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Meowin

Stadtbewohner

Posts: 79

Occupation: Späher

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136

Tuesday, July 29th 2014, 9:07pm

Der von ihm angesprochene Mann in schwerem Kettenhemd blinzelt Meowin ziemlich müde an. Es ist ihm nicht zu verdenken, wenn er die ganze Nacht unterwegs war. Auskunft gibt er trotzdem, schickt ihn direkt zum Lord Commander und holt ein junges Mädchen heran, das ihm den Weg weisen soll. Dann verschwindet er, um seinen verdienten Schlaf einzuholen.

Mechi, stellt sie sich vor und läuft geschwind auf das Innere der Burg zu. Meowin nennt ihr seinen Namen und folgt ihr. Zuerst schweigt sie etwas schüchtern, aber als sie am Fuß der zweiten Treppe auf ihn wartet, beginnt sie zu reden. Sie will wissen, woher er komme, um gleich darauf mit großen Augen seine Antwort zu hören.
„Das ist aber sehr, sehr weit weg von Talyra... Tragen dort alle solche Kleidung wie du?“
Freundlich beantwortet er ihre Fragen. Sie, sagt sie, als sie einen langen Gang durchqueren, wohne schon immer in Talyra. Und einer ihrer Brüder, erklärt sie stolz, der gehöre zur Wächtergarde. Meowin hat gar keine Gelegenheit, sich über das Kommende groß Gedanken zu machen. Er hört dem Mädchen zu, folgt ihm und entdeckt nebenbei einen Teil der Festung. Ja, die Mauern sind dick und die Decken liegen obwohl weit, bedrohlich schwer über seinem Kopf. Aber sie beeindruckt ihn auch, die Baukunst der Städter, die dieses Gebäude schon tausend Jahre bestehen lässt.

Schließlich sind sie im Westflügel angelangt in einem Gang, von dem Bogenfenster in den Inneren Zwinger blicken lassen. Mechi führt Meowin zu einer von zwei Wachen flankierten, offenen Tür. Gerade stürmen drei Kinder und ein großer Hund heraus. Die einen fröhlich hüpfend, die andere bellend um sie herum tänzelnd entfernt sich die Gruppe.
„Die Kinder des Lord Commanders“, sagt ihm das Botenmädchen.
Dann bringt sie ihn geradewegs in das Zimmer des eben Genannten. Meowin kann sich gerade noch verabschieden, da ist sie schon mit einem Lächeln verschwunden.
Der Wandlerjunge steht nun mitten im Raum, von einigen indigoblau gekleideten Männern umgeben, die Papiere bringen und Befehle holen. Stumm beobachtet er das Treiben und fragt sich, ob es besser sei, wäre er später gekommen oder ob die Geschäftigkeit im Laufe des Tages noch zunehmen würde. Nacheinander verschwinden alle durch die Tür, bis nur noch Meowin übrig ist. Meowin und der Lord Commander.

>Und nun zu… dir, junger Mann.<
Meowin blickt zu dem hochgewachsenen Mann auf, in dem er einen Drachenländer zu erkennen meint. Er sieht ihn sich dieses dunkle Getränk eingießen, das er schon manchmal in den Trinkbechern der etwas Wohlhabenderen hierzulande gesehen hat. Cofea nennen sie es. Höflich grüßt er, während er sich bewusst macht, vor einem der wichtigsten und einflussreichsten Personen Talyras zu stehen. Die vielen, vielen Männer, Frauen und Botenkinder, die durch die Steinfaust wimmeln, unterstehen alle seinem Befehl. Die Gardisten, welche gerade durch die Straßen Talyras ziehen und das Umland durchstreifen noch dazu. Seine grauen Augen, das linke von einer Narbe umrahmt, können sicherlich einen eisigen Blick annehmen, wenn er wütend ist.
Nein, er fühlt sich gerade gar nicht wohl in seiner Haut und seinem Waldkindergewand, aber dann denkt er an die lachenden Kinder Olyvars von Tarascon und an die fröhliche Mechi und dass er bis jetzt zwar viele gehetzte, aber keine unfreundlichen Gesichter in der Steinfaust gesehen hat.
>Was kann ich für dich tun?<, wird er außerdem freundlich gefragt.
Meowin tritt ein Stück an den Tisch heran, das Gewicht auf das rechte Bein verlagernd.
„Ich bin Meowin, Sohn der Waldkinder aus dem Nachtwald“, stellt er sich ein weiteres Mal an diesem Morgen vor. „Man sagte mir, Ihr hättet bereits Waldkinder in die Garde aufgenommen. Ich bin ein guter Späher und Kundschafter, auch ein schneller Bote. Ich...“
Er zögert kurz, denn nun kommt der Grund, weshalb er sich überhaupt in diese Burg gewagt hat.
„Ich bin ein Warg und in zweiter Gestalt ein Cambrion. Dadurch kann ich sehr gut sehen. Und sehr schnell fliegen. Meint Ihr, ich könnte Euch eine Hilfe sein, Lord von Tarascon?“
Meowin blickt den Lord Commander erwartungsvoll an.

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Olyvar

Stadtbewohner

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Occupation: Lord Commander

Location: Steinfaust

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137

Wednesday, July 30th 2014, 2:32pm

"Oh, als Warg und mit der Gestalt eines Cambrions könntest du mir und der Steinfaust und damit auch Talyra ganz sicher eine große Hilfe sein", gibt Olyvar unumwunden zu. "Und man hat dich richtig unterrichtet, Meowin. Ich habe einige Späher der Waldkinder in meinen Diensten. Balain vom Stamm der Steinraben und Gu Leor, einen Erstgeher." Olyvar kennt die Beweggründe des jungen Mannes, sich der Stadtgarde anschließen zu wollen noch nicht, aber das muss seine Absichten nicht weniger ehrenhaft machen. Die Stadtgarde dient der Sicherheit und dem Schutz Talyras und seiner Bewohner, ob Mensch oder anderes Wesen. Ja, es gibt auch Blaumäntel, die nicht in der Stadt oder in ihrem Umland geboren wurden, doch auch für sie ist Talyra ihr Zuhause, ihre Heimat geworden – und sie führen ihre Waffen im Namen dieser Stadt völlig zu Recht. Sie verteidigen sie, wenn es sein muss, beschützen sie, ziehen wenn nötig für Talyra und seine Bewohner in den Krieg und lassen ihre Leben auf dem Schlachtfeld, wenn die Not es erfordert. Vielleicht will auch er ein Zuhause hier finden und seine Fähigkeiten in den Dienst der Allgemeinheit stellen. Das wäre ein sehr ehrbarer Grund - aber auch wenn die Wahrheit viel profaner sein mag, Wargenspäher wachsen nicht gerade auf Bäumen, hier in den Herzlanden erst recht nicht, und Olyvar hat keinerlei Anlass, an Meowins Absichten zu zweifeln, welchen Ursprungs sie auch sein mögen. "Wenn es das ist, was du willst, dann sollst du mir und der Stadtgarde willkommen sein. Drei Monde lang wirst du als Rekrut dienen und auch in verschiedenen Einheiten Dienst absolvieren, ehe du unter Hauptmann Kaney zu den Spähern kommst. In dieser Zeit hast du Gelegenheit, dir den blauen Mantel zu verdienen. Du bekommst Übung an den verschiedenen Waffen der Späher, dem Bogen, dem leichten Speer, der Armbrust oder Dolch und Messer, außerdem erhältst du natürlich Kost und Logis neben deinem Sold. Sind die drei Monde vergangen und du möchtest immer noch der Stadtgarde beitreten, wirst du vereidigt und schwörst Talyra in einem feierlichen Gelöbnis deinen Dienst. Was sagst du?"
And that's the thing about people who mean everything they say. They think everyone else does too.

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Meowin

Stadtbewohner

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Occupation: Späher

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138

Wednesday, July 30th 2014, 8:28pm

Es klingt gut, was Olyvar von Tarascon sagt. Meowin ist willkommen in der Steinfaust und der Stadtgarde, willkommen wie ihn ganz Talyra zu heißen scheint, seit er die Zinnen überflogen hat. Gern würde er es denen, deren Augen schmal werden, sobald sie von der Welt außerhalb ihres Nachtwaldes sprechen, zeigen.
Was sie wohl sagen würden, sähen sie ihn hier stehen, um Späher einer fremden Stadt zu werden? Vielleicht würden manche von Verrat sprechen, doch Meowin verrät sie nicht. Im Herzen ist er ein Waldkind, ein Menschensohn der Erstgeher, aber er ist auch ein Cambrion, der über die Baumwipfel hinausblickt und in das weite Land fliegt. Zuerst und zuletzt ist er ein Geschöpf Ealaras wie alle seines Volkes, genauso wie es der Drachenländer ist, der als Lord Commander der herzländischen Stadt Talyra vor ihm steht. Wie es die Elben sind, die gestern mit ihm am Tisch saßen und wie es der unglaublich reiche Harfenwirtzwerg Borgil ist.
Meowin zählt sechzehn Zwölfmonde. Er ist jung. Doch er hat viel nachgedacht in seinem jungen Leben und ist weit gereist. Nun steht er im Solar des Lord Commanders und möchte Rekrut werden. Ja, er möchte es gern. Vielleicht weiß er es erst in diesem Moment, vielleicht wusste er es auch schon, als er im Larisgrün landete. Talyra soll ein Endpunkt seiner Reise sein. Er glaubt fest, die Weltenmutter habe ihm diesen Weg gewiesen. Das Irgendwann der Rückkehr schwebt so weit fort, dass Meowin es gerade noch festhalten kann. Aber er schaut Olyvar von Tarascon froh und entschlossen an. Wenn, wenn er es bereuen sollte, dann kann er nach drei Monden nein sagen, weiß er dabei.

„Das hört sich... großartig an, Mylord! Ich will sehr gern Rekrut der Talyrer Stadtgarde werden – und nach drei Monden ein Späher. Im Bogenschießen bin ich bereits geübt, auch wenn es eine Weile her ist“, sagt er lächelnd. „Ich stamme auch von den Erstgehern“, fügt er hinzu.
Gu Leor... Meowin fällt kein Gesicht zu diesem Namen ein. Er muss den Stamm schon vor langer Zeit verlassen haben. Aber dass einer der Erstgeher zur Spähergarde gehört, macht die Entscheidung, die er jetzt trifft, leichter.
„Ich hoffe, Euch nicht zu enttäuschen.“
Wieder zögert er und sagt etwas, dessen Antwort er ein bisschen unsicher erwartet.
„Ich möchte ehrlich zu Euch sein, Mylord. Auch wenn Kost und Logis frei sind, würde ich nicht gern in der Steinfaust wohnen. Wenn es möglich wäre... Zurzeit wohne ich in einem kleinen Zimmer in der Goldenen Harfe.“
Dann deutet er auf sein linkes Bein.
„Und... Nun ja, ich kann schnell fliegen, aber nicht schnell rennen.“

Bregond

Herr Bergland

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Occupation: Silberschmied

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139

Thursday, July 31st 2014, 4:05pm

Zur Mittagszeit kommt Bregond am Tor der Steinfaust an, das er nicht einfach hinein marschieren kann und einen Verantwortlichen sprechen kann wird ihm erst jetzt bewusst. Dieses Gebäude ist ebenso Eindrucksvoll wie es groß ist. Kurze Zeit beobachtet er den regen Fluss an Besuchern,Arbeitern und Soldaten die das Tor passieren, ein jeder wird gemustert und kurz befragt bevor die Wachen ihn durchlassen, oder aber auch nicht! Der Elb strafft die Schultern, zupft noch einmal seine Kleidung zurecht und überprüft seinen Waffengurt, nicht das es etwas an seinem abgerissenen Eindruck ändert hat er doch die selbe Kleidung an wie in den Kanälen, auch wenn die netten Damen des Hauses der Heilung sie gewaschen haben. Die Risse und sogar das ein oder andere Brandloch sind deutlich zu sehen. Bregond zuckt mit den Schultern und geht auf das Tor zu um sich in eine kurze Reihe einzugliedern. Vor ihm ist ein Bäckerbursche mit einem Weidenkorb voller frischer Brote, der junge Mann der scheinbar selber sein Naschwerk kostet schwitzt in der Mittagssonne und verflucht leise die Wachsamkeit der Garde, schließlich würde er jeden Tag das Brot liefern und das nicht einmal. Bregond hört nicht hin, er hatte sich vorgenommen das ganze zu einem sauberen Abschluss zu bringen, dazu gehörte nun einmal die örtlichen Behörden informiert werden, auch wenn es ihm davor graust sich mit den Blaumänteln auseinander zu setzen. „ Was ist euer Begehr Herr Elb?“ reißt ihn eine Stimme aus seinen Gedanken.
Bregond räuspert sich, strafft noch einmal die Schultern und schaut der Wache geradeheraus ins Gesicht. Der bärtige Mann ist Mitte dreißig und ein gestandener Wachsoldat er hat schon so manches Ding gesehen und tatsächlich scheint er sich sogar an Bregond zu erinnern. „ Mein Name ist Bregond, wenn es die Zeit des Lord Comanders erlaubt würde ich gerne mit ihm sprechen. Mir ist durchaus bewusst das dies wahrscheinlich viele Leute wollen, und es wahrscheinlich ebenso viele mit dem Satz versuchen, es sei wichtig. Ich bin mir sicher das Olyvar von Tarascon gerne hören möchte was ich zu berichten habe.“
Kurz hält die Wache inne, mustert ihn von oben bis unten „ Ihr seht aus, als hättet ihr eine Geschichte zu erzählen.“ Er winkt einen der Botenjungen zu sich. „ Bring diesen Elb ohne Umwege zum Lord Comander.“ Der junge nickt eifrig auch wenn er angesichts eines schwarzen Elben schwer schlucken muss. Dann führt er ihn durch die Gänge der Steinfaust.
Scharfe Schwerter schneiden sehr, scharfe Zungen noch viel mehr.

Olyvar

Stadtbewohner

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140

Friday, August 1st 2014, 8:53am

Grünglanz 514, mit Meowin im Solar des Lord Commanders

>Das hört sich... großartig an, Mylord! Ich will sehr gern Rekrut der Talyrer Stadtgarde werden – und nach drei Monden ein Späher.< Die ganz offensichtliche Begeisterung Meowins lässt Olyvar leise in sich hineinlächeln. Seine spontane Bereitschaft mag von anderen vielleicht als naiv belächelt werden, aber es gehören ganz andere Dinge dazu, sich selbst und seine Fähigkeiten ohne weiteres und ohne Zögern in den Dienst der Allgemeinheit zu stellen. Diese Art Pflichtbewusstsein ist ein seltener und achtenswerter Charakterzug, den man nicht an vielen findet und Olyvar weiß das zu schätzen. Natürlich ist Meowin jung und würde noch viel zu lernen haben, aber das schmälert nicht den Wert seines Ansinnens. Der junge Mann der Waldkinder redet noch ein wenig über seine Fähigkeiten als Bogenschütze und verrät, dass auch er von den Erstgehern stammt, etwas, das Gu Leor bestimmt freuen würde und Olyvar ist schon drauf und dran, Mechi zurückzurufen, damit sie Meowin zu Rhordri bringen würde, als dieser noch einmal das Wort ergreift: >Ich möchte ehrlich zu Euch sein, Mylord. Auch wenn Kost und Logis frei sind, würde ich nicht gern in der Steinfaust wohnen. Wenn es möglich wäre... Zurzeit wohne ich in einem kleinen Zimmer in der Goldenen Harfe.< Und mit einem vielsagenden Seitenblick auf sein linkes Bein, das lahm oder verkrüppelt zu sein scheint fügt er hinzu, dass er zwar schnell fliegen, aber nicht schnell rennen könne. "Ich verstehe", erwidert Olyvar leise und blickt einen Moment nachdenklich auf Meowins Füße. Wenn er einfach nur steht, so wie jetzt und zudem eine Leinenhose trägt, ist es ihm nicht großartig anzusehen, aber wenn er läuft, merkt man, dass er ein wenig hinkt. Es war Olyvar schon aufgefallen, als er das Solar betreten hatte. Doch so wie der Junge jetzt darüber spricht, klingt es nicht nach einer Verletzung, die ihn vorübergehend langsamer machen und wieder verheilen würde, sondern nach etwas, das ihm bleibt… oder mit dem er schon lange lebt. "Du musst nicht hier leben, wenn du das nicht willst. Die meisten jungen Rekruten und unverheirateten Blaumänteln tun es aus praktischen Gründen, aber es ist keine Vorschrift. Meowin, auch ich will ehrlich zu dir sein: Was stimmt mit deinem Bein nicht? Versteh mich nicht falsch, es ist nicht zwangsläufig ein Hindernis, um als Späher für die Steinfaust Dienst zu tun, aber ich muss wissen, ob du damit zurechtkommst. Denn deine Kameraden müssen sich auf dich verlassen können, deine Vorgesetzten müssen sicher sein, dass du erfüllen kannst, was sie dir auftragen und später werden vielleicht Leben davon abhängen, verstehst du? Es darf dich nicht so beeinträchtigen, dass du deine Pflichten nicht ausüben kannst. Wenn es eine alte Verletzung ist, die man heilen kann, können die Anirani es sich gern ansehen und etwas dagegen tun, wenn du das wünschst."
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Meowin

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141

Saturday, August 2nd 2014, 2:28pm

Grünglanz 514, im Solar des Lord Commanders

>Ich verstehe<, sagt der Drachenländer vor ihm.
Alles kann er damit meinen und verrät trotzdem nichts. Nur ein kleiner Moment vergeht, ehe er weiterspricht, doch er fühlt sich viel größer an. Die folgenden Worte erleichtern Meowin zunächst. Er müsse nicht in der Steinfaust leben. Und sicher würde der Lord Commander darüber kein Wort verlieren, wenn er ihn gleich wegen seines Beines fortschicken wollte. Die erste Frage ist schnell geklärt. Dann... will auch Lord von Tarascon ehrlich sein.
„Es ist schon immer so“, erklärt Meowin schließlich, ganz so, als habe er das bereits tausendmal gesagt. „Schon immer und deshalb habe ich nichts verloren, aber auch kein Aniran kann es „heilen“. Nur Ea weiß, was die Ursache ist. Mein linkes Bein ist nicht so stark wie das rechte und ein bisschen... verdreht. Aber ich kann gut damit leben und werde meine Pflichten erfüllen. Sie“ – er meint die Kameraden wie die Vorgesetzten – „können sich auf mich verlassen.“
Er sagt es so und meint es auch ernst, doch ein Satz des Lord Commanders, ein berechtigter Einwurf, lastet schwerer als die anderen.
>...und später werden vielleicht Leben davon abhängen, verstehst du?<
Ja, was wäre wenn...? Er könnte es nicht ertragen. Vielleicht triebe ihn dieser Satz hinaus, wäre er ein Anderer und nicht Meowin aus dem Nachtwald, aber dieser ist er nun einmal. Du wirst nie allein sein, erinnert er sich. Er sollte Vertrauen in die ihm gezeigten Wege haben und auch Vertrauen in sich selbst. Wenn seine Füße den Halt verlieren, dann hat er immer noch ein Paar Flügel. Er sieht sich nie nur als Menschenjunge.
„Ich möchte noch immer Rekrut werden, Mylord.“

Olyvar

Stadtbewohner

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142

Sunday, August 3rd 2014, 9:49pm

Sturmwind 514, im Solar des Lord Commanders

"Bregond, der dunkle Elb", Olyvar mustert sein Gegenüber mit unergründlichem Gesichtsausdruck, aber sehr aufmerksam. Soweit er es beurteilen kann, hat sich der seltsame Elb mit der ebenholzfarbenen Haut, dem schlohweißen Haar und den großflächigen Brandnarben im Gesicht in den letzten zehn Jahren äußerlich kaum verändert. Selbst sein zerbrechlich aussehendes Schwert trägt er noch – obwohl Olyvar, der es während Bregonds Kerkerhaft in Verwahrung hatte, weiß, dass Schattentod alles andere als zerbrechlich und zudem rasiermesserscharf ist, auch wenn die Klinge im Vergleich zu einem Langschwert der Menschen nahezu lächerlich dünn aussieht. "Ich habe von Varin schon gehört, dass Ihr wieder in Talyra seid – aber ich hätte nicht gedacht, dass wir beide uns so schnell wieder sehen." Die 'Stille Post' funktioniert an keinem anderen Ort Talyras so gut wie innerhalb dieser Mauern – die Harfenküche vielleicht ausgenommen – so dass Olyvar also bereits darüber informiert ist, was Bregond den Torwachen erzählt hatte: nämlich dass ihm etwas furchtbar unter den Nägeln brennt, das er - aus welchen Gründen auch immer – ausgerechnet ihm, dem Lord Commander persönlich erzählen will. Varin hatte zwar etwas davon gesagt, dass der Elb im Haus der Bücher behauptet hätte, er 'versuche ein ehrbares Leben zu führen und die Vergangenheit hinter sich zu lassen', aber Olyvar hofft trotzdem inständig, dass Bregond nicht hier ist, um ihm zu gestehen, er habe in angeblicher Notwehr einen fetten, verängstigten Hehler erstochen und würde sich jetzt gern stellen. Er weist dem Elben mit knapper, aber nicht unfreundlicher Geste einen ledergepolsterten und mit schweren Schitzereien verzierten Armlehnstuhl aus dunkler Mooreiche und setzt sich ebenfalls. "Ich hörte, Ihr habt eine äußerst wichtige Geschichte zu erzählen, die ich unbedingt hören möchte?"
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Olyvar

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Sunday, August 3rd 2014, 10:06pm

Grünglanz 514, mit Meowin im Solar des Lord Commanders

Meowin versichert ihm, dass sein Bein ihn nicht beeinträchtigen würde – jedenfalls nicht, wenn es darauf ankäme und nicht in allen wichtigen Belangen, und Olyvar ist damit zufrieden. Er hat gehört, was er hören musste und er ist gewillt, dem Jungen eine Chance zu geben, denn seine Absichten scheinen wirklich ernsthaft und grundehrlich zu sein. Abgesehen davon ist seine Andersgestalt nun einmal ein Cambrion – und wer bei klarem Verstand und in seiner Position würde auf einen Späher mit Flügeln und so scharfen Augen verzichten? Niemand. "Nun gut, Meowin vom Stamm der Erstgeher, dann bist du ab sofort offiziell ein Rekrut der Steinfaust und Anwärter auf einen blauen Mantel. Dein Sold wird in der Zeit, in der du Rekrut bist, 50 Silberlinge im Mond betragen. Kost und Logis wären frei, da du sie aber nicht beanspruchst, erhältst du keine Ersatzzahlungen dafür. Ausrüstung und Kleidung werden dir gestellt, wenn du das wünschst. Für alle Fragen in diesen Angelegenheiten wendest du dich am besten an Rhordri. Rhordri, mein Kastellan, wird dich mit allem nötigen versorgen. Dein Sold wird am ersten jedes Mondes ausbezahlt – ebenfalls bei Rhordri. Dein Dienst beginnt am morgigen Tag zur Stunde des Morgenrots. Hast du noch Fragen?"
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Meowin

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144

Monday, August 4th 2014, 9:51am

Grünglanz 514, im Solar des Lord Commanders

Der Lord Commander ist zufrieden mit seiner Antwort – und Meowin nun ein Rekrut der Steinfaust! Freude und Aufregung spiegeln sich auf seiner Miene und gleichzeitig glänzt Ernsthaftigkeit in seinen dunklen Augen. Noch hat er keinen Eid zu leisten, noch trägt er ihn nicht, den blauen Mantel, aber dieser Moment bedeutet schon einen großen Schritt in seinem Leben. Er hört Olyvar von Tarascon zu, der ihm erklärt, wie viel Sold er erhalten würde. 50 Silberlinge! Es klingt nach einer Menge Geld für Meowin, der unter den Waldkindern aufwuchs, die nur Waren und nie Münzen tauschten. Dabei weiß er inzwischen, dass nicht viel übrig bleiben wird, wenn er sein Zimmer und Mahlzeiten davon bezahlen will. Aber deshalb sorgt er sich im Moment nicht groß. Das Angebot, Ausrüstung und Kleidung zu erhalten, wird er natürlich annehmen, denn selbst besitzt er nicht viel, so hat er auch keinen Bogen mehr bei sich.
„Vielen Dank, Lord von Tarascon! Ja, ich habe eine Frage: Bei wem soll ich mich morgen zum Dienst melden?“

Bregond

Herr Bergland

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145

Monday, August 4th 2014, 2:14pm

Sturmwind 514, im Solar des Lord Commanders

Der Bote führt Bregond direkt ins Solar des Lord Commanders, dem Mann den Bregond eigentlich nie wieder begegnen wollte. Sein gegenüber mustert ihn eingehend mit seinen grau-blauen Augen die ihn nicht verurteilen. In den zehn Jahren ist er hat er sich verändert, wie genau weiß der Elb noch nicht zu sagen, vielleicht ist er ruhiger geworden oder er weiß seine Gefühle und Regungen nur besser zu verbergen. Gelassen berichtet er ihm von der Stillen Post in der Steinfaust und Bregond ist nicht überrascht das sein Begehr schon vor ihm dem Commander zugetragen worden ist. Der große Ledersessel ist schwer und kostbar, der Elb lässt seine schlanken Finger über die Schnitzereien wandern. „ Ich danke euch für eure Zeit, und ich will euch nicht länger als nötig von euren Pflichten abhalten. Die Geschichte die ich euch Erzählen möchte, nein erzählen muss beginnt schon vor einigen Wochen. Vielleicht hätte ich vorher mit euch reden sollen, nur wie es meist in solchen Geschichten ist meint man selber am Anfang noch alles im Griff zu haben. Wie euch vielleicht Varin schon berichtet hat mich auf dem Weg zum Wolfsmarkt eine wie ich dachte Dämonin in ihren Bann gezogen“ während er redet behält er Olyvar im Auge, versucht sachlich und ausführlich alles zu berichten was er noch von dem Weibsbild weiß bis hin zu dem Zeitpunkt in der großen Bücherei und der Unterredung mit Lorwen der Druidin, die ihn aufklärte das sich keinesfalls eine Dämonin unterhalb Talyras aufhalten würde. Bregond erzählt von Skor und Lyona wie sie in seiner Abwesenheit den Turm hergerichtet hatten. Berichtet das sie sich vorgenommen hatten nach reichhaltiger Vorbereitung und umfangreichen Vorsichtsmaßnahmen in die Kanäle hinab zu steigen. Den Lorwen wollte sichergehen und nachprüfen wer Bregond über Wochen unter ihrem Bann gehalten hatte. Doch dann war alles anders gekommen, sein Begleiter und Freund Skor wollte sich beweisen, wollte Held spielen und ist alleine losgezogen.
Bregond erzählt die ganze Geschichte, angefangen vom Treffen mit Leacarn dem Nordmann in seinem alten Teeladen, über den geheimen Zugang die Räuber und ihre Suche nach Skor. Den Hinterhalt durch den Blutelben und deren Tod, als Beweis gibt er Olyvar den Juwelenanhänger den er Xa abgenommen hatte. „ Lorwen meinte er wäre mit Runenmagie belegt“ Auch von den Flüstergrotten berichtet Bregond, von der schier greifbaren Stille und den eisigen Tiefen, das sie schließlich dort ihren Freund vorgefunden haben grausam verstümmelt und dem Tode nah. Nichts lässt er aus, mit fester Stimme spricht er von dem verrückten Zwerg von seinem Verdacht das dieser verbotene Experimente an Menschen durchführt. Sagt ihm was Zerwas ihm über den Schmugglerring erzählt hat und in welcher Verbindung er zu Maarid stand, der Anführerin der Schmugglerbande.
„ Lyona,Skor und Zerwas Rimbold halten sich zur Zeit im Haus der Heilung auf, wenn ihr meine Worte überprüfen wollt. Ich hoffe das auch die Druidin und der Nordmann einen Weg hinaus gefunden haben, obwohl ich mir sicher bin das Lorwen wußte was sie tat.“ Kurz räuspert sich Bregond „ Ich denke dies war ein Bericht der für die Ohren des Lord Commanders bestimmt war. Skor war ein Narr und musste einen schrecklichen Preis für seine Naivität bezahlen, doch noch ist seine Zeit nicht gekommen dem Herrn der Raben gegenüber zu treten. Inari hat ein Auge auf ihn und Lyona, dessen bin ich mir sicher auch wenn sie es sich noch nicht eingestehen möchte.“
Der Bericht hat sich länger hingezogen als gedacht, doch Olyvar hatte ihn bis hier hin noch kein mal Unterbrochen, er hatte schweigen dagesessen und ihm zugehört. Bregond wird sich bewusst das er ihm auch keine Gelegenheit gelassen hatte, hatte er doch ohne unterlass geredet. Schweigend und erwartungsvoll sitzt er nun da, zum ersten mal in seinem Leben glaubt er, nein ist er fest davon überzeugt das richtige getan zu haben.
Scharfe Schwerter schneiden sehr, scharfe Zungen noch viel mehr.

Olyvar

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146

Wednesday, August 6th 2014, 10:22am

Grünglanz 514, mit Meowin im Solar des Lord Commanders

"Auch bei Rhordri", erwidert Olyvar und unterdrückt ein Grinsen – die Begeisterung des jungen Erstgehers ist einfach zu ansteckend. "Du wirst in deiner Rekrutenzeit bei verschiedenen Einheiten der Blaumäntel lernen – die Maulwurfsgarde, die Lanzer, die Schweren Reiter und alle anderen… auch wenn schon feststeht, dass du als Späher Dienst tun wirst. Wir machen das mit allen Rekruten, damit sie die Aufgaben der anderen und die üblichen Arbeitsabläufe kennen lernen, und natürlich auch, um Kameradschaft und Miteinander zu fördern. Du wirst schnell feststellen, dass diese Stadtgarde etwas anders ist, als andere - und das meine ich im besten Sinn. Morgen gehst du jedoch als erstes zu den Kämmerern, die Rhordri als Kastellan der Steinfaust unterstehen. Die Kämmerer besorgen alle logistischen Belange, kümmern sich um Versorgung, Ausrüstung und die Festung selbst. Jeder neue Rekrut, der nicht von Kindesbeinen an in der Steinfaust war, geht als erstes zu den Kämmerern, denn es ist die schnellste und effektivste Möglichkeit, die wir haben, dass Neulinge die Festung kennenlernen und sich alle Wege gut einprägen. Du hast Teile der Burg gesehen, als du hergebracht wurdest, doch sie ist viel größer und weitläufiger, als du jetzt glaubst. Aber auskennen muss sich hier jeder Blaumantel und auf einen Kämmerer wartet niemand. Wenn du dich also das dritte Mal verlaufen hast und hundert Liegestützen dafür machen oder drei Tage lang Latrinen putzen musst, passiert es dir nicht mehr." Olyvar ist nicht ohne Mitgefühl für den jungen Mann, aber ein Siebentag bei den Kämmerern hat noch keinem Rekruten geschadet, im Gegenteil.
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Meowin

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Sunday, August 10th 2014, 2:12pm

Grünglanz 514, im Solar des Lord Commanders

Sicher stellt sich Meowin mehr als eine Frage, auch wenn er nicht alles hier und jetzt fragt, was ihm in den Sinn kommt. Er vertraut darauf, dass sich das Meiste in den nächsten Tagen finden wird. Natürlich ist er nicht böse, als der Lord Commander noch einmal zu Erklärungen ansetzt.
>Du wirst in deiner Rekrutenzeit bei verschiedenen Einheiten der Blaumäntel lernen – die Maulwurfsgarde, die Lanzer, die Schweren Reiter und alle anderen...<
Maulwurfsgarde... Das hört sich nach Graben an. Die Schweren Reiter klingen nach viel Metall und einigen Waffen. Meowin ist ein Späher, kein Krieger, auch wenn er gelernt hat, zu kämpfen. Aber er gibt Lord von Tarascon Recht, es kann nur gut sein, auch die Aufgaben der Kameraden kennenzulernen. Obwohl er nicht wirklich weiß, was auf ihn zukommt, sät die Ungewissheit mehr Neugier als Zweifel und Furcht.
Wie soll ich merken, dass diese Stadtgarde anders ist, wenn ich keine andere kenne?, fragt er sich noch und beschließt dann >im besten Sinn< als Bestätigung zu nehmen, am richtigen Ort zu sein.

Mit Rhordri wird er viel zu tun haben. Er sorgt also nicht nur für seine Ausrüstung, sondern auch für seine Befehle in der nächsten Zeit. „Kastellan“ nennt der Lord Commander ihn, „Kämmerer“ die ihm Unterstellten. Es sind neue Begriffe für Meowin und bestimmt hätte er nachgefragt, wenn sie sich ihm nicht in den folgenden Worten erklärten.
Versorgung, Ausrüstung, Festung kennenlernen sollen seine Aufgaben im nächsten Siebentag sein. Verlaufen werde ich mich besser nicht. Die Folgen klingen nicht sehr verlockend. Aber Meowin ist ein Waldkind und kann sich auch in Menschengestalt schnell und sicher orientieren. Er wird es schon schaffen.
„Ich werde morgen zur Stunde des Morgenrots bei Rhordri sein. Darf ich fragen, bis zu welcher Stunde mein Dienst täglich dauert?“

Olyvar

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Sunday, August 17th 2014, 8:13pm

Sturmwind 514, im Solar des Lord Commanders

Auch wenn er die Meinung des schwarzhäutigen Elben, dass unbedingt er diese Geschichte hören musste nicht wirklich teilt – er hätte sie auch Rhordri oder Ced, Varin oder sonst irgendeinem Offizier der Stadtgarde erzählen können – lässt Olyvar Bregond reden, ohne ihn auch nur ein einziges Mal zu unterbrechen. Tatsächlich weiß er bereits von dem vermeintlichen "Dämonenbann", doch Varin hatte ihm versichert, eine Druidin namens Lorwen, habe alles bestens im Griff und jede angebotene Unterstützung abgelehnt…. man könnte auch sagen, die Elbin habe sich jede Einmischung verbeten. Natürlich bleiben einige Fragen offen, aber nicht so viele, wie Olyvar insgeheim schon befürchtet hat und von einigem hat er aus ganz anderen Quellen bereits gehört, ohne dass die Puzzleteilchen bisher einen Sinn ergeben hätten. Eine Blaumantelpatrouille hatte einen großen Mann beobachtet, der eine verwundete Elbin in das Haus eines stadtbekannten Aniran gebracht hatte. Er hatte vielleicht nicht unbedingt die Bezeichnung "Normander" auf der Stirn stehen, aber Olyvar weiß aus eigener Erfahrung, dass die Angehörigen dieses Volkes auch nicht alle gleich aussehen… und die beiden, die er näher kennt, sind zwar riesig und unverkennbar, aber beide nicht blond. Wenn man mir alle drei in einer Reihe aufstellen und ich sie nicht kennen würde, würde ich nur Colevar für einen Normander halten – und der ist keiner.

Was die Druidin und diesen Learcan angeht, kann er also wohl Licht ins Dunkel bringen. Die Namen einiger der Schmuggler, die Bregond erwähnt hat, sind ebenfalls alles andere als unbeschriebene Blätter - auf ein paar von ihnen steht sogar ein stolzes Kopfgeld aus. Wenn sich das alles so zugetragen hat und das glaube ich ihm sogar, dann scheint er seinen Lebenswandel wirklich ernst zu meinen… Doch auch wenn er Bregond Glauben schenken mag, nachprüfen würde er die Worte des dunkelhäutigen Elben auf jeden Fall, außerdem muss sichergestellt werden, dass die Flüstergrotten tatsächlich vollkommen eingestürzt sind… jeder mögliche Zugang muss gefunden und verschlossen werden. Am besten von einem Erdmagier und ein paar Sappeuren, die wissen, was zu tun ist.

Während Olyvar also in Gedanken bereits alles nötige veranlasst, beendet Bregond seine lange Erzählung mit den Worten, dass Inari ein Auge auf diesen Skor und seine Lyona habe, auch wenn beide davon noch nichts wissen wollten. Olyvar schnaubt leise und weiß aus sehr persönlicher Erfahrung, dass jeder, der ein halbwegs friedliches Leben führen will, die Aufmerksamkeit irgendeines Gottes tunlichst vermeiden sollte. Die Zwölf mögen die Götter Rohas sein, aber selbst sie als die vermeintlich 'guten' großen Mächte stehen für eine ganze Reihe unschöner und grausamer Eigenschaften, und in ihrem Schatten töten Ritter, Templer, Priester und Druiden. So wie du im Namen Brans, eines Gottes, des Herren des Krieges und der Schlachtfelder, des Blutdurstes und der Kampfkünste, des Schwerttanzes und der wilden Raserei. Nun, er hat sich dieses Leben nicht ausgesucht und inzwischen haben sie sich ganz gut arrangiert, Bran und er… aber das heißt nicht, dass er sich nicht hin und wieder nach dem einfachen Leben eines Zimmermannes sehnen würde. Als er aufblickt, sieht er in Bregonds angespanntes Gesicht, dessen vernarbte Wange verräterisch zuckt im Bemühen, sich die nervöse Erwartung möglichst nicht anmerken zu lassen. Aber er sieht auch die feste Entschlossenheit in den dunklen Augen seines Gegenübers und plötzlich weiß er, worauf der Elb wartet – auf Bestätigung. Er muss von mir hören, dass er das richtige getan hat. Olyvar mag dem neuen Bregond-Frieden noch nicht vollkommen trauen, aber dass der Elb nicht gelogen hat, weiß er. Trotzdem schweigt er noch eine Weile und das erste, das er sagt, als er schließlich das Schweigen bricht, ist: "Der Zugang in Eurem alten Geschäft in den Tausendwinkelgassen…"

"Muss verschlossen werden. Zu gefährlich", erwidert Bregond prompt und Olyvar nickt. "Ich schicke Cinneídinn Bronzedraht und ein paar seiner Sappeure, die sich darum kümmern werden. Dieser Zerwas… glaubt Ihr, er hat tatsächlich die… Seiten gewechselt?" Jetzt ist es an Bregond, eine Weile zu schweigen, doch dann nickt er. "Nun, wir werden sehen. Ihr habt auf jeden Fall Recht daran getan, mit Eurer Geschichte zu mir zu kommen. Auf den Blutelben, den Ihr erwähnt habt, steht ein Kopfgeld ausgeschrieben. Und auf einige andere dieser Schmuggler auch, wenn mich meine Erinnerung nicht trübt. Aber die Steckbriefe sind alt, ich muss sie erst heraussuchen lassen. Außerdem werde ich einen Trupp ausschicken, die Flüstergrotten zu untersuchen. Das wird eine gewisse Zeit in Anspruch nehmen, doch wenn alles geklärt ist, lasse ich Euch eine Nachricht zukommen, damit Ihr und wen Ihr noch für würdig erachtet, herkommen könnt, um Euch das Kopfgeld auszahlen zu lassen. Ach ja, eure Druidin und der Nordmann sind, soweit mir bekannt, im Haus Maester Arkendirs. Jedenfalls wurde ein großer Mann dabei beobachtet, wie er eine elbische Druidin dorthin gebracht hat. Das hilft Euch vielleicht weiter."
And that's the thing about people who mean everything they say. They think everyone else does too.

The good thing about mages, I find, is that they die much like any other. You need to worry about what happens before that.

Arwen

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Occupation: Hohepriesterin der Anukis

Location: Vinyamar

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149

Tuesday, December 22nd 2015, 12:09am

~ 5. Beerenreif 2015 FZ ~


<-- Vinyamar


Den Weg durch die Straßen der Stadt legen die beiden Elben ebenso schweigend zurück, wie sie aufgebrochen sind. Die Gedanken Arúens schweifen immerwieder zum vergangenen Tag ab, zum Morgen ebenso wie zu den entspannten Stunden des Nachmittags, den sie zu dritt im Garten Vinyamars verbracht haben. Von Vinyamar aus müssen sie einmal quer durch die Stadt, mehr als genug Zeit also für Arúen um mit ihren Gedanken allein zu sein - und um den Grund für ihren Besuch in der Steinfaust noch für eine Weile zu verdrängen. Es ist noch recht früh am Tag, die Betriebsamkeit Talyras setzt gerade erst ein und so sind die Straßen erfreulicherweise noch recht leer. Nur selten müssen sie einem Fuhrwerk oder anderen Reitern ausweichen und so dauert der Weg zur Festung der Stadt nicht so lange wie zu anderen Stunden eines Tages.

Am Stadttor der Steinfaust stehen wie zu jeder Stunde des Tages zwei Blaumäntel auf ihrem Posten, bewachen das Tor und damit den Zugang zur Feste und fragen jeden Besuch nach seinem Begehr. Und da machen sie auch keine Ausnahme, als eine Stadträtin und ihr Begleiter vor ihnen die Pferde zügeln und absteigen, wenngleich das "Wer, woher und wohin?" vermutlich kürzer ausfällt als bei manch anderem.

"Die Götter zum Gruße. Was führt Euch hierher?"
"Auch Euch die Götter zum Gruße", neigt Arúen den Kopf vor den beiden Blaumänteln, "Ich möchte bitte zu Sire Rhordri. Ich muss noch eine Aussage zu dem Überfall am Smaragdstrand machen."
"Sire Rhordri? Ich lasse Euch zu ihm führen."

Der Blaumantel winkt eines der Botenkinder, die sich in der Nähe im Schatten der Mauern aufhalten zu sich und weist es an, die beiden Elben zur Halle des Kastellans, zu Sire Rhordri zu führen. Der Bursche nickt nur und wendet sich dann an Arúen. "Wenn Ihr mir bitte folgen wollt, M'Lady." Der Menschenjunge führt sie allerdings nicht direkt über den Äußeren Zwinger, sondern führt sie zuerst in Richtung der Stallungen und winkt dann einen der Stallburschen heran, damit der die beiden Pferde übernimmt und an der Stallmauer anbindet, wo sie Schatten und Wasser haben. Während der Wallach des Klingentänzers sofort mit dem Pferdeburschen mitgeht, steht Shur stocksteif bis Arúen es ihm erlaubt.

Der Weg über den Äußeren Zwinger ist Arúen ebensowenig unbekannt wie der zur Halle des Kastellans. Aber sie kennt auch die Gepflogenheiten hier in der Steinfaust und folgt dem rothaarigen Burschen ebenso wie Elthevir, dessen Blick aufmerksam alles um sich herum beobachtet. Sobald sie das Vorwerk des Inneren Zwingers erreichen und durch den Torbogen treten ist es nicht mehr weit. Vor einer breiten Doppeltür aus beschlagener dunkler Mooreiche bleibt der Bursche kurz stehen. "Wen darf ich anmelden, M'Lady, und welche Angelegenheit soll ich Sire Rhordri nennen?" "Sagt ihm, Lady Arúen käme wegen dem Überfall am Smaragdstrand vor zwei Tagen. Er wird wissen, warum es geht." Der Rotschopf nickt knapp, klopft dann an der Tür und tritt ein, nachdem er von drinnen dazu aufgefordert wird.
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Die, die grundlegende Freiheiten aufgeben, um vorübergehend ein wenig Sicherheit zu bekommen, verdienen weder Freiheit noch Sicherheit.
[Benjamin Franklin, (1706 - 1790)]

Rhordri

Stadtbewohner

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Occupation: Kastellan der Steinfaust

Location: Talyra

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150

Monday, December 28th 2015, 12:41pm

5. Beerenreif 515

In der Halle des Kastellans

Rhordri, der keine Ahnung hat, wer da gerade vor dem Solar des Kastellans – jener kleinen Halle im Vorwerk des Tors zum Inneren Zwinger, wo er Bittsteller, Boten, Kämmerer, Blaumäntel und alle anderen empfängt, die irgendein dringendes Anliegen an die Stadtgarde oder den Lord Commander haben – steht und auf Einlass wartet, starrt den Botenjungen (es ist der schlaksige Arwel, der im Zwölfmond drei paar Schuhe verbraucht, weil er so schnell wächst) vor ihm aus brennenden Augen an und schnappt schockiert nach Luft. Die Nachricht, die er gerade erhalten hat, ist eigentlich ein Anlass zur Freude, genau genommen sogar ein Anlass dazu, auf der Stelle sämtliche Flaggen hissen, die Trommeln schlagen und Herolde durch die Straßen der Stadt schicken zu lassen… doch was die knappe Botschaft noch enthält dient eher dazu, Rhordris Kinnlade auf seine breite Brust sinken zu lassen und seinen Herzschlag in bedenkliches Ruckeln zu verwandeln. Heiße Freude und ungeheure Erleichterung streiten sich also gerade mit Unglauben, rechtschaffener Empörung und absoluter Fassungslosigkeit auf seinem breiten, gutmütigen Gesicht um den besten Platz. Dann gewinnt die Entrüstung Oberhand und er platzt heraus: "Was tut er? Das kann er doch nicht machen! Cobrin, Troil… Bei der heiligen Radegund, das kann er einfach nicht machen! Es ist schon Monde her! Wie lange sollen wir noch… Bei Tymeons Silberschild! Unerhört! Was hat Ol… der Lord Commander! Was hat der Lord Commander dazu gesa… vergiss es, ich frage ihn nachher selbst. Und ich soll was? Die Offiziere informieren, aber niemanden sonst?"

"Aye, M'lord. Nur die Offiziere, aber erst am morgigen Tag zur Stunde des Vaters. Der Lord Commander will den Stadtrat in Kenntnis setzen, aber zuerst mit der Protektorin sprechen und die kehrt erst morgen im Lauf des Tages zurück."
"Aye. Gut. Aye. Nun gut… aye… äh… in Ordnung. Schickt den nächsten herein, ich rede mit O… dem Lord Commander, sobald ich hier fertig bin, ich sehe ihn zur Stunde des Herdfeuers." Oder auch nicht, je nachdem, was diese Nachricht alles auslöst… aber gut… eines nach dem anderen und kein Brei wird so heiß gegessen, wie er gekocht wird, wie meine alte Nanna immer zu sagen pflegte. Noch während der Gedanke in seinem Kopf herumkreist – zwischen dem ganzen Chaos anderer Gedanken und möglicher Szenarien und Wahrscheinlichkeiten, die wild in seinem alten Schädel herumgaloppieren, als wollten sie einen Ausweg finden – steckt der rothaarige und sommersprossige Damh den Kopf zur Tür herein und meldet Lady Arúen an. Ergeben seufzend winkt Rhordri den Bengel gleich wieder zurück, während er fieberhaft hin und her überlegt und hofft, dass man seinem Gesicht nichts von dem Aufruhr in seinem Inneren ansehen wird. Erst die Protektorin, dann der Stadtrat, hat Olyvar gesagt. Aber da hat er ja auch nicht gewusst, dass Arúen hierher kommt. Herrje. Was mach ich bloß, wenn sie mich fragt? Ich kann ja keine Hohepriesterin belügen!

"Hol sie herein. Und du, Arwel, saust so schnell dich deine Storchenbeine tragen zu Ol… zum Lord Commander..." er, Rhordri, wird es heute Morgen wohl nicht mehr schaffen, den dienstlichen Titel ordnungsgemäß zu gebrauchen... "zurück und meldest ihm, dass Lady Arúen hier ist. Sie wird bestimmt bei ihm vorbeischauen wollen, wenn sie hier fertig ist." Es dauert nur ein paar Augenblicke, bis die beiden Botenjungen hinausgeeilt sind, die Elbin und ihr Begleiter vor ihm sitzen, höfliche Grüße ausgetauscht wurden und eine dampfende Kanne Tee sowie drei Becher vor ihnen stehen. Rhordri ist froh, die Hohepriesterin wieder auf den Beinen zu sehen, dann fasst er sie ein wenig genauer ins Auge. Auch wenn sie nach seinem Dafürhalten durchaus und absolut verständlicherweise noch ein wenig mitgenommen aussieht, sie sitzt so diszipliniert, gefasst und aufrecht wie immer vor ihm. "Mylady, ich nehme an, Ihr seid hier, um Eure Aussage zu machen? Oder habt Ihr ein anderes Anliegen? Der Gefangene ist sicher in seiner Zelle, dafür wurde Sorge getragen und Olyvar hat einen Raben ausgesandt, und Lady Niniane eine Botschaft geschickt. Sie wird morgen zurückerwartet."
"You can easily judge the character of a man by how he treats those who can do nothing for him."

Malcolm S. Forbes.

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