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Rayyan

Hänfling

  • "Rayyan" started this thread

Posts: 129

Occupation: Hexerjäger

Location: Talyra

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Monday, September 17th 2012, 11:46pm

Reise nach Immerfrost

Der Wechsel von Licht zu Dunkel geht so schnell vonstatten, dass er einen Moment lang fast blind ist, als er aus dem Portal in die schmale Gasse tritt, die durch den goldflirrenden Nebel in ein blasses Zwielicht getaucht wird. Kaum hat er festen Boden unter den Füssen schliesst sich der Riss in seinem Rücken mit einem schlangenähnlichen Zischeln und völlige Finsternis umgibt sie. Für drei Herzschläge herrscht Stille, dann flüstert irgendjemand seinen Namen und Rayyan kann eine gewisse Erleichterung nicht leugnen, als er Olyvars Stimme erkennt. „Ajwa.“ Sofort wird eine Lanterne entzündet und drei Gestalten schälen sich aus den Schatten eines Stapels Holzkisten nur unweit seines Standorts, eine davon Olyvar, die anderen beiden Einarm und Bronzedraht. Letzterer nimmt ihm sofort den Jungen ab, der zwar aussehen mag, wie ein langes Elend, aber mindestens 160 Pfund auf die Waage bringt, und sich mit seinen spitzen Knochen in ungefähr so bequem tragen lässt wie ein mit Steinbrocken gefüllter Jutesack. Als Einarm sich um Lys kümmern möchte, die von Schüttelfrost heimgesucht wird und trotz milder Spätsommertemperaturen mit den Zähnen klappert, zögert Rayyan einen Moment, lässt den Mann letztendlich aber gewähren. Er kann nicht mit Gewissheit sagen, ob ihr je wieder ein Moment geistiger Klarheit vergönnt sein wird. Falls doch, möchte er bei ihr sein. Der verkrüppelte Wächter nestelt sich, einarmig wie er ist, seinen Umhang von den Schultern ohne die Frau loszulassen und schlägt den dicken, blauen Wollstoff fest um deren schmale Körper, bis nur noch ihre bleiche Nasenspitze aus den Falten herauslugt.
Rayyan indessen verharrt an Ort und Stelle und zieht die von Bier-, Braten- und Uisgeduft geschwängerte Abendluft tief in seine Lungen, lauscht dem munteren Geklapper von Pfannen und Krügen und dem lebhaften, aber unverständlichen Geschwätz der Küchenmägde, das aus einem kleinen Fenster des Grünen Aals in die Gasse sickert, legt den Kopf in den Nacken und richtet seinen Blick auf die Weite hoch über ihnen, wo das mitternachtsschwarze Firmament sich in einen kostbaren Schleier aus funkelndem Sternenstaub hüllt. Zurück. Fast, aber nur fast möchte er Olyvar bitten ihn zu kneifen, um sicher zu gehen, dass es sich nicht um einen Traum handelt, stattdessen sucht er dessen Blick, schwarz wie alles andere im spärlichen Licht, und findet darin die Bestätigung, dass seine unfreiwillige Unterstadtodyssee nach mehr als sechzehn Zwölfmonden endlich ein Ende gefunden hat. Ich grinse. Stellt er nüchtern fest. Es ist ein närrisches Grinsen, so breit, dass seine Wangenmuskeln schmerzhaft protestieren. Olyvar, in blauem Mantel und mit einer Fibel in Form einer geschlossenen Faust auf der Brust, klopft ihm auf die Schulter und sagt: „Komm. Kapitän Narson erwartet euch. Es ist alles vorbereitet.“
„Das Rashan?“
„Verteilt.“
„Ajwa. Danke dir, mein Freund.“
Es ist Olyvars Idee gewesen den Jungen auf einem mit Blaumäntel und Rashan gesichertem Flottenschiff bis nach Sorbonn zu schippern, nachdem Rayyan mit ihm die verschiedenen Reisemöglichkeiten für einen Magier mit einem temperamentvollen (und vor allem wütenden) Hexer im Schlepptau durchgegangen war. Zu Fuss, zu Pferd oder mit einer Kutsche entlang des Ufers des Ildorel hätte die Reise Monde gedauert (und Uio hätte ihm unterwegs bestimmt Ärger gemacht), auf einem öffentlichen Handelsschiff, mit Fracht und anderen Passagieren hätten Eisenfesseln und Rashan mehr neugierige Blicke auf sie gelenkt, als Rayyan lieb gewesen wäre (und Uio hätte ihm bestimmt noch sehr viel mehr Ärger gemacht) und die ganze Wegstrecke zu teleportieren wäre zu anstrengend und zu gefährlich gewesen (und Uio hätte ihm bestimmt so viel Ärger gemacht, dass er irgendwann einen Zauber verpatzt und sie beide in zwei Hälften gerissen hätte).

Seite an Seite laufen sie durch das Hafenlabyrinth mit seinen grossen, holzverkleideten Hallen, den schmalen, turmartigen Fischerhäuschen mit ihren bunten Dächern, den hundertundmehr Seemannstavernen, von denen manche aus nicht mehr als einem Tisch und einem grossen Fass Uisge oder Bier in allen erdenklichen Qualitätsgraden bestehen, und seinen nie ganz geraden Gässchen, Strassen und Trampelpfaden. Dazu ein Hauch von Fisch, egal wo man geht oder steht. Sie wechseln ein paar vereinzelte Worte. Rayyan erkundigt sich nach Diantha und den Kindern, nach Aberthol und dem Gardisten, dem Droschkenkarl beinahe das Genick gebrochen hat, Olyvar fragt wann er gedenke wieder nach Talyra zurückzukehren und was er mit Uio geplant habe. „Das kann ich dir nicht sagen.“ Gesteht Rayyan mit einem kurzen Seitenblick. Olyvar betrachtet ihn einen Moment lang eindringlich, nickt knapp und belässt es dabei, erkennend, dass es keine Frage des Vertrauens ist. Zwei Ecken weiter bricht Olyvar die Stille erneut. „Colevar ist zurück.“ Die Nachricht kommt überraschend und lässt Rayyan zögern, ehe Ärger in ihm hochkocht.. „Seit wann?“ „Heute.“ Natürlich. Heute. Nicht gestern, als ich in der Stadt war. Nein. Heute. Er muss sich fest auf die Zunge beissen, um gegenüber Llaeron Schicksalsfüger, diesem windigen Hund von einem Archon, nicht ausfallend zu werden. Olyvar ist ihm genauso ein Freund, wie Bronzedraht und Einarm und wie auch Karmesin ihm einer gewesen ist, aber mit Colevar hat er sich seit jeher am besten verstanden. Ausserdem ist der Sithechritter der Einzige von Olyvars Sieben, mit denen er in all den Jahren mehr oder weniger regelmässigen Briefkontakt unterhalten hat.
„Tu mir einen Gefallen und leg ihn in Ketten, bis ich wieder da bin.“
Olyvar gibt ein abgehacktes Schnauben von sich. „Und mit welcher Begründung soll ich das tun?“
„Zechenprellung.“
„Zechenprellung?“
„Vierhundertachtundneunzig in der Betrunkenen Dschunke.“
„Das wirst du ihm ewig nachtragen, nicht wahr?“
„Ewig.“
„Du hast ihm die Lippe blutig geschlagen.“
„_Ewig_“
Grinsend schüttelt Olyvar den Kopf und auch in Rayyans Mundwinkel zuckt es verräterisch, dann biegen sie um die letzte Ecke und vor ihnen schält sich der Perlenhafen aus der nebelhellen Dunkelheit. Dahinter erstreckt sich die geschliffene Schwärze des Ildorel, die nahezu unsichtbaren Wellen gefleckt mit silbernem Mondlicht. Auf den Stegen, an denen die schlanken, schnellen Karavellen, stolzen Galleonen und dickbäuchigen Koggen vor Anker liegen, herrscht Ruhe, auf allen bis einem, wo trotz der späten Stunde eilige Betriebsamkeit herrscht. Laternen tanzen durch die Nebelschleier wie riesige, träge Glühwürmchen und man hört gedämpftes Gemurmel und laute, knappe Anordnungen. Der Mann, zu dem das befehlsgewohnte Stimmorgan gehört, kommt ihnen ein paar Schritt entgegen, als sie die Karavelle erreichen. Er misst beinahe einen Kopf weniger als Rayyan, ist schmal um die Hüfte und breitschultrig wie ein geübter Schwimmer, mit einem aussergewöhnlichen Allerweltsgesicht, dunklem Haar und einem prächtigen Schnauzer, der nahezu seinen gesamten Mund überwuchert. Seine blaue Uniform lässt keine Zweifel daran übrig, wem er sich verpflichtet hat. „Lord Commander.“ Begrüsst Kapitän Narson Olyvar, legt die geballte Rechte über sein Herz und deutet eine leichte Verbeugung an, bevor er sich an Rayyan wendet und ihm ebenfalls zunickt: „Meister Lleyal.“

Olyvar erwidert die Begrüssung, informiert sich mit ein paar wenigen Sätzen, ob alles bereit sei und der Kapitän versichert ihm, er habe alles genau so eingerichtet, wie angefordert. „Der Junge und die Frau sind an Bord. Das Mädchen, Myra, kümmert sich bereits um sie. Wir sind bereit auszulaufen, wann immer ihr möchtet.“
„Das Rashan?“ Es ist Rayyan der spricht, während seine Augen über den eleganten Bug und die zwei hohen Masten gleiten und die Linien um seine Augen und seinen Mund sich vertiefen. Schiffe sind ihm ein Gräuel, genauso Kamele, Pferde, Kutschen und im Grunde genommen überhaupt alles, wozu er den Bodenkontakt aufgeben muss.
„Mein erster Maat und drei meiner Matrosen sind damit ausgestattet. Das Schiff sollte abgedeckt sein.“ Sofort wird Rayyan hellhörig und er will schon scharf nachhaken, was Narson mit ‚sollte‘ meint, als Olyvar ihn ganz leicht am Ellbogen berührt und einlenkt: „Das Schiff ist sicher.“ Mit einem unverständlichen Brummeln gibt Rayyan nach. Das muss es sein. Ein Funke reicht und uns geht der Arsch auf Grundwasser.
Olyvar klärt noch die letzten Fragen, dann wünscht er seinem Kapitän alles Gute und Aranurs Segen, woraufhin Narson Rayyan erwartungsvoll ansieht. Dieser gibt ihm mit einer kleinen Geste zu verstehen, dass er sofort folgen würde und dreht sich zu Olyvar um. „Ich bin mitten in der Nacht angekommen und reise mitten in der Nacht ab. Und dazwischen habe ich die Gastfreundschaft der Unterstadt genossen. Ebenfalls dunkel. Man könnte meinen deine Stadt sei eine frigide Milchmagd, die sich hinter ihrem Nachgewand versteckt.“ Frigide trifft es nicht genau (vor allem die Huren der Unterstadt können sich ja mit vielerlei Eigenschaften rühmen, aber Frigidität gehört nicht dazu) und die Milchmagd ist bestimmt eher eine alte, hartgesottene und listenreiche Jungfer. Sie lachen beide, dann zieht Olyvar ihn in eine feste Umarmung und ermahnt ihn das Besäufnis nicht zu vergessen. Rayyan verspricht einen guten Schluck mitzubringen, dann nimmt er das Gesicht seines Freundes zwischen seine Hände, lehnt seine Stirn für einen Herzschlag gegen dessen und murmelt: „As-salaam 'alaykum, sadiqi.“ Der Abschied von Bronzedraht und Einarm geht sehr viel weniger herzlich von statten, aber nicht weniger aufrichtig und als Rayyan sich auf die Nordstern begeben will, liegt ein halbes Lächeln auf seinen Lippen. Er hat die halbe Planke schon hinter sich, als er sich noch ein letztes Mal umdreht. Olyvar steht mit verschränkten Armen neben Bronzedraht und Einarm auf dem Pier und hinter den Männern, zwischen ihren steinernen Mauern in tiefem Schlaf versunken, erhebt sich Talyra in die klare, sternenhelle Nacht. Die Stadt, von der er geträumt hat seit er ein milchbärtiger und immerzu dreckiger Rattenfänger gewesen ist, und Colevar, genauso milchbärtig, aber nicht ganz so dreckig, ihm in den ausschweifendsten Beschreibungen von seiner Heimat erzählt hat. „Ajwa. Milchmagd.“
Wenig später legen sie ab.

Es ist Mittag des nächsten Tages und die Sonne brennt gnadenlos auf ihre Köpfe, als einer der Matrosen, den Narson auf Rayyans Anweisung hin vor der Kajütentür des Jungen platziert hat, an Deck klettert und Rayyan darüber informiert, dass Uio aufgewacht sei. „Es klingt, als versuche er die Kette aus ihrer Verankerung zu reissen.“ Teilt er Rayyan mit. Ein grimmiger Ausdruck härtet seine Züge und es hätte nicht viel gefehlt und er hätte die Augen verdreht. Dummer Junge. „Lasst niemanden in die Nähe der Kajüte. Ich komme.“
Das Mädchen neben ihm verlagert ihr Gewicht ungemütlich von einem Fuss auf den anderen, zupft ihr schlohweisses Häubchen zurecht und lispelt durch eine unübersehbare Spalte zwischen ihren Vorderzähnen: „Foll ich euch begleiten, Meifter Lleyal?“ Die Angst vor dem Hexer (der jünger ist als sie und in Ketten liegt) ist ihr von der Nasenspitze abzulesen und bislang hat sie um die Kajüte des Jungen einen so grossen Bogen wie nur irgendwie möglich gemacht. Ungeachtet ihrer Furchtsamkeit im Bezug auf Uio ist Rayyan froh um ihre Anwesenheit, denn so wenig sie mit seiner feurigen Fracht zu tun haben möchte, so gewissenhaft kümmert sie sich um Lys. „Nein, Myra. Sieh du nach, ob Lys noch etwas braucht.“ Das Mädchen atmet geräuschvoll aus und senkt verlegen den Blick auf ihre Schuhspitzen, als ihr auffällt, wie deutlich die Erleichterung ihr anzumerken ist, ehe sie hastig ihren Rocksaum einen Sekhel hebt, einen kleinen Knicks andeutet und schnell unter Deck verschwindet.
Rayyan indes sieht nach oben, wo die weissen Segel wie schlaffe Schwanenflügel herabhängen. Hat am Morgen noch ein kräftiger Ostwind das Schiff gischtspritzend über den Ildorel getrieben, ist jetzt nicht einmal mehr ein laues Lüftchen zu spüren und die Karavelle liegt so ruhig auf dem Wasser, als ob sie Anker geworfen hat. Es scheint, als ob ich den Jungen nie los werde. Der Gedanke ist äusserst beunruhigend und hilft nicht Rayyans schlechte Laune zu heben. Mit gespreizten Fingern fährt er sich über die Glatze, flucht leise und folgt dem Mädchen hinab in das Innere des Schiffes. Lys ist mit ihm und Myra zusammen in der Kapitänskabine untergebracht, Uio in einer kleinen Ecke ganz am anderen Ende des Schiffes, im Bug hinter dem Frachtraum, wo die Vorräte lagern und die Männer in Hängematten schlafen. Bis auf ein paar vereinzelte schmale Finger goldenen Sonnenlichts, die durch die Ritzen zwischen den Planken sickern, ist es dunkel und unangenehm schwül, infolge der Hitze, die von oben durch das Holz dringt, und der Nässe, die von unten heraufkriecht. Der Schweiss lässt Hemd und Tunika an seiner Haut kleben und brennt an den Stellen, wo er beim Waschen versucht hat die schwarzen Linien aus dem Fleisch zu schrubben. Es wird allerdings noch ein paar Bäder brauchen, bis er den Schwarzfingersaft endgültig losgeworden ist.
Der Matrose, der Wache hält, entfernt sich wortlos, als Rayyan auftaucht und lässt ihn alleine mit dem Hexer und der Frage, wie beim Namenlosen er den Burschen dazu kriegen will ihm zuzuhören. Wenn ich weiter hier draussen stehe, wird das nichts. Worte waren noch nie seine Stärke und er hatte erwogen jemand Fähigeren für diesen Teil um Hilfe zu bitten, aber das hätte die ganze Sache nur unnötig in die Länge gezogen und darüber hinaus sehr viel komplizierter gemacht. Uio ist und bleibt ein Strassenjunge und Vertrauen so eine Sache. Davon kann das Mäuschen ein Lied singen. Gewappnet für eine Auseinandersetzung mit einem rasenden Knäuel Eigenwille, Verzweiflung und Halsstarrigkeit schiebt Rayyan den Riegel zur Seite und öffnet die Tür.

„Du...“ Zischt Uio wie eine in kochendes Wasser getauchte Katze, ballt die Hände zu Fäusten und stürzt mit einem wutentbrannten Aufschrei auf ihn zu. Er versucht es zumindest. Eine Armlänge von Rayyan entfernt kommt er jedoch, ausgebremst durch die Kette, zu einem abrupten Halt und wird durch eigene Kraft sogar ein Stück zurück gerissen. „Du!“ Wiederholt der Junge. „Ich.“ Bestätigt Rayyan trocken, woraufhin Uio sich umdreht, die Kette mit beiden Händen umfasst und beginnt wie ein Wahnsinniger daran zu ziehen und zerren, schimpfend wie ein Rohrspatz (ein vulgärer Rohrspatz, aber immer noch ein Rohrspatz). Er lässt erst von seinem aussichtslosen Vorhaben ab, als er zum dritten Mal bei ‚du rattenfressender Sohn einer räudigen Nargin‘ angekommen ist, hält kurz inne, schnaufend und mit glühenden Wangen, und geht dann darauf über Rayyan als Ratte zu betiteln. „Ich habs gewusst, schon als ich dich das erste Mal gesehn hab, Ratte! Mach mich sofort los!" Rayyan verschränkt die Arme vor der Brust und gibt sich alle Mühe nicht allzu spöttelnd zu klingen: „Sonst?“ Es gelingt ihm nur mässig und vor seinen Augen wird der Junge erst rot, wie eine sonnenreife Tomate, dann, schlagartig, weiss wie geronnene Milch, und schliesslich sogar leicht grün um die Nase, bevor er doppelt klappt und würgend auf das Bett zurück sinkt. Alle Grosspurigkeit ist aus ihm gewichen, wie heisse Luft aus einem durchlöcherten Blasebalg, und seine Beleidigungen klingen eher verzweifelt, als erbost. „Was... was hast du mit mir gemacht, du... du dreckige Ratte... was soll diese Nargenscheiße hier!" Er sieht aus, als würde ihm sein Abendessen schon aus dem Rachen quellen, und mit der Spitze seines Stiefels schiebt Rayyan den Holzeimer, den ein Matrose auf seine Anweisung hin neben der Tür platziert hat, in erreichbare Nähe des Jungen. „Wenn du kotzen willst, kotz in den Eimer. Wenn du nicht kotzen willst, lass von deinem Mana ab. Du hast keinen Zugriff darauf auf diesem Schiff.“ Wissend um den listigen Charakter des Jungen unterlässt er es wohlweislich Uio den Grund für seine Zauberunfähigkeit auf die neugierige Nase zu binden (er wäre noch dazu im Stande das Rashan zu finden, es über Bord zu werfen und ihnen danach das Schiff unterm Arsch abzufackeln).
„Setz sich gerade hin.“ Weist Rayyan den jungen Hexer an, woraufhin dieser im Protest den Mund aufreisst, bestimmt noch den einen oder anderen unflätigen Fluch auf der Zunge, nur um sich eine Sekunde später gurgelnd, keuchend und (wie versprochen) kotzend über den Eimer zu beugen. Der scharfe Gestank nach Erbrochenem füllt die kleine Kabine, aber Rayyan zuckt nicht mit der Wimper. Sein Gesicht ist eine in Stein gemeisselte Maske, kühl und mitleidlos. „Na los. Gerade hinsetzen.“ Dieses Mal befolgt Uio die Anweisung, sich mit dem Handrücken über den Mund wischend, und ein Glanz liegt in seinen Kinderaugen. Ein Glanz, viel zu kalt und hart für sein Alter. Da ist der Mann. Und er kann mich nicht leiden. Ajwa. Damit kann er leben. Gerne hätte er diese Angelegenheit anders geregelt. Mit ein paar netten Worten, einem Schulterklopfen und einer Flasche voller Hamadat, aber der Junge lässt ihm keine Wahl.

„Jetzt atme tief durch und dann sag mir: Was hast du gestern zu Mittag gegessen?“ Die Frage hat den gewünschten Effekt: plötzliche und absolute Verwirrung. ‚Hä?!‘ Prangt in grossen, fetten Buchstaben auf Uios Stirn und Rayyan kann sehen, wie dessen verkrampfte Finger sich entspannen, nicht mehr länger damit beschäftigt nach unerreichbarem Mana zu greifen. Rayyan nutzt die Gunst des Augenblicks und deutet mit einem Handwink auf die Eisenschelle um Uios Handgelenk. Sie ist mit dickem, weichem Leder ausgelegt, damit der Junge sich an dem Metall nicht wund scheuert, egal wie sehr er zieht und zerrt, und durch eine leichte Kette mit einem Ring an einem der wuchtigen Spanten verbunden, die Teil ausmachen des Schiffsskeletts. Die Kette ist lang genug, damit er aufstehen und sich die Beine vertreten könnte, wenn er wollte, aber zu kurz um die Tür zu erreichen. „Eine reine Vorsichtsmassnahme. Ich wollte nicht, dass du aufwachst und dem Erstbesten, der die Kabine betritt, die Nase brichst. Du bist sie gleich los, aber erst klären wir ein paar Dinge. Du befindest dich auf der Nordstern. Einer Karavelle im Dienst der Flotte Talyras. Der Kapitän, Rodgar Narson, ist ein Mann der Indigogarde unter dem Befehl von Lord Commander Tarascon, genau wie die Hälfte seiner Mannschaft, und die übrigen Männer sind ehrbare Matrosen. Mit keinem von denen möchtest du dich anlegen, also tu ihnen, mir, aber vor allem dir selber einen Gefallen und benimm dich. Sollte es dir trotzdem in den Sinn kommen einem Gardisten auf den Mantelsaum treten zu müssen, haben die Männer frei Hand dich nach auf dem Schiff geltenden Gesetzen zu massregeln. Wenn du mir Ärger machst, lege ich dich über die Reling und versohl dir vor versammelter Mannschaft den Hintern, dass du drei Wochen im Stehen scheisst.“ Rayyan gibt dem Jungen einen Moment, um den ersten Schreck zu verdauen, bevor er mit der gleichen Strenge fortfährt:
„Ich bin Rayyan Lleyal. Meister Lleyal für dich. Ich habe vom Hohen Magischen Rat die undankbare Aufgabe erhalten dich zu finden und dich das grundlegende Wissen der Magie zu lehren. Die Reise bis nach Sorbonn dauert ungefährt zwei Siebentage, drei wenn die Flaute anhält. Während dieser Zeit wirst du mir zuhören und lernen. Bist du lernwillig, dann steht es dir in Sorbonn frei zu gehen wohin immer zu möchtest. Auch direkt zurück nach Talyra, mit diesem Schiff oder einem anderen, das geht auf meine Kosten. Stellst du auf stur und taub, wie du es die letzten drei Siebentage getan hast, dann,“ Rayyan bedenkt den Jungen mit einem langen, schwarzen Blick, „bleibst du bei mir, bis du es dir anders überlegst. Gnade dir Nurm, solltest du so dumm sein.“

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Uio

Stadtbewohner

Posts: 73

Occupation: ehemaliger Handlanger, Dieb und Hexer! Seit anfang 513 Magierlehrling

Location: Arkana zu Sorbonn

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2

Wednesday, September 19th 2012, 11:31pm

Ein undefinierbaren Knarzen und Knacken dringt langsam in seinen Traum, diese nebelverhangene Welt aus der er sich nur mühsam schälen kann. Hab ich getrunken...wo war ich...was...nein, wo bin ich setzen sich schwerlich erste Gedankenfetzen zusammen und fast gleichzeitig öffnet er einen kleinen Spalt seine Augen. Es ist dunkel abe nicht die typische Unterstadt dunkelheit... Nein...das was ist das? Müde und mit schweren Gliedern braucht er eine gefühlte Ewigkeit bis es ihm gelungen ist, sich aufzurichten, die Augen wieder geschlossen. Schwerlich unternimmt er den Versuch, seine Arme dazu zu bringen sich Richtung Gesicht zu bewegen und ihren morgendlichen Dienst zu tun. Endlich reiben seine Hände den klebrigen Schlaf aus den Augen. Es ist warm, ungewohnt... merkwürdig. Ein neues Geräusch mischt sich unter das fast rhythmische Knacken und Knistern. Er meint sich an Holzbohlen zu erinnern und an den großen Holzzuber, jedoch das Klirren, dass sich dazugesellt, passt nicht zu diesem Bild, was in seinem Kopf entstehen will.

"Was zum...", bringt er abrupt heraus und ist mit einem Schlag hell wach. Frühkindliche Erfahrungen und die normale Unterstadtskepis lässt seinen Körper von null auf hundert hochpumpen, denn hier stimmt einfach ganz und gar nichts! Das ist weder sein Zimmer oder irgendein Zimmer, in dem er je gewesen ist, noch will ihm einfallen, wie um alles in der Welt er hierher gekommen ist. Aber das alles ist nicht das, was den jungen Hexer so schnell wach werden lässt und ihm einen entsetzten Blick verpasst. Der Grund dafür ist ganz einfach die Handschelle um sein Handgelenk und die dazugehörige Kette. Sein Blick folgt der Kette und erreicht den Punkt, wo sie fest verankert am Holz ist.
"Scheiße", flucht er und in einem Anflug von Unsicherheit und Panik beginnt er, wie ein Irrer an der Kette zu zerren und ziehen...ohne Erfolg. "Verdammt, scheiße!" Jeder der seine Münzen auf die Art und weise verdient wie es Uio schon seit jehe tut weiß, was es bedeutet geschnappt zu werden. NICHTS GUTES! In Uios Kopf, der sich anfühlt als hätte er die letzte nach einiges an Wein getrunken, drehen sich die Gedanken und Ereignisse chaotisch im Kreis. Verzweifelt versucht er sich zu erinnern, was geschehen ist... doch Uio fällt es schwer darauf zuzugreifen. Keeshar fällt ihm ein. Das Gespräch und den Unmut den er hatte, ihm Verbot Ausflüge in die Oberstadt zu unternehmen solange er sich nicht an die Absprache hält. Zoe fällt ihm ein, ihre Angst um ihn und daum von kali erwischt zu werden wenn er sich heimlich aufsucht. Die bleiche Made, hat sie ihn verraten, an die Steinfaust verkauft... Quatsch Uio denk nach!!! Mit dem immer wieder kehrenden Flüchen und einem geflüsterten, "ganz ruhig..." zu sich selbst, versucht er sich zu beruhigen und nicht wieder in Panic zu verfallen. Schließlich sucht er den Raum ab, in dem er sich befindet und versucht einen Plan zu entwickeln, der ihm die Flucht ermöglichen könnte. Ganz egal wie er hierher gekommen ist, es ist nicht freiwillig.

Genau! Vielleicht lässt sich was im Raum finden; was ich benutzen kann um diese Fesseln loszuwerden...hier raus zu kommen.Denk nach Uio! Du kannst dir später noch Gedanken machen was passiert ist! Er wird ruhiger und sucht systematisch die Wände, Boden und Decke ab.
"Verdammt, wo bin ich nur!", flucht er erneut. Holz..alles aus Holz...ein Nagel...oder ein stabile Splitter...ja genau!
Schritte lassen ihn aufhorchen. Ein flaues Gefühl breitet sich in seinem Magen aus. Übelkeit steigt ihn ihm hoch, ohne zu wissen warum. Auf die Idee das Mana einzusetzen, ist er bisher noch nicht gekommen, genauso wie er das flaue Gefühl und das unterschwellige Unwohlsein nicht auch nur im Entferntesten mit einem Metall, das magische Fähigkeiten blockiert, in Verbindung bringt! Woher auch. Uio hat von Rashan noch nie etwas gehört, geschweige denn es jemals gespürt!

Ihm bleibt keine Zeit sich auch nur annähernd auf das Bevorstehende vorzubereiten. Er ist nervös, unsicher und die brodelnde Panik sitzt ihm in Nacken. Angespannt beist er die Zähne zusammen und starrt auf die Tür. Als die Tür sich, nach einem geräuschvollen Riegel zurück legen, schwungvoll öffnet und Uio sieht wer da eintritt ist Angst, Panik und Unsicherheit plötzlich verschwunden. Erst verwundert, dann ungläubig und letztendlich voll Zorn schaut er auf den Mann der da den raum betritt
"DU!", spuckt er hasserfüllt aus und lässt seine Augen zu Schlitzen werden. Seine Wut zischt wie ein harter Blitzschlag in ihm auf und lässt ihn jegliche Vorsicht vergessen.
"Du!" Er stürmt auf den Mann zu und würde ihn die Kette nicht bremsen, hätte er sich ohne nachzudenken auf ihn gestützt. Uio muss alles an seiner Körperbeherrschung aufbringen, nicht der immer größer werdenden Übelkeit anheim zu fallen, die durch den unbewussten Zugriffversuch auf das Mana entsteht. Der junge Hexer kann es nicht fassen und doch fällt ihm schlagartig alles wieder ein. Keeshar hatte ihn zu dem "Hexer" geschickt und ihn angewiesen, wie besprochen dort pünktlich zu erscheinen. Und nicht nur das, er sollte sich mit ihm unterhalten und lernen. Er aber hatte zwar den Terminen beigewohnt, jedoch nicht im Traum daran gedacht, auch nur ein Wort, geschweige denn sich etwas von diesem Mann beibringen zu lassen. Kindisch? Ja, vielleicht aber Uio/Keylan nahm das in Kauf. Er braucht, will und akzeptiert keinen neuen Meister! Das letzte Gespräch hingegen mit Keeshar, der sehr ungehalten darauf reagierte, nachdem der Hexer ihm von Keylans verhalten berichtete, war unangenehm und unbefriedigend. Keeshar ließ keine Diskussion zu und ...ja Uio...über kurz oder lang hätte er sich fügen müssen...aber dazu kam es nicht! Der Hexer, fällt es ihm siedend heiß ein, hatte ihn verarscht, nein, er hatte es gewusst, das was mit diesem Mann nicht stimmt. Uio beginnt zu beschimpfen, beleidigen und schreit ihn einfach an. Solange bis er keuchend da steht und einfach nur diesem Mann anstarrt. Kurz tritt Stille ein, als dann Uio ihn auffordert ihn loszumachen, was er natürlich nicht tut.
"Das zeig ich dir, was ich mache, wenn du mich nicht losmachst, Drecksratte!", faucht er, als ihn dann die Übelkeit überrennt.
Oh ja Uio hat vor es diesem Mann zu zeigen, ihm wenn es sein muss seinen ganzen Zorn entgegen zu schleudern. Doch anstatt sich dieses vertraute Gefühl von Hitze, Energie und Kraft einstellt, dass er an manchen Tagen kaum zu bändigen weiß, ist es wie ein großes schwarzes Loch, das sich über ihn legt und umso mehr er versucht nach der Macht und Kraft des Manas zu greifen, desto mehr verschlingt es Uio. Keuchend, blass und von kaltem Schweiß geschüttelt ringt er mit der Füllung seines Magens. Die Worte, falls er sie sich nicht nur einbildet, finden nur leise und unvollständig den Weg in sein Bewusstsein. Das schwarze unbekannte Loch scheint alles in sich aufzusaugen, von innen nach außen zu stülpen. Schon die ersten Brocken in der Kehle ringt er sich noch die Frage nach dem was ER mit IHM gemacht hat ab, bevor er dann sich in den ihm zugeschobenen Eimer erbricht.
Immer und immer wieder.
Uio versteht nicht und ist machtlos.
Seine Gedanken drehen sich kurz um das warum, den Zorn und all dem, was hier vorgeht. Da dringt eine Stimme zu ihm durch und das, was sie will lässt Uio nicht nur fragend drein schauen, sondern unterbricht den Kreislauf Mana Rashan, Mana Rashan!
Die Frage nach dem, was er gegessen hat, erfüllt ihren Zweck. Schlagartig geht es ihm besser. Sich dessen wohl bewusst und die Gunst der Aufmerksamkeit und Abgeschlagenheit Uios nutzend, bringt Rayyan seine Bedingungen und Anweisungen vor.
Uio erwidert nichts, sitzt da und versucht sich auf all diesen Informationen einen Reim zu machen.
Die erwähnten Details klingen nicht gerade rosig für den jungen Hexer, besonders die Tatsache, dass Blaumäntel an Bord sind, lässt ihn innerlich fluchen und sich ausmalen, was sie mit einem Dieb, Hexer und Handlanger Keeshars wohl machen.
Ich sitz echt tief in der Scheiße! Schweißgebadet und erschöpft von der Kotzerei, mit widerlichem Gallegeschmack im Mund und mehr oder weniger niedergeschlagen von den "schönen" Aussichten schaut er einfach irgendwo hin und schnaubt verächtlich, aber sehr viel ruhiger als eben.
"Das ist ja eine tolle Scheiße.", brummt er und wischt sich nocheinmal mit dem Handrücken den Mund ab. "Ich hoffe Keeshar reißt dir irgendwann die Eier dafür ab!"
Ist das einzige, was er sagt. [/i]Vielleicht lässt sich durch Keeshars erwähnen etwas mehr herausfinden. [/i] , denkt er bei sich, schluckt schwer den bitteren Geschmack hinunter und versucht so locker wie es ihm möglich ist, sitzen zu bleiben.
UNKRAUT VERGEHT NICHT!

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(c) by Niniane

Rayyan

Hänfling

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3

Saturday, September 29th 2012, 10:26pm

Uios Antwort ist patzig und grossmaulig und nicht im Geringsten hilfreich und bringt das Fass zum Überlaufen. "Du dämlicher Rotzlöffel , fick dich doch ins Knie." Schnauzt er den Jungen kalt an, dann dreht er sich um und geht. Er hat sechzehn Monde seines Lebens damit zugebracht, diesen Burschen zu finden und der hat es eindeutig nicht verdient. Nie wieder. NIE wieder! Sollen die mir da oben doch den Schwanz lecken, sie können sich ihre hilflosen Junghexer sonst wohin stecken. Und sollte das Mäuschen ihn noch einmal 'armes Kind' nennen, drehe ich ihr den mageren Hals um. Der Matrose, der zuvor Wache gehalten hatte, und sich bis zur Treppe zurückgezogen hat, sieht auf, als er Rayyans Schritte hört, doch ein Blick in dessen finstere Miene genügt völlig, um den Mann verstehen zu lassen. Wortlos tritt er einen Schritt zur Seite, lässt Rayyan passieren und stellt sich danach wieder neben die Tür, als ob nichts gewesen wäre.
Rayyan stampft an Deck und tritt an die Reling, wo er seinen Frust am liebsten in den Ildorel gekotzt hätte, aber dummerweise wird er nicht seekrank. Amarula. Rinjanonscheisse. Eiatmen, ausatmen. Amarula hinein. Rinjanonscheisse raus. Einatmen, ausatmen... Schön atmen. Einfach atmen. Sein Blick wandert vom Heckkastell, wo der Steuermann etwas gelangweilt am Ruder lehnt, hinauf zu den Segeln, die noch immer schlaff von den Masten hängen und er ist versucht ein sehr inbrünstiges Gebet an Vendis zu schicken. Aber eigentlich... Es soll mir recht sein. Versauern soll er da unten. Wo ist eigentlich der Rum?

Uio

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Occupation: ehemaliger Handlanger, Dieb und Hexer! Seit anfang 513 Magierlehrling

Location: Arkana zu Sorbonn

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4

Sunday, September 30th 2012, 2:56pm

1. Woche der Reise nach Sorbonn

Was ist eigentlich aus dem kleinen Jungen geworden?
…dem selbst in dunkeln Tagen ein sonniges Lächeln übers dreckige und nicht selten von Prügel geschundene Gesicht huschte? Unbekümmert durch Gänge, Straßen und Gassen lief, pfeifend und ein Lied über die Stadtwache singend, die ihn nie fangen würde. Sich nicht über das Morgen Gedanken machte, das Gute an jedem Tag suchte und fand, sich nicht von seinem Leid und dem schweren Leben in der Unterstadt und auf der Straßen entmutigen lies. Der frech grinste und immer einen noch frecheren Spruch auf den Lippen hatte. Sprüche, die einen zum Lachen brachten, zum Schmunzeln oder die das Bedürfnis in einem weckten, seine verfilzten Haare einfach einmal durch zu wuscheln.
Fort ist er. Irgendwo auf der Strecke geblieben… verloren gegangen auf dem Weg zum Erwachsen werden, der auftauchenden Schwierigkeiten, Schmerz und dunklen Realität, die sich nicht mehr erhellen lassen wollte, geschuldet...
Nachdem Rayyan das Zimmer des jungen Hexers vor einigen Tagen verlassen hatte, ist die Wache vor der Tür die einzige Gestalt, die sein Gefängnis betritt. Dreimal am Tag kommt jemand herein stellt ihm in erreichbarer Nähe etwas zu Essen und zu Trinken hin und tauscht nach Bedarf den Eimer aus.

Hunger? Oft hat er keinen, entweder ist ihm übel wegen der Ungewissheit, was mit ihm passieren wird oder weil er, sei es bewusst oder unbewusst, Zugriff auf das Mana sucht.
Schlaf? Er schläft wenig und schlecht. Tage und Nächte vergehen, in denen Uio allein mit seinen Gedanken und Ängsten dort angekettet sitzt und nicht seltenMühe hat, seine Tränen zu unterdrücken, mal mit mehr, mal mit weniger Erflog…
Immer dann wenn die Tür sich öffnet, reißt er sich zusammen. Die ersten Tage noch rechnet er fest damit, dass dieser Magier, der ihn hier hin entführt und eingesperrt hat, kommt und ihm wieder diese Fragen stellt. Doch Rayyan kommt nicht. Nur die Wachen tun das Notwendigste, reden aber auch nie ein Wort mit ihm.

2. Woche

Nachdem er einige Male eine der Wachen nach dem Magier fragte, öffnete sich dann eines Tages die Tür und Rayyan trat mit strengem Blick vor ihn und beobachtete ihn genau. Uio schluckte all seine Wut und die aufkeimenden Beschimpfungen hinunter.
Raus…raus hier, er will nicht länger hier in diesem Loch angekettet sein! Er blickte ihn nicht an und versprach mit kratziger Stimme, sich diesen Regeln auf dem Schiff zu fügen.
Nun konnte sich Uio auf dem Schiff unter ständiger Aufsicht bewegen. Er war noch nie auf einem Schiff gewesen. Neugier, aber auch Skepsis waren, wie zwei Blaumäntel, sein ständiger Begleiter.
Die Antworten, die Uio dem Magier auf seine Fragen dann am zweiten Tag der Woche gab, hatten die Konsequenz, dass der junge Hexer unter Protest abgeführt wurde. Er hatte zugegeben beleidigend und patzig reagiert, aber sich dann als Rayyan Anstalten machte, die Wachen zu rufen, entschuldigt und gefragt, ob er keinen Spaß verstehe. Wohl nicht!
Dieser kleine Ausbruch brachte Uio zwei Tage angekettet in der Kammer ein.
Schreien, fluchen, lachen…weinen…, der Magier saß am längeren Hebel!
Am Ende der Woche holte man ihn und führte ihn Rayyan vor und Uio entschuldigte sich.

3. Woch
e


Uio hat keine andere Wahl, er fügt sich, zwar widerwillig, aber er zieht es vor, an Deck sitzen zu können als unter Deck an der Kette! Die Gespräche mit Rayyan lässt er über sich ergehen. Er weiß nur das, was Nathan ihm über Mana, Magier und Hexer erzählt hat.
Die Tage vergehen und schließlich kommt Sorbonn in Sicht. Uios Nervosität steigt mit dem näherkommen der Stadt. Es ist das erste Mal, dass er außerhalb von Talyra unterwegs ist. Dieses Gefühl sich nicht auszukennen, keine Fluchtwege, Gassen oder Häuser …niemanden zu kennen …nein, das behagt ihm gar nicht! Er fühlt sich unsicher und nicht wohl bei dem Gedanken, von dem Magier abhängig zu sein. Dachte er noch, dass bestimmt alles besser wird, wenn er nur dieses verdammte Schiff endlich verlassen kann, verspricht das hier auch keine bessere Aussicht. Seufzend lehnt sich Uio an die Reling und schaut zu, wie der Anlegeplatz Stück für Stück näherkommt. Das schroffe Gebrüll der Hafenarbeiter ist deutlich zu verstehen, aber Uio interessiert das wenig.
Was wird jetzt passieren? Was hatte der Magier nochmal gesagt? Ziemlich viel, wenn Uio so nachdenkt. Vieles was er nicht richtig verstanden oder richtig zugehört hat. Anderes…es war einfach so viel!
Uio schreckt aus seinen Gedanken auf, als er hinter sich Schritte hört. Er kann sich denken, wer das ist, denn die Wachen bleiben weiter weg stehen und beobachten ihn nur, solang er nichts dummes tut.
Ohne Worte stellt sich Rayyan neben ihn. Uio schielt unauffällig zu ihm rüber und meint ein Lächeln zu erkennen. Der junge Hexer kann nicht Lächeln… schon lange nicht mehr! Er schluckt nervös und knibbelt am Holz der Reling herum.
„Was…was passiert jetzt mit mir?“, fragt er direkt ohne Umschweife.
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Rayyan

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5

Monday, October 1st 2012, 7:18pm

“Nichts. Wir sind fertig. Du kannst gehen wohin du willst.“ Du hast nicht einmal die Hälfte von dem verstanden, was ich dir erzählt habe, aber das kann unmöglich mein Problem sein. Uio hatte die kompletten drei Siebentage ausgesessen und sich widerwillig – und zermürbt – seinem Schicksal gebeugt. Viele Tage hatte er an Deck verbracht, mehr festgebunden in seiner kleinen, dunklen Kammer, aber letzendlich war er doch bereit gewesen seine Lauscherchen zu spitzen und wenigsten den Anschein zu machen, als würde er zuhören. Theoretisch kann er die Hexergesetze rückwärts buchstabieren, sämtliche Talente und dazugehörigen Berufungen aufzählen, weiss das das Hohe Magische Gericht keine Immerländische Küchenkreation ist und hat ein ziemlich genaues Bild vor Augen, auf welchen Wegen sich seine Kräfte schulen liessen, wenn er denn wollte. Eine Entscheidung hat er bislang aber noch nicht gefällt, sein Schweigen lässt lediglich vermuten, dass er im Grunde genommen keine Ahnung hat, was er mit sich und seiner magischen Zukunft anfangen soll. Rayyan kann sich noch genau erinnern, wie er damals als zwölfjährige Strassenratte von einem Sucher mit Gesetzen, Regeln und lebenswichtigen Entscheidungen überhäuft worden war – und wie er sich zugunsten eines Lebens an Táhirihs Seite gegen eine Ausbildung zum gelehrten Magiekundigen entschieden hatte. Diese Entscheidung hatte er mit soviel Rationalität gefällt, wie es einem unwissenden Gossenjungen von zwölf Sommern möglich gewesen war. Also gar keiner.
Kurz löst Rayyan den Blick von Uio und lässt ihn über das Wasser gleiten, bis zu dem kleinen Hafen, der sich wie ein Ertrinkender an das steile Ufer klammert. Er ist nicht mit dem talyrischen oder sogar sûrmerischen Hafen, die vor Handelswaren, Koggen, Galleonen, Karavellen und Ruderbötchen nur so überquellen, zu vergleichen. Die Schiffe, die vor Anker liegen, kann man an einer Hand abzählen und nur eines davon hat mehr als ein Segel. Dahinter lungern ein halbes Dutzend schlohweisser Fischerhäuschen zwischen mächtigen Kalsteinfelsen, nur verbunden durch eine einzelne, schmale Strasse, die sich am Ende in einem erdenen Serpentinenweg zwischen dunklen, altersmächtigen Tannen und nebelverhangenen Fichten verliert. Unweigerlich folgen Rayyans Augen dem unsichtbaren Pfad bis zu der Arkana hinauf, die wie ein bleicher Wächter majestätisch über ihren Köpfen auf einer Klippe in himmelsgleicher Höhe tront. Goldene Spitzen, schneeweisse Mauern, hundert Türmchen und noch viel mehr winzig kleine Fenster verleihen ihr ein zugleich ehernes, wie zartes Erscheinungsbild.
„Oder...“ Hört er sich selber sagen: „du kommst mit mir.“ Was?! Fragt sein Verstand und auch Uios sieht ihn an, als habe er nicht mehr alle Kamele im Stall. Habe ich auch nicht. Kein Einziges. Einen Moment lang erwägt er sein Angebot zurückzuziehen, verwirft den Gedanken aber im gleichen Atemzug. Er ist nicht so weit gekommen, um an Uios kindischer Uneinsichtigkeit zu scheitern. Sechzehn Monde. Soll ich sechzehn Monde umsonst in diesem Scheissloch gehaust haben?
Rayyan tritt einen Schritt näher, beugt sich leicht nach vorne und stützt sich mit den Unterarmen auf die Reling. „Ich reise weiter nach Norden. Immerfrost. Dort hole ich Nathanael aus dem Gefängnis ab. Du kannst mitkommen, aber...“ Bevor der dumme Bursche auf noch dümmere Ideen kommen kann, warnt Rayyan ihn mit einem knappen Seitenblick scharf: „Nenn ihn ein _einziges_ Mal Meister, Uio, und Nathanael wird den Rest seines Lebens auf Nirmonar verbringen. Mit dir.“

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Uio

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6

Tuesday, October 2nd 2012, 10:20am

>“Nichts. Wir sind fertig. Du kannst gehen wohin du willst.“<, kommt prompt eine Antwort aus dem Mund des Magiers und Uio kann nicht anders, als ihn mit einem skeptischen Blick und hochgezogener Augenbraue anzuschauen. Der verschissene Magier hat sie wohl nicht mehr alle!, schießt es ihm durch den Kopf, sagt aber besser nichts und schaut wieder aufs Wasser. Erst entführt mich der Scheißkerl, zwingt mich dazu mir diese Gesetze, nein oh Verzeihung Euer Hochwürden, die wichtigen Magiegesetze des Hohen Rates hoch und runter anzuhören und daaaann lässt er mich am Arsch der Welt stehen, lächelt selbstgefällig und denkt, er tut mir einen Gefallen? Rattendreck, ich weiß weder wo Sorbonn liegt noch sonst was…was ich jetzt tun soll. Uio gibt es nicht zu und würde das auch niemals sagen, aber er würde wohl lieber bei diesem Magier bleiben, als allein in einer Fremden Stadt auf die Straße gesetzt zu werden. Er mag in vielen Dingen unerfahren sein…aber so dumm ist er nicht, dass er denkt, er kommt hier allein zurecht. Und…Talyra? Ist es eine gute Idee dahin zurück zu kehren? Was ist mit Keeshar? Uio weiss nicht, was Rayyan dem pockennarbigen Mann erzählt hat und hat auch nicht nachgefragt. Aber egal, was er erzählt hat, er glaubt nicht, dass sein Boss ihn nach dieser ganzen Hexergeschichte so einfach wieder aufnimmt. Also wo soll er hin? Wer nimmt ihn auf? Gibt ihn Arbeit? Was für Arbeit? Uio versteht was von Geschäften, die in Talyra und anderswo nicht gern gesehen sind und ihn schneller wieder an die Kette bringen, als ihm lieb wäre. Und was ist mit Zoe? Ja, wegen ihr würde er zurück. Er vermisst das Feemädchen sehr und hat nicht nur einmal die letzten 3 Siebentage an sie gedacht und mehrere Tränen vergossen. Aber sie steht unter der Fuchtel von der bleichen Nargenschlampe und die würde Uio sofort, egal was anhängen, dafür sorgen, dass er hinter Schloss und Riegel kommt, wenn sie ihn auch nur in der Nähe der Fee vermutet. Alles keine gute Aussichten! Und das ist nicht sein einziges Problem. Hexer, Magier, Zauberer… Uio seufzt und streicht sich mit der gesunden Hand durch die Haare. Diese ganze Sache, die ihm Rayyan versucht hat zu erklären, ihn AUFZUKLÄREN…wie er es nannte, schwirrt zwischen all dem Andern in seinem Kopf herum und bringt ihn auch nicht weiter. Uio fühlt sich randvoll mit irgendwelchen Informationen, um die er nicht gebeten hat und ist bodenlos leer, wenn es darum geht auch nur eine einfache Entscheidung zu treffen. Die Entscheidung, welchen Weg er gehen soll.
Woher soll ich das wissen, Magier, hn? Woher…


Rayyan bringt Uio ein zweites Mal zu erstaunen, als er dann plötzlich näher an ihn heran tritt und ihm anbietet bei ihm zu bleiben und schließlich das „eigentliche“ Ziel der Reise preisgibt.
Nathan?... Bei allen schmierigen Gassen der Unterstadt. Das ist es also! Das hatte er die ganze Zeit vor…deshalb hat er mich hierher geschleppt. Nicht NUR diese Gesetzesfolter …nein… das hast du echt gut geplant, Magier…mich meinem Meister vorführen, der in diesem Kerker vor sich hinvegetierte.
Ein weiteres Gefühl zwischen der ganzen Ungewissheit, voll sein, leer sein, Unsicherheit, Herzschmerz nach Zoe, schleicht sich seit langem wieder in Uio ein…Schuldgefühle wegen Nathanael. Lang hat er gebraucht dieses Gefühl niederzuringen, es jedoch nie ganz geschafft. Und jetzt kricht es langsam und schmiergig hoch. Am liebsten würde er ein paar deftige Schimpfwörter oder spitze Bemerkungen in die Richtung des Magiers loslassen. Stattdessen holt er noch mal tief Luft und fixiert eines der Gebäude am Hafen.
Beruhig dich …beruhig dich!, redet er sich ein.
Aber Rayyan ist noch nicht fertig und setzt einen eindringlichen Nachsatz an, bei dem er Uio mit einem eindeutigen Seitenblick bedenkt: >„Nenn ihn ein _einziges_ Mal Meister, Uio, und Nathanael wird den Rest seines Lebens auf Nirmonar verbringen. Mit dir.“< Die Drohung sitzt! Uio hält augenblicklich die Luft an und bemerkt erst ein paar Herzschläge später, das er aufgehört hat in die Landschaft zu schauen und stattdessen Rayyan entsetzt anstarrt. „Und jetzt sagst du mir noch…dass ich DICH wohl Meister nennen muss was?“, rutscht es ihm herausfordernd heraus. Schon im selben Moment als er diese Worte Rayyan entgegen schleudert, bereut er es und ahnt, dass der Magier ihn dafür zur Rechenschaft ziehen wird. Sein Mund ist urplötzlich staubtrocken und er weicht dem Blick des Magiers ruckartig aus. „Nein, ich mein… Ja! Ich…hab schon verstanden, Magier! Ich komm mit!“, setzt er schnell nach und hoff das Rayyan, das als Entschuldigung oder Einsicht genügt.
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Rayyan

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7

Saturday, October 6th 2012, 2:53pm

Rayyan hat glücklicherweise keine Ahnung, was unter diesem wirren, rotbraunen Schopf vor sich geht, weil er sonst nämlich laut gelacht hätte. Uio, der mächtige Hexerlehrling und windige Strassenbengel hat keine Ahnung, wohin er gehen soll. Es scheint ein richtiges Wunder, dass er in der Unterstadt, wo niemand soviel wie einen verächtlichen Blick für seinen abgebissenen Zeigefinger übrig hat, nicht sang- und klanglos untergegangen ist.
„Und jetzt sagst du mir noch…dass ich DICH wohl Meister nennen muss was?“ Uios Mundwerk ist so lose wie ein völlig durchrostetes Scharnier und ist ein immerwiederkehrendes Hindernis in Sachen höflicher Konversation. Früher wäre er für eine dergleiche Antwort unter Deck gewandert, aber das Ufer ist nur noch wenige Hundertschritt entfernt und die Strafe daher nutzlos. Wie weit mag es noch sein. Dreihundert Schritt? Vierhundert? Abschätzend sieht Rayyan vom Schiff zum Ufer und vom Ufer zum Schiff. „Nein, ich mein… Ja! Ich…hab schon verstanden, Magier! Ich komm mit!“ "Kannst du schwimmen?" Erwidert Rayyan scheinbar zusammenhanglos, ohne irgendwie näher auf den kindischen Ausbruch einzugehen. Als Uio ganz angeborener Argwohn den Kopf schüttelt, nimmt Rayyan den Blick von der azurblauen Wasseroberfläche, die im fahlen Morgenlicht glänzt wie poliertes Silber, und meint trocken: "Zu dumm. Dann eben schrubben, anstatt schwimmen." Sorbonn hat fünf Stockwerke, über zweihundert Zimmer, drei grosse Säle, davon einer ausgelegt mit nahezu unerschwinglichem und auf Hochglanz poliertem Ebenholz, und mehr als zwanzig Treppen, der Junge wird bis zu ihrem Aufbruch in zwei Siebentage genug Arbeit haben.
"Was das 'Meister' betrifft." Skeptisch forscht Rayyan in Uios Gesicht nach einem Beweis dafür, dass der Junge sich dumm stellt, findet aber nichts ausser unschuldiger Unwissenheit. Woher soll er es auch wissen. Hast du es ihm erklärt? Nein. Xinahoa hat ganz genau gewusst, warum sie dir nicht die Manahand anvertraut hat. "Du solltest mich nicht Meister nennen, Uio, sondern Meister Lleyal oder Meister Rayyan. Ich bin nicht DEIN Meister. Ich bin EIN Meister. Meister ist die gebräuchliche Anrede für einen gelehrten Magiekundigen egal welchen Ranges. Wärst du mein Schüler, dann würdest du mich mit ‚Lehrmeister‘ oder einfach nur ‚Lehrer‘ anreden. Unter den Hexern allerdings ist ‚Meister‘ der Lehrertitel. Da ein Hexer aber kein Lehrmeister werden kann, weil er das Talent nicht besitzt, und es ihm beim Codex Magica verboten ist ein Lehrer zu sein, sollte er auch den Titel nicht tragen. Tut er es trotzdem, gesteht er damit ein, andere Hexer auszubilden, und dafür kann er zur zur Rechenschaft gezogen werden. Ausserdem hast du mich bislang noch kein einziges Mal mit Meister angesprochen und ich habe dich noch nicht im Ildorel ersäuft, also steck dir deinen unsinnigen Trotz dahin, wo die Sonne nicht scheint und führ dich nicht auf wie ein sechsjähriger Rotzlümmelzayyiz-ziftjetztbrauchichwaszutrinken."

Ruckartig stösst Rayyan sich von der Reling ab, überquert das Deck mit ein paar grossen Schritten und informiert den Kapitän, dass der Hexerjunge nicht mit der Nordstern nach Talyra zurückkehren würde. Narson zwirbelt die Spitzen seines Schnurbarts, wie er es immer tut, wenn er über etwas nachdenkt und mustert Uio währenddessen aus trüben, grauen Augen von den dreckigen Stiefeln bis zu der verbissenen Miene. „Das wird eine lange Reise.“ Brummelt er und schiebt seinen Kiefer von links nach rechts. „Eine sehr lange Reise.“ Pflichtet Rayyan ihm ausdruckslos bei und als sich ihre Blicke treffen, glaubt er für den Bruchteil einer Sekunde so etwas wie spöttelndes Mitgefühl in den grauen Augen seines Gegenübers zu erkennen. Hmpf. Es fehlt nur noch, dass er ihm irgendwelche väterlichen Ratschläge mit auf den Weg gibt. Um Dergleichen vorzubeugen klärt Rayyan mit ihm, was mit ihrem wenigen Gepäck geschehen soll, wie lange die Nordstern vor Sorbonn vor Anker liegen wird und wann sie in Richtung Talyra aufbricht. „Wir bleiben nicht länger als nötig. Spätestens morgen früh mit der Flut sind wir fort. Wenn ihr es euch also anders überlegen wollt, solltet ihr euch beeilen.“ Das Angebot klingt ungemein verlockend und er würde sich eine Menge Nerven sparen, den Jungen einfach stante pede wieder zurück nach Talyra zu schicken. Und bei meiner eigenen Rückkehr liegt Talyra in Schutt und Asche. Oder ich darf in ein paar Monden gleich zwei Hexer in den Norden schicken. Ajwa. Mit einem knappen Nicken gibt er zu verstehen, dass er verstanden hat. Der Kapitän bellt ein paar Befehle und vier Matrosen klettern flink wie Affen über die mit Webeleinen verbundenen Jungfern und Taljereeps in das Gewirr aus Tauen, Leinen und Spieren der Takelage hinauf, um die Segel einzuholen, derweil ein halbes Dutzend andere an Deck strömen, um unterarmdicke Trosse für die Vertäuung der Karavelle bereit zu legen. Auf der Kaizunge, die sich weit bis auf den See hinaus zieht, hat sich inzwischen eine kleine Traube Schaulustiger gebildet, darunter auch ein Mann, dessen Bart, der sein Gesicht rahmt wie eine überdimensionaler Wattebausch, und dessen knorrige O-Beine ihn selbst auf diese Distanz unverwechselbar machen. Meister Pépin, besser bekannt als Nymphentraum, ist Hafenmeister von Sorbonn, ein Zauberer des Elements Wasser und ein Seemann der alten Schule, um dessen Seefahrerzeit sich allerlei Geschichten und Gerüchte ranken. Das meiste davon ist Schiemannsgarn, von den ansässigen Waschweibern, von denen es in einer so grossen Institution wie der Sorbonn wahrlich nur so wimmelt, bis zur Unkenntlichkeit verdreht, verzerrt und verbogen. In der Waschküche wird er als grosser Held der Seeschlacht von Schwarzwasser gefeiert, wo er im Alleingang eine ganze Flotte blutrünstiger Piraten geschlagen haben soll. Unter den ältesten Bediensteten heisst es, er habe vor mehreren hundert Jahren seine Seele im Tausch gegen ein ewiges Leben an einen Wasserdämon verkauft und seither sei es ihm unmöglich, sich weiter als fünfzig Schritt vom Ufer zu entfernen. Unter den Händlern, die hin und wieder anlegen, um Sorbonn mit Vorräten zu versorgen, munkelt man sogar, er sei der Sohn von Karkaros Blutherz, dem Kapitän der Unseligen, der zusammen mit seiner Mannschaft vor mehr als tausend Jahren von Amurs Archon Aranur verflucht wurde, für immer und ewig über die vier Weltmeere zu schippern, das Land ständig in Sichtweite und gleichzeitig unerreichbar weit weg.

In Sorbonn ist er als Hafenmeister vor allem dafür zuständig neue Schiffe sicher in den Hafen zu lotsen und bei Nacht über die Warnfeuer an den Klippen zu wachen, die Bücher zu führen und Warentransporte zu verwalten. Zusätzlich erleichtert er das Anlegen normalerweise mit einem simplen Zauber, doch da sie zusätzlich zu ein paar Fässern Wein, eingelegten Eiern und ein zwei Dutzend Säcken Korn auch Rashan mit sich führen, wird er seine arkanen Kräfte nicht einsetzen können.
Um den Mann und auch die Umstehenden, wovon bestimmt der eine oder andere ebenfalls etwas mit arkaner Magie am Hut hat (sei es nun ein Zauberer, ein Magier oder einfach nur ein Magiebegabter), vor dem Rashan zu warnen, tritt Rayyan an den Bug, formt mit den Händen einen Trichter vor seinem Mund und ruft laut: „Fǣrashan!“ Eines von fünf Worten des Arkanum, das nicht ausschliesslich für die Zauberei verwendet wird. Nur einen Moment später ziehen sich zwei Frauen und ein sommerblondes Mädchen bis an den Fuss des Piers zurück, wo sie tuschelnd ihre Köpfe zusammen stecken und neugierig ihre Hälse recken. Meister Pépin verbleibt. Als hartgesottener Seebär lässt er sich nur und ausschliesslich von irgendwelchen mysteriösen Monstern aus der Tiefe oder vielleicht einem ausgewachsenen Carrachan aus der Ruhe bringen, aber bestimmt nicht von ein bisschen Rashan. Trotzdem scheucht er auch den Rest der Schaulustigen ein Stück zurück, denn kein Magier, der im Besitz all seiner Sinne ist, trägt ohne Grund Rashan bei sich, das weiss der dümmste Lehrling. Noch bevor wir beim Tor angekommen sind, wird die hinterletze Besenmagd von Uio gehört haben. Wie auch in Narnia und Hólar, leben auch in Sorbonn eine handvoll Hexer, denen man mit dem gleichen Respekt und der gleichen Akzeptanz begegnet, wie einem gelehrten Magiekundigen, aber ein neuer Wildmagier ist und bleibt eine kleine Sensation. Die Lehrlinge werden an ihm kleben, wie Senfpflaster. Das unschöne Ende ist abzusehen. Uios ungezügeltes Temperament und seine Unfähigkeit seine Kräfte zu kontrollieren in einem Raum mit einem halben Hundert naseweiser und _ungeheuer_ neugieriger Möchtegernmagier ist in ungefähr so, als würde man einen Drachen in Nark’am Dror aussetzen. Ich muss ihn irgendwie von dem ganzen Trubel abschirmen.

Wie er das anstellen will, ist ihm schleierhaft, aber vorerst sollte es reichen den Jungen im Tanzenden Zauberer in Sorb, dem wahrscheinlich wundersamsten und magischsten Dörfchen der ganzen Immerlande, das all jenen ein Zuhause bietet, die nicht in der Arkana leben, unterzubringen. Nur noch wenige Schritt trennen die Nordstern von der Anlegestelle und Trosse werden über die Reling geworfen, um dort von drei Männern vertaut zu werden. Sekhelrin für Sekhelrin kriecht die Karavelle vorwärts und noch bevor sie mit einem kleinen Ruck zum Halt kommt, wird eine Planke, die vom Deck zum Pier hinab führt, hinausgeschoben und Rayyan winkt Uio zu sich. „Wir gehen ins Dorf und dort...“ Ein Hauch von Magie lässt seine Nackenhaare zu Berge stehen und er will sich gerade umsehen, wo sie herkommt, als ein starker Windstoss ihn einfach von Füssen und Planke gleichermassen fegt. Unsanft schlägt er auf dem Pier auf, rollt zur Seite und über den Rand, von wo aus er mit einem lauten PLATSCH im Wasser landet. Als Kind der Wüste hat er es nie für nötig empfunden das Schwimmen zu lernen (eine genug grosse Menge an Wasser aufzutreiben, ohne sich gleich vom Blutfluss mitreissen lassen zu wollen oder sich in eines der Badehäuser zu stehlen, war so eine Sache gewesen) und erst in Narnia, deren Mauern dummerweise direkt an einem grossen und stellenweise ungemein tiefen See endeten, und wo die armen Neulinge während der ersten Siebentage zu einem nächtlichen Bad genötigt wurden, hatte er sich zumindest (im Geheimen) das Hundepaddeln beibringen lassen. Genau das rettet ihn jetzt davor jämmerlich zu ersaufen. Planschend, fluchend, prustend und spuckend kämpft er sich irgendwie erst an die Oberfläche und von dort bis zum nächsten Pfeiler. Helfende Hände werden ihm entgegen gestreckt und er ergreift wahllos die Erstbeste. Andere langen nach seiner Weste und seinem Hemd und zu viert hieven sie ihn so weit aus dem Wasser, dass er sich selbstständig auf dem Rand des Piers abstützen und die Beine nachziehen kann. Schwankend und tropfend kommt er auf die Füsse und wäre beinahe sofort wieder im Wasser gelandet, als ein gerade mal etwas mehr als fünf Fuss grosser Wirbelsturm in einem Rausch aus hauchfeinem, himmelblauem Linnen, mitternachtsblauer Feenseide und schwarzem Haar keifend und Gift zwischend durch die Menge fährt und eine schlanke Hand mit einem lauten Knall mitten in seinem Gesicht platziert.

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8

Sunday, October 7th 2012, 1:32am

In den letzen Tagen war es endlich besser geworden am Ostufer des Ildorels. Wind ist aufgekommen und es ist das erste was Táhirih bemerkt als sie am Morgen wach wird. Das Rascheln der Blätter am Baum vor ihrem Fenster, der feine kühle Luftzug auf ihrer Wange und zum ersten Mal seit Langem stiehlt sich ein Lächeln auf ihr Gesicht. Wind würde die Rückkehr der Schiffe in den Hafen bedeuten und damit endlich ihre Möglichkeit zur Flucht. Danach würde sie keiner mehr so einfach finden können. Und ich kann endlich nach Rayyan suchen. Ihre Stirn legt sich ganz automatisch vor Sorge in Falten, doch schnell entspannt die Azurianerin ihr Gesicht wieder, schließlich kann sie keine hässlichen Runzeln auf ihrem hübschen Gesicht brauchen. Die Vorfreude treibt sie an diesem Morgen etwas schneller voran bei ihrer Routine an Cremen, Pudern, Kohlestift um ihre Augen und der Auswahl eines wunderschönen Sarees aus türkiser und smaragdgrüner Seide. Beim Hinausrauschen sieht sie noch wie der Wirt versucht sich hinter einer Ecke zu verstecken als er Táhirih sieht, aber an diesem wundervollen windigen Tag hat sie keinerlei Beschwerden vorzutragen, noch nicht.

Am Hafen angelangt bremst sie ihren Laufschritt jäh ein. Nichts. Kein einziges neues Schiff liegt im Hafen vor Anker. „Du, Halt!“ ohne den Blick vom Pier abzuwenden greift sie zur Seite und fasst einen jungen Seemann mit verheißungsvollen Segelohren am Ärmel und zieht ihn zu sich heran. „Wo sind die Schiffe?“ Der Junge, denn mehr ist er eigentlich nicht, zuckt erschrocken zusammen unter ihrem Tonfall. „Welche Sch..sch…Schiffe?“ bringt er stotternd hervor. „Alle Schiffe, irgendein Schiff. Es war Flaute, aber die ist vorbei, also die Schiffe die endlich im Hafen einlaufen sollten du Einfallspinsel!“ Mit großen runden Augen sieht er sie an, stottert ein Aber und wird von einer äußerst ungeduldigen Geste Táhirihs angetrieben. „Der Wind kam erst heute Nacht auf, die Schiffe sind noch nicht da, das wird noch dauern. Keiner weiß wo sie genau liegen geblieben sind!“ Mit einem wütenden Schnauben lässt Táhirih den Ärmel des Jungen los, streicht ihre eigene Kleidung glatt und beginnt stattdessen wieder ihren üblichen Marsch über den Hafen. Auf und ab, hin und her, die Augen immer auf den Horizont gerichtet in der Hoffnung endlich weiße Segel zu erblicken. Nach einer schier endlosen Zeit allerdings, Táhirih hat sich längst mit schmerzenden Füßen auf irgendeiner Holzbank nieder gelassen, sieht sie es aber doch. Erst glaubt sie, ihre müden Augen würden ihr schon einen Streich spielen und so blinzelt sie erst und kneift dann die Augen zusammen um besser sehen zu können. Aber da ist es, das erste Schiff nach einer halben Ewigkeit und erleichtert dankt sie Vendis und – zur Sicherheit auch Amur – für dieses Geschenk.

Fertig angelegt vor Anker liegt das Schiff dann aber erst Stunden später und tatsächlich kommt es gerade aus Talyra zurück. Es herrscht ein ziemlicher Trubel für so einen kleinen Hafen, aber alle helfen mit das Schiff, das einzige mit mehr als einem Segel hier, von seiner Fracht zu befreien. In dem Gewühl fällt es Táhirih nicht leicht den Kapitän des Schiffes aufzutreiben und als sie ihn endlich gefunden hat, will er sich erst keine Zeit für sie nehmen. Doch Táhirih wäre nicht Táhirih wenn sie einfach so locker lassen würde und so geht sie im Laufschritt neben dem Mann - der überraschend schnell ist für jemanden der ein Holzbein sein eigen nennt - her und spricht unentwegt auf ihn ein, bis er völlig entnervt stehen bleibt und fragt was beim Dunklen sie eigentlich von ihm möchte.
„Euer Schiff, werter Herr!“ sofort als sie ihren Willen bekommt ist Táhirih freundlich und lächelt dem Kapitän zu. „Ich möchte auf euer Schiff wenn ihr wieder ausfahrt!“ Noch immer zeigt der Mann keine Regung, nur sein buschiger weißer Schnurrbart zuckt einmal ganz kurz, dann setzt er sich wieder mit einem stetigen pochen seines Holzbeines in Bewegung. „Dann komm in drei bis vier Siebentagen wieder, eher fährt die alte Lady nicht wieder aus!“ Entsetzt vergisst Táhirih erst neben ihm her zu laufen und steht wie festgenagelt auf den alten Holzplanken des Piers. Schließlich dämmert ihr was der Mann gerade gesagt hat und erschrocken beginnt sie laut und heftig zu protestieren.
„Hör zu Kindchen“, knurrt der Alte und spuckt ihr dabei einen kleinen Rest Kautabak auf ihren Seidensaree den Táhirih äußerst angeekelt mit der Fingerspitze davon schnippt. „Das Schiff fährt in einem Mond wieder aus und wenn du jetzt nicht die Klappe hältst, bist du dann auch nicht dabei!“ Das ist sein letztes Wort, eindeutig und damit lässt er die eingeschnappte Südländerin einfach so stehen ohne sich auch nur ein weiteres Mal nach ihr umzudrehen.

Am nächsten Tag wählt Táhirih besonders sorgsam ihre Kleidung aus, nimmt etwas mehr Schmuck als die letzten Tage, bürstet ihr langes schwarzes Haar bis es wie glänzende lackschwarze Seide über ihre Schultern hängt. Sie würde noch einmal mit dem Kapitän sprechen und diesmal würde sie ihn überzeugen, mit etwas finanzieller Hilfe wenn es sein muss. Niemand sagt nein zu Táhirih Roya Sher Nava’i.
Am Hafen angekommen, findet sie aber anstatt des Kapitäns etwas ganz anderes, nämlich ein weiteres Schiff dessen Crew gerade den Anker auswirft. „Woher kommt das Schiff?!“ fragt sie den nächstbesten Mann der gerade vorbei kommt um beim Anlegen zu helfen. „Talyra!“ Wie auch schon am Vortag sind eine ganze Menge an Leuten zugegen und Táhirih wundert sich ein klein wenig darüber wie in einer Hafenstadt die Ankunft jedes Schiffes eine solche Attraktion sein kann. Meister Pépin, den sie in den letzten Tagen schon einige Besuche abgestattet hat in der Hoffnung etwas über den Plan der ankommenden und ausfahrenden Schiffe zu erfahren, scheucht gerade eine Gruppe Schaulustiger hinter sich ein Stück vom Schiff fort.
So ruhig wie möglich beobachtet sie wie eine Planke zwischen Schiff und Ufer hochgezogen wird und versucht sofort auszumachen wer hier wohl die richtige Ansprechperson für ihr Anliegen ist. Doch anstatt eines weiteren bärbeißigen Seemannes, steht dort gerade ein hochgewachsener Mann an der Reling. Einen Fuß auf der Planke, bereit nach längerer Zeit die ersten Schritte an Land zu tun. Auf seinem Kopf liegt nur ein Schatten seiner einst halblangen dunklen Haare, aber dafür ziehen sich schwarze Tätowierungen über seinen Hinterkopf und er wirkt irgendwie verändert. Hagerer vielleicht, blasser auf jeden Fall aber gleichzeitig irgendwie düsterer. Aber er ist es, da besteht kein Zweifel. Im ersten Moment schlägt Táhirih die Hand vor den Mund und ihre Augen und ihr Herz gehen ihr fast über vor lauter Freude und Erleichterung, aber im nächsten Augenblick steigt auch der Ärger in ihr hoch. Er ist also die ganze Zeit hier gewesen? Es geht ihm blendend, bis auf die geistige Verwirrung, die die einzige Erklärung für die scheußliche Tätowierung ist, abgesehen. Aber kein Wort von ihm, in all der Zeit? Ohne viel darüber nach zu denken, setzen sich ihre Füße und auch ihre Hände wie von selbst in Bewegung. Ihr ganzer Fokus liegt einzig und allein auf dem Mann der da gerade das Schiff verlässt und sie legt all die Sorge, den Schmerz und die Aufregung der letzten Zeit in ihren Zauber als sie ihn mit einem heftigen Windstoß einfach von der Planke fegt.

„Mann über Board!“ ruft sofort jemand aufgeregt als Rayyan prustend und strampelnd im Ildorel versinkt. Von allen Seiten greifen Hände nach ihm, helfen zusammen ihn triefend und nach Luft ringend an die Oberfläche und schließlich über den Rand des Piers zu ziehen. Vor Wut schnaubend kämpft sie sich durch die aufgeregte Menschenmenge, schiebt wesentlich schwerere und breitere Männer einfach zur Seite. „Du Bastard, du elender Hurensohn!“ flucht sie gar nicht damenhaft und bedenkt dabei auch nicht wie recht sie mit dieser Feststellung eigentlich hat, bis sie zu Rayyan durchgedrungen ist und bevor er überhaupt noch weiß was ihm eigentlich blüht, knallt sie ihm ihre flache Hand mit Schwung ins Gesicht.
„Was fällt dir ein einfach so zu verschwinden?“ Die Haut ihrer rechten Hand brennt noch von der Ohrfeige die sie ihm verpasst hat und so holt sie einfach mit der Linken aus um ihm noch eine zweite zu versetzen, aber die hat Rayyan offensichtlich in seiner langjährigen Táhiriherfahrung kommen sehen und fängt ihre Hand einfach mit seiner ab, ehe sie seine Wange berühren kann. Statt dessen trifft ihn noch einmal ihre Rechte, zur Faust geballt auf seiner Brust. Sie entzieht ihm ihre Hand mit einem Ruck aber anstatt zu einem weiteren Schlag anzusetzen, fällt sie ihm um den Hals und drückt ihn fest an sich. „Du Mistkerl!“ flüstert sie dabei, aber jeder Blinde könnte sehen wie froh sie ist ihren besten Freund wieder zu sehen. Sie drückt ihm fast die Luft ab, was bei einem so großen Mann gar nicht so einfach ist, ehe sie sich abrupt wieder von ihm löst. „Gut das reicht, du bist ganz schön nass!“ Etwas angeekelt rümpft Táhirih ihr Näschen und zupft an ihrem nun ebenfalls etwas feuchten Saree sodass er nicht zu ungebührlich an ihrer Haut klebt. "Erzähl mir lieber was passiert ist, was machst du hier?" Mit bohrendem Blick starrt sie ihm in die Augen und sieht wieder was ihr vorher schon auf den ersten Blick aufgefallen ist. Dunkle Schatten liegen als Zeugen der schweren Zeit die er hinter sich gebracht hat auf seinem Gesicht. Sofort wird Táhirihs eigener Blick wieder etwas sanfter, wenn sie sich auch nicht vor allen den Leuten einen weiteren Gefühlsausbruch erlaubt.
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9

Tuesday, October 9th 2012, 9:51pm

“Was ich hier tue?” Er könnte nicht fassungsloser klingen, wenn Shenra höchstpersönlich auf Roha herabgestiegen wäre, um ihn zu einem Becher Ayran einzuladen. Sie sieht aus wie Táhirih, sie fühlt sich an wie Táhirih, sie definitiv klingt wie Táhirih, aber sie kann nicht Táhirih sein, denn Táhirih sollte sich über tausend Tauschenschritt entfernt in irgendeinem Palast aus weissem Harcharmarmor auf einem mit Daunenfedern gepolsterten und mit golddurchwirkter Seide abgenähtem Diwan räkeln, an süssen Feigen und saftigen Trauben knabbern und die armen Bediensteten mit unsinnigen Befehlen in den Wahnsinn treiben. Stattdessen steht sie vor ihm. Im Hafen von Sorb. Ein Fleisch gewordener Traum aus obsidianglänzendem Haar, ozeanblauen Augen, olivdunkler Haut und einem Mund, so schön, so sündig und so arrogant, dass ein Lächeln reicht, um einen Mann an seinem Verstand (und seiner Treue obendrein) zweifeln zu lassen. Seine Finger schliessen sich wie Schraubstöcke um ihre Oberarme. Ein Teil von ihm will sie fest an sich ziehen, bis sie ihm aus Protest ihre blau bemalten Zehen gegen die Schienbeine hämmert, ein anderer will sie schütteln und und sie anbrüllen, bis ihr die Knochen klappern und sie wieder zu Sinnen kommt. „Was“, wiederholt er und seine Zähne knirschen bei jedem Buchstaben: „Hast.Du.Hier.Zu.Suchen?“ Mit einem Blick in die Runde vergewissert er sich, dass ihr Vater nicht bereits mit erhobenem Shamshir mit hochrotem Kopf wutschnaubend auf ihn zustürmt. Aber von dem beleibten Emir von Nazret ist weit und breit nichts zu sehen und der eiserne Knoten in Rayyans Brust lockert sich immerhin soweit, dass er wieder halbwegs anständig atmen kann. Wenn er uns zusammen sieht, dann bringt er mich um, hackt mir meine Eier ab und verfüttert den Rest an die Knochennager, und das Ganze nicht in dieser Reihenfolge. Du dämliches Miststück! Dann werden seine Augen wenn möglich noch dunkler, denn auch der letzte Teil von Mir Ali Sher Nava´is Drohung driftet nun an aus einem tiefen, schwarzen Loch an die Oberfläche und ruft ganz andere Gefühle ausser halbherziger Verzweiflung und unterschwelliger Wut wach. Fest, fast schon brutal, schliessen sich seine Finger um ihren Oberarm und mit einem leisen Ratschen geht ihr Ärmel aus gesponnenen Goldfäden zum Namenlosen, als er sie hinter sich her über den Pier schleift, ungeachtet ihrer gekeiften Proteste und ihren nutzlosen Versuchen ihn mit ihren Samtsandalen in die Hacken zu treten. Ohne sich umzudrehen brüllt er laut genug, damit man es bis Sorbonn hört: „UIO!

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10

Tuesday, October 9th 2012, 10:34pm

Schwimmen kann er nicht, nein. Woher, von wem soll er das gelernt haben? Wasser ist Uio ein Graus. Schon immer hat er nicht besonders viel für das Element übrig gehabt. Kaum einer scherte sich darum das er sich Waschen sollte, im Gegenteil es war von Vorteil wenn man dreckig und verlaust aussah, zu betteln! Schwimmen brauchte er nicht können. Kalter nasser regen ist unangenehm und kann von einer kleinen Erkältung zum Tod führen wenn man nicht aufpasst. Das einzige wozu Wasser gut ist, und in solchen Situationen musste auch schon eine dreckige Pfütze herhalten, ist seinen Durst wenigstens ein wenig zu stillen wenn man an nichts anderes heran kommt. Uio seufzt innerlich bei dem Gedanken. Wer hätte gedacht, dass er einmal mit einem Schiff fahren würde? Ein Schiff weit weg von Talyra und der gewohnten Umgebung ,der Unterstadt, in der er sich sicher fühlt. Schwäche... Er fühlt sich unsicher.
Besonders da er kein Kind mehr ist, dass mit seinen Augen, dem zerzausten Aussehen und einer erlogenen Gesichte, die meistens nur zur Hälfte erlogen waren, die meisten Erwachsenen erweichen und um den Finger wickeln kann. Das ist lange vorbei. Die Fantasien und Traumwelten die er sich ausmahlte, völliger Blödsinn. Hätte Keeshar ihn nicht gefunden wäre er jetzt vermutlich schon zerfressen von Würmern und keiner würde sich für ihn interessieren. Und die meisten interessieren sich nur für ihn weil er dieses Mana hat.
Die Anspielung auf das schwimmen und Schrubben überhört er während er darüber nachdenkt, dass sich einiges mit dem Ausbruch seiner Fähigkeit geändert hat. Er wollte und war niemals ein Anführer gewesen. Er wäre nie auf die Idee gekommen sich mit einem der anderen Jungs anzulegen denn diese waren meist größer, stärker oder hatten einen großen straken hinter sich stehen. Er hielt sich zurück, im Hintergrund, im Schatten! Wegrennen….verstecken…warten. Er war schnell, flink und kannte verstecke die sonst keiner kannte und passte. Dann brach das erste Feuer aus … das Mana hatte lange in ihm geruht und kam gleich mit solch einer Wucht an die Oberfläche, dass er es nicht bändigen konnte noch verstand, was da mit ihm geschah. Angst, Panik, Verzweiflung und Unsicherheit drehte sich dann als er erkannte, dass er es als Druckmittel und Waffe einsetzen kann.
Wenn das Rayyan wüsste. Ich habe die Jungen erst aus Angst dann mit voller Absicht verbrannt. Und die Töhle, ich hoffe er ist daran krepiert, ja dieses Vieh, was immer es ist. Ich wollte das. Und würde es wieder tun! Drecksvieh!
Auch wenn er es manchmal, so redet er es sich ein, nicht unter Kontrolle hat, so spielte er den anderen was vor und drohe auch damit! Wäre dieses Rachan nicht auf dem Schiff, hätte er in blinder Wut seinen Hass an Rayyan und weitere unschuldige ausgelassen.

>"Was das 'Meister' betrifft,“ < beginnt Rayyan mit einer Erklärung über die korrekten Anreden. Uio hebt den Kopf und schaut den Magier an. > „Du solltest mich nicht Meister nennen, Uio, sondern Meister Lleyal oder Meister Rayyan. Ich bin nicht DEIN Meister. Ich bin EIN Meister.“<
hm…also habe ich keinen Meister mehr.
>„ Meister ist die gebräuchliche Anrede für einen gelehrten Magiekundigen egal welchen Ranges. Wärst du mein Schüler, dann würdest du mich mit ‚Lehrmeister‘ oder einfach nur ‚Lehrer‘ anreden.“ <
hmm… aha…
>„Unter den Hexern allerdings ist ‚Meister‘ der Lehrertitel. Da ein Hexer aber kein Lehrmeister werden kann, weil er das Talent nicht besitzt, und es ihm beim Codex Magica verboten ist ein Lehrer zu sein, sollte er auch den Titel nicht tragen. Tut er es trotzdem, gesteht er damit ein, andere Hexer auszubilden, und dafür kann er zur Rechenschaft gezogen werden.“<
Ja, deswegen sollte ich Nathan auch nie in der Öffentlichkeit so nennen. Scheiße, verdammt…Nathan. Wenn er wüsste, wo ich die letzten Jahre gewesen bin…es würde ihm nicht gefallen!
Nathan hatte immer viel Wert darauf gelegt, dass er seine Magie unter Kontrolle bringt und keine Diebereien oder anderes Illegales macht. > „ Ausserdem hast du mich bislang noch kein einziges Mal mit Meister angesprochen und ich habe dich noch nicht im Ildorel ersäuft, also steck dir deinen unsinnigen Trotz dahin, wo die Sonne nicht scheint und führ dich nicht auf wie ein sechsjähriger …“<
Sechsjähriger? Wäre ich Sechs wäre ich nicht hier!

Uio sagt kein Wort, zu schwer werden seine Schultern aufgrund der Last, die er sich selbst mehr und mehr auferlegt. Rayyan hingegen stößt sich locker und leicht von der Rehling ab und überlässt Uio seinen Gedanken.
Schuld. Schuld daran, dass sein Meister, nein Hexer dürfen nicht ausbilden und Meister genannt werden, dass Nathan, der Hexer 2 Jahre seines Lebens eingesperrt wurde. Und das nur weil er sich um ihn gekümmert hat, ihn beschützen wollte. Und ein schlechtes Gewissen, sich nicht an seine Vorgaben gehalten zu haben. Sein ehemaliger Schüler hatte sich an das, was er ihm beibringen wollte, nicht gehalten. Seine Prinzipien mit Füßen getreten. Plötzlich hat er das Gefühl, das alles falsch läuft und gelaufen ist. Hat er wirklich gesagt, dass er mitkommt? Dass er nicht zurück nach Talyra will? Uio wird schlecht und er weiß nicht, ob es wegen dem Rashan oder der Tatsache ist, dass es sich anfühlt als ziehe jemand den Boden unter den Füßen weg. Er schluckt schwer. Fremde Stadt, Fremde Menschen…na und?… kocht es trotzig aus Unsicherheit hoch. Vielleicht hau ich einfach ab, jetzt! Er ist beschäftigt und ich…komm schon zurecht. Sein Herz klopft plötzlich wie wild als er sich umsieht und hinter sich die beiden Blaumäntel erblickt, die ihn ausdruckslos anschauen. So einfach geht das wohl nicht. Er dreht sich wieder zurück und starrt auf die Wasseroberfläche. Ich könnte… beginnt er, an eine Rückkehr nach Talyra zu denken. …zurück …und…Zoe…Kali …verdammt! Nathan…
Vor seinen Augen läuft eine Situation ab…nein, mehrere Situationen. Das Feuer bei Gero, Das Feuer bei Aurian, das Zusammentreffen am Strand…in all den Situationen und vielen kleinen mehr, ist er einfach davon gelaufen. Weglaufen, sich verstecken aus Angst erwischt zu werden! Feigling hatten ihn schon früher einige andere Kinder aus der Unterstadt genannt. Aber diese Überlebensstrategie hat ihn weiter gebracht wie manch anderen, die schon lang nicht mehr unter ihnen weilen. Früher…
Weglaufen, verstecken, warten! Sollte dies wieder oder weiterhin sein Weg sein?

Seufzend schaut er sich noch einmal auf dem Deck um. Als sein Blick Rayyan streift winkt dieser ihn zu sich. Uio setzt sich langsam in Bewegung. Der Magier beginnt grade einen Satz, als Uio noch einige Schritte entfernt ist und wird das wie von Geisterhand hoch und über Bord geschleudert. Was …was bei allen neun Höllen ist denn jetzt? Uio blickt sich verwirrt um und geht zurück an die Rehling. Kurz überlegt er ob er ihm helfen könnte, doch andere sind schneller. Tzzz…jetzt gehst wohl du schwimmen was `Meister Rayyan` denkt er grinsend und beobachtet still die Situation. Lachen wäre jetzt wohl unpassend. Aber er muss zugeben das der Magier da im Wasser unfreiwillig komisch und sehr unbeholfen aussieht, vermutlich genau wie er… wäre er im Wasser gelandet. Also grinst er frech und unterdrück sein gelächter. Fix sind einige Leute zur Stelle und versuchen den um sich schlagenden Paddler aus dem Wasser zu ziehen. Aber nicht nur sie. Auch eine Frau steht da. Sie ist bestimmt eine Magierin…ob sie… , denkt er neugierig und betrachtet die Frau kritisch. Diese macht im Gegensatz zu den Anderen keine Anstalten ihm zu helfen. Stattdessen wird er von ihr erst geohrfeigt und schließlich umarmt. Bei letzterem hebt sich unbewusst Uios linke Augenbraue. Er weiß nicht warum, aber diese Abfolge und Körperhaltung erinnert ihn an eine Person, an die er jetzt in diesem Zusammenhang nicht denken möchte.

Mit verzogenem Mundwinkel, argwöhnisch schauend, atmet er tief durch, wendet seinen Blick von Rayyan und dieser Frau ab und betrachtet die Umgebung. Erst jetzt bemerkt er die kleine Menschenmenge, die sich etwas entfernt eingefunden hat. Sie tuscheln aufgeregt miteinander und betrachten neugierig das Schiff und ihre Passagiere. Uio beginnt zu begreifen, dass er es ist, er der Hexer, weshalb dort Leute stehen. Wenn ich kein Zugriff auf mein Mana hab…so haben die Magier hier es bestimmt auch nicht…deshalb der Abstand?! , schlussfolgert er, lächelt etwas verschmitzt. Plötzlich schallt laut sein Name über den beschaulichen Hafen. Uio zuckt unweigerlich etwas zusammen, legt einen mürrischen Gesichtsausdruck auf und sucht den Blick des Magiers. Klasse Magier, jetzt weiß auch noch jeder wie ich heiße…. Rayyan aber zieht Tahirih mit sich und würdigt Uio keines Blickes. Also macht sich Uio auf den Weg, mit gelegentlichen Blicken über die Schulter, ob seine Schatten, die Blaumäntel, ihm wie immer folgen.
Wegrennen….verstecken…warten?, geht es ihm durch den Kopf und er fasst eine Entscheidung.
UNKRAUT VERGEHT NICHT!

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11

Friday, October 12th 2012, 6:02pm

Seine Begrüßung ist nicht so herzlich wie Táhirih sich das vorgestellt hat. Im Gegenteil, seine schaufelgroßen Hände schließen sich um ihre Oberarme als wollte er sie ihr vom Rumpf abtrennen. >Was ich hier tue? Was.Hast.Du.Hier.Zu.Suchen?< Seine ohnehin dunklen Augen sind sogar noch finsterer vor lauter Zorn, sein Blick und sein Griff so kalt und hart wie Drachenstahl als er ihr die Worte entgegen knurrt. Sein gesamter Kiefer ist so angespannt, dass ihm die Sehnen und Adern am Hals hervor treten und für eine klitzekleine Schrecksekunde ist Táhirih zu perplex um sich gegen die Rüde Behandlung zu wehren. Seine Hände krallen sich sogar noch fester um ihren Arm – wobei Táhirih nicht gedacht hätte, dass das überhaupt noch möglich wäre – als er >UIO!< brüllt, sie mit einem Ruck weiter zieht und zu allem Überdruss auch noch ihr Kleid zerreißt.

Zwei Schritte später hat Táhirih sich wieder gefangen. Mit aller Kraft stemmt sie beide Beine wie ein störrisches Muli in den Boden und geht keinen Schritt mehr weiter. Sie will ihm eiskalten Wind entgegen schlagen lassen, oder ihm Sand in die Augen treiben oder ihn am besten gleich noch einmal in den Ildorel verfrachten, aber als sie ihr Mana zu einem Zauber konzentrieren möchte wird ihr einfach nur schwarz vor Augen und ansonsten geschieht nichts. „Was..“ Rashan… verwirrt blickt Táhirih sich um und registriert zum ersten Mal den Jungen, der mit trotziger Miene hinter Rayyan vom Schiff geschlichen ist. Versucht ihm in seine edelsten azurianischen Juwelen zu treten, entscheidet sich Táhirih statt dessen mit ihrem geringen - aber effektiven - Kampfgewicht gezielt auf Rayyans Füße zu steigen. Er lockert seine Umklammerung so gut wie gar nicht, aber doch genug für Táhirih sich endgültig los zu reißen und ein paar Schritte von ihm weg zu machen. „Mistkerl! Was ich hier suche? Was glaubst du denn, verdammt noch mal? Dich!“ Bei der Erinnerung daran wie sie sich die letzten Monate um ihn gesorgt hat und zugegebener Weise auch um sich selbst, beginnt der Ärger in ihr noch weiter aufzubrodeln. „Wo warst du die letzten paar Monde? Hast du gedacht es würde mir nicht auffallen wenn du einfach so verschwindest?“ Den Teil mit ihrer Zwangsheirat mit dem jüngsten Sohn des Emirs der Rhazakene lässt sie lieber aus. Seit jeher hat Rayyan Angst vor ihrem Vater gehabt und nicht ganz zu unrecht. Schon von frühester Kindheit an hat Mir Ali Sher Nava’i versucht seine Tochter von diesem Straßenbengel fern zu halten. Doch alle Verbote an Táhirih und auch die Tatsache, dass er Rayyans Vater bezahlt hat den Jungen für dessen Magierausbildung weit weg nach Narnia zu schicken, während Táhirih selbst in den windigen Höhen von Hólar weilt, nichts davon hatte sie auseinander bringen können. Wenn Táhirih von irgendeiner Art Drohung an Rayyan gewusst hätte, sie wäre längst aus den Fängen ihres Vaters entflohen. Sie würde keine Erpressung ihrer Freunde in irgendeiner Form zu lassen, genauso wenig wie sie sich einfach Verheiraten lassen würde. Besser Rayyan weiß davon erst einmal nichts, er ist wütend genug, warum auch immer…
Noch immer ist Táhirih völlig unklar warum ihr alter Freund so seltsam auf ihre Begegnung reagiert. Bei ihrer letzten Begegnung vor über einem Zwölfmond war noch alles in bester Ordnung gewesen. Sie hatten sich versprochen sich bald wieder zu sehen und stattdessen ist Rayyan einfach spurlos verschwunden. Bei der Erinnerung an ihren Abschied macht sie noch einen weiteren Schritt von Rayyan weg. Wie ein ungezogenes kleines Kind hat er sie hier am Hafen begrüßt, als hätte sie sich irgendetwas ihm gegenüber zu Schulden kommen lassen. Die Verwirrung steht ihr, mit all ihrem zusätzlichen Zorn eindeutig ins Gesicht geschrieben. Mit der linken Hand hält sie sich den schmerzenden Arm und den zerfetzten Stoff ihres Sarees der ihr sonst von den Schultern gerutscht wäre.
„Also was machst du hier? Wer ist der Bengel ? Und warum bei den neun Höllen ist hier überall Rashan?“
Noch einmal fällt ihr Blick auf den jungen Mann der jetzt neben ihnen steht und erst jetzt bemerkt sie auch die Blaumäntel rings um sie. "Was beim Dunklen geht hier vor sich?!"
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12

Tuesday, October 16th 2012, 10:09pm

Zwei Schritt weiter rammt Táhirih die Sohlen ihrer Seidenpantoffeln zwischen die Ritzen der Holzplanken und zwingt ihn anzuhalten, will er ihr nicht die Schulter auskugeln. Zornig fährt er zu ihr herum, ein Grollen in der Kehle, wie das warnende Knurren eines schweren, wütenden Hundes, da rinnt ein feines Prickeln unter seinen Fingerkuppen hindurch und er sieht wie die Farbe aus Táhiris Gesicht flieht. „N...“ ...icht. Will er sagen, aber es ist zu spät und sie wäre wahrscheinlich gestolpert oder sogar gefallen, würde er sie nicht immer noch festhalten. Hastig schiebt er einen Arm um ihre Taille, zieht sie nach vorne, damit sie sich an ihn lehnen kann, bis der Schwindel vorbeigezogen ist, und lockert seinen schraubstockartigen Griff. Ein Fehler, den Táhirih ohne auch nur einmal zu Blinzeln ausnutzt, kaum ist sie wieder halbwegs zu sich gekommen. Wie ein kleines Rehkitz hüpft sie ihm auf die Zehen und reisst sich los, ehe er sich fassen, loslachen, oder noch zorniger werden kann. Sicherheitshalber (und sie tut gut daran) schafft sie gleich mehrere Schritt Abstand, rafft mit zwei Händen ihren Sari vor der Brust und funkelt ihn dann unter langen, seidenen Wimpern hervor mit einem Blick an, den er nur zu gut kennt. „Mistkerl!“ Faucht sie und hätte sie gekonnt, hätte sie ihm ihre sorgfältig bemalten Nägel ins Gesicht gekrallt, so wie sie es schon ein paar Mal versucht (und getan) hat. „Was ich hier suche? Was glaubst du denn, verdammt noch mal? Dich!“ Ihre Stimme schlägt Purzelbäume vor lauter rechtschaffener Empörung, und ein kleiner, gut behüteter Teil seines Herzens glüht bei ihren Worten warm wie ein Stein in der Spätsommersonne. Narr! Grimmig verzieht er den Mund, bis nur noch ein harter Strich übrig ist, und verdrängt das Gefühl entschieden. Es gibt keinen Grund sich über ihr Hiersein zu freuen. Keinen. Nicht einen einzigen! Lügner.

Táhirih indes scheint sich nicht entscheiden zu können, ob sie lieber verwirrt, verärgert oder gekränkt sein möchte und entscheidet sich der Einfachheit halber für alles zusammen. „Wo warst du die letzten paar Monde? Hast du gedacht es würde mir nicht auffallen wenn du einfach so verschwindest?“ Will sie wissen und ohne nachzudenken (in seinem Verstand herrscht eine unangenehme, rote Leere) blafft er zurück: „Hätte ich gewollt, dass du weisst, wohin ich gehe, hätte ich es dir gesagt.“ Er bereut die Antwort, noch bevor er sie zu Ende gesprochen hat. Sie zuckt zurück, als hätte er sie geohrfeigt. Erst einen Schritt, dann noch einen zweiten, verunsichert und zaghaft, ein lautloses ‚Warum‘ auf den zitternden Lippen. Das Uio genau in diesem Moment zu ihnen aufholt, verkompliziert die Situation nur, denn als Táhirih den jungen Hexer erblickt, verengen sich ihre Augen zu Schlitzen und er kann es hinter dieser hübschen, cofeabraunen Stirn rattern sehen. Natürlich hat sie keine Ahnung, warum er sie am liebsten in ihren eigenen Sari einwickeln und per Botenrabenschwarm im Eilflug zu ihrem Vater zurückschicken möchte, und wenn er ihr mit einem ‚Zu deinem eigenen Besten‘ käme, würde sie höchstwahrscheinlich lediglich skeptisch eine ihrer fein säuberlich gezupften Augenbrauen in die Höhe ziehen und ihn belehren, dass sie selber sehr viel besser wisse, was das Beste für sie sei. Aber es ihr sagen... Vergiss es, Freund. Schaff sie einfach so schnell wie möglich in ihr Wunderland aus Seide, Diamanten und Sklaven zurück, bevor du sie... Als er erkennt, wohin seine Gedanken sich verabschieden, stockt ihm der Atem und das Herz gleich mit .... wirklich nicht mehr gehen lässt. Es ist falsch. Falsch. Falsch. Falsch. Dummerweise fühlt es sich durch und durch gut und richtig an. Du wolltest sie damals schon nicht zurück lassen. Am liebsten hättest du dem Drecksack einfach seine goldzahnige Fresse poliert und ihm gesagt, wohin er sich seine Drohungen stecken kann. Das und mehr hatte ihm damals in den Fingern gejuckt, aber er hatte dem Drang Mir Ali Sher Nava’i auszulachen und ihm anschliessend ein paar besagter Goldzähne zu klauen nicht nachgegeben. Weil er Angst gehabt hatte um Táhirih. Die jetzt vor dir steht. Sieh es ein. Die Kamelkacke ist am Dampfen und du stehst bis zum Arsch drin. Geräuschvoll lässt er die Luft zwischen zusammengebissenen Zähnen entweichen, während Táhirihs Blick von Uio zu den Blaumänteln zum Schiff und wieder zu ihm zurück schweift. „Also was machst du hier? Wer ist der Bengel ? Und warum bei den neun Höllen ist hier überall Rashan? Was beim Dunklen geht hier vor sich?!"

Drei der Blaumäntel, sowie der Kapitän haben das Schiff verlassen und stehen auf zwei Armlängen Abstand hinter Uio und Táhirih. Ywei von ihnen haben eine Hand locker über den Knauf ihres Schwertes gelegt, bereit blankes Eisen zu ziehen, sollte die Situation sich als nicht ganz so harmlos erweisen, wie bislang angenommen. Auf ihren Gesichtern liegt allerdings nicht nur der Ausdruck entspannter Wachsamkeit, sondern auch ein Hauch von Belustigung und als Norsen sich erkundigt, ob alles in Ordnung sei, tut er das mit funkelnden Augen und einem dünnlippigen Lächeln, gut versteckt unter seinem Schnurrbart. Erst jetzt fällt Rayyan auf, wieviele Leute eine Hand vor den Mund gehoben haben, um ein verhaltenes Lächeln oder ein leises Kichern zu verschleiern, und ihm wird klar, dass Táhirih ihn vor versammelter Mannschaft lächerlich gemacht hat (und wenn Meister Pépin bei Händlern, Waschweibern und den Alten gleichermassen für etwas bekannt ist, dann seine Erzähllust). Irgendwie, und er hat keine Ahnung woher er die Beherrschung nimmt, bringt er ein halbwegs erkennbares Kopfnicken für Norsen zustande, dann weist er Táhirih mit ausgestrecktem Arm den Weg zum Dorf. „Lauf.“ Knurrt er und seine Stimme lässt keinen Zweifel daran, dass er sie wenn nötig an den Haaren bis Sorb zerrt. Rayyan wartet, bis sie sich ganz langsam in Bewegung setzt (nicht ohne vorher noch einmal pikiert ihr feines Näschen zu rümpfen) und Uio ebenfalls an ihm vorbei gegangen ist, bevor er den beiden folgt, bei jedem Schritt eine kleine Pfütze zurücklassend.

Das Gasthaus Zum tanzenden Zauberer hat Wände, ein Dach, eine Tür und sogar eine von Klimmauf und violetten Rosen überwuchertes Hoftor und schafft es trotzdem keinerlei Ähnlichkeit mit einem Haus aufzuweisen. Es sieht aus, als hätte ein Kind Klötze aus Stein, buntem Holz und Stroh zu einem himmelhohen Turm aufeinander gestapelt und ihn dann einstürzen lassen. Das Gebäude, und mit dieser Bezeichnung lehnt man sich bereits weit aus dem Fenster, hat ein halbes Dutzend Türmchen, alle schief und unterschiedlich hoch, viele Fenster, überall dort, wo man sie nicht erwartet, Regenrinnen, die kreuz und quer über die Fassade laufen, und mehr Ecken und Nischen, als die Arkana zu Serathie, die ausschliesslich aus Ecken und Nischen besteht. Ein Teil des Dachs wurde mit Stroh abgedeckt, ein anderer mit rotgebrannten Schindeln gedeckt und dazwischen findet man Flecken aus dicken Reetmatten und Büscheln aus Moos und Gras (und verborgen dazwischen liegt eine Kuppel aus buntem Glas, weiss Rayyan). Genauso vielfältig präsentieren sich die Mauern. Von goldenem Wüstenstein, über dunkelgrauem Schiefer, einer altersdunklen Holzverkleidung bis hin zu einzelnen Quadern aus weiss getünchtem Flussstein findet man alles, was das Baumeisterherz begehrt.
Das Innere empfängt den perplexen Besucher mit der überschwänglichen Heimlichkeit von mindestens zwei Dutzend verschiedener Kulturen und stellt sich als sehr viel grösser heraus, als man von Aussen annehmen möchte. Der Schankraum hat beinahe die gleichen Ausmasse wie der Hauptraum der Goldenen Harfe in Talyra und ist überraschenderweise fast genauso gut besucht, obwohl das Dörfchen Sorb selber von nicht mehr als ein paar tausend Seelen bewohnt wird und ein Grossteil der Dörfler ihr Leben als einfache Bauern, Schmiede, Händler, Kräuterfrauen, Kürschner, Gerber, Bäcker, Gänsemagd und was es sonst noch alles braucht, um eine kleine, friedliche Gemeinschaft wie die ihre am Leben zu erhalten, durchbringt. Was man stattdessen vorfindet sind nicht nur Vertreter nahezu aller immerländischen Rassen (Rayyan muss einem Kobold, scheeläugig und mit Haaren wie einem blauroten Quacha, Arm in Arm mit einem Y’oda, dessen ledrige Eselsohren seitlich aus seiner Kapuze herauslugen, ausweichen), sondern auch die exotischsten Varianten der vielen verschiedenen Menschenvölkern.

Sogar die Luft, die ihnen aus dem Inneren entgegen schlägt, als Rayyan die Tür öffnet, ist dick durchtränkt mit Gerüchen, wie man sie in dieser Kombination wahrscheinlich nur an wenigen anderen Orten findet. Hier schmeicheln sich süsse Mandelmilch und warmer Met, wetteifern Roter aus Azurien und Weisser aus Ardun um die Kundschaft, wird scharfer Hamadat mit der gleichen Häufigkeit ausgeschenkt wie Feenfeuer und es beissen sich Verder Dunkel und Valkeanischer Kvassi auf dem gleichen Tisch. Einige Gäste heben flüchtig den Blick, oder drehen sich kurz zu ihnen um, die meisten aber lassen sich nicht in was auch immer sie gerade tun unterbrechen. Rayyan versucht die allgemeine Erheiterung, die bei seinem Anblick aufkommt, zu ignorieren und arbeitet sich zielstrebig bis zum Tresen vor. Das er in seiner tropfenden Gewandung, seinem kahlrasierten Schädel und seinen schwarzen Tattowierungen keinerlei Aufmerksamkeit auf sich zieht, ist der lebende Beweis, dass der Tanzende Zauberer nicht umsonst Klein-Talyra genannt wird. Hier trifft sich alles von überall und sogar so manch grosser Name hat hier schon eine Nacht residiert.
An der Wand hinter dem Tresen hängt dann auch ein Schild, auf welchem in verblichenen Farben das Wappen von Cobrin dem Priesterkönig prangt und direkt daneben der zersplitterte Zauberstab von Murquart dem Allmächtigen, dem Erfinder des Blitz-Zaubers. Und direkt davor steht eine junge Frau mit kastanienroten Locken, bernsteingoldenen Katzenaugen, olivdunkler Haut, einer ganz leichten Knubbelnase und, wenn man genau hinsieht, zarten Spitzen an ihren Ohren, die er noch nie zuvor hier gesehen hat. Allerdings dauert es einen Moment, bevor Rayyan die ungewöhnliche Kombination auffällt, da sie genau in dem Moment, wo er den Arm hebt, um durch den Lärm hindurch auf sich aufmerksam zu machen, lachend den Kopf in den Nacken wirft und ihre praller Vorbau sich rund und weich und schweisslgänzend aus ihrem Mieder streckt. Definitiv neu hier.

„Kann ich euch... behiflich sein?“ Die Frage kommt zusammen mit einem verführerischen Augenaufschlag und Rayyan überlegt kurzzeitig einfach beide seiner Anhängsel im Ildorel zu ersäufen, als ein schmerzhafter Tritt gegen seine Wade ihn wieder in die bittere Realität zurückholt. „Hmpf.“ Er wirft Táhirih einen bösen Blick zu, die allerdings nicht soviel wie mit der Wimper zuckt und demonstrativ ihre Nägel kontrolliert (die noch genauso aussehen, wie am Hafen). Uio steht hinter ihr und obwohl Rayyan das Gesicht des Jungen nicht sehen kann, geht er davon aus, dass er sich gerade die Augen aus dem Kopf starrt. Talyra bietet viel. Der Tanzende Zauberer bietet alles, auch Sachen die einem unerschrockenen Möchtegernschurkenhexer wie Uio noch nicht über den Weg gelaufen sind. „Ajwa, kannst du. Ein Zimmer.“
„Nur eines?“, hakt die elbenblütige Schönheit mit dem umwerfenden Busen nach, und mustert Táhirih mit einem lasziv abschätzigen Blick von der Hüfte bis zum Haar, bevor sie sich ganz dreist versichert: „Ganz sicher?“
„Ja.“ Bestätigt Rayyan genervt, während er Táhirih mit einem Arm hinter sich schiebt, um zu verhindern, dass die beiden Weiber sich am Ende gegenseitig ihre makellosen Gesichter zerkratzen. Ein weiteres seufzerbedingtes Busenheben folgt, dann wird ihm ein kleiner Bronzeschlüssel gereicht und nach seinem Namen gefragt. „Die erste Treppe von links hoch, dann alles gerade aus, bis zum Ende des Ganges. Dort links, dann den nächsten Gang gleich wieder links, die dritte Treppe von rechts hoch, dann links, die erste Treppe rechts wieder runter, noch einmal rechts und dann ist es schon die fünfte Tür auf der linken Seite. Hast du trockene Kleidung, oder soll ich dir einen von Meisterin Miarameles Trockenburschen schicken?“ Wer zum ersten Mal im Tanzenden Zauberer nächtigt, hat seinen Schlaf redlich verdient, denn ersteinmal muss er sein Zimmer finden und die gefühlt vierhundertausend Stufen, die zwischen ihm und seinem Bett liegen überwältigen. Es geht sogar das Gerücht, manch einer sei in diesem Gasthaus schon verloren gegangen und nie wieder gesehen.

Meisterin Miaramele gehört zum Tanzenden Zauberer wie der kleine, rote Gràinnegealach zu seinem grossen, milchhellen Bruder Mòrgealach und ist seit der Eröffnung ihres Sofort-Trocken-Ladens die wahrscheinlich berühmteste (und reichste) Wasserzauberin ganz Rohas. Inzwischen kann man an allen Arkanas, vielen Zauberschulen und auch in ein paar grossen und mittelgrossen Städten die magischen Dienstleistungen ihrer Trockenburschen und Trockenmädchen in Anspruch nehmen. Rayyan nickt lediglich und legt einzusätzlich zu dem Zimmerpreis noch ein paar Kupferstücke aufs Holz, ehe er sich zu Uio umdreht und diesem den Schlüssel zusammen mit einem kleinen Beutel reicht, der verräterisch klimpert. „Dein Zimmer und Münzen fürs Essen. Sei morgen bei Sonnenaufgang am Nordtor.“ Oder auf dem Schiff in Richtung Talyra. „Mach mir keinen Ärger.“ In diesem Moment windet sich auch schon ein schlaksiger Junge durch die Menge und fragt, ob Rayyan hier, oder irgendwo anders ‚getrocknet‘ werden wolle. „Draussen.“
Gesagt, getan. Sie lassen Uio in dem magischen Dampfkessel zurück und etwas abseits des Gasthauses lässt Rayyan sich von dem jungen Lehrling mittels eines einfachen Wasser-Zerstören-Zaubers die Kleidung trocknen. Es dauert zehn Augenblicke und nichts erinner mehr an sein unfreiwilliges Bad im Ildorel, die Feuchtigkeit in seinen Kleidern und die Wassertropfen auf seiner Haut verpuffen zu kleinen, weissen Wölkchen und lösen sich anschliessend in Nichts auf.

Und dann sind sie endlich allein, einmal abgesehen von den vereinzelten Gesichtern, denen sie auf ihrem Weg zur Arkana begegnen. Eine geraume Weile lang liegt verbissenes Schweigen zwischen ihnen, denn keiner ist bereit als Erster nachzugeben, dann, der Pfad hat soeben einen Bogen geschlagen und das Dorf ist ausser Sicht, legt Rayyan, ohne im Schritt inne zu halten, einen Arm um Táhiris schmale Schultern und zieht sie leicht an sich, wie er es früher manchmal getan hat, in den Strassen von Mar’Varis, entweder um sie zu ärgern, oder um sie zu beschützen. Er ist noch immer wütend. Wütend auf Táhirih, auf Uio, auf sich selbst und Mir Ali Sher Nava’i. Vor allem auf Mir Ali Sher Nava’i, der ihn dazu gebracht hat wie ein feiger Hund den Schwanz einzuziehen und seine Familie, seine Freunde und seine Heimat zu verlassen. „Sag endlich etwas.“ Verlangt Táhirih irgendwann ungeduldig, aber unter dem Befehlston schwingt leise Verzweiflung mit, die ihn viel mehr rührt, als er jemals zugeben würde. Genau deswegen bist du wortlos verschwunden. Weil dir der Arsch auf Grundeis gegangen wäre, hätte sie dich in _diesem_ Ton nach dem Grund für deine Abreise gefragt. „Was tust du hier, Ta’ewen?“ Es klingt rau und eisern, als seien seine Stimmbändermit rostigen Nägeln gespickt, und erst als er über den Kosenamen stolpert, der so leicht über seine Lippen kommt, als hätte er ihn nicht vor mehr als zwei Zwölfmonden zum letzten Mal benutzt, wird der harte Ausdruck um seinen Mund für die Dauer eines Herzschlags eine Spur milder. Sein Blick aber bleibt ernst und starr auf den Weg vor ihren Füssen gerichtet. Er kann sie jetzt nicht anschauen, er will sie jetzt nicht anschauen, weil sein Stolz nicht noch mehr Demütigungen an diesem Tag verträgt. Heuchler. Dein Stolz geht dir doch gerade am Arsch vorbei.

Uio

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13

Wednesday, October 24th 2012, 7:39am

Irgendwie hatte er sich den Zielort anders vorgestellt.
Größer, protziger, pompöser.
Einen Ort an dem Magier leben und ihre Überlegenheit gegenüber anderen nicht nur in ihrer Garderobe preisgeben wollen. Stattdessen präsentiert sich Sorb als kleines Dorf, dass wenn Talyra bunt und herrlich schön ist auf Uio kreisch bunt und sich nicht im Geringsten auch nur ansatzweise mit Talyra vergleichen lässt. Was hast du denn erwartet, Dummkopf. Talyra zwei?
Hatte er sich auf dem Schiff Gedanken darum gemacht, dass er sich nicht zurecht finden konnte, muss er jetzt selbst über sich grinsen. Mit neugieriger Skepsis blickt sich der junge Hexer um und schließlich bleiben seine Augen auf der Frau im Sari hängen, die einige Schritte vor ihm geht.
Schicke Kleidung, Schmuckbehangen, gestraffter selbstsicherer Gang, hübsches Gesicht, das sie sicher Stunden am Tag pflegt und die erhobene Nase… Uio betrachtet sie kritisch. Sein erster Eindruck von dieser Frau, die eindeutig eine Magierin ist und gut…nein sehr gut mit Rayyan befreundet zu sein scheint, war nicht der beste. Kali Maya, genannt die bleiche Mage, Nargenschlampe und was Uio ja sonst noch für Beschimpfungen einfallen, drängte sich ihm in den Sinn. Bei dem Gedanken an sie verengen sich Uios Augen zu schlitzen.
Warte ab bis ich zurück bin, Kali, dann wirst DU…dir deine schwarzen Augen aus den Kopf starren. Er verzieht seinen Mundwinkel, versucht den dunklen Schleier von Kalis Gedanken wegzuschieben und widmet sich wieder der Frau vor ihm, dessen Name er nicht mal kennt. Ich will dir ja nichts unterstellen was du vielleicht nicht bist! Jedoch sind erste Eindrücke meist nie gänzlich falsch. Und als Straßenjunge musst du dein Gegenüber schnell einschätzen; sonst ist es mehr als schnell aus. Rayyan hatte er auch von Anfang an richtig eingeschätzt. Magier! Aber es war auch noch etwas anderes, was Uio an dieser Frau aufgefallen war und sich schon bewahrheitete. Sie ist eine Magierin und Uio würde seinen Arsch darauf verwetten, das sie von hohem Stand ist. Vielleicht…, bei dem Gedanken huscht Uio ein Grinsen über die Mundwinkel. …eine hochnäsige Königstocher…oh ja, das würde passen. Das würde sogar zu der bleichen Made passen! Er hat schon einmal eine Frau für eine Prinzessin gehalten oder besser gesagt, es sich vorgestellt. Madame Azra wäre eine, in seine Fantasie, wunderbare großzügige und wundervolle Prinzessin gewesen. Sie hatte ihn fast verhungert aufgelesen. Sein gekonnter mitleidiger Blick und sein Aussehen hatten die gutherzige Frau dazu gebracht, ihm zu helfen. Sie war keine Prinzessin, nur eine Frau mit einem großen Herz für Straßenjungen wie er einer gewesen war.
Mal sehn wer du bist…Prinzesschen Nasehoch!
Uio macht ein paar größere Schritte bis er neben sie geht. „Uio“ ,sagt er dann frei heraus mit dem Blick nach vorn auf den Weg gerichtet. „Mein Name ist Uio, Lady…und nicht Bengel!“ Schälmisch grinsend blickt er neben sich und fragt sich, was nun wohl in ihrem Kopf vorgeht.

Uio braucht eine Weile bis er die Buchstaben zusammengesetzt hat und sie für ihn Sinn ergeben:
Zum taaaanzendeeeeen Zauuuuubereeeer!
Soso, Zauberer tanzen also gern was? Er schüttelt den Kopf und lässt nun seinen Blick über das Gebäude schweifen. Erstaunt hält er kurz inne und seine Augen werden groß. Waaaas…ist…das? War das Dorf schon ein lustig verrücktes treiben an Farben Formen und Menschen so stellt dieses Gasthaus alles was Uio je gesehen hat völlig auf den Kopf. „Heilige Rattenscheiße…“, rutscht es ihm heraus und er vergisst Rayyan und Tahiri für einen Moment. Er braucht eine Weile bis er diese Farb- und Form Kombinationen verarbeiten kann. Das stürzt doch beim nächsten Unwetter ein!, schießt es ihm durch den Kopf und er erinnert sich an das letzte Unwetter in Talyra. Auf ihn wirkt das ganze so, als hätte der verwirrte Erbauer mit einem Material angefangen, um dann festzustellen, dass er doch anderes möchte und so sich dieses zusammen gewürfeltes Haus zusammengefügt hat. Oder, denk Uio und geht weiter hinter Rayyan und Tahiri her, Oder er war einfach die ganze Zeit betrunken, nicht Herr seiner Sinne…oder er hat es absichtlich getan? Er hat einen eigenartigen Sinn für Humor.
Ein erst schier unmöglicher Gedanke, der sich schließlich als er durch die Tür in das Innere des tanzenden Zauberers begibt, mit einem Lächeln und Verständnis einnistet. Uios längst vergessene Fantasie kehrt langsam zurück. Auch hier ist alles, ja alles auf eine angenehme Art und Weise zusammengewürfelt. In Uios Träumen und Vorstellungen, damals als er noch klein war und sich gern in dieser seiner eigenen Welt verkochen hat, hätte es auch solche Gebäude geben können. Sie, seine Gedanken und Traumwelten, waren so abwegig gewesen, dass er niemals gedacht hätte, dass es so etwas wirklich gibt. Kinderkram, Träume…komm zurück in die wahre Welt, in der nicht nur alles bunt und schön ist…oder vielleicht doch? Während Uio so über längst vergessene Träume, Wahrheit und naiven Kinderblödsinn nachdenkt, schaut er sich um. Tahiri steht vor ihm und sie beobachtet Rayyan wie er mit einer recht gut bestückten und attraktiven Frau mit dunkler Haut spricht.
Mit den Worten: >„Dein Zimmer und Münzen fürs Essen. Sei morgen bei Sonnenaufgang am Nordtor. Mach mir keinen Ärger.“<, lässt Rayyan den etwas verwirrt dreischauenden jungen Hexer einfach allein stehen und verschwindet mit Tahiri nach draußen. Nein sicher nicht Magier, warum sollte ICH …DIR ärger machen!, denkt er knurrig mit den Gedanken daran kreisend, was er alles anstellen könnte, um Rayyan hier einen richtig schönen Ruf zu verpassen. Einfach nur weil er es könnte und er tief in seinem inneren dem Magier diese ganze Sache gern Heimzahlen würde. In der einen Hand ein Münzsack in der anderen einen Schlüssel steht er kurz da, schnaubt einmal verächtlich und widmet sich wieder seiner Umgebung. Die Frau mit dem üppigen Vorbau schaut ihn grinsend von oben bis unten an. „Das erste Mal hier was!“, sagt sie dann als Uio näher an die Theke tritt. Er beschließt nur zu nicken und muss sich zusammenreißen, ihr nicht die ganze Zeit auf ihre wirklich großen Brüste zu schauen, die sie gern zu zeigen bereit ist. „Ähm ich …!“, fängt er dann doch an zu stammeln und wird wohl etwas rot, denn die dunkel olivgrünhäutige Dame beginnt breit zu grinsen. „Na dann Willkommen in Sorb! Kann ich was für dich tun?“ Oh, und wie…, und sein versunkener Blick gleitet von ihren Augen hinunter zu dem ausladenden Dekolleté. Dabei wird sein Lächeln breiter und eindeutig, was seine Gedanken betrifft. Nein…Scheiße…Uio! “Ich ähm…nein, ja doch“, er räuspert sich kurz, schaut schnell wieder auf und schmunzelt über sich selbst, „Wo finde ich das Zimmer zu diesem Schlüssel?“

Uio hat es seinem guten Gedächtnis zu verdanken, dass er statt mehreren Stunden, die es gefühlt waren bis er endlich vor seiner Zimmertür stand, nur ein paar für die zahllosen Treppen und Abbiegungen brauchte. Ohne Zweifel war das das seltsamste Haus, in dem er je gewesen ist. Erleichtert seufzt er, als er das Zimmer beritt und hat den Ärger und Unmut, der während der Suche auf Rayyan, der gewiss wusste, das Uio hier lang beschäftigt sein würde bis er das richtige Zimmer gefunden hat, fast vergessen. Aber eben nur fast. Idiot…er hat es genau gewusst, das war Absicht Magier und ich weiß das! Er schiebt die Tür mit dem Fuß zu und geht geradewegs auf das Bett zu. Ein weiterer entspannter Seufzer entfährt ihm, als er sich auf das weiche einladende Bett fallen lässt und einen Moment die Augen schließt. Wie angenehm wäre es, jetzt einfach einzuschlafen und an nichts zu denken? Der nächste Seufzer ist schwerfällig und zeugt davon, dass sich Uios Gedanken wieder und wieder um das Eine drehen, das bevorstehende, das was er sich vorgenommen hat. Es wird nicht einfach sein, es ist ja noch nicht mal einfach darüber nachzudenken, sich die Gegebenheit vorzustellen, wie es sein wird…wenn… Aber ich muss das tun! Ich werde es tun! Auch wenn es bedeutet diesem Magier weiter folgen zu müssen…missmutig verzieht er sein Gesicht. Das Gedankenkarussel kreist, schlägt Loopings und Hacken…leuchtet erst die eine Ecke, dann die nächste aus. Stopp…verdammte Scheiße. Stopp Stopp STOPP! Ruckartig setzt sich Uio auf. Er wird so kein Auge zu tun, keine ruhige Nacht geschweige denn, eine ruhige Minute finden.
„Ich brauche Ablenkung!“
Gesagt getan!
Es dauert seine Zeit bis Uio den Weg zurück in den Schankraum gefunden hat. Ja schon viel besser. Die urige Inneneinrichtung und der zusammengewürfelte Haufen Gäste, die verschiedenen Gerüche, das Gelächter, das Stimmengewirr…ja das alles lenkt ihn ein wenig ab, sich zu viele Gedanken über SICH zu machen. „Da bist du ja wieder, Zimmer nicht gefunden?“, sagt sie neckisch und zwinkert ihm zu. „Doch, ich hab ein gutes Gedächtnis. Ich brauche was zu trinken. Wein! Mir ist egal welcher Hauptsache genug davon! Und…ähm…“ „Und?“ fragt die dunkelhäutige Schönheit ihn lächelnd.

Am nächsten Morgen schiebt sich Uio durch die Gassen des Dorfes und blinzelt dem viel zu hellen Licht entgegen. Am liebsten wäre er noch in dem warmen Bett liegen geblieben, einen Gedanken daran verschwenden, dass SIE vielleicht wieder zurückkommen würde mit einem riesigen Frühstück, das sie auf dem Kopf balanciert und sich dazu unbekleidet im Kreise dreht, bevor sie wieder zu ihm ins Bett kommen würde. Er würde wohl noch lange an diesen wohlgeformten Körper denken, der sich so verbiegen konnte wie es Uio noch nie gesehen hatte. Uio gähnt herzhaft, lächelt noch ein wenig bei dem Gedanken an die letzte Nacht und steuert das Nordtor an. Das Dorf ist nicht groß und sein Standort kein Geheimnis. Ein aufkeimendes schlechtes Gewissen bezüglich eines zarten Wesens mit wudnerschönen Augen, einer Stimme so süß wie Honig, Haut so weich wie das weicheste Bett in dem er je gelegen hat und dem schönsten Namen den ein Feenmädchen je haben könnte...versucht er schnell wegzuwischen. Ein kleiner Schmetterling auf einem Strauch auf seinen Weg versetzt ihm einen kleinen Stich und ein Schuldbewusstes zusammenzucken...ich vermiss dich so Zoe...bevor er sich schnell anderen Gedanken zuwendet und schließlich das Tor in einiger entfernung vor ihm auftaucht. Als er dort ankommt ist Rayyan und Tahirih bereits da. Ein Blick in den Himmel sagt Uio, dass er zu spät ist… Mir doch egal! hat er schnell seine ausmüpfigen Gedanken wieder gefunden.
„Ihr habt doch nicht etwas schon lange auf mich gewartet oder?“, begrüßt er sie flapsig.

Ihr Weg führt sie zur Arkana von Sorbonn. Auch wenn Uios Kopf und Körper an dem Tag vom Alkohol etwas gebeutelt ist, spürt er, dass diesem Ort etwas anderes, wundersames, magisches anhängt. Ja genau so, nein… nicht genau so, sondern viel weniger pompös hatte er sich eine Akademie vorgestellt. Nein, gelogen, Uio hatte sich noch nie eine Akademie vorgestellt. Wie dem auch sei, sie ist gigantisch und unglaublich!
Hier ist Magie allgegenwertig. Schnell spricht sich die Ankunft der kleinen Gruppe herum und wird neugierig beäugt. Rayyan und Tahirih sind hier keine fremden und werden freundlich begrüßt während Uio sich teils neugierig teils gespielt gelangweilt umsieht. Nachdem sie dann entlich ihre Unterkunft gefunden haben, was eindeutig leichter ist als im tanzenden Zauberer, stellt Rayyan klare Regeln für ihren Aufendhalt auf. Er hat ihn mit hier hingenommen und trägt die Verantwortung für ihn, Uio. Ist das mein Problem Hexer? Anscheinend schon...

Allein darf er sich nicht einfach so in dieser Arkana umsehen. Rayyan stellt Uio eine Novizin zur Seite, die ihn nicht aus den Augen lassen soll und fortan überallhin begleitet. Ein Wachhund, na toll. Gemeinsam mit Rayyan muss er Meditationsübungen und andere Entspannungsübungen machen, um sein Mana zu kontrollieren. Das wird ja immer besser…
Doch das ist nicht alles. So eröffnet Rayyan ihm, dass er sämtliche Stufen der Akademie zu wischen, schrubben, säubern hat, als Maßnahme für sein ungehöriges Verhalten. Uio brodelt und beginnt heftig zu protestieren, zu streiten! Eigentlich hat er sich vorgenommen, keinen Stress mehr zu machen, doch da geht es mit ihm durch. Plötzlich vergisst er sein Vorhaben und es Platz aus ihm heraus. Rayyan aber versteht es, den feurigen Ausbrüchen von Uio entgegen zu wirken. Einmal mehr wird dem Magier bewusst wie sehr dieser Junge eine strenge Hand baucht. Uio ist wie seine magische Begabung, einmal ein Funken entzündet, bricht schnell ein Feuer aus.

Hat sich der junge Hexer vorgestellt hier nur kurz zu verweilen, um dann Nathan abzuholen, so wird seine Geduld in den nächsten Tagen während sie in der Akana bleiben, auf eine harte Probe gestellt.
Es spricht sich schnell herum, dass er ein Hexer ist und viele von den Lehrlingen sind neugierig und gehen mehr oder weniger offen auf Uio zu. Einige von ihnen halten sich aber absichtlich zurück und bedenken ihn mit unfreundlichen Blicken. Nichts Ungewöhnliches, findet Uio. Er selbst ist eher zurückhaltend und verschlossen.
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Thursday, October 25th 2012, 7:00pm

Einige Tage nach der Ankunft in Sorbonn

Mürrisch steht er wie schon die vergangenen Tage da, Putzeimer in der einen Büste in der anderen Hand und starrt miesgelaunt auf die Treppen vor ihm. Verfickte Beutelratte! flucht er innerlich, als er wieder an Rayyan denkt, der ihm diese Strafarbeit aufgebrummt hat. Ich sollte einfach…, wut kocht in Uio hoch als ihn eine freundliche Stimme unterbricht und er seinen Blick von der Treppe löst.
„Guten Mogen Uio!“ Zum ersten Mal schaut er sie direkt an und mustert seinen Wachhund von oben bis unten. Ihr langes helles Haar ist zu einem dicken Zopf zusammen gebunden und hängt ihr in einigen Strähnen über die Schulter. Ihre Haut ist blass, nicht so hell und weiß wie die von Madame Azra, aber dennoch sehr hell. „Wie wäre es wenn du heute für mich Schrubbst Lehrling!“, sagt er absichtlich abwertend zu der nicht viel älteren Novizin, die die Aufgabe von Rayyan übertragen bekommen hat, ein Auge auf den jungen Mann zu haben. „Wie oft soll ich dir noch sagen, dass ich einen Namen habe! Du willst auch nicht nur Hexer genannt werden oder?“ Es gibt hübschere Mädchen, welche die ihre Schönheit hervorheben wollen, sich herausputzen. Ja, er hat hier schon einige gesehen. Die Lehrlinge scheinen hier im allgemein mehr auf ihr Äußeres zu geben, als Uio es je getan hat. Sie ebenfalls nicht. „Vielleicht doch!“, sagt er herausfordernd. Uio und sie haben bisher kaum ein Wort gewechselt, nur das nötigste und selbst da war Uio eher abweisend während sie sich um freundlichkeit bemühte. Doch heute scheint der Tag, an dem sowohl Uio, als auch die Novizin das ändern. Meryl hebt ihre linke Augenbraue und schaut ihn abwartend aus ihren strahlend blauen Augen an. „Woher willst du wissen, was ich will, was nicht, wen interessiert das eigentlich, dich? Das ich nicht lache!“, schlägt es ihr unfreundlich entgegen. Uio schnaubt verächtlich, wendet seinen Blick ab und geht auf die Treppen zu. „Ach warte…jetzt kommt der Teil, wo du mir erzählst, was für ein schweres Leben du hattest, oder. Wach auf Uio. Denkst du bist der einzige, der eine schwere Kindheit hatte oder mal ein Hexer war?“ Meryl ist wirklich nicht auf den Mund gefallen. Uio bleibt stehen und stellt den Eimer auf den Boden. „Das verschlägt dir die Sprache Hexer, hn?“ Meryl verschrängt die Arme vor der Brust und betrachtet den aufmüpfigen jungen Mann genau. „Nicht wirklich! Und verschone mich mit deinem Geschwafel, von ich war auch mal Hexer und bin ja so froh, hier zu sein. Du weißt nichts von mir und dem Grund, warum ich hier bin! “
Nun ein Grund wird es sein, da du magisch begabt bist und deinen Weg wäheln musst. Tzzz..., denkt sie und denkt daran wie Meister Rayyan ihr diese Aufgabe zugeteilt hat. Sie war schon etwas stolz darauf ausgesucht worden zu sein, schließlich ist sie die beste ihrer Stufe. Jedoch hat sie sich das ganze nicht ganz so vorgestellt. Und was glaubt dieser Blödmann eigendlich! Sie könnte sich auch etwas Besseres vorstellen, als auf jemanden aufzupassen, der den ganzen Tag muffig drein schaut und wenn er was sagt, sie provozieren will. Und heute ist er bei ihr eindeutig an der richtigen Adresse. Während Uio sich an die Wand lehnt und verächtlich schnaubt, sie immer noch abschätzend von oben bis unten Mustert und dann anfängt leicht zu grinsen, zieht sie die Augenbauen zusammen und geht auf ihn zu. „Jetzt hör mal zu HEXER! Ich habe es satt, dass du mich egal wie oder was ich sage, auch wenn ich gar nichts sage, von dir behandelt zu werden wie ein Stück Rattendreck!“ Bei der Ansprache werden Uios Augen plötzlich größer und schließlich größer als er das Wort Rattendreck hört. Seine Mundwinkel zucken verräterisch nach oben und er setzt an, etwas zu sagen, doch die Novizin schneidet ihm ohne zu zögern, das Wort ab und setzt ihm mit einem schnellen Schritt den Zeigefinger auf die Brust. „Halt den Mund! Komm mir jetzt nicht mit irgendeiner armseligen Gesichte, die du erlebt hast. Ich hab das alles selber durch und kann auch einen voller Selbstbemitleidung kochenden Hexer, der sich in seinem eigenen Dreck suhlt und sich dabei gut vorkommt, gut verzichten. Ich mache hier nur meine Arbeit, also mach du deine!“ Uio spuckt förmlich die Worte aus und schaut der Novizin vor ihm fest in die Augen. „Selbstmitleid? Denkst du ich will Mitleid?! Ich brauche das weder von dir, noch von sonst Jemanden.“ Jetzt ist es Uio, der sich von der Wand löst und näher an die Novizin herantritt, so das sie beginnt ein Stück rückwärts zu gehen. „Ich bin ja nicht der, der 2 Jahre im Kerker sitzen musste, obwohl er unschuldig ist, weil der feine magische Rat die Wahrheit so verdreht, dass natürlich nur DER Hexer Schuld sein kann. Und erzähl mir jetzt nichts von diesem Codex. Ich hab den rauf und runter aufsagen müssen. Ja, es klingt alles rein wie ein geschliffener Stein. Ich könnte kotzen! Nein, ich bin nicht der,der Mitleid baucht, will oder sonst was… ich bin der der schuldig ist!“
Seine Worte hallen in den Gängen wieder. Beide stehen da und schauen sich in die Augen. Uio Augen funkeln aufgeregt und sein Atem geht schnell. Meryls blaue Augen halten seinen Blick stand und sie hat auch nicht vor seinem stechenden funkelnden Blick auszuweichen.
Schritte...
„Na sieh mal einer an, wen haben wir denn da. Die Straßenratte und ihren neuen Freund den Hexer.“, die selbstgefällige Stimme eines bestimmten Magier Lehrlings hallt durch den Gang und wird anschließend von einem Gekicher und Gelächter seiner Freunde begleitet.
„Verzieh dich, sonst verbrennst du dir an mir die Finger!“, knurrt Uio den bestimmt genauso alten Schüler der Arkania an. Seine Augen funkeln böse und feurig den Jungen an, der sich schon die letzten Tage immer mal mehr Mal weniger über ihn lustig gemacht hat. Nur hat er es da nicht richtig mitbekommen, weil er zu sehr in seine Gedanken verstrickt war oder sich zusammengerissen. Aber auch hier scheint heute der Tag zu sein an dem Uio sich das nicht mehr gefallen lassen will und seine vorsätze in den Hintergrund geraten. „Hört euch das an, der Hexer droht mir!“, gibt sein gegenüber arrogant und herablassend wieder, gefolgt von Gelächter seiner Anhängsel. „Kith, geh und ärger kleine Mädchen! Und Uio, du hast noch ne Menge zu tun heute! Lass ihn einfach reden“, versucht Meryl mit ruhigen Worten zu schlichten und stellt sich zwischen die beiden jungen Magiebegabten. "Ja die Treppen wischen! Dort ist es noch nicht richtig sauber, Hexer! Ich könnte mir die Schuhe dreckig machen." wieder Gelächter. Meryl verzieht die Augenbrauen ärgerlich und will weiter auf Kith zugehen, da sie wird von Uio zurückgehalten und zur Seite geschoben. "Mal sehn ob du nur nen großes Maul hast oder auch was dahinter steckt...", faucht Uio gefährlich leise, als er an ihr vorbei geht. Kith und seine Leute kichern immer noch, als Uio mit geballten Fäusten auf den dunkelblonden Schnösel zugeht und ihn bald ereicht hat.
Nein! Nicht!, denkt Meryl und ihre Gedanken beginnen zu rotieren. Nur zu gut weiß sie, dass es gleich ein Chaos geben wird, wenn sie nicht eingreift...oder irgendetwas anderes passiert. Und sie weiß auch, das ganz sicher Uio die Schuld bekommt und sie als seine Aufpasserin. Kith und sein Gefolge von eingebildeten Jungen von reichen Eltern wird sich, wie immer raus winden können.
"Vielleicht sollte ich mit deinem feinen Gewand die Treppe wischen, ich überlege nur gade ob ich dir Zeit zum aussziehen lasse oder dich als Wischer benutze.",faucht Uio Kith entgegen der jetzt aufgehört hat zu lachen und das herannahende übel ahnt. Er grinst fies. "Ja los Hexer zeig uns mal wie gefährlich du bist!", sagt er leise mit einem siegessicheren glitzern in seinen Augen.
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Wednesday, October 31st 2012, 2:55am

Auf ihre vielen Fragen bekommt Táhirih wieder einmal keine einzige Antwort. Ihr wunderbarer, bisher ungetragener Seidensaree ist zerrissen, Rayyans Zehen blau getreten, aber am größten verletzt ist ihrer beider Stolz. Erst der Rayyans durch Táhirihs sehr ungebührliche Begrüßungszeremonie mit Ausflug in den Ildorel und dann Táhirihs, durch die Worte ihres alten Freundes. >Hätte ich gewollt, dass du weisst, wohin ich gehe, hätte ich es dir gesagt.< Seine Antwort trifft sie wie ein Messer zwischen die Rippen. Ärger und Erstaunen darüber wie sehr sie seine Antwort verletzt lässt sie einige Schritte rückwärts gehen. In ihrem Kopf rattern die Gedanken wie ein altes Wagenrad, aber sie kann sich nicht erklären was passiert sein soll. Irgendwas muss sie übersehen, irgendetwas muss passiert sein, er würde sich nicht nach Jahren plötzlich einfach von ihr abwenden. Eines sonnigen Tages in Azurien erwachen und entscheiden ihre Freundschaft zu beenden, das Land zu verlassen und sie nie mehr wieder sehen zu wollen. Nein, er verheimlicht mir etwas!

Die Gewissheit, dass mehr dahinter steckt als Rayyan bis jetzt zugeben möchte ist auch das Einzige was sie relativ protestlos los gehen lässt als er sie anknurrt sie solle los laufen. Das und die Tatsache, dass er sie nötiger Weise auch bis ins Dorf schleifen würde wenn sie nicht freiwillig mit käme. >Mein Name ist Uio, Lady…und nicht Bengel!< überrascht wendet sie ihren Blick zur Seite als der junge Mann sich neben sie schiebt. „Von mir aus…“, schnappt sie, immer noch verärgert über Rayyans Verhalten. Im gleichen Augenblick tut es ihr ein bisschen leid, schließlich kann der Junge hier ihrer Ansicht nach wenig für den Schlamassel und so streckt sie ihm entschuldigend ihre schmale Hand mit den perfekt gefeilten Nägeln hin. „Táhirih!“

Das Gasthaus Zum tänzelnden Zauberer ist das windschiefste, seltsamste Gebäude das Táhirih jemals betreten hat. Es sieht an keinem Sekhel gleich aus wie am nächsten und Táhirih ist sich sicher, dass es nur durch Magie zusammen gehalten werden kann, denn ansonsten hätte es schon vor hundert Jahren in sich zusammen fallen müssen. Sie wird beinahe von einem Faun umgerannt der sie einfach über sehen hat, als sie kurz im Durchgang stehen bleibt und die ganze Situation auf sich wirken lässt. Der jungen Frau die selten aus Azurien und den diversesten Räumen der Magierakademien hinaus gekommen ist hat noch nie in ihrem Leben einen echten Faun gesehen und kurz steht ihr der Mund einen spaltbreit offen als sie ihn anstarrt. Der Faun lächelt nur entschuldigend, nickt ihr freundlich zu und drängt sich dann weiter an ihr vorbei an einen Tisch mit zwei grimmig drein blickenden Zwergen und einem Zentauren der sich auf einem Samtdiwan an den Tisch gelegt hat. Ihre kleine Gruppe ist die perfekte Mischung aus leicht exotischem Äußeren und menschlicher Unauffälligkeit um hier völlig unter zu gehen. Rayyan zieht den Blick einer drallen jungen Frau auf sich, die sofort ihr schwabbelndes Dekolleté vor seine Nase hält und vor lauter Wimpern klimpern den Rauch nicht sieht der derweil aus Táhirihs Nasenlöchern aufsteigen muss. Táhirih findet die Fremde einfach nur billig und ist kurz davor sie zu fragen ob sie vielleicht was im Auge hat weil sie hier so rumblinzelt, tritt aber stattdessen lieber unter dem Tisch gegen Rayyans Schienbein. Der verlangt nach einem einzelnen Zimmer was diese stillose Person wieder dazu veranlasst nach zu fragen ob er sich sicher sei und Táhirih wartet nur darauf, dass die Magd sich gleich auf seinen Schoß wirft und ihn mit ihren gewaltig riesigen Brüsten erstickt.
Rayyan nimmt das Zimmer, lässt sich erklären wo es sich befindet, bestellt dann auch noch einen Trockenburschen und übergibt den Schlüssel an Uio.> Mach mir keinen Ärger< zischt er dem Jungen zu und beordert schon im Laufschritt den Trockenburschen nach draußen. Schnell legt Táhirih Uio die Hand auf die Schulter, sie muss nicht die Empathie eines Elbenblütigen haben um zu spüren, dass der Junge gerade ebenfalls nicht besonders gut auf Rayyan zu sprechen ist. „Lass dich nicht von ihm ärgern, er kann ein Arschloch sein!“ sagt sie noch, wirft dann der üppigen Schlampenmagd noch einen vernichtenden Blick zu und rauscht dann hinter Rayyan hinaus an die frische Luft.

Schweigend gehen sie, nach dem der Trockenbursche seine Arbeit verrichtet hat, in Richtung Arkana den Berg hinauf. Die kleinen Steine auf dem Weg drücken sich schmerzhaft durch die dünnen Sohlen von Táhirihs Schuhen, aber sie versucht sich nichts anmerken zu lassen. Geschwätzigkeit war ja noch nie Rayyans Problem gewesen, aber obwohl sie seine schweigsame Art gewohnt ist, hält sie die Stille kaum aus. „Sag endlich etwas!“ Sie will ihn schütteln und umarmen, schlagen und festhalten gleichzeitig, aber sie traut sich gar nichts davon, unsicher ob der Rayyan der vor ihr steht noch der alte Freund ist den sie so schmerzlich vermisst hat.
> Was tust du hier, Ta’ewen?< Er bleibt stehen, den Blick im Boden vergraben, die Stimme so heiser wie ein Reibeisen. Der alte Kosename lässt sie sofort weich werden wie geschmolzene Butter, die Hoffnung wieder aufkeimend, dass es einen anderen Grund dafür gibt, dass er einfach so verschwunden ist als der, dass er sie nicht mehr sehen wollte. Sie muss kaum sein Kinn anheben als sie ihm beide Hände an die Wangen legt damit er sie ansehen muss, denn wenn er nach unten schaut steht Táhirih ohnehin genau in seinem Blickfeld.
„Das hab ich doch schon gesagt. Du.. Du warst plötzlich fort und ich habe versucht dich zu erreichen. Ich hab mir Sorgen gemacht, verstehst du das nicht?“ Jetzt ist sie es die sich von ihm abwendet, ihr Gesicht kurz unter ihren Händen verborgen aus Angst sie könnte anfangen zu weinen und diese Schwäche ist das Letzte was sie sich gerade leisten möchte. Táhirih ist ohnehin keine Meisterin darin ihre Gefühle zu verbergen und gerade Rayyan hat immer aus ihr gelesen wie aus einem offenen Buch. Das kurze Zucken ihrer Schultern, ihre zusammengebissenen Lippen, die leicht glasigen Augen, ein Wimpernschlag der eine Sekunde länger dauert als normal und sogar ihre verkniffenen Zehen, sie ist sich ganz sicher, dass er alles bemerkt und sie nichts vor ihm verbergen kann. „Aber… warum? Was ist passiert im letzten Jahr? Und wohin bist du unterwegs? Mit all diesen Soldaten… und dem Jungen?“ Gefasster als vorhin strafft sie ihre Schultern, stellt sich gerade hin, das Stupsnäschen erhoben wie es sich gehört und verschränkt die Arme vor der Brust während sie auf seine Erklärung wartet. Für das Geständnis über ihre Zwangshochzeit ist Rayyan mit Sicherheit noch nicht bereit, dazu muss sie erst die Situation abklären und sich anhören was er eigentlich zu sagen hat. Ob er überhaupt etwas sagen würde.
Die Hand an ihrer Schulter ist nicht grob, aber doch hart und unnachgiebig als Rayyan sie wieder zu sich dreht. >Verdammt nochmal, Táhirih, sag mir endlich was du hier zu suchen hast! Du dürftest nicht hier sein. Bei mir. Ist dein Vater sterbenskrank? Tot? Weiss er überhaupt, wo...< Anstatt ihr sein Herz und die lange Geschichte der letzten Zwölfmonde zu erzählen trifft er wie üblich mitten ins Schwarze. Ihn anzulügen hat überhaupt keinen Sinn, er würde es sofort bemerken, hat doch schon längst erkannt, dass er mit seiner Bemerkung goldrichtig liegt. „Du willst also um jeden Preis all deine Antworten, aber ich soll nichts wissen?“ Zornig ballt sie die Hände zu Fäusten und schnaubt ein wütendes Geräusch das klingt wie ein verschnupftes Waldhörnchen. „Ich bin dir keine Rechenschaft schuldig, ich kann mich frei in den gesamten Immerlanden bewegen wie ich möchte. Wohin ich gehe entscheide nur ich, nicht du, nicht mein Vater, ich – ganz alleine. Verstanden?“ Ganz der Schwätzer der er ist, sagt Rayyan einfach gar nichts sondern wartet ihren kleinen Ausbruch einfach mit einer hochgezogenen Augenbraue ab.
„Also gut, mein Vater erfreut sich bester Gesundheit und er weiß nicht so ganz wo ich bin, aber wie gesagt, das geht ihn eigentlich auch nichts an. Aber deswegen sollte ich nicht mehr allzu lange hier bleiben, wenn du verstehst, also wohin geht unsere Reise? Weil es ist mir egal was du sagst, ich gehe nicht zurück und ich lasse dich auch nicht einfach so wieder aus den Augen, auf das du einfach wieder verschwinden kannst und ich die ganze elende Suche neu beginnen kannst, denn ob du es glaubst oder nicht, ich war auf dem Weg nach Talyra, zu dir!“
Cause darling I'm a nightmare dressed like a daydream