männer los und lass das hier rauf in den Pfirsich schaffen", keift die Alte. Die letzten Jahre haben es nicht gerade gut mit ihr gemeint. Auch die dicken Schichten aus Puder und Schminke, die sie trägt, können ihr wahres, von Alter, Gicht und Arthrose gezeichnetes Selbst mittlerweile nur noch notdürftig verbergen. Die Grappe verfällt. Hinter vorgehaltener Hand ist es bereits in aller Munde.
Madame schnaubt verächtlich. Glauben wohl alle, sie könnten ihr ungestraft auf der Nase herumtanzen. Glauben wohl, sie stünde mit einem Bein schon sicher im Grab. Nun, sie würde ihnen schon das Gegenteil beweisen. Allen voran dieser eingebildeten kleinen Göre. Wie alt sie jetzt wohl ist? Siebenundzwanzig? Achtundzwanzig? Egal. Es spielt keine Rolle. "Fort mit dir", heischt die Herrin der Schwarzen Orchidee den Kobold an. "Und auf dem Weg raus, schick mir Rhiz her, ich muss mit ihr reden."

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