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Sigourny

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Tuesday, July 23rd 2019, 11:39am

Kutschfahrt von Taresnar zum Pfirsich

Mit einem leisen Gähnen kuschelt sie sich in die Kutsche. Die Nacht war kurz und der Tag hatte schon früh begonnen: Crona hatte sie geweckt, weil das Kleine gesäugt werden musste. Die nächtliche Fütterung hatte Sigourny verschlafen aber am Morgen war sie erwacht, als Shalhor sich mit der Ziegenmilch in die Küche aufgemacht hat. Die Hündin war einstweilen wieder zu der fiependen Handvoll Welpe auf die Decke getrottet. Irgendwie hatte es seltsam gerochen und dann war die jungen Frau der Ursache schon auf die Spur gekommen: eine kleine Lacke hatte verräterisch neben der Decke geschimmert. Das kleine Hundekind war natürlich noch nicht stubenrein und so hatte es seine Notdurft einfach im Schlafgemach hinterlassen. Den Göttern sei Dank neben dem Fell. Während ihr Seemann in der Küche die Milch gewärmt hatte, hatte sie eines der Tücher, welches Adele ihr am Vorabend für einen etwaigen kalten Wickel gerichtet hatte, genommen und die Bescherung unter Cronas wachsamen Augen beseitigt. Das Kleine hingegen hatte Hunger, sodass es sich auf immer fordernderes Fiepen verlegt hatte. Aber dann war Shalhor bereits zurückgekehrt und sie hatte das Kleine gefüttert, während er sich für Kayas Ehrentag zurechtgemacht hatte. Sie selbst war nach der Fütterung nur rasch in einen dunkelroten Rock und eine weiße Bluse geschlüpft, hatte die blonde Mähne nachlässig hochgesteckt und war dann von ihm in die Küche geführt worden. Eigentlich hätte sie ja geplant, gleich ihre Kleider mit in den Pfirsich zu nehmen, um selbige dem wöchentlichen Waschtag einzuverleiben aber Marthe hatte ihre Sachen bereits mitgenommen. So war sie ohne viel Gepäck an dem großen Tisch in der Küche gelandet. Die Art, wie Shalhor gelächelt hatte, als die Sprache auf Kayas Ehrentag kam und die Freude, mit der das ganze Gesinde sich den Feierlichkeiten anzuschließen gedenkt, erinnert sie an den Pfirsich, an den Zusammenhalt, der dort herrscht. Mit einem Mal hatte sie ein kleiner Anflug von Heimweh befallen und sosehr sie Shalhor wohl vermissen würde, so freut sie sich auch auf ihr Zuhause. Xilian und sie hatten noch das Frühstück eingenommen, dann waren sie auch schon aufgebrochen, immerhin sollte der Pferdeknecht die Zusammenkunft zu Kayas Ehren in der großen Halle dann nicht versäumen.

Eben rumpelt die Kutsche vom Hof. Im Rasen neben dem Weg tollen zwei der drei Hunde übermütig umher, während der Dritte, der Rüde, mit wachsamen Augen die Abfahrt der Kutsche verfolgt. Gedankenverloren blickt Sigourny aus dem Fenster. Irgendwie ist es, als würde sie aus einer anderen Welt wieder zurück kehren in die Realität. Eine Realität, die sie bereits am Tor zum Anwesen einholt. Als sie auf die Straße einbiegen, fällt ihr Blick auf eine Schachtel, die gleich neben der Einfahrt liegt. Ein kalter Schauer rinnt ihr über den Rücken. „Xilian, halt an!“ Gleichzeitig öffnet sie bereits den Verschlag und kaum, dass die Kutsche steht, springt sie heraus, schafft es gerade noch, den verletzten Fuß nicht zu belasten und eilt zur Mauer. Mit zitternden Fingern öffnet sie die schwarze Schleife und hebt den Deckel an. Mit einem erstickten Aufschrei lässt sie diesen fallen. Vor Schreck beißt sie sich auf die Fingerknöcheln. Es ist auch ein makabres Geschenk, was hier abgelegt wurde: Auf einem Bett aus schwarzen Orchideen liegt eine tote Ratte mit Schaum vorm Maul, in dem zu allem Übel ein Pfirsich steckt. An den Schwanz des Tieres ist eine Karte gebunden worden:

Ich weiß wo du bist!

Trotz der Kälte rinnt ihr der Schweiß den Rücken hinunter. Nein, nein, nein! Das darf alles nicht wahr sein. Angst wechselt mit Wut, Schrecken mit Zorn. Oh dieses verdammte alte vertrocknete Miststück! Am liebsten würde sie sofort in die Unterstadt stürmen und der Alten den Hals umdrehen, ihr weh tun, … hinter sich hört sie Schritte. >Madame?< Sie hat Xilian komplett vergessen. Hastig packt sie den Deckel wieder auf die grausige Gabe. >Alles in Ordnung? Darf … darf ich fragen, was das ist?< Sigourny blickt auf und sieht Xilian in das besorgt-misstrauische Gesicht. Langsam richtet sie sich auf, jedoch nicht ohne die Schachtel aufzuheben. „Das … das ist für mich bestimmt. Es hat mit der Sache in der Unterstadt zu tun.“ >Dann sollten wir umkehren und seiner Lordschaft Bescheid …< „Nein! Xilian bitte nicht. Ich sag es ihm selbst aber … nicht heute!“ Der Pferdeknecht wirkt alles andere als begeistert, am liebsten würde er Madame in die Kutsche packen und zurück nach Taresnar und in die Obhut seines Herrn verfrachten. Er hat gesehen, in welchem Zustand sich die Pfirsichwirtin befunden hatte, als seine Lordschaft sie aus der Unterstadt geholt hatte. Und nur zu gut konnte er sich, wie alle im Anwesen, daran erinnern, dass Elsa von einem Tag auf den anderen gehen musste. Und er hat bei allen Göttern keine Lust, seine Stellung zu verlieren. Aber das Frauenzimmer, das da vor ihm steht, redet wie ein Wasserfall auf ihn ein und setzt dabei einen Hundeblick auf, von dem die Vierbeiner am Anwesen noch etwas lernen könnten. „Xilian, ich verspreche, ich sag es seiner Lordschaft morgen selbst, ich schwöre es bei Inari und allen ihren Archonen. Aber heute ist Kayas Ehrentag und ich würde es mir nie verzeihen, wenn ich den verderbe. Du bringst mich in den Pfirsich und dort bleibe ich, Ehrenwort. Du kennst Guivan und Ronan, an denen kommt so leicht keiner vorbei. Und Tane hat die Wachen dazu gebracht, den Gasthof im Auge zu behalten. Mir wird nichts passieren.“ Und außerdem kann ich mich selbst verteidigen, wenn es sein muss. In einem Korb unter dem Sitz der Kutsche liegen sowohl ihre angespitzten Haarnadeln als auch Messer und Stiefeldolch. Shalhor hatte ihr die Sachen auf ihre Bitte hin in der Früh gegeben, schön in dem Korb verborgen.

Wirklich überzeugt wirkt Xilian nicht aber er ist auch nur ein Mann und kann einer schönen Frau, vor allem wenn sie ihn mit so einer Unschuldsmiene ansieht, nur schwer etwas abschlagen. >Na gut, ich fahre euch zum Pfirsich. Aber Madame, wenn irgendetwas seltsam oder gar bedrohlich wirkt, dann schickt jemanden nach Taresnar! Ich bitte euch! < „Ist gut, versprochen!“ Mit dieser Übereinkunft gibt Xilian sich zähneknirschend zufrieden und hilft Sigourny wieder in die Kutsche. Dann reicht er ihr die Schachtel, der ein seltsamer Geruch entströmt. Wohl ist ihm nicht bei der Sache, soviel steht fest. Mit einem mulmigen Bauchgefühl klettert er auf den Bock. Heute würde er seinen Mund halten, aber sollte Madame morgen nicht mit der Geschichte rausrücken, würde er seinen Herrn unterrichten. Und nach Möglichkeit würde er Tane oder Perrin im Pfirsich einen Hinweis geben, den beiden nichts zu sagen hatte er ja nicht versprochen. Sich in dieser Form selbst beruhigend, lenkt er die Kutsche in Richtung Verder Tor. Ebenso wenig wie sein Fahrgast bemerkt er dabei die dunkle Gestalt, die sich in den Schatten nahe dem Anwesen herumdrückt … und zufrieden vor sich hin grinst. Der Plan war doch noch aufgegangen. Eigentlich hatte er geplant, die Schachtel direkt vor der Haustür abzuladen und dann die Aufmerksamkeit mittels Klopfen zu erregen. Aber die drei haarigen Monster, die auf dem Anwesen herumschleichen, hatten ihm einen Strich durch die Rechnung gemacht. Beinahe hätte er in der vergangenen Nacht den Weg zum Herrenhaus betreten und wäre wohl deren nächtlicher Imbiss geworden, hätte er nicht ein leises Knurren vernommen, was ihn davor gewarnt hatte. So hatte er die Schachtel hinter der Mauer abgelegt und beobachtet. Er ist schlau, nicht stark wie die meisten Handlanger der Grappe aber dafür auch nicht hirnlos. Und so war er nicht planlos zurück gerannt, sondern hatte den Plan adaptiert und siehe da, es hatte geklappt. Zufrieden huscht er Richtung Unterstadt, seiner Herrin Bericht zu erstatten und zu melden, dass sich das Ziel ihrer Unternehmungen ohne ihren elbischen Begleiter Richtung Pfirsich aufgemacht hat.
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Sigourny

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Monday, August 12th 2019, 9:41pm

<- Der Pfirsich

Sigourny hetzt durch die Straßen, merkt dabei nicht, dass sie immer wieder Leute anrempelt. Ein halber Glockenschlag …. Nicht viel Zeit und durch die Suche nach den Messern waren wertvolle Minuten verstrichen. Sie weiß genau, welche Gasse gemeint ist, sie ist trotz der Lage in der Nähe des Markplatzes eine dunkle, abgeschiedene Ecke. In ihrer Phantasie sieht sie all die schrecklichen Dinge, die Maddie zustoßen könnten, sollte sie zu spät kommen. Ihr Götter, bitte lasst mich rechtzeitig sein! Es sind nur noch wenige Schritte und doch hat sie das untrügliche Gefühl, es nicht zu schaffen. Das ungute Gefühl bestärkt sich, als in der Umgebung der besagten Gasse auffallend wenig Passanten zu sehen sind. Für einen Moment hält sie inne, atmet durch und geht dann mit sicheren Schritten weiter. Sie darf ihren Gegnern auf keinen Fall das Gefühl geben, dass ihre Drohung sie berührt hat, dass …. >Tja Kleine, sieht so aus, als wäre deine Unversehrtheit Madame nicht wirklich wichtig, sonst wäre sie schon hier. Mal sehen, was du zu bieten hast ….< Das Reißen von Stoff ist zu hören und der unterdrückte Aufschrei eines Mädchens. Alle Vorsätze, ruhig und überlegen zu wirken, verblassen in der kalten Luft Talyras. Obgleich ihr Knöchel protestiert, überwindet sie die letzten Schritte beinahe im Laufschritt.

Was sie im düsteren Licht der Gasse sieht, schnürt ihr die Kehle zu: Zwei finstere Kerle, einer davon der unheimliche Gast vom Vorabend, eben jener mit den kalten Augen, halten Maddie fest, deren Augen vor Panik weit aufgerissen sind. Während Kaltauge ihr jene unheilvollen Worte ins Ohr raunt, hält der andere ihr mit schmierigen Fingern den Mund zu. Vor dem Mädchen hat sich ein weiterer Kerl, dem Mundzuhalter sehr ähnlich sehend, aufgebaut und hat eben seine Hand in die Bluse des Mädchens geschoben, welche zerrissen an ihren Schultern hängt. Tränen rinnen Maddie übers Gesicht. Sigourny stockt der Atem. Nein, nein, das kann nicht wahr sein. Mit einer einzigen fließenden Bewegung löst sie den Umhang, zieht die beiden Messer aus den Oberarmscheiden und ihre Stimme schallt durch die Gasse. „Nehmt eure dreckigen Pfoten von ihr, verflucht nochmal.“ >Sonst was?< Der Grapscher grinst sie über die Schulter dreckig an, ohne seine Hand auch nur einen Millimeter weg zu bewegen. >Was wenn nicht? Dein halber Glockenschlag ist um, du bist zu spät. Strafe muss sei….< Weiter kommt er nicht, denn eines der Messer, das sich eben noch in Sigournys Händen befunden hat, steckt nun zwischen seinen Schulterblättern. Mit einem Gurgeln rutscht er zu Boden. >Du Schlampe hast meinen Bruder getötet!< Mit diesem Aufschrei lockert sich der Griff an Maddies Mund, und die Kleine, obgleich geschockt von den Ereignissen, reagiert geistesgegenwärtig: Sie beißt zu, so fest sie kann. >AU! Du Miststück!< Vor Schreck lässt er auch ihren Arm los und mit einem Ruck kann sie sich losreißen und stürmt auf Sigourny zu. „Lauf Maddie, mach dass du weg kommst! Ich halte sie auf!“ Warum sie ihr nicht folgt, sie weiß es nicht, ist es der Hass ob des Angriffs auf ihre Schutzbefohlene oder das Aufblitzen eines Steines am Griff des Dolches in der Hand von Eisauge, ein Aufblitzen in einem Rotton, den sie nie vergessen würde. Maddie stolpert an ihr vorbei, die zerrissene Bluse um die Brust zusammen haltend. Weit aufgerissene Augen starren Sigourny an, die die beiden noch stehenden Männer nicht aus den Augen lässt. Sie kommen näher, schneller als erhofft und würde sie auch weg rennen, wäre die Gefahr groß, dass sie ihnen in den Rücken fallen.

Mit einem Knurren scheint sich jener, der von Maddie gebissen wurde, auf Sigourny stürzen zu wollen, während Kaltauge sich im Hintergrund hält, sein verschlagenes, grausames Lächeln auf den Lippen. Lauf Maddie, schau nicht zurück! Ich weiß nicht, wie viel Zeit ich dir verschaffen kann!

Als würde das Mädchen ihre stumme Bitte hören, hastet sie aus der Gasse. Immer wieder blickt sie sich um. Sie muss Hilfe holen aber sie kann Sigourny doch nicht im Stich lassen. Eben blickt Maddie wieder zurück, voll Hoffnung, dass ihre Dienstherrin ihr folgt und auch voll Angst ihre Peiniger könnten sie überwältigt haben. Da sie so nicht auf den Weg achtet, läuft sie in einen Mann. Vor Schreck entfährt ihr ein unterdrückter Schrei. Nicht noch einer!
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Shalhor

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273

Tuesday, August 13th 2019, 11:01pm

- in einer engen, dunklen Gasse, abseits des Marktes -

"BEI DEN GÖTTERN", flucht Shalhor keuchend auf.
Er war an diesem jungen Morgen bereits in der Stadthalle, um sich wegen gewisser Formalitäten zu erkundigen und will bei der Gelegenheit gleich noch den hier ganz in der Nähe ansässigen Goldschmied aufsuchen, um ein Schmuckstück umarbeiten zu lassen, weshalb er das unmittelbare Gedränge auf dem Markt und diverse Langfinger meidet. Doch auch an dessen Rande ist man vor deren Tricks nicht gefeit. Für genau solch eine tückische Attacke hält es Shalhor im zweiten Moment, nachdem ihn irgendjemand aus einer engen, finsteren Gasse heraus beinahe umgerannt hat und packt das Miststück geistesgegenwärtig mit eisernem Griff bei den Armen, dass sie ihm nicht mit der möglichen Beute entschlüpfen kann. "Dir werd' ich zeigen, ...", hat er bereits äußerst ungehalten und knurrend zu einer alles andere als zimperlich werden wollenden Standpauke angesetzt, da blicken große, schreckgeweitete Augen zu ihm aus einem Gesicht auf, dass ihm keineswegs fremd ist. "Maddie? Duuu?" Verblüfft starren sie einander an und im ersten Moment völliger Verwirrung, fragt sich Shalhor, warum Sigourny denn nicht gesagt habe, dass der Pfirsich weit größere Geldsorgen hatte, als er erahnen konnte. Ich hätte doch ... Weiter aber folgen seine Gedanken diesem Irrweg nicht, denn Maddie fasst sich und beginnt hektisch auf ihn einzureden. "Sie bringen sie um, bitte, ihr müsst ihr helfen, die sind doch zu dritt, zu zweit, Ich wollte sie nicht alleine lassen, aber, bitte tut doch was..." Dass es nur um Sigourny gehen kann, weiß er sofort und trotz Maddies verängstigt wirrem Gestammel auch, in welch großer Gefahr sie schwebt und er keinen einzigen, weiteren Augenblick mit dem Mädchen verschwenden darf. Also lässt er sie fahren und hechtet los, hinein in diese enge, dunkle Gasse, aus der Maddie gekommen war. Er rennt, als sei der Dunkle hinter ihm her und sein Puls rast. Da ist kein Gedanke, wie sie in diese Situation gekommen sein könnte oder ob es es bereits zu spät sein könnte, einzig der brennende Wille, schnell zu sein, verdammt schnell. Dann sieht er sie, vielmehr nur ein Wulst miteinander kämpfender Schatten und Schemen und als einer dieser stolpert und stürzt, jagt ihm ein wilder Schrei aus der Kehle. Die beiden Anderen verharren für den Bruchteil eines Herzschlag, scheinen seiner gewahr geworden zu sein, bevor sie wieder aufeinander losgehen. Da erst wird sich Shalhor bewusst, die Wogenklinge bereits gezogen zu haben und diese wie einer dieser wilden Barbaren aus dem hohen Norden über seinem Haupt zu schwingen. Noch fünfzehn Schritt und der Gefallene ist wieder auf den Beinen. Inzwischen erkennt Shalhor mehr, kann Sigourny an ihrem hellen Haar ausmachen und wie sie die Enge der Gasse zu ihrem Vorteil auszunutzen weiß, jenen, mit den sie unmittelbar kämpft, wie ein Schild gegen den anderen Angreifer zu manövrieren und wäre die Situation eine Andere, so würde er ihrem so wendigen wie geschickten Kampfstil gewiss Be-, oder vielmehr Verwunderung entgegenbringen, Aber die Situation ist keine Andere und der Zweite stürmt nun ihm entgegen. Beide Hände am Heft dreht er sich in den Hieb hinein und erwischt den Gegner an der Seite, doch von den Beinen holt er ihn nicht, muss nun selbst einer hervorschnellenden Klinge ausweichen. Die Nächste kann er parieren, doch dieser elende Drecksack, hat ihn zu dicht ans Gemäuer gedrängt, dass er ihm nur das Schwertheft in die dreckige Visage schmettern kann. Aber er hat wieder Raum gewonnen und nutzt ihn, diese Kanaille mit schnellen Paraden vor sich her zu treiben, nicht wieder zum Zug kommen zu lassen, Der versucht sich im Messerwurf, doch reichlich schlecht, schließlich lässt ihm Shalhor keine Zeit, ihn anzuvisieren. Und als sich dieser letztlich hinterücks aus seinem Gurt neu zu bewaffnet versucht, holt Shalhor zum finalen Hieb aus, ihm den Kopf vom Leib zu trennen. Zu spät! Er sieht das Messer herniedergehen, noch bevor er die Wogenklinge herumreißen kann. Es gräbt sich bis zum Griffstück tief in die Halsseite. Shalhor hält wie versteinert inne und die Zeit scheint in diesen Augenblicken stillzustehen. So wenigstens kommt es ihm vor, bevor der Blick seines Widersachers bricht und dieser stumm in sich zusammensackt. "Puh'!" Sie aufrecht stehen zu sehen, setzt die Zeit wieder in Gang, doch als sein Blick den Anderen sucht und findet und erkennt, was gleich geschehen soll, kann er sich nur noch gegen sie werfen und an die Hauswand pressen, schon saust die Klinge an ihren Köpfen vorbei und bleibt im Balken eines Fachwerks nur knapp einen Schritt weiter stecken. Als dieser letzte Angreifer erkennt, dass sein Wurf fehlgegangen ist, ergreift der die Flucht. Shalhor will ihm nachsetzen, doch Sigourny hat sich so fest an seinem Pelzmantel festgekrallt und zittert wie Espenlaub, dass er von diesem Ansinnen ablässt. Er folgt ihrem geweitetem Blick hin zu der Klinge, die im Holz steckt und ja, wie ein gewöhnliches Messer sieht es nicht aus, aber "es ist vorbei, Dioma, hörst Du? Es ist vorbei!" Er löst sich von ihr, um ihr Gesicht zwischen seine Hände nehmen zu können, damit sie ihn endlich ansieht und begreift, da entdeckt er das Blut, dass aus ihrer Wunde sickert. "Verfluchter Nargendreck, Du bist verletzt!" Und weil er sich gerade nicht anders zu helfen weiß, presst er seine Hand gegen die Wunde, die sich von ihrer Schulter aus bis über ihren Oberarm hinab zieht.
Man sollte keine Dummheit zweimal begehen, die Auswahl ist schließlich groß genug!

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Sigourny

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274

Wednesday, August 14th 2019, 5:38pm

Ihr Atem geht schwer und jetzt, wo die unmittelbare Gefahr gebannt zu sein scheint, zittert sie am ganzen Körper. Zwei ihrer Messer stecken in den Angreifern, das dritte fällt mit einem Scheppern zu Boden. Dafür krallen sich ihre Finger in Shalhors Pelzmantel. Wie und wo ihr Seemann so plötzlich hergekommen ist, weiß sie nicht, aber es ist ihr egal, wichtig ist nur, dass er da ist. Und dass es ihm gut geht. Ihr Herz war ihr beinahe stehen geblieben, als der Bruder des als erstes Ausgeschalteten mit einem Messer auf ihn losgegangen war. Sie weiß um seine Erfahrung im Kampf und im Umgang mit dem Schwert aber in einer engen Gasse ist ein Messer die bessere Waffe und vor allem die Heimtückischere. In den Minuten vor seinem Auftauchen hatte sie sich gegen beide Unholde zur Wehr setzen müssen, in jenem tödlichen Tanz, der in ihren Jahren in der Unterstadt zu einem Teil ihrer Natur wurde und den sie doch aus tiefstem Herzen verabscheut, ja sogar hasst. Nach Möglichkeit hat sie immer vermieden zu töten, Drohungen und geschickt gesetzte Stiche und Schnitte, die kampfunfähig machten, hatten meist genügt. Doch diesmal nicht, diesmal ging es ums Ganze. Und so hat sie keinen Moment gezögert, ihr Messer im Hals des Angreifers zu versenken. Sie war dabei das Risiko eingegangen, Eisauge aus dem Blick zu lassen, nicht ohne ihm vorher jedoch einen Schnitt quer übers Gesicht verpasst zu haben. Aus leidiger Erfahrung weiß sie, dass diese Verletzung den Betroffenen meist so schockiert, dass er zumindest einige Minuten außer Gefecht ist. Auch wenn die folgende Wut oft umso größer ist.

Nun steht sie mit dem Rücken an der Wand, geschützt durch Shalhors Körper und Eisauge ist weg. Wie sie dorthin gekommen ist, diese Momente, zwischen dem Stich in den Hals des Angreifers und dem jetzt, sind fast verschwommen. Was aber nicht verschwommen ist, ist das Ding im Fachwerk. Ihre Augen fixieren den Dolch, der neben ihnen im Holz steckt. Sie erkennt die Waffe. Nur zu gut. Sie weiß wo diese Kerle herkamen, wusste es schon vorher, aber jetzt hat sie die Bestätigung. Shalhor bringt sie dazu, ihn anzusehen, seine sanfte Stimme dringt wie aus weiter Entfernung zu ihr >Es ist vorbei, Dioma, hörst Du? Es ist vorbei!< Maddie, wo ist Maddie? >Verfluchter Nargendreck, Du bist verletzt!< Zu jedem anderen Zeitpunkt hätte es sie zum Lachen gebracht, ihn ihren Lieblingsfluch gebrauchen zu hören. Ihn, der sich stets so gewählt ausdrückt. Aber es ist kein anderer Zeitpunkt. „Es … es ist nur …nur ein Kratzer.“ Bringt Sigourny schließlich heraus. „Wirklich, nicht schlimm. Ich weiß gar nicht, wie es passiert ist!“ Ehe er darauf aber in irgendeiner Weise antworten kann, stürmen weitere Personen in die Gasse. >Sigourny!< Maddie drängt sich an den drei Blaumänteln vorbei, die sie begleiten. Das Mädchen ist kreidebleich, zittert am ganzen Körper und hält krampfhaft die zerfetzte Bluse über der Brust zusammen. Sigourny entzieht sich Shalhors Griff und geht ihr entgegen. Dabei versucht sie der Kleinen den Blick auf die Leichen zu verstellen. „Alles ist gut, es ist vorbei!“ Sie zieht sie an sich und drückt den Schopf an ihre unverletzte Schulter. „Sieh nicht hin, Maddie. Sie können dir nichts mehr tun aber sieh nicht hin!“ Sanft schiebt sie sie Richtung der Blaumäntel, weg von der blutigen Szenerie. „Wo ist dein Umhang, Maddie? Du bist ganz kalt.“ > Er … sie … sie haben ihn mir weg genommen und …und dann …< ein trockenes Schluchzen entfährt ihrer Kehle. >Dann haben sie ihn zerschnitten, und … und der mit den unheimlichen Augen hat gesagt, dass sie das auch mit meinem Gesicht machen werden, wenn du nicht kommst. Und … und dass sie ….< Tränen rinnen über Maddies Gesicht. „Schschsch ist gut, es ist vorbei. Alles wird gut!“ Sigourny sinkt mit Maddie, die nun nur mehr haltlos schluchzen kann, zu Boden. Neben ihr liegt ihr eigener Umhang, den sie zuvor fallen gelassen hat. Diesen legt sie nun um die Schultern des Mädchens. Nicht nur um sie vor der Kälte zu schützen, auch um ihr die Möglichkeit zu geben, sich vor den Blicken der Männer zu verbergen. >Ich habe Doug am Markt getroffen und … und ihn und seine Kollegen mitgebracht. Ich … ich hatte solche Angst, dass sie dich umbringen oder Shu’re Shalhor. Ich wusste nicht was …< „Alles in Ordnung Maddie, du hast alles richtig gemacht.“ Sanft wiegt sie sie in den Armen, immer noch am kalten Boden sitzend. Über Maddies Schulter hinweg begegnet sie Shalhors Blick, der sich mit einem der Blaumäntel unterhält, während Doug die Toten inspiziert.

Dass der Elb den seltsamen Dolch aus der Fachwerkfassade an sich genommen hat, bevor die Blaumäntel ihn entdecken konnten, hat sie aber nicht mitbekommen. Nun kommt seine Lordschaft auf Sigourny und Maddie zu. In den Händen hält er Teile des zerschnittenen Umhangs. Sanft fasst er nach ihrem Arm und befreit ihn von den Resten mittlerweile blutgetränkten Bluse. Dann verbindet Shalhor den Schnitt mit dem Stoffstreifen aus Maddies Umhang. Besser als nichts. Dann zieht er sie sanft auf die Füße und Maddie, die sich nach wie vor an Sigourny klammert, gleich mit. >Du bist eiskalt Puh‘! Hier … < Mit diesen Worten legt er ihr seinen eigenen Mantel um die Schultern. Sie verschwindet beinahe darin. „Danke!“ >Ich habe mit den Blaumänteln gesprochen. Es war Notwehr, erwiesener Massen. Wenn du und Maddie in den nächsten Tagen in die Steinfaust geht und eure Aussagen macht, reicht es. Sie … sie kennen die beiden Gestalten.< Bei den letzten Worten wird seine Stimme leiser, sodass Maddie es nicht wirklich verstehen kann. > Es gab immer wieder Vorfälle, in deren Zusammenhang die beiden wegen Übergriffen auf Frauen oder Überfälle verdächtig waren, aber nie hat jemand etwas Stichhaltiges ausgesagt. Doug meinte, es schien, als hätten alle Angst, aber sie sind nicht dahinter gekommen warum.< Sigourny nickt. Sie weiß, wie einschüchternd diese Missgeburten sein können. Nun, die beiden würden keinen mehr einschüchtern oder überfallen. Dennoch hat sie einen Kloß im Hals wenn sie daran denkt, dass es sie war, die deren Karrieren beendet hat. Nicht hier, nicht jetzt! ermahnt sie sich, um einen Zusammenbruch zurück zu drängen. Eisauge ist noch da draussen und jetzt würde es hässlich werden. Sie ist entkommen und hat ihn verletzt und der Grappe erneut getrotzt.

Ein sanfter Druck an ihrer Schulter holt sie in die Wirklichkeit zurück. >Lass uns zurück gehen Puh‘, ihr braucht beide Ruhe, ein warmes Bad und dein Arm muss verbunden werden.< Shalhor führt sie sanft aus der Gasse. Bewusst sucht er dabei Gassen und Straßen aus, die sie am größten Gedränge vorbei führen, auch wenn er dafür Umwege in Kauf nehmen muss. Auch kommen sie nicht wirklich schnell voran, da Maddie sich kaum auf den Beinen halten kann. Der Schock hat mit voller Wucht zugeschlagen und Sigourny fürchtet fast, gar nicht mehr anzukommen. Doch, es ist schon kurz nach Ende der Stunde der Ruhe, als der Hintereingang des Pfirsichs in ihren Blick kommt.
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