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Sunday, February 23rd 2014, 3:04pm

Nachdem Tiandaril eingewilligt hat, gehen die beiden Männer in Richtung Verder Tor, in dessen unmittelbarer Nähe das Gasthaus zum Pfirsich liegt. Der Elb scheint es nun eilig zu haben, seine neuen Erfahrungen zu sammeln. Learcan kann kaum mit ihm schritthalten.

Die große Eingangstür knarzt ein wenig, als sie den Pfirsich betreten und ihnen eine angenehme Wärme aus dem Inneren entgegen schlägt. Nur wenige Gäste sitzen zu dieser Stunde im Schankraum, speisen oder spielen ein Würfelspiel. Learcans Blick fällt zuerst auf ein paar Frauen, die gelangweilt um einen der Tische zusammensitzen, dann auf einen Mann, der lässig an der Wand lehnt und sie dabei beiläufig mustert und schließlich auf die opulenten Schnitzereien an den Möbelstücken, die Learcan sofort an sein neues Bett denken lassen, das ähnlich auffällig verziert ist. Vielleicht stammt das auch aus einem Hurenhaus, überlegt Learcan kurz, bevor er sich dem Tresen zuwendet, hinter dem zwei ältere Frauen stehen, die aus Learcans Sicht völlig identisch aussehen. Zwillinge! Eine von ihnen blättert in einem großen Buch und geht dort irgendwelche Einträge durch, die andere sieht dem Normander erwartungsvoll und abschätzend entgegen. "Guten Tag die Herren, können wir euch behilflich sein?" fragt diese (Beth) mit leicht lückenhaftem Lächeln. Ich hoffe nicht..., kommt Learcan als spontane Antwort in den Sinn, aber er weiß um den guten Ruf des Hauses und ist voller Zuversicht, dass sich noch Alternativen für die beiden älteren Fauen finden werden, die auch mit noch so viel Schminke die eindeutigen Zeichen des Verfalls nicht verbergen können. "Ihr sucht ein Zimmer? Oder wollt Ihr von den Pfirsichen kosten?" fragt sie freundlich weiter. Ihre Stimme ist rauh und dem Alter geschuldet etwas tiefer. "Es sind die Pfirsiche, die uns hierher lockten", antwortet Learcan schmunzelnd. "Aber es ist etwas kompliziert", fügt er mit einem kurzen Seitenblick auf Tiandaril hinzu, der stocksteif da steht. Irritiert oder staunend. Learcan kann es nicht einschätzen. "Ich verstehe", antwortet Beth und weil sie wirklich lange in dem Gewerbe tätig ist, versteht sie tatsächlich und nimmt den Normander etwas zur Seite, wo Learcan ihr in Ruhe sein Anliegen erklären kann, während ihre Schwester den Elben etwas Belangloses fragt und somit ablenkt.Learcan berichtet kurz von den lange verschütteten (oder nie dagewesenen?) Erfahrungen des Elben und erbittet für den Freund ein verständnisvolles Wesen, das mit derartigen Fällen umgehen kann."Aber sicher, ich habe da genau die Richtige für ihn", verspricht die Alte. Learcan besteht jedoch darauf, dass Tiandaril die freie Wahl hat. Auch zwischen den hochpreisigen Damen. Es soll ein besonderes Erlebnis für den Elben werden.
Learcan verhandelt dann noch recht lange über Preise und Einzelheiten, bis endlich ein schmerzlich hoher Betrag den Besitzer wechselt. Diskret, denn Tiandaril soll nichts von den Geldgeschäften mitbekommen. Er soll sich heute ganz frei und unbelastet dem Vergnügen hingeben.
"Und Ihr wollt für Euch selbst wirklich nur das Bad?" Fragt die Alte noch und lacht laut auf. "Eure Preise lassen mir wohl keine andere Wahl", antwortet Learcan leise mit einem schiefen Lächeln, das ihn nicht sehr glücklich aussehen lässt. "Ach, das ist aber schade. Du bist so ein hübscher Junge! Ich werde mal sehen, was ich da machen kann", sagt Beth und zwinkert dem Normander auf eine Art zu, die erahnen lässt, dass sie vor einigen Jahrzehnten sicherlich sehr gut im Geschäft war.

"Wir müssen nach oben gehen", sagt Learcan schließlich zu Tiandaril, als er wieder an dessen Seite steht. Auf ein Zeichen der anderen Zwillingsschwester hin, lösen sich zwei der Frauen von dem Tisch am Gastraum, an dem sie vorher untätig saßen und folgen der kleinen Gruppe nach oben.

Tiandaril

Unregistered

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Wednesday, February 26th 2014, 1:25pm

Den Fluss seiner Energien zu revolutionieren. Darauf hofft der Elb. Neue Dinge und Techniken, Bewegungsmuster, Griffe, Schläge, Tritte und Kopfstöße will er sehen. Wie ein Kind das einen Sack voll Köstlichkeiten bekommt, fühlt er sich. Wo soll er nur anfangen? Dementsprechend schnell bewegt er sich, auch, wenn er nicht wirklich weiß, wohin. Learcan jedoch lenkt ihn immer wieder auf den richtigen Pfad, bis sie schließlich vor dem Etablissement stehen. Pfirsich... Was kann dies wohl bedeuten? Pfirsiche sind klein, rund haben oft einen orangenen, roten oder rosafarbenen Ton. Alles Signalfarben in der Natur. Vielleicht ist also Ablenkung das Kredo dieser Schule. Als er eintritt, wird seine Meinung nur unterstrichen. Die Umgebung wirkt benebelnd, alles in allem wirkt übertrieben, nicht normal und ablenkend. Bravo! Welch kreative Raumausstattung, sie scheint die Kunst der hiesigen Damen und Jungen (!) sehr zu unterstützen.

Learcan unterhält sich wohl mit der Buchführerin und bestimmt einen Termin für eine private Übungsstunde. So ein fleißiger Kerl! Währenddessen gesellt sich die Zwillingsschwester der Schatzmeisterin zum Elben und stellt ihm fragen. "Schon lange habe ich keinen so großen Elben mehr gesehen!", staunt sie und blickt den Silbernen mit gut überdecktem Interesse an. "Dann solltet Ihr nach Logren gehen. Dort sind die meisten Elben so groß, wie ich.", lautet die kalkulierte Antwort. Zwilling lässt sich jedoch nicht aus der Bahn werfen und stellt die nächste Frage. "Logren also... und was bringt einen so stattlichen Mann, wie Euch nach Talyra?". "Ich habe eine Schule eröffnet." Kurz rattern die Mechanismen des Zwillings, sie kombiniert die Informationen. "Also sucht Ihr hier nach Schülerinnen?", fragt sie also mit einem verschmitzten, wissenden Lächeln. "Sehr wohl, ich suche überall Schüler und Schülerinnen.", antwortet er. Wieder muss die Dame kurz kombinieren. Ist der Elb etwa sowohl an Frauen, als auch Männern interessiert. "Wollt Ihr also Schüler oder Schülerinnen hier im Pfirsich unterrichten?", schnurrt sie, wie ein Kätzchen, vollkommen unschuldig. "Nun, beides wäre in Ordnung, aber da ich bereits zwei Schüler unterrichte, würde ich doch sehr gerne Schülerinnen haben. Zur Balance versteht sich." Tiandarîl betont das Wort unterrichten gleich seiner Gegenüber. Vermutlich spricht sie in einem Dialekt und er will sie nicht auf die zu tiefe Intonation aufmerksam machen. "Da können wir sicherlich helfen...", lässt der Zwilling den letzten Satz unausgesprochen, da sich auch beim Normander die Situation soweit geklärt hat.

Prompt werden dem Silberelben zwei Damen zugestellt. "Dies sind Rhoyneera und Gladez, zwei wundervolle Pfirsiche. Rhoyneera ist eine Amazone, wisst ihr. Und Gladez, sie ist eine Meisterin des Tanzens...", werden die beiden Damen dem Elben vorgestellt. Nach einer kurzen Unterhaltung kichern diese wie zwei nervöse Studentinnen. Tiandarîl ist jedoch etwas verwundert über dieses Gekichere. Gibt es etwas lustiges an ihm? Kurz guckt er an sich herab. Ja, sein Knoten hat den Winkel verlassen, in dem er geknotet wurde. Kurz richtet der Elb das Gewickel um ganze fünf Grad zurück zur Ausgangsposition und verneigt sich dann leicht. "Ihr habt wirklich gute Augen!", lobt er die beiden, die in dem Wort ein Synonym zu schön sehen und ihn vollkommen unschuldig anlächeln. Zusammen gehen die drei auf das ihnen zugewiesene Zimmer. Dort befindet sich ein geräumiges, pompöses Bett, sowie ein paar Karaffen mit verschiedenen Flüssigkeiten und Ölen. Übung mit Öl! Wie kreativ! Rhoyneera schenkt ihm einen Becher Wein ein, während Gladez, eine wundervoll anzublickende Nandé, das Licht etwas dimmt. Kampf im Dunkeln, wie wundervoll, eine wahre Goldgrube hat der Elb hier gefunden. "Wie sollen wir denn anfangen, Herr Tiandarîl? Was ist Euer Wunsch?", raunt die kräftige, aber dennoch weibliche Stimme der Amazone. Eine gute Frage. Alles ist etwas plötzlich gewesen, daher konnte der Krieger sich noch nicht so genau mit der hier präsentierten Kunst beschäftigen, wie es vielleicht dem Anstand gebühren würde. Welch eine Schande. Manchmal war Learcan ein wenig zu hitzig. Er hätte dem Elben mehr Zeit zur Vorbereitung geben sollen. "Nun, wie wäre es, wenn Ihr Eure Künste vorführt?", schlägt Tiandarîl vor und die beiden Damen legen gleich los. "Sehr wohl, Herr Lehrer!", kichert Gladez und beginnt, zu einer imaginären Musik zu tanzen. Wenn auch etwas steifer, steigt auch die Amazone in das Geschehen mit ein. Beide tanzen wundervoll, langsam, sehr energiereich und ab und an greifen sie einander. Eine Aufwärmübung? Oder Daechan, oder ein Kampftanz. Wahrlich interessant. Rhoyneera jedoch ist ein wenig steif in ihrem Verhalten. Ihre Hüfte hat nicht den Schwung einer Nandé und wirkt dadurch ein wenig so, als würden ihre Gelenke aufeinander reiben. Etwas, das in so einer Situation wohl niemandem aufgefallen wäre, aber der Elb hat nun mal ein Auge dafür. "Wartet. Ihr bewegt Eure Hüfte zu steif. Ihr müsst das Becken etwas mehr nach vorne verlagern, ansonsten werdet Ihr in zehn Jahren erhebliche Hüftprobleme bekommen!". Der Tanz stoppt und beide Damen blicken sich kurz an, lächeln dann dem Elben zu und beginnen erneut, angekündigt durch ein betont hoch gesprochenes: "Ja, Herr Lehrer." Schon besser scheinen die Bewegungen, aber das Becken fällt schnell wieder in seinen alten Rhythmus zurück. So etwas kann der Elb doch nicht mit ansehen. Ruckartig steht er auf und greift der Amazone an die Hüfte. Mit einem überraschten, lustvollen "Oh!", reagiert sie. Was folgt ist jedoch nicht der Auftakt zu einer Schmuddelgeschichte, nein der Elb bewegt ihr Becken langsam im richtigen Winkel zur Seite und dann wieder zum Startpunkt zurück. "Vergesst das Ausblasen nicht!", macht er sie aufmerksam. Sie starrt ihn einfach nur verwirrt an. "Entschuldigt, Ausatmen meine ich.", korrigiert er sich und die Amazone nickt. Daraufhin stellt der Elb sich ihr gegenüber und bewegt sich im gleichen Rhythmus, wie die Damen zu vor. "Seht, Ihr macht diese Bewegung so.". Mit den Händen am Becken folgt etwas knochiger Hüftschwung. "Das ist nicht gut für die Gelenke. Macht es lieber so." Ein galanter, schwungvoller Beckenstoß. Rhoyneera folgt der Bewegung und der Elb nickt. "Genau so.", spricht er seine Befürwortung aus. "Gleich noch einmal zusammen." Und so üben die drei für wohl etwa zehn kleine Rumgläser lang einen gesunden, nachhaltigen Hüftschwung.

Nach der Übung nimmt Tiandarîl wieder Platz und betrachtet die beiden weiter. "Wie wäre es mit einer etwas näheren Übung, Herr Lehrer?", fragt die Nandé, woraufhin der Elb nur nickt. Mit einem Rhythmus, der all ihre Rundungen perfekt schwingen lässt, tanzt sie vor ihm, leichter bekleidet, als es der Begriff leicht überhaupt verdient hat. Schon fast hypnotisierend wirken die Schwingungen, die von ihrem perfekten, kastanienfarbenen Körper ausgehen. Der Krieger hat jedoch ein Auge für andere Dinge. Sein Blick fährt die Beine runter, dann wieder hoch. Nicht zu unausgeprägt, aber auch nicht zu massig, sehr gut definierte Schenkel!, denkt er sich und blickt daraufhin ihren fast blanken Po an. Auch dieser, wenn im Vergleich zu den hellhäutigen Damen in Talyra eher üppig ist perfekt ausbalanciert. Zwei riesige Äpfel, die hoffentlich niemals vom Stamm fallen. Nur ein kurzer Blick, denn die Rückenmuskulatur ist noch weitaus beeindruckender. Lattissimus, Trapezius, Schultern, wundervoll ausgeprägt, doch an den Armen fehlt noch ein wenig. Sie werden wohl in dieser Kunst nicht allzu oft verwendet. Außerdem stehen einige winzige Knubbel an der Rückenmuskulatur ab. Sachte wandern die Finger des Elben darüber und er spürt, dass er Recht hat. Die für einen Elben schwielige Hand greift eine Backe des Hinterteils am äußeren, unteren Rand und zwei Finger bohren sich gnadenlos in das Fleisch. "Arrgh!", schreit Gladez überrascht und unter Schmerzen auf, eilt dann vom Elben fort. "Seid Ihr verrückt?! Rhoyneera, holt Hilfe, dieser Mann ist...", schreit sie hysterisch, stoppt sich dann jedoch selbst. "Ihr hattet eine Verspannung knapp überhalb des Pos, richtig? Ist sie noch da?", fragt Tiandarîl mit wissenschaftlicher Neugier. Gladez zögert kurz, versucht dann eine Bewegung und nickt verblüfft. "Ja, der Schmerz ist weg...", will sie kaum glauben. "Ihr hattet noch andere Verspannungen auf Eurem Rücken. Lasst mich diese Lösen.", bietet der Elb an und die Nandédame legt sich, wenn auch zögernd aufs Bett. Tiandarîl setzt sich auf ihren Po und beginnt, die Knubbel glatt zu massieren. Danach biegt er ein wenig an der Wirbelsäule herum, bis sich auch hier ein paar Bindeglieder wieder richtig einfügen. Begleitet wird das ganze von einem Stöhnen der Nandédame, eher schmerz- als lusterfüllt. Danach jedoch geht es ihr besser, sie lächelt aufrichtig, streckt sich und murmelt ein "Danke." Rhoyneera hingegen vermutet irgendeine Vorliebe des Elben darin und glaubt, Gladez Schreie seien nur gespielt gewesen. Sie wirft sich aufs Bett und guckt den Silberelben mit Dackeläuglein an. "Herr Lehrer, könntet Ihr nicht auch meine Verspannungen lösen?". Als Dank für die Vorführung willigt der Elb natürlich ein und so muss auch Rhoyneera dieselbe Prozedur über sich ergehen lassen. Einige schmerzvolle Minuten später geht es aber auch ihr besser.

Beide Damen sind mittlerweile am Verzweifeln. Wie sollten sie bei so einem Kunden ihre Arbeit richtig ausüben können? Unerschütterlich scheint der Elb, auf was haben sie sich da bloß eingelassen. Dafür müssen aber ein paar Münzen extra über den Tisch rollen. Einen letzten Versuch wollen sie jedoch noch wagen. Rhoyneera führt den Elben an der Hand in den Stand und geht auf Tuchfühlung. Ihre Hand wandert zum Hosenbund und greift dort fast zu. Das ist also die Kunst der Ablenkung. Tiandarîl schiebt ihre Hand sachte beiseite, hebt den Arm, unterstützt die Drehung und biegt das Handgelenk im richtigen Moment so, dass die Amazone niederknien muss. Diese zuerst verwundert startet aus dieser Position einen erneuten Versuch, die Hand fährt nun etwas schneller zum Hosenbund, der Elb jedoch lässt die Hand vorbeigleiten, indem er seinen Arm dazwischen bringt, führt dann das Handgelenk hinter den Kopf der Amazone und zieht diesen schräg nach unten. Sanft landet die Dame auf dem weichen Teppichboden, wirkt jedoch überrascht. Da nähert sich schon Gladez von hinten, will den Anzug des Elben öffnen und seinen Oberkörper mit ihren geschulten Händen liebkosen. So nicht mit Tiandarîl! Einen Ringergriff plant die Nandé also, ihren Volkssport, eine Form des Ringens und Tanzens will sie anwenden. Was für eine wundervolle Übung. Der Krieger schlüpft unter den Armen der Nandé nach hinten durch, greift sie an der Stirn und an der Brust, nutzt die eigene Hüfte, um das Balancezentrum des Pfirsichs zu brechen und führt die Dame mit einem sanft ausgeführten Beckenwurf gen Boden. Sie spürt keine Schmerzen, aber wirkt genauso verblüfft, wie die Amazone. Beide rotten sich zusammen und starren den Elb an, als sei er komplett verrückt.

Als letzte Instanz wählen sie jedoch das Gespräch. "Sagt, was für ein Fach unterrichtet Ihr denn, Herr Tiandarîl?", eröffnet Gladez, mit dem feurigen Akzent der Savannen, der jedoch ein wenig niedergeschlagen klingt. Ein laues Flämmchen also eher. "Nun, ich unterrichte Kampfkunst.", antwortet der Elb knapp, fügt dann jedoch an. "Aber das wisst Ihr sicher. Um genauer zu sein unterrichte ich die Kunst der sanften Energie und die Kunst des schnellen Schwertziehens." Kurz blicken sich die Damen an, scheinen genug Teile des Puzzles zu haben, um langsam zu verstehen, was hier vor sich geht. "Und was wolltet Ihr genau hier tun?", fragt die Amazone ganz ungeschminkt. "Nun... mein Freund Learcan erzählte mir davon, hier Energien neu kanalisieren zu können und etwas mehr über Frauen und Körperbewegungen zu erfahren. Und er hatte Recht. Die hohe, getarnte Kampfkunst des Pfirsichs hat mich sehr beeindruckt." Noch einmal blicken sich die beiden Damen an und diesmal ist jegliches Missverständnis außer Frage. Denn dies ist ein großes Missverständnis. Bezahlt ist jedoch bezahlt und der Kunde muss beglückt werden. So oder so. Gladez fasst daher den Entschluss. "Ehrenwerter Meister Tiandarîl, würdet Ihr uns Eure Kunst näher bringen? Seht Ihr, manche verstehen die unsere nicht und werden nicht selten handgreiflich. Vielleicht könntet Ihr uns also den ein oder anderen Griff beibringen?".
Gesagt getan, der Elb zeigt den beiden ein paar Techniken und sie üben zu dritt, bis der Schweiß in Strömen herabfließt. Was zuerst als Martyrium geplant war, macht den beiden Damen am Ende doch Spaß und sie lernen, wenn auch nur im Ansatz, den ein oder anderen Griff kennen, mit dem sie sich vor einem Freier retten können.


Beide Damen führen Tiandarîl nach den etlichen Übungssequenzen zum Badezuber im Pfirsich. Beide lächeln erschöpft, die Haare verklebt und mit einem verführerischen Winken dem Elben ein auf Wiedersehen. Dieser tritt in den Zuber, wo Learcan bereits auf ihn wartet, um selbst ein Bad nehmen zu können. Zuvor hatte er sicherlich noch etwas in der hauseigenen Schenke getrieben.

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Wednesday, February 26th 2014, 5:18pm

Nicht ganz ohne Neid sieht Learcan dem Elben hinterher, der mit zwei Schönheiten in die oberen Räumlichkeiten entschwindet. Ihm selber wird Inaris Bad zugewiesen. Ein Raum von besonderer Schönheit und äußerst luxuriös, so dass es ihn sogleich für seine Kosten entschädigt. Neugierig betrachtet der Normander das gewaltige, ovale Becken, das auf Elefantenfüßen thront. Stete Blubberbläschen lassen vermuten, das Wasser würde kochen. Aber es ist nur angenehm warm, daher entledigt sich Learcan seiner Kleidung und steigt schnell hinein, bevor es abkühlt.
Wie machen sie das nur? überlegt der Normander angestrengt, während er den Boden und die Seitenwände des Beckens genauer untersucht. Es ist nichts zu sehen außer der Wanne. Keine seltsamen Mechanismen, keine Zuleitungen. Einfaches Wasser und es blubbert ganz von alleine. Dem Normander ist das nicht geheuer. Andererseits ist es nur ein weiterer Stein in dem Mauerwerk der Ungeheuerlichkeiten, die er auf seiner Reise bisher gesehen hat. Ihn wundert allmählich gar nichts mehr. Würde man ihm erzählen, dass auf dem Wannengrund unsichtbare Wesen sitzen, die permanent furzend die Bläschen verursachen, Learcan würde wahrscheinlich selbst das glauben.
"Es ist ein Wassermagier, der dafür verantwortlich ist", spricht plötzlich eine glockenhelle Stimme. Sie gehört einer leicht bekleideten jungen Frau, die sich unbemerkt der Wanne genähert hat und nun im Begriff ist, ebenfalls ins Wasser zu steigen. "Ein Wassermagier?" wiederholt Learcan und lässt dabei seine Augen bewundernd über den Körper der jungen Frau wandern. DAS ist es also, was Wassermagier tun? Um diese neue Erkenntnis reicher, wandern Learcans Augenbrauen leicht nach oben. "Und wer seid Ihr?" fragt er lächelnd, woraufhin sie sich als Ysa vorstellt. Als der Normander den Mund öffnet, um etwas zu erwidern, ist sie schneller und hält ihm einen ihrer zarten Finger vor den Mund. "Pssst. Ihr braucht Euch keine Gedanken machen. Gut zahlende Kunden erhalten manchmal eine kleine Zugabe. Damit sie zufrieden sind, Ihr versteht?" Sie lächelt Learcan kokett an und der Normander entspannt sich ein wenig. Schon ist Ysa sehr nah bei ihm. Bevor er etwas sagen kann, taucht Ysa jedoch in der Wanne ab, um kurz darauf immer noch lächelnd wieder aufzutauchen. Wenig später denkt Learcan noch, wie gut die Seife riecht, die Ysa mitgebracht hat und wie erstaunlich lange sie unter Wasser die Luft anhalten kann, bevor sich seine Finger in den Wannenrand krallen und er eine Zeitlang gar nicht mehr viel denken kann.

Eine gefühlte Ewigkeit später, nachdem Ysa längst gegangen ist, sitzt Learcan wieder in der Wanne und fragt sich, wo Tiandaril so lange bleibt. Die Haut an seinen Fingern wird langsam schon ganz schrumpelig von dem vielen Wasser. Es wird Zeit, das Bad zu verlassen. Gelangweilt nimmt er einen Schluck von dem Wein, den Ysa noch brachte, bevor sie tänzelnd verschwand.
Schließlich erscheint der Elb in Begleitung der zwei Schönheiten, die sichtlich abgekämpft wirken und sich geradezu dankbar von dem Elben verabschieden. Dann hat sich das Geld tatsächlich gelohnt, denkt Learcan zufrieden und auch eine Spur beeindruckt.

"Nun, wie sieht es aus? Hat es dir gefallen?" fragt er sicherheitshalber nach, als Tiandaril ebenfalls in der Wanne Platz nimmt.

Tiandaril

Unregistered

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Friday, February 28th 2014, 9:01pm

Tiandarîl nimmt gekonnt in der Wanne platz. In seiner Heimat kann man ähnliche Arrangements finden, ein wenig Nostalgie schwingt sogar mit, als er sich in die große, naturähnlich gestaltete Wanne setzt. Die Wärme umgreift die Haut, wärmt danach Fleisch und auch Knochen. Ein angenehmes Rot greift auf seine Haut über, als sei er ein Rosenelb, wenn es denn welche gäbe. Einmal atmet der Elb tief ein und aus, dann wieder ein. Daraufhin wird der Frage des Normanders geantwortet. "Es war wirklich eine wundervolle Erfahrung. Mit den Energien hast du Recht gehabt... Ich einige Rhythmen erlernt, die ich gerne weiter vertiefen und aufwenden möchte." Kurzes Durchatmen. "Wirklich, die Kunst der beiden Damen ist etwas komplett Neues gewesen. Wirklich, hab Dank für diese außergewöhnliche Erfahrung."

Etwas Zeit vergeht, in der die beiden nur schweigen, dann wird ein wenig Obst und Wein herangebracht. Von beidem bedient sich der Elb, während seine Haut schrumpelig und sein Körper langsam eins mit dem Wasser in der Wanne wird. Ein wundervolles Gefühl, wirklich. Irgendwann steht der Elb jedoch auf, man muss dem Gemütlichen auch irgendwann entsagen, trocknet sich ab und kleidet sich wieder in den Gewändern, die er schon zuvor getragen hatte. "Das tat gut. Aber es warten noch einige Einkäufe auf uns, Learcan. Ich weiß nicht, wann der Gewürzhändler schließt." Während er sich ankleidet, schwirren seine Gedanken über die erlebten Kampferfahrungen, den Unterricht, den er genießen durfte, genauso, wie den, den er gab. Wirklich, eine sehr aufschlussreiche Erfahrung und das Bad gefällt ihm so gut, dass er irgendwann sicherlich noch einmal zurückkehren wird. Langsam steigt er die Treppe hinunter in den Aufenthaltsraum, der nun weitaus voller ist, als zuvor. Beth wendet sich an Learcan: "Was hat denn der Herr mit den beiden Damen angestellt? So ausgelaugt hab ich sie noch nie erlebt!", wirkt sie durchaus verwundert. Tiandarîl greift der Antwort zuvor, es scheint der richtige Schritt zu sein. "Nun... ich war vielleicht ein wenig zu fordernd und anspruchsvoll... Bitte stellt den beiden meine Entschuldigungen aus.", antwortet er mit neutraler Demut. Vielleicht hat er die beiden Damen etwas überstrapaziert. Dennoch wartet er darauf, ob Learcan noch etwas zu sagen hat, blickt jedoch gleichzeitig auf die Tür. Sein Zeitplan ist zwar flexibel, aber er möchte heute gerne noch die geplanten Einkäufe tätigen.

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Saturday, March 1st 2014, 11:35am

Gut. Dann hat es ja seinen Zweck erfüllt, denkt sich Learcan und nickt schweigend, als Tiandaril von der wundervollen Erfahrung berichtet. Trotzdem ist er froh, dass es bei einer kurzen Erwähnung von Rhythmen bleibt. So genau will er es nun auch nicht wissen. "Freut mich, dass es dir gefallen hat. Du solltest unbedingt in Übung bleiben, was dies betrifft", rät er dem Elben und nimmt ein paar von den Trauben, die auf einem silbernen Teller bereit stehen. Welch ein Luxus, der ein merkliches Loch in Learcans Geldbörse geschlagen hat. Aber es war jeden einzelnen Heller wert. Learcan fühlt sich heute wahrhaft königlich und gönnerhaft. Beides Gefühle, die ihn leider viel zu selten überkommen.
Eine Weile liegen sie noch entspannt herum, wobei jeder seinen Gedanken nachhängt. Dann ist es Zeit, diese traumhaften Räumlichkeiten wieder zu verlassen und sich der Realität zu stellen.

Zügig kleidet sich der Normander wieder an und kehrt gemeinsam mit dem Elben in den unteren Bereich des Hauses zurück, wo sie von Beth abgefangen werden, die ausgerechnet von Learcan wissen will, was Tiandaril mit den beiden Damen angestellt hat. "Ähm..." Learcan sieht ratlos zu dem Elben, der zum Glück eine passende Antwort parat hat, so dass dem Normander ein Kommentar erspart bleibt.
Aber auch Learcan sieht sich noch veranlasst, ein paar Worte an Beth zu verlieren: "Und habt Dank für die vorzügliche Behandlung in Inaris Bad. Ich habe es sehr genossen und werde dieses Haus gerne wieder besuchen", sagt er lächelnd mit einem leichten Augenzwinkern und verbeugt sich vor der älteren Dame, die nun ihrerseits zufrieden lächelt. Sei es, weil sie sich über die guten Manieren dieser Besucher freut oder weil sie heute ein gutes Geschäft gemacht und neue Kunden gewonnen hat.

Wenig später sind die beiden Männer draußen vor der Tür, um als nächstes den Gewürzhändler aufzusuchen.

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Sigourny

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Wednesday, November 21st 2018, 3:35pm

Ende Beerenreif 518

Mit einem Seufzer lehnt sich Sigourny al Mere, die Pächterin und Betreiberin des Pfirsichs, sich in ihrem Kontor auf dem Sessel vor dem Schreibtisch zurück. Die Geschäfte waren trotz oder gerade wegen des heißen Sommers ganz gut gelaufen: Zwar hat vor allem im Hochsommer die Nachfrage nach Pfirsichen etwas nachgelassen (so manchem Mann schien da die Energie für wirklich alles zu fehlen), dafür waren die Zapfhähne im Dauerbetrieb und zu den besten Zeiten waren die Pfirsiche, die gerade nichts zu tun hatten zu Servierdiensten abkommandiert worden, um der ewig durstigen Meute Herr zu werden. In Summe ein ertragreicher Sommer. Nun kommt der Herbst ins Land, auch wenn die Temperaturen dies noch nicht glauben lassen und so verschiebt sich auch die Geschäftsausrichtung des Pfirsichs wieder in gewohnte Bereiche.

Sig versperrt die Truhe, in die sie eben die Bücher mit der aktuellen Abrechnung gelegt hat, und lässt den Schlüssel in einer kleinen, raffiniert an der Innenseite ihres Mieders verborgenen Tasche, verschwinden. Hier ist er sicher und wer da heran kommen will, muss erst an ihr und ihrem, in einer Lederscheide am Oberschenkel verborgenen, Messer vorbei. Ein letzter prüfender Blick, dann verlässt die junge Frau das Kontor und begibt sich in den Schankraum. Noch ist es Nachmittag und somit eher ruhiger im Pfirsich. Am Tresen lümmelt Tane herum, einen Krug Ale vor der Nase und aus einer der Nischen klingt verhaltenes Gekicher. An der Stimme vermeint sie Rocha zu erkennen. Tane deutet mit einem anzüglichen Grinsen über seine Schulter zu der von Samtvorhängen verborgenen Nische. „Der feine Herr meint mit Maske erkennt ihn keiner, dabei pfeifen es doch die Spatzen von den Dächern dass der werte Herr hier ein und aus geht. Ich frage mich …“. „Frag dich leise!“ Sig sieht ihn streng an. Eine der Grundtugenden (und vielleicht die einzige) des Pfirsichs ist Diskretion. Nichts was hier geschieht verlässt diese Mauern, es sei denn, es handelt sich um grobe Straftaten, die den Blaumänteln nicht zu verbergen sind. Auch wenn bei Sig und Tanes kleinen Gaunereien mitunter ein Auge zugedrückt wird: Sobald es wirklich um grobe Verstöße geht, ist es aus. Das wissen in Talyra alle und dementsprechend wissen sich die Gäste zu benehmen.

Eben schwebt Amitaba die Stufen herab, wenig später gefolgt von einem etwas älteren Menschenmann mit leichtem Bauchansatz, der den verklärten Gesichtsausdruck nicht verbergen kann, als er durch die Tür das Gasthaus verlässt. Mit einem Plopp taucht auch der Kobold hinter dem Tresen aus, wie immer mit einem schmutzigen Grinsen im Gesicht. Dobesto war in seiner Funktion als Wassermagier in Inaris Bad eben wieder zu Beobachtungen gekommen, die seine rege Koboldfantasie beflügeln und Sigourny kann sich nur rege vorstellen, dass er sich nach Dienstschluss selbst auf die Jagd nach einer willigen Fee oder Elfe machen wird. Alles in allem ist es ein ganz normaler Nachmittag im Pfirsich.
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Friday, November 23rd 2018, 8:52am

Zweiter Siebentag des Nebelfrosts 518

Eine Tierische Botschaft

Die Stunde des Herdfeuers ist beinahe um, als Sigourny sich genüsslich in ihrer Bettstatt reckt und räkelt. Der gestrige Abend im Pfirsich war lang geworden und die Wirtin war erst weit nach der dunklen Stunde ins Bett gekommen. Ein umtriebiger Mogbar hatte seinen siebzigsten Namenstag gefeiert und war mit seinen Freunden, alle ungefähr im selben Alter aber nicht weniger rüstig, im Pfirsich gelandet. Ob geplant oder nur durch eine Fügung der Götter war ihr verborgen geblieben aber Annest hatte in Windeseile ein Festessen bereitet und so waren die Herren geblieben. Die Pfirsiche waren sofort bereit die lieben Großväter (oder Odadas wie Briant sie genannt hatte) zu umsorgen und Sigourny hatte nur die Angst, dass einem der Älteren das Herz vor Aufregung stehen bliebe. Vor allem als Gladez dann begonnen hat, für den Jubilar den Schleiertanz zum Besten zu geben. Doch den Göttern sei Dank hat Sithech beschlossen, an jenem keinen der Feiernden zu sich zu rufen – wofür die Wirtin ernstlich überlegt, dem Tempel einen Besuch abzustatten. Solche Todesfälle, seien sie auch natürlichen Ursprungs, waren zum einen schlecht fürs Geschäft und zum anderen wurde man da sehr schnell ins Blickfeld der Obrigkeit gerückt. Sigourny mag die Blaumäntel, aber in erster Linie als Kunden des Pfirsichs. So hat haben die Wächter unter Führung von Doug und Drei-Zehen-Emaid schon die Sperrstunde eingemahnt, als sich die rüstigen Herren schließlich dann doch auf in Richtung Mogbarviertel gemacht haben. Zuvor hat sie der Jubilar noch zur Seite genommen und, erstaunlich klar für die Mengen an konsumiertem Alkohol, erklärt er würde gern den Pfirsich und vor allem Gladez und ihre Tanzkünste für den Junggesellenabschied seines Enkels im kommenden Grünglanz mieten. Sigourny ist im ersten Moment etwas erstaunt, so eine Anfrage hat noch keiner an sie gerichtet. Sie fängt sich aber, ganz Geschäftsfrau, schnell, wechselt einige Worte mit Annest und Gladez und schon ist die Vereinbarung unter Dach und Fach. Dann verlassen die Mogbar, mehr oder weniger sicher auf den Beinen, den Pfirsich und sicherheitshalber schickt die Wirtin ihnen Gurvan hinterher, damit sie auch sicher ankommen. „Du hast einfach doch ein gutes Herz Mädel, streit es nicht ab!“ raunt Ronan ihr ins Ohr. Ihr bärbeißiger Türsteher, der nach dem Dämonenangriff mit seinen Kindern Unterschlupf im Pfirsich gefunden hat, weiß dass die junge Frau das Etablissement, seine Bewohner aber auch die Gäste mit ihrem Leben verteidigen und für sie durch die neun Höllen gehen würde – eine Einstellung, die sie tunlichst zu verbergen sucht. Dafür ist sie zu sehr ein Kind der Unterstadt: keine Schwäche zeigen und kein Mitleid. Doch im Pfirsich weiß jeder, dass ihr – wie sie selbst sagt – bürgerlich gewordenes schwarzes Herz eine sehr weiche, sehr helle Seite hat. Sigourny hat ihm einen gespielt bösen Blick zugeworfen, worauf sich der Bär von einem Mann mit einem sehr leisen, sehr seltenen Lächeln in seine Kammer zurückgezogen hat, wo seine beiden Kinder bereits schlafen. Die Wirtin sieht ihm nach und fragt sich, wie so oft, was für eine Art von Mann er wohl vor dem Dämonenangriff gewesen war, bei dem er sein Heim und auch seine Frau verloren hat, Dinge über die er nie spricht.

Der Pfirsich öffnet immer erst zur Stunde der Ruhe und so würde es auch trotz der gestrigen langen Nacht heute sein. Im Erdgeschoß hört sie schon die Schankmaiden und –jungen rumoren, die damit beschäftigt sind, alles wieder sauber zu machen und auch in der Küche würde Annest mit Sicherheit bereits wieder den Kochlöffel schwingen. Noch einmal räkelt sich Sigourny wie eine Katze um dann aus dem Bett zu steigen. Nach wie vor ist sie geschmeidig wie eine Katze, auch wenn sie schon lange nicht mehr als Einsteigdiebin unterwegs ist. Dieses fehlende „Training“ ist ihr in keinster Weise anzusehen. Sie kramt gerade in ihren Truhen nach Kleidern für den Tag, als ein spitzer Schrei durch den Pfirsich gellt. Bei allen Göttern was ….? Blitzschnell wirft sie sich ein großes Tuch über, trägt sie doch nur Leibwäsche und stürmt barfuß die Treppe hinunter und zum Vordereingang, wo sich schon einige Pfirsiche eingefunden haben. Eine aufgelöste Maddi schluchzt an Annests Schulter. „Was ist los?“ will Sigourny wissen, als sie sich zwischen ihren Leuten zur Tür schiebt, gerade noch rechtzeitig um zu sehen, wie Ronan, unterstützt von Tane, drei toten Ratten vom hölzernen Pfirsichschild über der Tür löst. Zwei weitere Tiere sind an die Tür genagelt und vor der Tür liegen die Reste einer Dritten, vermutlich hat sich an dieser schon ein Straßenköter gütlich getan. „Bei allen verfluchten Dämonen, räudigen Nargenärschen und …“ Sig kann fluchen wie der größte Unterstadtganove und das zeigt sie jetzt auch sehr eindrucksvoll. Tane lässt sie ihre Wut loswerden, er kennt die junge Frau schon sein halbes Leben, sie ist wie eine Schwester für ihn. Gemeinsam auf Diebestouren, gemeinsam einem üblen Fluch getrotzt und gemeinsam dem Sumpf der Stadt unter der Stadt entronnen – das verbindet. „Maddie hat sie gefunden als sie zum Markt gehen wollte.“ Das Mädchen war bereits von Annest ins Innere des Pfirsichs gebracht worden und ihr Vater hat die toten Ratten mitgenommen, um sie zu entsorgen. „Du weißt was tote Ratten bedeuten?“ Sigourny nickt, wie könnte sie das nicht wissen: Es ist eine Warnung, aber warum? Es ist Ewigkeiten her, dass sie mit der Unterstadt Kontakt hatte und auch Tane würde den Dunklen tun, sich mit diesen Leuten wieder einzulassen. „tu mir einen Gefallen, hör dich ein wenig in der Stadt um Tane. Wir müssen wissen, was los ist. Aber nimm dich in Acht und bleib in der Oberstadt. Schon der Fliegengrund kann gefährlich werden, solange wir nicht wissen, wer was gegen uns hat!“ Der junge Mann nickt und stapft los. Sigourny zieht das Tuch fester um die Schultern und tappt frierend wieder ins Haus. Sie muss sich schnellstens etwas anziehen und sich bei Annest heißen Cofea holen, sonst wäre ihr eine Erkältung sicher. Und dann würde sie mit Maddie gemeinsam auf den Markt gehen, die Kleine braucht nach dem Schreck Ablenkung. In all dem Trubel hat niemand bemerkt, wie Dobesto, der sonst immer dort zu finden ist wo es Ärger gibt, sehr leise Richtung seines Kobels gehuscht war.
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Shalhor

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23

Friday, November 23rd 2018, 2:20pm

Das Geschäftsfeld der Reederei Taréll ist natürlich der Güterverkehr zu Wasser, doch für erlesene Stammkundschaft arrangiert seine Lordschaft durchaus auch die Auslieferung - sofern erbeten und gegen Aufpreis versteht sich. Die Schneiderei Dornenbeutel ist zu dieser Stunde bereits beliefert. Vier Ballen Batist, je zwei Ballen Brokat, Samit, Satin und je ein Ballen Pfauenseide, Gaze, Organza und Musselin, samt einer Kiste feinster Nähgarne, glänzender Perlen und filigraner Borten sind vom Schneidermeister persönlich begutachtet und für gut befunden worden. Auch die Stadt- und Zeremonienhalle und mit ihr die erlauchten Stadträte sind nun wieder mit einem ansehnlichen Vorrat an Papyrus und Tinte für deren Amtsgeschäfte gewappnet und Shalhor im Gegenzug mit dem neuesten Skandalen oder was die Obrigkeit eben dafür halten mag. Die Neuigkeiten um Olyvar oder besser gesagt um dessen Heirat mit einer gesuchten Rebellentochter, deren Nichtauslieferung sie alle noch teuer zu stehen kommen könnte, entlockt ihm nicht viel mehr als ein gequältes Lächeln. Er wüsste da eine Ehefrau, die ihm weit mehr Anlass zur Sorge gibt als irgendeine Menschenfrau, die in Zwist mit der rhaínländischen Krone geraten war, hält sich aber tunlichst bedeckt und sieht zu, dass er sich hier am Markt im unmittelbaren Blutaxtrevier nicht allzu lang aufhalten lässt. Nachdem die Auslieferung quittiert und aller Höflichkeit genüge getan ist, steigt er zügig neben den Wagenlenker auf den Kutschbock und heißt ihn, den "Pfirsich" anzusteuern.

Sigourny Al'Mere wird heute die letzte Geschäftspartnerin sein, die er beliefert, was ihm die Gelegenheit einräumt, im Pfirsich eine Kleinigkeit zu speisen, denn nachdem die Weinfässer aus den Anbaugebieten den Nebrinôrthares am Südostufer des Ildorel; der Arrak, Armañac und Hamadat, sowie die Kisten mit Feigen, Datteln und Pfirsichen (die Früchte wohlgemerkt, keine Mädchen) abgeladen sind, soll ihm eine Stärkung gerade recht kommen. Als das Fuhrwerk vor dem Etablissement ankommt, ist von dem morgendlichen Schrecken nichts mehr zu erahnen. Zunächst nur mit dem Frachtbrief bewaffnet betritt seine Lordschaft den großen Schankraum und grüßt die anwesenden Schankmaiden und -burschen, die offenkundig noch dabei sind, den Laden für die heutige Gästeschar auf Vordermann zu bringen. "Guten Tag allerseits. Könntet Ihr bitte Madam Sigourny Bescheid geben? Ich bringe ihre Schiffsfracht."
Man sollte keine Dummheit zweimal begehen, die Auswahl ist schließlich groß genug!

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24

Friday, November 23rd 2018, 5:30pm

Mitte Siltha im Jahr 518, zur Stunde der Heimkehr

»Du willst …was?« „Die Arbeit als Lastenträger.“ »Aber du bist ein Alchemist hast du gesagt, du kannst mehrere Sprachen lesen und schreiben, kannst als was weiß ich nicht was gutes Geld verdienen und, und von den Gerüchten über dich und den Verlorenen will ich gar nicht erst erst anfangen.« Ein sardonisches Lächeln huscht über Dars Lippen. „Das solltest du aber Filius.“ Dar blickt den Mogbar an, der es sich zum Geschäft gemacht hatte gute Weine und andere Spirituosen an den Mann zu bringen wie gleichermaßen zu Geld auch zu machen versucht. „Ich will, was hinter mir liegt, vergessen – für eine Zeit zumindest.“ »Lastenträger also?« „Lastenträger, ja!“

Den restlichen Tag bewegt Dar Fässer und andere Lasten zwischen verschiedenen Weinkellern, sowie von und zum Verder Tor fuhr hin und her. Als er schließlich zum frühen Abend hin eine letzte Fuhre zum Verder Tor begleitet, weiß die hetige Wache ihn schon mit Namen zu grüßen, statt ihn noch misstrauisch nach dem Woher und wohin zu fragen. Einige wenige münzen welchseln den Mann und Filius, beinahe schon entschuldigend, erinnert Dar daran, wessen Idee das mit der Anstellung als Lastenträger war. „Ach vergiss es. Morgen früh dann wieder?“ Filius grinst verschmitzt und nickt! »Du schleppst für zwei und murrst weniger als alle meine anderen Träger. Ich weiß immer noch nicht was du dir davon erhoffst, aber … Ach und du fragtest nach einer günstigen Unterkunft hier in der Nähe?« Das Grinsen des Mogbar wird einen Deut verschmitzter. »Da gibt es den Pfirsich.« Filius deutet nach links über seine Schulter auf ein großes Gasthaus, das des Tags recht verlassen schien, mit zunehmender Stunde aber mehr und mehr Besucher anzuziehen scheint. »Gut günstig, sauber und – ich glaube – genau das, was du jetzt gebrauchen kannst.« Dar greift sich seine sieben Sachen und stapft gen neuer Unterkunft, derweil Filius Grinsen mit jedem Schritt, den Dar sich entfernt breiter wird. »Ganz sicher etwas, das du gerade gebrauchen kannst!« murmelt der Mogbar, ehe er die beiden Ponys mit einem Schnaltzen der Zunge anweist das nun lehre Fuhrwerk zurück nach Hause zu ziehen.

Das man seiner Frage nach einem günstigen Zimmer möglicherweise mit der Frage für wie viele Stunden er es den brauche und ob ihm nach Pfirsichen denn auch sei beantworten könnte und vor allen Dingen was das meint, das ahnt der Frogar noch nicht, als er nach angenehm geistloser aber anstrengender Tätigkeit eigentlich nichts sehnlicher als ein paar Stunden Schlaf sich nur wünscht.
“Siehst du einen Riesen, so prüfe den Stand der Sonne und gib acht, ob es nicht der Schatten eines Zwerges ist.”

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Sigourny

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25

Friday, November 23rd 2018, 8:03pm

Kurz vor der Stunde der Ruhe

Sigourny kehrt eben mit Maddie vom Markt zurück. Mittlerweile hat das Mädchen den Schrecken überwunden und als sie den Wagen des Reeders vor der Tür erblickt schlägt sie verzückt die Hände zusammen. „Annest hat mir versprochen, mir zu zeigen, wie man den tollen Pfirsichkuchen macht. Und am Markt hat mir eine Frau ein Rezept für Datteln im Rumbad verraten. Wenn das die Fracht ist, dann kann ich das gleich ausprobieren.“ Ihre Augen glänzen vor Begeisterung, wie sie es eigentlich nur tun, wenn sie in der Küche, zum Teil auch schon fast ganz ohne Annests Hilfe, arbeiten kann. Die alte Köchin hat ihrer Dienstgeberin verraten, dass das Kind ein Naturtalent ist und Sigourny unterstützt den Werdegang Maddies nur zu gerne.

Eben betreten die beiden den Schankraum und Sigourny hört noch >Guten Tag allerseits. Könntet Ihr bitte Madam Sigourny Bescheid geben? Ich bringe ihre Schiffsfracht.< „Ich bin hier“ mit einem Lächeln geht sie auf den Reeder zu. „Schön euch zu sehen Shu´re Shalhor. Wollt ihr euch nicht setzen?“ Die Wirtin weißt auf einen der Tische und wendet sich an das Mädchen in ihrer Begleitung: „Maddie, sagst du Annest bitte sie soll eine Kleinigkeit zu essen zaubern und bringst du Wein? Und dein Bruder kann dem Fahrer beim Abladen helfen!“ Die Angesprochene nickt und huscht Richtung Küche davon. Einstweilen überfliegt Sigourny den Frachtbrief, wie immer scheit alles in Ordnung zu sein. Ihr Geschäftspartner ist ein ehrlicher und verlässlicher Mann. „Gebt mir das mal, wir sind sowieso gerade dabei, die Inventarlisten abzugleichen. Dann können wir das auch gleich eintragen! Dorna, ein ehemaliger Pfirsich und jetzt mit ihrer Zwillingsschwester gemeinsam für Lagerstand, Buchhaltung und all diese Dinge zuständig, nimmt den Frachtbrief an sich und schenkt dem Elben ein Lächeln. „seine Lordschaft ist auch zu freundlich, uns die Waren immer ins Haus zu bringen!“ Dann verschwindet sie ebenfalls in den hinteren Räumen. Als Sigourny und der Reeder Platz nehmen steht bereits kühler Wein auf dem Tisch und die ersten verlockenden Düfte dringen aus der Küche.
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Shalhor

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26

Saturday, November 24th 2018, 12:07am

Kurz vor der Stunde der Ruhe

"Die Freude ist ganz auf meiner Seite" zaubert die aparte Erscheinung der Hausherrin ein wohlgefälliges Lächeln auf Shalhors sonst so strengen Züge und bedenkt auch ihre junge Begleiterin mit einem freundlichen Blick. Ebenso gern folgt er der zuvorkommenden Einladung doch Platz nehmen, legt Waffengurt und Mantel kurzerhand über die Stuhllehne, natürlich nicht ohne Madam Sigourny vorher ihren Stuhl zurecht gerückt zu haben und bedauert keineswegs, des Abladens der Lieferung enthoben worden zu sein, um gleich zum erhofften und überaus angenehmen Teil seines Besuches überzugehen. Eine Frau wie Sigourny weiß eben, wie man einen Mann glücklich und zufrieden macht. Selbstredend überlässt er ihr den Frachtschein und erwidert der koketten Dame, die diesen schließlich an sich nimmt: "Welcher Mann könnte Eurer Dienstherrin schon einen Wunsch ausschlagen" - eine rhetorische Frage, die keiner Antwort bedarf, denn die eigentliche Frage ist nicht die nach dem Können, sondern dem Wollen und Shalhor will in diesem Fall nicht. Er schätzt Madam Sigourny nach anfänglicher Skepsis inzwischen sowohl als Geschäftspartnerin, als auch charmante Gastgeberin und glaubt wie viele Andere, sie habe ihrer Vergangenheit abgeschworen, sofern an den Gerüchten um ihre Person überhaupt etwas Wahres gehaftet haben sollte.
Kaum sind sie allein an diesem Tisch, unterbreitet er ihr deshalb ein Angebot, dass er keineswegs jedem seiner Geschäftspartner offeriert, geschweige denn anbieten könnte. "Bevor ich es vergesse zu erwähnen, über geschäftliche Kontakte in Ceresdor kam mir zu Ohren, dass die Weingüter in Samaramh und Gleann Warachdan in diesem Zwölfmond einen Spitzenjahrgang erwarten, zudem überaus ertragreich, so dass es mir möglich war, ein halbes Dutzend Flaschen des Ceresdorer Óir vor zu bestellen - eine kostspielige Rarität, doch wenn Ihr interessiert seid, wäre ich gern bereit, Euch eine Flasche abzutreten, auch wenn wir uns einstweilen noch gedulden müssen." Das ist recht vorsichtig formuliert, denn dieser Kuvettwein ist einer der teuersten und am schwersten zu bekommenden Weine der Immerlande, der nach seiner Kelterung über ein Jahr hinweg in Fässern aus schwarzem Righ Or Holz reifen muss um seine einzigartig komplexe Geschmacksvielfalt zu entwickeln, die ihresgleichen sucht. "Und das sollte natürlich unter uns bleiben", bedient er sich eines verschworenen Lächelns, sich ihrer Verschwiegenheit zu versichern.
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Sigourny

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27

Saturday, November 24th 2018, 1:06pm

Kurz vor der Stunde der Ruhe

Bei dem Angebot, eine Flasche Ceresdorer Óir zu erstehen, muss Sigourny sich bemühen, nicht verzückt zu jauchzen. Eine solche Kostbarkeit wäre eine traumhafte Ergänzung in den Angeboten des Serails oder der Kemenate und würde den Wert der darin residierenden Edelpfirsichen nur noch weiter steigern. Sie hat einige Kunden, die diesen Aufpreis sofort und ohne mit der Wimper zu zucken begleichen werden, da ist sie sich sicher. „Das ist ein sehr verlockendes Angebot. Was stellt ihr euch preislich vor, um mir eine solche Kostbarkeit abzutreten?“ Wirklich vor zu feilschen hat Sigourny nicht, allein ein solches Angebot zu erhalten ist ein Geschenk der Götter und sie würde den Dunklen tun, hier auch nur im Ansatz abzulehnen. Aber es gehört zum Geschäftsleben dazu, zumindest zu tun, als wollte man handeln, dass wissen sowohl sie als auch ihr Gegenüber.

Eine Schankmaid, vielleicht gerade zehn Sommer alt, bringt eine herrlich duftende Pastete auf den Tisch, zusammen mit frisch gebackenem Brot, das noch warm ist. „Annest lässt ausrichten, dass dann noch Pfirsichkuchen auf euch wartet, er ist beinahe fertig!“ Scheu knickst die Kleine und huscht dann zurück in Richtung Küche. Sie ist eine jener Gassenkinder, die in den Mittagsstunden, ehe das eigentliche Pfirsichgewerbe beginnt, in der Schankstube helfen und sich so ein paar Kupferlinge verdienen, genug um sie vom Betteln und Stehlen fern zu halten. Wenn sie älter sind, können sie auch abends arbeiten, aber Sigourny kann sich nur zu gut an ihre eigene Kindheit in der schwarzen Orchidee erinnern und wie schlimm sie es empfunden hat, den Betrieb eines Freudenhauses aus nächster Nähe mit zu erleben. Im Pfirsich ist es eine eisene Regel, dass die Schankkinder absolut Tabu sind. Hält sich ein Gast nicht daran, ist er schneller vor die Tür gesetzt, als er „Rohas rund“ sagen kann.
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Shalhor

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28

Sunday, November 25th 2018, 12:03pm

Sein Angebot scheint die Freude auszulösen, wie er sich gewünscht hatte. So erwacht ein Glanz in ihren hellen Augen, als blicke man in polierte Faêyristränen oder wenigstens annähernd so, senkt Shalhor den Blick zufrieden auf den Wein, den sie ihm kredenzen ließ und greift dankbar nach dem Kelch. Er hat bereits anklingen lassen, dass es sich um kein preiswertes Vergnügen handelt, so sündhaft teuer, dass es ihm nicht in den Sinn kommen würde, daran auch noch mitverdienen zu wollen. Dinge wie diese sind vielmehr dazu geeignet, gute Beziehungen zu pflegen. "Wenn wir von dem Spitzenjahrgang ausgehen, den die Winzer erwarten, dann müssen wir mit sechs bis sieben Goldstücken für eine Flasche rechnen, andernfalls würde es uns immer noch vier oder fünf kosten. Reichlich dekadent, ich weiß, allerdings auch jede Münze wert und wenn Ihr mich fragt, der Einzige, der es mit dem Amrielvînn der Shida'ya aufnehmen kann ... leider auch nicht leichter zu bekommen." Selbst nach elbischen Maßstäben ist es nun schon ein gutes Weilchen her, dass Shalhor einen von beiden zu genießen vergönnt war. Dabei ist er im Besitz einer Kiste Elbischen Sommerweins ... lange Zeit schon, nur der Anlass für den sie einst bestimmt waren, ging mit seiner Tochter dahin und so blieb dieser Wein aus ganz sentimentalen Gründen unangetastet. Doch Elben vergessen nicht, nicht die schlimmen Dinge, aber auch nicht die Guten, nicht die Aromen duftenden Sommerregens und glühender Wärme zugleich und nicht den Geschmack von lauen Sternennächten, nachlassender Hitze und dem wohltuenden Glühen sommerlicher Morgensonne nach einer kühlen Dämmerung .. noch einen knappen, verhangenen Moment ruhen seine Augen dunkel auf dem Wein in seinem Kelch, sich aller melancholischen Anflüge zu erwehren, bevor er das Glas hebt. "Was aber nicht heißen soll, dass ich nicht auch andere gute Tropfen zu schätzen wüsste. Auf Euer Wohl!" Angenehm leicht, weder zu süß noch zu trocken begleitet von einer angenehm dezenten, fruchtigen Note rinnt dieser hier durch seine Kehle und ist damit durchaus eine ausgezeichnete Wahl zu dieser Stunde.

Ein kleines Mädchen, deutlich scheuer als jenes, mit dem Madam Sigourny gekommen war, tritt an ihren Tisch, um ganz vorzüglich duftende Pasteten zu servieren und Bescheid zu geben, dass ein Pfirsichkuchen (anzunehmender Weise mit Früchten, nicht mit Mädchen) fast fertig wäre, saust nach einem Knicks jedoch so schnell davon, dass seine Lordschaft nicht dazu kommen soll, ihr zu danken. Es erinnert ihn unweigerlich an Kaya in ihrem ersten Zwölfmond auf Taresnar und entlockt ihm ein mildes, nachsichtiges Lächeln. Gleichzeitig wird ihm aber auch bewusst, wie viel Zeit während der Plauderei mit der Hausherrin verstrichen sein muss, dass er sich nach seinem Pferdeknecht umsieht. Tatsächlich steht Xilian geduldig wartend abseits der Tür. "Wenn Ihr mich bitte einen Moment entschuldigen würdet", erhebt sich Shalhor, spricht sich kurz und knapp mit seinem Bediensteten ab, der ihm versichert, die Lieferung wäre bezahlt und quittiert, dass er ihn getrost nach Hause schicken kann, dass auch er zu seiner wohlverdienten Stunde der Ruhe und einer Mittagsmahlzeit kommen kann. Ihn selbst treiben heute keine weiteren Verpflichtungen an, so dass er sich in aller Seelenruhe zurück an den Tisch zu Madam Sigourny, der verlockenden Pastete und dem erfrischenden Wein setzen kann. "Mmmmmmmmh, wie das duftet", greift er nach dem Besteck und meint nicht so ganz ernst zu seiner Tischdame und Gastgeberin. "Ihr verwöhnt mich viel zu sehr!"
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Sigourny

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Sunday, November 25th 2018, 4:00pm

Ein blumiges Ultimatum

Mitte Nebelfrost 518, zur Stunde der Ruhe

Während Shalbor sich mit seinem geduldig an der Tür wartenden Angestellten abspricht, überschlägt Sigourny blitzschnell im Kopf, ob sie und der Pfirsich sich solch Luxus, nämlich den einer Flasche Ceresdorer Óir, leisten können. Der Pfirsich läuft gut und so ist diese Frage für sie schnell positiv beantwortet. Dorna und Beth, die seit ihrem Ausscheiden aus dem horizontalen Gewerbe die Bücher führen, würden zwar wieder schimpfen aber was soll‘s. Die beiden sind in Geldangelegenheiten (und nur in diesen) weitaus konservativer als ihre Dienstherrin und so manche, in ihren Augen dekadente, Anschaffung Sigournys hat schon Jammern, Klagen und düstere Prognosen der finanziellen Zukunft zur Folge gehabt. Doch die junge Pfirsichwirtin kennt das bereits, was Geld angeht sind die beiden prüder als Jungfrauen der noblen Häuser im Seeviertel. Und sie ist sich sicher, diese Investition würde sich rechnen: nicht nur in finanzieller Sicht auch was den Ruf des Etablissements angeht.

Der Reeder ist mittlerweile an den Tisch zurückgekehrt und widmet sich der Pastete. >Ihr verwöhnt mich viel zu sehr!< Sig quittiert das Kompliment mit einem leisen Lachen. Sie weiß wie es gemeint ist: Sie waren Geschäftspartner und sie schätzt ihr Gegenüber sehr. Und sie würde den Dunklen tun, diese Beziehung mit irgendeiner Art der amourösen oder sonstigen Verstrickung zu gefährden. Geschäftliches und Privates trennt sie strickt, damit war sie ihrer Meinung nach am besten dran. „Ich werde das Lob an Annest weiter geben. Sie ist immer glücklich, wenn jemand ihre Küche zu schätzen weiß.“ Kurz denkt sie an jenen Tag vor einigen Jahren zurück, kurz nachdem sie den Pfirsich übernommen hatte. Sie hatte sich den Kopf darüber zerbrochen, wie sie das Haus aus dem Schlaf, in den es nach dem Tod seiner vorigen Herrin gefallen war, wecken konnte. Tane war dabei Werbung zu machen und auch die meistern Zimmer waren schon renoviert und auch einige frühere aber auch neue Mädchen hatten als Pfirsiche angeheuert aber das Geschäft lief schleppend. An jenem Tag hatte es wie aus Kübeln gegossen und noch war das Haus noch nicht geöffnet. Da hatte es geklopft und als Sigourny die Tür geöffnet hat, war eine ältere Menschenfrau vor ihr gestanden. Sehr gerade hatte diese sich gehalten und etwas steif, so als würde das Anliegen sie große Überwindung kosten, gefragt ob noch eine Köchin gebraucht würde. Annest war im Pfirsich angekommen. Die Frau hatte fast ihr ganzes Leben für einen Adeligen im Umland von Talyra gearbeitet, aber nach seinem Tod hatte der Sohn, ein rechter Taugenichts, das Erbe versoffen und war schlussendlich bei einem Reitunfall, bei dem er bezeugter Weise sturzbetrunken gewesen war, Sithech gefolgt. Annest hatte eine neue Anstellung gebraucht und durch ihren Herrn wusste sie von der neuen Pfirsichherrin. In ihrer Not hatte sie ihren Stolz und alle moralischen Bedenken überwunden. Sig war noch immer sicher, dass Inari ihr diese Seele geschickt hatte, denn die Kunde der guten Küche, gepaart mit freundlichen Mädchen, die nur zu gern verwöhnen, hatte dem Pfirsich seinen alten guten Ruf wieder gebracht.

„Um auf euer Angebot zurück zu kommen: Ich nehme es gerne an, bitte nennt mir den Preis für die Flasche, sobald ihr ihn genau wisst“. Die junge Frau hebt ihren Kelch und prostet ihrem Gegenüber zu. Der Handel ist besiegelt und eben bringt das Mädchen von vorhin köstlich duftenden Pfirsichkuchen, noch warm, frisch aus dem Ofen. Da öffnet sich die Tür und ein reichlich verwirrter Tane stolpert in die Gaststube. So kennt Sigourny den jungen Mann gar nicht, normalerweise strotzt er vor Selbstvertrauen, immer ein freches Grinsen und einen lockeren Spruch auf den Lippen. Davon ist in diesem Moment aber nichts zu erkennen. Sein Blick fliegt durch die Gaststube und er ist sehr weiß um die Nase. Bei der Wirtin läuten alle Alarmglocken: Irgendetwas stimmt hier in keinster Weise. „Bitte entschuldigt mich für einen Moment!“ mit diesen Worten verlässt sie den Elben und geht eiligen Schrittes auf Tane zu. „Tane, was ist passiert?“ Sein Blick spricht Bände, Ärger ist im Anflug. Wortlos überreicht er ihr einen Brief mit einem Siegel, dass sie schon lange nicht gesehen, aber nie vergessen wird: eine schwarze Orchidee. Ihre Hände zittern, als sie dieses bricht:
>Orchideen und Pfirsichblüten passen nicht zusammen.
Ihr habt bis zur Dunklen Stunde Zeit, die Flammenblüte zurück zu bringen!<


„Das haben sie mir auch gegeben.“ Tanes Stimme ist so zittrig wie sie sich fühlt, als er ihr eine schwarze, jedoch halb verwelkte Orchidee überreicht.
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Shalhor

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Sunday, November 25th 2018, 7:49pm

Der Handel ist abgemacht, die Pastete verspeist und der Weinkelch geleert, als sich die eben noch völlig enspannte und angenehme Atmosphäre mit dem Eintreten eines jungen Mannes schlagartig ändert. Es ist mehr als die Mitgenommenheit, die eben jenem Mann anhaftet und auch mehr als der alarmierte, sorgenvolle Blick der Hausherrin, der diesem gilt. Shalhor weiß es allerdings auch nicht genau zu benennen und so folgt ihr sein Blick, als sie entschuldigend aufspringt bis hin zu zitternden schlanken Frauenhänden, die das Siegel einer Nachricht brechen. Er sollte jetzt gehen, kommt ihm in den Sinn und Madam Sigournys Zeit nicht über Gebühr beanspruchen, erst recht da ihre Aufmerksamkeit nun von dringlicheren Angelegenheiten eingefordert zu werden scheint, die ihn sicherlich nichts angehen und erhebt sich. Unter diesen Umständen ist es gewiss nicht unhöflich, nicht zum Anschnitt des Kuchens zu bleiben, auf den ihr der Appetit vermutlich gerade vergangen ist. Shalhor ist ein reinblütiger Elb und als solcher empathisch, wie jeder seinesgleichen und ebenso wenig blind oder schwer von Begriff. In der Absicht, sich rücksichtsvoll zu entfernen, nimmt er seinen Waffengurt wie seinen Mantel von der Stuhllehne und nähert sich den Beiden. Mögen die Götter wissen, was ihn reitet, just bei ihnen anglangt, diese Nachricht aus den noch immer zittrigen Händen zu nehmen und ungefragt zu überfliegen. Nun ja, im Grunde weiß er es doch. Sie ist eine Frau und der junge Mann bei ihr wirkt nicht gerade so, als sei er Herr der Lage. Für einen Mann seines Formats ist es einfach undenkbar, sie in einer unverkennbar misslichen Lage sich selbst zu überlassen. Nur schlau soll er aus diesen Zeilen nicht recht werden. "Ärger mit Eurem Blumenbinder oder kann ich vielleicht irgendwie helfen", reicht er sie ihr zurück.
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