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Raven

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1

Monday, June 18th 2012, 2:50pm

Nar'Sarnis - Das Hohe Herz

Gut verborgen in den dunklen Tiefen des Larisgrüns befindet sich ein geheimnisvoller Ort, der älter als der Wald, ja beinahe älter als die Zeit selbst zu sein scheint. Nicht jeder wird den Weg dorthin finden, denn obwohl nicht weit von der Stadt entfernt, wissen sich die uralten Pfade zu diesem Hain im schattigen Dämmerlicht des Waldes gut zu verhüllen und nur selten werden sie beschritten.

Doch führen sie zu einer Lichtung, bedeckt von samtweichem, dunklem Moos und umgeben von acht uralten Bäumen, deren Kronen sich zu einer gewaltigen rotschimmernden Kuppel verflochten haben, durchbrochen nur vom silberhellen Schein der Sterne oder von den goldenen Fingern der Sonne, die durch das dichte Laubwerk fallen wie das Licht durch die bunten Fenster einer Kathedrale.

Wie die mächtigen Säulen eines Tempels reihen sich die silberweißen, vom Alter gezeichneten Stämme der Herzbäume aneinander und tragen das rotgolden verwobene Dach des Hains. Ihre knorrigen Gesichter sind auf die Mitte der Lichtung gerichtet, wo in einem in Jahrtausenden ausgewaschenen und in den granitharten Fels geschnittenen Becken ein kleiner Teich ruht, den die durch das Laubdach dringenden Strahlen des Tagesgestirns wie einen glitzernden, tiefgrünen Smaragd in einer silberhellen Fassung funkeln lassen.

Über einen vom Wasser ganz glattgeschliffenen, schimmernden Felsen stürzt sich ein Bach in den Teich und sein helles Rauschen und Murmeln hat ihm vor langer Zeit den Namen Calaeri Far eingebracht - die singenden Wasser. Und wirklich, lauscht man dem Plätschern der Kaskaden, die sich in den Teich ergießen, glaubt man fast, die Gesänge der Erdmutter selbst würden durch Zeit und Raum hinweg über die Lichtung flüstern, so wie ihre Allmacht hier sonderbarerweise überall spürbar ist, in jedem Stein, in den glitzernden Wassertropfen, im erdigen Geruch des Waldes und in den Liedern der Vögel.

Nichts in diesem Hain wurde je von Hand der Elfen, der Zwerge, der Menschen oder der anderer Wesen geschaffen, nur die Göttin allein schickte Wasser und Wind, um die Erde und den Fels an diesem verborgenen Ort zu formen und alte Legenden, die sich um diesen Platz ranken, erzählen, es wäre Eas Atem gewesen, der den Stein geschliffen habe und es seien ihre Tränen, die dort aufgefangen würden, geweint um all die Wunden, die ihre Kinder ihrem wundervollen Werk und der Natur zufügen würden.

Ein Hauch von uralter Macht liegt über diesem Ort wie ein Gespinst aus Alter und Zeit und das Lied der Calaeri Far scheint vom Anbeginn der Welt zu erzählen, als die Erde noch jung war und die Gesänge der Göttin über das Land wehten. Und vielleicht waren es wirklich die ersten Menschen, die hier an den hohen, grünbemoosten Findlingen am Rande des Teiches zu Ea beteten, wer weiß ...

Dayan

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2

Thursday, January 2nd 2014, 9:17am

21. Langschnee - Wintersonnenwende

Dayans Streifzüge durch den Larisgrün oder vielleicht auch der Wille der ehrwürdigen Mutter, wer weiß das schon und könnte es sicher sagen, haben sie hier her geführt und er war mehr als der perfekte Ort für diese heilige Nacht. Immer wieder hegt und pflegt sie ein Pflänzchen und nimmt sich ein immergrünes Zweiglein mit. Auf jeden Fall führt Dayan die beiden durch ganz unscheinbare Pfade. Viele Male ist sie ihn abgelaufen als Weißer Luchs und hat ihn durch unscheinbare Markierungen gezeichnet, so dass er auch weiterhin verborgen bliebe, denn dieser Ort, so glaubt Dayan fest, wurde von Ealara selbst versteckt, auf dass ihn nur wenige finden mochten. Nichts hier würde je von Menschenhand berührt, mal abgesehen von ihr, aber sie würde nun auch niemals Leid über den Ort zu bringen war. Hier ist ihr, als flüstert und sänge die Mutter, viel, viel schöner als alles was sie je hörte. Selbst Aneirins liebliche Stimme würde hier unrein und verlor ihren Glanz. Manchmal erscheint es als weine sie, dass es Dayan das Herz bricht. Dieser Ort ist ein Becken all ihrer Tränen. Ein gigantischer Ort und ein Ort ihr Nahe zu sein.
Heute würde sie das Fest über den Sieg des Lichtes gegen die Dunkelheit feiern, in Ealaras Antlitz mit ihr speisen und sich ihrer Freundschaft erinnern.
Mit Erfurcht betritt die Wandlerin die Lichtung, eingerahmt von den Acht mächtigen Herzbäumen, die ein gewaltiges rotes Dach darüber spannen. Hier und da fallen Blätter, leicht und wehend und im Rascheln des Windes legen sie sich sachte und schützend über den Boden als decken sie Eas ganz eigenen Tisch. Dayan verneigt sich und tritt in den erhabenen Kreis in dem sie alle Winde grüßt, sachte über den Boden streift und schließlich ihre Fackel Nahe am singendem Wasser in den Boden stößt. Durch ihre Finger lässt sie das klare Wasser laufen.

"Nedeleg laouen na bloavezh mat!" Flüstert sie ehrfurchtsvoll und breitet für Aneirin eine Decke aus. Anschließend lässt die Wandlerin sich im weichen Moos nieder und knüpft für jeden Baum einen duftenden Granz und hängt Die letzen Apfelringe daran. Schnell erhebt sie sich und bindet die Gestecke an die mächtigen alten Beschützer, ihren Bäumen des Lebens. Anschließend füllt sie Eintopf in Schalen und stellt eine mit einer tiefen Verbeugung in alle vier Winde bereit. Dann reicht sie Aneirin und Tyalfen ihre Schalen.

Aneirin

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3

Thursday, January 2nd 2014, 2:50pm

21. Langschnee

Immer tiefer in den Wald führt Dayan sie. Nur wenige scheinen diese Pfade bisher beschritten zu haben, weshalb er sich bemüht sich im schattigen Dämmerlicht möglichst leise zu bewegen. Aber er merkt schnell, dass er diesbezüglich mit Tyalfen und Dayan nicht mithalten kann. Was allerdings nicht bedeutet, dass er sich deswegen weniger Mühe gibt. Ab und an zieht er den Mantel etwas enger, da mit der zunehmenden Dichte des Waldes kühler wird und er immer wieder aufs Neue fröstelt, bis er sich an die Kälte gewöhnt hat.
Staunend bleibt er schließlich am Rand einer Lichtung stehen, während Dayan diese betritt, als wäre sie schon hier gewesen. Die Lichtung ist bedeckt von dunklem Moos. Acht alte Bäume umgeben diese und überdachen sie mit ihrem rötlichen Laub, erlauben gelegentlich den Sonnenstrahlen einen Weg hinein. Das Wasser eines Baches stürzt über einen Felsen in einen kleinen Teich, rauscht leise vor sich hin. Erst nach einem weiteren Moment ehrfürchtigen Wundernehmens wagt er es ebenfalls die Lichtung zu betreten.
Nach einem fragenden Blick zu der Wandlerin gesellt sich seine Fackel zu Dayans in den weichen Boden. Bedächtig beugt er sich über den smaragdfarbenen Teich und beobachtet eine Weile das über den Felsen herunterstürzende Wasser. Das Rauschen des Wassers hallt angenehm in den Ohren wieder und gewinnt ihn für sich, als er meint in dem Rauschen das Singen unsichtbarer, vielleicht winziger Wesen zu vernehmen.
Aneirin wirft einen Blick über die Schulter und beobachtet, wie Dayan auf dem Moss sitzend Kränze knüpft. Neben sich hat sie eine Decke ausgebreitet. Der Barde ahnt, dass sie diese für ihn mitgebracht und ausgebreitet hat und stellt fest, dass es ihm ein wenig missfällt. Er wünscht sich, sie würde ihm inzwischen mehr zutrauen, auch wenn ihm vieles von dem, was sie tut, noch befremdlich ist, und begreifen, dass er keine Sonderbehandlung will, wenn sie es auch sicherlich nur gut meint. Da kommen ihm Tyalfens Worte vom Morgen wieder in den Sinn: ‚Bei den Töchtern des Wolkenvolkes ist Achtsamkeit ratsam, will Mann die Hosen anbehalten.‘ Er hatte es zuvor nur belächelt, aber nun glaubt er, dass doch mindestens ein kleines Fünkchen Wahrheit darin steckt.
Während Dayan ihre Apfelringe an die Bäume hängt, begibt er sich zu der Stelle, an der sie sich niedergelassen hatte und setzt sich daneben. Allerdings nicht auf die ausgebreitete Decke, sondern auf die andere Seite auf das Moos. Weich fühlt es sich an und… kühl. Aber lange nicht so kalt wie er erwartet hätte und aushaltbar, so dass er sich sicher schnell daran gewöhnen würde.
Schon ist Dayan auch schon wieder da und reicht ihm Eintopf in einer Schale. Er nimmt sie und lässt sie abwartend in seinen Händen auf seinem Schoß ruhen. Seinen Blick wandert zu Tyalfen und gleich wieder fühlt er sich unbehaglich. Er wusste nur bedingt, was noch kommen würde. Dayan hatte die Angewohnheit die Details oft für sich zu behalten und so bleibt ihm meist nichts anderes übrig als Abzuwarten und zu hoffen, keinen Fehler zu machen, wenn er glaubt zu erahnen, was sie erwartete. Jedes Mal aufs Neue eine Herausforderung.
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Tyalfen

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4

Wednesday, January 8th 2014, 5:03pm

21. Langschnee

Dayan führt sie auf Pfaden, die schon lang nicht mehr von Elb und Mensch begangen werden, wenn sie es überhaupt jemals waren. Scharfe Elbenaugen haben längst aufgegeben, nach ihren Spuren zu suchen, die eine oder andere Fährte eines Tieres hatten sie zu entdecken vermocht, mehr nicht und bald ist ein Pfad kaum noch zu erahnen. Es ist schwierig geworden, der Fackel Feuer von dürrem Zweigwerk fern zu halten. Und hätte dieser Tag und diese Zeremonie nicht eine solch besondere Bedeutung für Dayan, Tyalfen hätte sich dagegen verwehrt, offene Flammen in den Wald zu tragen, des Waldes grausamsten Feind. Und nicht selten verschwindet sein Blick in die Tiefen des Waldes, ob ihnen bereits Sarnalâraies, die Waldgeister auch Dryaden genannt, folgten und ihnen bald Einhalt geböten, gleichwohl er weiß, er würde sie nur erkennen, wenn sie Gestalt annahmen, Körper den Menschen und Elben so ähnlich wie den Bäumen, als wären sie Mischwesen.
Fyllyllylla dagegen gibt sich nicht zu erkennen, rührt sich nicht einmal, dass er selbst sie nicht bemerken könnte, wenn er sie nicht im Pelz seiner Kapuze wüsste. Hoffentlich schlief sie ihm dort nicht derart eingekuschelt ein. Nicht dass er zu intonieren begann und nichts geschah. So wenig Überredungskünste es bedurft hatte, sie zu einer kleinen Überraschung zu ermuntern, so vehement ist er doch daran gescheitert, dass sie jemals erfahren sollten, dass die Fee dahinter steckte. Sollten sie ihn irgendwann einmal fragen, wie er das vollbracht haben könnte, dürfte kaum mehr als ein geheimnisvolles Lächeln über seine Lippen kommen.
Dayan führt sie auf eine Lichtung, keine gewöhnliche wie sie in diesem Wald hier und da zu finden sind. Etwas liegt auf dieser Lichtung, dass sich schwerlich benennen lassen will, etwas dass schwermütig und verführerisch zugleich auf diesem Flecken Erde lag. als habe die Wilde Herrin hier aller gefallenen Geschöpfe gedacht und mahnte einen jeden zu Rechtschaffenheit. Tyalfen zögert einen Fuß in diese geheimnisvolle Halle der Wilden Herrin zu setzen, auf den unberührten Teppich dunklen weichen Mooses, von tiefer Ehrfurcht ergriffen. Je länger er dem Wispern der Halle lauscht, glaubt er vielfaches Flüstern zu vernehmen, Geschichten, Legenden. Mythen, alles schien sich hier erheben zu wollen. Selbst Fyllyllylla hat ihr Köpfchen aus der Kapuze gesteckt und flüstert so leis, dass es selbst es nur mühsam verstehen mag: „Das ist kein Ort, an dem gesprochen werden sollte.“ Und Tyalfen weiß, was sie meint, spürt es selbst, dass ein jedes Wort hier so schwer wog, als wäre es tausendfach ausgesprochen. Mit der Hand auf dem Herzen und gesenkten Hauptes wagt er einen vorsichtigen Schritt auf das Moos, wagt es nicht den Blick in die Antlitze der Wächterbäume zu heben und betet im Stillen, dass er reinen Herzens genug war, von ihnen geduldet zu werden. Und so folgt er Dayan und Aneirin sehr langsam. Nur die Fackel in der Wilden Herrin Platz zu rammen, will er nicht wagen, nicht wie ein Eroberer ein Symbol der Inanspruchnahme setzen und blickt Dayan mehr als unsicher an.
Wenn Du glaubst, dass Frauen das schwache Geschlecht sind, versuch mal nachts Deinen Teil der Decke wieder zu bekommen.

Dayan

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5

Thursday, January 9th 2014, 9:09am

21. Langschnee

Dayan betrachtet schweigend das Tun des Barden und lächelt zufrieden, dass er mit dem dunklen weichen Moos vorliegt nimmt. Dor - Erde
Tyalfen hingegen scheint nicht sonderlich begeistert von diesem Ort. Er hat die Fackel noch immer in der Hand. Nachdenklich schaut sie von einer zu den anderen. Schließlich nickt sie. Ein verstehendes Lächeln zaubert sich auf des Wandlerin Antlitz.

Sie erhebt sich und legt den mitgebrachten geschmückten Stern in das Wasserbecken hinein, verbeugt sich nach Westen, der Himmelsrichtung des Wassers und des Herbstes und des Abends. Dour - Wasser . Sie bläht die Backen auf und pustet ihn kräftig an. Aer -Luft,
Anschließend streckt Dayan die Hand nach der Fackel aus um sie vom Smaragdelben entgegen zu nehmen. Mit ihr verbeugt sie sich tief nach Süden. Tan - Feuer!
Die Wandlerin holt Tyalfen und Aneirin zu sich, gibt Aneirin ihre Fackel und Tyalfen Aneirins. Wieder verbeugt sie sich in die Himmelsrichtung des Sommers, des Feuers und des Mittags. Sie deutet den beiden es ihr gleich zu tun, auch bei folgendem. Dann zündet sie eine Ecke des schwimmenden Sterns an, fast hätte sie ihn nicht erreicht und sie muss sich ganz schön strecken.

Inständig hofft sie, ihre Wünsche würde sich erfüllen.
Jetzt da sie vor dem Speisen an Ealaras Tafel die letzten Lichter in der Stillen Nacht löschten.

Anschließend setzt sie sich nach Norden gerichtet im Schneidersitz und flüstert, eigentlich würde sie im Stillen der Weltenmutter gedenken, zum ersten mal auf der Lichtung:
"Itron Varia, geliebte Mutter, Mutter aller Mütter und aller Väter
heute möchte ich Dir mit jedem Schritt, den ich auf Dir gehe
danken
In tiefer Verbundenheit mit Dir erkenne ich,
dass ich Teil von Allem-Was-Ist bin.
In tiefer Verbundenheit erkenne ich meine Wurzeln.
Auch ich gebe Dir nun zurück, was Du mir täglich gibst und
künde Dir all meine Liebe, meine Dankbarkeit und mein Licht
Auf dass du gebierst das Sonnenkind.
Tief in der Erde wird es erwachen, uns Kraft, Mut, Freude und Liebe schenken."

Dann ist es still auf der Lichtung.

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Aneirin

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6

Thursday, January 9th 2014, 8:27pm

21. Langschnee

Aneirin lässt die Schale an Ort und Stelle stehen, als Dayan hin und Tyalfen zu sich an den Teich holt. Beinahe auf Zehenspitzen wandert er über den weichen Moosboden, denn ihm ist, als könnten seine ungelenken, festen Schritte irgendjemanden oder irgendetwas auf dieser Lichtung stören oder aus seinem Schlaf wecken.
Dayan drückt ihm ihre Fackel in die Hand und dem Elben seine. Er lässt seinen Blick über den smaragdfarbenen See gleiten, der schließlich bei dem auf dem Wasser treibenden Stern hängen bleibt. Dayan verbeugt sich und gibt ihm dann ein Zeichen, das, so wie er es interpretiert, dazu auffordert, es ihr gleich zu tun. Etwas verlegen streicht er sich über die Nasenspitze, weil es ihm nicht so recht behagen mag. Nicht, dass er ein Problem damit hätte, sich vor jemandem zu verbeugen, schon gar nicht vor einer Dame, aber hier vor… Ja, vor was eigentlich?
Schließlich aber überwindet er sich aber, Dayan zuliebe, wenn auch weniger tief und relativ kurz. Dennoch fühlt es sich befremdlich an. Er gewinnt den Eindruck, als könne er ein leises Kichern vernehmen. Sein Blick wandert umher, hinauf zu dem roten Blätterdach. Ob es hier tatsächlich für seine Augen unsichtbare Wesen gibt, die sie beobachten? Und wenn sie sie beobachten würden, würden sie wohl sein Unvermögen bemerken und darüber lachen? Taten sie es vielleicht sogar schon?
Als er den Blick wieder senkt, wird einer weiteren Andeutung seitens der Wandlerin gewahr, die sich schon, auf den felsigen Rand stützend, über das Wasser beugt, um mit der Fackel eine Ecke des Sterns anzuzünden. Rasch legt er die freie Hand auf ihre Hüft, um ihr etwas Halt zu geben, als sie sich so weit hervor wagt. Dann beugt auch er sich vor, um es ihr gleich zu tun.
Als er sich wieder aufrichtet folgt sein Blick dem brennenden Stern, der sanft über das Wasser gleitet. Plötzlich erhebt sich Dayans Stimme in einem Gedenken an die Weltenmutter. Überrascht betrachtet er sie, während sie spricht, voller Überzeugung und aus tiefstem Herzen. Und während sie weiter spricht, richtet er seinen Blick wieder auf das Wasser, folgt mit seinem Blick dem in den Teich plätschernden Bach in die Dunkelheit des Waldes dahinter. Obwohl er mit ihren Worten nicht allzu viel anfangen kann, berührt ihn die Hingabe, mit der sie sie vorträgt.
Und als sie endet und schweigt, verharrt auch er still, nicht willens die Ruhe als Erster zu stören.
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Tyalfen

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7

Thursday, January 16th 2014, 9:43pm

21. Langschnee

Und sie verlangt es auch nicht von ihm, lächelt verständnisvoll und lässt sich nicht beirren. Und wie sie ihm die Fackel aus der Hand nimmt, fühlt er sich einer Last befreit und wagt den Blick in eines der Gesichter der mächtigen Wächter. Es ist ein Gesicht, dass weniger alt denn weise wirkt, so habe es schon alle Dinge noch in ihrem Entstehen gesehen, wisse um alle Kreisläufe und Gesetzmäßigkeiten und erführe ein jedes Geheimnis mit nur einem einzigen Blick und blieb doch vollkommen urteilsfrei.
Dayan hingegen scheint der Elementen zu gedenken, verbindet sie in einem ursprünglich anmutendem Ritual, das Wasser des Teichbeckens mit den aus der Erde gewachsenen Zweigenstern, der Luft ihres Lebensatems wie dem Feuer der Fackel. Mehr noch sie fordert sie auf, es ihnen gleich zu tun.
Tyalfen folgt ihr nicht weniger zögerlich als Aneirin, denn diese Art und Weise den Hohen Häusern der Elemente zu huldigen ist ihm fremd. Auch er beugt das Haupt gen Süden vor dem Hohen Hause Licht. Herrn Shenrah dem allwissendem Gerechten, nicht zu tief, dass es Fyllyllylla in Nöte bringen könnte, aus seiner Kapuze zu fallen, so sie nicht Acht gibt, doch respektvoll lang und mit der Hand auf dem Herzen, denn unter den Seinen genießt er besondere Ehren, gilt als Herr über alle anderen Häuser. Und als der Barde einen Zacken des Sternes entzündet hat, beugt sich auch der Elb über das Teichbecken und tut es ihm und Dayan gleich.
Dann spricht sie zu Ea, mehr einem ehrfürchtigem Flüstern gleich, dass ob seiner leidenschaftlichen Hingabe, dass Schweigen alles Anderen erringt und eigentümliche Schauer auf die Haut malt. Und als ob das nicht genügte, meint Tyalfen die Baumwächter zustimmend nicken zu sehen, nur für einen flüchtigen Moment und so kurz, dass er sich selbst nicht sicher ist.
Wenn Du glaubst, dass Frauen das schwache Geschlecht sind, versuch mal nachts Deinen Teil der Decke wieder zu bekommen.

Lorwen

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8

Sunday, January 19th 2014, 5:44pm

Wintersonnenwende, 21. Langschnee

Lorwen sitzt in einem der hohen Bäume als an Ealaras Hochtag drei Gestalten auf die heilige Lichtung treten. Verwundet schaut sie auf. Ein Elb, unverkennbar aus dem Volk ihres Vaters, und zwei Menschen. Ein Mann und ein Kind auf den ersten Blick. Dann aber erkennt sie eine kleine Frau und oh Wunder, eine die dem alten Weg erwählte.

Interessiert schaut sie zu. Sowas ist ihr noch nicht unter gekommen. Viele Bräuche scheint es unter den Kurzlebigen zu geben, und jeder ist verschieden. Es mochte Unterschiede geben, kaum einen Tausendschritt weiter. Der nächste Weiler kann schon preisen, was andere nicht einmal sehen, wenn sie direkt davor stehen.

Die Druiden ist in die Gegend gekommen, da ein Gelehrter sie darum bat. Das ihr gesuchtes verlorenes Schäfchen dort unten auf der Lichtung steht und ein Ritual, einen Brauch, ein Ehren teilt, kann sie nicht wahrnehmen.

Aber nach dem alle das Strohschiffchen entzünden, will Dayan ein bisschen Wunder wirken. Eigentlich sollte sie sich erst gar nicht einmischen, aber es rührt ihr Herz wie die kleine Menschenfrau sich müht der Weltenmutter ihren Dank auszusprechen.

Also kehrt Lorwen ihr Inneres und sammelt die nötige Kraft um einen Zauber zu wirken, auf dass dieser Lichtung kein Leid geschieht und sich die drei daran erfreuen. Das Wetter ist nicht übermässig schlecht. Kühl zwar, aber durchaus mit sonnigen Abschnitten. So würde es nicht allzulange dauern bis der Zauber seine Wirkung zeigt.

Mit dem Enden Dayans Ritual, nur wenige Herzschläge später, zeigen sich vier warme Sonnenstrahlen, gerufen durch das Blätterdach genau auf das Wasserbecken und auch in der Breite und Form aus allen Himmelsrichtungen. Sie werden den Dreien eine Weile Gesellschaft leisten, denn für sie war es Zeit zu gehen. Sie muss Meister Arkendirs Schützling suchen.

Mit einem weiteren Zaubersuch verschwindet die Elbin von dem turmhohen Baum und erscheint augenblicklich zu dessen Wurzelansatz am Boden.
Ein leiser Dank dann lässt sie die Drei allein und verschwindet ungesehen von der Lichtung.Nein, keiner würde diesem Ort, der Mutter ein Leid zu tun. Dessen war sich die Waldelbin sicher.

--> Meister Arkendirs Heim

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Dayan

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9

Monday, January 20th 2014, 8:34am

21. Langschnee

Gerade verklingen ihre letzten Worte, da schiebt sich wie zufällig, nein nicht zufällig, geordnet, von allen vier Richtungen genau auf den Stern, Sonnenstrahlen hervor und die Fackeln erlöschen. Ehrfürchtig, sowas hat sie noch nie gesehen, kniet sie nieder und kehrt in sich findet dort Frieden und eine Auszeit vom steten Gang der Tage seit sie von der Heimat aufgebrochen war. Das Flüstern des Wassers lässt alle Sorgen vergehen, weggeschwemmt von Harmonie und Natürlichkeit.


Wäre sie allein unterwegs würde sie sich, die Glieder weit von sich gestreckt, ins weiche Moos legen und den Rauschen der Wächterbäume, dem Licht und Meer aus roten Blättern auf dem Moos hingeben. So aber verstreicht der Moment und Dayan fühlt sich leicht und glücklich.


"Danke!", flüstert sie und es bleibt offen ob sie Aneirin, Tyalfen oder Ealara meint. Von der Elbin, die dieses Schauspiel geschaffen hat weiß sie nichts und so überlässt sie es der Schöpferin dieses Tagwerk geschaffen zu haben. Nach einiger Zeit meint sie, es wäre Zeit für Estas Eintopf. Der Klang ihrer Stimme ist leise, das ist nichts Neues, aber er trägt eine singende Note. Das ist selten, und taucht eigentlich nur im hohen Gebirge des ostwalls, fern von hier, auf. Es war wie das Auskehren ihres Inneres.


Dayan holt tief Luft und lässt sich im weichen Moos, bedeckt von Blättern, nieder. Einige Bräuche musste sie abwandeln, den Gegebenheiten anpassen, aber es war richtig und gut. Es mochte der Weltenmutter Gefallen finden. Jeden Löfffel schmeckend, und das ist ein seltener Anblick bei der Wandlerin, leert sie langsam ihre Schale. Als sie fertig ist und die Schale verstaut hat, schaut sie auf. Sie sieht schüchtern aus, als wolle sie etwas sagen, und wage keinen Anfang zu machen. Eigentlich war es an der Zeit das Brautbrot dem Vater, hier Tyalfen, zu reichen. Doch das kann Aneirin ja nicht wissen. Nervös nagt sie an der Unterlippe, fragt sich wie es nun weiter gehen soll, wenn sie den Mund nicht aufbekommt, bleibt aber stumm.

Nachdem alle gegessen haben verabschiedet sich die Wandlerin von diesem geheimnisvollen Ort und führt die beiden ein Stück durch den Wald auf den geheimen Pfaden zurück und verlässt nach einem Stück des Weges eben jenen um nach kurzer Zeit vor einer mäßig hohen Felswand zu stehen. Den halben Weg überlegte sie sich einfach ins Haus und in die Stadt zurück zu kehren und alles so zu belassen wie es ist. Sie mutet den beiden einfach zu viel Tradition zu. "Ach wisst ihr, ich denke wir sollten Heim kehren", spricht sie dann endlich aus, was sie dachte und vermutet den anderen ginge es ähnlich.

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Aneirin

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10

Tuesday, January 21st 2014, 9:27pm

21. Langschnee

Unerwartet durch das Blätterdach eindringendes Licht lenkt Aneirins Aufmerksamkeit zurück auf den See und den brennenden Stern. Erstaunt hebt er den Blick gen Himmel und betrachtet das Schauspiel, das ihm trotz aller Schönheit unnatürlich vorkommt. Und immer mehr bestätigt sich in ihm der Eindruck, dass sie nicht allein sind, ja gar beobachtet werden. Allerdings ist er sich noch nicht sicher, ob er sich deswegen unbehaglich fühlen soll.
Dayan kniet nieder und ihr hübsches Gesicht strahlt tiefste Zufriedenheit aus und macht sie noch schöner, als er sie ohnehin schon sieht. Allzu gerne hätte er seine Arme um sie gelegt und den Moment ihrer Herzensruhe geteilt. Dennoch gönnt er ihr diesen besonderen Moment ganz allein für sich. Damit es ihm leichter fällt, wendet er den Blick von ihr ab und schaut sich lächelnd nach Tyalfen um.
Auch bei der anschließenden Einladung zum Essen und zum Essen selbst macht Dayan den Eindruck als wäre sie wenigstens für den Augenblick mit sich im Reinen. So viel wie heute hat er sie zuvor noch nicht essen sehen. Umso besser schmeckt der Eintopf auch ihm, wenn auch die Situation, hier auf dem Moos und mitten im Wald sitzen, sehr befremdlich wirkt und er es gar als etwas unpassend empfindet. Aber heute will er das tun, was Dayan möchte, denn dieser Tag scheint ihr besonders wichtig zu sein.
Sie reden wenig, eigentlich gar nicht miteinander. Aber dieser Ort wirkt auch, als wolle er, dass man hier möglichst wenig sprach, als würde er sich dadurch gestört fühlen. In einem Augenblick scheint Dayan etwas sagen zu wollen. Aber ihre Lippen bleiben geschlossen und sie somit stumm. Aneirin überlegt, sie zu fragen, was ihr auf der Seele liegt, verschiebt es dann aber auf später.
Bald schon führt Dayan sie wieder sicheren Schrittes durch den Wald. Hier trieb sie sich also herum, wenn es sie aus der Stadt zog. Es hatte eine Weile gedauert bis er es akzeptieren konnte, wenngleich es nachzuvollziehen ihm schwer viel. Durch die Eindrücke des heutigen Tages aber schon etwas weniger schwer. Auch jetzt erst wird ihm wirklich bewusst, wie wichtig es ihm war, dass sie immer wieder zu ihm zurückkehrte. Und er war ihr dankbar dafür.
Mitten im Wald vor ihnen erhebt sich eine felsige, teils von Pflanzen überwucherte Wand, deren Dichte mit der Höhe zunimmt. Aneirin schätzt sie auf sechs bis acht Schritt. Allerdings ist es aufgrund des Bewuchses im oberen Teil schwer zu schätzen. Da Dayan stehen geblieben ist und nachdenklich aussieht, blickt sich der Barde ein wenig um. Kurz fragt er sich, ob sie sich wohl verirrt haben mochte, aber so zielstrebig wie sie bisher durchs Unterholz gewandert ist, schiebt er den Gedanken rasch wieder an die Seite.
<"Ach wisst ihr, ich denke wir sollten Heim kehren">, spricht sie plötzlich und sieht dabei nicht sonderlich glücklich aus. Aneirin runzelt fragend die Stirn. Er gesellt sich neben sie und geht in die Hocke, um mit ihr etwa auf gleicher Augenhöhe zu sein. „Was ist denn los, Liebes? Du wirkst seit einer Weile nachdenklich. Stimmt etwas nicht?“ Es bedrückt ihn etwas, dass sie ihre Leichtigkeit von zuvor verloren zu haben schien.
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Tyalfen

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11

Wednesday, February 5th 2014, 2:50am

21. Langschnee

Dies soll nicht das Eigentümlichste auf dieser geheimnisumwobenen Lichtung sein. Mit Dayans letztem, ehrfürchtig geflüsterten Wort mischt sich ein Wispern der Lüfte unter das Murmeln der abertausend Stimmen im Wasser, flirrt im Rauschen des Blätterdachs weiter. Und wie Tyalfen den Blick hinauf in die Kronenkuppel hebt, werden seine Augen von durchbrechenden Sonnenstrahlen geblendet, dass er das Haupt rasch senken und blinzeln muss. Wie Säulen formieren sich die Sonnenstrahlen, je eine in jede Himmelrichtung und nichts daran wirkt auch nur annähernd zufällig oder natürlich. Tyalfens sonst recht gleichmütige Maske fällt. Stattdessen spiegelt sich pure Ehrfurcht auf seinen feinen Zügen wieder und demütig vor der Mächte gefälligen Zeichen sinkt er auf die Knie, das Haupt tief geneigt und beide Hände auf der Brust, dem mächtigsten unter allen Göttern, dem Herrn des Lichtes zu huldigen und allen gebührenden Respekt zu erweisen. Einen solchen Segen hat er in all den Tagen, die er in diesem Leben schon auf Roha weilte und das gut und gern so lang wie neun Menschenleben währte wahrlich noch nicht zu Gesicht bekommen und es wühlt ihn auf, ergreift ihn im Innersten und flutet seinen Geist mit tausenderlei Gedanken, auch wenn er nicht glaubt, das Shenrahs Segen ihm gilt, so musste es den Mächten doch gefallen, ihn daran teil haben zu lassen. Wie sehr wünscht er sich jetzt Naralîn an seine Seite, mit ihr diesen Augenblick zu bestaunen, gleich wohl er nicht wagt, diesen erhabenen Moment mit einem Flehen zu belasten. Eines Tages, so schwört er sich im Stillen, und wenn es der letzte aller Tage sein sollte, wird er ihr hiervon erzählen.
Langsam nur mag sich Tyalfen aus diesen Momenten lösen und sich zu den beiden Menschen setzen, die ihm wichtiger geworden waren, als er sich jemals hätte vorstellen wollen. Wenn sie für die Zukunft der Menschheit standen, dann will Tyalfen bereit sein, an diese Spezies zu glauben. Lächelnd empfängt er ein Mahl aus Dayans Händen und speist in Harmonie und Eintracht mit ihnen und mag darüber Dayans Pläne fast vergessen. Erst als sie ihn anschaut, so als ob sie etwas sagen wolle, wird er sich dessen wieder bewusst, worum sie ihn gebeten hatte. So nickt er ihr stillschweigend zu, bereit zu sein und folgt ihr wie Aneirin auf nicht auszumachenden Pfaden.
Zu einer Felsformation führt sie sie, die wie ein Pult aus dem Waldboden ragt, sanft abfallend zur einen, steil zur anderen Seite. Vor der Steilwand bleibt Dayan stehen und Tyalfens Augen wandern die zerklüftete Wand hinauf, an der es geschehen soll, in deren Mitte jener Stein, das Sinnbild der Mannhaftigkeit eines Brautwerbers, auf Aneirin wartete, so er es wagen will. Doch was sagt sie da? Prüfend blickt er in ihre klaren blauen Augen. Das ist nicht das, was sie will, nicht das, wonach sich ihr Herz sehnt.
„Tu das nicht, Wolkentochter, hör auf dein Herz. Es hat längst entschieden, allein ihm zu gehören und es vertraut ihm. Tu es ihm gleich.“
Wenn Du glaubst, dass Frauen das schwache Geschlecht sind, versuch mal nachts Deinen Teil der Decke wieder zu bekommen.

Dayan

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Thursday, February 6th 2014, 9:32am

21. Langschnee

Kritisch beäugt die Wandlerin wie Aneirin vor ihr in die Hocke geht. Sie kann nicht verhindern, dass sich ihre Stirn in etliche Falten legt. Er hingegen scheint nicht zu begreifen, welchen Konflikt sie im Inneren focht. Oder was mit ihr nicht stimmte. Der Barde sieht auch nicht glücklich aus. Würde sie mit Aneirin hier allein stehen, sie hätte längst Reisaus genommen. Es ist der Elb, wie so oft, der besonnen auf die Wargin einwirkt. Mit missmutigem Blicken wandern die gerade noch als blau bezeichneten Augen von Mensch zu Elb und färben sich ein wenig ins bernsteinfarbene, blitzen auf, als wären sie in Flammen geraten und sind dann wieder so gletscherblau und fest wie das nordische Eis. Dayan schluckt und ringt sich ein Lächeln ab. Dann fasst sie allen Mut zusammen und tief Luft und schaut Aneirin fest ins Grün seiner Augen.

„Wir haben heute schon viele Bräuche des Wolkenvolks mehr oder weniger tradionsfolgend gesehen. Eine fehlt noch“, flüstert sie und knetet nervös die Fingerkuppen übereinander bevor sie die Hand öffnet und einen Rosenquarz hervorbringt. „Wenn das neue Rad der Zeit rollt, erklimmen die jungen Männer einen Menhir, einen hohen glatten Stein, und bergen einen solchen Quarz. Schaffen sie es, so mag es Sitte sein, heiraten sie noch im Selben Zwölfmond.“ Wie so oft knabbert die Wandlerin an der Unterlippe und schaut zu Seite. „Jetzt habe ich Angst, dass dir es zu viel wird, dass ich so wenig über dich weiß, dass du … mich gar nicht mehr mit all meinen Hirngespinsten magst. Wir sind so weit vom Ostwall entfernt, dass ich dich nicht mit dem all dem belasten sollte. Es sollte mir nichts bedeuten, und doch… und doch ist es so. Ich fühle mein Volk verraten und dabei bedachte ich gar nicht deins. Das ist falsch. Ich hätte es bestimmt ohne all das begriffen, Aneirin. Da Gavout a ran. Ich liebe dich, Aneirin, vom ganzen Herzen! Nein, ich brauche nichts, dass mir die Richtigkeit sagt!“

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Aneirin

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13

Thursday, February 6th 2014, 8:07pm

21. Langschnee

Als Tyalfen das Wort ergreift, noch ehe Dayan ihm geantwortet hat, blickt er überrascht zu dem Elben auf. Ein verlegenes Lächeln stiehlt sich auf Aneirins Lippen und er muss den Blick senken. Stets weiß er in scheinbar jeder Situation Rat mit den richtigen Worten zu finden und strahlt dabei immerzu diese Gelassenheit aus, die einen derlei einnimmt, dass man seine Worte fürs Erste nicht in Frage zu stellen vermag. Nach einem tiefen Atemzug wagt er es Dayan wieder anzusehen und gerade noch kann er die bernsteinfarbenen Flammen weichen sehen. Scheinbar fühlt sie ähnlich diesen Einfluss, der die eigenen Worte noch mal überdenken lässt. Denn nun schaut sie ihn mit festem Blick an, scheinbar bereit das fortzusetzen, weswegen die Wandlerin sie hierher geführt hat. Langsam lässt er sich aus der hockenden Position in eine kniende sinken, um sich besser auf sie und ihre Worte konzentrieren zu können, ohne mit dem Gleichgewicht kämpfen zu müssen.
Leise ist ihre Stimme, noch leiser als ohnehin schon. Er folgt ihrem Blick hinunter zu ihren Händen, als sie die Finger öffnet und den Rosenquarz entblößt. Sein Herz klopft fester als er den rosaroten Stein betrachtet, den man auch den Stein der Liebe nennt. Manche glauben Inari selbst hätte den Menschen diesen Stein geschenkt, um ihnen damit die Kraft der Liebe, der Versöhnung und des Vertrauens zu bringen. Er lauscht ihrer Erklärung und schaut unwillkürlich wieder zu Tyalfen als sie vom Familienoberhaupt spricht. Seit sie losgezogen waren, war es ihm erfolgreich gelungen Dayans Wahl, den Elben als solches auszuersehen, zu verdrängen. Plötzlich fühlt er sich wieder klein und unsicher. ‚Musste sie das noch einmal erwähnen?‘, jammert er in Gedanken.
Dayan macht eine kurze Pause, was den Barden veranlasst sie wieder anzusehen. Ihr Blick flüchtet zur Seite, während die Zähne ihre Lippe kneten. Erstaunt hebt sich seine Stirn als sie wieder beginnt zu reden, so viel, wie sie es nur selten tut. Zumeist dann, wenn ihr etwas überaus auf dem Herzen liegt. Ängste und Zweifel auf der einen Seite und die Sicherheit, sich ihm ganz hingeben zu wollen, auf der anderen. Wie kommt sie nur auf den Gedanken, er könne sie nicht mehr mögen? Eine Last soll es für ihn sein, wenn sie das tut, was ihr so viel bedeutet, wonach ihr Herz verlangt? Ja, sie hatte ihre Eigenarten und ja, er hatte sich noch nicht an alles von dem gewöhnt, was sie tat und ja, vielleicht mochte ihm das eine oder andere nicht gefallen. Aber ergeht es ihr nicht genauso mit ihm?
Doch als Dayan endlich die Worte spricht, die er nicht erwartet, aber innerlich so tief gewünscht hat, legt er die Hände auf ihre Wangen und küsst sie lange, vollständig ausblendend, wer oder was ihnen dabei zusehen mag. Auch den leichten Hauch des Windes, der zunächst seine Wange streift und dann die beiden für einen Augenblick umspielt, nimmt er nicht wahr. Nur langsam löst er seine Lippen von ihren, die gleich darauf Sehnsucht schreien. Er nimmt die Hand, die den Stein hält in die seinen und schließt sanft ihre Finger wieder darum. „Ich würde dir die Sterne vom Himmel holen, wenn du es verlangtest. Da werde ich doch wohl mit dieser Herausforderung fertig“, lächelt er sie zuversichtlich an. Dann erlaubt er sich, den Stein an sich zu nehmen, nicht ohne dabei sanft mit seinen Fingern über die ihren zu streichen und nun die Leere ihrer Hand mit einem Kuss zu füllen.
Er wartet einen kurzen Augenblick ab, bis Dayans Blick ihm die Erlaunis erteilt aufzustehen. Nachdenklich betrachtet er die Felswand und dann den Stein in seiner Hand. So zuversichtlich wie er sich für sie gibt, ist er längst nicht. Ganz im Gegenteil. Als Junge war er zwar viel geklettert, auf Bäume, Schuppen, Häuser, auf so ziemlich alles, was sich anbot. Doch seit dem Unfall, der seiner Schwester fast das Leben gekostet hatte, ist er nicht mehr geklettert. Ihretwegen. Leise seufzt er und starrt dann auf seine freie Hand, schließt sie zu einer Faust und öffnet sie wieder. Ob er es noch hinbekommen würde?
Bevor er jedoch Anstalten macht seine Aufgabe zu erfüllen, gesellt Aneirin sich neben Tyalfen und blickt diesen mit einem ernsten Ausdruck auf dem Gesicht an. So ernst, dass man es schon gar nicht mehr ernst nehmen kann, mit diesen verengten Augen und dem drohend neckischen Blick. „Mein Lieber, ich warne dich. Wenn ich mir dabei alle Knochen breche und du mich dann abweist, werde ich dich nach meinem Ableben bis in alle Ewigkeit heimsuchen!“, murrt er leise.
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Tyalfen

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14

Saturday, February 8th 2014, 4:58pm

21. Langschnee

Missmutig blitzen Dayans Augen den Elben an, als wolle sie ihn am Liebsten im Feuer der Verdammnis sehen, doch ihre Flammen können das aufmunternde Lächeln nicht von seinen Zügen wischen. Dann jedoch fasst sie sich endlich ein Herz und erzählt Aneirin von diesem einen traditionellen Brauch ihres Volkes, an den sie all ihre Hoffnung, all ihr Sehnen knüpft, aber auch von ihren Befürchtungen. Es erlaubt Tyalfen einen kleinen Einblick in menschliche Denkweisen, andere als die, die er kennt und verabscheut, gleichwohl er sie gewiss nicht deswegen ermuntert hat. Sie überrascht ihn, zeigt ihm einmal mehr, dass nicht jeder Mensch nur auf seinen eigenen Vorteil bedacht ist, sich zurücknehmen kann, um eines Anderen willen. Vielleicht mögen dies auch grundsätzliche Unterschiede zwischen den Menschen des Nordens und des Südens sein. Tyalfen vermag dies natürlich nicht zu sagen, der verdacht jedoch liegt nah.

Ihr Mut wird belohnt. Ein zufriedenes Lächeln umspielt Tyalfen Züge bei Aneirins langem wie innigen Kuss, der mehr sagt, als tausend Worte dies je könnten und er denkt nicht daran, sich in übertriebener Prüderie abzuwenden, denn sie ist ihm nicht eigen wie auch sonst keinem Laikeda’ya. Nein er freut sich mit ihnen aus ganzem Herzen. Die wahre Liebe ist ein kostbares Gut und von einem so eigenen Zauber, dass sie imstande ist, Vieles zu überwinden. Da sollte Aneirin doch wohl nicht an dieser Steilwand scheitern.

Er scheint davon allerdings nicht restlos überzeugt. Tyalfen macht aus der Erheiterung ob seines Freundes Drohung keinen Hehl, schmunzelt amüsiert und erwägt tatsächlich einen Wimpernschlag lang, Dayan aufzufordern, den Stein doch besser noch ein Stück höher in die Steilwand zu legen, wenn er ihn denn schon so „respektlos“ herausforderte. Da es ihm aber nicht sonderlich erheitern würde, mit den Ängsten des Barden zu spielen, entgegnet er schließlich nur verschmitzt. „Führe mich nicht in Versuchung.“
Wenn Du glaubst, dass Frauen das schwache Geschlecht sind, versuch mal nachts Deinen Teil der Decke wieder zu bekommen.

Dayan

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15

Wednesday, February 12th 2014, 8:45am

21. Langschnee

Dayan macht eine kurze Pause, was den Barden veranlasst sie wieder anzusehen. Ihr Blick flüchtet zur Seite, während die Zähne ihre Lippe kneten. Erstaunt hebt sich seine Stirn als sie wieder beginnt zu reden, so viel, wie sie es nur selten tut. Zumeist dann, wenn ihr etwas überaus auf dem Herzen liegt. Ängste und Zweifel auf der einen Seite und die Sicherheit, sich ihm ganz hingeben zu wollen, auf der anderen. Wie kommt sie nur auf den Gedanken, er könne sie nicht mehr mögen? Eine Last soll es für ihn sein, wenn sie das tut, was ihr so viel bedeutet, wonach ihr Herz verlangt? Ja, sie hatte ihre Eigenarten und ja, er hatte sich noch nicht an alles von dem gewöhnt, was sie tat und ja, vielleicht mochte ihm das eine oder andere nicht gefallen. Aber ergeht es ihr nicht genauso mit ihm?

Aneirins Hände umsschließen ihre Wangen und ein sinnesraubender Kuss folgt auf den Fuß. Um sie verliert sich das Grün, die Weite, alles, selbst Tyalfen rückt in Vergessenheit und als er seine Lippen von den Ihren nimmt pulsiert der Blut unter der Haut und fordert eine Wiederholung. Sogleich ergreift er aber ihre Hand und ihr Blick folgt, ja sucht, die Berührung. Behutsam schließt er ihre Hände und spricht so wundervolle Worte, dass ihr die Tränen die Augen wässern, aber ein sorgloses Lächeln zaubern. Langsam nickend betrachtet sie den Barden heilfroh, dass er so viel auf sich laden wollte, allein ihrer Liebe wegen. Anschließend nimmt er sich den Rosenquarz und füllt stattdessen ihre Handfläche mit einem Kuss. Es macht sie einigermaßen nervös, denn offenbar hat Aneirin seine Bedenken was seine Kletterkünste anbelangt. Und so nickt sie einfach, auf dass es ihr Weggefährte wage und beobachtet schweigend wie der junge Mensch vor der Steilwand steht.

Dayans Magen gleicht einen Druidenkessel und mag einer Mischung aus Anspannung, Aufregung, Sorge und so manch anderes magenquälende Gefühl bestehen und es mag nicht besser werden bei den Worten, die er zu Tyalfen spricht. Über sowas sollte man ehrlich nicht scherzen und so ruft sie ihm entgegen, während ihre Beine die kurze Distanz schon zu Nichte machen: "Warte noch...", flüstert sie und zieht ihn kurz am Arm um ihn einen hungrigen Kuss raubt. "Ich glaube an dich!"

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