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Karamaneh

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91

Thursday, February 20th 2014, 3:46pm

Im Branturm
Beerenreif 513

Die Freundlichkeit des Lord Commanders überrascht Karamaneh ebenso sehr wie sie sie nach den Wirrnissen der zurückliegenden Nacht mit Misstrauen erfüllt. Mehr als einmal ist in den vergangenen Stunden die Rede von Vertrauen gewesen. Und von dem Versprechen helfen zu wollen. Aber in ihrer Welt hat eine Sklavin keine Vertraute. Und niemanden der ihr hilft. Also wartet Karamaneh ab, wartet, was sich hinter der freundlichen Fassade des Lord Commanders verbirgt – und wird überrascht. Fasziniert heftet sich ihr blauer Blick auf den hellen, graubraunen Griffinstein, der auf dem ausgestreckten Handteller des Drachenländers ruht. Sie hat von diesen Edelsteinen gehört, jenen Steinen, welche ein jeder Dieb und Lügner, Spion und Assassine, Mörder und Betrüger fürchten sollte. Auch sie sollte diesen Stein fürchten, nicht wahr? Sollte. Aber als sie sich stumm eben genau diese Frage stellt, vermag sie sie nicht mit einem aufrichtigen Ja zu beantworten. Längst hat sie instinktiv erkannt, was von dem vor ihr liegenden Gespräch abhängt, und ja, dieser Gedanke macht ihr Angst. Sollte ihr da nicht auch die Magie des Griffinsteins Angst und Unbehagen bereiten? Doch nein. Ganz im Gegenteil, die Anwesenheit des Steines hat sogar etwas Beruhigendes an sich. Etwas Tröstliches.

Der Blick der Malankari wandert vom Griffinstein hinauf zum Gesicht des Lord Commanders. Obwohl er sich auf der Kante ihrer Bettstatt niedergelassen hat, wirkt er noch immer groß und bärenhaft. Bärenhaft, das Wort beschreibt den Mann mit dem kastanienbraunen Haar in der Tat sehr gut. Grimmig und freundlich zugleich. Kämpferisch, aber auch gutmütig. Während der gesamten Zeit, die er spricht, schimmert der Stein auf seiner geöffneten Hand hell und klar, und verändert seine Färbung nicht um einen einzigen Deut. Was er spricht, meint er ehrlich und aufrichtig so wie er es sagt. Doch es ist nicht die Magie des Steins, die Karamanehs Misstrauen verschwinden lässt und ihr sagt, dass sie diesem Mann wirklich trauen kann – es sind seine Hände. Groß, kräftig, schwielig. So völlig anders als Fahds seidenweiche Pranken, die sich mit Vorliebe um einen Schwertgriff oder ihre Kehle legen, abgesehen davon jedoch keinerlei schwere Arbeit gewohnt sind, ehrliche Arbeit. Die Malankari schaut nicht auf. Ihr Blick ist fest auf Olyvars Hände geheftet, als sie schließlich nach einem unendlich lang erscheinenden Moment des Schweigens nickt, um seine ausgesprochenen Vermutungen zu bestättigen. Eine einzige kleine zaghafte Geste, die Olyvar doch so viel verrät:

Das er mit allem, was er vermutet, richtig liegt. Dass die Ketten, die sie binden, nicht nur jene der Sklaverei sind. Dass sie Azra und Borgil zu sehr lieb gewonnen hat, um sie jemals in Gefahr zu bringen. Und das würde sie unweigerlich riskieren, wenn sie sich dem Zwerg anvertrauen täte. Allein schon um Missandeis Willen wagt sie dies nicht. Azra und Borgil sind gut zu dem Mädchen, so gut als wäre Missa ihre eigene Tochter. Und Karamaneh denkt schon lange nicht mehr an sich selbst. Borgil würde gewiss alles für Missandei tun, was in seiner Macht steht, und die Malankari würde niemals etwas tun, was diesen Schutz gefährden könnte. Sollte ihr etwas zustößen, so wären Azra, Borgil und Tiuri die einzigen, die Missa nicht im Stich lassen würden, dessen ist sie sich sicher.
Behutsam greift Karamaneh nach dem Griffel und der Wachstafel, die Rayyan Olyvar beim Verlassen des Raumes in die freie Hand gedrückt hat, und die nun zwischen ihr und dem Lord Commander auf den Decken des Krankenbett ruhen. Geschickt ritzt sie mit eleganten Bewegungen ein paar Worte in den geglätteten Wachs. Sie blickt Olyvar geradewegs in die Augen, als sie ihm die Tafel reicht. Ihr Blick wirkt nun ruhig und gelassen, schicksalsergeben. “Niemand kann mir helfen.”
♥ "What am I? Does my poor history matter-to anyone?" ―Sax Rohmer: The Insidious Dr. Fu Manchu
♥ "Many, having looked into her lovely eyes, had they found there what I found, must have forgiven her almost any crime." ―Sax Rohmer: The Insidious Dr. Fu Manchu
♥ "Karamaneh is a beautiful toy, I grant you; but so is a cobra." ―Sax Rohmer: The Return of Dr. Fu Manchu

Olyvar

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92

Friday, February 21st 2014, 8:02pm

Im Branturm, Beerenreif 513


Lange Zeit sieht sie nur auf seine Hände, lässt ihren Blick über die Linien und Schwielen gleiten und die zahllosen kleinen und größeren hellschimmernden Narben, als wolle sie sich das Aussehen seiner Hände einprägen wie andere ein Gesicht, dann nickt sie kaum merklich. Und sie hat recht, ihr Nicken verrät ihm vieles – die Art wie sie es tut noch mehr, ebenso ihre beinahe spürbare Erleichterung angesichts des Griffinsteines. Wie so viele, die sehr lange Zeit mit Lügen, Falschheit oder Verrat leben mussten, und plötzlich mit der Endgültigkeit und dem Trost der Wahrheit konfrontiert sind. Vielleicht weil nur die Wahrheit es einem erlaubt, Dinge mit so großer Klarheit zu sehen... so klar, dass das, was aussieht wie Gnadenlosigkeit in Wahrheit Mitgefühl ist. Sein Blick ruht auf ihrem Gesicht, auf dem sich in rascher Abfolge verschiedene Gefühle zeigen – aber vor allem eines, er erkennt es an der Art, wie ihre ebenmäßigen Züge um Mund und Augen weich werden, wie ihre Pupillen sich weiten, die Haut an ihrem Hals über der pulsierenden Ader dort ein wenig schneller vibriert. An wen immer sie gerade denkt, sie liebt diese Person - und es ist kein Mann. Aber da ist auch noch etwas anderes, etwas unter ihrer Trauer, der Resignation und Verzweiflung, eine Art Entschlossenheit, die einen eisenharten Kern besitzt. Sie greift nach Schreibtafel und Griffel, und ihre Hände tanzen entschieden und schnell wie Vogelflügel über das Wachs, auch wenn die Traurigkeit in ihren himmelblauen Augen unergründlich ist und sie mit indigograuen Schatten füllt. Dann reicht sie ihm die Tafel und sieht ihn an mit einem Blick, der so rasch und direkt trifft, wie ein Messer. >Niemand kann mir helfen.< Olyvar senkt den Blick auf ihre stumme Botschaft, dann zieht er demonstrativ den Schaber über das Wachs und reicht ihr die Tafel zurück. "Ich kann es. Ich weiß, Ihr glaubt das nicht, aber ich kann es. Und ich werde es tun, wenn Ihr mich nur lasst. Selbst wenn Ihr mir nicht helfen wollt oder könnt, wenn Ihr meine Bitte abschlagt, die Steinfaust zu unterstützen, Nabil und seinen Menschenschindern das Handwerk zu legen, ich werde Euch helfen. Sagt mir, womit man Euch in der Hand hat."
And that's the thing about people who mean everything they say. They think everyone else does too.

The good thing about mages, I find, is that they die much like any other. You need to worry about what happens before that.

Karamaneh

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93

Monday, February 24th 2014, 4:01pm

Im Branturm
Beerenreif 513

Er hat Recht, sie glaubt ihm wirklich nicht. Sie möchte es, sehr gerne sogar, aber sie tut es nicht. Und trotzdem ist da dieser winzigkleine Funken Hoffnung, der aufzuglimmen beginnt, als der Lord Commander verspricht ihr zu helfen – ganz gleich ob sie ihn und seine Männer dabei unterstützt Nabil und seine Handlanger zur Strecke zu bringen oder nicht. Die Malankari sieht auf die Wachstafel hinab, die Olyvar ihr wieder zurückgereicht hat, und überlegt, was sie schreiben soll. Was sie schreiben kann, um ihre Lage zu erklären. Doch alle Worte, die ihr in den Sinn kommen, wollen einfach nicht auf dieses kleine Täfelchen passen. Also schreibt Karamaneh schließlich nur: “Nabil ist nur ein kleines Licht in der Nacht.”

Karamaneh blickt von der Wachstafel auf und in Olyvars helle, graue Augen hinauf. Augen, die ihr in diesem Augenblick trotz ihrer kalten Farbe warm und freundlich, aber auch entschlossen entgegenblicken. Der Lord Commander WILL wirklich verstehen, um wenn sie sich sorgt und vor wem sie sich fürchtet. Und plötzlich möchte auch sie, dass irgendjemand sie versteht. Das er versteht. Aber die Wachstafel wird dabei keine Hilfe sein. Zu viele Worte für zu wenig Raum. Schließlich, wenn auch zögernd, fasst Karamaneh einen Entschluss. Sie reicht Olyvar das Täfelchen zurück, und nimmt stattdessen den Griffinstein aus seiner Hand in die ihre. Behutsam dreht sie den Edelstein kurz zwischen ihren langen Fingern hin und her und begutachtet ihn eingehend, bevor sie langsam die roten Lippen öffnet und dem Lord Commander ein grausames Geheimnis offenbart.

“Ich helfe Euch. Ich habe es versprochen”, spricht sie kaum hörbar. Und das stimmt, sie hat es Lady Shin versprochen; versprochen weil die Magerin sie erpresst, aber das spielt in den Augen der Malankari keine Rolle. Schon fast ihr ganzes Leben lang wird sie von irgendjemandem erpresst und unterdrückt und zu Taten gezwungen, die ihr von ganzem Herzen wiederstreben. Lady Shin ist da nicht anders, aber immerhin hat die Magerin – zumindest vordergründig – Gutes mit ihrem Erpressungsversuch im Sinn. Hell und klar ruht der Griffstein in Karamanehs Hand, unverändert, obwohl man hätte fürchten können, der Klang ihrer zerstörten Stimme hätte ihn unweigerlich zerspringen lassen müssen. Jedes Wort, welches unendlich leise aus ihrem Mund ertönt, klingt als wäre es eine einzige Qual. Schon so lange haben ihre Lippen und ihre Zunge keine Laute mehr geformt und hervorgebracht. Und wäre da nicht der Griffinstein, der Lord Commander würde, so fürchtet Karamaneh, ihre Worte vielleicht für Lügen halten – die Lügen einer Schlange.

“Nabil ist nicht mein Besitzer”, gesteht die Malankari zischend. Voller Scham senkt sie den Blick auf den schimmernden Stein in ihrer Hand hinab. Der zerstörte Klang ihrer eigenen Stimme erschüttert sie bis ins Mark. Angesichts dieser unglaublichen Schande kann sie es nicht ertragen, ihrem Gegenüber direkt in die Augen zu schauen. “Ich habe eine Schwester. Sie ist bei meinem Herrn... im Hawa Mahal...” Ungebeten rollt eine einsame kristallklare Träne ihre Wange hinab und tropft auf den Griffinstein hinunter. Ihre zischelnden Worte sind kaum mehr als ein Wispern. “Nabil ist nur ein kleines Licht in der Nacht.” Fast scheint es so, als zitiere sie ein altes Gedicht. “Aber Fahd ist meine Sonne.”
♥ "What am I? Does my poor history matter-to anyone?" ―Sax Rohmer: The Insidious Dr. Fu Manchu
♥ "Many, having looked into her lovely eyes, had they found there what I found, must have forgiven her almost any crime." ―Sax Rohmer: The Insidious Dr. Fu Manchu
♥ "Karamaneh is a beautiful toy, I grant you; but so is a cobra." ―Sax Rohmer: The Return of Dr. Fu Manchu

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Olyvar

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94

Thursday, February 27th 2014, 10:33am

Beerenreif 513, im Branturm

Ganz kurz, so flüchtig, dass er sich hinterher fragt, ob es tatsächlich geschehen ist, sieht Olyvar die Hoffnung, die aus den Tiefen ihrer Augen aufschimmert - und all die Angst und das Misstrauen, die sie sofort wieder zu verdrängen suchen. Es mag nur ein Funke gewesen sein, aber das ist alles, was er braucht. Sie nimmt die Tafel so behutsam aus seinen Händen wie er sie ihr reicht – als wären sie mit ihrem heraufdämmernden gegenseitigen Verständnis zwei Tänzer auf einem dünnen Drahtseil und würden sich dabei etwas sehr Zerbrechliches zuwerfen. Noch immer ist sie ihm die Antwort schuldig, aber er kann sehen, wie sie mit sich ringt und dann... dann erscheinen ihr ihre eigenen Worte, die sie in das weiche Wachs ritzt, wohl unzureichend, denn kaum hat sie begonnen, lässt sie wieder davon ab und sieht ihn an. Wie eben seine Hände, mustert sie nun seine Augen. Aufmerksam, direkt und offen, als suche sie etwas in ihnen - und gleichzeitig als könne sie tiefer sehen... oder weiser erkennen... als die meisten anderen. Sie scheint genau zu wissen, dass das einzige, was er für das will, das er zu geben bereit ist, Aufrichtigkeit ist. Dass er das meiste, was ihm widerfährt, ausdruckslos entgegennehmen kann, weil er die Fähigkeit, eine unergründliche Maske zur Schau zu tragen bis zur Vollkommenheit perfektioniert hat. Aber sie sieht tatsächlich die Maske - nicht die Annahme, dass er schon so vieles erlebt hat, dass ihn nichts mehr wirklich beeindruckt. Vielleicht ist hier nicht nur sie aus Glas. Der Gedanke lässt ihn lächeln. Es ist kaum mehr als ein kurzes Vertiefen der Mundwinkel und ein Spiel von Haut und Muskeln über seinen Kieferknochen, aber voll Selbstironie und hintergründigem Humor. Olyvar hatte keine konkreten und schon gar keine in Stein gemeißelten Erwartungen, als er zu ihr ging, aber ganz sicher har er nicht mit... mit... nun mit ihr gerechnet. Er hat absolut nichts Sadistisches an sich, er weiß nur genau und vielleicht ein wenig melancholisch über seine Druckmittel Bescheid. Aber er hatte sich auf ein Verhör eingestellt. Auf grimmige Hellhörigkeit, Unnachgiebigkeit und Härte, schlimmstenfalls auf Drohungen und Zugeständnisse, auf massive Konfrontation... bestenfalls vielleicht noch auf einen Tauschhandel wie mit Atevora, bei welchem man in tiefem gegenseitigem Misstrauen die Informationen austauscht, die man hergeben muss, um auch etwas dafür zu bekommen. Auf gar keinen Fall hat er mit dieser vollkommen unerwarteten, erstaunlichen Vertrautheit gerechnet. Es ist seltsam - aber merkwürdigerweise fühlt es sich gar nicht seltsam an.

Verwirrung keimt erst in ihm auf, als sie ihm die Wachstafel zurückgibt und dafür den Griffinstein in die Hände nimmt. Im diffusen Morgenlicht des noch jungen Tages, das in schrägen goldenen Lichtsäulen durch die schmalen Bogenfenster in den Turm fällt, erwacht die schimmernde Oberfläche des Edelsteines zu funkelndem Leben, als Karamaneh ihn hin und her bewegt und betrachtet. Ihr Flüstern ist so leise, dass Olyvar zuerst nur an der Bewegung ihrer Lippen sieht, dass sie spricht – was ihn mehr als erstaunt, schließlich hat er wie viele andere auch angenommen, sie sei stumm. "Was habt Ihr gesagt?" Sie neigt den Kopf ein wenig und wiederholt sehr leise, aber hörbar, sie würde ihm helfen, sie habe es versprochen. Ihre Art zu sprechen klingt bizarr - tonlos und ungeheuer angestrengt zugleich, so als wäre sie überhaupt nicht in der Lage, mehr als ein heiseres Raspeln aus ihrer Kehle zu zwingen. "Ihr seid nicht...", beginnt er völlig überflüssigerweise - und völlig konsterniert. Dann realisiert er, was sie eben gesagt hat, und obwohl er es nur allzu gut glauben kann, hakt er nach. "Ihr habt es Lady Shin versprochen?" Nicht dass Atevora ihm auch nur ein Sterbenswort davon gesagt hätte. Hmpf. Soviel zum Hintergehen. Karamaneh nickt und der Stein, den sie in den Händen hält, leuchtet sanft im Morgenlicht. Ihre nächsten Worte sind ebenso leise und in jenem gespenstischen, erstickten Tonfall, als würde ihr jemand beim Sprechen eine eisenharte Faust in die Kehle rammen, kaum mehr als ein zischendes, schmerzerfülltes Röcheln - aber vollkommen verständlich. >Nabil ist nicht mein Besitzer<. Die Zungenlaute scheinen ihr immense Schwierigkeiten zu bereiten, doch viel verstörender ist das tonlose, hohle Raspeln, das einmal eine Stimme gewesen sein muss... für sie selbst wohl noch mehr als für ihn, denn sie senkt Kopf und Blick, und die Scham brennt dennoch auf ihren Wangen. >Ich habe eine Schwester. Sie ist bei meinem Herrn... im Hawa Mahal...<

Olyvar holt tief Luft und nickt verstehend. Hawa Mahal. Culuthux. Die Saidairis... Ifrinn... warum hat er nur gehofft, es würde einfach sein, ihr zu helfen? Sei ehrlich... hast du das wirklich geglaubt? Nein. Um hier etwas zu tun, wird er den Chal'at einfordern müssen, den er schon so lange trägt, das ist ihm augenblicklich klar - doch zu seiner eigenen Überraschung hat dieser Gedanke eher etwas Erleichterndes, als Bestürzendes an sich. Gut. Er kann die Träne nicht sehen, die sie weint, denn Karamaneh hält den Kopf tief gesenkt - aber er sieht das silberne Aufblitzen, das sie auf dem Stein hervorruft, als sie auf ihn fällt. >Nabil ist nur ein kleines Licht in der Nacht. Aber Fahd ist meine Sonne.< Was ihn mehr erschüttert, als alles gehörte und mehr als ihr rostiges Wispern ist das, was er noch hört - tief, tief unter dem Krächzen liegt etwas wie ein ferner Widerhall des einstigen Timbres ihrer Stimme. Es klingt wie Musik. Warte... Moment... was? Tz, denk nach! Fahd also. Fahd. Gut, das... Plötzlich muss er gegen den völlig unpassenden Drang ankämpfen zu lachen. Fahd? Er kennt die Saidiri-Sieben – wer, der wie er in den Räuberkriegen gedient hat, würde das nicht? - und er erinnert sich gut, wie man Fahd Musa'id Abd ar-Najd damals im Heerlager von Arrassigué genannt hat. Meist zwar hinter seinem Rücken, aber nicht nur dort. Ohne nachzudenken streckt er die Hand aus, um ihr Gesicht anzuheben, damit sie ihn ansehen muss, lässt sie jedoch auf halbem Weg wieder sinken – denn der Griffinstein zwischen ihren schlanken Fingern, der bei ihren Worten Nabil sei nur ein kleines Licht, noch hell und klar gewesen war, hat sich bei der Aussage, Fahd sei ihre Sonne längst zu einem düsteren Schiefergrau verdunkelt. "Er ist nicht Eure Sonne. Seht Ihr?" Er gibt ihr einen Moment, um sich zu sammeln und wartet, bis der Edelstein seine normalen Farben zurückerlangt hat, ehe er ihn aus ihrer Hand in seine nimmt. "Ich kann Euch helfen, Karamaneh." Der Stein glänzt unverändert. "Ich kann es wirklich." Sie hat ihm ihr Geheimnis offenbart, mehr als eines... ihr Sklavendasein, ihre Schwester, gefangen im Hawa Mahal in Culuthux, ihre zerstörte Stimme... wie könnte er ihr gegenüber etwas verbergen?

"Ich... ahm." Er hat keine Ahnung von ihrer zerschnittenen Zunge, er hat nur das gehört, was von ihrer Stimme übrig geblieben ist. So zerbrochen wie sie selbst. Er weiß, wie es ist, nur noch aus Scherben zu bestehen, die sich irgendwie – und meistens schmerzhaft – wieder zusammenfügen müssen, will man weiter bestehen. Aber er kann jetzt unmöglich sein Hemd ausziehen, ihr die Narben auf seinem Rücken zeigen und ihr erklären, was sie bedeuten... oder dass er weiß, wie azurianische Grausamkeit schmeckt. Sei nicht albern. Du hast den Stein, sie wird sehen, dass du die Wahrheit sagst. Natürlich wird sie das – aber das macht es nicht einfacher, sie auszusprechen. Er weiß genau, dass es überhaupt keinen Grund gibt, sich deswegen so unwohl zu fühlen, aber das ändert nichts an den Tatsachen - er hat noch nie mit seinen eigenen Taten geprahlt oder wäre auch nur mit ihnen hausieren gegangen. Und genau so würde er sich wohl vorkommen. "Ich bin..." er sieht auf den Stein in seinen Händen. Sag es einfach. Vielleicht fragt sie ja nicht weiter, wenn du so knapp wie möglich bleibst. "Der Schah von Mar'Varis ist der Meinung, er stehe in meiner Schuld. Er hat mir dafür vor Jahren einen Chal'at verliehen, den ich nie beansprucht habe." Auch in Azurien kennt man das alte tamarlonische Sprichwort, dass man nur mit einem Leben für ein Leben bezahlen kann. "Die Bedeutung von Licht kommt vielleicht mehr auf den Blickwinkel an, als wir zuerst annehmen." Der Stein auf seiner Handfläche ist so klar wie Glas. "Eure Schwester. Wie ist ihr Name?"
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Karamaneh

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95

Friday, February 28th 2014, 4:43pm

Im Branturm
Beerenreif 513

Vollkommen unbestechlich enthüllt der Griffinstein die Unwahrheit von der Karamaneh selbst nicht einmal merkt, sie überhaupt ausgesprochen zu haben. Aber natürlich hat der Stein Recht: sie mag sich die Lüge so oft eingeredet haben, dass sie sie mittlerweile selbst glaubt, trotzdem wird sie dadurch keine Spur wahrer – Fahd ist nicht ihre Sonne. Der Lord Commander hat die Wahrheit erkannt. Nein, Fahd ist nicht ihre Sonne, sondern eine nie zu Ende gehen wollende Nacht, die sie in stetige Dunkelheit hüllt. Ein Alptraum der sie begleitet, ganz gleich wo sie sich auch hinbegibt. Fasziniert beobachtet Karamaneh wie sich die Farbe des Griffinsteins klärt, während diese unglaubliche Erkenntnis langsam in ihr Bewusstsein sickert.

Als Olyvar von Tarascon das Juwel wieder an sich nimmt, blickt die Malankari auf. Sie versucht in seinen Augen zu lesen, abgesehen von der Aufrichtigkeit darin, kann sie jedoch nicht klar erkennen, was gerade in ihm vorgehen mag. Sie spürt nur dass irgendetwas in ihm arbeitet. Ein Gedanke, der ihn nicht loslässt. Seine Enthüllung erschüttert sie mehr als alles bisher Vorausgegangene zusammen. Ein Chal'at? Ihr stockt der Atem. Ungläubig starrt sie ihn an. Der Griffinstein in seiner Hand glänzt hell und klar, also muss er die Wahrheit sprechen, dennoch fällt es ihr schwer seine Worte zu glauben. Ihre Augen weiten sich vor fassungslosem Erstaunen, als ihr eine weitere Erkenntnis dämmert. ›Er hat mir dafür vor Jahren einen Chal'at verliehen, den ich nie beansprucht habe. ...nie beansprucht habe. ...nie beansprucht habe.‹

Karamaneh schüttelt heftig den Kopf. “Nein”, krächzt sie vollkommen erschüttert. “Das könnt Ihr nicht ernst meinen! Das verstehe ich nicht...” Verständnislos starrt sie ihn an, seine Frage nach dem Namen ihrer Schwester für den Augenblick völlig vergessend. “Warum solltet Ihr das tun?” Ihre Stimme überschlägt sich förmlich und lässt sich aufgrund des zischelnden Beiklanges und des grässlichen Raspelns darin kaum noch verstehen. “Zaleh, warum wollt Ihr Zaleh helfen?” Verzweifelt versucht Karamaneh alles zu einem Bild zusammenzusetze, welches Sinn ergibt, doch will ihr einfach nicht gelingen. Einen Chal'at des Schahs von Mar'Varis vegeudet man nicht leichtfertig, schon gar nicht an eine Sklavin – nicht in ihrer Welt. Und trotzdem hat es den Anschein, als würde der Lord Commander der Steinfaust genau dies gerade tun. Warum? Die Malankari versteht gar nichts mehr. Dieser Mann kennt sie doch gar nicOlyvar von Tarascon hat Frau und Kinder. Ein sicheres, geregeltes Leben fern von Azurien. Und sie hat längst zugesagt, dass sie ihm und seinen Männern helfen wird Nabil dingfest zu machen, obwohl dies schlimme Konsequenzen für sie nach sich ziehen wird. Sie hat ihm bereits alles gegeben, was sie geben kann. Oder etwa nicht?

In Karamanehs hübschem Köpfchen arbeitet es fieberhaft. Nein, es besteht absolut keine Notwendigkeit für den Drachenländer sie mit dem Chal'at zur Zusammenarbeit zu bewegen... und dennoch steht das indirekt ausgesprochene Angebot zwischen ihnen im Raum. “Was wollt Ihr dafür?”, erkundigt sich die Malankari schließlich vorsichtig, misstrauisch. Jahrelange schlechte Erfahrungen lassen sie ganz selbstverständlich nach irgendeinem Haken an der Sache suchen. Bisher hat sie immer irgendjemandes Preis zahlen müssen – mit ihrem Körper, mit ihren Fähigkeiten, oder gar mit beidem. Ihre Augen mustern Olyvar mit prüfendem Blick. Warum sollte ausgerechnet er anders sein, als alle anderen? Mit einem Mal fühlt sie sich dumm und klein und schützlos. Ohne zu überlegen hat sie all ihre Geheimnisse einfach so vor ihm ausgebreitet. Dass sie unter den Decken, die Maester Dynan ihr gegeben hat, nackt vor ihm sitzt, kümmert sie nicht, doch die Blöße ihrer Seele erfüllt sie mit Angst – und Scham. Und es gibt kein Ort an dem sie sich verstecken könnte. Wenn da nur nicht dieses schmerzliche Gefühl der Hoffnung wäre...
♥ "What am I? Does my poor history matter-to anyone?" ―Sax Rohmer: The Insidious Dr. Fu Manchu
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Olyvar

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96

Tuesday, March 4th 2014, 6:24pm

Im Branturm, Beerenreif 513

Die Antwort auf seine letzte Frage, nach dem Namen ihrer Schwester, bleibt sie ihm vor lauter Schreck zunächst schuldig. Stattdessen windet sie sich unruhig unter den Decken in eine halb aufgerichtete Position, rafft soviel Stoff und Würde vor ihrer Brust zusammen, wie ihr möglich ist und starrt ihn so entgeistert an, als hätte er ihr gerade erzählt, er habe seinerzeit einen zitronenküchleinjonglierenden Drachen - der im Übrigen purpurrot mit grünen Flecken gewesen war - mit bloßen Händen zu Tode gewürgt... und der Griffinstein habe seine Worte auch noch bestätigt. >Nein! Das könnt Ihr nicht ernst meinen! Das verstehe ich nicht...< Weder ihr Schrecken, noch ihr verzweifeltes Bemühen, mit ihrer gebrochenen Stimme halbwegs verständliche Worte aus ihrer Kehle zu zwingen lassen ihn kalt. In ihren weit aufgerissenen Augen malt sich jedoch völlige Verständnislosigkeit, ebenso wie auf ihrer Miene. >Warum solltet Ihr das tun? Zaleh, warum wollt Ihr Zaleh helfen?< Olyvar hebt behutsam und beschwichtigend eine Hand, in der anderen hält er nach wie vor den Griffinstein, und weiß nicht so recht, was er ihr sagen soll, um sie zu beruhigen und ihre Verwirrung irgendwie zu besänftigen - dass sie inzwischen völlig fassungslos und sehr durcheinander ist, ist nicht zu übersehen. Er ist kein großer Redner und war noch nie ein Mann vieler Worte. "Ich meine es ernst. Und ich will helfen, weil ich es kann", erwidert er also ebenso schlicht wie ehrlich. "Warum sollte ich es nicht?" Du könntest ihr sagen, dass du ihr helfen musst. Schließlich gebietet es dir dein Rittereid... 'Stehe mit deiner Stärke ein für all die Schwachen, die dies nicht aus eigener Kraft vermögen. Denke nie zuvorderst an dich selbst, sondern stelle das Wohl der anderen über dein eigenes'. Vielleicht käme sie damit besser zurecht. Aye, das könnte er. Aber sein Eid ist nicht der Grund, warum er ihr helfen will und ihn vorzuschieben wäre eine Ausrede. Die Wahrheit ist, dass er es selbst überhaupt nicht weiß. Es gibt keinen Grund. Er braucht keinen Grund. Er hat sie gesehen und es war klar, dass er es tun würde. Und mehr gibt es dazu auch gar nicht zu sagen.

>Was wollt Ihr dafür?< Olyvar holt tief und hörbar Luft. Er weiß, er sollte Verständnis für ihr tiefsitzendes Misstrauen haben. Sie war eine Sklavin und niemand muss so argwöhnisch sein wie jemand, der nicht frei, sondern Eigentum ist - niemand muss sich so sehr bedeckt halten als Antwort auf eine Welt, die einen Sklaven in einem einzigen Atemzug verschlingt und wieder ausspuckt. Da er das alles weiß, sollte er mit diesem Wissen immerhin nachvollziehen können, warum sie diese Frage stellt. Sie trifft ihn dennoch -- und sie macht ihm mehr aus, als sie sollte. Waren ihre blauen Augen eben noch groß und rund vor Verblüffung und Fassungslosigkeit, werden sie nun schmal und ihr prüfender Blick so argwöhnisch wie der einer unentschlossenen Katze. "Gar nichts", versichert er mit einem etwas schiefen, halben Lächeln und weiß, dass der Stein auf seiner Handfläche unverändert vor sich hin leuchtet und funkelt. "Ich habe Euch schon gesagt, ich helfe Euch ohne irgendeine Gegenleistung zu erwarten." Vielleicht ist die selbstlose Bereitschaft für andere einzustehen so selbstverständlich für ihn, weil er unter Blaumänteln aufwuchs, unter Waffenbrüdern. Weil ihm jedoch ihr Stolz und ihre stille Würde wieder einfallen, kommt ihm der Gedanke, dass sie sich vielleicht wohler fühlen würde, wenn sie ihm wirklich etwas geben könnte, um nicht das Gefühl zu haben, ihm etwas schuldig zu sein... auch wenn ihm klar ist, dass er ihre taxierende Frage sicher nicht falsch verstanden hat. Sie erwartet und sie fürchtet, dass er Forderungen stellt - vielleicht unverschämte, vielleicht grausame... vielleicht unerfüllbare. Olyvar blickt auf den Griffinstein in seiner Hand, dieses kleine Ding, das ihr Gespräch so einfach und gleichsam so schwierig gemacht hat. "Ihr könntet mir vielleicht diese Fingersprache beibringen, die ihr auf der Hochzeit von Borgil und Azra ein paar Kindern gezeigt habt. Erinnert Ihr Euch? Das wäre wirklich sehr großzügig von Euch."
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Karamaneh

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97

Thursday, March 6th 2014, 3:39pm

Im Branturm
Beerenreif 513

Karamaneh spürt an seinem Verhalten, dass ihr plötzlich zurückgekehrtes Misstrauen ihn – ja, was? Kränkt, verletzt? Und dennoch verändert sich sein Verhalten ihr gegenüber dadurch nicht. Vielleicht weil er wirklich versteht, was in ihr vorgeht? Jedenfalls hält er an seinem Versprechen fest: ›Ich meine es ernst. Und ich will helfen, weil ich es kann.‹ Es scheint wirklich so einfach für ihn zu sein. Und er wartet tatsächlich nichts als Gegenleistung für seine Hilfe. Nichts. Als er dann schließlich doch um einen Gefallen bittet, einen freiwilligen Gefallen wohlgemerkt, keine Forderung, deren Erfüllung er für seine Hilfe verlangt, atmet Karamaneh geradezu erleichtert auf. ›Ihr könntet mir vielleicht diese Fingersprache beibringen, die ihr auf der Hochzeit von Borgil und Azra ein paar Kindern gezeigt habt. Erinnert Ihr Euch? Das wäre wirklich sehr großzügig von Euch.‹ Die Malankari nickt. Ja, das kann sie für ihn und seine Männer tun. Gerne sogar. Der Gedanke wenigstens etwas von Wert zurückgeben zu können, erfüllt sie nicht nur mit Erleichterung, sondern auch mit Freude. Das macht es einfacher seine Großzügigkeit zu akzeptieren. Und Kara kann sogleich den Nutzen sehen, den die stille Sprache ihrer Finger für ihn haben kann. Auch für jene, die nicht stumm sind, kann es manchmal von großem Vorteil sein sich lautlos verständigen zu können.

“Es wäre mir eine Freude”, antwortet sie daher leise, und zum ersten Mal an diesem Morgen scheint das Lächeln, welches nun über ihr Gesicht huscht, mehr zu sein als eine sorgsam einstudierte Maske. “Danke”, fügt sie hinzu und begleitet das Wort sogleich mit der dazugehörigen Gebärde. Anschließend wird ihr Blick jedoch rasch wieder ernst. “Was wird nun geschehen? Und... was wird mit Missandei passieren, wenn es Euch gelingt Nabil zu verhaften?”, erkundigt sie sich besorgt. Was in diesem Fall mit ihr selbst geschieht, wohin sie selbst sich wenden soll und kann, kommt ihr nicht in den Sinn zu fragen. Nur Missandei ist ihr wichtig.
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Glanna

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98

Friday, March 14th 2014, 2:12pm

<---- Das Verder Tor

Vom Verder Tor aus ist es nicht besonders weit bis zur mächtigen Trutzburg, die als Steinfaust bekannt ist. Die hoch aufragenden Mauern der wehrhaften Anlage sind, wenn überhaupt, kaum dünner als jene der eindrucksvollen und mächtigen Stadtmauer selbst und bereits nach dem durchqueren des Tores zu erspähen. Es ist nur eine verhältnismäßig kurze Wegstrecke die sie gemeinsam die regem Leben befüllte Straße entlang gehen müssen. Die Attitüde der sich hier zusammengefundenen Gruppe aus vier Köpfen, die gemeinsam der Steinfaust entgegen streben, könnte dabei nicht unterschiedlicher sein. Während sich der Wilderer mit seinem Schicksal abgefunden hat und in Erwartung des Unausweichlichen in stiller Schande den Kopf zu Boden gerichtet hat und die breiten Schultern hängen lässt, stapft der Soldat mit aufrechter Dienstbeflissenheit über das grobe Kopfsteinpflaster, sodass allein seine Souveränität atmende Präsenz die Menschen auf der Straße respektvoll ausweichen lässt. Glanna hingegen schreitet mit einer sachten Leichtigkeit die Straße entlang und ihre Augen betrachten mit respektvollem staunen und Hochachtung ihr Umfeld. Sie wirkt ruhig und ausgeglichen und hätte, wenn die Situation zulassen würde, sogar geneigt sein können ein leises Summen eines beruhigenden Liedchens auf ihren Lippen zu tragen, unterdessen sich der Chanka leichtfüßig, jedoch mit ungetrübter Aufmerksamkeit zurück hält und sich bemüht unscheinbar zu wirken, was ihm auch hervorragend gelingt. Trotz seines fremdländischen Aussehens gleiten die Blicke im Umfeld an ihm vorbei, ohne besonders Notiz von dem schmächtigen Mann zu nehmen, und bleiben viel eher am Wilderer und der Stadtwache im indigofarbenen Waffenrock hängen, und besondere Aufmerksamkeit genießt natürlich der Hirsch, der gleichmütig neben Glanna voran trottet.

Schließlich sind sie am gewaltigen Vorwerk angekommen das ein seltsamer Hauch von alter Erhabenheit umgibt. Im Gegensatz zum Hund und dem Wilttier das vertrauensvoll und stoisch weitergeht und auf Glannas innere Ruhe vertraut, zögert der schrankhafte Wilderer und hält an, sodass der Blaumantelträger ihn mit einem wortlosen Schubs dazu antreibt sich wieder in Richtung des Eingangs in Bewegung zu setzen. Der Gardist hält nicht an, als sich die hiesig postierten Torwachen und ihr Begleiter von der Stadtmauer mit einem knappen nicken gegenseitig grüßen, sondern geht Schnurstracks weiter, und führt sie auf direktem Weg über den äußeren Zwinger tiefer in Richtung der standhaften Eingeweide des steinernen Bollwerks.

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Olyvar

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Saturday, March 15th 2014, 1:33pm

Im Branturm, Beerenreif 513


>Es wäre mir eine Freude,< Ihre Stimme ist sehr leise und noch immer so rau, als zerreiße Tuch, doch er kann sie verstehen und als sie diesmal lächelt, erreicht es sogar ihre Augen. Er kann gar nicht anders, als zurückzulächeln. Ihre lautlose, geheime Zeichensprache mag auf den ersten Blick und gemessen an anderen Dingen vielleicht wie eine Kleinigkeit erscheinen, doch ihm ist klar – und ihr ebenso – dass sie sich gerade für die Blaumäntel als unschätzbarer Vorteil und von großem Wert erweisen könnte. Ihren gemurmelten Dank unterstreicht sie auch sofort mit der passenden Gebärde, eine einfache und doch sehr beredte Geste, die kaum zu missverstehen ist. "Gern geschehen", erwidert er nur und hätte sich am liebsten auf der Stelle mit ihr über die Feinheiten und Möglichkeiten dieser lautlosen Kommunikation unterhalten, die ihn augenblicklich fasziniert. Später. Irgendwann. Nicht jetzt. Jetzt ist wirklich nicht der richtige Zeitpunkt, um über Fingersprache zu reden, nicht mit Nabil, der bestimmt schon im Anmarsch ist, der Magierin, die vor der Tür steht und Borgil, dem Rhordri schon einen Boten hatte schicken wollen, was gerade noch verhindert worden war. Es kann trotzdem nicht mehr lange dauern, ehe der Zwerg Wind von der Sache bekommt und Olyvar hat so eine Ahnung, dass er hierher stürmen könnte wie... nun wie ein besorgter, wütender Eisenzwerg eben, der außerdem zu viele scharfe Äxte besitzt. Würde das Nabil-Problem von ganz allein lösen... Über eine Sache, eine ernste und wichtige Sache, die Karamaneh wissen muss, muss er jedoch noch mit ihr sprechen, unbedingt, und er will schon den Mund öffnen, um etwas in diese Richtung zu sagen, da kommt sie ihm mit einer Frage zuvor. >Was wird nun geschehen? Und... was wird mit Missandei passieren, wenn es Euch gelingt Nabil zu verhaften?< Ihre Sorge um die Kleine ist nicht zu überhören und Olyvar erinnert sich an das Mädchen – er hatte es auf der Hochzeit gesehen und seither noch viele Male in der Harfe, wo es bei Borgil und Azra aus und eingeht, als wohne es längst dort. "Missandei? Ist sie auch..." eine Sklavin, will er fragen, dann fällt ihm ein, dass das wohl überflüssig ist. Niemand von Nabils "Gesinde" dürfte ein freier Mann, eine freie Frau oder ein freies Kind sein... Aber er weiß auch noch etwas anderes, etwas, das jedem der Augen im Kopf hat und das Mädchen schon einmal im Kreis des wachsenden Blutaxt-Clans gesehen hat, gar nicht entgehen kann.

"Borgil nennt sie sein 'Fröschelein' ", erwidert er und seine Mundwinkel zucken leicht. "Ich glaube nicht, dass Ihr Euch auch nur einen einzigen sorgenvollen Gedanken um Missandei machen müsst. Außerdem scheint Borgil auch Euch sehr gern zu haben." Und es geschieht nicht so oft, dass der Zwerg jemanden derart ins Herz schließt. "Das Mädchen hängt doch sehr an Euch, nicht wahr? Wollt Ihr sie denn nicht bei Euch behalten? Wenn es Lady Shin gelingt, Beweise gegen Nabil zu erbringen und wir ihn dingfest machen können, werden alle seine Sklaven frei sein. Sein Vermögen und sein Besitz werden beschlagnahmt, und jeder Sklave wird daraus eine Art Entschädigung erhalten, jedenfalls ist das die übliche Vorgehensweise. Wenn sie noch Familien oder Angehörige in Freiheit haben, werden sie zu ihnen zurückkehren wollen und wenn nicht... " er zuckt mit den Schultern. "Aus Erfahrung weiß ich, dass die meisten von denen, die ganz allein auf Rohas weitem Rund sind hier in Talyra oder andernorts in den Herzlanden bleiben, wo sie sich sicher fühlen. Ich weiß, dass Nabil sehr vermögend ist, aber ich kann natürlich nicht sagen, um welche Summen es sich genau handeln wird... dennoch glaube ich nicht, dass Ihr oder ein anderer seiner ehemaligen Sklaven dann völlig mittellos sein wird." Olyvar bewegt sich, ein drehen der Schultern, als wolle er sich anschicken, vom Bettrand aufzustehen, doch dann bleibt er sitzen und wendet sich ihr noch einmal zu. "Bevor ich Lady Shin hereinrufe und wir Euch sagen, was wir uns ausgedacht haben, um Nabil als Sklavenhändler oder Sklavenhalter zu überführen, muss ich Euch noch etwas sagen. Etwas, das Ihr wissen müsst, weil... " Weil ich weiß, dass Hoffnung hundertmal schlimmer schmerzen kann, als Verzweiflung, wenn sie sich nicht erfüllt.

"Ich habe Euch versprochen, ich helfe Euch und das werde ich tun. Aber ich kann Euch nicht versprechen, dass alles so ausgehen wird, wie wir es planen oder dass sich alles so fügt, wie Ihr es Euch vielleicht erhofft. Ich werde sicher Eure Hilfe brauchen und es könnte auch sein, dass die Sache nicht gut ausgeht. Versteht mich nicht falsch, ich will es versuchen, aber ich kann Euch nicht versprechen, dass wir es schaffen. Der Schah von Mar'Varis ist der mächtigste Mann Azuriens und für jemanden wie den Roten Falken ist eine einzelne Sklavin eine lächerliche Kleinigkeit, auch wenn sie einem culuthuxischen Prinzen gehört, das wisst Ihr so gut wie ich." Es gefällt ihm überhaupt nicht, über einen Menschen zu sprechen als wäre er ein beliebig austauschbares Ding, aber so liegen die Dinge in Azurien nun einmal und er will, dass ihr bewusst ist, dass es keine Garantie für das Leben und die Freiheit ihrer Schwester geben kann, ganz gleich, was er alles dafür bereit wäre zu tun. "Er wird mir den Chal'at abzugelten versuchen und ich werde froh sein, wenn ich ihn los bin, aber es kann immer noch alles Mögliche einfach schief gehen. Ich glaube ohnehin nicht, dass es klug wäre, den direkten Weg zu versuchen, selbst wenn der Rote Falke gerade einmal wieder einen Vorwand sucht, den Sadairis seine Überlegenheit zu demonstrieren. Die azurianischen Paläste sind voller Spione, sagt man – alles und jeder von Rang und Macht soll seine Ohren und Augen überall haben." Fahd war schon zur Zeit der Räuberkriege ein gelangweiltes Kind, einer von vielen Prinzen, aber ein Mann ohne irgendeine wirkliche Aufgabe... dafür mit unbegrenzt freier Zeit, einem grausamen Gemüt und zu viel Gold zur Verfügung... und Olyvar glaubt nicht, dass sich daran viel geändert hat, wenn er immer noch mit Sklavenleben spielt, als wären sie für ihn tatsächlich irgendein Einsatz. "Fahd sollte nicht erfahren, dass letztlich Ihr hinter einem Interesse an Zaleh steht. Und auch wenn es diesen Chal'at gibt, heißt das noch nicht, dass er alles möglich machen kann."
And that's the thing about people who mean everything they say. They think everyone else does too.

The good thing about mages, I find, is that they die much like any other. You need to worry about what happens before that.

Rhordri

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Occupation: Kastellan der Steinfaust

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Sunday, March 16th 2014, 1:02pm

Auf dem äußeren Zwinger, Taumond 514

Die Blaumäntel am Tor und auf dem Äußeren Zwinger starren zwar nicht unbedingt, schließlich kommt es öfter vor, dass vermeintlich wilde Tiere oder aber Warge in ihren zahlreichen Andersgestalten in dieser Stadt und auch in den Mauern ihrer Festung aus und eingehen, aber ganz und gar alltäglich ist es dann auch nicht. Rhordri jedenfalls stapft gerade über den Äußeren Zwinger, in seinem Gefolge eine Heerschar frisch vereidigter Kämmererburschen, und bereitet seine hinter ihm her trippelnde Schar auf die nahende, alljährliche Frühjahrsinventur vor (die alle Kämmerer der Steinfaust fürchten, ganz gleich wie oft sie sie schon mitgemacht haben.) Die große, uralte Festung Talyras bietet Platz für viele tausend Mann – und für viele tausend Vorräte, Waffen, Rüstungen und Rüstungsteile, allerlei Gerätschaften, Heiler und Heilkundige, Pferde, Nutzvieh, Handwerker und deren Werkzeuge, Stellmacher, Schmiede, Zimmerleute, Baumeister, Steinmetze, Köche, Küchenjungen und so fort... und alles muss gezählt und geprüft, aufgeschrieben und in die Bücher eingetragen und notfalls natürlich ersetzt werden. Gut einen ganzen Mond lang – meist den gesamten Sturmwind über – werden zahllose Kämmerer bewaffnet mit Wachstafeln und Griffel vom ersten Hahnenschrei bis spät in die Nacht durch jeden Vorratsraum und alle Lagerhallen, Keller und Gänge der Steinfaust kriechen und die Bestände der Stadtgarde sichten und niederschrieben. Immerhin hatten sie in diesem milden Winter, der kein Winter war, wenig Vorräte und noch weniger Brennholz oder gar Kohlen verbraucht – dafür waren ihnen drei Erdmieten vollständig verschimmelt, weil es einfach nicht kalt genug geworden war. Eigentlich ist er nun mit seiner Gänseschar Jung-Kämmerer auf dem Weg in die Halle des Kastellans, um die verhasste Inventur der nächsten Wochen zu planen, doch Cumall Sichelzahn vom Verder Tor läuft ihm über den Weg, im Schlepptau eine braunhaarige Frau mittleren Alters, die angesichts von Kleidung, Stab, Hirsch und Hund bestimmt eine Druidin ist.Außerdem ist ein irgendwie südländisch aussehender Junge bei ihr und ein sowohl trotzig, als auch verängstigt dreinblickender Gefangener, den Cumall quasi am Schlafittchen hat und energisch mit sich führt.

Rhordri wäre nicht Rhordri, würde er nicht jede Gelegenheit, der Inventur zu entfliehen (selbst wenn es nur die Vorbereitungen darauf sind), sofort beim Schopf ergreifen. "Cumall! Warte mal... ich übernehme. Varin ist ohnehin mit den neuen Rekruten für eure Garde am Waldtor bei einer Übung." Der angerufene Torwächter vom Verder Tor bleibt stehen und nötigt auch seinen Gefangenen dazu, dann umreißt er knapp, was geschehen ist, stellt die Druidin als Glanna aus dem Freien Fürstentum Verd und den Jungen als "Nuka Nuka" vor und berichtet, was sein - oder vielmehr ihr - Gefangener sich laut ihrer Aussage zu schulden kommen ließ und wie die Torwachen an ihn gekommen waren. "Aye, na dann... Führt ihn in die Arrestzelle und fragt ihn, ob er ein Geständnis ablegen will. Ich nehme derweil die Aussagen der Dame..." Rhordri hatte noch nie viel mit Druiden zu tun, so dass er keine Ahnung von möglichen Anreden, Titeln oder Ehrbezeugungen ihnen gegenüber weiß. Er kennt natürlich Findinmir, aber das ist ein so absonderlicher alter Kauz, dass man ihn gewiss nicht als Maßstab nehmen kann. Auf keinen Fall will er unhöflich erscheinen, aber Priestertitel sind nach seinem Dafürhalten auch nicht angebracht... obwohl Druiden natürlich Priester sind, nur eben der Alten Wege. Herrje, wie verwirrend. Abgesehen davon ist Rhordri recht abergläubisch und obendrein haben ihn ansehnliche und mächtige Frauen schon immer durcheinander gebracht. "Ihre und die... des... ahm..." sein Blick streift den Chanka. Auch wenn Rhordri selbst nicht hätte sagen können, aus welchem Volk er entstammt, dass er aus den Südlanden sein muss, ist ihm anzusehen. Abgesehen davon dass er klein und ungeheuer drahtig erscheint, wirkt seine Miene so abweisend und verschlossen wie eine mit Brettern vernagelte Tür. Lieber Himmel, welche Laus ist dem denn über die Leber gelaufen? "Des jungen Mannes hier auf." Cumall nickt und der Wilderer wird abgeführt und der Mann scheint ehrlich erleichtert, von seinen beiden Häschern fortzukommen und in die Obhut der Steinfaust überzuwechseln. "Wenn Ihr mir folgen wollt?"

Man führt sie zur Halle des Kastellans, welche ebenerdig im gewaltigen Vorwerk des Tores zum Inneren Zwinger der Steinfaust liegt und bevor sie die mächtige steinerne Bastion betreten, wendet Rhordri sich ein wenig verlegen an die Druidin. "Äh... Euer Hirsch, könnt Ihr ihn hierlassen? Ich kann einen Botenjungen herrufen, der darauf achtet, dass man ihn in Ruhe lässt und die Hunde ihn nicht angehen, wäre das in Ordnung?" Damit ist die Druidin zu seiner Erleichterung vollkommen einverstanden und schenkt ihm obendrein ein warmes Lächeln, das Rhordris Laune augenblicklich ein wenig hebt. Er gibt es ebenso freundlich zurück und lädt sie mit einer Handbewegung ein, ins Innere voranzugehen. Die Halle ist eigentlich mehr ein großer, rechteckiger Raum mit hoher Gewölbedecke hinter einer breiten Doppeltür aus dunkler Mooreiche, die mit Eisenbändern und Nieten beschlagen ist. Zu beiden Seiten dieser kleinen Halle sind lange Bänke an den halbhoch mit Holz vertäfelten Wänden, die Platz für Wartende bieten und an ihrem Ende steht ein mächtiger Tisch, hinter dem sich deckenhohe, tiefe Regale aus Holz befinden, die vollgestopft sind mit dicken, ledergebundenen Folianten, Schriftrollen, säuberlich aufgestapelten Wachstafeln, Behältern für Federkiele, Griffeln und allem, was man sonst noch zum Erledigen des täglichen Schreibkrames so braucht. Hier ist Rhordris Reich, die Halle des Kastellans oder manchmal auch die Halle der Rechten Hand genannt. Hier schlägt das Eingeweideherz der Steinfaust, hier werden all diejenigen empfangen, die nicht unbedingt sofort zum Lord Commander persönlich müssen, hier wird der Zehnte abgerechnet und es werden Handwerker, Zubringer, Bauern, Lieferanten und alle anderen bezahlt, die Aufträge für die Steinfaust übernehmen und erledigen. Es sei denn natürlich, sie verkehren nur und ausschließlich mit Olyvar und es handelt sich um solche Geheimdinge wie diese albernen Spielchen mit dieser unmöglichen Magierin natürlich, ruft Rhordri sich verärgert in Erinnerung. "Bitte, nehmt doch Platz." Er ruft einen Schreiber herbei, der eilig auf seinem Schemel Platz nimmt, seinen Gänsefederkiel anspitzt und seine Utensilien ausbreitet, um die Aussagen aufzunehmen. "Ihr habt also im Wald einen Wilderer dingfest gemacht, aye? Würdet Ihr die Geschehnisse bitte schildern und bezeugen?"
"You can easily judge the character of a man by how he treats those who can do nothing for him."

Malcolm S. Forbes.

Glanna

Unregistered

101

Monday, March 17th 2014, 5:27pm

Taumond 514

In stiller Hochachtung und Wertschätzung für die Personen hier, die ihr Leben dem Schutz ihrer Mitbürger gewidmet haben, schreitet die Druidin voran und lässt sich von den Eindrücke, die auf sie einprasseln, erfüllen. Wie viel geschäftiges Leben hier doch herrscht. Wer sein Herz öffnet und ein offenes Auge dafür hat, mag erkennen wie die Männer und Frauen, Offiziere, Hauptmänner und Rekruten hier dienstbeflissen und ihrem Eide treu ihrer Arbeit nachgehen oder ihre Ausbildung antreten.

Beruhigend streichelt die do-are-wid-s ihrem zahmen Hirsch über den Hals. Er wirkt nicht ängstlich, tatsächlich angespannt, oder gar Fluchtbereit, denn er scheint nicht nur wegen der Druidin ausgeglichener Haltung instinktiv zu spüren, dass ihm hier keinerlei ernsthafte Gefahr droht. Dennoch wirkt sein Blick ob der gegebenen geschäftigen Hektik um ihn herum leicht ruhelos. Ein wenig skeptisch beäugt er dann die kleine Schar an jungen Burschen, die bewaffnet mit Schreibwerkzeug und angeführt von einem Mann fortgeschrittenen Alters über den Hof marschieren. Es hat ein wenig von einem Gänserich, der seine jungen Küken zur nächsten Wasserstelle führt, auch wenn der Vergleich natürlich mehr als hinkt, denn mit einer männlichen Gans lässt sich der Mann schwer vergleichen, eher mit einem starken Bär. Einem ergrautem alten Bär mit partieller Haararmut am Kopf und gesundem Winterspeck, aber dennoch ein rüstiger Bär. Der Mann macht auf sich aufmerksam, und Glanna erfährt dadurch nicht nur den Namen des Torwächters, sondern auch, dass der ältere Herr offensichtlich einen höheren Rang bekleidet. Sie hätte ihm zwar in der Konstellation in der sie ihn sah automatisch eine gewisse Respektsrolle innerhalb dieser Gemäuern zugeteilt, doch nun wo er die Torwache delegierte, stand der höhere Rang fest. Angesichts dessen, das er keine jungen Rekruten, sondern das oft wenig beachtete Rückrad einer funktionierenden Festungsanlage im Schlepptau hatte, und auch so nicht wie der übliche durch trainierte angehörige des Militärs anmutete, eher wie ein ausgedienter unerschütterlicher Veteran der mittlerweile vorrangig seinen Dienst im Inneren der wehrhaften Festungsmauern verrichtet, vermutet sie hinter dem sich nähernden Herrn mit dem breiten Nacken und untersetzten und dennoch kraftvoll wirkenden Statur einen der höheren Beamten.

Nun, da der Mann näher steht und sich von Cumall kurz ins Bild setzen lässt, kann Glanna die verräterischen kleinen Fältchen um seine Augen erkennen, die so gerne entstehen wenn ein Mensch gerne lacht. Auch die Wortwahl und die Haltung des Beamten machen klar, dass es sich hier keineswegs um einen Bärbeißigen bitteren Kauz handelt. Ganz im Gegensatz zu dem langhaarigen Chanka neben sich, wirkt der Mann wie ein sehr freundliches Gemüt, und ist ihr auf anhieb sehr sympathisch. Dass er ein wenig entgeistert, oder durch den Wind wirkt, als er sie direkt ausspricht, tut dem keinen Abbruch, sondern verstärkt diese Einschätzung nur. Wenn sie gewusst hätte, dass er wegen der Titel ein wenig hadert, oder ihr Aussehen ihn ein wenig durcheinander bringt, hätten ihre Augen noch eine Spur freundlicher geglänzt als ohnehin schon und sich ihre Mundwinkeln zu einem dazu passenden gewinnenden, vielleicht einem Hauch erquicktem Lächeln vertieft. Sie nimmt es einerseits mit diesen Titeln nun wirklich nicht so sonderlich genau und andererseits hätte sie sich sicherlich sehr geschmeichelt gefühlt.

<<"Wenn Ihr mir folgen wollt?">> „Gerne.“ Antwortet die Druiden und spricht dabei natürlich nur für sich und ihr eigenes Befinden zu der höflichen Aufforderung aus. Bei Nuka Nuka ist sie sich sicher, dass er grießgrämig und verschlossen wie sich schon die ganze Zeit über gibt, lieber wieder für sich alleine wäre. Sie selbst empfindet die neue Bekanntschaft wie erwähnt sehr sympathisch. Warum das so ist bleibt dabei offen. Vielleicht ist es, weil ihr Männer mit Bärten, die eine gewisse Lebenserfahrung ausstrahlen ohnehin schon immer gefallen haben, oder das freundlich und vertrauenswürdig aussehenden Gesicht? Vielmehr ist aber vermutlich ein unbestimmtes, unbewusstes Gefühl, dem sie hier wie so oft folgt.

Die kompetente Umsicht, die der Bärtige ausstrahlt wird prompt bestätigt, als er sich um Glannas zahmen Hirschen Gedanken macht, oder eher vertont, dass er sich diesbezüglich Gedanken gemacht hat: <<"Äh... Euer Hirsch, könnt Ihr ihn hierlassen? Ich kann einen Botenjungen herrufen, der darauf achtet, dass man ihn in Ruhe lässt und die Hunde ihn nicht angehen, wäre das in Ordnung?">>
„Ja ich kann Bel derweilen hier lassen. Er ist zwar an Menschen und dank Runa“ Sofort hebt die Hündin den Kopf um zu überprüfen ob von ihr etwas erwartet wird, und als sie merkt, dass dem nicht so ist, setzt sie fort neugierig, mit zuckender, schnüffelnder Nase sowie schräg gelegtem Kopf die Umgebung zu begutachten. „an Hunde gewöhnt, aber wenn ein Botenjunge ein wenig ein Auge auf sein Umfeld haben könnte, wäre das wirklich wundervoll.“
Rasch ist ein junger Knabe heran, der nur all zu gerne seiner Auferlegten Pflicht nachkommt. Schließlich bekommt man nicht all zu oft einen Hirsch aus dieser Nähe zu Gesicht, schon gar keinen zahmen der sich auch noch streicheln lässt, und es sichtlich genießend an einen drückt. Hirsch und Junge verstehen sich offenkundig bestens. So kann Glanna zusammen mit Runa, die ihr treu hinterher tappst, und dem etwas schwierigen Chankaburschen, dem netten Mann, dem sie nicht anderes als ein warmes und anerkennendes Lächeln schenken kann, beruhigt ins Innere des Gebäudes folgen.

Sie werden von dem Bärtigen in eine kleine Halle geführt. Die Sitzbänke an den Seiten künden davon, dass sie für regen Parteiverkehr ausgelegt ist, und hier auch ab und an die Möglichkeit auf größeren Andrang bedacht wurde, der zweifelsohne auch öfters gegeben ist. Heute haben sie jedoch Glück, in der Halle, die von einem großen schweren Tisch und einer mächtigen aufgeräumt und gleichzeitig von der Last verschiedenster Aufzeichnungen und Schriftstücke heillos überladen wirkenden Regalwand dominiert wird, wartet derzeit niemand artig darauf angehört zu werden. Vielleicht sogar der Kastellan? Geht es der Druiden zur Funktion die der Mann bekleidet durch den Kopf, während sie an den Bänken vorbei geht, und kurz darauf vernimmt sich doch auf die vor dem Tisch bereitgestellten Stühle zu setzen. Bevor sie der Aufforderung nachkommt, geht Glanna ruhigen Schrittes zur Mauer und lehnt den Stab sorgsam an die holzvertäfelte Wand. Da die Ealarageweihte nichts gestohlen hat, nicht mehr die Jüngste ist und auch genaugenommen keinen sonderlichen Drang zur übermäßigen Eile sieht, geht sie auf leisen Ledersohlen gemächlich zum Sitz um sich darauf niederzulassen. Zeitgleich huscht auch ein Schreiber in den Raum und begibt still und sich flinken Fußes zu seinem Platz.

<<"Ihr habt also im Wald einen Wilderer dingfest gemacht, aye? Würdet Ihr die Geschehnisse bitte schildern und bezeugen?">>
Wie könnte sie der freundlichen Stimme, die zu einem ebenso netten Mann zu gehören scheint, etwas abschlagen? Mal ganz davon abgesehen, dass sie genau zu dem Zweck der Zeugenaussage hier ist und diese auch abgeben würde, wenn ihr ein schmächtiger, unfreundlicher zänkischer Knilch gegenüber säße, dessen schrille Stimme sich in ihren Gehörgängen überschlägt. „Aber sicher doch. Gerne. Wisst ihr, es ist so.“ Beginnt die Druidin zu berichten: „Ich wollte mir heute Morgen genau genommen nur ein Feuerchen für einen warmen Tee machen, doch mein Feuerholz wurde nass. .. ebenso wie alles andere im Wald. Bel, also mein Hirsch, hat mir Nachts im strömendem Regen nämlich das Lager etwas, wie soll ich sagen, ..umdekoriert. Ja, das trifft es nicht schlecht.“ Den letzten Satz richtet sie weniger zum Kastellan und dem Schreiber, sondern er wirkt mehr wie ein laut ausgesprochener Gedanke, und man merkt sehr genau, dass sie gerade das Bild ihres umgestalteten Zeltplatzes nur all zu gut Bildlich vor Augen hat. Es wirkt mit ihrem Lächeln und Gesichtsausdruck sogar so, als würde sie dabei ein wenig aus der Realität entrücken, doch dann holt sie sich wieder zurück ins Hier und Jetzt zurück und setzt mit einem warmen Lächeln fort: „Ich habe mich an ein Birkenwäldchen nahe des Lagers erinnert“ Ein erfahrener Veteran wie er weiß sicher, dass Birkenholz auch nass sehr gut brennt, und dass dort wo es Birkenholz gibt, auch Zunderschwamm selten weit ist. Sollte sie es trotzdem dazusagen? „Ich hoffte auf Zunderschwamm, außerdem brennt Birkenholz auch wenn es nass ist. Bei dem Birkenwädlchen begegnete ich den zwei Männern. Ich kam gerade hinzu, als der Mann, den ihr in die Arrestzelle bringen habt lassen, vor Nuka Nuka offen zugab, dass es seine Falle war, die Nuka Nuka offenbar zerstört hatte. Die Falle sah übrigens nicht danach aus, als wäre es etwas, das dieser Lande für die Jagd erlaubt ist. Der Mann wollte sich bei Nuka Nuka mit einer kräftigen Ohrfeige bedanken. Ich wollte schon einschreiten, doch Nuka Nuka wusste die Abreibung selbst sehr gut zu verhindern. Ich weiß nicht ob es noch mehr Fallen im Wald, oder weitere Wilderer gibt. Ich bin auf meiner Reise durchs Larisgrün bisher, oder eher vor Heute, hier zu Lande über keine gestolpert, und vor Ort haben mir die Stimmen des Waldes von keiner Bedrohung im näheren Umkreis geflüstert. Da ich über die Gesetze dieses Landes nicht genügend weiß, entschloss ich den Mann mit Hilfe von Nuka Nuka hierher zu bringen. Der Wilderer hat sich auf dem Weg hierher übrigens friedlich verhalten und keine weiteren Dummheiten begangen.“

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Rhordri

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Occupation: Kastellan der Steinfaust

Location: Talyra

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102

Tuesday, March 18th 2014, 8:57am

Taumond 514, Halle des Kastellans

Die spontane Sympathie beruht anscheinend auf Gegenseitigkeit, was Rhordri unbewusst froh stimmt, denn er kommt generell gern mit den Menschen aus, die er so tagein- tagaus trifft – ob altbekannte oder neue Gesichter. Wäre er kein Menschenfreund, hätte er auch ein anderes Leben gewählt und wäre kein Blaumantel, kein Gardist und niemals Kastellan der Steinfaust geworden. Die allermeisten Menschen sind nun einmal grundsätzlich gesellige Wesen – wenn die Götter gewollt hätten, dass sie alle grimmige Einzelgänger geworden wären, hätten sie Grimbarts aus ihnen gemacht. Das ist jedenfalls seine Philosophie, aber Rhordri ist auch ein einfach gestrickter Mann. Mit einiger Verspätung – sie sitzen schon längst und sind bereit, die Aussagen aufzunehmen – fällt ihm ein, dass er sich überhaupt noch nicht vorgestellt hat, also holt er es eilig nach. "Oh, Verzeihung! Ich bin Rhordri, der Kastellan. Entschuldigt bitte, die jährliche Inventur steht an und in den Köpfen der Kämmerer dreht sich alles nur noch um Zahlen und Listen, so auch in meinem." Die Druidin lächelt in einem fort, gern und oft, wie ihm scheint, mit ihrem Mund und ihren lebendigen grünbraunen Augen, was Rhordris eigene Mundwinkel ebenfalls beständig oben und ein wenig am Zucken hält. Doch so offen und freundlich sie ihm erscheint, so verschlossen und feindselig wirkt der junge Mann neben ihr, den Rhordri kein Wort sprechen hört und nicht ein einziges Mal lächeln sieht. Glanna gibt ihre Aussage bereitwillig und ausführlich zu Protokoll, und Rhordri lauscht ihr aufmerksam und ohne sie zu unterbrechen. Als sie endet, rauft er sich ein wenig nachdenklich den grauen Bart mi der Linken, die Rechte ruht auf einem dünnen Pergamentstapel vor ihm und man sieht seinen wettergegerbten Händen deutlich an, dass sie noch immer viel und hart arbeiten, inzwischen alt gewordener (und von Inventuren geplagter) Kastellan hin oder her.

"Wilderer sind hierzulande leider immer wieder einmal ein Problem", gibt er unumwunden zu. "Obwohl nicht nur die Waldläufer der Steinfaust tun, was sie können. Das liegt hauptsächlich an der Handelsstraße, der Frostweg kommt ja hier durch. Die meisten Wilderer hierzulande sind Durchreisende, die sich mit den Gesetzen nicht auskennen oder schlicht nichts von Lady Niniane und Meister Findinmir wissen. Das heißt natürlich nicht, dass nicht auch Talyrer hin und wieder zu Wilderern werden – wir werden sehen, was ihr für einen dingfest gemacht habt. In den letzten Jahren war es zwar ruhiger mit der Wilderei und es gab nur sehr vereinzelte Fälle, doch in den letzten Wochen häufen sie sich offenbar wieder. Wenn ich mich nicht täusche, ist Lady Niniane etwas von Fallen zugetragen worden – und Hauptmann Kaneys Leute haben ebenfalls Spuren von Wilderei entdeckt. Wenn das so weitergeht, werden wir bald einen Anhang ausschreiben und Belohnungen auf ihre Ergreifung aussetzen – der Stadtrat versteht hier keinen Spaß. Die Wälder und ihr Wild sind wichtig für Talyra, Amitari und Anukis werden in dieser Stadt in hohen Ehren gehalten und die Grüne Urmutter mancherorts ebenso. Es gibt noch heilige Haine und Herzbäume in den talyrischen Landen, Àr-druidh Findinmir Daumengrün ist der Druide dieses Waldes und ein Ratsmitglied. Aber wir sind natürlich für jede Hilfe, so wie die Eure, dankbar. Bis jetzt weiß ich noch nicht, ob gegen den Mann schon etwas vorliegt, wer er ist, ob er gesucht oder ob vielleicht ein Kopfgeld auf ihn ausgesetzt ist. Falls dem so wäre, wo könnte ich Euch erreichen, um Euch eine etwaige Belohnung zu übergeben?"
"You can easily judge the character of a man by how he treats those who can do nothing for him."

Malcolm S. Forbes.

Nuka Nuka

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103

Tuesday, March 18th 2014, 9:33am

Nuka tappst Glanna, dem Wilderer und dem tierischen Anhang missmutig hinterher. Als jemand, der schon auf der anderen Seite des Gesetzes stand, ist er nicht sonderlich erpicht darauf, eine Festung zu betreten, auch wenn diese recht pompös und beeindruckend wirkt. Die Gardisten jedoch machen ihn nervös. Schlechte Erfahrungen sind auch hier der Hauptgrund dafür. So manche Wache hat er getroffen, die nicht besser war, als ein Straßenräuber, nur dass sie fürs Verbrechen begehen bezahlt wurde. Zum Glück stehen in Talyra noch keine Verbrechen gegen den kleinen Mann aus, ansonsten hätte er schon irgendwo in der Stadt Reißaus genommen. Mit toten Gardisten um sich herum, würde er sich jedoch weitaus wohler fühlen. Nicht, dass er etwas gegen lebende hätte oder sie gar hassen würde, aber ein toter Wächter wäre schlichtweg nicht in der Lage, ihn festzunehmen. Wachen sind auch nur Söldner, an sich nichts Schlimmes. Jeder versucht, sich oder seine Sippe durchzubringen, komme, was wolle. Man sollte hier nur ehrlich sein und nicht allzu viel moralisches Samaritertum unterstellen. So glaubt zumindest der Chanka.

Als der für einen Talyrer etwas kleine, aber dafür umso breitere Bartträger herbeikommt, zollt auch Nuka ihm Respekt. Stärke wird in seiner Welt respektiert, ebenso, wie Erfahrung. Und davon scheint der Mann einiges zu haben. Für jemanden, der bereits außerhalb eines Fechtstalls gekämpft hat, ist es leicht, einen Krieger zu erkennen, wenn er direkt vor einem steht. Auch wenn dieser in die Jahre gekommen ist. Etwas, das nicht allzu viele seiner Kaste erreichen. Dir richtige Mischung aus Talent, Glück und Erfahrung haben ihn sicherlich dort hingebracht, wo er nun steht. Und dem zollt der Chanka seine Achtung, die sich jedoch angesichts der nervös machenden Festung Drumherum nicht sonderlich zu Tage trägt. Alles in allem blickt Nuka Nuka also grimmig drein, obwohl sein Innerstes zumindest etwas positiver scheint.

Den Fragen lauscht der Chanka auch einfach nur zu, ohne zu antworten. Glanna hat hier die Rolle der Sprachführerin übernommen und damit ist Nuka vollkommen zufrieden. Ihre Ausführungen sind präzise und kommen ziemlich gut auf den Punkt. Nichts, das Nuka hinzufügen musste. Auch ist er innerlich etwas dankbar darüber, nicht allzu viel von seinem Umgang mit dem Wilderer zu hören. Sie scheint Freude daran zu haben und Nuka kann sich besser auf sein Umfeld konzentrieren und über alles mögliche nachdenken. Zum Beispiel, ob er hier Informationen über Sie herausfinden könnte. Vermutlich ist Sklavenhandel und -besitz in Talyra illegal, weshalb er womöglich nicht allzu viel herausfinden würde. Auch wird die Frage nach anderen Chanka wohl wenig bringen, bisher hat er nicht einen einzigen Vertreter seines Volkes hier erblickt, an sich auch logisch bei der geographischen Distanz. So lauscht der Junge also den beiden anderen Rednern, hält sich jedoch bereit, falls sich für ihn eine Frage erübrigen sollte. An einer Belohnung ist er recht wenig interessiert, aber der Kobold könnte sicherlich eine kleine Mammonspritze vertragen.

Glanna

Unregistered

104

Tuesday, March 18th 2014, 3:54pm

Er ist tatsächlich der Kastellan und heißt Rhordri – ein netter Name wie Glanna findet, auch wenn sie beim besten Willen nicht wüsste wie er richtig geschrieben wird. Während die Druidin spricht, kratz die Feder des Schreibers flink über das Blatt, sodass es manch einer mit nervöserem Wesen fast als ein nerviges Geräusch deuten könnte. Freilich zählt Glanna nicht dazu, sie ist eher ein sehr duldsames und offenherziges Gemüt, dass Gesellschaft zu schätzen weiß, sich gerne unterhält, Geschichten und Anekdoten zum Besten gibt und den Mitmenschen gerne ein offenes Ohr leiht und zuhört und ihnen hilfreich zu Seite steht, wenn diese es wünschen. Sie erfreut sich an dem freundlichen Gegenüber, dessen Augen ihr unterstrichen von der Erfahrenheit unzähliger Jahre, wohlwollend und aufmerksam begegnen. Sie hat es ihm sicher nicht übel, oder krumm genommen, dass er vergaß sich vorzustellen. Sie kann sehr gut verstehen, wenn man an manchen Tagen einfach zu viele andere Dinge im Kopf herumgeistern hat. Ganz besonders als Kastellan einer derart großen Anlage mit so vielen Menschen und Gütern wenn eine Frühjahresinventur bevorsteht ist das mehr als nur nachvollziehbar. Aber ihrer Ansicht nach war es das auch ohne diese Erklärung. Am äußeren Zwinger war es nötiger und weit sinnvoller genau die Worte zu sprechen die gesprochen wurden und zuerst alles das zu veranlassen das veranlasst wurde, anstatt sich groß mit Vorstellungsrunden aufzuhalten. So Ealara will, ergibt sich alles weitere und fügt sich meistens, und wie sich hier bewiesen hat, ohnehin von ganz alleine. Vielleicht führt eine Begegnung sogar zu einer besseren Bekanntschaft, oder sogar eine Freundschaft die das Leben erfüllt und bereichert.

So gibt Glanna also ihre Aussage auf, während der Kastellan geduldig und aufmerksam zuhört und NukaNuka wie mittlerweile fast schon gewohnt und der Philosophie 'wissen ist macht, du könntest ein Böser sein und alles gegen mich verwenden' dem Anschein nach folgend, die nun eimal zu Grunde hat eine Kommunikation auf das Mindestmaß zu beschränken, das heißt beharrlich vor sich hin zu schweigen, was auch gern mit sich bringt wie ein unverträglicher Sauertopf zu wirken, ganz besonders wenn man kein Lächeln, sondern eine nichtssagende, bis fade Miene wie mehrere Tage Regenwetter präsentiert. Die Druidin wird sich an dem abweisenden Verhalten nicht kränken und grämen, sie nimmt es gelassen hin. Sie hat schon vieles gesehen und erlebt und kann die Leute tolerieren, sogar so akzeptieren wie sie gerade sind, ohne ihnen ihre eigenen Weltvorstellungen, Ansichten, Wünsche und Befindlichkeiten vorzuschreiben, oder aufzudrücken. Sie kann etwas ansprechen, sachte auf etwas hinweisen, und auch versuchen einen Ratschlag zu geben. Wenn er auf fruchtbaren Boden fällt ist es gut, und wenn nicht wird sie es nicht mit großer Unverständnis, oder Ablehnung zollen, sondern gut hinnehmen wie es ist. Denn nur weil ein Rat abgewiesen wird, heißt es nicht, dass er auf Dauer ungehört bleibt. Es kann manches Mal auch sein, dass noch nicht der rechte Augenblick dafür gekommen war. Die Menschen müssen oft gewisse Dinge für sich selbst erkennen, und sie von alleine aufgreifen wollen. Alles hat seine Zeit. Besonders um einen Ratschlag annehmen zu können und zu verinnerlichen braucht es Respekt, Vertrauen und Achtung. Ebenso wie eine kleine Pflanze braucht dies zumeist Zeit zu wachsen und zu gedeihen, besonders wenn der Samen auf tristen, schroffen Boden versucht zu keimen. Manches Mal wird er jedoch von den Winden und dem Mahlwerk der Zeit zuvor davon geblasen und zerrieben, bevor er Halt finden kann. Menschen wie Nuka werden sich erst dann öffnen, wenn sie dazu bereit sind. Beharrlichkeit und Geduld sind das Los der Stunde, und selbst dann öffnen sich die Menschen manches mal dennoch nicht, und vielleicht auch nie.

Mild betrachtet sie, wie ihr Gegenüber sich gedankenvoll den grauen Bart zerrauft. Eine subtile Geste mancher Bärtigen für immer wieder kehrende lästige Geschehnisse und Bewandtnisse, die oft viel Energie und Nerven kosten. Seine Worte bestätigen was seine Gestik schon hat andeuten wollen. Er nennt auch einige sehr bekannte Namen, Beispielsweise Àr-druidh Findinmir Daumengrün. Dieser verschrobene Kauz ist selbst Glanna ein Begriff. Ach, was war sie damals noch jung, als sie ihm das erste Mal, zusammen mit ihrem Lehrmeister, begegnet ist, und selbst damals wirkte er schon oft ziemlich eigenwillig und zerstreut. Seinem Verhalten zum Trotz spiegelte sich in seinen Augen jedoch ein wacher Geist, und das hat sich auch nicht geändert, als sie ihm Jahre später wieder begegnete. Aber selbst das ist schon sehr lange her. Es ist gut zu erfahren, dass er sich noch immer hier in der Gegend herumtreibt, und erinnert sie daran, dass sie ihn schon allein des Wiedersehens wegen Besuchen wollte. Dieser Niniane würde sie übrigens auch gerne einmal begegnen, wobei sie zu diesem Wunsch im Grunde nur gesunde Neugierde treibt. Hauptmann Kaneys.. Ihm unterstehen also jene Leute, die den Wald beaufsichtigen. Das heißt die Waldläufer, oder Späher? Sie wird sich diesen Namen jedenfalls einprägen, denn es klingt so, als könnte mit ihm und seinen Männern mach zufällige und weniger zufällige Zusammenkunft warten – das heißt wenn sie sich entschließt länger im Umland und im Larisgrün zu bleiben und sich nicht bald wieder weiter treiben zu lassen.

<<„wo könnte ich Euch erreichen, um Euch eine etwaige Belohnung zu übergeben?">> Glanna hat es sicher nicht auf irgend eine Belohnung, oder ein Kopfgeld abgesehen, sie folgt einzig ihrer Berufung, ihren Überzeugungen und ihrem Herzen. Allerdings, ist sie auch nicht völlig weltfremd und erst recht nicht reich an Mitteln. Die Frage stellt sie auch vor eine kleine feine Hürde, schließlich ist sie vor kurzem noch durch die Wälder gestreift, hat keinen Bekannten oder Verwandten als Ziel und sie besitzt schon gar keine feste Unterkunft hier in der Stadt oder im Umland. „Ich bin erst angekommen und das erste Mal in dieser Gegend. Wenn ihr derzeit verstärkt Vorfälle gemeldet bekommen habt und Unterstützung bei der Aufsicht über die Wälder gebrauchen könnt, stehe ich mit meinen Fähigkeiten solange ich hier bin gerne zur Verfügung. Im Moment weiß ich nämlich noch nicht wohin es mich treibt, oder wo ich in Zukunft erreicht werden kann. Vielleicht könnt ihr mir eine nette vorübergehende Bleibe empfehlen, wo ich samt Hirsch und Hund vorerst unterkommen kann? Ich habe hier nämlich keine Verwandten, oder näheren Bekannten zu denen ich unterwegs war. Vielleicht statte ich aber dem guten Findinmir einen Besuch ab.“ Es ist Jahre her, dass wir uns das letzte Mal begegneten. Ich wäre gespannt ob er sich an mich erinnert. „Oder dieser einen Magierin die ich mal traf – wenn sie noch hier wohnt. Wie hieß sie noch gleich? Sie soll jedenfalls aus dieser Gegend stammen. Sie hat ein sehr auffälliges Äußeres. Jung, dünn, weißes Haar mit schwarzen Strähnen, etwas sehr bleich ums Näschen, vielleicht kennt ihr sie?“ Glanna rechnet eigentlich nicht damit, dass er sie kennt, auch wenn der Kastellan natürlich sicher sehr vielen Leuten und Gesichtern begegnet. Sie erwartet auch nicht, dass diese verschlossene Frau wirklich in Talyra wohnt. Sie sagte schließlich nur sie käme von hier, was aber nicht gleichbedeutend damit ist, sie wohne normalerweise hier. Und selbst wenn, rechnet sie noch weniger damit, dass sie hier noch lebt. Die Frau schien zwar nach außen hin ruhig, gefasst und kontrolliert, doch innerlich rastlos und getrieben. Solche Leute bleiben kaum lange an einem Ort, sondern streifen wie friedlose Geister durch die Welt.

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Rhordri

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Occupation: Kastellan der Steinfaust

Location: Talyra

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Tuesday, March 18th 2014, 9:51pm

Taumond 514, Halle des Kastellans

Rhordri ist schlagartig auf der Hut, als die Druidin ihm eine absolut unverkennbare Magierin beschreibt, doch er lässt sich nicht das Geringste anmerken, sondern lächelt weiter unbefangen. Kurz schweift sein Blick zu dem Jungen an ihrer Seite, doch der sagt keinen Ton und brütet weiter schweigsam vor sich hin, so dass Rhordri ihn nicht weiter einbezieht. Die Sache hat ihn stutzig gemacht, noch nicht wirklich misstrauisch oder gar einen Verdacht schöpfend, aber stutzig sehr wohl. Entweder, das hier ist tatsächlich ein Zufall, in diesem Fall täte er ihr arges Unrecht, wenn er sie verdächtigen würde, oder aber ein perfider Versuch, an Informationen zu gelangen – von wem auch immer sei dahingestellt. Lady Shin und ihre Falschheit mögen ihm zwar zuwider sein, und er wäre der letzte, der dieser Frau auch nur eine Träne nachweinen würde, aber er ist ein integrer Mann und er kennt seine Pflicht. Er wird sie erfüllen, auch ihr gegenüber. "Hm ja", erwidert er also nachdenklich, aber ohne irgendwelche näheren Informationen geschweige denn Details preiszugeben (und das, wo er doch so gerne plauscht). "Lady Shin, so nennt sie sich glaube ich, ist öfter in der Stadt. Aber wo genau sie sich aufhält, weiß ich wirklich nicht zu sagen." Das ist keine Lüge – er hat keine Ahnung, wo die falsche Schlange sich gerade herumtreibt und so lange sie nicht um Olyvar oder um sonst jemanden, der ihm am Herzen liegt, herumscharwenzelt, ist ihm das auch vollkommen gleich. "Man kann ihr wohl Nachrichten im Kupferkessel hinterlassen. Wenn Ihr Euch eine Bleibe in Talyra suchen wollt, so empfehle ich gern die Goldene Harfe, sie hat auch einfache, saubere Kammern für etwas weniger klingelnde Münze und Euer Hirsch wird im Stall bestimmt gut versorgt werden, wenn er so etwas gewohnt ist. Falls Euch das zu sehr in der Stadt ist, nun... es gibt einige Bauern im näheren Umland und Gehöfte in Rufweite, aber außerhalb der Mauern Talyras, die Euch vielleicht ein Zimmer vermieten würden, so wäre Euer Tier im Larisgrün in seiner gewohnten Umgebung. Und wenn Ihr mit etwaigen Wilderern helfen wollt, so könnt Ihr Euch jederzeit bei Hauptmann Kaney oder Lady Niniane oder auch bei Daumengrün melden, ich bin sicher, sie wissen jede zusätzliche Hand zu schätzen."
"You can easily judge the character of a man by how he treats those who can do nothing for him."

Malcolm S. Forbes.

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