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Colevar

Stadtbewohner

Beiträge: 136

Beruf: Sithechritter

Wohnort: Talyra

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16

Freitag, 2. November 2012, 19:56

"Oh, daher weht der Wind", Colevar lächelt leicht, als der Elb ihm erklärt, der Junge wäre eifersüchtig, hat aber durchaus Mitgefühl für den jungen Knecht von Glyn-y-Defaid. "Hmpf, ich glaube, ich werde allmählich alt. Früher wäre mir ein hübsches Mädchen, das mir schöne Augen macht, nicht entgangen." War da ein Mädchen im Garten? Da war der Dreikäsehoch, den kann er kaum meinen und seine Schwester erst recht nicht, die hatte nur Augen für Calait. Und Calait. Natürlich. Und welcher Mann Rohas hat eigentlich keine liebe Mühe mit dem launischen Weibervolk? Er folgt dem Shida'ya in die Scheune, wo ein paar prall gefüllte Jutesäcke mit der Rohwolle herumstehen. Sie ist von viel besserer Qualität, als sie sie eigentlich bräuchten und das sagt Colevar auch, aber der Elb zuckt nur mit den Schultern und erklärt, er habe keine schlechtere. "Oh, na dann... soll mir auch recht sein. Wir wollen damit nur die Giebelwand isolieren, wisst Ihr. Das Dach ist neu gedeckt, die maroden Stützbalken sind ausgetauscht und alles andere ist auch so gut wie fertig, aber das muss ich noch erledigen, ehe die Kälte kommt." Sie müssen eine Weile suchen, ehe sie zwischen den leeren, sauber geschrubbten Fässern für Apfelwein, Cider und Most tatsächlich ein kleines, unschuldig wirkendes Fässchen aus dunkler Mooreiche entdecken, dessen Inhalt sich nach kurzem Schnuppern als Branntwein entpuppt. Nur wenig später lassen sie sich mit dem ergatterten Schatz samt zweier Becher aus einer ziemlich ordentlichen Werkstatt auf einem Strohballen nieder und teilen sich schweigend die ersten paar Schlucke. Colevar sieht Cináed von Glyn-y-Defaid heute zum ersten Mal, aber der Elb hat etwas an sich, das ihn sehr sympathisch macht. Vor allem sein trockener, selbstironischer Humor, den er trotz der Misere nicht verloren zu haben scheint. >Meine Schwester kann eine einzige Plage sein. Lästig wie eine Klette. Wenn sie sich erst einmal in eine Idee verrannt hat, ist sie davon so schnell nicht wieder abzubringen...< bricht er schließlich das Schweigen und Colevar legt den Kopf schräg. "Das habe ich schon einige Männer über ihre Schwestern sagen hören. Scheint ein weit verbreitetes Phänomen zu sein."


Er blickt sehnsüchtig in seinen eigenen Becher – leer – und schenkt sich ebenfalls nach, als der Elb den eigenen Becher füllt und ihm einladend das Fass hinhält. "Ich glaube, es wäre trotzdem schön, eine zu haben. Ich meine in echt. Jetzt habe ich ja gerade eine. Mehr oder weniger." Seine Mundwinkel zucken amüsiert.
>Ich dachte, es wäre eine gute Idee sie in ihren Vermutungen zu bestätigen, damit sie endlich Ruhe gibt und mich in Frieden lässt, aber ganz offenkundig habe ich mich getäuscht.< Cináed berichtet kurz von dem Missverständnis... eigentlich nicht mehr, als ein falscher Schluss, den seine Schwester aus seinem Zögern und seinem Unwillen, Hals über Kopf mit ihr irgendwo hin zurückzukehren, gezogen hatte. "Warum habt Ihr ihr denn nicht einfach gesagt, dass Ihr... jetzt hier zu Hause seid? Es ist Euer Land. Euer Hof. All diese Menschen und jedes einzelne Stück Vieh ist Eurer Obhut anvertraut. Sie muss doch verstehen, dass Ihr sie nicht einfach allein und sich selbst überlassen könnt." Er versteht das vollkommen, aber das ist auch genau das, wozu er erzogen wurde. Ob Lord oder Gutsbesitzer, spielt dabei keine Rolle – Verantwortung für die ihren tragen sie beide. Cináed hat sich hier ein Heim geschaffen. Sein Land, sein Haus, sein Vieh, sein Gesinde, seine Weiden, sein Leben. "Wenn Euer Platz nun einmal hier ist."
>Ich habe Nôrnar seit Jahren nicht gesehen. Ich habe ihr Naturell völlig falsch eingeschätzt. Irgendwie hatte ich angenommen sie hätte sich im Vergleich zu damals, als wir Kinder waren, verändert.<
Angesichts der "Jahre", die Cináed erwähnt, ist Colevar versucht zu fragen, wie alt er eigentlich genau ist, lässt es dann aber sein. Vermutlich älter als ich jemals werden könnte... Der Gedanke ist so befremdlich, dass er in augenblicklich in Branntwein ertränkt. Mist. Schon wieder leer. Lachend schenkt der Shida'ya ihm noch einmal nach und erklärt freimütig, seine Schwester habe sich wirklich verändert, sie sei schlimmer als eh und je, dann wird er ernst und seine Augen schmal, als er abwägend zum Haus hinübersieht. Colevar folgt seinem Blick, doch noch scheint dort alles ruhig zu sein. >Und ich befürchte, Calait und sie haben sich gesucht und gefunden.<
"Aye? Calait hat ziemliches Glück mit... dem Finden." Darauf stoßen sie beide an und trinken einen Schluck. Der Branntwein ist gut und stark, und entzündet augenblicklich kleine Explosionen wohliger Wärme in seinem Inneren, aber nicht mehr -noch nicht. Vielleicht liegt es ja daran, dass er inzwischen Calaits Feenfeuer-Verschnitt gewohnt ist. Vermutlich braucht es einfach mehr als drei Becher von irgendeinem anderen Branntwein, um ihm auch nur schummrig im Kopf werden zu lassen. "Ihr habt sie kennengelernt, als sie Euch ihre Schafe gebracht hat, nicht wahr? Oder sollte ich sagen, als Eure Hunde ihr ihre Schafe gestohlen und sie Euren Wollknäueln zugefügt haben?" Der Elb nickt lächelnd und Colevar mustert ihn aufmerksam. "Und sie war auf dem Weg zu Euch, als sie in den Sturm geriet."
Some say the world will end in fire. Some say in ice.
From what I’ve tasted of desire I hold with those who favor fire.
But if it had to perish twice, I think I know enough of hate
To say that for destruction ice is also great - and would suffice.
R.Frost

Calait

Stadtbewohner

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Beruf: Gelegenheitsgauklerin und Dritteklasseheilkundige

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17

Samstag, 3. November 2012, 17:01

Cináeds Schwester ist so anders, als ihr schweigsamer, ruhiger, bedachter, bodenständiger Bruder, dass Calait ernsthaft an Familienbande irgendwelcher Art zweifelt. Die ist bestimmt auch adopiert, geht es ihr amüsiert durch den Kopf, derweil Nôrnar ihr gerade in bunten Farben Klein-Cadians wilde Kinder- und Jugendabenteuer schildert. Was er früher einmal alles ausgeheckt und angestellt hat, wie das Phänomen des weiblichen Geschlechts ihn schon zu Zeiten, als ihm das Moos noch aus den Ohren gewachsen war, hatte erröten lassen, und wie sie selbst, als seine Schwester, ganz genau gewusst hatte, wie man seinen liebeswürdigen und hilfsbereiten Charakter am besten für die eigenen Zwecke (aus)nutzen konnte – kein unbekanntes Terrain für Calait, die ihren Schmollmund auch öfters eingesetzt hat, um ihre Brüder zu irgendwelchem Unsinn zu verleiten.
Der plötzliche Namenswechsel kommt zwar überraschend, wird aber von Calait vorerst nur lächelnd hingenommen – und im Gedächtnis mit einer kleinen, roten Flagge versehen, damit sie ihn später gegenüber Cináed, der aus irgendeinem Grund offensichtlich nicht wollte, dass man ihn in Talyra unter diesem Namen kennt, nicht benutzt. Sie muss die ganzen fiesen, kleinen Details, die Nôrnar ihr gerade bereitwillig auf einem Silbertablett serviert, ja nicht wirklich gegen Cináed verwenden, es reicht ihr völlig ihm hin und wieder eine winzig kleine Spitze hinzuwerfen und sich über seine Panik zu amüsieren, weil er keine Ahnung hat, was genau sie alles weiss. Das hat er sich verdient. Von wegen geheimnisvolle Geliebte. Ammenmärchen und Lügen. In diesem Fall haben seine Lügen soeben ein Paar honigdunkler Beine und eine flinke Zunge bekommen.
Irgendwann hält Nôrnar es dann aber doch nicht mehr aus, und mit einem leisen, verschwörerischen Räuspern, lehnt sie sich ein wenig nach vorne und muss einfach wissen, wie ihr Bruder und seine neue eventuelle Zukünftige sich denn kennen gelernt haben. “So, nun verrat mir aber mal, wie du mein Brüderchen kennen gelernt hast. Cadian erzählt mir ja nichts, der Geheimniskrämer. Alles muss man ihm aus der Nase ziehen, wirklich alles. Und dabei ziert er sich auch noch fürchterlich!” Ich kann mir gar nicht vorstellen, wieso. „Ich bin wirklich neugierig. Entschuldige meine Offenheit, aber wenn ich ehrlich bin, dann ist Cadian ist nicht ganz die Sorte Mann, die auf den ersten Blick zu dir zu passen scheint... so bodenständig und langweilig wie er zuweilen sein kann.”

„Langweilig?“, echot Calait in einem Tonfall, der vibriert vor unterdrückter Anzüglichkeit, rückt ein wenig auf dem Stuhl hin und her und schürzt die Lippen. „Ich weiss ja nicht, was du für einen Cináed kennst... aber der meine ist alles, aber nicht langweilig. Zuweilen ein bisschen... vorsichtig. Manchmal auch zu praktisch veranlagt und natürlich ganz und gar einfach in seiner Art zu Leben, aber was könnte eine Frau wie ich, die mit dem Herzen eines Vogels geboren wurde, sich denn mehr wünschen, als einen Mann, der immer auf sie wartet und ihr nie irgendwelche Vorwürfe macht, egal wie weit sie davonflattert? Er ist ein Schäfchen. Aber ein wildes Schäfchen. Gesprochen von Schafen, du wolltest wissen, wie wir uns kennen gelernt hatten.“ Flink schnappt sie sich eine der Apfelscheiben und wirft Rhona über den Tisch hinweg einen kleinen Luftkuss zu, als diese tadelnd mit der Zunge schnalzt. „Es fing alles mit meinen Schafen an, die ich nach Abreise meiner Schwester nicht länger alleine versorgen konnte. Also habe ich nach jemandem Ausschau gehalten, dem ich die Tiere anvertrauen konnte, ohne sie verkaufen zu müssen. Da schlug mir Borgil, der Wirt der Goldenen Harfe, Cináed vor... dessen Hunde meine Schafe dann auch prompt gestohlen haben.“ Kichernderweise erzählt sie Nôrnar von ihrem ersten Ausflug nach Glyn-y-Defaid in seinem ganzen heissen und weitläufigen Ausmass. „Und dann stand ich vor ihm. Braungebraten von der Sonne, stinkend wie ein Iltis und von Kopf bis Fuss mit Mückenstichen so gross wie Pestbeulen und habe versucht ihm meine Schafe anzudrehen. Du siehst,von Langweile keine Spur“, schliesst sie lachend, was Nôrnar sofort als Aufhänger für das nächste Thema nimmt – und Calait wird sich ganz langsam bewusst, dass die Rolle der geheimnisvollen Geliebte ein paar besonders gut gehüteter Geheimnisse aufdeckt. Auch solche, die die man vielleicht besser in Ruhe gelassen hätte.

“Ich verstehe einfach nicht, weshalb er nicht an eine Arkana gehen will, um zu lernen, wie er sein Talent richtig nutzen kann. Stattdessen will er lieber hierbleiben und Schafe züchten.” Arkana? Talent? ...oh... Scheisse... Im Gegensatz zu Nôrnar, die sich in ihrem Frust und Unverständnis verliert und einfach weiter plappert, als sei es selbstverständlich, die persönlichsten Sorgen und Bedenken ihres Bruders mit einer Wildfremden zu teilen, hört Calait, wie Rhona hinter ihr scharf die Luft einzieht und spürt deren Überraschung, die nur knapp an Schrecken vorbeischrammt. Ein Magier und keiner hier weiss... wusste es. Und Cináed wird seine Gründe gehabt haben, es niemandem zu erzählen. Und da war dein Fluchtweg, Calait. Siehst du ihn noch, da in der Ferne. Wink mal schön. Nôrnar ist derweil ein Einfall gekommen: “Vielleicht, wenn du ihn begleiten würdest...?” Bevor Calait dazu kommt abzulehnen, zu verneinen, es für unmöglich zu erklären, oder überhaupt irgendetwas zu sagen, lässt Nôrnars nächste Frage sie fast an dem halb zerkauten Apfelstückchen ersticken. “Oder... ist es gerade ein... ungünstiger Zeitpunkt...?”
„Was?!“, keucht sie, um Luft ringend und halberstickt vor Tränen und muss einfach lachen, weil die Vorstellung ihr dermassen absurd vorkommt. Sie hat noch nie in ihrem Leben über Kinder nachgedacht. Sie könnte noch nicht einmal mit Gewissheit sagen, ob sie überhaupt jemals Nachwuchs in die Welt setzen möchte. Mit wem denn? Wobei Varin bestimmt hübsche Kinder machen würde. Und Tiuri auch. Mit kleinen, abwehrenden Handbewegungen lehnt sie sich kopfschüttelnd zurück: „Nein. Nein, es ist kein ungünstiger Zeitpunkt, Nôrnar.“ Die Elbe will wahrscheinlich schon selbstzufrieden nickend feststellen, dass es ja dann keinen Grund gäbe nicht auf der Stelle nach Sorbonn aufzubrechen, als das Grinsen auf Calaits Gesicht zu einem halben Lächeln verkommt und sie ernst wird. „Aber es wird auch nie ein günstiger Zeitpunkt kommen.“ Rhona findet ihren Atem wieder, hat aber längst ihr Messer abgelegt und folgt den Frauen auf kurzem Abstand, als Calait ohne jede Scheu Nôrnars Hand ergreift und sich mit ihr bis zur Küchentür tastet, diese öffnet und die Elbe hinaus auf die Veranda führt. Die träge Blätterfallsonne empfängt sie mit der Wärme eines müden Spätnachmittags und die Ruhe des Abends macht sich überall bemerkbar. Im Obstgarten werden die letzten Kisten gefüllt und verladen, im Stall ist Emrys soeben damit fertig geworden die Kühe zu melken, die Schweine haben sich vollgefressen in ihre Strohnische zurückgezogen und aus der Küche hinter ihnen dringt der Duft nach Sauerkraut und Schinken, die in einem grossen, erdenen Topf vor sich hin simmern.

Der Spass ist vorbei. Die Scharade auch nur einen Augenblick länger aufrecht zu erhalten wäre falsch. „Er bleibt auch nicht wegen mir hier,“ erklärt Calait ihr also und hat immerhin den Anstand entschuldigend mit den Schultern zu zucken, als sie die Elbe endlich über das kleine Mimmikri aufklärt: „Um genau zu sein, gibt es mich gar nicht, Nôrnar. Ich bin nicht Cinéads Gefährtin und Colevar ist nicht mein Bruder. Die Geschichte mit den Schafen stimmt, ich habe ihn genau so kennen gelernt, aber wir sind ‚nur‘ sehr gute Freunde. Oh, sieh nicht so empört aus, er hatte gar keine Zeit dir zu widersprechen, da hast du mich schon in der Familie Willkommen geheissen. Ich nehme an, das er auch nicht von ganz alleine auf die Idee kam, dir irgendetwas von einer ‚geheimnisvolle Geliebte‘ vorzuflunkern, dafür ist er nämlich nicht einfallsreich genug. Wenn ich das richtig verstanden habe..“, kurz schiebt sie die gesammelten Puzzleteile auf dem grossen Bild ein wenig hin und her, bis sie einigermassen Sinn ergeben, und schliesst mit einem Augenbrauenheben in Richtung Nôrnar: „möchte er hier bleiben, und du verstehst nicht warum? Ganz einfach: Wegen dem hier.“ Mit einer schlichten ausladenen Armbewegung schliesst sie Haus, Hof, den Wald dahinter und das umliegenden Land in ihre letzten drei Worte mit ein. Sie kann nichts davon sehen, aber sie kann es riechen, schmecken, hören und fühlen und absolut verstehen, warum Cináed hier nicht weg will. Aus dem gleichen Grund, warum ich wieder nach Talyra zurückkehren will. „Weil das hier seine Heimat ist. Sein Land. Sein Haus. Seine Menschen. Er lebt hier seit über hundert Jahren und möglicherweise war Tara am Anfang der einzige Grund, warum er hierbleiben wollte. Aber Tara ist seit bald zehn Jahren nicht mehr und er will trotzdem nicht weg. Weil er sein Herz nicht nur an Tara verloren hat, sondern auch an diesen Hof, an dieses Land, diese Stadt und diese verflixten Schafe. Was du Heimat nennst, sind für ihn schöne und bestimmt auch kostbare Erinnerungen, aber eben nur noch Erinnerungen. Hier ist sein Leben. Hier lebt er." Sie klingt nicht belehrend, sondern einfach nur offen und ehrlich, als sie nach einem Moment der Stille mit einem schiefen Lächeln hinzufügt: "Und selbst wenn du das nicht verstehst, solltest du es zumindest respektieren.“
... enjoy the little things in life for one day they will be the big things ...

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  • »Cinaed« ist der Autor dieses Themas

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18

Sonntag, 4. November 2012, 18:58

»Aye? Calait hat ziemliches Glück mit... dem Finden«, stimmt Colevar Cináed zu und die beiden Männer stoßen darauf an. »Ihr habt sie kennengelernt, als sie Euch ihre Schafe gebracht hat, nicht wahr? Oder sollte ich sagen, als Eure Hunde ihr ihre Schafe gestohlen und sie Euren Wollknäueln zugefügt haben?« erkundigt sich der Trinkgefährte des Elben und Cináed nickt zustimmend. »Und sie war auf dem Weg zu Euch, als sie in den Sturm geriet.« Der letzte Satz ist eine Feststellung, keine Frage, dennoch nickt der Shida'ya abermals und antwortet bedächtig: „Ja.“ Seine Version der Sturmgeschichte, die er Colevar anschließend kurz und knapp umreißt, ist relativ schlicht. „Calait und ich hatten vereinbart dass sie an diesem Nachmittag zum Hof rauskommt“, erklärt der Gutsbesitzer. „Wir waren den ganzen Vormittag über bis in die späten Mittagsstunden hinein auf den Feldern beschäftigt. Als wir die nahenden Unwetterwolken am Horizont bemerkten, war es schon spät und Calait vermutlich längst auf dem Weg zu uns.“ Cináed schweigt kurz, als er sich erinnert. „Da ich nicht sicher sein konnte, ob ihr jemand von dem Sturm erzählt und sie sich entschieden hatte in Talyra zu bleiben, habe ich mich mit dem Karren in Richtung Nachtschatten auf den Weg gemacht, um ihr auf halber Strecke entgegen zu kommen. In Nachtschatten hätten wir zur Not ausharren können...“ Nachdenklich wendet der Elb den Becher in seiner Hand hin und her. „Ich weiß nicht wie viel Ihr selbst von dem Sturm mitbekommen habt und was Calait Euch erzählt hat, aber sie hatte Nachtschatten bereits hinter sich zurückgelassen, als ich sie auf der Großen Südstraße aufgegabelt habe... In Nachtschatten Zuflucht zu suchen, hätte keinen Sinn mehr gemacht, der Weg wäre fast ebenso weit gewesen wie bis zurück nach Glyn-y-Defaid zurückzukehren und wir wären dem Sturm auch noch direkt entgegen gefahren. Also haben wir versucht uns hierher in Sicherheit zu bringen, aber das Unwetter war schneller als gedacht...“ Cináed verzieht das Gesicht bei dem Gedanken an die Erinnerung. ...und außerdem ist uns der Karren umgestürzt, ein Wagenrad gebrochen und das Zugpferd abhanden gekommen, denkt er. Laut erklärt er: „Wir hatten an dem Tag wirklich Glück im Unglück, dass wir es bis nach Glyn-y-Defaid zurück geschafft haben. Der Sturm hat uns ziemlich böse erwischt.“ Der Blick des Gutsbesitzers schweift über den Platz, hinauf zu all den frisch gedeckten Dächern und bleibt schließlich einmal mehr am Haupthaus hängen, in dem Calait derweil ihre muntere Scharade aufgibt und Nôrnar mit der Wahrheit konfrontiert.

»Das hier ist seine Heimat. Sein Land. Sein Haus. Seine Menschen. Er lebt hier seit über hundert Jahren und möglicherweise war Tara am Anfang der einzige Grund, warum er hierbleiben wollte«, stellt Calait gerade heraus fest. »Aber Tara ist seit bald zehn Jahren nicht mehr und er will trotzdem nicht weg«, fährt die Resande fort. »Weil er sein Herz nicht nur an Tara verloren hat, sondern auch an diesen Hof, an dieses Land, diese Stadt und diese verflixten Schafe. Was du Heimat nennst, sind für ihn schöne und bestimmt auch kostbare Erinnerungen, aber eben nur noch Erinnerungen. Hier ist sein Leben. Hier lebt er. Und selbst wenn du das nicht verstehst, solltest du es zumindest respektieren.« Calaits Worte sind offen und ehrlich und klingen in keiner Weise belehrend und Nôrnar verzieht das Gesicht zu einem traurigen Lächeln. Sie starrt in den Garten hinaus und schweigt eine ganze Weile, bevor sie schließlich zu einer Antwort ansetzt.
„Denkst du wirklich, das weiß ich nicht?“, entgegnet sie melancholisch. „Glaub mir, ich weiß es nur zu gut. Und ich verstehe es auch... irgendwie... aber genau deshalb, will ich auch, dass mein Bruder von hier fortgeht.“ Die Shida'ya seufzt. „Ich bin froh, dass du mir die Wahrheit gesagt hast“, erklärt sie leise. „Und ich bin froh, dass du nicht die Frau bist, der sein Herz gehört.“ Behutsam streicht Nôrnar Calait mit einem Finger sacht über die Wange. „Du könntest es gewinnen, es wäre dir ein leichtes... aber ich bin erleichtert, dass du es noch nicht getan hast... Es würde nur ein zweites Mal brechen und ich glaube nicht, dass Cadian das noch einmal ertragen könnte.“ Der Blick der Shida'ya schweift in die Ferne. „Ich möchte ihn mitnehmen, um ihn zu beschützen, Calait... verstehst du das? Er ist mein kleiner Bruder und ich liebe ihn. Du kennst die Briefe nicht, die er über die Jahre hinweg geschrieben hat. Ich kann bis heute nicht verstehen, weshalb unser Vater nie versucht hat ihn zurückzuholen.“ Eine einzelne Träne rollt Nôrnars Wange hinab. „Ich respektiere Cadians Wunsch hierzubleiben, wirklich, das tue ich, aber ich kann ihn nicht akzeptieren, Calait.“ Die Stimme der Shida'ya klingt ehrlich verzweifelt. „Ich möchte auch in weiteren 100 Götterläufen noch einen kleinen Bruder haben. Ich habe Angst ihn irgendwann endgültig zu verlieren, wenn er hierbleibt.“

Nôrnars Offenheit und die Freimütigkeit mit der sie bestimmte Dinge preis gibt, erscheinen plötzlich in einem ganz anderen Licht. Sie sind mehr als nur ein Teil ihres lebhaften Naturells. Die Shida'ya kann ihren Bruder vielleicht nicht zwingen sein Zuhause aufzugeben, aber sie kann versuchen seine Umgebung so zu beeinflussen, dass er Talyra verlassen muss. Vor Rhona zu enthüllen, dass der Shida'ya ein Magier bzw. genau genommen eigentlich ein Hexer ist, ist keineswegs aus einer einfachen Laune heraus, sondern sehr gezielt geschehen. Dass dies nicht unbedingt die feine elbische Art ist, ist Nôrnar durchaus klar, aber wie heißt es so schon? Der Zweck heiligt die Mittel.
Die Elbe fasst Calaits Arm und führt sie in den Garten hinaus. „Komm, lass uns nach deinem Freund und meinem Bruder sehen“, schlägt sie vor. „Wie mir scheint, habe ich in dieser Angelegenheit keine Chance. Cadian wird hierbleiben, ganz gleich was ich sage oder tue.“ Noch immer klingt die Shida'ya traurig, aber sie scheint akzeptiert zu haben, dass nicht sie darüber zu entscheiden hat, wie die Zukunft ihres Bruders aussehen wird. „Ich wünschte es wäre anders, aber... egal.“ Nôrnar schüttelt entschlossen ihre rote Lockenpracht und geht nahtlos wieder zu ihrer üblichen Heiterkeit über. „Was soll's... ich gebe mich geschlagen. Aber wenn ich schon nicht meinen Willen haben kann, dann möchte ich wenigstens ein wenig Spaß haben...“ Ein diabolisches Grinsen huscht über ihr Gesicht. „Eine kleine Strafe muss sein“, verkündet sie neckend. „Ihr habt mich ganz schön an der Nase herumgeführt.“ Nôrnar hakt sich bei Calait unter und führt die Resande durch eine kleine Gartenpforte auf den Hof. „Sag an, weshalb seid ihr tatsächlich nach Glyn-y-Defaid gekommen, wenn du nicht wegen Cadian hier bist?“ Die Stimme der Elbe verrät eindeutig, dass sie die kleine Scharade niemandem in irgendeiner Weise ernsthaft übel nimmt und für die verbleibende Dauer ihres Aufenthalts in Talyra aufrichtig an Calaits Freundschaft interessiert ist.
"Who's Zed?" "Zed's dead, baby. Zed's dead." (Quentin Tarantino, Pulp Fiction)

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Cinaed« (4. November 2012, 19:07)


Colevar

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19

Montag, 5. November 2012, 06:51

Colevar lauscht dem Bericht des Shida'ya über den Sturm zum großen Teil schweigend und ohne Cináed ein einziges Mal zu unterbrechen, er nickt nur gelegentlich zu einem Wort. Der Sturm hatte auch im Sarthetal getobt, allerdings nicht halb so schlimm wie Talyra - im Grunde hatten sie auf Lyness nur seine Randausläufer, eine Menge Wind und noch mehr Regen abbekommen. Ein paar Ziegel waren von den Dächern der Burg gepurzelt, ein paar altersschwache Äste von den Bäumen gerissen worden und der Regen hatte alle Wege in rutschige Schlammpisten verwandelt, doch alles in allem waren sie mit nicht mehr als einem halben Dutzend Verletzten, vierundzwanzig Stück ertrunkenem oder erschlagenem Vieh und einer Menge Wasserschäden davongekommen. >Ich weiß nicht wie viel Ihr selbst von dem Sturm mitbekommen habt und was Calait Euch erzählt hat, aber sie hatte Nachtschatten bereits hinter sich zurückgelassen, als ich sie auf der Großen Südstraße aufgegabelt habe...<
"Aye, ich weiß. Calait hat mir alles geschrieben." Alles, außer der Sache mit ihrem Haar. Der Gedanke ist so absurd und anrührend zugleich, dass er ihn lächeln lässt. "Ich war auf Lyness. Mein Vater, Lord Aneirin, hatte sich vergangenen Winter das Bein gebrochen, also bin ich eingesprungen. Wir kamen recht glimpflich davon, denn der Sturm scheint genau zwischen Talyra und dem Sarthetal hindurchgezogen zu sein." Er muss das "hier" nicht aussprechen, schließlich weiß der Elb haargenau, wo sein Land liegt, nämlich genau dort, wo der Sturm am Schlimmsten gewütet und nach seinem Abflauen eine Spur der Verwüstung zurückgelassen hatte. Colevar kann sich lebhaft vorstellen, wie es hier vor sechs Monden noch ausgesehen haben muss. Der Elb nickt gedankenverloren und berichtet dann weiter. Seiner Stimme und seinem leisen, melancholischen Tonfall ist bereits anzuhören, dass der Sturm Glyn-y-Defaid oder ihm selbst übel zugesetzt und ihn viel gekostet hatte, noch bevor er es ausspricht. >In Nachtschatten Zuflucht zu suchen, hätte keinen Sinn mehr gemacht, der Weg wäre fast ebenso weit gewesen wie bis zurück nach Glyn-y-Defaid zurückzukehren und wir wären dem Sturm auch noch direkt entgegen gefahren. Also haben wir versucht uns hierher in Sicherheit zu bringen, aber das Unwetter war schneller als gedacht...<

Es hört sich eigentlich überhaupt nicht wie eine Rechtfertigung an und es gibt ja auch nichts zu rechtfertigen, dennoch hat Colevar das Gefühl, etwas dazu sagen zu müssen, also tut er es auch. Vielleicht, weil es noch einmal etwas anderes ist, die eigene Handlungsweise von einem anderen, noch dazu einem Fremden, bestätigt zu bekommen, selbst wenn man im Grunde weiß, dass man recht getan hat. "Macht Euch keine Vorwürfe, Cináed. Ihr hättet gar nichts anderes tun können."
>Wir hatten an dem Tag wirklich Glück im Unglück, dass wir es bis nach Glyn-y-Defaid zurück geschafft haben. Der Sturm hat uns ziemlich böse erwischt.<
"Davon habe ich gehört, wie gesagt... Calait hat mir alles geschrieben. Ich erhielt ihren Brief vom Frühjahr allerdings erst im Spätsommer und die Götter allein wissen, wo ihre Nachricht so lange verschollen war." Er verzieht das Gesicht zu einem unfrohen Lachen und weiß wirklich nicht, wie es kommt, dass er hier mit einem ihm eigentlich vollkommen fremden Elben steht und sie sich beide nach fünf Minuten des Kennens und drei Bechern geteilten Branntweins derart persönliche Einblicke gewähren. Dabei sprechen sie im Grunde überhaupt nicht über allzu vertrauliche Dinge, es ist mehr die Art, wie sie miteinander reden. Noch ein Becher und wir erzählen uns unsere Lebensgeschichten. Seltsamerweise ist dieser Gedanke nicht so befremdlich, wie er es hätte sein müssen. Vielleicht ist es auch einfach die ruhige und vertrauenerweckende Art des Elben, Colevar kann es beim besten Willen nicht sagen. "Wie auch immer, ich schulde Euch Dank, Cináed. Ihr habt Calait nicht im Stich gelassen und seid in den Sturm gefahren ohne zu wissen, ob sie überhaupt dort draußen ist und Ihr habt ihr geholfen. Wenn es also irgendetwas gibt, dass ich für Euch tun kann, dann müsst Ihr es nur sagen."
Am Haus oben regt sich etwas – allerdings fliegen keine Türen auf und krachend gegen Wände, und es werden auch keine Stimmen laut. Aber die beiden Frauen spazieren Arm in Arm auf den Hofplatz, offenbar auf der Suche nach ihnen. "Oh." Colevar kann auf die Entfernung unmöglich hören, was sie reden oder auch nur an ihren Gesichtern ablesen, was die Stunde geschlagen hat, aber vielleicht kann es ja Cináed mit seinen Elbensinnen.
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R.Frost

Calait

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20

Mittwoch, 7. November 2012, 21:35

Als Nôrnars kühle, schmale Finger über ihre Wange streifen, greift Calait danach und nimmt sie in ihre Hand, derweil sie den traurigen Worten einer besorgten Schwester lauscht, in deren Licht ihr Wunsch Cináed mitzunehmen plötzlich sehr viel weniger unverständlich erscheint. „Ich respektiere Cadians Wunsch hierzubleiben, wirklich, das tue ich, aber ich kann ihn nicht akzeptieren, Calait. Ich möchte auch in weiteren 100 Götterläufen noch einen kleinen Bruder haben. Ich habe Angst ihn irgendwann endgültig zu verlieren, wenn er hierbleibt.“ Allerdings noch immer nicht besonders mitfühlend. „Du bist ziemlich egoistisch, hat dir das schonmal jemand gesagt?“, erkundigt Calait sich nonchalant und der Ton der Frage verrät bereits, dass sie keine Antwort erwartet. „Du kannst nicht. Du willst. Du hast Angst. Es geht hier aber nicht um dich, Nôrnar. Es geht um deinen Bruder. Der sich im Moment für ein Leben unter uns Sterblichen entschieden hat - und wir passen gut auf ihn auf. Bis unsere Ahnen uns zu sich rufen.“ Die Melancholie der Schönen ist vielen Menschen ein Rätsel, aber Calait kann verstehen, warum ein Herz, gefangen in der schieren oder vielleicht sogar vollkommenen Ewigkeit, sich irgendwann in diesem Nichts aus Zeit verliert, wo Vergangenheit und Zukunft nahezu ein und dasselbe scheinen und die Gegenwart ja so kurz ist, dass sie eigentlich gar keine Rolle spielt. Und wenn man dann auch noch umgeben ist von lebenden Augenblicken, die so schnell gehen, wie sie gekommen sind, und deren Freundschaft, Zuneigung und vertrauen wie Sand zwischen den Fingern hindurch rieselt... Locker schiebt Calai ihren Arm bei Nôrnar unter und stupst sie leicht mit der Schulter an: „Weisst du, ich glaube dein Bruder geniesst unsere unmögliche menschliche Art. Wir mögen dann vielleicht nicht unsterblich sein, wie ihr Elben, aber wir füllen das Leben trotzdem immer wieder aus. Und stellen auch noch Anforderungen.“
Nôrnar gibt ein leises Schnauben von sich. Halb Belustigung, halb Resignation und dazwischen die Traurigkeit, die ihr wahrscheinlich so lange bleiben wird, wie ihr Bruder in den Menschenlanden verbleibt und dein Leben mit Wesen teilt, die nichts weiter sind als eine schöne Erinnerung in weiter Zukunft. “Wie mir scheint, habe ich in dieser Angelegenheit keine Chance. Cadian wird hierbleiben, ganz gleich was ich sage oder tue. Ich wünschte es wäre anders, aber... egal.“ Suchend schliessen sich Calaits Finger um das schmale Handgelenk der Elbe und drücken dieses sanft, ehe sie sich von Nôrnar in Richtung Ställe entführen lässt, wo sich das feige Mannsvolk hinter seinem Fässchen Branntwein versteckt hat.

Auf dem Weg findet Nôrnar zu ihrem heiteren Gemüt zurück - in einer Geschwindigkeit, der sogar Calait hinterhereilen muss – und gesteht mit einem Katzenlächeln, dass Rache ein süsses Ding sei. „Rache“, schnurrt Calait und die Vorstellung einem Cináed, der sich windet in seinen Ausreden und Erklärungen, wie ein Regenwurm in regennasser Erde, geht runter wie Honig. „Aye, das klingt gut. Sehrgut...“ Doch bis zum Moment, wo Cináed sich wahrscheinlich wünschen wird, seiner Schwester gegenüber niemals soviel wie das Wort ‚Frau‘ in den Mund genommen zu haben, ist es noch ein wenig hin und derweil die beiden Frauen über den Hof schlendern, will Nôrnar den richtigen Grund für ihr Hiersein erfahren. Frei heraus erzählt Calait ihr vom Um- und Verbau ihres Häuschen, das ein winterfestes Dach und einen luftdichtes Mäntelchen bekommen hat. „Colevar tut seit Tagen nichts anderes, ausser Lehm verschmieren und Ritzen stopfen, derweil ich mir die Finger an Bast- und Schilfschmatten zerschneide, aus denen er dann Wanddämmungen bastelt. Für die wir Wolle brauchen. Und da Cinäed mir zufälligerweise ein bisschen Wolle schuldet, sind wir hierher gekommen. Ich hoffe es wird reichen, damit Colevar alle Mattenhecken gestopft kriegt. Wir wäre es, wenn ihr beide wenn es fertig ist, einfach mal vorbeischaut? Wie lange bleibst du noch auf Glyn-y-Defaid?“
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21

Freitag, 9. November 2012, 18:56

Damit dass Calait sie egoistisch nennt, kann Nôrnar ohne weiteres umgehen. Die Resande ist beileibe nicht die erste und sicher auch nicht die letzte Person, die ihr diese kleine Charakterschwäche vorwirft. Mit einem Lächeln und einem Schulterzucken tut die Shida'ya die Sache daher einfach ab, ohne Calaits Worte in den falschen Hals zu bekommen. Gut gelaunt führt sie Calait über den Hof und hört bereitwillig zu, während die Resande ihr von ihrem Häuschen erzählt und wie sie und Colevar es zu renovieren gedenken. Als die junge Frau schließlich geendet hat, erkundigt sie sich bei der Elbe: »Wir wäre es, wenn ihr beide wenn es fertig ist, einfach mal vorbeischaut? Wie lange bleibst du noch auf Glyn-y-Defaid?« Nôrnar zuckt mit den Achseln. “Ich hatte geplant Talyra zu verlassen, sobald die Frühjahrskarawane die Stadt erreicht”, entgegnet sie leichthin. “Aber vielleicht bleibe ich doch noch etwas länger...” Die Shida'ya grinst wie eine Katze, die ganz unerwartet auf ein einen Schälchen süßer Sahne gestoßen ist. “Cadian hat mir erzählt, dass Azra und Borgil Blutaxt Ende Taumond noch einmal Hochzeit feiern. Tja, und nach allem was du mir erzählt hast, steht mein Brüderchen offenbar noch ohne passende Begleiterin dar.” Nôrnar kichert zufrieden. “Ich lieeebe Hochzeiten”, erklärt sie vergnügt. “Ich glaube, ich werde mich opfern und Cad einwenig aushelfen. Hach, wie wird er es hassen.” Zufrieden schlendert sie auf Colevar und Cináed zu, die Calait und ihr bereits erwartungsvoll entgegen blicken. Der eine neugierig, der andere offenkundigt leicht beunruhigt. “Es wird also genug Zeit bleiben, damit ich dich einmal besuchen kommen kann”, beendet Nôrnar ihre kleine Rede kurz bevor sie die beiden Männer erreichen und beantwortet damit auch Calaits frage. Schließlich beiden die Frauen vor Colevar und Cináed stehen.

“Wirklich, Cad, wie konntest du nur”, verkündet Nôrnar absolut entrüstet und setzt dabei die vorwurfsvollste Miene auf, die sie zu bieten hat. Ihr Blick wandert von dem Fass Branntwein, zu dem leeren Becher in seiner Hand. Drohend hebt sie den Finger. “Pfui, du solltest dich wirklich was schämen.” Die Shida'ya kräuselt missbilligend die kleine Nase, als ihr der Geruch des Alkohols entgegen schlägt. “Ich werde eine hübsche Ballade auf deine Heldentaten ersinnen und an sämtliche Barden der Stadt verteilen, wenn du nicht artig bist.” Cináed, vom Alkohol mutig gewroden, winkt müde ab. “Und was stellst du an, WENN ich artig bin?”, erkundigt er sich. Seine Schwester grinst. “Gut das du fragst”, entgegnet sie vergnügt. “Dann werde ich einfach überall herumerzählen, dass du auf eine Heiratsschwindlerin hereingefallen bist, die Dank meines heroischen Einschreitens gerade noch rechtzeitig das Weite gesucht hat, bevor sie dich ins Unglück und Glyn-y-Defaid in den Ruin stürzen konnte. Cináed stöhnt leise auf. “Das kannst du nicht machen, Nana”, versucht er zu protestieren und erntet dafür prompt einen richtig bösen Blick. “Nenn mich nicht so”, erwidert die Shida'ya patzig. “Du weißt, dass ich das überhaupt nicht ausstehen kann. Ich meine meine Drohung ernst.” Ihr Blick wandert von ihrem Bruder zwischen Colevar und Calait hin und her. “Das gilt im Übrigen für alle Beteiligten hier”, fügt sie keck hinzu. “Ihr bekommt auch eine hübsche Zeile in meinem kleinen Stück, wenn ihr nicht nett zu mir seid. Immerhin habt Ihr auch Euren Teil dazu beigetragen.” Cináed seufzt und schenkt sich, obwohl Nôrnar demonstrativ die Nase rümpft, etwas von dem Branntwein nach. “Ah, Ihr habt's gehört. Nôrnar der Tugendwächter hat gesprochen. Prost.”

Der Elb kann gerade noch rechtzeitig ausweichen, bevor er Opfer einer ordentlichen Ohrfeige werden kann. Die Zweite verfehlt ihr Ziel hingegen nicht. Nôrnar funkelt ihn ehrlich entrüstet an. “Spar dir deine dummen Witze”, faucht sie säuerlich. “Ich stehe wenigstens zu meinen Fehlern.” So schnell wie das hitzige Temperament der Elbe aufgezogen ist, so schnell klingt es auch wieder ab. “Calait hat uns in ihr Haus eingeladen, wenn es fertig renoviert ist”, wechselt sie von einer Sekunde auf die andere das Thema. “Was hälst du davon wenn wir im Langschnee einmal bei ihr vorbeischauen?” Abwartend schaut sie ihren Bruder an. Von dem plötzlichen Themenwechsel völlig überrumpelt, runzelt der Gutsbesitzer kurz die Stirn. “Keine Ahnung”, fragend schaut Cináed erst Calait und dann Colevar an. “Was haltet ihr denn davon?”
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Colevar

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22

Mittwoch, 14. November 2012, 19:56

Der Elb bleibt ihm jede Antwort schuldig, er ist zu sehr damit beschäftigt, aus schmalen Augen die beiden Frauen zu beobachten, die, augenscheinlich zufrieden mit sich und der Welt, Arm in Arm über den Hof auf sie zu flanieren. Colevar hebt fragend eine Braue und beobachtet Calaits Gesicht, doch von ihrer Miene lässt sich mit dem verdammten Tuch über den Augen nur schlecht etwas ablesen. Irgendwann musst du sie davon überzeugen, dass sie den alten Aberglauben loslassen kann. Colevar erinnert sich gut daran, wie wütend sie gewesen war, als sie ihm von ihren Fähigkeiten als Zaubersängerin erzählt hatte. Vom Milch-sauer-werden-lassen und Trugbilder erschaffen... und allen anderen, weit Schlimmeren Dingen, die geschehen waren. Sie weiß es längst. Das ist wahr, aber etwas wissen und etwas glauben sind zwei verschiedene Paar Stiefel - und noch ist Calait nicht so weit, das Tuch abzunehmen und es einfach darauf ankommen zu lassen. Nôrnars Mienenspiel hingegen ist ein offenes Buch: sie atmet rechtschaffene Empörung gerade aus allen Poren, liest ihrem Bruder die Leviten, kaum dass die beiden Frauen bei ihnen angelangt sind und droht ihm sogar mit einer "hübschen Ballade", wenn er nicht artig wäre. Colevar beißt sich lange und fest auf die Zunge, um nicht in Lachen auszubrechen, allerdings weniger über die resignierte Miene Cinaéds, als vielmehr über den verärgerten Einfallsreichtum seiner Schwester, die abwechselnd schimpft wie ein Rohrspätzchen oder mit Spottliedern droht, in denen sie alle Ehrenplätze erhalten würden. Calait hat für dieses Versprechen ohnehin nur ein schnippisches Grinsen übrig und verkündet lachend, sie habe keinen Ruf, der zu ruinieren wäre, Nôrnar solle sich also keinen Zwang antun. Der Elb hingegen schenkt sich einfach nur noch einen Branntwein ein und Colevar hält seinen Becher solidarisch daneben, gerümpftes Elbennäschen hin oder her (und es ist ein wirklich hübsches Näschen). >Ah, Ihr habt's gehört. Nôrnar der Tugendwächter hat gesprochen. Prost.<

Cináed weicht dem ersten Schlag aus, der zweite landet klatschend auf seiner Wange. Diesmal scheint Nôrnar wirklich wütend zu sein und Colevar zieht Calait behutsam, aber entschlossen außer Reichweite der unberechenbaren Elbin an seine andere Seite – wer weiß schon, wer ihr nächstes Opfer werden würde. Doch so rasch ihr Zorn entflammt war und sich prompt in schallenden Ohrfeigen entladen hat, so schnell scheint er auch wieder verschwunden. Die folgende ziemlich harsche Kehrtwende in Stimmung und Gesprächsthema verschlägt allerdings nicht nur Cináed den Atem, die abrupte Plötzlichkeit in der Änderung von Nôrnars Verhalten lässt sie wohl alle wenigstens einmal erstaunt blinzeln. >Calait hat uns in ihr Haus eingeladen, wenn es fertig renoviert ist. Was hältst du davon wenn wir im Langschnee einmal bei ihr vorbeischauen?<
Der Shida'ya blickt von Calait zu ihm, ganz erschöpfte Geduld, und will wissen, was sie denn davon hielten. Colevar zuckt mit den Schultern und leert seinen Branntweinbecher. "Es ist Calaits Haus, aber meinetwegen gern." Calait nickt schon eifrig und bekräftigt ihre Einladung noch einmal – sie könnten jederzeit vorbeikommen. "Allerdings werde ich nie mit der Instandsetzung fertig werden, wenn wir diese Wolle nicht bald bekommen", er lächelt leicht, derweil Calait eine Schnute zieht, die ihn sehr amüsiert. Vermutlich sieht sie sich schon mit zerstochenen Fingern störrische Weidenruten zu Rahmen flechten und unter leisen Flüchen Rohwolle hineinstopfen, und damit hat sie auch völlig Recht. "Wenn wir Talyra vor Einbruch der Dunkelheit erreichen wollen, dann sollten wir langsam aufbrechen." Er holt die Pferde und sie laden die Säcke mit Wolle auf Snerras Rücken, die Cináed für sie beiseite gestellt hatte und zurren sie fest, während sie noch über dies und das plaudern und schließlich Abschied nehmen – natürlich nicht, ohne dass Calait den beiden Elben das Versprechen abnimmt, auch tatsächlich zu Besuch zu kommen. Colevar wartet geduldig, bis sie sowohl Cináed, als auch Nôrnar umarmt hat, dann hebt er sie auf Filidhs Rücken und steigt selbst auf. "Slan lead – bis zum Langschnee."
Some say the world will end in fire. Some say in ice.
From what I’ve tasted of desire I hold with those who favor fire.
But if it had to perish twice, I think I know enough of hate
To say that for destruction ice is also great - and would suffice.
R.Frost

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Donnerstag, 15. November 2012, 19:57

Cináed ist ehrlich erleichtert, dass das Posenspiel endlich ein Ende hat und er noch einmal so glimpflich davon gekommen ist. Nôrnar wird ihrm diese Geschichte zwar ewig – EWIG – bei jeder nur passenden Gelegenheit unter die Nase reiben. Glücklicherweise wird dies vermutlich nur alle paar Jahre einmal vorkommen, immerhin spielt sich das Leben seiner Schwester meist irgendwo in den Elbenlanden ab, wenn sie nicht gerade durch die halben Immerlande reist, um ihm für einige Monde das Leben zur Unterwelt auf Rohas ganzem weiten Rund zu machen. Er liebt seine Schwester – ehrlich – aber um der Wahrheit die Ehre zu geben: Es ist weitaus einfacher mit ihr zurechtzukommen, wenn sie etliche Tagesreisen entfernt ist und nur schriftlich via Botenraben und Postkutschen mit ihm Kontakt hält. Nun, im kommenden Frühjahr würde sie Talyra wieder verlassen, um nach Erryn zurückzukehren. Sie würde Nachricht von ihm nach Muroran bringen und von dort aus weiter nach Lomirion gehen. Nôrnars Zukunftspläne, über die sie ihn bereits mehrfach ausführlich in Kennntnis gesetzt hat, würden sie lange beschäftigt halten, dessen ist Cináed sich sicher. Es würde also einige Zeit dauern, bevor sie wieder über ihn herfallen könnte. Zwar hatte Nôrnar ihm bereits angedroht, stattdessen zur Abwechslung einmal Amrie'lior nach Tlayra zu schicken, aber diesem möglichen Besuch sieht der Gutsbesitzer gelassen entgegen. Sein Halbbruder ist ihm wesentlich ähnlicher als Nôrnar, und kein Vergleich zu dieser Landplage von Schwester.

Im Augenblick kreisen die Gedanken des Elben allerdings um andere Dinge. Etwas verlegen reibt er sich die schmerzende Wange und nickt zustimmend, als Colevar auf seine Frage hin antwortet: »Es ist Calaits Haus, aber meinetwegen gern. Allerdings werde ich nie mit der Instandsetzung fertig werden, wenn wir diese Wolle nicht bald bekommen. Wenn wir Talyra vor Einbruch der Dunkelheit erreichen wollen, dann sollten wir langsam aufbrechen.« Gemeinsam machen sich die beiden Männer daran, die beiden Pferde, die Calait und Colevar mitgebracht haben, zu holen und das eine bis oben hin mit den Säcken voller zu bepacken, die für eben jenen Zweck bereits bereitstehen. Die beiden Frauen helfen derweil mit dem einen oder anderen kleinen Handgriff, begnügen sich aber hauptsächlich mit hilfreichen Kommentaren und nutzen die verbleibende Zeit lieber dazu noch ein wenig zu plaudern, bevor sie schließlich Abschied nehmen. Calait nimmt Nôrnar und Cináed nocheinmal das Versprechen ab, auch wirklich im Langschnee in ihrem Haus vorbeizuschauen und umarbeit die beiden Elben der Reihe nach, bevor sie sich von Colevar auf Filidhs Rücken heben lässt. Der Herzländer schwingt sich hinter der Resande in den Sattel. »Slan lead – bis zum Langschnee«, verabschiedet er sich. Cináed nickt. “Bis zum Langschnee”, entgegnet er und auch seine Schwester erwiedert lächelnd: “Cir lav – bis zum Langschnee.” Gemeinsam sehen Bruder und Schwester den beiden Reitern nach, bis sie durch das Hoftor geritten und auf dem dahinter liegenden Weg verschwunden sind, dann begeben sie sich zum Haupthaus hinüber.

Was Cináed nicht ahnt: Dort warten schon die nächsten Sorgen auf ihn, den die uneingeschränkte Offenheit seiner Schwester hat Folgen. Abgesehen von Catriona hat bisher niemand auf Glyn-y-Defaid von seinen Hexerfährigkeiten gewusst, dies hat sich allerdings geändert, als Nôrnar das Geheimnis ihres Bruders so offen vor Calait UND Rhona in den Mund genommen hat – und natürlich macht die Neuigkeit auf dem Hof schnell die Runde. Völlig unvorbereitet sieht sich der Gutsbesitzermit einem neuen Problem konfrontiert. Die tatsache, dass ihr Herr über ungeschultes, magisches Talent verfügt, löst bei dem Gesinde von Gly-y-Defaid unterschiedliche Reaktionen aus. Die einen fühlen sich hauptsächlich gekränkt, weil ihr Cináed sie nicht ins Vertrauen gezogen hat, die anderen sind besorgt, ja, bringen sogar Furcht zum Ausdruck, und nur die wenigsten – also in erster Linie Ùna und Gwyn – sind von der überraschenden Enthüllung begeistert, ohne irgendwelche Bedenken zu äußern. Nôrnar versucht ihr möglichstes die Lage zu entspannen und Cináed zu unterstützen, immerhin ist es ihre Schuld, dass sein Geheimnis kein Geheimnis mehr ist, aber die Shida'ya macht die Situation nicht wirklich besser. Erst als Cináed schließlich vorschlägt im Haus der Bücher Rat zu suchen und sich dort, falls verfügbar, an Erzmagier Silberbart zu wenden und Lady Niniane aufzusuchen, beschwichtigt die Gemüter wieder ein wenig. Dennoch ist die Stimmung auf dem Hof in den kommenden Siebentagen sehr gedrückt und die restlichen Erntearbeiten verlaufen weniger heiter, als dies in den Götterläufen zuvor der Fall gewesen ist.

Zu Cináeds Erleichterung nimmt die Arbeit auf Glyn-y-Defaid Anfang Nebelmond endlich etwas ab, sodass er schließlich Gelegenheit hat nach Talyra aufzubrechen, um das Haus der Bücher aufzusuchen. Nôrnar überlässt ihm dankenderweise Anmen, ihr Reitpferd, sodass Cináed nicht mit dem Karren vorlieb nehmen muss und in den frühen Morgenstunden eines typischen, nebeligen Nebrartages macht sich der Gutsbesitzer auf den Weg.

Das Haus der Bücher »
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Mittwoch, 27. Februar 2013, 16:31

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~ Mitte Eisfrost 513 ~

Wie die Zeit doch vergeht. Cináed wundert sich immer wieder aufs neue, wie schnell die Tage manchmal vorüberziehen. Es scheint ihm erst gestern gewesen zu sein, dass der Zufall ihn im Haus der Bücher mit Ierás zusammengeführt hat. Tatsächlich liegt die Begegnung schon wieder etliche Monde zurück – im vergangenen Nebelmond ist es gewesen – und viel ist seither geschehen. Der Shida'ya schaut versonnen aus dem Fenster seines Arbeitszimmers, während er sich eine kleine Pause von der leidigen Buchführung gönnt. Schon seltsam, wie die Dinge sich manchmal entwickeln, denkt der Elb. Irgendwie waren Ierás und er ins Gespräch gekommen und die ganze Geschichte hatte damit geendet, dass der junge Mann ihn mit Pól An Bhriotin bekannt gemacht hatte. Der zeitpunkt hätte nicht günstiger sein können. Die ruhigen Wintermonde hatten sich gut geeignet, um sich die kalten Tage mit magischen Studien und Übungen zu vertreiben und Cináed hatte den Waldhof, so oft das Wetter es zugelassen hatte, aufgesucht, um sich gemeinsam mit Ierás von Pól An Bhriotin in den Grundlagen der Magie unterweisen zu lassen. Der Shida'ya seufzt. Der Winter nähert sich langsam, aber unaufhaltsam seinem Ende. Der Taumond bricht bald an und der erste Schnee beginnt schon zu schmelzen. Die Arbeit nimmt bereits wieder zu und es wird schwieriger werden, ein paar freie Stunden zu finden, um den Unterricht bei Pól An Bhriotin fortzusetzen. Zumindest für ihn, immerhin liegt der Waldhof nicht gerade um die Ecke. Nun, irgendwie würde sich schon eine Lösung finden lassen.

Fürs Erste hat Cináed allerdings andere Sorgen: In wenigen Siebentagen würde Nôrnar den Hof verlassen, um in die Elbenlande zurückzukehren und bis dahin gilt es noch viele Reisevorbereitungen zu treffen. Mit Bedauern stellt Cináed fest, dass Nôrnar und er keine Zeit gefunden haben, um Calaits und Colevars Einladung zu folgen. Einmal war ein Schneesturm dazwischen gekommen, ein anderes Mal die Studien mit Pól An Bhriotin, irgendeinen Grund hatte es immer gegeben. Der Elb bedauert, dass er seither nichts mehr von den beiden gehört hat, aber so ist der Lauf der Welt nun einmal. Jeder hat Verpflichtungen, denen er nachkommen muss und man wird es nie allen Recht machen können. Manchmal muss man Entscheidungen treffen, auch wenn es schwer fällt. Cináed hatte entschieden das Julfest wie in jedem Jahr auf Glyn-y-Defaid zu verbringen, anstatt in der Stadt zu feiern. Nicht einmal für einen kurzen Besuch im Anwesen de Winter hatte er Zeit gefunden – und das schlechte Gewissen plagt ihn immer noch. Abrupt schlägt er das große Buch vor sich zu, legt die Feder in seiner Hand beiseite und erhebt sich, um die müden Glieder ein wenig zu strecken. Es hat keinen Sinn länger über Vergangenes nachzusinnen, was vorbei ist, ist vorbei. Es würden sich neue Gelegenheiten bieten, um Borgil und Azra, Aurian, Avila und Lyall, Calait und Colevar und all seine anderen Freunde wieder einmal zu besuchen. Spätestens zur anstehenden Hochzeit in der Goldenen Harfe, nimmt sich der Shida'ya vor und bedauert im gleichen Moment zum ersten Mal aufrichtig, dass seine Schwester abreisen und nicht an dem freudigen Ereignis teilnehmen wird. Die Feierlichkeiten täten ihr gewiss gefallen und Cináed selbst hätte mit einer passenden Begleiterin dagestanden, doch daraus würde wohl nichts werden.

Cináed gähnt, verlässt die Kammer und geht ins Kaminzimmer hinab. Das große Zimmer ist vollkommen leer und das Feuer im Kamin ist zu glimmender Glut herabgebrannt. Der Gutsbesitzer geht hinüber und legt ein paar trockene Holzscheite nach. Wort und Geste kommen ihm wie selbstverständlich über die Lippen, als er den Spruch webt, um das Feuer erneut zu entfachen. Es fühlt sich noch immer ein wenig sonderbar an, dies nun tun zu können, ohne hässliche Brandblassen, Hitzepickel oder gar schlimmere Folgen eines missglückten Zaubers fürchten zu müssen. Der Unterricht bei Pól An Bhriotin hat sich bereits bezahlt gemacht. Bisher hat Cináed nicht gewusst wie ruhig der Manafluss in ihm strömen kann, wenn er ihn richtig zu lenken und kontrollieren versteht. Schon immer hatte er ganz intuitiv viele Dinge getan, die notwendig sind, um einen Zauber zu wirken, aber erst durch die ungewohnten Studien ist ihm bewusst geworden wie unbeholfen und stümperhaft diese Versuche gewesen sind. Ja, ihm steht noch weniger freie Zeit zur Verfügung als bisher, dennoch ist der Elb froh, dass das Drängen seines besorgten Gesindes ihn letztlich dazu gebracht hat das Haus der Bücher aufzusuchen, wo ihn eine glückliche Fügung des Schicksals schließlich mit Ierás und Pól An Bhriotin zusammengeführt hatte. Während der Gutsbesitzer einen weiteren scheit ins Feuer legt, fragt er sich mit einem Mal, was wohl aus Uio und Nathanael geworden ist. Ihm sind im vergangenen Jahr vage Gerüchte zu Ohren gekommen, dass der verschwundene Straßenjunge schließlich gefunden worden sein soll, aber ob etwas Wahres daran ist, weiß Cináed nicht. Die Zeit vergeht wirklicht schnell, geht es ihm abermals durch den Sinn, als ihm bewusst wird, dass Nathanaels Strafe vermutlich vorüber und der Hexer mittlerweile wahrscheinlich aus dem Rashan-Gefängnis entlassen worden ist.

Der Shida'ya wendet sich vom Kamin ab und schiebt den Gedanken beiseite. Aus der Küche dringen Stimmen an sein Ohr und er beschließt nachzusehen, was Rhona für das Mittagsmahl vorbereitet. Vielleicht einen dampfenden Eintopf, dazu frisches Brot mit Butter und Salz und als Nachspeise süße Schneckennudeln mit Rosinen und Cinnamonea...
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Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von »Cinaed« (3. März 2013, 22:49)


Zoe

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25

Sonntag, 3. März 2013, 11:33

Mitte Eisfrost 513


Fröhlich vor sich her singend flattert Zoe durch die winterliche, glasklare Luft. Sie hat sich in ihre flauschige Winterkleidung aus feinster Wolle gekleidet, denn Mitte Eisfrost hält noch immer ein kalter Winter Talyra und sein Umland umklammert. Doch im Gegensatz zu den letzten Tagen haben sich heute die dicken Wolken verzogen und eine strahlende Sonne lässt in ihrem Licht eine bizarre Landschaft aus Schnee und Eis wie Schmucksteine glitzern und funkeln.
Zoe mag das – und wie! Und sie mag ihre gemeinsamen Ausflüge mit Aruna und Nathan. Wenn die sich umdreht, dann sieht sie Nathan mit großen festen Schritten durch den tiefen Schnee stapfen, der einen glücklich vor sich hin grinsenden Aruna auf seinen Schultern trägt. Was ist das nur für ein toller Tag. Seit dem frühen Morgen sind die Drei nun schon unterwegs – sie haben auf dem Marktplatz süßes Gebäck gegessen, sind dann gemeinsam durch die verschneiten Schneefelder gerannt - Zoe ist nicht gerannt, sondern geflogen - haben Abdrücke von geflügelte Feen in den Schnee gemacht, eine Schneeballschlacht nach der nächsten veranstaltet und schließlich haben Aruna und Nathan solange im Schnee mit einander gerauft, bis beiden ganz kalt war. Nun ist Aruna ein bisschen müde und darf deshalb auf Nathans Schultern sitzen. Zufrieden vor sich hin lächelnd hält sich der Junge mit seinen behandschuhten Fingern an Nathans Hals fest. Seinen Kopf hat er an den Kopf des erwachsenen Großen angelehnt und Blickt verträumt in die funkelnde Winterlandschaft.
Zoe freut es, Aruna ein Mal wieder lachen zu sehen! Besonders, wo sie doch heute wirklich etwas Schönes unternehmen, denn sie wollen den lieben Cináed besuchen. Das letzte Mal, dass sie den Großen gesehen hat, ist leider schon viel zu lange her. Zoe hatte im letzten Jahr lange Hausarrest und durfte ohne Begleitung nirgendwo hin und dann im Herbst musste Kali plötzlich abreisen und Zoe hat es sich zu ihrer Aufgabe gemacht, in ihrer freien Zeit für Aruna da zu sein. Da blieb keine Zeit für lange Besuche. Umso glücklicher ist die junge Fee heute, da sie zu Dritt sich auf den Weg nach Glyn-y-Defaid, ins Tal der Schafe, gemacht haben. Das Einzige was sie ein bisschen betrübt, ist dass Uio heute nicht dabei sein kann. Er ist irgendwo auf einer Magierakademie und lernt dort das Zaubern. So ganz verstanden hat sie noch nicht, wieso Uio nicht wie Nathan hier in Talyra bei Rayyan den Umgang mit der Magie lernen kann, das wäre doch viel schöner und einfacher. Dann müsste sie ihn auch nicht so schmerzlich vermissen. Doch sie mag heute nicht traurig sein, dazu hat sie sich viel zu sehr auf diesen Besuch gefreut. Aus diesem Grund schiebt die Fee ganz schnell den Gedanken an ihren geliebten Uio beiseite und nimmt sich vor, ihm einen langen, schönen Brief noch gleich heute Abend über den Ausflug zu schreiben.

So flattert die Fee dahin. Ab und zu flitzt sie nach vorne, um zu sehen, ob endlich ihr heißersehntes Ziel - die Brücke mit der hübschen Toranlage hinter der nächsten Wegbiegung auftaucht. Dann haben sie es nämlich geschafft. Doch das letzte Stück ihrer Wanderung zieht sich und zieht sich, so dass sie erst nach einer gefühlten Ewigkeit den Eingang zum Gutshof endlich erreichen.
„Wir sind da! Seht nur, wir sind da!!“, ruft die Fee glücklich beim ersten Sichtkontakt mit der kleinen Brücke. Vor Freude und Übermut lässt sie sich erst mal auf dem Kopf eines der brüllenden Löwen, die auf den Säulen der steinernen Toranlage thronen, nieder und vollführt dort zu Arunas großer Belustigung einen kleinen Tanz auf.
„Ich flieg schnell voraus und sag das wir kommen, ja?“
„Mach das...aber…“
Bevor Nathan auch nur eine Chance bekommt, seinen Satz zu Ende zu sprechen, ist die Fee schon wie ein geölter Blitz in Richtung des Gutshofes weiter geflogen. Mit einer Eleganz die nur geflügelten Wesen zu eigen ist, um kurvt sie zweimal den großen, wunderschönen Blutbaum, der die Mitte des gepflasterten Vorplatzes einnimmt und flattert in einer rasanten Flugbahn die diversen Wirtschaftsgebäude des Anwesens ab, um sich dann in einem übermütigen Sturzflug in Richtung des zweistöckigen Herrenhauses von Glyn-y-Defaid zu begeben. Dort hat sie nämlich Rhona, die nette Magd entdeckt, die mit einer großen Schaufel den Weg zum hölzernen Vorbau des Herrenhauses vom Schnee befreit
„Rhona, Rhona...ich bin‘s Zoe!“, verkündet die Fee schon von weiten. Kaum hat sie die Magd erreicht, flattert sie ein wenig vor ihrem Gesicht auf und ab, schlägt einen Salto in der Luft und meint mit einem zuckersüßen Feenlächeln auf ihren Lippen, das selbst einen Herz aus Stein in weiche Butter verwandelt: „Ich hoffe, du erinnerst dich noch an mich. Ich bin hier…weil…weil ich gerne Cináed besuchen würde und natürlich auch dich und Úna und Owyn und Gwyn und…“, es folgt eine vollständige Aufzählung sämtlicher Bewohner Glyn-y-Defaid, einschließlich aller Tiere, mit denen Zoe bei ihren Besuchen mit Uio auf dem Gutshof Bekanntschaft machen durfte. Ja ja, Feen haben, was das angeht, ein phänomenales Gedächtnis,“...und ich bin nicht alleine. Ich habe Freunde von mir mitgebracht. Den Nathi…“, sie dreht drei Pirouetten mit ausgestrecktem Arm in der Luft und kommt wie von Zauberhand genau in der Richtung zu stehen, aus der sich Nathan mit Aruna auf den Schultern dem Herrenhaus nähert, „..und meinem Freund Aruna! Den Nathi kennst du ja. Er hat erzählt, dass er auch mal bei euch gearbeitet hat. Den Aruna kennt ihr noch nicht, aber der ist auch ein total lieber! Ähm….“, kichernd hebt Zoe ihre Hand zum Mund, “ wie unhöflich von mir. Ich hab dich gar nicht gefragt, wie es dir geht…ach egal…mach ich gleich und ich, freu mich riesig, riesig, riesig dich zu sehen!“ Mit ihren letzten Worten lässt sie sich auf Rhonas rechter Schulter nieder und haucht ihr einen zärtlichen Feenkuss auf die Wange.
Zoe, die Fee die Jeden mag!

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26

Montag, 4. März 2013, 17:24

Als Cináed in die Küche kommt findet er dort nicht Rhona, sondern Mair vor, die fleißig die zahlreichen aufgesetzten Töpfe und Pfannen beaufsichtigt, welche die Oberste Magd und Köchin des Anwesens für das bevorstehende Mittagessen aufgesetzt hat. Bis zur Essenszeit wird es zwar noch eine kleine Weile dauern, doch in der warmen Küche hat sich bereits ein sehr angenehmer, feiner Duft ausgebreitet und Cináeds Magen beginnt prompt leise zu knurren. „Wo sind Rhona und Nara?“, erkundigt der Gutsbesitzer sich rasch bei Mair, um das sachte Grummeln dezent zu kaschieren, und versucht über ihre Schulter hinweg in einen der zahlreichen Töpfe auf dem gusseisernen Herd zu spähen. „Draußen, Schneeschippen“, entgegnet Mair und verschließt den Topf hastig mit einem Deckel, bevor der Shida'ya erkennen kann, was da Feines auf dem Herd vor sich hinköchelt. „Hm“, brummt Cináed leicht enttäuscht und wendet sich zur Tür um, neben der eine ganze Brigade dicker Winterstiefel und Hauspantoffeln zum Wechseln aufgereiht stehen. Er nimmt seine Winterjacke vom Hacken neben der Hintertür, wickelt sich einen langen Schal um den Hals und schlüpft in sein Stiefelpaar. „Dann werde ich die beiden mal erlösen“, verkündet er und öffnet die Tür.

Auf seinem Weg durch den Küchengarten hinter dem Haus nimmt er Nara, welche gerade dabei ist die Wege zwischen den Beeten der Kräuter- und Färberpflanzen vom Schnee zu befreien, die Schaufel ab und schickt die junge Frau ins Haus zurück, damit sie Mair in der Küche helfen kann. Gut gelaunt arbeitet sich der Elb durch den Küchengarten und macht sich anschließend daran den Weg am Haus entlang zum Vordereingang des Gutshauses freizuschaufeln. Während er besagten Weg nach und nach mit kleinen (oder größeren) Schneehaufen säumt, glaubt er auf einmal Stimmen zu hören. Überrascht hält er inne, wischt sich ein paar Schweißperlen von der Stirn und horcht, ob er am Klang der Stimmen erkennen kann, wer sich vorne auf dem Hof gerade unterhält. »...nicht alleine. ...habe Freunde ...mitgebracht. ...Nathi ...Aruna! ...kennst du ja. ...euch gearbeitet ...Aruna kennt ...nicht, aber ...total lieber! ...unhöflich ...wie es dir geht ...freu mich riesig ...zu sehen!« Hööö? Cináed versteht gerade einmal jedes zweite oder dritte Wort, wenn überhaupt. Aus dem Wenigen, was er aufschnappt, wird er beim besten Willen nicht schlau, aber offensichtlich haben sie Besuch. Und so stapft der Elb, die Schaufel immer noch in der Hand, entschlossen den letzten Rest ums Haus herum bis auf den Hof, um nachzusehen, was da gerade los ist.

Zu seiner Freude findet der rothaarige Shida'ya dort Zoe vor, welche Rhona munter in ein ausgelassenes Gespräch verwickelt hat. Die Oberste Magd freut sich offenkundig ebenso sehr wie er über den unerwarteten Gast. „Mir geht es gut, Zoe, danke“, erklärt die Herzländerin der Fee soeben, als Cináed um die Ecke biegt. „Ich freue mich auch dich zu sehen. Nathi, sagst du? Lass mich überlegen... der Name kommt mir irgendwie bekannt vor.“ Die Oberste Magd runzelt leicht die Stirn und schaut angestrengt in die Richtung, in die Zoe deutet. Cináed folgt ihrem Blick. Die beiden Gestalten, die sich langsam vom Tor her nähern, sind noch ein gutes Stück entfernt, sodass Rhona keine großen Details ausmachen kann. Die weitaus besseren Augen des Elben erkennen Nathanael allerdings sofort. Der Anblick des einstigen Hexers kommt so unerwartet, dass es Cináed einen Moment lang vollkommen die Sprache verschlägt und er gänzlich vergisst sich bemerkbar zu machen. Als er sich wieder gefasst hat, geht er jedoch schnellen Schrittes zu Rhona und Zoe hinüber, um die Fee angemessen zu begrüßen. „Zoe, schön dich zu sehen“, ruft er erfreut. „Was hast du uns denn da für zwei Überraschungsgäste mitgebracht?“ Der Gutsbesitzer lacht herzlich.
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Dienstag, 5. März 2013, 21:16

Kaum das die Fee den Gutsbesitzer entdeckt hat, ruft sie laut seinen Namen und fliegt auf den Elben zu.
„Oh Cináed, wir haben uns ja soooo lange nicht mehr gesehen.“
Als erstes flattert sie dreimal um ihren hochgewachsenen Freund herum, einfach um sicher zu gehen, dass noch alles an ihm dran ist und es ihm auch wirklich gut geht. Erst nachdem sie endlich mit dem Ergebnis ihrer Inspektion zufrieden ist, verwandelt sich Zoe mit einem leisen „Plöp“ in ihre Menschengestalt. Freudestrahlend steht sie nun vor dem Gutsbesitzer und blickt ihn von unten herauf mit ihren grün-braunen Augen an. Nun da sie sich auf magische Weise vergrößert hat, ist es unübersehbar wie sehr sich die Fee verändert hat. Sie reicht dem Shida'ya zwar nur knapp bis zur Brust, doch ist aus dem schüchternen Mädchen Zoe über die letzten Monde eine junge, hübsche Feenfrau mit kurzen flauschigen Haaren und einem bezauberten Lächeln geworden. Ihre blau-weißen Flügel flattern aufgeregt hin und her, als sie Cináed kurzer Hand umarmt und ihn, so fest es ihre zarten Arme zulassen, drückt.
„Es tut so gut, wieder einmal hier zu sein.“ Mit diesen Worten stellt sich die Fee auf ihre mit Moos, Kork und feinster Wolle bestiefelten Zehnspitzen, um das Gesicht ihres Lieblingsgroßen - wenn man jetzt mal von Uio, Kali, Aruna, Fenora und Nathan absieht, die alle ebenfalls ihre Lieblingsgroßen sind – zu umfassen. Damit sie ihn erreichen kann, muss sich Cináed allerdings zu der Fee herunterbeugen, denn nur so kann sie ihm einen ihrer berühmt berüchtigten Begrüßungsfeenküsse auf seine Wange drücken. Dabei strahlt die junge Fee innerlich wie äußerlich vor Glück.
Auf Cináeds Frage nach den Überraschungsgästen nickt Zoe mehrmals mit dem Kopf.
„Ja, ich habe Besuch mitgebracht. Der Große da hinten, das ist Nathi, den kennst du ja. Und auf seinen Schultern sitzt Aruna, der Sohn von Kali. Ich passe auf ihn auf, seitdem Kali auf einer großen Reise ist. Sie ist schon ganz schön lange fort und wir hoffen alle sehr, dass sie bald wieder gesund zu uns zurückkommt. Schön ist allerdings, dass Nathi wieder da ist. Er war auch viel zu lange nicht in Talyra, sondern irgendwo an einem schlimmen, eisigen Ort und…oh…oh“ Plötzlich schaut die Fee mit einer Mischung aus Belustigung und Scham zu ihrem großen Freund und Rhona auf.
„Nathan mag es übrigens gar nicht, wenn ich ihn vor anderen „Nathi“ nenne. Uiuiui….“ Zoe wedelt hastig mit ihrer Hand „Das bleibt unter uns ja? Ihr zwei verratet mich nicht?“

In der zwischen Zeit haben auch Aruna und Nathan den Vorplatz erreicht. Aruna winkt seiner Feenfreundin von den Schultern des ehemaligen Hexers zu und auch Zoe winkt ihm glücklich lächelnd zurück.
„Schau…das ist Cináed, ein guter, guter Freund von mir! Von ihm hab ich dir doch schon viel erzählt“, dabei nimmt sie wie ganz selbstverständlich die große Hand des Gutsbesitzers und drückt sie liebevoll, um gemeinsam den beiden Besuchern entgegen zu gehen.
„Sei gegrüßt, Cináed“, eröffnet Nathan das Gespräch.“Das gilt auch für dich, Rhona…“
Zoe freut sich, das sich Nathan noch an den Namen der lieben Magd erinnern kann. Manchmal tut der Große mit den kurzen wirren, schwarzen Haaren nämlich so, als würden ihn andere Große überhaupt nicht interessieren, aber Zoe weiß, dass das gar nicht stimmt! Er verzieht kurz das Gesicht, kratzt sich am Kinn, dann stiehlt sich plötzlich ein schmales Grinsen auf sein Gesicht und ehe sich Aruna versieht, hat sich Nathan schon die Beine des Jungen geschnappt und ihn ruckartig von seinen Schultern heruntergezogen. Vor sich hin giggelnd und quietschend baumelt ihr Kleingroßer-Freund nun kopfüber vor ihrem Gesicht auf und ab und versucht ihre Nasenspitze mit den Fingern zu berühren. Ohja, sowas mag Aruna!
„Und der junge Bursche hier, das ist Aruna!“ Mit diesen Worten setzt Nathan den schwarzhaarigen Jungen mit einem Plumps auf den Boden ab. Aruna entscheidet sich für ein schüchternes und extrem leises „ ich auch Gruß“ während er mit großen schwarzen Kulleraugen den für ihn fremden Cináed anstarrt. Für einen kurzen Moment zögert Nathan. Nachdenklich betrachtet er den kleinen Aruna wie er, kaum dass er festen Boden unter den Füßen hat, sich an seine Beinen angeschmiegt, dann schaut er auf und sagt: „Ich würde gerne mit dir reden, Cináed. Hast du etwas Zeit für mich?“
Zoe, die Fee die Jeden mag!

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28

Donnerstag, 7. März 2013, 17:19

~ Auf dem Hof ~
Vor dem Gutshaus

Cináed nickt Zoe zustimmend zu. „Ja, seid deinem letzten Besuch ist wirklich viel Zeit vergangen. Du musst mir unbedingt erzählen, was du währenddessen so getrieben hast.“ Der Shida'ya zwinkert der Free fröhlich zu und lächelt, als diese ihre Menschengestalt annimmt und ihn freudig umarmt. Sie hat sich in den letzten ganz schön gemausert und aus der kindlichen Feemädchen ist ein hübsche junge Feenfrau geworden, deren strahlendes Lächeln gewiss die Herzen etlicher junge Burschen schneller schlagen lässt. Cináed nickt. „Es ist wirklich gut, dich wieder einmal hier zu haben. Wir haben dich vermisst.“ Er folgt der Zoes Blick, als sie ihm ihre Begleiter vorstellt: »Der Große da hinten, das ist Nathi, den kennst du ja.« Cináed nickt zustimmend. Natürlich kennt er Nathanael.
Den kleinen Jungen auf den Schultern des einstigen Hexers kennt der Shida'ya allerdings nicht, doch Zoe setzt ihn rasch ins Bild: »Und auf seinen Schultern sitzt Aruna, der Sohn von Kali. Ich passe auf ihn auf, seitdem Kali auf einer großen Reise ist.« „Ah.“ Der Gutsbesitzer nickt ein weiteres Mal. „Verstehe.“ Ja, er erinnert sich, schließlich hat ihm Zoe mehr als einmal von der sonderbaren Frau erzählt, in deren Obhut sie lebt. Was er davon halten soll, weiß er nicht so genau. Azadoura haben bekanntermaßen Shebarûcblut in ihren Adern und was die übrigen Elbenvölker von ihren sterblichen Verwandten halten, ist allgemein bekannt. Aber Zoe scheint die Frau von der Rubinküste zu mögen, und außerdem ist diese Kali offenbar Novizin im Sithechtempel, was Cináed als etwas Positives empfindet. Der Shida'ya ist ohnehin niemand, der leichtfertig schlecht über jemanden urteilt, vor allem dann nicht, wenn er besagte Person nur vom Hörensagen kennt.

Zoe plappert derweil munter weiter. »Kali ist schon ganz schön lange fort und wir hoffen alle sehr, dass sie bald wieder gesund zu uns zurückkommt. Schön ist allerdings, dass Nathi wieder da ist. Er war auch viel zu lange nicht in Talyra, sondern irgendwo an einem schlimmen, eisigen Ort und... oh... oh. Nathan mag es übrigens gar nicht, wenn ich ihn vor anderen „Nathi“ nenne. Uiuiui...« Die Fee wedelt erschrocken mit einer Hand. »Das bleibt unter uns ja? Ihr zwei verratet mich nicht?« Fragend schaut Zoe erst Rhona und dann Cináed an. Die Oberste Magd und der Gutsbesitzer nicken. „Selbstverständlich“, versichert der Elb. „Mein Ehrenwort.“ Kaum hat er diese letzten Worte ausgesprochen, da sind Nathan und Aruna auch schon fast bei ihnen angelangt und mit Zoe an der Hand geht Cináed den beiden die letzten paar Schritte entgegen.

Auch Nathan hat sich verändert. Die Zeit auf Nirmonar ist nicht spurlos an ihm vorübergezogen. Höflich, förmlich gar, grüßt der dunkelhaarige Mann den elbischen Gutsbesitzer und dessen Oberste Magd, und Rhona zieht erstaunt eine Augenbraue in die Höhe. Im Gegesatz zu Cináed weiß sie nicht, dass Nathan jener Hexer ist, der vor wenigen Jahresläufen in der Stadt verurteilt worden ist, und der alte Nathan, den sie kennt, ist auf Glyn-y-Defaid nicht unbedingt für seine guten Manieren bekannt. Cináed lächelt. „Willkommen, Nathan. Hallo, Aruna, es freut mich, dich kennen zu lernen.“ Der Elb schenkt dem Jungen ein freundliches Lächeln. Man kann dem Knirps seine Herkunft deutlich ansehen, aber die großen schwarzen Kulleraugen, mit denen er schüchtern zu Cináed aufschaut, nehmen den Gutsbesitzer sofort für sich ein.
»Ich würde gerne mit dir reden, Cináed. Hast du etwas Zeit für mich?« Der Elb wendet sich wieder Nathan zu. „Selbstverständlich“, entgegnet er dem einstigen Tagelöhner. „Sollen wir ins Haus gehen?“ Der Shida'ya wendet sich Zoe und Aruna zu. „Warum geht ihr beiden nicht mit Rhona in die Küche?“, schlägt er vor. „Das Mittagessen kommt bald auf den Tisch und ich glaube es gibt warme Schneckennudeln. Klingt das nicht gut?“ Er zwinkert Aruna verschwörrerisch zu und der azadourische Knirps kichert leise, schon gar nicht mehr so schüchtern wie noch kurz zuvor. „Wir können derweil ins Kaminzimmer gehen“, erklärt Cináed an Nathan gewandt und gemeinsam begibt sich die kleine Gruppe auf den Weg ins Gutshaus.
"Who's Zed?" "Zed's dead, baby. Zed's dead." (Quentin Tarantino, Pulp Fiction)

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Emerald

unregistriert

29

Donnerstag, 7. März 2013, 22:40

Es passierte nicht oft...aber Emerald hatte sich hoffnungslos verlaufen. Die junge Frau streicht sich die Haare aus dem blassen Gesicht und bleibt stehen. Sie war lange dem ihr unbekannten Fluss gefolgt, bis dieser sich verzweigte und irgendwann einfach versickerte. Sie hätte wieder zurückkehren sollen, um dem Fluss in die andere Richtung zu folgen...aber nein, sie musste ja einfach weiterlaufen...und dann auch nicht auf dem Weg...nein sie war wieder einmal durch den Wald gehuscht, weil sie niemanden auf ihrer Reise treffen wollte. Reisende wollten sich ihr immer anschließen...sich mit ihr unterhalten, weil sie sich langweilten oder einfach gerne redeten. In Gedanken schüttelte Emerald den Kopf. Sie hasste es sich, die belanglosen Geschichten anderer anzuhören, der Weg durch das Dickicht war ihr da wesentlich lieber. Auch, wenn man sich dann verirrte...
Im Schutz der Bäume betrachtet Emerald den Hof vor sich. Sie war noch nie in dieser Gegend gewesen und hatte keine Ahnung, wie die Leute hier auf Fremde reagierten. Sollte sie hinuntergehen? Oder doch lieber außen herum, dann den Weg auf der anderen Seite des Anwesends entlang, der sie hoffentlich in eine Stadt führte.

Die junge Frau blickt zu Svea. Der schwarze Hund hat sich zu ihren Füßen niedergelegt und den Kopf auf die Pfoten gestützt. "Was machen wir jetzt, Kleine?", fragt Emerald den Hund mit leiser Stimme. Wie zu erwarten, rührt Svea sich nicht einmal, sie hat die Augen geschlossen und döst in den wenigen Sonnenstrahlen, die durch die Wolken hindurch scheinen.
Statt Svea aber antwortet Emeralds Magen, ein lautes Knurren erklingt. Jetzt dreht auch Svea sich um und starrt ihr Frauchen fragend an. Sekundenschnell entscheidet Emerald sich dafür, den vor ihr liegenden Hof zu betreten. Vielleicht konnte sie dort ein bisschen etwas zu essen mitgehen lassen...ihre letzte Mahlzeit lag schon etwas zurück und hatte nur aus zwei gegrillten Fischen bestanden, von denen das meiste ihre Begleiterin gefressen hatte.

Ein paar Minuten steht die junge Frau noch da und schaut sich das Treiben auf dem Hof an. Kurz überlegt sie noch, ob sie sich besser hineinschleichen, oder aber durch den Torbogen schreiten und einfach so tun sollte, als ob sie dazu gehören würde. Vielleicht würde es so gar nicht auffallen, wenn sie rasch etwas Essbares suchen und dann wieder verschwinden würde. Unter anderen Umständen würde die junge Frau auch bezahlen, aber wie so oft ist der Geldbeutel in ihrer rechten Hosentasche leer. Ihre letzten Münzen hatte sie im letzten Dorf einem Schmied gegeben, damit dieser ihre Messer schleifte.
Ein letztes Zögern, dann macht Emerald sich endlich auf den Weg. Svea richtet sich ebenfalls auf, schüttelt sich und trottet Emerald mit langen Schritten hinterher. Diese steckt ihre Hände in die Hosentaschen, zieht den Kopf ein und blickt starr auf den Boden vor sich. Ein Stück um das Gebäude herum und durch das Tor. So weit so gut...Emerald bleibt vor einem Brunnen steht, der neben einem großen Baum mitten auf dem Hof steht. Niemand schien sie näher zu beachten...unauffällig blickt sie sich um. Wo lang jetzt?

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30

Freitag, 8. März 2013, 16:44

Cináed und Rhona lassen ihre Schneeschaufel neben der großen Eingangstür des Gutshauses stehen und führen ihre Gäste ins Innere. Rhona nimmt den Männern, Zoe und Aruna die Jacken und Mäntel ab, ordnet an die schneefeuchten Stiefel neben der Tür aufzureihen und führt die Fee und den kleinen Azadourajungen anschließend in die Küche, während Cináed mit Nathanael im Kaminzimmer verschwindet. Aruna schaut sich ganz begeistert um, als er die geräumige Küche betritt, welche so völlig anders ist als jene in den Unterkünften des Sithechtempels. Rhona lächelt zufrieden, als sie bemerkt wie der Knirps die Nase in die Luft recckt und genießerisch den Duft des beinahe fertigen Mittagsmahles einatmet. Die Oberste Magd räumt die Jacken und Mäntel fort und bietet Zoe und Aruna zwei Plätze am großen Esstisch an. „Etwas Warmes zum trinken?“, fragt sie gut gelaunt. „Zum aufwärmen?“ Ihre jungen Gäste nicken. „Au ja... bitte“, pipst Aruna freudig und klatscht in die kleinen, kalten Hände. Seine Nasenspitze und die Wangen sind vom frostigen Wind immer noch ganz rot. Rhona nickt. „Heiße Milch mit Honig? Oder lieber Cocoa?““, erkundigt sie sich, obwohl sie die Antwort bereits zu kennen meint. „Cocoa.“ Natürlich.

Draußen auf dem Hof ist es derweil ruhig. Cináed und Nathan sitzen mittlerweile, wie eingangs bereits erwähnt, im Kaminzimmer. Zoe und Aruna sind bei Rhona und Mair in der Küche. Nara ist nicht – wie Mair vermutet hat – mit Schneeschippen beschäftigt, sondern im Gesindehaus mit Bettenmachen zugange. Die Knechte – Owyn, Emrys und Liam – haben in den Stallungen, in der Scheune und der Schmiede zu tun, und Úna und Gwyn kümmern sich um die Hasen und Kanninchen sowie den Hühnerstall. Die Ankunft der jungen Frau, die (kurz nachdem Cináed und seine Gäste im Gutshaus verschwunden sind) mit ihrem Hund durch den Torbogen auf den Hof tritt, bleibt daher zunächst unbemerkt. Allerdings nicht lange, denn Mabon und Modron – die beiden Haus- und Hofhunde – schlagen sogleich an, als sie die unbekannten Gestalten, welche sie (ganz im Gegesatz zu Zoe und Nathan) nicht kennen, endlich bemerken. Das laute Gebell ist auf dem ganzen Hof zu hören und lockt auch die anderen vier Hunde – Cadfan, Blair, Idris und Eira – aus den Stallungen heraus. Sie halten respektvollen Abstand zu der fremden Frau und ihrem Hund, lassen aber deutlich erkennen, dass sie jederzeit bereit sind Haus und Hof zu verteidigen.

Im Gutshaus wechseln Cináed und Nathan kurz fragende Blicke, setzen ihr Gespräch dann aber fort, ohne sich weiter um den Lärm zu kümmern. Auch Rhona und Mair ignorieren die Hunde. Sie alle wissen, dass jemand aus den Stallungen kommen und nach dem Rechten sehen wird, was auch tatsächlich der Fall ist. Emrys legt den Schmiedehammer mit dem er gerade ein paar Hufeisen bearbeitet hat beiseite, wischt sich die schmutzigen Hände an der ledernen Schürze ab, tritt auf den Hof hinaus und schaut sich um.
"Who's Zed?" "Zed's dead, baby. Zed's dead." (Quentin Tarantino, Pulp Fiction)

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Cinaed« (8. März 2013, 16:50)


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