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Niniane

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1

Tuesday, June 19th 2012, 9:19pm

Der Baum am Smaragdstrand

Am verborgensten und am weitesten entfernten Teil des Strandes der Weltenstadt, dort, wo schon der mächtige, alte Wald beginnt und bis ans Seeufer heranreicht, liegt abgeschieden und gut verborgen der Smaragdstrand; die Klarheit und Tiefe des Wassers hier haben ihm diesen Namen eingetragen. Ein kleiner, klarer Wildbach, der sich über mehrere sanft abgestufte Felsterassen aus dem Wald herausschlängelt, fließt mit süßem Lied hier den See. Die Felsen sind weiß wie Schnee und vom Wasser glatt und glänzend poliert und bilden einen wundervollen Gegensatz zu den blaugrünen Tiefen des Ildorel. Die Bäume hier in dieser Gegend sind älter und höher, der ganze Wald scheint wilder und ungebändigter als anderswo. Direkt am Ufer des Sees steht ein uralter Baum auf dem weiten Rund einer Lichtung, die dicht mit Smaragdgras und Rainfarn bewachsen ist. Der Durchmesser dieses erhabenen Riesen beträgt sicherlich fünfzehn Schritt im Stamm, seine mannshohen Wurzelstränge senken sich in strahlenförmig ringsum in den Boden. Zwischen zweien von ihnen am Fuß des borkigen Giganten führt eine niedrige, breite Treppe aus Baumschwämmen, die jedoch fast völlig von Moos überwachsen sind, zu einer runden Eingangstür aus hellem Holz. Die Tür sitzt so tief in der Rinde, als sei der Baum um sie herumgewachsen. Ein geschwungenens Vordach erstreckt sich über der Tür, das direkt aus der Borke herauswächst und links und rechts davon hängen etwa auf Kopfhöhe zwei silberne Laternen. Weiter oben im Stamm sind auf verschiedenen Ebenen Fenster, Alkoven und sogar ein Balkon in das Holz des Baumes geschnitzt und über jedes blattförmige Fenster wölbt sich eine Gaube aus der Rinde, schlingen sich geschnitzte Holzsäulen und auf den breiten Simsen wachsen Orchideen und blühendes Moos.
Auf dem hellen Holz der runden Eingangstür steht unter einem silbernen Türklopfer in Form eines Blätterkranzes in feurigen, verschlungenen Lettern:

Lambe, Ijon, îr arasamre

Im Inneren des Baumriesen findet sich hinter der Eingangstür eine runde Diele, von der mehrere Türen abgehen und eine Treppe, die im Bogen zu den oberen Räumen führ. Im Erdgeschoss befinden sich mehrere verschiedene Räume - ein Esszimmer in dem zerbrechliche Orchideen blühen und dahinter eine behagliche Küche mit zwei kleinen Vorratskammern, ein Kaminzimmer, ein Abtritt und zwei Gästeräume auf der Südseite des Stammes. Im Keller finden sich mehrere Vorratsräume, eine Waffen und Schatzkammer, zwei Gänge und zahllose Geheimnisse.
Der Hauptraum dieses Baumhauses jedoch liegt direkt unterhalb der mächtigen, ausladenden Krone, ein weiter Raum, der die ganze Breite des Stammes einnimmt, halb geteilt durch einen weißregenumrankten Bogen. Der vordere Raum dient Niniane als Schlafgemach, der hintere als Botanikum mit angrenzendem Lesezimmer, das vor Büchern und getrockneten Pflanzen überquillt und als Raum, in dem verletzte oder kranke Tiere eine Bleibe finden können. In der Mitte des Schlafgemachs ist eine Feuerstelle, fest ummauert und mit einem eisernen Dreifuß versehen. Dahinter ist eine kunstvoll aus der dicken Rinde herausgearbeitete runde Lagerstatt, ein Nest aus daunenfeinen Kissen und spinnwebzarten Decken. Alle Möbel im Inneren des Baumes sind aus hellem, sandgescheuerten Holz, zumeist von elbischer Machart und einzigartig in ihrer verschlungenen Fremdartigkeit. Schnitzereien verzieren die Wände, Wandteppiche aus Seidengarn erzählen Geschichten von lang vergangenen Tagen, Kissen und Decken aus weichen Pelzen schaffen Behaglichkeit und stets riecht es nach einer Mischung aus Sandelholz und Pflaumenblüten. Dieses Haus kann nur betreten, wer als Freund hierherkommt. Hier wohnt Niniane, halbelbische Waldläuferin, Jägerin und Protektorin der Umlande...
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Tyalfen

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2

Wednesday, December 11th 2013, 1:45am

Tyalfen gönnt sich keine Pause, kaum dass er Talyra durch das Verder Tor den Rücken kehrt. Nun genau genommen kehrt er ihr nicht den Rücken zu, weicht ihr vielmehr kaum von der Seite, umstreicht sie wie ein hungriger Wolf die verlockende Beute, nur auf die günstige Gelegenheit lauernd, stoisch, geduldig und doch ruhelos. Ob die Gelegenheit, besser diese Angelegenheit jedoch günstig beschieden sein würde oder der weite Weg gar umsonst war, liegt in den Sternen. Nur einen flüchtigen Blick gestattet sich der Elb hinauf in den Nachthimmel ohne den steten Laufschritt zu drosseln. Hoch stehen die Monde am Firmament, vermutlich schon viel zu hoch, um noch das Gehör der Protektorin zu finden und stünden die Dinge anders, würde er es nicht wagen, sie des nachts aufzusuchen. Unbeirrt folgt er der Straße, passiert einen Fluss, später die verheißene Nordstraße und taucht schlussendlich in einem dichten Wald ein, in dem er sich jetzt allzu gern ein geschütztes Fleckchen gesucht und sich ausgestreckt hätte. Allein der bloße Gedanke daran lässt jede Faser seines Leibes nach der Labsal tiefer Ruhe schreien. Arkendirs Haus mochte beeindruckend sein ganz zweifelsfrei, doch blieb es, was es war – ein Haus. Hastig verdrängt Tyalfen den Gedanken, denn eine Rast darf er sich nicht gestatten, sucht stattdessen den Wegesrand im fahlen Mondlicht nach Wildwechseln ab, denn sein Ziel kann nicht mehr fern sein.
Gut zehntausend Schritt mochten hinter ihm liegen, seit er die Stadt verlassen hatte – Tyalfen hat sie nicht gezählt – als endlich das silberne Funkeln mondbeschienenen Wassers durch die Gebeine des Waldes schimmert und endlich öffnet sich eine Lichtung vor ihm, die den Blick auf einen Baumgiganten freigibt, wie seine Augen sie viele Monde nicht mehr erblickt haben. Ob es nun Erschöpfung oder die wild aufflammende Sehnsucht nach seiner Heimat ist, die Tyalfen in die Knie zwingt, mag er nicht ergründen. Die Hände auf den Schenkeln und das Haupt zu den Himmelssitzen der Götter gestreckt, verlässt des Elben Gedanken ein Stoßgebet, während Herzschlag und Atem sich zu beruhigen suchen. Augenblicke verharrt er so, labt seine Sinne an der besänftigenden Ursprünglichkeit dieses Ortes, bevor es ihn zu jenem Wildbach zieht, der hier so frohlockend über weiße Felsterrassen den Wald verlässt, als zöge er zu seiner Liebsten. Mit hohlen Händen schöpft er das kristallklare Wasser und stillt seinen Durst, hofft dass Aneirin auch den Dayans gestillt hatte und sie beide friedlich vor dem warmen Kamin schliefen. Ein letztes Mal tauchen seine Hände in das Wasser und erfrischen seine Stirn, seine Wangen und seinen Hals. Mit derart erwachten Lebensgeistern will er es wagen. Langsamen Schrittes, all die Detais dieser wundervollen Wohnstatt studierend, nähert sich Tyalfen der Protektorin Heimstatt, zögerlich und ehrfurchtsvoll gleichermaßen, erklimmt die moosbewachsenen Stufen bedächtigen Schrittes und ergreift kühn den Türklopfer, bevor jeder Mut dazu ihm schwinden mochte. Dreimal lässt er das schwere Silber gegen die Tür hallen und lauscht in die nächtliche Stille, ob sich jemand im Hause regte.
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Tyalfen

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3

Tuesday, December 17th 2013, 2:46am

Selbst einem Unsterblichen mögen manche Momente zuweilen wie eine kleine Ewigkeit vorkommen. Es mag nicht oft geschehen, doch wenn, so heißt es in alten Legenden, dann hielten die Götter selbst den Lauf der Zeit an, um nachzusinnen Schicksale neu zu fügen. Pfade festzulegen und Geschehnisse neu zu schmieden. Wenn es diese Momente wahrhaft gab, dann ist dieser hier ein ebensolcher.
So angespannt und konzentriert Tyalfen auch lauschen mag, nichts ist zu hören, nichts als das Wellenspiel des Ildorel und das Säuseln des Windes in den Baumkronen und hin und wieder das Rascheln von Kleingetier im gefallenen Laub oder der Schrei eines Kauzes. Er weiß, er darf nicht endlos zögern, nicht länger warten und keine wertvolle Zeit mehr verstreichen lassen und doch kehrt er der Tür nur langsam den Rücken, um die wenigen Stufen wieder hinab zu steigen. Was zu befürchten stand, scheint eintreten zu wollen – die Protektorin empfing zu dieser nächtlichen Stunde niemanden mehr und es ist ihr nicht zu verdenken. Ein letzter, langer und fast flehentlicher Blick kehrt zum massigen Leib des Giganten zurück, sucht in den Fenstern nach einem neugierigen Blick, einem Lichtschein aus dem Inneren, nach irgendetwas, das sich regte.
Die Götter selbst wissen, dass es niemals in Tyalfens Absicht stand, der Menschen Gesetze zu brechen. Doch eben Jenen hatte er geschworen, das Wohl eines Verwundeten in seiner Obhut über alles Andere zu stellen. Sie allein hielten sein Schicksal in den Händen. Möge sich am Ende alles zum Guten fügen. Ihm bleibt keine Wahl. Er muss um der Wandlerin Wohlergehen Willen jagen, wenn nicht mit der Protektorin Erlaubnis dann ohne sie - ganz gleich, was dann mit ihm geschehen mochte. Tyalfen kann nicht leugnen, dass ihm nicht vor der Menschen Grausamkeit schaudert.
Mit einem stummen Seufzer wendet sich der Elb endgültig ab. Wenn er wieder vor dieses Heim trat, gab es nichts mehr zu erbitten, nur noch zu gestehen und sich zu fügen.

-> Larisgrün
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Tyalfen

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4

Saturday, February 15th 2014, 9:12pm

Und doch tritt er wieder vor der Protektorin Heim – zu angemessener Stunde - wie er sich im Stillen geschworen hatte und es sein Ehrgefühl verlangte, ganz gleich, was ihn erwarten würde. Er kann nicht leugnen, dass es angenehmere Augenblicke geben mag und Nervosität an seinen Grundfesten nagt. Gleichzeitig strahlt dieser Ort eine so unendliche Ruhe und überwältigende Friedfertigkeit aus, dass Tyalfen meinen möchte, er müsse nur die Augen schließen und mit jedem Atemzug, der seine Lungen verlässt, entströmte Not und Sorge seiner Seele und verlören sich gänzlich im Flüstern des Windes. Ein verlockender Gedanke, dem der Elb einige Herzschläge lang folgt, tatsächlich die Augen schließt, den Liedern von Wind und Wassern lauscht und den harzig-krautigen Düften des Waldes gestattet, seine Sinne zu umgarnen.

Schließlich ist es die Stimme der Vernunft, die ihn mahnt, die Unannehmlichkeiten nicht länger hinaus zu zögern. Wer sie wohl ist, die Hüterin des Waldes? Sehnsüchtig streicht seine Hand über Einen der Wurzelstränge, die wie Balustraden den Torweg an ihren Stufen säumen. Vielleicht war sie eine Nachfahrin derer, die diesen Baum hier einst pflanzten, Eine vom Blut seines Volkes. Doch wahrscheinlicher will es Tyalfen erscheinen, dass die Erschaffer dieser Wohnstatt die Menschenlande mit dem Ende des vergangenen Zeitalters aufgegeben hatten.

Wieder erklimmt er bedachtsam die moosbewachsenen Stufen und wieder schwingt er genau dreimal das schwere Silber des Türklopfers gegen das Holz. Ob er jetzt mehr Glück hatte?
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Niniane

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Sunday, February 16th 2014, 5:47pm

Eisfrost 514

Es ist ein trüber, grauer Wintertag in diesem Winter, der keiner ist, mit einem Wind, der weder nach Regen, noch nach Schnee, noch nach Frühling schmeckt – nur nach der modrigen Fäulnis nassen Laubes und schwerer Erde, die keinen Frost zu schmecken bekam. Niniane sitzt in ihrem Kaminzimmer am Schreibtisch und ihr Gänsekiel schabt eifrig über einen Bogen feines, buttergelbes Papier. Es ist später Nachmittag und die ihren sind allesamt irgendwo dort draußen in diesem tropfenden, nebligen, grüngrauen Wald. Cron ist vor noch nicht einmal einer halben Stunde zur Jagd aufgebrochen und die Kinder sind beide zum See hinunter, um ein paar winterlich starre Krebse aus dem Sand zu graben oder die ein oder andere Forelle aus dem Wasser zu holen. Shugorn, ihr Rubinrabe, sitzt auf ihrer Schulter, äugt über ihre literarischen Ergüsse, als könne er lesen, was dort in den geschwungenen Buchstaben des Shidar steht, knarrt ab und an ein hoffnungsvolles "Korn?" und reibt seinen Kopf an ihrer Wange, doch plötzlich flattert er mit einem heiseren Ruf auf und im gleichen Moment rauscht sachter Wind durch die immergrünen Blätter ihres Baumes.

"Oh... Besuch?" Von ihrem Kaminzimmer aus kann sie den Saumpfad, der vom Nordtor durchs Larisgrün bis zu ihrer Lichtung führt, nicht sehen, aber sie weiß, dass jemand kommt und dass es ein Fremder sein muss, sonst hätte Shugorn anders reagiert. Niniane räumt ihr Schreibzeug fort, legt den Brief behutsam in eine Lade des Tisches, legt Holz nach und geht dann an die Tür, obwohl es noch überhaupt nicht geklopft hat... das tut es allerdings, noch bevor sie die Hand am Knauf hat, um zu öffnen, und zwar dreimal hintereinander - gemessen, aber eindringlich. Dreimal... da hat wohl wirklich jemand ein Anliegen, wie mir scheint... Sie rechnet mit vielem - seltsamer Besuch ist in ihrem Baum wissen die Götter nichts Ungewöhnliches - aber nicht mit einem ihr völlig fremden Smaragdelben. Und es ist eindeutig ein Laikeda'ya, wenn auch für einen talyrischen Winter gekleidet, der eigentlich kein Winter ist. "Khel dar", sie neigt leicht den Kopf und nickt dem Fremden zu. Kunde aus den Elbenlanden? Nein, man hätte keinen Laikeda... oh. Bitte, Götter, lasst nichts mit Flothemil geschehen sein... oder... Nuirafin... Nach elbischen Maßstäben ist er eher klein und sie ist erleichtert, ihren Kopf nicht in den Nacken legen zu müssen, um in sein Gesicht zu sehen - schließlich ist sie selbst mit ihren fünfeinhalb Fuß und vier Zoll unter den Kindern des Morgens der reinste Zwerg.

Du bist ja auch kein Kind des Morgens... jedenfalls nicht nur. Seine Züge sind einnehmend, aber so elbisch, dass sie selbst ihr einen paradoxen Herzschlag lang exotisch vorkommen. Vielleicht liegt das jedoch auch am elbischen Flechtwerk in seinem bernsteinfarbenen Haar, an den Federn, die hier und da hervorblitzen oder an den glänzend polierten Holzperlen aus dem Wandernden Wald... Dinge, die sie schon sehr, sehr lange nicht mehr zu sehen bekommen hat, im Gegensatz zu den Gesichtern anderer Elben, schließlich hat sie erst vorgestern mit Arúen gesprochen. Abgesehen davon trägt ihr Besucher ein Aniran-Amulett. "Willkommen am Smaragdstrand." Fährt sie fort und hält ihre in alle Richtungen davonhuschenden Gedanken im Zaum. "Ich bin Niniane, die Protektorin des Larisgrüns." Sie spart sich Häusernamen, Titel und Verwandtschaftsbande – es gibt keinen Elb auf Rohas weitem Rund, der nicht wüsste, wer sie ist und jenen, denen es schlicht nicht bewusst war, fällt es spätestens beim Anblick ihrer Augen wieder ein. "Bitte, sagt mir wer Ihr seid und was Euch her führt."
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Tyalfen

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Sunday, February 16th 2014, 11:40pm

Die kreisrunde Tür öffnet sich, kaum dass Tyalfen die behandschuhte Hand sinken lässt, ja kaum dass der Widerhall seines Klopfens verebbt, als sei sein Kommen angekündigt. Doch ist es nicht dieser Umstand, welcher Tyalfen derart überrascht, dass es ihm die Sprache raubt und nicht nur das. Seine Züge verlieren jede Ungerührtheit und ungezügelt spiegeln sich Verwirrung, Erstaunen bis hin zu tiefer Ehrfurcht auf seinem Antlitz wieder. Es will ihm bei weitem nicht schnell genug gelingen, zu glauben, was ihn seine Augen sehen lassen. Mit geweiteten Blick starrt er in strahlende Sonnen, die kein Dunkel kennen und meint ihren Blick in jeder Faser seines Leibes, ja jeden noch so verborgenen Winkel seiner Seele zu spüren, dass wilde Schauer über seine Haut jagen.
Natürlich weiß er, wer sie ist ohne ihr je begegnet zu sein, jedes Kind wüsste es. Diese, ihre Goldaugen sind das untrügliche Zeichen ihrer Blutlinie. Niemals hätte er erwartet, hier in den Herzlanden auf Eine aus Thaylons und Tierilnens Geschlecht zu stoßen, eine Shida’ya von königlichem Geblüt, hier allein am Waldrand ohne Hofstaat, ohne Leibgarde, ohne jegliche Etikette und es wirkt so verstörend auf den Laikeda’ya, dass es tatsächlich erst ihrer Aufforderung bedarf, Name und Anliegen zu nennen, um sich zu besinnen.
“Copria, Tennra Niniane. I nadio ano Ossiris.” beugt er eilends Knie und Haupt tief vor der Königsblütigen, ihr den gebührenden Respekt zu erweisen und wagt es nicht mehr, auch nur den Blick zu heben, ohne dazu aufgefordert worden zu sein. „Ich bin Tyalfen, Sohn von Aêrajil aus dem Hause Laifaryn und Saliwen aus dem Hause Shiridôr, dem Hause Faêrladir ergeben. Ich … habe Schande auf mein Haupt geladen und ersuche euch, über mich zu verfügen.“ Sein eigener Herzschlag dröhnt ihm bei seinen Worten in den Ohren, denn es mochte das Eine sein, gegen die Gebote der Menschen zu handeln, doch gegen die Gebote des Königshauses Relavendis will es umso schwerer wiegen. Und gleichwohl ihm auf den Lippen brennt zu sagen, was er getan und warum er so gehandelt hatte, kann er sich nicht einmal sicher wähnen, überhaupt angehört zu werden. Ohne ihre ausdrückliche Aufforderung, sich zu erklären, bleibt ihm jedes weitere Wort verwehrt.
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Niniane

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Monday, February 17th 2014, 10:30am

Ehrliche Überraschung und Aufrichtigkeit, damit kann sie umgehen, auch wenn das ehrfürchtige Staunen, das ihr entgegenschlägt - wie immer wenn sie eigentlich gar nichts getan hat, um es auch zu verdienen - sie ein wenig überrumpelt. Wenigstens wirst du inzwischen nicht mehr rot, wenn jemand Haupt und Knie vor dir beugt. Hat ja auch nur viertausend Jahre gedauert... noch einmal viertausend und es wird dich vielleicht sogar nicht mehr nervös machen. Die Worte des Laikeda'ya lassen sie sich selbst, die eigenen Unzulänglichkeiten und jede Selbstironie darüber jedoch sehr schnell vergessen. >I nadio ano Ossiris... Ich... habe Schande auf mein Haupt geladen und ersuche euch, über mich zu verfügen.< Niniane legt den Kopf leicht schräg und mustert ihr Gegenüber, das wirklich mehr als nur zerknirscht dreinblickt. "Bitte, erhebt Euch, Tyalfen, vor mir soll kein aufrechter Mann knien. Kommt herein und erzählt mir von der Schande, die Ihr glaubt über Euch gebracht zu haben." Sie tritt einen halben Schritt zurück und lädt den Laikeda'ya mit einer tanzenden Geste ein, ihren Baum zu betreten, in dem es wie immer schwach nach Pflaumenblüten und Sandelholz duftet. Dann führt sie ihn in einen Raum, den man wohl am ehesten als Kaminzimmer bezeichnen könnte und wirft Shugorn, der auf einer der Stuhllehnen sitzt und die Perlen und Federn im Haar ihres Besuchers auf der Stelle begehrlich ins Auge fasst, im Vorbeigehen einen warnenden Blick zu. "Bitte..." sie weist auf einen der Stühle und nimmt selbst gegenüber Platz. Sollte der Elb tatsächlich etwas Unrechtes getan haben, ist das nichts, das man auf einer Türschwelle besprechen müsste. "Und nun erzählt."
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Thursday, February 20th 2014, 3:00pm

„Ihr seid sehr gütig, Erhabene“, dankt ihr Tyalfen unsicher und folgt ihrer Aufforderung sich zu erheben. Noch nennt sie ihn einen aufrechten Mann und gewährt ihm freundlich Einlass – Ehren, denen sich Tyalfen alles andere als würdig fühlt. Nie zuvor war er in die Verlegenheit gekommen, vor Angehörige eines Königshauses treten zu müssen, geschweige denn aus diesem Haus, dem Haus aller Häuser. Zwar ist ihm in Grundzügen geläufig, wie er sich zu betragen, was zu tun und zu lassen er hat, doch an Gewandtheit mangelt es ihm. Trotz aller Nervosität vergisst er aber nicht, der Sitte der Seinen zu folgen und den Giganten brüderlich zu grüßen, sobald er über dessen Schwelle tritt. „Himmel und Erde für Dich, Kamerad.“, legt sich seine Hand beim Eintreten an den Türrahmen und er findet sich gleich darauf in einem runden Vorraum wieder.

Angenehme Düfte von holzig blumiger Note empfangen ihn, ohne dass er sie auf die Schnelle zuordnen könnte, während seine Augen eilig den Raum erfassen. Und es mutet noch immer befremdlich an, auch hier weder Wache noch Bedienstete zu entdecken. Allerdings bleibt keine Zeit, diese Umstände in Gedanken zu hinterfragen. Sie geht voran, ihn in einen anderen Raum zu führen – eine kurze Gelegenheit, sie zu betrachten, ohne dass ihre allsehenden Augen auf ihm ruhen. Ihr feuerrotes Haar, das für Elben untypisch in Wellen über ihren Rücken fällt, sticht ihm als erstes ins Auge und wirkt bei jeder Bewegung wie der wiegende Tanz der Flammen eines behüteten Feuers. Ebenso untypisch ist ihre Körpergröße, für die sie Tyalfen keineswegs unterschätzen würde, denn jede ihrer Bewegungen verrät mit dieser einzigartigen Geschmeidigkeit, die jener der Großkatzen so sehr gleicht, dass sie blitzschnell, wendig und sehr präzise agieren könne, so sie es will oder muss. Und genauso ist sie auch gewandet, zweckmäßig, anliegend ohne einschränkende, hinderliche Schnörkeleien, ganz so wie sich auch Waldläufer kleideten. Es erinnert Tyalfen daran, sie doch mehr als Hüterin des Waldes anzusehen, denn als unnahbares Königsblut und es mag etwas von seiner Nervosität nehmen, wie auch die Umgebung, in die sie ihn führt. Anders als in Arkendirs Haus verbindet sich hier Salon und Studierzimmer zu Einem und ein behagliches Feuer knistert im Kamin - ein Raum, in dem man entspannt philosophieren und Tee trinken könnte, so mutet er an.

Folgsam wendet sich Tyalfen an den ihm zugewiesenen Platz und lässt sich auf dem Stuhl nieder, als auch sie Platz nimmt. Sie hält sich nicht mit seichten Floskeln auf, sondern fordert ihn unvermittelt auf, zu sagen, was er zu sagen hatte. Tyalfen nimmt sich noch einen Atemzug lang Zeit und lässt alle schützenden Hüllen seiner Seele fallen, wie es sich für ein Geständnis wohl ziemt. Wenn sie ihn lesen will, so steht es ihr frei, in seinem Geist nach der Wahrheit zu suchen, denn sie wird es sein, die über ihn richtet.
„Letzte Nacht wilderte ich in Eurem Wald, gleichwohl mir bekannt war, dass es mir ohne Eure ausdrückliche Erlaubnis untersagt ist.“ berichtet er ohne Umschweife und zwingt sich dazu, ihren Blick zu erwidern. „Ich jagte nicht aus Eigennutz, sondern für das Wohl einer Wargin, die zu entkräftet war, ihre Gestalt zu lösen. Nach meinem, bescheidenen Ermessen war es die einzige Möglichkeit, ihr zu helfen und meinen Eid als Aniran zu erfüllen. Dennoch handelte ich Eurem Recht entgegen und werde jede Konsequenz willig akzeptieren.“
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Niniane

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Saturday, February 22nd 2014, 7:19pm

Der Laikeda'ya ihr gegenüber atmet noch einmal tief durch, dann spürt sie, wie er ihr seinen Geist öffnet, eine wortlose, unsichtbare Geste der Demut und des Vertrauens. Doch sie dringt nicht ein und lässt seine Gedanken unangetastet. Wenn sie es für angebracht hält, hat sie Möglichkeiten und Wege die Wahrheit zu erfahren, auch ohne seinen Geist zu durchforsten. Euer Vertrauen ehrt mich, Tyalfen, aber Eure Geheimnisse gehören Euch allein.
Seine goldgesprenkelten Augen, so grün wie das Moos an einem schattigen Bachufer, suchen ihren Blick, dann erklärt er, dass er in ihrem Wald gewildert habe, obwohl er wisse, dass dies verboten sei. Sie lauscht aufmerksam und schweigt, und wie erwartet hat er obwohl er fest davon überzeugt scheint, sich schuldig gemacht zu haben, durchaus eine Erklärung für sein Verhalten. >Ich jagte nicht aus Eigennutz, sondern für das Wohl einer Wargin, die zu entkräftet war, ihre Gestalt zu lösen. Nach meinem, bescheidenen Ermessen war es die einzige Möglichkeit, ihr zu helfen und meinen Eid als Aniran zu erfüllen. Dennoch handelte ich Eurem Recht entgegen und werde jede Konsequenz willig akzeptieren.<

"Es ist nicht mein Recht, sondern das Recht der Menschen, das hier, in den Herzlanden, gilt", erwidert sie gelassen. "Die Hohe Jagd, die Jagd auf Hochwild, ist dem Adel und den Gutsbesitzern vorbehaltenen. Die Niedere Jagd auf Hasen, Federwild, kleinere Tiere und Rehwild dürfen auch Bauern und Waldkätner, Hirten und sonstige Waldbewohner ausüben. Alle müssen sich an die Schonzeiten halten, welche die Gesetze Amitaris und Anukis' vorgeben, und über deren Einhaltung die Druiden und Waldläufer des Larisgrüns und ich selbst als seine Protektorin wachen. Es gibt noch einige Ausnahmen und Sonderregelungen, über die ich Euch gern aufklären kann, so Ihr das wünscht. Doch was Euch und Euren Fall angeht... das Gesetz sagt auch, dass Wesen wie Wandler, die niemals mehr von der Natur nehmen würden, als sie unbedingt brauchen, stets freies Jagdrecht im Larisgrün haben. Da Ihr für eine Wargin gejagt habt, die dies selbst nicht konnte und Euer Eid Euch das überdies gebot, sehe ich hier kein Vergehen, das es zu strafen gäbe. Ihr habt nichts falsches getan, Tyalfen aus dem Haus Hause Laifaryn."
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Tyalfen

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Tuesday, February 25th 2014, 3:22pm

Gelassene Ernsthaftigkeit liegt auf ihren Zügen, die nicht durchblicken lässt, was ihn erwartet. Es sind unbestechlich klare Züge, die auf Tyalfen kühn aber keineswegs hart wirken, sofern er das unter diesen Umständen einschätzen kann. Und obwohl er das Gefühl nicht abschütteln kann, ihre Augen könnten bis auf den Grund seine Seele blicken und noch weit darüber hinaus, dass es vermutlich nicht einmal seiner Einwilligung bedürfte, tastet sie ihn nicht an. Selbst die erwarten oder vielmehr gefürchteten Fragen, ob er bereute oder wieder so handeln würde, stellt sie ihm nicht, ganz im Gegenteil.

Ob bewusst oder ohne Absicht nimmt die Protektorin ihm mit ihrer Eröffnung eine große Bürde von den Schultern, sich nicht gegen Jene vergangen zu haben, die ihm heilig sind. Es mag an der Bestrafung nichts ändern, vielleicht gar Ärgeres verheißen. Für seinen Seelenfrieden aber bedeuten ihm ihre Worte unermesslich viel und selbst jetzt liegt keine Strenge in ihrer Stimme. Aufmerksam folgt er ihrer Aufklärung, wem welche Jagdtiere zu erlegen zustünden. Doch weder entspringt er edler Abstammung, noch besitzt er Landgüter, ist kein Bauer, kein Waldkätner, kein Hirte, wohl aber ein Waldbewohner. ,Nein, dass bist du nicht mehr.’, mahnt ihn die innere Stimme, nicht falschen Hoffnungen zu erliegen und sie hat Recht. Ob freiwillig oder nicht, er lebt nun inmitten einer Stadt in einem Haus aus Stein und nichts ist mehr so, wie es war.

<“ Doch was Euch und Euren Fall angeht...“>, bei diesen Worten muss Tyalfen hart schlucken und seine Lider senken sich schmachvoll, denn unweigerlich entbrennt die Frage, wie tief wohl sein Ansehen wohl gefallen sein mochte. War er bislang der festen Überzeugung, die Meinung der Sterblichen berühre ihn nicht, will die Aussicht. geächtet unter ihnen zu leben, nun längst nicht mehr so bedeutungslos schmecken. Doch davon ist gar nicht die Rede. Zögerlich, so als traue er seinem Verstand nicht, ihre Worte recht erfasst zu haben, hebt sich sein Blick. Und genauso zaghaft bröckelt die Anspannung von seinem Leib, fast so als erwache ein Kind Sils in einem dieser sagenumwobenen Steingärten. Erleichterung und Dankbarkeit erfüllen den Laikeda’ya und gleichzeitig legt sich auch ein Hauch Verlegenheit über ihn, ihre Zeit für eine nun offenkundige Nichtigkeit beansprucht zu haben und er gesteht: „Verzeiht, mir hafteten die Gesetze der Menschen dogmatischer in Erinnerung.“ Diese Erinnerungen sollte er mit Sicherheit hinterfragen, denn sie stammen nicht nur aus einem längst vergangenen Zeitalter, sondern beziehen sich auch ausschließlich auf die Erfahrungen mit den benachbarten Azurianern. „Und seid bedankt. Ich ziehe nicht in Erwägung für mich zu jagen. Das Nahrungsangebot Talyras …“ Tyalfen stockt, denn ihr brauchte er wohl kaum zu erklären, was die Stadt zu bieten wusste, noch steht ihm im Sinn, ihre Zeit über gebühr zu beanspruchen. So besinnt er sich rasch auf ein anderes Anliegen, dass weit wichtiger für sie sein dürfte. „Heute Morgen entdeckte die Wargin eine Eisenfalle am Flussufer auf einem Wildwechsel etwa zweitausend Schritt gen Sonnenuntergang von hier und es sei nicht die erste dieser Art. Sie sprach von einem Dutzend Männer insgesamt, meist zu Zweit unterwegs und ich fürchte, es handelt sich dabei um keine ehrenwerte Jagdgesellschaft. Wisst ihr bereits um diese Dinge?“
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Niniane

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Tuesday, March 4th 2014, 1:38pm

Niniane legt den Kopf leicht schräg, als lausche sie auf etwas, das nur sie hören kann und spürt die ungeheure Erleichterung des Laikeda'ya, als sie ihm sagt, dass er sich nichts habe zu schulden kommen lassen – ob aufgrund der Erkenntnis, dass er nichts Falsches getan hat oder dass er keine Strafe befürchten muss oder aufgrund von beidem, kann sie nicht sagen. >Verzeiht, mir hafteten die Gesetze der Menschen dogmatischer in Erinnerung.< Erwidert Tyalfen schließlich und sie nickt verstehend – für die allermeisten Elben, gerade für jene, die nicht beständig unter den Sterblichen leben und Jahrhunderte unter ihnen zubringen, ist es nicht immer selbstverständlich, um die Schnelllebigkeit und Wandlungsfähigkeit, aber auch um die großen Unterschiede der einzelnen Völker der Kinder der Abenddämmerung zu wissen.

Er dankt ihr und versichert, er wolle nicht für sich selbst jagen, ehe er auf etwas ganz anderes zu sprechen kommt – etwas Unschönes, von dem sie bisher keine Kenntnis hatte. Sie mag das unruhige Wispern und Flüstern der Bäume wohl bemerkt haben, doch sie war seit ihrer Rückkehr an den Smaragdstrand noch gar nicht dazu gekommen, ihre Sinne schweifen zu lassen und auf das Lied der Wälder zu lauschen. >Heute Morgen entdeckte die Wargin eine Eisenfalle am Flussufer auf einem Wildwechsel etwa zweitausend Schritt gen Sonnenuntergang von hier und es sei nicht die erste dieser Art. Sie sprach von einem Dutzend Männer insgesamt, meist zu Zweit unterwegs und ich fürchte, es handelt sich dabei um keine ehrenwerte Jagdgesellschaft. Wisst ihr bereits um diese Dinge?<
Sie schüttelt bedauernd den Kopf. "Ich spürte die Unruhe des Waldes und seiner Geschöpfe, doch ich hatte noch keine Zeit den Dingen auf den Grund zu gehen. Wilderer sind leider ein Problem, das entlang der großen Handelsstraßen immer wieder auftaucht, denn die durchziehenden Fremden wissen nichts von mir oder anderen, die diesen Wald schützen und wähnen sich deswegen sicher. Sagt mir, wisst Ihr noch mehr über diese Fallen? Oder vielleicht die Wargin, die Euch davon berichtete?"
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Rayyan

Hänfling

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12

Monday, January 25th 2016, 8:13pm

--> Frostweg


Mysteriöse Dinge

07. Langschnee 515

Es öffnet ihm ein Kind, noch nicht erblüht, aber auch kein kleines Mädchen mehr. Rabenschwarze Locken rahmen ein honigdunkles Gesicht ein, das von katzenhaften und komplett goldenen Augen dominiert wird. Im Halbdunkel des Ganges schimmern sie geheimnisvoll, wie Bernstein in dem sich das Licht bricht. Er vergisst für einen Moment, was er eigentlich wollte, dann begrüßt sie ihn und der Zauber ist verflogen. "S'leja, seid gegrüßt Fremder. Eilt es oder möchtet Ihr hereinkommen?" Die Souveränität des Mädchens überrascht ihn, denn sie scheint nicht zu ihrem Alter zu passen. Aber was weiß ich denn schon von Kindern. Oder Elben. "Ist die Protektorin anwesend? Sie wird in der Harfe gebraucht." Flüchtig glaubt er so etwas wie Sorge auf den Zügen der Kleinen zu erkennen und findet sie in ihrer Stimme bestätigt, als sie fragt: "Ist etwas mit Tante Azra oder dem kleinen Braiden?" Braiden? Moment, wir waren doch bei… Br… Br… irgendeinem anderen B. "Nein", erwidert er und schüttelt den Kopf: "Es geht nicht um Azra. Ist deine Mutter nun Zuhause?"

Das Mädchen dreht sich um, läuft zum Fuß einer Treppe, die sich am Inneren des hohlen Baumstammes entlang nach oben windet und ruft etwas. Er versteht kein Wort von dem elbischen Singsang, aber es scheint als hätte er Glück, denn gleich darauf hört er federleichte Schritte und die trotz der frühen Stunde vollständig gekleidete Gestalt der Protektorin erscheint. "Seid gegrüßt", heißt auch sie ihn mit einem freundlichen Lächeln Willkommen: "Was kann ich für euch tun?" Einen langen Augenblick sieht er sie einfach nur an, während sein Verstand die letzten acht Monde einmal mehr auf den essentiellen Kern herunterbricht: "Prophezeiungen, untotenichtganztotekörperstehlende Dämonenhuren und hilfsbereite Dämonen. In der Harfe." Es klingt wie die Besorgungsliste eines Wahnsinnigen samt Ortsangabe, fast ein wenig absurd, aber sowohl seine Stimme, als auch sein Gesicht bleiben vollkommen glatt und sehr ernst.

Doch anstatt auf den Absätzen ihrer Stiefel kehrt zu machen und sich mit allem zu bewaffnen, mit dem ein Schattenjäger sich für gewöhnlich eben so bewaffnet, will sie nur mit gespielt genervter Belustigung wissen, was Azra jetzt schon wieder angestellt hätte, oder ob es dieses Mal vielleicht Borgil….?

Rayyan, der Talyra in exakt jener Nacht verlassen hatte, als die Wirtin der Goldenen Harfe verschwunden war, hat keine Ahnung worauf die Protektorin anspielt. Aber auch ihre Tochter hat bereits in dasselbe Horn geblasen, irgendetwas muss das Blutaxtpaar also angestellt haben. Egal… "Es geht nicht um Azra oder Borgil, sondern um Colevar und Calait. Colevar Lorcain und Calait die Singdrossel." Schlagartig fällt die humorvolle Leichtigkeit von ihr ab und sie fragt: "Braucht ihr meinen Rat oder brauche ich Kettenhemd und Rüstung?" "Vorerst genügt euer Rat." Da fällt sein Blick auf einen Weidenkorb, indem er verschiedene Utensilien erkennt und er deutet drauf: "Der da kann auch nicht schaden." "Oh", ist alles, was sie darauf erwidert und Rayyan ist sich ziemlich sicher, dass es nicht das letzte 'Oh' sein wird, das er heute noch hört.

Da sie ihm anscheinend ansieht, dass er hierher gelaufen ist, bietet sie ihm an mit ihr durch das Gewirr ihres Gottes zu reisen. "Nein", lehnt er hastig ab: "Nein, danke." Er ist in seinem Leben nur einmal mit einem Priester geflogen (einem Vendispriester, dessen Gewirr aus wirbelnden Sturmwinden bestanden hatte) und hätte danach, kotzend und auf allen Vieren, jedem dahergelaufenen Ackergaul bereitwillig seine Liebe geschworen oder wäre freiwillig in einem Fischerbötchen durch den Vendissund gerudert. Allein. Nackt. Während einem Jahrhundertsturm.
"Ich nutze das Netz. Wir sehen uns bei der Harfe." Womit er zwei Schritte zurück macht, die Hände hebt und den Zauber webt, der ihm Zugang zum arkanen Netz verschafft. Einen Herzschlag später ist er weg.



--> Steinfaust - Solar des Lord Commander

Rialinn

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13

Monday, January 2nd 2017, 6:28pm

~ Irgendwann im Winter 516/517 ~



"Mistwetter", mault Rialinn vor sich hin und erntet für die gemurmelten Worte ein zustimmendes Schnauben ihres Pferdes. Die goldfarbene Stute kann dem nasskalten Wetter, das laut Kalender behauptet ein Winter zu sein genauso wenig abgewinnen wie das Elbenmädchen in ihrem Sattel. Zwar ist es mehr oder weniger kalt - meistens eher weniger - aber Schnee ist in diesem Winter bisher nur ein unerfüllter Wunsch geblieben. Und dabei hat sie doch so vieles aus dem Winter des Vorjahres wiederholen wollen: Schneemänner mit Tyalfen bauen, Schneerutschen und wieder so eine Schneeballschlacht mit ihren Eltern und Kaya, bei der vielleicht sogar Shu're Shalhor mitgemacht hätte.

"Wenigstens regnet es nicht", versucht sie dem Ganzen immerhin eine positive Seite abzugewinnen während sie Faêna weg vom Sand des Ildorelufers und noch in Sichtweite der Stadtmauer in das Larisgrün hinein lenkt. Ihr Ziel ist der Baum am Smaragdstrand, ganz wie sie es Cassandra gesagt hat bevor sie aufgebrochen ist. Allerdings will sie nicht zu ihrer Freundin Shaerela, wie die Menschenfrau vermutlich annimmt, sondern zu deren Mutter. So gerne sie sonst auch Zeit mit ihrer Freundin verbringt, der Grund aus dem sie die Protektorin aufsucht treibt das Elbenkind schon einige Siebentage um und sie ist sich nicht wirklich sicher, ob sie möchte, dass Shaerela dabei ist. Einerseits würde sie ihre Tante gerne unter vier Augen sprechen. Andererseits würde Shaerelas Anwesenheit das Ganze vielleicht entspannen. Hin und her gerissen zwischen beiden Möglichkeiten lässt sie ihr Pferd in eine schnellere Gangart fallen und lenkt es auf den ihnen beiden vertrauten Weg zum Baum am Smaragdstrand.

Am Baum angekommen bindet Rialinn ihr Pferd zwischen zweien der mannshohen Wurzeln an, damit sie windgeschützt steht, lockert kurz den Sattelgurt ein wenig und umrundet dann die Wurzelstränge um zur Treppe zu gelangen. Die aus dem Stamm herausgewachsenen Schwämme als Treppe zu bezeichnen mag für die meisten recht ungewöhnlich erscheinen, wenn auch für sterbliche Augen mehr als für elbische. Und für das schwarzhaarige Mädchen sind sie so vertraute Normalität, dass es keinen Gedanken daran verwendet, als sie auf ihnen bis vor die Tür tritt. "Ijon." Der Baum kennt sie von all ihren früheren Besuchen, immerhin geht sie fast ein und aus wie in einem zweiten Zuhause, und mit einem leisen Knarren öffnet sich die Tür einen schmalen Spalt. "Danke, mein Freund", streicht sie kurz über die rissige Rinde des Baumriesen ehe sie der Höflichkeit halber trotzdem noch an das Holz der Tür klopft bevor sie in die Diele tritt und die Tür wieder schließt um die Wärme nicht nach draußen entweichen zu lassen. "S'Ijea… Ist jemand zuhause?... Tante Nan? Bist Du da?"
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Am Grunde des Herzens eines jeden Winters liegt ein Frühlingsahnen, und hinter dem Schleier jeder Nacht verbirgt sich ein lächelnder Morgen.
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14

Sunday, April 9th 2017, 10:21am

Irgendwann im Winter 516/517

"In der Küche, Rialinn!" Schon wieder haben sie einen Winter, der bisher hauptsächlich nass, schlammkalt und stürmisch ist, aber das Versprechen auf Schnee liegt schon in der Luft, sie kann es ahnen, beinahe schon riechen. Irgendwann im nächsten Siebentag wird Kenen doch noch ein Einsehen haben und ihnen allen die lang ersehnte weiße Kälte bringen, ordentlichen Frost, Eisblumen an den Fenstern, Flocken, dick wie Daunenfedern und, wenn sie Glück haben, vielleicht hernach sogar ein paar klirrend kalte, aber klare Tage. Jedenfalls hofft sie sehr darauf – dieses trübgraue Nebelschlammwinterwetter schlägt selbst ihr allmählich aufs Gemüt. Sie kann Arúens Tochter noch einen Moment im Eingangsbereich herumrascheln hören, wo sie Umhang und Stiefel auszieht, dann kommt das Mädchen zu ihr in die Küche, wo Niniane gerade damit beschäftigt ist, aus kostbarem Kokosöl von den fernen Sommerinseln, Bienenwachs und verschiedenen sorgsam getrockneten Blütenblättern und anderen Zutaten wie etwa Gewürznelken, sonnengelben und orangeroten Ringelblumenblüten, Wilder Malve, Breit- und Spitzwegerich oder Melisse heilende Salben herzustellen und sie in kleine Tiegel abzufüllen.

"Rela, Leir und Cron sind allerdings nicht hier," informiert sie die Kleine lächelnd und staunt einmal mehr darüber, wie ungeheuer ähnlich sie ihrer Mutter sieht - als stünde eine jüngere, filigranere Ausgabe Arúens vor ihr. Aber da ist auch etwas von Hodor in ihrem Gesicht… die Nasenwurzel ist ein wenig breiter, so wie bei ihm und der Schwung ihrer Brauen ist runder, nicht so kühn wie bei ihrer Mutter… der Rest ist ganz und gar Arúen. "Sie wollten zum Flüsterhügel im Gwyrgam Gwern, um mir Wachsbeeren und Sumpfmyrte besorgen, werden allerdings über Nacht in Honighain bleiben. Vor morgen werden sie nicht zurück sein. Komm, setz dich. Ich mache dir einen Schluck heißen Tee zum Aufwärmen, es ist scheußlich draußen. Oder möchtest du lieber heiße Milch mit Waldhonig? Hier… rühr das kurz für mich weiter, ja?"
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Rialinn

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15

Monday, April 17th 2017, 2:16pm

Kaum, dass sie die Stimme Ninianes hört, macht Rialinn sich daran den Mantel abzulegen und an einen der blattförmigen Haken zu hängen ehe sie sich auch ihrer Stiefel entledigt und die an die Wand darunter zu stellen. Sich die klammen Hände reibend, folgt sie der Stimme ihrer Tante in die Küche. "Was machst… oh… Salben", beantwortet sie sich ihre Frage selber noch ehe sie die wirklich gestellt hat, reckt neugierig die Nase und versucht heraus zu schnuppern, was da wohl alles drin sein mag - abgesehen von Kokosöl und Bienenwachs, deren Duft sie sofort erkennt.
"Oh, schade", ist ihre erste Reaktion als sie erfährt, dass Cron und die Kinder unterwegs sind, nur um dann etwas zögernd nachzusetzen, "Aber eigentlich wollte ich sowieso zu Dir…" Mit einem Nicken übernimmt Rialinn von ihrer Tante Rührlöffel und den kleinen Kupferkessen und rührt behutsam die Masse weiter, damit die noch weiter durchzieht und anfängt abzukühlen ehe sie in Tiegel abgefüllt wird. Das Mädchen macht das nicht zum ersten Mal. Seit sie alt genug ist um sicher mit heißen Flüssigkeiten, Breien und Pasten umzugehen, hat sie ihrer Mutter und Cassandra oder auch Niniane dabei zugesehen und geholfen, wie die Salben und Pasten für die Hausapotheken hergestellt haben. Und seit dem Sommer hat sie auch Tyalfen ab und an zugesehen und geholfen, wenn der seine Heilmittel für Patienten gemacht hat. "Heiße Milch mit Honig, bitte", beantwortet sie die Frage nach etwas Warmem zum Aufwärmen, während ihr Blick den bunten Streifen der Blütenblätter in der Masse gilt, von denen sie nur das Orange und Gold der Ringelblumen sicher zuordnen kann.

"Ich wollte Dich was fragen", beginnt sie den Grund für ihren Besuch zu erklären, während sie wie automatisch im Kessel weiterrührt und ihrer Tante zusieht, wie sie heiße Milch macht und einen großen Löffel herrlich dunklen Waldhonig darin auflöst. "Ich hab' mich neulich im Tempel mit einem der Winterkinder gestritten. Wir waren mit ein paar anderen draußen und haben geholfen Rüben und Knollen aus den Mieten für die Küche zu holen. Die anderen haben angefangen von ihren Eltern zu erzählen, wer sie sind und was sie machen. Naja, wer meine Mutter ist, wissen eh alle, also hab' ich von Tyalfen erzählt. Und dann kam Hilmar und hat gesagt, ich wäre vaterlos und hätte überhaupt keinen Vater…. hätte auch nie einen gehabt… Aber ich habe einen Vater, eigentlich habe ich sogar zwei Väter: Tyalfen, der mich gefragt hat ob ich seine Tochter sein und seinen Namen tragen will, wenn er Mama heiratet - und den Templer, der auf dem Feldzug gestorben ist bevor ich geboren wurde. Aber Hilmar hat gesagt, die zählen nicht, weil Tyalfen noch nicht richtig mein Vater ist und der Templer gar nicht mein Vater gewesen sein kann, egal ob er mit meiner Mutter verheiratet war oder nicht… Weil entweder war ein Templer, dann kann er aber nicht mein Vater gewesen sein, weil die im Zölibat leben. Oder er war mein Vater, kann dann aber kein Templer gewesen sein. Das klingt zwar alles logisch, aber… Ich war so wütend, dass ich ihn fast in den Wassertrog gestoßen habe. Hätte ich vielleicht auch, wenn Frau Eluna nicht dazwischen gegangen wäre. Mama hat natürlich von dem Streit erfahren." Das ist etwas, das Rialinn nicht wirklich wundert. Immerhin geschieht nur sehr wenig im Tempel, von dem die Elbin nicht über kurz oder lang erfährt.

"Abends haben Mama und ich darüber geredet und sie hat gesagt, ich kann sie alles fragen was ich will und dass sie mir alle Fragen beantwortet. Sie hat gesagt, dass Tyalfen zwar vor den Gesetzen noch nicht mein Vater ist, weil er das erst ist, wenn er mich mit der Hochzeit ganz offiziell als Tochter annimmt, dass das aber nichts damit zu tun, hat, dass wir in unseren Herzen bereits Vater und Tochter sind. Das ist einfach zu verstehen. Das mit dem Templer habe ich aber nicht ganz verstanden. Sie hat gesagt, dass er Templer gewesen ist, dass es aber ihre Schuld war, dass sie nicht verhindert hat, dass er seine Gelübde gebrochen hat und in den Tod ging ehe er sie erneuern konnte, dass das aber damals niemand gewusst habe, dass er kein Templer mehr war. Dass sie es aber trotzdem nicht bedauern kann, weil es bedeuten würde, dass sie bedauern müsste, dass es mich gibt. Und DAS würde sie bis zum Ende aller Tage nicht bedauern… Sie hat es zwar nicht gesagt und auch versucht es zu verheimlichen, aber ich habe gemerkt, dass es sie traurig macht und sie da nicht gerne drüber spricht... Also habe ich nicht weiter gefragt "

Die Vorgeschichte für den Grund ihres Besuchen zu erzählen hat doch länger gedauert, als Rialinn gedacht hätte. Und so hat der Kessel mit der Salbenmischung längst wieder in die Hände der Waldläuferin zurück gewechselt und das Elbenkind hält dem heißen Becher mit Milch und Honig in der Hand, als sie mit der Frage herausrückt, die sie eigentlich zu ihrer Tante geführt hat. "Du hast ihn doch auch gekannt… Was stimmt denn jetzt? War er Templer oder mein Vater? Beides kann er ja nicht gewesen sein, wenn ich das mit den Templern und dem Zölibat richtig verstanden habe. Oder?"
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