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Montag, 18. Juni 2012, 14:29

Der Marktplatz Talyras

Der Marktplatz ist das Zentrum der Stadt und ihr lebendes, pulsierendes Herz. Inmitten der Weltenstadt gelegen, finden sich um sein weites gepflastertes Rund, die Goldene Harfe, die Badehäuser, die Stadt- und Zeremonienhalle, zahlreiche Anwesen und Geschäfte und ein kleiner See, an dessen grünen Ufern die Stadtbewohner gern spazieren oder sich zu einem Schwätzchen treffen. In der Mitte des Marktplatzes erhebt sich der Festbaum, eine schlanke Goldeiche und an seinem südöstlichen Rand befinden sich die Pranger.
Marktbetrieb herrscht hier täglich außer an hohen Feiertagen und einmal in der Woche, am sechsten Tag, ist Großmarkt. Alle Händler und Bauern der Umgebung bieten hier ihre Waren, Lebensmittel und Kleinvieh zum Verkauf an, und es herrscht stets Betriebskamkeit und lautes Stimmengewirr zwischen den bunten Buden und Ständen....

Njucon

Stadtbewohner

Beiträge: 722

Beruf: Buchmaler, Weiberheld

Wohnort: Talyra

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Montag, 25. Juni 2012, 12:14

Inari 512

Textauszug Kali Maya:
...
Als Njucon nachfragt, woher sie wisse, dass er Buchmaler sei, lächelt sie geheimnisvoll. „Man merkt, dass Ihr noch nicht lange wieder in der Stadt seid“, entgegnet sie. „Habt Ihr noch nicht gehört, dass ich eine böse Hexe von der Rubinküste bin, die allerlei dunkle Künste beherrscht?“ Die Azadoura lacht. „Die Wahrheit bei Weitem nicht so spektakulär.“ Kali grinst und nimmt noch einen Schluck von ihrem Wein. „Ab und an kommen die Leute zu mir, wenn sie jemanden brauchen, der ihnen den einen oder anderen Text vorliest, weil sie selbst des Lesens und Scheibens unkundig sind. Briefe von Verwandten, Dokumente aus der Stadthalle... oder Abschriften aus dem Haus der Bücher. Meist irgendwelche langweiligen Passagen über Landwirtschaft, gewöhnliche Kräuter oder ähnliches. Von Zeit zu Zeit taucht Euer Name unter einer der Kopien auf... das ist auch schon das ganze Geheimis. Kein Gedankenlesen, kein schwarzer Zauber – nur ein gutes Erinnerungsvermögen.“ Kali Maya lacht erheitert auf. Über ihr sonstiges Tun verliert sie nur wenige Worte, als Njucon sich höflich danach erkundigt. Der Dienst im Sithechtempel ist nicht gerade ein gutes Thema für eine heitere, kurzweilige Konversation. Das wenige, dass die Azadoura dennoch erzählt, hört sich der Buchmaler allerdings interessiert an.

Ganz unvermittelt erklärt Njucon mit einem Mal: »Ihr seid wirklich etwas Besonderes, Kali Maya!« Irritiert zieht die Azadoura einen Augenbraue in die Höhe. Der Buchmaler fährt fort: »Und das sage ich jetzt nicht, weil ich Euch... nein natürlich sage ich das, um Euch zu schmeicheln, aber ich sage es nicht nur, um Euch zu schmeicheln. Ich sage es, weil es der Wahrheit entspricht und ich Euch gern malen würde. Das aber nur mit Eurer Erlaubnis!« Ehrliche Überraschung beginnt sich auf dem Gesicht der Azadoura abzuzeichnen. „Ihr möchtet mich malen?“ Skeptisch mustert Kali Maya das Gesicht ihres Gegenübers auf der Suche nach Anzeichen dafür das er scherzt – sie kann keine finden. Diese begegnung verspricht noch interessanter zu werden, als es zunächst den Anschein gemacht hat, stellt sie schließlich erfreut fest. Die Frau von der Rubinküste lächelt geheimnisvoll. „Ein verlockendes Angebot, Njucon Aleris“, erklärt sie. „Wir werden sehen, ob ich darauf zurückkomme.“ Ein Funkeln tritt in ihre Augen. „Vielleicht...“, schlägt Kali Maya vor, „wenn Ihr mir ein paar Eurer bisherigen... Arbeiten gezeigt habt?“ Die dunkeläugige Frau schenkt dem Albino ein zuckersüßes Lächeln, welches besser als alle Worte zum Ausdruck bringt, was sie vorschlägt. „Möglicherweise habt Ihr das ja eine oder andere Bild von Eurer Reise mitgebracht...“ Sie lässt den Satz im Sand verlaufen. Nach allem was Njucon mittlerweile von ihr erfahren hat, dürfte ihm klar sein, dass ein Stelldichein in Kalis Unterkunft im Sithechtempel keine Option ist.

Die Zeit vergeht wie im Fluge. Sie trinken mehr Wein, kosten von den unterschiedlichsten Speisen, unterhalten sich angeregt, lauschen der Musik und tanzen bis spät in die Nacht hinein. Die Inarifeuer lodern rot im Dunkel der Nacht und gebannt beobachten sie das furiose Feuerwerk, welches schließlich den Höhepunkt der Festlichkeiten markiert. „Nun“, Kali Maya sieht Njucon mit ihren unergründlichen, pechschwarzen Augen an, die kein bisschen darüber verraten, was in ihrem hübschen Kopf vor sich geht, „wollt Ihr mich noch immer malen, Njucon Aleris?“ Fragend und herausfordernd zugleich sieht die Frau von der Rubinküste den Buchmaler an. Das Leuchten des Feuerwerks erhellt Kalis bleiches Gesicht und betont die stolze, elegante Pose ihrer schlanken Gestalt. „Hiermit biete ich Euch die einmalige Gelegenheit dazu...“ Ein vielverheißendes Lächeln umspielt ihre Lippen.

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Text Njucon:

Es ist ein gelungener Abend. Njucon genießt die Gesellschaft der Azadoura. Wirklich zu schade, dass ich kein warmes Zimmer habe, was ich ihr anbieten könnte...aber mir fällt schon was ein!
Auf die Andeutungen hin, sie würde gern andere Arbeiten von ihm sehen, nickt der Albino nur. Es fällt es ihm erst jetzt wieder ein. Innerlich seufzt er Ich Dummkopf, hab den Kram verbrannt! Wie heißt es doch so schön, häng der Vergangenheit nicht nach?
„Wisst ihr Kali Maya, ich habe eine lange Zeit nicht Feder und Papier zum Zwecke der Kunst angerührt. Folgedessen kann ich euch kein Bild von meiner Reise zeigen, es gibt keines! Die meisten Bilder, die ich angefertigt habe, waren Auftragsarbeiten und hängen wohl nun in den Häusern ihrer Auftraggeber zu denen wir wohl keinen Zutritt haben.“ Njucon schmunzelt bei dem Gedanken daran, einfach in ein Haus einzusteigen, nur um ein Bild anzusehen. „Ich muss euch enttäuschen, ich bin kein Meisterdieb oder Türöffner!“
Beide Lachen und Scherzen über diese absurde, aber doch irgendwie reizvolle Vorstellung und leeren ihre Gläser. Der Abend schreitet voran und Njucon hat in Gedanken schon abgehakt, dass sie das Angebot annehmen wird, als sie ihn sichtlich überrascht!
>„Nun, wollt Ihr mich noch immer malen, Njucon Aleris?“<
Njucon schaut sie ehrlich erstaunt an und lächelt, als sie sich gekonnt in Pose setzt. „Natürlich Mylady!“, antwortet er kurz.
> „Hiermit biete ich Euch die einmalige Gelegenheit dazu...“< wieder zeigt sie dieses vielsagende reizvolle Lächeln. Sie weiß wirklich wie man sich perfekt inszeniert!
„Nun denn,“ Njucon verliert keine Zeit und soeben hat sich eine Idee in seinem Kopf ausgebreitet. „Ich besorge euch noch einen guten Tropfen Wein, während ich das nötige Material organisiere und dann zeige ich euch...“, diesmal lässt er den Satz auslaufen, steht auf, verbeugt sich lächelnd und schenkt ihr einen angedeuteten Handkuss. „Nicht weglaufen!“
Ohne über mögliche Konsequenzen nachzudenken, geht er in die Goldene Harfe und sucht eine der freundlichen Küchenhilfen auf. Weder Azra noch Borgil hat er in Gedanken, noch beabsichtigt er ihnen über den Weg zu laufen. Dieses Kapitel möchte Njucon zwar dringend beenden, aber nicht wenn er unvorbereitet ist und etwas anderes im Kopf hat, wie jetzt. Marthea die freundliche Bedienstete der Harfe ist dem spendabelen Albino schnell behilflich, so dass er die Harfe mit Papier und Kohle ohne Zwischenfall wieder verlässt! Der Überraschungseffekt ist allerdings dahin. Es werden ihn sicher einige wiedererkannt haben und vielleicht Arzra oder Bogil darauf ansprechen, dass der weißhaarige Mann mit den roten Augen wieder in der Harfe war. Schließlich war er einmal ein täglicher Gast und guter Freund des Hauses.
Zurück am Tisch stellt er mit einem Lächeln fest, dass die Azadoura noch da ist und den Rest Sommerwein ausgetrunken hat. Sie schaut wartend in eine andere Richtung , dreht ihren Kopf und lächelt als sie ihn erkennt.
"Ich lasse niemanden gern warten, und schon gar nicht eine so bezaubernde Gesellschaft wie euch. Verzeiht mir! Ich habe nun was ich brauche und habe eine...euch würdige Umgebung auf meiner Reise hier hin entdeckt!", Njucon lächelt charmant und geheimnisvoll, als er ihr seinen Arm anbietet. "Darf ich euch ein Stück weit entführen, wehrte Kali Maya?!"

Der an diesem Abend fast volle Mond scheint hell und kühl auf die blasse Haut der zwei Personen, die sich fern ab vom Fest der Göttin Inari ein ruhiges Plätzchen gesucht haben, hinab. Das Wasser wird in rhythmischen Wellenschlägen mal mehr mal weniger nahe an die beiden im Liebenspiel vertieften heran getragen und berührt gelegentlich einen Stiefel der im feinen Sand des Smaragdstrandes steckt. Irgendwo zwischen den verteilten Haufen von Kleidungstücken liegt ein Blatt Pergament auf dem mit gekonnten schwungvollen Linien die Frau abgebildet ist, die soeben den Albino vielsagend lächelnd in den Sand drückt und ihm etwas ins Ohr flüstert.
Es ist nur eine Skizze, die sobald er die Zeit dazu findet, in ein vollendetes Kunstwerk wandeln will. Versicherte er ihr als er ihr das Bild zeigte. Es zeigt ihren ganzen Körper, reizvoll auf der Seite liegend. Die wenigen Stofffetzen, die sie trägt liegen verführerisch so, dass man meint etwas sehen zu können, aber nicht alles preis gibt. Das Schmuckstück liegt an ihrem Hals eingebettet. Njucon hatte sich beim zeichnen einige Details gemerkt, um was seinen Auftrag angeht Sicherheit zu erlangen. Allem Anschein nach schien ihr das Bild oder die Vorstellung zu gefallen, bald ein Bild von sich zu besitzen, denn ohne weitere Worte fielen sie über einander her.
Ein Lachen durchbricht die Stille. Sanft und überaus zärtlich berührt er ihre weiblichen Rundungen und gibt sich dem erneuten Aufflammen des Spiels hin. Wenn es nach ihm ginge, könnte es die ganze Nacht so weiter gehen!

Uio

Stadtbewohner

Beiträge: 75

Beruf: ehemaliger Handlanger, Dieb und Hexer! Seit anfang 513 Magierlehrling

Wohnort: Arkana zu Sorbonn

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3

Montag, 25. Juni 2012, 16:26

<< Die Unterstadt


Das Fest des heutigen Tages ist in vollem Gang. Inari, das Fest der Liebe. Keylan/Uio hatte schon Sorge, er könnte durch das Unwissen von Tag und Nacht zu spät dran sein. Er hat Glück. Gleich in mehrerer Hinsicht! Zwischen den vielen Menschen auf den Straßen fällt eine Person, die eigentlich nichts mehr in der Oberstadt zu suchen hat, nicht auf. Es wird gelacht, getanzt, gescherzt, gesungen, geküsst, getrunken...bei dem Anblick dreht sich sein Magen leicht um. Der Gedanke, Alkohol in seinen noch von dem gestrigen Saufgelage geplagten Magen zu schütten, lässt ihm übel werden.
Im Vorbeigehen nimmt er sich gelassen etwas Weißbrot von einem der Tische und kaut unschlüssig darauf herum. Er sollte sich lieber mehr am Rand aufhalten und nichts riskieren!
Seinem Instinkt folgend zieht er sich zurück. Talyra ist zwar groß und das Fest überfüllt und er ist in seinen Augen klein genug, dass er nicht einigen besonderen Leuten in die Arme laufen wird, allen voran bestimmten Magiern und Gardisten der Steinfaust. Das würde sonst ein herrliches Chaos werden. Kees wäre nicht begeistert, vor allem da er nicht von mir weiß, dass ich hier bin! Aber sicher war sein Boss gut informiert, ist er immer! Keeshar weiß, da ist sich Keylan ziemlich sicher, dass er hier ist.
Keylan schmunzelt, einmal wegen Kees und einmal wegen einem ganz anderen Gedanken, der ihm zu zufliegt, Gegen gerösteten Magier oder Blaumantel am Spieß hätten hier bestimmt einige was. Oberstadtschnösel! Er würde es nicht darauf ankommen lassen, besonders weil ernoch nicht ein funken Mana heute verbraucht hat. Und bei einem Zusammentreffen mit seinen "Lieblingsfreunden" der Steinfaust und magischen Rates könnte er für nichts garantieren! Für ihn sind seit der Sache am Strand und der Verurteilung von Nathan alle Magier, seien sie nun Mitglied des Rates oder nicht, sowie die Stadtwache der Inbegriff seiner Abneigung und sogar an schwarzen Tagen ... hasst er sie alle! Meist kümmert er sich nicht darum und denkt nicht an sie, aber er kann seine Abneigung nicht verbergen und macht auch keinen Hehl daraus. Er hat keine Ahnung vom Aufbau oder Grund oder Sinn und Zweck dieser Magieratssache, Codex oder sonstiges. Er hat sich anhand der Dinge, die ihm Nathan erklärte und nun durch die Verhandlung sein eigenes Bild gemacht, dem zuweilen es an Farbe fehlt. Also ab mit mir in den Hintergrund...Schattengewächse gehören eben in den Schatten!

Abseitz von dem ganzen Festtagstrubel sucht der junge Mann sich ein nettes Plätzchen. Einen Platz an dem er als Junge oft und gern gesessen hat. Komische Erinnerungen steigen in ihm hoch als er mit Leichtigkeit, die ihm viel kleiner vorkommenden Hindernisse überwindet und sich auf das Dach mit Blickrichtung Marktplatz hochzieht. Vorsichtig schleicht er über die Ziegel und will sich in die Nische setzen... Dummkopf Uio, du bist zu groß geworden für dein Kinderversteck!
Lächelnd schüttelt er den Kopf und hockt sich einfach zwischen Dach und Wand des nächsten Hauses. Langs ist’s her...ja lang ist’s her!
Mit den Fingern der linken Hand zieht er sich den Lederhandschuh, den er an den Stellen, an dem sein halber und der ganze kleine Finger fehlt mit einer Mischung aus Rohwolle und Wachs ausgefüllt hat, aus. Nachdenklich fährt er mit den verbliebenen Fingern über eine Stelle an der angrenzenden Hauswand. Der kleine Kinderhandabdruck ist noch da, wo er ihn vor Jahren hingeschmiert hat. Versonnen lächelt er und zieht sich die Kapuze vom Kopf.
Hätte er sie lieber aufgelassen. Aber man kann ja nie wissen, was da so alles von oben auf einen zukommt! Zumindest hätte Uio, der sich jetzt schon seit einer ziemlich langen Zeit Keylan nennt, nicht gedacht, dass ihm in diesem Moment ein kleines Sahnetörtchen auf den Kopf fällt. "Verdammt, Ääh was soll das?", flucht er und fischt sich das Teilchen aus der Kapuze. In seinen Haaren klebt die Sahne mit der das süße Teil garniert gewesen ist. Der Junge hebt eine Augenbraue, schaut nach oben und reißt erstaunt die Augen auf.
Nein, es kommen keine weiteren leckeren Süß- oder Backwaren geflogen. Etwas ganz anderes fliegt über ihm! Schimpft, Zetert und fliegt Kreise über Keylans/Uios Kopf.
"Böser Junge Böser Junge!", krächzt der Rabe und kommt ein wenig näher. Keylan/Uio hat immer noch die Augen weit auf und dazu jetzt noch den Mund offen.
"Rix?", fragt er verdutzt als die Sithechrabendame weiter krächzt, "Meins, Meins!"


>>Die Straßen der Stadt
UNKRAUT VERGEHT NICHT!

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Olyvar

Stadtbewohner

Beiträge: 156

Beruf: Lord Commander

Wohnort: Steinfaust

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4

Mittwoch, 27. Juni 2012, 00:27

Inari 512
Es ist schon später Nachmittag, als Olyvar endlich die Steinfaust in Richtung Marktplatz und Inarifest verlässt. Zum zweiten Mal an diesem Tag gebadet, zum dritten Mal umgezogen, nicht mehr in seinem besten Hemd und an seinen Füßen sitzen auch nicht seine neuen, sondern schon reichlich abgewetzte, alte Jagdstiefel. Inzwischen ist er auch alles andere als bester Laune, aber immerhin fest entschlossen, sich den kümmerlichen Rest des schon recht weit fortgeschrittenen Inaritages nicht auch noch verderben zu lassen. Dabei war er nur mit gutem Beispiel vorangegangen und hatte, Lord Commander hin oder her, dieses Jahr zu Inari die Morgenschicht übernommen. Eigentlich hatten Diantha und er vorgehabt, nach Ende seines Dienstes gemeinsam auf den Festplatz zu gehen, sich dort mit diesem Leif, einem Schätzer für edle Steine, Gemmen und Geschmeide zu treffen, der Diantha einigen wichtigen Händlern und reichen Pfeffersäcken hatte vorstellen wollen, sich anschließend vielleicht mit Azra, Borgil (und wer immer sonst noch da sein würde) einen schönen Nachmittag zu machen, den Abend und den Sommerwein zu genießen, und später, wenn die Festfeuer entzündet worden waren, vielleicht das romantische Potential des Ildorelufers auszutesten. In groben Zügen war das in etwa der Plan gewesen - aber erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Das hat man dann davon, wenn man einmal als leuchtendes Beispiel für seine Männer dienen will. Aus Olyvars 'Morgendienst' war nämlich dank eines branntweingeschwängerten Schmiedegesellen, dessen bezechten Kumpanen, einer zertrümmerten Inneneinrichtung, einem streitlustigen Wirt und dessen greinender Tochter, plus zweier wild entschlossener, nicht minder furchterregender (und obendrein mit Scheuerlappen, Seifenlauge und einer Mistforke bewaffneter) Möchtegern-Schwiegermütter ein 'Morgen-Mittag-und-einige- Stunden-Dienst' geworden. Der hatte ihm nicht nur einen Biss in die Hand (Schwiegermutter Nummer eins), eine Dusche mit Seifenwasser (Schwiegermutter Nummer zwei), klingelnde Ohren von dem ganzen Weibergeschrei (greinende Tochter), möglicherweise den immerwährenden Zorn Meallas, einen Schwall Erbrochenes auf Hemd und Stiefeln und infolge dessen auch das zweite Bad beschert, sondern ihn auch rapide zu der Überzeugung gelangen lassen, dass heute absolut nicht sein Tag ist und er am besten gar nicht erst hätte aufstehen sollen.

Mit diesen und ähnlichen Gedanken hadernd, sucht Olyvar sich jetzt also seinen Weg durch das Gedränge der Menschen, die trunken vor Lust, Inariwein, der Frühlingswärme nach den langen, kalten Wintermonden und der Ausgelassenheit des Tages die Straßen und Gassen der Stadt nicht nur bevölkern, sondern geradezu verstopfen, vier Stunden nach "viel zu spät", doch er kommt nicht sehr weit. Seine Schritte haben ihn noch nicht einmal den halben Weg zum Marktplatz getragen, als nach der Brücke über den Llarelon einfach kein Durchkommen mehr ist. Der sachte Wind wirbelt ein Schneegestöber zarter Blütenblätter auf, deren Düfte schwer und süß in der lauen Luft schweben, und um Olyvar her, vor allem vor ihm, steht die Menge, ein Meer von Köpfen. Es geht nichts mehr vorwärts, schon gar nicht in die Richtung, in die er will. Mmmpf! Mit einem missmutigen Schnauben biegt er in eine der tausend engen, verwinkelten Seitengassen zu seiner Rechten ab, doch den Einfall hatten noch andere. Kaum hat er sich zwei Häuserblöcke weitergequetscht, landet er zuerst in einer Schar gackernder Jungzauberinnen, die, angeführt von einer strengen Matrone, die mindestens so walkürenhaft wie der Steinfaustdrache Radegund daherkommt, mit wehenden Roben vorbeitrippeln und ihn neugierig mustern, dann läuft er einem Pulk wild gewordener Rotfüße direkt in die Arme. Allen Göttern sei Dank sind die gerade eifrig damit beschäftigt, einige Damariastänzer vom mittäglichen Festumzug erst zu einer Runde Schlammtanz und danach zu allem möglichen anderen zu verführen (und zwar wesentlich schamloser, als nach Einbruch der Dunkelheit am Strand oder auf den stillen, abgeschiedenen Lichtungen des Larisgrüns rund um die Stadt), so dass er gerade noch mit dem Leben davonkommt. Eigentlich hätte der kleine Überfall seine Laune heben oder ihm wenigstens ein geschmeicheltes Grinsen entlocken sollen, doch alles, was er will, ist auf diesen dreimal verdammten Marktplatz zu gelangen - und zwar gleich, nicht erst übermorgen. Er hatte noch nicht einmal das Kleid, dass Diantha sich eigens für diesen Tag hatte nähen lassen zu Gesicht bekommen, geschweige denn seine Frau darin. Er weiß nur, dass es grün und sehr hübsch sein soll, das hatte ihm jedenfalls Fianryn versichert. Diantha trägt es ja auch nicht für dich, meldet sich prompt eine ziemlich gehässige Stimme in seinen Gedanken. Seine Vernunft hält zwar in aller Logik dagegen, er solle nicht albern sei, er wisse schließlich ganz genau, warum sie das Kleid trage, aber das hilft der Eifersucht, die sich inzwischen mit seinem ganzen Ärger über diesen dreimal verfluchten Tag verbrüdert hat und allmählich leise Knurrgeräusche in den niederen Gefilden seines Gemüts von sich gibt, kein bisschen auf die Sprünge - im Gegenteil.

Irgendwann und irgendwo südöstlich des Marktplatzes stolpert Olyvar schließlich wieder aus dem Gewirr der kleinen Gässchen und verwinkelten Straßen heraus, in deren schummrigen Ecken es längst überall stöhnt, keucht, kichert und geräuschvoll atmet. Soweit er das selbst sagen kann, auch heiler Haut und immer noch all seiner Kleidung habhaft (wenn auch ein wenig zerrupft), ohne dass ihm wichtige Körperteile fehlen würden, aber dafür mit offenem und ziemlich zerzaustem Haar, weil das blaue Band, das es im Nacken zusammengehalten hatte, dem Überfallkommando einiger Distelfeen zum Opfer gefallen war. Er schüttelt glitzernden Goldstaub von seinem Hemd und als er sich umsieht, um sich zu orientieren, entdeckt er zu seiner Erleichterung den hohen Festbaum keine zweihundert Schritt entfernt direkt vor sich... leider sind die Heerscharen lachender, tanzender, zechender und ausgelassen feiernder Menschen und sonstiger Wesen unter den Sonnensegeln auf dem Marktplatz auch nicht zu übersehen. Wie soll er in diesem Gewühl Diantha finden? Sie hatten keinen Treffpunkt vereinbart, aber da war Olyvar ja auch noch davon ausgegangen, dass sie mit den Schätzern und anderen Schmuckhändlern an deren Tisch unweit dem des Stadtrates sitzen würde. Ifrinn! Zu allem Überfluss läuft ihm als erstes Uliaris über den Weg, einen Pfirsich in jedem Arm. Seit dem Tod seiner Frau vorigen Sommer hatte der Nauarch Talyras sich als handfester Schwerenöter entpuppt, der hinter allem her zu sein scheint, was einen Rock und das richtige darunter trägt – und nicht bei drei auf dem nächsten Baum ist. Seine Gespielinnen sind allerdings noch betrunkener als der Lord der Schiffe und schriller als zwei Pararuas. Eine von ihnen stolpert gegen Olyvar und wäre der Länge nach hingefallen, hätte er sie nicht geistesgegenwärtig an den Armen festgehalten. Die Frau stößt so laut auf, dass er schon befürchtet, ihm stünden gleich das nächste ruinierte Hemd und noch ein Bad bevor - außerdem reicht ein Hauch ihres Atems völlig aus, um ihn allein davon selbst leicht betrunken werden zu lassen. Dann erklärt sie nach einem Moment der kritischen Musterung, er sähe aus wie der Lord Commander, bevor sie die Augen verdreht und ohnmächtig zu Boden geht. Für ein so dralles Mädel fällt sie allerdings recht anmutig. "Hoppla", kommentiert Uliaris und klingt dabei höchst erstaunt. "Hingefallen", kreischt der zweite Pfirsich und klingt dabei höchst erheitert. "Das höre ich andauernd", ist alles, was Olyvar sagt und klingt dabei staubtrocken. Er kann die Besinnungslose weder liegen, noch Uliaris die Verantwortung für die Frau überlassen, schließlich ist der Nauarch selbst voll wie eine Haubitze, also sucht er ein paar Blaumäntel, findet allen Göttern sei Dank den Narrenkönig in der Nähe, trägt ihm auf, sich darum zu kümmern und verschwindet dann ohne ein weiteres Wort in der Menge. Zweimal meint er, Diantha zu erspähen, aber jedes Mal entpuppt sich der vermeintliche Blondschopf seiner Frau als der einer völlig Fremden, ehe er endlich Glück hat und sie ausmachen kann: sie steht am Rand des Sonnensegelmeeres, das sacht im leichten Wind flattert, zwischen der Festtafel und einer der Bierschänken ringsum, und bei ihr sind nicht nur Lady Shin, sondern auch das rothaarige Elend Tane und der Wächter des Pfirsichs. Die beiden Männer sind gerade in ein Gespräch vertieft und beobachten die Rotfüße, die vorbeitanzen oder schlendern mit Kennermienen, während die Magierin und Diantha ebenfalls ein Gespräch führen. Olyvar ist noch viel zu weit entfernt, um hören zu können, was sie sagen, aber er kann sehen, wie sie sich unterhalten und setzt umgehend sein allerunergründlichstes Gesicht auf.
And that's the thing about people who mean everything they say. They think everyone else does too.

The good thing about mages, I find, is that they die much like any other. You need to worry about what happens before that.

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Olyvar« (27. Juni 2012, 14:04)


Atevora

unregistriert

5

Mittwoch, 27. Juni 2012, 12:05

Inari 512



Textauszug Diantha
am: 14. Juni 2012, 20:53 Uhr »


In Bezug auf die Instandsetzungen stimmt die Magierin zu und auch zum Thema Ausbildungsstellen scheinen sie nicht grundverschiedener Ansichten zu sein. Diantha hält so gut wie sie es in der Masse kann, Ausschau nach Azra und Borgil, doch sie kann die beiden beim besten Willen nicht entdecken. Das ist schon ganz schön seltsam, aber wer weiß, was in der Harfe los ist. Auf die schon interessantere Frage nach Shins Kontakten, bekommt die Immerfrosterin eine eher negative Antwort: >„Ich besitze mannigfaltige Kontakte, doch ich fürchte keinen, der Euch in diesem Sinn nützlich wäre.“< So wirklich hatte Diantha damit auch nicht gerechnet, aber es schadet ja nicht, einmal nachzufragen. Zu ihren eigenen Geschäften will die Shin dann lieber gar nichts sagen, was keine größere Überraschung ist, sie scheint sich ja gerne in Schweigen zu hüllen. Der Immerfrosterin fällt auf Anhieb kein neues Gesprächsthema ein, doch zum Glück wird sie erlöst, als Shin ihre Freunde entdeckt und ihr Schritttempo deutlich erhöht. Als sie bei einem blonden Riesenkerl und einem recht gutaussehenden Rothaar angekommen sind, wird Diantha Zeuge eines lustigen Schauspiels: Der schon ordentlich angeheiterte Riesenkerl nimmt die unterkühlte Magierin in die Arme und hebt sie hoch, es fehlt nur noch, dass er sie wie ein kleines Kind herumwirbelt. Prompt beginnt Shin zu zetern, sie wolle wieder runter und Diantha muss sich sehr zusammenreißen um nicht in lautes Gelächter auszubrechen. Eins ist sicher: An diesen Anblick werde ich mich immer erinnern, wenn ich die Shin von jetzt an sehe. Das Rothaar hingegen reißt sich nicht so zusammen wie die Immerfrosterin und lacht Shin lauthals aus. Dann fällt jedoch sein Blick auf Diantha und er will wissen: >„Und wen hat unser liebes Frostnäschen denn da mitgebracht?“< Frostnäschen? Der Tag wird immer besser, denkt sich Diantha amüsiert, sagt aber nichts dazu. Shin stellt sie und Tane einander vor, woraufhin der der Immerfrosterin einen Handkuss verpasst. Auch ohne Shins Kommentar wäre Diantha bei Tanes Blick klar gewesen, dass der Kerl es faustdick hinter den Ohren hat und vermutlich mit großer Begeisterung Frauenherzen bricht. Sie ordnet ihn der Sorte Mann zu, den sie von der Straße kennt: Gutaussehend, flott im Kopf, stets Komplimente um sich werfend und von dem Geld verliebter reicherer Damen lebend. Da die Shin allerdings ihrer Aussage nach sehr gut mit ihm befreundet ist, kann es natürlich auch sein, dass er außer Frauen auszunehmen wie andere Leute gefüllte Gänse, auch noch diverse weitere Geschäftsbereiche hat.

Während Tane und Shin sich kabbeln, sind Ronan und Diantha nur Zuschauer des Schauspiels und prusten schließlich gemeinsam über die Feststellung, Shin sei eine gemeine talyrische Vampirsau. Das Geplänkel setzt sich fort, bis Diantha die beiden Herren endlich vollständig vorgestellt worden sind, dann wird Tane vor die vollendete Tatsache gestellt, dass er am heutigen Abend der Weinbeschaffer für die Damenwelt ist. Als die Immerfrosterin gefragt wird, was sie denn gerne hätte, überlegt sie kurz, ob sie einen Wein hätte, entscheidet sich dann aber anders – auch weil ihr mittlerweile aus der Steinfaust eher der bessere Wein schmeckt – und bestellt einen Krug Verder Dunkel. Vielleicht passt die Vorstellung einer biertrinkenden Lady nicht zu jedermanns Ansicht über den Adel, aber das ist ihr in diesem Moment egal. Da kommt Diantha plötzlich ein Gedanke und prompt stellt sie auch schon ohne jede Ankündigung die Frage: „Stimmt es eigentlich, dass Ihr häufig mit einer Eule unterwegs seid, Lady Shin? Und wenn ja, mit was für einer Eule?“ Diantha zweifelt ein wenig daran, sie kann sich nicht vorstellen, wie die scheuen, dämmerungsaktiven Tiere sich mitten in der Stadt wohlfühlen sollen. Wer weiß, am Ende ist es ein zahmes Käuzchen oder ein speziell trainierter Jagdfalke und die Gerüchteküche hat das nur zur Eule aufgebauscht. „Ich habe das Gerücht schon öfter gehört, aber es hat mich immer gewundert, wie genau das funktionieren soll – fliegt das Tier dann in einem Abstand hinter Euch her? Denn die Eulen, die ich aus Immerfrost kenne haben eine ordentliche Spannweite und ziemlich scharfe Krallen.“ Sie sagt diese Sätze nicht besserwisserisch oder dergleichen, sondern einfach nur neutral-interessiert. Hätte Diantha zuvor nicht das Verhalten der Shin gegenüber ihren Freunden gesehen, dann würde sie nicht so freiheraus fragen, aber offensichtlich hat die Magierin einen guten Tag. Und wenn sie auf die Idee kommt, sich jetzt wie eine Zicke aufzuführen, dann erzähle ich überall herum, dass sie in Wahrheit Frostnäschen genannt werden möchte, nimmt sie sich insgeheim vor, lässt sich davon aber nichts anmerken.


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Textauszug Atevora
am: 14. Juni 2012, 20:53 Uhr


Diantha wünscht also ein Verder Dunkel. Es mag ungewöhnlich erscheinen sich eine Dame von Adel Bier zechend vorzustellen, doch heißt es nicht Diantha entstamme ursprünglich aus einer eher niederen Gesellschaftsschicht? Dies könnte ein bestätigender Beleg dafür sein. Der verliehene Adelstitel hier in Talyra bringt nicht nur den Vorteil eines höhreren Ansehens, er bietet auch den Luxus, dass der Titelträger hier frei wählen kann, mit welcher Frau er den Bund der Ehe eingehen möchte. In anderen Teilen der Welt wäre dies für das ach so erlesene adelige Geschlecht undenkbar. Atevora ist im übrigen seit langem schon die Gesellschaft des einfachen Volkes lieber, als jene intriganter, blasierter Adeliger. Sie ist ehrlich zu sich selbst, eine Person von ihrem Schlag reicht im Umkreis von mehreren Tausendschritt ihrer Meinung nach mehr als aus. Außerdem zecht die Magierin auch ab und an Bier, und das obwohl sie von vielen als Lady geschimpft wird.
In seinen nicht vorhandenen Bart hinein grummelnd, begibt sich Tane also in Richtung der Ausschank um der holden Weiblichkeit die Getränkewünsche zu erfüllen und ihm hallt Ronans volles Gelächter nach.

Kaum ist Tane zwischen den Menschen untergetaucht und der Türsteher des Pfirsichs wieder dabei einen kräftigen Schluck von seinem Humpen zu nehmen, wirft Diantha aus heiterem Himmel eine Frage in die kleine Runde.
>„Stimmt es eigentlich, dass Ihr häufig mit einer Eule unterwegs seid, Lady Shin? Und wenn ja, mit was für einer Eule?“ <
Wie die Frau wohl jetzt auf dieses Thema kommt? Ein wenig überrumpelt blickt Atevora der Frau in die hellbauen Augen, welche sich dadurch vermutlich dazu aufgefordert fühlt, die Frage erklärend auszuführen. >„Ich habe das Gerücht schon öfter gehört, aber es hat mich immer gewundert, wie genau das funktionieren soll – fliegt das Tier dann in einem Abstand hinter Euch her? Denn die Eulen, die ich aus Immerfrost kenne haben eine ordentliche Spannweite und ziemlich scharfe Krallen.“ <
Normalerweise ist die Magierin ein Freund von guten Überleitungen, und sanfteren Themeneinführungen, wenn die Zeit diese zulässt, doch jene scheinen nicht unbedingt Dianthas Stärke zu sein. Die Shin verkneift sich allerdings eine Aussage in diese Richtung, außerdem, gegen Menschen die gerne einen Gedanken der ihnen kommt aufgreifen hat die Magierin auch nichts einzuwenden, sofern Diantha tatsächlich einer dieser Sorte ist, denn diese tragen oft dem Amüsement bei.
„Das ist korrekt.“ Antwortet Atevora im ersten Augenblick nur diffus, als sollte sich die Lady aussuchen worauf die Antwort sich nun genau bezieht. Genaugenommen passt sie auf alles und das mit Absicht. Die Frau mit den kunstvoll hochgestecktem blonden Lockenhaar wirkt nicht besonders zufriedengestellt mit den drei Wörtchen, weshalb Atevora mit einem Anflug von Schalk auf den blassen Gesichtszügen nachreicht: „Sehr scharfe Krallen.“ Aber dank diesem Zusatz hat sie die Frage noch nicht ansatzweise beantwortet. „Scherz beiseite. Zur Ausnahme ist dieses Gerücht wahr.“ Kurz wiegt die Magierin ab was sie rund um ihre geflügelte Gefährtin erzählt und wie viel sie von ihrer Vergangenheit preis geben möchte, sollte sich das Thema in diese Richtung wenden, und höchst wahrscheinlich wird es das. „Ich nenne sie Via. Sie ist eine Schneeeule, ich denke ihre Flügel spannen so weit wie ich hochgewachsen bin und sie ist ein durchwegs sehr eigenwilliges Tier. Sie folgt mir seit Jahren, doch ich weiß nicht weshalb. Wie das ganze funktioniert. Nunja, Schneeeulen sind sehr opportunistisch, und dennoch ist die Stadt sicher nicht das rechte Habitat für sie, schon gar nicht diese. Talyra ist schließlich sehr südlich gelegen und die Sonne macht ihr eben so zu schaffen wie mir. Manches mal denke ich reicht ihr die hecktische Ansammlung von Leben hier und Via ist für Tage verschwunden, aber sie kehrt immer wieder zu mir zurück. Sie lässt sich von mir oftmals gerne durch die Gegend tragen“ Es hat also durchaus Gründe weshalb Atevora oft auf jedes modische Verständnis verzichtend ihre Unterarme zusätzlich mit Stofflinnen schützt. „ansonsten ja, oft fliegt sie mir voraus, hinterher, oder nimmt an Orten platz wo sie mich und jene in meinem Umfeld im Blick behält. Ich vertraue stet's ihrem Urteil. Ach da fällt mir gerade ein“
Atevora wendet sich kurz Ronan zu. „Mein Lieblingshüne, du hast doch von dort oben so einen herrlichen Überblick.“ Ein schlichtes „Ja freilich, wieso?“ rollt zu ihr herüber. „Diantha ist auf der Suche nach ihren Freunden, Azra und Borgil, wärst du so freundlich ab und an nach ihnen Ausschau zu halten?“ Natürlich stimmt er zu, es ist schließlich auch kein großer Aufwand. "Ich danke dir." Gibt sie zurück bevor sie das Wort wieder an Diantha richtet. "Verzeiht die womöglich aufdringliche Frage, doch aus welcher Gegend aus Immerfrost stammt ihr ursprünglich? Hattet ihr in der Vergangenheit schon öfter das Vergnügen Schneeeulen in ihrer natürlichen Umgebung zu beobachten?"




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Diantha

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Mittwoch, 27. Juni 2012, 13:15

Überraschenderweise bestätigt Shin, dass das Gerücht um die Eule wahr ist, damit hätte Diantha jetzt eher nicht gerechnet. Noch unerwarteter ist der Hauch eines Grinsens, als die Magierin hinzufügt: >„Sehr scharfe Krallen.“< Die Immerfrosterin muss schmunzeln, als sie sieht, wie Shin betonte Pausen macht, als hoffe sie, das Thema würde sich doch noch in eine andere Richtung entwickeln. Schließlich scheint sie einzustehen, dass ihr Gegenüber ihr den Gefallen nicht tun wird und beginnt von ihrem Vogel zu erzählen. Aus ihren Worten meint Diantha herauszuhören können, dass Shin das Tier viel bedeutet und dass sie auch schon eine ganze Weile miteinander verbringen. Wer hätte gedacht, dass diese meist ziemlich unterkühlte Person ein „Haustier“ hat, an dem ihr Herz hängt… Schließlich endet die Shin mit: >„Ansonsten ja, oft fliegt sie mir voraus, hinterher, oder nimmt an Orten platz wo sie mich und jene in meinem Umfeld im Blick behält. Ich vertraue stets ihrem Urteil. Ach da fällt mir gerade ein…“< Jetzt ist es Shin, die einen unerwarteten Themensprung macht, denn sie kommt von ihrer Eule, die die Umgebung kritisch beäugt plötzlich auf die Idee, dass Ronan nach Azra und Borgil Ausschau halten könnte. „Eine gute Idee!“, stimmt ihr Diantha freundlich zu, eigentlich hätte auch sie darauf kommen können. Als die Shin plötzlich mit Fragen bezüglich ihrer Herkunft aufwartet, horcht die Immerfrosterin auf und ihr wird bewusst, dass sie jetzt besser aufpassen sollte, was sie sagt. Es liegt nicht in Dianthas Art, sich gestelzt und missverständlich auszudrücken, aber jemandem wie Shin sollte man manche Dinge wohl besser nicht auf die Nase binden. Obwohl die zwei Fragen auch wieder nicht allzu tiefgründig beantwortet werden müssen: >"Verzeiht die womöglich aufdringliche Frage, doch aus welcher Gegend aus Immerfrost stammt ihr ursprünglich? Hattet ihr in der Vergangenheit schon öfter das Vergnügen Schneeeulen in ihrer natürlichen Umgebung zu beobachten?"< Es ist ja kein Geheimnis, woher sie ursprünglich stammt, nur ihr Leben in Dunkelschein sollte sie nicht zu sehr ausführen.

„Ich weiß nicht, wie gut ihr Immerfrost kennt, aber ich stamm aus dem Süden, man könnte auch Südwesten sagen, je nachdem wie man es sieht. Möglicherweise sagt euch die Handelsstadt Nachtschimmer etwas? Ich bin in einem Dorf mittlerer Größe dort in der Nähe aufgewachsen, das es heute meines Wissens nach nicht mehr gibt.“ Es sei denn, es hat sich jemand dort neu angesiedelt… Als wir gingen, war es jedenfalls schon ein Geisterdorf voller Kranker und Sterbender. Sie muss versuchen ihre Gedanken auf positivere Erinnerungen zu bringen, als den letzten Anblick der Heimat ihrer Kindheit, sonst würde es kein lustiger Tag werden. Also nimmt sie einen Schluck Bier und lässt sich nichts anmerken – was sie durchaus kann, auch wenn es ihr früher deutlich leichter fiel. Vielleicht ist das eine ganz gute Übung für mein Leben als Händlerin, da werden sicherlich öfter solche Fragen aufkommen. „Ja, ich hatte öfter das Glück Schneeeulen beobachten zu können, was ich meinem Vater verdanke. Er war Jäger, aber selbstredend hat er keine Jagd auf Schneeeulen gemacht, die ja größtenteils auch weiter im Norden leben, wo es weniger Wald gibt.“ Erstaunlich was mir für Dinge über Tiere einfallen, die mir Vater erzählt hat, wenn es darauf ankommt. „Ein Schneeeulenweibchen hat immer in der Nähe des Dorfes überwintert, es hatte sogar ein paar Lieblingshochsitze, wo man es in den Wintermonaten oft sehen konnte. Einer dieser Plätze war ein uralter Baum auf unserem Land, deshalb habe ich auch einmal beobachten können, wie sie einen Schneehasen erlegt hat. Das hat sie mit einer Eleganz getan, wie sie nur große Greifvögel an sich haben – auch wenn sie immer etwas mit Grausamkeit verbunden ist.“ Vaters selbstgezähmter Jagdfalke war kein Vergleich dazu. Kurz stockt sie – soll sie, oder soll sie nicht über Dunkelschein reden? Sie entschließt sich schließlich doch dazu. „In meiner darauf folgenden Zeit in Dunkelschein bin ich einmal einem Vogelhändler begegnet, der gezähmte Schneeeulen verkauft hat… Das war ein ziemlich schrecklicher Anblick. Die Vögel waren nicht bei ihm, weil sie es wollten, so wie Eure Via, sondern weil er ihnen die Flugfedern gestutzt hatte. Die bedauernswerten Tiere sahen aus wie ein müder Abklatsch von der würdevollen Schneeeule, an die ich mich aus meiner Kindheit erinnern konnte.“ Nachdenklich nippt Diantha an dem mittlerweile beinahe geleerten Bier. „So etwas sollte man einem derart edlen Tier nicht antun, finde ich.“

Die Immerfrosterin wird aus ihren Gedanken gerissen, als Ronan die beiden Frauen darüber informiert, dass er zwar weder Azra, noch Borgil gefunden hat, aber dafür Olyvar sehen kann. Bei diesen Worten macht Dianthas Herz einen Hüpfer, sie hatte schon damit gerechnet, dass er gar nicht mehr kommen würde oder wenn doch, sie sich wohl nur schwer würden finden können. Rasch stellt sie ihr Bier zur Seite und zupft sie ihr Kleid zurecht – wenn sie so etwas trägt, dann will sie natürlich auch, dass es Olyvar gefällt, wenn er sie darin sieht – und dreht sich in die Richtung, in die Ronan weist. Wenn man den Lord Commander nicht so gut kennt, wie Diantha, dann kann man ihm in diesem Moment nicht ansehen, was er denkt. Doch sie weiß, dass er zum einen nicht damit gerechnet hat, sie in Begleitung von der Lady Shin zu finden und außerdem scheinbar nicht den besten Tag hinter sich hab – wovon ja schon am Mittag auszugehen war. „Hallo karhuni, du hast es doch noch geschafft!“, begrüßt Diantha ihren Mann überschwänglich und geht ihm entgegen. „Ich habe Azra und Borgil gesucht, konnte sie aber nirgends ausfindig machen, dabei bin ich der Lady Shin über den Weg gelaufen. Ronan war sie gut sich bereitzuerklären, nach den beiden Ausschau zu halten“, erklärt sie. „Lady Shin und ich haben uns gerade über Schneeeulen unterhalten, hast du mal eine in ihrer natürlichen Umgebung gesehen? Und woher stammt Eure, Lady Shin? Habt Ihr sie vielleicht sogar aus dem Norden mitgebracht?“
The thing with words is that meaning can twist just like a snake.
(Terry Prachett, Lords and Ladies)

Borgil

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7

Donnerstag, 28. Juni 2012, 21:54

<- Die Goldene Harfe

Inari 512, andernorts auf dem Marktplatz


Sie sind schrecklich spät dran und haben sowohl das Festessen, als auch die Prozession bereits verpasst, doch Borgil könnte nicht behaupten, dass ihm das Leid täte. Erstens hatte Brenainn seine Mutter gebraucht und die wiederum ihn, damit er ihr mit dem Kleinen und allem helfen konnte, und zweitens hätte auch er seinen kranken Sohn niemals allein gelassen, hätte Mealla nicht gesagt, sie könnten beruhigt gehen und wären obendrein nicht Calait und Marthea nicht bei ihm. Und drittens gibt es schließlich immer noch genug Leckereien, Bier, Wein, Branntweine und sonstiges flüssiges Gold an den Ständen ringsum. "Warum geht Calait nicht so wirklich auf das Fest und hütet stattdessen lieber unseren kranken Achtkäsehoch, frag' ich mich. Ich weiß ja, dass Varin Dienst hat, aber in letzter Zeit macht sie sich ohnehin recht rar bei ihm... oder er sich bei ihr, wie man es nimmt und betrachtet. Oder ist ihr hm... Arrangement vorbei? Hat sie etwas von Colevar gehört, weißt du das?" Der Sithechritter war immer noch nicht zurück in der Stadt, aber Borgil hatte Calait oft genug Briefe von Burg Lyness vorgelesen, um zu wissen, dass die beiden nach wie vor engen Kontakt halten. Eigentlich hätte Colevar im Frühling wieder hier sein wollen, doch der Sturm hatte ihn aufgehalten... vor dem Frühsommer würde er wohl nicht wieder nach Talyra zurückkehren, aber vielleicht hatte Calait ja schon neue Kunde von ihm und Azra hatte sie ihr vorgetragen. "Mal sehen, wen wir in diesem Gewimmel treffen, aber erst..." er hält Ausschau nach einem Stand, wo man Inariwein ausschenkt und kleine Köstlichkeiten gleich zum Mitnehmen und unterwegs essen anbietet. "Ein paar Fleischspieße mit dieser höllisch scharfen Sauce und ein Krug Verder Kupfer?"

Brenainn: Hast du Mama gefragt?
Borgil: Jungchen, ich bin über vierhundert Jahre alt, ich war Himmelswächter, Abenteurer, Söldner und Kriegsherr, ich führe dieses Gasthaus seit mehr als zweihundert Jahren und ich bin Veteran zahlloser Schlachten... natürlich habe ich deine Mutter gefragt!


Badassery
is bringing knives to a gunfight.
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Calait

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8

Freitag, 29. Juni 2012, 01:22

Inari 512 - Irgendwo auf dem Marktplatz


“Holla die Waldfee, Borgil...” Sie leckt sich die Lippen, wie eine Katze das sahneverschmierte Mäulchen und flötet leise: „Azra, pass bloss auf, dass dein Ehemann dir nicht plötzlich irgendwie abhanden kommt.“ Natürlich ist die Warnung nur als Spass gedacht. Ausgenommen platonischer Süssholzraspelei und freundschaftlichem Geplänkel würde sie ihrer Lebtage keinen Finger an oder auch auf Borgil legen – Einmal ganz davon abgesehen, dass ich gegen fünf Fuss purer Liebenswertigkeit einfach nicht ankomme.
Azra jappst erstickt etwas von „Das werde ich!“ und Calait hätte viel darum gegeben nur einen einzigen Blick auf das Gesicht der Halbelbe erhaschen zu können, dessen Ausdruck in ihrer Vorstellung irgendwo zwischen brennender Liebe, aufrichtiger Vergötterung und absoluter Hingabe schwankt. Man könnte fast neidisch werden. Aber nur fast.
Immerhin tummeln sich auf dem Marktplatz inzwischen bestimmt hunderte Männer, worunter auch ein paar Leckerbissen der Steinfaust, die in dunklen Lederhosen und lose geschnürtem Hemd mindestens genauso zum Anbeissen aussehen, wie Borgil. Zu schade, dass ihre zwei Lieblingsschönheiten, Varin und Tiuri, alle beide zur undankbaren Spätschicht verdonnert wurden. Der eine, weil drei seiner Hauptmänner genau wie der älteste Blutaxtspross mit einer Grippe das Bett hüten, und der andere als Strafe für eine handfeste Auseinandersetzung mit einem Kameraden während der Wache.
Und auch Cinéad ist ihr noch nicht vor die rot bemalten Füsse gestolpert, obwohl er ihr versprochen hat auf einen Tanz vorbei zu sehen. Den Ahnen sei dank heilt sein gebrochenes Bein ohne weitere Komplikationen und seit ein paar Tagen darf er für kurze Zeit ohne Krücken herumspazieren. Was der Hofbesitzer, befürchtet Calait, ausnutzt, wann immer sich ihm die Möglichkeit bietet und seien es die fünf Schritt vom Kräutergarten bis zur Veranda. Wieviel Erhabenheit und Stolz man Elben auch nachsagt, ihre Männer sind krank genauso wehleidig, missmutig und unausstehlich wie die männlichen Vertreter jedes anderen Volkes. Sogar Cinéad, für gewöhnlich die personifizierte Gelassenheit und Zurückhaltung, war es binnen einem Siebentag gelungen Nara, Mair und sogar die besonnene Rhona erfolgreich in den Wahnsinn zu treiben. Das hatte Emrys ihr berichtet, als er sie an ihrem Krankenbett in der Steinfaust bei Mealla besuchte. Dorthin hatte er sie nämlich auf Cinéads Geheisse hin gebracht, als sie einen Tag nach dem Sturm nicht mehr aus ihren wilden Fieberträumen aufgewacht war und nur noch unverständliches Gebrabbel von sich gegeben hatte.
Und währer ihrer anstrengend langweiligen Genesung hatte sie die Heilerin, von der Borgil ihr schon so viel erzählt hatte, endlich persönlich kennen und in jedweger Hinsicht – ob nun als gelehrte Heilerin, mit der man über Krankheitsbilder und Wundbehandlung fachsimpeln kann, oder als junge, intelligente Frau, deren Interessen sich in vielerlei Hinsicht mit den Eigenen decken (das Thema Männer hat ganz neue Höhenflüge erfahren, seit Calait in den Genuss von Meallas gutem Geschmack gekommen ist) – zu schätzen gelernt.

Das Borgil sie an Azras schlankem Schwanenhals vorbei mit einem schwarzen Funkeln bedenkt entgeht ihr selbstverständlich und sein noch immer reichlich atemloses „Ich weiß wirklich nicht, was es da zu gackern gibt!" bringt sie nur noch mehr zum Lachen, das in ein ersticktes Gurgeln übergeht, als der Zwerg ernsthaft versucht seine Frau davon zu überzeugen die wunderbare Seidenrobe gegen irgendein hochgeschlossenes Wollkleid einzutauschen. Auch gegen ein Schultertuch hat sie etwas einzuwenden, kühler Abendwind hin oder her, und irgendwann resigniert der Zwerg endlich, allerdings nur unter der Bedingung, dass sie sich keinen Fingerbreit von seiner Seite bewegt. „Versprochen!“, wird ihm überglücklich beschieden und mit einem amüsierten Kopfschütteln scheucht Calait die Turteltauben aus dem Zimmer: „Los jetzt. Macht, dass ihr verschwindet.“
Kaum sind die beiden aus den Gemächern verschwunden, dreht Calait sich zu Mealla um und wackelt anzüglich mit den Augenbrauen, die oberhalb des olivgrünen, mit Kupferplättchen bestickten Tuches gerade noch zu sehen sind: „Ich gebe dem Kleid keine vier Stunden...“
Das hat weiteres, herzhaftes Gelächter zur Folge, bis Marthea irgendwann plötzlich mit erhobenem Zeigefinger vor ihnen steht und sie ermahnt doch bitte etwas leider zu sein, der arme Junge versuche zu schlafen. „Aye, wir sind schon weg. Marthea, ich werde mich wenn irgendwie möglich nie zu weit von der Festbühne entfernen. Schick nach mir, wann immer du meinst, es sei nötig.“ Die Oberste Zimmermagd legt ihr als Zeichen ihrer Dankbarkeit kurz die hand auf den Arm, dann wuselt sie mit raschelnden Röcken inz angrenzende Schlafzimmer zurück, um Bræn davon abzuhalten seinem Bruder die Tiuripuppe zu klauen.
„Dann lass uns mal nachsehen, ob Gernot schon unterm Tisch liegt und Lysander es geschafft hat sich in seinem Rubinwein zu ertränken.“ Tastend lang sie nach Meallas Oberarm und lässt sich von dieser aus den Privatgemächern der Familie Blutaxt, entlang der Harfenküche hinaus auf den Marktplatz führen, wo das Fest inzwischen in vollem Gange ist. Die Prozession haben sie bis auf ein paar dumpfe Trommelklänge verpasst und – sehr zu Calaits Leidwesen, die sich liebend gerne mit Honigfinger, Mandelherzen, Sonnenbeeren, geräuchtertem Lachs und salziger Butter, noch warmen Zwiebelbrötchen aus Morets guter Backstube und einer Vielzahl anderer Köstlichkeiten den Bauch vollgeschlagen hätte – wurde auch die Festtafel bereits bis auf ein paar Krümel erfolgreich geplündert.

„Sollte der Wein ebenfalls alle sein, muss ich leider Borgils alkoholische Privatvorräte plündern. Ich weiss, dass er irgendwo einen besonders leckeren zehnjährigen Branntwein aus Tenasserim stehen hat... ich habe ihn nur noch nicht gefunden. Apropos lecker: Kannst du Rabenauge oder Dhjeremya irgendwo entdecken?“ Mealla führt sie sicher durch das Drängen der Menschenmassen, allerdings kommen sie nur stockend voran, weil sie ungefähr alle fünf Schritt von einer Schar junger, ungestümer und vor allem inaritrunkener Burschen aufgehalten und umschmeichelt werden. Calait zirpt hier, süssholzraspelt dort, lacht, scherzt, neckt, bekommt drei leidenschaftliche Liebesschwüre und einen Heiratsantrag und befürchtet schon elendig verdursten zu müssen, weil sie niemals nie rechtzeitig irgendeinen dieser freien Ausschänken erreichen, als Rettung in Form von Rabenauge und seinem Bruder Julian naht. Der Stadtgardist, sich ein autoritäres Auftreten gewohnt, und der Holzfäller, schlank, aber gross und mit Schultern so breit wie ein Heukarren, pflügen mit einer gewissen Rücksichtslosigkeit durch den Kreis an heissblütigen Verehrern und bevor Calait sich versieht legt Julian ihr auch schon ganz nonchalant den Arm um die Hüfte, zieht sie an sich und meint laut genug, damit auch das betrunkenste ungewollte Anhängsel es hört: „Und? Hatten sie noch ein Zimmer frei für uns?“ Mit einem durchaus dankbaren, aber auch ziemlich verruchten Grinsen nickt Calait und schiebt ihm die Arme in den Nacken: „Borgil hat uns grosszügig eine seiner Stallboxen überlassen... mit viel Stroh.“
Ein Lachen rollt durch seine Brust, dumpf wie ein Donnergrollen in weiter Ferne und warm wie Sommerregen, und mit einer Leichtigkeit, die ihr ein erschrockenes „Huch“ entlockt hebt er sie in die hoch, bis ihre Gesichter auf der gleichen Höhe sind, und sie hilflos mit den Beinen strampelt – und für einen Moment stellt sie sich vor, dass nicht Julian, aber Colevar sie hält. So wie er sie damals im Winter, in der Nacht von Louans Tod, bei ihrer Begrüssung gehalten hat. An ihn zu denken tut weh und zwar aus dem einfachen Grund, weil er ihr schrecklich fehlt und sie seit ihrem Brief von vor fast einem Mond, in welchem sie ihm von dem Sturm und ihrem desaströsen Ausflug nach Glyn-y-Defaid erzählt hat, nichts mehr von ihm gehört hat. Es wird schon nichts passiert sein. Das versucht sie sich inzwischen seit einigen Tagen einzureden – relativ erfolglos. Und, gute Ahnen, sorgt dafür, dass er den Inaritag anständig geniesst. Julin reisst sie aus ihren Gedanken, indem er sich leicht nach vorne beugt und ihr alles anderes als unschuldig zuraunt:„Stroh, hmh.“ Rabenauge, dem es in der Zwischenzeit gelungen ist Mealla und ihr Kleid davor zu bewahren in der Hitze des Gefechts Schaden zu nehmen, unterbricht ihr Geplänkel. „Lasst uns einen Platz am Ende der Festtafel in der Nähe der Bühne suchen. Dort wird Wein ausgeschenkt und gleichen spielen die Troubadoure auf.“ „Ah, Wein! Wein klingt gut.“ Bestätigt Calait begeistert, derweil Julian sie vorsichtig auf den Teppich aus lindweissen und blassrosa Blütenblättern zurück setzt, der bei jedem Schritt einen Hauch von Lavendel und Rosen atmet. Gemeinsam steuern sie den Ausschank an.
... enjoy the little things in life for one day they will be the big things ...

Azra

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9

Samstag, 30. Juni 2012, 18:56

Inari 512, andernorts auf dem Marktplatz

An Borgil Seite geschmiegt sucht sie den Takt seiner Schritte und vermeidet es – wie abgesprochen –auch nur einen Sekhelrin Abstand zwischen ihnen zu lassen. Und das ist auch gut so, weil sie ihn nämlich ansonsten im farbenfrohen Durcheinander an Gästen, deren Zustrom trotz der späten Stunde noch keinen Abbruch gefunden hat, wahrscheinlich binnen weniger Sekunden aus den Augen verloren hätte. Das Fest ist in vollem Gange und die sommerschwüle Luft über den Köpfen der Gäste flimmert perlau und gold durch feenhaftes Zauberwerk und ist erfüllt von einem leisen Knistern, gleich dem feinen Flattern hunderter hauchzarter Schmetterlingsflügel. "Warum geht Calait nicht so wirklich auf das Fest und hütet stattdessen lieber unseren kranken Achtkäsehoch, frag' ich mich. Ich weiß ja, dass Varin Dienst hat, aber in letzter Zeit macht sie sich ohnehin recht rar bei ihm... oder er sich bei ihr, wie man es nimmt und betrachtet. Oder ist ihr hm... Arrangement vorbei? Hat sie etwas von Colevar gehört, weißt du das?" Mit einem leisen Seufzen und einem unbeholfenen Lächeln schüttelt Azra den Kopf: „Nein. Eben nicht. Ich schätze genau das trübt ein wenig ihre Stimmung. Sie vermisst ihn, Borgil. Ganz fürchterlich. Was Varin betrifft...“ Noch nie besonders interessiert am Geschwätz der Wasch- und Marktweiber und von Natur aus niemand der seine Nase in die Privatangelegenheiten anderer Menschen steckt, ohne sie vorher um Erlaubnis zu bitten, kann Azra nur spekulieren, warum Calait und Varin nur noch so selten zueinander finden. „Vielleicht hat er... also... ich meine vielleicht ist ihm... ahm... langweilig geworden?“ Auch wenn sie sich beim besten Willen nicht vorstellen kann, immerhin ist Calait eine facettenreiche und streckenweise sogar geheimnisvolle Frau, die ein ganz und gar einnehmendes Lachen und ein lebensfrohes Temperament besitzt und darüber hinaus auch noch wunderhübsch ist. Möglich, dass sie in anderen Angelegenheiten nicht ganz so... Als sie sich dabei ertappt, in welche Richtung ihre Gedanken traben, entfleucht ihr ein erschrockenes Quieken und Hitze schiesst ihr in die Wangen. Azra!
Hastig flüchtet sie sich zurück zu weniger schamlosen Überlegungen. „Vielleicht ist sie einfach noch nicht wieder ganz gesund und die beiden... ahm... also... haben nicht mehr so oft... sind nicht mehr so oft... ach, halt eben! Nicht mehr so oft weil sie sich noch schonen muss. Immerhin war sie noch nicht so lange her schwer krank – und Traõns Tod hat sie auch sehr mitgenommen. Weisst du, im Grunde genommen glaube ich,“ sie hat keine Ahnung, ob das was sie da von sich gibt, irgendwie zutrifft, „ist sie einfach ein wenig einsam und deswegen auf der Suche nach Ablenkung, die...“ Mit einem etwas hilflosen Räuspern sucht sie nach einer nicht zu treffenden und trotzdem passenden Umschreibung: „... nicht ganz so kurzweilig ist. Nicht, dass sie dabei keinen Spass mit Varin hätte! Zumindest hoffe ich sie... ich meine... Himmel! Ich glaube einfach sie sucht nach etwas, woran sie sich festhalten kann. Deswegen denke ich auch, dass es ihr gut tut Mealla kennen gelernt zu haben. Die beiden scheinen sich richtig gut zu verstehen, findest du nicht?“

"Mal sehen, wen wir in diesem Gewimmel treffen, aber erst... Ein paar Fleischspieße mit dieser höllisch scharfen Sauce und ein Krug Verder Kupfer?" Ihr Magen zieht sich bei der Aussicht auf etwas leckeres zu essen schmerzhaft zusammen und ruft ihr in Erinnerung, das sie seit dem Aufstehen nichts zu sich genommen hat – was sie nachholen sollte, und zwar bevor sie den ersten Schluck Rubinwein zu sich nimmt. Sonst darf Borgil mich nachher wieder nach Hause tragen. Begeistert nickt sie also als Zustimmung und rafft ihre ausladenden Röcke - ein halbes Dutzend Lagen perlenschimmernden Musselin und Seide im Wert von sehr viel mehr, als sie wirklich wissen will - ein wenig an sich, damit sie im Gedränge schneller vorwärts kommen. „Hmmmm, das klingt gut. Und dann noch ein bisschen von diesem herrlichen mit Kräuterbutter marinierten Gemüse. Oh, und ich muss dieses Jahr unbedingt diese Uillgleanischen Olivenbrötchen und den in einer Salzkruste gebackenen Shenrabarsch probieren. Du weisst schon. Den, den Sigrun unbedingt ins Menü aufnehmen möchte. Dazu ein paar caramelisierte Zwiebelringe, eine, nein, zwei Briocaer Fideln, ein Godinischer Holzkuchen mit ganz viel geschlagener Sahne und Erdbeeren und azurianischen Pfefferschoten und als Happen für Zwischendurch noch...“
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An Irish taxi driver: "We Irish don't tell lies. We just try hard not to tell the truth."


nyanyanyanyanyanyanyanya.... BAT-CAT! :yell:

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Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von »Azra« (30. Juni 2012, 23:58)


Atevora

unregistriert

10

Sonntag, 1. Juli 2012, 11:06

Inari 512, nahe der Festtafel

Verlässlich wie er sein kann wenn er will, bringt das Rothaar den zwei Frauen die gewünschten Getränke. Dem kleinen entstehenden Gespräch folgt er dann kaum, sondern ist eher damit beschäftigt das Angebot an bettgymnastikbereiter Weiblichkeit zu begutachten die sich willig mit rot bemalten Füßen kennzeichnet.
Unterdessen er mit Ronan scherzt und fachkundig die Aussicht kommentiert, gilt Atevoras Aufmerksamkeit gänzlich der Frau des Lord Commanders.

Die Shin wird hellhörig als die Lady Nachtschimmer erwähnt. Nachtschimmer ist ihr nicht nur bekannt, sie war sogar einmal dort, wenn auch nur für einen kurzen Zwischenaufenthalt, und eine gefühlte Ewigkeit ist es ebenso her. Damals war sie noch wer, hatte einen guten Namen, einen echten Titel, ein unglaublich unnahbares und von Verachtung gegenüber alles und jeden getragenes Auftreten (ein wenig so wie zu ihrer Ankunft in Talyra nur noch mit dem Sahnehäubchen, welches die Jahre der Pubertät mit sich bringen) und sie war in Begleitung eines Magiers auf dem Weg nach Serathie. Sie starteten mit dem Schiff von Fa'Sheel aus und legten nach einer langen Reise auf einem Dreimaster im Hafen von Nachtschimmer an, von wo aus die Reise schließlich weiter gen Norden gehen sollte. Sie kann sich sogar noch gut an das übliche Bild der Häuser dort am Stadtrand erinnern. In langen Reihen säumten sie die engen kopfsteingepflasterten Straßen mit ihren kräftig roten Holzflächen und den weiß Fenster und Türrahmen und sahen alle niedlich gleich aus. Sie hat sich damals die Frage gestellt, ob die Erzählungen wohl war seien, dass jene die dort wohnen die langen sonnenlosen Winter vorwiegend damit zubringen, sich mit Hilfe des Fliegenpilzes zu berauschen. Ob die Häuser womöglich als Ode an diesen Freudenspender und Dunkelzeitvernichter in diesem Farbschema gehalten waren? Auch hätte sie gerne gewusst, ob die Leute in ihrem Rauschzustand überhaupt bei den vielen gleichartigen Gebäuden fähig waren mit Bestimmtheit wieder ihr eigenes Heim zu finden, oder ob es in dem kollektiven Traumnebel ohnehin keine Rolle spielte wo wer herumlag und auf den Boden sabberte. Sie war aber nicht lange genug vor Ort um dies näher ergründen zu können und mittlerweile erschienen ihr vor allem die letzte Frage etwas überreizt. Natürlich war nicht anzunehmen, dass sich eine ganze Stadt wie im Kollektiv dauerhaft gleichzeitig mit Fliegenpilz berauschte.
Sie kann sich auch noch an das Gasthaus und seine Einrichtung erinnern. Besonders den Leuchter fand sie Faszinierend, er bestand aus kunstvoll zusammengebundenen Rentier Geweihen und wirkte auf seine Weise gleichermaßen rustikal wie exotisch. Diese Art von kunstvollen Alltagsgegenständen sollten ihr noch etwas vertrautes werden, ebenso wie Birkennudeln. Das war die erste Mahlzeit dort in Immerfrost, die länglich geschnittene Bastschicht der Birke und das Menü wurde natürlich mit einem Glas Birkensaft abgerundet, der erste Birkensaft in ihrem Leben. Die Birke schien generell der Lieblingsbaum vieler Immerfroster zu sein. Kein Wunder, er bietet Nahrung, die junge Rinde wird teilweise wie Leder verwendet, und das Holz brennt auch vollkommen Nass, was an dem Birkenteer liegt, der ebenfalls aus ihm gewonnen werden kann. Die Birke sollte auch noch Atevoras Lieblingsbaum werden, zumindest eine Zeit lang.
„Ja, Nachtschimmer ist mir durchaus ein Begriff.“ Antwortet Atevora sehr allgemein im neutralen Tonfall und wie gehofft fühlt sich Diantha nicht dazu aufgefordert hier einzuhaken und weiter nachzufragen. Warum auch, den Namen Nachtschimmer als eine der bekannteren Hafenstädte in Immerfrost haben viele mit einer höheren Bildung zumindest schon einmal gehört und wissen wo sie in etwa auf der Karte zu finden ist.
>„Ich bin in einem Dorf mittlerer Größe dort in der Nähe aufgewachsen, das es heute meines Wissens nach nicht mehr gibt.“ <
Bei diesen Worten ist Atevora kurzfristig einmal so, als hätte sie einen dunklen Schatten wie von Wehmut über Lady Tarascons Gesicht huschen sehen, doch wenn es so war, dann beherrscht es Diantha gut es zu verbergen. Eine Fähigkeit die ihr in ihrem angestrebten Berufsfeld sehr von Nutzen sein würde.

Als Diantha auf das Thema Schneeeulen zu sprechen kommt, betrachtet Atevora im Geheimen ein wenig belustigt und auch zufrieden mit sich selbst, wie die Frau bei ihren Erinnerungen daran ein wenig aufzutauen beginnt. Sie wirkt weniger gehemmt und krampfhaft der richtigen Worte bemüht, generell wesentlich freier als vorher. So driftet das schon viel eher in eine Richtung die der Shin gefällt.

Glaubhaft interessiert lauscht sie Dianthas Ausführungen und bestätigt ihre Ansicht zur Eleganz großer Greifvögel mit einem Nicken:. „Ich finde besonders den dualen Zwiespalt den Raubvögeln in einem auszulösen vermögen faszinierend.“ Beinahe hätte sie sogar ihre Faszination darüber geäußert wie lautlos Eulen zu in der Lage sind zu töten, sie besinnt sich aber dann eines besseren. Es ist nicht optimal mit solch einer Erwähnung gegenüber der Frau des Lord Commanders womöglich irgendwie den Eindruck zu erwecken, sie schätze Meuchelmörderfähigkeiten. Sie schätzt zwar tatsächlich die Fähigkeit mit einer gewissen Eleganz, präzise, effektiv und möglichst lautlos zu morden, weshalb sie sich selbst oft schon der Eisennadel bedient hat, aber sie muss hier schließlich keinen Hinweis in diese Richtung platzieren.
„Aber entschuldigt meinen kurzen Einwurf, bitte sprecht weiter.“
Kurz zögert die blondhaarige Frau, als würde sie abwägen ob es denn überhaupt noch etwas zu erzählen gibt, dann führt sie weiter aus.
Die erwähnte Stadt Dunkelschein ist der Eismaid vom Namen her auch geläufig, auch wenn sie nie selbst dort war. Einige Magieschüler, die dort bei ihrer Anreise anlegten, wussten mit viel Geschnatter auch gerne ein düsteres Bild über diesen Ort zu malen. Atevora hat dem damals nicht zu viel an Bedeutung beigemessen. Große Ballungszentren und internationalere Handelsstädte ziehen bekanntlich auch gerne immer auch viel Gesindel an.
Das was Diantha über ihre Erlebnisse in Dunkelschein erzählt sollte die Magierin vermutlich emotional berühren und betrüben, doch gemeinhin ist es ihr einerlei wie irgendjemand, irgendwelche Tiere behandelt. Wenn die Völker dieser Welt es nicht einmal fertig bringen einander gegenseitig Respekt entgegenzubringen und gut zu behandeln, wie skurril ist es bestürzt darüber zu sein, dass Tiere nicht besser behandelt werden? Die Shin hat nur für sich entschlossen wie sie ihre Tiere behandelt, denn sie vertritt die Ansicht, nur wenn sie gut gepflegt und gesund sind, können sie ihr auch lange, gute, und treue Dienste leisten. Was will sie zum Beispiel schon mit einem geschundenen Pferd das von Schlägen gepeinigt ständig mit den Nerven an der Belastungsgrenze ist und von Schmerzen belastet nicht verlässlich sein kann? Da soll es dem Tier besser an nichts fehlen und freiwillig aus Vertrauen ihrem Willen folgen. Das selbe Prinzip ist auch auf den Menschen bedingt anzuwenden. Bei Ronan, Tane und Sig hat es jedenfalls hervorragend funktioniert.

Obwohl es nicht ihrem inneren Gefühlsleben entspricht, fingiert Atevora das von dem sie vermutet, was die Lady bei der Erzählung erwartet: sie gibt sich betrübt diese Dinge zu hören und pflichtet Diantha im vollem Umfang bei.
„Wie wahr, es ist eine Schande. Doch wie sollte von uns vernunftbegabten Humanoiden Wesen, die es so oft nicht einmal fertig bringen unseresgleichen vernünftig zu behandeln, erwartet werden wir würden es bei Tieren tun?“
Es ist eine trübsinnige Thematik die hier angesprochen wird, und sie kann Tane schon ansehen, dass er wittert dagegen etwas unternehmen zu müssen. Es ist allerdings nicht Tane, der sie vor einer Ausweitung des Gespräches in diese Richtung errettet sondern Ronan, der soeben den Lord Commander entdeckt hat.
Die Magierin ist sich dabei allerdings äußerst uneins ob ihr das gefallen möchte, oder eher nicht. Eher nicht ist wahrscheinlicher. Aber bevor sie sich darüber grämen kann, dass ihr möglicherweise gleich ihre prestigeträchtige Gesprächspartnerin entrissen wird - wo es ihr doch so zum Vorteil gereichen würde von vielen dabei beobachtet zu werden, wie sie mit ihr eine ungezwungene und angeregte Unterhaltung führt - muss sie über Dianthas Gebaren schmunzeln. Denn kaum ist die Information gefallen, dass Lord Tarascon auf sie zuhält, dem es gelingt eine äußerst nichtssagende Miene zur Schau zu stellen, stellt sie rasch ihr Bier ab und zupft vollkommen unnötiger Weise ihr Kleid zurecht. Dann geht sie auch schon ihrem Gatten entgegen und begrüßt ihn mit, wenn die Magierin es richtig verstanden und sich auch richtig entsinnen kann, mit dem Wort für Bär und dem Suffix für mein. Ach wie niedlich. Atevora setzt wieder ihr freundliches Lächeln auf, das sie schon das ganze Fest lang als Maske trägt.
>„Hallo karhuni, du hast es doch noch geschafft!“ „Ich habe Azra und Borgil gesucht, konnte sie aber nirgends ausfindig machen, dabei bin ich der Lady Shin über den Weg gelaufen. Ronan war sie gut sich bereitzuerklären, nach den beiden Ausschau zu halten“ <
„Guten Abend Lord von Tarascon. Es freut mich, dass die Pflicht euch doch noch frei gab.“ Begrüßt Atevora den Neuankömmling in ihrer sich vermutlich bald auflösenden Runde.
>„Lady Shin und ich haben uns gerade über Schneeeulen unterhalten, hast du mal eine in ihrer natürlichen Umgebung gesehen? Und woher stammt Eure, Lady Shin? Habt Ihr sie vielleicht sogar aus dem Norden mitgebracht?“ <

Nun ist sie also doch noch da, wo sie nicht landen wollte. An dem Punkt wo es gilt etwas über ihre Vergangenheit erzählen.
„Mhh.. ein: ja, das habe ich, ist als Ausführung vermutlich zu knapp bemessen, nicht?“
Schallendes Gelächter von Tane. „Ich glaube, ich werte das einmal als ein ja.“ Spricht sie trocken bevor sie eine klarere Antwort gibt: „Nungut, es ist so, ich habe einige Zeit in Immerfrost zugebracht, hoch im Norden in Serathie, und dort heftete sich Via an meine Fersen.“

Olyvar

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Beiträge: 156

Beruf: Lord Commander

Wohnort: Steinfaust

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11

Montag, 2. Juli 2012, 18:58

Olyvars unergründliche Maske löst sich auf und wird beim Anblick seiner Frau zu einem breiten Lächeln, dann dreht Diantha sich um, erspäht ihn, stellt hastig ihren Bierkrug ab und eilt ihm entgegen – in einem sinnverwirrenden, grüngoldenen Gespinst im weichen, blassgoldenen Sonnenlicht, das in ihren Haaren und auf ihrer hellen Haut schimmert, und bei jedem ihrer Schritte wirbeln Wolken weißer Mandelblüten auf, schweben empor und segeln träge wieder zu Boden. Er braucht nur noch die Arme ausbreiten, dann kann er sie um die Taille fassen und kurz, aber ausgesprochen gründlich küssen, und spürt mit jedem Atemzug, wie der ganze Ärger dieses dreimal vermaledeiten Tages aus ihm herausrinnt wie Wasser aus einem umgestürzten Krug. >Ich habe Azra und Borgil gesucht, konnte sie aber nirgends ausfindig machen...< japst Diantha, als er sie wieder loslässt und Olyvar nickt. "Aye, erklär's mir später. Jetzt lass dich zuerst anschauen..." Sie hebt graziös ihre Röcke und dreht sich einmal für ihn im Kreis und mit ihr duftende weiße Blütenblätter, als wollten sie mit ihr tanzen. Olyvar sagt kein Wort, aber das muss er auch nicht – sie kann deutlich in seinen Augen sehen, wie begehrenswert sie in ihrem Festgewand aussieht. Das ist sie immer, ob mit vom Schlaf zerzaustem Haar und in einem zerknitterten Hemd oder in mistfleckigem Stallgewand mit verschwitztem Gesicht, aber in diesem Festkleid ist sie wunderschön. Fianryn hat mit ihrem "hübsch" gewaltig untertrieben. Diantha trägt ihr Haar heute aufgesteckt und obwohl es ihm offen, ungebändigt und ohne jeden Zierrat eigentlich am allerbesten gefällt, muss er zugeben, dass ihr die Hochsteckfrisur gut steht, und elegant ihren schlanken Hals und die hohen Wangenknochen betont. Abgesehen davon würde er sein letztes Hemd darauf verwetten, dass sie unter diesem Rock ein paar spinnwebzarter Seidenstrümpfe trägt und allein der Gedanke an ihre Beine in Seidenstrümpfen (und die ebenso praktische wie unleugbare Instabilität ihrer Kleidung) reicht aus, um ein knisterndes kleines Feuer in seinem Inneren zu entfachen.

Später... Erinnert er sich. Freunde treffen, Kontakte zu Pfeffersäcken und Edelsteinhändlern knüpfen, Wein trinken, Essen genießen, Tanzen... das war der Plan. Doch das Gefühl ihres Körpers, der sich für einen Moment so dicht an seinen schmiegt, lässt ihn so unvermittelt mehr wollen, als nur das, dass er tief Luft holen muss. >...dabei bin ich der Lady Shin über den Weg gelaufen. Ronan war sie gut sich bereitzuerklären, nach den beiden Ausschau zu halten.< "Azra und Borgil sind ungefähr zweihundert Schritt hinter mir am Stand mit den rhaínländer Spezialitäten. Ich hab sie auf dem Weg hierher im Vorbeilaufen gesehen, aber nicht bei ihnen angehalten. Azra futtert sich gerade durch einen Berg von Holzkuchen mit Erdbeeren und etwas, das wie geräucherter Sterngucker aussah, aber vielleicht habe ich mich da auch getäuscht." Er unterdrückt ein amüsiertes Prusten und legt den Kopf leicht schräg. "Wir können sie ja nachher im Gewühl suchen... oder sie finden uns. Borgil kann der reinste Bluthund sein, wenn es gilt, ein bekanntes Gesicht aufzuspüren." Er will sich gerade danach erkundigen, wie ihr Tag bisher verlaufen ist und ob sich ihr Treffen mit dem Schätzer gelohnt hatte, obwohl er natürlich längst an der verhaltenen, doch beständigen Freude in ihrer Miene erraten hat, dass es sicher kein Misserfolg war, als sie auf ein vollkommen anderes Thema zu sprechen kommt. >Lady Shin und ich haben uns gerade über Schneeeulen unterhalten, hast du mal eine in ihrer natürlichen Umgebung gesehen?< Olyvar nimmt ihre Hand und sie schlendern die paar Schritt zu der Magierin und ihren beiden so ungleichen Begleitern zurück. "Nein... ich kam nie weiter nördlich als bis zu den Rhaínfurten am Frostweg und in Hochwald gibt es keine Schneeeulen. Für den Norden bis du zuständig, mein Herz, ich kenne mich außerhalb der Herzlande nur in den azurianischen Wüsten gut aus." Er begrüßt die Magierin mit einem höflichen Lächeln und Tane mit einem knappen Nicken. Die Begrüßung mit dem "Mann fürs Grobe" des Pfirsichs fällt schon ein wenig herzlicher aus, schließlich gehen die Blaumäntel in Lady Al'Meres Haus in Scharen ein und aus und sorgen dafür, dass der gute Mann kaum etwas zu tun hat in seiner Funktion als Beschützer der Mädchen - und wenn doch, weil fremdländische, auswärtige Gäste den Pfirsich unsicher machen, dann kann er sich sicher sein, tatkräftige Unterstützung von jedem gerade zufällig anwesenden Gardisten zu erhalten, sollte es nötig sein.

Diantha nimmt derweil ihre Unterhaltung mit der Magierin wieder auf, die ein wenig herumdruckst, von ihrem rothaarigen Schatten Tane kräftig ausgelacht wird und schließlich doch mit der Antwort herausrückt. Via ist Olyvar noch gut im Gedächtnis – die Schneeeule hatte mehr als einmal in seinem Solar Schutz gesucht, wenn die Botenraben der Steinfaust sie zu arg gepiesackt hatten, als Atevora im Branturm ihrer Genesung im wahrsten Sinne des Wortes entgegengefiebert hatte – und der Vogel ist ihm bei weitem sympathischer, als ihre meist recht krätzige und alles andere als umgängliche, geschweige denn menschenfreundliche Herrin. Obwohl es "Lady Shin" geradezu bewundernswert rasch gelingt, sekheldick Honig um ihre Stimmbänder zu schmieren, als sie schließlich erwidert: >Nun gut, es ist so, ich habe einige Zeit in Immerfrost zugebracht, hoch im Norden in Serathie, und dort heftete sich Via an meine Fersen.< "Wohl eher auf Eure Schulter," antwortet Olyvar trocken und verzieht den Mund zu etwas, das man durchaus als Lächeln bezeichnen könnte. Diantha reicht ihm ihren Bierkrug und er gönnt sich einen Schluck kühlen Verder Dunkels, dann reicht er ihn seiner Frau zurück. Lady Shin ist klein, nach Olyvars Maßstäben sogar winzig und hat den zarten Knochenbau eines Vogels, so dass er sich unwillkürlich fragt, ob sie nicht das ein oder andere Mal schon unter dem Gewicht ihrer schwarzweiß gefiederten Begleiterin in die Knie gegangen ist, denn Via ist alles andere als klein für eine Eule. In ihrem extravaganten Kleid sieht sie sogar recht hübsch aus, wenn man Porzellanpuppen, gestreiftem Haar, ungesunder Todesblässe und spitzen Zähnen, die so wenig zu ihrem Mädchengesicht passen wollen wie ihre Augen, etwas abgewinnen kann. Dann fällt ihm auf, dass Lady Shin offensichtlich allein hier ist, sieht man von ihren beiden männlichen Gesellschaftern einmal ab, ohne ihre Gefährtin Yasraena (was er weiß, weil es in Talyra längst die Spatzen von den Dächern gepfiffen haben und sowohl Radegund, als auch Morna rechte Tratschweiber sind). "Habt Ihr in an der Arkana in Serathie studiert?"
And that's the thing about people who mean everything they say. They think everyone else does too.

The good thing about mages, I find, is that they die much like any other. You need to worry about what happens before that.

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Olyvar« (2. Juli 2012, 19:12)


Borgil

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Beruf: Wirt der Goldenen Harfe

Wohnort: Talyra

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12

Montag, 2. Juli 2012, 20:26

Borgil lauscht hingerissen Azras hinreißendem Geplapper über Calait, Varin, Colevar, Vermisslichkeiten und Ablenkungen, Langeweile im Bett (oder sonst wo), das Bedürfnis, sich an jemandem festhalten zu können, und Mealla. Azra mag in manchen Dingen immer noch schrecklich naiv sein, aber sie ist eine wirklich gute Menschenkennerin geworden. Na, zumindest was das Weibsvolk angeht... Das bringt die Arbeit in einem so großen Gasthaus wie der Harfe mit ihren zahlreichen Gästen und dem ständigen Kontakt zu den unterschiedlichsten Persönlichkeiten und Charakteren einfach mit sich. Als er das Essen erwähnt, knurrt ihr kleiner Magen neben ihm so laut, dass er es selbst durch das bestickte Mieder hören kann und Borgil gluckst leise. Er hat da seit einigen Tagen so einen leisen Verdacht, er ist schließlich nicht erst seit vorgestern verheiratet und er kann außerdem rechnen, aber da Azra noch kein Sterbenswörtchen gesagt hat, wartet er mit einer Mischung aus banger Hoffnung, diebischer Vorfreude und wachsender Spannung auf einen gewissen Moment - und wie es scheint ist das Glück ihm heute hold. Azra legt nämlich, kaum hat er etwas von "Fleischspießen", "scharfer Sauce" und "Verder Kupfer" gefaselt, so gleich los, rafft die voluminösen Röcke um ihre schneeweißen Beine und drängt ihn förmlich in Richtung der zahlreichen Essenstände rund um den Marktplatz. Der angedachte Speiseplan, genauer gesagt, dessen Zusammenstellung und Abfolge, den sie dabei vor sich hinmurmelt wie ein Magier eine besonders komplizierte Beschwörungsformel, lässt Borgils Augen immer größer, seine Hoffnung immer gewisser und sein Grinsen immer breiter werden, bis es allmählich geradezu beängstigende Ausmaße annimmt, weil es ihm bald von einem durchlöcherten, narbigen Ohr bis zum anderen reicht.


Azra indes bekommt davon nicht das Geringste mit, weil sie nämlich gerade vollauf damit beschäftigt ist, in Gedanken Olivenbrötchen mit Schlagsahne, Shenrahbarsch mit Nusscreme und karamelisierte Zwiebelringe mit Sauerbraten und Honigkugeln zu kombinieren. Selbst Borgils Geschmacksknospen (ohnehin eher mangelhaft ausgeprägt, schließlich ist er ein Zwerg) protestieren bei der Vorstellung all dieser völlig widersprüchlichen Aromen auf einem Haufen, und sein Magen zieht sich prompt missmutig zusammen, doch auf solche Nebensächlichkeiten kann er jetzt beim besten Willen nicht achten. Er sagt erst einmal gar nichts, auch wenn er sich lange und fest auf die Zunge beißen muss, um seine Klappe zu halten und sie nicht augenblicklich und auf der Stelle mit der Frage aller Fragen zu bestürmen, sondern beobachtet fasziniert, wie seine kleine Frau am Stand der Rhaínländer Holzkuchen mit Schlagsahne und Erdbeeren bestellt, einen Geruch in ihr Näschen bekommt, ihm ihre hölzerne Schale mit den süßen Köstlichkeiten kurzerhand in die Hände drückt, wittert wie ein Bluthund (sehr niedlich) etwas von "gleich wieder da" nuschelt, nach nebenan huscht, sich ein paar geräucherte Sterngucker kauft (noch niedlicher), zu ihm zurückkehrt, die Fische in die Sahne (samt Erdbeerstückchen, Kuchen und allem) tunkt und...
... ihn argwöhnisch (am allerniedlichsten) ansieht, den Mund voller Erdbeeren und Geräuchertem, als wolle sie fragen: "Was guckst du denn so?" Das tut sie auch, dank der erklecklichen Menge Essens zwischen ihrer Zunge und dem Gaumen hört es sich allerdings eher an wie "Hnaguho?" Dann kaut und schluckt sie mit seliger Begeisterung, ihr Blick wird jedoch rapide besorgt, was nur zu verständlich ist, denn Borgil sieht mittlerweile ein wenig aus wie ein simmernder Dampfkessel kurz vor dem Überkochen, allerdings nicht vor Zorn, sondern vor Begeisterung.


Genauer gesagt strahlt er schon mit jedem Sonnenstein um die Wette, den man stundenlang in der azurianischen Wüstenhitze gebacken hatte. Sie will wissen, ob es ihm gut gehe, die Hitze, er sei ja ganz rot im Gesicht, was er nur habe, doch statt einer Antwort hebt Borgil einfach nur fragend eine Braue und sieht sie lange, lange an. Hinter ihr, vielleicht fünfzig Schritt entfernt, marschiert Olyvar vorbei und winkt kurz herüber, doch der Lord Commander hat es offensichtlich eilig und keine Macht Rohas hätte Borgil jetzt von der Seite seiner Frau wegbekommen, weder die Götter, noch ein Dämon, noch nicht einmal ein Drache. "Naaaaaaaaaa?" Fragt sein Blick und er beobachtet wie sich allmählich ein sanfter Pfirsichton auf Azras blassen Wangen ausbreitet, ehe sie ihn anblinzelt und dann sacht nickt. "Du hast es hingekriegt!" Zartfühlend wie ein Dornendiwan und mit dem Charme eines Branhorns gesegnet, reißt Borgil sein Schneemädchen an sich und wirbelt sie ein paarmal schwungvoll im Kreis herum, was weder dem Holzkuchen mit Schlagsahne, noch den erdbeergespickten Räucherfischen gut tut, doch götterlob landet alles nur auf dem Boden nicht auf ihren Kleidern, weil die Schale im Eifer des Gefechts nämlich in hohem Bogen davonsegelt und ihr Inhalt sich schwungvoll in die weißen Mandelblüten ergießt. Einerlei, er würde ihr gleich eine neue essbare Unaussprechlichkeit besorgen, aber erst muss er sie einfach küssen - und das tut er dann auch, lange, selbstvergessen und sehr, sehr zärtlich (und obendrein unter dem johlenden Applaus eines guten Dutzends anderer Festbesucher ringsum, auch wenn die keine Ahnung haben, um was es geht.) "Wann?"

Brenainn: Hast du Mama gefragt?
Borgil: Jungchen, ich bin über vierhundert Jahre alt, ich war Himmelswächter, Abenteurer, Söldner und Kriegsherr, ich führe dieses Gasthaus seit mehr als zweihundert Jahren und ich bin Veteran zahlloser Schlachten... natürlich habe ich deine Mutter gefragt!


Badassery
is bringing knives to a gunfight.
Then winning.

Atevora

unregistriert

13

Dienstag, 3. Juli 2012, 01:56

>“"Wohl eher auf Eure Schulter,"< Entgegnet der Lord Commander trocken und zieht die Mundwinkeln zu einem vielleicht etwas spöttelnden, aber dennoch freundlichen Lächeln hoch. Atevora wird übrigens in diesem Moment wieder im vollem Umfang bewusst, dass sie praktisch umringt von Riesen ist, denn um die Bewegung in dem Gesicht des Commanders betrachten zu können, muss sie ebenso wie bei Tane und Ronan, den Kopf weit in den Nacken legen.
„Durchaus, das heißt, wenn sie dort Platz hätte.“ Gibt die Eismaid umgehend zurück. „Ich muss allerdings ehrlich gestehen, ich bin nicht unfroh, dass dem nicht so ist.“ Ronan wirft schon mit leicht alkoholverwaschener Stimme ein: „Scharfe Krallen?“ Atevora Antwortet darauf äußerst wortreich mit einem „Korrekt.“ und nippt anschließend ebenfalls an ihrem Getränk.
Unterdessen flaut kurzzeitig der Wind auf, er trägt eine kühle Brise duftig beladen mit dem Odeur des Blumenschmuks rings an sie heran und lässt die hellen Sonnenflügel die über ihnen spannen geräuschvoll flattern. Atevora genießt den Geruch, der sich mit dem Bukett des Weines mischt und ertappt sich dabei wie sie sogar einen Augenblick genussvoll die Augen schließt.

Sie fühlt sich heute wohl. Tane hat ihr zwar nicht den Wein gebracht den sie verlangt hat, dafür einen der ihr sogar weit besser schmeckt, und den brachte er ihr ziemlich sicher wohlwissend mit voller Absicht. Er weiß wie sehr sie einen edlen Tropfen mit einer fruchtigen Beinote schätzt, und genau so etwas hat er ihr auf seine Kosten mitgebracht.

Ein ehrliches zufriedenes Schmunzeln wie ein unausgesprochenes „Dankesehr“ breitet sich auf ihren Lippen aus, während ihr Blick kurz hoch zu dem Rothaar wandert. Als sich die Blicke kurz kreuzen, hat er ein vielsagendes Funkeln in den grünen Augen, bevor er sie wieder in die nahe Ferne richtet und das Weibsvolk begutachtet. Warum er wohl noch hier steht und nicht schon längst auf die Pirsch gegangen ist? Womöglich wartet er auf eine bestimmte Dame, oder er ist mittlerweile anspruchsvoll geworden.
Die Eismaid nimmt jedenfalls nicht an, dass er bleibt um einen stützenden Rückhalt ob der Anwesenheit des Lord Tarascon zu bilden, denn es ist ohnehin klar, dass dieser keine Sympathien für sie unter der respektvollen Distanziertheit verbirgt und ebenso klar ist, dass es sie nicht berührt, oder weiter kümmert. Kein Wunder, schließlich ist sie mindestens so sensibel wie ein Brocken Granit und ebenso bewegt, wenn es gilt irgend eine Reaktion bezüglich Gesinnungslagen in ihrem Umfeld zu zeigen. Sie ist sich mehr als bewusst, dass sie keine besonders einnehmende Persönlichkeit besitzt, auch wenn sie seit längerem stark bemüht ist durchgehend ein sozialverträglicheres Auftreten an den Tag zu legen. Es ist einerlei wenn keine überschäumenden Sympathien vorhanden sind, die ihr nebenher erwähnt eigentlich ohnehin nie jemand entgegenbringt, es genügt ihr, wenn eine gewisse Höflichkeit beibehalten wird. Der Lord Commander hat diese immer gewahrt und Atevora schätzt dieses Verhalten sehr.

Wer weiß, womöglich wenn sie sich heute das erste Mal über den Weg laufen würden, vielleicht würde sie sich besser verstehen. Sie ist schon lange nicht mehr derart Schroff wie damals und mittlerweile auch oft ehrlich bemüht um ein weniger gleichmütiges Auftreten. Es ist allerdings schwer alte Verhaltensweisen aufzubrechen und neue zuzulassen. Sie muss es erst lernen auf Andere auch ehrlich einzugehen und sich auf ihr Umfeld einzulassen, zumindest dort wo es ratsam erscheint. Nette, anständige Personen wie beispielsweise Azra oder Aurian sind eine solche Zielgruppe. Allerdings hat Atevora nur Erfahrung mit kaltblütig, berechnendem Verhalten und kurzzeitigen schauspielerischen Auftritten um ihre Ziele zu erreichen, oder zu wahren, und weniger mit einem dauerhaften gleichmäßigen Geben und Nehmen.
Sie kann mit den schlimmsten Ganoven Schlitten fahren, doch mit einer ehrlichen Umarmung weiß sie nichts anzufangen und ist damit in ihrer kleinen Welt schlichtweg vollkommen überfordert.
Es gibt nur wenige die genau hinsehen, sie nicht in eine Schublade stopfen, krampfhaft ändern wollen sondern ihr geduldig mit kleinen Schritten voran die Zeit lassen, die sie benötigt. Tane beispielsweise ist so jemand. Er verhält sich nur so ungalant und spöttelnd ihr gegenüber, da er genau weiß, dass sie die damit aufgebaute Pufferzone benötigt um sich nicht zurückzuziehen und aus Selbstschutztrieb eine Mauer zu bauen.

Auch wenn beim Lord Commander die Kutsche schon lange für eine gute zwischenmenschliche Atmosphäre abgefahren ist, vielleicht hat es bei Diantha funktioniert? Es wäre jedenfalls wünschenswert, wenn sie nicht als unliebsame Begegnung abgetan würde. Wie auch immer. Fest steht jedenfalls, es ist sehr lieblich zu betrachten wie Diantha und ihr Gatte miteinander umgehen, wie sie sich herzlich und voller Zuneigung begrüßten. Selbst dieses einander Reichen des Bierkruges ist gewissermaßen entzückend, aber auch gleichsam quälend.
Sie ist hier alleine und hat augenscheinlich niemanden der ihr wirklich nahe steht, auch wenn es nur so wirkt, schließlich spielt Tane aus reiner Freundschaft den ständig ungehobelten Frechdachs ihr gegenüber, auch wenn dies im Verborgenem bleibt, auch für Atevora. Die Shin vermisst jedenfalls Yasraena, welche sich mit ihrer oft viel zu großen Güte dazu bereit erklärt hat einige Arbeitsaufgaben anderer Mägde der Harfe zu übernehmen, damit diese heute ihren Liebsten nahe sein können. Vielleicht trägt ihr offensichtliches Fehlen an diesem Abend dazu bei, dass die Gerüchte über die zwei Frauen und die Art ihrer Beziehung ein wenig ins wanken gerät. Dies wäre dennoch nur ein schwacher Trost für ihr Fehlen. Die Gerüchte über sie Beide kamen übrigens auch nur wegen der ohnehin rein aus Gewohnheit stattfindenden ständigen üblen Nachrede rund um Atevora auf. Hier musste natürlich in Bezug auf sie und Yasraena wieder großzügig etwas skandalöses Verbreitung finden, denn an der beiden Benehmen in der Öffentlichkeit konnte es nicht liegen. Atevora und Yasraena waren immer sehr Diskret und benahmen sich nicht anders als es andere beste Freundinnen es auch tun.

>"Habt Ihr in an der Arkana in Serathie studiert?"< Erkundigt sich der Lord Commander schließlich, als er den Bierkrug wieder an seine Gattin zurückgereicht hat.
„Ja, teilweise.“ Warum Teilweise? Liegt die Frage unausgesprochen in der Luft und Atevora beantwortet sie: „mancher Tags befand ich mich auch auf den nächtlichen Sommerinseln. Normalerweise sollte ein Magier des Elementes Wasser auch in der elementspezifischen Akademie unterrichtet werden und nicht unter Feuermagiern, aufgrund diverser Probleme wurde bei mir allerdings eine Notlösung beschlossen.
Ich wurde nur ab und an für praktische magische Lektionen, und dieserlei Dinge deren Durchführung in Serathie nicht möglich gewesen wäre, auf die Sommerinseln mittels der Mondtore geschickt.“ Atevora erinnert sich, es war immer ein wenig so als würde sie direkt in einen riesigen Ofen geschickt. Dem, der die raue Kälte und die beißende trockene Luft Serathies gewöhnt ist, fällt es schwer sich zu akklimatisieren, wenn er sich plötzlich in einem drückend heißen schwülen Umfeld befindet. Das Bewältigen der unterschiedlichen Aufgaben erforderte auch teilweise ein wenig zusätzliche Kreativität, schließlich musste sie nachts bewältigen wofür andere Tageslicht zur Verfügung hatten. Sie hat allerdings bald erkannt, wenn die Luft und voll von Dunst und die Umgebung nass vom Regen ist, gibt es gewisse Möglichkeiten. Die Nachtsicht der Elben wäre dennoch sehr oft mehr als praktisch gewesen. „ Es ist eine ziemliche Herausforderung für den Körper, wenn sich plötzlich das Klima derart verändert.“
>“Das kann ich mir vorstellen“< Wirft das Rothaar dazu ein, woraufhin Atevoras Augenbraue kritisch nach oben Wandert. >“Gut, nein, ich kann es mir nicht wirklich vorstellen, aber dafür den Abend eventuell mit diesem niedlichen Mädel dort drüben zu verbringen. Sie sieht grad so traurig und verdattert aus die Arme. Das ist untragbar an Inari.“ Atevora hat natürlich keine Ahnung was Tane da von da oben gerade im Umfeld beobachtet hat, aber ganz offensichtlich wittert er eine gute Möglichkeit. „Du hast Recht. Du edelmütiges Wesen musst das natürlich sofort ändern und ihr wieder ein Lächeln auf die Lippen zaubern!“ Auch wenn kein zynischer Tonfall mitschwingt ist an der Wortwahl doch eindeutig zu erkennen, dass sie den Jüngling ein wenig aufzieht. Nichtsdestotrotz gibt er von seiner Aufgabe überzeugt ein: „Vollkommen Richtig!“ zurück und verabschiedet sich von der Runde in dem er allen noch eine wundervolle Inarinacht wünscht.

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Atevora« (3. Juli 2012, 09:18)


Anaryamara

unregistriert

14

Dienstag, 3. Juli 2012, 12:31

Inaritag 512, vom Verder Tor kommend
Allein der Weg zum Marktplatz war schon die Reise wert, Anaryamara kann sich gar nicht satt sehen an all den Leuten. Menschen, Elben, Halbelben, Feen... Alle geschmückt, zurechtgemacht, herausgeputzt und nicht wenige mit schweren, süß duftenden Ölen eingerieben. Der ein oder andere junge Mann schenkt ihr ein schüchternes - oder durchaus auch ab und an ein keckes - Lächeln, und endlich erreicht sie den Marktplatz. Der süße Duft der Kirsch- und Rosenblütenblätter auf dem Boden hüllt sie ein, Stimmengesurr, Musik und Lachen erfüllen die Luft, und während für manchen Marktplatzbesucher heute einfach nur ein unvergleichlich gutes Fest stattfindet, für Anaryamara ist der Inaritag eine zutiefst religiöse Erfahrung. Wo soll man sich der Göttin näher fühlen als zwischen all den gut gelaunten, feiernden, turtelnden Menschen? Sie verliert sich völlig im Fest. Sie kann gar nicht zählen, wie viel sie getanzt hat, bis der Mittag kommt und geht, und die Prozession! Oh, die Prozession. Jedes kleine Detail will sie sich ganz fest einprägen, damit sie einen Brief nach Hause schreiben kann. Mikena kennt natürlich das talyrische Inarifest, sie ist einst extra hergepilgert, aber Bran... Nun, Bran hält sich sogar dem dörflichen Inarifest oftmals fern und könnte dem talyrischen sicher noch viel weniger abgewinnen, aber er läßt sich gern Anaryamaras Briefe von Mikena vorlesen, da ist sich die Halbelbe sicher. Und vielleicht findet er ja doch noch näher zu den Göttern...? Manch ein Immerländer braucht ja sein ganzes Leben dafür.
Als Shenrahs Auge den Zenit überschritten hat, läßt Anaryamara sich auf einer der Bänke nieder. Ein Becher süßen Beerenweins stillt ihren Durst, und sie hat vor sich auf dem Teller so viele Leckereien aufgetürmt, es scheint, sie hätte von jedem Gericht ein Teelöffelchen genommen, um auch ja alles probieren zu können. Das stimmt natürlich nicht, aber sie hätte gerne. So viele verschiedene Speisen auf einmal hat sie ihr Lebtag noch nicht gesehen, und dann auch noch so viele erlesene Spezialitäten! Später muß sie sich unbedingt noch einen Teller mit Süßspeisen holen, aber jetzt erst einmal sitzt sie im Schatten der bunten Tücher, genießt eine sanfte Brise und schlemmt sich durch Briocaer Fiedeln, Verder Schinken, Sternguckerpastete, einen ihr unbekannten Fisch in einer Honig-Senf-Sauce, gegrilltes Huhn mit würziger Kräutersauce und gebratenes Rind mit einer süßen Tomatensauce, deftiges Knoblauchbrot, eine Auster, ein Stück deftiger Pastete... Möglicherweise verzerrt es das Geschmackserlebnis etwas, daß die Speisen sich unweigerlich miteinander mischen, aber daran stört sich die Halbelbe nicht. Nicht irgendwann und ganz sicher nicht am Inaritag.
Fast vergisst sie während des essens, den Festtagsbesuchern nachzuschauen, und dabei gibt es doch so viel zu sehen. Dort eine Gruppe kichernder junger Mädchen mit roten Füßen, ein außergewöhnlich leichtfüßiges Paar auf der Tanzfläche drüben, ein elfengleiches junges Mädchen mit honigblonden Locken, das an Anaryamaras Tisch förmlich vorbeizuschweben scheint, die Armreifen klimpernd und die Lippen dunkelrot angemalt, und unweit von ihr becirct ein junger Charmeur eine Dame aus offensichtlich besserem Hause. Gelegentlich stößt die Halbelbe mit einem ihrer Banknachbarn an und lauscht, leicht beschämt, weil sich das Gespräch ja eigentlich nicht an sie richtet, den zotigen Erzählungen eines Mannes ein paar Plätze weiter - der allerdings gibt seine Anekdoten nun wirklich laut genug für den ganzen Tisch zum Besten. Mit der Zeit beginnt sie, sich etwas träge zu fühlen, so fürchterlich rund hat sie sich schon lange nicht mehr gegessen. Und es ist ja noch so viel von den auf dem Teller ineinander laufenden leckeren Saucen übrig, daß sie einfach das frische, weiche Brot noch ein paar Mal hineintunken muß. Verzückt seufzt sie leise, und es ist noch so viel von diesem wundervollen Tag übrig. Den Inariwein, das weiß sie, wird sie erst am Abend kosten können. Bis dahin fühlt sie sich hoffentlich nicht mehr so schwerfällig wie nach dem Essen, - und ihr fehlt ja noch der Nachtisch! - immerhin hat sie sich fest vorgenommen, zu Ehren der Göttin die ganze Nacht hindurch zu tanzen.

Mealla

Stadtbewohner

Beiträge: 93

Beruf: Heilerin

Wohnort: Talyra

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15

Dienstag, 3. Juli 2012, 21:19

Nachdem sie wegen ihres überschwänglichen Gelächters von Marthea vor die Tür der Harfe gesetzt wurden, steuert Mealla mit Calait am Arm auf die Festtafeln zu. Dabei versucht sie darauf zu achten, dass sie auf genug potentielle Verehrer treffen um sich schön zu fühlen, aber auf nicht zu viele, um noch voran zu kommen. Wenn man nicht nur an sich selber denken kann, sondern für jemand anderen mit sieht, nimmt man die Welt ein wenig anders war, muss umsichtiger sein. Das lenkt die Heilerin trotzdem nicht davon ab, einen Haufen Spaß zu haben, der auch beinahe garantiert ist, wenn man mit Calait unterwegs ist: Sie ist stets so gut gelaunt und positiv obwohl sie in ewiger Dunkelheit lebt, davon kann man sich nur anstecken lassen. Davon abgesehen, dass die beiden Frauen sich gut verstehen und viel miteinander lachen, hat Calait noch einen anderen Vorteil: Obwohl sie eine ausgesprochen schöne Frau ist, sieht sie so vollkommen anders als Mealla aus, dass das keine Probleme bereitet. Außerdem mögen sie verschiedene Männer, was ebenfalls sehr von Vorteil ist und schier unendliche Gesprächsthemen bietet. Als sie an der Festtafel ankommen, ist die Enttäuschung vor allem bei Calait allerdings groß: Der Abstecher bei der Familie Blutaxt hat länger gedauert, als Mealla dachte, denn die ganze Festtafel ist leergefegt. Insgeheim ist die Heilerin ganz froh darum, denn ihr Kleid passt ihr mit leerem Magen wie angegossen, aber sie befürchtet, dass das mit vollgeschlagenem Bauch etwas anderes wäre, dann müsste sie das Mieder lockern, was wiederum nicht so gut aussehen würde. >„Sollte der Wein ebenfalls alle sein, muss ich leider Borgils alkoholische Privatvorräte plündern. Ich weiss, dass er irgendwo einen besonders leckeren zehnjährigen Branntwein aus Tenasserim stehen hat... ich habe ihn nur noch nicht gefunden. Apropos lecker: Kannst du Rabenauge oder Dhjeremya irgendwo entdecken?“< Zehnjähriger Branntwein klingt selbst für Meallas exquisiten Geschmack – ihr Vater nennt ihn auch „schlichtweg teuer“ – vielversprechend, andererseits ist Inari der Tag des Inariweins. „Die Inaripriester werden schon dafür sorgen, dass der Inariwein erst ausgeht, wenn alle zu betrunken sind, um es zu merken“, entgegnet sie und hält nach den beiden Männern Ausschau. Das gestaltet sich als schwierig, denn Mealla ist, typisch Herzländerin, alles andere als groß, trotzdem meint sie den hochgewachsenen Julian ein paar hundert Schritt entfernt auszumachen. Prompt versucht sie, auf sich aufmerksam zu machen, was ihr aufgrund ihrer Größe nicht gelingt und steuert mit Calait zielstrebig auf den Mann zu.

Leider geraten sie mitten in eine Gruppe junger Kerle, die sich scheinbar im Tross auf die Suche nach hübschen Rotfüßen gemacht haben. Die Männer wollen sie am liebsten überhaupt nicht mehr gehen lassen und reden von allen Seiten auf sie ein. Zu Beginn ist das Ganze noch recht lustig, Mealla genießt die Komplimente und die allgemeine Aufmerksamkeit, doch langsam kommt eine gewisse Unruhe in die Gruppe, jeder möchte sich als der Beste, Schönste und Tollste darstellen. Die Heilerin befürchtet, dass sich die Stimmung hochschaukeln und es zu einer Schlägerei kommen könnte. Außerdem ist ein Verehrer ihr bereits einmal beinahe in den Ausschnitt gefallen und er sieht so aus, als könnte er es jeden Moment wieder versuchen. Mealla seufzt, eigentlich hatte sie gehofft, dass sie an diesem Abend niemanden zurechtweisen müsste, aber dass lässt sie sich Inari hin, Inari her dann doch nicht gefallen. Bevor sie auch nur den Mund aufmachen muss, verschwindet der liebestrunkene Jüngling aus ihrem Blickfeld, stattdessen taucht Rabenauge auf und Mealla atmet erleichtert durch. Es braucht nicht viele Worte, sondern nur einen eisigen Blick und die übrige Männeransammlung löst sich schneller auf, als sie entstanden ist, auch Julians Spruch trägt dazu bei. „Ich danke dem Held für die edle Rettung“, stellt sie mit einem Grinsen fest. Der junge Mann mit den ungewöhnlich dunkelblauen Augen, die ihm seinen Namen eingebracht haben, antwortet mit einem verruchteren Lächeln: „In einem Kleid wie diesem braucht es wohl einen Held um dich vor den aufdringlichen Interessenten zu bewahren.“ „Danke“, antwortet sie aufgesetzt schüchtern und lacht. Sie weiß genau, wie gut ihr das Kleid steht und dass es die richtigen Körperstellen betont. „Ach, da mache ich mir keine Sorgen, du schaffst das schon“, entgegnet sie zufrieden und nimmt seinen angebotenen Arm. Diese Höflichkeit und nicht so derbe Art mit ihr zu reden hat Mealla die letzten zwei Wochen versüßt, nachdem sie in letzter Zeit wechselnde Bekanntschaften hatte, könnte sie sich auf ihn vielleicht sogar für ein Weilchen festlegen. Rabenauge ist nicht ganz so hochgewachsen wie sein Bruder, dafür ist er vom Körperbau etwas kräftiger, obwohl er kein ganz so breites Kreuz hat. Zu seiner Stärke kommt ein unglaubliches Geschick mit dem Bogen, der zweite Grund, aus dem sein Name auf ihn zutrifft. Die Heilerin hat ihn zwar bisher erst einmal an der Schießscheibe gesehen, doch das hat gereicht um ihr zu beweisen, dass die Betitelung „Meisterschütze“ nicht umsonst. Calait und Julian sind so sehr miteinander beschäftigt, dass Rabenauge erst auf sich aufmerksam machen muss, bis er vorschlagen kann: „Lasst uns einen Platz am Ende der Festtafel in der Nähe der Bühne suchen. Dort wird Wein ausgeschenkt und gleich spielen die Troubadoure auf.“ Calait ist dem Thema Wein natürlich gleich sehr angetan, also besorgen sie sich welchen. Auf leeren Magen trinkt es sich nicht gut und Meallas hat tatsächlich schon eine Weile nichts gegessen, länger als ihr bewusst ist. Sie trinken, sie scherzen und lachen ausgiebig, dabei leert sich das Weinglas in rasender Geschwindigkeit. Dementsprechend angeheitert ist sie auch schon bei dem dritten Glas Wein, als die Troubadure endlich anfangen zu spielen. Eigentlich sind sie ein wenig früh dran, denn das Inarifeuer wurde noch gar nicht entzündet, doch Mealla kommt das gerade recht. Bevor Rabenauge oder Julian noch etwas sagen können, stellt sie fest: „Damenwahl!“ und erhebt sich von der Bank. „Würdet Ihr mir die Ehre erweisen, mylady?“, fragt sie grinsend und reicht Calait die Hand.

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