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Colevar

Stadtbewohner

Posts: 137

Occupation: Sithechritter

Location: Talyra

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31

Thursday, October 18th 2012, 3:29pm

Im Solar des Lord Commanders / Im Bergfried / In den Stallungen


Colevar kann nur mit den Schultern zucken, denn für ihn sehen die beiden Steine, auf die Diantha anspielt, genauso hübsch und blau aus, wie die anderen auch, aber ihre nächsten Worte lassen ihn langsam und zufrieden lächeln - auch wenn es ihm dabei gar nicht um das geht, was sie vielleicht annimmt. Reich oder nicht spielt für ihn keine Rolle, klingelnde Münzen waren ihm persönlich noch nie wichtig - aber er kennt ihren Wert. Sein Clan ist damit gut versorgt. Lange Winter und Missernten, Viehseuchen oder schwere Stürme verlieren rapide ihren Schrecken, wenn man weiß, dass notfalls genug Silber und wertvolle blaue Steine zur Verfügungen stehen, um allen Menschen in Lyness Brot zu kaufen und ein Dach über dem Kopf zu verschaffen, um Saatgut oder Vieh zu beschaffen, um Heiler zu bezahlen und Handwerker anzuwerben. Und Calait bekommt ein anständiges Dach über dem Kopf und Wände, durch die nicht alle handbreit der Wind pfeift. Diantha reicht ihm den Beutel zurück und bietet ihm ihre Hilfe beim Verkauf der Steine an. Einen Moment lang mustert er sie nachdenklich, dann lächelt er halb, als sie erwähnt, er müsse sich um die Kosten der Reise, die er im nächsten Jahr antreten würde, sicher keine Gedanken machen. "Das musste ich allen Göttern sei Dank ohnehin nicht, " erwidert er mit einem schiefen Grinsen. Wer jahrzehntelang so spartanisch wie er gelebt hat und den Sold eines Offiziers der Steinfaust Mond für Mond und Jahreslauf für Jahreslauf fast gänzlich zur Seite legen konnte, hat mit der Zeit eine hübsche Summe angespart. Außerdem nennt er die Beute von einem Feldzug und einem Krieg sein Eigen, von dem Anwesen, das er verkaufen will, ganz zu schweigen. "Würdet Ihr Euch in meinem Auftrag um den Verkauf der Steine kümmern, Mylady? Ich fürchte, ich habe nicht die Zeit dafür und Ihr seid sicher die einzige Edelsteinhändlerin, der ich vertraue. Sagen wir gegen eine Provision von dem Preis, den ihr erzielen könnt? Wo die Steine herkommen, gibt es genug davon, um alle Juwelenhändler und Edelsteinschleifer Talyras glücklich zu machen, das könnt Ihr meinetwegen auch gern durchblicken lassen." Er nestelt den Beutel wieder auf und holt einen Stein heraus – er ist geformt wie ein Bergkristall, schmal, aber fast so lang wie sein Daumen. Sein Blau ist ganz und gar einzigartig: schimmernd wie das Meer und der Sommerhimmel zu gleich, mit den Schatten einer Sommermitternacht und dem Glanz eines Gletschersees. "Diesen hier nicht, aye? Ich denke, ich behalte ihn." Er reicht ihr den Beutel zurück und steht auf. "Olyvar", verabschiedet er sich mit einem knappen Nicken, "Diantha. Es wäre wirklich schön, euch in der Sithechnacht zu sehen. Ich muss ohnehin bei Borgil vorbei, dann kümmere ich mich um einen Tisch am Abend des letzten Blätterfalltags."

Auf dem Weg in die Stallungen hinunter, schaut er kurz bei Vareyars Solar vorbei, doch der Waffenmeister ist nirgendwo aufzufinden, also sucht Colevar nach Rhordri, findet ihn bei Weonard in der Küche und spricht kurz mit dem Kastellan, dessen Reaktion in etwa genauso ausfällt, wie die Olyvars, dann stattet er den Zimmermännern der Steinfaust einen Besuch ab und holt sich ein oder zwei Ratschläge, was Dachneigungen und die Statik von Stützbalken angeht und verlässt dann den Bergfried, um Calait wie vereinbart im Stall zu treffen. Er hätte nicht gedacht, dass es ein derartiger Spießrutenlauf werden würde und fühlt sich beschämt und erleichtert zugleich. Natürlich hatte es ihm geschmeichelt, als Olyvar rundheraus erklärt hatte, er könne nicht auf ihn verzichten. Wem hätte es das nicht? Aber Colevar hat jedes Wort, er könne nicht mehr innerhalb der Mauern einer Stadt wie Talyra leben ernst gemeint und er kann beim besten Willen nicht sagen, wie sich das mit den Pflichten eines Blaumantels vereinbaren lassen soll. Irgendwie wirst du es Olyvar begreiflich machen müssen...abgesehen davon wäre dieser Tag irgendwann ohnehin gekommen. Sein Vater erfreut sich zwar wieder bester Gesundheit, aber auch Aneirin Lorcain wird nicht jünger und hat erst Recht nicht das ewige Leben. Colevar ist sein einziger Sohn und Erbe und man hat ihn seit seiner Kindheit darauf vorbereitet, die Verantwortung für das Land zu übernehmen, für das Wohlergehen der Clansmänner und ihrer Familien zu sorgen und dieses Wohlergehen über sein eigenes zu stellen. Nichts anderes hatte er auch als Hauptmann der Lanzergarde mit den Männern und Frauen getan, die ihm anvertraut worden waren und ihm in die Schlacht gefolgt sind. Doch dann war Olyvar und seine Suche nach dem Immerfroster gekommen, eine lange Suche, die ihn ans andere Ende Rohas geführt, die ihn zum Abenteurer und Heckenritter hatte werden lassen. Colevar hat nie mit Bitterkeit davon gesprochen, er hat bisher außer mit Calait überhaupt nie mit jemand darüber gesprochen. Er hat auch zu niemandem ein Wort darüber verloren, was dieses Unterfangen ihn persönlich gekostet hat.
Doch jetzt... er könnte sein Leben zurück erhalten, noch einmal neu anfangen, dort wo er aufgehört hatte. Wieder Colevar, Hauptmann der Steinfaust und irgendwann in grauer Zukunft Erbe von Lyness sein - diese Aussicht hat ihn lange Zeit eher... bestürzt, aber wenn er ehrlich ist, tut es das schon eine Weile nicht mehr. Nicht seit dem du weißt, wie es ist. Wie zufrieden es dich gemacht hat. Du könntest wieder wissen, wer du bist. Das Land ist fruchtbar, die Berge sind reich an Silber und Edelsteinen, der Fluss ist klar und fischreich, der Wald alt, dicht und voller Wild, besiedelt mit Familien unter seiner Führung und seinem Schutz. Du könntest dir eine Frau suchen. Irgendeine, die angenehm ist und mit der du lachen kannst. Was macht es schon, dass du sie nicht lieben wirst? Liebe kann unmöglich alles sein. Freundlichkeit würde schon reichen... aye. Freundlichkeit wäre ein guter Anfang.

Irgendwo in einem tief vergrabenen, gut abgeschirmten Winkel seiner Selbst wispert eine leise Stimme prompt: Lügner! und noch im selben Atemzug nennt er sich selbst einen verdammten Narren. Wirst du es nie lernen? Liebe ist etwas für Träumer, Spinner und Dummköpfe, die sich gern an der Nase herumführen lassen, für niemanden sonst! Für einen Moment presst er die Lippen so fest aufeinander, dass sein Mund nur noch ein dünner Strich ist und die Muskeln über seinen Kieferknochen spielen, dann verdrängt er entschlossen alle Gedanken in diese und ähnliche Richtungen und betritt die Stallungen der Steinfaust. Einen Moment atmet er tief durch und lässt seinen Augen Zeit, sich an das dämmrige Halbdunkel zu gewöhnen. Hier drinnen ist es angenehm kühl im Gegensatz zur spätsommerlichen Hitze auf dem äußeren Zwinger, doch das ist es gar nicht, was ihn innehalten lässt. Jeder Stall ist auf seine Weise friedvoll und dieser hier ist etwas ganz besonderes. Die Stallungen der Steinfast sind stets sowohl still, als auch von Energie erfüllt. Colevar kann die behutsamen, aber bestimmten Bewegungen der großen Pferdeleiber hören, ihr zufriedenes Rupfen und Kauen von Heu, das Rascheln des Strohs. Irgendwo unsichtbar im Gebälk oder in einer Futterkrippe spielt ein Wurf Kätzchen mit wildem Fauchen und Maunzen, irgendwo unterhalten sich leise ein paar Stallburschen und das rhythmische bedächtige "Wisch" eines Strohbesens dringt ebenfalls an sein Ohr. Es riecht nach frischem Dung und frischem Stroh, nach Hafer, Äpfeln, Holz und Ziegeln, und als er weitergeht, um nach Calait zu suchen, ertönt ab und an aus einem der Ställe links oder rechts von ihm leises, blubberndes Grummeln oder sanftes Prusten, freundliche und absolut friedliche Geräusche des Willkommens. Er findet Calait schließlich ganz hinten bei den Laufboxen für die Jungpferde, wo man Snerra und ihr Fohlen kurzerhand untergebracht hatte und so, wie es aussieht, ist sie gerade mehr oder weniger damit fertig geworden, aus einem kleinen Gepäckberg eine Gepäck-Gebirgskette zu machen. Einen Moment lang betrachtet Colevar sie vollkommen still und lautlos – eine Hand hat sie auf die Hüften gestützt, die andere liegt nachdenklich unter ihrem Kinn. Sie tut gar nichts, sie steht einfach neben Filidh und dem Jungen, der ihr geholfen haben muss, das Pferd zu beladen und plötzlich gibt es gar nichts mehr zu entscheiden. Er würde hundert mächtige alte Schamanenschlampen töten, wenn es sein muss. Oder noch ein paar Mal den Frostweg hinauf und wieder hinunterreisen, und sich zur Not sogar mit allen ihren anderen dreizahnigen, verschrumpelten und sturen Großmüttern herumschlagen. "Packst du schon für unseren Aufbruch im Frühling?" Filidh trägt einen Aufbau auf seinem Rücken festgeschnallt, der einem azurianischen Lastkamel Ehre gemacht hätte und genug Gepäck für zwei Reisen nach Immerfrost und wieder zurück zu enthalten scheint, und der Hengst prustet leise, als er ihn kommen hört. Mistress Grau thront obenauf, ignoriert ihn jedoch mit der nonchalanten Verstimmtheit einer versetzten Frau. Reykir begrüßt ihn kurz, nur um Calait gleich darauf wortlos und auf Hundeart zu versichern, dass er nur schnell seinen Herrn willkommen heißen musste, aber er sei jetzt wieder bei ihr und würde auf sie aufpassen, wie es seine Aufgabe ist, und sie solle sich bloß keine Gedanken machen und um Himmels Willen nicht schon wieder – hier stellt sich Reykir einfach quer und macht es Calait unmöglich mit den Zehen an einem Schließkorb hängen zu bleiben und der Länge nach auf die Nase zu fallen – über irgendetwas stolpern. Einen Moment lang sieht der Hund tatsächlich aus, als wolle er Calait kurzerhand am Nacken packen und irgendwo hin in Sicherheit tragen. Dabei bläst er so empört die Backen auf, dass Colevar leise Lachen muss - wenn Reykir nur gekonnt hätte, hätte er jetzt wohl mit den Augen gerollt.

"Er macht ein Gesicht als wolle er gleich behaupten, ein Sack Flöhe wäre einfacher zu hüten als du," bemerkt er belustigt und mustert das allgemeine Aufbruchschaos, während Fleck sich mit ein paar hastig gemurmelten Worten und ohne ihm auch nur einmal ins Gesicht zu sehen, verdrückt. "Was hast du mit dem armen Jungen angestellt, Calait?" Will er wissen, wird dann aber von Snerra abgelenkt, die hinter ihm ihre weichen Nüstern über die halbhohe Boxentür schiebt und an seinem Hemd schnuppert. "Hallo meine Schöne, " er streicht der Stute über die samtige Nase und lächelt. Vom einst so streitlustigen, unnahbaren Wesen des Pferdes ist nichts mehr übrig, nachdem er den ganzen Winter über tagtäglich mit ihr gearbeitet und sie noch einmal von Grund auf unter dem Sattel ausgebildet hatte – oder doch, ist es. Snerra eignet sich trotz ihres Daseins als Stute hervorragend als Schlachtpferd. Aggressiv ist sie allerdings nur noch, wenn sie sich oder ihre Herde bedroht glaubt. Ansonsten ist sie sanft wie ein Lamm... ein Lamm mit einer gehörigen Portion Temperament und viel Feuer im Blut, aber ein Lamm. Ihr glänzendes grauweißes Fell wirft Wellen wie Wasser, versilbert vom Mondlicht und ihre großen, braunen Augen blicken sanft und wissend. Als sie sich bewegt, lugt ihr Fohlen kurz hinter ihren Hinterbeinen hervor – ein kleines, rundliches Spiegelbild von Snerras imposanter Perfektion, allerdings trägt es statt des seidigen, glatten Fells und den langen silbrigen Mähnen und Schweifen seiner Eltern, noch kohlschwarzen Fohlenplüsch: der Pelz ist dunkel, dick und wollig und seine Mähne steht als lustiger Borstenkamm in die Höhe, während sein kurzer Schweif an einen absurden kleinen Kehrbesen erinnert. "Alles bereit? Können wir zu Azra und Borgil?"
Some say the world will end in fire. Some say in ice.
From what I’ve tasted of desire I hold with those who favor fire.
But if it had to perish twice, I think I know enough of hate
To say that for destruction ice is also great - and would suffice.
R.Frost

Calait

Stadtbewohner

Posts: 103

Occupation: Gelegenheitsgauklerin und Dritteklasseheilkundige

Location: Talyra

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32

Thursday, October 18th 2012, 11:50pm

Langsam lässt sie ihre Hand über die muskulöse Flanke, den gebogenen Rücken bis zu der kräftigen Kuppe gleiten und von dort aus entlang der Hinterhand hinab zur Fessel, woraufhin die Stute das Bein entlastet und Calait die Möglichkeit gibt den Huf ohne grössere Anstrengung ein wenig anzuheben und näher zu inspizieren. Das Fohlen steht derweil schrägbeinig neben ihr und vergräbt seine neugierige Nase erst halb unter ihren Röcken, dann in ihrem Nacken, wo es pustend ein paar schwarze Locken tanzen lässt. Kichernd lässt Calait den schwarzen Winzling gewähren, derweil sie auch noch Snerras restliche Beine auf kleine Wunden, Risse im Horn, warme Stellen oder leichte Schwellungen untersucht, aber der Stute fehlt nichts, ausser ein bisschen Ruhe vor ihrer energischen Tochter, der hier drin, in der Box, ohne Auslauf, das Stroh unter den kleinen Hufen brennt. „Mit dir werden sie noch Spass haben“, schmunzelt Calait und kitzelt das Fohlen hinter seinen übergrossen Eselohren. Es macht einen Hüpfer, rammt beinahe seine Mutter und bekommt prompt einen entschiedenen Stupser von Mamas Nase verpasst. Lachend schlägt Calait die Arme um den schmalen Fohlenhals und vergräbt ihr Gesicht in dem stacheligen Flusenteppich von Fell, den die Kleine mit dem gleichen schelmischen Stolz zur Schau trägt wie Bræn seinen selbstgeklebten – und Sigrun hatte sich schon gewundert, wo der Honig abgeblieben war – Irokesen. „Spinner!“ Liebevoll drückt Calait ihr einen Kuss zwischen die samtweichen Nüstern und tippt ihr mit einem Finger leicht gegen die Stirn, wo sich das flockige Fell in einem wilden Wirbel lockt, dann verlässt sie die Box und wäre beinahe über Mistress Grau gestolpert. Gerade noch rechtzeitig interveniert Reykir, indem er sich heldenhaft dazwischen wirft und dafür von der Rottatkissa mit ausgefahrenen Krallen eins über die Schnauze gewischt kriegt. Der arme Hund gibt ein überraschtes ‚Wuff‘ von sich und weicht zurück, verblüfft ob des Wagemuts dieses kleinen, hässlichen Plüschballs, der sich von ihm einfach nicht einschüchtern lassen will. „Mit der legst du dich besser nicht an“, rät Calait ihm und schiebt die Katze mit einem Bein leicht zur Seite: „die verarbeitet dich am Ende noch zu Hackfleisch, und dann müsste ich sie leider umbringen. Das würde mir Colevar nicht danken.“ Zusammen mit dem Hund – die Katze zieht sich in eine dunkle Ecke, abseits des ganzen Trubels zurück, von wo aus sie alles überblicken kann – begibt sie sich zu dem Stapel an Körben, Kisten, Truhen und Taschen, die ein paar Männer aus Lyness für Colevar gebracht haben.

Es dauerte seine Zeit, bis sie unter all den Sachen die wenigen Dinge herausgefischt hat, die Colevar die ersten Nächte zwingend brauchen wird. Im Grunde genommen hat er nicht einmal wirklich viel Gepäck, beziehungsweise Gewandung, Schuhwerk und grundlegende Alltagsgegenstände in seinem Besitz, aber wer auch immer die Sachen für ihn eingepackt hat, war entweder mindestens genauso blind sein wie sie, muss fürchterlich im Stress gewesen sein oder besitzt einfach überhaupt keinerlei Talent für Ordnung. Zwei seiner Hemden holt sie aus der gleichen Truhe, in der man auch einzelne seiner Rüstungsteile aufbewahrt, ein drittes findet sie um einen Laib Brot gewickelt in einer losen Stofftasche. Seine Hosen wurden zwar in einem schönen Bündel verpackt, aber bis sie endlich auf die Idee kommt in der Holzkiste, in der man Leder, Eisen, Öl und Bürsten für die Pferde verpackt hat, nachzusehen, schimpft sie bereits halb belustigt, halb verärgert vor sich her. „Himmelarschundzwirn, Seife? Wirklich? Seife zusammen in einem Beutel mit einem Schuhen?!“ Für einen Moment hält sie im Wühlen inne, tippt mit einem Finger gegen ihre Unterlippe und schwingt ganz leicht mit ihrer Hüfte hin und her, derweil sie überlegt den ganzen Haufen einfach zu Azra zu schleppen, die ihn bestimmt in nullkommanichts aussortiert hätte – und darüberhinaus beschriftet und datiert bis auf die letzte Socke. Die Beschriftung und Datierung weggelassen... was sagt Azra immer zu Brenainn und Bræn? Erst spielen Drache-klau-den-Schatz und dann Drache-schütz-den-Hort. Aye... warum nicht... „Fleck, komm, hilf mir mal.“
Kurze Zeit später hat sie jeden Beutel, jede Tasche und jeden Sack einmal kopfüber gestülpt und Colevars Habeseligkeiten in einer etwas sauberen, leeren Ecke des Stalls in einem grossen Haufen aufgetürmt, den sie jetzt mithilfe des Stallburschen Stück für Stück wieder verteilt, und zwar so, dass man es auch wieder finden kann.
„Gürtel.“
„Zu den Schuhen.“
„Und das Lederfett?“
„Ahm... in die Kiste mit dem Pferdegeschirr.“
„Und das Kästchen mit Löschsand, Tinte und Feder?“
„Hm... Zu diesen drei Büchern.“
„Aber die Bücher liegen zwischen seinen Umhängen.“
„Dann zum Pergament. Wo ist überhaupt das Pergament?“
„Ich glaube bei den Bücher... Ich habe hier auch noch eine Haube... zusammen mit zwei Schaffsfellen...“

Und so geht es weiter, bis sie irgendwann zwei saubere Haufen haben, wovon einer von zwei Mägden flugs Stück für Stück in Colevars Zimmer in der Steinfaust transportiert, und der andere von Fleck auf Filidhs Rücken gebunden wird. Calait hat sich indes den zusammengerollten schweren Wollumhang, für den Fleck keinen Platz mehr gefunden hat, um die Schultern gehängt, und denkt darüber nach, ob sie auf dem Rückweg noch im Lyrtempel vorbeischauen soll, um Curina Bescheid zu geben, dass die Ausbildung ein paar Siebentage, vielleicht auch ein paar Monde warten muss, wenn sie sich überhaupt in die Lehre der weithin gerühmten Harfnermeisterin stellen wird. Obwohl Curina und auch Rearys sie mit Schmeichelzunge umworben haben und es sie reizen würde die wahren Grenzen ihrer Stimme auszutesten, hält etwas sie von einer unwiederruflichen Zusage ab. Eine Stimme in ihrem Inneren, die sie zur Geduld mahnt und ihr sagt, dass die Zeit noch nicht gekommen ist für sie, um mehr zu sein, als eine einfache Zaubersängerin, die hin und wieder ein paar Illusionen hervorrufen kann. Vielleicht wird die Zeit nie kommen. Warum mehr sein, als ich bin. Ich bin wer ich bin und ich war immer stolz darauf. Nächstes Jahr finde ich einen Weg mein Augenlicht zurück zu bekommen und dann werde ich auch mein Leben so leben, wie ich es will. Oder bei dem Versuch sterben. Die kalte Entschlossenheit ist da, seit sie die Wahrheit laut und für jeden hörbar ausgesprochen hat. Seit sie eine vage Vermutung zu einer hässlichen, aber unumstösslichen Tatsache gemacht hat, und lediglich der Gedanke, dass Colevar mit ihr reitet, wenn nötig bis in die endlosen grünen Weiten des Tamarlonischen Meeres und noch weiter, nagt an ihr. Es war leichtsinnig von dir, ihn in deine persönliche Rachefehde zu involvieren. Er hat damit überhaupt nichts zu tun. Hat er nicht, aber es war seine Entscheidung und nichts und niemand wird ihn davon abbringen können, am allerwenigsten sie – die an seiner Stelle genauso handeln würde. Und solltet ihr das überleben, tust du ihm danach den Gefallen und findest eine nette, treue und liebherzige Frau für ihn. Das bist du ihm schuldig. In diesem Moment tanzt ein feiner Schauer über ihre Arme und ihren Rücken, warm wie eine fast vergessene, innig geliebte Erinnerung, und ein feines Lächeln huscht über ihre Lippen, einen Herzschlag bevor sie seine Stimme hört. "Packst du schon für unseren Aufbruch im Frühling?" „Pft“, schnaubt sei, hebt eine Braue, wedelt ein bisschen mit der Hand durch die Luft und gibt sich ganz verschnupft: „Du hast ja keine Ahnung, du Ordnungsbanause.“

Colevar trifft genau rechtzeitig ein denn Fleck zurrt gerade den letzten Gürtel fest. Als Mistress Grau, die bereits in ihrem Korb auf Filidhs Rücken thront und sich das silbermelierte Fell putzt, ihn erblickt, blitzt es in den grünen Katzenaugen und mit anklagender Gelassenheit – und ohne den Blick von ihm zu nehmen - fährt sie damit fort ihre Pfote zu lecken, als wolle sie sagen: Du... hast mich schon wieder alleine gelassen. Ein unmerkliches Ohrenzucken ist dann auch die einzige Begrüssung, die sie ihm zusteht, bevor sie sich dreht und ihm demonstrativ ihre noch hässlichere Kehrseite zuwendet. Reykir hingegen trottet sofort an Colevars Seite, verpasst ihm einen freundschaftlichen Kopfstoss gegens Knie und kehrt dann zu Calait zurück, wo er seine feuchte Nase leicht gegen die Innenseite ihrer Hand drückt, um ihr zu sagen, dass er da ist. Eine kleine Geste, die sie ihm nicht gar nicht erst beibringen musste. Binnen weniger als zwei Tagen hat der Mischlingsrüde mit den fehlenden Ohren und dem Auftreten eines zu heiss gewaschenen Branhorns verstanden, dass Calait sich zwar selbstsicher gibt, aber eigentlich eine brennende Schwarzpulverstange auf zwei Beinen ist und man sie weder zu hart anrempeln, noch von jemandem anrempeln lassen darf, weil sie ansonsten einfach umfällt und sich vielleicht weh tut. Ausserdem hat sie einen fürchterlichen Orientierungssinn und ist mindestens so schwer zu hüten, wie ein Wurf abenteuerlustiger Welpen – oder ein Sack voll Flöhe -, die man manchmal auch einfach im Nacken packen und an den eigentlich Zielort zurücktragen muss. Bei Calait ist der Nacken zu weit oben, also bedient man sich dieser einladenden Menge an Stoff, die um ihre Beine raschelt. Oder hält ihr den Kopf hin, damit sie die Hand darauf ablegen und sich führen lassen kann.

Sie macht einen Schritt in Richtung Colevar und schon wieder muss Reykir zu ihrer Rettung eilen, als sie prompt herausfindet, wo genau sie den Korb mit seinen Schuhen platziert hat. „Hoppla, danke mein Hübscher.“ Reykir bleibt sicherheitshalber einfach auf breitbeinig über dem Korb stehen, damit es ihr bloss nicht einfallen kann, den gleichen Unsinn noch einmal zu versuchen. "Er macht ein Gesicht als wolle er gleich behaupten, ein Sack Flöhe wäre einfacher zu hüten als du.“ „Ein Sack Flöhe ist einfacher zu hüten. Frag mal meinen Vater. Der hat mir, als ich noch klein war, ein Lederband mit einem Glöckchen um den Hals gebunden, damit ich nicht ständig verloren gehe.“ Das lässt ihn nur lauter lachen, derweil Fleck irgendetwas von wegen ‚Pferde‘, ‚Heu‘ und ‚Mist‘ in seinen nicht vorhandenen Bart nuschelt und so schnell es geht das Weite sucht. „Wir sehen uns!“, ruft Calait ihm zum Abschied hinterher und lauscht mit einem Grinsen, wie er den Gang hinab eilt, bis seine Schritt in der Ferne verhallen. "Was hast du mit dem armen Jungen angestellt, Calait?" Er zieht sie auf, sein neckender Tonfall verrät ihn, aber so falsch liegt er gar nicht. „Den Kopf verdreht, befürchte ich“, erwidert sie und verzieht das Gesicht zu einer reumütigen Grimasse: „Irgendwer hat ihm weis gemacht, ich fiele für rote Rosen. Vor ein paar Tagen hat er sich fürchterliche Prügel von Radegung eingefangen, weil er eine ihrer preisgekrönten Sommerrosen gestohlen hat... rate was ich am nächsten Tag auf meiner Schwelle gefunden habe. Aye, eine von Radegunds preisgekrönten Sommerrosen. Ich habe sie ihm zurückgebracht und ihm erklärt, dass er ein lieber Junge sei, ich aber nicht die Richtige für ihn. Ausserdem habe ich ihm nahe gelegt, doch bitte einmal die Scheuklappen abzusetzen, wenn er an Jelena vorbei läuft, die schon seit Monden jeden Morgen extra ein wenig früher aufsteht, nur damit sie ihm auf dem Gang von der Küche bis zum Stall ein scheues ‚Guten Morgen‘ wünschen kann.“ Gegen Ende des Satze wird sie leiser und ein unergründliches Lächeln schleicht sich auf ihre Züge, derweil sie Snerras wohligem Schnauben lauscht. Colevar, wie er da steht und die Stute hinter ihren Ohren krault, eins mit sich und der Welt, zufrieden und glücklich und wenn auch nur für die Dauer eines Herzschlags, ist ein Anblick, den sogar eine Blinde geniessen kann. Vorsichtig tritt sie näher, leise, um den kostbaren Moment nicht zu zerstören, und sucht mit ihren Fingern, bis sie glattes Fell und warme Haut zugleich fühlt. "Ich bin bereit. Und du?" Hast du Abschied genommen? Oder auf Wiedersehen gesagt?
... enjoy the little things in life for one day they will be the big things ...

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Colevar

Stadtbewohner

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33

Friday, October 19th 2012, 3:22pm

>Ein Sack Flöhe ist einfacher zu hüten. Frag mal meinen Vater. Der hat mir, als ich noch klein war, ein Lederband mit einem Glöckchen um den Hals gebunden, damit ich nicht ständig verloren gehe...< Colevar lacht leise. "Das ist gar keine so üble Idee... warte, irgendwo hier muss doch noch das Strumpfband mit den Glöckchen dieser Schellentänzerin sein, die..." Er tut so, als suche er zwischen den Schuhen nach etwas und weicht gelassen der pflichtschuldig in seine Richtung gezielten Ohrfeige aus, die jedoch nur leere Luft trifft, doch als Fleck sich verdrückt und er wissen will, warum, wird Calait fast... betreten. >Den Kopf verdreht, befürchte ich<, hört er sie sagen und sieht sie einen ganz und gar hinreißenden Schmollmund ziehen, halb belustigt, halb verlegen. "Oh, aye?" Grinst er und verschließt den Korb, um ihn auf Filidhs Rücken zu heben und festzuzurren... irgendwo, wo noch ein Fleckchen Platz ist. "Darauf wäre ich jetzt nie gekommen. Narren werden nicht geboren, Calait, schöne Frauen wie du stellen sie in ihrer Freizeit her." Sie kichert ein bisschen, wird dann aber wieder ernst... jedenfalls so ernst, wie man bei der Geschichte, die sie zum Besten gibt, bleiben kann. >Irgendwer hat ihm weisgemacht, ich fiele für rote Rosen. Vor ein paar Tagen hat er sich fürchterliche Prügel von Radegung eingefangen, weil er eine ihrer preisgekrönten Sommerrosen gestohlen hat... rate was ich am nächsten Tag auf meiner Schwelle gefunden habe. Aye, eine von Radegunds preisgekrönten Sommerrosen.<
"Ups," macht Colevar und da ist ein Unterton von Mitgefühl - und Wissen - in seiner Stimme, der verrät, dass auch er schon so seine Erfahrungen mit Radegunds Rosen und anschließend mit Radegunds Kehrbesen gemacht hat. Selbstverständlich fängt Calaits feines Gehör die Nuance prompt und zielsicher auf, und sie zieht unmissverständlich und fordernd eine Braue hoch – so hoch, dass man sie selbst unter dem Rand der Augenbinde hervorlugen sehen kann. "Aye, schon gut, schon gut", lacht er und legt beteuernd eine Hand auf die Brust. "Zu meiner Ehrenrettung sei gesagt, ich war acht. Sie hieß Bria und war ein Milchmädchen, aye? Und sie wollte überhaupt nichts von mir wissen, schließlich war sie schon... oh ich weiß nicht, dreizehn oder vierzehn, gerade erblüht. Sie hatte außerdem ohnehin nur Augen für Sire Connloath. Sie hat mit ihm getändelt, weißt du... oh, das hat sie mit jedem, aber sie war ja auch ein ausgesprochen hübsches Ding." Er seufzt angemessen wehmütig und fährt dann extrem trocken fort: "Das hat mich aber nicht vor den Prügeln bewahrt und ich kann dir sagen, lieber schlage ich mich zwei Stunden auf dem Waffenhof mit Olyvar, als dass ich Radegunds Besen noch einmal begegnen will."

Diesmal lacht sie wirklich. "Und, was hast du dann mit Fleck angestellt?" Will er wissen und Calait zuckt mit den Schultern. >Ich habe sie ihm zurückgebracht und ihm erklärt, dass er ein lieber Junge sei, ich aber nicht die Richtige für ihn. Ausserdem habe ich ihm nahe gelegt, doch bitte einmal die Scheuklappen abzusetzen, wenn er an Jelena vorbei läuft, die schon seit Monden jeden Morgen extra ein wenig früher aufsteht, nur damit sie ihm auf dem Gang von der Küche bis zum Stall ein scheues ‚Guten Morgen‘ wünschen kann.<
"Aye?" Die alberne Stimmung zwischen ihnen verfliegt und macht etwas anderem Platz, ebenso warm, doch von ganz anderer Essenz und sie spüren es beide. "Das war sehr nett von dir." Er krault Snerra den seidigen Schopf und sie tritt zu ihm, zögernd, als stände sie auf der Schwelle von etwas und sei sich nicht sicher, ob sie es tatsächlich wagen soll oder kann, vollends einzutreten. Dann bewegen sie sich, Snerra und er, kaum merklich, nicht mehr als eine winzige Verlagerung ihres Gewichts, aber gleichsam eine Einladung. Calait nimmt sie an, gibt ihr Zögern auf, hebt die Hand und legt sie auf seine und Snerras breite Stirn gleichermaßen. >Ich bin bereit. Und du?< Sie muss ihre Gedanken gar nicht aussprechen, er kann sie so deutlich hören, als hätte sie die Worte tatsächlich laut gesagt. "Ja. Lass uns gehen." Er holt Snerra aus ihrer Box, streift ihr das Halfter über, hebt Calait hoch und setzt sie auf den breiten Rücken der Stute, wo sie auch ohne Sattel und im Damensitz so bequem wie auf einem gepolsterten Diwan thronen kann. "Halt dich an der Mähne fest." Er schnappt sich auch Filidhs Führstrick, vergewissert sich, dass kein Beutel, Korb oder Leinensack vergessen wurde, pfeift nach Reykir und verlässt die Stallungen der Steinfaust, beide Pferde am Zügel, das Fohlen bald hinter, bald neben ihnen. Es würde sich kaum mehr als zehn Schritt von seiner Mutter entfernen und Reykir würde alle zusammenhalten, bis sie die Goldene Harfe erreicht hätten.


->Die Goldene Harfe
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R.Frost

34

Saturday, October 20th 2012, 9:55pm

Mitte Blätterfall - Von den Tausendwinkelgassen zur Steinfaust

Der Vormittag ist bereits weit fortgeschritten, als Cedric die Kanzlei in den Tausendwinkelgassen verlässt und der Blaumantel blinzelt in die helle Herbstsonne. In den Büroräumen des Advokaten hatte ein trübes Zwielicht vorgeherrscht, die winzigen Fenster mit Efeu überwuchert. Cedric dreht sich nach wenigen Schritten noch einmal um und wirft einen kurzen Blick auf die grün überwucherte Häuserwand und kann nichts dagegen tun, dass sich seine Hand wie von selbst auf seine Brust legt. Ein leicht verklärtes Lächeln huscht über seine Lippen, als er das leise Knistern des Papiers unter seinem Surkot hört und das erste Mal seit über einem Siebentag hat er das Gefühl, wieder festen Boden unter den Füßen zu haben. Die Nachricht, die ihn zwei Tage vor seiner Hochzeit erreicht hatte und jetzt bei jeder Bewegung leise raschelt, hatte ihm diesen ziemlich gründlich entzogen und sein Leben gehörig auf den Kopf gestellt. Und jetzt habe ich anstatt einer Ehefrau an meiner Seite eine Tochter in Brioca..
Es ist wie immer voll in den Tausendwinkelgassen, doch da er den blauen Mantel der Stadtwache trägt, hat er zumindest ein wenig mehr Platz als all die anderen Wesen um in herum. Als er schließlich den Blick wieder von dem Gebäude löst, fühlt er selbst bereits einige Blicke auf sich ruhen und so macht er sich lieber zügig auf den Rückweg in die Steinfaust. Auch wenn er erst in zwei Siebentagen zum Dienst zurück erwartet wird, würde er kurz mit Olyvar reden müssen; sein Lord Commander sollte wissen, wo er sich in den nächsten Tagen herumtreiben würde.

Er hatte, zumindest bis zu jenem Tag, an dem der Brief ihn auf dem Hof seines Bruders erreichte, nie Zweifel an seinem Plan Maelys zu heiraten. Sie hatten sich vor etwa zwei Zwölfmonden an Amitaris Hochtag zum ersten Mal seit langer Zeit wieder gesehen und er hatte sich Hals über Kopf in die junge Frau verliebt. In einer stillen Stunde hatte sie ihm später einmal gestanden, das sie bereits seit einigen Jahren ein Auge auf ihn geworfen hatte, sich aber nie getraut habe, ihn anzusprechen. Und in seiner damaligen Verliebtheit hatte er diesen Umstand als Zeichen genommen und sie wenige Tage später um ihre Hand gebeten.
Doch wenn er ehrlich zu sich selbst ist, muss er zugeben, dass es schon vor dem Eintreffen des Briefes gewisse Probleme in ihrer Beziehung gegeben hatte, die jedoch erst im Streit über das Kind tatsächlich zur Sprache gekommen waren. Wir haben über so viele Dinge gesprochen, nur nicht darüber, was wir uns von unserem Leben erwarten..
Cedric war wie selbstverständlich davon ausgegangen, dass Maelys und er sich nach der Hochzeit in Talyra ein kleines Heim schaffen würden, während sie sich ihre gemeinsame Zukunft auf dem Gut ihrer Eltern, welches sie einmal erben würde, ausgemalt hatte. Mit einer ganzen Kinderschar dazu.. Die junge Frau hatte ihm von Anfang an erzählt, dass sie sich eine große Familie wünschte und seit ihrer Verlobung hatte sie wesentlich öfter davon gesprochen, als Cedric selbst lieb war. Sicher, er wollte Kinder haben, irgendwann einmal, aber nicht in den ersten zwei, drei Zwölfmonden seiner Ehe.

Um ihren heftigen Kinderwunsch wissend, hatte er zumindest gehofft, dass sie es verstehen würde, dass er zumindest einmal nach dem Kind sehen wollte und sie, wenn notwendig auch finanziell unterstützen würde. Die Umstände, die in dem Schreiben geschildert wurden, ließen ihm eigentlich keine andere Wahl, als das Kind Meine Tochter.. zumindest einmal zu besuchen, sich von ihrem Wohlergehen zu überzeugen und den neuen Zieheltern auf den Zahn zu fühlen. >Ihre Mutter ist tot und ihre Zieheltern ebenfalls. Wie kannst du von mir erwarten, nicht wenigstens einmal nach ihr zu sehen?< Ihre Antwort auf diese Frage hatte ihn mehr getroffen, als er sich eingestehen will. Ich hätte nicht gedacht, das die zarte kleine Maelys so fluchen kann.. Cedric, der sich gerade in einer der kleinen Gassen um den Marktplatz herum befindet, schüttelt ein wenig müde den Kopf, was ihm einen skeptischen Blick eines Bäckersjungen einbringt, der am Straßenrand seine Teigwaren feilbietet.

Als Cedric die Steinfaust erreicht hat, bleibt er kurz auf dem äußeren Zwinger stehen, um sich von Kolbeyn, einem seiner Sergeanten, kurz auf den neuesten Stand bringen zu lassen. Er war gestern erst spät in der Nacht nach Talyra zurückgekehrt und war, nachdem er sein Pferd versorgt hatte, direkt in seine Kammer im Nordturm gegangen. Nach sechs Tagen im Sattel und ebensovielen Nächten unter freiem Himmel, hatte er sich keine Zeit mehr für Gespräche oder gar ein Bad genommen. Das Bad hatte er dann am frühen Morgen nachgeholt und jetzt erzählt ihm Kolbeyn, was und wen er alles in den letzten zwei Monden verpasst hatte. Colevar ist wieder da und bald wieder weg.. Er schüttlet kurz den Kopf, als der Sergeant ihm diese Neuigkeit mitteilt. Schließlich sind die wichtigsten Neuigkeiten ausgetauscht und Cedric lässt den Sergeanten auf dem äußeren Zwinger zurück. Er ist froh, dass er seine geplante Hochzeit, nicht an die große Glocke gehängt hatte, denn so begrüßen ihn die Gardisten, die ihm auf dem Weg zu Olyvars Solar begegnen zwar überschwänglich, aber wenigstens ohne Gratulationen und andere wohlmeinende Worte. Er ist, nach sechs Tagen Zeit zum Nachdenken, zu dem Schluss gekommen ist, dass es auf lange Sich das richtige gewesen ist, nicht zu heiraten. Aber zu Wissen, dass etwas richtig ist, nimmt einem nicht den Schmerz.

Als er den Gang vor Olyvars Solar entlang geht, bemüht er sich, diese Gedanken, weit von sich zu schieben. Die beiden Wachen vor der Tür grüßen ihn, als er näherkommt. Mit einem kleinen Lächeln erwidert er den Gruß, klopft an die schwere Tür und öffnet diese dann einen Spaltbreit. "Olyvar? Hast du kurz Zeit?"

Olyvar

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Monday, October 22nd 2012, 3:37pm

Mit Colevar und Diantha im Solar des Lord Commanders


Als Colevar geht, füllt das Echo seiner Ankündigungen und all der überraschenden Entwicklungen den Raum noch wie eine Schar unruhiger Geister und auf Olyvars Gesicht liegt ein extrem nachdenklicher Ausdruck. Diantha hingegen grinst vom einen Ohr um anderen und spielt mit dem kleinen Beutel oder besser gesagt mit dessen kostbarem Inhalt– damit ist Colevar wohl gerade ihr allererster Auftraggeber geworden und was für ein Auftrag es ist. Sie sieht aus, als könne sie durchaus versucht sein, einen kleinen Freudentanz aufzuführen, und das lässt Olyvar, all seiner eigenen, eher düsteren Gedanken zum Trotz, lächeln. "Das wird sich für dich lohnen, nicht wahr?" Sie nickt und ihre Augen leuchten spekulativ – vermutlich weil auch nur eine Provision vom Verkaufswert so seltener und teurer Edelsteine immer noch ein kleines Vermögen sein wird, das sie ihrem Traum vom eigenen Edelsteinhandel ein ganzes Stück näher bringen dürfte. Und Colevar hatte mehr oder weniger deutlich gesagt, dass es eine reiche Fundstätte ist. Allerdings. Er hat auch durchblicken lassen, dass sie die einzige sein könnte, mit der Lyness handeln wird. Mit einem leisen, verblüfften Lächeln schüttelt Olyvar sacht den Kopf und fragt sich, wie Colevar so etwas nur immer macht. Mit einem einzigen kleinen Satz, hatte er Diantha quasi ein alleiniges Handelsrecht mit den Elimarinen aus Lyness angeboten, sie braucht nur noch zuzugreifen, und für sich selbst den Vorteil herausgeschlagen, sich um nichts kümmern zu müssen, was den Verkauf der Steine betrifft. Auf das Gold ist er sicher nicht angewiesen, ihm ging es allein um die Zeit und die Lauferei von Händler A zu Händler B, das Feilschen und Verhandeln und außerdem kann er so den Namen seines Clans auch noch aus allem heraushalten, was andernfalls bestimmt Neider auf den Plan rufen würde... Gerissener Hund. In seine widerwillige Bewunderung mischt sich wieder Melancholie, als er an all die anderen Dinge denkt, die der Sithechritter noch gesagt hatte. Sein Anwesen verkaufen... den Dienst quittieren... was überhaupt nicht in Frage kommt, jedenfalls nicht für immer!... schon wieder diesen verdammten Frostweg hinauf nach Immerfrost reisen... er muss doch bald jeden Kieselstein auf dieser Straße kennen...

Olyvar hat ebenso wie Diantha keine Ahnung, was der Grund für diese neue Reise in den Norden ist, aber er hat da so eine leise Ahnung, mit wem es etwas zu tun haben könnte. >Ich werde den Winter über bei Calait bleiben...< Der naheliegende Gedanke wäre natürlich, dass Colevar jetzt das Bett der lebenslustigen kleinen Resandeschönheit für eine kurze oder lange Weile teilt und einfach Varins Platz eingenommen hat, doch Olyvar würde seine Schwerthand darauf verwetten, dass die Dinge nicht so einfach liegen zwischen Colevar und der Zwillingsschwester der Frau, die er geliebt hat – die dummerweise haargenau so aussieht. Genug geliebt, um für sie Eide zu schwören und sie zu brechen, zu töten, zu sterben und jahrelang nach ihr zu suchen. Ifrinn! Irgendwo tief in seinem Inneren ahnt Olyvar, dass das nicht unbedingt Lias Verdienst war. Es ist einfach Colevars Art – er kenn den Sithechritter seit sie beide kleine Jungen waren und es war noch nie seine Art auf irgendeinem Gebiet halbe Sachen zu machen, warum sollte es bei seinen Gefühlen anders sein? Wenn er liebt, dann ganz und gar, wenn er hasst, dann tödlich, wenn er ein Freund ist, dann ein wahrer, wenn er ein Feind ist, ein unversöhnlicher. In seinem Kopf schwirrt all das Gehörte herum wie ein aufgebrachter Bienenschwarm, aber hier würde er jetzt keine Ruhe finden, um darüber nachzudenken, also zuckt er mit den Schultern und lässt Solarkram für heute Solarkram sein. "Komm Conasg. Gehen wir etwas essen und dann reite ich mit den Kindern zum Teich. Es ist so heiß, dass sie bestimmt Schwimmen gehen wollen. Wir bringen Forellen zum Abendessen mit und sie geben vielleicht Ruhe wegen der Reiterei." Ihm war heute Morgen ein Gedanke gekommen, wie er dem Tatendrang der Zwillinge was Akrobatik auf dem Pferderücken angeht vielleicht entgegenkommen und dabei die Verletzungsgefahr so gering wie möglich halten kann – wie alle Kinder in ihrem Alter stachelt sie ein "Nein!" nämlich erst recht zu Unfug an. "Dann kannst du dich um deine Steine kümmern, wenn du willst und hast Ruhe vor der Brut." Sein Tonfall straft die harsche Ausdrucksweise Lügen und sein Grinsen erst recht. Er ruft nach Pumquat, der auch auf der Stelle erscheint – samt Rauchwolke, Gliterflimmern und dem obligatorischen "Plopp", schickt ihn nach Rhordri, der hier die Stellung halten soll und kehrt dann gemeinsam mit Diantha in den Westflügel zurück. Eine Stunde später sind sie in der immer noch glühenden Spätsommersonne schon unterwegs in die kühlen Schatten des Waldes, samt Angelhaken, Schnüren, Würmern und einem mit Shenrahfackelblättern ausgelegten Schließkorb, den Njáll voller Stolz festhält, während er hoch auf Bayvards Rücken vor seinem Vater thront und völlig falsch – sein musikalisches Talent hat er jedenfalls nicht von Diantha – ein kleines Lied anstimmt. Über Fische im Allgemeinen und gewisse Heringe und Flundern im Besonderen.
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Tuesday, October 30th 2012, 9:14am

Mitte Blätterfall, Solar des Lord Commanders mit Cedric


Olyvar hat mit so ziemlich jedem Gesicht gerechnet, als sie dich Solartür nach einem kurzen Klopfen öffnet, aber nicht mit diesem. >Olyvar? Hast du kurz Zeit?< "Ced!" Vor Überraschung und ein wenig alarmiert über die schiere Unerwartetheit dieses Besuchs, schließlich sollte der Offizier seiner Reitergarde gerade ganz woanders sein und den Bund der Ehe eingehen, steht Olyvar ganz automatisch auf und geht Cedric ein paar Schritte entgegen. "Was machst du denn hier?" Er späht über die Schulter seines Freundes, doch der ist allein. "Natürlich habe ich Zeit, für dich immer. Komm, setz dich." Olyvar lädt Cedric mit einer Handbewegung ein, an dem kleinen Zedernholztisch zwischen den großen Fenstern Platz zu nehmen und ruft nach einem Botenjungen, der auch prompt erscheint. "Bring uns einen Krug Bier, Kleiner, aye? Und ein wenig Brot und Käse." Der Bengel zischt davon und Olyvar wendet sich seinem Freund zu. Seine Miene lässt nur wenige Rückschlüsse zu, aber seine Ringfinger sind nach wie vor blank – beide. Sie setzen sich und die fahle Herbstsonne vergoldet mit blassen Strahlen durch die dicken, bleigefassten Fensterscheiben das dunkle Holz und den hellen Rand des azurianischen Teppichs auf dem Boden. Katze springt vom Schreibtisch, wo sie zusammengerollt auf einem Pergamentstapel geschlafen hatte, spaziert in einen Fleck Sonnenlicht und lässt sich dort wieder nieder, ringelt sich zusammen, legt den Schwanz über die Augen und beginnt zu schnurren wie ein schnarchender Eisenzwerg. "Also, Ced, was führt dich her? Was ist... aus deiner Hochzeit geworden?"
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Friday, November 2nd 2012, 11:46am

Mitte Blätterfall, Solar des Lord Commanders


Olyvar, dem er als seinem Freund und Vorgesetzten natürlich von seinen Heiratsplänen berichtet hatte, ist erwartungsgemäß überrascht, ihn hier in Talyra zu sehen. >"Was machst du denn hier?" < Cedric verzieht das Gesicht zu einem etwas missratenen Grinsen, als er den Blick seines Freundes über seine Schulter bemerkt. >"Natürlich habe ich Zeit, für dich immer. Komm, setz dich.< Olyvar deutet auf die beiden bequemen Stühle zwischen den hohen Fenstern und ruft, während sie sich setzen, nach einem Botenjungen. Cedric setzt sich und wartet bis Olyvar sich ihm zuwendet. Der Blick den sein Freund dabei über seine ringlosen Hände gleiten lässt, entgeht ihm nicht und er verschränkt die Finger ineinander, bevor er sich räuspert um auf Olyvars folgende Frage zu antworten. >Also, Ced, was führt dich her? Was ist... aus deiner Hochzeit geworden?< "Die ist.. ahem, abgesagt worden." Seine Miene verdunkelt sich für einen Augenblick und er lässt seinen Blick auf der schlafenden Katze ruhen. "Ich.. ich habe einen Brief erhalten, zwei Tage vor der Hochzeit, von einem Advokaten aus Talyra." Er zögert einen Herzschlag, ehe er fortfährt, denn er ahnt, welche Reaktion seine nächsten Worte vermutlich auslösen werden. Maelys hatte ihm schließlich bereits alles mögliche an den Kopf geworfen. >Woher willst du wissen, dass das Kind deines ist? Sie war eine Hure, sie hat mit hunderten geschlafen und wird sich einfach irgendeinen aus dieser Menge ausgesucht haben, um ihm das Balg anzuhängen..< "Offenbar habe ich ein Kind. Ich habe die Frau in einer Inarinacht getroffen.. Ceres, du erinnerst dich vielleicht an sie. Der Nekromant hat sie umgebracht." Sie beide erinnern sich noch zu gut an die Morde, die Talyra vor mittlerweile fünf Jahresläufen erschüttert hatten und werden einen Augenlick still. "Sie hat das Kind nach Brioca gegeben," spricht er schließlich mit leiser Stimme weiter. "Der Advokat hat mir erklärt, sie habe das Kind eigentlich sehr gut abgesichert, so dass es sogar noch für eine anständige Mitgift gereicht hätte... aber die Zieheltern sind vor einem Jahr gestorben. Alle Kinder wurden von Verwandten aufgenommen, die offenbar gute Verwendung für das Geld hatten..." Olyvar hört ihm aufmerksam zu, das Gesicht unbewegt wie immer, aber er kennt seinen Jugendfreund gut genug, um sich nicht davon täuschen zu lassen. "Ich weiß, das ich nicht sicher sein kann, ob das Mädchen wirklich mein Kind ist.. ich meine, ihre Mutter war nun einmal wer sie war, aber... du verstehst, das ich nicht einfach nichts tun kann? Wenn ich es nicht tue, werde ich mich wohl bis an mein Ende fragen, ob etwas Wahres dran ist.."
Der Botenjunge kehrt mit einem großen Krug Verder Kupfer, zwei Tonbecher, einem halben Laib Brot und einem großen Stück Käse zurück und stellt dies alles auf den Zedernholztisch. So leise wie er gekommen ist, verschwindet er auch wieder aus dem Solar. Cedric beugt sich vor, um Olyvar und sich selbst einzugießen. Bei dieser Bewegung raschelt das Papier, das der Advokat ihm mitgegeben hatte, in seinem Surcot. "Oh.. er hat mir ein Bild gegeben.." Vorsichtig holt er das mittlerweile etwas abgegriffene Papier hervor, auf dem ein durchaus begabter Künstler mit Kohle das Portrait eines etwa 7- jährigen Mädchens gezeichnet hat, und reicht es Olyvar. "Wie auch immer, Maelys war nicht besonders begeistert, wie du dir vielleicht vorstellen kannst und als ich ihr gesagt habe, dass ich zumindest einmal nach Brioca reisen werde um die Kleine zu treffen, haben wir festgestellt, das wir vollkommen unterschiedliche Vorstellungen haben.. Und jetzt habe ich Zeit und mein Dienst beginnt ja auch erst wieder in zwei Siebentagen.. Ich würde gern gleich nach Brioca aufbrechen."

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38

Friday, November 2nd 2012, 1:33pm

Was Olyvar schon mit halber Gewissheit geahnt und befürchtet hat, bestätigt Cedric mit der Antwort auf seine Frage – es würde keine Hochzeit geben. Den Grund nennt er jedoch nicht sofort, als zögere er, die Wahrheit preiszugeben oder als könne er es selbst noch nicht so ganz... glauben. >Ich.. ich habe einen Brief erhalten, zwei Tage vor der Hochzeit, von einem Advokaten aus Talyra.< Olyvar beugt sich gespannt ein wenig vor. "Ja? Und?" Am liebsten hätte er Cedric einen Seitenstüber verpasst, damit er endlich mit der Sprache herausrückt. Ced hatte endlich eine Frau gefunden, die er gemocht hatte, genug jedenfalls, um sie heiraten zu wollen und dann war etwas geschehen, das alle seine Zukunftspläne mit einem Schlag zunichte gemacht hatte... und es muss etwas wirklich, wirklich bedeutsames sein, sonst säße sein Freund jetzt nicht hier, das weiß Olyvar genau. Es ist tatsächlich bedeutsam – bedeutsamer kann es überhaupt nicht mehr sein, nur hätte Olyvar mit allem gerechnet, nur nicht mit dem, was er nun zu hören bekommt. >Offenbar habe ich ein Kind. Ich habe die Frau in einer Inarinacht getroffen.. Ceres, du erinnerst dich vielleicht an sie. Der Nekromant hat sie umgebracht.< "Ifrinn!" Ist erst einmal alles, was Olyvar sagt. Ceres? Götter im Himmel. Dann holt er tief und vernehmlich Luft, und mustert aufmerksam Cedrics Gesicht, in dem sich alle möglichen widerstreitenden Gefühle spiegeln. "Ein Kind", stellt er fest. "Das ist... ist... oh. In Ordnung. Ifrinn!" Das muss er erst einmal verdauen - und der arme Cedric tut vermutlich seit er es weiß überhaupt nichts anderes mehr. Und die Tatsache, dass er hier allein sitzt, nun... "Ich äh... nehme an, Maelys hat es nicht so... gut aufgenommen?" Cedric schüttelt nur den Kopf und Olyvar nickt mitfühlend. So eine Nachricht aus heiterem Himmel zu erhalten, ohne auch nur das Geringste zu ahnen... Cedric muss sich fühlen, als hätte er den Boden unter den Füßen verloren. Dann auch noch die Frau zu verlieren, die man zu lieben glaubt und die nur noch einen Herzschlag vom Versprechen entfernt war, in guten wie in schlechten Zeiten zu einem zu stehen. Ceres habe das Kind nach Brioca gegeben, fährt Cedric schließlich fort und klingt immer noch ein wenig verblüfft, wenn er von seinem unbekannten Nachwuchs spricht. >Der Advokat hat mir erklärt, sie habe das Kind eigentlich sehr gut abgesichert, so dass es sogar noch für eine anständige Mitgift gereicht hätte... aber die Zieheltern sind vor einem Jahr gestorben. Alle Kinder wurden von Verwandten aufgenommen, die offenbar gute Verwendung für das Geld hatten...< "Eine Mitgift? Dann hast du... eine Tochter?" Cedric nickt. Natürlich hätte Olyvar einwenden können, dass er schließlich nicht sicher sein könne, dass es auch wirklich sein Kind ist, aber das ergibt aus seiner Sicht gar keinen Sinn. Hätte Ceres Cedric das Kind anhängen wollen, hätte sie jahrelang Gelegenheit dazu gehabt. Aber sie hatte es nicht getan und es wohl auch nicht vorgehabt, so wie sie für ihre Tochter gesorgt hatte – also, Hure oder nicht, warum sollte sie in dieser Sache lügen?

>Ich weiß, dass ich nicht sicher sein kann, ob das Mädchen wirklich mein Kind ist.. ich meine, ihre Mutter war nun einmal wer sie war, aber... du verstehst, das ich nicht einfach nichts tun kann? Wenn ich es nicht tue, werde ich mich wohl bis an mein Ende fragen, ob etwas Wahres dran ist..< "Natürlich, aye." Olyvar weiß nicht, was zwischen Maelys und Cedric vorgefallen sein mag, aber er würde seinem Freund ganz bestimmt keine Vorhaltungen machen. "Ich weiß nicht, was deine Verlobte davon gehalten haben mag, aber offenbar hat sie dich nicht sehr gut gekannt," erwidert er leise, "wenn sie nicht gewusst hat, was für ein Mann du bist. Aber ich weiß es, Cedric und du bist kein Mann, der sich von einem Kind abwenden würde, dass seines sein könnte." Bier, Brot und Käse kommen, und Cedric schenkt ihnen ein. Olyvar greift nachdenklich nach seinem Krug und nimmt einen Schluck. "Da Cedric," murmelt er mit einem schiefen Grinsen. "Hört sich noch ein bisschen gewöhnungsbedürftig an." >Oh.. er hat mir ein Bild gegeben..< Cedric reicht ihm eine Kohlezeichnung und Olyvar verschluckt sich prompt an seinem Bier. "Himmel!" Keucht er, als er wieder Luft bekommt und starrt auf die Zeichnung. "Bist du sicher, dass du damit umgehen kannst?" Jetzt ist es an Cedric schief zu grinsen und ein bisschen hilflos mit den Schultern zu zucken. Das kleine Portrait mag ein Kindergesicht zeigen, aber wenn der Künstler sich auch nur halbwegs an die Realität gehalten hat, wird das Mädchen darauf einmal eine Schönheit werden, das ist bereits zu erkennen. Sie ist ihrer Mutter wie aus dem Gesicht geschnitten, aber... Olyvar blickt einen langen Moment auf das kleine Bildnis in seiner Hand und lächelt. "Sieh dir ihre Augen an." Er reicht Cedric das Portrait zurück. "Sie sieht Ceres sehr ähnlich, weißt du, aber dir auch. Und ihre Augen sind deine. Nur in hübsch, natürlich. So wie es aussieht, hast du eine Tochter." Cedric betrachtet grübelnd das Portrait und verbirgt es wieder unter seinem Surcot. >Wie auch immer, Maelys war nicht besonders begeistert, wie du dir vielleicht vorstellen kannst und als ich ihr gesagt habe, dass ich zumindest einmal nach Brioca reisen werde um die Kleine zu treffen, haben wir festgestellt, das wir vollkommen unterschiedliche Vorstellungen haben.. Und jetzt habe ich Zeit und mein Dienst beginnt ja auch erst wieder in zwei Siebentagen.. Ich würde gern gleich nach Brioca aufbrechen.< "Aye, natürlich. Du... du wirst sie doch zu dir holen, oder? Kennst du ihren Namen?"
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39

Saturday, November 3rd 2012, 4:24pm

>Himmel! Bist du sicher das du damit umgehen kannst?< Olyvar klingt so entgeistert, wie er selbst es gewesen war, als er das Bild vor wenigen Stunden zum ersten Mal gesehen hatte. Sicher, Ceres war eine schöne Frau gewesen und auch er selbst, findet er zumindest, ist nicht hässlich, aber dass das Kind so aussehen könnte, hatte ihn doch überrascht. "Aye... Ich hoffe immer noch, dass der Maler ein bisschen übertrieben hat. Ansonsten muss ich sie direkt an die schweigenden Schwestern übergeben oder ein Faible für azurianische Burkas entwickeln.. spätestens wenn sie erblüht.." Er grinst schief, aber in diesem Grinsen steckt auch bereits ein winziger Hauch Stolz, den er sofort wieder zu unterdrücken versucht, als er ihn bemerkt. Du benimmst dich jetzt schon wie ein Narr..Da Cedric..
>Sieh dir ihre Augen an. Sie sieht Ceres sehr ähnlich, weißt du, aber dir auch. Und ihre Augen sind deine. Nur in hübsch, natürlich.< "Danke." Sie tauschen einen belustigten Blick über das Portrait hinweg, ehe Olyvar fortfährt. >So wie es aussieht, hast du eine Tochter.< Der Lord Commander lehnt sich etwas in seinem Stuhl zurück, während Cedric das Bild wieder sicher unter seinem Surcot verstaut und dann einen großen Schluck von seinem Bier nimmt. Er selbst hatte die Ähnlichkeit ebenfalls erkannt, schließlich hatten ihn diese Augen an diesem Morgen bereits beim Rasieren aus dem Spiegel entgegengeblickt, aber es noch einmal von jemand anderem bestätigt zu bekommen, ist etwas ganz anderes und macht die Situation irgendwie real.
>Aye, natürlich. Du... wirst sie doch zu dir holen, oder? Kennst du ihren Namen?< "Bryja. Nach der Tochter des Thane von Ardun.. offenbar kannte Ceres sie in ihrer Jugend. Wenn sie aus Brioca weg möchte, werde ich sie mitnehmen. Ich bin mir zwar nicht so sicher, ob ich sie in der Steinfaust, unter so vielen jungen Männern aufwachsen lassen möchte," hier kann er ein Grinsen nicht unterdrücken. "Aber ich denke, es findet sich eine Lösung. Fürs Erste könnten wir beide in meinem Quartier wohnen, die kleine Kammer ist ja unbewohnt und könnte hergerichtet werden. Ansonsten habe ich genug gespart für ein kleines Häuschen in der Nähe.. vielleicht werde ich einfach auf diese Weise sesshaft." Bei seinen letzten Worten schwingt ein Hauch Bitterkeit mit, aber er fängt sich schnell wieder und seine Miene hellt sich auf. "Wenn dir also ein passendes Haus für einen Vater mit Tochter einfällt, sag Bescheid. Ein möglichst hoher Turm käme mir vermutlich entgegen.." Sie lachen leise und für einen Moment hängen sie beide ihren Gedanken nach, ehe Cedric schließlich weiter spricht. "Ich weiß nicht, wie lange ich in Brioca selbst sein werde, aber ich denke in spätestens sieben oder acht Tagen sollte ich wieder da sein, je nachdem, wie gut die Kleine reitet." Nach allem was er heute gehört hatte, rechnet er zwar nicht damit, dass das Kind schon einmal länger als eine Stunde auf einem Pferd gesessen hatte, aber in ihrem Alter lernt man schnell und es gibt genügend Gasthäuser am Rande der Straße um sich Nachts anständig auszuruhen.
>Möchtest du allein reiten? Ich könnte mir ein paar Tage freinehmen und dich begleiten.< Olyvars Angebot überrascht ihn ein wenig, aber nach einem kurzen Moment nickt er lächelnd. "Wenn du dir die Zeit wirklich auf der Südstraße um die Ohren schlagen willst, sehr gerne. Ich würde allerdings gleich übermorgen losreiten, um noch ein wenig das trockene Wetter auszunutzen. Und vorher eine kurze Notiz nach Brioca schicken lassen, das wir kommen."

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40

Saturday, November 3rd 2012, 4:49pm

Solar des Lord Commanders, Mitte Blätterfall 512

"Bryja," wiederholt Olyvar leise und probiert den ungewohnten Klang. "Klingt hübsch. Und mach dir wegen der Steinfaust mal keine so großen Sorgen. Radegund wacht mit Argusaugen über die jungen Mädchen. Außerdem hätte sie hier die Botenkinder und meine Brut, mit der sie spielen und toben kann, das wäre doch schön für sie." Er fragt sich, wie wohl auch Cedric, wie das Mädchen bisher aufgewachsen war, ob sie gesund und kräftig geraten ist, welche Erziehung sie genossen hat und noch tausend Dinge mehr. Aye, das wird alles warten müssen, bis er sie hergeholt hat. Ich hoffe für ihn, sie ist ein nettes Mädchen. Cedric plaudert derweil über eine mögliche Bleibe für die Zukunft und scheint ernsthaft gefallen an einem Wehrturm oder etwas ähnlichem zu finden. Scherze, wie sie wohl alle Väter hübscher Töchter untereinander hin und wieder machen, er selbst eingeschlossen – er kann es Ced nachfühlen, schließlich ist Fianryn schon jetzt ein ausgesprochen hübscher Käfer und er will sich gar nicht ausmalen wie sie erst aussehen würde, wenn sie ein junges Mädchen von vierzehn oder fünfzehn Jahren wäre. Sie wird wie ihre Mutter aussehen. Aye, wir brauchen höhere Türme. Ohne Türen. Vergitterte Fenster. Und einen Drachen oder zwei... Es tut gut mit einem Gleichgesinnten darüber zu lachen, aber bei aller Schäkerei mit diesen und ähnlichen Gedanken, schwingt durchaus eine Spur echter Besorgnis mit. "Möchtest du allein reiten? Ich könnte mir ein paar Tage freinehmen und dich begleiten." Diantha hat so viel mit ihrem Laden und all den Vorbereitungen für ihre Geschäftseröffnung – wann immer sie sein würde – zu tun, dass er sie ohnehin kaum zu Gesicht bekommt und er kann die Kinder ohne Weiteres hier in der Steinfaust und in der Obhut Radegunds oder einer der anderen Mägde lassen. Cedric nickt. >Wenn du dir die Zeit wirklich auf der Südstraße um die Ohren schlagen willst, sehr gerne. Ich würde allerdings gleich übermorgen losreiten, um noch ein wenig das trockene Wetter auszunutzen. Und vorher eine kurze Notiz nach Brioca schicken lassen, das wir kommen.< "Aye, dann spreche ich heute Abend mit meiner Frau und wir reiten in zwei Tagen."

Die Große Südstraße->
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Atevora

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Saturday, April 13th 2013, 1:29am

<---- Atevoras Wohnung

Sie war vorhin mit Doggra im Handwerksviertel bezüglich einer neuen Lederrüstung für den Narg. Doggra hatte sich übrigens entgegen dem Hyaenodon, welches er gerade mit einem Beißkorb ausgestattet an einer robusten Leine führt, erstaunlich gut eingelebt. Vor allem die Nachbarskinder auf seinem Stockwerk, Ferris und Aiden, hatten einen Narren an dem Narg gefressen und Doggra schien die Kinder auch zu mögen und hielt bei den Zweien sein ansonst doch recht aufbrausendes Naturell gut in Zaum.

Aber auch das ist es nicht an das Atevora gerade denkt. Im Geiste ist sie beim nächsten und auch vorerst letzten klaren Punkt auf ihrer Agenda.

Sie hatte vor etwa zwei Siebentagen ein Schreiben an den Lord Commander zustellen lassen in dem sie ihn um eine Unterhaltung unter vier Augen bat und sie hatte darin nicht nur mit ihrem Pseudonym unterschrieben. Ihre Zukunft war mehr als ungewiss, aber da keine Steinfaustoffiziere an ihre Tür klopften, sondern ein Schreiben zurück kam in dem er ihren Wunsch mit einem Datum und einer Uhrzeit bestätigte, entschloss sie vorerst wage optimistisch zu bleiben. Allerdings war sie noch nie jemand der allein auf schale Hoffnung baute. Aus diesem Grund hatte sie zur Sicherheit einiges vorbereitet, sollte sie das Gebäude nicht mehr verlassen und bei Doggra hatte sie dafür gesorgt, dass er mit seinen neuen Gewändern und der in Arbeit befindlichen Lederrüstung, die notfalls Ronan für sie begleichen würde, in Zukunft zumindest optisch kultivierter wirkte. Sollte ihr Dienstverhältnis abrupt enden und er wieder seiner Wege ziehen müssen, würde es ihm hoffentlich in dieser nargenfeindlichen Gegen nützlich sein.

Nach der langen Wegstrecke sehen sie endlich die massiven Mauern der Steinfaust vor sich mahnend in den Himmel aufragen. Das Bollwerk hat auf die Magierin schon lange nicht mehr so bedrohlich gewirkt wie heute. Sie lässt sich von ihrer inneren Anspannung allerdings nichts anmerken und hält unbeirrt auf das eindrucksvolle und mächtige Bauwerk aus Fels und Stein zu. Nur Shafir schaut immer wieder zu ihr hoch und die Magierin bildet sich dabei ein so etwas Sorge in den Braunen Augen lesen zu können.
Die Blicke der Torwachen am Eingangstor sind durchdringend, mehr noch, sie erscheinen Atevora feindlich, doch sie passieren es unbescholten. Nun gibt es kein Zurück mehr.

Rhordri

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Tuesday, April 16th 2013, 8:39pm

Ende Taumond 513

Hinter dem äußeren Tor unter dem mächtigen Vorwerk werden die Magierin und ihr befremdlicher Anhang von niemand anderem als Rhordri in Empfang genommen. Der alte Kastellan der Steinfaust grüßt Lady Shin höflich, wie es seine Art ist, wirft dem Sandnarg und seinem knurrenden Was-auch-immer (es scheint noch ein Welpe zu sein, auch wenn Rhordri nicht sagen könnte, von welcher Art, denn es ist weder Hund, noch Wolf, noch Grasfuchs, noch sonst irgendein hundeähnliches Wesen, das er schon gesehen hat) jedoch nur einen denkbar kurzen Blick zu. Wie alle Herzländer, Talyrer im Besonderen und Blaumäntel im ganz Speziellen ist er auf Narge nicht gut zu sprechen. Nicht nach den blutigen Überfällen, die umherstreifende Banden dieser Brut der Neun Höllen schon seit der Zeit des Blutes und der Kleinkriege wieder und wieder in den einsamen Grenzgebieten der nördlichen Herzlande verüben, nicht nach den Geschichten über sie, mit denen in diesen Landen jedes Kind aufgewachsen ist und erst recht nicht nach Liam Cailidh. Rhordri hat zwei seiner Jungen in Liam Cailidh verloren – nein, er ist tatsächlich alles andere als gut auf Narge zu sprechen. Auf welche, die in seiner Festung auftauchen erst recht nicht. Dennoch lässt er sich nichts davon anmerken, schließlich ist er ein altgedienter Blaumantel und kennt seine Pflicht... und weiß, wie jeder andere, dass es solche und solche gibt. Zahllose Blaumäntel auf den Wällen beobachten die Magierin und ihren Begleiter (und dessen Anhängsel), doch in ihren Mienen ist ebenso wenig zu lesen, wie in seiner. Ihre versteinerten Mienen sagen allerdings mehr als genug. Der Narg müsste schon blind und taub sein, um nicht zu bemerken, dass er wachsam beobachtet wird und auf eine Mauer der Ablehnung stößt. Und wer will es ihnen verdenken? Ich bestimmt nicht. "Lady Shin. Hier entlang, wenn ich bitten darf. Der Lord Commander erwartet Euch. Euer Begleiter wird auf dem Inneren Zwinger bleiben. Er kann hier Eure Rückkehr erwarten. Mit dem... was auch immer er da an der Leine hat."
"You can easily judge the character of a man by how he treats those who can do nothing for him."

Malcolm S. Forbes.

Olyvar

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43

Tuesday, April 16th 2013, 9:18pm

Ende Taumond, im Solar des Lord Commanders


Bis auf den Regen und das Goldglitzerpuder in Shafirs schwarzem Pelz, ist ihr Zusammentreffen an diesem grauen, durchwachsenen Frühlingstag (der eigentlich keiner ist, sieht man von den – endlich! – nicht mehr winterlichen Temperaturen einmal ab) beinahe eine Wiederholung... aber nur beinahe, denn diesmal hatte sie in ihrer üblichen, etwas umständlichen und reservierten Art um ein Gespräch unter vier Augen ersucht... und mit ihrem Namen unterschrieben. Ihrem eigentlichen Namen, den Olyvar als einer von wenigen hier in Talyra kennt. Er hatte natürlich von ihrem neuesten Anhang gehört – wer in Talyra hat das nicht? Wenn ein Sandnarg aus den azurianischen Wüsten in den Straßen der Stadt herumläuft, pfeifen das binnen weniger Stunden die Spatzen von den Dächern, selbst in einer Stadt, in der man den Anblick so einiger fremdartiger Wesen gewohnt ist. Narge sind nun einmal nicht einfach nur fremd und exotisch – dennoch glaubt er nicht, dass ihr Besuch etwas mit ihrem Begleiter zu tun hat. Rhordri bringt die Magierin direkt vom Zwinger in sein Solar, denn sie wird ja bereits erwartet und lässt sie dann allein. Koira und Shafir feiern ein kleines, hündisches Wiedersehen, doch ihr Spiel hält sich dank des wärmeren Wetters und der Tatsache, dass der Larnaker Bärenhund wirklich nicht mehr der Jüngste ist, in überschaubaren Grenzen. Während Koira und Shafir also die Nasen zusammenstecken und allerlei hündische Angelegenheiten bereden – so sieht es jedenfalls aus – bietet Olyvar Atevora einen Platz an einem kleinen Tisch unter einem der hohen Bogenfenster an und setzt sich ihr gegenüber. Sie wirkt äußerlich ruhig und gleichmütig, aber irgendwie... auf eine schwer fassbare Art... scheint sie auch anders als sonst. Er hält sich nicht mit nichtssagenden und überflüssigen Floskeln wie 'Ich habe Eure Nachricht erhalten...' oder 'Was kann ich für Euch tun?'. Dass er ihre Botschaft nicht nur erhalten, sondern ihre Bedeutung auch verstanden hat, ist offensichtlich und dass sie einen guten Grund hat, hier zu sein und mit ihm allein zu sprechen ebenso. Allerdings sieht sie zwar durchaus aus, als habe sie etwas Wichtiges zu sagen, andererseits aber auch, als wäre sie jetzt, in diesem Augenblick, wohl an jedem anderen Ort lieber als hier in seinem Solar. Also trifft er seine Entscheidung, schnell und geradlinig. "In Ordnung. Lassen wir die gegenseitigen Vorbehalte mal für eine Weile beiseite, aye? Wo drückt der Schuh?"
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Tuesday, April 16th 2013, 11:51pm

Atevora ist fast froh, als sie im inneren Zwinger vom Kastellan der Steinfaust erwartet wird, aber das feine Lächeln, das sich aus diesem Grund begonnen hatte auf ihren Lippen auszubreiten, bricht, als er sie zwar höflich, aber nicht begleitet von der warmen Freundlichkeit begrüßt wie es bei ihren letzten zwei Aufeinandertreffen der Fall war. Wie ein enttäuschtes Kind. Du bist albern kleine Magierin. Schilt sie sich selbst ob des Trübsinns der sich deshalb träge heranschleichen und ihren Blick zu Boden richten wollte.

Nach erwiderten kühlen Höflichkeiten folgt sie dem Kastellan über den Innenhof, und tut es dem Nargen gleich damit das Umfeld stoisch auszublenden um sich nicht unnötig aufwühlen zu lassen.
>>"Lady Shin. Hier entlang, wenn ich bitten darf. Der Lord Commander erwartet Euch. Euer Begleiter wird auf dem Inneren Zwinger bleiben. Er kann hier Eure Rückkehr erwarten. Mit dem... was auch immer er da an der Leine hat."<<
Es behagt ihr nicht den Narg hier alleine zurückzulassen. Wir sind hier in Talyra und nicht in.. wir sind hier in Talyra. Es wird ihm hier gewiss keiner eine Falle stellen oder einfach so ein Leid zufügen. Zumindest hofft sie es, denn die beklommene Atmosphäre, da ist sie sich sicher, bildet sie sich nicht nur ob des schweren Ganges der ihr bevorsteht ein. Die Magierin wirft dem Narg ein ehrlich gemeintes, aufmunterndes Lächeln zu. „Keine fliegenden Kobolde in der Zwischenzeit. In Ordnung Doggra?“ Der Narg grinst breit und gibt ihr sein Versprechen. „Gut. Ich bin bald zurück.“ Hoffe ich...
Die letzten Worte unausgesprochen lassend, folgt sie dem Kastellan in die tiefen Eingeweide der Steinfaust und denkt sich im Stillen, dass sich so vermutlich ein Rindvieh auf Weg zum Schlachter fühlen könnte.

„Danke Herr Kastellan.“ Mit den Worten verabschiedet sie sich von Rhordri und betritt das Solar.
Im Inneren wird sie als erstes von des Lord Commanders strengen Blick willkommen geheißen und die Begrüßung fällt denkbar kurz aus. Einen Augenblick streifen Atevoras Augen Shafir wie er von des Commanders Hund freundlich begrüßt wird, und ein Hauch von Traurigkeit schleicht sich in ihre Seele. Wie agil und übermütig Shafir doch im Vergleich dazu letztes Jahr noch war. Mittlerweile ist ihm sein hohes Alter wirklich anzusehen und die Magiern fragt sich wie lange ihm, oder ihr wohl noch bleiben wird, bis er nicht mehr da ist. Du wirst schon wieder albern.. Womöglich würde er sie sogar überleben. Im Moment erscheint ihr das sogar wahrscheinlich. Ronan wird sich gut um dich kümmern alter Junge. Um Via macht sie sich weniger Gedanken. Sie ist sich sehr sicher die Eule würde auch gut ohne sie zurecht kommen. Sie würde sich wahrscheinlich sogar einfach dauerhaft beim Schneider in der Tausendwinkelgasse einquartieren. Beide schienen ohnedies so etwas wie eine stille Übereinkunft des gegenseitigen, freundschaftlich, respektvollen Umganges geschlossen zu haben, wobei sie sich nicht erklären kann wie das geschehen sein mag, denn normaler Weise ist die Schneeeule nicht weniger eigensinnig und schwierig als Atevora selbst.

Als die Eismaid auf dem angebotenem Stuhl Platz nimmt, entdeckt sie auch ihre gefiederte Freundin. Sie sitzt in aller Seelenruhe am Sims der Fenster, als hätte sie schon immer gewusst, dass die Magierin hier die Unterredung führen würde, und darum schon länger hier nur auf sie gewartet.
Gefasst lehnt sich die Magierin zurück, und betrachtet mit steinerner Miene wie sich Olyvar ihr gegenüber ebenfalls hinsetzt.
Einen Atemzug lang ist es so still im Raum, dass man sogar das Geräusch einer auf die Dielen fallenden Nadel hätte hören können, dann kommt der oberste der Steinfaust auch gleich ohne Umschweife auf den Punkt.
>>"In Ordnung. Lassen wir die gegenseitigen Vorbehalte mal für eine Weile beiseite, aye?“<<
Ein Anflug von etwas das ein Lächeln sein könnte zuckt zage über Atevoras Mundwinkel. Vorbehalte beiseite stellen.. Als wäre das so einfach, und doch ist es leichter als man meinen würde, denn wenn sie ehrlich ist, hat sie keine Vorbehalte gegenüber dem Mann der ihr hier gegenüber sitzt. Nur ihr vorheriges Leben, oder frühere Heimat hat nicht unbedingt zu einem gesunden Vertrauensverhältnis gegenüber der Gesetzlichkeit beigetragen.
Vorbehalte beiseite schieben. Aye.
>>„Wo drückt der Schuh?" <<
Atevora atmet durch und beginnt dann in ausnehmend ruhigen Tonfall zu sprechen: „An vielen Stellen.“
Sorge ist ein gemeines Übel. Im Moment sorgt sie sich sogar um das Wohlergehen Doggras. Wann habe ich eigentlich begonnen mich um so viele zu sorgen? Denn, ist sie nicht gerade in dieser Zwickmühle weil sie sich um das Wohlergehen Anderer einmal etwas scherte?
„Das hier ist nicht leicht für mich. Ich habe ein leicht gestörtes Vertrauensverhältnis gegenüber“ allem.. „der Vollziehung und den Regierungsbildenden. Aber ich vertraue Euch und eurem gerechten Urteil. Aus diesem Grund möchte ich eine Aussage zu den Geschnehnissen am Hafen vor einiger Zeit tätigen.“

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Venditius

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Wednesday, April 17th 2013, 10:52am

Die angespannte Stimmung ist Venditius nicht entgangen, auch wenn er sehr bemüht ist dies nicht offen zu zeigen. Die letzten Tage waren eigentlich ganz akzeptabel. Er macht mit dem Training von Morrak bessere
Fortschritte als er es erwartet hatte, auch wenn seine Dienstherrin dies wohl etwas anders sieht. Seine Zuversicht ist zudem gestiegen seit er festgestellt hat, dass man beim Training des Hyaenodon etwas ruppiger und wesentlich dominanter sein muss als man dies gewöhnlich bei Hunden ist.
Venditius vermutet den Grund darin im wilden Naturell der Tiere.

Doch diese Zuversicht weicht im Moment der höchsten Vorsicht. Immerhin befindet er sich gerade in einer gewaltigen Festung die mit Soldaten vollgestopft ist, denen es wohl nur zu recht wäre wenn er diesen Ort
nicht mehr lebendig verlassen würde.

Und zu allem Überfluss musste er seine Dienstherrin Mistress Shin nun auch noch alleine lassen. Sie ohne seine Unterstützung weiter gehen zu lassen widerstrebt ihm zutiefst. Doch er weiß auch, dass es Ihre Position nicht gerade verbessern würde, würde er es hier auf eine Streitigkeit oder gar einen Kampf ankommen lassen. Er hat sogar freiwillig darauf verzichtet, die Streitaxt und das Schild kampfbereit zu halten. Stattdessen trägt er beides locker bei sich.

Die Anweisungen des Offiziers der Stadtwache waren eindeutig. Mistress Shin wird ihm folgen und Venditius hat von Mistress Shin den Befehl zu warten und keine Kampfhandlung zu beginnen. Diese Nachricht hat er durchaus bekommen, auch wenn Sie sie ihm freundlich verpackt übermittelt hat.

Und so muss er sich damit begnügen im so genannten Zwinger zu stehen und sich Morrak zu widmen, ohne jedoch die Augen und Ohren von den zahlreich vorhandenen Wachen zu lassen.

Er ist fest entschlossen, sollte etwas schief gehen, sich den Weg zu seiner Dienstherrin freizukämpfen und auf seinem Weg so viele Soldaten wie möglich mitzunehmen. Er rechnet jederzeit damit, dass eine der Wachen auf ihn anlegt.

Aber solange dies nicht der Fall ist und es auch sonst keinen Hinweis auf einen bevorstehenden Angriff gibt, beschränkt er sich darauf das Training der letzten Tage mit Morrak zu wiederholen. Er hat beschlossen sich mit seinen Kommandos auf die Natur des Hyaenodon einzustellen.

Doch weder Venditius noch Morrak bringen in dieser Situation die nötige Konzentration auf um einigermaßen sinnvoll zu trainieren. Und so belassen Sie es nach einigen vergeblichen Versuchen dabei die Umgebung genau im Auge zu behalten.

„Ganz ruhig mein Kleiner. Du wirst deine Gelegenheit bekommen.“

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