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Beruf: Schafzüchter

Wohnort: Glyn-y-Defaid

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1

Donnerstag, 5. Juli 2012, 21:34

Glyn-y-Defaid

Folgt man vom Platz der Händler aus der Großen Südstraße in Richtung Sarthefurt und passiert die Abzweigung nach Nachtschatten, so erreicht man schließlich eine Art Wegkreuzung. Dort, an jener Kreuzung angelangt, folgt man nicht der kleinen Straße zur Alten Sägemühle und zum Pferdehof, sondern schlägt den schmalen Bauernpfad ein, welcher in die genau entgegengesetzte Richtung führt. Auf diesem Weg gelangt man schließlich durchs Larisgrün nach Glyn-y-Defaid, ins Tal der Schafe, welches knapp zwei Wegstunden (= 6 Tausendschritt) von Talyra entfernt liegt.
Hinter einer kleinen Brücke befindet sich eine Toranlage (aus grob behauenem, hellgrauem Stein) auf deren beiden Pilastersäulen je ein brüllender Löwe thront. Hat man die Toranlage durchquert, so gelangt man auf den Hof des Anwesens. In der Mitte dieses gepflasterten Platzes wächst ein uralter Blutbaum, welcher seine Äste schützend über einen tiefen Ziehbrunnen ausgebreitet hat. Diverse Wirtschaftsgebäude, sprich mehrere Stallungen für Groß- und Kleinvieh, Scheunen, ein Schlachthaus samt Räucherkammer, ein Badehaus mit Waschküche, eine kleine Schmiede, ein Taubenschlag sowie mehrere Holzmieten und Mieten für Obst und Gemüse, umgeben den Hof; Herren- und Gesindehaus liegen etwas abseits. Alle Gebäude wurden mit den selben hellgrauen Steinen wie die Toranlage gebaut; die Hausdächer sind mit Schiefer gedeckt.
Ein Obst- und Gemüsegarten sowie ein Färber- und Kräutergarten gehören ebenso zum Anwesen wie ertragreiche Felder und magere Wirtschaftswiesen, Koppeln für Pferde und Rinder, ein Weiher in dem vornehmlich Mondaugen schwimmen und ausreichend Platz für allerlei Klein- und Federvieh. Da die Bewohner von Glyn-y-Defaid allerdings seit jeher von der Schafzucht leben, wird der größte Teil der gut und gerne 12 ½ Königshufe umfassenden Nutzflächen (zusätzlich hinzukommen noch von Aurian de Winter gepachtete Ländereien) jedoch vornehmlich als als Weideland für zwei große Schafherden – Moorschnucken und Schwarznasenschafe – genutzt.


Herrenhaus

Das zweistöckige Herrenhaus von Glyn-y-Defaid besitzt einen mehr oder weniger l-förmigen Grundriss. Es wurde aus den selben dicken, hellgrauen Steinen erbaut wie alle anderen Gebäude auf dem Hof auch und hat ein mit Schiefer gedecktes Dach. Die Eingangstür wird von einem hübschen mit Goldregen überwucherten hölzernen Vorbau geschützt und an den Hauswänden ranken sich Weinreben, die zur Erntezeit stets voller roter und gelber Trauben hängen und deren Blätter sich im Herbst wundervoll bunt färben.

Erdgeschoss: Die Eingangshalle des Herrenhauses ist nicht sonderlich groß. An ihren Wänden hängen vier alte Wandteppiche, die Glyn-y-Defaid im Lauf der Jahreszeiten darstellen. Außerdem gibt es einen hübschen Kachelofen und eine kleine Sitzecke mit einem Tisch und zwei ledernen Ohrensesseln, die mit Lammfellen ausgelegt sind. Von der Eingangshalle gehen zwei Türen ab. Durch die eine (welche sich beinahe direkt gegenüber der Eingangstür befindet) gelangt man ins Kaminzimmer, durch die andere (welche sich unter dem Treppenaufgang befindet) in die Küche.
Das Kaminzimmer trägt seinen Namen zurecht, da die gesamte rückwärtige Wand von einem riesigen offenen Kamin dominiert wird. Davor liegen mehrere Schaffelle, außerdem stehen auch hier zwei Ohrensessel, die denen in der Eingangshalle recht ähnlich sind. Die Wände sind mit schweren Gobelins behängt, welche Impressionen des talyrischen Umlands wiedergeben. Über dem Kamin prangt zudem ein schönes Portrait, welches die verstorbene Hausherren in jungen Jahren zeigt. In der Mitte des Raumes steht ein langer Speisetisch aus dunklem Holz und passende Stühle. Auf dem ansonsten leeren Tisch steht eine Vase, die stets mit frischen Blumen gefüllt ist, gespeist wird an dieser Tafel jedoch nur noch sehr selten. Auch in diesem Zimmer gibt es übrigens zwei Türen; jene, die in die Eingangshalle führt und eine zweite durch die man geradewegs in die Küche gelangt.
Dominiert wird die Küche von einer langen massiven Eichentafel, an der alle Bewohner von Glyn-y-Defaid die täglichen Mahlzeiten zu sich nehmen. Die Küche ist außerdem mit einer großen Feuerstelle, in der gut und gerne ein ganzer Ochse gebraten werden kann, und einem Ungetüm von eisernem Herd ausgestattet. In mehreren Schränken und Regalen bewahrt man Geschirr, Küchentücher und ein paar nicht so schnell verderbliche Lebensmittel auf, die meisten Vorräte werden allerdings in einer separaten Speisekammer gelagert.
Eine weitere Tür führt hinaus in den Garten, hinter einer fünften befindet sich eine winzige Gesindekammer, die zurzeit von der Alten Cath bewohnt wird. Ausgestattet ist dieser Raum mit dem Nötigsten: Einem schlichten Bett, einem Schrank, einem kleinen Tisch samt Stuhl und einem sorgsam gepflegten Spinnrad.

Obergeschoss: Von der Eingangshalle aus gelangt man über eine breite Eichentreppe hinauf ins Obergeschoss. Das Schlafzimmer ist mit einem breiten Ehebett ausgestattet und an beiden Seiten ist ein passender Nachttisch aufgestellt. Auf beiden steht ein Kerzenständer samt Kerzenlöscher, auf einem liegt zudem eine Halskette aus Flussperlen, und unter jedem befindet sich ein gewöhnlicher Nachttopf. Am Fußende des Brettes steht eine schwere Wäschetruhe, es gibt einen wuchtigen Kleiderschrank, einen Waschtisch, und in einer Ecke des Raumes befindet sich ein Kachelofen. Der Fußboden ist mit Schaffellen bedeckt, vor dem Fenster hängt ein goldgelber Vorhang und in der Fensterbank liegen mehrere Ziegenfelle. In der Mitte steht ein Kerzenhalter, vor welchem einige Zweige mit getrockneten Beeren liegen, und vor der Fensterbank wurde eine schlichte Kniebank aufgebaut – zusammen ergibt dies den ganz persönlichen Hausaltar von Glyn-y-Defaid.
Zur Linken des Schlafzimmers befindet sich die Kammer der verstorbenen Hausherrin Tara. Seit sie diesen Raum zum letzten Mal betreten hat, hat sich dort nichts verändert. Lediglich der Staub wird regelmäßig entfernt und die Blumen in der Vase auf der Fensterbank werden stets erneuert. Ausgestattet ist das Zimmer mit einem kleinen Eisenofen, einem Spinnrad, einem Stuhl und einem bequemen Tagesbett. Das Arbeitszimmer des Hausherrn befindet sich rechts vom Schlafzimmer. Es ist mit einem Schreibpult, einem Stuhl, einem kleinen Eisenofen, zwei Truhen und mehreren Schränken und Regalen ausgestattet. Außerdem befindet sich hier das einzige Buch des Anwesens: In dem dicken, in Leder gebundenen Wälzer hat schon Taras Vater regelmäßig den exakten Schafbestand von Glyn-y-Defaid festgehalten.
Die zwei kleinen Kammern auf der anderen Seite der Diele dienen als Wäsche- bzw. Abstellkammer. Außerdem gibt es auf diesem Stockwerk sechs weitere Räume. Ursprünglich war wenigstens einer davon als Kinderzimmer gedacht, doch im Augenblick dienen drei als Gästezimmer, während die anderen komplett leer stehen. Die drei Gästezimmer sind alle mit zwei Einzelbetten, einem Beistelltischen samt Kerzenhalter und Kerzenlöscher, einem Nachttopf sowie einer Truhe ausgestattet. Darüber hinaus liegt vor jedem Bett statt eines gewöhnlichen Läufers ein flauschiges Schafsfell. Die Fenster aller sechs Zimmer sind zudem mit schönen Vorhängen versehen und jeder Raum besitzt einen praktischen Eisenofen wie man ihn auch in den Kammern der Gutsleute findet.

Kellergewölbe: Durch eine Falltür im Boden der Speisekammer gelangt man ins Kellergewölbe unter dem Herrenhaus. Dort wurde sowohl ein praktischer Eiskeller eingerichtet, als auch ein recht ansehnlicher Weinkeller angelegt. Allerdings wird hier unten nicht nur der edle Rebensaft verwahrt, sondern auch gewürzter Honigwein und Fässer mit ordentlichem Hopfengebräu.


Gesindehaus

Wie alle Gebäude auf Glyn-y-Defaid wurde auch das Gesindehaus aus dicken, hellgrauen Steinen erbaut und mit einem dunklen Schieferdach versehen. Es besitzt einen nahezu quadratischen Grundriss, verfügt (ebenso wie das Herrenhaus) über zwei Stockwerke, ist aber merklich kleiner als das Haupthaus. An den Hauswänden klettert Hopfen in die Höhe, was besonders schön aussieht, wenn die Dolden reif sind und geerntet werden können.

Erdgeschoss: Im Erdgeschoss des Gesindehauses befinden sich sechs Kammern, eine davon bewohnt der Knecht Emrys, eine andere der Stallbursche Liam. Die restlichen vier Kammern stehen leer und können bei Bedarf für die Unterbringung von zeitweise eingestellten Tagelöhnern oder Erntehelfern genutzt werden. Hinter dem Haus befindet sich zudem zwei Abtritte.
Obergeschoss: Die Kammern im Obergeschoss werden von Owyn, dem Großknecht von Glyn-y-Defaid, seiner Frau Rhona, der Großmagd, und ihren Kindern Gwyn und Úna bewohnt.
Dachstuhl: Die beiden Mägde Nara und Mair bewohnen die zwei kleinen Kammern unter dem Dachstuhl des Hauses. Die beiden Räume werden durch eine hölzerne Diele voneinander getrennt. Am Ende dieses Gangs befindet sich eine Leiter über die man hinauf zum Taubenschlag auf dem Dach gelangt.
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"Who's Zed?" "Zed's dead, baby. Zed's dead." (Quentin Tarantino, Pulp Fiction)

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Donnerstag, 5. Juli 2012, 21:36

Schafställe: Die großen, weitläufigen Ställe werden nur während der Wintermonde genutzt. Sie bieten ausreichend Platz für die Böcke, Mutterschafe und Jungtiere und verfügen alle über einen eigenen Heuboden. Die Moorschnuckenherde (Bébinn, Dubhán, Hasenherz, Shea, Mór, Strohdoof, Idwal, Distel und Klette, Kleeblatt, Bleddyn, ...) ist in den einen, die Russgesichtherde (Ailbhe, Brígh, Wölkchen, Schneeball, Emer, Knopfauge, Siv, Llew und Lleu, Tausendschön, Vergissmeinnicht, ...) in den anderen Gebäuden untergebracht. Im Erntemond 511 d5Z wurde Cináeds Schafbestand zudem um Calaits Schneeschafpaare Einhorn und Weissnase, und Eiskönigin und Herzbube ergänzt. Auch die zwei Herdenschutzhunde (Cadfan und Blair, große Dornheimer Hirtenhunde), die beiden Hüte- und Treibhunde (Idris und Eira, beides Roanner Hütehunde) und die zwei Haus- und Hofhunde (Mabon und Modron, zwei Castéroner Doggen) schlafen während der kalten Jahreszeit in den Schafställen. Auf den Dächern der Ställe wurden jeweils zwei alte Wagenräder angebracht, auf welchen regelmäßig Störche niesten. Unter der schützenden Dachkante haben Schwalben und Abendschwingen ihre Nester gebaut.

Pferde- und Geschirrstall: Dieser Stall ist mit insgesamt acht Pferdeboxen ausgestattet und verfügt über einen eigenen Heuboden. Fünf Boxen stehen leer, in den anderen sind zwei Verder Kaltblüter (Cymidei und Llasar), schwere Zug- und Lasttiere, sowie der Esel Bryn untergebracht. Auf beiden Seiten der Stallgasse befindet sich zudem je eine größere Box. In der einen können während der Wintermonde die vier Bluirziegen (Klee, Fflur, Zimt und Koriander) und ihr Bock Halunke, in der anderen die vier Roveziegen (Wacholder, Glöckchen, Cerys und Nesta) und ihr Bock Korsar untergebracht werden. Außerdem sind neben dem schweren Pferdegeschirr noch etliche Käfige, in welchen Hasen und Kaninchen (Seidenfell, Raupelz, Goldnase, Weißohr, Schwarzpelz, Kleinohr, Löwenzahn, Frechdachs, Zwergnase, Silberpfote, ...) gehalten werden, an einer der Stallwände angebracht. Außen, unter der Dachkante des Stalls, niesten Goldflügelschwalben und Abendschwingen.

Kuh- und Schweinestall: Im Schutz des mit Schiefer gedeckten Daches haben Abendschwätzer und Schwalben ihre Nester gebaut und auf dem First befindet sich ein großes Storchenrad. Der Stall selbst ist nicht sonderlich groß. Er bietet gerade genug Platz für vier Milchkühe (Bríd, Íde, Ena und Líle), den Bullen Ciar und 13 Hausschweine (Eichel, Trüffel, Knolle, Stoppel, Malve, Dickkopf, Liebaug, Bleibstehn, Nichtsnutz, Nimmersatt, Perle, Fleck und Klecks). Darüber hinaus besitzt er einen kleinen Heuboden. Jauchegrube und Misthaufen befinden sich hinter dem Gebäude, gar nicht weit entfernt vom Hühnerstall.

Hühnerstall und Taubenschlag: In diesem kleinen Stall ist das Federvieh untergebracht, Braesshühner (Únas Lieblingshennen heißen Resande, Buntfeder, Nesthäckchen, Tock-Tock und Gack-Gack), Graugänse, Stock- und Eiderenten; Wachteln und Fasane werden bei Bedarf im nahe gelegenen Wald gejagt. Der Taubenschlag ist in einem kleinen Türmchen auf dem Dach des Gesindehaus untergebracht, man erreicht ihn vom Dachboden aus über eine schmale Leiter.

Schlachthaus und Räucherkammer: In diesem Gebäude findet das Schlachtvieh sein Ende, Hühner, Gänse und Enten, Lämmer, Schweine, die Mondaugen aus dem Weiher und nicht zu vergessen das frische Wildbret aus dem nahen Wald.

Badehaus und Waschküche: Manch harter Arbeitstag klingt hier mit einem heißen, dampfenden Bad langsam aus und frisch gewaschene Wäsche findet auf Wäscheleinen hinter dem Haus ihren Platz im Wind. Außerdem gibt es in dem Gebäude eine kleine Werkstatt, in der hauptsächlich Filzarbeiten angefertigt werden. Darüber hinaus befindet sich in dem Gebäude der Abtritt für die Herrschaften.

Schmiede und Scheune: Die Schmiede des Hofes ist nichts besonderes. Sie reicht aus um Hufeisen zu schmieden, Pferde zu beschlagen und um Ackerwerkzeug, Räder und Fässer zu reparieren. Außerdem verfügt sie über einen großen Ofen, in dem mehrere Laibe frisches Brot gleichzeitig gebacken werden können. In der nahe gelegenen Hofscheune sind Pferdeschlitten, Karren, Heuwagen und Ackerwerkzeug untergebracht. Außerdem können hier selbstverständlich bei Bedarf Heu, Stroh und Getreide gelagert werden. Und die zahlreichen Hofkatzen (Amber, Baron, Beryll, Streuner, Strolch und Stromer, Flocke, Jett, Kobold, Lapis und Lazuli, Pünktchen, Sith, Sphinx,...) finden hier in kalten und regnerischen Nächten stets ein trockenes, gemütliches Plätzchen.

Zwinger: Neben der Scheune, etwas abseitsgelegen, haben sich lange Zeit die herruntergekommenen Überreste eines alten Schuppens befunden, der von den Hofbewohnern seid etlichen Götterläufen nicht mehr genutzt worden ist. Vor einiger Zeit wurde das graue, steinerne Gebäude jedoch wieder hergerichtet und zu einem stabilen Zwinger umgebaut. Das flache Dach wurde mit neuen, schönen Schindeln gedeckt, eine schwere Tür aus dunklem Holz eingesetzt und die Fenster vergittert. Sogar für einen annehmbaren, ausbruchsicheren Außenbereich, der von schweren, tief in den Boden und weit in die Höhe ragenden Gittern umzäunt ist, die in der Höhe leicht nach Innen geneigt und mit spitzen Widerhaken versehen sind, ist gesorgt worden. Bewohnt wurde der Zwinger im Jahr 513 (d5Z) mehrere Monde lang von einem für die Herzlande recht untypischen Geschöpf: einem Hyaenodon. Besagtes Raubtier aus der Familie der Hyaenas, welches mittlerweile verstorben ist, hörte (mal mehr, mal weniger) auf den klangvollen Namen Morrak und befand sich im Besitz eines ebenso ungewöhnlichen Herren - einem Sandnargen namens Venditius.

Weiden, Koppeln, Wiesen und Felder samt Weiher: Alle Weiden und Koppeln sind von Maueren aus hellgrauem Stein umgeben, mit hölzernen Toren ausgestattet und verfügen über einen kleinen Brunnen nebst Tränke. Felder und Wiesen werden von Hecken aus Wein, Brombeergestrüpp, Hagebutten, Schlehdorn, Wacholder und Ginster gesäumt, die vor allem Ammern, Nachtigallen, Schneekönigen und Rotkehlchen zahlreiche geschützte Nistplätze bieten. Im Weiher – dem Drych Cymylau (oder Wolkenspiegel) – schwimmen Fische, die hauptsächlich für den Eigenbedarf gefangen werden, und darauf tummelt sich die Entenschar von Glyn-y-Defaid.

Obst- und Gemüsegarten: Auf diesem Stück Land stehen Äpfel-, Birnen-, Kirschen-, und Zwetschgenbäume, Renekloden- und Quittenbäume, Elsbeeren und Mispeln. Im Schutz dieser Bäume sind fünf Bienenkörbe aufgestellt. Außerdem gibt es hier dichte Hecken aus schwarzem Holdunder, Him-, Wacholder-, Stachel-, Josta- sowie roten und schwarzen Johannisbeersträuchen. In den sorgsam angelegten und mit Buchsbaum eingefassten Beeten wachsen zudem Erd-, Blau-, Moos- und Essigbeeren; Rhabarber; Spargel, Mais, Erbsen, Bohnen und Tomaten; Gurken, Kürbisse und Melonen; selbstverständlich auch Möhren, Steckrüben, Kohlrabi, rote Bete, Radieschen, Rettich, Knoblauch, Zwiebeln und Kartoffeln sowie Lauch, Spinat, Mangold, Endivien, Blatt- und Feldsalat, Wirsing und Kohl.

Färber- und Kräutergarten: Umgeben wird der Garten von einem hübschen Holzzaun. Die einzelnen runden und eckigen Beete sind mit Buchsbaum eingefasst, die Wege dazwischen wurden mit kleinen weißen Flusskieseln bedeckt und im Schatten einer alten Kastanie und einer stolzen Schwarzeiche steht eine gemütliche Holzbank. In den Beeten (sowie in vielen unterschiedlich großen Kübeln und Bottichen) wachsen hier nicht nur allerlei Duft- und Küchenkräuter, sondern auch allerlei Färberpflanzen wie z.B. Färberkamille-, -scharte und -waid, Gilbkraut, Rainfarn und Krapp.
"Who's Zed?" "Zed's dead, baby. Zed's dead." (Quentin Tarantino, Pulp Fiction)

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3

Donnerstag, 5. Juli 2012, 21:41

Das Gesinde:

Owyn, geboren 477 d5Z; Großknecht von Glyn-y-Defaid und Rhonas Mann. Der kräftige Rhìnemoor mit den kieselgrauen Augen und dem strohblonden Haar ist ein strenger, aber gerechter Mann. Hof- und Feldarbeiten aller Art gehören zu seinem Aufgabenbereich, dazu zählt u.a. das Schlachten von Vieh und das Scheren der Schafe, aber z.B. auch sämtliche schweren Gartenarbeiten.

Rhona, geboren 482 d5Z; Großmagd von Glyn-y-Defaid und Owyns Frau. Die ernste Herzländerin mit den rehbraunen Augen und dem lockigen, kastanienbraunen Haar besitzt ein freundliches, herzförmiges Gesicht und ein äußerst resolutes Wesen. Die Küche ist ihr uneingeschränktes Herrschaftsgebiet und niemand wagt es ihr dort zu wiedersprechen.

Gwyn, geboren 498 d5Z; Schweinehirte von Glyn-y-Defaid, Sohn von Owyn und Rhona. Der schmächtige, flinke Bursche besitzt das stohblonde Haar seines Vaters und die rehbraunen Augen seiner Mutter. Er ist für die Schweine des Hofes verantwortlich und hilft Liam, dem Stallknecht, wo er nur kann.

Úna, geboren 503 d5Z; Gänsemagd von Glyn-y-Defaid, Tochter von Owyn und Rhona. Das zierliche, kleine Mädchen mit den kieselgrauen Augen und dem hellbraunen Haar (dessen Farbe ihr ihr Bruder gerne im Scherz als Straßenkötterbraun tituliert) ist ein echter Wirbelwind. Sie kümmert sich auf dem Hof um die Versorgung des Federviehs. Außerdem besitzt sie (sehr zum Missfallen ihrer Mutter) zwei kleine Mäuse (Haselnuss und Kieselstein) – die eine braun, die andere grau – die sie ständig in den Taschen ihrer Schürzen und Kleider mit sich herumträgt.

Liam, geboren 494 d5Z; Stallknecht von Glyn-y-Defaid, Vetter von Rhona und Emrys. Man sieht dem jungen Herzländer mit dem dunkelblonden Haar und den graugrünen Augen die Verwandtschaft mit Rhona und Emrys deutlich an. Er besitzt jedoch ein weitaus unbekümmerteres Wesen und scherzt sehr gerne. Außerdem ist er bis über beide Ohren in Nara verliebt. Die Pferde, aber auch der Esel, die Kühe, Ziegen, Hasen und Kaninchen des Hofes gehören zu seinen Hauptaufgaben auf dem Hof. Darüber hinaus hilft er selbstverständlich auch bei allen anderen auf dem Hof anfallenden Aufgaben, wenn Not am Mann ist.

Emrys, geboren 486 d5Z; Knecht von Glyn-y-Defaid, Bruder Rhonas. Der kräftige Herzländer ist seiner Schwester wie aus dem Gesicht geschnitten. Er ist Owyns rechte Hand und geht ihm bei sämtlichen Arbeiten, die auf einem Hof so anfallen, zur Hand.

Nara, geboren 490 d5Z; Magd von Glyn-y-Defaid, Rhonas rechte Hand. Die hübsche Drachenländerin besitzt ausdrucksstarke himmelblaue Augen, ein schönes, herzförmiges Gesicht und langes, seidiges, nussbraunes Haar. Sie geht Rhona in der Küche zur Hand und kümmert sich um sämtliche im Haushalt anfallende Aufgaben. Liam ist bis über beide Ohren in Nara verliebt, bisher ist diese Liebe allerdings unerwidert geblieben. Die junge Magd ist offenbar mehr an Emyrs interessiert, was aber auch nicht auf Gegenseitigkeit zu beruhen scheint.

Mair, geboren 495 d5Z; Magd von Glyn-y-Defaid. Die junge, zierliche Laiginerin mit der schneeweißen Haut, den lustigen Sommersprossen, dem rotblonden Haar und den grasgrünen Augen ist ein stilles, schüchternes Mädchen. Sie hilft Rhona und Nara im Haushalt und pflegt mit großer Hingabe den Küchengarten, da sie sich ausgezeichnet mit Pflanzen auskennt. Außerdem kümmert sie sich um Catriona und hilft ihr beim Spinnen der Wolle.

Catriona, genannt 'Alte Cath'; geboren 434 d5Z, verstorben während des Großen Sturms am 3. Voshor 512 d5Z; Großmutter von Rhona und Emrys. Die alte, runzelige Frau ist durch und durch Herzländerin und lebt und arbeitet seit ihrem siebten Lebensjahr auf Glyn-y-Defaid. Auch heute noch ist sie ein fester Bestand des Hoflebens und spinnt in ihrer Kammer oder in der Küche fleißig Schafswolle, sofern ihre Gesundheit es zulässt. Obwohl vom Alter geschwächt, verraten ihre haselnussbraunen Augen ihren wachen Geist und den klaren, scharfen Verstand.
"Who's Zed?" "Zed's dead, baby. Zed's dead." (Quentin Tarantino, Pulp Fiction)

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Freitag, 6. Juli 2012, 18:55

~ Auf dem Hof ~
Nach dem Sturm

Es scheint Ewigkeiten zu dauern, bis Cináed sich endlich aus seiner Starre löst und sich stumm von Rhona und Owyn aufhelfen lässt. Er bewegt sich wie ein Schlafwandler: Teilnahmslos, mechanisch, schweigend. Die vergangenen Stunden sind einfach von viel zu vielen Schicksalschlägen erfüllt gewesen, als das er sie so ohne weiteres verkraften könnte. Als Nara und Mair besorgt herbeigeeilt kommen, um besorgt zu berichten, dass Calait vor Fieber glühe und in wirren Fieberträumen versunken zu sein scheint, aus denen sie sich nicht wecken lässt, versucht sich der Gutsbesitzer jedoch zusammen zu reißen. Als der Morgen dämmert und sich der Zustand der jungen Frau nicht zu bessern scheint, lässt er sie von Emrys in die Steinfaust bringen – ein Unterfangen, dass sich, wie Emrys Calait später an ihrem Krankenbett berichtet, alles andere als einfach gestaltet. Der Weg vom Hof wird von umgestürzten Bäumen versperrt und so dauert es lange bis er freigeräumt ist, bevor Emrys den Hof, Calait bewusstlos vor sich im Sattel sitzend, auf dem Rücken von Llasar verlassen kann. Doch auch nachdem sie Glyn-y-Defaid verlassen haben, geht es aufgrund der Sturmschäden nur langsam voran. Später gesteht Emrys Calait ehrlich: „Ein paar Mal dachte ich wirklich, ich schaffe es nicht dich noch rechtzeitig in die Stadt zu bringen...“

Die Siebentage nach dem Großen Sturm gestalten sich für alle schwierig. Cináed, anfangs dazu verdammt so wenig wie möglich aufzustehen und später nur auf Krücken durch die Gegend zu humpeln, hat sehr unter der aufgezwungen Untätigkeit zu leiden, ganz abgesehen davon, dass das gebrochene Bein Schmerzen verursacht, die sich nicht immer so ohne weiteres ignorieren lassen.
Die übrigen Bewohner von Glyn-y-Defaid sind derweil damit beschäftigt die gröbsten Sturmschäden zu beseitigen. Dächer müssen geflickt oder neu gedeckt, Fenster und Fensterläden repariert, Zäune und Mauern ausgebessert und das Wasser aus dem Kellergewölbe entfernt werden. Zudem müssen Wege frei geräumt und ausgebessert, umgestürzte Bäume gefällt und angebrochene Äste, die eine Gefahr darstellen können, abgesägt werden. Auch die Überreste der zerstörten Löwenstatue am Tor zum Hof werden beseitigt, bevor bei einem Steinmetz eine neue Figur in Auftrag gegeben wird, die die alte Statue ersetzen wird. Ein neues Pferdegespann wird ebenfalls in Auftrag gegeben, denn der Verlust des alten Pferdewagens macht sich rasch bemerkbar. Über die Anschaffung eines neuen Kutschpferdes denkt Cináed ebenfalls nach, doch lässt er sich mit dieser Entscheidung noch Zeit – der Sturm hat hohe, unerwartete Kosten verursacht und jede neue Investition will unter diesen Umständen doppelt gut überlegt sein.

Und noch etwas muss erldeigt werden: Catrionas Beerdigung. Der Gang auf den Sithechacker verlangt allen Bewohnern von Glyn-y-Defaid so einigess ab, doch niemanden schmerzt der Verlust der alten Dame, die ihm so lieb und teuer wie eine eigene Tochter war, mehr als Cináed. Einmal mehr wird er sich der Einsamkeit, die ihn seit dem Tod seiner Frau plagt, bewusst. Die stille, melancholische Stimmung, die im Sithech-Hain herrscht, bedrückt ihn sehr und macht ihm noch Tage nach dem Begräbnis zu schaffen. Da er aufgrund seiner Verletzung nicht viel tun kann, gibt es nichts, was ihn von seinen düsteren Gedanken abhält und so zieht sich der Gutsbesitzer oft zurück, um allein zu sein. Auch an Nathanael, den Hexer, der derweil im Rashan-Gefängnis auf Nirmonar seine Strafe absitzt, denkt der Elb während dieser Momente oft. Ganz besonders dann, wenn das Mana, das in ihm selbst schlummert, aufgrund seiner angeschlagenen Gemütsverfassung stärker aufwallt als gewöhnlich.

Auf diese Weise verstreicht unmerklich die Zeit und der Tag des Inarifestes rückt näher. Cináeds Verfassung bessert sich langsam aber merklich, das gebrochene Bein verheilt ohne Komplikationen und so ist es ihm schließlich gestattet immer mal wieder für kurze Zeit ohne Krücken herumzulaufen. Selbstverständlich nutzt der Gutsbesitzer dieses neue Zugeständnis weidlich aus – sehr zu Rhonas Leidwesen, denn immer wieder mutet sich der Gutsbesitzer mehr zu, als gut für ihn ist.
Als schließlich das Inarifest da ist, schlägt der Tatendrang des Elben jedoch ganz unerwartet in Antriebslosigkeit um. Eigentlich hat Cináed Calait versprochen, wenigstens auf einen Tanz in der Stadt vorbeizukommen und sich etwas von seinen trübsinnigen Gedanken ablenken zu lassen, aber als der Festtag schließlich gekommen ist, versucht sich der Gutsbesitzer mit allerlei Ausflüchten vor dem Ritt in die Stadt zu drücken. Die letzten Kostenaufstellungen seien noch nicht fertig. Sei Bein habe wieder begonnen zu schmerzen. Und überhaupt, er habe gar nichts für ein derartiges Fest anzuziehen. Aber Rhona zeigt sich gnadenlos und lässt keine Ausflüchte gelten. Unter Protest wird sein Haar geschnitten und der Bart gestutzt, bevor man ihn kurzerhand in ein sauberes Hemd, eine wildlederne Hose und passende Stiefel steckt und zusammen mit Emrys (der dem Fest aufgrund neuer Unstimmigkeiten mit Avila ebenfalls nicht sehr freudig entgegen blickt), Liam und Nara zum Fest schickt. Mair, Gwyn und Úna müssen, sehr zu ihrer Enttäuschung, leider auf dem Hof zurück bleiben.

Der Marktplatz Talyras »
"Who's Zed?" "Zed's dead, baby. Zed's dead." (Quentin Tarantino, Pulp Fiction)

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Mittwoch, 29. August 2012, 18:52

« Der Marktplatz Talyras
~ Auf dem Hof ~
Anfang Erntemond

Die Siebentage nach dem Inarifest vergehen wie im Fluge und ehe die Bewohner von Glyn-y-Defaid sich versehen, bricht die Erntezeit an. Natürlich hat es auch zuvor schon viel auf dem Hof zu tun gegeben, auf einem Gut wie diesem gibt es stets jede Menge zu erledigen, aber die Erntezeit gehört nun einmal zu den arbeitsreichsten Tagen im ganzen Götterlauf. Ob auf den Feldern und Weiden, in den Ställen und scheunen oder im Haus, überall warten zahlreiche Aufgaben, die erledigt werden wollen, auf die fleißigen Knechte und Mägde von Glyn-y-Defaid und selbstverständlich fasst auch Cináed tatkräftig mit an wo immer er kann. Sein gebrochenes Bein ist mittlerweile wieder völlig verheilt und behindert ihn schon seid geraumer Zeit nicht mehr, was dem Elben gerade jetzt, wo es so viel zu erledigen gilt, sehr freut. Schon vor Morgengrauen ist er auf den Beinen und sinkt erst spät in der Nacht für wenige Stunden in seiner Kammer in die traumlose Trance seines Volkes, um am nächsten Tag wieder rechtzeitig sein Tagwerk zu beginnen.

Die Arbeit bereitet ihm Freude und in diesem Jahr freut er sich ganz besonders auf das näherrückende Erntefest an Amitaris Hochtag. Die Vorbereitungen für den anstehenden Festtag haben auf Glyn-y-Defaid bereits begonnen: Körbe und Kisten füllen sich nach und nach mit allerlei Äpfeln, Birnen und Kürbissen. Man schlachtet, um Fleisch für den Winter vorzubereiten. Die Frauen flechten Blumenkränze und eine große Erntekrone aus goldenem Getreide wird vorbereitet. Zu Beginn der Ernte hatte Nara, in ihrer Funktion als Vormädchen auf dem Feld einem alten Brauch folgend, Cináed ein buntes, breites Seidenband mit langen Enden um den Oberarm gebunden: »Ich habe vernommen, die gnädige Herrschaft ist aufs Feld gekommen. Ich werde sie binden mit lieblichen Sachen, viel Komplimente versteh' ich nicht zu machen. Ich nehm' dies seidene Band in meine grobe Hand und bind' es dem gnädigen Herren an seinen schneeweißen Arm.«* Mit ähnlichen Bänden würde später, wenn die Ernte eingefahren ist, auch die Erntekrone ziert werden. An Amitaris Hochtag würde Cináed allen die bei der Ernte geholfen haben, für ihre Dienste danken und ihnen Gesundheit und Wohlergehen wünschen. Danach würden man gemeinsam feiern und fröhlich sein, essen und trinken, tanzen und lachen. Der Gutsbesitzer lächelt bei dem Gedanken daran, wahrlich, er freut sich schon sehr auf das Fest. Seine Gedanken wandern nach Talyra.

In den letzten zweieinhalb Monden hat der Gutsbesitzer für allerlei Gesprächsstoff unter den Klatschweibern und Tratschtanten der Stadt gesorgt, denn der Elb wurde häufiger dabei gesehen wie er als Gast im Haus von Idiya Morgant, Buchbinderin und Zunftmeisterin des talyrischen Kunst- und Schmuckhandwerks, ein und aus gegangen ist. Es ist bekannt, dass der einsame Gutsbesitzer und die zurückhaltende Elbe seid langem eng miteinander befreundet sind, was für Gesprächsstoff sorgt ist jedoch etwas oder besser gesagt jemand anderes, den Cináed erscheint selten allein. Immer häufiger, so wissen die gut informierten Klatschmäuler der Stadt zu berichten, sieht man den Schafzüchter von Glyn-y-Defaid dieser Tage in Begleitung einer hübschen, rotlockigen Shida'ya mit rauchgrauen Katzenaugen und fröhlichen Sommersprossen. Wer die Fremde genau ist, weiß keiner zu sagen. Sie lebt im Haus der Morgant – dass sie mit Idiya verwandt ist, bezweifeln jedoch die meisten. Es wird gemunkelt, die Schöne sei möglicherweise eine Harfnerin oder zumindest eine Instrumentenbauerin wie Mavourne Cathbarr, in deren Haus man sie ebenfalls schon des Öftern gemeinsam mit Cináed hat verschwinden sehen. Einige wollen gehört haben ihr Name sei Tirinki, andere behaupten sie werde Relara gerufen und wieder andere sagen sie hätten gehört, dass sie Dioma heiße. Was Wahrheit und was Fantasie ist, weiß niemand so genau. Der Wahrheit entspricht auf jeden Fall, dass die Fremde der Grund für Cináeds derzeitige gute Laune und seine Vorfreude auf das Erntedankfest ist, soviel ist sicher.

* Quelle: http://miasteczko.de/brauchtum.htm
"Who's Zed?" "Zed's dead, baby. Zed's dead." (Quentin Tarantino, Pulp Fiction)

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Donnerstag, 4. Oktober 2012, 18:46

~ Im Gutshaus ~
Anfang Blätterfall

Nachdenklich sitzt Cináed in einem der Ohrensessel am Kamin und starrt in die Flammen. Die letzte Unterhaltung mit Nôrnar – nicht Tirinki, Relara oder Dioma – will ihm einfach nicht aus dem Kopf gehen: “Was hält dich noch hier, Cad?”, fragend hatte sie ihn angesehen und verständnislos ihren hübschen, rotbloden Lockenkopf geschüttelt, während er sie auf dem Hof herumgeführt hatte. “All das...” Mit ausgestrecktem Arm hatte die Shida'ya um sich gedeutet. “...ist nicht dein Zuhause. Die Elbenlande sind dein Zuhause. Das Grüne Tal von Erryn.” Langsam hatte sich die Elbe eine vorwitzige Haarsträhne aus dem Gesicht gestrichen. “Du gehörst nicht hierher. Kehr' mit mir nach Muroran zurück, Cadian”, hatte sie verlangt. “Oder geh nach Imraseth. Imraseth, Cad, denk nur was das bedeutet!” Die Begeisterung in Nôrnars Stimme war unüberhörbar gewesen, doch Cináed hatte beide Male mit dem Kopf geschüttelt und ihr Unverständnis damit nur weiter geschürt. Nach einem langen Moment des Schweigens hatte die Elbe schließlich eine andere Taktik angeschlagen: “Was ist mit Eama. Mit Eamo? Amrie'lior? Sie vermissen dich fürchterlich. Willst du sie nicht auch gerne wiedersehen?” Cináed hatte laut geseufzt. “Natürlich würde ich sie gerne wiedersehen”, hatte er geantwortet. “Das weißt du, Nôrnar. Aber so einfach ist das nicht...” “Warum?”, war promt als Gegenfrage gekommen. “Warum, Cad? Versuch es mir zu erklären, damit ich es verstehe.” Abermals hatte Cináed geseufzt. “Ich habe Verpflichtungen hier”, hatte er ihr schließlich geantwortet. Die Shida'ya hatte unwirsch den Kopf geschüttelt. “Deine Frau ist tot, ihr hattet keine Kinder. Übergib den Hof an einen fähigen Mann und lass diesen Teil deiner Vergangenheit endlich hinter dir.” Herausfordernd hatte sie ihn angesehen.

Auch in diesem Moment spürt Cináed Nôrnars durchdringenden, fordernden Blick noch immer auf sich ruhen. Hat sie Recht?, fragt der Gutsbesitzer sich. Er weiß es einfach nicht. Damals, auf dem Inarifest, hatte er geglaubt, Calait hätte ihn mit ihren Worten bereits von der Vergangeheit befreit und für die Zukunft geöffnet. Seither hat er geglaubt für die zahllosen Möglichkeiten, die die unbekannte Zukunft für ihn parat hält, bereit zu sein. Jetzt ist er sich dessen nicht mehr so sicher. Glyn-y-Defaid und die Menschen, die dort leben, zu verlassen, war ihm niemals in den Sinn gekommen. Aber es ist nicht undenkbar. Nôrnar ist der Beweis. Und ihre Argumente sind stark, stark genug. Taras Familie ist mit ihr zu Ende gegangen. Es gibt niemandem, dem er durch Blutsbande gegenüber verpflichtet wäre. Und er ist nicht unersetzbar. Owyn könnte den Hof ebenso gut weiterführen wie er selbst. Der Rhaínländer und seine Familie hätten es sich verdient. Und er selbst – das muss der Shida'ya sich auch eingestehen, wenn er ehrlich ist – würde das Grüne Tal nur zu gerne einmal wiedersehen. Trotzdem, etwas hält ihn zurück. Lässt ihn zögern. Er weiß nicht was es ist. Angst vielleicht?, überlegt er. Seine Familie, da ist er sicher, würde alles daran setzen ihn dazu zu bewegen nach Imraseth zu gehen. Aber würde ich das auch wollen? Wäre ich dann noch immer ich selbst?, fragt der Elb sich weiter. Ich weiß wer Cináed von Glyn-yDefaid ist. Ein Gutsbesitzer, Schafzüchter, Hexer. Doch wer ist Cadian aus dem Haus Losaî? Ein Imras? Sich als Magier an der Arkana in Logren zu sehen, fällt Cináed ebenso schwer wie sich vorzustellen, dem Mana in sich völlig zu entsagen, um fortan nichts weiter als ein gewöhnlicher Schafzüchter zu sein.

Nôrnar hat ihm ein Ultimatum gestellt. “Wenn nach der Schneeschmelze im kommenden Götterlauf die Frühjahrskarawane in Talyra eintrifft, werde ich nach Erryn zurückkehren, Cad”, hatte sie unumwunden klargemacht. “Mit dir oder ohne dich! ...auch wenn mir Ersteres lieber wäre.” Das heißt ihm bleiben noch fünf, allerhöchstens sechs Monde Zeit, um eine Entscheidung zu fällen. Cináed starrt weiter in die Flammen im Kamin. Was werde ich tun?, fragt er sich und weiß darauf keine Antwort.
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Freitag, 12. Oktober 2012, 19:27

~ In der Küche des Gutshauses ~
Circa 2 Siebentage später
Mitte Blätterfall

Nôrnar wäre nicht Nôrnar würde sie Cináed tatsächlich nach ihrem Gespräch bis zur kommenden Schneeschmelze mit dem angesprochenen Thema in Frieden lassen. Zu ihrer Ehrenrettung muss jedoch darauf aufmerksam gemacht werden, dass sie sich redlich bemüht – ganze zwei Siebentage lang. Dann allerdings ist ihre Geduld erschöpft.
In Talyra herrscht das schönste Herbstwetter und auf Glyn-y-Defaid gibt es wie üblich viel zu tun. Cináed und Nôrnar sind gerade allein in der Küche beschäftigt, als die Elb einfach nicht mehr an sich halten kann. “Imraseth!”, platzt es vollkommen unerwartet und zusammenhanglos aus der hübschen Shida'ya heraus. “Ich verstehe einfach nicht, wie du da ÜBERHAUPT zögern kannst!” Geradezu vorwurfsvoll sieht sie Cináed an und schüttelt verständnislos den roten Lockenkopf. “Stattdessen lebst du hier – und züchtest Schafe. Schafe! Seid zig Götterläufen schon. Ist das zu fassen?!” Der Gutsbesitzer bemüht sich um Gelassenheit. Ruhig entgegnet er: “Ich hatte eine Frau, Nôrnar. Hätte ich sie einfach mit nach Erryn bringen sollen? Du weißt so gut wie ich, dass das nicht möglich gewesen wäre. Und daran hat sich bis heute nichts geändert, westlich des Farnafares ist schon lange kein Sterblicher mehr gewandelt.” Er seufzt und auch Nôrnar nickt bedächtig. Natürlich hat Cináed in diesem Punkt Recht – der Banngürtel, den die Elbenkönige am Ende des Vierten Zeitalters um ihre Reiche gelegt haben, hält seither all jene, die nicht von elbischem Blute sind, aus den Landen der Schönen fern. Selbst wenn Cináed gewollt hätte, er hätte seine Frau nicht in seine Heimat mitnehmen können.

Nôrnars Zustimmung hält allerdings nur kurz an und gleich darauf funkelt sie den Gutsbesitzer schon wieder angriffslustig an. “Was vergangen ist, ist vergangen”, lenkt sie zwar ein, geht aber sogleich nahtlos zum nächsten Konter über. “Aber deine Frau ist tot.” Aufgebracht stemmt sie die Hände in die Hüften. “Warum willst du trotzdem nicht mit mir nach Muroran zurückkehren...?” “Das habe ich so nicht gesagt...”, versucht Cináed seine Schwester zu unterbrechen – nur mit mäßigem Erfolg. So leicht lässt Nôrnar sich nicht ausbremsen, wenn sie erst einmal Fahrt aufgenommen hat. Die Elbe sieht ihren Bruder geradeheraus an. “Aber gedacht!”, faucht sie. “Warum, Cadian? Warum willst du hierbleiben?” Herausfordernd durchbohrt sie Cináed mit diesem absolut typischen, störrischen Nôrnar-Blick. Langsam reißt dem Gutsbesitzer nun doch der Geduldsfaden. “Weil es mir hier gefällt, darum”, brummt er und man merkt bereits, dass er sich sehr bemühen muss, weiterhin ruhig zu bleiben. “Warum?”, kommt prompt als Gegenfrage zurück und Cináeds Augen werden schmall. Nôrnars penetranter Hang eine Frage immer und immer und immer wieder aufs Neue zu stellen, hat ihn schon gestört, als sie beide noch Kinder waren.

“Weil ich kein Magier sein will”, erklärt er seiner Schwester entrüstet. “Weil mir mein Leben hier gefällt... Weil ich mir etwas anderes von meinem Leben erwarte!” Natürlich gibt Nôrnar sich auch damit nicht zufrieden. Unerbittlich wiederholt sie: “Warum? Was willst du denn sein, wenn du kein Magier sein möchtest? Was für ein Leben könnte besser sein, Cad? Das eines Schafzüchters? Wirklich?” Sie lacht spöttisch, wenn auch nicht unbedingt unfreundlich. Cináed reißt nun tatsächlich der Geduldsfaden. Wütend knallt er eine Faust auf den schweren Küchentisch. “Dass eines Ehemannes. Oder eines Vaters zum Beispiel”, presst er wütend heraus. “Verdammt, Nôrnar! Was ist so falsch daran, sich ein gewöhnliches, normales Leben zu wünschen? Eine Frau? Kinder? Was ist so schlecht daran ein Schafzüchter zu sein? Dir fällt es vielleicht schwer sich das vorzustellen... aber ICH züchte gerne Schafe. Ich arbeite gerne mit meinen Händen, auf dem Feld, in der Natur. Ich will nicht in irgendeiner Bibliothek tagaus tagein über staubigen Folianten brüten oder unstet durch die Weltgeschichte wandern, immer auf der Suche nach mehr Wissen und neuen Abenteuern. Nur weil ich gerne spannende Geschichten höre und erzähle, heißt das noch lange nicht, dass ich selbst gerne aufregende Abentuer erleben und große Heldentaten vollbringen will!” Der Elb holt einmal tief Luft und funkelt Nôrnar zornig an. “Ich habe meine Länderreien während der Nargenüberfälle verteidigt. Ich schütze meine Herden Jahr aus, Jahr ein vor Wölfen und anderem wilden Getier und kämpfe gegen Dürre, Sturm und Überschwemmung – je nachdem was die Götter gerade an Unbill für uns vorgesehen haben – ist das nicht genug?!”

“Aber...”, setzt Nôrnar an, doch der Rest des angebrochenen Satzes bleibt ihr im Halse stecken. “Kein Aber”, brummt Cináed entschieden. “Ich bleibe hier. Punkt. Aus. Ende.” Entschlossen sieht er seine Schwester an. So leicht gibt Nôrnar jedoch nicht klein bei. “Aber”, beginnt sie erneut und lässt sich dieses Mal nicht wieder unterbrechen, “eine Frau finden und eine Familie gründen kannst du auch in Erryn!” Die Feststellung ist schlicht, einfach und unumstößlich. Herausfordernd sieht sie ihren Bruder an. “Sogar Schafe züchten kannst du dort, wenn du unbedingt möchtest”, fügt sie fast schon trotzig hinzu. “Ich.Will.Aber.Hier.Bleiben.” Der Gutsbesitzer hält ihrem Blick zornig stand.
“Warum?”, entgegnet die rotlockige Shida'ya. Resigniert lässt Cináed die Schultern sinken und gibt auf. Nôrnar würde vermutlich nie Ruhe geben, egal was er sagt. “Warum?”, wiederholt die Elbe hartnäckig, während er verzweifelt nach einem Ausweg sucht. “Gibt es jemanden? Eine Frau, die du nicht verlassen willst?” Abrupt hebt Cináed den Blick und mustert seine Schwester misstrauisch. Was soll das jetzt?, fragt er sich überrascht. Eine ehrliche Antwort liegt ihm bereits auf der Zunge. Nein, es gibt niemanden, will er sagen. Keine Frau. Nein. Er denkt kurz darüber nach und stellt fest, dass dies zwar tatsächlich der Wahrheit entspricht, aber nicht dem, was Nôrnar gerne hören würde, um ihren Seelenfrieden zu erhalten. Sollte es so einfach sein?, überlegt er verwundert. Noch bevor Cináed selbst richtig begreift, was er da tut, hört er sich laut und deutlich sagen: “Ja. Es gibt da eine Frau...”

“Oh.” Von einer Sekunde auf die andere verändert sich Nôrnars kompletter Gestus. Ihre Gesichtszüge werden weich, ihre Stimme sanft und ihr Lächeln mild. “Warum...” Nicht schon wieder..., denkt Cináed verzweifelt. “...hast du das bisher für dich behalten, Cad?” Fragend sieht seine Schwester ihn an. “Wie heißt sie? Du musst uns unbedingt miteinander bekannt machen!” Begeistert klatscht die Elbe in die Hände. Mist. Cináeds Mundwinkel zucken verräterisch. Doch nicht so einfach, stellt er trocken fest und erinnert sich plötzlich wieder ganz genau daran, weshalb er sich normalerweise ausschließlich an die Wahrheit und nichts als die Wahrheit hält. Lügen sind wie wilde Hunde. Kaum kehrt man ihnen den Rücken zu, schleichen sie sich lautlos heran und beißen einem ins Genick. Der Gutsbesitzer seufzt leise. Wie soll ich da nur wieder heil herauskommen?, fragt er sich. Laut erklärt er: “Wir werden sehen, ob es sich einrichten lässt...” Nôrnar klatsch abermals begeistert in die Hände. “Wunderbar”, verkündet sie und wirbelt einmal um die eigene Achse, bevor sie aus der Küche und auf den Hof hinaus stürmt. “Das muss ich unbedingt Mavourne erzählen!” Ein reichlich gequälter Ausdruck stellt sich auf Cináeds Gesicht ein, als er seiner entschwindenen Schwester verzweifelt hinterherblickt. Mist. Mist. Mist. Bei allen Göttern... Ich sollte mir schleunigst etwas einfallen lassen, denkt er entsetzt. Und zwar möglichst BEVOR es zu einer Katastrophe kommt!
"Who's Zed?" "Zed's dead, baby. Zed's dead." (Quentin Tarantino, Pulp Fiction)

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Dienstag, 16. Oktober 2012, 23:48

~ Auf dem Gutshof ~
Irgendwann Mitte/Ende Blätterfall

Die unvermeidliche Katastrophe lässt nicht lange auf sich warten. Schneller als Cináed Nôrnar sagen kann, nimmt das Drama seinen Lauf. Was als kleine, scheinbar harmlose Flunkerei begonnen hat, zieht rasch ungeahnte Kreise – Cináeds ganz persönlicher Alptraum.
Was habe ich mir nur dabei gedacht?, fragt sich der Shida'ya und ein leises, schadenfrohes Stimmchen irgendwo in seinem Hinterkopf antwortet prompt gehässig: Nichts! Dagegen kann der Elb beim besten Willen nichts einwenden, so sehr er sich auch um eine gute Erwiederung bemüht. Es hilft einfach nichts. Die gegenwärtige Misere hat er nur einem zu verdanken: Sich selbst! Energisch mistet Cináed die Pferdeboxen aus, während er zu vergessen versucht, was genau alles schief gelaufen ist, nachdem er zugelassen hat, das seine Schwester einfach so in die Stadt entschwunden ist.

Die erste größere Katastrophe hatte sich noch auf dem Hof angebahnt: Auf dem Weg zu den Stallungen – wo ihr Pferd untergebracht war – war Nôrnar geradewegs Rhona in die Arme gelaufen. Und selbstverständlich – Selbstverständlich! – hatte Cináeds Schwester es nicht versäumt der Herzländerin die unglaubliche Neuigkeit sofort brühwarm unter die Nase zu reiben. Mit schwerwiegenden Folgen für Cináed: Während Nôrnar nämlich beschwingt gen Talyra aufgebrochen war, hatte ihr Bruder sich mit einer eingeschnappten Obersten Magd konfrontiert gesehen, die ihrer Enttäuschung darüber jetzt erst und auf diese Weise ins Vertrauen gezogen zu werden sehr deutlich Ausdruck verliehen hatte. Schlußendlich hatte Cináed, wie ein in die Enge getriebenes Tier, sein Heil in der Flucht gesucht und war, ohne die Geschichte augenblicklich richtig zu stellen, hinaus auf die Weiden verschwunden, um nachzudenken und endlich wieder einen klaren Kopf zu bekommen.

Die Folgen, die dies nach sich gezogen hatte, waren schwerwiegend gewesen: Der Reihe nach hatte Rhona einem nach dem anderen ihr Leid geklagt – erst Owyn, dann Emrys und schließlich sogar Nara. Von dort war der Weg bis zu Liam, Gwyn und Úna äußerst kurz gewesen und die Katastrophe schon so gut wie nicht mehr abwendbar. Ab da galt es nicht mehr nur Nôrnars Wissbegier zu stillen, sondern auch die der Bewohner von Glyn-y-Defaid. Cináed hatte alles mögliche versucht und sich sogar bemüht die traurige Wahrheit angemessen darzustellen – bloß um kläglich zu scheitern.
Denn aus irgendeinem, ihm völlig unerfindlichen Grund scheint ihm niemand abkaufen zu wollen, dass er einerseits aus Angst vor seiner Schwester, andererseits auch aus Bequemlichkeit einfach eine neue Frau erfunden hat. Zumindest in diesem Punkt scheinen sich alle auf Glyn-y-Defaid einig zu sein. Die einzelnen Reaktionen fallen jedoch sehr unterschiedlich aus: Während sich die männliche Fraktion der Bewohner des Hofes offenbar die Meinung vertreten, dass jedem Mann ein paar kleine Geheimnisse erlaubt sein sollten und keine weiteren Fragen stellen, rätseln die Damen offen und ununterbrochen, wer die unbekannte Herzensdame ihres Herrn wohl sein mag. Ja, zwischen Nara, Mair und Úna scheint in diesem Punkt sogar geradezu ein heftiger Wettstreit ausgebrochen zu sein, den Cináed nur voller Sorge und Unverständnis zur Kenntnis nehmen, jedoch unmöglich unterbinden kann...

...und als wäre all dies noch nicht genug, hatte Nôrnar zu allem Ünglück auch noch dafür gesorgt, dass sich das Gerücht mittlerweile auch außerhalb des Hofes – vor allem natürlich in Talyra – immer weiter unter den Klatsch- und Tratschtanten der Gegend ausbreiten konnte. Ja, von Mavournes Werkstatt aus hatte die Geschichte binnen weniger Tage wie ein Lauffeuer in ganz Talyra die Runde gemacht.
Voller Schrecken denkt Cináed an seinen letzten Besuch in der Harfe zurück, als er sich über die nächste Pferdebox hermacht und die Mistgabel um einiges energischer schwingt, als eigentlich nötig. Man hatte ihn angesprochen. Natürlich. Gute Freunde, aber auch Bekannte und reine Geschäftspartner. Selbstverständlich hatte der Gutsbesitzer die Gerüchte verneint – gehalten hatten sie sich dennoch hartnäckig. Eine geheimnisvolle Unbekannte, der es nach all dieser Zeit endlich gelungen zu sein scheint, dem Gutsbesitzer von Glyn-y-Defaid gehörig den Kopf zu verdrehen, ist einfach besser für eine gute Geschichte geeignet als keine. Cináed ist, das ist ihm klar, – ganz offenkundig – an allen Fronten erfolgreich gescheitert. Selbst für sein eigentliches Problem – Nôrnar – hat er bisher keine Lösung finden können, weshalb ihm seine Schwester gegenwärtig zur Strafe mit nervtötenden Fragen das Leben zur Hölle auf Erden macht.
"Who's Zed?" "Zed's dead, baby. Zed's dead." (Quentin Tarantino, Pulp Fiction)

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Colevar

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Sonntag, 28. Oktober 2012, 21:46

<- Das Häuschen am Waldesrand

Auf dem Gutshof


Als sie beide eine halbe Stunde später nass, abgekühlt und wieder zurechnungsfähig - und vor allem angezogen – von ihrem Häuschen in Richtung Glyn-y-Defaid aufbrechen, um die Rohwolle für die Dämmung der westlichen Giebelwand zu holen – und endlich zu erfahren, wer diese geheimnisvolle Geliebte des Schafzüchters ist, von der halb Talyra spricht - , können sie wieder unbefangen miteinander umgehen. Allen Göttern sei Dank, denn er weiß wirklich nicht, welcher Dämon ihn geritten hat, das Spiel so sehr auf die Spitze zu treiben. Calait sitzt vor ihm auf Filidhs Rücken, lehnt sich vertrauensvoll an ihn und lässt die Beine baumeln, während sie unbekümmert die warme Herbstsonne auf ihrem Gesicht genießt. Du hast es ihr nur mit gleicher Münze heimgezahlt, versichert er sich in aller Logik. Sie hätte sich ja nicht ausziehen müssen! Das ist wahr. Außerdem hat sie sich die kleine Abreibung redlich verdient, denn sie reizt ihn seit Tagen und er war noch nie ein Mann, der einer Herausforderung gut widerstehen konnte. Himmelgötter, es ist ein Spiel, nichts weiter. Du bist nicht, was sie will und sie ist nicht, was du brauchst. Auch wahr. Sie ist eine schöne Frau und es ist nichts dabei. Noch wahrer. Dann könntet ihr es ja genauso gut sein lassen. Als hätte Calait etwas von seinen Gedanken geahnt, rückt sie noch ein Stück näher und macht es sich genüsslich zwischen seinen Armen gemütlich. Oder auch nicht. "Um der Götter Willen, Calait, sitz still! Du reitest auf mir und nicht auf dem Pferd!" Sie lacht nur und rutscht noch ärger hin und her. Sie schaffen es tatsächlich, Glyn-y-Defaid, das Tal der Schafe, noch an diesem Tag zu erreichen, obwohl Cináeds Ländereien nur einen guten Stundenritt entfernt sind.

Colevar kennt das Gut, oder vielmehr das zugehörige Land, schließlich ist das Übungsgelände der Blaumäntel nicht weit entfernt, aber er war noch nie auf dem Hof selbst. Eine saubere, stattliche Hofstelle erwartet sie, mit soliden, gut gepflegten Gebäuden, von denen viele neu gedeckte Dächer haben. Auch der hohe Blutbaum neben dem Brunnen sieht noch ein wenig mitgenommen aus. Der Sturm... Colevar erinnert sich. Hierher war Calait unterwegs, als... Sie haben weder Reykir noch Shirin bei sich, denn sein Hund ist ein zu leidenschaftlicher Jäger und hat ein wenig zu viel Wolf in sich, um ihn guten Gewissens mit in ein Tal voller Schafe zu nehmen, dennoch werden sie von frenetischem Gebell und, da die beiden Hofhunde Calait kennen und von ihr auch sofort mit ihren Namen angerufen werden, freundlichem Schwanzwedeln begrüßt. Snerra, die sie als Handpferd mitgenommen haben, schnaubt und rollt mit den Augen, steht jedoch auf ein leises Wort von Colevar hin wieder still. Keine Menschenseele ist zu sehen, der Hof liegt leer und – abgesehen von den Hunden – still in der warmen Herbstsonne vor ihnen. Colevar steigt von Filidhs Rücken und hebt Calait herunter, die die Hunde an sich drückt und dann lauschend den Kopf hin und her dreht. "Ich sehe niemanden, Calait."
Sie zuckt mit den Schultern. "Wahrscheinlich im Haus," meint sie dann und er nimmt automatisch ihre Hand, um sie zur Tür zu bringen, ohne dass sie sich dabei die Füße irgendwo an einem Stein blutig stößt oder in den Brunnen fällt. Flankiert von den Hunden überlässt Colevar es dann jedoch ihr, den Herrn von Glyn-y-Defaid aufzuspüren – sie steht direkt vor der Tür und muss nur noch klopfen. "Ich kümmere mich um die Pferde und passe auf, dass Snerra kein Schaf und keinen Hund frisst."
Some say the world will end in fire. Some say in ice.
From what I’ve tasted of desire I hold with those who favor fire.
But if it had to perish twice, I think I know enough of hate
To say that for destruction ice is also great - and would suffice.
R.Frost

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Montag, 29. Oktober 2012, 16:37

~ Auf dem Gutshof ~
Irgendwann Mitte/Ende Blätterfall

Das laute Pochen an der Eingangstür ist bis in die Küche zu hören und lässt Rhona missmutig von ihrer Arbeit aufschauen. Drei gewaltige Haufen liegen vor ihr auf dem wuchtigen Küchentisch – der erste besteht aus ganzen, noch ungeschälten Äpfeln, der zweite aus Apfelschalen und Kerngehäusen und der dritte schließlich aus fein geschnippelten Apfelstücken, denn die Oberste Magd ist gerade dabei Unmengen an Apfelmus, Kompott und ähnlichem einzukochen. Verdrieslich legt sie ihr Messer aus der Hand, wischt sich die Hände an der weiten Schürze ab und macht sich dann auf den Weg in die Halle, um zu sehen, wer vor dem Haus stehen mag.
Als sie die Eingangstür öffnet und sieht, wenn sie dort vor sich stehen hat, glätet sich der verstimmte Blick der Herzländerin sogleich und weicht einem herzlichen Lachen. “Calait, wie schön dich zu sehen”, begrüßt Rhona die Resande und nickt Calaits hochgewachsenen Begleiter, der sich schon wieder auf halbem Weg zurück zu den Pferden befindet, höflich zu. “Sire.” Die Köchin kann nicht gerade von sich behaupten eine Expertin in Sachen talyrischer Adelsgeschlechter zu sein, aber dass ihm Falle des gutaussehenden, stattlichen Mannes ein Sire angebracht ist, dafür braucht es lediglich die Erfahrung und Instikte einer guten Magd. “Du kommst wegen der Rohwolle, richtig?”, erinnert sich Rhona und wendet sich wieder Calait zu. “Min Herr ist im Obstgarten beschäftigt. Komm, ich rufe Gwyn und Úna, damit sich dich hinausbringen können.” Die Oberste Magd wirft Colevar einen fragenden Blick hinterher, unschlüssig ob er Calait begleiten will oder nicht. Ihr Blick bleibt an Filidh und Snerra hängen. “Führt die Tiere einmal ums Haus herum, Sire, zum Obst- und Gemüsegarten. Ihr könnt es gar nicht verfehlen”, ruft sie Colevar schließlich kürzerhand zu, während sie Calait bereits am Arm gefasst und halb zur Tür hinein geschoben hat – der kürzeste Weg in den Obst- und Gemüsegarten (ohne Pferde im Schlepptau!) führt durch die Küche und in den Färber- und Kräutergarten hinterm Haus hinaus.

“Ùna! Gwyn!” Rhonas Stimme könnte Tote erwecken und die beiden Geschwister kennen ihre Mutter gut genug um zu wissen, dass man sie in solch einem Fall besser nicht allzu lange warten lässt. Blitzschnell kommen sie aus ihren Verstecken heraus, wo sie sich bisher erfolgreich vor jedweder Mitarbeit gedrückt haben, und fallen lachend und schnatternd über Calait her. Es bedarf keiner langer Erklärungen und schon geleiten der schlaksige Junge und das vorwitzige Mädchen die Resande laut plappernd in die Gärten hinaus, wobei sie sich der Einfachheit halber einer links, einer recht, bei Calait einhakt haben.

Cináed ist derweil mit Owyn, Emrys, Liam, Nara und Mair im Obst- und Gemüsegarten beschäftigt gewesen, als Calait und Colever Gly-y-Defaid erreicht haben. Es ist höchste Zeit die späten Apfel- und Birnensorten zu ernten und alle haben viel zu tun. Der Karren mit Llasar davor steht nahbei und überall unter den Bäumen befinden sich leere Körbe, die erst noch befüllt werden müssen, und randvolle Körbe und Säcke, die darauf warten auf den Karren geladen zu werden. Llasar, seines Zeichens ein waschechtes Verder Kaltblut, steht gelassen vor dem Karren und schaut drein als wenn ihn kein Wässerchen trüben könnte, während Emrys und Liam damit beschäftigt sein, mehrere Körbe auf die Ladefläche zu heben. Die meisten Apfelkörbe und -säcke haben die beiden jungen Männer bereits entfernt, aber einige wenige Körbe mit Äpfeln, die für den Winter eingelagert werden sollen, stehen noch immer direkt neben dem Karren herum.
Lachend und schwatzend fallen Gwyn und Ùna mit Calait in den Obstgarten ein und marschieren hurtig auf den Gutsbesitzer zu, wobei sie einen gewagten Parcours absolvieren, indem sie die Resande geschickt um Säcke, Körbe und Gartengerätschaften herummanövrieren, die überall im Garten unter- und um die Bäume herumstehen. Erfreut schaut Cináed dem munteren Gespann entgegen, während er Llasar davon abhält, von den duftenden Äpfeln zu naschen. Nara hat indes nur Augen für Colevar, der just in diesem Moment ebenfalls mit seinen Pferden am Zügel um die Hausecke gebogen kommt. Liams Augen verengen sich hingegen zu schmalen Schlitzen, als er den hochgewachsenen Mann entdeckt und den schmachtenden Blick bemerkt, den Nara dem Neuankömmling zuwirft.

Durch die überschwengliche Begrüßung der unerwarteten Gäste und das allgemeine Chaos, das gleich darauf folgt, abgelenkt, lässt der Elb Llasar für einige Augenblicke aus den Augen. Normalerweise ist dies auch nicht weiter tragisch, da das ruhige, gutmütige Tier sich selten unerlaubt vom Fleck rührt.
Der Gutsbesitzer nickt Colevar zu und erwiedert erfreut Calaits Begrüßung und die herzliche Umarmung. Als er sich wieder von ihr löst und den Blick hebt, versteift er sich allerdings urplötzlich als er über ihre Schulter hinweg sieht wie seine Schwester sich rasch vom Drych Cymylau her nähert – ein breites Grinsen auf dem Gesicht. Bei allen Göttern! Cináed schwant nichts Gutes. „Ähhh, kennst du meine Schwester eigentlich schon...?“, bringt er stockend heraus, denn er erkennt bereits, dass eine Begegnung absolut unvermeidlich ist. „Calait, meine Schwester Nôrnar...” Bei diesen Worten dreht der Gutsbesitzer die Resande sacht in die entsprechende Richtung. “...Nôrnar – Calait.” “Oooooooh, Calait, wie schön dich kennen zu lernen”, erklärt Nôrnar, voll und ganz ihr übliches, überschwengliches Selbst. “Jetzt verstehe ich endlich, weshalb mein kleiner Bruder partout nicht mit mir in die Elbenlande zurückkehren will...” MIST! Cináed kann es nicht fassen. Ausgerechnet hier... vor versammelter Mannschaft. Er will etwas sagen, Nôrnar aufhalten, aber Llasar, dieser Verräter, fällt dem Gutsbesizter im alles entscheidenden Augenblick prompt mit seiner Gefrässigkeit gnadenlos in den Rücken.

Das Verder Kaltblut hat die ganze Szene bisher ruhig und gelassen mitverfolgt ohne sich groß an dem plötzlichen Trubel zu stören, nun aber sieht Llasar seine große Stunde gekommen: Ein Korb voller saftiger, verlockend roter Äpfel, der direkt neben dem Gutsbesitzer steht, hat die Aufmerksamkeit des Tieres auf sich gezogen. In der Annahme seinen Diebstahl nun unbemerkt durchführen zu können, setzt der Hengst sich schwerfällig in Bewegung und streckt seinen Hals, so weit das dank Karren und hinderlichem Zuggeschirr eben möglich ist, vor. Die Gier lässt das große Tier unachtsam werden und so rempelt Llasar seinen Besitzer recht unsanft an. Der Shida'ya, vollkommen überrascht von dem was hinter seinem Rücken vor sich geht, stolpert leicht vorwärts und greift, um nicht vollends das Gleichgewicht zu verlieren, aus einem Reflex heraus mit der linken Hand nach Calait. Genau in dem Augenblick, als Nôrnar der Resande freudestrahlend verkündet “Willkommen in der Familie!”, schließen sich die Finger des Elben sanft um Calaits Schulter, wobei sie ganz sachten Druck ausüben.
Als die Worte seiner Schwester langsam in Cináeds Hirn sickern, weicht mit einem Schlag alle Farbe aus seinem Gesicht und seine Finger verkrampfen sich noch etwas mehr. Einen Moment lang kann er weder klar denken, noch sich rühren. Wie betäubt steht er da, die linke Hand immer noch auf Calaits Schulter gelegt. Fassungslos starrt er seine Schwester an und merkt gar nicht wie er den Atem anhält, während er auf Calaits Reaktion wartet. Nôrnar wird mich vor aller Augen zur Schnecke machen, stellt er nüchtern fest und wird mit einem Mal ganz ruhig. Gleich hier. Mitten auf dem Hof... und Calait wird vermutlich anschließend mein armes kleines Schneckenhaus zertrampeln, damit ich mich ja nirgendwo verstecken kann, wenn Sire Lorcain mir den Gnadenstoß verpasst. Zu seiner großen Verwunderung merkt er, dass ihm das alles absolut nichts auszumachen scheint. Ist auch schon egal. Schlimmer kann es eigentlich nicht mehr werden, oder?, sagt sich der Shida'ya resigniert und wartet einfach auf das Donnerwetter, das gleich unweigerlich folgen muss.
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Colevar

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Montag, 29. Oktober 2012, 20:46

So ruhig und fast abweisend der Hof eben noch in der herbstlichen Sonne vor ihnen gelegen hatte, so freundlich was ihn, Colevar, und herzlich was Calait angeht ist die Begrüßung der Magd, die sie schließlich in Empfang nimmt. Sie plaudert fröhlich und vertraut mit Calait, scheint ihn jedoch nicht so wirklich einordnen zu können, weswegen sie ihm einfach nur höflich zunickt und ihn bittet, die Pferde ums Haus herum zu den Gärten zu führen, wo ihr Herr beschäftigt sei. Colevar muss gar nicht fragen, womit, schließlich duftet das ganze Haus intensiv nach Äpfeln. Er tut wie geheißen und betrachtet im Vorübergehen das Haus, die Nebengebäude, die Zäune... alles in einwandfreiem Zustand. Vieles sieht neu aus, denn der Sturm hatte hier wohl kräftig gewütet und einige Schäden hinterlassen, aber alles scheint sorgsam gepflegt und gut bewirtschaftet zu werden. Es ist ein großes Gut, nicht riesig, aber soweit er sich zu erinnern glaubt auch alles andere als klein, und Colevar weiß ganz genau, wie viel Arbeit und Mühe von seinem Besitzer und dem Gesinde Tag für Tag darauf verwendet werden muss, um all das so gut instand zu halten. Er mag den Herrn von Glyn-y-Defaid noch nicht kennen, aber er weiß schon jetzt, dass es ein Mann sein muss, dem Hof und Heim viel bedeuten. Und wie es aussieht, hat er tüchtiges Gesinde. Die Pferde folgen ihm gelassen und willig, und lassen sich weder vom saftigen Gras des Obstgartens, noch von den vielen Äpfeln und Birnen in Kisten und Körben großartig verlocken. Doch sie spitzen die Ohren, als vor ihnen mit einem Mal Stimmengewirr und Gelächter laut werden. Als Colevar um die letzte Hausecke biegt, breiten sich Wiesen vor ihm aus, bestanden mit den verschiedensten Obstbäumen und Calait wird gerade von Cináed und allen anwesenden Knechten und Mägden begrüßt – abgesehen von einer jungen Frau, die ihn einen Moment lang anstarrt, als traue sie ihren Augen nicht so ganz und dann rasch wieder wegsieht sowie einem jungen Mann, dem gerade das überhaupt nicht gefallen will, so finster wie er den kurzen Blickwechsel beobachtet. Colevar unterdrückt ein Lächeln, erwidert das Nicken des Elben freundlich und bleibt mit den Pferden ein wenig im Hintergrund. Dank seines nordischen Äußeren und seiner Vorfahren hat er in seinem Leben schon ein paarmal die Erfahrung machen müssen, dass viele des Schönen Volkes eher reserviert auf ihn reagieren, doch er nimmt es gelassen. Bisher hatte er die Elben, die er kennengelernt hatte, noch immer, und meistens sogar recht rasch, davon überzeugen können, dass er vielleicht wie ein Barbar aussehen mag, aber trotzdem noch nie einfach so und nur zum Spaß ein Spitzohr gefressen hat. Von seinem Standpunkt aus und weil der allgemeine Begrüßungswirrwarr - denn einfach jeder Anwesende muss Calait die Hand schütteln oder sie umarmen - ein Weilchen dauert, hat er Zeit, das Bild, das sich ihm bietet, zu beobachten.

Cináed scheint ein ruhiger, freundlicher Mann zu sein und sein Gesinde respektiert ihn, fürchtet ihn jedoch in keiner Weise. Der Elb sieht so alterslos aus, wie alle seines Volkes, dennoch macht er auf Colevar eigentlich keinen jungen Eindruck, im Gegenteil, er scheint eher etwas... reifes und besonnenes, den jüngeren Kindern, die überall herumhüpfen gegenüber auch etwas ausgesprochen Väterliches an sich zu haben. Da er ein wenig abseits steht und sich der allgemeine Trubel auch nicht auf ihn erstreckt, als hätten alle ein wenig Scheu, näher zu treten und ihn ebenfalls willkommen zu heißen (auch das nimmt er gelassen, schließlich kennt er das nur zu gut) und nicht zuletzt dank seiner Größe, hat er den besten Blick auf die Ereignisse, die sich gerade anbahnen. Er sieht die Elbin, die auf die Gruppe zuhält, sieht, wie Cinaéd kurz erstarrt, kann sich keinen Reim darauf machen, sieht noch etwas anderes, nämlich eine vorwitzige Pferdenase, die die Gunst der Stunde und die allgemeine Unaufmerksamkeit sämtlicher anwesender Zweibeiner nutzt, um sich Sekhel für Sekhel an den Apfelkorb heranzuschieben, und sieht den Elben schon auf Calaits Füßen stehen, einen Moment bevor praktisch genau das geschieht: das Pferd holt sich die heißbegehrte Beute und stößt seinen Herrn kurzerhand aus dem Weg, was diesen prompt mehr oder weniger in Calaits Arme stolpern lässt, gerade als die Elbin – Colevar kann nicht sagen, was ihn darauf kommen lässt, denn so ähnlich sehen sie sich eigentlich gar nicht, aber er würde wetten, sie ist mit dem Herrn von Glyn-y-Defaid verwandt, vielleicht seine Schwester, vielleicht eine Base – eine anziehende Frau mit roten Locken, hellen Augen und einem Meer von Sommersprossen auf ihrer schmalen, hübschen Nase, die beiden erreicht. Was dann folgt, ist im ersten Moment allerdings ziemlich unverständlich für alle Beteiligten. Colevars Brauen ziehen sich verwirrt zusammen. Calait soll der Grund sein, warum der Elb nicht in seine Heimat zurückkehren will? Wieso nicht seine geheimnisvolle... oh! Sein Blick wandert noch einmal über Haus, Hof, Weiden, Wiesen und Obstgärten. Aber er ist doch hier zu Hause!
>Willkommen in der Familie!<
Während die Elbin strahlt vor Begeisterung, die vermeintliche "Geliebte" des Herrn von Glyn-y-Defaid endlich zu Gesicht zu bekommen, sieht dieser eher aus, als würde er am liebsten auf der Stelle im Boden versinken – fassungslos und ein wenig verwirrt, aber auf keinen Fall, als würde er diese Verwechslung gleich amüsiert aufklären wollen, so wie er es eigentlich tun müsste. Colevar hebt fragend eine Braue und sieht dem Elben direkt ins erst schreckerstarrte, dann reichlich resignierte Gesicht. Macht den Mund auf, Elb, oder ich tue es!, das sagt sein amüsierter Blick ziemlich deutlich, doch Cináed macht immer noch keine Anstalten, irgendetwas zu erklären.

Mit einem leisen Schnauben wirft Colevar dem jungen Knecht, der ihn so finster angestarrt hatte, als er in den Obstgarten gekommen war, die Zügel der Pferde zu und setzt sich in Bewegung. Einen Augenblick später ist er an Calaits Seite und sieht in ein paar rauchgraue, schräge Katzenaugen. Wie alle Talyrer, die in der Stadt oder ihrem näheren Umland aufgewachsen sind, kennt er natürlich die Geschichte des Elben und seiner Menschenfrau, denn eine Weile hatten die Barden sie landauf landab gesungen und bei jeder Gelegenheit zum Besten gegeben... ebenso wie eine Vielzahl anderer Legenden, Gerüchte und Geschichten über stadtbekannte Persönlichkeiten, die alle Jahre die Runde in und um Talyra machen. Und warum auch nicht? Es ist eine gute Geschichte, auch wenn sie ein trauriges, unvermeidliches Ende genommen hatte. Gerade deshalb hatten die Barden sie ja gesungen und tun es noch heute. Colevar kann sich zusammenreimen, dass es wahrscheinlich überhaupt keine geheimnisvolle Geliebte gibt, nicht nach Cináeds schreckensbleicher Reaktion und seinem beharrlichen Schweigen, den Irrtum in Bezug auf Calait zu berichtigen. Und er kann sehen, dass der Elb aus irgendeinem unerfindlichen Grund gerade den Kopf einzieht wie eine Schildkröte, die sich am liebsten in ihren Panzer verkriechen möchte in Erwartung eines ziemlich unangenehmen Ereignisses. Also... "Sire Colevar Lorcain von Lyness", stellt er sich vor und mustert sein Gegenüber. "Calaits... Bruder." Irgendetwas muss er sagen, das seine beständige Anwesenheit im Haus der 'Geliebten' eines anderen Mannes erklärt und das auf möglichst unverfängliche Art und Weise, ehe sie hier wieder fortkommen und der Schafzüchter Gelegenheit hat, in Ruhe alles zu erklären. Er bemerkt, wie der Blick der Elbin unsicher von ihm zu Calait und wieder zurück wandert, dabei das völlige Fehlen jeglicher Familienähnlichkeit konsterniert zur Kenntnis nimmt und setzt umgehend sein charmantestes Lächeln auf. "Sie ist adoptiert." Allen Göttern sei Dank (oder vielleicht... doch lieber nicht?) ist Calait eine schlagfertige Frau, die eins und eins zusammenzählen und eine Situation wie diese so sicher erfassen kann wie ein Bluthund eine frische Fährte. Dass sie jedoch prompt auf das Verwechselspiel eingeht und Nornar überschwänglich, wie es nun einmal ihre Art ist, begrüßt und losplappert, sie habe ja schon so viel von ihr gehört (was eine glatte Lüge ist), damit haben wohl weder Colevar, noch Cináed gerechnet. Er fängt sich nur schneller wieder, als der Elb, dem Calait bei all ihrem Geplauder sicherheitshalber noch dezent vors Schienbein tritt, als obligatorischen Wink mit dem Zaunpfahl.
Some say the world will end in fire. Some say in ice.
From what I’ve tasted of desire I hold with those who favor fire.
But if it had to perish twice, I think I know enough of hate
To say that for destruction ice is also great - and would suffice.
R.Frost

Calait

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Beruf: Gelegenheitsgauklerin und Dritteklasseheilkundige

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12

Donnerstag, 1. November 2012, 13:36

“Oooooooh, Calait, wie schön dich kennen zu lernen. Jetzt verstehe ich endlich, weshalb mein kleiner Bruder partout nicht mit mir in die Elbenlande zurückkehren will...” Sie hat die Hände schon halb erhoben, ein halbes Kopfschütteln im Anschlag, um das Missverständnis mit ein paar einfachen Worten aufzuklären, als sich plötzlich Cináeds warme, schlanke Finger um ihre Schulter schliessen und sie zusammen mit Nornars “Willkommen in der Familie!” überrascht innehalten lassen. Elbenlande? Rückkehr? Fam... oh... Dieses durchtriebene Spitzohr. Selbst hätte sie Augen im Hinterkopf, wäre sie immer noch blind und könnte deswegen nicht sehen, wie Cináed gerade sämtliche Farbe aus dem Gesicht sickert, aber sie kann seine wachsende Verzweiflung regelrecht riechen... und es bedarf all ihrer Willenskraft nicht hinterlistig zu lächeln. Na warte. Du kriegst deine geheimnisvolle Geliebte. Zu ihrem Glück schaltet Colevar genauso schnell und hat wahrscheinlich genau denselben hinterlistigen Gedanken. Plötzlich steht er neben ihr – bestimmt genauso darum bemüht nicht zu breit zu grinsen – und meint ganz selbstverständlich: "Sire Colevar Lorcain von Lyness. Calaits... Bruder." Den Göttern sei Dank kann sie nicht nur singen, sondern auch ganz passabel schauspielern, sonst wäre sie spätestens jetzt in haltloses Kichern ausgebrochen. Stattdessen lächelt und nickt brav und lächelt noch breiter, als Colevar auf Nornars skeptische Blicke hin ein trockenes " Sie ist adoptiert" hinterherschiebt, und Cináed, der gerade geräuschvoll die Luft einzieht, einmal dezent vors Schienbein tritt. Damit die Elbe sich nicht länger Gedanken über etwaige Familienähnlichkeiten, beziehungsweise das Fehle der Selbigen, machen kann, tut Calait mit ihrer Zunge mal was Nützliches – abgesehen davon arme Zwerge in den Wahnsinn zu treiben -, sie redet. Ganz schnell. Und viel. Und völligen Unsinn. "Nornar! Wie schön dich endlich, endlich kennen zu lernen. Hach, ich habe ja schon sooo viel von dir gehört. Mein piku Höntti..." An dieser Stelle entschuldigt Colevar ganz kurz, weil ihn ein unerklärlicher Hustenanfall plagt und Calait wird bewusst, dass er in seiner Zeit in Immerfrost wohl ein paar Brocken Pakkakkieli aufgeschnappt haben muss. "... wird gar nicht müde mir von den Elbenlanden zu berichten. Von den Faéranathares, dem grünen Tal von Erryn, von Muroran mit seinen Steilklippen, von den goldgrünen Tiefen der Virinsarnies und dem Valonva Shaer in Lomirion. Oh! Und von diesen... ach, wie hiessen sie denn schon wieder. Diese kleinen Bällchen aus rohem Fisch, Reis und getrockneten Algen? Aber entschuldigt, ich rede und rede und wahrscheinlich hast du selber hundert Fragen. Wie gefällt dir denn der Hof? Und die Schafe? Und Talyra? Hast du Bríd, Íde, Ena und Líle schon kennen gelernt? Und die Häschen, ich muss dir unbedingt die Häschen zeigen. Die sind so niedlich. Gesprochen von niedlich, war er mit dir schon im Schweinestall?" Ganz nebenbei hakt Calait sich bei Nornar unter und beginnt mit ihr in die ungefähre Richtung des Haupthauses zu wandeln. "Ach, ich bin blind, falls ihr das noch nicht bemerkt haben solltet. Deswegen musste Colevar", sie schenkt ihrem vermeintlichen Bruder über die Schulter hinweg ein schwesterliches Grinsen, "auch von Lyness zu mir ziehen, weil ich mich partout in der Stadt verlaufen habe und der Lord Commander es leid war sich dauernd in meinen Wollknäueln zu verfangen. Also solltest du von irgendeinem geheimnisvollen Schönling hören, der in meinem Häuschen wohnt, dann zerbrich dir nicht den Kopf darüber. Ich würde Cináed niemals untreu werden, immerhin reicht ihm niemand das Wasser, wenn es um, nun, " sie stupst Nornar verschwörerisch mit der Schulter: "du weisst schon... Abgesehen davon ist er der freundlichste, herzlichste und liebenswerteste... Elb, der mir jemals begegnet ist. Ausserdem der schüchternste. Hat er dir schon erzählt, wie wir uns kennen gelernt haben? Nein?"

Inzwischen sind sie wieder beim Haus angelangt, wo eine Rhona es gerade so schafft ihre Contenance am Rockzipfel zu erwischen und Gwyn, der schon fragen will, seit wann Calait denn mit dem Herren zusammen sei, eine Hand über den offenen Mund zu schieben. "Steh nicht da und halt Maulaffen feil. Hol mir mehr Äpfel." Der Tonfall seiner Mutter duldet keinen Widerspruch, also trollt sich der Junge, nicht ohne noch einmal fragend zwischen seinem Herren, der noch immer völlig fassungslos neben seinem möglicherweise Schwager in Spe – von dem auch keiner weiss, wo der auf einmal herkommt – steht, und Calait, die mit Nornar zusammen soeben im Inneren des Hauses verschwindet, hin und her zu schauen. Wahrscheinlich hält er sie alle für komplett verrückt. Und das nicht zu unrecht. Auch Emrys, Nara und Liam wechseln teils verwirrte, teils amüsierte Blicke, werden aber von Rhona gleich darauf mit ein paar resoluten Scheuchbewegungen zurück an die Arbeit getrieben, als wären sie eine Hühnerschar auf Abwegen.
... enjoy the little things in life for one day they will be the big things ...

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13

Donnerstag, 1. November 2012, 16:16

Die Katastrophe ist gewaltiger als Cináed es sich in seiner Vorstellung hätte ausmalen können, und läuft zudem vollkommen anders ab als erwartet, denn das infernalische Donnerwetter, das er befürchtet hat, bleibt aus. Man sollte meinen, Colevars bloße Anwesenheit sollte ausreichen, um Nôrnar misstrauisch werden zu lassen – doch weit gefehlt. Die schlichte Erklärung Lorcains, Calait sei seine Adoptivschwester, reicht – Cináed glaubt es kaum – aus um Nôrnars etwaige Zweifel mit einem Schlag komplett zu zerstreuen. Aus irgendeinem Cináed absolut unerfindlichen Grund zieht seine Schwester nicht einmal ansatzweise in Erwägung, dass es sich um eine glatte Lüge handeln könnte. Warum auch immer, sie akzeptiert ohne weiteres, dass Calait und der stattliche Offizier der Stadtgarde kein Liebespaar sondern Geschwister sind. Der Shida'ya versteht es einfach nicht und fragt sich einmal mehr ob er und Nôrnar wirklich in der selben Welt leben. Welche Frau würde schon ernsthaft einen langweiligen, spitzohrigen, linkischen Schafzüchter bevorzugen, wenn sie stattdessen diesen Ausbund an Männlichkeit, Stärke und Ritterlichkeit haben könnte. Selbst IHM ist nicht entgangen, dass Nara sich bereits hoffnungslos in irgendwelchen zuckerwatteweichen Traumgespinsten verfangen hat, während Liam die Eifersucht aus jeder Pore tropft. Nein, er versteht tatsächlich nicht, weshalb seine Schwester, die doch sonst nicht auf den Kopf gefallen ist, die offensichtliche Lügenmär nicht sofort durchschaut.

Den Gipfel der Unfassbarkeit liefert allerdings Calait ab, indem sie ohne auch nur mit der Wimper zu zucken (und selbst wenn sie es täte, dank ihrer Augenbinde würde man das ohnehin nicht sehen) weiter in seine eigene Lügengeschichte mit einsteigt. Was erzählt sie da?, fragt er sich fassungslos. Ich habe ihr nie von Nôrnar erzählt... Aaaah... Ein dezenter Tritt vors Schienbein löst seine Denkblockade. Fasziniert und verstört zugleich hört er zu wie Calait ihre Geschichte immer weiter spinnt. »Ach, ich bin blind, falls Ihr das noch nicht bemerkt haben solltet. Deswegen musste Colevar auch von Lyness zu mir ziehen, weil ich mich partout in der Stadt verlaufen habe und der Lord Commander es leid war sich dauernd in meinen Wollknäueln zu verfangen. Also solltest du von irgendeinem geheimnisvollen Schönling hören, der in meinem Häuschen wohnt, dann zerbrich dir nicht den Kopf darüber. Ich würde Cináed niemals untreu werden, immerhin reicht ihm niemand das Wasser, wenn es um, nun, du weisst schon... Abgesehen davon ist er der freundlichste, herzlichste und liebenswerteste... Elb, der mir jemals begegnet ist. Außerdem der Schüchternste. Hat er dir schon erzählt, wie wir uns kennen gelernt haben? Nein?« Mit jedem weiteren Wort aus dem Mund der Resande steigt Cináed ein wenig mehr Farbe ins Gesicht. Himmel, ich werde nach Immerfrost auswandern oder im Riathar um Asyl bitten müssen!, erkennt der Shida'ya entsetzt.

Immerhin, er scheint nicht der einzige zu sein, der von der Sitution verwirrt und ein wenig überfordert ist. Wortlos sieht er Calait und seiner Schwester im Haus verschwinden und ist froh, dass Nôrnar keine Augen im Hinterkopf hat. “Sollen wir ihnen folgen?”, fragt er Colevar schließlich lahm, während sie vor dem Haus stehen. Er deutet in Richtung der Tür, die sich hinter den Frauen schon wieder geschlossen hat. “Ihr seid ja eigentlich wegen der Rohwolle gekommen... und nicht um... dieses Durcheinander mitzuerleben...” Die Worte bleiben ihm im Halse stecken. Er will ganz eindeutig nicht mit Rhona, Calait und Nôrnar eingesperrt in der Küche zubringen. Lügen, dass war noch nie Cináeds Spezialität. Er kann es schlicht nicht. Die Geschichte mit der geheimnisvollen Geliebten ist ein einmaliger Glückstreffer. Oder auch nicht, jenachdem wie man es lieber sehen mag. Und außerdem war die Sache ein ziemlicher Selbstläufer. Er hatte nur den Ball, den seine Schwester ihm zugeworfen hat, aufgefangen und zurückgespielt, dabei dummerweise aber eine Kettenreaktion ausgelöst, die er ganz eindeutig schon lange nicht mehr unter Kontrolle hat. Eher an sich selbst gerichtet, denn an Colevar gewandt, erklärt er im Brustton der Überzeugung: “Ich glaube, ich brauche jetzt erst einmal was Starkes zu trinken!”

Nôrnar hat Calait derweil in die Küche des Haupthauses verschleppt und es sich mit ihr am großen Tisch bequem gemacht, während Rhona ihnen gegenübersteht, Äpfel schnippelt und die beiden Frauen wachsam im Auge behält damit diese nicht zu viele ihrer mühsam geschälten Apfelspalten stibitzen. “Oh, Cadian war schon immer etwas schüchtern. Niedlich, aber ein Träumer”, plaudert die Shida'ya munter aus dem Nähkästchen. “Du hättest ihn sehen sollen, wenn die älteren Mädchen ihn geneckt haben.” Nôrnar grinst amüsiert. “Unsere Cousinen hatten ihn ziemlich im Griff.” Ihre Worte lassen keinen Zweifel daran bestehen, dass nicht nur besagte Cousinen genau wussten, wie sie den kleinen, sechsjährigen Cadian am Besten nach ihrer Pfeife tanzen lassen konnten. Munter kramt Nôrnar eine Kindheitserinnerung nach der anderen aus, all die harmlosen, peinlichen Geschichten, die kleine Jungs, wenn sie älter und zu großen Männern geworden sind, lieber für immer und ewig unter irgendeinem schweren Stein begraben sehen würden. “So, nun verrat mir aber mal, wie du mein Brüderchen kennen gelernt hast”, verkündet Nôrnar schließlich und sieht Calait neugierig an. “Cadian erzählt mir ja nichts, der Geheimniskrämer”, fügt sie mit schmollendem Unterton in der Stimme hinzu. “Alles muss man ihm aus der Nase ziehen, wirklich alles. Und dabei ziert er sich auch noch fürchterlich!” Die Shida'ya macht eine theatralische Geste, die selbstverständlich nur Rhona sehen kann. Die Shida'ya kneift die Augen leicht zusammen und sieht dabei aus wie eine hinterliste Katze. “Ich bin wirklich neugierig. Entschuldige meine Offenheit, aber wenn ich ehrlich bin, dann ist Cadian ist nicht ganz die Sorte Mann, die auf den ersten Blick zu dir zu passen scheint... so bodenständig und langweilig wie er zuweilen sein kann.”

Flatterhaft wie ein Schmetterling wechselt Nôrnar bei den Stichworten bodenständig und langweilig allerdings sogleich zum nächsten Thema. “Ich verstehe einfach nicht, weshalb er nicht an eine Arkana gehen will, um zu lernen, wie er sein Talent richtig nutzen kann. Stattdessen will er lieber hierbleiben und Schafe zuüchten”, macht sie ihrem Frust einfach so Luft, ohne sich darüber Gedanken zu machen, ob Calait oder zum Beispiel auch Rhona, davon wissen – Nôrnar setzt dies einfach voraus. “Schafe.” Sie schnaubt leicht. “Ich meine, ich kann verstehen, dass er unter diesen Umständen nicht nach Imraseth gehen kann, nicht mit so eine schönen Frau an seiner Seite... aber Sorbonn ist ja gar nicht so fern.” Nachdenklich sieht die Elbe Calait an. “Vielleicht, wenn du ihn begleiten würdest...?” Es ist unglaublich wie freimütig Nôrnar ihre Gedanken in Worte fasst, die sie auch noch vor aller Welt offen ausspricht. Cináed würde es nicht im Traum einfallen derartige Dinge a) mit einer ihm mehr oder weniger völlig unbekannten Frau und b) direkt in Front seiner Knechte und Mägde lang und ausführlich zu diskutieren. Seine Schwester kennt derartige Bedenken absolut nicht. Vor Calait und Rhona darüber nachzudenken, das ihr Bruder den Hof ohne weiteres an Rhonas Mann Owyn übergeben und anschließend Talyra verlassen könnte, bereitet ihr keinerlei Schwierigkeiten – Bedenken oder Zweifel an der Richtigkeit ihres Handels kommen ihr scheinbar gar nicht in den Sinn. “Oder... ist es gerade ein... ungünstiger Zeitpunkt...?”, hakt die Shida'ya nach, als ihr ein neuer Gedanke zu kommen scheint. Prüfend nimmt sie Calait genauer in Augenschein und mustert die Resande aufmerksam von oben bis unten.
"Who's Zed?" "Zed's dead, baby. Zed's dead." (Quentin Tarantino, Pulp Fiction)

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Colevar

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14

Donnerstag, 1. November 2012, 17:05

Colevar lauscht dem folgenden Spektakel mindestens ebenso fasziniert und genauso verwirrt wie Cináed. Nun gut, vielleicht nicht ganz so verwirrt, schließlich hatten sie es mehr oder weniger darauf angelegt, dass die Elbin – Nôrnar – Calait genau dafür hält: für Cináeds Geliebte. Allerdings war er vor einem Moment noch davon ausgegangen, dass dieses Missverständnis einfach nicht aufgeklärt werden würde und sie, nachdem sie den Grund ihres Besuchs genannt hatten, rasch wieder von hier verschwinden hätten können. Calait und er mit ihrer Rohwolle zum Dämmen für die Giebelwand (die er heute bestimmt nicht mehr fertig bekommen würde) und der Herr von Glyn-y-Defaid mit jeder Menge Zeit seiner Schwester alles zu erklären. Calaits natürliche Leidenschaft für jegliches Schauspiel und ihr angeborenes Talent für große Auftritte hatte er schlicht nicht eingeplant, und Cináed wohl ebenso wenig. Verdammt! Der arme Schafzüchter sieht ohnehin aus, als würde er gleich vor lauter Scham im Boden versinken wollen. Immerhin bringt er eine höfliche Frage zustande, als die beiden Frauen im Haus verschwinden, auch wenn sich auf seinem gut geschnittenen, markanten Gesicht immer noch in riesigen Lettern die absolute Verständnislosigkeit malt. Die Frage, was beim Dunklen Calait da nur mache, spricht er zwar nicht aus, aber sie steht ihm deutlich in die zweifelnde Miene geschrieben. "Sie macht es schlimm und schlimmer", murmelt Colevar und blickt mindestens so unbehaglich auf die Tür zum Haus wie Cináed selbst. >Sollen wir ihnen folgen?<
"Was folgen?!" Keine Zehn Pferde würden ihn jetzt in diese Küche bringen. Er hebt die Hände, die Handflächen nach außen und tritt einen halben Schritt zurück, eine unmissverständliche Geste der Abwehr. "Nein, auf keinen Fall. Ich hänge an meinem Leben."
> Ihr seid ja eigentlich wegen der Rohwolle gekommen... und nicht um... dieses Durcheinander mitzuerleben...<
"Wolle, stimmt, ja..." Colevar schüttelt in komischer Verzweiflung den Kopf. "Vergesst die Wolle, ich glaube, Ihr habt gerade... ah... andere Sorgen." Ja, und weder du, noch Calait, dieses kleine, durchtriebene Luder, seid ganz unschuldig daran! "Warum habt Ihr..." beginnt er, doch noch bevor er fragen kann, warum der Elb denn um Himmels Willen nichts gesagt hatte, als es noch nicht zu spät gewesen war, seufzt Cináed von Glyn-y-Defaid ebenso selbstvergessen wie entschlossen: >Ich glaube, ich brauche jetzt erst einmal was Starkes zu trinken!<
"Macht es zweimal stärker als das Stärkste, das Ihr im Haus habt. Und gebt mir etwas davon ab, aye?"
Mit einem letzten misstrauischen Blick auf das Haus, das trügerisch friedlich in der nachmittäglichen Herbstsonne vor ihnen liegt und absolut idyllisch, ruhig und heimelig wirkt, dabei beherbergt seine Küche wohl gerade einen Hexenkessel, wohl gefüllt mit Loas Öl und ein einziges falsches Wort könnte das Zündholz sein, das alles in die Luft gehen lässt, wenden die beiden so ungleichen Männer sich ab, um allen Widrigkeiten und Verwirrungen zum Trotz nach der Rohwolle zu sehen... und irgendwo ein möglichst großes Fass mit möglichst hochprozentigem Alkohol aufzutreiben, in dem Cináed sich zur Not auch einfach ertränken könnte. Colevar nimmt dem – ziemlich feindselig dreinblickenden und obendrein demonstrativ schweigenden - jungen Knecht die beiden Pferde wieder ab und folgt dem Herrn von Glyn-y-Defaid auf dem Weg zu Wolle und Branntwein. "Mmmpf! Welche Laus ist dem Jungen denn über die Leber gelaufen?"
Some say the world will end in fire. Some say in ice.
From what I’ve tasted of desire I hold with those who favor fire.
But if it had to perish twice, I think I know enough of hate
To say that for destruction ice is also great - and would suffice.
R.Frost

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15

Freitag, 2. November 2012, 15:23

Colevar tut Cináed den Gefallen und lehnt nachdrücklich ab Calait und Nôrnar ins Haus zu folgen und der Gutsbesitzer atmet erleichtert auf. »Nein, auf keinen Fall. Ich hänge an meinem Leben.« Der Shida'ya nickt zustimmend. “Ich ebenso.” Gemeinsam begeben sich die beiden Männer auf den Weg zur Scheune, um die dort bis zur Abholung zwischengelagerte Rohwolle zu begutachten und nachzusehen und nachzusehen, ob nicht möglicherweise noch ein Fässchen herumstehen, die den Weg ins Kellergewölbe des Haupthauses noch nicht gefunden haben. Während sie so über den Hof schlendern, erkündigt sich Colevar: »Mmmpf! Welche Laus ist dem Jungen denn über die Leber gelaufen?« Offenbar ist auch dem Offizier der Stadtwache Liams Eifersuchtsmiene nicht entgangen, im Gegensatz zu Cináed kann er sie allerdings nicht richtig einsortieren. Der Elb grinst schief. “Ich scheine nicht der einzige zu sein, der seine liebe Müh mit dem launischem Weibervolk hat.” Er lacht. “Ich fürchte, Liam sitzt ein wenig die Eifersucht im Nacken, weil Nara vorhin nur Augen für Euch hatte, während sie Liam wie üblich links liegen lässt.” Der Gutsbesitzer lächelt erheitert. “Er wird darüber hinwegkommen, spätestens dann, wenn ihm ein anderes hübsches Gesicht den Kopf verdreht. Ah, da wären wir.” Der Shida'ya deutet auf den Eingang der Scheune, zeigt Colevar wo er die Pferde festmachen kann und führt seinen Begleiter dann ins Innere des Gebäudes.

Eher halbherzig nehmen sie die Wolle in Augenschein und prüfen, ob Menge und Qualität für den Gedachten Verwendungszweck ausreichend sind. Anschließend nehmen sie die wenigen Fässer, die noch in der Scheune zwischengelagert werden, näher unter die Lupe. Zunächst haben sie allerdings wenig Glück. Die meisten Fässer sind leer und warten erst noch darauf mit sauerem Apfelwein gefüllt zu werden. Andere Fässer enthalten Met – pur, aber auch mit Gewürzen, Kirschen und anderen Früchtsäften versetzt – der für ihre Zwecke eindeutig zu wenig Alkoholgehalt hat. Cináed runzelt missmutig die Stirn. Natürlich werden entsprechende Getränke auf Glyn-y-Defaid üblicherweise im Kellergewölbe eingelagert. Dort findet sich neben gutem Hopfenbräu und Wein selbstverständlich auch eine recht ansehnliche Sammlung an Obst- und Getreidebränden (zu einem großen Teil aus eigener Herstellung), Branntwein, Obstgeist, süße Liköre, hochprozentige Schnäpse und der eine oder andere Bitter. Die Auswahl ist sicherlich bei weitem nicht so umfangreich wie das, was Borgils Lager zu bieten hat, aber auf jeden Fall ausreichend. Dummerweise führt der Weg hinab ins Kellergewölbe durch die Speisekammer und die Speisekammer erreicht man wiederum nur nur durch die Küche, womit ihnen diese Option verwehrt ist, da eben jener Weg von Calait und Nôrnar blockiert wird.

Schlußendlich werden der Gutsbesitzer und Colevar aber doch noch fündig. Zwischen all den Fässern hat sich tatsächlich noch ein letztes Fass Branntwein versteckt und als Cináed als sie sich anschließend noch in Cináeds kleiner Werkstatt umsehen, entdecken sie zwischen all seinen getrockneten Kräutern und Tinkturen auch noch einen recht passablen Kornbrand sowie einen absolut grässlichen Holzbranntwein, der auf Glyn-y-Defaid für gewöhnlich eigentlich nur für rein medizinische Zwecke Verwendung findet.
Auch ein paar geeignete Becher lassen sich in der gut sortierten Werkstatt finden und so machen es sich Colevar und Cináed schließlich auf ein paar Strohballen vor dem Scheunentor bequem. Natürlich ist dem Shida'ya klar, dass er sich besser nicht bis zur Besinnungslosigkeit betrinken sollte, wenn er diesen Tag lebend überstehen will, aber der Gedanke kommt ihm durchaus verlockend vor. Er schenkt Colevar und sich von dem Branntwein ein und prostet seinem Schwager in Spe grinsend zu. Zwei Becher später ist der Gutsbesitzer zwar nicht betrunken, aber immerhin wieder gelassen genug, um Colevar, den er ja eigentlich nicht sonderlich gut kennt, eine recht freimütige Erklärung für die derzeitige Misere zu liefern.

Finster starrt der Schafzüchter auf den Grund seines geleerten Bechers. “Meine Schwester kann eine einzige Plage sein”, verkündet er grimmig. “Lästig wie eine Klette. Wenn sie sich erst einmal in eine Idee verrannt hat, ist sie davon so schnell nicht wieder abzubringen...” Cináed schenkt sich noch etwas von dem Branntwein ein. “Ich dachte, es wäre eine gute Idee sie in ihren Vermutungen zu bestättigen, damit sie endlich Ruhe gibt und mich in Frieden lässt, aber ganz offenkundig habe ich mich getäuscht.” In kurzen Worten schildert umreißt der Shida'ya, was geschehen ist. “Ich habe Nôrnar seit Jahren nicht gesehen”, gesteht er. “Ich habe ihr Naturell völlig falsch eingeschätzt. Irgendwie hatte ich angenommen sie hätte sich im Vergleich zu damals, als wir Kinder waren, verändert.” Cináed lacht. “Nun ja, sie hat sich wirklich verändert.” Er grinst. “Sie ist schlimmer denn je.” Nachdenklich blickt er von seinem Becher auf und starrt besorgt zum Haus hinüber. “Und ich befürchte, Calait und sie haben sich gesucht und gefunden.” Seine Augen verengen sich zu schmalen Schlitzen. Die beiden Frauen sind sich in der Tat in mancherlei Hinsicht ähnlicher als ihm lieb ist und Cináed mag sich nicht vorstellen, welch explosives Gemisch dabei herauskommen mag. Was auch immer derzeit im Haus vorgeht, er kann sich jedenfalls nicht vorstellen, dass es seine Lage wesentlich besser macht...
"Who's Zed?" "Zed's dead, baby. Zed's dead." (Quentin Tarantino, Pulp Fiction)

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