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Doran

Stadtbewohner

Posts: 38

Occupation: Alchemist

Location: Talyra Haus Sommerwind

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181

Monday, July 28th 2014, 9:34pm

Mit hängenden Schultern und brummendem Schädel folgt Doran den Wachen der Steinfaust. Seine Hände sind hinter seinem Rücken gebunden und ein wirklich grimmiger Kerl mit einem pechschwarzem Bart geht neben ihm. Die Blaumäntel hatten offenbar kurzen Prozess mit den Schmugglern gemacht, leider kann er sich nicht an das erinnern was nach seinem Wurf auf Meister Cunlin geschehen ist. Grund davor ist ganz offensichtlich die schmerzhafte Beule an seinem Hinterkopf, er hofft nur das der Feenmann entkommen konnte. Dieser Nebel macht ihm zu schaffen, seine Kleidung ist feucht, alles scheuert auf der Haut und mit Sicherheit läuft er sich einen Wolf wenn er nicht bald aus den Nassen Sachen rauskommt. Missmutig und völlig überzeugend schlurft er so artig in der Reihe mit den anderen Gefangenen, was sollten nur die Leute denken geht es ihm schlagartig durch den Kopf, wenn sie ihn sähen! Abgeführt wie einen Schwerverbrecher in der fragwürdigen Gesellschaft von Syler und Konsorten, leider haben die Wachen seine Kapuze nicht wieder über seinen Kopf gezogen auch wenn er den Kopf gesenkt hält werden ihn die Leute erkennen. Verdammt das hatte er nicht bedacht bei seinem so ach so tollen Plan den Schmugglerring zu sprengen.
Als er wenig später an einer Gruppe Schaulustiger vorbeikommt, die vor einer Schenke stehen, bemerkt er die Blicke zweier üppiger junger Frauen, der Kleidung nach zu Urteilen die Töchter reicher Kaufleute. So wie sie ihn ansehen, mustern und abschätzen was er wohl verbrochen haben mag, ihn verführerisch ja fast unanständig anblicken wird ihm ganz warm, er schenkt ihnen sogar ein zaghaftes lächeln, was sie nur laut auflachen lässt. Dann sind sie auch schon vorbei, die Wachen unter Varin schlagen eine schnellere Gangart ein um sie bei Rhodris abzuliefern. Den ganzen Weg über jammert Syler wie ein Kind über die Ungerechtigkeit des Lebens, er fleht die Wachen an ihn doch laufen zu lassen. Nicht für ihn, für seine Eltern. Es wäre doch eine kleine Gefälligkeit ihnen gegenüber. Er würde nie wieder etwas böses tun, er schwört es, er bettelt die Wachen an, fleht und winselt, das sich Doran schon schämt diesen Mann überhaupt zu kennen. Die Wachen beachten ihn nicht, scheinen Taub zu sein und den Säufer nicht zu hören. Doran ist es nur ganz recht, er möchte diese Sache nur so schnell wie möglich hinter sich bringen!

Arwen

Stadtbewohner

Posts: 1,149

Occupation: Hohepriesterin der Anukis

Location: Vinyamar

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182

Sunday, August 24th 2014, 4:15pm

Unterwegs durch die Straßen der Stadt, hin zum Feld der Pavillons lassen Arúen und ihre Familie die Pferde im Schritt gehen. Eine raschere Gangart ist bei all den Leuten nicht denkbar ohne einen Zusammenprall zu riskieren. Sie selber reitet neben Andovar, während Gildin seinen Braunen neben Rialinn auf ihrer honiggoldenen Stute hat Tritt fassen lassen. Bis zum Morgenmahl haben die beiden Elben versucht, sie zu überzeugen, dass sie doch mit ihrer Tochter eine Sänfte nehmen soll. Doch davon wollte weder Arúen noch ihre Tochter etwas hören. Immerhin will Rialinn ihre Stute und ihre Reitkünste ihrem Oheim vorführen.

Je näher sie dem Sommermarkt und dem Feld der Pavillons kommen, desto öfter passieren sie Gaukler, Akrobaten, Musikanten und Puppenspieler, die die Talyrer und all die Festgäste unterhalten. Viel fahrendes Volk hat sich zum Sommerfest eingefunden, das im Jahreslauf sonst zumeist durch die größeren und kleineren Städte, Dörfer und Weiler zieht um seine Kunst dort zu präsentieren. Aber das Sommerfest in Talyra hat einen Ruf, der weithin in die Immerlande reicht und die Stadt ist wohlhabend genug, dass ein solches Fest einen guten Verdienst für viele verspricht.
Als sie den Sommermarkt passieren, sehen die Elben einen Mann in so schreiend bunten Hosen, dass selbst der Regenbogen daneben verblassen würde und jongliert mit Bällen und Fackeln und allem was ihm die Zuschauer reichen. Auch mit einem rohen Ei, das ihm ein Scherzbold zuwirft, und dann fast schon enttäuscht aussieht, als er es heil und unzerbrochen zurück erhält. Freudige Festtagsstimmung vibriert durch die Gassen und Straßen der Stadt und steckt jeden an. Überall sieht man Männer, Frauen und Kinder aus den unterschiedlichsten Völkern der Immerlande lachen und scherzen oder aufgeregt dem Turnierplatz zustreben.
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Die, die grundlegende Freiheiten aufgeben, um vorübergehend ein wenig Sicherheit zu bekommen, verdienen weder Freiheit noch Sicherheit.
[Benjamin Franklin, (1706 - 1790)]

Doran

Stadtbewohner

Posts: 38

Occupation: Alchemist

Location: Talyra Haus Sommerwind

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183

Sunday, August 31st 2014, 12:15pm

Inzwischen hat er das Gedränge hinter sich gelassen, und er entspannt sich deutlich auch wenn er immer noch nicht verstehen kann, das diese Leute alle nicht Arbeiten müssen und ihre Zeit mit solchen Kindereien veralbern wie das abschießen von Pfeilen auf unbewegliche Ziele. Naja der Stadtrat wußte schon das einfache Volk zu unterhalten, besser so als Straßenkämpfe und Unzufriedenheit in den dunklen Gassen. Veranstaltet Spiele und gebt ihnen zu Essen und schon wird euch das Volk lieben und sie haben keine Zeit sich über Probleme den Kopf zu zerbrechen die es auch in Talyra gibt. Außerdem spült das Sommerfest Unmengen von Münzen in die Stadtkasse, es werden neue Bündnisse geschlossen und Handelsabkommen getroffen alles unter dem Deckmäntelchen des alljährlichen Sommerfestes ein geschickter Schachzug der verantwortlichen.

Das es auch Leute geben soll, die sich daran erfreuen und einfach nur Spass haben möchte ist Doran so fremd so absurd das er überhaupt nicht daran denkt und so weicht er auf der Straße jedem aus der sich auf dem Weg zu den Feierlichkeiten macht. Immer noch hat er die Kapuze seines Umhanges tief ins Gesicht gezogen, sein Wanderstab verursacht ein gleichmässiges Plopp auf dem Pflasterstein der Straße und mit der linken umklammert er sein neu erstandenes Buch. Der Händler hatte ihm versichert das es sich um den Reisebericht von Amalric Antero handelt. Amalric ein unsagbar reicher Kaufmann. Angeblich hat dieser Mann alles gesehen und mit allen und jedem Handel getrieben. Zum ersten mal hat der Alchemist von ihm vor zehn Jahren gehört, den eben dieser Händler war vor dieser Zeit in Talyra und bot seine exotischen Schätze zum Kauf an. Geschichten über einen Templer machten damals die Runde, das dieser irgendwo im Larisgrün einen Ort geschaffen hat um ihn seiner liebsten zum Geschenk zu machen. Damals waren ganze Wagenladungen in den Wald gebracht worden. Doran hatte vor Monaten mit einem alten Mann gesprochen der damals einen Wagen gelenkt hatte, er hatte von Hölzern gesprochen die er noch nie gesehen hatte, er der doch im Wald aufgewachsen war. Seine Augen leuchteten als er von den Steinen sprach, die verbaut wurden und der Magie des Gewässers die ihn sofort in den Bann gezogen hatte. Auf seine Fragen nach dem ob er sich noch erinnern könne wo den dieser wundersame Ort sei hatte der Alte nur gelacht und den Kopf geschüttelt. „Elbenmagie beschützt diesen Ort vor ungebetenen Gästen, ich glaube nicht das ich ihn wieder finden würde.“ hatte er ihm noch erklärt. Doran erhofft sich Antworten in diesem Lederbuch, dafür hat er viel bezahlt, das war etwas womit man seine Zeit verbringen kann, nicht mit dem Anfeuern von Rittern oder dem vernichten von Bier. Das war eine Aufgabe! Schnellen Schrittes nähert er sich seinem Haus und sein Herz schlägt schneller, da ihm nur noch wenige Augenblicke von einem Abenteuer in fremden Ländern trennen.

Arwen

Stadtbewohner

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Occupation: Hohepriesterin der Anukis

Location: Vinyamar

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184

Tuesday, December 16th 2014, 3:26pm

~ Ende Beerenreif 514 ~



Es ist noch früh am Tag und die Schleier der Nacht haben sich noch nicht zur Gänze gelichtet. Überdimensionalen Glühwürmchen gleich schimmert der Schein der Nachtfeuerkörbe durch die Gassen und Straßen der Weltenstadt und von den wachhabenden Blaumänteln auf ihren Runden durch die Straßen sind nur dunkle Schemen zu erkennen. Zu so früher Stunde sind kaum Leute in den Straßen unterwegs. Wer nicht dazu gezwungen ist, sitzt noch bei der ersten Mahlzeit des Tages vor dem Ofen oder um die lodernden Scheite der Kochstelle. Beinahe überlaut klappern die beschlagenen Hufe ihrer Pferde durch die leeren Straßen und die noch nächtliche Luft scheint das Geräusch viele Gassen weiter zu tragen. Ein kurzes Stück auf der Uferstraße nach Süden, dann lenkt Arwen Noro in die breite Straße hoch zum Marktplatz, dem Zentrum Talyras. Dort, auf dem noch leeren Platz trennen sich die Reiter von den beiden Fuhrwerken.

"Ullmar und Gerion fahren direkt zum Verder Tor und warten da auf uns. Dort treffen wir nachher auch auf den Hundeführer und seine Treiber", erklärt Arúen auf den fragenden Blick des Smaragdelben hin. Während ihr Weg sie durch die Straßen der Stadt zum Haus Meister Arkendirs führt, erzählt sie Tyalfen, dass sie auf Empfehlung Hauptmann Kaneys von den Spähern der Steinfaust doch noch einen Mann gefunden hat, den sie mit einer kleinen Meute schwerer Hunde und zwei Treibern für die Jagd in Dienst nehmen konnte. "Das sollte die Angelegenheit deutlich erleichtern. Auris und Nevis mögen ja gute Jagdhunde sein, aber um schweres Wild zu packen und womöglich niederzuringen sind sie einfach zu leicht gebaut." Mit sachten Hilfen lenkt sie den Fuchs um einen mitten im Weg liegenden Holzeimer herum, während sich zwischen den beiden Elben wieder Schweigen ausbreitet in dem jeder seinen eigenen Gedanken nachhängt.
"Eure Tochter ist ein bemerkenswertes Kind", ruft der Laikeda'ya Arúens Aufmerksamkeit wieder ins Hier und Jetzt zurück. Eine Bemerkung, die sie stumm mit dem stolzen Lächeln einer Mutter erwidert. "Sie scheint sehr viel Einfühlungsvermögen zu haben… und Willensstärke." Hier muss Tyalfen ebenso schmunzeln wie Arúen. "Wird sie Erfolg haben und Euch im nächsten Jahr zur Jagd begleiten?" Bei den Worten wird Arúen sofort wieder ernst. "Ich weiß es nicht, Tyalfen. Das hängt von vielen Dingen ab… Bei einer Treibjagd auf Büffel würde ich sie auf keinen Fall mitnehmen, es wäre zu gefährlich für ein Kind von dreizehn Jahren… Aber Dank Euch habe ich noch einen ganzen Zwölfmond Zeit, um eine Entscheidung zu treffen." Ein offenes Lächeln begleitet ihre Worte an Tyalfen.
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Tyalfen

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Posts: 538

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185

Friday, December 26th 2014, 2:59pm

Sie übertreibt ein klein wenig. Tyalfen ist sich sicher, dass sie das sehr genau weiß und kann dennoch nicht anders, als ihr Lächeln zu erwidern, unverhohlen skeptisch zwar, aber wie könnten ihm ihre wohlwollenden Worte nicht auch gleichzeitig ein wenig schmeicheln. Außerdem ist ihr Lächeln so offen und leicht, dass es ansteckend ist. Ihm verdankt sie jedoch nichts weiter als den bloßen Versuch, ihre Tochter umzustimmen und sie hatte seine Absicht mit solcher Leichtigkeit durchschaut, als habe sie in seinem Geist gelesen. Letztlich haben ihr den Aufschub Rialinn und das Eichkätzchen in stillem Einvernehmen gewährt. In einem Punkt kann er ihr aber unumwunden Recht geben – die Büffeljagd ist nichts für Kinder und Unerfahrene. Tyalfen kennt zwar nur die Cai'drûathes aus den Elbenreichen und gezähmt sind diese imposanten Tiere äußert sanfte Riesen. Doch sind ihre Verwandten nur annähernd so gewaltig, dann sind sie besser nicht zu unterschätzen. Ihre Leiber strotzen nur so vor Kraft und wer glaubt, einen tumben Muskelberg vor sich zu haben, begeht einen fatalen Fehler. Eines Tages wird Rialinn mit auf die Jagd gehen, denn Lady Arúen wirkt bei aller Umsicht keineswegs wie eine übervorsichtige Mutter. Aber es ist auch das Vorrecht der Jugend, ungeduldig zu sein, lächelt Tyalfen still vor sich hin.

Laut hallt der Hufschlag der Pferde auf dem Steinpflaster durch die Gassen, zurückgeworfen von all den Häusern dicht an dicht und noch nicht übertönt von geschäftigen Treiben der Stadt, die allmählich erst erwacht. An diese engen Steinschluchten hat sich Tyalfen inzwischen gewöhnt, Draûgnar dagegen richtet nervös die Ohren in alle Richtungen. Immer wieder zeigt er der Stute Bilder des Waldes, dem Ziel ihrer Unternehmung. Selbst Shur wendet hin und wieder den Kopf zu ihr und glänzt dabei mit selbstsicherer Souveränität, als wolle er Wildherz versichern, dass es unter seiner Führung nichts gäbe, dass sie fürchten müsse und es ist eine Freude, ihn zu reiten, neben ihr zu reiten. Ihm ist nicht entgangen, dass sie die talyrisch-verhüllende Kleidung abgelegt hatte und heute ganz und gar Shida’ya ist, frei Wind und Sonne auf der Haut zu spüren, den Wald mit allen Sinnen aufzunehmen. Er ertappt sich dabei, sich vorzustellen, wie es wäre, sie mit der Seele des Wanderndes Waldes vertraut zu machen. Er würde sie zweifelsfrei mit Freude empfangen, ihr all die verborgenen Wege zu seinen geheimnisvollen und atemberaubenden Plätzen öffnen und er selbst würde es gern sehen, würde gern sehen, wie ihre Augen in Bewunderung zu glänzen beginnen, würde gern sehen, wie sich ihre Lippen zu einem Staunen öffnen, würde gern sehen, wie sie eine Tochter des Waldes wurde, gütig und bescheiden wie er sie kennt aber auch wild, nahbar … berührbar… entflammbar … Tyalfen lacht auf. Es ist ein leises, warmes Lachen. Und auf Lady Arúens fragenden Blick flüstert er nur „Vorfreude“. Natürlich freut er sich auch auf die bevorstehende Jagd, sehr sogar, doch noch mehr darauf, endlich wieder im einzigartigen, vertrauten und geliebten Wald Siams zu wandeln, so sehr, dass es seine Gedanken zu beflügeln und verklären weiß. So ist es doch, oder nicht?

Auch seine über alles geliebte Schwester wird im Frieden des Waldes genesen, seufzt Tyalfen stumm an Arkendirs Heim angekommen und steigt aus dem Sattel. ‚Narsaên, Virinîl, eilt Euch. Wir sind mit den Pferden zurück.
Wenn Du glaubst, dass Frauen das schwache Geschlecht sind, versuch mal nachts Deinen Teil der Decke wieder zu bekommen.

Tyalfen

Stadtbewohner

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Occupation: Aniran / Heilkundiger

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186

Tuesday, December 30th 2014, 6:20pm

In Gedanken versunken hockt Wolfsauge auf der obersten Stufe der Wendeltreppe und wird einfach nicht schlau aus Narsaên. Nach einem ganzen Siebentag, in der er sie nicht zu Gesicht bekommen hat, nicht einmal Draûgnar sie von dem Anderen hatte weglocken können, hat sie ihn doch so herzlich begrüßt wie eh und je. Sie hat ihm sogar sein Haar zurecht gemacht und dabei mit ihm ganz unbefangen geplaudert und gescherzt. Aber kaum sieht er sie an, findet alle Unbefangenheit ein jähes Ende. Soll er denn die nächsten Tage immer nur zwanghaft wegsehen, wenn er in ihrer der Nähe ist (und das lässt sich ganz schlecht vermeiden), damit sie nicht aufschreckt wie ein scheues Reh? Von Berührungen ganz zu schweigen, vor seiner Hand weicht sie zurück, also wolle er sie ausweiden und nun ist sie sogar geflüchtet, nachdem sie nur mit ihm zusammengestoßen war. Wie wollen sie so zusammen jagen? Sie sollten harmonieren, ein Leib, ein Gedanke, zusammen Aug, Ohr und Hand sein. Nur wie wenn sie ihm nicht mehr über den Weg traut? Er kann sie unmöglich bitten, nicht mitzukommen, er kann es einfach nicht.

Seufzend erhebt er sich, als Aniro Tyalfens Ruf von dessen Rückkehr kündet und schlendert die Stufen hinab in die Diele. Nur mit flüchtigem Blick vergewissert er sich, dass Narsaên auch noch immer die Absicht hegt mitzukommen und wendet sich augenblicklich der Ausrüstung zu, da ruft sie ihn. Er stoppt mitten in der Bewegung, noch bevor seine Fingerspitzen die verschnürten Hängematten zu fassen bekommen und doch zögert er, sich ihr zuzuwenden. Erst als er ihre Hand auf seinen Arm spürt, sieht er sie an und sie verwirrt ihn erneut. Es ist reine Gewohnheit, die ihn in die vertrauten Worte einfallen lassen, mit denen sie sich vor jeder Jagd verbanden, doch fühlt er es? Fühlt sie es? Er lächelt nicht wie sonst, sondern mustert sie stattdessen und als sie unter seinem Blick nicht wieder erstarrt, nickt er ihr zu. An ihm soll es nicht scheitern. Also schnappt er sich die übrigen Gepäckstücke und verlässt hinter Narsaên das Haus. „Copria, Shu’ra Arúen“, gleitet sein Blick zufrieden über ihre Gewandung, die weit mehr Bewegungsfreiheit zulässt, als die Kleidung, die er bislang an ihr sah, begrüßt Wildherz und verzurrt mit geübter Hand einen Teil der Ausrüstung hinter ihrem Sattel, um gleich darauf Tyalfen dabei zur Hand zu gehen, sobald Narsaên ihn freigegeben hat und die Stuten begrüßt.

„Sie kommen gleich. Es steht schon alles bereit.“, versichert Tyalfen Lady Arúen und es dauert nicht lang und die Tür öffnet sich. Er ist erleichtert, seine Schwester zu sehen und noch um so vieles mehr noch, als sie ihm um den Hals fällt. Ihre Nähe hat ihm gefehlt, schmiegt er sich an ihre Wange und schließt für diesen Moment beseelt die Augen, bis sie ihn soweit von sich schiebt, um ihn ausgiebig betrachten zu können. Ihr scheint ihr Machwerk nicht weniger zu gefallen als ihm selbst oder ist es nicht doch die Tatsache, dass er alle Zeichen der Trauer abgelegt hat. Unter ihrem Blick schmiedet sich ein selbstbewusstes Lächeln auf seine Züge und sein Leib strafft sich zu einer stolzen Haltung. ‚Ich bin zurück’, meint er und zielt nicht auf die Rückkehr von Vinyamar ab. Sie versteht und ihre Küsse bedecken sein Gesicht, dass er wieder leise lachen muss. Er würde sie anheben und im Kreis herumwirbeln, hielte er nicht die Zügel in seinen Händen.
Wenn Du glaubst, dass Frauen das schwache Geschlecht sind, versuch mal nachts Deinen Teil der Decke wieder zu bekommen.

Arwen

Stadtbewohner

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187

Tuesday, December 30th 2014, 11:22pm

Arúen kann spüren, wie Gedanken wandern als sie das Haus Arkendirs erreichen. Doch sie sind nicht für sie bestimmt. Tyalfens Senden nicht abgeschottet, doch in einem Reflex, den jedes Elbenkind schon in seinen ersten Jahren erlernt, verschließt sie ihre mentalen Sinne, um nicht versehentlich einen Gedanken aufzufangen, der nicht für sie bestimmt ist. Die nur wenig später folgenden Worte des Smaragdelben erklären ohnehin alles: Narsaên und Aradon würden gleich mit ihrer Ausrüstung zu ihnen hinaus kommen.
Und tatsächlich kommen die beiden Laikeda'ya nur wenige Augenblicke später aus dem Haus, die Elbin ein wenig schneller und scheinbar freudiger als der Waldläufer. Die Begrüßung zwischen den beiden Geschwistern zu beobachten, lässt Arúen lächeln. Was auch immer zwischen den beiden über die offensichtlichen Gesten (und Küsse) hinaus getauscht wird, es bewirkt eine Veränderung bei dem Aniran. Seine Ausstrahlung ist schon am vorhin, als sie ihn in der traditionellen Kleidung der Smaragdelben gesehen hat eine andere gewesen als bei früheren Treffen. Und das liegt nicht nur daran, dass er die äußerliche Trauer mit der weißen Kleidung und den schmucklosen Haaren abgelegt hat. Doch jetzt sieht Arúen ihn zum ersten Mal wirklich lächeln. Es ist ein Lächeln, das keine Maske ist, sondern seine Augen erreicht und sich vor ihren Augen zusammen mit seiner Haltung wandelt. Es kündet von dem wiedererwachten Selbstverständnis eines Sohnes des Wandernden Waldes. Wie es scheint, hat er endlich wirklich zu seinem Selbst zurückgefunden.

Ebenso wie Tyalfen ist Arúen aus dem Sattel gestiegen um die beiden Smaragdelben zu erwarten. Als die jüngere Elbin zu einer höchst förmlichen Begrüßung ansetzt, ist die Shida'ya für einen Moment versucht, die Augen hilfesuchend gen Himmel zu verdrehen, fasst sich jedoch gerade noch. Aber Narsaên scheint trotzdem etwas zu merken, bricht mitten im Wort ab und wechselt zu deutlich schlichteren Worten, was Arúen innerlich erleichtert aufatmen lässt.
Als der Waldläufer ebenfalls zu ihnen tritt und sein Blick ebenso wie kurz zuvor der von Tyalfens Schwester nach den Grußworten mit einem erfreuten oder eher zufriedenen Lächeln über ihre Kleidung wandert, fängt sie dessen Blick mit einem Lächeln und einer ein wenig hochgezogenen Augenbraue ein. Sie sagt kein Wort, sie sendet nicht, aber in ihrem Blick liegt die kaum verhohlen schmunzelnde Frage, ob ihm gefällt, was er sieht. Dessen Reaktion ist ebenso stumm, lässt aber in dem mit einem Kopfschütteln erwiderten Schmunzeln keinen Zweifel daran, dass ihm klar ist, dass Arúen durchaus versteht wie der Blick gemeint gewesen ist und es ihm nicht übel nimmt. Der Elbin im Gegenzug ist allerdings der prüfende Seitenblick des Waldläufers in Richtung des Aniran nicht ganz verständlich. Und die (worauf auch immer beruhende) Erleichterung in Aradons Blick noch weniger.

Die Ausrüstung ist rasch in Satteltaschen verstaut oder hinter den Sätteln verzurrt und sie sind alle aufbruchsbereit. Ehe sie allerdings aufsitzen und sich auf den Weg zum Treffpunkt mit den Wagen am Verder Tor machen, richtet Arúen sich jedoch an ihre drei Begleiter noch die Bitte, dass man die förmlichen Anreden und Titel lassen möge. Sie sei Arúen, und das würde absolut genügen.

--> Im Larisgrün
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Rayyan

Hänfling

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Occupation: Hexerjäger

Location: Talyra

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188

Thursday, January 8th 2015, 10:12am

Irgendwo - Am Shentag, dem letzten Tag des Sommerfests

Der Kater, der auf ihn lauert, als er es wagt stöhnend die Augen aufzuschlagen, ist ein ausgewachsenes, krallenbewehrtes Monstrum und es dauerte eine geraume Weile, ehe die Armee von Zwergen mit ihren Setzhämmern und Spitzhacken hinter seiner Stirn es etwas ruhiger angehen lassen und er nicht länger befürchten muss sein Schädel würde jeden Moment platzen. Mit einem gequälten Grunzen rollt er den Kopf in den Nacken und bereut es prompt, als die Welt um ihn herum von einer Schieflage in die nächste kippt und ihn für den Bruchteil einer Sekunde wie ein Schluck Wasser in der Kurve hängen lässt. Ejeyzh ra'ehh netnh men Sarurnir… Gerne hätte er sich den Restalkohol aus dem Leib gekotzt, wenn nötig mitsamt seiner Seele, aber als er den Mund öffnet und sich vorbeugen will, gehorchen ihm weder Beine noch Arme. Würgend versucht er zumindest das tote Tier in seinem Mund loszuwerden, nur um festzustellen, dass der fusselige, abgestandene Geschmack von einem Knebel herrührt, der ihm die Mundwinkel einreißt und seinen geprellten Kiefer malträtiert, je mehr er sich dagegen sträubt. Schlagartig ist er wach, wenn auch seine alkoholgetränkten Sinne noch etwas hinterherhinken. Erst jetzt wird er sich der Fesseln bewusst, die seine Hände hinter seinem Rücken an irgendetwas binden, was auch nach einem kräftigen Ruck nicht nachgeben will. Keuchend und grollend stemmt er sich gegen die Seile, was zur Folge hat, dass diese sich noch enger um seine Handgelenke ziehen und seine Haut wundscheuern. Wer auch immer ihn gefesselt hat versteht nicht nur sein Fach, sondern wusste obendrein dass er es mit einem Magier zu tun hat. Rayyans Hände wurden über Kreuz gebunden, die Innenflächen nach außen gekehrt, so dass es ihm nicht möglich ist auch nur eine winzigkleine arkane Geste zu vollführen.

Viel zu spät wird er sich der Anwesenheit zweier Männer bewusst, die ihn bei seinem erfolglosen Versuch sich zu befreien mit gelangweilter Wachsamkeit beobachtet haben. Sie stehen nur unweit von ihm entfernt, halb von Schatten verborgen gegen eine Wand gelehnt und haben damit sowohl ihn, als auch die einzige Tür im Blick, die Rayyan auf die Schnelle finden kann. Der Raum hat keine Fenster, das einzige Licht spendet eine kleine Öllampe auf einem Hocker und darüber hinaus herrscht eiserner Stille. Das Fest. Wir waren beim… wir! Jede noch so kleine Bewegung lässt die Dielen unter ihm mal in die eine, dann wieder in die andere Richtung kippen, trotzdem zwingt er sich den Kopf zu drehen und tatsächlich, nur eine Armlänge von ihm entfernt hockt Nathanael, halb in sich zusammengesunken und ebenfalls verschnürt wie ein Shentagsbraten. Rayyan muss nicht fragen, wer hinter der Entführung steckt. Beide Männer tragen zwar gängige herzländische Kleidung, doch sie sind eindeutig azurianischer Abstammung. Der Ältere von ihnen, hochgewachsen und drahtig gebaut, ist mit zwei gebogenen Dolchen und leichtem Leder gerüstet, der Jüngere, ein schmales Elend mit Fischaugen und einer krummen Nase, scheint keine Waffe bei sich zu tragen, aber um fünf seiner langen, knochigen Finger liegen blauviolett schimmernde Ringe, die ihn als Arkanist zumindest als Magister ausweisen. Selber nur ein Magister kann Rayyan nicht erkennen, ob der Mann vielleicht noch mehr Ringe sein Eigen nennt. Er hofft nicht. Zayi-zift.

Schwer schnaufend und in einem erbitterten Kampf mit seinem Magen verstrickt lehnt Rayyan sich zurück, brodelnd vor Zorn und Mordlust. Obwohl seine Gedanken erst durch eine Suppe von Gebranntem schwimmen müssen, bevor sie sich klären können, ist er durchaus dazu in der Lage zu überblicken, wie tief er eigentlich in der Scheiße sitzt. Nie wieder Obstschnapps, schwört er sich und hätte gerne die Zähne zusammengebissen, doch das verhindert der Knebel. Mit finsterer Miene bemüht er sich die Situation zu überdenken und kommt schnell zu dem Ergebnis, dass es nur einen einzigen Grund geben kann, warum er noch lebt. Ich bin das verdammte Lockmittelibnilnarghaelifairabtizak! Die Hoffnung, Táhirih würde nicht auf die Erpressung eingehen, kommt bei ihm gar nicht erst auf, dazu kennt er sie zu gut (und hätte an ihrer Stelle die offensichtliche Falle genauso ignoriert). Der einzige Weg zu verhindern, dass sie hier aufkreuzt, ist zu fliehen bevor sie ankommt. Rayyan gibt sich gar nicht erst die Mühe unauffällig zu sein, sondern setzt sich unter weiteren unterdrückten Flüchen halbwegs gerade auf, so dass er sich zur Seite winden und Nathan kräftig gegen den Oberschenkel treten kann - denn der Hexer ist der einzige Trumpf, den er in der Tasche hat.

This post has been edited 2 times, last edit by "Azra" (Jan 8th 2015, 12:35pm)


189

Friday, January 9th 2015, 12:53am

Völlig entnervt kehrt Táhirih in die Harfe zurück. Sie hatte beschlossen sich zu amüsieren an diesem Sommerfest. Zum erste Mal seit langem. Unverbindlich, schnell und am besten mit einem gutausehenden Fremden den sie nie wieder sehen muss. Es kommt Táhirih vor wie eine Ewigkeit seit sie das letzte Mal auf diese Art jemanden kennen gelernt hat. Beinahe wie ein anderes Leben. Noch in Mar’Varis, wo das Leben einfacher und schwieriger zu gleich war. Damals hat ihr Vater sie in einen goldenen Käfig gesperrt, ihr alle Entscheidungen abgenommen. Am liebsten hätte er ihr ihren freien Willen ebenfalls genommen, damit sie endlich die gut erzogene Tochter ist die er immer verdient hat. Seit dem Angriff auf das Häuschen haben sich die Zustände in Talyra mehr und mehr zu denen in Mar’Varis verwandelt. Sie hat sich langsam von ihren Verletzungen erholt, obwohl Mealla alles was sie hatte in Táhirihs Heilung gesteckt hat, aber als es ihr endlich besser ging, hat Rayyan sie in die Harfe verfrachtet und hätte ihr am liebsten Fußfesseln angelegt. Entweder er ist an ihrer Seite, oder er verlangt, dass Táhirih alleine in ihrem Zimmer in der Harfe bleibt und keinen Fuß vor das Haus setzt. Natürlich hält sie sich nicht daran, sie würde ja verrückt werden und außerdem könnte sie dann gleich zurück zu ihrem Vater gehen. Doch wann immer sie wieder in die Harfe zurück kehrt, Rayyan hat ihr Fehlen bemerkt und nicht erst einmal hat Borgil ihnen angedroht sie vor die Tür zu setzen weil sie so laut und hitzig streiten, dass sich die anderen Harfengäste beschweren.

So kommt es auch, dass Rayyan an diesem Sommerfest ohne Táhirih unterwegs ist. Natürlich hat er ihr gesagt sie solle die Harfe nicht verlassen. Natürlich hat er sie gewarnt, dass es viel einfacher wäre sie in diesem Getümmel voller Menschen zu schnappen und natürlich hat sich Táhirih nicht daran gehalten. In ihrem schönsten verbliebenen Sari hat sie sich zumindest auf den Marktplatz getraut, doch Rayyans Worte wollten ihr nicht aus dem Kopf gehen. Die Bekanntschaft von jungen gutaussehenden Männern zu machen ist ihr immer leicht gefallen, doch so sehr sie auch versucht sich zu amüsieren, kann sie es nicht verdrängen, dass es wirklich leichtsinnig wäre mit einem wildfremden Mann in ein wildfremdes Haus zu gehen, alleine. So steht Táhirih irgendwann mit der Entschuldigung sie müsste sich frisch machen auf und verschwindet zurück in die Harfe. Der Kerl hat sie ohnehin genervt seit er den Mund geöffnet hat.

Schon als sie den Schlüssel im Schloss zu ihrem Zimmer umdreht hat Táhirih ein eigenartiges Gefühl. Rayyan war auf jeden Fall nicht vor ihr zurück gekommen. Ausnahmsweise kann ich so tun als wäre ich den ganzen Abend hier gewesen! Als sie die Tür öffnet fällt ihr Blick auf einen weißen Umschlag. Alarmiert blickt sie sich im Raum um, doch der ist völlig leer. Keine Möglichkeit sich hier irgendwo zu verstecken. Schnell schließt sie die Türe hinter sich und dreht den Schlüssel im Schloss um. Beruhig dich, es könnte auch einfach ein Brief von Lystrato sein den ein Botenkind vorbei gebracht hat. Trotzdem zittern ihre Finger leicht als sie den Umschlag öffnet.
Komm in den Fliegengrund, Mitternacht – alleine – oder dein Geliebter ist tot! ist das einzige was in dem Brief geschrieben ist, so wie eine schnelle Umrisszeichnung des Fliegengrunds an der um ein Haus eine Kreis gezeichnet ist. „Rayyan!“ Einen Augenblick später steht sie schon in der geöffneten Tür und muss sich selbst zurück halten. Durch atmen, tief durch atmen! Jetzt zittern ihre Hände wirklich und sie muss sich zwingen, umzudrehen, sich aufs Bett zu setzen und sich einen Plan zu überlegen. Was wirklich schwierig ist, denn der einzige Gedanke der durch ihren Kopf hämmert ist: Sie haben Rayyan!
Ihr erster Instinkt ist es Hilfe zu holen, doch der Brief sagt ganz klar, dass Rayyan dann sterben würde. Sie muss alleine gehen. Auf keinen Fall hat Táhirih vor sich einfach so zu stellen. Wahrscheinlich würden sie Rayyan dann trotzdem töten. Außerdem würde sie im Fliegengrund hervorstechen wie ein bunter Hund in ihrem Seidensaree. Es ist Sommer, in einem Umhang würde sie beinahe noch mehr auffallen. Hastig durchwühlt sie ihre Kleidertruhe, ständig bemüht die immer wieder aufflackernde Panik in ihr zu unterdrücken. Sie sitzt in einem Berg aus schimmernder Seide ehe sie findet wonach sie gesucht hat. Eine schmale Hose aus weichem, glattem Leder die sie nie trägt und von der sie nicht einmal mehr weiß warum sie sie gekauft hat. Ein einfaches Hemd besitzt sie leider nicht und so behält sie einfach die Choli ohne den dazu gehörigen Sari an. Ihr Blick fällt auf die feine, goldschimmernde Linie über ihren Rippen. Eine kaum sichtbare Narbe ist das einzige was ihr von dem Kampf im Häuschen zurück geblieben ist. Doch nach so wenig sie auch aussehen mag, sie ist eine gute Erinnerung daran vorsichtig zu sein, da diese Leute vor nichts zurück schrecken würden.

Es ist noch gut zwei Stunden vor Mitternacht als sich Táhirih auf den Weg macht. So unbemerkt wie möglich schleicht sie aus der Harfe, betritt das magische Gewirr und verlässt es im Fliegengrund wieder, ein gutes Stück vom verlangten Treffpunkt entfernt. Sie weiß nicht mal ob Rayyan überhaupt dort ist. Wenn sie jemanden entführt hätte, würde sie ihn nicht an einem auf einer Karte markierten Ort verstecken.
Aus einer schmalen Seitengasse blinzelt Táhirih vorsichtig auf die Straße hinaus. An einem Tag wie diesem sind selbst um diese Uhrzeit noch einige Leute unterwegs. Auf die Schnelle kommen ihr jedoch alle und niemand verdächtig vor. Nein, selbst in diesem, für sie ungewöhnlichen Aufzug kann sie nicht einfach so über die Straßen spazieren. Sie weicht ein paar Schritte zurück in die Schatten und als sie sicher ist, dass niemand sie beobachtet tritt sie zurück in das Gewirr. Sie verlässt es hinter dem Schornstein des Hauses gegenüber. Von den Dächern aus hat sie einen wesentlich besseren Überblick und für irgendetwas muss es ja gut sein, dass Táhirih das Dachrennen der Straßenkindern von Mar’Varis erlernt hat. Vorsichtig nähert sie sich über die Dächer Talyras dem markierten Haus, in dem sie hofft Rayyan zu finden. Kurz überlegt sie eine Nebelwand hochzuziehen, doch das würde nur auf sie aufmerksam machen. Außerdem sollte sie ihr Mana sparen, sie würde es mit Sicherheit noch brauchen. Versteckt in der Dunkelheit lauert Táhirih auf dem Dach und starrt auf die spärlich beleuchtete Straße hinunter. Hier, direkt vor dem alten, etwas verfallen aussehenden Haus erscheinen ihr einige Gestalten etwas bedenklich zu sein. Da sitzt ein Mann in einen Umhang gehüllt gegenüber des Hauses in einer Nische und tut so als würde er dort seinen Rausch ausschlafen, aber seine Körpersprache zeigt ihr, dass er völlig wach ist. Da geht ein azurianisch aussehender Mann in einfacher Kleidung schon zum dritten Mal die Straße entlang. Nicht ganz so versteckt sitzen zwei grobschlächtige Männer direkt vor dem Eingang und halten offensichtlich Wache.
Die Möglichkeit durch die Vordertür hineinzugelangen gibt Táhirih also sofort wieder auf. Fieberhaft überlegt sie, während ihr Blut in ihren Ohren rauscht und ihr Herz versucht ihren Brustkorb zu sprengen. Hinter ihr liegen nur noch wenige, noch ältere, noch verfallenere Häuser und der Siethechhain. Leise wie eine Katze schleicht die Magierein an die hintere Kante des Daches und blickt sich um. Direkt unter ihr steht ein Wachposten der sehr gelangweilt aussieht und zum Glück keine Notiz von ihr nimmt. Bestimmt könnte sie ihn schnell überwältigen, aber sie hat Angst damit zu früh bemerkt zu werden. Ihre Mundwinkel zucken kurz, kaum merklich nach oben als sie das Fenster direkt unter sich entdeckt. Magie zu wirken ist zu gefährlich. Aber in dem Raum unter ihr könnte sie mitten in eine Gruppe von Magiern platzen und sofort in der Falle sitzen. Trotzdem beschließt Táhirih, dass dies ihre beste Möglichkeit ist, rollt sich kopfüber vom Dach ab und landet ohne größeren Lärm auf den Füßen, in einem dunklen Raum. Sie kann ihr Glück kaum fassen immer noch alleine hier zu stehen und huscht leise zur Tür. Behutsam drückt sie die Klinke hinunter und späht in einen ebenfalls dunklen Gang hinaus. Ohne auch nur eine Idee wo Rayyan sich befindet hat sie keine Ahnung in welche Richtung sie sich bewegen soll. Táhirih verharrt für einen Moment und lauscht in die Dunkelheit. Leise kann sie Stimmen aus dem unteren Stockwerk hören. Sie folgt ihnen, die Treppen hinunter, hält entsetzt den Atem an als die Holzstufen unter ihr leise knarren. Sie erwartet direkt fünf Männer mit Rashanketten auf sich zustürmen zu sehen, doch nichts passiert. Vermutlich erwartet niemand, dass ich so verrückt bin einfach alleine bei ihnen einzusteigen!
Ein schwacher Lichtschein fällt durch eine geöffnete Tür und von drinnen hört Táhirih gedämpfte Männerstimmen. An die Wand gedrückt schleicht sie näher, die Hände vorsichtshalber erhoben, damit sie so schnell wie möglich einen Zauber wirken kann. Sie hat zwar einen Dolch in ihrem Stiefel, doch intuitiv denkt sie überhaupt nicht daran diesen zu benutzen, zumal sie in den wenigen Nahkampfübungsstunden die sie in ihrem Leben hatte immer grottenschlecht war. Die Männer reden über die verschiedensten, belanglosen Dinge, doch Táhirih hofft, dass sie irgendetwas sagen würden was ihr verrät wo sie Rayyan gefangen halten. Sie steht eine gefühlte Ewigkeit neben der Tür an die Wand gepresst und hält den Atem an ehe einer der Männer plötzlich die Gefangenen erwähnt. Gefangene? Wie viele Gefangene gibt es? Mehr als zwei? Drei? Und warum? Haben die anderen Gefangen auch etwas mit ihr zu tun? Während ihre Gedanken beginnen sich panisch im Kreis zu drehen und Táhirih versucht sie langsam zu beruhigen, fällt im Inneren des Raumes mehrfach das Wort Keller. Wachen, Keller, Gefangene… diese Worte allein reichen Táhirih um sich langsam zurück zu ziehen. Von irgendwo her hört sie Schritte, die langsam näher kommen. Gehetzt blickt sie sich um, an der offenen Tür kann sie nicht vorbei, aus der anderen Richtung kommen die Schritte. Beherzt öffnet sie zu ihrer linken die Tür zum nächstbesten Raum und betet, dass niemand dahinter sein mag. Soris muss ihr an diesem Tag hold sein als sie alleine in einer fensterlosen, stockfinsteren Kammer steht. Sie hört sie die Schritte lauter und schließlich wieder leiser werden und wartet bis sie sie eine Zeit lang nicht mehr hören kann.

Sie schleicht zurück zu den Treppen und macht sich auf den Weg in den Keller. Hier brennt eine einsame Öllampe, die den Gang nur schwach erhellt. Es ist jedoch nicht schwierig auszumachen wo sich die Gefangenen befinden, sollten sie tatsächlich im Keller sein. Vor ihr liegt eine einzelne, verschlossene, massive Holztür. Es ist totenstill hier, aber Táhirih plant das in wenigen Augenblicken zu ändern. Wenn er nicht hier ist, hätte sie ihren ganzen Vorteil völlig verspielt, doch gleichzeitig hat Táhirih keinen weiteren Anhaltspunkt um nach ihm zu suchen. Jetzt oder nie! Zischend flüstert sie die magischen Worte und hofft nur, dass die durch den Luftdruck zerberstende Tür Rayyan nicht sofort erschlägt.
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Nathanael

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Monday, January 12th 2015, 3:57pm

Irgendwo - Am Shentag, dem letzten Tag des Sommerfests


Es ist kalt. Seine nackten Füße frieren im lehmigen Dreck, der sich wie unendlich vor ihm ausbreitet. Jeder Schritt, jedes heben und senken seiner braunverkrusteten Füße verursacht ein schmatzendes Geräusch. Der Matsch der zwischen seinen Zehen hindurch quillt, will seine Füße kaum mehr freigeben. Anstrengend…
Nathan kennt dieses Gefühl. So war es oft zuhause in Frithland, wenn der Himmel tagelang Kübel voller Regen über die Bauern und ihre Felder ergoss und der Boden sich wie ein trockener Schwamm mit Wasser vollsog. Seine Augen wandern nach oben, folgen dem zerwühlten und aufgeweichten Weg in Richtung Horizont und bleiben an der Silhouette des Wolkenthrongebirges hängen, der sich wie eine Festung über die Landschaft wölbt. Eine kleine Hand legt sich in die seine Große. Aruna steht neben ihm und deutet auf Bergkette. Seine nachtschwarzen Augen mustern Nathan und lassen den Zauberer plötzlich erschaudern, als sich in dem ernsten Blick des Kindes die Landschaft wie durch ein Spiegel abzeichnet. Das Gebirge, das Gas und der Weg, auf dem ihnen nun eine Schar Reiter im Galopp folgt. Der Boden bebt unter ihren donnernden Hufen. Ein Gefühl der Angst und Panik greift nach dem ehemaligen Hexer. Ohne zu wissen warum, ahnt er doch, dass diese Reiter nichts Gutes verheißen. Er und Aruna müssen von der Straße fort und zwar sofort. Doch wohin? Nirgendwo gibt es Deckung und Pferd und Reiter kommen immer näher. Offene Mäuler mit Schaum vor den Nüstern und hakennasige Gestalten mit Schwertern und Krumdolchen bewaffnet, brennen sich in Nathans Gehirn ein. Die Suche nach einer Waffe bleibt ergebnislos und ein arkaner Zauber will ihm nicht gelingen, sein Mana ist verbraucht. So senkt er den Kopf und nimmt den Jungen in seine Arme, um ihn mit seinem Körper zu schützen…
als ihn ein Schlag gegen das Bein trifft.
Widerwillig hebt er denn Kopf und Uio steht vor ihm. Mit schiefgelegtem Kopf und brennenden Händen lacht er ihn an. Er öffnet den Mund, doch seine geflüsterten Worte kann Nathan nicht verstehen. Sie klingen fremdartig in seinen Ohren, fast wie als würde der junge Mann eine andere Sprache sprechen.
Wieder ein Tritt gegen sein Bein.
Verdammt…
Nathan will fluchen, doch er bekommt keinen Ton vernünftigen heraus. Irgendwas stimmt mit seiner Zunge nicht. Dick und fusselig füllt sie seinen kompletten Mund aus. Seine Hände wandern zum Gesicht, doch auch das will nicht funktionieren. Stattdessen durchzuckt ein weiter Schmerz seinen Körper, diesmal von seinen Händen ausgehend…

was schließlich dazu führt, dass Nathan unter stöhnen die Augen öffnet. Sein Kopf bebt, als würden ein paar Häftlingskollegen nuerdings hinter seiner Stirn Rashan abbauen und nicht mehr in den Minen von Nirmonar. Immer noch verschwommen nimmt der Hexer seinen Saufbruder und Meister Rayyan wahr, der verkrümmt mit gefesselten Armen neben ihm auf dem Boden liegt und…ihn tritt?
Erstaunt reißt er die Augen auf. Für die abrupte Bewegung des Kopfes wird er sofort mit einen stechendem Schmerz hinter seinem rechten Auge betraft. Mühsam durchwühlt er seinen malträtierten und verkaterten Schädel wie er und Rayyan nur in diese beschissene Situation gekommen sind. Das letzte woran er sich erinnern kann, waren Kali und das feucht fröhliche Fest. Ja und da war auch Rayyan gewesen. Er und sein Meister haben ein paar Bier und hochprozentige Schnäpse gehoben, genauso wie es sich für ein anständiges nordisches Besäufnis gehört! Wie sie beide allerdings in das dunkele Loch als gut verschnürte und geknebelte Pakete geraten sind, dazu wollen sich partout nicht die richtigen Bilder einstellen. Ob das wieder irgendwelche Malsebior-Ärsche sind?
Rayyans stechender Blick wandert durch den fensterlosen Raum und deutet auf zwei Männer, die betont locker an der Wand lehnen und die beiden Gefangenen genauso wie auch die einzige Tür im Blick haben. Beleuchtet durch das spärliche Licht einer kleinen Öllampe auf einem Hocker, stellt Nathan im Stillen fest, dass sie vielmehr nach Wüstenmäusen als nach Malsebioranhänger aussehen. Eine große Freude will sich über die Erkenntnis bei dem Zauberer jedoch nicht einstellen, denn genauso wie Rayyan wurden auch seine Hände gefesselt. An Zaubern ist da nicht zu denken. Außerdem scheinen die Zwei nicht im Geringsten daran zu zweifeln, dass sie erstens ihren Gefangenen haushoch überlegen sind und zweitens, diese ihre Fesseln sicherlich nicht lösen können, denn Nathans wütende Befreiungsversuche locken ihren beiden Wächtern nur ein überhebliches Lächeln hervor, bevor sie sich wieder gelangweilt Richtung Tür zu wenden.
Wenn es eines gibt, was Nathan seit seiner Zeit im Eisgefängnis hasst, dann an die Erinnerung an das Gefühl des Ausgeliefertseins. Die ganze Situation und das dämliche Grinsen der Hakenasen macht ihn regelrecht wütend. Was sind das für Kerle und was wollen, die überhaupt?
Mühsam und so gut es seine Verschnürungen und sein Kater zu lassen, verrenkt sich der Hexer versucht mit den Fingern irgendwie an seinen rechten Stiefel zu kommen. Seine Taschen haben sie ihm abgenommen, aber seine Schuhe scheinen sie nicht durchsucht zu haben, denn ihm Schaft spürt er immer noch sehr deutlich den dünnen Dolch, den er dort immer bei sich trägt. Doch nach ein paar kläglichen Versuchen gibt er auf. Seine tauben Finger kommen einfach nicht tief genug in den Stiefel. Aber da ist ja noch Rayyan.
Mit viel Schwung positioniert er seinen Fuß in Rayyans Rücken und macht ihm mit den Augen ein Zeichen, dasselbe zu versuchen wie er, nämlich das Messer aus seinem verfluchten Schuh zu bekommen! Rayyan lässt sich nicht lange bitten! Er nickt ihm zu, überprüft, dass die beiden Schwarzaugen mit sich selbst beschäftigt sind und fängt dann an mit seinen Fingern an seinem Stiefel herum zu ziehen. Gerade als das elende Ding endlich vom Fuß des Zauberers rutschen will, ertönt ein ohrenbetäubender Krach hinter ihnen. Ein Haufen Holz, Stein, Lehm und Staub fliegen durch die Gegend und bedeckt die beiden keuchenden Gefangenen.
Gut und Böse ist eine Frage des Standpunktes

Bregond

Herr Bergland

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Tuesday, January 13th 2015, 9:09pm

Skor!

31. Langschnee (Dezember)


Durch das Unwetter sind die Gassen wenig bis gar nicht besucht. Skor kommt an einigen sich um Feuerkörbe zwängende Blaumäntel vorbei die das Pech haben heute Nacht Dienst schieben zu müssen. Mit tief ins Gesicht gezogener Kapuze versucht er sich vor dem kalten Wind und dem nassen Schnee zu schützen. Nach dem Feuer und der Hitze im Turm ist es nochmal so kalt in den Gassen, was ihm aber mehr sorgen bereitet ist die Tatsache das Lyona gemeinsam mit einem Dämon im Turm festsitzt und der einzige Schutz in seinen Augen Bregond ist, was von den beiden Gästen zu halten ist weiß er nicht, kann er sich nicht mal in seinen wildesten Träumen ausmalen was sie im Keller angestellt haben, das gerade sein Albtraum zur Wirklichkeit wird. Den dieser Dämon hat gravierende Ähnlichkeit mit dem Mann der von den Insekten verschlungen wird, der Mann von dem er fast jede Nacht träumt seit er vor Monaten in die Kanäle gestiegen war. Innerlich gab er Bregond recht, sie brauchten Hilfe und das schnell und unauffällig. Es gibt Dinge auf dieser Welt die nicht durch eine Klinge geregelt werden konnten, sie hatten keine Ahnung was es mit dem Gemälde auf sich hat doch das sollte sich heute Nacht noch ändern. Der Elb mochte es nicht wenn er etwas nicht wußte. Schnell und vor den meisten Augen verborgen erreicht er wenig später sein Ziel.
Scharfe Schwerter schneiden sehr, scharfe Zungen noch viel mehr.

Rayyan

Hänfling

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Friday, January 16th 2015, 8:01am

Irgendwo - Am Shentag, dem letzten Tag des Sommerfests

Der Hexer braucht für Rayyans Geschmack viel zu lange um endlich aus seinem verdammten Alkoholdelirium aufzuwachen, doch glücklicherweise kümmert es die zwei Wächter nicht, dass er versucht seinen Mitgefangenen zu wecken. Sie verfolgen das Treiben mit halbem Auge, offenbar fest davon überzeugt, dass die Fesseln Schlimmeres verhindern werden. In Rayyans Fall mag das stimmen, aber Nathans Mana ist (aller zerknirschten Bemühungen seitens des Hohen Magischen Rates zum Trotz) noch immer nicht gebunden, weshalb der Hexer nach wie vor über die Fähigkeit verfügt seine Magie ohne Worte und Gesten einzusetzen, nur geleitet von seinen Emotionen. Dass das ganz fürchterlich schief gehen kann, ist Rayyan bewusst, aber er sieht keinen anderen Weg und kann nur hoffen, dass Nathanaels Mana seit dem Bannritual nicht wieder exponentiell gewachsen ist. Alles was sie brauchen ist ein verdammter Funke, um die Seile durchzubrennen. Als sich Nathan beim zweiten Tritt, nicht weniger rücksichtslos wie der erste, noch immer nicht regt, macht sich Rayyan kurzzeitig Sorgen, dass der Schlag auf den Kopf, den der Hexer von ihren Widersachern einkassiert hat, zu heftig war. Erst der dritte Tritt zeigt Wirkung und befördert den Hexer aus seinen süßen Träumen in die harsche Realität.

Mit einem missmutigen Brummeln rollt Nathan seinen Kopf in den Nacken, versucht, genau wie Rayyan vor ihm und ebenfalls erfolglos, das tote Tier im Mund loszuwerden, stellt fest, dass das alles nicht so funktioniert, wie er will und realisiert dann, dass die Fuseln zwischen seinen Zähnen sein geringstes Problem sind. Das Blau seiner Augen wird kalt und dunkel wie die finstere See, als er die zwei Männer entdeckt und wie schon Rayyan vor ihm, lässt auch Nathan sich kurzzeitig dazu hinreißen wutschnaubend an den Seilen um seine Handgelenke zu zerren, als ob diese sich daraufhin einfach in Luft auflösen würden. Das tun sie leider nicht und das wissen auch die Wächter, die seine Bemühungen mit genervter Langeweile quittieren. Sie sind so sehr von ihrer Arbeit überzeugt, dass sie das bedeutungsschwere Nicken, mit dem Nathan Rayyan auf seinen Stiefel hinweist, entweder nicht mitbekommen, oder als unwichtig abtun. Rayyan indes gibt ein gedämpftes Knurren von sich, als der Hexer sich leicht zur Seite kippen lässt und seinen Fuß mit Schwung in seinem Rücken platziert, wobei er es tatsächlich schafft es so aussehen zu lassen, als wäre der Hieb einfach nur Revanche für die Tritte gegen seinen Oberschenkel.

Dass die zwei Männer so offensichtlich die Meinung vertreten, ihre beiden Gefangenen wären zu blöd oder zu unfähig, sich von alleine aus dieser Situation zu retten, nagt irgendwo an Rayyans Stolz. Auf der anderen Seite ist es ihm nur Recht, wenn sie nicht allzu aufmerksam sind, denn so kann er sich ungestört Nathans Stiefel widmen. Der so fest und eng sitzt, dass Rayyan mit seinen kräftigen Finger kaum zwischen Wade und Schaft langen kann. Aber obwohl seine Zeit als Diebe schon lange vorbei ist, hat er ein gewisses Geschick nie eingebüßt (auch wenn er sie inzwischen anders einsetzt) und der Holzgriff des kleinen Dolchs schmiegt sich schon warm und glatt gegen seine Handinnenfläche, als genau das passiert, was er zu vermeiden gehofft hat. Táhirih schlägt ein und das im wahrsten Sinne des Wortes. Ein ohrenbetäubender Knall lässt die Mauern des Hauses erzittern und in einem Schauer aus Holsplitter zerbirst die Tür zum Kellerraum. Die Wucht des Zaubers füllt das Zimmer für den Bruchteil einer Sekunde mit einem derart ungeheuren Druck, dass die Trommelfelle sich biegen und hastig lässt Rayyan sich zur Seite wegkippen, im Fall das Táhirih gleich mit dem nächsten Zauber nachsetzt. Er zweifelt keine Sekunde lang daran, dass sie es ist, hat aber auch keine Zeit sich zu vergewissern.

Irgendwo hört er einen der Männer schreien, fühlt wie die Luft erzittert und schmeckt Metall in der Luft, dann blitzt es mehrmals und wo immer die grellvioletten Lichtzacken einschlagen, hinterlassen sie schwarze Flecken auf dem Steinboden. Einer davon misst Rayyans Nase nur um wenige Sekhel und bei einem zweiten kann Rayyan gerade noch rechtzeitig die Beine wegziehen, ehe es ihm das Fleisch von den Knochen geschmort hätte. Mit Sternchen vor den Augen und einem unangenehmen Kribbeln auf den Wangen hievt er den Kopf in den Nacken und wirft Nathan einen bösen Blick zu: "GNNGBLBLNMLLI!"* Da durchtrennt die Klinge endlich die letzten Fasern des Seils und seine Hände sind frei. Gerade noch rechtzeitig, um zu bemerken, wie einer der Männer, eine Schulter blutig aufgerissen und die Haut unter der Kleidung schwarz verbrannt, sich mit einem zornigen Aufschrei in Richtung Türe wirft, wo Táhirih im Rahmen steht und mit fließenden Bewegungen den nächsten Zauber wirkt. Der andere, jüngere rappelt sich gerade erst wieder aus der Ecke auf, wohin Táhirihs Begrüßungs-Luftstoß ihn mit großer Geschwindigkeit befördert hat. Rayyan hat keinerlei Erfahrung im Messerwerfen und weiß von anderen nur, dass man die speziell ausbalancierten Dolche dafür an der Spitze fasst, aber als Erdmagier ist er ein geübter Kiesel- und Steinwerfer (und überdies bleibt ihm keine Zeit für einen Zauber), also schmeißt er dem Mann das Messer einfach mit aller Kraft entgegen.

* BEI SARUNIRS SCHIMMLIGEM ARSCH PASS GEFÄLLIGST AUF!

Doran

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Occupation: Alchemist

Location: Talyra Haus Sommerwind

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Saturday, January 17th 2015, 9:27pm

Schweigend folgt Doran Skor durch die Straßen der Stadt, dieser hat zum Schutz vor Wind und Wetter den Kopf gesenkt, sein ohnehin nasser Umhang hängt schwer über seinen Schultern und behindert ihn mehr als das er ihn schützt. Trotzdem zieht er ihn immer wieder eng um seine Schultern. Der Alchemist schmunzelt leicht, sein Ledermantel ist frisch mit seiner neuen Imprägnierung behandelt die jegliche Feuchtigkeit von ihm abperlen lässt, allerdings muss er noch daran Arbeiten, denn schon nach wenigen Schritten beginnt er fürchterlich zu schwitzen da der Mantel auch nach innen abdichtet. Ein kleiner Fehler den er gedenkt bei Zeiten zu beheben, doch nun gibt es wichtigeres. Ein Rakashi, ein Unheilbringer. Schon fertig gebannt, das wird eine spannende Nacht werden, das es für ihn gefährlich werden könnte, daran denkt der junge Alchemist keinen Augenblick. Geschickt weicht er einer Pfütze aus die mit einer feinen Eisschicht überzogen ist, nicht auszudenken wenn er nasse Füße bekäme.
Sein Schmunzeln vergeht ihm immer mehr je weiter sie sich vom gehobenen Wohnviertel entfernen und sich dem Fliegengrund mit seiner Vielzahl an speziellen Gerüchen nähern. So spät in der Nacht, oder auch so früh am morgen waren nicht viele Leute unterwegs besonders nicht bei solch einem Wetter, vereinzelt taumelt ihnen der ein oder andere Trunkenbold vor die Füße allerdings ohne Ärger zu machen. Die Stadtgardisten denen sie begegnen sind meist darauf bedacht schnell ihren Dienst hinter sich zu bringen, es gibt bestimmt besseres als die Straße in solchen Nächten. Doran folgt Skor weiter, der ein anständiges Tempo anschlägt.

194

Sunday, January 25th 2015, 4:52pm

Der erste Schreckmoment den sie durch ihren Auftritt gewinnt bringt ihr selbst gerade genügend Zeit um sich einen Überblick zu verschaffen. Das Wichtigste ist erst Rayyan zu finden. Vier Gestalten liegen durch die Druckwelle die durch den Raum gefegt ist am Boden. Rayyan liegt neben einem dunkelhaarigen Mann der Táhirih wage bekannt vorkommt, aber sie kann ihn in dem Moment nicht sofort einordnen. Ist auch egal!
Ihre Füße wollen sich wie von selbst in Bewegung setzen, zu Rayyan, sehen ob es ihm gut geht. Ihr Blut rauscht zu laut in ihrem Kopf und ihr Herz hämmert zu stark in ihrer Brust, aber sie muss sich zusammen reißen. In ihrer Angst hat sie nicht bemerkt, dass sich einer der beiden Wächter aufgesprungen ist, doch bevor er oder sie etwas unternehmen können, stellen sich die feinen Härchen in ihrem Nacken auf und grellviolette Blitze zucken ungezielt durch den Raum.
Was zum…? Das war auf keinen Fall Rayyan und der Azurianer ihr gegenüber ist mit einem Schrei noch einmal in die Knie gegangen, eine Schulter schwarz verbrannt und Blut tränkt seinen Hemdärmel. Schnell wirft Táhirih einen Blick auf den zweiten Wächter, der sich schutzsuchend gegen die Wand presst. Zuletzt fällt ihr Blick noch auf Rayyans Mitgefangenen, der immer noch die Hände hinter dem Rücken gefesselt hat und so doch gar nicht… Ein Hexer…der Hexer Endlich weiß auch Táhirih woher sie Nathan kennt und plötzlich bleibt ihr kaum noch genügend Zeit einen Zauber zu weben.

Mit einem gleichermaßen gequälten wie wütenden Aufschrei stürzt der größere der beiden Wächter plötzlich auf sie zu. Ihre Hände arbeiten wie von alleine, sammeln und formen ihr Mana, aber er ist fast bei ihr. Sie kann seinen schlechten Atem in ihrem Gesicht spüren, seine Finger sind nur noch wenige Sekhelrin von ihrer Haut entfernt und innerlich weiß Táhirih, dass die Zeit für ihren Zauber nicht ausreicht. Sie entlässt ihn trotzdem, einen Wimpernschlag nachdem ein Messer den Azurianer im Hals trifft und er vor ihr zu Boden geht, den Kopf auf ihren Füßen, eine Blutlacke um sie verbreitend. Es grenzt beinahe an ein Wunder und ist auch nur dadurch zu erklären, dass Táhirih nichts von dem geworfenen Messer mitbekommen hat bevor es plötzlich zielsicher und tödlich sein Ziel erreicht hat, aber ihr Zauber schießt über den Kopf des Wächters hinweg und mit zittrigen Händen und mit halb gestotterten Worten kann ihn Táhirih auf den zweiten Wächter richten. Die Windfesseln treffen den Magier nicht so kraftvoll und unnachgiebig wie sie es sollten. Der Magier windet sich unter den Luftströmen und Táhirih spürt wie ihr der Zauber unter den Fingern zusammen fällt und sie ihn bald nicht länger halten kann. „Rayyan schnell!“ ruft sie und hört gleichzeitig hinter sich schwere Stiefel mehrerer Leute die Steintreppe runter laufen.
Natürlich, es war nur eine Frage der Zeit gewesen ehe die restlichen Männer zu ihnen stoßen würden, denn ihr Auftritt war wirklich nicht zu überhören gewesen. Sie spürt wie ihr halb misslungener Zauber in sich zusammenfällt wie ein Kartenhaus und Táhirih muss einfach darauf vertrauen, dass Rayyan und Nathan die Situaion im Griff haben. Es bleibt ihr keine Zeit für einen ausgefeilten Plan oder einen komplizierten Zauber, nur ein Mal tief durchatmen, neu ansetzen und mit den fließenden Bewegungen ihrer Hände zieht sich eine dichte Nebelwand im Gang vor ihr auf der ihre Besucher hoffentlich für einen Moment bremsen würde. Rücklinks tritt sie in den Raum hinter sich, fällt dabei fast über die Leiche des Wächters, unsicher ob das was sie gerade getan hat die beste Lösung war, denn so können die Angreifer sie zwar nicht sehen, aber auch ihnen ist der Blick auf ihren Fluchtweg versperrt.
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Azra

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Occupation: Wirtin der Goldenen Harfe

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Tuesday, February 17th 2015, 2:13pm

Kommend von: Der Goldenen Harfe


~ Eisfrost 515 - später Abend ~


Der Abend ist weit fortgeschritten, die Nacht mond- und der Himmel über ihr fast wolkenlos, überzogen von einem prächtigen funkelnden Sternenmantel. Tief atmet Azra den Geruch nach klirrender Kälte und ist überaus dankbar für die fellgefütterten Stiefel, die Dornenbeutel erst vor wenigen Tagen fertig gestellt und vorbei gebracht hat. Sorgfältig zieht sie die Kapuze über ihr weißes Haar, überquert den Hinterhof und hat gerade die Ställe passiert, als es leicht zu schneien beginnt. Winzigkleine Flöckchen, die im Sternenlicht wie silberüberzogene Staubkörnchen glitzern. Zufrieden setzt Azra ihren Weg fort. Zwar hat sie nicht explizit eine Lieblingsjahreszeit, aber die Stille des Winters ist ihr seit jeher immer sehr Willkommen und die zeitlose Anmut, die mit Schnee und Eis einhergeht, bringt sie immer wieder zur Verzückung. So genießt sie die kurze Auszeit von dem gemütlichen, aber immerwährenden Lärm der Harfe (an dem ihre Kinder nicht ganz unschuldig sind), während sie durch die kleinen Hintergossen die große Hafenstrasse ansteuert.

Der flackernde Schein des nächsten Feuerkorbs ist schon zu sehen und in Gedanken bereits wieder zurück in der Harfe und bei ihrem Mann achtet Azra weder auf links, noch auf rechts. Obwohl es eine mondlose Nacht ist, finster wie das Innere einer Katze, und Talyra sich, wie jede andere größere Stadt auch, hin und wieder mit Taugenichtsen, Halunken und Dieben herumschlagen muss, macht sich Azra keinerlei Gedanken um ihre Sicherheit. Die Steinfaust ist eine der am besten bemannten Garnisonen der Herzlande, die Blaumäntel aufrichtig, bemüht und ehrenhaft und sie nun einmal die Frau von niemand geringerem als Borgil Blutaxt, dem Wirt der Goldenen Harfe und Mitglied des Stadtrats, Herr aller Flüsterer und Ohrenbläser, steinreicher Besitzer von halb Talyra, aber auch, allem voran, durch und durch ein stiernackiger, vierhundertsteinschwerer, prügelfreudiger und kampferfahrener Eisenzwerg, mit dem man sich nur anlegt, wenn man entweder sehr von sich überzeugt oder sehr dumm ist. Oder beides zusammen.
Und deswegen hört sie sie nicht. Sieht sie nicht. Und als sie da sind, ist es bereits zu spät. Das Einzige was sie fühlt ist ein leichter Luftzug, als der Prügel auf ihren Hinterkopf kracht und es schwarz wird.
Avatar (c) by Niniane

An Irish taxi driver: "We Irish don't tell lies. We just try hard not to tell the truth."


nyanyanyanyanyanyanyanya.... BAT-CAT! :yell:

You walk me animally on the cookie! - Du gehst mir tierisch auf den Keks! ;D

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