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Atevora

Unregistered

31

Saturday, July 14th 2012, 5:02pm

Inari 512

Cinaed hat sich trotz des geschienten Beines höflich erhoben und begrüßt nachdem er Dianthas Fragen beantwortet hat ihren Gatten und zum Schluss die Magierin. >„Guten Abend, ...Lady Shin, richtig?“< Erkundigt er sich. Atevora, die sich immer möglichst nahe an der Wahrheit hält, entgegnet ihm: „Ja, gewissermaßen.“ schließlich hat sie weder das Anrecht auf den Ladytitel, oder zumindest schon lange nicht mehr, noch ist Shin ihr richtiger Name. "Es freut mich Eure Bekanntschaft zu machen."
Nachdem die Begrüßungsformalitäten bewältigt sind, setzt sich der Elb wieder, aber nicht für lange, denn kaum hat der Schafzüchter mit seinem Hinterteil wieder Kontakt zur Holzfläche der Sitzbank, bricht Azra wie ein wahrer Gute-Laune-Begrüßungs-Hurrikan über sie herein. Wie ein ein-Frau-Fröhlichkeitssturm nimmt sie Diantha mit einer Umarmung in Beschlag und die Worte sprudeln gleich einem klaren, plätschernden Gebirgsbach nur so aus ihr hervor. Früher hätte Atevora vermutlich kommentiert sie plappere wirres Zeug, an diesem Abend sieht das Ganze allerdings anders aus, sie könnte es nur als niedlich beschreiben. Mit einem jovialen Lächeln auf den Lippen betrachtet Atevora wie sich der Lord Commander im wahrsten Sinne des Wortes entgegenkommend zu der zierlichen kleinen Halbelbe herab beugt – andernfalls hätte Azra wohl nur seine Taille geknuddelt - um von der kleinen zarten Person in den prachtvollen raschelnden Gewändern ebenfalls eine freundschaftliche Umarmung zu empfangen, bevor schließlich auch noch Cinaed mit einem herzlichen Drücken begrüßt wird.
Die Szenerie ist lieblich und wirkt geradezu Familiär, und langsam aber sicher muss Atevora das Bild, welches sie vom Lord Commander hat ein wenig neu justieren, denn dieser zeigt hier bereits den gesamten Abend über eine ihr völlig unbekannte Facette weit abseits der straffen Härte. Trotzdessen sie das Schauspiel sehr vergnüglich wertet, spürt sie so etwas wie einen leichten Stich in der Brust. Die Freundschaftliche Bande zwischen den Personen hier springt einem förmlich wie mit großen leuchtenden Lettern geschrieben geradezu erschlagend entgegen, doch sie, sie gehört nicht zu diesem Kreis. Sie ist hier nur ein geduldeter Gast. Besonders auffallend ist dies, als Azra mit der Begrüßung bei ihr anlangt. Der Liebevolle Ansturm ist jäh unterbrochen und sie wirkt - wie immer wenn sie zusammentreffen - eher unschlüssig wie sie Atevora mit ihrer eher verstockten Natur nun adäquat begegnen soll und lächelt die Shin nur unsicher an.

>„Atevora, schön dich zu sehen.“< Verkündet die Frau mit so aufrichtigem Tonfall, dass selbst die Magierin nicht umhinkommt die Aussage als glaubwürdig und wahr zu akzeptieren. Vor noch wenigen Monden hätte sie es vermutlich nicht, sie hätte nur eine leere Phrase dahinter gesehen, vor allem da sie sich für einige Zeit eingebildet hatte, Azra würde absichtlich oft einen Vorwand suchen um dem Treffen mit ihr und Yasraena zum Abendessen, oder Picknick aus dem Weg zu gehen, obwohl die Idee der Dreisamkeit ursprünglich von Azra selbst stammte. Mittlerweile hat die Magierin längst eingesehen, dass es einfach nur so nicht sein möchte, und Azras Kinder tatsächlich zu ganz ungünstigen Zeitpunkten erkranken - wie beispielsweise auch heute - oder sich anderes dazwischen schiebt, und um ehrlich zu sein, lag es auch oft genug an der Shin und den langen Reisen die sie ständig immer wieder unternehmen muss, welche vereitelten, dass die drei Weißhaarigen ihre Planungen hätten umsetzen können.
Trotz all dem zucken Atevoras Augenbrauen kurz ein wenig ungläubig zusammen, was allerdings nicht an der Halbelbe Aussage liegt, sondern am Namen mit dem sie Atevora angesprochen hat. Es ist das erste Mal, dass Azra sie mit ihrem echten Namen anspricht, und das auch noch in voller Öffentlichkeit.

>“Ich dachte du würdest vielleicht nicht kommen, weil Yasraena in der Harfe eingebunden ist. Es tut mir wirklich leid, aber es war nicht anders zu regeln.“ <
Azra klingt ehrlich traurig über den Umstand, doch Atevora kann das Ganze durchaus verstehen. Auch zu Inari, oder besonders zu Inari hat die Harfe viele Gäste, und da braucht es eben auch Personal, welches den Gastbetrieb am laufenden hält. Yasraena ist eben viel zu gutmütig und hat die Dienstzeiten mit einigen getauscht, sodass diese heute Zeit für das Fest haben, aber Yasraena im Gegenzug natürlich nicht mehr. Dafür wird sie die nächsten Tage mehr Freizeit besitzen, und Atevora hat vor jede einzelne Stunde davon mit der Elbe zu verbringen. Es braucht nicht zwingend ein Fest der Liebe um die Zeit mit den Liebsten zu verbringen und diese auch zu schätzen und im vollem Umfang auszukosten. „Ich weiß, auch zu Inari braucht die Harfe ein wenig Personal das sich um die Gäste und deren Tiere kümmert. Meine Liebste.. Freundin ist was das tauschen von Dienstzeiten anbelangt manches Mal einfach zu altruistisch.“
Es ist der Magierin vermutlich anzumerken, dass Yasraenas fehlen sie bekümmert. Vor allem Azra die für ihre Einfühlsamkeit geradezu berüchtigt ist fällt es wohl auf. Vermutlich ist das auch der Grund, weshalb Azra die fast allgegenwärtig spürbare kühle Mauer - welche Atevora immer um sich zieht und die auch vorhin vermutlich den überschwänglichen Ansturm jäh enden ließ - nun vollkommen ignoriert. Gänzlich unerwartet macht die Elbe einen Schritt auf Atevora zu, überwindet die Höflichkeitsdistanz zwischen ihnen und schließt die Magierin einfach in ihre wärmenden Arme.
Eiskalt überrumpelt erstarrt Atevora prompt zur Granitsäule und ihr Gesichtsausdruck spiegelt abrupt vermutlich eine Mischung aus Unglauben, Verwirrung und Verblüffung wieder. Jetzt wird sie schon zum zweiten Mal an diesem Abend umarmt, und weiß nichts mit sich oder der Geste anzufangen, als wär es eine Sprache die sie einfach nicht versteht.
Noch bevor Atevora eingedenkt, dass sie die Umarmung erwidern und ihre Hände ebenfalls um Azra schlingen sollte, löst sich diese schon wieder von ihr. Vermutlich hat Atevoras Reaktion, oder eher das ausbleiben dieser sie verunsichert, oder gar verschreckt. Das war nun wirklich nicht ihre Absicht. Ehe die Halbelbe womöglich neuerdings verunsichert rasch wieder Abstand zwischen sich und der Magierin bringen kann, hindert Atevora sie daran und greift nach Azras Handrücken.
„Entschuldigt Azra, es war nicht meine Absicht..“ Euch mit meiner Unzugänglichkeit zu Ohrfeigen? Eure Freundlichkeit zurückzustoßen? Unwohlsein auszulösen? Atevoras Augenbrauen schieben sich auf der Suche nach den richtigen Worten zusammen, findet sie nicht und sie verwirft den Satz und beginnt neu : „Ich danke dir für deine Einfühlsamkeit.“ Die Magierin schenkt Azra ein sachtes ehrliches Lächeln und drückt der Halbelbe Hand sanft bevor sie wieder zu ihrer alten Form zurückfindet. Ein wenig legt sie den Kopf wie zur Musterung schief, das Lächeln wird neckischer und der Tonfall fröhlicher „Ihr..“ Warte.. das war vorhin ein Duzen, oder? „Du siehst hinreißend aus!“ Dann macht sie einen kleinen Schritt auf sie zu, sodass sie ganz nah an Azra steht und flüstert ihr geheimtuerisch ins Ohr: „Borgil kann gewiss kaum an sich halten dich nicht sofort wieder aus dem Kleid herauszuschälen, hm?“

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Borgil

Stadtbewohner

Posts: 104

Occupation: Wirt der Goldenen Harfe

Location: Talyra

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32

Monday, July 16th 2012, 9:42pm

Azra wäre nicht Azra, würde sie das kleine Grüppchen, das sich gerade um den Herrn von Glyn-y-Defaid und Borgils erklärtem Lieblingslieferanten für exzellentes Lämmer- und Hammelfleisch, bildet, nicht mit einem wirbelnden Ansturm an fröhlicher Liebenswürdigkeit und überschäumender Wiedersehensfreude heimsuchen, und das tut sie dann auch – nach allen Seiten gleichzeitig, scheinbar jeden auf einmal mit Aufmerksamkeit überschüttend und, wie stets dabei, absolut unwiderstehlich. Der Stadtrat sollte sie zur talyrischen Abgesandtin im Außendienst machen... Stellt er nicht zum ersten Mal und wie immer mit einer Mischung aus Erheiterung und Stolz fest. Wir könnten uns vor Handelsabkommen, Freundschaftsbezeugungen und Friedensbeschlüssen kaum retten... Er selbst begrüßt Olyvar und Diantha nur mit einem breiten Grinsen und einem Nicken, und lässt sich dann auch schon von Azra weiter zu ihrem nächsten "Opfer" ziehen, nämlich Cináed, der so rasch es sein verletztes Bein erlaubt, aufsteht um sich ihrem Überschwang zu stellen. Borgil hingegen, kaum hat seine Frau Atevora angepeilt, sieht den belustigt und ein wenig verblüfft, aber durchaus angenehm überrascht erscheinenden Schafzüchter todernst an, schüttelt sacht den Kopf und erklärt feierlich – eine schwielige Hand auf dem Herzen. "Ich schwöre, dass sie noch keinen Tropfen Wein im Leib hat, ehrlich." Dann nickt auch er zur Begrüßung. "Setzt Euch wieder und schont Euer Bein, Ihr müsst wirklich nicht aufstehen, um uns zu begrüßen. Wenn Calait sieh...äh, na, Ihr wisst schon, was ich meine..." Schließlich sieht die Resande ja nichts, bekommt aber auf geheimnisvolle Weise trotzdem irgendwie das meiste mit... "dann schimpft sie wieder wie ein Rohrspatz, dass Ihr das Bein zu viel belastet." (Und sie würde auch ihn, Borgil, schimpfen, weil er zugelassen hatte, dass Cináed aufsteht, und wenn er dann augenverdrehend fragen würde, wie er den Elben daran hätte hindern sollen, schließlich sei der – also Cináed – ein erwachsener Mann, der schon wisse, was er tue, ob er sich vielleicht auf ihn drauf hätte setzen sollen, dann hätte Calait ohnehin nur eiskalt Ja! gesagt und wahrscheinlich genau das von ihm verlangt und... Borgil kann sich die Unterhaltung lebhaft ausmalen und die wild gestikulierende Calait vor seiner Nase auch.)

Er wendet sich gerade rechtzeitig Azras schlankem Rücken in der blaugrünen Seide wieder zu – von dem vorherigen Wortwechsel der beiden Frauen hatte er dank seines eigenen Gesprächs mit dem Elben nichts mitbekommen – um quasi direkt in Atevoras schreckerstarrte Miene über der Schulter seiner Frau zu schauen (da die Magierin so klein ist, befindet sich ihre Gesichter ja auf Augenhöhe), in der sich Bestürzung, Unglauben, Fassungslosigkeit und Hilflosigkeit gerade in rasender Abfolge um den besten Platz streiten, weil Azra sie einfach umarmt und damit ihre ganzes Rührt-mich-nicht-an-ich-bin-ja-ach-so-ungesellig-Gehabe vollkommen ignoriert hat. Borgil beißt sich lang und fest auf die Zunge, um nicht zu lachen. Er hat – seiner Überzeugung nach – Atevora ohnehin längst durchschaut. Auch wenn die Frau sich wirklich alle Mühe gibt, noch kaltschnäuziger zu erscheinen als ein Frostriese und unzugänglicher als ein Bergfried mit verrammeltem Tor samt Zugbrücke, Schutzrunen und Wassergraben (mit hungrigen Blutechsen) obendrein, sie ist nun einmal ein Mensch und kein Dachs (auch wenn sie sich die Streifen wohl für alle Fälle schon zugelegt hat). Und die Langbeine sind nun einmal nicht als schweigsame Einzelgänger von den Göttern erschaffen worden, sondern als gesellige Wesen, die einander lieben und hassen, sich in Freundschaften zugetan sind oder sich nicht leiden können, die sich das Leben schwer machen und versüßen, füreinander da sind und sich gegenseitig im Weg herumstehen, die einander verstehen und missverstehen, sich streiten und versöhnen, miteinander lachen und weinen, kurz: deren Leben im Großen und Ganzen zum Teilen da ist. >Entschuldigt Azra, es war nicht meine Absicht...< hört er die Magierin sagen, als sie sich wieder gefangen hat und sie klingt absolut aufrichtig. Das ist ein noch ein bisschen ungewohnter Tonfall aus ihrem Mund, aber Borgil hat ihn zweifellos schon öfter zu hören bekommen als alle anderen an Cináeds Tisch – schließlich geht die Magierin seit Monden in der Harfe aus und ein und das mit nichts als lauteren Absichten.

Sein Blick schweift kurz ab und bleibt an einigen Festbesuchern hängen, die sich gerade von der Tanzfläche in entgegengesetzte Richtung entfernen und er meint zumindest, Calait im Gedränge auszumachen... direkt neben Tiuris baumlanger Erscheinung, der ist auch im größten Gewühl nicht zu übersehen. Aha. Dann hat Olyvar den Jungen also wenigstens für heute vom Latrinenschrubben begnadigt...nicht, dass er es nicht verdient hätte... Atevoras oder Lady Shins (oder wessen auch immer) Aussage, seine Frau sähe hinreißend aus, holt Borgils dann allerdings ins Hier und Jetzt und von allen vagen Überlegungen in Bezug auf Tiuri und Calait zurück. Da er direkt hinter den beiden Frauen steht, kann er auch hören, was Atevora im fast kichernden Backfisch-Verschwörungs-Ton in Azras weißes Öhrchen raunt. "Allerdings!" Pflichtet er ihr inbrünstig bei. "Wie gut, dass ich so ein Musterbeispiel an Selbstbeherrschung und eiserner Disziplin bin! Darf ich mal, mein Herz?" Ohne auf eine Antwort zu warten, hebt er Azra kurzerhand hoch und stellt sie neben sich, was sie mit einem kleinen und sehr niedlichen Quietschlaut quittiert, dann ist er dran, die Magierin zu begrüßen. Und in seinem unnachahmlichen Borgilcharme und seiner ebenso unnachahmlichen, weil praktisch nicht vorhandenen Einfühlsamkeit, zieht er die verdatterte Magierin gleich in die nächste Umarmung. "Siehst du, so geht das, Mädel. Darin brauchst du dringend ein bisschen Übung!" Er tätschelt Atevoras marmorweiße Schulter und lässt sie brav wieder los. "War doch gar nicht so schlimm, eh? Ach übrigens – flottes Kleid." Er grinst kurz, blickt dann in die Runde und sofort kommt der Wirt in ihm zum Vorschein. "Was wollt ihr denn Trinken? Die Barden spielen gleich die Rundtänze auf, da dürfen wir alle nicht fehlen, aber ein bisschen Zeit haben wir vielleicht noch. Also - Roten vom Ostufer? Verder Dunkel? Kupfer? Inariwein? Branntwein? Ich hab' gehört, der alte Frembor hat ein Fass Bernsteinwein aus Ardun aufgemacht."

Brenainn: Hast du Mama gefragt?
Borgil: Jungchen, ich bin über vierhundert Jahre alt, ich war Himmelswächter, Abenteurer, Söldner und Kriegsherr, ich führe dieses Gasthaus seit mehr als zweihundert Jahren und ich bin Veteran zahlloser Schlachten... natürlich habe ich deine Mutter gefragt!


Badassery
is bringing knives to a gunfight.
Then winning.

Aurian

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Occupation: zaubernde Gardelady

Location: Talyra

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33

Tuesday, July 17th 2012, 2:34pm

Eigentlich hat Aurian keine rechte Lust, allein auf das Inarifest zu gehen. Aber bevor sie sich Avilas skeptischen Blicken aussetzt, frei nach dem Motto, was eine junge, ungebundene Frau an so einem Tag allein in ihrer Schreibstube zu suchen hat, geht sie lieber doch hin. Nach dem Hexenprozess im letzten Jahr und dem großen Sturm ist ihr Kopf eigentlich voll von anderen Dingen: Tallard hat den Prozess nur zu gern zum Anlass genommen, erneut gegen sie und ihre Familie, besser ihre Abstammung zu hetzen und das große Unwetter hat das Anwesen, auch wenn es nicht im Zentrum gelegen hat, doch erheblich getroffen. Das Dach muss zur Gänze neu gedeckt werden und woher sie das Geld nehmen soll, ist ihr schleierhaft. Sicher ist noch einiges aus der Belohnung der Ergreifung des Nekromanten übrig aber es würde knapp werden … ziemlich knapp. Von den zerbrochenen Scheiben im Gesindehaus ganz zu schweigen. Was ihr aber am meisten im Magen liegt ist Inari selbst. Das Fest der Liebe … und sie war nach wie vor allein. Sicher hat sie eine Menge Freunde aber die Heimeligkeit einer Familie war ihr nach wie vor verwehrt geblieben … was auch an ihr liegt. Aber die Halbelbe ist einfach nicht fähig, einen Mann näher als Freundschaft an sich heran zu lassen.

In Gedanken versunken und dabei bemüht, ein nicht zu deprimiertes Gesicht zu machen, kommt sie am Marktplatz an. Das Fest ist schon in vollem Gange, die ersten Paare wirbeln über die Tanzfläche und überall herrscht gute Laune. Der milde Wind trägt das Lachen und die Musik über die Stadt und die Rotfüsse pirschen um die allein stehenden Männer herum. Aurian sieht sich nach bekannten Gesichtern um. Keinesfalls will sie wie ein einsames Mauerblümchen wirken, dazu ist sie viel zu stolz – auch ein Charakterzug, der es erschwert, hinter ihre gefasste und immer beherrschte Fassade zu blicken. Sie merkt gar nicht, wie einige Köpfe sich nach ihr umdrehen. Allzu viel Mühe hat sie sich eigentlich gar nicht mit ihrem Aussehen gemacht: Das schwarze Haar ist nachlässig hochgesteckt, dass die Locken sich wild um ihr blasses Gesicht kringeln. Sie trägt ein dunkelrotes Kleid, dass an den Ärmel und dem runden Ausschnitt mit schwarzer Spitze abgesetzt ist. Um die Taille hat sie einen Gürtel aus derselben Spitze geschlungen, hauptsächlich, um zu kaschieren, dass das Kleid eigentlich zu weit ist. Es noch mal enger zu machen hat sie nicht gewagt, den Morna, Rhordris Frau, hätte sie dann wohl wie einen Truthahn gemästet, in deren Augen ist die Magierin sowieso viel zu dünn. Ihre Füße stecken in schwarzen Wildlederschuhen. Das eher dunkle Gewand betont die zarte Blässe ihres Gesichts: obwohl viel im Freien wird sie nie wirklich braun.

Am anderen Ende des Platzes entdeckt sie einige bekannte Gesichter: Borgil, der Wirt der Harfe ist nicht zu übersehen und zu schmerzlich wird ihr bewusst, wie lange sie sich nicht mehr bei ihm hat blicken lassen. Daneben seine Frau Azra, aber auch ihre Freundin Lady Shin und, zu ihrer Erleichterung auf seinen eigenen Beinen auch wenn eines davon geschient ist, Cinaed, der Schafzüchter. Sein Anwesen war am stärksten von dem Sturm getroffen worden und auch er selbst war in dieser Nacht schwer verletzt worden. Aurian straft die Schultern, wischt das letzte bisschen des nachdenklich, melancholischen Gesichtsausdruckes weg (zumindest versucht sie es) und schlendert auf die Gruppe zu.
Prinzessinnen richten das Krönchen, Königinnen ziehen das Schwert. :pferd:

Schreiben ist leicht. Man muss nur die falschen Wörter weg lassen. (Mark Twain)

Olyvar

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Posts: 163

Occupation: Lord Commander

Location: Steinfaust

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34

Wednesday, July 18th 2012, 9:01pm

>Das wird Inari gefallen haben!< Verkündet Diantha an seiner Seite, während die Magierin sich schon abgewandt hat und den Rand der Tischplatte neben sich so fest umkrallt, dass ihre Fingerknöchel wie runde, blaugraue Perlen durch die weiße Haut schimmern. "Nicht nur Inari", erwidert Olyvar mit einem leisen Lächeln. "... obwohl ich sie lieber singen hätte hören." Das Verlangen eine Frau auf diese Art und Weise tanzen zu sehen, losgelöst von allem und eine Sklavin ihres eigenen Begehrens, der Rhythmen der Trommeln, des Zaubers der Töne, erstreckt sich ausschließlich auf eine einzige - und zwar seine. Diantha schüttelt den Kopf und verkündet, anscheinend recht ungerührt von der Vorstellung, sie glaube ja nicht, dass Calait bald singen würde, denn sie müsse sich wohl erst davon erholen. So erschöpft sah sie gar nicht aus. Abgesehen davon hat sie vielleicht mit ihrem ganzen Körper und all ihren Sinnen getanzt... aber nicht unbedingt mit ihrem Mund. Ein paar Augenblicke allein mit seiner Frau an diesem – zumindest für ihn bisher alles andere als schönen - Tag, und sei es auch nur für die Dauer eines Tanzes, scheinen ihm heute dennoch nicht vergönnt zu sein, denn Diantha hat schon wieder ein bekanntes Gesicht in der Menge erspäht, diesmal Cináed von Glyn-y-Defaid, und auch ihm macht sie prompt ihre Aufwartung. Olyvar holt tief und vernehmlich Luft, mustert Dianthas schwingende Röcke und ihre Kehrseite einen Moment nachdenklich und wendet sich dann an die Magierin, die gerade dabei ist, ihre übliche Maske gelangweilter Gelassenheit hastig wieder über die erstarrte Miene zu drapieren - eilig, aber so gründlich wie ein Ritter seine Rüstung anlegen würde. Viele, vielleicht sogar die meisten, hätten sich von diesem Gesichtsausdruck täuschen lassen, nicht so er. Olyvar weiß ganz genau wie Sehnsucht schmeckt. Wie sie sich anfühlt. Wie sie riecht, wie sie an einem zehrt und in einem wühlt und an einem frisst. Vor allem, wenn man eigentlich nicht allein ist - und trotzdem einsam bleibt. Ganz besonders dann. "Kommt", meint er also leise und unerwartet sanft (ganz bestimmt sogar sehr unerwartet für Atevoras Ohren, die aus seinem Mund sicher einen anderen Tonfall gewöhnt sind.) "Gehen wir den Elben begrüßen."

Sie bleiben nicht sehr lange nur unter sich, denn kaum, dass sie bei Cináed angekommen sind, ein paar Begrüßungsworte gewechselt und Höflichkeiten ausgetauscht haben, stoßen auch Borgil und Azra zu ihnen. Olyvar erwidert Azras eifrige Umarmung mit absolut aufrichtiger Herzlichkeit, auch wenn er sie der Bequemlichkeit halber (und weil er weiß, dass er darf), einfach ein Stück vom Boden hochhebt, ehe er sie sacht auf ihre eigenen Füße zurückstellt. "Ich freue mich auch, hier zu sein. Es ist ohnehin das reinste Wunder, dass ich überhaupt noch herkommen konnte." Diantha und er selbst beobachten lächelnd, wie Borgils kleine Frau ihr Grüppchen überschwänglich begrüßt, doch als die Reihe an "Lady Shin" ist, muss Olyvar wirklich ein Lachen unterdrücken, als die Magierin plötzlich so kerzengerade, schreckerstarrt und stocksteif wird, als hätte sie aus Versehen einen Besenstiel verschluckt - und alles nur, weil Azra sie in ihrer Begeisterung umarmt hatte wie alle anderen auch. Sie wird ihre Gründe haben. So wie ich die meinen und Atevora die ihren. Borgil erkundigt sich, was sie Trinken möchten und Olyvar ist heilfroh, dass der Zwerg sich ein wenig um ihre trockenen Kehlen kümmern würde, denn schließlich braucht Borgil nur zu Winken und von jedem zweiten Stand rund um diesen Marktplatz würden die Schankmaiden und Weinjungen nur so springen, um seine Wünsche zu erfüllen, so dass sie sich die mühsamen Wege durchs Gedränge allesamt sparen würden. "Kein Bernsteinwein für mich, auch wenn das Angebot verlockend ist... sonst betrinke ich mich bis zur Bewusstlosigkeit, Borgil. Roter vom Ostufer genügt völlig." Borgil nickt nur, und nachdem alle übrigen diesen oder jenen Wunsch geäußert haben, reicht ein kräftiges Winken – soweit er sagen kann noch nicht einmal in eine bestimmte Richtung - und gleich darauf finden sich wie von Zauberhand bewegt mehrere Krüge mit verschiedenen Getränken und eine sorgsam versiegelte Amphore mit Inariwein auf ihrem Tisch ein, ebenso wie ein ganzes Tablett mit Bechern und Kelchen.

Er füllt sich einen Becher mit Rotwein aus den Nebrinôrthares und erinnert sich plötzlich an ein anderes Inarifest vor vielen Jahren... ein Inarifest voller Überraschungen und Offenbarungen nach einem langen, harten und bitteren Winter. Er kann nicht sagen, woher die Gedanken auf einmal kommen, aber sie sind da und lassen sich auch nicht mehr wegsperren... und offenbar ist er nicht der Einzige, denn es braucht nur einen Blick mit dem Zwergen und sie heben beide synchron ihre Becher. "Auf die verstorbenen Freunde, die wir geliebt haben und nicht vergessen wollen. Slaínte." Einen Moment schweigen sie beide und Olyvar kämpft gegen das starke Bedürfnis an, sich zu schütteln wie ein nasser Hund. Es hat zu viele Tote gegeben in den letzten Jahren. Schlachten, Dämonenangriffe, Kanalratten, Kornräuber, verrückte Schattenwanderer... hoffentlich wird es ein ruhiges Jahr... ein langes, ereignisloses Jahr, ein Mond langweiliger als der andere... Irgendetwas sagt ihm jetzt schon, dass diese Hoffnung sich wohl kaum erfüllen wird, aber hoffen wird man ja wohl noch dürfen. Als er den Blick hebt, entdeckt er Aurian, die durch die allmählich lichter werdende Menge auf dem Marktplatz auf sie zuschlendert – und in ihrer Aufmachung exakt den schmalen, aber goldenen Grat zwischen elegant, nachlässig, verrucht und anziehend erwischt hat. Olyvar kennt sie gut genug, um schon von weitem die leise Melancholie in ihrer Miene zu sehen, auch wenn sie sie gekonnt hinter einem Lächeln verbirgt, als sie bei ihnen anlangt. Zwischen ihnen braucht es nicht viele Worte, sie sehen sich ja ohnehin fast täglich im Dienst, also schenkt Olyvar ihr gleich ungefragt einen Becher ein und reicht ihn ihr. "Slaínte. Schön, dass du's geschafft hast."
And that's the thing about people who mean everything they say. They think everyone else does too.

The good thing about mages, I find, is that they die much like any other. You need to worry about what happens before that.

This post has been edited 3 times, last edit by "Olyvar" (Jul 18th 2012, 10:26pm)


Atevora

Unregistered

35

Friday, July 20th 2012, 12:20am

Inari 512


Während Atevora der grazilen Halbelbe - gerade laut genug, dass es Borgil noch vernehmen kann - ins Ohr wispert, wirft sie mit einem listigen Grienen auf den blassrosa Lippen den Harfe-Wirten einen listigen Blick zu. Prompt reagiert er auf die Aussage:
>"Wie gut, dass ich so ein Musterbeispiel an Selbstbeherrschung und eiserner Disziplin bin!“< Rollt es ihr voll inbrünstiger Überzeugung im dunklen Zwergenbass entgegen und Atevora kann gerade noch verhindern kurz laut aufzulachen. Es sind seichte Scherze an diesem Abend, aber sie tun ihren Dienst. Die Magierin kommt allerdings nicht dazu darauf zu Antworten, denn mit einem: >„Darf ich mal, mein Herz?“< packt der Harfe-Wirten kurzum seine Frau, hebt diese Hoch als wöge sie nur das Gewicht einer luftigen Daunenfeder, und bugsiert sie an seine Seite. Atevora hätte jetzt ob Azras herzallerliebsten Überraschungslaut erheitert lächeln können, doch stattdessen weiten sich ihre Augen als sie Borgils Mimik und Gestik vollkommen richtig deutet. Gleich einer unaufhaltsame auf sie zudonnernden Büffelherde sieht sie den Schrecken bereits auf sich zurollen.
Die Magierin merkt wie ein Kleinlaut schockiertes „nein.. wartet ni..“ über ihre Lippen ungehört entfleucht, versucht zeitgleich eine Hand wie zum abwehrenden Einwand zu erheben und einen Schritt zurückzuweichen, vollkommen vergebens. Sie ist hoffnunglos Eingekeilt zwischen Cinaed, dem Tisch, Olyver und seiner Frau und gefühlten tausenden Inarigästen, die jeden Fluchtweg erbarmungslosen versperren. Es gibt kein Entrinnen!
Und da wird sie schon unbamherzig in die nächste Umarmung gezogen. An Gegenwehr ist nicht zu Denken als sich die dicken muskelbepackten Arme des Zwergen um sie schlingen, ihr die Arme gegen den Körper und das angefangene Wort unbeendet aus den Lungen pressen. >"Siehst du, so geht das, Mädel. Darin brauchst du dringend ein bisschen Übung!"<
Damit hat er wohl vollkommen Recht, aber Atevoras Gedanken sind wie leergefegt, sie hört nur wie einige ihrer Rückenwirbel vernehmlich knacksen. Doch nicht nur dort, auch tief in ihr drinnen ächzt ,knarzt und reißt es, wie bei den wallhaften blauen Eisklippen im hohen Norden bevor ein riesiger Brocken abbricht und geräuschvoll ins Meer stürzt.

Nachdem Borgil sie auch noch kräftig getätschelt hat, gleich einen kleinen Säugling zum erleichtern des Aufstoßens nach einer Milchmahlzeit, lässt er die Magierin wieder los.
Am Blumenball bat sie um seine Umarmung, und nun wo sie diese ganz freiwillig bekommt blinzelt sie nur verdattert. Das Einzige an das sie im ersten Moment denkt ist, dass der Zwerg heute sehr gut riecht.
>"War doch gar nicht so schlimm, eh?“<
„Ich .. ähm..“
>„Ach übrigens – flottes Kleid."<
„Wie, mein? - achso; ich meine, danke.“ Antwortet sie im ersten Augenblick irritiert und muss erst wieder ihre Gedanken sortieren.
Für ihr Empfinden quälend langsam stellt sich eine Erkenntnis ein, welche die Frage aufwirft warum sie sich eigentlich so ziert? Sie befindet sich in einer riesigen Ansammlung von Stadtbewohnern und wird von vielen dabei gesehen und beobachtet, wie sie zwei der bekanntesten und am meisten geschätzten Personen in Talyra Umarmen und sie behandeln, als wären sie die besten Freunde. Das kann ihr doch nur zum Vorteil gereichen, oder? Eigentlich sollte sie alles gespielt herzlich erwidern, denn wer möchte schon Borgil eventuell verärgern indem man mit Schmähungen über seine Freunde herzieht? Aber es ist nicht nur das das sie umtreibt. Etwas ganz klein und leise in ihr drin wollte den Zwerg sogar etwas länger festhalten, festhalten an diesem seltsamen Gefühl von Sicherheit zwischen den starken warmen Armen. Und dennoch kann sie es nicht, weder gespielt noch ehrlich.
Während Borgil sie angrinst breitet sich auch auf ihren Lippen ein zaghaftes und deutlich unsicheres Lächeln aus. Wie so oft wenn sie dem Zwerg begegnet sind es so Kleinigkeiten die längst vergessenes Aufwühlen, so auch jetzt. Dieses Grinsen von Borgil, so wie er sie ansieht und die gesamte Haltung erinnern sie wieder an jemanden aus ihrer Kindheit. An Tage wo Wolken beständig phantastische Formen bildeten, der Halbmond ein Mund war der sie anlächelte und die Blumen nickend zur summenden Melodie der Bienen tanzten. Atevoras Schutzfestung bröckelt.
Dennoch, manche Zeiten sind zu lange her, und ein Moment ist zu schnell verstrichen - auch dieser.
Der Zwerg wendet sich ab und erkundigt sich der Rolle des aufmerksamen Wirtes vollkommen gerecht werdend nach den Getränkewünschen. Atevora nutzt die Zeit um sich wieder zu adjustieren, ganz besonders um die Federn an ihrem Kleid zu richten, die durch die unerwartete körperliche Nähe etwas zerzaust wurden. Sie ist die Letzte in der kleinen Runde, die ihren Trinkwunsch kund gibt. Sie kann dabei der Versuchung nicht widerstehen um Sommerwein zu bitten.
Sie alleine hätte sich vermutlich lange abkämpfen und einiges an Geduld aufbringen müssen bis sie zu etwas trinkbarem gekommen wäre, und es wäre schon gar nicht daran zu denken gewesen, dass sie sich irgendwo gemütlich dazusetzen kann. Nicht so heute, denn kaum kaum hat der Zwerg nur die Anstalten gemacht nach einer Bedienung zu winken, ist auch schon eine da, und noch schneller alle georderten Getränke, das heißt, zumindest kommt es der Shin so vor. Wie praktisch es doch ist in diesem Kreis zu stehen, oder mittlerweile eher vielmehr mit ihnen an einem Tisch zu sitzen. Mit dem Elben Cinaed ist sie heute, auch nicht als sie auf die Getränke gewartet haben, noch nicht ins Gespräch gekommen. Der rothaarige Mann macht auf sie einen freundlichen sehr charakterlich gefestigten, teilweise in sich gekehrten und ihr gegenüber eher verhaltenen Eindruck. Ein nicht ungewöhnliches Auftreten ihr gegenüber. Sie wird sich ein wenig Zeit lassen und sich dem Mann nicht übereilt mit einem aus den Haaren herbegezogenen Gespräch aufdrängen. Es wird sich gewiss auch noch so eine Gelegenheit finden mit ihm einen kleinen Wortwechseln zu führen, oder wenn nicht heute, dann in Zukunft, denn nun da sie einender bekannt wurden, bietet sich ihr die Möglichkeit ihn auch auf der Straße einfach so anzusprechen und ein Gespräch in die von ihr gewünschte Richtung zu lenken.

Als schließlich alle ihre Getränke vor sich haben erhebt der Lord Commander das Wort zu einem Trinkspruch. Mit dem emotionalen und von Erinnerungen getragenen Trinkspruch von Herrn Tarascon und dem Wirten kann die Magierin leider eher wenig anfangen. Atevora hat keine verstorbenen Freunde auf jene sie anstoßen könnte. Es gibt nur eine Person die sich so etwas wie einer Freundschaft angenähert hatte. Es war damals in der Akademie eine ihrer Zimmergenossinnen. Sie war magisch eher mäßig begabt und hatte immer ihre Schwierigkeiten mit Mathematik, doch sie beherrschte die Gabe die Personen um sich herum einfach so zu nehmen wie sie sind, ganz gleichgültig wie eigenwillig deren Gebaren auch war. Das lag vermutlich daran, dass sie ursprünglich in das Umfeld von umherziehenden Spiel- und Zirkusleuten hineingeboren wurde und somit mit Dingen aufwuchs die nicht ganz der Norm entsprachen. Sie war eine der Wenigen die Atevora neutral, bis sogar freundlich begegneten.
Die Eismaid starrt nachdenklich in das erlesene goldbraune Nass in ihrem Becher. Sie hatte sie damals nicht retten können. Ein Versagen von vielen in ihrem Leben. Sie gab sich niemals die Schuld daran, aber sie wünschte sie hätte die Herausforderung, welche ihr das Leben in diesen frostigen Stunden zuspielte erfolgreicher gemeistert. So ging das eine Lebewesen, und ein neues gesellte sich zu ihr, und zwar ein seltsamer Eulenvogel den sie Via taufen sollte. Als die Magierin im vergangenen Jahr in Verd Rast in einem Hain voller hochgewachsener Herzbäume hielt begegnete sie einer Druiden mit der sie sich auch etwas länger unterhielt. Die Frau in mittleren Jahren meinte womöglich habe ihr eine Freundin Via als Begleiter geschickt,, aufdass diese auf sie Acht geben und auf sie aufpassen möge. Ein tröstlicher Gedanke.
Freundschaft. Ob diese Bande tatsächlich über den Tod hinaus bestehen kann?
Atevora bleibt beinahe stumm. Nur der Form halber schließt sie sich dem Prost mit einem halbherzig dahingesagtem „Slánte..“ an und nippt an ihrem Wein.
Vorzüglich!Der erlesene Tropfen schmeichelt und liebkost förmlich ihre Geschmaksknospen auf der Zunge. Ja, sie ist sich sicher, vermutlich hätte sie ohne Borgil von dem Wein heute keinen einzigen Tripfen erwischt.
Zufrieden nippt sie ein zweites Mal an dem Becher und beobachtet wie der Lord Commander den Krug nimmt und einen weiteren Becher einschenkt. Fragend wandert Atevoras Augenbraue nach oben >“Slaínte. Schön, dass du's geschafft hast."< und folgt dann des Olyvars Blickrichtung um zu sehen wem die Begrüßung gilt. Sie bekommt arkane Unterstützung.
„„Ah, Aurian!“ Atevora stellt ihren Bescher ab, steht auf und begrüßt die Gardemagierin mit einem atevoratypischen angedeuteten und leicht affektiert wirkenden Küsschen links und Küsschen rechts. Mit einem Einfühlungsvermögen, welches dem des Zwergen um nichts nachsteht, setzt sie fort: “Meine Gute.. wie schrecklich dürr du bist. Nimm es mir nicht übel, aber anders steht es dir besser zu Angesicht. Ich denke ich muss dich langsam aber sicher in der Harfe anketten lassen und dort eine Notfütterung durchführen lassen.“ Borgil wär ihr da gewiss behilflich. „Hast du heute schon genügend gegessen?“ Auch wenn Atevora sich beileibe keine Sorgen um Aurian macht, denn Atevora sorgt sich genaugenommen nie um jemanden, zu so etwas ist sie mit ihrer defakto nicht vorhandenen Empathie und ihrem teilweise sehr eingegrenzem Gefühlsspektrum nicht wirklich fähig, und dennoch meint sie diese Worte todernst.

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Diantha

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Occupation: Studentin

Location: Nürnberg

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36

Friday, July 20th 2012, 6:21pm

Von der Verwechslungsgeschichte zwischen Cinaed und dem andern Mann bekommt Diantha nichts mit, sonst hätte sie wohl herzhaft gelacht, als sie ihn anspricht, sitzt jedenfalls schon der Richtige an dem Tisch und sieht recht gesättigt aus. Höflich, wie er ist, steht der Elb trotz seiner Verletzung auf, grüßt ebenso freundlich, wie er begrüßt wurde und antwortet, seinem Bein ginge es gut. Ob das wirklich stimmt? So ganz standfest sieht er noch nicht aus, denkt sie sich insgeheim, verkneift sich aber einen Kommentar und nimmt sich vor, Mealla einmal darauf anzusprechen. Auch Lady Shin wird begrüßt, die knickst, was irgendwie merkwürdig aussieht – nicht, weil der Knicks nicht formvollendet wäre, sondern irgendwie wirkt er sogar zu perfekt. Schon eine seltsame Person, wer weiß, aus was für einem Elternhaus sie ursprünglich stammt. Just in dem Moment ertönt eine bekannte Stimme: >„Diantha!“<, ruft Azra aus und sieht dabei so aus, als wolle sie Diantha gleich um den Hals fallen – was schon aufgrund des Größenunterschieds schlichtweg unmöglich ist, also beugt sich die Immerfrosterin zu ihr herunter, um sich zur Begrüßung zu umarmen. Seit dem ersten Treffen im Westflügel haben sich die Frauen immer mal wieder gesehen, das eine oder andere Mal hat Diantha auch auf Azras Kleinen aufgepasst, wenn gerade in der Harfe ein zu großen Chaos herrschte. Manchmal mag das Verhalten der hellhäutigen Halbelbin schon ein wenig merkwürdig sein, meistens ist es aber so liebenswert oder schlichtweg niedlich, dass es nicht weiter auffällt. Prompt bricht es aus Azra heraus, sie fragt zehn Sachen gleichzeitig, versucht derweil fünf andere Sachen zu berichten und bricht dann abrupt ab, weil ihr auffällt, dass sie den Rest der Gruppe noch gar nicht begrüßt hat. Mit brennenden Wangen holt sie das nach und zieht nach einem kurzen Wortwechsel dann zur allgemeinen Überraschung auch noch Lady Shin – die sie als Atevora bezeichnet hat, merken! – in die Arme, die dabei aussieht, als wäre ein Toter wieder auferstanden. Nun kann man beobachten, was dieser magische Eiszapfen für ein Gesicht macht, wenn er mit etwas konfrontiert wird, mit dem er nicht umgehen kann und für einen Moment gibt es etwas wie einen Riss in ihrer Maske. Sie versucht es mit einem Kompliment und einem offensichtlich näckischen, geflüsterten Kommentar zu überspielen, trotzdem kommt Diantha um einen Gedanken nicht herum: Sie sah beinah aus, wie ein verlassenes, einsames Kind. Gut, dass die Shin nicht empathisch begabt ist, sonst gäbe es jetzt vermutlich Ärger. Was genau die Shin zu Azra auch gesagt haben mag, Borgil pflichtet ihr lauthals bei und versucht ihr als nächstes beizubringen, wie man richtig umarmt, wozu er kurzerhand Azra zur Seite, direkt neben Diantha stellt. Grinsend und glucksend schauen die beiden Frauen zu, wie die Shin erst kräftig umarmt und dann auch noch getäschelt wird und ihr ein offenes Kompliment gemacht wird. Es verschlägt der Shin offensichtlich die Sprache, dann lächelt sie, aber anders als sonst und wieder muss Diantha an ein Kind denken, auch wenn sie nicht erklären könnte, wieso.

Schnell ist dieses Schauspiel auch wieder vorrüber und Diantha wendet sich an Azra, die zum Glück noch niemand neuen erspäht hat, den sie begrüßen müsste: „Ich freue mich auch dich zu sehen! Wir müssen uns nachher unbedingt noch etwas genauer austauschen, ich habe dir über meine Ladenpläne das Neuste zu erzählen und werde dann auch deine Fragen beantworten.“ Diesmal kommt Azra nicht dazu zu antworten, denn ganz Schankwirt fragt Borgil in die Runde, was sie trinken wollen. Die Immerfrosterin zögert kurz. Wie war der Spruch? Bier auf Wein, das lass sein; Wein auf Bier, das gönn ich mir? Sie plant nicht sich zu betrinken, aber das ein oder andere Glas Wein müsste sie trotz des Verder Dunklen von vorhin noch vertragen können und so schließt sie sich Olyvars Bestellung an. Wie aus dem Nichts stehen einen gefühlten halben Augenblick später schon die Weingläser vor ihren Nasen und Olyvar erhebt die Stimme zu einem Trinkspruch: >"Auf die verstorbenen Freunde, die wir geliebt haben und nicht vergessen wollen. Slaínte.“< Verwundert über diesen doch eher traurigen Spruch schaut Diantha zu ihm hoch, stößt aber natürlich mit einem „Slaínte!“ mit an. An wen mag er da wohl gedacht haben? Die Immerfrosterin ist schon ein wenig verwundert, der Tag des Inarifests wäre der letzte Tag, an dem sie in trübsinnigen Erinnerungen schwelgen würde, schließlich ist es ihr Hochzeitstag und der Festtag der Liebe, des Lebens und des Glücks. Vielleicht kommt es auch nur Diantha so vor, aber bei diesem Trinkspruch scheint sich die Fröhlichkeit in der Gruppe etwas zu legen und jeder hängt ein wenig seinen Gedanken nach. Diantha hat auch schon so einige gute Menschen sterben sehen, aber sie will jetzt nicht an ihre dahinsiechende Familie und schutzlose Freunde auf der Straße denken, genauso wenig wie an die Blaumäntel, die sie kannte und ihr Leben gelassen haben. Würde sie sich all das jetzt in Erinnerung rufen, der Abend wäre für sie gelaufen, daher entschließt sie sich bewusst dagegen und wendet sich nach einem Schweigemoment wieder an Azra: „Erzähl mal, was gibt es alles Neues bei dir, seit wir uns das letzte Mal gesehen haben?“
The thing with words is that meaning can twist just like a snake.
(Terry Prachett, Lords and Ladies)

Calait

Stadtbewohner

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Occupation: Gelegenheitsgauklerin und Dritteklasseheilkundige

Location: Talyra

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37

Sunday, July 22nd 2012, 9:08pm

"Anaryamara, aber Nary geht etwas leichter von der Zunge, und wie nennt man die heißblütigste und beste Tänzerin Talyras?" Auflachend schüttelt Calait den Kopf, schnieft einmal, weil ihr inzwischen Tränen der Erheiterung in den Augen brennen, und widerspricht mit aufrichtiger Bescheidenheit: „Weit davon entfernt, Nary. Weit davon entfernt. Wenn du wirklich die beste Tänzerin Talyras sehen willst, dann musst du dich an Feuerschuh wenden. Das ist die Tanzmeisterin des Inaritempels. Sie hüpft hier bestimmt auch irgendwo herum.“ Und treibt jeden halbwegs anständigen Mann zwischen dem Hafen und dem Westtor erfolgreich in den Wahnsinn. „Aber vielen Dank für das Kompliment. Ich gebe es gerne zurück. Und meine Name, ah, danke...“ Mit einem Laut der Entzückung nimmt sie den ihr dargebotenen Becher entgegen, dessen Inhalt nach süssem Inariwein riecht, und gönnt sich ohne zu Zögern einen grossen Schluck, bevor sie ihren angefangenen Satz beendet: „Mein Name ist Calait.“ Die verführerische Köstlichkeit schmeckt frisch und fruchtig süss auf ihrer Zunge, schmeichelt ihrem Mund mit Samt und Sommerbeeren und erst ihren Hals, dann den ganzen Rest ihres Körpers mit einem warmen Prickeln, wie sonnenwarmer Nieselregen.
“Huch!“
„Huch?“, echot Calait fragend und dreht den Kopf in die Richtung, aus welcher man ein ziemlich miesepetriges Knurren vernehmen kann, das klingt wie ein böser Hund mit Bronchitis. Es hat so gar nichts Inarifestbegeistertes an sich und lässt Calait, die aus vor der Hand liegenden Gründen keine Mimik lesen kann und in Sachen Emotionen auf ihr Gehör und ihr Gefühl vertrauen muss, die Nackenhaare zu Berge stehen. Nary scheint noch zu sehr gefangen im Nachhall ihres Tanzrauschs um zu merken, dass dieser Festtagsbesucher lieber einfach in Frieden gelassen werden möchte, und hakt sich wie selbstverständlich bei ihm ein, das Versprechen auf den Lippen ihm den Wein natürlich zu ersetzen.
„Nary, lass uns doch...“, beginnt Calait, wird aber durch ihren neuesten, unfreiwilligen Zuwachs rüde unterbrochen, als er Nary seinen Arm entzieht und sie anblafft, dass er schon selbst einen neuen Becher auftreiben würde. Dann dreht er sich um und verschwindet und in einer Traube blankbrüstiger, weiss gepuderter Hafenhuren, die bei seinem Anblick ieksend auseinander springen.
„Alles in Ordnung?“, will Calait wissen und ihrer wahrscheinlich genauso verdutzten Begleitung den Becher reichen, als ein leises, vertrauensvolles Schnurren an ihr Ohr dringt und eine impertinente Katzennase sich gegen ihre Handinnenfläche schmiegt. Fell gleitet durch ihre Finger, seidenweich und lang, und haucht einer Erinnerung, liebgewonnen, aber noch immer sehr schmerzlich, Leben ein und der Wein ergiesst sich spritzend über die mit Blüten bedeckten Pflastersteine, weil ihre plötzlich zitternde Hand den Becher nicht mehr halten kann. „Louan...“

“Sira! Jetzt sieh dir an, was du angerichtet hast.“ Die schlecht unterdrückte Belustigung in Narys Stimme straft ihrer anklagenden Worte Lügen. Calait merkt, dass sie den Atem angehalten hat und schüttelt sich leicht, um den Tagtraum, in den sie abgerutscht ist, wieder los zu werden. Die Vergangenheit ist kein Ort für die Lebenden. Das ist eine der wenigen Lehren, die sie von ihrer Grossmutter angenommen und verinnerlich hat. Die junge Katzendame, zu welcher die elegante Schnauze gehört, beschwert sich indes bei ihrer Herrin für den völlig unangebrachten Vorwurf und vergräbt den bepelzten Schädel mit einem empörten Gurgeln in deren Kniekehlen. „Wen haben wir denn hier?“ Vorsichtig geht Calait in die Knie und streckt einen Arm nach Narys tierischer Gefährtin aus, was Sira als Anstoss nimmt die untertassengrossen, samtweichen Pfoten auf ihren Oberschenkeln zu platzieren und ihr die kalte Nase erst gegen den Hals zu drückt und sie danach schnüffelnd in den schwarzen Locken vergräbt. Kichernd krault Calait sie hinter ihren verhältnismässigen grossen Ohren, bevor sie ihre Finger neugierig über das leicht platte und trotzdem feine Gesicht der Katze gleiten lässt. „Du bist aber eine Schönheit, ma merc'hig.” Und zu Nary gewandt erkundigt sie sich interessiert: „Woher kommt sie? Was ist sie?“
Sie hat gerade noch genug Zeit ihren Satz zu beenden, als grosse, kräftige Hände sich um ihre Mitte schliessen und sie auf die Beine stellen. „Gnaaah! Nicht! Das kitzelt!“ Kichernd dreht Calait sich zu Tiuri um, ohne sich aus dessen Umarmung zu winden, und boxt ihm gespielt vorwurfsvoll zwischen die Rippen. Der gibt sich davon reichlich unbeeindruckt, bedenkt die Katze über Calaits Kopf hinweg mit einem misstrauischen Blick– den Gleichen, mit dem er wahrscheinlich seinen (noch) jüngsten Bruder bedenkt, wenn dieser sein Hosenbein nicht loslassen will – und warnt: “ Katze, Finger... ich meine Pfoten weg! Die gehört zu mir.“ Calait kann das breite Grinsen, dass ihm dabei auf den Lippen liegt, hören und schnalzt theatralisch missbilligend mit der Zunge: „Eifersucht so früh am Tag? Das steht euch gar nicht, mein holder Ritter.“ Denn verrenkt sie sich den Hals und deutet mit einem Kopfnicken auf ihre heissblütige Tanzpartnerin: „Tiuri, darf ich vorstellen: Nary. Nary, das ist Tiuri. Borgils Sohn. Vielleicht weiss er ja wo der Zwerg seinen Alkoholvorrat versteckt hält.“

“Ah, du hast sie wieder gefunden.“ Rabenauge gesellt sich mit Mealla und Julian im Schlepptau zur Gruppe, in den Händen ein halbes Dutzend Holzbecher, ein Krug Bier und eine gut verkorkte Amphore Inariwein. Im Gegensatz zu seinem Bruder, der für einen Moment die Kontrolle über seinen Unterkiefer verliert, schenkt Rabenauge Anaryamara, einen Arm fest um Meallas schmale Taille geschlungen, nur ein freundliches Willkommen-in-der-Runde Kopfnicken, bevor er vorschlägt einen freien Tisch zu suchen, und dort zu warten, bis die Reihentänze beginnen und sich in der Zwischenzeit ihren trockenen Kehlen eine Runde Ale zu gönnen.
„Das klingt nach einer guten Idee. Ich stosse gleich dazu, ich sehe nur erst nach Brenainn – und besorge etwas für die Feinschmecker unter uns. Mealla, würdest du...“ Tiuri unterbricht sie, schlagartig hörbar besorgt: “Brenainn? Was ist mit Brenainn?“ Ein beruhigendes Lächeln auf den Lippen tastet Calait nach seiner Hand und drückt diese sanft: „Nichts Schlimmes. Ein leichtes Vorsommerfieber. Morgen wird es ihm wieder besser gehen. Aber damit Azra und Borgil das Fest wenigstens ein bisschen geniessen können, habe ich ihnen versprochen stündlich bei deinem Bruder vorbei zu sehen und mich um ihn zu kümmern. Komm doch mit. Er wird sich bestimmt sehr freuen, dich zu sehen.“
“Lasst uns doch alle gemeinsam gehen. Vor der Harfe steht bestimmt auch irgendwo ein Tisch, wo wir uns setzen können“, schlägt Rabenauge vor und wartet gar nicht erst allgemeine Zustimmung ab, sondern chauffiert Mealla mit sanftem Druck an Tiuri und Calait vorbei durch die Menge in die Richtung, wo die Harfe sich, gross und mächtig, am Rand des Marktplatzes in die Höhe erhebt. Julian, nicht bereit so schnell klein bei zu geben, klopft Tiuri im Vorbeigehen gönnerisch auf die Schultern und zieht ihm in der gleichen Bewegung Calait aus den Armen, die sich ein amüsiertes Auflachen verkneift und sich von dem grossen Holzfäller widerstandslos durch das Gewühl schieben lässt. Obwohl aus einem groben Holz geschnitzt und mit einem passend derben Mundwerk versehen, legt Julian in ihrer Nähe eine fast schon liebenswürdige Vorsicht an den Tag, die ihr ein paar blaue Flecken erspart.

Bei der Harfe angekommen werden Nary und ihre Katze in der Obhut von Rabenauge, Julian und einem ausgezeichneten Ale zurückgelassen und Calait, Mealla und Tiuri betreten die Harfe durch den Haupteingang. Man könnte meinen das schöne Wetter, die Musik und der Wein würden die Leute auf den grossen Festplatz locken, aber die Harfe ist zum Platzen voll. Kein Stuhl und keine Bank ist mehr frei und viele der weiblichen Gäste haben nicht einmal einen eigenen Sitzplatz, sondern haben es sich auf Knien und Tischen bequem gemacht. Es riecht nach Bier, Wein, Schweiss, deftigem Braten und soviel Parfum, dass es Calait für einen Moment sprichwörtlich die Sinne vernebelt und sie den Drang bekämpfen muss rücklings wieder aus der Tür zu stolpern. Glücklicherweise geht Tiuri voran, der es mit seiner blossen Grösse schafft die wenigen Besucher, die nicht freiwillig ausweichen, einfach zur Seite zu schieben. Allerdings muss er mindestens zehnmal anhalten, weil irgendeine Schankmaid ihn umarmen und ihm sagen muss, wie schön es sei, ihn auch wieder mal zu Gesicht zu bekommen, darunter auch Sigrun und Halla, die ihm zudem noch die Wange tätscheln und ihn zwingen erst gefühlt hundert Fragen zu beantworten, bevor sie ihn endlich passieren lassen.
Als sie endlich in die angenehme Stille des Ganges, der zu Borgil und Azras Privatgemächer führt, eintauchen zupft Calait Tiuri am Ärmel und merkt spöttelnd an: „Vielleicht sollte ich vorgehen und Brenainn erst fragen, ob er sich noch an dich erinnern kann.“
Aber Brenainn erinnert sich natürlich – und Marthea, mit bettlägerigen Kindern und ihrer leidigen Ungeduld bestens bekannt, erwischt ihn gerade noch am Ärmel, bevor er einfach aus dem Bett gekrabbelt und seinem Bruder in die Arme gestürzt wäre. Dem kleinen Shebarucmenschenzwergenmischling, der stärker ist als viele gleichaltrige und auch ältere Jungen – bei seinem Vater kein Wunder – und normalerweise auch sehr flink, fehlt die Kraft sich gegen die unfaire Behandlung zu wehren und fängt, wahrscheinlich aus purer Erschöpfung, das Weinen an, die Arme nach seinem grossen Bruder ausgestreckt.
... enjoy the little things in life for one day they will be the big things ...

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Occupation: Schafzüchter

Location: Glyn-y-Defaid

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38

Monday, July 23rd 2012, 2:43pm

Cináed verfolgt das Geschehen um sich herum schweigend. Die Begrüßungen, die Höflichkeiten und auch Scherze, die die Anwesenden untereinander austauschen. Er lächelt, als er sieht, wie Azra einen nach dem anderen umarmt und schmunzelt, als er mitbekommt, welche Worte Borgil mit der weißhaarigen Magierin wechselt, bevor er einen fragenden Blick in die Runde wirft: »Was wollt ihr denn trinken? Die Barden spielen gleich die Rundtänze auf, da dürfen wir alle nicht fehlen, aber ein bisschen Zeit haben wir vielleicht noch. Also - Roten vom Ostufer? Verder Dunkel? Kupfer? Inariwein? Branntwein? Ich hab' gehört, der alte Frembor hat ein Fass Bernsteinwein aus Ardun aufgemacht.« Cináed muss nicht lange überlegen. „Bernsteinwein“, erwidert er versonnen. Kein alltägliches Getränk, dafür jedoch eines, welches ihn an seine ferne Heimat erinnert und an die mag er am heutigen Tag gerne denken. irgendwann einmal, sollte ich dorthin zurückreisen, meine Familie besuchen..., nimmt er sich in einem Anflug von Nostalgie vor. Es gibt noch so viele Dinge, die er endlich einmal klären sollte. Bleibt nur die Frage, wann sich dafür einmal die Zeit ergibt, er kann Glyn-y-Defaid und seinen Schafen schließlich nicht einfach von heute auf morgen den Rücken zuwenden. Nein, eine solche Reise will, sofern er sie jemals unternehmen sollte, gut geplant und vorbereitet werden. Er schiebt den Gedanken beiseite und nickt stattdessen erfreut Aurian zu, die sich nun auch zu ihnen gesellt.

Es tut gut die junge Gardemagierin zu sehen und das rote Kleid, welches sie trägt, steht ihr ausgesprochen gut zu Gesicht. Bevor er jedoch aufstehen und zu ihr hinüberhumpeln kann, kommt ihm Lady Shin zuvor und nimmt Aurians Aufmerksamkeit in Beschlag. Der Elb lächelt, bleibt sitzen und nimmt stattdessen noch einen Schluck von seinem Becher mit Bernsteinwein. Er hat es nicht eilig und sein Bein dankt es ihm, dass er noch ein wenig sitzen bleibt. Also trinkt er, genießt die fröhliche Gesellschaft der anderen und schaut all den turtelnden Paaren zu, die sich überall um sie herum auf dem Platz tummeln.
Ab und an hält er dabei auch nach Liam und Nara Ausschau und bekommt die beiden sogar von Zeit zu Zeit zu Gesicht. Nara scheint sich eindeutig zu amüsieren und schäckert ausgelassen mit einem gutaussehenden, jungen Burschen. Sorgen muss Cináed sich allerdings nicht um sie machen, den Liam hält sich nicht weit entfernt auf und beobachtet seine Angebetete mit sauertöpfischer Miene und Argusaugen. Der Gutsbesitzer weiß wie es um das Herz seines Knechts bestellt ist und er weiß auch, dass Nara dies nicht weiß – oder nicht wissen will. Liam tut ihm leid, aber tun kann er in diesem Fall nichts für ihn. Da wird er alleine durch müssen. Lächelnd wendet Cináed seinen Blick wieder ab, auch er fühlt sich unter all den glücklichen Ehepaaren, die ihn umgeben, ein wenig einsam. Aus irgendeinem Grund, kümmert ihn dies an diesem Abend jedoch nicht großartig.

Als es schließlich soweit ist und die Reihentänze beginnen, bleibt ohnehin keine Zeit mehr für Trübsal und düstere Gedanken. Die Musikanten spielen noch lauter und fröhlicher auf, als sie dies ohnehin schon tun und Cináed bewundert ihre Kunst. Geschickt und flink huschen ihre Finger über die Seiten ihrer Harfen und Geigen, die Löcher ihrer Flöten, schlagen Trommeln und Zimbeln und verlocken die Leute mit ihrem Gesang zum Tanz.
Der Gutsbesitzer sieht zu, wie sich die Festgäste einer nach dem anderen für die Reihentänze aufstellen. Er selbst gehört zu den wenigen, die es vorziehen auf den Bänken zu verweilen und dem wilden Reigen auf dem Tanzboden vorerst nur vom Rand des Geschehens aus zuzusehen. Ein Tanz vergeht, ein zweiter ein dritter... da, plötzlich erspäht Cináed einen dunklen Haarschopf, der ihm mehr als bekannt vorkommt. Erfreut steht der Elb auf und humpelt der jungen Frau, die sich nicht weit entfernt in Gesellschaft einiger anderer junger Leute aus Richtung der Goldenen Harfe dem Tanzboden nähert. Er erkennt nur einige der Gesichter des kleinen Trüppchens, hebt aber dennoch lächelnd die Hand zum Gruß - zu spät daran denkend, dass diejenige, die er vornehmlich damit zu grüßen versucht, seine Geste ja gar nicht sehen kann...
"Who's Zed?" "Zed's dead, baby. Zed's dead." (Quentin Tarantino, Pulp Fiction)

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Azra

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Occupation: Wirtin der Goldenen Harfe

Location: Talyra

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39

Monday, July 23rd 2012, 11:15pm

„Ich weiß, auch zu Inari braucht die Harfe ein wenig Personal das sich um die Gäste und deren Tiere kümmert. Meine Liebste.. Freundin ist was das tauschen von Dienstzeiten anbelangt manches Mal einfach zu altruistisch.“ Altrischtisch? Azra, mit Worten in ungefähr genauso geschickt – und gefährlich – wie mit Borgils Axt, sucht hastig nach einem passenden Ersatz für das ihr unbekannte Wort, kann es sich aber auch durch den Rest des Satzes nicht zusammenpuzzeln und nickt etwas scheu. Ein Blick zur Seite verrät ihr, dass niemand anderes Verständnisprobleme hat und sie nimmt sich vor Borgil später zu fragen, was Atevora damit gemeint hat.
Als Azra sich schliesslich an eine Umarmung wagt – irgendwann muss jemand den ersten Schritt tun und die Eisdame auftauen – spürt sie deutlich, wie die Magierin sich verkrampft und als sie sich nach drei Herzschlägen noch immer wie eine erstarrte Salzsäule dasteht, kriecht Azra die Röte in die Wange und rasch will sie die arme Frau von ihrer Herzlichkeit erlösen. Du bist aber auch ein Tölpel. Sie vorher zu frage, ob es ihr recht sei, wenn du sie umarmst, kommt dir natürlich nicht in den Sinn. Bestimmt wagt sie sich jetzt nie wieder in... Atevoras kühle Finger, die sich um die ihren schliessen, lassen ihre Gedanken abrupt verstummen und vorsichtig hebt Azra den Kopf und riskiert einen Blick in die eisblauen Augen – die gar nicht so kalt sind, wie jeder immer behauptet. Nun... kalt vielleicht schon. Aber schön kalt. Kalt wie ein klarer Gletscherbach, auf dessen Oberfläche sich die Sonne bricht. Atevora indes hadert mit Worten. Etwas, dass Azra, die sich in der Gegenwart der eloquenten Mistress manchmal ganz schon dumm fühlt, für nahezu unmöglich gehalten hätte und die Überraschung steht ihr deutlich ins Gesicht geschrieben. Huch... das ist ja... so menschlich. woraufhin sie sich auf die Lippe beisst und sich innerlich schillt: Natürlich ist das menschlich. Sie ist schliesslich ein Mensch! Glücklicherweise findet Atevora ihre Sprache wieder, bevor Azra noch mehr solcher bescheidener Erkenntnisse kommen und sie sich vor lauter Scham im nächsten Mäuseloch verkriecht. „Ich danke dir für deine Einfühlsamkeit.“ Azra möchte schon verlegen den Kopf zur Seite drehen und einwenden, dass das doch selbstverständlich sei, schliesslich arbeite Yasraena in ihrem Gasthaus und hätte keinen Dienst gehabt, wenn sie das nicht so bestimmt hätte... als Atevora lächelt. Nicht das überhebliche Katzenlächeln, das sie in der Öffentlichkeit zur Schau trägt, und auch nicht das aufgesetzte Fischlächeln, das jeder Emotion entbehrt und welches sie, so wurde es Azra berichtet, ebenfalls meisterlich beherrscht. Nein. Ein richtiges Lächeln. Ehrlich und warm und ohne jeden Hintergedanken und Azra kann gar nicht anders, als es erwidern. Auf das Kompliment ist sie allerdings nicht vorbereitet, auf das vertrauliche Geflüster noch viel weniger und als Borgil Atevora auch noch inständig beipflichtet wird Azra erstens ganz anders zumute und zweitens muss sie jetzt ganz dringend einen Schluck Inariwein haben. Am besten einen von dem Ausschank ganz am anderen Ende des Marktplatzes.

So weit kommt sie aber nicht, denn ihr herzallerliebster Göttergatte hat es sich in den Kopf gesetzt Atevoras Ruf als wandelnder Eiszapfen zu zerstören – und das tut er auch, mit der ihm eigenen brutalen Unverfrorenheit, die jedem Elefanten im Porzellanladen Konkurrenz gemacht hätte.
Azra gibt ein ersticktes Kieken von sich, als ihr Mann sie einfach hochhebt und zur Seite stellt, damit er genug Platz hat Atevora in eine ausschweifende, knochenbrechende Umarmung zu zwingen. "Siehst du, so geht das, Mädel. Darin brauchst du dringend ein bisschen Übung!" Atevora täte ihr beinahe leid, würde die Magierin nicht grinsen wie ein verliebtes Honigkuchenpferd und ihr die typische Borgilbehandlung nicht so offensichtlich gefallen. Azra gönnt es ihr, vor allem da Yasra nicht anwesend sein kann, um mit ihrer Gefährtin anzustossen und... Andere Dinge. Bleiben wir einfach bei ‚andere Dinge‘. Zwischen zwei Atempausen schafft es Diantha doch tatsächlich, sich kurz von der Seite ihres Mannes zu lösen und ihr zu melden, dass sie hoffentlich gleich Zeit finden würde über etwaige Ladenplände und ein bisschen Klatsch zu reden. Azra kommt aber nicht dazu zu antworten, denn Borgil, Wirt durch und durch, fragt in die Runde, wer denn was zu trinken haben möchte und gleich darauf wird jedem von ihnen ein voller Becher mit dem Gewünschten in die Finger gedrückt. Voller Vorfreude schnuppert Azra an ihrem Becherrand und schliesst mit einem geniesserischen „Hmmm“ die Augen, als ihr der süsse Duft des unvergleichlichen Bernsteinwein in die Nase steigt.
Aber als Olyvar seinen Roten hebt, und Borgil es mit seinem Bernsteinwein gleicht tut, perlt das Lächeln von ihren Lippen, und noch bevor der Lord Commander den Mund aufgemacht hat, hat sie den Blick gesenkt und beide Hände fest um ihren Wein geschlungen. "Auf die verstorbenen Freunde, die wir geliebt haben und nicht vergessen wollen. Slaínte." Die Erinnerungen an diese eine schreckliche Nacht und die darauf folgenden Tage voller Trauer, Trostlosigkeit und schierer Hoffnungslosigkeit ist sie nie losgeworden und wann immer jemand darauf anspricht, sieht sie es vor sich. Wie Cron aus dem Schatten des Flurs tritt, ein gnädig verhülltes Bündel in den Armen, und das schwammige Licht von ein paar wenigen Öllampen sich in den blutgetränkten, silberblonden Locken fängt. Calyra, Phelan, euch sei die Ruhe. Raven, Caewlin, wo auch immer ihr seid, ich hoffe es geht euch und euren Kindern gut. „Slainte mhath“, schliesst auch Azra, aber so leise und in sich gekehrt, dass man es kaum hört.

Viel Zeit sich in drohendem Trübsal zu verlieren bleibt ihr auch nicht, denn es stösst noch ein weiteres Gesicht in die Runde und Azra, schon im Begriff auch Aurian eine herzliche Willkommensumarmung zukommen zu lassen, wird so konsequent von Atevora ausgebremst, dass sie fast schon etwas erstaunt blinzelt. Und noch etwas mehr blinzelt, dieses Mal allerdings eher argwöhnisch, als sie die Gardemagierin genauer unter Augenschein nimmt. Das rote Seidenkleid ist zwar bezaubernd, die feine Laiginerspitze verführerisch auf der blassen, leicht silbern schimmernden Haut und die schwarzen Locken glänzen wie mitternachtsdunkle Seide... aber das Kleid sitzt nicht richtig, die Frisur ist nachlässig und obwohl Aurian sich alle Mühe gibt es zu kaschieren, ist von Inarifesttagsfreude bei ihr nichts zu sehen. Dabei ist sie doch so hübsch. Bestimmt macht ihr die halbe Steinfaust den Hof. Warum läuft sie bloss noch immer alleine herum? Azra hat keine Antworten auf die Fragen und wird ganz bestimmt Aurian damit nicht lästig fallen. Die sieht sowieso schon aus, als würde sie sich lieber ein einsames Örtchen suchen und sich betrinken. Mitleid wallt in Azra auf und sie ist geneigt aufmunternd die blassen Schultern der Halbelbe zu tätscheln, als ihr eine Idee kommt. Vielleicht möchte die Gardemagierin nicht mit irgendwelchen Wildfremden tanzen und hat deswegen Angst alleine am Rand der Tanzfläche stehen zu bleiben... Aber das muss nicht. Nur für einen Wimpernschlag erwägt Azra Borgil zu fragen, ob er Aurian nicht zum Tanz auffordern wollte, besinnt sich dann aber hastig eines Besseren. Nicht weil Borgil nicht tanzen kann – er ist ein ganz passabler Tänzer -, sondern weil sie davon ausgeht, dass ein er der Halbelbe weniger Freund ist, als der Lord Comander und Aurian vielleicht ein paar vertraute Augenblicke braucht.
Also gibt Azra Diantha ein Zeichen, dass sie sofort wieder da sei, huscht von Borgils Seite zu Olyvar, zupft diesen am Ärmel und deutet ihm an sich ein wenig zu ihr hinunter zu beugen. „Olyvar, könntest du vielleicht Aurian gleich zum Tanz auffordern? Ich glaube ein wenig Aufmunterung würde ihr gut tun.“
Gleich darauf steht sie auch schon wieder neben Diantha und Borgil, quittiert dessen argwöhnischen schwarzen Blick mit einem Wirst-du-schon-sehen-Schulterzucken, und beginnt zu strahlen wie eine kleine Wüstensonne, als Diantha fragt: “Erzähl mal, was gibt es alles Neues bei dir, seit wir uns das letzte Mal gesehen haben?“ „Ui, das ist eine ganze Menge. Hm... Meliann, du weisst schon, unsere kleine, schwarzhaarige Gänsemagd, hat geheiratet und Marued und Liannor haben Töchter bekommen. Die sind wunderhübsch. So klein und weich und duften so herrlich! Hach... Ach, wir haben den Stall ausgebaut, weil wir vor allem an Festtagen immer zu wenig Boxen hatten, wir suchen schon wieder einen neuen Lieferanten für Roten vom Ostufer, Sigrun meint es sei Zeit die Küche komplett zu renovieren und Seam hat Sigrun den wahrscheinlich zwanzigsten Heiratsantrag gemacht. Apropos Heirat!“ Siedendheiss fällt Azra ein, was sie Diantha eigentlich sofort in den ersten drei Augenblicken erzählen wollte und mit einem fast schon närrischen Grinsen verkündet sie glücklich: „Borgil und ich werden heiraten!“
Es dauert mehrere Momente in kompletter Verwirrung bis Azra dämmert, dass alle wahrscheinlich den gleichen Gedanken hegen: Hä?
"Noch einmal", fügt sie deswegen hastig hinzu, plötzlich etwas verlegen: "Ich meine, wir hatten damals kein richtiges Fest. Also wir... ich kannte noch niemanden. Konnte niemanden einlanden. Es war eine schöne Feier! Keine Frage, aber uns ist klar geworden, dass wir unsere Freunde gerne dabei gehabt hätten. Also euch... und alle anderen... Niniane, Cron, dich, Olyvar... na eben alle. Also... also hat Borgil mich einfach... einfach noch einmal gefragt. Und ich habe natürlich ja gesagt. Und ihr seid alle eingeladen!" Womit sie die Arme ausbreitet, damit deutlich wird, dass jeder Anwesende in ihr 'alle' miteingeschlossen ist - glücklicherweise für Borgils Geldkatze hört der Rest der paartausend Besucher ihre Worte nicht.
Avatar (c) by Niniane

An Irish taxi driver: "We Irish don't tell lies. We just try hard not to tell the truth."


nyanyanyanyanyanyanyanya.... BAT-CAT! :yell:

You walk me animally on the cookie! - Du gehst mir tierisch auf den Keks! ;D

Tiuri

Stadtbewohner

Posts: 38

Occupation: Stadtgardist

Location: Goldene Harfe, Talyra

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40

Tuesday, July 24th 2012, 2:10am

Mit Schwung und einem breiten Grinsen befreit er Calait aus den Fängen der liebesbedürftigen Raubkatze und zieht sie unter dem klimpernden Geräusch ihrer Röcke nah an sich heran. Die Resande stört sich kein bisschen daran, dass sie seit sie die Tanzfläche betreten hat herum gereicht wird wie eine begehrte Trophäe, sondern stellt ihm Lachend ihre Tanzpartnerin vor.
„Freut mich Euch kennen zu lernen!“ sagt er und nickt ihr lächelnd zu, ohne Calait dabei aus seinen Armen zu lassen. Viel zu lange hat er sich davon abhalten lassen und er hat wirklich nicht vor die heutige Inarinacht zu verschwenden. Tiuri kann gerade noch so ein Augenrollen unterdrücken angesichts der Tatsache, dass Rabenauge und vor allem Julian wieder an ihren Fersen kleben. Na gut… ein wenig Konkurrenz hält mich sicher nicht auf!

Calaits Feststellung, dass sie noch nach Brenainn sehen müsse lässt ihn allerdings sofort alarmiert aufhorchen. Angesichts seines kleinen kranken Bruders, sind vor lauter Sorge erst einmal alle Frauenröcke Rohas vergessen. >Nichts Schlimmes. Ein leichtes Vorsommerfieber. Morgen wird es ihm wieder besser gehen. Aber damit Azra und Borgil das Fest wenigstens ein bisschen geniessen können, habe ich ihnen versprochen stündlich bei deinem Bruder vorbei zu sehen und mich um ihn zu kümmern. Komm doch mit. Er wird sich bestimmt sehr freuen, dich zu sehen. < Calait hat in einer beruhigenden Geste seine Hand ergriffen und Tiuri will sie sofort mit sich in Richtung Goldene Harfe ziehen. Auch als Julian sie ihm entwindet will er den Holzfäller in Wahrheit nur vor sich her schieben um schneller zu seinem Bruder zu kommen. Er wartet auch nicht lange ab wo die anderen Platz nehmen, sondern schnappt sich Calaits Hand, sieht zu dass Mealla auch bei ihnen ist und pflügt dann wie ein über 2 Schritt großer Rammbock durch die Harfengäste, nur gelegentlich aufgehalten von der einen oder anderen überfürsorglichen Schankmaid. Als sie endlich das Kinderzimmer betreten, bricht der kleine Halbzwerg in Tränen aus weil Marthea ihm nicht erlaubt aufzustehen und mit wenigen Schritten ist Tiuri beim Bett und hat Brenainn wie ein Kleinkind zu sich auf den Arm genommen. Schluchzend hat das Kind seine Ärmchen um Tiuris Hals geschlungen und die viel zu warme, feuchte Wange gegen sein Gesicht gepresst. „Ist ja gut“, flüstert Tiuri in die feuerroten Haare. „Ich bin ja da kleiner Bruder!“ Er lässt sich von Marthea eine Decke reichen, die er irgendwie mühselig um das Kind schlingt ohne es dabei los zu lassen , während er im Raum auf und ab geht bis Brenainn sich wieder beruhigt hat. Brav krabbelt das kranke Kind zurück in sein Bett als Tiuri sich auf die Bettkante setzt, aber ohne die vernarbte Hand des Ritters los zu lassen. „Eine Geschichte bitte! Eine Rittergeschichte! Eine von dir!“ flüstert er und wie hätte Tiuri den flehenden fiebrigen Augen widerstehen können. „Eine kurze!“ nickt er, lässt zu dass Calait dem Jungen einen kalten Umschlag auf die Stirn legt und erzählt wie er einmal gegen einen Sagoralöwen gekämpft hat. Natürlich ist die ganze Geschichte brenainngerecht aufbereitet unblutig und dafür mit ein paar spannenden und völlig frei erfundenen Details gespickt. Noch bevor er mit Erzählen fertig ist, fallen dem Jungen immer wieder die Augen zu und als er endlich einschläft streicht ihm Tiuri noch eine schweißnasse Haarsträhne aus der Stirn und verlässt dann mit den beiden jungen Frauen zusammen das Zimmer.

Im Harfengarten angekommen ist Julian schwer damit beschäftigt Nary schöne Augen zu machen und noch ehe der Holzfäller etwas dagegen tun kann, hat Tiuri – schon längst einen Arm um Calaits Schultern liegend – die Singdrossel zwischen sich und Mealla am anderen Ende des Tisches platziert. Julian zugrinsend schnappt er sich einen der vollen Bierkrüge die am Tisch stehen, nimmt einen großen Schluck und reicht ihn dann an Calait weiter.

Aurian

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41

Tuesday, July 24th 2012, 5:33pm

„Slaínte.“ Mit einen Lächeln nimmt sie den Becher an, den Olyvar ihr vor die Nase hält. Er ist nicht nur ihr Commander, er ist auch fast wie ein großer Bruder und keiner kennt sie besser als er. Sie weiß, dass seinem prüfenden Blick nicht entgangen ist, dass sie eigentlich nicht in Feierlaune ist, aber taktvoll wie der Commander nun mal ist, versucht er diesen Umstand vor dem Rest der G5ruppe zu kaschieren. Dieses Taktgefühl fehlt Atevora. Die Eismagierin hat in Gefühlssachen ein Gespür wie ein kampfwütiger Narg. Aber gerade wegen ihrer Offenheit mag die Halbelbe sie – auch wenn die gezierten Küsschen links und rechts nicht wirklich ihr Geschmack sind. Aber sie lässt diese Art der Begrüßung über sich ergehen. >Meine Gute.. wie schrecklich dürr du bist. Nimm es mir nicht übel, aber anders steht es dir besser zu Angesicht. Ich denke ich muss dich langsam aber sicher in der Harfe anketten lassen und dort eine Notfütterung durchführen lassen. < Aurian verdreht die Augen. Nicht noch jemand! Avila liegt ihr damit in den Ohren und Rhordris Morna geht sie genau aus diesem Grund im Moment eher aus dem Weg. Und Borgils prüfendem Blick nach zu urteilen würde sich der Zwerg dem ‚Fütter-die-Magierin‘ Club bald anschließen, wenn ihm die weiblichen Mitglieder dieses Vereines nur auf den Plan bringen. „Glaub mir Atevora es ist alles in Ordnung. Der Sturm und das ganze Trara in letzter Zeit waren einfach ein wenig stressig. Immerhin kann ich über den Sommer fast das gesamte Dach des Anwesens in Stand setzen lassen … „ Sie zuckt resignierend mit den Schultern. Sie würde sicher nicht an die große Glocke hängen dass das ‚lassen‘ nur einen Bruchteil der Arbeiten betrifft, einen großen Teil würden sie und Lyall selber machen müssen. Normalerweise hätte sie Cinaed gebeten, ihr einen Teil seines Gesindes auszuleihen doch der Schafzüchter ist selber zu schwer von dem Sturm getroffen worden, als dass ihr der Gedanke an so eine Bitte kämme. Auch wenn nach Anerkennung ihres Erbes und mit dem Sold der Steinfaust und dem Lohn aus der Nekromantejagd Geld geflossen war: Das Anwesen war ein riesen Sparstrumpf ohne Wiederkehr! Um mit ihren tristen Gedanken ihren Freunden nicht den Tag und den Abend zu verderben, nimmt sie lieber noch einen Schluck vom Wein und lässt den Blick über den Platz schweifen: Die Musikanten nehmen Aufstellung und in einiger Entfernung entdeckt sie Tiuri, wie meist eingerammt von schönen Mädchen. Eine ist Maella, die Heilerin der Steinfaust, die andere kennt sie nicht persönlich: es ist Cailit, die blinde Sängerin und Heilkundige. Der junge ließ auch nichts anbrennen. Beim Gedanken, wie er als Dreikäsehoch sie und Keas großen Bruder genervt hatte, weil er immer mit wollte, muss sie grinsen. Wer hätte gedacht, dass aus dem frechen Bengel mal ein Ritter mit stattlichen Gardemassen werden würde?
Prinzessinnen richten das Krönchen, Königinnen ziehen das Schwert. :pferd:

Schreiben ist leicht. Man muss nur die falschen Wörter weg lassen. (Mark Twain)

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Atevora

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42

Wednesday, July 25th 2012, 10:55am

Auf dem Inarifest 512

Da macht sich Atevora zur Abwechslung einmal die Mühe und zeigt Interesse am Zustand ihres Gegenübers, was beileibe eine große Leistung im zwischenmenschlichen Umgang bei ihr darstellt, und was erhält sie dafür? Ein Augenverdrehen! Das missfällt ihr, sehr sogar.
>>„Glaub mir Atevora es ist alles in Ordnung. Der Sturm und das ganze Trara in letzter Zeit waren einfach ein wenig stressig. Immerhin kann ich über den Sommer fast das gesamte Dach des Anwesens in Stand setzen lassen … „ <<
„Genau der Sturm“ Mir scheint dein Sturm tobt dir seit des Hexenprozesses. Entgegnet Atevora kühl bar jeder Herzlichkeit, dass ein ganzer unausgesprochener Satz mitschwingt, der da lautet: Das glaube ich dir wie du mir die Rolle der heiligen Radegrund der Stadt.
Die Eismaid hat Aurian nach diesem Prozess gesehen, die Magierin hat sich gehen lassen, vernachlässigt und nicht mehr erholt. Seither vegetiert sie nur noch vor sich hin, und es scheint nach einer kurzen Erholungsphase augenscheinlich wieder schlimmer zu werden, Aurian ist ein Schatten ihrer selbst. Dürr, abgemergelt, sie wirkt kraftlos, ihr Erscheinungsbild nachlässig, so ganz anders als damals am Blumenball.
Atevora, welche die politischen Bewegungen verfolgt, ist bekannt, dass dieser Lord Ellyn Tallard keine Möglichkeit auslässt propagierend gegen Aurian zu Felde zu ziehen. Wie immer geht es um Geld, Besitz und Einfluss, denn er beansprucht die Ländereien und Aurians Anwesen weiter für sich. Bisher beißt er mit seinen plumpen Versuchen Aurian in der Gunst der Anderen zu schmälern gut auf Granit, sie hat genügend Fürsprecher für sich die Tallards Vorstöße sehr gekonnt negieren. An Lady de Winters statt hätte die Eismaid längst zu einem Gegenschlag ausgeholt, denn eines ist sicher: Jeder in einer höheren Position hat irgendwo seine Leichen begraben und Dreck am Stecken, und wenn nicht, dann platziert man welchen, sodass sich die unliebsame Person daran den Hals breche. Aber diese Ränkespiele sind nicht Aurians Welt.

Dass Aurian offenbar einige Geldsorgen hat ist spätestens nach ihrer Bemerkung offensichtlich. Der große Sturm wütete vor nun etwa 4 Siebentagen. Die Reparaturen müssten mittlerweile im vollen Gange, und die Schäden am Dach größtenteils beseitigt sein und nicht erst später kleinweise im Laufe mehrerer Monde. Aurian genießt trotz Tallards Versuche noch immer einen ausgezeichneten Ruf und hat namhafte Freunde an ihrer Seite. Kein Handwerker mit Verstand hätte Grund sie zu vertrösten und andere Aufträge dem ihren als wichtiger vorzuziehen, es sei denn es fehlt ihr an Geldmitteln.
Atevora kann sich nur zu gut vorstellen, dass so ein Anwesen und die immerzu anfallenden Reparaturen ordentlich Gelder verschlingt, doch so ein Besitz frisst nicht nur Geld er wirft auch welchen ab, doch dazu müsste Aurian ihn endlich einmal richtig einzusetzen wissen. Atevora hätte sofort einige Einfälle wie sie aus dem was Aurian zur Verfügung steht Gewinn schlagen könnte. Sie kann Tallard gewissermaßen verstehen, ihm blutet sicher das Herz das ganze Potential ungenutzt und verschwendet zu sehen. Doch auch das ist nicht der Gardemagierin Welt, sie steht lieber mit dem Schwert zur Verteidigung der Stadt, und geht gewissenhaft patrouilliere, sie ist eben kein Mensch der sich abstrakte Konzepte zurechtdenkt und über Büchern sitzt. So jemand ist Atevora. Vielleicht sollte sie sich einmal mit der Gardemagierin zusammensetzen und ihr ein paar Vorschläge zuspielen, natürlich gegen Beteiligung wenn sie umgesetzt werden und greifen.

Hätte die Eismaid etwas von Aurians Gedankengängen gewusst, hätte sie ihr vermutlich jetzt - einfühlsam wie sie ist - an den Kopf geworfen, dass Aurian das Glück das sie hat nicht verdient, wenn sie es so wenig zu schätzen weiß. Sie hat so viel. Ein Anwesen samt Besitztümer, ein geregeltes Einkommen, ein warmes Bett in der Steinfaust, dass ihr zur Verfügung steht sollten alle Stricke reißen, viele Fürsprecher und sie hat Freunde. Freunde wo sie kindisch raunzt und zetert und sich von ihnen ach so dringend fernhalten muss, weil sie sich berechtigt sorgen, weil sie das wichtigste von ihrem Besitz sträflich vernachlässigt und aufs Spiel seht: ihre Gesundheit. Aurian weiß und schätzt gar nicht was sie daran hat und beginnt wegzuwerfen: Gesundheit. Dafür sollte sie die Frau ohrfeigen. Aurian hat keine Ahnung wie es ist wirklich gegen echte Widrigkeiten anzukämpfen. Und der eine Häscher der an Aurians Nerven nagt ist doch bitte ein Witz. Die Shin sollte ihr vielleicht einmal in der Unterstadt zeigen was _echtes_ Elend ist. Was täte die Gardemagierin wenn sie mit Atevoras Lage zurechtkommen müsste? Mit den vielen Hetzreden und Beleidigungen Tag für Tag, der Odyssee einer Flucht mit vielen die sie sofort ungestraft ermorden könnten, mit wahrer Mittellosigkeit und dem Gestank der Unterstadt? Würde sie an der Herausforderung zerbrechen? Wenn das Leben einem Steine in den Weg wirft gilt es diese zu überwinden, gegen einen Widerstand gilt es Anzukämpfen und sich nicht zu beugen.

So aber kommen der Bleichhäutigen diese Gedanken nicht, denn sie kann glücklicher Weise keine Gedanken lesen, und so ignoriert Atevora nur entgegenkommend dieses Augenrollen: „Wie auch immer. Es freut mich dich hier zu sehen.“ meint sie jovial und setzt sich wieder zu ihrem Getränk wo sie aus den Augenwinkeln noch ein verräterisch breites Grinsen von Azra bemerkt. Ob sie etwas im Schilde führt? Azra? Unsinn. Azra ist in etwa genau so durchtrieben, hinterhältig und verschwörerisch wie ein kuffiger kleiner Hundewelpe.
Still wie es der Magierin Art entspricht, hält sie sich im Hintergrund und verfolgt Aufmerksam die Gespräche am Tisch, ohne sich großartig daran zu beteiligen. Wirklich wichtige Informationen für sie enthalten sie nicht, es geht beispielsweise um Heirat und Heiratsanträge irgendwelcher nichtigen Mägde deren Namen sie keinem Gesicht zuteilen kann und anderen Tand.
Dann wird es interessant: >>„Borgil und ich werden heiraten!“ <<
Über den Köpfen aller Anwesen schwebt Augenblicklich das selbe große Fragezeichen und Azra steigt wie so oft ein lieblicher Rosé-Ton in die Wangen, als ihr dämmert weshalb und erklärt sich hastig. >>“Keine Frage, aber uns ist klar geworden, dass wir unsere Freunde gerne dabei gehabt hätten. Also euch... und alle anderen... Niniane, Cron, dich, Olyvar... na eben alle„<<
Atevoras Blick gleitet ungerührt in die Tiefe ihres Bechers. Sie kann mit dem rudimentären Euch schwerlich gemeint sein.
>> Und ich habe natürlich ja gesagt. Und ihr seid alle eingeladen! << Bei der Ausgreifenden Armbewegung von Azra erschrickt Atevora und zuckt zurück. Kurz darauf zieht sie konsterniert die Augenbrauen zusammen. Wie, alle, .. alle? Auch sie? Aber weshalb denn? Und vor allem: Was hätte ich auf einer zweiten Hochzeit zu suchen?
Atevora hält sich nicht lange mich Gefühlsduselei und Glückwünschen auf sondern erkundigt sich nach dem den wichtigen Grundinformationen:“Und für wann ist das freudige Ereignis geplant?“

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Olyvar

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43

Thursday, July 26th 2012, 1:32pm

>Slaínte.< Gelegenheit, mehr als dieses eine Wort mit Aurian auszutauschen und einen Schluck Wein mit ihr zu trinken, hat Olyvar nicht, denn kaum bei ihnen angekommen, wird sie von Atevora in Beschlag genommen. Die Magierin begrüßt Aurian mit gezierten Wangenküsschen, was Olyvar hinter den beiden Frauen konsterniert eine Braue heben lässt, und ein paar ziemlich taktlosen, sehr charmanten Worten, sie sei ja furchtbar dürr geworden und habe auch schon mal besser ausgehen. Lieber Himmel! Seit wann ist diese Wassermagierin denn so ein Trampel? Stets darauf bedacht, sich möglichst vornehm auszudrücken und immer Haltung zu bewahren, ist "Lady Shin" so ziemlich die letzte, aus deren Mund er derart unverblümte Worte erwartet hätte. Olyvar fängt Aurians augenrollenden Blick auf, verzieht den Mund zu einem schiefen Lächeln und zuckt mit den Schultern. Nicht, dass Atevora nicht irgendwie Recht hätte mit ihren Worten – aber Aurian ist eine erwachsene Frau, kein unmündiges Kind und keine Hafermastgans. Abgesehen davon kann man das auch anders ausdrücken und es muss auch nicht vor hunderten neugieriger Ohren sein... Er nimmt einen weiteren Schluck Wein und beobachtet - wie auch Cináed neben ihm - eine Weile schweigend das Geschehen und lauscht mit halbem Ohr den schnatternden Gesprächen in ihrer kleinen Gruppe, als wie aus dem Nichts plötzlich Azra neben ihm auftaucht und ihm zuflüstert, er möge doch mit Aurian tanzen, das würde sie aufmuntern - nur um auch schon wieder von seiner Seite zu verschwinden, und ihr angeregtes Gespräch mit Diantha fortzuführen. Er hört nur noch etwas von "Laden" und "erzählen". Oh, das dauert länger. Aber Azra ist ein Goldstück.

Olyvar wirft Cináed einen Blick zu, doch der Elb zuckt nur entschuldigend die Achseln und weist mit bedauernder Miene auf sein Bein - andernfalls hätte er sich sicher als Retter in der Mission "bewahren wir Aurian vor Fütterungsversuchen und weiteren Höflichkeiten ihrer Freunde" angeboten. Olyvar stellt seinen Weinkelch ab, nimmt seine Gardemagierin an der Hand, legt ihren schmalen Arm unter seinen und wartet ihre Antwort gar nicht erst ab, sondern führt sie zielstrebig in Richtung des Tanzbodens unter dem Festbaum. "Komm schon, schwing ein bisschen das Tanzbein mit mir, a leannan. Wie es aussieht, bin ich für die nächste Zeit Strohwitwer, weil Diantha Azra alles über ihren Laden und ihre Edelsteine erzählen wird, aye?" Auch wenn am Rand der Tanzfläche schon eifrig auf die Abfolge der Rundtänze diskutiert wird, die bald beginnen würden – eine noch recht neue Tradition auf Festen in Talyra, aber eine, die Heidenspaß macht, weil jeder mitmachen kann, ob nun mit zwei linken Füßen gestraft oder nicht – aber noch ist es nicht soweit und die Spielleute stimmen gerade die "Sturmesnacht" an: ein wenig bissig und etwas zum Lachen, nicht zu schnell und nicht zu langsam, also genau richtig. Sie reihen sich unter die anderen Tänzer, gerade als die Barden beginnen zu singen und die freche Weise mit genau der richtigen Mischung aus Humor und Dramatik vortragen:

In einer dunklen Sturmesnacht - hört zu, was ich Euch sag'.
Fuhr Blitz auf Blitz hernieder, machte so die Nacht zum Tag.
Und Donner tobte ums Schloss, so heißt es in der Mär,
ein grelles Heulen stieg empor, vom Ostturm kam es her!


Kein Tier und auch kein Monster war's, das wusste jeder gut.
Kein Dämon, kein Gefolterter ward dort gequält aufs Blut.
Kein Geist ging ruhelos dort um, nicht Totenklagen bang.
Die Gräfin übte sich nur dort des Nächtens im Gesang.


"Sie hat Recht, das weißt du, oder? Ich meine das Streifenhörnchen. Sie war nicht gerade sehr nett und auch nicht besonders höflich - und ich verspreche dir, niemand wird dich in der Harfe festketten, aber du solltest wirklich langsam aufhören, es dir selbst schwer zu machen, Aurian." Dass sie mehr essen muss, weil sie schrecklich dünn geworden ist seit dieser Hexergeschichte muss er ihr nicht auch noch auf die Nase binden, das weiß sie selbst. Und auch, dass sie mehr schlafen und sich weniger grämen und sich vor allem nicht ständig mit ihrer Magie auf den Sandplätzen so verausgaben solle. Schutzschilde, Schutzschilde, Schutzschilde... ich glaube, sie kann sie inzwischen im Schlaf, blind und taub, und mit einer Hand auf den Rücken gebunden wirken...

Die Gräfin fühlte immer schon zu Bardin sich gebor'n.
Wer anders dachte, hatte nichts in Ihrem Schloss verlor'n.
Drum mussten alle lauschen ihr und preisen jeden Tag,
Und schwören: "Eure Stimme - seharimgleich ganz ohne Frag!"


Die Gräfin fühlte außerdem zu Höh'rem sich erkor'n.
Drum spürte auch ihr Mann, der Graf, wohl täglich ihren Zorn.
Nicht nur quält sie den guten Mann fast ständig Lied für Lied,
Er ist auch noch an allem schuld, was auch im Schloss geschieht.*


"Ray findet den Jungen schon und dann kannst du mit ihm reden, wenn du möchtest. Was passiert ist, ist nicht deine Schuld, Aurian. Du hast es gut gemeint."


*(c) Mercedes Lackey
And that's the thing about people who mean everything they say. They think everyone else does too.

The good thing about mages, I find, is that they die much like any other. You need to worry about what happens before that.

Mealla

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Occupation: Heilerin

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44

Friday, July 27th 2012, 11:05am

Mealla und Rabenauge bekommen herzlich wenig von Calaits atemberaubenden Tanz mit Nary mit, da er sich in den Kopf gesetzt hat, sie davon zu überzeugen, ihn nicht noch einmal um einen Tanz zu betrügen. Die Heilerin schäkert mit ihm und nimmt ihn nicht ganz ernst, woraufhin er sie anfunkelt und ihr ins Ohr flüstert, was sie sonst alles verpassen könnte. Bei seinen Worten muss Mealla kichern, das klingt alles recht vielversprechend und so wispern sie sich eine ganze Weile Verschiedenes ins Ohr, während sie tanzen, bis Rabenauge feststellt, sie bräuchten jetzt alle etwas zu trinken. Gemeinsam machen sie sich auf den Weg Inariwein und Bier zu besorgen und sie werden erstaunlich flott bedient, obwohl der Andrang am Weinstand riesig ist – Rabenauge hat doch so einige Beziehungen in der Stadt. Kaum halten sie Becher, Krug und Amphore in den Händen, verkündet Julian, dass er Calait erspäht habe und so machen sie sich auf den Weg zu ihr. Bei der Halbresande stehen Tiuri und eine Mealla unbekannte Frau mit einer großen, fremdartigen Raubkatze, die nicht gerade glücklich darüber aussieht, inmitten eines überfüllten Marktplatzes zu stehen. Der Lärm auf dem Marktplatz ist schon für Menschenohr nicht unbedingt angenehm, für das Tier mit seinem hervorragenden Gehör muss es eine nahezu unerträgliche Kakophonie sein, also müsste man eigentlich Mitleid mit ihm haben. Doch Mealla versteift sich nur in Rabenauges Arm und muss an einen Patienten aus ihrer Akademiezeit denken, der von einer Schattenkatze angegriffen wurde. Er wird wohl selber schuld gewesen sein, denn soweit die Heilerin weiß, greift zumindest diese Katzenart nur an, wenn sie sich in die Ecke gedrängt fühlt. Dennoch hat sie schlimme Erinnerungen an die Verletzungen, der Mann war mehr Wunde und offener Fleischklumpen als Mensch. Bei dem Bild, was sie vor ihrem inneren Auge sieht, wird Mealla ganz schnell wieder nüchtern und auch ihre übermütige, fröhliche Stimmung legt sich ein wenig. Wenn das Tier dort wenigstens eine Katzenart wäre, die sie kennt, dann wüsste sie, ob es zu Aggression neigt, doch von so einer weiß-grauen Raubkatze mit langem Schwanz und grünen Augen hat sie noch nie etwas gehört oder eine Zeichnung gesehen. Ihr bleibt nur zu hoffen, dass es sich um ein halb taubes, grundsätzlich gutartiges Tier mit nicht vorhandenen Instinkten handelt, doch irgendwie sieht es nicht danach aus. Nervös fingert sie an den Bechern in ihren Händen herum und fragt sich, warum sich sonst niemand weiter dafür zu interessieren scheint, dass sich dort ein beängstigendes Tier aufhält, dass einen Mensch fürchterlich zurichten kann. Sie konnten dem Mann damals zwar das Leben retten, doch er verlor seine recht Hand und sah auch sonst nicht mehr aus, wie er selbst. Es ist kein Hund, verflucht! Und selbst den sollte man bei so einem Fest zuhause lassen! Rabenauge merkt sehr genau, dass Mealla sich extrem unwohl fühlt, drückt sie einmal fest und verspricht ihr dann: „Ich werde darauf aufpassen, dass die Katze niemandem etwas tut. Lass dir doch davon nicht den Tag verdienen, es wird nichts passieren und wenn doch, dann ziehe ich dem Vieh persönlich die Haut ab.“ Seine Worte mögen hat klingen, doch sie beruhigen die Heilerin wieder, denn sie weiß, dass Rabenauge sich an ein Versprechen halten wird. Als sie bei der Gruppe ankommen gibt sich Mealla aller erdenkliche Mühe, sich ihr Unbehagen und ihre Abneigung gegen die Anwesenheit der Raubkatze nicht anmerken zu lassen, doch immer wieder wandert ihr Blick nervös zu dem Tier.

Dementsprechend erleichtert ist Mealla auch, als Calait vorschlägt, nach Brenainn zu sehen und schließt sich ihr und Tiuri nur allzu gerne an. Der Rest der Gruppe setzt sich an einen Tisch vor der Harfe und wartet, bis die drei nach dem Kleinen geschaut haben. Tiuri wusste bislang nichts davon, dass sein kleiner Bruder krank ist und ist dementsprechend besorgt und schnell unterwegs und versucht jeden, der ihn in der Harfe anspricht, zu ignorieren oder aus dem Weg zu schieben. Calait muss ihn ärgern und fragt gespielt, ob sie den kleinen Jungen erst fragen soll, ob er sich noch an Tiuri erinnert, sie weiß schließlich genau wie Mealla, dass der Blaumantel eine Menge Strafarbeiten aufgebrummt bekommen hat, wegen einer Schlägerei und dementsprechend wenig in der Harfe gewesen sein kann. Im Kinderzimmer wird der kleine Halbzwerg nur mit Not davon abgehalten, gleich aus dem Bett zu springen um den Ritter zu umarmen und beginnt daraufhin herzergreifend zu weinen. Viel liebevoller, als man es ihm zutrauen würde, hebt Tiuri den Kleinen hoch und schaukelt ihn sanft in seinen Armen, bis er sich wieder ein wenig beruhigt hat, dann legt er ihn zurück ins Bett. Während Tiuri eine haarsträubende Geschichte über seinen Kampf mit einem haushohen Sagoralöwen erzählt, sucht Mealla in ihrer kleinen Tasche, wird aber leider nicht fündig. Der kleine Junge lauscht gebannt der Erzählung und scheint sich nicht allzu schlecht zu fühlen, trotzdem legt ihm Mealla sanft die Hand auf den Kopf, was er überhaupt nicht beachtet. Das Fieber ist ein wenig gestiegen, hm. Sie wendet sich an Mathea und verspricht ihr, morgen Weidenrinde vorbeizubringen. Calait legt ihm derweil einen kalten Umschlag auf die Stirn und es dauert nicht lange, bis das Kind einschläft. Auf Zehenspitzen verlassen sie das Zimmer und suchen nach dem Rest der Truppe, die einen recht schönen Platz am Harfengartenrand gefunden hat, von dem man gut sehen kann, wann die Rundtänze beginnen werden. Sie genießen das ein oder andere Bier zusammen und trotz der Katze kann sich Mealla einigermaßen entspannen, bis diese sich plötzlich ruckartig aufrichtet und auf etwas zu lauschen scheint, was den menschlichen Ohren offensichtlich entgeht und der Heilerin rutscht prompt das Herz in die Hose. „Wir holen Nachschub!“, verkündet sie und zieht Calait einfach mit sich, wovon weder Julian, noch Tiuri begeistert scheinen, doch sie ignoriert schlichtweg den Einspruch der Männer. Die Bedienungen der Harfe sind tatsächlich ziemlich überlastet, von daher geht Mealla nicht davon aus, dass sie ein Problem damit haben werden, wenn die Frauen sich ihre Getränke persönlich abholen. Eigentlich möchte die Heilerin einfach nur in Ruhe mit Calait über ihre Befürchtungen reden, aber das kann sie ja nicht vor allem am Tisch machen, daher ist das eine gute Ausrede. „Calait, ich mache mir Sorgen, dass die Katze jemandem etwas tun könnte, wenn sie sich erschreckt oder jemand sie übersieht. Du hast doch erzählt, dass du auch einmal einen Luchs oder so ähnlich hattest, deshalb frage ich dich: Wie hoch ist deiner Meinung nach die Gefahr bei dem Gedränge und dem Lärm, besonders später beim Tanzen“, platzt sie heraus, kaum haben sie die Harfe betreten. „Ich mache mir ernsthafte Sorgen, denn ich habe schon einmal geholfen, jemanden zu verarzten, der von einer Schattenkatze angegriffen wurde. Auch wenn es seine eigene Schuld war – es war schrecklich.“

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Aurian

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45

Saturday, July 28th 2012, 9:04am

Aurian schafft gerade noch, ihren Weinbecher am Tisch neben Cinaed zu platzieren, als Olyvar sie zielstrebig Richtung Tanzboden entführt – eine Ablenkung und vor allem Rettung vor weiteren gut gemeinten Ratschlägen, über die sie gar nicht böse ist. Auch wenn sie weiß, wie Atevora es meint: Sie ist nicht in der Laune, bemuttert zu werden.

Sie kommen gerade rechtzeitig, als die Musikanten ein neues Lied anstimmen: die Sturmesnacht, ein ideales Tanzlied. Der Commander ist ein geübter Tänzer und so ist es kein Problem gleichzeitig den Takt zu halten, auf keinerlei Füsse zu treten und sich dabei zu unterhalten. In weitaus taktvollerer Weise als das „Streifenhörnchen“, wie er die weiße Magierin zu nennen pflegt, bringt er es auf den Punkt. Und erkennt dabei die Zusammenhänge um einiges deutlicher. Wie hätte sie auch nur im Entferntesten annehmen können, dass ihre Übungen in der Sandgrube unbemerkt geblieben waren? Vor allem weil sie Matthis dazu eingespannt hat, ihren Schutzschild mit Steinen, Übungsschwertern und diversen Ablenkungen, die dem jungen Rekruten eingefallen waren zu bombardieren. >Ray findet den Jungen schon und dann kannst du mit ihm reden, wenn du möchtest. Was passiert ist, ist nicht deine Schuld, Aurian. Du hast es gut gemeint.< Dass Olyvar sie so durchschaut lässt die Halbelbe aber dann doch stocken – wäre er nicht so ein geschickter Tänzer wäre sie wohl stocksteif mitten auf der Tanzfläche stehen geblieben. So aber führt er sie einfach weiter im Kreis, keinem der Umstehenden fällt das kurze Stocken in der Bewegung auf. Mit leicht zusammengekniffenen Augenbrauen sieht sie ihren Tanzpartner an: Keiner kennt sie in Talyra so gut wie er, weiß um all die Tiefschläge, Katastrophen und Kämpfe, die sie in den letzten Jahren erlitten und ausgefochten hat. Daher ist es nicht verwunderlich, dass er ihre Gedanken und Gefühle um die letzten Ereignisse kennt. Schuld? Wie oft hat sie sich diese Frage gestellt. Wenn sie schneller gewesen wäre, besser, hätte sie Nathanael eher überwältigen können, Uio aufhalten und ihn und Lyall vor den Folgen bewahren? Uio den Verlust des Fingers ersparen, Lyall die schweren Verbrennungen und vor allem die seelischen Qualen … Oder hätte sie ganz anders reagieren sollen? Hätte sich alles vermeiden lassen, wenn sie nicht selbstgerecht geglaubt hätte, Uio allein helfen zu können, ihm allein klar machen zu können, was es bedeutet magisch begabt zu sein? Ja sie hat es gut gemeint aber relativiert das ihr Versagen?

„Meinst du? Und was passiert wenn er ihn gefunden hat? Er hasst uns Magier nun doch noch viel mehr, vorher war es nur Misstrauen aber jetzt …? Und seine Hand …. Sie wird ihn immer daran erinnern was passiert ist! Ich wollte ihm all das ersparen was ich erlebt habe und hab es nur schlimmer gemacht. Und ich kann jetzt nicht mal was tun um es wieder besser zu machen ich meine …. Du und dein magischer Freund, ihr habt mir ja verboten, weiter nach ihm zu suchen. Wie war deine Begründung, ich zitiere: In deinem Zustand merkst du nicht mal wenn dir einer ein Messer zwischen die Schultern rammt, so fixiert bist du!?“ Zum ersten Mal seit Wochen blitzen ihre grünen Augen bei etwas anderem als den schon an Manie grenzenden Übungen.
Prinzessinnen richten das Krönchen, Königinnen ziehen das Schwert. :pferd:

Schreiben ist leicht. Man muss nur die falschen Wörter weg lassen. (Mark Twain)

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