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Rialinn

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31

Sunday, July 2nd 2017, 7:01pm

"Cassandra und Esta sind befreundet", erklärt Rialinn ernsthaft und doch mit einem Schmunzeln in der Stimme. "Sie treffen sich einmal in jedem Siebentag mit Halla auf dem Markt, wenn sie den Einkauf machen… Halla ist die Köchin auf Taresnar", setzt sie dann noch erklärend nach, als ihr einfällt, dass es ja auch in der 'Harfe' eine Halla gibt, die Niniane kennt. "Und sie würden sich bestimmt freuen, wenn sie die große Torte für die Feier machen dürfen… Und wenn wir Borgil wegen Essen und Trinken fragen, könnte Aneirin Brote und anderes Backwerk machen, immerhin ist er Bäcker und Mama und Tyalfen würden es gar nicht merken, wenn er heimlich was vorbereitet."

Aufmerksam hört sie zu, als die Waldläuferin die anderen Plätze beschreibt, die für die Überraschungsfeier in Frage kommen könnten. Zur Lichtung hier an Ninianes Baum nickt sie zustimmend. Bei der Erwähnung der Lichtung mit dem kleinen See, dort wo Borgil und Azra gefeiert hatten, will sie schon widersprechen, doch die Idee verwirft die Halbelbin selbst gleich wieder. Und der letzte Vorschlag… "Nein, nicht am Smaragdstrand!", platzt es aus Rialinn heraus und sie schüttelt sich wie eine Katze, die in den Regen gekommen ist, "es soll doch ein schöner Tag werden."
"Es muss da eine Lichtung in den Verdwäldern geben, die für sie etwas Besonderes ist. Wenn sie davon erzählen, sehen sie sich immer mit einem Lächeln an, als würden sie beide gerade dieselbe schöne Erinnerung teilen. Aber ich weiß nicht, wo das genau ist und es wäre auch viel zu weit weg… Wie es aussieht, müssen wir hier auf Deiner Lichtung feiern, das würde ihnen auch bestimmt gefallen. Außerdem ist es einfacher, sie hierher einzuladen ohne dass sie vorher schon ahnen, was los ist."

>Shu're Shalhor wie in Shalhor aus dem Hause Danjafaên?<

"Ja, genau der." Die Reaktion ihrer Tante auf den Namen von Kayas Vormund irritiert Rialinn nicht wenig, aber sie fragt nicht nach. Die Falte zwischen den Augen und die Grimasse, die die Halbelbin zieht sind etwas, das sie von Niniane in dieser Deutlichkeit nicht gewohnt ist. "Er ist der … hm … sowas wie der Vormund von Kaya. Wir haben die beiden im letzten Winter kennengelernt, bei einer Schneeballschlacht." Bei der Erinnerung daran, wie Kaya dem Rhaskeda'ya den Schnee in den Kragen gestopft hat, muss Rialinn noch jetzt grinsen.

>Was Shu're Shalhor angeht… also… ahm… den können wir nicht einladen. Nicht, wenn du willst, das Borgil und Azra und der ganze übrige Blutaxtclan aus der Harfe kommt. Und wenn du Shalhor einlädst, brauchst du Borgil gar nicht erst zu fragen. Er wird nicht kommen. Keiner aus der Harfe wird auch nur so viel wie seinen Zeh auf ein Fest setzen, auf dem der Rhaskeda'ya ist. Sigrun wird ihr Tortenrezept nicht herausrücken. Und weil ich Borgils beste Freundin bin und der Windelb sich in dieser Sache einfach unmöglich benimmt, werden auch weder Cron, noch Shaerela, noch Leir oder ich da sein. Du siehst also… wir haben ein Problem hier, Feuerkätzchen.<

Diese Sache… Niniane wird nicht sehr deutlich, um was es da eigentlich geht. Aber diese Andeutungen zusammen mit der säuerlichen Grimasse von eben, Götter im Himmel es hört sich ja schon fast an als ob der Elb und der Zwerg eine Privatfehde führen würden. Rialinn würde zwar zu gerne wissen, um was es da eigentlich geht, aber irgendetwas hält sie davon ab nachzufragen.
"Inzwischen sind Kaya und ich Freundinnen. Und Shu're Shalhor ist… naja, Shu're Shalhor eben… schrecklich förmlich, zumindest meistens… Aber er hat Tyalfen zu Inarianar seinen Wogentänzer geliehen, als Überraschung für Mama. Aber ich weiß sowieso nicht, ob Mama und Papa ihn einladen wollen würden, ich glaube nicht, dass er Freund von ihnen ist, so wie Aneirin. Und ich glaube nicht, dass Mama oder Papa auf der Feier wegen ihm auf Borgil und seine Familie oder auf Dich und Deine verzichten würden…. Nein, DAS, würden sie bestimmt nicht wollen." Problem gelöst. So einfach geht das - zumindest für Rialinn.

>Ich kenne ja noch nicht einmal den Bräutigam wirklich…<

Aus große Augen sieht sie ihre Tante an. Zu behaupten, Rialinn würde erstaunt dreinschauen, wäre ein chancenreicher Anwärter auf die Untertreibung des Jahres – fassungslos trifft es da schon eher. "Wie… Du kennst Tyalfen nicht?!" Das Mädchen kann es einfach nicht glauben. Da gibt es so viel, was sie über den Laikeda'ya erzählen könnte, dass sie gar nicht weiß wo sie anfangen soll. Also sieht sie die Waldläuferin einfach auffordernd an, die stumme Aufforderung 'Was willst Du wissen?' im Blick und wartet ab, was die sie fragt.
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Niniane

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32

Monday, July 3rd 2017, 11:48am

Curiosity killed the cat… or not

Winter 516/517

Entgegen ihrer gewöhnlichen Neugier, fragt Rialinn überhaupt nicht nach, was es mit Shu're Shalhor und Borgil auf sich hat – Niniane hätte es ihr erzählt, denn es ist kein Staatsgeheimnis und sie selbst findet die ganze Angelegenheit vollkommen unnötig, höchst albern und ziemlich unbefriedigend obendrein, und außerdem wäre diese ganze leidige Sache ihrer Meinung nach schon vor dreizehn Jahren kinderleicht aus der Welt zu schaffen gewesen. Aber der Rhaskeda'ya ist auf diesem Ohr so taub wie ein Stein und in seinem Denken genauso unbeweglich. Rialinn erzählt ein wenig von ihm und irgendeinem Ziehkind namens Kaya, das ihre Freundin geworden ist, versichert aber, dass Arúen und Tyalfen nicht wirklich mit ihm befreundet seien so wie mit anderen, und erklärt, dass er wohl eher nicht eingeladen werden wird. Jedenfalls legen das ihre Worte nahe. "Du kannst Kaya ja gern fragen – vielleicht mag sie kommen und er lässt sie, wenn du sie einlädst?" Schlägt sie vor und ist mit einem Teil ihrer Gedanken schon bei den groben Planungen, die allmählich Gestalt annehmen. Die drei Köchinnen und Hauswirtschafterinnen an einen Tisch zu bringen und mit der Torte zu beauftragen, scheint keine größeren Schwierigkeiten zu bereiten und sie ist sich hinreichend sicher, Borgils Köchin das Rezept aus der Nase ziehen zu können, wenn sie es richtig anstellt. Ihre Lichtung festlich herzurichten wäre für die Distelfeeschwestern keine große Sache und sie sind nahe genug an der Stadt, um alles Nötige leicht herbeischaffen zu können… Getränke, Tische, Stühle… darum würde sich Borgil kümmern, ebenso wie um die Speisen. Brot und Gebäck dieser Aneirin… hm, vielleicht am besten eine Festtafel, wo jeder sich einfach nehmen kann, worauf er Lust und Hunger hat… und oh, Spielleute… Mit diesen und ähnlichen Gedanken beschäftigt, bemerkt sie Rialinns vollkommen entgeisterten Blick auf ihre Worte hin, sie kenne den Bräutigam ja gar nicht, erst mit ein wenig Verspätung. >Wie… du kennst Tyalfen nicht?!< Tönt es ihr halb bestürzt, halb verwundert entgegen und Niniane zieht leicht die Stirn in Falten. "Nein, Feuerkätzchen, ich kenne ihn tatsächlich nicht. Woher auch? Er war einmal bei mir – ich weiß seinen Namen, seine Berufung, und seit heute auch, dass er der Verlobte deiner Mutter ist, aber damit erschöpfen sich dann auch schon meine Kenntnisse über den Laikeda'ya. Näher habe ich ihn bisher nicht kennengelernt." Ihr wird einmal mehr bewusst, wie lange Arúen und sie sich tatsächlich nicht mehr wirklich zu Gesicht bekommen hatten, jedenfalls für mehr als wenige hastige Augenblicke. Eine viel zu lange Zeit… Sie hätten sich so vieles zu erzählen, das über Alltägliches und Ratsangelegenheiten hinausgeht. Dann ändert sich Rialinns Blick und Niniane lächelt leise in sich hinein. So wie es aussieht, wird es tatsächlich nicht Arúen sein, die ihr mit glühenden Ohren und funkelnden Augen Lobeshymnen über den neuen Mann an ihrer Seite singt, sondern ihre Tochter. "Dann schieß mal los… ich kann die Worte ja schon auf deiner Zunge tanzen sehen." Doch sie stellt keine einzelnen Fragen zu diesem oder jenem. "Erzähl mir doch einfach alles, was dir wichtig erscheint."
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Rialinn

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33

Monday, July 3rd 2017, 1:43pm

Es irritiert Rialinn nicht wenig, dass Niniane so gar nichts über Tyalfen zu wissen scheint Immerhin ist die Waldläuferin die beste Freundin und engste Vertraute ihrer Mutter. Entsprechend skeptisch legt sie den Kopf schief als ihre Tante meint sie solle ihr einfach alles erzählen, was ihr wichtig erscheine. Nicht dass ihr nichts einfiele, was die Halbelbin ihrer Meinung nach über den Aniran wissen sollte, im Gegenteil. Aber dass ihre Mutter ihn scheinbar nie auch nur ansatzweise erwähnt haben soll, verunsichert Rialinn. Dass Tyalfen seit dem vorletzten Sommer der Mann an der Seite der Hochelbin ist, darum wurde nie ein Geheimnis gemacht. Wie auch, es war für jeden offensichtlich der Augen hatte um zu sehen. Aber selbst wenn ihre Mutter und Niniane sich nur gelegentlich bei Ratssitzungen getroffen hatten… das Elbenkind kann einfach nicht glauben, dass da nie auch nur das kleinste Wort über Tyalfen gefallen sein soll. Und in Anbetracht der schier endlosen Fragen, die Gildin ihr im Sommer über den Laikeda'ya gestellt hatte, ist Ninianes Aufforderung doch einfach zu erzählen seltsam offen. Entsprechend verhalten reagiert Rialinn, beschließt die Vorgeschichte und sein Versprechen an sie auf Narsaêns Hochzeit für sich zu behalten und sich an die unverfänglichen Dinge zu halten.

"Im vorletzten Sommer, nachdem er aus Siam zurückgekommen ist hat er Mama immerwieder Blumensträuße geschickt und da waren immer kleine Karten drinnen. Die Karten und die Renairisrosen aus den Sträußen hat Mama alle aufgehoben. Und nach dem Überfall, da hat er mein Ohr gerettet…" Die Erinnerung an diesen Tag lässt das Mädchen kurz stocken ehe es weiterspricht. "Und um Mama hat er sich auch gekümmert. Ihr ging es danach nämlich längst nicht so gut wie sie behauptet hat, auch wenn sie versucht hat das vor allen zu verheimlichen. Und seitdem sind sie zusammen." Für einen Augenblick kommt sie ins Grübeln, weil sie nicht weiß, wie sie all das in Worte fassen soll, was es ausmacht, dass sie den Smaragdelben so mag. "Mama ist anders als früher… sie lacht viel mehr, ist nicht mehr so ernst wie früher. Und es gibt keine Tage mehr, an denen traurig ist und heimlich weint." Hier hätte sie sich fast verplappert, denn dass ihre Mutter wegen des Anirans geweint hatte, will sie ja für sich behalten. "Und Tyalfen passt auf sie auf, so wie er auch auf mich aufpasst. Er hat mir gezeigt, wie die Laikeda'ya es machen, dass sie so schnell über die Äste und durch die Bäume laufen können… Und er nimmt mich ernst, selbst dann, wenn ich ihm mal wieder ein Loch in den Bauch frage." Dass Tyalfen sie ganz offiziell auf der Verlobungsfeier gefragt hatte, ob sie nach der Hochzeit seinen Namen tragen und seine Tochter sein will, hatte sie Niniane ja vorhin schon erzählt. Und dass sie das sogar sehr gerne will auch. "Seinen Namen kennst Du ja und er ist ein silberner Aniran aus Siam. Aber er dient nicht im Haus der Heilung, er hat das Haus von Shadâno Arkendir übernommen und behandelt dort die Leute die zu ihm kommen und Hilfe brauchen. Und er ist oft im Haus der Bücher um noch mehr zu lernen. Seine Schwester ist auch hier in Talyra.… Aber alles andere solltest Du glaube ich wirklich besser Mama fragen."

Für eine Weile kommt Schweigen auf, als Rialinn sich eine Scheibe Brot und kaltes Hühnchen nimmt und dann abrupt das Thema wechselt, als ihr die Gästeliste wieder einfällt. "Wenn ich Kaya zur Feier einlade, was soll ich denn antworten, wenn sie fragt, warum Shu're Shalhor keine Einladung bekommt? Was kann ich denn sagen?"
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Niniane

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34

Monday, July 3rd 2017, 3:36pm

Irrungen und Wirrungen und noch mehr Fragen

Winter 516/517

Offensichtlich hat sie sich doch zu zurückhaltend ausgedrückt – ein paar Kleinigkeiten mehr weiß sie natürlich schon über Tyalfen, etwa, dass er Arúens Gefährte ist und ungefähr auch seit wann. Als sie gesagt hat, sie kenne ihn nicht, hat Niniane das jedoch durchaus ernst gemeint. Denn was in Talyra die Spatzen von den Dächern pfeifen oder ihre Mogbarwäscherin, die Götter halten die gute Seele in ihrer Gnade, ihr brühwarm an Gerüchten erzählt, macht ja noch lange nicht aus, jemanden zu kennen und Tatsache ist nun einmal, dass sie abgesehen von seinem kurzen Besuch bei ihr noch nie mit ihm selbst zu tun hatte. Gehört hat sie allerdings ein paar Dinge - unter anderem von seinem Stelldichein mit dem Schandpfahl am Marktplatz und auch warum. Anderen gegenüber wäre das nun vielleicht nicht gerade ein sonderlich gutes Leumundszeugnis, aber Niniane macht ihm diese Sache sympathischer als vieles andere. Menschlicher, wenn man so will. Ihr fällt kein besseres Wort dafür ein. Eigentlich, geht ihr durch den Kopf, waren seine Schwester und Aidan Wulfor der Hauptgrund, warum mir - und mit mir noch so einigen in Talyra - überhaupt etwas über Tyalfen zu Ohren gekommen ist. Sie kann sich im Gegensatz zu Rialinn, der die Skepsis über ihre Ahnungslosigkeit (die durchaus groß ist) an der Nasenspitze abzulesen ist, sehr gut vorstellen, warum Arúen selbst ihr gegenüber noch kaum etwas über den Laikeda'ya erzählt hat. Erstens tut man so etwas einfach nicht zwischen Tür und Angel und zweitens… wenn man es ausspricht, macht man es wahr. Wer so enttäuscht und verletzt wurde, wie Arúen, kann vielleicht selbst nicht so recht an das eigene Glück glauben, geschweige denn, es jemandem eingestehen. Vor allem nicht jemandem, der einem so nahesteht und um alles aus der Vergangenheit weiß…
"Über die Blumen weiß ich schon Bescheid – das hast du mir ja schon gesagt. Ich weiß also schon einmal, dass der Aniran eine romantische Ader hat. Das wird deiner Mutter sehr gefallen. Sie mag so etwas." Sie selbst hat in ihrer ganzen Ehe noch keinen einzigen Blumenstrauß von ihrem Mann erhalten und würde trotzdem jederzeit unterschreiben, dass Cron furchtbar romantisch werden kann, wenn er es darauf anlegt. Aber sie macht sich nichts aus zum Sterben verdammten Blumen und dieser Art von Romantik, und das weiß er auch genau. Der Überfall der letzten AnCu, auf den Rialinn zu sprechen kommt, ist immer noch ein wunder Punkt für Niniane – einer, der auch noch immer schmerzt, wenn jemand daran rührt, weil sie nämlich nicht hier, sondern weit fort gewesen war, als die Männer Arúen und Rialinn angegriffen hatten. Wäre sie hier gewesen, ihr Wald hätte sie vorgewarnt und alles wäre ganz anders gekommen. Aber sie war nicht hier und erhielt keine Warnung und alles, was sie nach ihrer Rückkehr hatte tun können – und getan hat – war denjenigen zu richten, den Olyvar im Kerker der Steinfaust in Gewahrsam hatte. Doch darüber, wie sich die Schreie eines verbrennenden Shida'ya anhören, will sie nicht mit Rialinn reden. Das Mädchen erzählt noch ein wenig, bleibt aber sehr allgemein – und doch erfährt Niniane dabei zumindest ein wenig mehr über den Aníran aus den Worten, die Rialinn spricht, aber vor allem aus der Art, wie sie über ihn spricht. >Aber alles andere solltest Du glaube ich wirklich besser Mama fragen…<
"Wenn sie es mir erzählen möchte, dann wird sie das tun, Feuerkätzchen. Aber über Herzensdinge redet man nicht eilig und zwischen lauter anderen, wichtigen und oft offiziellen Dingen, wenn einem dabei Tallard und die alte Gwyned praktisch auf den Zehen stehen und ihre faltigen Lauscher aufstellen, weißt du?" Sie kann sich erinnern, dass Arúen hier und da den Namen des Aniran durchaus in den Mund genommen hatte, etwa bei Sätzen wie: 'Ich muss mich beeilen, Tyalfen wartet auf mich' oder 'Gib Shaerela und Leir einen Kuss von mir und richte Cron meine Grüße aus, ich muss Rialinn abholen und dann treffen wir uns gleich mit Tyalfen…' oder ähnliches. "Aber es ist wahr, so bedauerlich ich das auch finde und deine Mama bestimmt ebenso: wir haben wirklich kaum über Persönliches gesprochen, wenn wir uns denn überhaupt einmal zu Gesicht bekommen haben. Und wenn doch, dann waren das solche Dinge wie 'Kann Rialinn über Inari bei euch im Baum bleiben?'" Ihr Lächeln verwandelt sich in ihr Katzengrinsen und auch Rialinns Mundwinkel zucken, weil das Mädchen nämlich genau weiß, mit wem ihre Mutter Inari verbracht hat und warum sie hier gewesen war.
>Wenn ich Kaya zur Feier einlade, was soll ich denn antworten, wenn sie fragt, warum Shu're Shalhor keine Einladung bekommt? Was kann ich denn sagen?<
"Sag ihr die Wahrheit," Niniane zuckt mit den Schultern. Sie hat noch nie etwas davon gehalten, Kinder nicht ernst zu nehmen oder sie mit der "Wahrheit verschonen" zu wollen. "Ihr Vormund ist ein verstockter Esel, der einem guten Freund lieber den Laufpass gegeben hat, als sich ein eigenes Urteil zu bilden, und das nur, weil ihm die Wahl seiner Ehefrau nicht gepasst hat. Vielleicht kannst du es ja diplomatischer ausdrücken, aber es stimmt."
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35

Monday, July 3rd 2017, 9:15pm

Bei der Erwähnung von Lord Tallard und Lady Gwyned und deren stets aufgestellten faltigen Lauschern grinst Rialinn. Und das Grinsen wird sogar noch breiter, als Niniane ihren Aufenthalt im Baum zu Inari anspricht. Natürlich weiß sie, warum sie in jener Nacht bei ihrer Tante und Shaerela gewesen ist. Und als sie ihre Eltern am nächsten Tag wiedergesehen hat, ist da dieses Strahlen in deren Augen gewesen. "Weißt Du, Mama ist irgendwie entspannter seit Tyalfen da ist. Manchmal verbietet er ihr sogar was, wenn sie mal wieder zu streng mit sich selber ist." Der Blick, den das Mädchen dabei mit der Halbelbin wechselt sagt eindeutig 'Du kennst sie ja'. "Und von ihm lässt sie sich das auch gefallen ohne böse zu werden. Nicht wie bei Onkel Gildin, der macht sie damit immer wütend." Während sie sich eines von den eingelegten Sommerrübchen schnappt und wegknabbert ruht Rialinns Blick gedankenverloren auf den glosenden Holzscheiten im Kamin. "Du musst Tyalfen unbedingt richtig kennenlernen, Tante Nan."

Die Antwort auf ihre Frage nach einer Begründung für die Nicht-Einladung von Shu're Shalhor verschlägt dem Mädchen dann allerdings die Sprache - und das im wahrsten Wortsinn. Borgil… Azra… Niniane, Borgils Freundin… Freund… Ehefrau… Es braucht eine Weile, bis ihr Gehirn die Zusammenhänge aus dieser Antwort und dem zuvor gesagten herstellt und dann gleich noch einige Herzschläge länger, bis ihr Verstand bereit ist, die Schlussfolgerung daraus zu akzeptieren. "Tante Azra? … Ernsthaft? … Er hat ein Problem mit Tante Azra?" Fassungsloses Unverständnis zeichnet sich offen in Rialinns Gesicht und würde sie nicht schon sitzen, würde sie jetzt der Schwerkraft folgen und sich plumpsend auf dem Hintern setzen. "Wie kann jemand wie Tante Azra ein Problem sein?" Das Mädchen kennt die Harfenwirtin seit Kleinkindertagen, ebenso wie Borgil und deren stetig wachsende Kinderschar. Und sie hat die zierliche Halbelbin mit ihrer Familie und allen die zum Freundes- und Bekanntenkreis zählen nie anders als fürsorglich und mit einem großen Herzen erlebt. "Wenn Tante Azra sein Problem ist, dann ist er wirklich ein Esel…", ist ihre mit empörter Schnute verkündete Schlussfolgerung. "Dann will ich ihn gar nicht auf der Feier haben."
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36

Tuesday, July 4th 2017, 7:48pm

One of a kind donkey

Winter 516/517

>Du musst Tyalfen unbedingt richtig kennenlernen, Tante Nan.< Fordert Rialinn und sie nickt und knabbert gedankenverloren an einem Stückchen Käse. Neuerdings hat sie eine Vorliebe für Ziegenkäse nahezu jeder Art entwickelt. "Sehr gern, Feuerkätzchen." Dazu müsste ich ihn nur einmal für länger als ein paar Augenblicke zu Gesicht bekommen… und das dürfte gar nicht so einfach werden… Sie bringt es nicht übers Herz, Rialinn zu sagen, dass sie schon in ein paar Tagen wieder aufbrechen muss, diesmal um Findinmir in irgendeiner leidigen Angelegenheit unter die Arme zu greifen – sie hat keine Ahnung, in was der verschrobene Druide da hineingeraten ist oder wie lange es dauern wird, ihn aus dem Schlamassel wieder herauszuholen. Als sie dem Mädchen schließlich erzählt, was es mit dem Rhaskeda'ya und dem Harfenwirt auf sich hat, braucht es ein wenig, bis der Groschen fällt – und als der Groschen fällt, ist Rialinns Reaktion darauf ungefähr so wie ihre eigene – fassungs- und verständnislos. >Wie kann denn jemand wie Tante Azra ein Problem sein?< Ereifert sie sich zu wissen und Niniane kann nur ratlos mit den Schultern zucken. >Wenn Tante Azra sein Problem ist, dann ist er wirklich ein Esel…< konstatiert sie schließlich mit rechtschaffener Empörung in ihrer Stimme. >Dann will ich ihn gar nicht auf der Feier haben.<
"Nunja, um ehrlich zu sein…" sie kann es nicht fassen, dass sie schon wieder die Advokatin des Dunklen gibt, aber anscheinend tut sie das tatsächlich, "ist Shu're Shalhor nicht wirklich ein Esel. Oh, er ist verstockt und steif und furchtbar elbisch, aber eigentlich kein Esel – auch wenn er sich in dieser Sache wie einer benimmt. Selbst ich hatte Vorurteile, als ich von Azras Shebarucblut erfuhr. Borgil hat mir deswegen einen Tritt gegen das Schienbein verpasst und nachdem ich sie einen Viertelglockenschlag beobachtet habe, habe ich alle meine Befürchtungen getrost über Bord geworfen und mich als allererstes bei ihr entschuldigt. Tante Azra selbst ist also gar nicht das Problem – sondern ihr Shebarucerbe. Aber das hat sie sich ja nicht ausgesucht und Shalhor weigert sich schlicht, sie auch nur einmal zu treffen, geschweige denn, ein paar Worte mit ihr zu wechseln, so dass er sich selbst vom Gegenteil seiner Meinung über sie überzeugen könnte… für ihn ist sie die Ausgeburt des Bösen… ausgerechnet Azra. Darüber hat er Borgil als Freund verloren, wie du dir denken kannst. Du weißt ja, wie der Zwerg ist. Versteh mich nicht falsch – es gibt kein böses Blut zwischen ihnen oder so etwas, keine wütende Fehde… nur Schweigen auf beiden Seiten. Das dafür aber eisern. Aber lass uns von erfreulicheren Dingen reden… nun, da wir beide hochgeheime Verschwörerinnen sind. Wenn ihr nach Lomirion zur Eiderneuerung reist, werdet ihr dann länger in den Elbenlanden bleiben oder noch im selben Jahr wieder zurückkommen? Dann kümmere ich mich nämlich dann, wenn es an der Zeit ist, um die Vorbereitungen. Noch brauchen wir ja gar nichts zu tun - bis dahin ist es noch lang."
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Rialinn

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37

Wednesday, July 5th 2017, 2:39pm

"Man kann sich doch aber seine Eltern nicht aussuchen", fällt es Rialinn schwer, diesem Gedankengang zu folgen, dass Shalhor ein Problem mit Azra hat, weil die eben zum Teil von den Shebaruc abstammt. Und die Geschichte der Elben, Verrat und Mord der Shebaruc an ihren Brudervölkern ist für sie im Gegensatz zur Generation ihrer Mutter und Ninianes nicht mehr als ein abstraktes Kapitel aus einem Historienbuch. Und mit dem Bild, das dort von den Shebaruc gezeichnet wird, hat Azra nun überhaupt nichts gemein. "Das wäre ja, als wenn er Mama vorwerfen würde, dass sie… oh…" Plötzlich ist da ein höchst ungewollter Gedanke. Ist das der Grund, warum Shu're Shalhor sich ihrer Mutter gegenüber immer so steif und förmlich verhält? Weil sie ist wer und wessen Tochter sie ist und weil es da früher diesen Fluch gab? Das würde dann in logischer Konsequenz ja auch bedeuten, dass er Rialinn vorwirft, wer ihre Mutter und Großmutter sind beziehungsweise waren. Der Weg, den ihre Gedanken da gerade nehmen ohne dass sie es verhindern kann, gefällt dem Elbenkind so gar nicht. Es fällt ihr schwer, diese Gedanken zu verdrängen und sich wieder auf das bedeutend fröhlichere Thema der Überraschungsfeier-Verschwörungsplanung mit ihrer Tante zu konzentrieren. Aber nach ein paar schweigsam geknabberten Rübenstiften gelingt es ihr dann doch.

>Nun, da wir beide hochgeheime Verschwörerinnen sind. Wenn ihr nach Lomirion zur Eiderneuerung reist, werdet ihr dann länger in den Elbenlanden bleiben oder noch im selben Jahr wieder zurückkommen? Dann kümmere ich mich nämlich dann, wenn es an der Zeit ist, um die Vorbereitungen. Noch brauchen wir ja gar nichts zu tun - bis dahin ist es noch lang.<

"Es soll ganz früh im Jahr losgehen und wir bleiben den ganzen Sommer dort. Wir kommen auch im selben Jahr wieder zurück, zumindest hat bisher keiner was anderes erzählt. Meine Eltern könnten aber glaube ich auch gar nicht noch länger von Talyra weg bleiben… Aber… was mir grade einfällt… Lomirion ist so weit weg, Mama hat gesagt das dauert bestimmt drei Monde bis wir da sind. Und der Rückweg dann natürlich auch… wenn wir dann wieder hier sind, dann ist es ja schon spät im Herbst oder fast Winter… ist das nicht zu spät um dann draußen auf der Lichtung zu feiern?"
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38

Wednesday, July 5th 2017, 10:25pm

Exactly so

Winter 516/517

"Ja," erwidert Niniane ganz leise auf Rialinns beinahe Ausbruch und mustert die Tochter ihrer Freundin dabei, als wisse sie ganz genau, worauf sie mit ihren Worten über den Rhaskeda'ya hinaus hatte wollen. "Ganz genau so wäre das." Einen Moment lang hängen sie beide ihren Gedanken nach – Niniane denkt an jene dunklen Tage vor so langer Zeit und kann – im Gegensatz zu Rialinn – die Beweggründe jedes Elben oder Elbenblütigen, Vorbehalte oder gar Hass auf die Shebaruc im Allgemeinen zu empfinden, bestens nachvollziehen. Was sie Shu're Shalhor jedoch tatsächlich ankreidet, wenn man so will, ist die Tatsache, dass er sich strikt weigert, Azra auch nur ein einziges Mal zu begegnen um seine vorgefasste Meinung überhaupt ändern zu können. Abgesehen von dem miserablen Urteilsvermögen, dass er damit Borgil unterstellt… aber lassen wir das jetzt…

Sie ist froh, dass Rialinn sich mit ihrer kleinen Verschwörung wieder ablenken lässt, schließlich hatte sie das Mädchen nicht auf trübe Gedanken bringen wollen. >Es soll ganz früh im Jahr losgehen und wir bleiben den ganzen Sommer dort. Wir kommen auch im selben Jahr wieder zurück, zumindest hat bisher keiner was anderes erzählt. Meine Eltern könnten aber glaube ich auch gar nicht noch länger von Talyra weg bleiben… Aber… was mir grade einfällt… Lomirion ist so weit weg, Mama hat gesagt das dauert bestimmt drei Monde bis wir da sind. Und der Rückweg dann natürlich auch… wenn wir dann wieder hier sind, dann ist es ja schon spät im Herbst oder fast Winter… ist das nicht zu spät um dann draußen auf der Lichtung zu feiern?<
"Oh, das lass meine Sorge sein… ich kenne da den ein oder anderen wirksamen Zauber. Wenn ihr im Spätherbst kommt, gibt es eine bunte Herbstfeier und wenn es Winter wird, bekommt deine Mama ein glitzerndes Winterwunderland, versprochen. Niemand wird nass werden oder frieren müssen, dafür sorgen die Distelfeen dann schon. Aber sag mal… " sie hatte das schon immer fragen wollen, schließlich nimmt Arúen diesen Weg nicht zum ersten Mal auf sich, und jetzt ist die Gelegenheit, "warum reist ihr eigentlich nicht durch das Mondtor in Sorbonn nach Imraseth und dann von dort aus weiter? Ich weiß, die Arkane Gilde verlangt stolze Preise, aber leisten kann sich deine Mutter das schon… und es wäre so viel schneller."

"Du meinst durch die Mondtore in den Arkanas?" Will Rialinn wissen und ein spekulatives Funkeln der neugierigen Begeisterung tritt in ihre moosgrünen Augen. Niniane nickt. "Ja. Von Talyra nach Sorbonn sind es mit dem Schiff bei günstigem Wind vielleicht zwei Siebentage oder zweieinhalb. Von Sorbonn durch das Mondtor nach Imraseth zu reisen dauert keinen Viertelglockenschlag. Und von Imraseth über Yaêlayrkis, Faêndartha und Cal'anar nach Lomirion sind es… lass mich überlegen… vielleicht noch einmal ungefähr eintausend Tausendschritt – vielleicht zwanzig Tage mit guten Pferden und ausreichenden Pausen. Das ist ein gewaltiger Unterschied zu der Strecke, die man zurücklegen muss, wenn man nur zu Pferd oder mit dem Wagen über Land reist… und geht so viel schneller. Frag deine Mama doch, ob sie das in Erwägung ziehen will, dann schicke ich Shugôrn mit einer Nachricht nach Sorbonn zu einem Freund von mir dort. Sein Name ist Pól An Bhriotin, er ist Erzmagier und Lehrmeister des Elements Feuer. Er kann zwar sicherlich an den Kosten nichts machen, aber er wird dafür sorgen, dass ihr jederzeit eine Passage bekommt und die Gilde euch nicht wochenlang warten lässt."
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Rialinn

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Thursday, July 6th 2017, 5:47pm

>Ich kenne da den ein oder anderen wirksamen Zauber. Wenn ihr im Spätherbst kommt, gibt es eine bunte Herbstfeier und wenn es Winter wird, bekommt deine Mama ein glitzerndes Winterwunderland, versprochen. Niemand wird nass werden oder frieren müssen, dafür sorgen die Distelfeen dann schon.<

Die Worte ihrer Tante wecken vor Rialinns geistigem Auge sofort die Bilder eines bunten Herbstwaldes in den leuchtenden Farben von Feuer und Gold - und die Erinnerung an das Brautkleid von Narsaên. Was für ein Kleid Mama wohl haben wird?... Ob sie sich auch eines aus Blättern machen lässt? Das Mädchen nimmt sich fest vor, ihre Mutter das so bald wie möglich zu fragen. Für sich selber hat sie schon entschieden, dass sie so ein Blätterkleid haben möchte. Oder ein richtiges Schleierkleid. Nein, ein Blätterkleid. Sie wird Narsaên fragen, ob deren Base in Siam ihr eines machen kann. "Ein Winterwunderland würde gut zu Mamas zweitem Namen passen", fällt ihr dann ein und sie stellt sich die Lichtung in einem Raureifgewand vor, das in der Wintersonne glitzert wie mit Diamanten überzogen. "Ich freu' mich schon so drauf…!", bricht es dann aus Rialinn heraus, "Mama und Papa werden sich so freuen, wenn wir sie mit der Feier überraschen. Damit rechnen sie garantiert nicht."

Feier-Verschwörung, Begeisterung und arkane Reisewege machen hungrig, also schnappt Rialinn sich noch eine Scheibe Brot und klappt sie über kalten Hühnchenfleisch zusammen um sich dann über die Klappstulle herzumachen, während die Rädchen in ihrem kleinen Kopf weiter rattern.
Eine Reise durch die Mondtore, in einem Viertelglockenschlag von Sorbonn am Ostufer des Ildorel nach Imraseth südlich der Mondsichelberge in Logren, quasi am anderen Ende der Immerlande. "Also fahren wir erst mit dem Schiff weiter von Lomirion weg, damit wir dann schneller dort sind." Das klingt für das Mädchen weniger absurd als vielmehr nach einem überaus spannenden Reiseweg. Und da die Mondtore sich nur in den Arkanas befinden, würde sie obendrein auch eine von denen von innen zu sehen bekommen. Rialinns Neugier beginnt schlagartig Purzelbäume vor Begeisterung zu schlagen. "Bist Du schon mal durch die Mondtore gereist? Ist das dann wie wenn ich mit Mama durch das Gewirr gehe?" In Gedanken schon weit in der Zeit voraus, fallen dem Mädchen auch gleich noch Fragen rund um die Reise selber ein. "Unsere Pferde kennen es alle, durch das Gewirr zu gehen. Können wir die dann durch die Tore mitnehmen oder müssen wir sie trotzdem hier lassen? Weil, ohne Pferde wäre das mit dem Gepäck irgendwie ziemlich umständlich…"

"Was ist eigentlich ein Junggesellenabschied?", fällt ihr dann eine Frage wider ein, die sie in der Aufregung über eine womögliche Reise durch die Mondtore wieder vergessen hat. "Onkel Aidan hat sowas zu Tyalfen gesagt. Ist das was, das nur die Männer vor einer Hochzeit machen, oder gibt's das auch für Frauen? Ist das dann ein Junggesellinnenabschied? Gibt es das Wort überhaupt?"
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Thursday, July 6th 2017, 6:51pm

A kind of Magic

Winter 516/517

One shaft of light that shows the way
No mortal man can win this day
It's a kind of magic
The bell that rings inside your mind
Is challenging the doors of time
It's a kind of magic… (Queen, A kind of magic)


Aha – wir haben wieder Fragestunde… Woran immer Rialinn gerade gedacht hat, bevor der neuerliche Fragenschwall auf Niniane niedergeht – sprunghaft von einem Thema zum nächsten hüpfend, wie es manchmal Rialinns Art ist – liegt auf dem Gesicht des Mädchens ein so leuchtendes Strahlen, dass sie einfach lächeln muss. Sie hat ja keine Ahnung, dass es gerade, zumindest zum Teil, um die Kleiderwahl geht. >Ein Winterwunderland würde gut zu Mamas zweitem Namen passen< verkündet sie noch und Niniane nickt, ehe die Kleine ein begeistertes Glucksen hören lässt und sich diebisch über ihr Verschwörerdasein freut. Dann geht es los: Ob sie schon einmal durch die Mondtore gereist wäre, ob das wie das Reisen durch das Anukis-Gewirr ihrer Mutter wäre, ob sie die Pferde mitnehmen könnten, die alle das Gewirr gewohnt wären (zumindest das ihrer Mama), was eigentlich ein Junggesellenabschied wäre und ob das Männer vor ihrer Hochzeit tun würden, und ob es das auch für Frauen gäbe und ob Junggesellinnenabschied überhaupt ein Wort wäre und… Hätte Niniane nicht irgendwann hilflos lachend die Hände gehoben, wären ihr vielleicht noch mehr Fragen eingefallen. "Langsam, langsam, Feuerkätzchen, lass mich erst einmal das alles beantworten, ja?" Sie leert ihren Cofea, schenkt sich nach und rührt gedankenverloren in ihrer Tasse. "Mal sehen, fangen wir bei deiner ersten Frage an: Ja, ich bin schon durch die Mondtore gereist, schon oft sogar. Es ist… äußerst praktisch," erwidert sie geheimnisvoll. Das Wunder des Arkanen Netzes lässt sich nicht mit den - auf ihre eigene Art und Weise ebenso wundersamen - Gewirren der Götter vergleichen. "Und wirklich wunderschön. Ein Farbenrausch, wenn du so willst. Als laufe man auf einem glühenden Pfad durch das Nichts zwischen den Sternen. Es ist ganz anders, als ein Göttergewirr… die Gewirre sind an die Mächte gebunden, die hinter ihnen stehen… ein Teil ihrer Manifestationen, wenn du so willst. Das Gewirr von Anukis ist immer… wild. Grün. Oft verworren wie ein verschlungener Wildwechsel in tiefen Wäldern und voller verborgener Lebendigkeit, manchmal lauernd, manchmal harmlos… mein Gewirr ist voller Wachsamkeit und goldenen Lichts, strahlend wie die Sonne, geradlinig wie ein Sonnenstrahl, es kann wärmend oder sengend sein, es ist nie kalt. Verstehst du, worauf ich hinaus will?" Rialinn nickt eifrig.

"Das Arkane Netz hingegen ist immer… gleich und doch an keiner Stelle gleich. Es ist voller schillernder Farben, aber man hat nicht das Gefühl, es umgebe einen völlig, so wie ein Göttergewirr. Es gehört zu dieser Welt und seine Bahnen laufen wie die Längen- und Breitengrade um ganz Roha… außer an jenen Stellen, wo es zerrissen ist. Magier können es nicht herbeirufen, wie die Priester das mit ihren Gewirren tun, aber sie können es öffnen und betreten… oder wieder verlassen. Die Verbindungen zwischen den Mondtoren sind ein wenig anders. Ganz genau kann ich dir das auch nicht erklären – sie sind größer. Schneller. Pferde mitzunehmen ist hier kein Problem, wenn sie ruhig und gelassen bleiben – anders als im üblichen arkanen Netz, wo die Pfade langwieriger und schmäler sind – weil die Reise so schnell geht." Sie nippt an ihrer Tasse und nascht noch ein wenig süßen Honig, obwohl sie eigentlich satt ist. "Und was diese Junggesellensache betrifft… ja, einige Männer feiern ihren Abschied vom Junggesellendasein, hier in den Herzlanden ist das mancherorts üblich. Es ist jedenfalls eine beliebte Gelegenheit, sich kolossal zu betrinken, sich zu benehmen wie eine Horde wildgewordener Affen und allen möglichen Unfug anzustellen." Sie lächelt schief. "Die meisten sind recht harmlos. Manchmal müssen die werdenden Ehemänner auch kleine Mutproben bestehen – es darf nichts gefährliches oder ehrverletzendes sein, das wäre schändlich – Schabernack treiben oder knifflige Aufgaben lösen. Je nachdem, was sich ihre Freunde so für sie einfallen lassen. Es hat schon Junggesellenabschiede gegeben, da musste der arme Bräutigam am Ende den halben Marktplatz mit einem Reisigbesen fegen. Und was die Frauen angeht… nun eigentlich nicht. Jedenfalls habe ich noch nie davon gehört. Aber die Idee ist überhaupt nicht schlecht, Schätzchen. Nein, ganz und gar nicht…" Rialinn hat sie unwissentlich auf einen Gedanken gebracht, der – ihrer bescheidenen Meinung nach – der oft viel zu ernsten und beherrschten Arúen wohl nur guttun würde und ihr selbst von Herzschlag zu Herzschlag besser gefällt. "Vielleicht mache ich so etwas für deine Mama, bevor ihr abreist…" überlegt sie. "Allerdings ohne den Unfug…" beim Gedanken daran, was zwei Hohepriesterinnen mit "Unfug" am Ende anrichten könnten, wird ihr zu mulmig. "Den lassen wir sein." Aber ein feuchtfröhlicher Weiberabend in netter Gesellschaft und ausreichend Branntwein, um schön und zuverlässig Arúens Zunge zu lösen und ein paar pikante Details zu entlocken… oh ja. Das muss einfach sein.
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Friday, July 7th 2017, 11:32am

Die Beschreibung des Arkanen Netzes hört sich spannend an und entsprechend gebannt hängt Rialinn an den Lippen ihrer Tante und unterbricht die nicht mit der klitzekleinsten Frage. Sowas würde sie unbedingt mal sehen und erleben wollen. "Das hört sich… spannend… an. Das muss ich Mama unbedingt vorschlagen. Nicht nur, weil es schneller geht, sondern auch weil wir dann viel mehr Zeit in den Elbenlanden haben. Dann könnte ich vielleicht sogar Lyrtaran kennenlernen. Oder Tyalfen kann uns den Wandernden Wald zeigen. Also zumindest für einen kurzen Abstecher wäre dann ja vielleicht Zeit", hofft das Elbenkind.

So wie Niniane einen Junggesellenabschied beschreibt, ist Rialinn sich nicht sicher, ob das etwas wäre an dem Tyalfen Spaß haben würde. Sich zu betrinken und wie 'eine Horde wildgewordener Affen" zu benehmen gehört nicht zu den Verhaltensweisen, die sie mit dem Smaragdelben in Verbindung bringt. Auch mit Aneirin und Aidan nicht, so wie sie die beiden Männer bisher kennt. Wüsste sie von Aidans Ruf von vor seiner Verbindung mit Narsaên, würde sie das womöglich anders einschätzen, doch davon weiß sie ja nichts. Und selbst die Geschichte von Aidans und Tyalfens Bekanntschaft mit dem Schandpfahl ist auf wundersame Weise an ihr vorbei gegangen. Und ihre Mutter… selbst wenn sie den Teil mit dem Unfug weglässt, hört sich das noch immer nicht nach etwas an, das die Hochelbin gewöhnlich tun würde. Entsprechend skeptisch ist ihr Blick, als sie ihrer Tante bei dem Plan eines Junggesellinnenabschieds für Arúen zuhört. Aber vielleicht ist das auch wieder so eine Erwachsenen-Sache, die sie einfach noch nicht versteht weil sie dafür tatsächlich zu jung ist.

Wüsste Rialinn von den Gedanken Ninianes bezüglich Arúens, dass die viel zu ernst und beherrscht wäre, würde dem Mädchen schlagartig klar werden, wie lange sich die beiden Elbinnen schon nicht mehr getroffen und privat Zeit miteinander verbracht haben. Da ist so vieles, was die Waldläuferin offensichtlich nicht weiß und wovon Rialinn nicht weiß, dass Niniane es nicht weiß: Dass Arúen und Tyalfen regelmäßig auf den Tanzabenden bei den Wulfors anzutreffen sind. Dass Arúen an Tyalfens Seite gelernt hat ihre Emotionen nicht mehr stets und ständig unter Verschluss zu halten sondern sie zuzulassen. Dass sie viel weniger ernst ist als früher. Dass sie mehr lacht und fröhlicher ist als Rialinn es in allen früheren Jahreskreisen zusammen bei ihrer Mutter erlebt hat. Dass Pflicht für die Elbin beileibe nicht mehr alles im Leben ist. All das könnte das Mädchen seiner Tante erzählen, wenn es denn um deren "Hinter"-Gedanken wüsste. Tut sie aber nicht. Und so wird Niniane all das wohl auf diesem ominösen Abend vor der Abreise nach Lomirion selber herausfinden müssen.

"Wenn Du alles für die Feier vorbereiten willst für wenn wir zurückkommen, dann müssen wir aber schon alle geplant haben, bevor wir im Frühjahr abreisen. Sonst kann ich ja gar nicht mitplanen wenn ich nicht hier bin. Und Mama und Papa fällt es bestimmt nicht auf, wenn ich öfter hierher zum Baum komme, weil sie dann eh denken, dass ich Shaerela besuche", schmiedet Rialinn schon die nächsten Pläne während ihr Blick aus dem Fenster nach draußen geht. Die Zeit ist schneller vergangen, als ihr hier drinnen bewusst gewesen ist. Die Abenddämmerung senkt sich langsam über den Ildorel. "Ich sollte mich langsam auf den Weg nachhause machen. Es fängt schon an dunkler zu werden. Ich hatte versprochen, dass ich zum Abendessen und vor dem Dunklen zurück bin."
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Friday, July 7th 2017, 1:46pm

Abschiedspirouette

Winter 516/517

Rialinn ist wie erwartet ganz begeistert von der Möglichkeit, durch die Mondtore zu reisen – und von den Gelegenheiten, die sich ihnen damit durch die gewonnene Zeit in den Elbenlanden bieten würden. Niniane lauscht ihr mit einem wissenden Lächeln im Gesicht und nickt auch nur, zu den Ausführungen der Kleinen. "Ai… das könntet ihr wohl. Ihr werdet ja sehen, wie viel Zeit euch dann tatsächlich bleibt." So schön und wundersam die Elbenlande auch sein mögen – ihre Heimat sind sie schon lange nicht mehr und so gern sie sie auch hin und wieder besuchen würde, sie will sich selbst gegenüber nicht wortbrüchig werden, wenn es nicht die absolute Not erfordert. Sie will ihre Mutter nicht sehen - und wenn sie es verhindern kann, wird die alte Krähe auch nie in ihrem ganzen Leben (und wenn es noch drei Ewigkeiten dauert), ihre Enkel zu Gesicht bekommen, so lange Leir und Shaerela das nicht ausdrücklich wünschen.

>Wenn du alles für die Feier vorbereiten willst, wenn wir zurückkommen, dann müssen wir aber schon alles geplant haben, bevor wir im Frühjahr abreisen. Sonst kann ich ja gar nicht mitplanen, wenn ich nicht hier bin. Und Mama und Papa fällt es bestimmt nicht auf, wenn ich öfter hierher zum Baum komme, weil sie dann eh denken, dass ich Shaerela besuche…< Gibt Rialinn zu bedenken und Niniane nickt. "Das müssen wir – unser Zeitplan muss ohnehin recht gut organisiert sein und flexibel obendrein, weil ja niemand genau sagen kann, wann ihr wieder hier sein werdet. Aber das wird sich alles finden… wir haben ja noch Monde Zeit und müssen nicht übermorgen eine Feier auf die Beine gestellt haben. Keine Sorge – du darfst so viel planen, dass du schon gar nicht mehr wissen wirst, wie es ist, etwas anderes zu machen. Ich muss jetzt erst einmal für ein paar Tage fort… vielleicht auch für etwas länger, aber ich sollte im Taumond zurück sein, ai? Findinmir braucht mich für irgendetwas, was genau hat der alte Kauz nicht gesagt." Sie verdreht leicht die Augen. Rialinn lächelt verstehend, doch ihr Blick wandert aus dem Fenster und angesichts der hereinbrechenden Abenddämmerung, rutscht sie unruhig hin und her. >Ich sollte mich langsam auf den Weg nachhause machen. Es fängt schon an dunkler zu werden. Ich hatte versprochen, dass ich zum Abendessen und vor dem Dunklen zurück bin.< Niniane steht auf, klopft sich die Krümel vom Rock und reicht Rialinn dann eine Hand, um sie auf die Füße zu ziehen, was das Mädchen gern geschehen lässt – um anschließend noch eine kleine Pirouette an Ninianes Fingern zu drehen, die sie schwungvoll im Kreis wirbeln lässt. Das hatten sie oft getan, als Rialinn noch viel kleiner gewesen war, doch sie hat es nicht vergessen und einen Moment lächeln sie beide bei der Erinnerung daran.

"Dann solltest du dich beeilen, Feuerkätzchen. Ich werde Rela ausrichten, dass du hier warst, sie schaut bestimmt die nächsten Tage dann bei dir vorbei… das alte Pferd braucht ein bisschen Bewegung und ich bin inzwischen wirklich zu schwer für Anarvendis." Die alte braune Jagdstute, die Niniane nach einem Shenrahrennen vor so vielen Jahren im Wald aufgesammelt, gesund gepflegt und ihre fürchterlichen Erinnerungen an zweibeinige Wesen mit harten Händen, beißenden Eisensporen an den Füßen und brennenden Lederriemen nach und nach hatte vergessen lassen, ist inzwischen alt, grau und halb blind, und Niniane reitet sie schon seit einem Jahr nicht mehr selbst. Die Kinder noch gemütlich durch die Gegend zu tragen und ab und an ein bisschen am Strand zu galoppieren, dafür ist Anarvendis jedoch noch immer gern zu haben – ansonsten genießt sie ihr faules Rentnerdasein auf Ninianes Lichtung. Donner ist auch nicht mehr der Jüngste… wir werden bald neue Pferde brauchen… und wenn wir schon dabei sind, Shaerela und Leir brauchen eigene Tiere… Sie bringt Rialinn zur Tür, wo sie sich von der Kleinen verabschiedet und dann wartet, bis das Mädchen ihr zwischen den Baumwurzeln ein wenig am Wintergras knabberndes Pferd eingesammelt hat und sicher wieder im Sattel sitzt. Sie sieht ihr noch nach und winkt, bis sie in Richtung Smaragdstrand verschwunden ist, dann kehrt sie ins Warme Innere ihres Baumes zurück, aber nur um sich Schultertuch und Stiefel anzuziehen, und dann daran zu gehen, ihr Hühnervolk zu versorgen und die Pferde zu füttern und zu misten. Wie oft in letzter Zeit, leistet ihr dabei ihre alte Freundin, die noch greiser gewordene Schattenkatze Gesellschaft. Sie ist schon ganz grau um die Schnauze und mager geworden, doch sie rührt weder die Pferde, noch die Hühner an. Seit ein paar Wochen hält sie sich in der Nähe des Baumes, staubt die Reste von Crons Jagdbeute ab, bekommt ab und an ein gebrochenes Ei und schläft gern zwischen den Wurzeln des gigantischen, immergrünen Aêlinorsarna, wo es auch im Winter nie wirklich kalt und stets windgeschützt ist. Vielleicht ist das ihr letzter Winter…
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Tuesday, July 25th 2017, 7:17pm

Macht's gut und danke, für den Fisch

Sonnenthron 517

Es ist Hochsommer im talyrischen Umland und es ist heiß, viel zu heiß für ihren Geschmack. Doch es liegt nicht in ihrer Macht, das Wetter zu ändern - im Gegensatz zu Findinmir, aber der hat andere Sorgen, und selbst wenn dem nicht so wäre, würde er es nicht tun, auch wenn sie ihn noch so sehr darum bitten würde. Er würde ihr höchstens einen stundenlangen Vortrag über das natürliche Gleichgewicht halten und sie darüber belehren, dass man Mutter Natur nicht ins Handwerk pfuscht, wenn es nicht absolut sein muss. Dabei hatte sie dem alten Quacksalber im Frühjahr den knochigen Hintern gerettet. Sie hat Rialinn seitdem die Kleine im Winter hier gewesen war ein paarmal gesehen und auch Arúen hin und wieder zu Gesicht bekommen, doch weiter als bis zu dem festen Vorhaben, sich bald zusammenzusetzen und in Ruhe eine Kanne Cofea zu schlürfen – oder vielleicht lieber eisgekühlten Sommerwein – waren sie noch nicht gekommen. Allmählich wächst es ihr über den Kopf, ganz allein für das Larisgrün verantwortlich zu sein, auch wenn die Späher und Waldläufer der Steinfaust tun, was sie können – ihre Schattenjägeraufgaben nehmen sie in letzter Zeit ziemlich in Anspruch und sie weiß, dass sie dringend ein paar helfende Hände braucht, die ihr in solchen Angelegenheiten unter die Arme greifen, weil es sonst nämlich irgendwann überhandnehmen wird. Doch woher nehmen, wenn nicht stehlen? Cron tut, was er kann und ihr Mann ist zwar ein guter Fährtenleser und ein hervorragender Jäger, aber kein solcher. Es ist, als fehlten Schattenjäger wie sie an allen Ecken und Enden – nicht nur hier in Talyra, auch in Brioca, im Verdland, in Draingarad – kein einziger scheint dort unterwegs zu sein, und das kommt ihr doch allmählich ein wenig azurianisch vor. Wenn das so weitergeht, werde ich die Achyuta um Hilfe bitten müssen. Oder die Rabani. Oder, wenn alle Stricke reißen, jemand vom Orden der Jäger der Alten Wege…
Als erstes, und bevor sie sich weiter über solche Fragen den Kopf zerbrechen kann, hat sie jedoch eine sehr alte Freundin zu begraben – die Schattenkatze, die so lange ihr Revier nördlich der Stadt gehabt hatte, war in der vergangenen Nacht gestorben, einfach eingeschlafen und nicht wiedererwacht. Cron und die Kinder hatten ein Grab am Rand ihrer Lichtung ausgehoben, den dürren, aber immer noch beeindruckend großen, anthrazitfarbenen Körper in eine alte, weiche Lederhaut gehüllt und hineingelegt, und warten nun nur noch auf sie, damit sie die Raubkatze anständig unter die Erde bringen können. Niemand vergießt Tränen, aber Leir und Shaerela sprechen ein paar Worte, teilen ihre Erinnerungen an die Schattenkatze mit ihnen, die sie ihr ganzes bisheriges Leben lang gekannt hatten. Sie war nicht zahm gewesen, ein wildes Tier wie zahllose andere, die hin und wieder an ihren Baum kommen, ihr Kunde von den Geheimnissen des Waldes zutragen oder einfach ihre Solidarität zeigen – schließlich ist sie die Waldläuferin hier und das Larisgrün ist ihr Wald. Jedes Geschöpf darin, ob groß oder klein, weiß das. Aber zu dieser Katze hatten sie alle ein besonderes Verhältnis gehabt und ihren letzten Winter lang zumindest für Futter und ein warmes Plätzchen gesorgt. Sie hatten nie versucht, sie zu zähmen, ihr einen Namen zu geben oder sie auch nur anzufassen – sie war von sich aus gekommen und gegangen, wann und wie es ihr beliebt hatte. Doch Niniane hatte stets gewusst, dass sie immer ein wachsames Auge auf ihre Lichtung gehabt hatte und dass niemand ihren Kindern auch nur ein Haar gekrümmt hätte, so lange sie in der Nähe gewesen war. Ich sollte bei Gelegenheit nach Einaug' schauen, geht ihr durch den Kopf, während ihr Sohn und ihr Mann mit ernsten Gesichtern das Grab zuschaufeln und Shaerela kleine gelbe Blumen über die Erde streut. Er ist auch nicht mehr der Jüngste.

Doch zurück in ihrem Baum, Cron ist mit den Kindern an den See hinuntergegangen, um schwimmen zu gehen und ein paar Fische und Krebse für das Abendessen zu fangen, ruft das Fatid nach ihr. Seit sie Rialinn im Winter so spontan die Karten gelegt hatte, lassen sie ihr keine Ruhe mehr… nicht, dass sie inzwischen schlauer aus dem seltsamen Blatt geworden wäre, das sich Arúens Tochter offenbart hatte, oder aus den verworrenen Spiralmustern, den Kleinen und Großen Rädern und den Schicksalsfäden, die sie seither immer einmal wieder ausgelegt hatte - blind und ohne irgendeine Zielrichtung in ihrem Inneren… sie hätte auch gar nicht gewusst, welche Fragen sie dem Arhamâ hätte stellen sollen. Kaph und Pe, das Rad des Schicksals und der Turm waren verwirrend oft aufgetaucht, doch in den verschiedensten Konstellationen und Darstellungsweisen, und keines der Kartenblätter hatte in ihren Augen auch nur irgendeinen Sinn ergeben… jetzt jucken ihre Finger schon wieder danach und sie weiß, dass es keinen Sinn hat, das Drängen in ihrem Inneren zu ignorieren, also nimmt sie die lackierten Karten in die Hand und mischt sie gründlich durch. Ihre bisherigen Recherchen zu den Prophezeiungen hatten nur wenig ergeben. In den Schriften, die Olyvar ihr aus den Archiven der Steinfaust gebracht oder die sie selbst im Haus der Bücher nachgelesen hatte, hatte sie nur Hinweise auf die 'Worte der Schattenbinder' gefunden, aber darunter war auch ein Auszug aus den philosophischen Betrachtungen eines Auguren des Imperiums, der sich mit der Zusammentragung offenbar zusammenhängenden, aber unabhängig voneinander und zu unterschiedlichen Zeiten getanen einzelner Prophezeiungen beschäftigt hatte. Und in seinen Texten - es hatte sie geschlagene zwei Monde gekostet, sie überhaupt zu finden und noch einmal vier Wochen, sie zu übersetzen - hatte er drei namentlich erwähnt: 'Die Sieben Leben', 'Die Neun Kelche oder Nurms bittere Gaben' und 'Den letzten Sohn Amaras'. Diese 'Neun Kelche' waren ihr schon bekannt, denn die Prophezeiung taucht im Ganzen auch im Organon Rotgers von Brugia auf, eines Faêyrishohepriesters, der sein ganzes Leben den Mysterien des Östlichen Mondorakels gewidmet, sich aber auch mit der Auslegung der Drachenkarten und ihrer Geheimnisse befasst hatte, und das Fatid zu seinen Lebzeiten lesen konnte wie kein zweiter. In seinem Organon beschäftigt er sich zwar meist mit den großen Orakeln, die vom Aufstieg und Niedergang ganzer Reiche und Geschlechter sprechen, und den gängigsten Legearten des Fatids, aber die 'Neun Kelche' und Betrachtungen über ihren Zusammenhang mit dem Hohelied der Trauer tauchen ebenfalls in seinem Buch auf. Vor allem dienen sie ihm als Beispiel akribischer Recherchekunst. Laut seinen Nachforschungen, waren alle Verse der Neun Kelche letzte Worte Sterbender oder Weissagungen von Nurmpriesterinnen, die angeblich in neun Nurmschreinen verschiedener Sithechtempel Ûrs, namentlich in Khor Rori, Tumrait, Saïda, Talebkhan, Heramas, Sen'afe, Calatañazor, Dimnat Chadir und Qum'Ran selbst zuerst aufgetaucht und dann in den "Worten der Schattenbinder" erst mühsam zusammengetragen worden waren, bis sie eine vollständige Prophezeiung ergeben hatten. Auch Rotger von Brugia erwähnt 'Den letzten Sohn Amaras', der möglicherweise im Zusammenhang mit den 'Neun Kelchen' steht, geht jedoch nicht näher darauf ein. So bleibt ihr nichts übrig, als ein großes Fragezeichen in ihren eigenen Notizen hinter diesen Titel zu setzen. Über 'Die Sieben Leben' oder Azras Prophezeiung findet sie in seinem Organon überhaupt nichts. Letzteres verwundert sie nicht weiter, denn Azra hatte in ihrer Geschichte ja erzählt, diese Weissagung wäre von einer alten Sklavin in Dror Elymh getan worden – über Orakelsprüche irgendwelcher Blutelbensklaven wird sie wohl kaum irgendwo schriftliche Aufzeichnungen finden. Und was die 'Neun Kelche' angeht… der einzige glasklare Hinweis darin, mit dem sie etwas anfangen kann, ist der auf Llaeron, aber Anspielungen auf den Schicksalsweber finden sich in jedem zweiten Orakelspruch, den es überhaupt gibt. Der Khamsin ist ein Wüstenwind und der Strom aus Blut wohl eine Metapher für den Bar el-Atbár, den man ja nicht umsonst den Blutfluss nennt, seit hunderttausende von Toten im Großen Krieg seine Wasser rot gefärbt hatten…

Natürlich denkt sie ganz von selbst an Karamaneh, die in Begleitung von Olyvar, Kalam und Rayyan nach Azurien gereist war, um ihre Schwester aus Culuthux zu holen. Doch sie kennt die näheren Umstände nicht und weiß nichts von Fahd: für sie ist Karamaneh zwar eine ehemalige Sklavin, doch wie fast alle in Talyra glaubt auch Niniane, die junge Frau und ihr Mündel Missandei hätten Nabil gehört, jenem vermeintlich ehrbaren Händler, der in Wahrheit ein Sklavenschmuggler gewesen war. Hätte sie mehr über die Hintergründe gewusst und noch dazu, wer Karamaneh noch nach Azurien begleitet hat, nämlich der Narrenkönig, wäre sie spätestens beim Lesen der Strophe über den Siebten Kelch über den Zusammenhang gestolpert und hätte vielleicht sogar etwas vermuten können. Genaugenommen weiß die das eigentlich sogar, weil Borgil es ihr gesagt hatte - als er auf dem Inarifest wegen des Briefes aus Sen'afe und Karamanehs Heirat in der Fremde einen halben Nervenzusammenbruch gehabt hatte, doch sie hat es einfach vergessen. So hat sie also nur ein sehr vages, ungutes Gefühl, irgendetwas, das sie aufschreckt, auf das sie jedoch beim besten Willen nicht den Finger legen kann. In dem Buch, das Rayyan ihr im vergangenen Winter aus der geheimen Schwarzfeuer-Bibliothek der Malsebior gebracht hatte (bevor er quasi im Handumdrehen auch schon wieder mit Olyvar nach Azurien verschwunden war), hatte sie bislang überhaupt noch nichts Verwertbares gefunden, doch es ist auch in einer derart altertümlichen Form des Lyssan, einer heute lange ausgestorbenen hôthischen Sprache, die vor langer Zeit im Süden Ûrs gebräuchlich war, verfasst, dass sie kaum ein Wort davon entziffern kann. Zusammengefasst hat sie also viele kryptische Hinweise, aber nichts wirklich Konkretes herausgefunden. Von ihren Recherchen wandern ihre Gedanken zurück zu den Karten in ihrer Hand, die sie noch immer geistesabwesend durchmischt und sie konzentriert sich wieder auf die Macht, die in ihnen vibriert. Dann holt sie noch einmal tief Luft und legt ein kleines Spiralmuster aus sechs Karten – Spiralen sind gewöhnlich gut geeignet, sich einen ganz allgemeinen Überblick über Geschehnisse zu verschaffen, die gerade im Gange und möglicherweise von Bedeutung sind, und bestehen entweder aus sechs, zwölf oder achtzehn Karten, je nachdem. Beginnend mit der Innersten Karte, deckt sie eine nach der anderen auf und legt dann verwirrt und nachdenklich die Stirn in Falten. Die erste Karte zeigt Schin, das Weiße Schiff, doch es ist absolut bildlich zu verstehen – es ist ein Schiff, eine bauchige Kogge, und sie segelt gelassen über ein ruhiges Gewässer. An ihrem Bug stehen fünf Gestalten, eine davon ein Kind, die alle ihrem Ziel entgegenzublicken scheinen, doch viel mehr kann sie nicht in der Karte erkennen. Dann folgen hintereinander Zajin, die Liebenden, ineinander verschlungen, beinahe verschmolzen, Gold und Ebenholz, und zwischen ihnen glüht Wärme; Lamed, der Ritter, in grauer Rüstung mit heruntergeklapptem Visier, düster, schweigend und verschlossen; dann die Maid der Stäbe, zart und hell, hoffnungsvoll, mit grünen Händen umgeben von zahllosen blühenden Rosen und heilenden Kräutern, und schließlich Nun, der Phönix, der allerdings keinen feurigen Vogel zeigt, sondern ein kleines Mädchen mit hellem Haar, dunkler Haut und hellen Augen, gezeichnet von Narben, aber auch umgeben von reinigenden Flammen, aus der Asche schon beinahe vollständig wiedergeboren, aber noch nicht ganz wieder heil. Die letzte Karte ist Pe, der Turm – immer ein Hinweis auf Veränderungen. Er sieht vollständig intakt aus, fest und unverrückbar, und erinnert sie ein wenig an die Türme und Zinnen der Steinfaust, doch hinter seinen leeren Fenstern scheint etwas Bitteres zu warten… Seufzend legt sie die Karten beiseite. Leidenschaftliche Liebende, ein grummelnder Ritter, eine pflanzenverliebte Maid der Stäbe und ein vom Leben gezeichnetes Kind machen gemeinsam eine Schiffsreise? Sie wirft den ausgelegten Karten einen indignierten Blick zu, knallt den Rest des Stapels auf den Tisch und schnaubt ungehalten. Seit zwanzig Monden beschäftigt sie sich wann immer sie Zeit dafür findet mit diesen unseligen Prophezeiungen, seit jenem Tag in der Harfe, als Calait und Colevar zurückgekehrt waren und Azra und Borgil ihre Geschichte erzählt hatten… und sie hat das Gefühl, kaum einen Schritt weiter gekommen zu sein. Was hat sie bisher auch schon vorzuweisen…?

Über das, was sie ohnehin schon wissen, hat sie nichts Neues in Erfahrung gebracht. Sie ist über zwei weitere Prophezeiungen gestolpert, die angeblich zusammenhängen, nämlich die 'Neun Kelche' und den Letzten Sohn Amaras, hat aber nur den einen Text. Bevor sie im Taumond aufgebrochen war, um Findinmir zu helfen, hatte sie Kizumu einen Brief nach Ardun geschrieben, mit der Bitte, sie möge ihr, wenn sich das irgendwie bewerkstelligen ließe, eine Abschrift der gesammelten Lichtweihe-Weissagungen aus dem Nördlichen Orakel zukommen lassen, doch sie hat noch keine Antwort. Die Götter allein wissen, ob ihre Nachricht die Feuerelbin überhaupt schon erreicht hat. Sie weiß, dass jene alte Seherin in Arrassigué noch mehr von sich gegeben hatte, als nur Colevars Verse der 'Sieben Leben', doch sie weiß nicht was. Und ich weiß, dass der Aschefresser, vermutlich in Mundus Diensten, Calait und Colevar geholfen hat, wenn auch auf sehr merkwürdige Art und Weise… und dass ein Finsterer aus dem Haus Chalzedon der Shebaruc und ein Diener Dauragons Azra töten wollte… Inzwischen weiß sie immerhin auch, was der Aschefresser damals nach dem Kampf mit der Remorwyen getan hatte: er hat Calait und Colevar ein Siegel des Schutzes direkt in die Knochen ihrer Rippen gebrannt, und weil Calait zu diesem Zeitpunkt schon schwanger gewesen war, hatte sich die Magie auf das Kind ebenfalls ausgewirkt… und sie war mit ihm gewachsen. Der kleine Sohn des Sithechritters, im Übrigen ein quietschfideles, kerngesundes Kerlchen und inzwischen so groß wie ein kleiner Büffel, ist… nun, unauffindbar würde es wohl am besten treffen. Nicht zu spüren, weder mit ihren empathischen Sinnen, noch mit ihrer priesterlichen Magie. Auch nicht mit arkanen Mitteln oder anderen klerikalen Kräften, nicht mit der Magie der Barden, der Kraft der Runen oder dem Gespür von Schamanen… es ist, als wären sämtliche Magieanwender gleich welcher Art vollkommen blind für dieses Kind… und sie nimmt an, dass das auch für Chaosmagie und die Kräfte der Schattenwanderer gilt, leider konnte sie das bisher nicht testen. Noch immer von unbestimmter Unruhe erfüllt, aber des ewigen Nachgrübelns leid, lässt sie für heute ihre Recherchen und jeden weiteren Gedanken an Prophezeiungen sein, und geht lieber hinunter zum Ildorel, um bei ihrer Familie zu sein. Morgen will sie auf den Markt und bei einem Küfer zwei kleine Lagerfässchen bestellen, da würde sie ohnehin den neuesten Stadtklatsch zu hören bekommen. Vielleicht kann sie ja noch kurz bei Borgil vorbeischauen und sehen, ob der Zwerg irgendetwas Neues von Karamaneh weiß.
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Sunday, March 18th 2018, 5:40pm

<- Auf der Flucht in den Rhaínlanden

A song long gone


While I nodded, nearly napping,
suddenly there came a tapping,
As of someone gently rapping,
rapping at my chamber door.
"'Tis some visitor," I muttered,
"tapping at my chamber door -
Only this, and nothing more." (Edgar Allan Poe, The Raven)

9.Taumond 518


Niniane erwacht in der Dunkelheit der Nacht mit klopfendem Herzen und einem flatternden Gefühl in ihrer Magengrube, ohne eigentlich zu wissen, was sie aus dem Schlaf gerissen hat. Ihre weichen Pelzdecken sind ein Nest aus Wärme, doch die Bettseite neben ihr ist leer. Cron und Leir sind mit Kalam zur Jagd geritten, weil der seinen Vorratskeller füllen will und überprüfen außerdem ein paar verborgene Waldpfade und Wildwechsel für sie, und sind noch nicht zurück. Doch es ist nicht der Gedanke, an ihren Mann und ihren Sohn, der sie geweckt hat. Wenn die Männer etwas Größeres als einen Rehbock erlegt hatten, würden sie es gleich an Ort und Stelle aufbrechen und zerteilen, und wahrscheinlich noch bis morgen unterwegs sein. Was war es dann…? Sie lässt ihre Sinne nach außen schweifen, über ihre Lichtung wandern und… Oh!
Leise und hastig verlässt sie das Bett, schlingt ihr Haar im Nacken zu einem unordentlichen Knoten zusammen und schlüpft in ihre Schaftstiefel. Sie trägt wie meistens für die Nacht nur eines von Crons Hemden, das ihr hoffnungslos zu weit ist, doch es reicht ihr bis zu den Knien. Dann greift sie nach einer Decke aus fuchsrotem Eichhörnchenpelz, die sie sich um die Schultern schlingt, sieht auf dem Weg nach draußen kurz nach Shaerela, die friedlich träumt, und verlässt dann lautlos wie ein Schatten ihren Baum. Auf der Treppe bleibt sie stehen und lässt ihren goldenen Blick einen Moment lang über die im Frost erstarrte Lichtung gleiten. Sie hat keine Ahnung, wer ihr mitternächtlicher Besucher ist, aber sie kann seine Anwesenheit deutlich spüren und was er ist hat vollkommen ausgereicht, sie in solcher Hast und im Nachtgewand aus dem Bett zu treiben. Unmittelbar um ihren Baum, unter seiner ausladenden Krone und um die gewaltigen Wurzeln ist der Boden schneefrei, doch am Rand der Lichtung, um den Pferdestall und das Hühnerhaus türmt sich der Schnee noch wie überall im Umland der Stadt. Es ist bitterkalt und die Sterne glitzern wie kalte, weiße Nadelstiche im tintenschwarzen Mantel der Nacht.

Die Schneefälle hatten bis Mitte Silberweiß angehalten und der Eisfrost hatte seinem Namen alle Ehre gemacht und dem ganzen nördlichen Larisgrün eine Kälte beschert, die alles harsch gefroren und die tief verschneite Welt in glitzernden Reif gehüllt hat. Dann entdeckt sie ihn, halb verborgen hinter einem der mannshohen Wurzelstränge, eine fahle Gestalt aus Silberdunst und Sternenlicht, körperlos wie alle Geister, und geht langsam durch den knirschenden Frost auf ihn zu. Er wartet an der kalten Feuerstelle, den substanzlosen Blick nachdenklich in die Asche gerichtet, doch er wendet sich um, als sie zu ihm tritt. Eigentlich ist es überhaupt keine Bewegung, sondern ein Auseinanderfließen und neuerliches Formwerden der Dunstschleier und rauchigen Fäden, aus denen sein körperloses Abbild besteht. Er ist ihr fremd – ein großer Mann mit langem Haar und Bart, breit in Schultern und Rücken, mit tiefliegenden Augen und harten Gesichtszügen in einem stabilen Rahmen aus Knochen, die sie nur ganz unbestimmt an jemanden erinnern, den sie kennt… oder einmal gekannt hat. Sein mächtiger Brustkorb ist bloß, aber er trägt einen Pelz um die Schultern, der aussieht, als habe er einmal einer wirklich großen Katze gehört, doch farblos, wie er ist, kann sie unmöglich sagen, welcher. Es könnte ein Löwe gewesen sein… oder etwas ganz anderes. Lederbeinlinge geschmückt mit Strähnen von Rosshaar umhüllen seine Beine und auf seinem Gürtel, der so breit ist, dass er ihm bis unter die Brust reicht, prangen faustgroße Medaillons aus gehämmerter Bronze und Eisen. Er ist eine barbarische Aufmachung, doch nichts an ihm erscheint ihr nordisch. Niniane tritt noch näher, bis sie vielleicht noch eine Armlänge von ihm entfernt ist und ihre Augen sind jetzt dunkel und voller Neugier. Auch wenn es, selbst in ihrem langen Leben, nur selten vorkommt, er ist nicht der erste beschworene Geist, den man ihr zu nächtlicher Stunde schickt… aber er ist sicher einer der Interessantesten. Als er sich bewegt, erhascht sie einen Blick auf seine Unterarme, und was sie zuerst für Lederstreifen oder Armschienen gehalten hatte, entpuppt sich als großflächige Tätowierungen, Dreiecke und Linien, ähnlich wie die Kalams und dennoch ganz anders. Irgendwo ruft leise ein Käuzchen auf der Jagd und kleine Tiere rascheln durchs Unterholz - doch sonst flüstert in ihrem Wald nur der Nebel.

"Wer seid Ihr? Und was wollt Ihr hier?"
Als er ihr antwortet, ist seine Stimme so körperlos wie der ganze Rest von ihm und schwebt aus der Dunkelheit auf sie zu, als käme sie aus der Nacht selbst:
>Narudâ liegt dort verborgen, wo die Große Jägerin ihre schützenden Hände über die verfallene Geburtsstätte der Mutter der Einerin hält. Ihr dürft keinem Jäger mehr trauen.<
Mehr ist er nicht bereit… oder nicht in der Lage zu sagen… und verblasst mit einem seltsam schwermütigen Lächeln auf dem breiten Gesicht, doch sie achtet kaum darauf, denn ihre Gedanken rasen. Narudâ! Yara… woher? Einerlei. Es klang dringend. Verdammt dringend sogar! Keine halbe Stunde später ist Niniane von Kopf bis Fuß in schimmerndes Yalaris gehüllt, trägt Iôrfaêr auf dem Rücken und einen Köcher mit schlanken, milchweißen Pfeilen sowie ihren Bogen, hat ein Bündel geschnürt und ihre Schlafpelze zusammengerollt, und weckt Shaerela. "Ich muss fort, Rehlein, in Schattenjägerangelegenheiten. Kannst du am morgen nach dem Fuchs oben im Botanikum sehen? Wenn er seine Pfote wieder belastet ohne zu Humpeln, darfst du ihn in den Wald zurücklassen. Wenn nicht, muss er noch ein Weilchen bleiben. Ich weiß nicht, wann dein Vater und dein Bruder zurück sein werden, du musst dich also um die Hühner und um Anarvendis kümmern. Eigentlich sollten sie im Lauf des Tages wieder hier eintrudeln, aber mach dir keine Sorgen, wenn es nicht so ist, aye? Sollten sie morgen noch nicht wieder da sein und du willst nicht über Nacht allein hierbleiben, dann geh zu Karamaneh und Zaleh hinüber, die freuen sich bestimmt, wenn du kommst." Shaerela, noch ein wenig schlaftrunken, aber unerschütterlich wie stets, schüttelt nur den Kopf und winkt ab. Dann erklärt sie seelenruhig, sie sei ja nicht allein, die Tiere wären da und sie solle sich keine Sorgen machen, schließlich sei sie kein Baby mehr. Immerhin bekommt sie von ihrer Tochter noch einen flüchtigen Kuss auf die Wange, ehe sie mit einer wedelnden Handbewegung davongescheucht wird. Shaerela, ernsthaft und vernünftig wie immer, und schon so schrecklich erwachsen, würde sich hier im Baum um alles kümmern, darauf kann sie sich verlassen.


-> Die Steinfaust
Me? I'm dishonest. And a dishonest man you can always trust to be dishonest. Honestly. It's the honest ones you have to watch out for, 'cause you can never predict when they're going to do something incredibly… stupid.

Yara

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Friday, October 26th 2018, 11:20pm

--> Verdertor

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17. Grünglanz 518

Es ist schon dunkel, als die beiden Wachen sie direkt auf Ninianes Hausschwelle abliefern. Sie warten sogar noch, bis die Waldläuferin ihr die Tür aufgemacht und sie hereingebeten hat. Erst dann kehren sie an ihren Posten zurück. Im Baum selber nimmt sich Niniane ihres Gastes an, derweil ihr Ehemann Cron, ein Nordmann und als solcher ein Hüne, sich um den Rappen und Yaras Gepäck kümmert. Das allererste, was die Protektorin ihr sagt, sogar noch bevor sie sich nach ihren Fingern, ihren zahlreichen Wunden und ihrer Reise erkundigt, ist: "Der Stein ist sicher." Alles, was Yara darauf zustande bringt, ist ein halbes Lächeln. Die Dankbarkeit dahinter ist nicht gestellt, aber Erleichterung will sich keine einstellen und weil sie keinen Hehl aus ihren zwiegespaltenen Gefühlen macht, kann die Halbelbe sowohl das eine, als auch das andere deutlich spüren. Anstatt jedoch nachzuhaken, setzt sie Yara erst einmal ein deftiges Abendmahl vor und kühlt dann die heißen Quellen zwischen den Wurzeln ihres Baumes auf einen für nichtgöttliche Wesen erträgliches Maß ab, so dass Yara sich frischmachen kann.

Nur in einem weichen Lederkleid gesellt sich Yara nach dem Bad zu Niniane, die es sich vor dem offenen Feuer im Wohnzimmer zwischen seidenweichen Silberwolfpelzen und bestickten Kissen bequem gemacht hat. Neben ihr, auf einem kleinen Tablett steht eine schlanke Karaffe voller sündhaft teurem Sommerwein, von dem sie, kaum hat Yara sich neben ihr niedergelassen und die Beine von sich gestreckt, zwei langstielige Gläser aus mundgeblasenem, hauchdünnem Mondkristall füllt. Eines davon reicht sie an Yara weiter, die einen Moment lang die kunstvolle Handarbeit bewundert und sich vorstellt, wie es in den Städten der Elben wohl aussehen mag. Türme aus geschwungenem Elfenbein, Straßen aus Silber und Licht und Häuser, die den Himmel wie Wellen einrahmen. Und dazwischen so viel Grün, dass es für die Weite reicht. Es ist ihr nie vergönnt gewesen, die Elbenlande zu betreten und ihre Mutter wusste ihr auch nur die Geschichten zu erzählen, die ihr Vater aus dem Westen mitgebracht hatte. Der war zwischen Euwen'Nar, dem Dorf zwischen den Welten im Süden der Sieben Wasser von Mòr an der Grenze zum Königreich der Elben und Talaberen, der Hauptstadt von Logren, aufgewachsen und hatte ihr als Kind immer versprochen, sie eines Tages in die Welt jenseits des Nebels mitzunehmen. Dieses Versprechen hatte er mit in sein namenloses Grab inmitten der Ruinen von Am'Shaer genommen, wo er während der dritten der Dunklen Plagen gefallen war.

"Es ist schön dich wiederzusehen." Ein weiches Lächeln auf den Lippen mustert Yara die Halbelbe, deren Erscheinung im tanzenden Licht der Flammen fast schon überirdisch schön und erhaben wirkt, obwohl sie nur weiches Leder trägt und ihr Haar ihr in einem einfachen Zopf über den Rücken fällt. Aber nicht einmal Sack und Asche könnten Niniane die machtvolle Präsenz nehmen, die sie atmet wie andere Leute Luft. "Es ist lange her." "Allerdings. Wir haben uns viel zu erzählen." "Wahr. Als wir uns das letzte Mal gesehen haben, warst du noch nicht verheiratet und hattest noch keine Kinder. Deine Tochter ist dir wie aus dem Gesicht geschnitten. Nur die Haare, die hat sie eindeutig von ihrem Vater. Ein Normander, richtig? Das muss für Aufruhr unter den Deinen gesorgt haben." "So kann man das sagen", seufzt Niniane augenrollend, offenbar nach all den Jahren immer noch genervt von der elbischen Unbeweglichkeit, mit der ihre Verwandten ihre Hochzeit mit dem alten Feind verurteilt hatten. "Ich habe mich sehr für dich gefreut, als mich die Nachricht von deiner Hochzeit erreichte." Zeit zum Feiern hatte sie leider keine gehabt, weil sie zu diesem Zeitpunkt irgendwo in den Verlassenen Landen herumgewandert und dem Heulen eines verlorenen Wolfswelpen durch das Tal des Punt bis in die Eisigen Öden gefolgt war. Unweigerlich wandern ihre Gedanken weiter, zu ihrer eigenen Tochter, die sie vor fast drei Jahren in die Obhut eines alten Freundes gegeben hatte und flüchtig erwägt sie Niniane zu bitten einen Raben zu Shalhor zu schicken, damit Kaya von ihrer Rückkehr erfährt. Dann aber verwirft sie die Idee. Sie will Kaya keine überflüssigen Zeilen schreiben. Sie möchte ihr gegenüberstehen, sie in ihre Arme ziehen, sie festhalten und ihr sagen, warum sie drei Jahre gebraucht hat, um zu ihr zurückzukehren.

Aber bevor sie das tun kann, muss sie mit Niniane reden und zwar nicht über skandalöse Eheschließungen und Mutterstolz, sondern über finstere Geheimnisse und schreckliche Wahrheiten. "Aber davon später mehr", schlägt Yara also den Bogen zu der Unterhaltung, welche Niniane ihr in den Ruinen von Eldersteen noch erspart hatte und glaubt ein erwartungsvolles Funkeln in den geheimnisvollen goldenen Augen zu erkennen. Alles in ihr sträubt sich dagegen die Waldläuferin in ihre Geschichte um den Stein einzuweihen, weil am Ende eine Erkenntnis lauert, der sie sich nicht stellen will. Aber sie hat keine Wahl. Nicht nur, weil sie Niniane versprochen hatte zu reden, sondern auch weil es hier um mehr geht, als den Orden und um sehr viel mehr, als ihr eigenes Leben. "Dir ist Sion der Verrückte ein Begriff? Er hat in dem einsamen Turm südlich des Totenackers gelebt." "Ach der. Ja. Der war jedem in Talyra ein Begriff." Tatsächlich war Sion eine stadtbekannte Persönlichkeit gewesen. Im wahrsten Sinne des Wortes. Allzu leichtfertig hatten viele Stadtbewohner ihn als leicht wahnsinnigen Alchemisten, schwachsinnigen Tränkebrauer und paranoiden Ränkeschmieder abgetan. Yara wollte nicht bestreiten, dass Sion womöglich nicht alle Sinne beieinander gehabt hatte, aber er war auch ein überragender Dämonologe und einer der größten Hüter dämonischen Wissens seiner Zeit gewesen. "Ist der nicht um die Jahrhundertwende gestorben?" "Er ist nicht gestorben. Er wurde ermordet." Ninianes neugieriges Interesse schlägt sofort in wachsame Aufmerksamkeit um und stumm forderte sie Yara auf weiterzusprechen. "Vor drei Jahren war ich in Talyra. Ich wusste nichts von Sions Tod und habe den Turm in der Hoffnung aufgesucht, er könnte uns für ein paar Tage Obdach gewähren, bis ich eine Unterkunft gefunden hätte." "Uns?" "Mir und meiner Tochter." "Deine Tochter?" "Ich habe ein Mädchen der Stämme aufgenommen. Kaya. Sie lebt derzeit hier in Talyra bei einem alten Freund von mir, Shalhor dem Reeder." Der Name ist Niniane offenbar ebenfalls bekannt, auch wenn ihre hochgezogene Augenbraue gewisse Vorbehalte verspricht. Yara fragt nicht nach, sondern lenkt das Gespräch zurück zu ihrer verschneiten Anreise im Winter des Jahres 514.

"Es war auf der Schwelle zum Turm, dass mich der neue Besitzer, Bregond, über Sions Dahinscheiden aufklärte. Er war allerdings so freundlich uns für eine Nacht aufzunehmen. Ich wollte die Gelegenheit nutzen Sions geheime Kellerräume aufzusuchen, wo er einige Schriftrollen aufbewahrte, die für den Orden bestimmt waren. Anstatt der gesuchten Pergamente fanden wir jedoch Sion selbst, beziehungsweise seinen von einem Vasall besessenen Leichnam. Über zehn Jahre war der Dämon dort unten eingesperrt." Jetzt zeigt sich auf Ninianes Stirn eine steile Falte. Yara kann es ihr nicht verdenken, auch sie hat eine ganze Weile gebraucht um die Vergangenheit nachvollziehen zu können. "Wir haben den Dämon befragt und ihn im Anschluss zurück in die Hölle geschickt. Es stellte sich heraus, dass Sion von einer Jägerin des Ordens beauftragt worden war etwas zu finden." "Naruda", schlussfolgert die Waldläuferin folgerichtig und Yara nickt.
"Ja. Sions Aufzeichnungen zeigen, dass seine Recherchen ihn durch die halbe Weltgeschichte bis zu einem Dämon namens Yzumalech geführt haben. Dieser stand im Auftrag eines namenlosen Schattenwanderers und hatte den Auftrag den Stein für seinen Meister ausfindig zu machen. Tatsächlich gelang es ihm, obwohl der Stein fast vier Jahrhunderte lang als verschollen gegolten hat. Doch auf dem Rückweg zu seinem Meister hat er sich den Stein von ein paar dahergelaufenen Räubern irgendwo zwischen dem Frostweg und dem Werweg abnehmen lassen. Das war im Jahre 485."
"Die Runakrähen", geht Niniane sofort auf und wieder kann Yara nur nicken. Das hatte ihr zwar nicht der Dämon, dafür aber die Jägerin verraten, die für Sions Ermordung verantwortlich gewesen war. Diese wüsten Gesellen hatten das talyrer Umland unter der Führung von Clangane dem Räuber fast vierzig Jahre lang heimgesucht und den Blaumänteln und ihrem damaligen Commander ordentlich zugesetzt. Erst im Jahre 495 war es einem Trupp Söldner gelungen ihren Anführer festzunehmen und noch im gleichen Jahr war er zum Tode durch den Strick verurteilt worden. Bis heute singen Barden Lieder über den Krähenlord und seine Männer.
"Antworte dem, der dich ruft."
(Sprichwort der Nandé)

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