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Briant

Stadtbewohner

Posts: 29

Occupation: Pfirsich

Location: Pfirsich in Talyra

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91

Monday, December 17th 2018, 8:58am

Im Schankraum

Briant stemmt energisch die Hände in die Hüften. Das darf doch nicht wahr sein! Männer sind wirklich allesamt Sturköpfe, Zwerge das sturste Volk auf Rohas Weiten und zwergische Männer sind sowieso das allersturste was den Göttern einfallen konnte! (Das es gar keine weiblichen Zwerge gibt, lässt die Mogbar außen vor). Will Dar sich doch tatsächlich auf den Weg machen, um sich seine Medizin (was soll das bitte sein was ein anständiger Grog, heiße Steine und tüchtig schwitzen nicht können) selbst zu besorgen. Aber wie sagt ihre Großmutter immer: „Frauen haben ihr Hirn im Kopf, Männer teilen es zwischen eben diesem und gewissen anderen Körperteilen auf. Darum haben die Götter uns Frauen geschickt, um schlimmeres Unheil zu verhüten!“ Diese Weisheit behält sie aber für sich >B-i-t-t-e--!< formt der Zwerg lautlos. „Was hältst du davon, wenn wir einfach eines der Schankkinder losschicken? Du schreibst auf was du brauchst und wir schicken einen der Krümmeln los! Die wissen schon, wo sie hinmüssen, Annest schickt sie auch immer los, Kräuter und ähnliches zu besorgen.“ Diesen Vorschlag nimmt Dar an, allerdings nicht ohne den Zusatz, dass manche der benötigten Ingredienzien … nun ja etwas eigenwillig bis gefährlich sind. Briant kennt sich in keinster Weise mit Zwergenpysiologie aus, darum lässt sie das mal unkommentiert, vor allem, weil der Zwerg eine entsprechende Klausel hinzuzufügen scheint.

Briant schnappt sich die Tafel, während Dar sich sichtlich erschöpft wieder auf die Bank in der Nische fallen lässt und die Augen schließt. Hinter der Schank ist ein Bursche von etwa elf Sommern dabei, die leeren Flaschen gegen volle zu tauschen. „Lass das mal, ich hab einen Weg für dich. Hier, lauf zum Haus der Heilung und gib das ab! Und die beiden hier …“ sie angelt die beiden Briefe, die Dar am Vorabend verfasst hat, unter der Schank hervor, bringst du auch gleich weg.“ Mit gerunzelter Stirn entziffert Briant die Adressaten. Ich sollte wirklich mal anständig lesen lernen! denkt sie bei sich. Der Bursche saust durch die Hintertür davon und die Mogbar kehrt zu dem Zwerg zurück. „Vielleicht solltest du wieder ins Bett zurück! Ich kann dir bis deine Medizin heißen Tee, Grog oder was auch immer bringen. Schaden kann’s nicht! Außer du willst jetzt noch hier auf Sigourny warten, dann kann ich dir auch hier was Heißes zu Trinken bringen! … Außerdem … vielleicht solltest du dich bevor du dann ins Bett kriechst noch in einen heißen Waschzuber setzen. Schmalzwickel könnten auch was bringen, jedenfalls hat Großmutter uns als Kinder das immer verpasst. Und sie musste es wissen, immerhin waren wir zehn Blagen.“ So resolut die Mogbar ihren Gast auch zum Hierbleiben überredet hat, hat sie rein aus gutem Willen heraus gehandelt. Sie ist ein bodenständiges Persönchen mit einem gesunden Hausverstand. Nicht umsonst kommt mancher Mann nicht nur wegen eines Schäferstündchens zu ihr, sondern auch, um sich Rat, Hilfe oder einfach ein offenes Ohr zu holen.
Lieber eine Hure mit Herz, als eine Edle mit Gift in der Seele

Sigourny

Stadtbewohner

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Location: Der Pfirsich

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92

Monday, December 17th 2018, 12:36pm

In der Küche

So wie sie ihre Maske der Selbstsicherheit wieder angelegt hat, so ist Shalhor wieder der unnahbare, korrekt höfliche Elb. Kein Außenstehender würde erahnen, welchen Dämonen sie sich gemeinsam in der letzten Nacht gestellt haben und was sie nun verbindet. Und das wird wohl auch so bleiben, was im Pfirsich geschieht, bleibt im Pfirsich, jedenfalls was die Bewohner des Gasthofes angeht. Tratschereien über Gäste verbittet sich die Wirtin, egal aus welchem Grund sie den Pfirsich aufsuchen. Die beiden nehmen am reichlich gedeckten Frühstückstisch Platz, während Annest sich sehr intensiv dem Abtrocknen diverser Becher widmet – die ob ihrer Rubbelei mit dem Geschirrtuch eigentlich schon trocken wie die Wüste sein müssten. Sigourny nimmt einen genüsslichen Schluck Cofea und dankt den Göttern wieder einmal für dieses Getränk. Da fällt ihr Blick auf den Kuchen, der noch verräterisch warm ist. „Annest, seit wann bist du auf den Beinen?“ Ein vages und sehr undamenhaftes „Umpf“ kommt aus der Richtung des Spülbeckens.

„Annest!“
„Ach Mädchen, lass gut sein. Ich brauch in meinem Alter nicht mehr so viel Schlaf. Außerdem … irgendwer muss doch darauf schauen, dass ihr jungen Leute was zwischen die Zähne bekommt. Solange ich es noch kann …“
Alarmiert schaut die Wirtin auf.
„Annest, ist irgendwas? Geht es dir gut? Du bist doch nicht etwa krank?“
„Nein, keine Sorge!“
„Wenn du sagst keine Sorge, mach ich mir erst Recht Sorgen. Was ist los?“

Sigourny ist aufgestanden und zur Spüle getreten. Sanft nimmt sie der alten Frau das Geschirrtuch aus den Händen, ebenso den sowieso schon trockenen Becher und stellt beides ab. Als deren Hände sich wieder etwas greifen wollen, hält die Jüngere die faltigen, von jahrelanger Arbeit schon leicht gichtigen Finger fest.
„Rede mit mir.“
Die Ältere blickt auf, sie ist doch einen halben Kopf kleiner. Ihre Augen sind verräterisch feucht. Dass Shalhor am Tisch sitzt, scheint die Köchin vergessen zu haben, vielleicht ist es ihr aber auch einfach egal.

„Ich habe mich nur gefragt, was sein wird, wenn ich einmal nicht mehr da bin. Wer kümmert sich dann um euch hier, wenn wieder so was Entsetzliches passiert wie gestern? Tashas Verbrennung, der Überfall, vorgestern hat der verrückte Hengst Perrin gebissen. Maddie ist gut in allem was die Küche angeht und lernt auch schnell aber was Krankheit und Verletzung angeht … du weißt damit kommt sie nicht zurecht. Und ich will sie nicht zwingen, die Kleine hat schon so viel erleiden müssen. Und was ist mit dir, ich seh‘ doch dass dich etwas quält. Streit es nicht ab, ich bin alt aber nicht blind oder blöd. Du hast ein gutes Herz Sigourny, aber es ist ein Schatten darauf. Auch wenn du es vor allen verstecken kannst, vor mir nicht.“

Eine Träne rinnt der alten Frau über die runzelige Wange. Sie steht mit dem Rücken zu Shalhor, sodass er diese nicht sehen kann, außerdem widmet er sich taktvoll dem Frühstück. Sigourny zieht Annest in ihre Arme. „Niemandem wird etwas passieren, dass verspreche ich dir. Ich werde euch beschützen, wie ich es immer getan habe und wer auch immer sich hier im Moment recht ruppige Späßchen mit uns erlaubt, dem wird das Lachen schon noch vergehen, glaube mir!“ Ihr Blick trifft jenen des Elben und in ihren graublauen Augen glimmt ein Funken, der nur eines bedeuten kann: Sie würde zu ihrem Wort stehen und wenn sie sich jeden einzelnen Störenfried persönlich vornehmen muss.

Annest braucht nur kurz, um sich zu sammeln, dann löst sie sich und sieht Sigourny in die Augen. „Ich bin einfach eine rührselige alte Frau, lass das bitte bloß nicht Tane wissen. Der Bengel wird sonst wieder frech und ich bin nicht mehr so schnell, dass ich ihm so leicht eines hinter die Löffel geben könnte. Und jetzt komm Mädchen, du musst was essen. Nicht nur Cofea in dich hinein leeren!“ Die alte Frau schenkt aber dennoch nach und auch Shalhor bekommt ungefragt noch ein Stück Kuchen aufgetischt. Das ist ihre Art, ihre doch vorhandene Beschämung zu verbergen.

Während Sigourny nun auch endlich etwas isst, rückt Annest mit einer weiteren Sache heraus. „Ich … ich habe mir noch etwas überlegt. Weißt du, ich werde wirklich alt, brauchst nicht so schauen und was ich über Maddie gesagt habe stimmt. Aber der Zwerg, der gestern hier aufgetaucht ist, der versteht was vom Heilen, er hat Tashas Hand so gut versorgt, dass hätte ich kaum so hinbekommen. Und auch nach dem Überfall hat er reagiert, ohne zu fragen. Ich weiß, er scheint ein komischer Kauz zu sein aber ich denke … also …ich meine …“.
„Annest drück nicht herum. Was willst du sagen?“
„Was hältst du davon, wenn du ihn fragst ob er hier als Heiler für den Pfirsich anheuern will?“
Sigourny schaut ihre Köchin mit großen Augen an. Auf so eine Idee wäre sie nie gekommen, aber eigentlich … „Hmmm … vielleicht …“
„Zumindest mal zur Probe. Rede doch mal mit ihm, er sitzt, glaub ich, noch im Schankraum. … Aber erst frühstücke fertig.“

Und dann, mit einem Blick auf den Surcot Shalhors, den Sigourny auf einem der Sessel abgelegt hat: „Wenn ihr erlaubt, Shu’re Shalhor, werde ich mich um euer Kleidungsstück kümmern. Vielleicht lässt es sich noch retten, auch wenn schon einige Zeit vergangen ist. Habt ihr etwas in den Taschen? Ich möchte sie nicht ungefragt durchsuchen und weg kommen soll bei den Göttern auch nichts.“
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93

Monday, December 17th 2018, 2:34pm

‘Typisch Mogbar!’, denkt seinerseits wiederum Dar, als Briant eines der Schankkinder aus der Tür scheucht und sich dann wieder zu ihm umwendet. ‘Niemals zufrieden, ehe der Alltag zur Gänze geregelt ist und wehe, wer kommt mit einer unpraktischen scheinenden Idee, selbst wenn die unter Berücksichtigung aller Hintergründe doch die beste oder vielleicht gar nur die einzig denkbare Lösung bietet.’ Und tatächlich ist alles was Briant ihm anschließend vorträgt, etwas, das er – nach Einnahme der Heilmittel – sich nicht besser auch hätte verordnen können: „Vielleicht solltest du wieder ins Bett zurück!“ Sobald er aus den in recht geringen Mengen bestellten Zutaten sich seinen Zaubertrank gebraut hätte, wäre das eine sehr gute Idee. Doch muss er hier warten, bis die Mittelchen hier sind, sie entgegenzunehmen und zu verarbeiten. Das Meiste für die Zubereitung des Heilmittels, das hatte Dar mit einem raschen Blick bereits geprüft, fand sich – bis hin zu einem Mörser – hinter der langen Theke der Bar. So aber schüttelt Dar nur schwach aber bestimmt den Kopf. „Ich kann dir bis deine Medizin heißen Tee, Grog oder was auch immer bringen. Schaden kann’s nicht! Außer du willst jetzt noch hier auf Sigourny warten, dann kann ich dir auch hier was Heißes zu Trinken bringen!“ Beständig nickt Dar zu Tee, Grog oder wass auch immer, formt mit seinen Lippen ein stummes bekräftigendes „ h e i ß !“, nickt zu der Frage ob er hier warten will und formuliert erneut das stumme Wort, als Briant die Bereitung eines Waschzubers auch noch empfielt. Die Schmalzwickel – ‘Verdammt, wieso ist mir das nicht eingefallen?’ – gedanklich schon mal mit dem dem Khelanvinyaitöl auf dem Feuer vermengend, nickt Dar also auch den Vorschlag ab, um abschließend dann zum Kinderreichtum ihrer Familie zu schmunzeln. Vielleicht liegt es ja daran, fragt sich Dar, der in die Küche davoneilende Briant hinterherblickend, dass alle Mogbar, denen er bisher so begegnete so furchtbar bodenständig, planungssicher und pragmatisch waren. Um einen solch großen Familienverbund, von den Alten aber meist noch recht rüstigen Groß- und Urgroßeltern, bis hin zu der stets reichen quirligen Kinderschar, brauchte es vermutlich genau solche Talente.

Ins Leere blickend, sitzt Dar beinahe bewegungslos auf dem Platz, sich nur von Zeit zu Zeit in ein Tuch schneuzend. Wenn das Kind schnell ist, sollte es nicht mehr als den zweiten Teil einer Stunde brauchen, ehe es wieder zurück kommt. Und bis das Schreiben bei Ketell ist? Es würde ihr vermutlich frühestens zum gemeinamen Mittagsmahl in Faêyris-Tempel. Dann würde sie erst einmal seine Frage überdenken müssem um anschließend dann – eventuell – eine Empfehlung auszusprechen, die dann auch wieder zu Papier gebracht, verschickt, überdacht und… Nein, wenn er vor Ablauf eines Siebentags Antwort erhielte, müsste es schon mit einem Wunder zugehen. Und Dar rechnete grundsätzlich niemals mit Wundern. Also wird zumindest genügend Zeit finden, sich auszukurieren. Denn wer stellt schon einen Heiler ein, der sich nicht einmal einer simplen Erkältung erwehren kann ohne dabei so dramatisch den sterbenden Rinjanon aufzuführen, wie Dar es mal wieder – und nicht zum ersten mal – hier gerade zum Besten gibt. Tief atmet Dar durch den Mund auf, nun, da die Nase inzwischen komplett dicht ist und so wenigstens endlich aufgehört hat, so penetrant wie kurz zuvor noch zu laufen. Erschöpft leht Dar den Kopf in den Nacken und versucht, die Augen geschlossen, möglichst tief, wie ruhig ein- und auszuatmen. Er hatte ja schon von Wirtsleuten gehört, die selbst ihre besten Kunden waren, aber so wenig das für die Wirte sprach, spricht seine Krankengeschichte im Gegenzug für seine Reputaion als Heiler. Nein, es reicht! Wütend fährt Dars Faust auf die Tischplatte nieder. Es muß doch, silverdammt noch mal, eine Lösung gegen diese ewigen Zipperlein geben! ‘Ja!’ flüsterd da eine leise Stimme in seinem Geist. ‘Werde der silverdammt beste Heiler, den Rohas Rund je zu Tragen die Ehre hatte – oder scheitere beim Versuch dessen. Aber höre endlich auf, dich selbst zu bemitleiden.’ Tief und ruhig atmet Dar darauf wieder ein und aus, ein und aus, ein und aus…
“Siehst du einen Riesen, so prüfe den Stand der Sonne und gib acht, ob es nicht der Schatten eines Zwerges ist.”

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Shalhor

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94

Tuesday, December 18th 2018, 1:48pm

- in die Küche des Hauses -

Das ist das denkwürdigste Frühstück, dass Shalhor jemals erlebt hat. Ihm sind die Unterschiede zwischen elbischen Sitten und menschlichen Gepflogenheiten bei inzwischen mehr als 150 Sonnenläufen als Gast in ihren Reichen ja durchaus geläufig, aber das hier ist der reinste Hühnerhaufen, seufzt Shalhor innerlich. Statt sich gemeinsam an einen Tisch setzen, springt die Erste bei Ihrem Eintreten auf, als ergreife sie die Flucht, die Zweite poliert lieber Becher als wären es Silberkelche, statt sich überhaupt dazu zu setzen und die Dritte setzt sich auch nur, um gleich wieder aufzuspringen. Zu allem Überdruss gibt es nur Cofea zu trinken und eine Unterhaltung, bei der er bestenfalls auch nicht hier säße. Statt den Göttern wie gewohnt für ihre Gaben zu danken, bittet er sie an diesem Morgen nur stumm um Vergebung und schenkt sich von dem Cofea wenigstens fingerbreit ein. Doch selbst zusammen mit einem Schinkenbrot, will er ihm nicht schmecken, wollte es noch nie und wird es wohl auch nie. Also schluckt er das Brot nurmehr mit den Sorgen einer Sterblichen um die Endlichkeit der Lebenszeit, die ihr gegeben ward, herunter und kommt nicht umhin zu bemerken, dass die Köchin Annest recht ausgeprägte, mütterliche Ambitionen hegt und pflegt, die offensichtlich auch vor ihm nicht Halt machen. Er hatte sich bei den jungen Leuten, bei denen sie aufpassen müsse, dass sie etwas zwischen die Zähne bekamen, eigentlich nicht angesprochen gefühlt, weil er zum Einen nun einmal mehr Sonnentänze auf Roha weilt, als ihr vergönnt wären und zum Anderen in all der Zeit äußerst selten verhungert ist. Jetzt aber wird er nicht nur zu einem Stück Kuchen genötigt, sondern bekommt auch die Wäsche gewaschen? Wenn er erlaubt? Besser die, als den Kopf ... wie Tane, als sie noch schnell genug war, denkt sich Shalhor und mag sich dem geradezu rührseligen Engagement der Köchin nicht entgegenstellen.
"Nur mein Geldbeutel und den Schlüssel, den Ihr mir gestern freundlicherweise zukommen ließet", antwortet er ihr also, und beugt sich zu seinem Surcot hinüber die besagten Dinge aus dessen Tasche zu angeln. Als sie damit von dannen zieht, muss er kopfschüttelnd leise lachen und fragt Sigourny leise: "Hat sie mich gerade einverleibt?"
Man sollte keine Dummheit zweimal begehen, die Auswahl ist schließlich groß genug!

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Sigourny

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95

Tuesday, December 18th 2018, 8:05pm

In der Küche des Pfirsichs

>Hat sie mich gerade einverleibt? < ein leises Lachen begleitet Shalhors Frage und Sigourny gluckst undamenhaft in ihre Hand. Dabei ist sie etwas rot geworden, als Annest so unverblümt begonnen hat, ihre gluckenhafte Mütterlichkeit auf den Elben auszudehnen; jemanden der gut und gern ein zig-faches ihrer Lebensjahre zählt. „Tut mir leid, ich hätte dich vor meiner Haus- und Küchenperle warnen sollen. Annest ist zwar der Meinung, dass das hier eines der lasterhaftesten Häuser der ganzen Immerlande ist, aber gleichzeitig behandelt sie uns hier alle mehr oder weniger wie ihre Kinder und Enkelkinder.“ Auch wenn ihre Worte ein wenig flapsig klingen mögen, es klingt darin doch unüberhörbar ein warmer Unterton voll Zuneigung mit. „Und was das Einverleiben angeht: Scheint so, anscheinend hast du wegen gestern Abend einen Stein bei ihr im Brett.“ Denn im Normalfall werden Sigournys Männerbekanntschaften weitaus kritischer beäugt und dürfen sich glücklich schätzen, wenn Annests Reich überhaupt betreten dürfen. Auch ist es durchaus nicht üblich, dass eines der Mädchen ihr Wasser ins Zimmer bringt, und Sigourny würde einiges darauf verwetten, dass auch dass Annests Idee gewesen war. Nicht aus Neugierde, sondern aus Sorge. Diese Überlegungen behält sie aber für sich, im Moment will sie Shalhor nicht mit noch mehr menschlicher Mütterlichkeit erschrecken. „Was hältst du von der Idee, den Zwergen als Heiler anzuheuern? Ich gebe zu, brauchen kann ich schon jemanden. Du kannst dir nicht vorstellen, was es hier immer wieder für kleinere Unfälle und Katastrophen gibt. Andererseits haben wir nur den Winzer Filius als Bürgen ...“ Nachdenklich knabbert sie an einem Stück Brot. Frühstück ist wirklich nicht ihres, normalerweise werden ein bis zwei Becher Cofea mehr oder weniger rasch hinuntergestürzt, während sie sich über Geschäftsbücher hermacht, mit den Zwillingen die Finanzen durchgeht, sich um Lagerbestände kümmert oder sich die kleinen und großen Sorgen der Pfirsiche und anderen Angestellten anhört.

Viel Zeit hat sie für all diese wichtigen und doch unsichtbaren Dinge nicht, denn zur Stunde der Ruhe öffnet der Pfirsich und spätestens zur Stunde des Lohnes ist sie im Schankraum, ganz die verruchte, frivole Pfirsichwirtin, für die das Leben ein einziges Spiel und Abenteuer zu sein scheint. Dass sie sich in den Morgenstunden einfach hinsetzt und den Tag ruhig beginnt, ist eine seltsame, neue Erfahrung aber in der Gesellschaft des Reeders fühlt es sich erstaunlich richtig an. Verstohlen drückt sie kurz seine Hand, ein stummer Dank, denn jedes Wort erscheint ihr plump und störrend was das angeht. Als sie noch einen Schluck Cofea nimmt, fällt ihr Blick auf seinen Becher, nur wenig gefüllt und auch das Wenige hat Shalhor nicht wirklich angerührt. „Du magst keinen Cofea, hab ich recht? Was willst du sonst? Ich meine, kochen kann ich nicht wirklich und backen … naja besser ich red da nicht drüber, aber einen Tee oder Grog sollte ich schon noch hinbekommen!“
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Shalhor

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96

Thursday, December 20th 2018, 5:00pm

- in der Küche des Hauses -

Dass die Köchin hier in allen mehr oder weniger Kinder und Enkelkinder sieht, deckt sich vollkommen mit dem Eindruck, den Shalhor gewonnen hatte. Sigourny müsste sich nicht dafür entschuldigen, ihn nicht vorgewarnt zu haben, denn er zieht den Gemeinschaftsinn dem Eigensinn eindeutig vor, nicht unbedingt mit dieser familiär vereinnehmenden Überspitzung, aber solang ihm ihre fürsorglichen Ambitionen nur deshalb zuteil werden, weil er ihnen beigestanden hat und nicht insgeheim als potentieller Schwiegersohn wegen einer Nacht mit Sigourny festgenagelt werden soll, kann er damit bestens leben. Als die Köchin nämlich beklagte, wer sich denn um alle hier kümmern solle, wenn sie nicht mehr sei, war sich Shalhor nicht so sicher, ob sie Sigourny im günstigen Moment nicht mit der Nase darauf stoßen wolle, es fehle der Mann im Haus. Ein Gedanke, der nicht von ungefähr kommt, denn seit Neridye von ihm gegangen war, gab es hin und wieder gewisse Bestrebungen, ihn als gute Partie für diese oder jene Tochter an Land zu ziehen, die einen Mann schon mal achtsamer werden lassen.

Doch wie ist es denn um Sigourny selbst bestellt? Sie mag zwar ein wenig flapsig klingen, wie sie so von ihrer Köchin erzählt, aber es liegt mehr Zuneigung in darin, als sie sich oder ihn gerade eingesteht. Wenn Tane ihr wie ein Bruder und Annest ihr wie eine Mutter ist, dann möchte Shalhor nicht wissen, wie viele Schwestern und Kinder sie zu den ihren zählt. Er muss ja nur an das kleine Mädchen von gestern denken, dass die Pastete schüchtern serviert hatte. Still lächelt er vor sich hin und denkt sich seinen Teil, während er ein Stück Pfirsichkuchen verspeist, obwohl er sonst in der Früh nie süßes Backwerk zu sich nehmen würde.

Doch als Sigourny der Köchin Empfehlung aufgreift und laut darüber nachzudenken beginnt, den Zwergen als Heiler in ihre Dienste zu nehmen, ist das Lächeln fort und er muss einräumen: "Was den Zwerg anbelangt, bin ich nicht unvoreingenommen und sicherlich auch nicht der beste Ratgeber." Daran hat dieser Zwerg allerdings wenig Anteil, nur das Pech zufällig auch Zwerg zu sein und das dummerweise auch noch gerade jetzt. Shalhor geht das Wiedersehen mit den Harfenwirt, dass so enttäuschend verlaufen war, noch viel zu nah und er hat keine Ahnung, wie er damit umgehen soll. Zorn und Wehmut zerren an ihm, wenn er nur daran denkt, dass er es gar nicht will ... daran denken und doch muss, wegen des anderen Zwergen. Doch ein Zwerg als Heiler? Hm... braucht es dafür nicht auch ein wenig Feingefühl? Aber das ist nicht sein Schiff, nicht seine Entscheidung und hat mit ihm auch gar nichts zu tun. "Tu Dir nur einen Gefallen und frag ihn, was mit seinen Augen nicht stimmt. Wenn er Dir keine harmlose Erklärung für das rote Glühen darin liefern kann, setz ihn vor die Tür. Aye?"

Mit der stummen, dankbaren Geste seine Hand zu drücken, kehrt das feine Lächeln zurück. "Cofea ist wirklich nicht meins. Aber bitte mach Dir keine Umstände, denn ich muss langsam aufbrechen, schnell zuhause nach dem Rechten sehen und dann in die Werft. Wir haben dort gut zu tun. Wenn noch irgendwelche Drohungen eintreffen sollten, schick mir einen Botenjungen und ich komme, ansonsten bringe ich Tanes Hemd später am Abend vorbei. Oder möchtest Du, dass ich dem Gespräch beiwohne, dass Du mit dem Zwergen führen willst? Den Moment kann ich mir schon noch nehmen, wenn Dir das lieber ist."
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Sigourny

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97

Thursday, December 20th 2018, 7:17pm

Von der Küche in den Schankraum des Pfirsichs

Entweder war zwischen Shalhor und dem Zwerg etwa vorgefallen, was sie nicht mitbekommen hat oder es hat grundsätzlich etwas mit Zwergen (oder gar Heilern?) zu tun, den der Elb fällt wieder in sein distanziertes Gehabe zurück. Sigourny zieht nur kurz eine Augenbraue hoch, sagt aber nichts dazu. In ihrem Gewerbe, aber auch da wo sie herkommt, hat sie gelernt, nicht zu viele Fragen zu stellen. Wenn er reden will, wird er kommen, denkt sie bei sich. >Tu Dir nur einen Gefallen und frag ihn, was mit seinen Augen nicht stimmt. Wenn er Dir keine harmlose Erklärung für das rote Glühen darin liefern kann, setz ihn vor die Tür. Aye? < Rotes Glühen? Das hat die Wirtin gar nicht bemerkt, aber sie hat als Mensch auch nicht die gesteigerten Sinne eines Elben. Aber sie nimmt sich vor, diese Frage bei passender Gelegenheit zu stellen, denn rotes Glühen … klingt nicht gerade harmlos in ihren Ohren. „Aye, mach ich versprochen. Kein Risiko!“

Mit ihrer Vermutung in Hinblick auf den Cofea trifft sie voll ins Schwarze, einen Tee oder ähnliches lehnt Shalhor mit dem Hinweis auf sein Tagwerk aber ab. Dass er ihr dennoch beim Gespräch mit Dar, so hat der Zwerg sich am Vorabend vorgestellt, zur Seite stehen will, freut sie. Sie ist es nicht gewohnt, dass ihr jemand den Rücken stärkt, normalerweise ist sie hier die Starke. Sicherlich, Annest kümmert sich wie eine Mutter um sie, Tane versucht der große Bruder und Beschützer zu sein und der Rest der Angestellten ist ihr bis zum letzten Blutstropfen treu und loyal … aber wenn es hart auf hart kommt, steht sie in vorderster Linie und übernimmt jegliche Verantwortung und jegliches Risiko. „Ich will deine Zeit nicht zu viel in Anspruch nehmen, ich weiß doch, dass du viel zu tun hast. Allerdings …, wenn du ein paar Minuten erübrigen könntest, nur bis ich … wir sicher sein können, dass er kein doppeltes Spiel treibt. Da würde ich deine Unterstützung schon annehmen.“ Shalhor kann es nicht wissen, aber er ist einer der Wenigen, von dem Sigourny in ihrem Erwachsenenleben je Hilfe angenommen hat. Die Menge derer lässt sich an einer Hand abzählen. Nun ist es an ihm, ihr einen kurzen Händedruck zukommen zu lassen, Bestätigung, ihr Rückendeckung zu geben. So beenden sie das Frühstück (Sigourny hat tatsächlich einmal etwas anderes als nur Cofea zu sich genommen, allein diese Tatsache wird den Elben weiter in Annests Gunst steigen lassen) und schicken sich an, die Küche zu verlassen.

Weit kommen sie aber nicht denn in der Tür begegnen sie Briant. Die Mogbar, wie immer ein Wirbelwind mit einem Lächeln im Gesicht, nickt Shalhor grüßend zu, ehe sie Sigourny mit einer präzisen Aufzählung auf den letzten Stand bringt. „Der Pfirsich ist heute wegen Julputz geschlossen, ein Schild hängt draußen. Nach dem Handwerker ist wegen des Fensters bereits geschickt. Die Mädchen sind am Saubermachen, die Zwillinge beginnen im Lager mit der Inventur, dann können wir heute noch fehlende Lagerbestände nach bestellen. Tane ist irgendwo unterwegs, ich schätze er will dem Tätowierer auf den Zahn fühlen. Von Dobresto und der Fee hab ich noch nichts gesehen, aber das hat Zeit vermute ich. Weglaufen werden die schon nicht. Und Dar, also der Zwerg von gestern Abend, sitzt in der hintersten Nische links. Er meinte du willst ihn sprechen? … Er scheint sich irgendeine Erkältung eingefangen zu haben, wenn du mich fragst klassischer Fall von … M-ä-n-n-e-r-s-c-h-n-u-p-f-e-n.“ Das letzte Wort flüstert sie mit einem Seitenblick auf Shalhor und zwinkert Sigourny verschwörerisch zu. „Ich mach ihm noch einen ordentlichen Grog und wenn seine bestellte Medizin kommt, wird er ins Bett verfrachtet. Sonst haben wir hier bald noch mehr schniefende Kerle.“ Eben kommt Perrin zur Tür herein, der ob Briants Äußerung nur die Nase krauszieht. „Ich helfe dann den Zwillingen und wenn du Zeit hast, kannst du die Bestellungen absegnen, dass die Kinder sie austragen“. Und schon ist die Mogbar in der Küche. Sigourny bleibt fast der Mund offenstehen. Was war das bitte? Briant hat ohne zu zögern ihre ganzen organisatorischen Arbeiten übernommen und das in einer Art und Weise, dass es besser nicht sein kann. „Ich glaub da hat sich gerade wer als meine Stellvertreterin und rechte Hand empfohlen …“ murmelt sie.

Dann schüttelt sie aber den Kopf, nicht ablehnend sondern nach wie vor verwundert, ruft Briant noch ein „Danke!“ hinterher und betritt in Shalhors Begleitung den Schankraum. Tatsächlich herrscht schon emsiger Betrieb, aber alles scheint in geordneten Bahnen zu verlaufen. Und wie von der Mogbar kundgetan, in der besagten Nische hockt der Zwerg. Den Kopf in den Nacken gelegt, die Augen geschlossen, scheint er zu schlafen doch als sie sich ihm nähern, öffnet er die Augen. Sigourny zieht einen Sessel zu sich und nimmt ihm gegenüber Platz. „Dar, ich wollte dir …“ – immerhin hat er ihr ja am Vorabend das ‚Du‘ angeboten – „… für deine Hilfe gestern Abend danken. Und mich auch entschuldigen, immerhin bist du als Gast in dieses Haus gekommen. Aber, der eigentliche Grund, warum ich mit dir sprechen will ist ein anderer: Würdest, könntest du dir vorstellen, deine Dienste bezüglich der Heilkunst in den Dienst diese Etablissements zu stellen?“ Bei ihren ersten Worten hat Dar sich aufgesetzt. Sigourny behält seine Augen unauffällig im Blick. Würde sich das rote Glühen, dass Shalhor angesprochen hat, zeigen? Der Elb steht schweigend hinter ihr aber sie spürt seine Präsenz als Sicherheit im Rücken und weiß, dass auch er die Augen Dars genau mustert.
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98

Friday, December 21st 2018, 11:37am

*Vor einem der Séparées im Schankraum des Pfirsichs*

Fahrig erhebt sich Dar in halbwegs aufrecht sitzende Position um, als hätte er Shalhors Warnung in der Küche irgendwie vernommen, mit einem Schlapphut die Augen beschattend zu Sigourny und dem Reder hinaufzublicken, beide dabei mit einem knappen Nicken begrüßend, wie sich das kandisstückgroße Arsenikbröckchen – hoffentlich zum letzten male heute, da alles davon Kommende geliehene Kraft darstellt, die er später um so ärger missen würde – in die Backen steckend. Also hatte die Bordellbetreiberin die gestrigen Briefe über seine Schulter hinweg gelesen, das sie ausgerechnet mit diesem Vorschlag, ausgerechnet heute zu ihm kommt? Oder das Schicksal belohnt ihn schlicht für seinen Entschlu, seiner Bestimmung nun endlich nicht länger entfliehen zu wollen? Nun ja, eigentlich ist es egal, kann es doch auf diese ihre Frage, „…könntest du dir vorstellen, deine Dienste bezüglich der Heilkunst in den Dienst diese Etablissements zu stellen?“ Den Hut nun abnehmend, sich mit einem Tuch erst ausgiebig zu schneuzen und anschließend – mit einem anderen Tuche wohlgemerkt – den Schweiß von der fiebrigen Stirn zu wischen, erheischt Sigourny nun endlich doch noch einen Blick auf des Zwergen fiebrig glänzende Augen, als dieser bedauernd das Haupt schüttelt. Beinahe verpasst die Hausherrin die in kaum vernehmlichen Krächzen hervorgebrachten leisen Worte Dars, ob des nun auch ihr nicht länger entgehen könnenden roten Funkeln, welches über seine Augen huscht. Und doch, mit viel Mühe aufseiten Sigournys und Shalhors, wie von Hustenreiz und kurzzeitig zurückkehrendem Stimmverlust kann folgender Wortlaut übermittelt werden: »Bedaure nein … kann nicht als … als Heiler hier arbeiten, da kein … kein Heiler bin. Vor Beendigung meiner Ausbildung … verbannt!« An dieser Stelle zögert der Zwer offenkundig weniger seiner Erkrankung wegen, sondern eher ob Erinnerungen wegen, die vor seinem inneren Auge erneut an ihm vorrüberzuziehen scheinen. Als Sigorny und Shalhor schon annehmen müssen, damit hätte Dar verkündet, was es zu verkünden gibt, setzt er dann aber erneut, das Arsenikbröckchen indes wieder aus dem Mund nehmend, wie in eine Seitentasche seines Oberhemdes verstauend, zu sprechen fort: »Der Brief gestern … Ersuchen um Ausbildung … bei … Heilern des hohen Hauses der Nacht … um Möglichkeit meine Ausbildung hier in Talyra zu … beenden. … Kann also nicht … als Heiler arbeiten, da … kein Heiler! Aber … mit dem was ich kann … nur nicht als … ausgebildeter Heiler … helfen? – Gerne!« Immer wieder, wenn Dar sich ins, hinter Sigourny und Shalhor in die dunkle Nische vordringende Morgenlicht bewegt, funkeln seine Augen erneut und zuverlässig schwach rot auf. Einem aufmerksamen und unvoreingenommenen Beobachter mag längst aufgefallen sein, das die Augen mitnichten aus sich heraus glühen, sondern allenfalls schimmern und dass das Funkeln nur eine verfremdete Reflexion des Lichtes darstellt. Doch ist es offen gestanden nicht wirklich leicht, in dieses Antlitz mit seinen von Zeit zu Zeit rot aufblitzernden Augen zu blicken und keine Voreingenommenheit an den Tag zu legen. »Als Pfuscher … zumindest bis Ausbildung beendet ist … helfe ich hier aber … ah- … 'ber gern aus. « Spätestens als an dieser Stelle nicht nur seine Augen rot funkeln, sondern nunmehr auch ein merklich blutiger Auswurf eine längere Hustenphase hervorruft, dürfte indes erster Zweifel an Briants Männerschnupfendiagnose aufklingen.

Passend zu dieser unschönen Entdeckung, kommt einer der Schankkinder mit einem älteren und mit einem Knüppel bewehrten zweiten Botenjungen durch die Vordertür, diese hinter sich wieder ordentlich verschließend. An den sich ob des letzten Hustenanfalls sicherheitshalber etwas zurückgezogen habenden Zuhörern, schiebt sich der Botenjunge mit einem Beutel an Shalhor und Sigourny vorbei. „Tschuldigung, habs eilig! Muss noch ein paar andere Kranke und Heiler besuchen und vorher sicher gehen, das diese Bestellung in fähige Hände kommt.“ Anschließend verhört der Bote regelrecht Dar, was er wofür braucht. Insbesondere zu dem Arsenikbröckchen, das Shalhor und Sigourny verdächtig an das inzwischen weit kleinere Kandisstückchen erinnern mag, welches momentan in seiner Brusttasche steckt. Da der Bote Dar, aufgrund dessen momentaner Stimmlosigkeit, mit Ja-und-nein- und Auswahlfragen regelrecht bombardiert – die er offenkundig des Lesens mächtig – von einem kleinen Blatt abliest, bekommen Sigourny und Shalhor so aber zumindest einen Beleg aus erster Hand, ob der Heilkenntnisse des Zwergen. Alle Fragen des Boten, wie dessen Blcke dabei zu keiner Zeit erwiedernd, entweder zufriedenstellend beantworten könnend oder aber mit einem vorherigen Hinweis auf die vermutlich für "richtig" befundenen Antworten, seiner zwergischen Physiologie geschuldete andere Vorgehensweisen (die der Botenjunge – offensichtlich auch schreiben könnend – sich notiert) pantomimisch mit den gelieferten Kleinstmengen an Pülverchen und Mittelchen ausführend, ist der Verkauf durch den Apothekerboten indes rasch für unbedenklich befunden, so dass es schließzlich an die Bezahlung geht. „Das macht dann bitte 13 Silberlinge und 15 Heller.“ Die Liste mit den Einzelpreisen kurz überfliegend, schaut Dar dann schließlich mit einem Schmerz, der zur Abwechslung mal nichts mit seiner Männergrippe zu tun zu haben scheint, klaubt Dar in seinem inzwischen doch recht leeren Geldbeutel. Als er dem Boten schließlich 3 Silberlinge, 2 Kupferlinge und einen mit zwergischen Runen geprägten dünnen Silberstab auf den Tisch legt, blickt der Botenjunge dann schließlich doch noch recht verärgert drein, hebt den Stab hoch und fragt: „Was soll das sein, ein Scherz? Ich sagte 13 Silberlinge und fünfzehn Heller, aber ein Bisschen pronto wenn ich bitten darf!“ Hilfesuchend blickt Dar Daraufhin zu Sigourny und Shalhor auf, wobei ein ob dieser Bewegung in seinen Augen verfangen habender und rotfunkelnd zurückgeworfener Lichtstrahl den Boten rücklings von seinem Hocker kippen lässt. „Was zum?“ Fragend hält Dar den, vom Boten beim erschreckten Zurückprellen fallen gelassenen, in Talyra vielleicht selten gesehene, aber sicherlich nicht unbekannten Raîndesjatch entgegen, Zeige- und Mittelfinger der Freien Hand dabei am Daumen reibend. „Verzeihung!“ erhebt sich der Bote derweil wieder vom Boden. „Ich dacht, ich dachte ich hätte etwas … eine Täuschung vermutlich.“ Dars nun wieder im Dunkel der Nische unbedenklich wirkende Augen indes fixieren Shalhor und Sigourny fragend, ehe ein erneuter Hustenreiz den Zwergen durchschüttelt. Nein, von einem reinen Männerschnupfen sollte hier besser niemand mehr ausgehen, derweil ob der so ungewöhnlichen Zwiesprache zwischen dem Boten und Dar auch offensichtlich scheint, das Dar auf die [hier] normalsten Krankheiten recht heftig meist reagiert. Nichtsdestotrotz Dar von einer normalen Erkältungskrankheit weiter auszugehen scheint, die Andere tatsächlich mit nicht viel mehr, denn zwei drei schlaflose Nächten und Unmengen an heißem Grog wohl kuriert bekämen.
“Siehst du einen Riesen, so prüfe den Stand der Sonne und gib acht, ob es nicht der Schatten eines Zwerges ist.”

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Sigourny

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99

Friday, December 21st 2018, 4:59pm

Im Schankraum

In der Nische ist es ziemlich dunkel, die Kerze, die in der Mitte des Tisches steht, brennt nicht. Sigourny kneift die Augen zusammen, dennoch ist der Zwerg kaum mehr als ein Schatten für die Wirtin. Dennoch, das rötliche in seinen Augen sieht sie nun auch. Allerdings findet sie, dass es nicht wirklich ein Glühen ist, es erinnert sie eher ein wenig an die Augen einer Katze, die im Dunkeln ja auch leuchten. Eigentlich müsste es sie ängstigen aber irgendwie erinnert es sie an sich selbst, als sie vor Jahren in diese vermaledeite Fluch Geschichte gestolpert ist. Vielleicht ist ihm etwas Ähnliches passiert … Bevor sie Dar aber darauf ansprechen kann, taucht jedoch der Bote des Heilers auf und im folgenden Gespräch beginnt der Zwerg auch noch Blut zu spucken. Die Pfirsichwirtin weiß jetzt wirklich nicht mehr, was sie mehr beunruhigen sollte und als dann auch noch die Sache mit der Bezahlung aus dem Ufer zu laufen droht, nimmt sie die Sache in die Hand. „Hier!“ Sie drückt dem Boten die fehlenden Silberlinge in die Hand. „Es ist alles in Ordnung, es gab hier gestern nur einen kleinen Unfall, wie ihr sehen könnt, ist der Pfirsich aus diesem Grund auch heute geschlossen. Meister Dar war so freundlich, mir zu helfen aber leider ist er dabei zu nahe an die Ursache des Übels gekommen, vielleicht riecht ihr noch ein wenig davon.“ Mit einem Lächeln, das Steine zum Schmelzen bringt zieht Sigourny das Näschen kraus und klimpert mit den Wimpern. Begleitet wird diese Unschuldsmiene allerdings von einem gekonnt eingesetzten Atemzug, der ihre Bluse dramatisch an die Leistungsfähigkeit bringt. Dieses Manöver hat aber die gewünschte Folge. Der Botenjunge, erstmal vom förmlichen ‚Ihr‘ eingewickelt errötet ob des unerwarteten Anblicks bis über beide Ohren. „Diese unangenehme Substanz hat leider Meister Dars Augen angegriffen, deswegen sitzt er auch im Dunkeln. Aber ich bitte euch …“ bei diesen Worten beugt sie sich leicht zu dem Jungen vor, der in Folge dessen noch tiefere Einblicke erhält und noch röter wird. „… behaltet es für euch. Wenn das bekannt wird, wird es mich Einnahmen kosten und wovon soll ich denn dann leben, womit meine Mädchen ernähren?“ Dabei schaut sie drein, wie die pure Unschuld, während ihr Körper eine ganz andere Sprache spricht. Der Junge nickt nur, stottert etwas Unverständliches und stolpert dann Richtung Tür.

Mit einem deutlichen Durchatmen richtet sich die junge Frau wieder auf, zupft die Bluse, die ob der Atemmanövertatsächlich gefährlich verrutscht ist, wieder in die Richtige Lage und lehnt sich auf ihrem Stuhl zurück. „So, das wäre jetzt erst mal erledigt, ich kann nicht noch weiteres Gerede brauchen, hab sicher mit der kurzfristigen Schließung des Pfirsichs heute schon genug am Hals.“ Den silbernen Stab legt sie wieder vor Dar hin. „Behalt das mal, ich denke die zehn Silberlinge kannst du als … wie nennst du es… Pfuscher? auch abarbeiten. Kost und Logis sind natürlich frei. Sieh es als Probezeit, nachdem wir sicher quitt sind und dann entscheiden wie es weiter geht. Aber zuerst kurierst du dich aus, Briant hat deine Kammer sicher schon gerichtet …“ Tatsächlich war die Mogbar vorhin mit einigen heißen Steinen die Stufen hinauf geeilt. „Die Probezeit beginnt nachdem du wieder gesund bist und damit meine ich ganz gesund. Ich hab nichts davon, wenn du mir hier alle ansteckst. Aber bevor du dich jetzt mit was auch immer du dir da zusammenmischst ins Bett begibst: Was ist mit deinen Augen? Und … siehst du mich überhaupt?“ Zur Probe schnipst sie vor seiner Nase herum.
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Shalhor

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100

Saturday, December 22nd 2018, 4:32am

- Schankraum, Nische -

Männerschnupfen? Auch wenn die Mogbar nur flüsternd geschlechterspezifische Krankheitsverläufe sträflichst verharmlost, kann es Shalhors feinen Sinnen gar nicht entgehen. Doch er gönnt dem holden Geschlecht diesen Vorteil nur zu gern, sind sie doch mit einer ganz anderen Unpässlichkeit gestraft genug - Grund genug sich lieber stillschweigend der Unempfindlichkeit seiner Art gegen die herkömmlichsten Krankheiten zu erfreuen und jeden anderen dahinsiechenden Kerl aufrichtig zu bedauern, Zwerge aus bereits erwähnten Gründen natürlich erst einmal ausgenommen, zu genau dem er Sigourny allerdings in eine der Nischen des Schankraums folgt und hinter ihr die Position des stummen Beobachters und gegebenenfalls Beschützers einnimmt.

Das erste, dass seine Lordschaft feststellen soll,ist neben dessen Namen, dass sie diesen zwanglos anspricht. Hatte die Köchin nicht erwähnt, dass dieser Dar erst gestern hier aufgetaucht wäre? Es mag ihn irritieren, hatte sie bei ihm doch gezögert, aber weitere Bedeutung misst er dieser Nebensächlichkeit auch nicht bei. Ihn interessieren genau zwei Dinge - dessen Augen. Was nicht heißen soll, dass Shalhor unter all dem Gekrächze, Gehuste und Geschnäuze entginge, dass der Zwerg ob nun freimütig oder versehentlich einräumt, verbannt worden zu sein. Den Grund dafür zu erfahren, wäre sicherlich ebenfalls höchst aufschlussreich, schließlich könnte es einen Zusammenhang geben. Aber weder gibt Dar diesen Grund preis, noch Glühen seine Augen, zumindest nicht so, wie Shalhor sich an den flüchtigen Augenblick gestern Nacht am Tresen zu erinnern glaubt. Seltsam! Zudem keimen Zweifel auf, ob das, was diesen Zwergen quält, tatsächlich eine für Männer zwar beinahe tödliche aber grundsätzlich nicht ungewöhnliche Erkältung sein soll. Er ist noch weniger in Krankheiten bewandert als dieser Zwerg (genaugenommen gar nicht), aber kein Schiff darf irgendeinen Hafen des Ildorells anlaufen, wenn auch nur einer der Besatzung Blut hustet. Wirklich zu dumm, dass der Aniran seines Vertrauens nicht in der Stadt weilt. Aber vielleicht sollte man dann einen aus der Steinfaust oder dem Haus der Heilung herbitten?

Stattdessen kommt ein Bursche mit Knüppel und Beutel, der augenscheinlich von niemand anderem bestellt ward, als vom Zwergen selbst ... dem Pfuscher, der noch nicht einmal den ersten Rang erreicht hat, um sich Heiler nennen zu dürfen? ... Shalhors Skepsis wächst, so wie der Bursche den Zwergen nach den Gebrauchsabsichten von Vulkanschwefel und Arsenik zu erfragen verlangt, weil er diese Gifte(!) andernfalls nicht herausgeben könne. Von der folgenden Fachsimpelei versteht er allerdings nicht viel, so aber scheint der Bursche beruhigt und verlangt eine Summe, die der Zwerg offenkundig nicht aufbringen kann. Shalhor denkt nicht im Traum daran, dem Zwerg irgendwelche Gifte zu finanzieren, sondern besser einen erfahrenen Aniran oder Heiler. Aber sowie der Zwerg hilfeheischend zu ihnen aufschaut, lauert wieder dieses rote ... wasauchimmer in dessen Augen. Selbst der Bursche hat es gesehen und sich gehörig erschreckt. Bevor jedoch seine Lordschaft selbst dazu kommt, dem Burschen wieder auf die Füße zu helfen, schaltet sich Sigourny ein ... oh und wie sie sich einschaltet.

Ist das noch die Frau, die letzte Nacht ... bei den Göttern, Mademoiselle ... Er hatte ja keine Ahnung, wie vernichtend sie die Waffen einer Frau einzusetzen versteht ... Shalhor steht nur halboffenen Mundes mit angehaltenem Atem da und wüsste nicht zu sagen, ob er ihren Atemzügen gewachsen wäre ... doch vor ihr liegt ein Bursche noch ganz grün hinter den Ohren ... inzwischen so rot wie ein garer Krebs ... und genauso ausgeliefert. Sie hätte alles verlangen können, ausnahmslos, keine Frage. Selbst Shalhor braucht einen guten Moment, um Sigournys nachfolgenden Entscheidungen wieder einigermaßen folgen zu können, die dem Zwergen gelten und deutlich klarer, als sie die Sprache auf dessen Augen bringt. Er hätte es schlichtweg vergessen. Nun aber erinnert sie ihn daran, weswegen er eigentlich hier ist und er will es verdammt noch mal endlich wissen.
Man sollte keine Dummheit zweimal begehen, die Auswahl ist schließlich groß genug!

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101

Saturday, December 22nd 2018, 12:09pm

Bevor Dar Sigourny auf die Frage nach seinen Augen antwortet, winkt er eines der Schankkinder herbei, das – nach einem rückfragenden Blick zu Madame – auch tatsächlich herbei eilt. »Mör- … ser?« Dar deutet, das heisere Krächzen mit einem Fingerzeig gen Bar unterstreichend, gen Tresen. »Drei Glä … -ser. Eins mit … heißem … Wasser … und Sei- … fe.« Wieder blickt das Kind erst fragend zu Sigourny ehe es nach einem knappen Nicken von dieser eilfertig davon huscht. »Augen wie Sil mich schuf!«, wendet sich Dar erneut, wie kaum vernehmlich, an Sigourny. »Unterreich dunkler … als Oberwelt. Kann Sehen, wenn Nacht oder Dämmer. … Unter freiem Himmel aber, … unter Sonne…« Hier blickt Dar ausgesprochen unbehaglich drein, »Schemen fast nur!« Einige der Substanzen, Öle und Pulver gibt Dar derweil in ein leeres Glas. Anderes schüttet er in das heiße Wasser und verrührt dieses gut. Zuletzt mörsert Dar die gröberen Substanzen zu einem feinen Pulver, schabt ein wenig von der Seife in das leere dritte Glas, ehe er erst drei Fingerspitzen von dem Pulver aus dem Mörser dazu gibt und dieses mit zwei weiteren Fingerbreit aus dem Glas mit heissen Wasser aufgießt und das daraufhin einsetzende Aufsprudeln abwartet. Dann kommt noch gut ein Fingerbreit aus dem die Öle enthaltenden zweiten Glas dazu, Dar rührt um und: »Fertig!« Einmal noch atmet Dar tief durch, als wappne er sich auf eine üble Erfahrung. Dann, schüttet er das fertige Gebräu mutig die Kehle hinab. All das hat nicht wirklich viel länger gebraucht, denn etwa ein etwas aufwendigeres Mischgetränk fertigzustellen und während der Erstellung dieser Medizin krächzt Dar derweil weiter: »Hausmittel für alle … Hühnerbrühe un so weiter, Annest oder Briant wissen ver … -mutlich was hilft, für alle hier im Haus, damit sie sich nicht anstecken. Auch wenn dies … für euch Oberweltler … nur eine harmlose Erkältung … brächte.«

Nach einem letzten Schütteln stellt Dar schließlich das leere Glas auf den Tisch und erhebt sich schwankend. Das Bündel mit Schild und Rüstung, wie auch seine Reisetasche zurücklassend, geht Dar mit einem entschuldigenden»Muss schlafen!«, sich verabschiedend und gelegentliches Ausfallschritten, die eher an einen schon leicht trunkenen Gast erinnern lassen, gen Treppe, Mörser und die drei Gläser dabei mit sich nehmend. In seiner Schlafkammer angelangt steigt Dar als erstes gleich, seiner Kleider sich vorher nur noch entledigend, in den Waschzuber dessen Wasser tatsächlich angenehm heiß ist. Ebenso, wie er im Gastraum Sigournys Ablenkungsmanöver bezüglich des durch ihn verschreckten Boten allenfalls am Rande nur zur Kenntnis genommen hat, denkt Dar sich hier gerade auch nichts dabei, nackt im Zuber alsbald einen heißen Grog von Briant entgegenzunehmen. Als er sich gut eine halbe Stunde später ins Bett legt, bittet Dar Briant noch um heißes Salzwasser zum Inhalieren für den kommenden Abend, wenn er denn hoffentlich ausgeschlafen haben dürfte. »Ach und kannst du«, knarzt Dar, immer noch merklich aber weit verständlicher denn im Schankraum noch, »Die Fenster bitte noch verhängen. Kann bei Tageslicht sonst nicht schlafen.« Eine Bitte, die dank der von Briant in weiser Voraussicht bereits geschlossenen Fensterläden, durch die kaum mehr Tageslicht einzudringen vermag, diese zwar verwundern mag, aber ihn auch wenige Atemzüge später Lügen straft, als schweres Schnarchen von dem Bett zu ihr herüber klingt.
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Sigourny

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102

Saturday, December 22nd 2018, 3:30pm

Im Schankraum

Was bei allen Göttern hat sich der Zwerg da selbst verordnet? Sein torkelnder Gang ist schon etwas verdächtig und hätte er die Gläser am Tisch gelassen, sie hätte wohl schnuppernd das Näschen hinein gehalten. Muss schlafen …. Gut, ob einer Erkältung eine legitime Bitte. Sein Zeug hat er im Schankraum gelassen und mit einem Seufzer schickt Sigourny Perrin, der mit seinen achtzehn Sommern doch schon kräftiger ist als die Schankkinder, die Habseligkeiten des Zwerges zu verstauen. „Am besten bringst du es in die Zeugkammer im Mietstall. Wenn wir die Bündeln in der Speise- oder Wäschekammer lagern, bekommen wir es mit Annest oder den Zwillingen zu tun, immerhin wollen die den heutig Tag für Inventur und Lagererhebung nutzen.“ Der Bursche grinst verständig. „Darf ich dir dann auch eine Bestellung geben? Ich bräuchte wieder Bienenwachs und Öl für das Lederzeug im Stall, vor dem Winter muss alles eingelassen und geölt werden, sonst wird es brüchig oder die Nähte reißen. Und die Fenster müsste ich auch abdichten bevor es kalt wird.“ Sigourny nickt nur. Der Junge weiß trotz seiner Jugend was er tut. Sie selbst hat keine Ahnung von Pferden und wenn sie ehrlich ist, sind ihr die großen Tiere doch ein wenig unheimlich. Von reiten mal gar nicht zu reden, das überlässt sie anderen. Der Mietstall war aber von Anbeginn an Teil des Pfirsichs gewesen und als Perrin mit seinem Vater und seiner Schwester in den Pfirsich gekommen war hat er, zuerst angeleitet von Ronan aber bald immer selbst- und eigenständiger, den Mietstall wieder zum Leben erweckt.

„Danke!“ mit einem höflichen Nicken in Richtung des Elben ist er wieder Richtung Hintertür unterwegs, nicht ohne sich im Vorbeigehen einen Apfel zu stibitzen und Ysa einen Luftkuß zuzuwerfen. Ein leises Lächeln stiehlt sich auf Sigournys Lippen, als sie dem Jungen nachsieht. „Der Lauser wird erwachsen“ murmelt sie bei sich.

Shalhor ist die ganze Zeit an ihrer Seite geblieben, still schweigend und doch wachsam. Sie ist sich dessen bewusst und nun wendet sie sich um, dabei verstohlen den Blusenausschnitt noch ein wenig weiter hinauf zu zupfen. Aus irgendeinem unerfindlichen Grund ist es ihr fast ein wenig unangenehm, dass der Elb ihre Show mit dem Apothekerburschen so hautnah miterlebt hat. Ihr, der es sonst reichlich egal ist, was das Umfeld von ihr hält. Energisch wischt sie sich diese Gedanken aus dem Kopf. Muss an der vergangenen Nacht liegen, meine Nerven liegen einfach noch blank! „Was hältst du von der Sache? Also ich kenne mich mit Zwergenpysiologie nicht aus, nicht in diesem Bereich. Weißt du, stimmt das mit den Krankheiten? Und das mit den Augen, also für mich klingt das plausibel … ich meine Maulwürfe sind ja bei Tag auch fast blind und die erbringen ihr Leben ja auch zum Großteil unter der Erde…“ Leicht hilflos zuckt sie die Achseln. In den letzten Stunden hat sich so viel von oben nach unten und wieder retour gedreht, dass es ihr gar nicht befremdlich erscheint, jemand anderen als Tane um Rat zu fragen.
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Briant

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103

Saturday, December 22nd 2018, 8:04pm

In einem der Gästezimmer im ersten Stock bzw. den Vorratsräumen

Als Briant mit einem heißen Grog, dem sie ordentlich Rum hinzugefügt hat, Dars Kammer betritt, liegt der Zwerg wie die Götter ihn erschaffen haben im Zuber mit dem heißen Wasser. Den Grog nimmt er mit geschlossenen Augen und einem dankbaren Grunzen entgegen und während er so vor sich dümpelt, richtet die Mogbar das Bett und versieht es mit heißen Steinen. Eine halbe Stunde später wuchtet der Zwerg sich in die Höhe, rubbelt sich trocken und tapst, nackt und ohne jede Scham an Briant vorbei ins Bett. Wozu sollte er sich auch schämen, sie ist eine Hure, steht dazu und hat schon mehr nackte Männerärsche (und anderes gesehen) als wohl die meisten ehrbaren Frauen in ihrem ganzen Leben. „Das Salzwasser bring ich dir dann frisch, wenn ich das schon hinstell, hilft das am Abend genau gar nichts mehr“ verspricht sie ihm. Die Fensterläden hat sie ohnehin schon geschlossen, doch noch mehr verhängen? Aber was solls, Männer sind mitunter nicht zu verstehen und so hängt Briant noch Decken vor die Läden. Und als Briant sich umdreht Dar bereits, den Mund offenstehend ob der verstopften Nase. Von wegen nicht schlafen bei Tageslicht! Mit einem sanften Lächeln steckt sie noch die Decke zurecht, damit keine Zehenspitze rausgucken kann. Davon bekommt der Patient aber nichts mit und so verlässt die Mogbar das Zimmer und zieht leise die Tür hinter sich zu.

Als sie die Treppe herunter kommt, wirft sie nur einen kurzen Blick in den Schankraum. Die Mädchen kommen auch ohne sie mit dem Julputz zurecht und so begibt sie sich gleich in die Vorratsräume. Annest und die Zwillinge sind schon fleißig dabei, die Bestände zu erfassen und Bestelllisten zu schreiben. In wenigen Tagen würde der Mitwintermarkt beginnen und wenn sie auch nicht so mitten im Geschehen sind wie die Harfe ist diese Zeit auch im Pfirsich immer sehr geschäftig. So manch Händler sucht nach getanem Tagwerk ein warmes Plätzchen und bei den Gardisten ist es schon fast eine Vorjultratition, sich in der dienstfreien Zeit dem Alkohol und den Mädchen zu widmen.

„Wir müssen schleunigst Ale besorgen, bis zur nächsten regulären Lieferung kommen wir nicht aus. Sigournys ‚Freigetränke für alle‘ Aktion gestern Abend hat ein gewaltiges Loch in unsere Bestände geschlagen.“ Auch wenn in dieser Zeit vermehrt nach Glühwein, Grog und ähnlichen Heißgetränken verlangt wird, Ale geht immer. Beth macht einen Gesichtsausdruck, als hätte sie in eine Zitrone gebissen. Briant kann sich nach wie vor nur schwer vorstellen, dass die Zwillinge, die jetzt die Bücher führen, früher selbst als Pfirsiche gearbeitet haben. „Wieviel fehlt denn? Vielleicht kann unser Braumeister ein paar Fässer vorbei bringen?“ Dorna antwortet statt ihrer Schwester „Mit vier bis sechs Fässern sollten wir das Auslangen finden, zehn dann sind wir sicher. In eineinhalb Siebentagen sollten wie sowieso was nach bekommen und ein bisschen was ist ja noch da!“ „Dann schreib’s gleich auf, Sigourny wollte dann eh nach hinten kommen und die Bestellungen abzeichnen. Dann schicken wir dann am besten gleich einen der Knirpse los. Immerhin müssen sie heute eh nicht servieren und haben genug Zeit.“ So kommen die zusätzlichen Alefässer auf ein eigenes Pergamentstück, das der Zeichnung der Wirtin harrt.
Lieber eine Hure mit Herz, als eine Edle mit Gift in der Seele

Shalhor

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104

Sunday, December 23rd 2018, 1:06am

- Schankraum -

Was er von der Sache hält? Hinreißend... halt, nicht DIESE Sache, löst sich Shalhor hastig von der Erinnerung, die Sigournys zurecht zupfende Hand heraufbeschwor. Moment, Zwergenphysiologie? In diesem Bereich? DIESEM? Shalhor muss sich zwingen, seinen Augen keinen neuerlichen Ausrutscher durchgehen zu lassen, aber wie bei allen Göttern kommt sie nur auf die Idee, er kenne sich mit Zwergenbrü ... Oooh! Seine Lordschaft muss sich räuspern. Dieses Etablissement macht ihn noch ganz wahnsinnig. Dass es unter Umständen weniger an diesem Haus als an dessen Inhaberin liegen könnte, tastet er dabei vorzugsweise nicht an. Es geht nur um Krankheitsanfälligkeit und Augen eines Dunkelzwergen! Also reiß dich gefälligst zusammen!
"Ich muss gestehen, dieses dämonisch anmutende Glühen, dass ich letzte Nacht zu sehen glaubte, entpuppt sich heute nur als Glanz, wenn das Licht in einem bestimmten Winkel auf seine Augen trifft. Und was er dazu sagt, macht Sinn. Soweit ich weiß, verlassen die Fro'gar ihre Reiche nicht und wer seit je her in dunklen Höhlen haust, sollte wohl auch Augen haben, die dafür geschaffen sind", muss seine Lordschaft zurückrudern, allerdings nicht gänzlich. "Aber ist Dir aufgefallen, dass er davon gesprochen hat, verbannt worden zu sein? Den Grund hat er allerdings nicht erwähnt - vielleicht einfach nur eine Nachlässigkeit, vielleicht hat er sich aber auch verplappert. Es wäre nicht schlecht, diesen zu kennen, wenn er hier bleiben soll. Was seine Erkrankung angeht, ist es vielleicht so, wie er sagt oder vielleicht auch nicht. Wer von uns weiß das schon?! Denk an die Seuche, die letzten Winter bis nach Rhayader kam, bevor sie alles abgeriegelt haben und lass ihn von einem erfahrenen Heiler oder Heilmagier ansehen ... in unser aller Interesse. Hier", drückt er ihr seinen Geldbeutel mit den gestrigen Einnahmen einfach in die Hand, weil diese Sicherheitsmaßnahme nicht am Geld scheitern soll. Er weiß zwar nichts von ihren Verlustgeschäften wegen der Handzettel, aber dass sie gestern zeitiger geschlossen und keine Übernachtungsgäste mehr aufgenommen hat und heute wird sie gar keine Einnahmen haben, nur Ausgaben. "Wenn ich nicht eher von Dir höre, komme ich am späteren Abend wieder. Aye?"
Man sollte keine Dummheit zweimal begehen, die Auswahl ist schließlich groß genug!

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Sigourny

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Sunday, December 23rd 2018, 3:55pm

Im Schankraum

Natürlich hat sie von jener ominösen Seuche gehört, die Shalhor anspricht. Wochenlang war diese Krankheit auch im Pfirsich Gesprächsthema Nummer eins gewesen, vor allem bei den Blaumänteln, die ja bekanntermaßen zu den Stammgästen des Pfirsichs gehören. Aber auch die fahrenden Händler waren besorgt gewesen, befürchteten sie doch nebst der Einkommensverluste auch das persönliche Risiko einer Ansteckung. Ein kalter Schauer rinnt Sigourny über den Rücken, wenn sie daran denkt, dass sie sich einer solchen Gefahr gegenüber sehen könnte. So nickt sie ob des Vorschlages, einen ausgebildeten Heiler ins Haus zu holen, um jegliche Gefahr ausschließen zu können. Als der Elb ihr aber seinen Geldbeutel in die Hand drückt, weiß sie nicht, wie sie reagieren soll. Ihr erster Impuls, aus Stolz die Gabe rundum abzulehnen, wird durch einem eindringlichen Blick aus seinen unsagbar blauen Augen im Keim erstickt. „Da …danke! Ich zahls zurück sobald ich kann“ stottert sie, ganz atypisch für sie, denn eigentlich ist Sigourny nie um eine Antwort verlegen. Aber diese Augen … mit Mühe reißt sie sich davon los. Du benimmst dich wie ein Backfisch, reiß dich zusammen, verdammt!

>Wenn ich nicht eher von Dir höre, komme ich am späteren Abend wieder. Aye? < „Gern, ich meine wenn du möchtest, ich … ich würde mich freuen!“ Und dann, nach einem kurzen Moment. „dein Mantel, Moment!“ Schon flitzt sie hinter den Tresen, wo eine aufmerksame Seele – vermutlich Briant oder Annest – dem Mantel des Reeders verwahrt hat. „Hier. Und der hier …“ diesmal fischt sie den Schlüssel nicht aus dem Ausschnitt sondern ganz brav aus der Rocktasche „sperrt Vorder- und Hintertür. Komm einfach rein!“ Sie denkt sich, dass ihm das wohl lieber sein wird, als an die verschlossene Tür eines Bordells zu klopfen. Sigourny begleitet Shalhor noch zur Tür, durch die eben, eingelassen von Ysa, die Handwerker treten, um das zerstörte Fenster wieder in Gang zu setzen. „Hat Ronan da ein paar Radaubrüder zu deutlich vor die Tür gesetzt?“ fragt der Ältere der beiden mit einem Kopfschütteln, während der Jüngere sich vor sich pfeifend an die Arbeit zu machen versucht, allerdings dabei etwas von Ysas Vorzügen abgelenkt wird. Der Pfirsich trollt sich aber beizeiten wieder und so kann der Handwerksgeselle, wenn auch mit etwas roten Ohren, seiner Aufgabe nachgehen.

Einstweilen sind die Wirtin und der Elb auf die Straße getreten. Talyra ist mittlerweile erwacht und die Bewohner der Stadt gehen ihrem Tagwerk nach. „Slàn leat! Bis … bis heute Abend!“ Ihr Lächeln ist so anders, als jenes, dass sie Rohas Weiten normalerweise zeigt. Es erreicht, wie auch zuvor in ihrem Gemach, ihre Augen und ist das Lächeln einer jungen Frau für einen Vertrauten. Es macht sie fast noch schöner, denn dieser Natürlichkeit fehlt jener berechnend frivole oder auch distanzierte Beigeschmack, der ihrem sonstigen Geschäftsauftreten mitunter anhaftet. Shalhor nickt ihr noch einmal zu, und entschwindet dann in die Straßen der Stadt. Sigourny sieht ihm nach, bis er hinter der nächsten Ecke verschwunden ist. Dann kehrt sie in den Schankraum zurück. Die Erinnerung an die Vertrautheit zwischen ihnen beiden aber verschießt sie in ihrem Innerem, in einem ihr eigenen Schatzkästchen, wo sie all die, zugegeben doch wirklich wenigen, Momente und Eindrücke verwahrt, die ihr wirklich etwas bedeuten. Ganz Kind der Unterstadt sind solche Erinnerungen ihr größter Schatz, ein Hort, der ihr Halt gibt, wenn das Dunkel der Erinnerungen und die Schwierigkeiten des Alltags sie einholt. Die Tür verschließt sie hinter sich, heute ist und bleibt der Pfirsich geschlossen.
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