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Aneirin

Stadtbewohner

Posts: 649

Occupation: Bäcker

Location: Talyra

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46

Friday, October 25th 2013, 2:57pm

<-- Der Frostweg

Eine Weile ist er nun schon in den Straßen unterwegs, um sich einen Eindruck der Stadt und ihren Bewohnern zu verschaffen. Aneirin hatte den Händler bis zu einem Laden, irgendwo in den verwinkelten Straßen der Stadt, begleitet und war diesem als Dankeschön noch beim Abladen des Karren behilflich gewesen.
Dennoch bleibt der Eindruck vorerst nur ein Eindruck, denn die ganze Größe der Stadt mit all ihren Facetten zu erfassen, hielt Aneirin im Augenblick beinahe für unmöglich. Vielleicht wäre dies aber auch ein guter Grund den Winter in der Stadt anstatt zu verbringen, anstatt draußen auf den Wegen ziellos umher zu wandern. Andernfalls wiederum würde er womöglich Gefährten finden, denen er sich anschließen könnte. Ach, wer kann schon sagen, was die Tage bringen werden?
Inzwischen knurrt ihm aber doch kräftig der Magen und versichert Aneirin, dass dieser möglichst bald etwas Essbares vertragen könnte. Der junge Mann beschließt also die Augen nach einer Taverne oder ähnlichem offen zu halten.
Als Aneirin um die nächste Straßenecke biegt, entdeckt er drei Frauen mit Wäschkörben, die beieinander stehen, lachen und vermutlich tratschen. Eine gute Gelegenheit nach einem netten Örtchen zu fragen und womöglich auch noch eine weibliche Begleitung zu bekommen. Während er seinen Mantel zurechtrückt, vernimmt er auch das Krächzen eines Raben in der Nähe.
Unbeirrt geht er auf die Gruppe Frauen zu, die aufsehen, als er sich ihnen nähert. Aneirin verbeugt sich, setzt sein charmantestes Lächeln auf und beginnt zunächst mit dem einen oder anderen Kompliment, um die Aufmerksamkeit der Frauen zu erregen.
„Einen wundeschönen guten Tag, meine werten Damen. Erlauben Sie, dass ich Ihre angeregte Unterhaltung für einen kurzen Moment unterbreche? Ihr wundervolles Lachen hat mich aufmerksam werden lassen…“
Aneirin lässt einige weitere Komplimente folgen und beginnt die sich sichtlich geschmeichelt gefühlten Damen in ein kleines Gespräch zu verwickeln, um so an die ihm gewünschten Informationen zu kommen und nebenbei auch vielleicht noch den Familienstand der einen oder anderen Dame zu erfahren. Schließlich braucht er nicht nur etwas zu essen, sondern spätestens am Abend ein Dach über dem Kopf. Und es schläft sich neben jemand anderem, vorzugsweise weiblich, doch oft am angenehmsten.
Es kostet Aneirin ein wenig Konzentration sich von dem Krächzen des Raben während des Gespräches nicht ablenken zu lassen. Als schließlich jedoch auch noch ein zweiter einzustimmen scheint, blickt sich Aneirin dennoch wie beiläufig um, während er das Gespräch aber weiter aufrechterhält, und entdeckt eine auf den ersten Blick merkwürdig anmutende Situation. Ein Rabe sitzt nicht unweit von ihnen entfernt auf der Straße nahe einer Häuserwand und nur etwa vier Schritt entfernt hockt unübersehbar ein Elb, der ein Geräusch ausstößt, das auch das Krächzen eines weiteren Raben hätte sein können. Aneirin ist sich nicht sicher, ob der Elb den Raben versucht zu imitieren oder die beiden sich gar… unterhalten?
Er kommt nicht umhin die Szene erstaunt zu beobachten und vergisst dabei sogar fast auf eine Frage eine der Damen zu antworten, die das seltsame Pärchen scheinbar noch gar nicht wahrgenommen haben. Schnell rekapituliert Aneirin das Gespräch und lächelt die junge Frau an, die scheinbar von den dreien die einzig ledige ist. Dazu in seinem Alter und in Aneirins Augen auch ganz hübsch. Das könnte ein guter Tag werden.
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Dayan

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47

Friday, October 25th 2013, 3:35pm

Dayan hält den Abstand zu den Waschweibern. Aus welchem Blickwinkel man es auch betrachtet, ihre Idee sich ein Wäschestück zu angeln und sich hinter der nächsten Gassenabzweigung zu wandeln, ist und bleibt ein dämlicher Plan, wenn man die Auswirkungen nicht kannte. Ihre menschliche Gestalt zeigt zu keiner Zeit ein sonderlich gesunder Eindruck, dennoch war die niemals verletzt in eine ihrer Formen gewechselt. Für den Sithechraben übte sie viele, viele Stunden und es kam immer wieder zu Unfällen jeglicher Art, sei es Gäsefedern anstelle der herrlichen Rabenfedern oder gar Fell. Ein, zwei mal stürzte sie ab, aber sowas ist ihr noch nicht untergekommen und Dayan hat auch kein Interesse an einer Wiederholung.


​Viel zu spät schillern ihre Alarmglocken und Dayan fragt sich augenblicklich wie ihr dieser Fehler unterlaufen war. Schon hockt sich Tyalfen keine 5 Schritte vor sie und ruft nach dem Marc'hvran, nach ihr. Dayan erkennt es durchaus als Begrüßung. Doch sie bleibt gewarnt. Sie legt den Kopf schief, starrt in die zwei Topase an Augen und weicht vor dem schönen, in völliger Harmonie gelegenen Gesicht zurück, nur um das sonst schwarze Gefieder, dass violett und blau schimmern sollte, an die Häuserwand zu drücken. Kaum vorstellbar, dass der Mann vor ihr gefährlich für sie war, aber auf weitere Zwischenfälle könnte sie verzichten. Ohnehin jeder Idee beraubt, wie sie sich heil hier herauswinden könnte...



​Wieder jammert der große Vogel und just wandeln sich Dayans Augen. Der Blitzschlag, der sie jedesmal ereilt, wenn sie sich rührt, ist unerträglich und mehr als sie aushalten kann. Der Atem des Tiers geht stoßweise, ihr Herz hämmert mit einer solchen Wucht gegen ihre Brust, dass die herumwirbelnden Sternchen in allen Farben schimmern. Sie fühlt sich entsetzlich und kann nicht aus ihrer Haut. Verzweiflung flammt auf, nährt sich vom Schmerz aus der Schulter und funkelt in ihren Augen wieder.

Der gesunde Flügel schlägst wild um sich und raubt ihr mehr Kraft aus ihrem geschundenen Körper. Noch einmal versucht sich die Wandlerin in die Lüfte zu erheben. Natürlich ohne Erfolg. Damit hat sie im Grunde gerechnet, aber wer gesteht sich schon gerne eine Niederlage ein. Sie flucht geistig in allen bekannten Sprachen und der Schwindel wird so überwältigend, dass sie schon weiß, dass das Bild ihrer Form vor ihren Augen zerrinnt und sich aufzulösen droht. Krampfhaft versucht sie die Umwandlung aufzuhalten und die Gestalt zu wahren. Grauenhafte Schmerzen vibrieren durch ihren Leib. Galle steigt ihr die Kehle auf. Es ist ein ekelerregendes Zeug, unverkennbar und sicher kein gutes Gefühl. Dayan dreht sich jämmerlich um. Die Schmach würde sie bis ans Ende ihrer Tage verfolgen und wie eine Irre auf sie einwirken. Dessen war sie sich sicher und so entgeht ihr auch, dass mehr als zwei Augen die Situation betrachten. Ganz so als wäre heute der Tag der großen Fehler und ihr Nötfällchen, doch ein ausgewachsener Notfall.

Tyalfen

Stadtbewohner

Posts: 538

Occupation: Aniran / Heilkundiger

Location: Ferndartha / Talyra

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48

Friday, October 25th 2013, 10:33pm

Ob nun wegen seines Gekrächzes oder seiner Nähe, Tyalfen hat die Aufmerksamkeit des Raben nicht aber sein Zutrauen und es ist schwerlich möglich zu sagen, ob der Rabe an menschliche oder elbische Nähe überhaupt gewöhnt ist oder ausschließlich Instinkt sein Verhalten bestimmt. Pure Angst glaubt der Elb in des Raben Augen aufflammen zu sehen und bedauert, diesem Tier das Nachfolgende nicht ersparen zu können. Doch es bleibt keine Zeit, lang zu zögern. In seiner Angst reagiert das Tier nur natürlich, wenngleich seinem Zustand alles andere als zuträglich
„I nadio ano Ossiris (Ich bitte um Vergebung), anders kann ich dir nicht helfen!“ flüstert er dem Raben besänftigend in seiner eigenen Muttersprache zu, denn die Gabe mit Tieren zu sprechen kann er nicht sein eigen nennen und davon auszugehen, der Rabe verstünde die allgemeine Zunge der Menschen, ist in diesem Augenblick so abwegig, dass nicht ein gedanke in diese Richtung eilt. Rasch entledigt er sich seines Gepäckes, löst die Gurte um die zusammengerollte Decke, die sich in seinen Händen entfaltet als er sich erhebt und wirft sie mit einem beherzten Satz nach vorn über den verletzten Raben. Es soll nicht allein dem Zweck dienen, dem kräftigen Schnabel des Tieres kein Ziel zu bieten, wenn er nach ihm griff. Denn mit verletzter Hand ließ sich nur schwerlich Zauber weben und Rabenschnäbel waren imstande, mehr als Kratzer zu verursachen, erst recht wenn sich das Tier in Todesangst befindet. Nein, Tyalfen hofft, dem Raben die Sicht zu nehmen, ließe ihn in diese apathische Starre fallen, die sie an der heimischen Akademie schon an anderen Vögeln beobachten konnten. Ansonsten würde er wohl die Hilfe einer der Frauen, nein besser die des jungen Mannes, den er soeben aus den Augenwinkeln bemerkt, bedürfen.
Lautlos senkt sich die Decke über die Formwandlerin.
Wenn Du glaubst, dass Frauen das schwache Geschlecht sind, versuch mal nachts Deinen Teil der Decke wieder zu bekommen.

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Aneirin

Stadtbewohner

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Occupation: Bäcker

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49

Saturday, October 26th 2013, 1:07am

Das hilflose und angsterfüllte Gekrächze und Geflatter des Raben können nun selbst nicht mehr die jungen Frauen überhören. Doch blicken sie im Gegensatz zu Aneirin nicht interessiert, sondern empört ob des Lärmes zu dem Elben und dem Raben hinüber. Gerade als Aneirin die Aufmerksamkeit der Frauen wieder zurück auf das Gespräch lenken will, werden sie von einer rufenden Stimme aus der entgegengesetzten Richtung unterbrochen.
Eine Frau mittleren Alters stapft auf die Gruppe zu und sieht nicht gerade erfreut aus. Aneirin hört das Seufzen einer der jungen Frauen und kann dies sogleich nachvollziehen, als die Frau, kaum bei ihnen angekommen, sogleich anfängt die Mädchen zu rügen. Auch Aneirin wird von ihr mit einem abschätzigen Blick bedacht. Als die Dame mit ihrem kurzen, aber lauten Vortrag fertig ist, folgen die jungen Frauen ihr sichtbar widerwillig. Das ihm gefallende Mädchen fährt mit ihrer Hand über seinen Oberarm und lächelt ihm entschuldigend zu. Aneirin nickt, ein klein wenig – vielleicht auch ein klein wenig mehr - bedauernd, hinterher und lässt dann kurz enttäuscht die Schultern hängen.
Dann horcht er auf, als sich das Gekrächze des Raben plötzlich gedämpfter anhört. Einen Blick über die Schulter werfend, beobachtet er den Elben, der gerade eine Decke über das Tier geworfen hat.
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Dayan

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50

Saturday, October 26th 2013, 6:18am

Dayan hört ihr Gegenüber mit fremder Zunge sprechen. Sein Geflüster ist betörend und die Wandlerin empfindet niemand sollte solche Macht inne haben. Man könnte sich leicht in ihr verlieren und dem Klang willenlos folgen. Selbst den Sprung in eine Schlucht könnte man erreichen, ganz gewiss. Es raschelt und knistert und dann ist es dunkel.

Nach dem Dayan Tyalfen nur die Kehrseite ihrer selbst gönnte, um möglichst viel Haut zu verdecken, im Falle einer Umwandlung, verändert sich das Krächzen des Rabenschwarz in Wimmern und Schluchzen und einen markerschütternden Aufschrei eines Mädchens in Todesangst.

Ihr fehlt die Kraft um sich aus dem Tuch zu befreien und so drückt sie sich so weit sie kann mit angezogenen Beinen und den gesunden Arm schützend und einhüllend um ihre Mitte an die Hauswand.

Außerstande sich zu beruhigen weint Dayan bittere Tränen und wiegt sich selbst sachte hin und her. So verletzlich und angreifbar fühlte sie sich ihr gesamtes Leben nicht.
Müde und geschlagen ziehen die letzten Stunden an ihr vorüber. Sie merkt nicht mal, dass sie sich aus Verzweiflung die zartrosa Lippen aufgebissen hat.

Es wird dunkel,
Die Sternlein ziehen auf,
Es wird dunkel,
Sie passen auf dich auf,
Sagen gute Nacht,
Geben auf dich Acht...

Dayan schnieft, irgendwie summend, das Wiegenlied unter der Decke, dass ihre Mutter, ihr und ihren Geschwistern vorsang, um ihr dröhnendes Herz zu beruhigen und die Schmerzen in eine dunkle, möglichst kleine Ecke ihres Seins zu schließen. Dabei vergisst sie eins ums andere mal zu atmen.

Tyalfen

Stadtbewohner

Posts: 538

Occupation: Aniran / Heilkundiger

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51

Saturday, October 26th 2013, 1:28pm

Die nächsten drei Schritte sind schnell überwunden, doch als sich Tyalfen nach dem Raben bücken und die Hände nach ihm ausstrecken will, lässt ihn ein markerschütternder Schrei augenblicklich erstarren – ein Aufschrei, der keinen tierischen Kehle entspringt, der das Blut in den Adern fast gefrieren lassen möchte, eiskalten Schauer über Rücken jagt und des Elben Sinne weit schneller durchdringt, als seine Augen der Wandlung zu folgen vermögen. In diesem Augenblick, der zwei, drei, vielleicht auch vier Herzschläge dauern mag, fehlt Tyalfens Zügen jede Gleichmut. Zu unerwartet wendet sich das Geschehen. Mit geweiteten Augen und halb aufgerissenem Mund, dem es lediglich an eigenem Laut der Verblüffung mangelt, starrt Tyalfen auf die Konturen, die sich durch seine Decke abzeichnen und dem Leib eines zusammengekauerten Kindes am ehesten entsprechen. So wie er es erkennt, kehrt Besonnenheit zu ihm zurück, lässt seine Hände sinken und ihn ein wenig zurückweichen. Er lässt der Wandlerin den Schutz der Decke, gönnt ihr die Augenblicke bitterlichen Weinens und Schluchzens, in der sich ihre Anspannung zu lösen versucht, wie jene, in denen sie sich wiegt und an ein Wiegenlied klammert ohne auf sie einzuwirken. Stattdessen kniet er sich vor sie, streift seine Handschuhe von den Händen, deren Schutz er nicht länger bedurfte und wartet geduldig auf den richtigen Moment, sie zu erreichen ohne sie neuerlich zu verschrecken.
„Bitte fürchte dich nicht vor mir.“, wählt Tyalfen nun die Allgemeinsprache, sie äußerst behutsam, leise und mit sanfter Stimme anzusprechen. „Du bist verletzt und leidest unter furchtbarem Schmerz. Ich möchte dir helfen, wenn du es erlaubst. Ich bin ein Aniran. Weißt du damit etwas anzufangen?“
Wenn Du glaubst, dass Frauen das schwache Geschlecht sind, versuch mal nachts Deinen Teil der Decke wieder zu bekommen.

Aneirin

Stadtbewohner

Posts: 649

Occupation: Bäcker

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52

Saturday, October 26th 2013, 2:33pm

Regungs- und fassungslos steht Aneirin da und beobachtet das Geschehen. Zunächst glaubt er, der Hunger hätte seinen Geist verwirrt, verwirft den Gedanken im selben Augenblick wieder. Seine Augen wandern zu dem Elben, der scheinbar ähnlich überrascht auf das Etwas unter der Decke blickt. Aneirin schluckt, wagt es dann aber doch sich zu nähern.
Als er fast auf gleicher Höhe mit dem Elben ist, kann er das Schluchzen und Wimmern vernehmen, das unter der Decke hervordringt. Er hört, wie der Elb zu dem Etwas spricht. Er sagt, es sei verletzt. Unsicher sucht Aneirin den Blick des Elben, als er plötzlich erkennt, dass es nicht lediglich ein unkontrolliertes Weinen ist. Zwischen dem Schluchzen und Schniefen erkennt er die Zeilen eines Wiegenliedes:

Es wird dunkel,
Die Sternlein ziehen auf,
Es wird dunkel,
Sie passen auf dich auf,
Sagen gute Nacht,
Geben auf dich Acht…


„Drum mach die Augen zu
Und schlaf in guter Ruh“,

vervollständigt Aneirin nach einem Augenblick die Strophe. Nachdenklich legt er den Kopf etwas schief und versucht sich zu erinnern. Er greift nach seiner Laute, atmet tief ein und wieder aus, versucht seinen Herzschlag zu verlangsamen und sich weitestgehend von der Aufregung zu beruhigen. Er ist sich bewusst, dass sein Spiel auf der Laute die Stimmung empfindsamer Menschen beeinflussen kann, wenn sie sich darauf einlassen. In der Hoffnung, dass das Wesen dort unter der Decke bereit ist, etwas von seiner Ruhe zu empfangen, beginnt er zu spielen und zu singen:

Es wird dunkel,
Die Sternlein ziehen auf,
Es wird dunkel,
Sie passen auf dich auf,
Sagen gute Nacht,
Geben auf dich Acht.
Drum mach‘ die Augen zu
Und schlaf in guter Ruh.

Es wird dunkel
Der Mond geht schon auf
Es wird dunkel
Heut passt er auf dich auf
Im silbrigen Schein,
Schlaf ein, oh, schlaf ein.
Nun mach‘ die Augen zu
Und schlaf in guter Ruh.
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Dayan

Unregistered

53

Saturday, October 26th 2013, 9:18pm

Aniran?
Nein, das Wort sagt ihr nichts. Sie muss den Sprecher sehen, um ihn besser zu verstehen, auch wenn sie der Allgemeinsprache, in die der eine übergegangen ist, unterrichtet war, kann Dayan deutlich besser aus Gesichtern lesen als nur Wort an Wort gereiht zu hören.

So wagt sie schließlich vorsichtig den Kopf unter der schützenden Decke hervor zu bringen. Dabei achtet sie darauf den nunmehr zwei Fremden möglichst viel Rücken und wenig Vorderseite zu zeigen und selbst hier versucht sie möglichst viel mit der Decke einzuhüllen. Wieder legt sie, wie zuvor in der Sithechrabegestalt, ihren Kopf schief. Gletschblaue Augen, die den Anschein wahren bernsteinfarbend zu flackern, betrachten erst tobasgrüne, dann smaragdgrüne Augen. Eine zitternde Hand hebt sich an des Elben Antlitz und ihre Augen fragen, ob sie es berühren darf.

Mitten in der Bewegung hält sie inne, als fürchtete sie sich. Beschämt dreht sie ihren Kopf ab und rafft mit der gesunden Armseite den Stoff um ihre Mitte.
"Nein, nichts." Ganz leise sagt sie es.
So wie er sprach, glaubt sie, dass jedermann, jedes Kind, jeder Greis, einfach jeder Wissen würde was ein Aniran ist. Nur eben sie nicht nicht. Sich völlig unzulänglich fühlend, lässt sie ihren Kopf in den Nacken sinken. Verharrt so einige Atemzüge. Wieder vibriert der Schmerz in Wellen durch ihren mädchenhaften Leib, sodass Dayan fest auf die Zähne beißt. Sie schluckt. Dieser widerliche Geschmack ist noch immer da.

Wie soll das Enden?

Tyalfen

Stadtbewohner

Posts: 538

Occupation: Aniran / Heilkundiger

Location: Ferndartha / Talyra

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54

Sunday, October 27th 2013, 1:37am

Der junge Mann - jener - den er mit dem Gedanken an helfende Hände aus einem Grüppchen Menschen im Stillen ausgewählt hatte, ist neben ihn getreten. Schon will Tyalfen ihm ein Zeichen geben, sich wieder zurückzuziehen, weil er fürchtet, dass ein zweiter Fremder das vermeintliche Kind nur noch mehr ängstigte, da stimmt er in ihr Wiegenlied ein. Mehr noch, von seiner Laute erhebt sich eine zarte Melodie derart feinsinnig angestimmt und von einschmeichelnd lieblichen wie gleichermaßen besänftigenden Harmonien getragen, dass des Elben Hand wieder sinkt und ihn dem jungen Mann anerkennend zunicken lässt.
Es gibt selbst in der Heilkunde wenig, dass so schnell, wirkungsvoll und schonend zugleich auf ein Gemüt einzuwirken imstande ist, wie Musik. Selbst der Zauber des betäubenden Schlafes, wohl schnell und effizient, wusste den Geist für seine Dauer nur seiner Sinne zu berauben, nicht jedoch seine Verfassung zu wandeln. Und manch Einem, bei dem der Zauber angewandt ward, war hernach schwindlig, wenn nicht gar übel. Von Pülverchen und Essenzen ganz zu schweigen, die allesamt ihre Zeit brauchten, ihre Wirkung zu entfalten.
Gespannt eilt sein Blick zur Wandlerin unter der Decke zurück und was immer sie erreicht haben sollte, Worte, Gesang oder Melodie, Tyalfen will dankbar dafür sein. Das Eis ist gebrochen, wenn auch zögerlich, so schiebt sich doch erst ein dunkler Haarschopf, gefolgt von hellhäutiger hoher Stirn und einem Augenpaar unter der Decke hervor.
Auch wenn seine Miene es nicht verrät, fragt sich Tyalfen doch unweigerlich, wem oder was genau er gerade ins Antlitz blickt. Sie ist kein Kind mehr, soviel verraten ihre Züge …. doch sonst? Das Auffälligste sind ihre Augen, die trotz des hellen, klaren Blautons entfernt an die eines Raubtieres erinnern. Vielleicht ein Zeichen ihrer Wargennatur, doch das ist es nicht allein. Es tanzen rätselhafte Flammen in ihnen, eigenartig schön wie fremdartig. Tyalfen kann sich nicht erinnern, vergleichbares je gesehen zu haben.
Als sie die Hand hebt, liegt keinerlei Abwehrversuch in dieser Geste. Zitternd und zaghaft nähert sie sich seinem Gesicht, scheint es berühren zu wollen und wirkt dabei so anrührend und bittend, dass Tyalfen es ihr nicht verwehren will. Vielleicht trübten die Flammen in ihren Augen ihre Sehkraft, blendeten wie Sonnenstrahlen, die durch Laubwerk blitzen oder überlagerten sein Abbild mit Wahrnehmungen aus anderen Sphären? Wie dem auch sei, wenn er sie bat, ihm zu vertrauen, wie könnte er ihr es dann ausschlagen. Mit leicht gesenkten Lidern neigt er sich bedächtig ihren zarten Fingern entgegen.
Warum es letztlich nicht dazu kommen soll und sie sich wieder in sich kehrt, weiß Tyalfen nicht zu sagen und kommt auch nicht dazu, darüber nachzusinnen. Denn mit ihrer Verneinung erinnert sie ihn an seine Frage, ob sie wisse, was ein Aniran sei. Vielleicht ließ sich über die Gemeinsamkeit, magische Gaben zu besitzen eine Verbindung zu ihr knüpfen, der sie mehr vertrauen mochte. Er fährt genauso sanft und behutsam fort, mit ihr zu sprechen, wie er es begonnen hatte. „Nun ein Aniran ist wie du mit der Gabe der Magie gesegnet. Nur vermag er sich nicht in andere Gestalt zu wandeln, sondern wie mit einer Art Sinn wie dem Sehen oder Fühlen ähnlich in Körper einzutauchen und Krankheiten wie Verletzungen aufzuspüren und zu heilen, ohne ein anders Hilfsmittel als Zauberweben selbst zu gebrauchen. Ich kann in das Innere deiner Schulter blicken, ohne dir durch abtasten weiteren Schmerz zufügen zu müssen. Ich kann sehen, ob Knochen, Knorpel, Sehnen, Bänder, Adern oder Nervenbahnen verletzt sind und sie zusammenfügen, aus Verklemmungen lösen ohne das meine Hand dich tatsächlich berührt auch wenn sie den Zauber leiten. Ich will aber nicht verschweigen, dass es sein kann, dass ich ein weiteres Paar Hände brauchen werde, seine Hände“, weist er auf den Mann neben sich. „wenn deine Verletzung komplizierter ist. Magst du mir erlauben, deine Schulter auf diese Weise zu untersuchen und dann sehen wir weiter?“
Wenn Du glaubst, dass Frauen das schwache Geschlecht sind, versuch mal nachts Deinen Teil der Decke wieder zu bekommen.

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Aneirin

Stadtbewohner

Posts: 649

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55

Sunday, October 27th 2013, 1:29pm

Aneirin ist nun endgültig beruhigt, als der Elf ihm anerkennend zunickt und ihm damit zeigt, dass er scheinbar die richtige Wahl getroffen hat. Das Wimmern und Schluchzen unter der Decke wird leiser und erstirbt schließlich ganz. Endlich zeigt sich der dunkle Schopf des Wesens, das Aneirin im ersten Moment für ein Kind hält. Über ihre Schulter hinweg blickt sie die beiden zunächst stumm an. Doch Worte sind für Aneirin in diesem Augenblick überhaupt nicht nötig. Er ist fasziniert von dem schmalen, zarten Gesicht und den großen, blauen Augen. Allein sie einfach nur anzusehen, weckt in Aneirin einen starken Beschützerinstinkt. Als sie dann auch noch zu sprechen beginnt, ist der junge Mann ganz entrückt. Ihre Stimme vernimmt er, doch was sie sagt, nimmt er nicht wahr. Dass er inzwischen aufgehört hat zu spielen, hat er noch gar nicht bemerkt. Erst als der Elb anfängt zu sprechen und auf ihnen deutet, erwacht er aus seinem Zustand der Entrückung. „Wenn deine Verletzung komplizierter ist. Magst du mir erlauben, deine Schulter auf diese Weise zu untersuchen und dann sehen wir weiter?“, spricht der Elb zu ihr. Also war das Mädchen tatsächlich verletzt?
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Dayan

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56

Sunday, October 27th 2013, 3:36pm

Musternd tasten Dayans Augen den Aniran an. Sehr großes Vertrauen muss er in sich haben. Sie überlegt ob er für seine Aufgaben seinen Körper verlässt und gemeinsam, mit und ohne Erlaubnis des anderen, in die andere Hülle schlüpft. Dafür müsste man das Bewusstsein sicher verschmelzen oder übernehmen und wer wolle das schon? Oder würde er in seinem Körper bleiben und was… Kraft über die Haut schicken? Konnte so was gehen? Aber, und da ist sie sich sicher sagte er etwas von ‚eintauchen‘ und darunter verstand sie etwas völlig anderes. Wollte sie jemand in ihr haben? In ihrem Kopf? Ihrem Geist? Fürchterliche Dinge konnte man machen, war er sich dessen bewusst?
Als dann noch zur Sprache kommt, dass der andere wo möglich helfen müsste, zuckt Dayan innerlich wie äußerlich zusammen. Ihre Augen wandern zum nächsten Gesicht. Auch dieses wird sorgfältig abgetastet. In beiden sieht die Wandlerin keine Bedrohung, aber das hieß nichts.
Dayan bleibt wachsam, sehr angespannt. Sie braucht die Gewissheit alles im Griff zu haben und so wägt sie ab, ob und wie weit sie sich helfen lassen musste. Wobei ihr durchaus klar ist, dass sie alleine keine Chance hatte. Mittlerweile glaubt sie gar, dass sie Schwierigkeiten hätte sich auf die Beine zu stellen.
Sie neigt den Kopf, jetzt schon zum dritten Mal, schaut dann die Gasse rauf und runter, und unterdrückt jeden Laut. Ihr Kiefer schmerzt bereits, weil sie mit eisernen Willen die Zähne aufeinander drückt, als könne sie so den Schmerz in der Schulter irgendwie bändigen oder gar nur das Klappern der Zähne aufhalten Das weiß sie nicht mal zu unterscheiden
„Wird Euer Geist wandern?“ fragt sie schließlich, auch wenn man schon ein feines Gehör haben musste, um Dayan zu folgen. Doch bei diesen beiden hier ist sie sicher, dass sie ihr folgen konnten.
Den Blick auf die Zehen gerichtet, die unter der Decke ohne ihr Zutun anfingen nervös auf den Pflaster zu kratzen. Einige Augenblicke konzentriert sie sich auf sie, aber sie vermag nicht das Zittern ihres Körpers oder die Zehen still zu halten. Das gefällt ihr gar nicht. „Denn wenn es so wäre, dann kann ich das euch hier nicht abverlangen.“ Wieder hört man nicht viel mehr als ein leises Summen aus ihrer Kehle.
Insofern ist ihre Entscheidung eindeutig genug, wenn auch nicht im Tonfall, aber das ist bei Dayan nie der Fall.
Mochten ihre Qualen sich auch über ihr Maß steigern. Eine sterbliche Hülle, wollte sie keines Falls schutzlos wissen. Ob es ihre oder die eines Fremden war, spielte keine Rolle.
Ihre Gedanken gleiten fort, fasziniert von der Vorstellung wie man mit Magie heilte. Leider holten sie die Schmerzen wieder zurück. Ihre Glieder steifen sich, sie friert. Das war ihr bisher gar nicht aufgefallen. Was ist los mit dir. Fehlt es dir an Verstand?
Ganz offenbar! Behutsam streckt sie die Beine. Nicht so weit, dass sie aus der Decke schlüpfen, aber das war bei ihrer Größe ohnehin kaum möglich. Auch das Pulsieren des Schmerzes nimmt von Wimpernschlag zu Wimpernschlag zu. Offenbar lies der erste Schock nach. Verzweifelt schluckt sie, ein weiterer Satz und sie müsste sich vollends in Fremde Hände geben. Missmutig begreift sie, dass ihr das ohnehin bevorsteht.
Müde und resigniert schließt sie die Augen, ringt zwar noch mit einem Rest Ehrgefühl und sich selbst, verzweifelt schier daran anderen Vertrauen zu schenken, wo doch niemand ihr Leid antat, bisher…
Ihre Schultern sacken zusammen. Es kommt einem Aufgeben gleich. Ihr ist übel, zu Weilen dreht sich die Welt wie auf einem Kinderspiel auf dem Jahrmarkt. „Also schön..."

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Tyalfen

Stadtbewohner

Posts: 538

Occupation: Aniran / Heilkundiger

Location: Ferndartha / Talyra

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57

Monday, October 28th 2013, 5:20pm

<„Wird Euer Geist wandern?“> Ihr Flüstern ist kaum imstande, die lange Stille zu durchbrechen. Doch es liegt eine machtvolle Erinnerung auf ihren Worten, die laut genug ist, jeden anderen Gedanken zu übertönen, ließe Tyalfen sich darauf ein. Er tut es nicht, zähmt die honigsüße Verlockung mit der Stimme der Vernunft, dass es nur die unbedarfte Frage einer jungen Frau sei, die zu verstehen suchte und schüttelt den Kopf. Gerade will er sie beruhigen, dass dies zu keiner Zeit geschähe, da fährt sie fort leise wie ein Atemhauch und es ist nicht nur das Beben ihrer Stimme, dass unheilvoll klingt: <„Denn wenn es so wäre, dann kann ich das euch hier nicht abverlangen.“> Ihre Worte werfen Fragen auf … ernstzunehmende Fragen! Warum nicht? Was stand zu befürchten? Würden Aniras Kräfte etwas zu ihm führen, dass ihn um seiner selbst Willen nicht berühren durfte? Seine Antwort stirbt auf seinen Lippen, ohne sie verlassen zu haben.
Besonnen sucht sein Blick des Rätsels Lösung zu ergründen, dass auf der Wandlerin liegen könnte, sucht nach Gleichnissen in seinem gelehrten Verstand … ergebnislos. Einzig, dass sie verflucht sei, könnte ihrer Worte Sinn treffen und ihn gefährden. Dieses Risiko trug er mit jeder Zauberheilung. Doch den Göttern sei Dank sind Flüche in diesen Zeiten vergessen, dass es wahrscheinlicher wäre, von Dramors Speer (Blitz) getroffen zu werden. Diese Sorge ist soviel geringer, als die um die Wandlerin selbst. Und sie sollte bald entscheiden, wenn sie dazu noch imstande sein wollte. Das stete Zittern ihres Leibes, welches sie nicht mehr bezwingen kann, gibt nicht weniger Grund zur Sorge, als die zunehmende Versteifung ihrer Haltung. Anzeichen, dass ihr Kreislauf zu schwächeln und Muskeln von Rücken, Schulter und Arm zu verhärten begannen. Er achtet auf ihre Atemzüge, auf mögliches Flattern ihrer Lider, Schweißperlen auf ihrer Stirn, Blässe um ihre Lippen und andere Vorboten, um sofort eingreifen zu können, wenn sie schwand. Doch solang ihr Leben nicht gefährdet und sie im Vollbesitz ihrer geistigen Kräfte ist, sind Tyalfens Hände gebunden, nichts zu tun, was sie ihm nicht gestattete, ob er es nun gut hieß oder nicht.
Endlich gibt sie ihre Abwehr auf. Der Elb sieht es an ihrer zusammensinkenden Haltung, noch bevor sie es ausspricht. Ein eiliger Blick huscht zu dem Mann an seiner Seite, ob Wankelmut oder gar Furcht auf seinen Zügen läge oder er sich seiner Hilfe sicher sein durfte und schiebt seine Knie näher an die Wandlerin. „Hab keine Angst.“, bittet er sie ein letztes Mal, bevor er seine Vorbereitungen trifft.
Anders als sonst, führt er dieses Mal zunächst seine Rechte unter sein Herz und flüstert. „Isidor tu mi, min Nar! (Hüte du mich, mein Herz!)“ und meint nicht sein eigenes. Dann erst lässt er die Barriere der Empathie fallen, jene Mauer des Bewusstseins, die auch die Heilmagie blockieren würde und mit ihr jeden einzelnen Gedanken selbst, dass es dunkel wird in seinem Geist, dunkel wie die Nacht, in der ein einziger Stern leuchtet – Anira. Mit jedem seiner unendlich langen und tiefen Atemzüge, strebt er diesem Stern entgegen, bis sein Licht alles ausfüllt, seinen Körper durchdringt und schlussendlich kraftvoll in seine magischen Kanäle schießt, den Adern gleich. Es ist dieser Moment, in dem dieses Licht aus seinen Handflächen zu scheinen beginnt. Mit einer unvergleichlichen Ruhe, die allem Irdischen entsagt zu haben schien, zeigt er es der Wandlerin, lässt Aniras Macht einige wenige Wimpernschläge lichtnebelgleich allein seine Hände umweben, dass sie sieht, was sie berühren würde, bevor er seine Hände an ihre Schulter führt.
Wie er es ihr gesagt hatte, berührt er sie nicht, halten seine Hände sekhelbreiten Abstand und während des Elben Lider sinken, erhellt sich das Licht, wabert nicht mehr träge, wie Nebelschwaden, sondern pulsiert heller und gleißender werdend. Es fühlt sich nur kühl an, als es Dayans Haut durchdringt, dem pulsieren gleich an- und abschwellend, kein anderes Gefühl. Denn wie er es versprach, sieht Tyalfen im Augenblick nur, kehrt mit jeder Wende im Pulsschlag ein Abbild ihres Inneren vor Tyalfens innerem Auge zurück, tiefer und tiefer dringend.
Wenn Du glaubst, dass Frauen das schwache Geschlecht sind, versuch mal nachts Deinen Teil der Decke wieder zu bekommen.

Dayan

Unregistered

58

Tuesday, October 29th 2013, 10:21am

Hab keine Angst. Betörend schöne Worte, ausgesprochen so rein und klar, als plätschert ein Bergbach über Stein und Wurzel hinab ins Tal. Und doch hat Dayan Angst. Starr vor Schreck blicken ihre großen Augen und gebannt lauscht sie der nunmehr wieder fremden Sprache, die so anders ist als alles was sie je gehört hat. Nicht das es viel war in ihrem Leben, aber Dayan will die Worte nie wieder vergessen.


Trotz allem Frieden reagiert ihr Bewusstsein. Ob es irgend etwas fern halten könnte oder nur ein Produkt ihrer Fantasie ist, weiß sie nicht einmal, sie ist sich ihrer Vorstellung und ihrem Handeln nicht mal bewusst, doch wie von selbst stellt sie sich vor eine Wand um ihre Seele zu errichten. Vor ihren Augen erhöht sich der Wall Ziegelstein für Ziegelstein.


Im selben Augenblick schnürt die Angst ihr fast die Kehle zu. Ihr starrer Blick auf die beiden Männer wird nahezu milchig und schwimmt weit fort. Die Wandlerin sieht das helle, pulsierende Licht in den Händen wabern. Doch wirkt es verschwommen. Warum?


Also war ihre wage Vorstellung von Kraft, so allumfassend und unglaublich, tatsächlich, denkt die Wandlerin zufrieden mit sich. Fasziniert betrachtet sie das Spiel, versucht das Bild wieder zu schärfen, alles war so einlullend, unendlich friedlich und doch lässt sie ein innerer Unfrieden nicht los. Das Leben fährt munter Karussell und vor lauter Überforderung ist ihr nicht bewusst, dass sie den Atem anhält.



Panik erfasst sie. Blitzschnell wandeln sich die Augen zu einem bernsteinfarbenen Ton. Ihre Haut juckt, als wollte ihr ein Fell wachsen, ihre Finger und Zehen krampfen sich als wären die schmalen Finger, tödliche Krallen und ballen sich abwechselnd zu Fäusten, so fest, dass ihre Fingernägel sich in die Haut drücken und deutliche Abdrücke zurücklassen.
Ein kehliges Fauchen entrinnt tief aus ihr heraus. Ein Raubtier brodelt so knapp unter der Oberfläche.

Tatsächlich ändert sich allerdings nichts an ihrer Gestalt: kein Fell, kein Federkleid, keine Krallen, nichts!

Kalter Schweiß überzieht die fast durchscheinende Haut. Das Zittern wird unerträglich. Ihr Magen dreht sich um. Das Dröhnen und Rauschen in den Ohren wird so laut, dass Dayan beide Hände an die Kopfseiten drücken will. Allein das entrückt alles.
Eine Seite gehorcht, die andere kann nicht und das Gefühl von innen zu zerreißen wirbelt um ihren Verstand.


Völlig verdreht klappt das ganze Wesen nach vorn und erbricht sich bevor Dayan reglos liegen bleibt.

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Aneirin

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59

Tuesday, October 29th 2013, 2:55pm

Als der Elb ihn anblickt, blickt Aneirin fragend zurück. Im Gegensatz zu ihm ist er kein Heilkundiger. Er weiß nicht, was zu tun ist und blickt womöglich gerade entsprechend drein. Doch ehe er erfragen kann, welche Aufgabe ihm zukäme, hat sich der Elb wieder an das Mädchen gewandt. Wörter in einer fremden Sprache erklingen, angenehm, wohltuend.
Zum Erstaunen des jungen Mannes beginnen die Handflächen des Elben zu leuchten. Etwas dieser Art hat Aneirin noch nie beobachtet. Es ist ein faszinierendes Schauspiel und er fragt sich, ob es sich genauso wohlsam anfühlt, wie es anzuschauen ist.
Er blickt das Mädchen an und versucht in ihren Zügen zu lesen. Auch sie scheint im ersten Moment fasziniert, vielleicht sogar neugierig. Doch plötzlich verändert sich ihr Blick, wandert scheinbar in die Leere. Sie schnappt nach Luft und nur einen Augenblick später scheint die Panik, die in ihr aufsteigt, beinahe greifbar. Aneirin legt schnell die Laute beiseite aufs kalte Pflaster und eilt auf die andere Seite.
„Keine Angst!“, versucht er sie mit Worten zu erreichen, „Hab keine Angst. Er will… Wir wollen nur helfen.“ Aneirin zögert noch damit, sie anzufassen, da er sie nicht noch weiter aufbringen will. Er wirft dem Elben einen kurzen Blick zu, doch dieser scheint noch zu sehr in seine Untersuchung vertieft. Hilflos versucht er weiter auf das zitternde und schwitzende Wesen einzureden.
„Es ist gleich vorbei. Nur ein-“
Aneirin schreckt zurück als sie den Kopf zu ihm wendet und völlig unerwartet faucht wie eine Raubkatze. Und plötzlich geht alles sehr schnell. Sie krümmt sich, nach hinten, vorne, erbricht sich und bleibt schließlich regungslos liegen.
Sein Blick ist starr auf das Mädchen gerichtet. Das Herz klopft ihm bis zum Halse, stellt Aneirin fest. Er muss tief ein- und ausatmen, ehe er wieder in Bewegung kommt. So kann er sie auf keinen Fall liegen lassen.
Er zieht seinen Mantel aus und legt ihn über sie. Vorsichtig berührt er mit der linken Hand ihren Rücken. Mit der anderen Hand unter ihren Körper über ihre Brust und drückt ihren Oberkörper in eine aufrechte Position. Jetzt schiebt er seinen rechten Arm in ihre Kniekehlen, hebt sie vorsichtig an und zieht sie zu sich auf den Schoß, heraus aus dem Erbrochenen. Sie ist viel kleiner, als er zunächst angenommen hatte und so unheimlich leicht. Ihre helle Haut schimmert schön, lässt sie aber zerbrechlich wirken. Wie eine Puppe.
Lauschend beugt er sich über sie, das Ohr über Mund und Brust haltend. Erleichtert stößt er die angehaltene Luft aus.
„Sie atmet noch“, erleichtert lächelt er dem Elben zu. Er darf doch erleichtert sein?
Mit der Hand wischt er den kleinen Rest Erbrochenes aus ihrem Mundwinkel und säubert diese an der inzwischen dreckigen Decke. Dann schlägt er den Mantel um ihren kleinen Körper, in der Hoffnung, dass er ihr Wärme spenden würde. Kranke sollte man warm halten, so erinnerte er sich. Fragend schaut er den Elben nun an.
"Was nun?"
Avatar © 2013 liegt bei der wundervollen Azra

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Tyalfen

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Occupation: Aniran / Heilkundiger

Location: Ferndartha / Talyra

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60

Tuesday, October 29th 2013, 8:27pm

Muskel, Sehnen, Knorpel, Knochen, Nerven und Blutbahnen … sie liegen vor ihm. Die Gelenkpfanne ist leer, der Knochenkopf ist unverkennbar herausgesprungen, der Knochen selbst jedoch intakt, nicht so die vordere Gelenklippe, zusammen mit dem Band-Kapsel-Gefüge ist sie abgerissen, schiebt sich sperrig vor die Pfanne. Das muss er vor dem Einrenken korrigieren. Sein Augenmerk richtet sich auf die umgebenden Blutbahnen. Nein sie sind unverletzt und liegen frei, anders als der Nerv, auf den der Knochenkopf drückt.
Tyalfen Hände entfernen sich etwas von des Wandlerins Schulter, umkreisen das Gelenk, verharren dabei an verschiedenen Positionen, um die komplizierte Stelle von allen Seiten zu betrachten und sorgfältig abzuwägen, mit welcher leichten Drehung in die eine oder andere Richtung und welchem Winkel der Knochenkopf günstiger in die Pfanne zurückzuspringen zu lassen sei, um den Nerv schadlos frei zu bekommen. Doch was ist das? Tyalfens Hände verharren, schieben sich langsam wieder näher an ihre Schulter. Mit wachsendem Interesse studiert er den Nerv eingehender, in dem Impulse zu wüten schienen, die im Gegensatz zu Reflex, Befehl oder Reiz sichtbar sind, sichtbar auf eine eigenwillig energetische Weise, wie … Bei allen Göttern wollte sie sich wandeln? Unter anderen Umständen wäre er begeistert, einer Wandlung auf diese Weise zusehen zu können. Hier und jetzt musste er sie verhindern, wollte er nicht Gefahr laufen, dass sie ihrer Schulter irreparable Schäden zu fügte. Rasch schiebt sich seine Rechte über ihr Schlüsselbein, an dessen Verkürzung er den einsetzenden Wandlungsprozess am schnellsten erkennen würde. Seine Linke sucht ihr Haupt, den betäubenden Schlaf zu setzen.
Unvermittelt entgleiten ihm die Abbilder, dass er die Lider heben muss. Reale und diagnostische Bilder verweben sich auf surreale Weise, dass sie Tyalfen sortieren muss. Denn Zauber jedoch abzubrechen, kommt nicht in Frage, wenn er schnell handeln musste. Doch es ist unmöglich, die Bewegungen sind zu hektisch, überlagern sich mit denen eines anderen Körpers. Tyalfen ist gezwungen, Aniras Kräfte flüchten zu lassen.
<Sie atmet noch.> Doch während ihm der junge Mann hoffnungsvoll zulächelt, rekapituliert Tyalfen nüchtern das Geschehen und hofft schlussendlich, dass der ausgerenkte Arm der Wandlerin beim Anheben nicht allzu sehr bewegt wurde. Er hätte sie nicht allein aufheben dürfen, doch letztlich ist es Tyalfens eigener Fehler. Ob er wollte oder nicht, er würde sich mit der Natur der Menschen auseinander setzen müssen, musste sie einschätzen lernen, wie und wann sie zu unbesonnenen, impulsiven Handlungen neigten und sie entsprechend instruieren, vor allem was sie tunlichst bleiben lassen sollten, während er Zauber wob.
<“Was nun?“>
Tyalfen erhebt sich wortlos, faltet seine Decke so zusammen, dass ihr Erbrochenes, zwischen den Lagen verschwindet und legt sie zu einem schmalen Streifen vor den jungen Mann.
„Nun werdet ihr sie langsam auf die Decke legen, während ich dabei ihren Arm stütze. Dann will ich euch zeigen, wo ihr auf mein Zeichen, ihren Arm packen und kurz und beherzt ziehen werdet und nichts anderes tun.“ Auch auf seinen letzten Worten liegt keinerlei Tadel, wohlweißlich, denn einen verunsicherten Helfer konnte er noch weniger brauchen als einen unbesonnenen. „Können wir?“, legt er seine Hände an der Wandlerin Arm, bereit, der Bewegung des Mannes zu folgen.
Wenn Du glaubst, dass Frauen das schwache Geschlecht sind, versuch mal nachts Deinen Teil der Decke wieder zu bekommen.

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