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Niniane

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  • "Niniane" started this thread

Posts: 4,088

Occupation: Protektorin des Larisgrüns

Location: Talyra

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46

Tuesday, October 30th 2018, 8:08am

The things we love

17.Grünglanz 518

The things we love destroy us everytime. Remember that, lad. (G.R.R Martin, A Game of Thrones)


"Und dann? Was geschah weiter? Was wurde aus Yzumalech und was war mit der Jägerin?" Will Niniane wissen, die jetzt nicht nur neugierig geworden, sondern in hohem Maße alarmiert ist – außerdem will es ihr überhaupt nicht schmecken, dass all diese Ereignisse praktisch vor ihrer Nase stattgefunden hatten und sie rein gar nichts davon mitbekommen hat. Sei keine Närrin. Ein Dämon, der sich in einem Menschen verbirgt, ist selbst für dich nicht aufzuspüren, so lange er die Krallen stillhält und nie zum Vorschein kommt. Auch du bist nicht allmächtig, hast du das nach über fünftausend Jahren immer noch nicht gelernt?

"Sions letzter Hinweis auf der Suche nach dem Stein war Yzumalech," seufzt Yara. "Also hatte der alte Narr nichts besseres im Sinn, als den Dämon in den Kellergewölben seines Turms zu beschwören, um ihn selbst zu befragen. Die Jägerin war dabei. Sion erhielt die Antworten, nach denen er gesucht hatte... aber sie auch. Sie hat Sion hintergangen und sich mit ihrem Wissen über Narûda auf und davon gemach. Ich habe Sions Leichnam untersucht, als wir ihn oder vielmehr den Dämon fanden. Das einzige, das Sinn macht, ist, dass die Jägerin ihn angegriffen, tödlich verletzt und dann zum Sterben zurückgelassen haben muss. Er hatte eine Stichwunde über dem Herzen und der Dämon muss in ihn gefahren sein, als er am Verbluten war. Das letzte, was der tapfere alte Dummkopf getan hat, ist sich eine Dämonenfalle ins Fleisch zu schneiden und Yzumalech so in sich selbst einzukerkern... vielleicht hat er darauf gehofft, dass ihn irgendwann irgendjemand finden würde und alles ans Licht käme... vielleicht war das auch nur seine Rache, die einzige, zu der er noch fähig war."

"Und du hast die Jägerin verfolgt, die für Sions Tod verantwortlich war, nehme ich an."
"Auch," erwidert Yara San'Chale und Niniane kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die Schamanin ihr hier ausweicht. "Aber vor allem, weil ich wissen wollte, was in diesem Keller genau geschehen war. Sind beide einer List des Dämons zum Opfer gefallen? Stand die Jägerin vielleicht unter irgendeinem Einfluss? War Sion ein Verräter – oder sie? Ich brauchte Antworten. Ich hatte ein verdammt schlechtes Gefühl, als könnte ich in meinen Eingeweiden spüren, dass irgendetwas faul an dieser Sache war." Niniane nickt langsam und schenkt erst Yara, dann sich selbst etwas von dem Sommerwein aus der schlanken Karaffe nach, in der sie ihn aufbewahrt. Sie ist wie vieles in ihrem Haus von elbischer Art, das hauchzarte Glas am Hals, dem Griff und um ihren bauchigen Fuß in Ranken und Blätter aus ziseliertem Mondsilber gefasst. "Ich fand schließlich den Stein... und die Jägerin. Dann fanden der Schattenwanderer und seine Schergen mich," fährt die Schamanin fort. "Ich fand einen Ausweg, der Geist, den ich rief, fand dich und ihr fandet mich. Und nun bin ich hier."

Genug der Ausflüchte. "Du hast versprochen, mir alles zu sagen," erinnert Niniane und ihre goldenen Augen ruhen unverwandt auf Yaras ebenholzfarbenen Gesicht, auf das die flackernden Flammen rote Schatten werfen, als umtanzten Licht und Dunkel ihr Gemüt. "'Ich erkläre dir alle Zusammenhänge, wenn wir zurück in Talyra sind', das waren deine Worte, bevor du mich beschworen hast, den Stein an einen Ort zu bringen, wo er für alle dunklen Mächte unerreichbar wäre. Nun, du hast mir einiges erklärt, aber nicht alles. Warum waren in den Ruinen von Ealdsteen Jäger bei Yasin Ibn Tarek, einem Finsteren und kämpften an seiner Seite? Sie standen nicht unter seinem Bann, das hätte ich gespürt."

"Ich weiß nicht, warum ein Finsterer hinter dem Stein her war oder wer vielleicht jetzt noch... von der anderen Seite... nach ihm sucht oder auf der Jagd nach ihm ist..." beginnt Yara San'Chale und Niniane macht eine vage Bewegung, welche die Jägerin sofort aufblicken lässt, schüttelt jedoch ebenso vage den Kopf, das wortlose Äquivalent von 'dazu kommen wir gleich, sprich erst du weiter'. "Die Jägerin war eine Verräterin am Orden. Zuerst dachte ich noch, sie sei die Einzige, doch sie war nur... nur der stinkende Verband über einer schwärenden Wunde, und ich weiß immer noch nicht, wie tief ins Gewebe die Infektion reicht, verstehst du? Denn sie war nicht die einzige. Es gibt mehr Verräter... einige mehr. Ich weiß nicht wer oder wie viele... oder warum. Ich weiß nicht," flüstert Yara und der Schmerz und die Verbitterung über die Schändung jenes Ordens, der die letzten fünfhundert Jahre ihr Leben gewesen war, ist ihrer beherrschten Stimme so sehr anzuhören, dass es Niniane das Herz zusammenzieht, "wie tief das Geschwür reicht. Ich brauche immer noch Antworten. Ich muss wissen, wie viele Verräter vielleicht noch da draußen sind. Und vor allem muss ich wissen warum. Was macht Narûda so wertvoll? Was ist der Stein?"

"Ein Schlüssel," erwidert Niniane und leert ihren Kelch.
"Bitte, was?"
"Ein Schlüssel... oder genauer gesagt, ein Schlüsselstein, einer von vieren. Narûda ist ein Ayaronwort und bedeutet Ewigkeit. Es gibt noch drei weitere Steine: Sangai, Vergangenheit, Lamayta, Gegenwart und Shoûrai, Zukunft. Gemeinsam öffnen sie – und nur sie allein – das Erste Buch der Prophezeiungen."
"Also... sind sie... eigentlich... hinter Prophezeiungen her?" Schlussfolgert Yara San'Chale und Niniane kann der Jägerin ihre offensichtliche Verwirrung sehr gut nachempfinden. "Möglicherweise... nein, sogar sehr wahrscheinlich."

"Ich dachte, das Erste Buch der Prophezeiungen sei beim Fall von Qum'Ran verloren gegangen."
"Nein, Berengar von Ildala hatte es in seiner Obhut, als er nach dem Untergang Ûrs nach Norden kam und sein missratener Sohn hat es Jahre später zusammen mit Schattenfluch beim Würfeln verspielt. Aber im Gegensatz zu …. nun, es ist nicht verloren, sondern hier in Talyra im Haus der Bücher. Zwei der anderen Steine auch, Shouraî und Sangai... nur von Lamayta fehlt uns jede Spur."

Diesmal schenkt Yara San'Chale ihnen Sommerwein nach, dann wendet sich die Jägerin ihr wieder zu: "Ich glaube, jetzt ist es an dir, mir alle Zusammenhänge zu erklären. Ihr sucht also nach weiteren Prophezeiungen, nehme ich an. Olyvar hat mir von Calait und Colevar, einer Elbin namens Arúen und Azra Blutaxt erzählt... und auch seine eigene Geschichte, von seinen Sieben und der Alten in ihrem Zelt aus Häuten und seiner eigenen Weissagung." Yara lehnt sich in die weichen Pelze des runden, elbischen Sessels zurück, nippt an ihrem Wein und blickt Niniane sehr ruhig über den Rand ihres Kelches hinweg an. "Von Kalams Prophezeiung wusste ich schon seit sehr langer Zeit... von den Neun Kelchen habe ich erst später erfahren, doch es hat perfekten Sinn ergeben... und zum Teil... habe ich wohl an der Erfüllung ihrer beider Weissagungen mitgewirkt."

Mit dieser Wendung hat Niniane nicht gerechnet - und für einen halben Herzschlag sieht man ihr das auch an. Dann legt sie den Kopf leicht schräg. "Was," fragt sie leise, doch bestimmt, "soll das heißen?"
Me? I'm dishonest. And a dishonest man you can always trust to be dishonest. Honestly. It's the honest ones you have to watch out for, 'cause you can never predict when they're going to do something incredibly… stupid.

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