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Atevora

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136

Donnerstag, 12. Dezember 2013, 23:24

Allein seine Anwesenheit ist wie Balsam.
Fürsorglich, mit gütig blickenden Augen und mit einem mildem Lächeln im freundlichen Gesicht, legt er sacht die mitgebrachte Decke um ihre Schultern und sorgt allein mit dieser Geste für Behaglichkeit und Wohlbefinden – vielleicht sogar für einen Anflug von Geborgenheit?
Dankbar greift die Shin nach der Decke um sie am Saum um sie um ihre Schultern geschlungen zu halten und ist erleichtert und zugleich auch nicht, als der Elb ganz unkompliziert mit einem „Sicher, Warum nicht?“ einlenkt, als wäre es das normalste der Welt noch lange vor Sonnenaufgang von einer egozentrischen und verqueren Magierin überfallsmäßig in Beschlag genommen zu werden und sich sofort ihrer Belange anzunehmen. Ihr könnt jederzeit vorbeikommen. Genau so hatte er es angeboten. Die Worte waren nicht leichtfertig gesprochen, wie sie erkennt. Er hält sein Wort. Es ist schwer zu beschreiben was die Erkenntnis in ihr auslöst. Zuneigung ist es nicht, aber vielleicht etwas das dem nahe kommt und dem es an der endgültigen Essenz fehlt um als unbedenklich und erstrebenswert zu gelten. Es ist ein gefährliches Spiel, ein äußerst trügerischer, fragil und spröd gesponnener Faden und Atevora könnte selbst nicht sagen zu was es führen wird, oder führen könnte. Vielleicht sogar eines Tages zu einem äußerst grausamen und blutigen Ende auf beiden Seiten. Doch nun zählt das Jetzt, denn die Zukunft hält sich bedeckt, sofern sie nicht sogar gänzlich offen steht.
Ein wenig im Zwiespalt ist sie sich ob des Vorschlags die Küche aufzusuchen, wo es wärmer und auf gewisse Weise sicher heimeliger ist als hier in der großen leeren Halle. Die Magierin nickt zustimmend, denn vor Allem Aufwärmen ist im Moment vorrangig notwendig, und der gewählte Ort ist darum sinnvoll, obwohl es ihr gleichzeitig nicht behagt, da sie dort nicht das Thema, oder die Themen ansprechen kann, die sie ansprechen möchte. Die Belange bei denen sie mittlerweile selbst nicht mehr weiß wie sie diese ansprechen soll, denn ihre Gedanken sind ineinander stark verflochten, dass es ihr unmöglich erscheint sie und den Beweggrund dessen, was sie beschäftigt strukturiert aufzuschlüsseln und dem Elb verständlich, oder nachvollziehbar wiederzugeben.

Die Magierin folgt dem Elben wie ein Lämmchen in die Küche und lässt sich in einer Bewegung, der es dieses Mal an der üblichen zarten und flüssiger Eleganz fehlt, auf den ihr angebotenen Stuhl gleiten. Natürlich hat Cinaed ihn zuvor zuvorkommend zurechtgerückt damit sie bequem darauf Platz nehmen konnte. Und wieder fragt sich die Shin, weshalb der Mann nach der langen Zeit, die seine Gemahlin nun schon tot ist, nicht wieder eine Frau an seiner Seite hat, oder warum er es vielleicht sogar bewusst, oder unbewusst vorzieht auf eine gewisse Art einsam oder sogar innerlich Unerfüllt zu bleiben, obwohl er es entgegen ihr nicht müsste.
„Ich danke Euch gute Frau.“ Entgegnet die Shin wohlerzogen der Köchin, und umgreift den Becher um die Hitze ihre Finger erwärmen zu lassen. Sie wirkt schon bei ihren Worten ein wenig Abwesend, bei dem introvertierten Gestus erst recht, was sich allerdings auch leicht auf ihren noch immer zweifelsfrei unterkühlten Zustand - dieses Mal ausnahmsweise nicht nur Emotionaler Natur – schließen lässt. Aber es ist nicht ganz zutreffend. Ihre Gedanken sind abgeglitten und sinnieren über das Konstrukt genannt Liebe nach, jenes sie niemals befähigt sein wird ernsthaft nachvollziehen, oder ergründen zu können, welches aber wohl maßgeblich verantwortlich für Cinaeds Handeln, beziehungsweise nicht Handeln in gewissen Sektoren seines Lebens sein dürfte. Während sie noch dem Einem nachhängt, beginnt sie gleichzeitig wieder zu überlegen wie sie ihr eigenes Anliegen am Besten in Angriff nehmen soll, oder ob sie hier überhaupt einen Teil davon vortragen kann. Es ist nichts was sie vor den Ohren der Dienstmagd, oder Knechte ansprechen möchte. Sie möchte nicht einfach offen sprechen, denn sie will ihre Schwäche und wahre Natur vor den Anderen verborgen halten. Sie möchte nicht die Reaktion von erschütterten Unverständnis, oder Mitleid aus den Augenwinkeln erspähen und ertragen müssen, und in dieser Bandbreite würde es sich wohl bewegen. Verständnis und Akzeptanz wird es hingegen gewiss nicht geben. Wie könnte es auch? Die Leute hier vermögen es nicht einmal gegenüber Cinaed aufzubringen der nur seine magische Begabung verborgen hielt, und nicht das Fehlen von etwas das die ganze Welt als selbstverständlich voraussetzt. Züge, die in der vorherrschenden Weltanschauung als richtig oder gut gelten, wie Anteilnahme, Mitgefühl, Barmherzigkeit, Güte, Nächstenliebe. Begriffe die Menschlichkeit beschreiben, und sie besitzt nicht eine dieser Eigenschafen, sie imitiert sie nur. Hier ist die eine Frage die sie von Grund auf beschäftigt: Wenn sich menschlich oder Menschlichkeit mit diesen Eigenschaf ten definiert, und sie keine davon besitzt, ist sie dann überhaupt ein Mensch? Und wenn nicht? Was ist sie dann?
Wie durch Watte dringt demzufolge seine Frage <<"Wie kann ich dir behilflich sein?">> an ihr Ohr, und ihr ferner Blick, die ausbleibende Antwort, oder in sich versunkener Gestus mag ausschlaggebend für die gleich nachfolgenden Worte sein: <<"Ist alles in Ordnung?">>
„Nie.“ Spricht sie den Gedanken laut aus, und wird sich noch während das Wort über ihre Lippen rutscht über dieses Versehen bewusst. Ein wenig ruckartig blickt sie auf und unverwandt in des Gutsbesitzers grünen Augen. „Es ist seltsam. Alles in mir insistierte dich aufzusuchen und nun da ich hier bin, weiß ich nicht wie beginnen soll. Es ist verworren was mich beschäftigt und schwer aufzuschlüsseln, oder die eigentlichen Fragen zu definieren. Ist es anmaßend zu dem was mich umtreibt ein Gespräch unter vier Augen zu erbitten?“

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Montag, 16. Dezember 2013, 18:49

Das Verhalten und die Reaktion der Magierin sind befremdlich wie so oft. »Nie«, antwortet die Shin ganz spontan - und ehrlich - auf Cináeds Frage und der Gutsbesitzer weiß sofort, was sie damit meint. Ihr empathisches Unvermögen Gefühle zuempfinden und nachzuempfinden. Ihr Spitzname, welcher Cináed durchaus bekannt ist, kommt daher nicht von ungefähr. Die Unfähigkeit der Magierin tiefgehende Gefühle zu empfinden und jene anderer richtig zu interpretieren, lässt ihr zumeist absolut rationales Verhalten lässt sie oftmals eisig und in der Tat offenkundig gefühlskalt erscheinen. Fremd. Und auch bedrohlich. Auch Cináed erwischt die Shin mit ihren Reaktionen immer wieder kalt, sind ihre imitierten Verhaltensmuster doch nicht immer zutreffend, und nicht selten ganz unbeabsichtigt einer bestimmten gesellschaftlichen Situation aufgrund von Fehlinterpretationen oder Unverständnis unangemessen. In seiner Gegenwart gibt sie sich Mühe, dass merkt Cináed, und er geht davon aus, dass sie es auch sonst tagtäglich versucht, dennoch strauchelt sie von Zeit zu Zeit - manchmal schon an den kleinsten Kleinigkeiten.

»Ist es anmaßend zu dem was mich umtreibt ein Gespräch unter vier Augen zu erbitten?« Als Antwort auf ihre Frage nickt der Gutsbesitzer langsam. Er hat keine Geheimnisse vor seinem Gesinde - nicht mehr - und er ist irgendwie nicht davon ausgegangen, dass die Shin irgendetwas mit ihm besprechen wollen könnte, was große Diskretion erfordert, aber wenn sie über ihr Anliegen lieber unter vier Augen sprechen möchte, kommt er dieser Bitte selbstverständlich nach. "Wir können uns in mein Arbeitszimmer zurückziehen, wenn dir das lieber ist", erwidert Cináed daher. "Dort ist es zwar nicht so angenehm warm wie hier in der Küche, aber auch nicht so kühl wie im unbeheizten Kaminzimmer." Langsam erhebt er sich und deutet an, dass sie ihre Getränke mit sich nehmen können. Rhona schaut den beiden schweigend, während sie die Küche verlassen und sich ins Obergeschoss zurückziehen.

Cináed führt die Magierin in sein Arbeitszimmer, holt den Stuhl an seinem Schreibtisch hervor und bietet ihr an darauf Platz zunehmen. "Einen Augenblick, bitte", entschuldigt er sich anschließend. "Ich bin gleich wieder zurück." Kurz verlässt er das Zmmer wieder, um einen weiteren Stuhl herbeizuholen - den Stuhl aus Taras Kammer. Nachdem er zurück ist, schließt er die Tür des Arbeitszimmer hinter sich und stellt den mitgebrachte Stuhl der Shin gegenüber auf. Allerdings lässt der Gutsbesitzer sich nicht gleich darauf nieder. Während er sich knapp erkundigt "Was brennt dir auf der Seele?" prüft er die Kohlen im Eisenofen und entzündet ein paar Öllampen, um den Raum mit etwas mehr Licht zu füllen.
"Who's Zed?" "Zed's dead, baby. Zed's dead." (Quentin Tarantino, Pulp Fiction)

Atevora

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Dienstag, 17. Dezember 2013, 20:11

Die Magierin lächelt ihren Freund ein wenig melancholisch an. Er macht sich Gedanken über den Grad der behaglichen Wärme in den Räumen, dabei würde sie sogar sofort wieder vor das Haus gehen und mit der Türschwelle als Sitzplatz Vorlieb nehmen, wenn sie nur mit ihm dafür sprechen kann. Außerdem, so warm wie hier in der Küche ist es bei ihr zuhause ohnedies nie, und dabei denkt sie auch an die Atmosphäre die zwischen den Anwesenden herrscht. Zudem war sie noch nie eine besonders Kälteempfindliche Person, und erst recht nicht mehr seitdem sie eine gewisse Zeit in Immerfrost zugebracht hat. „Die Zimmertemperatur ist mir einerlei.“
Wie bedeutet nimmt Atevora das Warmgetränk mit sich, und spürt beim Verlassen des Raumes Rhona Blick unangenehm im Rücken. Was sie sich zu den Dingen denken mag kümmert die Magierin jedoch nicht im Geringsten. Auf leisen Sohlen schleicht Atevora dem Elb hinterher, die stabile hölzerne Treppe hoch und tritt in seine Schreibkammer. Ihr Blick gleitet über die Einzelheiten im Raum. Einige Papiere liegen auf dem Schreibtisch, gerade so als hätte der Hausherr zuvor noch über einer Arbeit gebrütet und diese ihretwegen unterbrochen.
Darüber hinaus ist der Raum eher spartanisch und zweckmäßig eingerichtet, mit allem was eine Arbeitsstube bedarf und nichts darüber hinaus, wie zum Beispiel einer zweiten Sitzgelegenheit. Während die Magierin ihren Tee einfach ungefragt auf dem Tisch abstellt, holt der Elb seinen Stuhl hinterm Schreibtisch hervor und bedeutet Atevora darauf Platz zu nehmen, doch die Magierin kommt dem nicht nach. Sie steht nur hinter der Stuhllehne und sieht Cinaed nach, der sich gerade entschuldigt und auch schon aus dem Raum entschwunden ist. Ganz unbewusst kehren der Magiein Augen zurück zu den Schriftstücken am Tisch. Cinaeds Schrift ist angenehm zu entziffern, und interessanter Weise größtenteils in Allgemeinsprache, weshalb sie ganz automatisch zu lesen beginnt. Es handelt sich um geschäftliche Dokumente, Vereinbarungen, Verträge, ein Buch in dem Einnahmen und Ausgaben verzeichnet sind, wobei sie wie automatisch die angeführten Summen im Kopf berechnet. Die aufgeschlagene Seite ergibt eine sehr positive Bilanz.

Wie leise Elben sich doch trotz ihrer Größe bewegen. Nur ein Knarzen einer garstigen Holzdiele vor dem Raum verrät ihn. Er muss erkannt haben, dass ihr Blick auf seinen Unterlagen ruhte, aber er hält sich damit nicht auf, bedenkt sie nicht einmal mit einem vielsagenden Blick. Ob er bei seinem kurzen Fernbleiben – er hat einen weiteren Stuhl geholt – annimmt, dass sie nur kurz ihren Blick hat über die Unterlagen hat huschen lassen, ohne die Gelegenheit besessen zu haben wirklich etwas zu lesen? Kaum jemand weiß, dass sie weit schneller lesen kann als sprechen. Sie las Schriftstücke in angenehmer Schrift und leichtem Inhalt beipielsweise gut fünf mal so schnell wie jene die mit ihr auf der Arkana studiert haben. Das waren ganze Textblöcke während andere noch im ersten Satz festhingen.
Da der Elb keine Anstalten macht sich zu setzen, drapiert auch Atevora ihr Popöchen weiterhin nicht auf der Sitzgelegenheit. Sie ist noch immer nicht gänzlich aufgetaut sondern kältesteif, und das Sitzen wirkt dem Zustand nicht wirklich vernünftig entgegen. Außerdem würde sie sich sitzender Weise noch kleiner vorkommen und sie hat dank Cinaeds Größe von etwa zwei Schritt sowieso immer mit Nackenstarre kämpfen. Atevora steht also weiterhin hinter dem Sessel und ihre feingliedrigen Hände ruhen auf der Stuhllehne, als Cinaed die Stille bricht.
"Was brennt dir auf der Seele?" Erkundigt sich der Gutsherr ganz beiläufig, während er einige Öllampen entzündet und ein Schmunzeln stiehlt sich für einen Augenblick auf der Eismaid Lippen bei der Wortwahl in Kombination zu seinen Tätigkeiten die allesamt mit brennbarem zu tun hatten. Ob es eine spitzfindige gezielte Wortwahl war, oder zufällig, kann sie nicht sagen. Sie traut dem Elb die Formulierungsraffinesse jedenfalls durchaus zu.
„Wie beginne ich am Besten?“ Sie hätte eigentlich genügend Zeit gehabt darüber nachzusinnen als sie hoch ging, oder allein im Raum war. „Manches mal holt mich die Vergangenheit ein. Es ist eine Art Nachhall einem Echo gleich. Vor einigen Stunden kam es wieder vor. Ich sah mich in eine äußerst aufwühlende Situation zurückversetzt und darauf gründend führte ein Gedanke zum Nächsten.“ Beginnt die Magierin zur Einleitung. Sie hat bewusst aufgedeckt was sie ab und zu heimsucht. Cinaed hat mit seiner Tätigkeit aufgehört und der Magierin allein gilt seine ungeteilte Aufmerksamkeit. Sie registriert seine weichen Gesichtszüge und den mitfühlenden Blick.
„Wie du weißt arbeite ich daran meine sozialen Defizite aufzuarbeiten, und mich umgänglich zu verhalten. Ich merke, ich bin darin wesentlich besser geworden seitdem du mir hilfst, und wie meine Beliebtheit steigt. Aber das Problem ist, keine der Personen die mich umgibt schätzt wirklich mich, sie achten nicht mich, sondern nur die Fassade die ich ihnen biete.
Wenn ich strauchle fühlen sie sich betrogen, hintergangen und arglistig getäuscht. Mich hat hierzu mit einer Heftigkeit eines Tagtraumes eine Begebenheit wieder heimgesucht, die mir das deutlich vor Augen geführt hat. Bei Rhordri, dem Kastellan ist dies beispielsweise geschehen. Rhordri und ich, wir sind schon lange miteinander flüchtig bekannt. Er war zu jeder Zeit zuvokommend und freundlich, trotz meines eigentümlichen und eher schwerlich angepassten Verhaltens, welches ich noch vor Jahren zeigte. Ich glaubte irrtümlicher Weise er akzeptiere wirklich mich wie ich bin, aber das war eine Fehlannahme. Er hatte sich nur ein Bild zu mir zurecht gelegt, das ich am Tag zu Lady Tarascons Geschäftseröffnung aufgrund meiner Fehlannahme zerstörte. Aus seiner Bewunderung für mich - zumindest sagte er, er hätte mich bewundert, wurde Ablehnung, da ich nicht die Person bin, die er annahm dass ich sie sei.“ Ihr Blick ist längst zum Boden gesunken und in die Ferne gewandert, als betrachte sie die Geschehnisse, oder die Szenen die sich zwischen Ihr und der genannten Person zutrugen wie ein stiller Beobachter, und ihr Tonfall klingt zu der beschriebenen Situation befremdlich nüchtern und sachlich.
„Es ist so, ich trage den ganzen Tag eine Maske und bin nicht ich selbst, sondern versuche das zu sein was die Gesellschaft von mir erwartet. Ich arbeite stark daran mich einzufügen und den Ansprüchen zu entsprechen, aber ich frage mich nun: Ist mein Verhalten zerisch, sind meine Bemühungen mit Falschheit gleichzusetzen? Ist mein Auftreten arglistige Täuschung und Betrug so wie es der Kastellan wohl empfand?“ Die Magierin seufzt stimmlos und die Trostlosigkeit, und die Verzweiflung die sie empfindet ist ihr vermutlich anzusehen, denn ihre Finger krallen sich fast schmerzhaft um die Sessellehne, dass alles Blut den Fingern entwichen ist, und ihre Haltung wirkt kraftlos und in sich zusammengesunken. Ihre Augen klettern wieder hoch und ihr Blick heftet sich hilfesuchend an Cinaed: „Ich weiß nicht welchen Weg ich verfolgen soll. Mir scheint jede mir verfügbare Option ist die Falsche." Ich weiß nicht was ich tun soll.

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Montag, 13. Januar 2014, 17:37

Cináed hat mittlerweile auf dem herbeigeholten Stuhl Platz genommen - sitzt der Shin also direkt gegenüber - und hört seinem Gast aufmerksam zu. Die Worte und Gedanken der Magierin kommen etwas umständlich und gestelzt hervor, ganz wie es nun einmal Lady Shins Art ist, und der Gutsbesitzer folgt ihren Ausführungen aufmerksam ohne sie zu unterbrechen und lässt das Gesprochene auf sich wirken. Nachdem die junge Frau geendet hat, versinkt der Elb in Schweigen und lässt sich das soeben Gehörte noch einmal genau durch den Kopf gehen.
Die Situation ist sicherlich nicht ganz einfach - für beide Seiten. Cináed hat mittlerweile von den Vorfällen bei der Geschäftseröffnung von Lady Tarascaons Laden gehört, sowohl aus dem Mund der Magierin als auch von anderen Quellen, und er kann sich ohne weiteres Vorstellen wie dies den Ruf der Shin beeinflusst haben mag. Dass sie sich mit einem nargischen Leibwächter umgibt, der seinerseits gewisse Schwierigkeiten mit der hiesigen Bevölkerung hat und immer wieder aneckt anstatt sich ohne weiteres in die örtliche Gesellschaft einzufügen, macht es für die Magierin sicher nicht leichter. Und auch wenn Cináed die Frau des Lord Commanders persönlich nicht besonders gut kennt, so hat er sie doch als eine Persönlichkeit von sehr starken und eigenwilligem Charakter kennengelernt. Ähnliches gilt für den Kastellan der Steinfaust. Rhordri ist ein Mann von festem, aufrichtigem Charakter. Ein Mann mit klaren Prinzipien und sehr genauen Ansichten. Der Elb weiß das zu schätzen und genießt ihre angeregten Unterhaltungen, wenn sich die Gelegenheit ergibt, beispielsweise wenn man bei einem ordentlichen Feierabendbier bei Borgil an der Theke beisammen sitzt.

Cinaéd kratzt sich nachdenklich am Kinn. Er kennt nur einen Bruchteil von Lady Shins Aktivitäten und noch weniger weiß er über ihre persönlichen Beziehungen und Umgang zu und mit anderen. Von seinen eigenen Erfahrungen ausgehend weiß er zumindest, dass es nicht immer ganz einfach ist jeden Schritt und Gedankengang der Magierin zu verstehen. Allerdings hat er einen Vorteil: er kennt Atevoras Schwachpunkt, wenn man dies denn so nennen kann.
Der Elb überlegt noch einen kurzen Moment, bevor er schließlich entgegnet: "Ich glaube, wenn du wirklich willst, dass man dich irgendwann so akzeptiert wie du bist, musst du Geduld mit deinen Mitbürgern haben. Wir können niemanden dazu zwingen uns zu schätzen und zu vertrauen." Cináed sieht die Magierin an. "Es ist sicherlich nicht einfach für dich", meint er schließlich. "Aber ich denke, wenn es dir wirklich wichtig ist im Umgang mit deinen Mitmenschen richtig zu funktionieren, dann musst du den von dir eingeschlagenen Weg weiter verfolgen und lernen mit Rückschlägen umzugehen, auch wenn es ein langer, beschwerlicher Weg ist." Der Shida'ya schweigt kurz und kratzt sich gedankenverloren am Kinn. "Und du solltest vielleicht, wenn dir an bestimmten Personen besonders gelegen ist, versuchen diesen zu vertrauen." Wieder sieht Cináed die Magierin geradewegs an. "Versuch ihnen begreiflich zu machen, worin dein Problem besteht. Bitte sie darum dich in deinen Bemühungen zu unterstützen... nicht immer wirst du auf Verständnis stoßen, aber es wird auch genug geben, die gerne bereit sind dir zu helfen, sobald sie du deine Maske freiwillig vor ihnen gelüftet hast. Die meisten Menschen sind gerne bereit zu helfen, wenn sie ein Problem erst einmal verstehen. Doch dazu müssen sie es zunächst kennen."

Der Gutsbesitzer beugt sich vor. "Also, wenn du wirklich möchtest, dass deine Umgebung die Person hinter der Maske schätzen lernt, musst du die Maske ablegen. Du musst lernen den Leuten zu vertrauen, auch wenn dein Vertrauen manches Mal enttäuscht werden wird. So ist das eben." Cináed zuckt mit den Achseln. "Ja, ich weiß, das ist leichter gesagt als getan..." In der Tat, dass weiß der Elb nur zu gut. Er hat selbst jahrelang eine Art Maske getragen, um nicht als Hexer verschrieen, gemieden und gefürchtet zu werden. Ja, haben ihn nicht einst ganz ähnliche Sorgen und Ängste geplagt wie die Shin jetzt? "...aber letztlich ist es vermutlich der einzige Weg, wenn du dich nicht ewig hinter einer Maske verstecken willst..."
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Atevora

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140

Montag, 13. Januar 2014, 20:35

Er lässt sich Zeit und der Raum füllt sich schwer mit Schweigen. Als er schließlich mit der Antwort ansetzt, lauscht die Magierin aufmerksam Cinaeds Ausführungen. Obwohl sie die Unruhe in ihr nähren unterbricht sie ihn kein einziges Mal, und doch sinkt sie bei seinen Worten bekümmert ein wenig in sich zusammen. Sie hat die Arme nicht bloß verschränkt sondern um sich selbst geschlungen und ihre Finger graben sich förmlich ins Gewebe ihrer Oberarme, als wollte sie sich an irgend etwas Festkrallen und Halt finden. Sie hat Angst vor den Schritten zu die er ihr Rät und das auf so vielschichtige Weise, dass es förmlich in ihr bebt. Sie fürchtet sich nicht nur vor dem Bruch des Vertrauens den andere begehen könnten, sondern vor den Handlungen die sie geneigt sein könnte daraufhin zu tätigen. Kann sie sich selbst vertrauen? Darauf von dem was sie erreichen will nicht von ihrem eigenen Wesen abgebracht zu werden? Ihre Augen werden feucht und glasig, und die Tränen brennen unerträglich heiß bevor sich Eine löst und gefolgt von einer Zweiten auf der anderen Seite über ihre Wangen zu Boden rinnt. Mehr als diese Zwei sind es nicht die sich lösen.
Es dauert eine gefühlte Ewigkeit in der sie das gesprochene vollends auf sich wirken lässt und darüber nachsinnt und sie erkennt, dass sie die Antwort verborgen und verdrängt als indiskutable Option selbst längst kannte. Es wird schwer werden abzuwägen bei wem auch nur überhaupt die Chance besteht, dass Toleranz oder Akzeptanz sie erwarten könnten. Der Kastellan befindet sich wohl nicht darunter. Manches mal bleibt verlorenes verloren. Außerdem wirft eine Bemerkung des Schaftzüchters eine Frage auf in die sich ihr Hirn verbissen hatte. Aber es wird auch genug geben, die gerne bereit sind dir zu helfen.... Bisher hat immer nur sie ihn aufgesucht. Nie war es umgekehrt. „Cinaed?“ Spricht sie schließlich, und ihrer Stimme fehlt es dabei an Kraft, dass sie den Namen hätte besser flüstern sollen um es zu verbergen. Sie hebt den Blick und sieht ihn unverwandt an. „Weshalb hilfst du mir, und bist mein Freund?.. Schätzt du mich um meiner selbst?“

Dieser Beitrag wurde bereits 5 mal editiert, zuletzt von »Atevora« (15. Januar 2014, 23:18) aus folgendem Grund: oh, gute Güte, ich kann heut echt nicht tippen.. So viele Fehler.


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141

Donnerstag, 16. Januar 2014, 18:45

Cináeds Worte lassen die Magierin in tiefes Schweigen versinken. Nachdenklich und völlig in Gedanken versunken sitzt sie dem Schafzüchter gegenüber und wirkt dabei irgendwie ungewohnt hilflos und verloren. Stumm verharrt Cináed auf seinem Platz und lässt der Shin alle Zeit der Welt die sie braucht, um ihre Gedanken zu sammeln. An ihrem regungslosen Gesicht lässt sich nicht ablesen, was in ihrem Kopf vorgehen mag, doch Cináed kann es sich zumindest anseitsweise vorstellen - soweit dies eben möglich ist.

Als die Magierin dann wieder zu sprechen beginnt, überraschen ihre Worte den Elben allerdings doch: »Cináed? Weshalb hilfst du mir, und bist mein Freund? ... Schätzt du mich um meiner selbst?« Erstaunt sieht der Shida'ya die Shin an. Ganz unwillkürlich beugt er sich etwas vor und legt seine Hände auf die ihren, welchen zusammengefaltet auf ihren Knien ruhen. "Ich kenne dich nur so wie du bist", antwortet er freundlich, "und ich bin dein Freund, weil ich dir glaube, dass du wirklich bemüht bist die richtigen Entscheidungen aus den richtigen Gründen zu treffen."

Cináed lehnt sich wieder auf seinem Stuhl zurück, hält seinen Blick aber weiterhin auf die Magierin gerichtet. "Wir alle straucheln von Zeit zu Zeit und machen Fehler", meint er schließlich. "Sie verändern uns, indem sie uns helfen zu lernen und zu wachsen. Nur manchmal braucht es eben etwas Zeit, bis unsere Umgebung diese Veränderungen wahrnimmt - vergleichbar mit dem Wachstum eines Baumes." Der Gutsbesitzer lächelt. "Also sei nicht zu hart und ungeduldig mit dir selbst und deiner Umwelt. Alles hat und braucht seine Zeit."
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Donnerstag, 16. Januar 2014, 21:24

Des Elben Reaktion und Antwort erstaunt die Magierin im selben Maß wie ihn ihre Frage. Völlig unerwartet beugt sich der Feuerhaarige nach vorne und umgreift ihre Hände. Von der plötzlichen Geste überrascht, zuckt sie kurz als wollte sie die Hände zurückziehen. Sie hat schon lange die eindeutige Angewohnheit bei vertrauensvoller körperlicher Nähe, die von kumpelhaften, oder höflichen Gesten abweichen, oder nicht von ihr aktiv gestartet werden, zurückzuweichen, und das weniger aus Schutz für sie als für den Gegenüber.
Sogleich spürt sie die Wärme seiner Finger prickelnd auf ihrer Haut. Wie süßes Gift dringt sie tiefer, breitet es sich in ihr aus und nährt keine Zuneigung, und keine Verbundenheit, sondern Begierde und Verlangen. Doch beides gleitet im Moment haltlos vorüber, während sie tief in dieses von Güte erfüllte Grün seiner Augen blickt und das Erstaunen in seinem Gesicht liest, das ihrem eigenen ähnelt.
Im ersten Augenblick meint die Magierin er wäre ihrer Frage ausgewichen und hätte sie nicht beantwortet. Er nennt nichts das ihrer Denkweise nach Wert entspricht. Er nennt keine erfassbare Eigenschaft mit der sie Auftritt und handelt, welche er ihrer Auffassung nach schätzen, als Gewinn, oder Bereicherung für sich erachten könnte. Und dann erkennt sie, er nannte wohl doch eine: Ihr Bestreben ihrem eigenen Wesen entgegenzutreten, sich zu widersetzen und sich gezielt anders zu entscheiden, webt maßgeblich am Band ihrer Freundschaft. Dieses Bemühen für sich allein ist es das er als achtenswert und wertvoll benennt und das allein ist das Ausschlaggebende und was er an ihr schätzt. Das ist es? Es reicht aus? Sein Wesen ist so vollkommen anders als das ihre. Sie wird ihre Zeit brauchen und näher über die Worte sinnieren, denn dieser Beweggrund und diese Denkweise ist etwas das sie weder wirklich Erfassen noch begreifen kann. Vorerst zumindest (oder vielleicht auch ihr ganzes Leben lang - wer weiß). Es muss reichen zu erkennen und gedanklich abzulegen, dass es so ist wie es ist. Könnte das was er offenbart hat für andere ebenfalls gelten und dies auch deren Beweggrund werden sie anzuerkennen? Eine Frage welche nur die Zukunft beantworten kann.

Als er ihre Hände wieder loslässt und sich wieder zurücklehnt, fühlt sie sich seltsam im Fall begriffen. Er lässt sie haltlos zurück, als schlüge sie mit ihren Gedanken gegen dumpfe Mauern aus reinem Nichts. Ihre Hände kühlen an der freien Luft des Raumes, sodass es ihnen alsbald wieder nach der Wärme der seinen verlangt. Eine Gier nach dem was zuvor war, und mehr ruft stumm in den Raum und bleibt von ihr ungehört wie unbeachtet. <<"Wir alle straucheln von Zeit zu Zeit und machen Fehler">> Setzt er schließlich fort und endet mit: <<Also sei nicht zu hart und ungeduldig mit dir selbst und deiner Umwelt. Alles hat und braucht seine Zeit.">> Die Magierin meint zu erfassen was er ihr mitteilen möchte, und trotz der Ernsthaftigkeit und der Weisheit in seinen Worten zwingt sich ein Schmunzeln auf. Da rät ihr ein Elb, dem die Ewigkeit gehört und für den sie bald nur noch eine Erinnerung sein wird, dass es gilt die Ungeduld abzustreifen und sich Zeit zu lassen. Ihr Elben habt der Zeit so viel mehr als unsereins um euch in Geduld zu üben und sie zu perfektionieren. „Ich schätze mit dem Thema Geduld und Zeit kommen Elben und Menschen selten auf einen grünen Zweig..“ Spricht sie und scherzt dabei seicht wie trocken. „Aber ich verstehe was du mir erklärt hast.“ Besinnt sie sich wieder des ernsthaften Inhalts seiner Worte. „Zumindest das Meiste; Ich werde über genügend lange sinnieren können. Ich hoffe es gelingt mir deine Worte umzusetzen und ich werde mich sehr bemühen deinen Glauben an mich nicht zu enttäuschen, denn deine Freundschaft ist mir das wertvollste Gut, das ich besitze. Ich danke dir sehr für deine weisen Ratschläge.“

Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von »Atevora« (16. Januar 2014, 21:42)


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Mittwoch, 29. Januar 2014, 20:37

»Ich schätze mit dem Thema Geduld und Zeit kommen Elben und Menschen selten auf einen grünen Zweig.« Cináed lächelt bei den Worten der Magierin, schweigt dazu aber. Hier geht es im ihre Gedanken und Sorgen, nicht um die seinen. Jedenfalls ist dies eindeutig nicht der richtige Zeitpunkt für ihn zu erklären, dass er sie besser versteht, als sie meint. Es gab eine lange Zeit in seinem Leben, während derer er sich bereits damit abgefunden hatte, seine Frau womöglich niemals zu überleben. Im Gegensatz zu den meisten Elben, für die es vermutlich das Selbstverständlichste auf Rohas weitem Rund ist, hatte er nie angenomme alle Zeit der Welt gehöre ihm. Ihm war immer klar gewesen, was es bedeutet ein Hexer zu sein und welche Gefahren dies mit sich brachte. Der Gutsbesitzer hatte immer in dem Bewusstsein gelebt, dass das unkontrollierte Mana in ihm, ihn vielleicht irgendwann das Leben kosten, ihn von Innen heraus verbrennen könnte. All dies hatte er stets gewusst, hatte nie versucht sich diesbezüglich irgendetwas vorzumachen. Er hatte sich bewusst dafür entschieden Tara niemals zu verlassen, und das war der Preis, den zu bezahlen er dafür bereit gewesen war. Der Gedanke, seinem Leben irgendwann durch eigene Hand ein Ende setzen zu müssen, war ihm nie fremd gewesen.

Nun, er hatte sich geirrt. Er war stärker gewesen, als er je für möglich gehalten hatte. Er hatte Tara überlebt. Er hatte sie zu Grabe getragen. Und er hatte sich entschieden sein Talent endlich ausbilden zu lassen. Er hatte sich entschieden zu leben. Weiter zu leben. Was niemand ahnt: Die Tatsache, plötzlich so viel Zeit zu besitzen, erfüllt den Shida'ya mit einer Angst, die man sich kaum vorzustellen vermag. Wie gibt man einer ganzen Ewigkeit Sinn? Ist soetwas überhaupt möglich? Diese Fragen quälen ihn jeden Tag. Und jeden Tag stellt er sich ihnen aufs Neue ohne je eine befriedigende Antwort zu finden. Manchmal verzweifelt er sogar fast daran. Er ist allein, ohne Tara. Was kann eine Ewigkeit in Einsamkeit schon für einen tieferen Sinn besitzen? Dann wird Cináed bewusst wie sehr er Tara noch immer vermisst. Oder eher, wie sehr ihn der leere Platz in seinem Leben, den sie hinterlassen hat, schmerzt. Doch für all dies ist in diesem Augenblick nicht der rechte Zeitpunkt. Die Shin braucht seine Zuversicht, seine Stärke, nicht seine Zweifel und seine Schwäche. Er nickt der jungen Frau zu.

»Ich werde über genügend lange sinnieren können. Ich hoffe es gelingt mir deine Worte umzusetzen und ich werde mich sehr bemühen deinen Glauben an mich nicht zu enttäuschen, denn deine Freundschaft ist mir das wertvollste Gut, das ich besitze. Ich danke dir sehr für deine weisen Ratschläge.« Nach diesen Worten der Shin erhebt sich Cináed lächelnd. "Du weißt, dass du jederzeit zu mir kommen kannst", erklärt er freundlich, dann deutet er hinüber zur Tür. "Komm, lass uns hinuntergehen und etwas frühstücken, wenn du magst. Rhona sollte mittlerweile alles vorbereitet haben. Der Elb geleitet die Magierin aus dem Zimmer heraus. "Anschließend kann ich dich in die Stadt bringen, wenn du magst", bietet er an. "Es gibt ohnehin ein paar Geschäfte, die ich dort zu erledigen habe." Gemächlich führt er die Shin den Gang entlang, die Treppe hinunter und in die Küche des großen Herrenhauses, von wo es bereits verführerisch nach frischem Tee und heißen semmeln duftet.
"Who's Zed?" "Zed's dead, baby. Zed's dead." (Quentin Tarantino, Pulp Fiction)

Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von »Cinaed« (29. Januar 2014, 20:52)


Atevora

unregistriert

144

Sonntag, 2. Februar 2014, 14:23

Von Cinaeds eigenen Gedanken und Sorgen bemerkt Atevora nichts, denn er zeigt sie ihr nicht und erzählt ihr nicht davon. Sie selbst hat sich allerdings zugegebener Maßen ebenfalls bereits oft genug gefragt wie es wohl sein muss ewig zu leben, während man selbst von so viel Vergänglichkeit umgeben ist. Für eine Person wie sie wäre es vermutlich kein Problem und leicht zu ertragen, denn ihr Herz hängt an niemanden derartig und sie vermisst nicht in dieser Weise wie es zum Beispiel Cinaed tut. Trotz dessen dem Elb sein Herz so schwer ist, lächelt er. Dann steht er auf und verweist zur Tür. "Komm, lass uns hinuntergehen und etwas frühstücken.“ Der Vorschlag klingt hervorragend, natürlich ist sie damit sofort einverstanden und erhebt sich ebenfalls. Immer höflicher Gentleman öffnet der Gutsbesitzer die Tür und lässt der Magierin den Vortritt, und während er ihr aus dem Zimmer nachfolgt und sich mit einem größeren Schritt bereits wieder neben der Magierin befindet um sie zu geleitenb bietet er ihr an, sie in die Stadt zu begleiten, das heißt natürlich nur wenn sie das möchte. „Ja, das würde mir wirklich sehr gefallen.“ Und wie! Sie könnte die Zeit nutzen um mehr über Cinaed zu erfahren, denn im Grunde, bis auf das was sie zu beobachten vermag und das was er ihr vorlebt, weiß sie nichts über den Mann. Wie alt ist er? Wie war seine Jugend und sein Leben in den Elbenlanden, von wo kommt er? Wie ist sein richtiger name - Cinaed hört sich nämlich eindeutig nicht sonderlich elbisch an - was speist er am liebsten, welche Farben und Düfte gefallen ihm am Besten, welche ist seine liebste Jahreszeit? Kurz: Womit kann sie ihn erfreuen und sein Wohlergehen fördern? Diese Mittel zu kennen erscheinen ihr als notwendig, denn nur so kann sie auf längere Zeit sicherstellen, dass er ihr nützlich sein kann, oder nützlich bleibt. Mit morgendlichen Überfällen funktioniert das sicher nicht, soviel steht fest, doch daran denkt sie nicht. Es ist ein Momentaneffekt, doch er, also ihr Freund, hat es ihr schließlich frei angeboten, dass sie es jederzeit so handhaben kann, also warum sollte sie es nicht nutzen wenn sie es benötigt und für sich haben möchte? Er weiß, dass sie ihn braucht, er versteht sie, und das imponiert ihr ungemein. „Denkst du Rhona hat wieder einige dieser köstlichen Milchbrote gebacken und ich könnte welche davon haben?“

Gemeinsam betreten sie die Küche, in der es wie auch schon beim letzten Mal verführerisch nach frischem Gebäck duftet. Der Tisch ist bereits großteils gedeckt und Käse und Butter stehen gereihtneben Honig und Marmelade in der Mitte der großen Holzfläche. In der Küche selbst steht Rhona zusammen mit weiteren Mägden, die behilflich sind das Frühstück anzurichten. Sofort späht die Herrscherin des Refugiums zu Hausherren und den unerwarteten Gast herüber, und ihr Blick kann bestenfalls als Skeptisch bezeichnet werden. Auch die Unterhaltung zwischen den übrigen anwesenden Stoppt und sie halten mit der Beiden Ankunft kurz mit ihrer Tätigkeit inne, und sehen zu ihnen hinüber. Ob sie auch so reagieren würden, wenn sie jemand anderes wäre? Oder liegt es daran wie sie ihre Anhunft am Hof gestaltet hat? Eines ist sicher, so ein Verhalten ihr gegenüber ist der Magierin immer unangenehm, und vor einigen Jahren noch hätte sie ihre Mauer hochgestellt und verstockt, ablehnend bis herablassend reagiert, doch inzwischen ist sie weit reifer geworden und hat viel hinzugelernt. Sie zeigt ein freundliches Lächeln und wünscht den Anwesenden einen Guten Morgen.

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Donnerstag, 6. März 2014, 15:12

"Sicher", antwortet Cináed der Magierin mit einem Lächeln. Die Milchbrötchen gehören bei dem allmorgentlichen Frühstück auf Glyn-y-Defaid einfach dazu und Rhona macht grundsätzlich immer mehr als genug - beispielsweise für den kleinen Hunger zwischendurch - Lady Shin ein paar der Brötchen mit auf den Heimweg zu geben, würde daher gewiss kein Problem darstellen.
Das kleine Anliegen der Shin löst das Schweigen am Frühstückstisch auch sehr rasch und schon bald ist die Küche wieder mit morgendlichem Geschnatter erfüllt, wobei sich sehr gut erkennen lässt, welcher der Hofbewohner eher zu den mundfaulen Morgenmuffeln gezählt werden muss und welcher nicht. Cináed scheint jedenfalls mehr zu der letzten Kategorie zu tendieren, denn er erzählt der Magierin bereitwillig, was an diesem Tag alles an Arbeiten auf ihn wartet - von Stall- und Feldarbeit bishin zu Schreibkram ist von allem etwas dabei wie es scheint. Auf diese Weise vergeht das Morgenmahl quasi wie im Fluge und schon bald leert sich die Küche, weil jeder sich daranmacht, seiner täglichen Arbeit nachzukommen.

Liam und Emrys verlassen die Küche in Richtung Stallungen, Owyn begibt sich hinüber ins Schlachthaus, Mair verschwindet in der Waschküche, Nara geht hinauf in Cináeds Kammer um dessen Kammer zu richten und schmutzige Laken zu wechseln, Úna läuft zum Hühnerstall und Gwyn sieht nach den Schweinen. Nur Rhona bleibt mit Cináed und Lady Shin in der Küche zurück, wo sie sich daran macht den Tisch abzudecken und den Abwasch in Angriff zu nehmen, nachdem sie der Magierin einen kleinen Korb mit frischen Milchbrötchen und Rosinensemmeln in die schneeweißen kleinen Hände gedrückt hat, was Cináed mit einem stillen Schmunzeln quittiert hat.
"Dann wollen wir mal", erklärt er der Magierin und geleitet sie galant zum Hof hinaus. "Ich muss wie gesagt mit dem Wagen in die Stadt. Ein paar Besorgungen erledigen." Der Elb führt die Shin zu dem Pferdegespann hinüber, welches Liam schon für ihn bereitgestellt hat und hilft der Magierin auf den Kutschbock hinauf. "Ich werde dich vor deinem Haus absetzen, oder wo auch immer du an diesem Morgen als nächstes sein musst", erklärt er lächelnd und lenkt das Gespann vom Hof.

Schon bald befinden sie sich auf der Südstraße und bewegen sich in flottem Tempo der Stadt entgegen. Die Morgenluft ist frisch und klar und nur ein paar Bauern kreuzen zu dieser Stunde schon von Zeit zu Zeit ihren Weg. Cináed erzählt noch etwas von seinen Vorhabungen für diesen Tag, gibt bereitwillig über seine Pläne in der Stadt Auskunft und erkundigt sich nebenher höflich danach, was die Magierin an diesem Tag noch so alles zu erledigen gedenkt. Schneller als gedacht, haben sie auf diese Weise ihr Ziel erreicht. Cináed setzt die Magierin ab, hebt den kleinen Korb für sie vom Kutschbock herab und verabschiedet sich anschließend, um seinen Weg alleine fortzusetzen. Seine Besorgungen würden eine Weile dauern, doch er hofft, gegen Mittag wieder nach Glyn-y-Defaid zurückkehren zu können.
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Samstag, 19. Juli 2014, 20:38

~ Im Gutshaus ~
Ende Sonnenthron 514

Erschöpft steigt Cináed auf dem Weg zu seinem Schlafgemach die Treppe hinauf. Wieder einmal liegt ein langer und harter Arbeitstag hinter ihm und seinem Gesinde. Das Sommerfest steht kurz bevor und selbstverständlich trägt Glyn-y-Defaid seinen Teil dazu bei. Das große Festbankett entsteht schließlich nicht aus dem Nichts, nein, viele fleißige Hände sorgen eifrig (und schon Siebentage vorher) dafür, dass die zahlreichen Festbesucher, welche von nah und fern herbeiströmen, nach Herzenslust schlemmen können: Schafs- und Ziegenkäse beispielsweise, den Rhona eigens für diesen Anlass vorbereitet hat - nach alten, strenggeheimen Familienrezepturen und verfeinert mit frischen Kräutern aus dem hofeigenen Kräuter- und Gemüsegarten. Aber auch Geschlachtetes steuert der Hof für den Festschmaus bei: gestopfte Würste und geräucherte Schinken, feine Leberwurst für Pasteten und zartes Kaninchen. Das Geflügel wird in diesem Jahr vor dem Schlachtbeil verschont, zumindest vorerst, und muss lediglich seine Eier für die Zubereitung köstlicher Kuchen und sonstigem Gebäcks hergeben.

Cináed gähnt müde, als er seine Kammer betritt. Erschöpft zieht er die Tür hinter sich zu, entkleidet sich und wäscht sich anschließend noch rasch das Gesicht, bevor er sich kraftlos auf seine Bettstatt sinken lässt. Doch obwohl er unendlich müde ist und dringend der nächtlichen Ruhe bedarf, will es ihm einfach nicht gelingen in Trance zu versinken - zu viele Gedanken spuken ihm im Kopf herum: Vorratslisten, anstehende Reparaturarbeiten, notwendige Investitionen und Ausgaben. Seit einiger Zeit schon denkt der Gutsbesitzer zum Beispiel darüber nach neue Pferde anzuschaffen. Hauptsächlich kräftige Arbeitstiere, aber auch an ein oder zwei Reitpferde, die auch für die Jagd geeignet sind, überlegt er möglicherweise zu erwerben. Aus diesem Grund hat er sich vorgenommen auf jeden Fall das Shenrahrennen zu verfolgen. Viele Züchter werden Tiere ins Rennen schicken, sicher auch der Waldhof, und Cináed ist gespannt zu sehen wie gut Ieras Pferde wirklich sind. Durch die gemeinsame magische Ausbildung fühlt sich Cináed dem jungen Pferdezüchter und seiner Familie sehr eng verbunden, doch bevor er sich zu einem Kauf entschließt, will er die sich bietende Gelegenheit nicht ungenutzt verstreichen lassen. Lächelnd schließt der Gutsbesitzer die Augen und gleitet endlich in eine erholsame Trance hinüber.
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Mittwoch, 11. November 2015, 18:09

~ Der Fluss der Zeit ~
Beerenreif 514 bis heute

Nachdem das Sommerfest vorüber ist, hält auf Glyn-y-Defaid wieder der Alltag Einzug. Die Bewohner des Gutshofes gehen ihren alltäglichen Aufgaben und Pflichten nach, kümmern sich um das Einbringen der Ernte und bereiten sich auf den bevorstehenden Winter vor. Cináed ist so beschäftigt, dass ihn sein Weg immer seltener in die Stadt führt. Stattdessen schickt er immer öfter Emrys oder auch Liam, wenn es in Talyra irgendetwas zu erledigen gibt und zieht es vor der Stadt selber fern zu bleiben. Selbst seine regelmäßigen Ausflüge in die Goldene Harfe werden immer seltener bis er sie schließlich gänzlich aufgibt.
Die gewonnene Zeit verbringt der Elb fortan immer häufiger in Krötenhügel, einem kleinen Weiler nicht weit von Glyn-y-Defaid. Da die wenigen Familien, die in Krötenhügel ansäßig sind, quasi Cináeds nächste unmittelbare Nachbarn sind fühlt der Gutsbesitzer sich ihnen irgendwie verpflichtet und unterstützt sie wann immer es ihm möglich ist. Seit Catrionas Tod spinnen mehrere Frauen des Weilers daher für ihn Wolle – eine Vereinbarung, die sich längst für alle Beteiligten als äußerst vorteilhaft erwiesen hat. Über den Kurs von nunmehr bald zwei Wintern haben sich die Beziehungen zwischen den Gutsbewohnern und den Leuten des Weilers immer mehr verwoben und verfestigt... so sehr, dass es möglicherweise schon bald endlich wieder eine Hochzeit auf Glyn-y-Defaid geben wird – doch dazu an späterer Stelle mehr.

Doch zunächst einmal stellen sich Cináed und sein Gesinde den Unbilden und Schrecken des Winters. Der Gutsbesitzer nutzt die Zeit um seine magischen Studien, welche er über den Kurs des Sommers hinweg stark vernachlässigt hatte, wieder aufzunehmen. Es wird immer deutlicher, dass er in absehbarer Zeit eine entgültige Entscheidung wird treffen müssen, welchen weiteren Weg er einschlagen will – den des gelehrten Magiers oder jenen des einfachen Zauberers. Eine Entscheidung, die Cináed nicht leicht fällt. Immer öfter stellt er fest, dass das Leben auf Glyn-y-Defaid sich verändert hat. Úna und Gwyn sind längst schon keine kleinen Kinder mehr und es stellt sich die Frage ob und wie lange sie noch auf dem Hof leben werden. Doch nicht nur das. Nicht nur Emrys, nein, auch Liam, Nara und Mair stehen vor ähnlichen Entscheidungen. Der Fluss der Zeit steht für nichts und niemanden still. Er trägt die Gedanken an Heirat und Kinder mit sich und bringt Veränderung und Wandel...
Cináed seufzt. Egal was geschieht und ganz gleich welche Entscheidungen Úna und Gwyn, Emrys und Liam, Nara und Mair auch treffen werden, das Leben auf Glyn-y-Defaid wird schon bald nicht mehr das Alte sein. Und während der Shida'ya am prasselnden Kaminfeuer sitzt und in die Flammen starrt, fragt er sich was er tun soll. Tatsächlich ist ihm mittlerweile schon mehr als einmal der Gedanke gekommen den Hof gänzlich in Owyns fähige Hände zu geben, beispielsweise um sich stattdessen vollständig seinen magischen Studien widmen zu können. Oder um für eine Weile in die Elbenlande zurückzukehren und seine Familie zu besuchen, denn Cináed muss sich ehrlich eingestehen, dass er das grüne Tal von Erryn und natürlich seine Familie gerne einmal wieder sehen würde. Nicht nur Nôrnar und seinen Halbbruder Amrie'lior, nein, auch seine Eltern – Riakhor und Phidaê.

Doch bevor der Shida'ya dazu kommt eine entgültige Entscheidung zu treffen, nimmt das Leben auf dem Hof und in Talyra einmal mehr eine ungeahnte Wendung. Als Azra Blutaxt Ende Eisfrost plötzlich auf mysteriöse Weise spurlos verschwindet, bekommt man davon draußen auf Glyn-y-Defaid zwar zunächst einmal nicht viel mit, doch irgendwann erreicht die traurige Kunde schließlich doch noch auch das Tal der Schafe. Das Gesinde ist verstört und überrascht. Die wildesten Gerüchte scheinen die Runde zu machen. Als Fischer schließlich Mitte Taumond den Mantel der Harfenwirtin aus dem Ildorel ziehen sind alle Bewohner des Gutes sichtlich betroffen. Wie fast alle seines Gesindes stimmt Cináed mit der Annahme überein, dass die bei allen so beliebte Harfenwirtin offenbar ertrunken ist. Lediglich Nara (und insgeheim auch Mair) halten weiterhin daran fest, dass Azra lediglich verschwunden, aber irgendwo – wer-weiß-wo – noch am Leben ist.
Die Goldene Harfe schließt ihre Tore. Das Leben in Talyra ist zu diesem Zeitpunkt längst nicht mehr das Selbe, aber es geht weiter. Irgendwie, wenn auch anders. Vor allem Reisende haben es dieser Tage schwer. Immer öfter hört man von Überfällen und sonstigen kleinen Verbrechen im Umland, aber auch in der Stadt selber scheinen sich die Vorfälle zu häufen. An den Bewohnern von Glyn-y-Defaid und Krötenhügel geht diese Entwicklung nicht spurlos vorüber. Man wird vorsichtiger, wachsamer – und misstrauischer. Zwar hält man das Gastrecht nach wie vor hoch in Ehren, doch gleichzeitig ist man stets auf der Hut, wenn Fremde auf den Hof kommen.

Die Unbeschwertheit der vergangenen Götterläufe scheint mit einem Schlag dahin. Es ist überall spürbar. Ohne die Beteiligung der Harfe fällt das Inarifest in diesem Jahr recht mager aus. Ja, selbst die Feststimmung scheint nicht die Selbe zu sein. Doch der Fluss der Zeit steht für nichts und niemanden still und das Leben geht trotz allem weiter. Gwyn ergattert an Inari seinen allerersten richtigen Kuss, Nara verlobt sich und Emrys gibt seine Hochzeitspläne bekannt. Eine riesige Welle der Erleichterung schwappt durch Talyra, als Azra Blutaxt schließlich von den Totgeglaubten zurückkehrt und die Goldene Harfe Ende Sonnenthron ihre Pforten unter Hallas Führung wieder öffnet.
Bald schon neigt sich ein weiteres Jahr dem Ende entgegen. Einmal mehr wird auf Glyn-y-Deafid die Ernte von den Feldern eingebracht und Vorbereitungen für den bevorstehenden Winter getroffen. Und Cináed? Cináed steht einmal mehr davor endlich weitreichende Entscheidungen treffen zu müssen. Gedankenverloren starrt er in das kleine Herdfeuer einer einfachen Kate. Der Raum, eine schlichte einzelne Kammer, bersteht lediglich aus Kochstelle, Wohnnische und Schlafstatt. Ein Spinnrad und ein gewöhnlicher Webstuhl sind die einzigen größeren Besitztümer, die sich dem geneigten Beobachter auf den ersten Blick offenbaren. Eine schlanke Hand legt sich von hinten auf die rechte Schulter des Schafzüchters. "Wollt Ihr die Nacht hier verbringen, min Herr?", erkundigt sich die klare Stimme einer Frau, deren Gestalt dem Blick völlig durch die Schatten in der Kammer verborgen bleibt...

Die geheime Kate »
"Who's Zed?" "Zed's dead, baby. Zed's dead." (Quentin Tarantino, Pulp Fiction)

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Mittwoch, 2. Dezember 2015, 20:15

« Die geheime Kate
~ Abschied ~
Mitte Nebelfrost 515

Was soll ich mich rackern?
Was soll ich mich mühen?
Für welche Heimat?
Ich wäre doch längst gegangen,
doch Abschied fällt immer schwer.

So schwelge ich in Träumen,
dumm wie ich bin,
denn wenn ich es recht betrachte,
bin ich taub und blind.
Wer sonst würde sich rackern, sich mühen,
wenn er doch Erkenntnis und Wahrheit kennt?

Es sind kalte Tage dieser Zeiten,
ohne Heimat und Rast und Ruh',
ohne einen Platz zum Atmen,
in diesen Zeiten,
da man das Glück suchen muss,
da man das Glück sich denken muss*

Während Cináed im Dickicht des Larisgrüns verschwindet ist ihm die ganze Zeit über als würde ihn jemand beobachten. Ja, er vermeint den Blick des Beobachters—oder der Beobachterin?—geradezu physisch spüren zu können und muss ein oder zweimal den unerklärlichen Wunsch unterdrücken über die Schulter zurückzublicken. Das merkwürdige Gefühl verschwindet jedoch schon bald wieder. Der Wald verschluckt ihn. Seine Schritte rascheln durch das Laub, trockene Äste brechen knackend unter seinen Füßen. Der Elb macht sich nicht die Mühe lautlos durchs Unterholz zu laufen. Und warum auch? Es ist ein kalter—eisiger—Morgen. Die Sonne scheint durch die immer kahler werdenden Baumwipfel zu ihm herab und der Geruch des Waldes ist angenehm intensiv. Es riecht feucht, erdig, nach Blättern, Tannen- und Kiefernnadeln, nach Moos und Pilzen.

Als Cináed schließlich die äußeren Ränder von Glyn-y-Defaid erreicht bleibt er eine Weile stumm stehen und betrachtet die sich vor ihm ausbreitenden Ländereien lange. Dies alles ist sein Leben. Seit vielen, vielen Jahren schon. Nôrnar hatte ihm später erzählt wie Calait ihr erklärt hatte, weshalb er nicht mit ihr in die Elbenlande zurückkehren wolle. Jetzt erinnert er sich an diese Worte. Wenn ich das richtig verstanden habe, hatte Calait seiner Schwester erklärt, möchte er hier bleiben, und du verstehst nicht warum? Ganz einfach: Wegen dem hier. Wie Calait und Nôrnar damals so schaut Cináed sich heute um. Sein Blick schweift hinüber zu Haus und Hof, welche sich in der Ferne abzeichnen, den umliegenden Feldern, Wiesen und Weiden und zurück zum nahen Waldrand. Weil das hier seine Heimat ist. Sein Land. Sein Haus. Seine Menschen, hört er Calaits Worte in seinem Kopf. So selbstsicher, so selbstverständlich wie eben nur Calait etwas sagen kann. Er lebt hier seit über hundert Jahren und möglicherweise war Tara am Anfang der einzige Grund, warum er hierbleiben wollte. Aber Tara ist seit bald zehn Jahren nicht mehr und er will trotzdem nicht weg. Weil er sein Herz nicht nur an Tara verloren hat, sondern auch an diesen Hof, an dieses Land, diese Stadt und diese verflixten Schafe. Was du Heimat nennst, sind für ihn schöne und bestimmt auch kostbare Erinnerungen, aber eben nur noch Erinnerungen. Hier ist sein Leben. Hier lebt er. Damals hatten Calaits Wort der Wahrheit entsprochen... doch heute? Seither ist so viel geschehen, hat sich so viel verändert.

Und mit einem Mal ist Cináed sich nicht mehr so sicher. Seit über 100 Götterläufen lebt er nun schon hier, ja. Nie zuvor hat er den Wunsch verspürt fortzugehen. Nie. Nicht einmal. Bis jetzt. Die Erkenntnis lässt ihn erschaudern. Denn, wenn er ehrlich ist, so fragt er sich, was hält ihn noch hier? Die Menschen, die Ländereien, der Hof? Ja. Aber warum? Für wenn steht er jeden Morgen auf und arbeitet und schuftet bis die Sonne schon lange wieder versunken ist? Für sein Gesinde? Für sich? Nein. Für sie! WER auch immer sie sein mag. WO auch immer sie sein mag. Die Eine, die das Leben—sein Leben—wieder lebenswert macht. Mit einem Mal begreift der Shida'ya: Brogan wird nicht zurückkehren! Und plötzlich weiß Cináed, was er selber zu tun hat.
Entschlossen eilt er seinem Hof entgegen. Eine kleine Rauchwolke kräuselt sich am Himmel, dort wo der Rauch des Kamins aus dem Schornstein kriecht. Das Tagwerk auf Glyn-y-Defaid hat längst ohne ihn begonnen. Rhona steht vermutlich in der Küche, während Nara und Mair mit der Wäsche zugange sind und Owyn, Emrys und Liam in den Ställen zu tun haben. Cináed lächelt. Er wird sich keine Sorgen machen müssen. Das Leben auf Glyn-y-Defaid wird auch ohne ihn weitergehen. Und das Tal der Schafe wird auf ihn warten. Talyra wird auf ihn warten. Bis zu seiner Rückkehr. Irgendwann.

Die nächsten Siebentage ist der Shida'ya sehr beschäftigt. Er spricht zu kaum jemandem. Lässt niemanden an seinen Plänen teilhaben. Sein Gesinde wundert sich, hört aber irgendwann auf Fragen zu stellen. Sie kennen den Gutsbesitzer. Er würde schon mit ihnen sprechen, wenn es an der Zeit ist. Und das tut er schließlich auch.
Es ist ein merkwürdiger Abschied. Weder Owyn noch Rhona noch sonst jemand außer Cináed selbst können verstehen, weshalb der Elb ausgerecht jetzt gehen muss. Jetzt, wo der Winter unmittelbar vor der Tür steht. Der Shida'ya ist gar nicht wiederzuerkennen. Aber er lässt sich nicht abhalten. Er hat alles geregelt. Sogar in der Stadthalle ist er gewesen um Owyn für die Zeit seiner Abwesenheit samtliche Rechte und Befugnisse amtlich übertragen. Selbst Anweisungen für den Fall, dass er gar nicht mehr zurückkehrt hat er hinterlassen. An alles hat er gedacht, für jeden gesorgt. Sogar Empfehlungsschreiben hat er verfasst, für den Fall das Emrys, Liam, Nara, Mair und Gwyn ihr Glück auf anderen Höfen suchen wollen. Finanzielle Sicherheiten lässt er ihnen ebenfalls zukommen. Ganz zum Schluss überreicht er Emrys noch ein kleines gut verschnürtes Paket. “Zur Hochzeit”, erklärt er mit einem Lächeln.

Dann geht Cináed. Einfach so. Die graue Stute, die er sanft am Zügel vom Hof führt, schnaubt leise. Der Gutsbesitzer hat das Tier einem Händler aus Brioca abgeschwatzt. Der Mann war vermutlich froh noch ein paar Münzen für das Tier bekommen zu haben. Es ist gewöhnlich—in jeder Hinsicht. Weder besonders alt noch besonders jung. Weder besonders schön noch besonders hässlich. Weder besonders sanftmütig noch besonders wild. Weder besonders stark und schnell noch besonders schwach und lahm. Es wird genügen bis sich ein besseres Reittier findet. Und solange reicht es den Ansprüchen des Gutsbesitzers vollauf. Als er schließlich außer Sichtweite des Hofes ist, führt Cináed die Stute ins Larisgrün hinein. Es gibt noch etwas, was er erledigen muss bevor er gehen kann.

Die geheime Kate »

_________________
*Lantlôs, Kalte Tage
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Lyall

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Wohnort: Anwesen de Winter

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Donnerstag, 31. März 2016, 20:10

~ Ende Eisfrost 516 ~


In Tönen von schwarz, grau und unendlich viel Weiß liegt der Wald zu ihrer Rechten und auch der hartgefrorene Boden unter ihren Stiefeln ist mit einer dicken Schneeschicht überzogen. Der Winter hat sich wie ein sagenhaftes Wesen über die umliegenden Hügel gelegt, beraubt das Land seiner Farben, Gerüche, dämpft alle Geräusche und saugt die Wärme aus der Erde und aus den Gebeinen der Menschen. Immer wieder pustet die Wargin in ihre kalten Hände, um zumindest etwas Leben und damit auch Wärme in ihre steifen Finger zurückkehren zu lassen und zieht den Umhang fester um sich. Immerhin sind ihre Füße warm, dank der dicken Wollsocken, die sie von Avila geschenkt bekommen hatte. Die Großmagd hatte sie, wie es der Zufall so will, aus der Wolle von Schafen Glyn-y-Defaids gestrickt.

Fast zwei Stunden ist sie nun unterwegs zum Schafhof außerhalb der südlichen Mauern Talyras. Gut verstaut unter ihrer wärmenden Fellweste knistert leise ein Brief ihrer Herrin an den Hausherren von Glyn-y-Defaid vor sich hin, während Lyall gedankenverloren den Bauernpfad entlang trottet. Mit einem Fuß in der tief eingefahrenen Karrenspur des Weges und den anderen in der erhöhten Mitte absetzend sieht es von fern aus, als würde sie sehr stark humpeln und nur mühsam voran kommen. Tief in ihre Gedanken versunken achtet sie nicht weiter auf die Beschaffenheit des Untergrundes, auf dem sie läuft und so kann sie nicht verhindern das ein oder andere Mal zu stolpern. Auf den Weg selbst muss sie nicht achten, diesen ist sie schon so oft in den letzten Zwölfmonden für Botengänge oder ähnliches abgegangen. Obwohl ihr alles sehr vertraut ist, ist etwas am heutigen Tag anders. Sie geht mit einem eigenen Anliegen nach Glyn-y-Defaid. Es ist ein Anliegen, welches sie nie laut aussprechen würde, sondern eher ein Gedanke, ein Gefühl über das sie sich versuchen will klar zu werden.

Die letzten Monde hatte sie Aneirin des Öfteren getroffen und seine Erscheinung hatte etwas in ihr geweckt, von dem sie selbst nicht versteht, was es genau ist und wohin sie diese Gedanken einordnen soll. Immer wieder sind ihr Parallelen zu Situationen mit Cináed in den Sinn gekommen oder sie hatte sich an sein Gesichtsausdruck und seine Stimme erinnert gefühlt. Warum passierte dies? Warum kommt er ihr genau jetzt in den Sinn?
Lange schon hatte sie Cináed nicht mehr aus der Nähe gesehen, wickelt doch ihre Herrin jegliche Angelegenheiten persönlich mit ihm ab. Und selbst wenn die Wargin in seiner Nähe gewesen war, so ergriff sie immer dieses nervöse, fast schon harntreibende Gefühl der Aufregung, und völlig kopflos hatte sie so gut wie keinen Ton herausbekommen, sollte er sie doch unerwarteterweise ansprechen. Ihm in die grünen Augen zu sehen, die wie dunkle Eisfeuerjuwelen glänzten, hatte sie nur zwei oder drei Male geschafft und dies auch nie für lange Zeit.
Trübsinnig kickt sie einen gefrorenen Pferdeapfel zur Seite und seufzt, sodass eine kleine Wolke vor ihrem Gesicht erscheint, die jedoch gleich wieder vom Winterwind zerrissen wird. Warum nur kreisten ihre Gedanken neuerdings so oft um den Herren der Schafe? Seine Augen? Sein Lächeln? Es ist lange her, seit ich ihn das letzte Mal gesehen habe. Ob ich mich überhaupt richtig erinnere? Oder nicht doch etwas vermische oder hinzufantasiere? Das erste Mal hatte sie ihn am Blumenball näher kennen gelernt und ihn nicht auch nur ein paar Herzschläge lang ansehen können. Wie er die Hofeinfahrt hinunter geschritten war, so groß und erhaben. Und ich hatte nichts besseres zu tun, als ihm beim Tanzen auf die Füße zu treten, vor mich hinzustammeln und ihm auch noch das Feuerwerk zu verderben. Er schien danach nicht... verärgert... aber irgendwie traurig. Später hat er sich von mir fern gehalten und ist kurz darauf abgereist. Erneut seufzt sie laut und blickt auf das schneebedeckte Umland vor sich. Bald wird sie den Schafhof erreichen, nur noch zwei Biegungen in der Straße trennen sie von ihrem Zielort.
Was denkst du, was du finden wirst?, grübelt sie verdrossen und zuckt kurz darauf mit den Schultern. Sie hofft die Antwort auf den Umstand, dass ihre Gedanken immer wieder um den Schafzüchter kreisen, würde irgendwo dort auf dem Hof zu finden sein. Bei ihm. In seinen Augen. Ihr Herz würde wissen, was das alles zu bedeuten hat. Oder nicht? Und vor allem, warum mein Herz? Soll es bedeuten, dass dort irgendwo Liebe im Spiel ist? Ist es das, was sie so aufbringt neuerdings? Musste man den vom Herzen Favorisierten nicht öfter sehen? Sich an ihn gewöhnen? Und ist dieses Gefühl... Liebe... nicht irgendwie... anders? Oder kann es einen doch einfach so treffen? Aus heiterem Himmel? Wie ein plötzliches Sommergewitter am sonst so strahlend blau wirkenden Firmament?

Während sie still vor sich hingeht, flache Stiefelabdrücke im Schnee hinterlassend, wandern ihre Gedanken wieder zu vergangenen Zeiten auf dem Schafhof. Oft gesehen hatte sie ihn dort nie, ist er doch ein vielbeschäftigter Mann. Schließlich führt er den Hof ganz allein und hat die volle Verantwortung dafür, auch wenn Knechte und Mägde ihm zur Hand gehen. Wenn er zugegen war, hatte er immer sehr freundlich mit ihr gesprochen, sich nach ihrem Befinden erkundigt und … fertig. Entschuldigung, aber was erwartest du bitte? Wenn du ihn siehst, stirbst du fast vor Scham, bekommst keinen Ton heraus und wirst rot, dass es schon mehr als peinlich ist. Wer will sich dann noch mit dir länger unterhalten? Und was bitte hast du auch zu sagen? Er ist ein stattlicher Elb, groß, imposant, schön... und du? Du bist ein Mensch-Wolf, der auf einen Schafhof geht, mit seltsamen Gedanken im Kopf...
Grimmig zieht sie ihre Augenbrauen zusammen, leicht erzürnt von der Wahrheit in ihren eigenen Gedankenfetzen. „Na und?“, sagt sie laut in die Stille hinein und scheucht ein paar Vögel aus den umliegenden Baumgerippen auf, die wild aufflatternd davonfliegen. „Schließlich bin ich gekommen, um herauszufinden, was das alles bedeutet!“, sagt sie trotzig zu sich selbst, beschleunigt ihren Schritt dabei und wirkt bei ihrem Vorwärtsmarsch unfreiwillig wie ein eingeschnappt daherstapfendes Kind. Ich werde es schon herausfinden. Vielleicht sehe ich in seine Augen und... sehe, dass dort nichts ist. Nichts von alledem, was mein Hirn mir vorspinnt. Freundlich war er immer, aber auch... irgendwie kühl... Da fällt ihr auch die Sache mit diesem Bengel Uio und diesem Hexer wieder ein. Vielleicht nimmt er genau diesen Umstand als Anlass, sich distanziert zu halten. Er mochte Uio und wollte damals das Beste für ihn, schließlich hatte er ihn auf das Anwesen de Winter losgelassen. Und auch der Hexer hatte mit ihm in seinem eigenen Haus das Brot gebrochen... Verurteilte er sie wegen dem Gerichtsprozess und ihrer offensichtlichen Abneigung gegen diesen Jungen? Wusste er überhaupt davon? Natürlich, weiß er davon. So gut wie ganz Talyra hat es damals mitbekommen! An diesen unsäglichen Tag und die Ereignisse, die zu der Verhandlung geführt haben, möchte sie jetzt nicht denken.
Nun... dann mochte er sie eben nicht. Davon geht Roha auch nicht unter. Und überhaupt tut sie ja so, als würde er sie als potentielle Braut verschmähen können. Dabei will sie doch nur wissen, was er da in ihr ausgelöst hat. Oder Aneirin, oder wer auch immer. Aber trotzdem ist ihr Herz verdächtig schwer, als sie in Sichtweite des Anwesens gelangt.

Idyllisch liegt das Tal der Schafe vor ihr und wirkt auf Lyall wie eine Kohlezeichnung, ganz in den Farben Weiß, Grau und Schwarz gehalten. Einen Augenblick bleibt sie stehen und beobachtet den Hof aus der Ferne. Nichts regt sich, doch aus dem Schornstein kräuselt sich ein dünner Rauchfaden empor und sie meint ein geschäftiges Hämmern aus dem hinteren Teil des Hofes vernehmen zu können. Ihre Schultern straffend, setzt sie sich wieder in Bewegung und versucht sich selbst gut zuzureden, während sie doch wieder mit jedem Schritt und Gedanken an Cináed immer aufgeregter wird. Stumm und regungslos sehen ihr die Löwen auf den Säulen vor ihr dabei zu, wie sie fast schon zu aufrecht über die kleine Brücke läuft, den Torbogen durchquert und auf den Hof des Anwesens hinaustritt.
Hier liegt der Schnee nur als dünne, fast schon durchscheinende Schicht auf dem Boden und nur in ein paar Winkeln direkt an den Häusern türmt er sich noch zu größeren Verwehungen. Emrys hatte sein Bestes getan, die Zufahrt sowie den Hof selbst Schnee- und damit auch Eisfrei zu halten. Ihr Blick fällt schließlich auf den Blutbaum, der sich zu dieser Jahreszeit kahl und mahnend, erhobenen Fingern gleich, dem Himmel entgegenstreckt. Aus den Stallungen kann sie leises Blöken und das rascheln von kleinen Hufen im Stroh hören, als sie sich weiter in die Mitte des Hofes begibt. Auch das konstant anhaltende Hämmern kommt aus dieser Richtung. Langsam zieht sie ihre Kapuze vom Kopf und sieht sich weiter um. Kein Mensch ist auf dem Hof und auch die Katzen, von denen immer mindestens Eine irgendwo zu sehen ist, halten sich heute wohl in den wärmeren Teilen des Anwesens auf. Tief atmet sie durch, setzt sich wieder in Bewegung, um zum Herrenhaus zu gelangen, welches weiter hinten auf dem Gut zu finden ist und wappnet sich schon Innerlich gegen eventuelle Scham-Anfälle, die sie garantiert in Gegenwart des Hausherren ereilen werden, da tritt Rhona aus dem Trakt, in der sich die Waschküche befindet, hervor.
Leicht verdattert und aus ihren Gedanken gerissen stoppt die Wargin. Rhona hat sie jedoch schon erblickt und kommt lächelnd auf sie zu. Auch Lyall erwidert das Lächeln und läuft der Großmagd entgegen. Einen schweren Weidenkorb, voll beladen mit frischen, weißen Leinentüchern trägt diese mit beiden Armen vor ihrem Bauch und setzt ihn ab, als sie die Wargin erreicht, um diese freundlich zu umarmen.
„Lyall! Schön dich zu sehen!“ Ihr Griff um den Brustkorb der Wargin wird kurz fester, dann jedoch trennen sich die beiden wieder. „Hallo, Rhona! Das kann ich nur zurück geben. Ich hoffe es geht dir, oder besser gesagt euch allen, gut?“ Kurz hört sich die Magd des Anwesens de Winter an, was die Großmagd vor ihr alles an Neuigkeiten zu berichten hat. Über die Schafe und sonstigen tierischen Bewohner, die Ausbesserungen an den Gebäuden und Zäunen, die im nasskalten Wetter gelitten hatten, und dass sie das Anwesen wieder auf Vordermann bringen wollen, da bald ihr Herr wieder heimkehren würde. Da zuckt Lyall überrascht zusammen, blinzelt Rhona kurz an und fragt: „Wie? Ist euer Herr, also Cináed, nicht da?“ Sacht schüttelt die Frau vor ihr mit dem Kopf und erwidert: „Ja, weißt du das denn nicht?“ Nun schüttelt die Wargin ihrerseits den Kopf und legt diesen fragend schief, was Rhona kichern lässt. „Er war in sûrmerischen Landen unterwegs. Musste persönliches sowie geschäftliches klären. Aber nun ist er auf dem Weg zurück. Ich dachte vielleicht hättest du es von deiner Herrin erfahren. Nicht? Ist alles in Ordnung, Lyall?“ Besorgt ziehen sich ihre Augenbrauen zusammen und mustert die Wargin aus leicht zusammengekniffenen Augen. „Wie? Was?“, stottert die Drachenländerin, die schon wieder in ihren eigenen Gedanken versunken ist. „Nein, nein... alles gut. Ich wusste davon nur nichts.“ Fast schon etwas zu hektisch hebt sie in einer abwehrenden Geste die Hände, was Rhona noch stutziger werden lässt.
„Nun, wenn du meinst,“, sagt diese nach ein paar Augenblicken, „aber was führt dich bei so einem Wetter hier her? Wolltest du etwa zu Cináed?“ Beim Klang des Namens aus dem Munde der Großmagd, steigt Lyall eine verräterische Röte ins Gesicht und so wendet sie dieses schnell ab und tut sehr beschäftigt, während sie nach dem Brief unter ihren vielen Kleidungsstücken angelt. Reiß dich doch zusammen! Er ist nicht da! Also kein Grund zur Panik! geht es ihr teils beruhigend, teils enttäuscht durch den Kopf. Sie hatte gehofft, wenn sie ihn sähe würde sie wissen, was ihr diese Grübeleien, Vergleiche und Gedankenspiele eingebrockt hatte und warum es ihr neuerdings so ergeht. Aneirin ist schuld! Er hat mich erinnert... Doch nun muss sie unverrichteter Dinge wieder abziehen. Nunja, fast.

„Hier, bitte.“ sagt sie und zieht den etwas zerknitterten Brief mit dem Siegel der de Winter-Familie hervor. Ihr Gesicht ist kaum noch schamesfarben und man könnte meinen, die leichte Röte auf ihren Wangen wäre der Kälte geschuldet. „Es ist ein Brief von meiner Herrin. Es geht darin um die Pacht der Weiden. Oder so. Ich sollte es abgeben. Du... kannst es deinem Herren ja geben, wenn er wieder zurück kommt.“ Rhona wischt ihre Finger an ihrer Schürze ab, nimmt den Brief entgegen, um ihn nur flüchtig anzusehen, bevor er in ihrer Kitteltasche verschwindet. „Ja natürlich. Ich werde ihm den Brief auf seinen Schreibtisch legen. Möchtest du noch kurz mit hereinkommen und dich etwas aufwärmen, bevor du wieder zurück nach Hause gehst?“ Einladend blickt sie Lyall an, doch diese verneint mit einem Kopfschütteln. „Das ist lieb, aber nein. Ich muss wieder zum Anwesen. Ich habe... etwas getrödelt auf dem Weg hier her. Man erwartet mich sicher schon wieder zurück.“ Die Großmagd spricht ihr Bedauern über diesen Umstand aus und presst der Wargin noch ein Versprechen ab, sie müsse doch bald wieder herkommen und mit ihr eine Tasse Tee trinken, während über Klatsch und Tratsch geplaudert wird. Nochmals umarmen sich beide Frauen und Rhona winkt der Wargin so lange hinterher, bis diese durch das Tor und hinter der nächsten Biegung verschwunden ist.
Dort bleibt die Wargin abrupt stehen und seufzt tief. Lady Aurian hätte ihr wirklich sagen können, dass Cináed nicht persönlich da ist. Und warum hätte sie mir das sagen sollen? Es hätte schließlich nichts gebracht. Ich sollte den Brief nur abgeben und das habe ich gemacht. Langsam setzt sie sich wieder in Bewegung, sauer auf sich, auf Aneirin und auf dieses komische Gefühlschaos in ihrem Inneren, dass sie die letzten Monde so konstant und hartnäckig begleitet. Auf was bin ich sauer? Ich habe nun nicht mehr oder weniger, als ich davor hatte. Alles ist wie immer. Es hat nicht sollen sein, also finde dich damit ab. Ihre eigenen Spuren im Schnee sind es, die sie wieder nach Talyra geleiten, während ihr Kopf sich wieder Grübeleien hingibt, die Lyall nicht schafft komplett zu unterbinden. Und ich habe nicht einmal gefragt, wann er zurückkehrt...
'Er, excuse me,' said the man as Nanny Ogg turned away, ' but what is that on your shoulders?'
'It's... a fur collar,' said Nanny.
'Excuse me, but i just saw it flick its tail.'
'Yes. I happen to believe in beauty without cruelty.'
~Terry Pratchett "Maskerade"~

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Mittwoch, 6. April 2016, 20:58

« Wenn einer eine Reise tut
~ Daheim... ~
...ist es doch am Schönsten


Anfang Taumond 516
»Home is the nicest word there is.«
(Laura Ingalls Wilder)

Statt in die Stadt zieht es Cináed heimwärts nach Glyn-y-Defaid kaum das er die ihm so vertrauten Landstriche des talyrischen Umlandes erreicht. Jeder Gedanke an dunkles Bier, den Kupferkessel oder die Harfe gerät in Vergessenheit, als das Larisgrün ihn zurück begrüßt und jeder Findling, jeder alte Baum 'Zuhause' zu sagen scheint. Und Cináed folgt ihrem Rat und reitet nach Hause, zu seinem Hof, seinem Gesinde und seinen Tieren, zu all jenen die ihn lieben und vermissen und um sein Wohl und seine gesunde Heimkehr sorgen.
Als er die Wegkreuzung nach Nachtschatten passiert lässt er seinen Rimmer schneller traben. Bald schon begrüßt ihn der vertraute Bauernpfad, der ins Tal der Schafe führt und er reitet seinem Ziel entgegen. Ein warmes Gefühl breitet sich in seiner Magengrube aus, eine wohltuende Mischung aus Vorfreude und Glück. Schon von weitem sieht er die gewaltige Toranlage zwischen den lichten Bäumen, an deren Zweigen gerade erst die ersten Frühlingsblätter zu sprießen beginnen. Die brüllenden Löwen auf den hohen Pilastersäulen lassen ihn mit ergebenem Blick passieren, als er entschlossen durch das Tor auf den Hofplatz reitet.

Als er die wieder die vertrauten Klänge hört und wohlbekannten Düfte riecht, die Glyn-y-Defaid ausmachen begreift der Elb endlich wie sehr er dies alles vermisst hat. Wie sehr er dies alles braucht. Die Siebentage und Monde auf der Straße und an fernen Orten haben ihm gut getan und seine Sicht auf vielerlei Dinge verändert oder erweitert, aber nun ist er wieder daheim. Dort wo er hingehört. Zuhause. Alles ist ruhig, niemand ist zu sehen. Seine Ankunft kommt völlig unerwartet, niemand rechnet mit seiner Rückkehr und alle gehen ihren Tätigkeiten nach wie jeden Tag. Cináed lächelt. Und dann lacht er, als Úna auftaucht und ihm mit einem Freudenschrei entgegenstürmt. Dann kommen Gwyn und Liam. Der Lärm lockt Nara und Mair aus dem Haus und Emrys aus den Ställen und schließlich kommt sogar Rhoana aus der Küche gelaufen und Owyn vom Feld geeilt. Alle umringen den Gutsbesitzer, überschütten ihn Umarmungen und Worten, mit Gelächter und Tränen der Freude und Cináed weiß gar nicht was er zuerst sagen und wen als erstes in den Arm nehmen soll. Unter Tränen erkennt er, nicht nur er hat den Hof vermisst, nein, ebensosehr wurde auch er vermisst.

Alle wie sie um ihn herumstehen lassen sie ihre Arbeiten liegen und stehen und führen ihn ins Haus, nachdem sie den Rimmer in den Stallungen untergebracht und sein Gepack abgeladen haben. Sie versammeln sich um den großen Tisch in der Küche, dem Herz von Glyn-y-Defaid. Rhona und Nara bereiten Essen vor, Mair schenkt frische Milch aus und deckt den Tisch, während Liam Bier aus dem Kellergewölbe holt und Owyn und Emyrs Cináed gemeinsam mit Úna und Gwyn am Gesellschaft leisten.
Es wird ein langer Abend und eine lange Nacht voller Geschichten und Erzählungen. Der Elb berichtet von seiner Reise, von den Städten und Orten die er gesehen hat, von den Leuten die ihm begegnet sind. Er erzählt ausführlich von seiner Zeit an der Zauberschule, den hohen Magistern und gelehrten Magiern. Schildert die Schönheit ihrer aller Heimat, aber auch die Strapazen und Unannehmlichkeiten des Winters. Und im Gegenzug berichten ihm die anderen von den Ereignissen in der Stadt, von Azra Blutaxt wundersamer Rückkehr und der wohlbehaltenen Heimkehr von Sire Lorcain und seiner Frau. Auch die alltäglichen Neuigkeiten lassen sie nicht aus. Lyalls Besuch lassen sie ebenso wenig aus wie das Schreiben von Aurian de Winter, die jüngsten Todesfälle und Geburten in Nachtschatten, Sarthesund, Pfeilbuckel, Schädelwacht, Heldenstein, Schattengrün und Krötenhügel. Am Ende raucht Cináed vor Neuigkeiten der Kopf und weiß gar nicht mehr von unten und oben ist von all dem vielen Bier, das sie getrunken, und dem köstlichen Essen, das sie gegessen haben.

Erschöpft fällt er irgendwann spät in der Nacht in die Kissen seine Bettes, atmet den vertrauten Duft von Feldblumen, Daunenfedern und Schafswolle ein und schließt zufrieden die Augen. Er ist so müde das er sich nicht einmal die Mühe gemacht hat sich vollständig zu entkleiden. Seine Stiefel stehen unten in der Küche neben der Türschwelle und sein Mantel hängt fein säuberlich am haken, doch alles andere trägt er nach wie vor am Leib. Gerade mal seine Hände und das Gesicht hat er sich gewaschen und die kleine Kerze auf dem Tischlein neben seinem Bett gelöscht, bevor er sich niedergelegt hat um in tiefer traumloser Trance zu versinken und erst weit nach Sonnenaufgang wieder zu erwachen.
In der Küche wartet bereits ein ausgiebiges Morgenmahl auf ihn über dem der verheißungsvolle Duft von frischgebrühtem Coféa hängt ein wunderbares Versprechen. Hungrig macht Cináed über Eier und Käse, frisches Brot und warme Milch her und verputzt anschließend zwei ganze Rosinenschnecken sowie ein paar eingelegte Früchte. Owyn kommt vom Feld herein und die beiden Männer gehen hinauf in die Schreibstube des Gutsbesitzers um die Bücher durchzugehen und alle an- und ausstehenden Ausgaben und Anschaffungen zu besprechen. Dabei fällt Cináed auch wieder Lady de Winters Schreiben in die Hände und er beschließt spontan am nächsten Tag in die Stadt zu reiten um zuerst der Halbelbin einen Besuch abzustatten und anschließend bei Borgil, Azra und ihrer fleißig anwachsenden Kinderschar in der Goldenen Harfe vorbeizuschauen.

Anwesen de Winter »
"Who's Zed?" "Zed's dead, baby. Zed's dead." (Quentin Tarantino, Pulp Fiction)

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