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Emerald

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31

Freitag, 8. März 2013, 20:00

Emerald hatte sich noch immer nicht ganz entschieden, wie es jetzt weitergehen sollte. Einige Minuten steht sie nun schon da, blickt vorsichtig nach links und rechts. Sie konnte keine Menschenseele sehen, vermutlich waren sie alle irgendwo mit Arbeit beschäftigt. Der jungen Frau war wohl bewusst, wie auffällig es aussehen musste, wie sie da vor dem Brunnen, im Schatten des Baumes steht, aber irgendwie konnte sie heute einfach keinen klaren Gedanken fassen. Der letzte Schlaf lag genauso weit entfernt, wie ihre letzte karge Mahlzeit. Mit einem Mal überkommt sie neben dem Hunger auch die Müdigkeit. Emerald unterdrückt ein Gähnen, vielleicht wäre es besser, wenn sie einfach wieder zurück gehen und doch der Straße folgen würde...
Lautes Hundegebell weckt Emerald aus ihren Gedanken. Sie schreckt kurz zusammen, fasst sich dann aber ganz schnell wieder. Nur nicht noch auffälliger wirken, als sie es eh schon tut...vielleicht wurde das Hundegebell vom Hofbesitzer und seinen Bediensteten gar nicht gehört oder ignoriert. Emerald macht einen Schritt zurück und hält dabei die beiden auf sie zukommenden Hunde im Blick. Auch Svea wird leicht nervös. Die Nackenhaare des Hundes stellen sich auf, ein warnendes Bellen entfleucht ihr. "Psst", zischt Emerald. Doch schon hatten sie die nächsten Besucher angelockt...vier weitere Hunde kommen auf sie zu. "Wunderbar", flüstert Emerald, sie ist wütend auf sich selbst...das passiert, wenn man auf seinen Magen hört.
Bevor die junge Frau aber überhaupt die Möglichkeit hat, zu überlegen, wie sie dieser misslichen Lage am Besten entkommen sollte, da wurde diese auch schon noch unangenehmer...

Ein kräftiger Mann kommt aus einem der Gebäude heraus und tritt auf den Hof. Seinem Blick nach zu urteilen, hat ihn das kaum zu überhörende Hundegebell hinausgelockt. Verstecken war für Emerald kaum möglich, weglaufen genauso wenig...Emerald zögert einen winzigen Moment, dann tritt sie noch drei Schritte zurück und setzt sich auf die Brunnenumrandung. Anschließend pfeift sie leise Svea zurück, die zwar nicht sofort gehorcht, sich aber dann doch neben sie setzt. Die Beine in der Luft baumelnd, fixiert die junge Frau den unbekannten Mann, der sie wohl auch schon entdeckt haben musste. In ihrem Gesicht lässt sie einen gleichgültigen, schon fast gelangweilten Ausdruck erscheinen. Die eine Hand den Kopf Sveas kraulend, die andere auf ihrem Knie liegend, bereit jederzeit eines ihrer Messer aus dem Gürtel zu ziehen, wartet sie ab, was nun geschehen würde...

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32

Freitag, 8. März 2013, 21:39

~ Auf dem Hof ~
Am Brunnen

Wären die Hunde nicht, Emrys hätte die junge Frau möglicherweise schlichtweg übersehen, so unauffällig ist ihre gesamte Erscheinung. Sie hockt auf dem Brunnenrand und fixiert ihn mit wachsamem Blick. Der Hund der Fremden sitzt derweil neben ihr und taxiert die Hunde von Glyn-y-Defaid ebenso aufmerksam wie seine Herrin dies mit Emrys tut. Der Knecht kneift mustert die junge Frau mit prüfendem Blick. Älter als Mair. Jünger als Nara, schätzt er grob. Und etwas zu dürr für meinen Geschmack. Hm. Hellblondes Haar, blasses Gesicht – nicht gerade eine Schönheit. Lediglich ihre blaue Augen, die ihn immer noch wachsam beobachten, sind relativ auffällig, wie er findet. Sein Blick wandert weiter: Abgelaufene schwarze Stiefel, eine gewöhnliche dunkelbraune Lederhose, eine alte, abgewetzte Winterjacke, deren beste Zeiten offenkundig schon länger vorüber sind, ...und unten am Saum lugt ein schmutzig-graues Stück Tuch hervor, vermutlich von einem Hemd. Alles in allem eine nicht gerade bedrohlich wirkende Erscheinung.

Mit einem knappen Pfeifen ruft der Knecht Mabon, Modron und die übrigen Hunde zurück. Ein letzter Blick, dann trollen sich Cadfan, Blair, Idris und Eira gelangweilt in die Stallungen, wo es weitaus wärmer und behaglicher ist als draußen im schneidenden Eisfrostwind. Lediglich Mabon und Modron gesellen sich an Emrys Seite, den fremden Hund nach wie vor nicht aus den Augen lassend.

„Willkommen.“ Emyrs hebt eine Hand leicht zum Gruß. „Wer seid Ihr?“, erkundigt er sich höflich. Seine Stimme klingt weder freundlich noch abweisend, sondern hat fürs Erste einen absolut neutralen Tonfall angeschlagen. Eine Situation wie diese ist für den Knecht nichs wirklich Außergewöhnliches. Auf Glyn-y-Defaid schauen häufig Tagelöhner vorbei, um sich ein paar Münzen oder eine warme Mahlzeit zu verdienen. Auch der Zeitpunkt ist nicht weiter ungewöhnlich. Bis der Frühling endlich anbricht dauert es zwar noch ein paar Siebentage, aber Lichtweih, der Tag an dem üblicherweise bestehende Dienstverhältnisse verlängert oder beendet werden, liegt erst wenige Tage zurück. Gut möglich also das die Fremde auf der Suche nach einer neuen Anstellung ist, nachdem ihr voriger Herr sie aus seinen Diensten entlassen hat. Emrys streicht sich das kastanienbraune Haar aus der Stirn. „Was wollt Ihr hier?“, fragt er geradeheraus. „Arbeit?“ Er verschränkt die Arme vor der breiten Brust, während er geduldig ihre Antwort abwartet.
"Who's Zed?" "Zed's dead, baby. Zed's dead." (Quentin Tarantino, Pulp Fiction)

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Emerald

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33

Samstag, 9. März 2013, 10:33

Die junge Frau wartet einige Atemzüge, bevor sie dem ihr unbekannten Mann auf seine Fragen antwortet. Die erste Frage, nach dem "wer sie ist", überhört sie direkt. Sie würde einem Fremden bestimmt nicht auch nur die kleinste Information von sich preisgeben. Und Arbeit...suchte sie Arbeit? Emerald überlegt einen kurzen Moment. Aber obwohl ihr Geldbeutel wie so oft leer ist, ihr Magen knurrt und sie auch zu einem bequemen Bett nicht nein sagen würde, entschied sie sich dann aber doch lieber dafür, dass sie es nicht tat. Schließlich arbeitete sie nicht für jeden, und besonders nicht für jemanden, den sie gerade zum ersten Mal sah. Auch, wenn der Unbekannte keinen wirklich gefährlichen Eindruck auf sie macht, so konnte man ja nie wissen. Reich sah er nämlich auch nicht aus, vermutlich gehörte ihm der Hof hier auch nicht und es war nur einer der Bediensteten. Schon oft genug hatten Emeralds Arbeitgeber sie um ihren verdienten Lohn geprellt oder auch versucht sie unsittlich anzufassen...nein, nach ihren zahlreichen Erfahrungen war die junge Frau wesentlich vorsichtiger geworden. Sie arbeitete nur für jemanden, der ihr mindestens den halben Lohn ihm voraus zahlte und den sie zuvor längere Zeit beobachtet hatte, um in etwa einschätzen zu können, mit wem sie es überhaupt zu tun hatte.

"Arbeit?", wiederholt die junge Frau die letzte Frage des Mannes. "Mmh...", Emerald tut so, als ob sie angestrengt nachdenken würde. "Bei Euch?"
Abwertend blickt sie den Mann vor sich von oben bis unten an. dann verschränkt sie ihre Arme hinter den Kopf, dreht sich zur Seite und legt sich mit dem Rücken auf die Brunnenumrandung. Die Beine stellt sie ebenfalls auf diese, winkelt sie an und schließt ihre Augen. Die Steine des Brunnens sind kalt, aber Emerald stört es nicht, sie ist Kälte gewohnt. Auch der frostige Wind macht ihr nichts aus, dort, wo sie herkommt, war es wesentlich kälter. Für einen Außenstehenden musste es wohl aussehen, als ob Emerald schlafen würde, aber sie ist hellwach und lauscht wachsam den Geräuschen um sie herum, damit ihr ja nicht entging, wenn der Fremde oder ein anderer ihr zu nah kommen sollte.
"Ich denke eher nicht", beendet Emerald endlich ihren Satz, ohne den Mann auch nur eines weiteren Blickes zu würdigen.
Der schwarze Hund an Emeralds Seite, fixiert die fremden Tiere und auch den Mann noch einen winzigen Moment, dann schien auch sie für sich zu entscheiden, dass fürs erste keine Gefahr von den Dreien ausging. Mit einem Sprung landet sie ebenfalls auf der Brunnenumrandung, schleckt ihrem Frauchen durchs Gesicht und beginnt dann vom Brunnenwasser zu trinken.
"Sonst noch was?" Emerald hofft, dass ihre unverschämte und dreiste Art, den Mann dazu bringen würde, endlich seinen Herrn zu holen...denn wenn sie wirklich überlegen sollte, hier zu arbeiten, dann gewiss nur für ihn und nicht seine Knechte. Emerald konnte es eh nicht verstehen, wie man sich dazu herablassen konnte, sein Leben lang einer Person zu dienen. Sie hasste es schon, dies für ein paar Stunden oder Tage zu tun und genoss es jedes Mal wieder, anschließend hingehen zu können, wo sie wollte.

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Emerald« (9. März 2013, 10:38)


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34

Samstag, 9. März 2013, 19:17

Mit der respektlosen, ja geradezu unverschämten Art, die sie an den Tag legt, tut sich die Fremde keinen großen Gefallen. Emrys zieht eine Augenbraue leicht in die Höhe. Ihr Verhalten verrät sie schnell. Nicht aus Talyra, erkennt der junge Herzländer sofort und muss sich arg zusammennehmen, die Unbekannte aufgrund ihres unhöflichen Auftretens nicht augenblicklich des Hofes zu verweisen, denn er ist weder so nachsichtig wie Cináed noch so geduldig wie Owyn. Bei weitem nicht. Er hat absolut keine Ahnung woher die Fremde kommen mag, es ist ihm auch einerlei, aber von wo auch immer sie kommt, sie hat offensichtlich nicht gelernt, dass man sich vorstellt, wenn man höflich auf einem fremden Anwesen empfangen und gefragt wird, wer man ist. Er erwartet ja nicht, dass sie ihm ihre ganze Lebensgeschichte beichtet – Shenrah bewahre! –, aber einen Namen mit dem er sie angemessen ansprechen kann – selbst wenn es nicht ihr Richtiger ist – erscheint ihm bei Leibe nicht zu viel verlangt.

Was soll's. Emyrs zuckt gleichgültig mit den Achseln. Im Umland und in der Stadt ist Glyn-y-Defaid bekannt. Die Leute wissen, dass einem Reisenden hier niemals das Gastrecht verweigert und einem Bittsteller niemals Hilfe verwehrt wird, solange sie sich halbwegs zu benehmen verstehen. Bettler und Tagelöhner bieten regelmäßig ihre Dienste an, denn sie wissen, dass der Herr von Glyn-y-Defaid bereitwillig seine Tafel mit ihnen teilt und ihnen für eine Nacht auch schon mal ein Lager anbietet, wenn er dies für angemessen erachtet. Die Fremde hat davon ganz offensichtlich keine Ahnung. Und Emrys ist sich durchaus bewusst, dass die göttergefälligen Gepflogenheiten, die auf Glyn-y-Defaid sorgsam geachtet werden, lange nicht überall selbstverständlich sind. Ja, die junge Frau hat allem Anschein nach andere Erfahrungen gemacht. Also bemüht sich der Knecht weiterhin um Freundlichkeit und versucht ihr ihr in seinen Augen unmögliches Benehmen nicht zum Vorwurf zu machen – auch wenn es ihm schwerfällt. Emrys weiß, was sein Herr von ihm erwartet.

Er schluckt die harsche Erwiderung, die ihm bei ihren spitzen Worten - »Arbeit? Bei Euch? Ich denke eher nicht... Sonst noch was?« - bereits auf der Zunge liegt, rasch hinunter. „Ich bin Emrys“, stellt er sich vor, so wie es die Höflichkeit gebietet. „Wenn Ihr keine Arbeit sucht, weshalb seid Ihr dann nach Glyn-y-Defaid gekommen?“, erkundigt er sich immer noch höflich, doch deutlich kühler als zuvor. Eine in seinen Augen durchaus berechtige Frage. Schließlich ist nicht er der Fremde, sondern sie. Mit wachsamem Blick mustert er die junge Frau, die sich, trotz der Kälte, dreist auf dem kalten Stein des Brunnenrandes räkelt und scheinbar beschlossen hat ihn absofort zu ignorieren. Spielt Prinzessin Komm-mir-nicht dumm, hat außer ihrem Stolz und ihrem Hunger aber nicht viel, was sie besitzt. Nicht mal ein paar grundlegende Manieren!, denkt er säuerlich. „Pffff.“ Ich sollte sie einfach vom Hof jagen, anstatt mich weiter mit ihr rumzuärgern. Der Knecht macht bereits den Mund auf, um seinen Worten noch etwas hinzuzufügen, als mit einem Mal Gwyn und Úna auf den Hof gelaufen kommen. Die beiden Kinder bedenken die unbekannte junge Frau mit neugierigen Blicken, doch zumindest Úna interessiert sich ganz eindeutig mehr für deren großen, dunklen Hund. Gar nicht schüchtern, so wie stets, erkundigt sie sich auch prompt begeistert: „Ist das deiner?“ Fragend schaut sie die Fremde an und ist schon bei dem großen Tier um es ausgiebig zu streicheln, bevor Emrys auch nur den Hauch einer Chance hat sie daran zu hindern – weder er noch die Kinder haben schließlich eine Ahnung wie der riesige Hund sich verhalten mag.

Der Knecht verdreht leicht die Augen. „Úna!“, brummt er missbilligend, aber seine kleine Nichte ignoriert ihn völlig, das Tier erfordert all ihre Aufmerksamkeit. Emrys wendet sich – mittlerweile doch ein wenig genervt – seinem Neffen zu. „Hol deinen Vater, Gwyn“, weist er den Jungen an. „Und dann lauf ins Haus hinüber und gib Herr Cináed Bescheid das wir einen unerwarteten... Gast... haben.“ Man merkt, dass das ihm das kleine Wörtchen Gast nur sehr widerwillig über die Lippen kommt. Gwyn nickt. „Schon erledigt“, erklärt er munter und saust auch schon davon. Seine Schwester krault den Hund der unbekannten Frau derweil immer noch hingebungsvoll hinter den Ohren. „Wir haben auch Hunde“, erklärt das Mädchen, während es dem Tier den Hals tätschelt. Von der eher abweisenden Art der Fremden lässt Úna sich offenkundig herzlich wenig einschüchtern. „Sechs“, verkündet sie munter. „Und Schafe. Und Pferde. Und Hasen und Kanninchen... “ Es folgt eine schier endlos erscheinende Aufzählung sämtlicher tierischer Bewohner von Glyn-y-Defaid und Emrys ist dankbar das Úna zumindest nicht alle bei ihren Namen auflistet und immerhin die Fische im Drych Cymylau unterschlägt.

„Und das hier sind Haselnuss und Kieselstein“, verkündet das Mädchen zu guter Letzt stolz. Únas Hände verschwinden kurz in den Taschen ihrer dicken Winterjacke und fördern daraus zwei vor Kälte zitternde und, angesichts einer ziemlich nahen und großen Hundenase, reichlich nervöse Mäuse zutage. „Die gehören mir“, erklärt sie fröhlich und streckt der Fremden ihre Hände entgegen damit diese die beiden Mäuschen besser begutachten kann. „Ich bin Úna. Und wer bist du?“ Emrys kann sich das breite, triumphierende Grinsen, welches sich bei diesen Worten prompt auf sein Gesicht schleichen will, nur mit Mühe und Not verkneifen. „Ja, das würde ich auch immer noch gerne wissen“, meint er trocken, während er insgeheim hofft das Owyn bald hier sein wird, um sich an seiner Stelle mit der Fremden auseinander zu setzen.
"Who's Zed?" "Zed's dead, baby. Zed's dead." (Quentin Tarantino, Pulp Fiction)

Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von »Cinaed« (9. März 2013, 19:34)


Emerald

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35

Samstag, 9. März 2013, 20:36

Die Antwort des Mannes kommt nicht sofort, vermutlich hatte Emeralds Art ihn verunsichert. Die junge Frau hält ihre Augen weiterhin geschlossen, neben ihr trinkt Svea immer noch, einige Wassertropfen spritzen hoch und Emerald ins Gesicht. Aber sie ignoriert es, bleibt weiterhin liegen und konzentriert sich auf mögliche herannahende Schritte.
Die dann kommende Erwiderung des Mannes, der sich als Emrys vorstellte, klingt wesentlich netter, als Emerald es erwartet hatte, auch wenn der leicht abweisende Unterton kaum zu überhören ist.
Emerald seufzt laut hörbar. "Wie Ihr sehen könnt...mein Hund hatte Durst." Die junge Frau grinst innerlich...schließlich war das bestimmt nicht der Grund, weshalb sie hier an diesem Brunnen lag. "Und da man es hier anscheinend nicht für nötig hält, das Tor zu schließen, braucht Ihr Euch auch nicht zu wundern, wenn hier jeder ein und aus geht. Ich hätte ein Dieb sein können." Das innerliche Grinsen wurde breiter...was für ein Glück, dass sie kein Dieb war...

Plötzliche Schritte lassen Emerald aufhorchen. Sie bleibt ruhig liegen, öffnet ihre Augen aber einen winzigen spaltbreit und betrachtet sich die Herankommenden. Als sie aber sieht, dass es nur zwei Kinder sind, entspannt sie sich sofort wieder. Doch gerade, als sie sich den Neuankömmlingen abwenden will, kommt eines von ihnen, ein kleines Mädchen mit braunem Haar, schon auf sie zugestürmt und beginnt Svea zu streicheln. Rasch richtet Emerald sich auf und legt ihre linke Hand auf Sveas Rücken, sie weiß, wie der Hund auf Fremde reagiert, die es wagen, ihr zu nahe zu kommen...und dann auch noch anzufassen. Der Hund, eingekeilt zwischen dem Mädchen und seinem Frauchen, schaut diese fragend, fast leidend an. Das leise Knurren und Zähne fletschen scheint das unverschämte Gör gar nicht zu bemerken. "Bleib ruhig", flüstert Emerald, sie konnte es nicht gebrauchen, dass Svea nach dem Kind schnappte oder es gar biss, auch wenn es dies verdient hätte.

Mit ihrer rechten Hand greift Emerald nach einem Arm des unaufhörlich plappernden Mädchens, welches zwei Mäuse aus den Taschen geholt hatte...Mäuse als Haustiere, wo war sie nur gelandet. Ein Handgelenk der Kleinen fest packend, zieht sie diese zu sich. Ihr Griff ist stark, zwar nicht besonders schmerzhaft, aber doch härter, als man ein Kind gewöhnlicherweise anfasst.
"Fasst du noch einmal meinen Hund, dann werde ich deine Viecher nehmen, und sie ihr zum Fraß vorwerfen. Und wenn du dann noch immer nicht daraus gelernt hast, bist du an der Reihe." Emeralds Stimme ist leise, aber bestimmend und in ihrem Blick besteht kein Zweifel daran, dass sie ihre Worte ernst meint. "Und jetzt verschwinde."
Emerald lässt den Arm des Mädchens los und gibt ihr einen groben Stoß in die Seite, um ihre Forderung zu unterstreichen. Jetzt musste sie sich auch noch mit frechen Gören herumschlagen. Wenn sie damals im Waisenhaus so gewesen wäre...sie wäre so lange ausgepeitscht worden, bis sie es nie mehr wagen würde, fremde Menschen ohne Erlaubnis einfach anzusprechen.

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36

Sonntag, 10. März 2013, 21:36

»Wie Ihr sehen könnt... mein Hund hatte Durst.« Emrys kneift die Augen leicht zusammen. Will die mich veräpeln?, denkt der kräftige Herzländer. »Und da man es hier anscheinend nicht für nötig hält, das Tor zu schließen, braucht Ihr Euch auch nicht zu wundern, wenn hier jeder ein und aus geht. Ich hätte ein Dieb sein können.« Die Unverfrorenheit ihres Blickes, welcher diese Worte begleitet, verschlägt dem Knecht einen Augenblick lang die Sprache. Offenes Tor?, fragt er sich verwundert – er weiß schließlich nicht, dass kurz zuvor Zoe, Nathan und Aruna durch die Toranlage gekommen sind und vermutlich vergessen haben, diese hinter sich zu schließen. Es spielt auch nicht wirklich eine Rolle. Diebe hat der Herr von Glyn-y-Defaid selten zu fürchten. Sie haben ihre Hunde. Und außerdem gilt: Kein Hund beißt die Hand, die ihn füttert; und kein Mann fällt jenen in den Rücken, die ihm Hilfe in der Not bieten können. Auch ist nicht davon auszugehen, dass die Fremde selbst ausreichend Zeit hatte, um etwas mitgehen zu lassen. Und selbst wenn, sie würde schon bald merken, dass man sich keine Freund macht, wenn man sich auf den Straßen mit einem Diebstahl auf Glyn-y-Defaid brüstet. Die Hilfbereitschaft der Gutsbewohner ist allgemein bekannt. In schlechten Zeiten gibt es nur wenige Höfe – so wie diesen – bei denen Bettler und Tagelöhner sich sicher sein können, dass sie dort nicht abgewiesen werden, wenn es schlecht um sie bestellt steht. Nutzt auch nur einer von ihnen die Gutmütigkeit des Gutsherren aus, so schadet dies im schlimmsten Falle ihnen allen. Richtige Diebensbanden stehen auf einem anderen Blatt, aber auch auf der Straße gibt es so etwas wie Ehre und unausgesprochene Gesetze. Emyrs zeigt sich daher wenig beeindruckt.

Was gleich darauf folgen soll, bringt den Knecht allerdings dicht an den Rand seiner Selbstbeherrschung. Únas kindlicher Charm und Frohsinn, der sonst jedes Herz im Sturm erobert, verfehlt bei der jungen, blonden Frau komplett seine sonstige Wirkung. Vollkommen geschockt und verstört, starrt das Mädchen die Fremde an, sucht ängstlich hinter Emrys Rücken Schutz, als die Frau ihren Griff um das Handgelenk der Kleinen wieder lockert, und versteckt Haselnuss und Kieselstein (welche zugegebenermaßen bei den wenigsten Bewohner des Hofes – insbesondere bei Rhona – auf sehr viel Gegenliebe stoßen) hastig wieder in ihren Jackentaschen. Der Knecht atmet scharf ein. „Entschuldigt, bitte. Ich hätte besser achtgeben und sie zurückhalten mussen“, erklärt er in ruhigem, beherrschtem Tonfall. „Úna hätte sich Eurem Hund nicht ohne Eure ausdrückliche Erlaubnis nähern dürfen.“ Der Knecht wendet sich seiner Nicht zu. „Entschuldige dich, Úna.“ Noch immer sichtlich eingeschüchtert tritt das Kind zögerlich an seine Seite. Tapfer heftet es den Blick auf die fremde Frau. „Es tut mir leid. Entschuldigt.“ Die Angst des Mädchens ist nicht zu übersehen, aber auch die Aufrichtigkeit ihrer Worte ist deutlich spürbar, sofern man nicht gerade mit einem Herz aus Stein gestraft ist. „Gut.“ Emrys streicht dem Mädchen sacht über den Kopf. „Jetzt lauf hinüber ins Haus, verstanden?“ Úna nickt hastig und stürzt so schnell sie kann davon, nur rasch fort von dieser schrecklichen Frau mit ihrem Kinder fressenden Hund.

Emrys ernster Blick wandert zurück zu der blonden Unbekannten. Ja, sie hat Recht. Únas Verhalten ist falsch gewesen. Auf jemanden, der sie nicht kennt, mag sie gar frech und vorlaut gewirkt haben, doch dessen ungeachtet: Úna ist nur ein Kind. Es mag nicht richtig sein sich dem Hund eines Unbekannten ohne dessen Erlaubnis zu nähern, doch das rechtfertigt in seinen Augen noch lange nicht ein fremdes Kind derart grob anzugehen. Emrys könnte Verständnis dafür aufbringen, wenn die junge Frau aus Sorge um ihren Hund (und auch um Únas eigener Sicherheit Willen) heftiger als beabsichtigt reagiert hat, aber er hat jedes einzelne ihrer Worte verstanden – immerhin steht er kaum zwei Schritt von ihr entfernt. Und auch wenn sie leise gesprochen hat, er ist nicht taub. Einem wehrlosen kleinen Mädchen auf derartige Weise zu drohen ist niederträchtig. Eine erwachsene Frau sollte all dies eigentlich besser wissen.

Der Knecht kennt die Geschichte der Fremden nicht, aber das spielt auch keine Rolle. Selbst wenn er über ihr Schicksal Bescheid wüsste, es würde nichts an seiner Entscheidung ändern. „Ich schlage vor, dass Ihr jetzt geht“, sagt er höflich, aber mit kalter Bestimmtheit. Jemand, der ein Kind schlecht behandelt, ist auf Glyn-y-Defaid nicht länger willkommen und hat sein Gastrecht verspielt, zumindest was ihn betrifft. „Und wenn Euer Hund wieder einmal Durst bekommt, denkt beim nächsten Hof daran, vorher um Erlaubnis zu fragen, bevor ihr Wasser aus einem Brunnen schöpft“, kann er sich nicht verkneifen zu sagen, auch wenn er sich sogleich ärgert, sich von seinem Zorn hat leiten zu lassen. Frauen!, denkt er kurz und fühlt sich für einen Augenblick an seinen letzten Streit mit Avila erinnert. Der junge Herzländer verscheucht den unerfreulichen Gedanken rasch. Mit einem Kopfnicken deutet Emrys in Richtung der Toranlage, als just in diesem Augenblick eine ihm vertraute Stimme erklingt und streng zu wissen verlangt: „Was geht hier vor sich?“
"Who's Zed?" "Zed's dead, baby. Zed's dead." (Quentin Tarantino, Pulp Fiction)

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Cinaed« (10. März 2013, 22:52)


Nathanael

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37

Montag, 11. März 2013, 13:22

Dies ist der vierte und letzte Besuch einer Recht kurzen Liste, die Nathan Stück für Stück abarbeitet. Zuerst Zoe und Aruna, dann Sewfried und schließlich Lady Arúen und ihr Gesinde. Nun steht der ehemalige Hexer vor dem Gutshaus Glyn-y-Defaid und fragt sich erneut, was ihn zu all diesen völlig unterschiedlichen Personen getrieben hat. Sein Herz schlägt ein wenig schneller, wenn er an das bevorstehende Gespräch denkt. Er kennt Cináed, zu mindestens glaubt er das und er weiß, dass der Shida'ya genauso wie Lady Arúen seinen Worten Beachtung schenken wird. Wie als wäre es erst gestern gewesen, erinnert er sich an Cináeds ruhige Worte „Ja, ich weiß in der Tat sehr genau, was Ihr seid, Nathan. Nehmt es mir nicht allzu übel, aber Ihr seid ein Mann mit so einigen unschönen Charakter Eigenschaften: Ihr seid unglaublich zynisch, sehr oft übermäßig mürrisch, nicht selten recht herablassend und noch so einiges andere mehr... Zudem, das muss ich zugeben, habe ich selten in meinem Leben jemanden kennen gelernt, der so zornig war wie Ihr es seid. Aber...auch das habe ich Euch schon einmal gesagt: Ich glaube nicht, dass Ihr ein schlechter Mensch seid.“ Nun da er nach langer Zeit wieder vor Cináed steht, fragt er sich plötzlich, ob der Shida'ya nach all den Ereignissen und Gerüchten über ihn, den verurteilten Hexer und seine Taten, seine Meinung über ihn geändert hat und obwohl es Nathan nicht schmeckt, der Gedanke das Cináed schlecht von ihm denken könnte, trifft ihn auf eine schmerzliche Art und Weise, die ihm völlig neu ist. Vielleicht liegt es daran, dass Menschen und Elben ihm, dem Hexer, Vertrauen geschenkt haben und er hat ihre Erwartungen, ihr Entgegenkommen enttäuscht, immer und immer wieder.
Vertrauen, eine verschlungene Linie aus drei ineinander verwebten Strichen.
Dieses Zeichen hatte neben vielen anderen seinen Platz an der kalten Wand seiner Gefängniszelle in Nirmonar gefunden.

Der ehemalige Hexer seufzt, dann folgt er Cináed und den Anderen ins Haus. Bevor die beiden Männer sich von der Fee und dem Jungen trennen, wuschelt Nathan Aruna und Zoe über ihre kurzen Haare. „Na los ihr zwei, die Aussicht auf etwas Warmes lasst ihr euch doch nicht ausschlagen. Überprüft mal in meiner Abwesenheit, ob in den Töpfen auch etwas Leckeres vor sich hin schmort…Ich verlass mich da auf euch.“
Aruna hebt seinen Kopf und grinst Nathan breit von unten herauf an, dann nimmt Zoes seine kleine Hand und die Beiden folgen kichernd und ihre Arme fröhlich nach vorne und hinten schwenkend Rhona in die Küche. Zoe dreht sich noch einmal zu den beiden Männern um und winkt ihnen zum Abschied freudestrahlend zu. Sie ist glücklich, stellt Nathan schlicht fest und das ist gut so…

Nur wenige Augenblicke später sitzen sich Nathan und Cináed im Kaminzimmer auf zwei Sesseln gegenüber. Im Kamin prasselt leise ein Feuer vor sich hin, das eine angenehme Wärme abstrahlt. Seit seiner Zeit im Reich des ewigen Eises schätzt Nathan den Wert eines wärmenden Feuers umso mehr.
Die Arme auf seine Knie abgestützt, sitzt der ehemalige Hexer nach vorne gebeugt da. Sein Blick liegt irgendwo auf einem undefinierbaren Punkt am Boden, während sich eine steile Falte zwischen seine Augenbrauen gräbt. Stille hat sich über die beiden so unterschiedlichen Männer gelegt, doch sie ist nicht unangenehm. Für Nathan füllt es sich so an, als würde Cináed ihm einfach die Zeit lassen, die er braucht, um einen Anfang für dieses Gespräch zu finden. Irgendwo knackt der Holzboden im Zimmer, dann ist es wieder still.
„Es ist seltsam. Vorhin wusste ich noch, weshalb ich hier sitze und was ich dir sagen wollte und nun ist irgendwie alles weg. Verrückt oder?“ Mit diesen Worten schaut er auf und blickt in die Augen des Shida'ya. „Nunja, Reden war noch nie eine meiner Stärken, vielleicht liegt es einfach dran.“ Er zieht seine Lippen zu einem unsicheren Lächeln, während er wieder in seine Gedanken versinkt. Bilder ziehen an seinem inneren Auge vorbei, die Tage, die er als Tagelöhner auf dem Gut verbrachte, seine Gespräche mit Cináed, der wie er ein Hexer und doch so verschieden, so anders als er war, seine Verurteilung und die endlose Zeit im Rashangefängnis.
„Ich bin wirklich froh, wieder hier sein zu dürfen, verdammt froh. Die letzten Zwölfmonde haben so viel verändert. Es ist…naja, manchmal wirklich bizarr. Ich wache nachts auf und weiß nicht wo ich bin. Ich glaube dann, dass ich immer noch auf Nirmonar eingekerkert bin, in einer Zelle...und ich warte auf den Klang der Knüppel der Wärter, die gegen die Gitterstäbe schlagen, um uns aufzuwecken, weil ein weiterer beschissener Tag voller Kälte, Minen und Hunger auf uns wartet. Es dauert immer eine Weile bis ich begreife, dass diese Zeit wirklich vorbei ist, dass ich wieder frei bin und dann...ja und dann frage mich, wie das alles passieren konnte. Verdammt…ich rede wirklich Unsinn…“ Nathan lacht kurz auf und fährt sich mit seinen Fingern durch das kurze wirre Haar.
„Du weißt von meiner Verurteilung,…von dem Hexerprozess?“
Gut und Böse ist eine Frage des Standpunktes

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Nathanael« (11. März 2013, 14:44)


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38

Montag, 11. März 2013, 19:46

~ Im Gutshaus ~
Kaminzimmer

In der Eingangshalle des Anwesens angelegt, legen alle ihre Jacken und Mäntel ab, entledigen sich ihrer feuchten Stiefel und schlüpfen in bequeme, graue Filzpantoffeln, die Rhona eigens für solche Gelegenheiten im Winter bereithält. Bevor die Oberste Magd mit Aruna und Zoe in der Küche verschwindet, bittet Cináed sie noch darum ihnen zwei Becher und etwas verdünnten Wein bringen zu lassen, dann führt er Nathan ins Kaminzimmer hinüber. Die beiden Männer nehmen in den Ohrensesseln vor dem flackernden Kaminfeuer Platz und genießen einen Moment lang schweigend die wohlige Wärme. Mair kommt leise aus der Küche zu ihnen herübergehuscht, stellt zwei schlichte Becher auf einem kleinen Beistelltischchen zwischen den beiden Sesseln ab, schenkt den beiden Männern etwas verdünnten Wein ein, stellt den Weinkrug anschließend ebenfalls auf dem Tischlein ab und zieht sich danach so leise und unauffällig wie sie gekommen ist wieder zurück.

Cináed nickt der entschwindenen jungen Magd dankbar zu, bevor er sich wieder seinem Gast zuwendet. Nathan sitzt leicht vorgebeugt da, die Hände auf seine Knie gestützt und hat die Stirn nachdenklich in Falten gelegt. Schweigend gibt der Shida'ya dem einstigen Hexer Zeit seine Gedanken zu ordnen und wartet geduldig ab, bis dieser bereit ist das Wort an ihn zu richten. Als Nathan schließlich zu sprechen beginnt, lässt der Elb ihn erst einmal reden, nickt nur dann und wann oder lässt ein verständnisvolles Lächeln über seine Lippen huschen. Er kann sich nur ansatzweise vorstellen wie es für Nathanael auf Nirmonar gewesen sein muss. Das Rashan-Gefängnis gehört nicht zu jenen Orten, über die außerhalb der Magierkreise viel bekannt ist oder geredet wird. Der Gutsbesitzer selbst weiß auch nur deshalb von diesem fernen Ort, weil er, genau wie Nathanael, ein Hexer ist – oder war.

Die Frage seines Gegenübers, welcher sein ehemals langes Haar nun ganz kurz geschnitten trägt, überrascht ihn daher nicht. „Ja.“ Cináed nickt bedächtig, greift nach den beiden mit verdünntem Wein gefühlten Bechern und reicht Nathan einen davon hinüber. „Ja“, wiederholt er. „Man hat mich in die Steinfaust rufen lassen, um gegenüber Meister Leyal eine Aussage zu machen.“ Der Shida'ya lässt unerwähnt, dass er besagte Aussage – dieses Mal unter unter Eid – in Gegenwart von Lord Commander Tarascon und Erzmagier Silberbart hatte wiederholen müssen. Der Gutsbesitzer glaubt bis heute nicht dass seine Aussage im Zusammenhang mit Nathans Prozess eine große Rolle gespielt hat. Natürlich kann er es nicht mit absoluter Gewissheit sagen, aber die Fragen, die man ihm gestellt hat, haben ihn eher vermuten lassen, dass seine Ausssage eher im Zusammenhang mit Aurians Verwickelung in die Vorkommnisse und ihrer Position als Gardemagiern von Bedeutung gewesen ist. Doch auch das ist, wie gesagt, nur eine bloße Vermutung. Über den Prozess und die damit verbundenen Einzelheiten haben die zierliche Halbelbe und er nie viele Worte verloren.

Nachdenklich nippt der Gutsbesitzer an seinem Wein. „Jeder in der Stadt und im Umland hat irgendetwas über den Hexerprozess aufgeschnappt. Gerede. Gerüchte. Du kennst das ja.“ Cináed nickt gedankenverloren mit dem Kopf, bevor er Nathan wieder direkt in die Augen schaut. „Von mir einmal abgesehen, weiß auf Glyn-y-Defaid allerdings niemand, dass du der Mann bist, den sie damals verurteilt haben... Welchen Sinn hätte es auch gehabt, es zu erwähnen?“
"Who's Zed?" "Zed's dead, baby. Zed's dead." (Quentin Tarantino, Pulp Fiction)

Nathanael

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39

Dienstag, 12. März 2013, 08:51

Mit einem Kopfnicken und einem kurzen „Danke“ nimmt Nathan den verdünnten Wein entgegen und trinkt einen großen Schluck aus dem Becher. Als Cináed den Namen von Rayyan erwähnt stiehlt sich ein schmales Lächeln auf sein blasses Gesicht. Ja ja, Meister Leyal, wär hätte gedacht, dass ein Mitglied des Hohen Magischen Rates einmal sein „Lehrmeister“ werden wurde. Niemand vermutlich und Nathan selbst am wenigsten. Doch wider allen Erwartungen hat sich der ehemalige Hexer mit seiner neuen Schüler-Rolle arrangiert. Vielleicht liegt es auch daran, dass Rayyan ähnlich wie er selbst, kein Mann der großen ausschweifenden Worte ist. Ihre Dialoge sind kurz, knapp und präzise, ein Umstand der Nathan zugutekommt und ihm das Lernen der vielen, für ihn völlig neuen Dinge zumindestens etwas erleichtert.
Ein langgezogenes „hmmmmmm….“ kommt über seine Lippen, während er in Gedanken versunken mit dem Becher in seinen Händen spielt. Irgendwo im Hof fangen die Hunde laut zu bellen an, doch weder Nathan noch der Gutsherr lassen sich von dem Gebell stören.
„Der gute Meister Leyal.“ Aus dem schmalen, kaum erkennbaren Lächeln wird ein breites Grinsen. „Du wirst es vermutlich nicht glauben, aber Rayyan ist seit ein paar Siebentagen mein Lehrmeister. Ja, du hörst richtig, ich lasse mich ausbilden…zu einem Zauberer.“ Er zuckt mit den Schultern, als wolle er so dieser schwerwiegenden Entscheidung ein wenig die Tragweite nehmen. „Nach meiner Entlassung waren wir ein paar Monde in Sorbonn, dort gibt es eine riesige Magierarkana…völlig verrückt, sage ich dir, dort habe ich mich entschieden, kein Hexer mehr zu sein. Sie haben mir mein Mana genommen,…naja, nicht alles, aber fast alles und jetzt verbringe ich meine Zeit mit Arbeiten und Unterricht.“

Für einen kurzen Moment lässt er das Gesagte im Raum stehen, bevor er weiter spricht.
„Uio ist in Sorbonn geblieben. Er wird wohl ein Magier werden…und das ist gut so. Es reicht, wenn einer von uns nach Nirmonar musste.“ Wieder hält der ehemalige Hexer inne und blickt nachdenklich aus dem Fenster. Kleine weiße Schneekristalle haben sich an der Scheibe abgesetzt und bilden dort einen Garten aus bizarr aussehenden Eisblumen. Seine Gedanken springen hin und her und ebenso ungeordnet wie sie in seinem Kopf Kapriolen schlagen, finden auch sie auch ihren Weg über seine Lippen
„Es ist für mich in Ordnung, wenn auch die anderen auf Glyn-y-Defaid davon erfahren, dass ich DER Hexer bin oder war…je nachdem wie man es sieht. Es ist meine Vergangenheit. Da kann ich nicht davor weglaufen. Und ich habe einfach auch keine Lust mehr auf dieses Versteckspiel. Ich bin, was ich bin….Wenn du einverstanden bist, dann würde ich nachher gerne kurz mit ihnen reden.“
Nathan wartet ruhig Cináeds Reaktion ab, dann fragt er ihn: „Erzähl, wie es dir die letzten Zwölfmonde ergangen?“
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40

Dienstag, 12. März 2013, 15:10

Lautes Bellen erklingt vom Hof her, als nacheinander alle sechs Hunde von Glyn-y-Defaid anschlagen. Der Lärm verklingt jedoch rasch wieder, weshalb weder Nathan noch Cináed darauf reagieren. Das abrupte Verstummen des Gebells sagt dem Gutsbesitzer, dass bereits jemand da ist, um sich der Hund anzunehmen – seine Anwesenheit ist also nicht erforderlich. Nathanael spielt derweil – ganz in Gedanken versunken – mit dem Becher in seinen Händen, als die Worte des Shida'yas ihn an Rayyan Leyal denken lassen. »Der gute Meister Leyal«, erklärt der dunkelhaarige Mann nach einer kurzen, gedanklichen Pause und das Lächelns auf sein Gesicht weicht einem breiten Grinsen. »Du wirst es vermutlich nicht glauben, aber Rayyan ist seit ein paar Siebentagen mein Lehrmeister. Ja, du hörst richtig, ich lasse mich ausbilden... zu einem Zauberer.« Erst ungläubig, dann ebenfalls breit grinsend, stimmt Cináed in Nathans Lachen mit ein. „Gut, das ist gut“, erwidert er ehrlich erfreut. »Nach meiner Entlassung waren wir ein paar Monde in Sorbonn, dort gibt es eine riesige Magierarkana... völlig verrückt, sage ich dir. Dort habe ich mich entschieden, kein Hexer mehr zu sein. Sie haben mir mein Mana genommen, ...naja, nicht alles, aber fast alles und jetzt verbringe ich meine Zeit mit Arbeiten und Unterricht.« Der Gutsbesitzer nickt. Ja, er hat von Sorbonn gehört. Erzmagier Silberbart hatte ihm vorgeschlagen, sich an der Arkana unterweisen zu lassen... doch der Elb hatte abgelehnt. Einer der Gründe, weshalb er das Dasein eines Hexers dem eines Magiers all die Götterläufe vorgezgen hat, besteht darin, dass der seinen Hof nicht verlassen will. Ein Studium an einer Arkana hätte ihn zwangsläufig für viele Jahre von Glyn-y-Defaid fortgeführt. Für den rothaarige Elb absolut indiskutabel – damals wie heute.

„Ich habe seid diesem Winter ebenfalls einen Lehrmeister, der mir hilft mein Mana richtig zu beherrschen. Frag nicht, wie es dazu gekommen ist, die Geschichte könnte etwas länger dauern...“, erklärt er schmunzelnd. „Jedenfalls muss ich nicht an eine Arkana gehen, und das ist das Wichtigste an der ganzen Angelegenheit.“ Als Nathan ihm daraufhin erzählt, dass Uio in Sorbonn ist, um dort zu studieren, weiten sich die Augen des Gutsbesitzers erfreut. „Du hast Uio gesehen? Wie geht es dem Jungen? Gut nehme ich an? Seid seinem Verschwinden damals haben wir hier auf dem Hof nichts mehr von ihm gehört... Er ist jetzt in Sorbonn, sagst du? Wie ist es dazu gekommen?“ Cináed sieht seinen Gegenüber interessiert an. Das Uio jetzt Student an einer Arkana sein soll, ist eine höchst überraschende Neuigkeit. Nun, auch tapfere Retter-Ritter-Räuber werden irgendwann einmal erwachsen, schätzt er... das ist nun einmal Rohas Lauf. Cináed nickt Nathanael zustimmend zu. Das Uio sich zu einem Magier ausbilden lässt, ist wahrlich gute Kunde.

Als Nathan äußert, dass er merne mit dem Gesinde von Glyn-y-Defaid sprechen würde, um mit seiner Vergangenheit reinen Tisch zu machen, lächelt der Gutsbesitzer. „Gut, wenn du das tun möchtest... Wie wäre es im Anschluss an das Mittagsmahl?“, schlägt er vor. „Ihr seid selbstverständlich alle an unserem Tisch herzlich willkommen. Du kennst Rhona ja, es gibt stets genug zu essen, um ganze Heerscharen zu verköstigen. Und außerdem hast du dann alle gleich beisammen...“ Cináed leert seinen Becher und stellt ihn anschließend auf dem kleinen Beistelltisch ab. „Ach, du weißt ja, wie die Dinge hier laufen“, beantwortet der Shida'ya Nathans nächste Frage. „Über zu wenig Arbeit konnten wir noch nie klagen.“ Er lacht lesie auf. „Lämmer werden geboren, Schafe geschoren, die Ernte eingebracht... Nichts Neues also.“ Der Gutsbesitzer greift nach der Weinkanne und schenkt sich noch etwas nach. „Letzten Voshor hat uns allerdings ein übler Sturm erwischt. Ihr werdet die vielen frisch gedeckten Dächer bei eurer Ankunft sicher bemerkt haben... Es war wirklich schlimm.“ Einen kurzen Augenblick lang verdüstern die Augen des Elben sich und ein Anflug von Trauer breitet sich auf Cináeds Gesicht aus. „Catriona ist in jener Nacht zu Sithech gegangen“, erzählt er Nathan schließlich leise. „Wir haben sie im Sithech-Hain zur letzten Ruhe gebettet...“ Dass er selbst und Calait, die an jenem dritten Voshor-Tag bei ihm gewesen ist, dem Sturm nur mit knapper Müh und Not entkommen sind, verschweigt Cináed ebenso wie die Tatsache, dass er anschließend mit einem gebrochenen Bein für mehrere Siebentage ans Haus gefesselt gewesen ist und alle übrigen Bewohner des Hofes während dieser Zeit an den Rand des Wahnsinn getrieben hat...

„Ach, und meine Schwester Nôrnar ist derzeit zu Besuch“, klärt er Nathan stattdessen auf und verdreht dabei leicht genervt die Augen. „Zur Zeit ist sie allerdings in der Stadt“, fährt er fort und unterschlägt dabei höflich das kleine Wörtchen glücklicherweise. „Na, vielleicht wirst du später noch Gelegenheit haben, sie kennenzulernen. Doch jetzt erzähl erst einmal von dir. Wo lebst du zur Zeit? Und zu wem gehört der kleine Bursche, denn Zoe und du da mitgebracht haben – Aruna, richtig?“ Fragend schaut Cináed Nathanael an. Sich direkt danach zu erkundigen, ob der einstige Hexer der Vater des Kindes ist, wäre unhöflich und unangemessen, doch die Frage schwingt natürlich unterschwellig trotzdem mit...
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Donnerstag, 14. März 2013, 09:14

Das sich Cináed ebenfalls einem Lehrmeister angeschlossen hat, verwundert Nathan etwas. Damals, als er den hilfsbereiten Gutsherrn kennengelernt hat, hatte er nicht den Eindruck, dass er irgendwelche Schwierigkeiten mit seinem Mana und dementsprechend ein Lehrer von Nöten hatte. Doch was weiß der ehemalige Hexer schon von den Ereignissen auf Glyn-y-Defaid oder Talyra. Statt nachzufragen, unterdrückt Nathan seine aufkeimende Neugier und akzeptiert Cináeds Hinweis, dass diese Geschichte wohl zu lange dauern würde. Vielleicht ein anderes Mal.

Er nimmt einen weiteren großen Schluck verdünnten Wein aus seinem Becher und lauscht Cináeds Fragen über Uio. „Du hast Uio gesehen? Wie geht es dem Jungen? Gut nehme ich an? Seit seinem Verschwinden damals haben wir hier auf dem Hof nichts mehr von ihm gehört... Er ist jetzt in Sorbonn, sagst du? Wie ist es dazu gekommen?“
„Auch das ist eine lange, lange Geschichte“, antwortet ihm Nathan grinsend. „Aber ich versuche mich kurz zu halten: Uio und Rayyan haben mich in Nirmonar abgeholt. Von dort sind wir nach Sorbonn gereist. Rayyan und seine Magierin-Freundin hatten in Sorbonn noch etwas zu erledigen und ich habe mich lange in der Arkana aufgehalten. Naja, die Magier haben mir viel erzählt, erklärt und so weiter. Dort habe ich mir dann auch mein Mana reduzieren lassen und Uio, der hat sich dann eben entschieden ein Magier zu werden. Ihm geht es gut,...naja, denke ich mal. Wir schreiben uns Briefe. Aber diese Arkana muss einiges von ihm abverlangen, denn seine Briefe, nun ja, sie klingen manchmal etwas…gereizt!“ Nathan lacht als er an Uios kurz angebundenes Gekrakel denkt, dass der Schreiberling, dem er es zum Vorlesen in die Hand gedrückt hatte, nur mühsam entziffern konnte. „Ich glaube nicht, dass es ihm dort besonders gut gefällt, aber er schafft das schon! Uio lässt sich nicht so leicht unterkriegen.“

Dann hört Nathan Cináeds Ausführungen über die Ereignisse der letzten Zwölfmonde zu. „Caths Tod tut mir leid“, fügt der schwarzhaarige Mann nach einem kurzen Moment der Stille an. „Ich kann mich noch gut an sie erinnern…“ Nachdenklich blickt er in seinen nun leeren Becher, den er einmal rechts und einmal links herum zwischen seinen Fingern hin und her dreht. Dann stellt er ihn auf den kleinen Beistelltisch ab. So richtig weiß Nathan nicht, was er zu Cináeds Verlust sagen soll. Auch wenn das runzelige Weiblein ihre besten Tage weit hinter sich gelassen hatte, war sie trotzdem noch fester und geschätzter Bestandteil des Gutshofes. Zum Glück lenkt der Shida'ya das Gespräch in eine andere, weniger bedrückendere und emotionalere Richtung, nämlich auf seine Schwester, die wohl zurzeit auf Glyn-y-Defaid zu Besuch ist und auf Nathans eigene Situation.
„Wo ich lebe? Je nachdem wie es Rayyans Pläne zulassen, verbringe ich viel Zeit mit Üben und Lernen bei ihm. Ich sag dir, diese ganze Lernerei ist wirklich nicht meins.“ Bei diesem Worten zwinkert er Cináed verschmitzt zu. „Ansonsten versuche ich, bei Wielang Landunter und seinen Schauerleuten im Perlenhafen ein paar Münzen zu verdienen. Er lässt mich auch in einer seiner Speicherhäuser zusammen mit ein paar Anderen übernachten. Das ist praktisch. Naja und ich besuche oft den Sithechtempel.“
„Und zu wem gehört der kleine Bursche, denn Zoe und du da mitgebracht haben – Aruna, richtig?“ wirft Cináed mit neugierigem Blick ein.
„Aruna…? Naja, Aruna ist….“

Ein zweimaliges Klopfen unterbricht den Zauberer. Mit fragendem Blick schaut er zu seinem Gastgeber, der hat jedoch schon den Kopf in Richtung Tür gedreht und bittet mit einem freundlichen und bestimmten „Ja?“ den „Klopfer“ herein. Es ist Gwyn, der junge Schweinehirte von Glyn-y-Defaid, auf jeden Fall vermutet das Nathan, denn der schmächtige Bursche mit dem strohblondem Haar ist in den letzten Zwölfmonden kräftig in die Höhe geschossen. Mit einem breiten Grinsen in seinem jugendlichen Gesicht steht er an der Tür und sagt:
„Herr Cináed, ich soll dir von Emrys ausrichten, wir haben Besuch! Ein Gast oder so was steht im Hof.“
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Donnerstag, 14. März 2013, 15:24

Gwyns Erscheinen rettet Nathan vor einer Antwort auf Cináeds letzte Frage und beendet das Gespräch der beiden fürs Erste. Nachdem der Junge seinem Vater Bescheid gegeben hat, ist er wie von Emrys angewiesen, auf direktem Weg ins Haus hinübergelaufen gekommen. In der Küche hatte er kurz mit seiner Mutter gesprochen, welche ihn daraufhin postwendend ins Kaminzimmer geschickt hatte. Nun steht er hier und sieht die beiden Männern am Kamin fragend an. „Gut, danke Gwyn“, antwortet Cináed. „Du kannst wieder gehen. Zoe und den kleinen Aruna hast du auf deinem Weg durch die Küche sicher schon gesehen. Wenn du nichts weiter zu tun hast, kannst du ihnen gerne Gesellschaft leisten.“ Der Junge nickt erfreut und entfernt sich rasch.

Cináed wendet sich wieder Nathanael zu. Noch ein Gast?, denkt er überrascht. Offenbar niemand, den sie hier auf auf dem Hof kennen, sonst hätte Gwyn ihm einen Namen genannt. „Sollen wir gemeinsam hinausgehen?“, erkundigt sich der Gutsbesitzer bei Nathan. „Du kannst auch gerne hier auf mich warten, wenn dir das lieber ist. Ich bin sicher, es wird nicht lange dauern...“ Sein Gegenüber schüttelt den Kopf.
Also stellen die beiden Männer ihre Becher ab, verlassen das Kaminzimmer und schlüpfen wieder in ihre Winterbekleidung. Auf dem Weg aus dem Haus purzelt ihnen eine völlig verstörte und in Tränen aufgelöste Úna vor die Füße. Es kostet die beiden Männer einige Minuten Zeit, um ein paar zusammenhängende Sätze aus dem Mädchen heraus zu bekommen. Viel Sinn ergeben allerdings auch diese nicht. Die zwei einstigen Hexer wechseln einen kurzen, fragenden Blick, schicken das Mädchen in die Küche und setzen ihren Weg zum fort. Kurz nach Owyn erreichen daher auch Nathan und Cináed den Brunnen. Gerade noch rechtzeitig um den Obersten Knecht von Glyn-y-Defaid fragen zu hören: „Was geht hier vor sich?“ Da Cináed – und vermutlich auch Nathanael – sich spontan die selbe Frage stellen, warten die sie stumm Emrys Antwort ab, denn Owyns Worte scheinen in erster Linie an den Herzländer gerichtet zu sein. Während die beiden ungleichen Männer dem jungen Knecht schweigend zuhören, mustern sie die Fremde am Brunnen eingehend.

Emrys verstreift sich kaum merklich als er zu sprechen beginnt und Owyn direkt in die Augen schaut. „Die Hunde haben angeschlagen, also bin ich auf den Hof hinaus, um nachzusehen was los ist“, schildert er in nüchternem, sachlichem Tonfall die Situation. „Sie hat mir erklärt...“, bei diesen Worten deutet Emrys kurz mit einem Nicken hinüber zu der unbekannten jungen Frau, bevor er seinen Blick wieder auf Owyn heftet. „...dass ihr Hund Durst gehabt habe.“ Seine nächsten Worte wählt der Knecht mit Bedacht. „Ich habe nicht schnell genug reagiert. Úna ist hinzugekommen und hat sich dem Hund genähert, ohne zuvor um Erlaubnis zu bitten.“ Ohne auch nur mit der Wimper zu zucken, gesteht der Knecht Únas und auch sein eigenes Fehlverhalten ein und hält Owyns durchdringendem Blick weiterhin stand. Auf Glyn-y-Defaid nimmt niemand absichtlich eine Lüge in den Mund. Spätestens seid dem Posenspiel mit Nôrnar, Calait und Colevar weiß jeder es hier besser. „Die Fremde hat Úna zurechtgewiesen. Úna hat sich entschuldigt, und ich habe ihr...“ Emrys deutet mit einem weiteren Kopfnicken hinüber zu der Fremden, um anzuzeigen, dass er sie mit diesen letzten Worten meint. „...nahegelegt den Hof zu verlassen.“

Owyns Blick wandert von Emrys zu der unbekannten, jungen Frau und ihrem Hund hinüber. „Stimmt das?“, will er höflich wissen, doch es scheint eher eine rhetorische Frage zu. „Ich entschuldige mich für das Fehlverhalten meiner Tochter. Sie kann man manchmal etwas... übereifrig sein, wenn es um Tiere geht.“ Der Oberste Knecht nickt der Unbekannten freundlich zu. „Willkommen. Mein Name ist Owyn. Darf ich Euch den Herrn von Glyn-y-Defaid vorstellen...?“ „Man nennt mich Cináed“, kommt der hochgewachsene Shida'ya, der sich bisher völlig im Hintergrund gehalten hat, seinem Obersten Knecht mit einem freundlichen Lächeln zuvor. „Und das hier...“ Der hochgewachsene Elb deutet auf seinen Begleiter. „...ist Nathanael. Ein Freund des Hauses. Willkommen auf Glyn-y-Defaid. Bitte entschuldigt, aber ich scheine Euren Namen nicht mitbekommen zu haben.“ Der Gutsbesitzer schenkt der jungen, blonden Frau ein weiteres Lächeln. Emrys hat bei seiner Schilderung nicht gelogen, aber er hat die Neuankömmlinge auch nicht vollkommen ins Bild gesetzt und gewisse Details fürs Erste unerwähnt gelassen. Weder Owyn, noch Nathan und Cináed wissen daher bisher darüber Bescheid wie sich die Unbekannte Úna gegenüber verhalten hat und reagieren aus diesem Grund – noch – absolut höflich und unvoreingenommen. Ob die junge Frau die Gelegenheit, die Emrys ihr hier bietet (vielleicht weil er seine ruppigen Worte von zuvor ein klitzekleinwenig bereut), nutzen wird, bleibt allein ihr überlassen.
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Emerald

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Donnerstag, 14. März 2013, 22:14

Die Entschuldigung des kleinen Mädchens lässt Emerald völlig kalt. Sie ist schließlich selbst daran Schuld, dass es soweit kommen musste. Auch sonst findet sie, dass der Mann ein wenig überreagiert, sie hatte dem Kind nicht einmal richtig weh getan.
Die junge Frau stöhnt leise auf, als der Mann sie dann auch noch vom Anwesen schicken will. Wie deutlich muss sie ihm denn noch klar machen, dass sie sich von niemandem etwas sagen ließ. Und wenn man sie bat zu gehen, so tat sie dies erst recht nicht. So einfach wird er sie nicht loswerden.

Dann kommt ein weiterer Mann auf den Hof. Auch er sieht eher aus, wie ein Bediensteter, als wie der Herr des Hauses. Deshalb hört Emerald dem Gespräch zwischen den beiden auch gar nicht erst richtig zu. Die eine Hand immer noch auf Sveas Rücken liegend, springt sie vom Brunnenrand. Vielleicht sollte sie ja doch lieber gehen, bevor die ganze Situation hier noch anstrengender wurde.
Kurz lauscht sie dann doch dem Gespräch der beiden Männer vor ihr. Wie hießen sie noch gleich? Im Namen merken, war Emerald wirklich nicht gut. Dies lag vor allem daran, weil sie auch gar keine Lust hatte, die Namen von für sie unwichtige Personen zu merken. Auch fand sie es lächerlich, wie viel Bedeutung manche ihrem Namen gaben, dabei sagt doch selbst ein feiner Titel nicht viel über die Person selbst aus.
Der Mann, der als zweites dazugekommen war, entschuldigt sich für das Verhalten des Mädchens. Ebenso lächerlich, findet Emerald. Als ob auch nur eine dieser zahlreichen Entschuldigungen Ernst gemeint war. Die junge Frau würde nie auf die Idee kommen sich für irgendetwas zu entschuldigen, sie war der Meinung, dass man dazu stehen sollte, was man getan hatte.

Ein Gähnen entfleucht der jungen Frau, als sie sieht, dass noch zwei weitere Männer zu der kleinen Gruppe treten. Einer von ihnen wird Emerald als Herr dieses Anwesens vorgestellt. Ein Spitzohr...innerlich stöhnt Emerald auf. Bis jetzt hatte sie auf ihren Reisen kaum einen Elben getroffen, der nicht eingebildet und übermäßig von sich selbst überzeugt gewesen war. Vermutlich war es bei diesem also auch der Fall.
Wieder einmal lässt Emerald einen Moment verstreichen, bis sie die Frage des Elben nach ihrem Namen beantwortet.
"Ihr seit nun schon der zweite oder vielleicht auch dritte der mich nach meinem Namen fragt", meint sie mit einem herablassenden Blick auf den Mann vor ihr.
Nach einem weiteren Moment des Schweigens, spricht sie weiter: „Doch selbst Euch, Herr von..“, sie zögert kurz. Hatte der Kerl nicht vorhin gesagt, wie dieser Hof hier hieß?
„...Herr dieser...Hütten...“, spricht sie schließlich weiter. „...geht er nichts an.“
Ein zweites Mal gähnt Emerald, Müdigkeit erfüllt ihren Körper. So langsam verliert sie wirklich die Lust an dieser ganzen Situation. Sie wünscht sich endlich Ruhe und vor allem, dass die Männer wieder gehen würden. Lieber noch einen weiteren Tag ohne Essen und eine Nacht im Freien...
„Wie wäre es, wenn Ihr Eure Aufpasser zurückruft“, sie nickt in Richtung der Knechte, „und Euch wieder in Euer edles Haus verzieht. Ihr habt mich alle gebührlich begrüßt, Eure Pflicht ist getan. Ich komme nun alleine zurecht.“

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Nathanael

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44

Freitag, 15. März 2013, 08:51

Nathan, der sich seitlich neben Cináed gestellt hat, betrachtet die für seinen Geschmack ziemlich schmächtige Frau mit dem unscheinbaren Aussehen, während der Gutsbesitzer sich und auch Nathan kurz vorstellt.
Zuerst unbeteiligt und desinteressiert wendet er seinen Blick von der herumlungernden Gestalt und ihrem Hund wieder ab. Schließlich ist es Cináeds Aufgabe, sich mit seinen „Gästen“ beziehungsweise mit Bittstellern herumzuschlagen. Als jedoch ein dreistes und beleidigendes Wort nach dem anderen den Weg aus dem vorlauten Mund der blassen Fremden findet, richtet sich Nathan auf und verschränkt die Arme vor der Brust.
Holla, was für ein Loch hat dich denn ausgespuckt?, stellt er überrascht mit hochgezogener Augenbraue fest.
Der krönende Abschluss bildet der Satz „Wie wäre es, wenn Ihr Eure Aufpasser zurückruft und Euch wieder in Euer edles Haus verzieht. Ihr habt mich alle gebührlich begrüßt, Eure Pflicht ist getan. Ich komme nun alleine zurecht.“
Jetzt muss Nathan wirklich Lachen. Er schüttelt leicht den Kopf, während er die Frau mit einem abschätzigen Lächeln quittiert. Da findet das Weib den Weg in eines der bekanntesten und mildtätigsten Höfe der ganzen Gegend und bekommt es fertig, in nur wenigen Sätzen sich alle Chancen zu verspielen. Wie dumm muss dieses halbe Kind sein. Naja, mir kann es ja egal sein. Soll Cináed sie doch vom Hof schmeißen. Spätestens beim nächsten Gut wird sie mit ihrer losen Zunge eine saftige Tracht Prügel oder noch mehr kassieren.
„Komm Cináed, Herr dieser Hütten…“ amüsiert klopft er dem Shida'ya auf die Schultern. „…lass uns zu Zoe und Aruna hineingehen.“
Nathan ist auch nur Gast auf Glyn-y-Defaid, deshalb wird Cináed entscheiden müssen, was mit dem dreisten Weib passiert. Aber ehrlich gesagt, hat der Zauberer überhaupt keine Lust, sich mit dieser fremden Person auch nur einen Moment länger zu beschäftigen. Das ist eh vergebene Liebesmüh. Ja ja, Nathan ist auch kein Kind von schlechten Eltern und Höflichkeit zählt nun wahrlich nicht zu seinen Stärken, dass weiß er selbst, doch ein fremdes Gut zu betreten und das Gastrecht so mit den Füßen zu treten, ist in seinen Augen nicht nur unverschämt und frech sondern auch töricht und dumm und wird in der Regel mit mehr, als ein paar harten Worten bestraft.
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Freitag, 15. März 2013, 16:29

Die freche Dreistigkeit mit der die Fremde auftritt, überrascht den Gutsbesitzer sehr. Mit atemberaubender Selbstverständlichkeit spielt sie sich auf, als hätte sie jedes Recht der Welt sich auf seinem Grund und Boden aufzuhalten und ihn und seine Leute großmäulig vor den Kopf zu stoßen. Nun, wo er die blonde Frau reden hört, beginnt der Gutsbesitzer auch sehr schnell zu begreifen, weshalb Úna heulend ins Haus gerannt gekommen ist und Emrys Blick mit jedem weiteren Wort der Unbekannten etwas finsterer wird. Owyn scheint es ähnlich zu gehen. Selbst ein blinder mit Krückstock kann spüren, dass Emrys dicht davor ist vor Wut zu platzen. Die junge Frau scheint das jedoch nicht zu bemerken oder aber es ist ihr egal und sie ignoriert den Herzländer gekonnt.

Als sie Cináed schließlich vorschlägt, er solle seine Aufpasser doch endlich fortschicken und wieder in sein edles Haus zurückkehren, muss der Elb jedoch sehr ansich halten, um nicht lautschallend zu lachen. Offenbar hat die junge Frau noch nicht besonders viele Adels- oder reiche Kaufmannshäuser gesehen, wenn ihr das aus rauem, grobbehauenem grauen Stein errichete Gutshaus die Bezeichnung edel entlockt. Doch dann wird sein Blick ernst. Seine geliebte Frau ist auf diesem Hof aufgewachsen und gestorben. Die Fremde kann nicht wissen, dass sie Taras Andenken in seinen Augen mit ihren achtlosen Worten beschmutzt, dennoch beginnt ihn das Gesagte tief in seinem Herzen gegen die Fremde einzunehmen. Im Übrigen verkennt sie die Lage vollkommen: Owyn und Emrys haben sich noch nicht zurückgezogen, weil sie IHN im Auge behalten wollen – nicht nur sie.
Der Shida'ya seufzt innerlich auf. Seid Nôrnar sein Geheimnis so achtlos vor dem gesamten Hof enthüllt hat, behandelt sein Gesinde ihn mit neuer, ungewohnter Wachsamkeit. Ja, seit jenem Tag im vergangenen Blätterfall trägt der Elb jeden Tag aufs Neue einen harten Kampf um das verlorengegangene, uneingeschränkte Vertrauen seine Knechte und Mägde aus. Und sie haben Recht damit ihm und seiner arkanen Begabung zu misstrauen. Cináed hat die in sich schlummernden Kräfte stets besser kontrollieren und verbergen können als Nathan, sonst wäre er nie so alt geworden wie er heute ist. Im Gegensatz zu dem dunkelhaarigen Mann wurde sein Mana allerdings bisher auch nicht reduziert. Und gerade das macht ihn nach wie vor so unberechenbar. Der Elb hat gerade erst damit begonnen seine magische Begabung gezielt und richtig zu beherrschen. Eine gefährliche Mischung. Glücklicherweise ist der Shida'ya noch nie jemand gewesen, der seine Selbstbeherrschung rasch verliert. Schon gar nicht wegen solch einer Lappalie.

Abgesehen davon sind schließlich noch Mabon und Modron anwesend. Und die übrigen Hunde haben sich zwar außer Sichtweite zurückgezogen, aber davon lässt sich nur täuschen, wer die Tiere von Glyn-y-Defaid nicht kennt – so wie die blonde Frau. Nein, die Hunde sind alles andere als fern. Ein Pfiff würde genügen und sie wären augenblicklich wieder zur Stelle. Und was Größe und Kraft anbelangt, so können sich zumindest vier von ihnen spielend mit dem Hund der nach wie vor namenlosen Frau messen. Immerhin sind die Hunde eigens dafür gezüchtet worden, um die Herden des Hofes selbstständig gegen wilde Wolfsrudel zu verteidigen und die Gutsleute vor Eindringlingen zu schützen. Das ruhige, gehorsame Verhalten der Tiere ist auf jahrelange, konsequente Erziehung zurückzuführen, nicht auf echte Friedfertig- oder Gutmütigkeit.
»Ihr habt mich alle gebührlich begrüßt, Eure Pflicht ist getan«, tut die Fremde derweil großspurig kund. »Ich komme nun alleine zurecht.« Cináed zieht eine Augenbraue in die Höhe. „Ganz wie Ihr meint“, entgegnet er gelassen, verärgern lässt er sich von solch kindischem Gehabe nicht. „In der Küche wird gleich das Mittagsmahl aufgetragen“, erklärt er an Owyn und Emrys gewandt. Wieder an die junge Frau gewandt, meint er: „Ich will Euch nicht aufhalten. Ihr habt noch einen langen Marsch vor Euch, wenn ihr in die Stadt wollt.“ Unter anderen Umständen hätte er der Fremden ohne zu zögern einen Platz an seiner Tafel angeboten, aber er kann Emrys brodelnde Wut deutlich spüren. Die junge Frau hat ihr Gastrecht offenbar längst vertan. Außerdem ist es ihr vermutlich sowieso egal, denn sie scheit ohnehin nicht an der Gastfreundschaft von Glyn-y-Defaid interessiert zu sein – ungeachtet ihres verdreckten Äußeren, ihrer müden Augen und dem hungrigen Blick ihres Hundes. Der Shida'ya zuckt mit den Achseln. Er zwingt niemanden zu seinem Glück. Augenscheinlich hat sich die Unbekannte eh nur rein zufällig auf seinen Hof verirrt, ohne triftigen Grund. Im Grunde kümmert es Cináed auch nicht weiter. Er hat genug Gäste um die er sich kümmern kann und muss. Wozu Zeit an jemanden verschwenden, der die Freundlichkeit der Gutsbewohner offenkundig nicht zu schätzen weiß, wenn im Haus Gwyn, Zoe und Aruna warten und eine weinende Úna etwas Aufmunterung gebrauchen kann.

Der Shida'ya nickt Owyn und Emrys zu und gibt den beiden Männern mit einer schlichten Geste zu verstehen, die Angelegenheit ihm zu überlassen und sich wieder wichtigeren Dingen zuzuwenden. Die beiden Männer entfernen sich wortlos. Sie so respektlos zu behandeln, wie die Fremde dies getan hat, gehört sich Cináeds Meinung nach einfach nicht. Insbesondere Owyn zu beleidigen ist zudem keine gute Idee. Der Oberste Knecht ist Cináeds rechte Hand, nach seinem Herrn also der "mächtigste" Mann auf Glyn-y-Defaid, wenn man so will. Es gehört zu Owyns Aufgaben und Pflichten neue Arbeiter – beispielsweise Tagelöhner – einzustellen. Der Elb würde seinem Obersten Knecht niemals in seine Entscheidungen hineinreden, zumindest nicht ohne sehr guten Grund. Sollte die junge Frau hier (oder woanders) doch einmal nach Arbeit fragen, würde sie es fortan schwer haben. Sowohl Owyn als auch Emrys sind hier im Umland bei ihresgleichen wohlangesehen. Ein Wort von ihnen genügt und die Unbekannte würde Mühen haben auf einem der anderen Höfe im Umland eine gute Anstellung zu finden. Und Neuigkeiten dieser Art verbreiten sich auf den Gehöften schnell. Aufmüpfiges, unverschämtes Gesinde kann niemand auf seinem Hof und Land gebrauchen.

Cináed wendet sich Nathan zu, welcher ihm kamaradschaftlich auf die Schulter klopft. „Ja...“, stimmt er dem dunkelhaarigen Mann zu, „...lasst uns ins meine Hütten zurückkehren.“ Der Shida'ya schließt sich Nathans Erheiterung an. „Die Kinder warten vermutlich schon auf uns.“ Nur kurz dreht der Elb sich noch einmal zu der Fremden um. „Lebt wohl und gute Reise“, verabschiedet er sich höflich, für seine Verhältnisse jedoch ungewohnt distanziert und kurz angebunden. „Talyra liegt nördlich von hier.“ Der Gutsbesitzer nickt der blonden Frau nur noch knapp zu, wendet sich ab und pfeift einmal scharf, während er und Nathan gehen. Sogleich sind alle sechs Hund zur Stelle. Der Elb gibt nur einen einzigen Befehl: „Naqior!“ Verteidigen! Eine falsche Geste, eine falsche Bewegung und die Hunde würden unter Beweis stellen, weshalb Cináeds Herden so geringe Verluste durch Wolfsattacken und andere wilde Tiere erleiden. Der Shida'ya will der Fremden nichts unterstellen, aber er ist auch kein Narr. Falls sie mit dem Gedanken daran nach Glyn-y-Defaid gekommen ist, die Tag für Tag hart arbeitenden Gutsbewohner zu bestehlen, dann hat sie sich leider das falsche Gehöft ausgesucht. Gewaltsam vom Hof jagen lassen wird er sie allerdings nicht, falls sie das jetzt von ihm erwartet. Solange sie oder ihr Hund nichts dummes anstellen, würden seine eigenen Hunde sich weiterhin ruhig verhalten. Nein, der gelassene Blick des Gutsbesitzers wandert nur kurz zum Himmel hinauf. Seine feinen elbischen Sinne haben den schleichenden Wetterumschwung, den die anwesenden Menschen noch nicht zur Kenntnis genommen zu haben scheinen, bereits bemerkt. Die winterliche Kälte des Eisfrostmondes, der stärker werdende Wind, der langsam schwindende Sonnenschein und die allmählich heraufziehenden Wolken, welche unangenehmes Schneetreiben mit sich zu bringen versprechen, würden die Fremde schon bald von ganz alleine forttreiben...
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