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Tane

Stadtbewohner

Posts: 9

Occupation: Frauenheld

Location: Pfirsich

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151

Thursday, May 30th 2019, 5:47pm

Die junge Dame von Taresnar … unauffällig mustert Tane das Mädchen, dass seiner Meinung nach so gar nicht nach Elbe oder Halbelbe aussieht. Er würde wohl einige Informationen einholen müssen, immerhin hat er als großer Bruder gewisse Pflichten und wenn sich Sigourny wirklich näher mit dem Spitzohr einlassen will, dann will er wissen woher bei allen neun Höllen eine ‚junge Dame von Taresnar‘ kommt. Allerdings ist er sich nur zu gut bewusst, dass seine Schwester davon keinesfalls Wind bekommen darf, sie würde ihm eine Einmischung kaum verzeihen … und er würde es sich auf der anderen Seite nicht verzeihen, wenn er irgendwas verhindern könnte, was sie verletzt. Verdammt, irgendwie hat er gerade das Gefühl, in dieser Situation nur verlieren zu können. Den Göttern sei Dank wendet sich Kaya, so hat sich das Mädchen vorgestellt, in diesem Moment an Adele und während des kurzen Wortwechsels kann er seine beinahe entgleisten Gesichtszüge wieder in Ordnung bringen. Als das Persönchen sich mit den Worten ‚Das könnte noch was dauern‘ in Richtung Eingangstür davon macht, ist er wieder ganz Herr seiner Mimik. „Klingt so als hätte sie nicht die beste Laune …“ murmelt er leise vor sich hin, wendet sich aber dann Adele zu, die ihm eben eine Tasse Tee oder Coffea anbietet, sofern seine Zeit das erlaube. „Es wäre mir ein Vergnügen, möchte aber keineswegs Umstände machen!2 Die oberste Magd winkt ab und so folgt er ihr in die Küche, die irgendwie entfernte Ähnlichkeit mit jener des Pfirsichs hat. Allerdings ist sie bis auf die Köchin leer, doch einen Moment später öffnet sich die hintere Tür und Xillian kommt herein. Tane kennt ihn, ist er doch immer wieder einmal Gast im Pfirsich und neben den Mädchen ist er auch einem guten Schwatz an der Theke meist nicht abgeneigt. >Tane, sei gegrüßt! Was treibt dich nach Taresnar? Wie läuft das …. Obstgeschäft?< begrüßt er ihn. Tane stutzt kurz, schaltet dann aber schnell. Natürlich, Xillian will nicht vor den weiblichen Angestellten des Hauses auf die Mädchen im Pfirsich zu sprechen kommen. „Sei gegrüßt, alles Bestens, die Früchte gedeihen prächtig. Sigourny bat mich durch Dar ihr einige Geschäftsunterlagen vorbei zu bringen.< Mit einem verschwörerischen Grinsen, dass nur ein anderer Mann verstehen kann, nimmt er von Adele einen Becher Cofea in Empfang und platziert sein Hinterteil auf einem Hocker, den die oberste Magd ihm zuweist.

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Shalhor

Stadtbewohner

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Posts: 143

Occupation: Schiffbauer / Reeder

Location: Talyra

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152

Monday, June 3rd 2019, 4:55pm

Sie wird es tun, ist Shalhors sonst so feines Lächeln zu einem verdammt breiten, zutiefst zufriedenen und vielleicht auch jungenhaft dämlichen Grinsen geworden, wie er da so mit geschlossenen Augen liegt und sich von ihren Worten entführen lässt, hin zu kalten, langen Winternächten vor dem warmen, gemütlich vor sich hin knisternden Kaminfeuer, ausgestreckt auf dem Schneeleopardenfell und einem ganzen Berg von Kissen, nur sie und er, abgesehen von einem Kartenspiel oder gutem Buch und natürlich roten, süßen Wein. Wer hätte gedacht, dass ihm der Winter irgendwann einmal so reizvoll erscheinen könnte. "Mach ich", murmelt er noch ganz eingenommen, als sie ihn bittet, ihr das Lesen beizubringen. Wobei beibringen wohl das falsche Wort dafür ist. Die Technik ist ihr geläufig, allein an Übung mangelt es ihr und die Zeichen wollen sich in ihrem Geist noch nicht ganz selbstverständlich zu Worten formen ... Gestotter ... Es ist wie mit so vielen Dingen im Leben, die Übung macht den Meister ... und natürlich die umsichtige Wahl der Lektüre, keinen Reisebericht mit komplizierten Eigennamen und Begrifflichkeiten wie gestern, besser eingängige Geschichten mit spannenden Handlungssträngen, die die Lust am Weiterlesen schüren, unbedingt erfahren zu wollen, wie es weiter und letztlich ausgeht. Wie hieß doch noch dieser Schreiberling, dessen Bände Noravendis seinerzeit regelrecht verschlungen ... Bitte WAS? Im See schwimmen? Schlagartig reißt Shalhor die Augen auf, auch wenn er keine Miene verzieht. NEIN ... alles ... nur DAS nicht! Keine Bucht könnte ihm einsam genug sein und selbst das Mondlicht scheint ihm noch viel zu hell, um garantiert zu verbergen, was er nur sie sehen ließ. Er geht nie öffentlich baden, nicht im Badehaus und auch nicht in den Ildorel, NIE! Für gewöhnlich geht er auch nicht nur so zum Schauen zum Platz der Händler. Warum auch? Die Handelswege zu Lande sind nicht sein Metier. Aber die meisten Frauen tun so etwas gern und wenn er ihr damit eine Freude machen kann, will er sie gern begleiten. Ihre Blicke treffen sich wieder oben im Spiegel. Er mag es sehr, sie so zu sehen, so pur, so ganz sie selbst und ganz bei sich ... und bei ihm natürlich. Diese Zweisamkeit fühlt sich unglaublich gut an, dass es ihm beinahe genauso ergeht, wie ihr noch vor ein paar Augenblicken.

Doch die Zeit lässt sich nicht anhalten. Es wird ihm wieder bewusst, als sie ihn fragt, was er heute vorhabe. Sie hätten längst aufstehen sollen und wie er ihrem Blick durch den daunenfedergeschmückten Raum folgt, nicht nur das. Sie muss gar nicht sagen, was ihr bei diesem Anblick durch den Kopf geht. Dieses Schlachtfeld bietet viel zu viel Anlass für Getuschel unter seinem Gesinde. Die Ereignisse der letzten Tage angefangen bei diesem unverschämten Brief auf feinstem, handgeschöpften Büttenpapier, der zu allem Überdruss auch noch nach Rosen duften musste, haben Taresnar schon genug Aufregung beschert. Er möchte sich gar nicht ausmalen, welche fantasievolle Stilblüten ihr beider Erscheinungsbild nach dem Ausflug in die Unterstadt bereits hervorgebracht haben mochte. "Als Erstes hier klar Schiff machen", antwortet er ihr, während er sich aus den Laken schält, "und dann habe ich, wenn ich mich recht erinnere, eine kleine Wette mit einem entzückendem Angsthäschen gescjlossen. Ich werde heute also entweder meine Wettschulden begleichen oder mit einem weniger ängstlichen, immer noch entzückendem Frauenzimmer ins Umland fahren und Vorbereitungen treffen, um einem gewissen Noch-nicht-so-ganz-Frauenzimmer eine Freude zu machen und mit beiden bin ich obendrein noch zum Frühstück verabredet", funkeln seine Augen vergnügt ob der angenehmen Verpflichtungen, die ihn heute erwarten, vom Ordnung schaffen einmal abgesehen. Aber das ist keine große Angelegenheit. Dank des Manas in seinem Blut, fügen sich die feinen Daunen seinem beschworenen Lüftchen mit all der ihnen innewohnenden Leichtigkeit und lassen sich durch den Riss der Kissenhülle wieder eben dort hinein verfrachten, natürlich nicht ohne Puh' vorher aufgewirbelt zu umkreisen, die sich auch gerade der Bettstatt erhebt. Schließlich lehnt er das Kissen sorgsam gegen die Fensterfront, damit seiner Wäschemagd sofort ins Auge fiele, dass etwas damit nicht stimmen kann und sie sich darum kümmern möge. Und dann macht auch er sich zügig fertig, den Tag zu beginnen.

Halla und Adele wechseln einen kurzen vielsagenden Blick. Glauben die Beiden ernsthaft, sie wüssten nicht genau, wovon sie da reden? Und als sie Tane den Becher Coffea in die Hand drückt, mag sie sich nicht verkneifen, ihm mit süffisanten Lächeln darauf zu stoßen: "Obst, dessen Früchte im Nebelmond noch prächtig gedeihen? Sachen gibt's!" "Vielleicht ist er ja im Tannenzapfengeschäft", gluckst Halla vor unterdrücktem Gelächter. Doch keine der beiden Frauen nimmt den Mannsbildern die Flunkerei wirklich krumm. Der Pferdeknecht hat sie neulich erst darüber aufgeklärt, wen seine Lordschaft da ins Haus geholt hatte und der erste Schock ist überwunden. Bleibt die Frage, was dieser Tane mit dem Freudenhaus zu tun hat. Ob er auch so ein prächtiges Früchtchen ist, fragt sich Adele im Stillen, oder so eine Art Companion wie der junge Herr Lanzir bei seiner Lordschaft? Der überbordende Charme von heute spricht eher für ein solches Früchtchen, der Zugang zu Geschäftsunterlagen eher für Letzteres, wenn das denn nicht auch noch geflunkert ist. Aber das kann ihr im Grunde auch gleich sein. "Solang er die Finger vom jungen Gemüse hier lässt", murmelt sie laut genug, dass es Tane nicht entgehen kann. Selbst Halla hat es gehört und schaut sich schlagartig ernst geworden nach Gesine um. Den Göttern sei Dank ist das unerfahrene, junge Ding noch oben und dabei für die Herrschaften den Frühstückstisch herzurichten. Das wird freilich nicht ewig dauern, aber sie wird ihre Küchenhilfe im Auge behalten ... natürlich nur, damit Gesine nicht in Schwierigkeiten gerät. Nicht etwa weil sie selbst ... Warum eigentlich hat er Adele eine Rose mitgebracht und Dir nicht? Unauffällig tastet Halla nach ihren Haar, ob es noch ordentlich aufgesteckt ist und streicht sich die Küchenschürze glatt. Und obwohl Adele dem jungen, feschen Kerl da schon einen Platz zugewiesen hat, legt Halla ein weiteres Frühstücksgedeck genau ihr gegenüber auf, also damit sie ihn genauestens im Auge behalten kann, nicht etwa seiner warmen, rehbraunen, treuherzig schönen Augen wegen. Doch es soll ganz anders kommen.

Adele hat die Küche kaum verlassen, schon kommt sie wieder und erklärt, seine Lordschaft und Madam haben sich im Esszimmer zu Tisch begeben, Gesine decke schnell um (denn eigentlich frühstücken seine Lordschaft und Kaya üblicherweise gern im Botanikum, wie er es auch mit Madam zu tun pflegt), nun aber bitten sie Tane zu sich als Gast an den Tisch und Halla solle doch bitte Kaya herein rufen, die sich irgendwo auf dem Anwesen aufhalten muss. "Bei den Hunden", wendet Xilian ein, der sie dorthin gehen sehen hat, als er vom Stall zum Haus gegangen ist und rafft sich auf. "Ich geh schon!" "Wenn Ihr mir also bitte folgen wollt", entwendet Adele Halla den jungen Mann schon wieder, die erst wagt zu seufzen, als sich außer ihr genau niemand mehr in der Küche aufhält. Tja, aus schönen Schüsseln kann man eben nicht essen...
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Sigourny

Stadtbewohner

Posts: 115

Occupation: Pfirsichwirtin und Teilzeitdiebin

Location: Der Pfirsich

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153

Monday, June 3rd 2019, 6:34pm

Angsthäschen …pfff! Gespielt schmollend zieht sie eine Schnute, hält das aber nicht wirklich lange durch, denn die verspielt um sie herum wirbelnden Daunen bringen sie doch wieder zum Lachen. „An diese Art aufzuräumen kann ich mich gewöhnen!“ neckt sie ihn, während sie die Schiene anlegt und mit einem Zwinkern hinter dem Paravant verschwindet. „Heute Abend muss ich unbedingt ein Bad nehmen, vor allem meine Haare brauchen eine Wäsche.“ Skeptisch schielt sie eine Strähne an. Ein leises Lachen kommt von der anderen Seite. Rasch schlüpft sie in ein einfaches violettes Hemdkleid mit einem breiten braunen Ledergürtel, steckt die Füße in die neuen, flachen Halbschuhe und steckt die blonde Mähne in wilden nachlässigen Locken auf. Rein instinktiv sieht sie sich nach ihrer Messerscheide um. Hör auf, du brauchst sie hier nicht! Aber ihre Messer fehlen ihr ebenso wie die angespitzten Haarnadeln. In einem ruhigen Moment würde sie Shalhor danach fragen, aber das muss sie geschickt anstellen, will sie ihm doch nicht in irgendeiner Form vor den Kopf stoßen. Denn wie würde er reagieren, wenn er herausfindet, dass sie mit diesen Dingen äußerst geschickt umzugehen weiß? Lautlos atmet sie durch. Irgendwann würde sie ihm über ihre Vergangenheit erzählen müssen …. Aber nicht heute. Aber zu lange warten sollte sie wohl auch nicht, so zum Thema Geheimnisse und so.

Dann aber schiebt sie diese Sorgen entschieden zur Seite. Sie will sich diesen Tag, der so vielversprechend begonnen hat, nicht von irgendwelchen Hirngespinsten zerstören lassen. Denn gleichgültig ob sie die Stute streicheln würde oder nicht, sie würden einen gemeinsamen Tag verbringen, draußen. Und wenn es nach ihr geht, wird kein Moment davon verschwendet. So rasch sie mit ihrem Fuß kann, ohne allzu schlimm zu humpeln, kommt sie hervor und gemeinsam verlassen sie das Gemach. Auf dem Gang begegnen sie Adele, die sie informiert, dass Tane mit den Geschäftsunterlagen hier sei und ihr Seemann lässt ihn kurzerhand zum Frühstück bitten und verlegt selbiges vom Botanikum ins Esszimmer. Auch lässt er nach seinem Mündel schicken. Ob sie heute gesprächiger ist? Sigourny würde das Mädchen auf keinen Fall ausfragen oder unter Druck setzen, sie kann sich denken, dass es eine seltsame Situation für sie sein muss. Eine Fremde im Bett des Hausherrn vorzufinden, auch wenn es sich um eine komplett unverfängliche Sache war. Und da ist noch dieses Wort Anaana … Doch es ist nicht Kaya, die kurz nach ihnen das Zimmer betritt sondern Tane.

>Sonnenschein! Du siehst blendend aus!< begrüßt ihr Bruder sie. >Shure Shalhor, einen schönen guten Morgen wünsche ich euch!< nickt er dem Hausherrn zu. Sigourny freut sich, den jungen Mann zu sehen aber da ist noch eine Sache. Mit einem breiten Grinsen kommt sie auf ihn zu, umarmt ihn … und raunt ihm ins Ohr „Wenn du mir noch einmal irgendetwas verheimlichst, was mit mir, dem Pfirsich oder seinen Leuten zu tun hat, singst du die nächsten Wochen im Knabenchor und von den Laken der Ladies darfst du allerhöchstens träumen! Haben wir uns verstanden?“ Bei diesen Worten liegt so ein zuckersüßes Lächeln auf ihren Lippen, das ihre Worte gekonnt tarnen soll … aber mittlerweile weiß sie um das ausgezeichnete Gehör der Elben. Aber was soll‘s, Shalhor weiß, wie wütend sie der Brief gemacht hat. Über Tanes Schulter zwinkert sie ihn zu, lässt die Worte bei ihrem Bruder kurz sacken, spürt, dass Tane sich erst versteift und dann schluckt, eher er ein >Verstanden und versprochen< in ihr Ohr raunt. Dann löst sie sich von ihm, um ihn an den Schultern zu nehmen und ihn von oben bis unten zu mustern. „Du siehst gut aus, komm setz dich!“ Mit diesen Worten nimmt sie neben dem Hausherrn Platz, während der junge Mann, der sich schnell wieder gefangen hat, an ihrer anderen Seite Platz nimmt. >Jorindel hat die Unterlagen in die Bibliothek gebracht, Madame.< informiert Adele sie. „Vielen Dank!“ Der Papierkrieg kann aber mit Sicherheit bis zum Abend warten. Sie nimmt einen Schluck Cofea und schließt geniesserisch die Augen. Herrlich!
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Tane

Stadtbewohner

Posts: 9

Occupation: Frauenheld

Location: Pfirsich

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154

Thursday, June 6th 2019, 10:42am

Tane schluckt, als sein Sonnenschein ihn mit zuckersüßem Lächeln und einer Stimme, deren Klang so schneidend schaff wie ihre Messer ist, umarmt. Er weiß, dass es keine leere Drohung ist, sie würde ihm die neun Höllen heiß machen und eine Abreibung verpassen, die sich gewaschen hat … und nicht nur verbal. Ihre Zeit auf der Straße ist lange vorbei was aber nicht heißt, dass Sigourny nicht nach wie vor äußerst gut in Form ist. Wenn sie die Sache mit Dars Katzenködern herausfindet, bin ich besser weit weg. „Verstanden und versprochen!“ >Dann ist es gut. < Mit einem Lächeln, dass nun weit echter wirkt, setzt sich seine Ziehschwester zu dem Spitzohr und angelt sich eine ihrer obligaten Becher Cofea. Eigentlich hat er ja schon bei Annest im Pfirsich gefrühstückt, aber auch er hat lange auf der Straße gelebt und da lehnt man eine Einladung zum Essen nicht ab, niemals. Das ist einfach in Fleisch und Blut übergegangen. So setzt er sich neben sie an die Längsseite des Tisches und nimmt von Adele ebenfalls einen frischen Cofea Becher entgegen. >So, und jetzt erzähl mal was es im Pfirsich Neues gibt … vor allem was der Wahnsinn mit dem Eislaufplatz soll. < Beinahe hätte er sich verschluckt. War ja klar, das musste ja kommen. Also gut, jetzt heißt es aufpassen und sich nicht verplappern.

„Nun ja der Eislaufplatz … es war am Tag nach unserer Rückkehr aus der Unterstadt wenn ich mich nicht irre. Ich habe nicht viel mitbekommen aber mit einem Mal hat es vor der Tür gerumst und dann hat sich eine zwergische Schimpftriade ergossen, da kann so mancher etwas lernen. Nun ja, ich bin raus, Briant war halt wieder schneller … und ist postwendend ebenso wie Dar auf der Straße am Hintern gelandet. Ebenso wie einige Gäste, die nachsehen wollten. Wenn ich ehrlich bin hat es urkomisch ausgesehen … bis Briant in der Eissauerei eingefrorene Pfirsichblüten und eine schwarze Orchidee entdeckt hat. Schau nicht so, außer ihr, Dar und mir hat keiner das Zeug gesehen, vor allem keiner der Gäste. Ysa und ich haben die anderen Personen dann hinten raus geschleust und es als dummen Streich dargestellt. Dar hat die Verletzten versorgt, es ist keinem wirklich was passiert, ein paar blaue Flecken und Prellungen, das war‘s. Ich hab dann mit Ronan und Perryn die Eisfläche aufgehackt und beseitigt, noch in derselben Nacht. < Sigourny brodelt vor Wut, nur zu deutlich ist zu sehen, dass sie am liebsten losstürmen und irgendwas Dummes tun würde. Auch Shalhor scheint das zu merken, denn der Elb legt beruhigend seine Hand auf ihre. >Reg dich bitte nicht auf, ich hab am nächsten Tag mit Varin geredet, die Wachen behalten die Gegend jetzt vermehrt im Auge, ich habe gemeint, irgendein Scherzkeks macht uns Ärger, vermutlich der selbe der das Ale vergiftet hat. Und da davon ja auch viele Blaumäntel betroffen waren, hinterfragen sie es nicht. Das Ale ist übrigens entsorgt und Briant hat sich um alles gekümmert, was mit der Sache zu tun hat. Ihre Aussage hat sie in der Steinfaust gemacht, ich hab sie begleitet. Aber das Mädel ist toll, keinerlei Andeutungen dass es was mit der Grappe zu tun hat. Ich … ich glaube, das war doch das was du wolltest?“ Sigourny nickt.

„Sonnenschein, wir haben alles im Griff. Briant hat von dir so viel gelernt, die schmeißt den Laden schon. Perrin restauriert den Mietstall für den Winter, die Einkäufe für die Julzeit sind alle erledigt und das Geschäft läuft. Es ist vielleicht nicht der beste Anlass aber ….“ Tane wirft Shalhor einen Blick aus dem Augenwinkel zu. Er kann es nicht greifen aber irgendetwas hat sich seit der Kanalisation zwischen dem Elben und Sigourny geändert, irgendetwas, das seiner Schwester gut tut. Er kennt sie lange genug, um zu spüren, dass sie ruhiger, ausgeglichener ist. „…genieß es! Weißt du, wer sich um die Gegenwart sorgt, dem wird die Zukunft gestohlen. Lass es nicht zu!“ Mehr sagt er nicht, muss er auch nicht.

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Kaya

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Occupation: angehende Schamanin

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155

Sunday, June 9th 2019, 10:20pm

Kaya rümpft zunächst nur stumm das Näschen als Xilian ihr ausrichtet, dass der Hausherr zu Tisch bittet. Sehen kann er es nicht, da sie ihm den Rücken zugewandt hat, während sie Cronas Ohren krault. „Ich komme gleich“, raunt sie ihm über die Schulter hinweg zu, woraufhin der Stallknecht sie wieder allein lässt. Kaya sieht es ja gar nicht ein, sofort zu springen, wenn man sie ruft. Auf den Hausherrn hat sie auch nur wegen dieser Frau so lange warten müssen, also kann diese ebenso mal warten. So taucht sie auch äußerst gemächlich ihre Hände in einen in der Nähe stehenden Eimer kalten Wassers, um sich die Hände zu waschen, nachdem sie sich von den Hunden gelöst hat, und schlendert recht gemütlich zurück zum Anwesen.
Bereits auf den Stufen hinauf ins Obergeschoss lauscht sie, ob sie Gesprächsfetzen auffangen kann. Nicht, dass es sie wirklich interessieren würde, was diese Sigourny zu sagen hat. Was sie allerdings interessiert, auch wenn sie das niemals zugeben würde, ist, ob diese Frau nun gedenkt länger zu bleiben. Im Durchgang zum Essenzimmer verharrt Kaya kurz und rollt innerlich mit den Augen, als sie braunhaarigen Kerl erblickt. Der ist ja immer noch hier. Jetzt muss sie auch noch in der Anwesenheit von zwei fremden Personen frühstücken. Da wandert ihr Blick weiter zu Sigourny. Bedeutet das etwa, dass die Frau immer mit ihnen frühstücken wird, wenn sie hier ist? Der Gedanke gefällt Kaya gar nicht. Es ist ihre ganz persönliche Zeit am Tag, die sie in den letzten Zwölfmonden stets allein mit Shu’re Shalhor verbracht hat. Und jetzt soll sie sie sich teilen? Wie oft soll das sein? Oder wie lange? Und außerdem frühstückt es sich im Botanikum viel angenehmer.
Mit einem missfälligen Schnauben wendet Kaya den Blick ab und setzt sich auf den freien Stuhl an der Stirnseite neben den Hausherrn, an der für sie gedeckt ist. Auf Shalhors Begrüßung hin murmelt sie ihm ein knappes „Moorn“ zu, während sie ihre Augen auf das Gedeck heftet. Irgendwie ist ihr der Appetit gründlich vergangen.

Shalhor

Stadtbewohner

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156

Monday, June 10th 2019, 10:32pm

Ja das ausgezeichnete Gehör der Elben ... Shalhor stellen sich die feinen Nackenhärchen auf, als seine kleine Kratzbürste Tane spezielle Sangeskünste in Aussicht stellt. Natürlich hat er nicht vergessen, wie sehr es sie verletzt hat, auf diese Weise von dem Zwischenfall zu erfahren, aber ist das mit dem Knabenchor nicht doch sehr ... drastisch? Tane hatte nicht aus Eigennutz gehandelt, sondern ihr Wohl im Auge. Allerdings muss er auch zugeben, dass sich in seinem Haushalt keiner herausnehmen dürfte, hinter seinem Rücken und über seinen Kopf hinweg entscheiden zu dürfen, was für ihn das Beste wäre. Da zwinkert Puh' ihm über Tanes Schulter zu und nimmt ihrer Drohung die Substanz, dass es Shalhor erleichtert. Denn bei allem Für und Wider gewisser Eigenmachten, einem Mann die Männlichkeit zu nehmen, zählt zweifelsohne zu den unfassbarsten Dingen, die sich ein Solcher vorstellen könnte und weiß Entsetzen und Mitgefühl unter seinesgleichen zu wecken, Shalhor eingeschlossen. Auch wenn er gerade erfährt, wie Tane sie zu nutzen pflegt. Die Art entspricht nicht seinem Lebenswandel, geschweigedenn seinen Vorstellungen, dem Haus Inari zu dienen, so aber respektiert er die Unterschiede ihrer Kulturen. Nicht zuletzt ist es ein Götterdienst. Und weil die Ilfaya keine Unterschiede zwischen Mann und Frau machen, begegnet er Tanes Diensten mit dem gleichen Respekt wie bei Sigournys Freudenmädchen.

Nun ist seine kleine Kratzbürste aber beileibe keine Furie und mit Tanes Einsicht gibt sie sich zufrieden. Und als sie am großen Esstisch Platz nehmen, soll nun nicht nur sie sondern auch er genauer erfahren, was es nun mit der gestifteten Eislauffattraktion auf sich hatte. So interessiert wie zufrieden hört er dem jungen Mann zu, wie die Pfirsichleute diese Situation gemeistert haben. Bei Sigourny sieht das ein bisschen anders aus. Der Vorfall bringt sie auf und entfacht Zorn und Abscheu auf das Unterstadtscheusal aufs Neue, dass Shalhor seine Hand mitfühlend und beruhigend über ihre legt, ganz sanft und zärtlich, wie sein Blick in ihre Augen in diesem Moment, ganz ungeachtet dessen, dass er auch Tanes Blick zu ihm wandern spürt. So nahe wie sich die Beiden stehen, erkennt der junge Mann offenbar, dass sich etwas zwischen ihm und Sigourny verändert hat und nach dessen Worten zu urteilen, missbilligt er es nicht. Den Göttern sei Dank! Bleibt also nur noch abzuwarten, wie sich Kaya mit der neuen Situation arrangieren wird. Wo bleibt sie überhaupt? Sie lässt es sich sonst nie nehmen, mit ihm gemeinsam zu frühstücken, dass es schon längst ein liebgewonnenes Ritual geworden ist. Ein Ritual, dessen Regeln Du recht unvermittelt geändert hast, dämmert ihm allerdings gleich darauf. Nicht mehr nur sie Beide. Nicht im Botanikum. Und nicht zur gewohnten Zeit. Er hat sie warten lassen und ihm fällt siedendheiß ein, dass er sich nicht einmal erkundigt hatte, ob sie nicht schon ohne ihn gefrühstückt habe. Diese Nachlässigkeiten hat sie nicht verdient und als sie dann doch noch kommt und ihn deutlich genug spüren lässt, dass ihr das ganz und gar nicht gefällt, umschließt seine Hand die Ihre. "Entschuldige bitte, Liebes. Ich predige Pünktlichkeit und halte mich selber nicht daran. Das soll nie wieder vorkommen." Und wie er ihre Hand wieder frei gibt, flüstert er ihr ein "ich freu mich, dich zu sehen" zu. Dann deutet er auf den Fremden am Tisch. "Kaya, das ist Tane, ein enger Vertrauter Sigournys, der ihr Geschäftsunterlagen vorbei bringt" und ahnt nicht, dass die beiden sich bereits miteinander bekannt gemacht haben. "Bitte, langt zu und lasst es euch schmecken."
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Sigourny

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157

Friday, June 14th 2019, 1:31pm

Als Kaya den Raum betritt und sich an der Seite des Hausherrn nieder lässt, mustert Sigourny das Mädchen unauffällig. Im Gegensatz zum Vorabend sieht sie erholter aus und allem Anschein nach hat sie auch ein Bad genommen. Was sich nicht geändert hat, ist der Gesichtsausdruck, der eine Mischung aus Misstrauen, Skepsis und leichter Ablehnung darstellt. Allerdings in sehr feinen Nuancen, die die meisten hinter der ausdruckslosen Miene übersehen hätte. Aber Sigourny ist eine ausgezeichnete Beobachterin, bedingt durch ihr Leben auf der Straße und ihre Tätigkeit als Wirtin erkennt sie schon feinste Abweichungen in Mimik und Körpersprache. Auch wenn Kaya kein Wort auf Shalhors Entschuldigung und das, was er ihr zuraunt, sagt, scheint sie weiterhin angespannt. „Guten Morgen Kaya!“ begrüßt sie sie. Dabei lächelt sie ihr zu, kein aufgesetztes, strahlendes Wir-sind-alle-Freunde Lächeln, sondern nur eine freundliche Geste ohne jegliche Aufdringlichkeit. Sie würde sich nicht aufdrängen, immerhin ist sie hier der Gast während das Mädchen hier zu Hause ist. Viel weiß sie nicht über Kaya, aber wie sie gestern reagiert hat, ihr Auftreten heute und vor allem der hoffnungsvolle Unterton, der ihren gestrigen Ausruf ‚Anaana?‘ begleitet hat, sagen ihr, dass sie nicht unbedingt die Person ist, die das Mädchen zu sehen wünscht.

>Bitte, langt zu und lasst es euch schmecken. < Ihr Seemann hat mittlerweile ihre Hand los gelassen und in den nächsten Minuten legt sich Schweigen über den Raum, während sie sich alle dem Frühstück widmen. Es ist köstlich und einen kurzen Moment schwirrt ihr der Gedanke durch den Kopf, was wohl für erlesene Köstlichkeiten heraus kämmen, wenn Annest und die Köchin von Taresnar sich zusammen tun würden. Gedankenverloren schenkt sie sich noch eine weitere Tasse Cofea ein. Tane hat mittlerweile sein, wie sie vermutet zweites, Morgenmahl beendet und beginnt, ihr einige Details zu den Unterlagen zu erklären. Als er ihr erzählt, dass Perrin wieder das Dach des Mietstalls ausbessern will, entfährt ihr ein Seufzer. Das ist schon ein Flickwerk, das seines gleichen sucht. „Das ist jetzt die letzte Ausbesserung, im Frühjahr werden die alten Schindeln runtergeholt und das ganze wird neu gedeckt, ist auf lange Sicht günstiger. Und im Zuge dessen kann dann auch gleich das Stützgebälk überprüft werden. Tu mir bitte einen Gefallen und hol in den nächsten Siebentagen Angebote von Holzhändlern und Zimmerleuten ein.“ Dass er sich nicht über den Tisch ziehen lassen soll, muss sie ihm nicht sagen. Er ist der Sohn eines fahrenden Händlers, auch wenn er mit vierzehn Sommern abgehauen ist und weiß somit, wie man verhandelt. Dennoch, es würde teuer werden, das weiß sie jetzt schon. Da geht dann wohl der Gewinn vom Julgeschäft hin! Sie hasst es, Geld zu verplanen, dass sie noch nicht mal hat, aber es würde wohl nichts anderes über bleiben. „Und vergesst nicht, dass die Pacht fällig ist. Die Zwillinge sollen das Geld noch vor Beginn des Julmarktes zu Borgil bringen, sonst ist in der Harfe die Hölle los und der Zwerg ist geschäftlich nicht zu verdauen. Am besten morgen oder übermorgen. Aber sie sollen nicht allein gehen, Guivan soll sie begleiten ….“ Tane nickt, er versteht den Unterton im letzten Satz: Der Türsteher soll als Leibwächter fungieren und sich entsprechend bewaffnen: Knüppel, Messer.

Aus den Augenwinkeln schielt sie zu Shalhor, der sich ob ihrer geschäftlichen Anweisungen ein Grinsen nicht recht verkneifen kann. Kaya hält an seiner Seite den Blick starr auf ihren Teller gerichtet.
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Kaya

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158

Friday, June 14th 2019, 10:40pm

Kaya widersteht dem Drang ihm ihre Hand zu entziehen. Als ob es ihr tatsächlich darum ginge, dass er unpünktlich ist… Nein, darum geht es doch überhaupt nicht. Da sitzt eine völlig Fremde, die dort vor wenigen Tagen noch nicht gesessen hat – und in den Monden davor schon einmal gar nicht, daran würde sie sich erinnern – und er wirkt so vertraut mit ihr, als würden sie einander schon lange kennen. ‚Sie ist zunächst einmal mein Gast…Dein Gast, ja, nicht unser Gast. ,… und wir sind einander zugetan.‘ Hmpf.
Dass Shalhor ihr den jungen Mann vorstellt, ignoriert Kaya geflissentlich, schließlich haben sie miteinander Bekanntschaft gemacht.
>Guten Morgen Kaya!< Kayas Hand, die gerade nach einer Scheibe Brot greifen will, hält für einen winzigen Augenblick inne, in dem das Mädchen für sich feststellt, dass sie die Stimme dieser Sigourny nicht leiden kann, ehe sie das Brot nimmt und auf ihren Teller legt. Das Messer, mit dem sie den inzwischen liebgewonnenen Honig aufträgt, hält sie ungewöhnlich fest im Griff.
Nicht einmal sieht sie auf und zu ihren Gästen herüber. Und dass irgendwelche Dächer gedeckt werden müssen, interessiert sie ohnehin herzlich wenig. Mehr als die Scheibe Brot bekommt sie auch gar nicht herunter, obwohl sie sich tags zuvor auf dem Rückweg vom Wegesend schon sehr auf das gemeinsame Frühstück gefreut hatte. Aber da hatte sie ja auch noch angenommen, sie wären allein.
Vor ein oder zwei Jahresläufen wäre Kaya sicher gleich aufgestanden und hätte den Raum verlassen. Inzwischen aber ist sie gewillt zumindest so lange zu warten bis der Hausherr ebenfalls mit dem Frühstück fertig ist. Jedenfalls solange die Fremde sie nicht blöd von der Seite anquatscht.

Shalhor

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159

Sunday, June 16th 2019, 7:02pm

Ach Kaya ... Kein Lächeln, kein Blick, nicht einmal ein kurzes Nicken oder sonst irgendeine Reaktion erntet er mit seiner Entschuldigung, geschweige denn darauf, dass er sich auf sie freut. Das ändert sich auch nicht, als er ihr den jungen Mann vorstellt. Erst als Sigourny sein Mündel begrüßt, bemerkt er dieses knappe Zögern, dass auch ihn für den Augenblick aufmerksam innehalten lässt. Doch nichts geschieht. Seine kleine Rebellin ignoriert seine Gäste, die wiederum, den Göttern sei Dank, sehr unkompliziert sind und Kayas Betragen gelassen hinnehmen. So bekommt das eintretende Schweigen nichts lastendes und schließlich unterhalten sie sich ganz unbefangen über die geschäftlichen Belange, deretwegen Tane gekommen ist. Shalhor folgt dieser Unterhaltung nur mit halbem Ohr. Zu gern wüsste er, was in Kayas Köpfchen vor sich geht. Warum sie die, die er verabscheut, romantisiert und die, die ihm etwas bedeutet, ignoriert. Er kommt nur nicht darauf, was dahinter stecken könnte, außer dass sie zur Zeit vermutlich alles in Frage stellt, was die Erwachsenen in ihrem Umfeld so tun. Doch wenn sie ihren eigenen Platz in deren Welt gefunden hat, so wenigstens hofft Shalhor, wird sie sich vielleicht auch wieder von diesem verfilzten Strängen in ihrem Haar verabschieden. Er hat nichts dazu gesagt, sich nichts anmerken lassen, aber sie hatte so schönes,seidig gelocktes Haar, dass so gut zu ihren fein geschnittenen Gesichtszügen passte, dass er sich mit diesen derben Zotteln nicht recht anfreunden mag. Möge es also nur eine Phase sein, schwenkt seine Aufmerksamkeit ganz zu seinen Gästen, als er Puh' seufzen hört. Es geht um den Pferdestall, besser gesagt dessen Dach und an sich ist es natürlich nicht ungewöhnlich, dass ein Dach hin und wieder ausgebessert oder gar ganz erneuert werden muss. Stutzig wird er jedoch, dass Sigourny dies übernehmen will und er fragt nach.

"Warum willst Du etwas reparieren, dass Dir gar nicht gehört? Wenn Du für etwas eine Pacht entrichtest, solltest Du im Gegenzug nicht erwarten dürfen, dass es Dir im ordentlichen Zustand überlassen und gehalten wird?"

So wenigstens entspricht es seinem Verständnis derartiger Geschäftsvereinbarungen und so hält er es gegenüber Madam Lasairiona, der Pächterin der Kapitänsmesse in seinem Speicherhaus am Hafen. Gegen die vereinbarte Summe darf sie diese nutzen und sich einrichten, wie es ihr gefällt. Aber das gibt ihr weder das Recht noch die Verpflichtung am Gebäude selbst Hand anzulegen, denn es gehört ihm. Gewiss müsste sie Dinge wie Fenster oder Türen ersetzen, wenn sie oder die, die sie als Gäste willkommen heißt, diese beschädigen. Aber ein Dach? Das erscheint ihm dann doch etwas fragwürdig, schließlich darf man sicherlich davon auszugehen, dass einem solchen ausschließlich Wind und Wetter über die Zwölfmonde zusetzen, so wie die Holzwürmer und nicht die Pferde dem Dachgebälk, und das auch tun würden, wäre das Gebäude nicht verpachtet. Allerdings ist das auch das einzige Pachtverhältnis dieser Art, dass er unterhält, als dass er behaupten könnte und würde, er kenne sich mit den hießigen Gepflogenheiten aus und noch weniger sind ihm die Absprachen zwischen Borgil und Sigourny vertraut. Deshalb fragt er besser nach:

"Oder kommt er Dir mit der Pacht entgegen, damit Du Dich im Gegenzug um sein Haus kümmerst?"

Das zumindest wäre in Shalhors Augen eine schlüssige Erklärung. Und wenn es so wäre, dann will er sie mit den Ausgaben auch dieses Mal nicht allein im Regen stehen lassen, denn inzwischen sind sie nicht mehr nur Geschäftspartner.
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Sigourny

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Sunday, June 16th 2019, 8:38pm

„Der Mietstall gehört Borgil, genau wie der Pfirsich. Bis vor einigen Sommern hatten aber nicht wir ihn gepachtet sondern der alten Wagner, der im angrenzenden Haus lebt. Er ist schon im Ruhestand, ich glaube, viel fehlt ihm nicht mehr auf 80 Sommer. Aber bis vor einigen Jahresläufen hat er noch im Stall gearbeitet. Perrin ist sozusagen bei ihm in die Lehre gegangen und hat nach und nach immer mehr Arbeit und Verantwortung übernommen. Die Wagnerei steht nach wie vor still aber der Stall, der läuft. Aber der Alte, weißt du, er ist allein, seine Frau ist schon lange tot und Kinder hat er keine, jedenfalls nicht das ich wüsste. Der Stall ist sein Leben. Als er nun aber nicht mehr arbeiten konnte, war er verzweifelt. Er wusste ja nicht wohin. Da hab ich den Stall dazu gepachtet und mit Borgil vereinbart, dass der Alte dort wohnen bleiben darf. Er muss nichts zahlen und Annest bekocht ihn. Die Pacht für den Stall ist vergleichbar lächerlich gering, aber dafür kümmern wir uns auch um die Instandhaltung.“ Bei diesen Worten wird sie ein wenig rot um die Nasenspitze. Sie weiß sehr gut, dass es eigentlich ein Geschäft ist, bei dem sie sich Kosten und Arbeit aufgehalst hat, übers Jahr gerechnet steigt sie gerade mit Null aus, was diesen Teil des Pfirsichs angeht.

„Ich weiß, dass es rein geschäftlich gesehen eine schlechte Investition ist aber … er ist so ein liebenswerter alter Kerl und ich habe es einfach nicht übers Herz gebracht, ihn im Stich zu lassen. Es hätte ihm das Herz gebrochen, wenn er aus dem Haus gemusst hätte.“ Sie nippt an ihrem Becher, dessen Inhalt bereits wieder zur Neige geht. So entspannt und mit Ruhe zu frühstücken hat auch seine Tücken und in ihrem Fall ist es das schwarze Gold, wie sie Cofea insgeheim nennt. „Und für Perrin ist er wie ein Großvater, eine Bezugsperson, sowie Annest es für Maddie ist. Dank ihm redet der Junge überhaupt wieder mit seinem Vater.“ Nur zu gut kann sie sich an den dürren Burschen erinnern, der voll Wut auf seinen Vater gewesen war, der seine Trauer im Alkohol ertränkt hatte und ihn mit der traumatisierten kleinen Schwester allein gelassen hat. Der im kalten Herbstnebel die Gaststätten abgesucht hatte, um ihn zum heim kommen zu überreden. Und der schlussendlich durchfroren und wütend mit Maddie an der Hand im Schankraum des Pfirsichs gelandet war. Sie hatte die Kinder damals zu Annest in die Küche verfrachtet, die den beiden Essen und trockene Kleider gegeben hat und Tane hatte den sturzbetrunkenen Ronan in die eiskalte Pferdetränke gesteckt und sie hat ihm im Anschluss daran eine Standpauke gehalten, die sich gewaschen hat.

So war die Familie im Pfirsich gelandet aber es hatte lange gedauert, bis die Wunden ansatzweise verheilt waren und manche waren es nach wie vor nicht. Rasch schiebt sie die Erinnerung von sich, den mittlerweile neigt sich das Frühstück seinem Ende entgegen.
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Kaya

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Monday, June 17th 2019, 11:18pm

Ungeduldig versucht Kaya, die eine oder andere neue Erkenntnis der letzten Tage - neue Elemente eines Rituals, neue Zutatenkombinationen eines benebelnden Suds, ein weiteres offenes Tor auf ihrem Pfad der Träume - zu rekapitulieren und in ihrem Geiste weiter zu spinnen. Wirklich gelingen will es ihr nicht, denn die Stimmen ihrer Gäste lenken sie einfach zu sehr ab, während sie gleichzeitig krampfhaft versucht, nicht hinzuhören. So gibt sie es auf und verwünscht zugleich alles und jeden um sich herum - insgeheim in ihrem Kopf natürlich. Und als sie glaubt, es nicht mehr auszuhalten, berührt sie sacht mit ihrer Hand Shalhors Bein, seine Aufmerksamkeit zu gewinnen und blickt ihn an, als wolle sie nur eine Antwort auf ihre Frage akzeptieren: "Darf ich bitte aufstehen?"

Shalhor

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Monday, June 24th 2019, 2:20am

Das ist so typisch Sigourny, dass er sich fragt, warum er diese Möglichkeit gar nicht in Betracht gezogen hat. Das nächste Mal, wenn ihm etwas ungewöhnlich in ihren geschäftlichen Praktiken erscheinen sollte, fragt er doch lieber gleich nach der Geschichte dahinter, lächelt er still in sich hinein und schüttelt den Kopf, als sie anmerkt, sie wisse um die schlechte Investition. "Es ist das Eine, sich nicht über den Tisch ziehen zu lassen, aber etwa völlig anderes, nicht über Leichen zu gehen. Die Vereinbarungen nützen allen Beteiligten und ist doch das, was einen guten Handel ausmacht." Die Nähe zum Verder Tor verlangt in seinen Augen doch geradezu die Notwendigkeit, Reisenden zu Pferde Möglichkeiten anzubieten. Denn wenn sie zum nächsten Gasthaus weiterziehen müssen, bleibt ungewiss, ob sie wegen speziellerer Angebote nun unbedingt zum Pfirsich zurückkehren. Davon sagt er Eingedenk Kayas Anwesenheit allerdings nichts, auch wenn sie mit ihren Gedanken ganz woanders weilt und dabei immer ungeduldiger zu werden scheint, dass es Shalhor gar nicht entgehen kann. Er vermutet, sie ist mit Rialinn verabredet und da niemand mehr isst, nimmt er Kayas artige Bitte auch gleich zum Anlass die Frühstückstafel aufzuheben.
"Natürlich Kaya und für uns wird es auch Zeit", nimmt er sich die Serviette vom Schoß und legt sie gefaltet neben sein Gedeck. "Ach Kaya, würdest Du Dir bitte einen der nächsten Tage für mich freihalten?" Die Frage erreicht sie gerade noch im Durchgang, so eilig wie sie es hat, aber sie nickt mit einem knappen Blick zurück. Das soll ihm genügen. "Tane, ich wünsch Euch einen ruhigen Tag. Wenn etwas sein sollte, Sigourny und ich werden voraussichtlich erst am frühen Abend wieder auf Taresnar eintreffen." So verabschieden sich und wenig später geleitet Shalhor Sigourny, beide in dicke, warme Mäntel gehüllt" zu den Stallungen.

Der Pferdestall ist nicht sonderlich groß, je zwei Pferdeboxen säumen den Mittelgang zur einen Seite und zur anderen stehen Fuhrwerk und Kutsche, Sattelböcke und diverse Gerätschaften, wenn sie nicht neben Zaumzeug und Geschirren an Wandhaken baumeln und zwischen all diesen Dingen führt eine offene hölzerne Stiege hinauf auf den Speicher, unter der sich hin und wieder einer der Faêntjares zum aufwärmen und dösen zurückzieht, meist zu zweit, so wie auch jetzt. Crona und eine ihrer Töchter, Haêra, heben ihre Köpfe, als Shalhor das Tor öffnet und sind schnell auf den Beinen, ihren Herrn zu begrüßen. Auch gegenüber seiner Begleiterin zeigen sie erste, verhaltene Anzeichen von Interesse, die nichts mit ihrer stetigen Wachsamkeit gegenüber Fremden zu tun haben, bevor sie hinausschlüpfen.
"Xilian?"
"Hier oben, Mylord", erscheint der Schopf des Pferdeknechtes in der Speicherluke. "Oh, guten Morgen, Madam."
"Hast Du Äpfel oder Karotten hier?"
"Sowohl als auch, Mylord, auch hier oben."
"Dann sei so gut und wirf mir zwei Äpfel herunter."
Mit einem "kommt sofort" verschwindet Xilians Schopf und unter das erwartungsvolle Schnauben neugieriger Pferdeschnuten hier im Stall mischen sich leise Xillians Schritte, dann Shalhors leises Flüstern. "Keine Angst Puh'. Atme noch einmal tief durch und vertrau mir. Diese Pferde haben keine schlechte Erfahrungen gemacht und Du wirst auch keine mit ihnen machen. Wir gehen nur zur Box der Stute und nur ihr Kopf kann heraus schauen, nicht mehr, nicht weniger. Aye?"
Inzwischen ist Xilian zurück, macht sich mit einem dezenten Räuspern bemerkbar und wirft seiner Lordschaft wie gewünscht die beiden Äpfel nacheinander zu. Einer wandert in Shalhors Manteltasche, den Anderen teilt er mit seinem Munddolch in zwei Hälften, während er Sigourny mit aufmunterndem Lächeln bedeutet, ihm zu folgen.

"Na mein altes, Mädchen, geht es Dir gut?" Begrüßt er die alte, graubraune Stute, die einst seiner Tochter treues Reitpferd war, Wie zur Antwort schnaubt sie gutmütig und schiebt den Kopf über die Boxentür, um sich das Apfelstück abzuholen, dass sie natürlich längst gewittert hat. "Das ist Tialhora, dem elbischen Wort für Wolke entlehnt. Meine Tochter gab ihr diesen Namen wegen ihrer Blesse", zeichnen seine Fingerspitzen das helle Abzeichen auf ihrer Stirn sanft nach, während die Stute mit gesenktem Kopf selbstvergessen und genüsslich kaut und als es nichts mehr zu kauen gibt, wandert seine Hand langsam zu den warmen, weichen Nüstern hinab, die sich vertrauensvoll an seine Handfläche schmiegen und behaglich prusten, als er sie dort zu kraulen beginnt. "Das was sie da gerade macht, ist das Pendant zum Schnurren der Katzen und heißt nichts anderes, als dass ihr das gerade sehr gefällt. Schau, ich lass meine Hand hier liegen, Du traust Dich doch bestimmt, Deine auf Meine zu legen. Und wenn ich jetzt meine Finger spreize, kraul Du sie mit Deinen Fingerspitzen. Fühlst Du sie?"
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Sigourny

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Wednesday, June 26th 2019, 8:07am

Ihr Herz klopft schon ziemlich, als sie mit Shalhor den Stall betritt. Hier ist es angenehm warm, ein Umstand, den auch zwei der Hunde zu nutzen wissen. Als die beiden Tiere ihrer gewahr werden, kommen sie eilig auf sie zu, ihren Herrn zu begrüßen. Wieder einmal wird ihr die enge Verbundenheit ihres Seemanns mit seinen Vierbeinern bewusst. Ein schönes Bild! Lächelt sie leise vor sich hin. Im Gegensatz zu den letzten Tagen lassen sie ihr aber auch ein klein wenig Interesse angedeihen, ehe sie den Stall verlassen.

>Keine Angst Puh'. Atme noch einmal tief durch und vertrau mir.< Leichter gesagt als getan! Sicher vertraut sie ihm, keine Frage. Aber gleichzeitig hat sie auch immer das Bild des durchgeknallten Hengstes vor sich, den ein Händler über den Winter im Mietstall untergestellt hat. Dem Tier ist eindeutig langweilig und das macht ihn noch missmutiger, als er ohnehin schon ist. Zweimal hat er bisher seine Box zertrümmert und Perrin war auch schon einige Male von ihm gebissen worden. Die graubrauen Stute aber, zu der Shalhor sie führt, wirkt sanft, ruhig und freundlich. Leise spricht ihr Seemann sie an und dann ist es soweit. >Schau, ich lass meine Hand hier liegen, Du traust Dich doch bestimmt, Deine auf Meine zu legen. Und wenn ich jetzt meine Finger spreize, kraul Du sie mit Deinen Fingerspitzen. Fühlst Du sie?< Langsam und zögerlich hebt sie ihre Hand und legt sie auf seine. Sie kann das leichte Zittern nicht unterdrücken und schämt sich fast ein wenig. Aber Pferde sind ihr nun mal unheimlich. Tialhora, so heißt das Tier, beobachtet sie, bewegt sich aber keinen Deut, so als wisse sie, dass der Zweibeinerin, die da vor ihrer Box steht, das Herz bis zum Hals klopft. Ich tu dir nichts! scheinen die dunklen Augen zu sagen.

Vorsichtig schiebt Sigourny schließlich ihre Fingerspitzen zwischen Shalhors Finger und berührt so die Pferdeschnauze. Als sie mit leicht kraulenden Bewegungen beginnt, blubbert die Stute leise vor sich hin, genau wie sie es schon zuvor getan hat. >Es gefällt ihr!< beantwortet Shalhor ihre unausgesprochene Frage. „Kannst …kannst du mal deine Hand wegnehmen?“ Ihr Seemann tut worum sie ihn gebeten hat, legt ihr allerdings die Hand auf die Schulter, immerhin ist es ihr erster wirklicher näherer Kontakt mit einem Pferd und sie soll sich nicht allein gelassen fühlen. „Ihre Nase ist so weich!“ haucht Sigourny, während ihre Finger und nun auch ihre Handfläche vorsichtig über die Pferdenase streichen. Sie spürt das Kitzeln der Barthaare, spürt den warmen Atem auf ihrer Haut. Ganz langsam wandern ihre Finger über den Kopf der Stute nach oben zu dem weißen Fleck auf deren Stirn, Blesse hat Shalhor diese Färbung genannt. „Du bist eine ganz Hübsche und Liebe“, flüstert sie dem Pferd zu, das die Augen genießerisch halb geschlossen hat.

„Ich glaube fast, du hast die Wette gewonnen!“ grinst sie dem Rhaskeda‘ya zu. Eben steigt Xillian hinter ihnen vom Speicher herunter. >Spann bitte die Kutsche an, Madame und ich wollen eine längere Ausfahrt ins Umland unternehmen! Und lass dir von Adele Pelze für die Sitze und Beine geben! Und sie soll einen Muff aus den Kisten vom Dachboden für Madame holen< >Jawohl Mylord!< Sigournys Hand ist während dessen wieder zu der weichen Pferdenase zurück gewandert, das Herzklopfen ist fast verschwunden und einer gewissen Ruhe gewichen. Sie wird mutiger und wendet sich Shalhor zu. „Darf ich ihr den zweiten Apfel geben?“ Mit einem Lachen zerteilt er selbigen mit dem Munddolch. >Kein Angsthäschen mehr?< Neckt er sie. Gespielt entrüstet streckt sie ihm die Zunge heraus. >Leg die Hälfte auf deine flache Hand und halt sie ihr hin!< Sigourny tut wie ihr geheißen aber als die Stute ihn sich nehmen will, und sei es noch so vorsichtig, zuckt sie unwillkürlich zurück und das Stück fällt zu Boden. „Entschuldige meine Hübsche!“ Ihrem Begleiter entschlüpft ein leises Lachen. >Wir geben ihn ihr gemeinsam Puh! Hier, leg die zweite Hälfte auf deine Hand und jetzt …< Sanft greift er ihre Hand von unten und führt sie in Richtung Pferdemaul. Als die weiche Schnauze ihre Haut berührt, will sie erneut zurückzucken, doch Shalhor hält ihre Hand sanft aber bestimmt fest, sodass Tialhora den angebotenen Leckerbissen aufnehmen kann. Zufrieden kaut sie. „Gut, lass es mich nochmal allein versuchen.“ Sigourny hebt die herab gefallene Apfelhälfte auf und pustet einige Strohstückchen weg, die darauf kleben. > Sie frisst es auch mit Stroh!< kann sich Shalhor nicht verkneifen. „Würdest du Beeren oder sonstiges essen wollen, wo Erde und Grünzeug dran klebt?“ entgegnet sie, zupft ein weiteres Strohfussel von dem Apfel und legt ihn sich auf die flache Hand. Mittlerweile hat die Stute die erste Hälfte verspeist und blickt neugierig auf das noch verbleibende Stück. „Schön lieb und sanft sein meine Gute, in Ordnung? Ich brauch‘ meine Finger noch!“ Und das Tier scheint sie verstanden zu haben denn mit einer Vorsicht, die größer nicht sein könnte, nimmt sie den Apfel. Sigourny schafft es, diesmal nicht zu zucken und so klappt die Fütterung. Zufrieden kaut Tialhora vor sich hin.

Aus der Tür zum Hof dringt ein dezentes Räuspern zu ihnen. Xillian, mittlerweile ebenfalls in einen warmen Mantel gehüllt, ist zurück. >Mylord, Madame, die Kutsche ist angespannt und bereit.< >Wir kommen.< Mit diesen Worten bietet Shalhor ihr seinen Arm an. Sigourny verabschiedet sich noch schnell mit einem „Mach‘s gut Hübsche!“ von der Stute, was dem Elben ein Grinsen entlockt: Das Angsthäschen scheint wirklich dabei zu sein sich mit dem alten Pferd anzufreunden. Dann hackt sie sich unter und gemeinsam verlassen sie hinter dem Pferdeknecht den Stall. Am Platz vor dem Herrenhaus wartet die Kutsche, deren Schlag Xillian ihnen dienstbeflissen aufhält. Im Inneren liegen einige Pelze und der georderte Muff. Sigourny setze sich auf die sorgfältig mit Pelzen ausgelegte Sitzbank, während Shalhor dem Kutscher noch mitteilt, wohin er sie bringen soll. Als er neben ihr Platz genommen hat und einen weiteren Pelz über ihrer beide Beine gelegt hat, fährt das Gespann mit einem sanften Ruck an. „Und wo geht es jetzt hin?“ fragt sie, als sie die Einfahrt von Taresnar passieren. Dabei schiebt sie ihre mittlerweile doch etwas klamm gewordenen Finger in den herrlich warmen Muff.
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Sigourny

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Saturday, July 6th 2019, 9:07pm

<- Larisgrün

Ende Nebelmond 518

Wer kann so ein hilfloses, unschuldiges Geschöpf einfach dem Tod überlassen? Bei den Gedanken daran steigen Sigourny Tränen der Wut in die Augen, während sie mit den Fingern, die sie zwischen zwei Knöpfe ihres Hemdkleides gesteckt hatte, ein Öhrchen des Wolfmischingswelpen krault. „Kämpfe, Kleines, kämpfe! flüstert sie dem Hundekind zu. Die Kleine hat sich fest an, oder eigentlich zwischen ihre Brüste gekuschelt, sie spürt das weiche Fell auf ihrer Haut. Sie soll sie sich zwischen die Brüste packen, wozu hat sie sie denn? Nun ja, dafür eigentlich nicht aber was soll‘s? Die kleine Hündin hat es warm und das ist das Wichtigste. Eben spürt sie ein feuchtes Näschen, das sie anstupst, gefolgt von einem schwachen Fipen. „Ich glaube, wenn wir auf Taresnar sind, sollten wir sie gleich nochmal füttern. Ich hab das Gefühl, da ist jemand auf der Suche nach einer Milchquelle …. und damit kann ich im Moment nicht wirklich dienen!“ Trotz der Sorge um den kleinen Vierbeiner muss Shalhor bei dieser Aussage lachen, vor allem als er Sigournys schief, drolligem Grinser gewahr wird, der ihre Worte begleitet. >Machen wir.< versichert er ihr.

Mittlerweile ist es dunkel geworden und als sie an das Händlertor kommen, ist dieses natürlich bereits fest verschlossen. Doch die Wachen kennen seine Lordschaft, sodass die Gardisten ihnen das Tor öffnen und sie passieren lassen. Die Straßen sind beinahe menschleer, als sie quer durch die Stadt zum Seeviertel fahren. Als sie das Tor des Anwesens passieren, wendet sich Shalhor an seine Begleiterin. >Wir müssen die Kleine ins Haus schmuggeln, sodass Kaya nichts davon mitbekommt. Ich glaube zwar nicht, dass sie noch wach ist, aber sicher bin ich mir nicht.< Sigourny tippt sich, wie immer wenn sie nachdenkt, mit der Fingerspitze an die Unterlippe. „Ich glaube, ich habe eine Idee! Die Mäntel legen wir doch im Vorhaus ab oder? Und nachdem es ein wirklich kalter Tag ist, werde ich das durchgefrorene, hilfsbedürftige Frauchen mimen, das heißt du musst mir gleich, nachdem ich den Mantel abgelegt habe, eines der Felle um die Schultern legen.“ Bei diesen Worten weißt sie mit dem Kinn auf jenes, das über ihren Beinen liegt. „Der Pelz ist so flauschig, dass es nicht weiter auffallen wird, dass die Kleine mein Oberteil etwas anders und mehr ausbeult als normal.“ Verschwörerisch zwinkert sie ihrem Seemann zu. Eben hält Xilian die Kutsche direkt vor dem Haupteingang. Shalhor öffnet selbst den Schlag und springt heraus, noch ehe der Kutscher ihm die Tür aufhalten kann. Dann hilft er ihr aus dem Gefährt, braucht sie doch ihre Hände um das Hündchen an seinem Platz zu halten. Auch die Eingangstüre ist bereits verschlossen, doch natürlich hat der Hausherr einen Schlüssel bei sich.

Im Vorhaus tauscht sie, wie geplant Mantel gegen Fell und es ist gut, denn als sie die große Halle betreten, kommt Adele ihnen entgegen.

>Alles in Ordnung Mylord? Wir haben uns schon Sorgen gemacht!<
>Keine Sorge Adele, alles ist Bestens. Wir haben nur die Zeit und die Wetterverhältnisse etwas unterschätzt. Madame ist kalt, wir werden uns gleich zurückziehen.<
>Wünscht ihr heißen Tee, ich kann sofort welchen aufsetzen und nach oben bringen.<
„Danke Adele, aber ich denke ein warmes Bett reicht. Du musst dir keine Umstände machen, dein Tag war auch lang.“

Sigournys Lächeln ist dermaßen unschuldig und bescheiden, dass die oberste Magd keinerlei Verdacht schöpft und sich, nach einer erneuten Versicherung, dass sie alles haben, was sie benötigen, in die Küche zurück zieht. Sigourny und Shalhor hingegen begeben sich gleich in das Herrengemach, wo die junge Frau von dem Elben aus dem tarnenden Fell gewickelt wird. Im Gegensatz zu ihrer Vorspiegelung ist ihr alles andere als kalt und auch dem Welpen scheint endlich warm genug zu sein. Im Kamin prasselt ein Feuer und Puh setzt sich mit der Kleinen, die sie mittlerweile aus ihrem Ausschnitt gefischt hat, vor selbigem auf den Boden. Shalhor reicht ihr den Rest der abgekochten Milch in dem Schlauch und sie beginnt, das Hundekind erneut zu füttern. Im Gegensatz zu vorhin saugt das Tierchen auch ein wenig und als es satt ist, massiert sie ihm das Bäuchlein, das nun tatsächlich ein klein wenig runder als zuvor wirkt. Zufrieden mit seiner kleinen Welt schläft das Hündchen auf ihrem Arm ein. Shalhor lauscht. Leise Schritte sind auf der Treppe zu hören und dann klappt leise eine Tür ins Schloss. Adele scheint sich nun auch in den Gesindetrakt zurückgezogen zu haben. >Ich werde Crona herein holen. Sie hat schon einmal Junge aufgezogen und das Kleine kann bei ihr schlafen, da hat es Wärme und ist nicht allein. Außerdem wird sie mich wecken, wenn es gesäugt werden muss.< Leise verlässt er den Raum und kehrt wenig später mit der Hündin und einer alten Decke zurück. Vor dem Kamin richten sie einen Platz und dann setzen sie das Junge zu der Goldhündin. Interessiert, aber auch vorsichtig, beschnuppert Crona das Kleine, das sich gleich an sie kuscheln will, ist es doch aufgewacht, als Shalhor, der den Welpen von Sigourny übernommen hat, es seiner Hündin zeigt. Dann aber schleckt sie dem Welpen sanft über das Köpfchen und Shalhor atmet erleichtert auf. Er hilft Sigourny auf die Beine und sie setzten sich noch mit einem Glas Wein ins Fensterrund. Eigentlich hatte sie sich ja an diesem Abend noch den Büchern widmen wollen aber mittlerweile ist es spät und so verschiebt sie das Vorhaben. Es geht ja nicht um laufende Rechnungen, das haben die Zwillinge alles im Griff und die Planung für den kommenden Zwölfmond kann auch noch einige Tage warten.
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Shalhor

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Monday, July 22nd 2019, 12:45pm

Die Kleine scheint eine Kämpfernatur zu sein und ist in sichtbar besserer Verfassung als beim ersten Säugen, denn im Gegensatz zu vorher beim Bauern in der Küche ist nicht nur der kleine, zahnlose Gaumen viel rosiger. sie saugt auch immer wieder selbst, zwar nicht lang, weil ihr sicher noch die Ausdauer dazu fehlt. Und sie tritt ganz instinktiv mit ihren Vorderpfötchen ganz so, wie er es bei Cronas Welpen seinerzeit beobachtet hatte, um den Milchfluss anzuregen, ungeachtet dessen, woher die Milch nun eigentlich kommt. Der Gedanke lässt ihn lächeln, erinnert der ihn doch an Puh's Worte, dass sie damit im Moment nicht dienen könne. Irgendwann vielleicht , aber das hat alles noch so viel Zeit. Jetzt braucht dieses Findelkind ihre Fürsorge und stellt Shalhor vor eine Herausforderung. Nicht das er der Kleinen den Platz auf Sigournys Armen oder eben an prädestinierterer Stelle, nicht gönnt, aber sie waren den ganzen, langen, kalten Tag auf den Beinen und seine hinreißende Kratzbürste, verwegene Pferdefütterin und fürsorgliche Welpenwärmequelle blinzelt genauso müde wie er selbst. Sie brauchen dringend die Erholung der Nachtruhe. Die Kleine mit ins Bett nehmen, kommt nicht in Frage. Er fürchtet, sie könnten das winzige Pfündchen Leben womöglich erdrücken und doch braucht die Kleine Nähe und Wärme. Als Crona damals ihre Welpen geboren hatte, lag sie in den ersten Wochen Leib an Leib bei ihnen. Wenn ein Geschöpf dafür sorgen kann, dass es der Kleinen heute Nacht gut ergeht, dann ist es Crona.

Mit einem Ruck löst er sich vom friedlichen Anblick der Beiden, küsst Sigourny auf die Stirn und erzählt ihr von seiner Absicht, während er seine Linke an den Rücken der Kleinen legt und ihre kräftigen, ruhigen Atemzüge spürt. Diese Hand streckt er Crona entgegen, die seinem leisen Pfiff gefolgt ist und an der Gesindepforte erscheint. Neugierig nimmt sie den Geruch des Findlings auf, sieht kurz zu ihm auf, nur um noch einmal an seiner Handfläche zu riechen. Er wüsste zu gern, was sie gerade denkt oder die anderen Drei im Bunde, die hinter ihr witternd die Nasen heben. "Ich brauche nur sie. Ihr passt weiter schön auf. Komm Crona", dirigiert er die Hündin in die Waschküche und verschließt wieder sorgfältig die Tür zur Nacht, heißt sie, ihm nicht von der Seite zu weichen als sie durch die Küche gehen und zu warten, als er in die Große Halle und hinauf auf die Galerie späht. Nichts rührt sich und kein Laut dringt aus den Gesindekammern oder vom kleinen Flur zu Kayas Zimmer. Und so schleicht er auf leisen Sohlen wie ein Dieb durch sein eigenes Haus und Crona, folgt ihm , ohne zu wissen, warum ihr Herr sich so eigenartig artig verhält. Doch sie stellt ihn nicht in Frage und so versucht sie sich gesenkten Kopfes auch hinter ihm möglichst klein zu machen.

In seinem Gemach angelangt, ändert sich Cronas Haltung, sowie sich seine ändert. Ihre Augen heften sich sofort auf Sigourny und die Kleine in ihren Arm. Ihre Pfoten bleiben wie festgenagelt an der Stelle, wo sie Shalhor zu warten geheißen hat, aber neugierig schnüffelnd streckt sie den Kopf vor, richtet höchst aufmerksam die Ohren nach vorn und ihre Rute zuckt ganz aufgeregt, während Shalhor die, zur Tarnung mit hinauf genommene Pelzdecke kleiner faltet und in der Nische vor den hinteren Fenstern auf den Boden legt. Mit dem Schnipsen zweier Finger kehrt Cronas Aufmerksamkeit zu Shalhor zurück. "Komm her, mein Mädchen, dass ist dein Platz." Das lässt sich die Hündin nicht zweimal sagen, schließlich kommt sie dem Objekt ihres Interesses so entschieden näher, doch unter dem aufmerksamen Blick ihres Herrn geht sie folgsam daran vorbei, vielleicht ein winziges bisschen langsamer und möglicherweise macht ihr Kopf dabei einen klitzekleinen Schlenker, aber sie setzt sich artig auf die Decke. Die Kleine wacht natürlich auf, als er sie aus Sigournys Armen nimmt, gähnt und streckt sich dabei. Doch als sie von Crona beschnüffelt und schließlich abgeschleckt wird, hält sie ganz still und als er sie zu der Goldhündin legt, schmiegt sie sich eng an deren warmes, weiches Fell. Crona schnauft und blinzelt ihm zu, als wolle sie ihm sagen, mach dir keine Sorgen, ich pass schon auf sie auf. Das wird sie, ist sich Shalhor sicher, zieht Puh' auf die Beine und obwohl sie beide müde sind, mag sich keiner von ihnen gleich zu Bett begeben.

Aller Müdigkeit zum Trotz setzt sich Shalhor mit Sigourny noch auf ein Glas Wein ins Fensterrund. Dieser Tag ist aufreibender geworden, als sich Shalhor vorgestellt hatte und Sigourny steht die Sorge um das Kleine noch ins Gesicht geschrieben. Er versucht sie zu beruhigen, denn es sieht doch schon viel besser aus, als noch vor ein paar Stunden. "Es gibt nur ein Problem." Erschrocken blickt sie auf. "Kaya wird nicht entgehen, dass Crona nicht draußen auf dem Gelände ist und dieser Angelegenheit auf den Grund gehen." Da lächelt Puh' ihn an, als könne sie seine Gedanken lesen und legt ihre Hand auf Seine. "Es wäre das Beste, ihr Beide feiert morgen ihren Ehrentag." Er nickt, doch als er sich entschuldigen will, dass dies nun doch überstürzt kommt, erstickt sie seine Worte mit einem liebevollen Kuss. "Es ist ja nur ein Tag und ich möchte auch ganz gern im Pfirsich nach dem Rechten sehen. Wenn Xilian mich vielleicht ..." "Natürlich!" Es ist doch keine Frage, ob sie mit der Kutsche fahren kann. Sie trägt eine Schiene um ihre schlanke Fessel und soll sich schonen. Ihr Freudenhaus dagegen liegt am anderen Ende der Stadt. Seine Lordschaft würde darauf bestehen, dass sie sich vom Pferdeknecht kutschieren lässt. Da lacht sie auf, weil ihr in den Sinn kommt, dass Tane die Geschäftsunterlagen umsonst hergebracht hatte, doch Shalhor wendet ein, sie könne sie doch auch getrost hier lassen. "Es ist ja nur ein Tag." Sein Arbeitszimmer und mit diesem der Zugang zur Bibliothek ist stets verschlossen, außer er verweilt dort. Das wird er morgen ganz sicher nicht, denn diesen Tag will er allein Kaya widmen. Ihre Unterlagen könnten nirgendwo besser aufgehoben sein, bis sie sie sich vornehmen will. Aber da gibt es doch etwas, dass sie gern mitnehmen möchte. Sie spricht von Haarnadeln und anderen "Accessoires", die sie beim Bad nach dem Abstecher in die Unterstadt abgelegt hatte. Er muss überlegen, vermutet, Jorindel, die er ihr zur Hand zu gehen geheißen hatte, habe sie wahrscheinlich ins Gästezimmer gelegt, dass ursprünglich für sie vorgesehen war. Wenn nicht, dann will er sie danach fragen. So gehen sie schließlich zu Bett.

Zweimal weckt ihn Crona, legt ihren Kopf auf seine Schulter, dass ihm ihr Atem in den spitzen Ohren wachkitzelt, um die Kleine zu füttern. Das zweite Mal ist Halla bereits auf den Beinen, den Ofen einzuheizen, um dann zusammen mit Gesine das Frühstück vorzubereiten, als er in die Küche schleicht. Er erfährt von ihr, dass Xilian wie gewöhnlich auch schon aufgestanden ist und Hunde und Pferde füttert. "Sehr gut. Richte ihm bitte gleich ein Frühstück noch vor allem anderen und auch eines für Madam und dann soll er die Kutsche anspannen und Madam in den Pfirsich fahren."

"Sehr wohl, Mylord", antwortet Halla und doch kommt sie nicht umhin sich zu fragen, was um aller Götter Willen vorgefallen sein könnte. Nicht nur das sich seine Lordschaft so früh, noch dazu nur im Morgenmantel und überhaupt vor einem Milchtöpfchen auf dem Herd hier in die Küche verirrt, wieso wird Madam denn zur Unzeit das Haus verlassen? Haben sie gestritten? Schmeißt er sie hinaus? So weit sie weiß, waren die Beiden gestern den ganzen Tag zusammen mit Xilian unterwegs und der hätte sie doch sicher vorgewarnt, wenn dicke Luft herrscht, oder nicht? Sie erinnert sich noch viel zu gut an Elisas plötzliche Entlassung, als sie sich eilends die Küchenschürze umbindet und wird den Dunklen tun, irgendetwas dazu zu sagen. Auch nicht als seine Lordschaft ihr aufträgt, für Kaya und ihn das Frühstück auf einem Tablett anzurichten, am Besten Kanapees und etwas Konfekt und er dies später selbst hinaufholen wolle. Erst als der Hausherr mit besagtem Milchtöpfchen die Küche verlässt, schnauft sie. Noch später konnten ihm die Sonderwünsche wohl nicht einfallen. Aber alles Zetern nützt ja nicht. "Gesine, eil Dich" ruft sie den Gesindeaufgang hinauf, Antworten hat sie für die jüngere Küchenmagd allerdings auch nicht. Und auch keine Zeit für lange Erklärungen, denn seine Lordschaft hat mit seinen Sonderwünschen die morgendliche Routine völlig über den Haufen geworfen. So trägt Halla Gesine auf, flugs in den Pferdestall zu gehen und Xilian Bescheid zu sagen, während sie die Mandeln, Cocoa- und Cofeabohnen mahlt und Zucker zu feinsten Puder zerstampft. Mit Gesines Rückkehr heißt sie sie, kandierte Früchte aus dem Vorratskeller zu holen und mit dem Wiegemesser zu zerkleinern, damit sie sie unter die Marzipanmasse kneten kann, die sie Beide schließlich zu kleinen Kugeln formen und in dem Cocoapulver wälzen. Mit diesen und süßen Kipferln wird seine Lordschaft als Konfekt vorlieb nehmen müssen, denn mit den Vorbereitungen für die bald anstehenden Jultage haben sie schließlich erst begonnen und viel Zeit lässt er ihnen jetzt auch nicht. Zudem müssen sie ja auch noch die Kanapees machen, mundgerechte Happen auf einer Brotgrundlage, üppig mit Frischkäse und Schinkenrröschen, Hartkäsewürfeln gespickt mit Radieschenstiften oder Eiersalat garniert, machen, den Cofea für Madam aufbrühen, die Spuren der Küchenschlacht beseitigen und den Tisch für die Beiden eindecken, bevor sie überhaupt daran denken können, dass Frühstück für alle anderen vorzubereiten.

Als seine Lordschaft in Begleitung von Madam später in die Küche kommt, ist alles zu seinen Wünschen vorbereitet, das hübsch angerichtete Tablett steht bereit und Xilian sitzt auch schon an einem der beiden eingedeckten Plätze und wartet nur darauf, losfuttern zu dürfen. "Guten Morgen Mylord, Madam", hat er sich natürlich bei ihrem Eintreten erhoben. Halla fällt sofort auf, dass er heute festlicher gekleidet ist. Von einem Zerwürfnis zwischen ihm und Madam ist allerdings rein gar nicht zu bemerken. Ganz im Gegenteil führt er sie wegen der Schiene an ihrem Bein fürsorglich an ihren Platz und rückt ihr den Stuhl zurecht. Auch die Art, wie er ihr einen angenehmen Tag wünscht, spricht vollkommen gegen Hallas ursprüngliche Vermutung und allmählich zählt sie eins und eins zusammen - feinere Aufmachung, besonderes Frühstück mit Kaya ... "Feiert Kaya heute ihren großen Tag?" Shalhor lächelt diese Art Lächeln, dass Vätern so eigen ist, in einer Mischung aus Stolz und Zuneigung und nickt. "Ja, wir begehen heute ihren Ehrentag. Nach dem Frühstück, wenn sie sich angekleidet hat, möchte ich sie in der Großen Halle beschenken. Es wäre schön, wenn wir uns dafür alle dort versammeln könnten." "Oh ja", haucht Gesine verzückt und Halla meint: "Ich würde ihr so gern auch eine kleine Freude machen." Da schaltet sich Xilian ein: "Ademas macht doch immer die Schmuckperlen aus Holz oder Knochen. Jeder von uns hat schon irgendwas von ihm bekommen, Kette oder Armband", greift er unter sein Hemd und holt das Lederband hervor, an dessen Ende zwischen einfachen, kleineren Perlen, die drei, mit unterschiedlichen, hübschen Kerbmustern versehene, besagte Schmuckperlen aufgefädelt sind. "Wie wäre es, wenn ihr jeder eine Perle von seinem Schmuckstück schenkt. Wir fragen Ademas nach so einem Lederbändchen und wenn wir ihr gratulieren, fädelt jeder seine Perle auf ihr neues Armband." Die Küchenmägde sind hellauf begeistert von seiner Idee und während sie mit Xilian den Faden weiterspinnen, verabschiedet sich Shalhor mit einem Stirnkuss von Sigourny und verlässt die Küche mit dem Tablett.

In edlen, graublauen Surcot gewandet, dessen Damastbindung allein im Wechselspiel des Glanzes ein Rankenmuster offenbart, dass von dezent, heller Stickerei an den Säumen aufgegriffen wird und eben jenem Frühstücktablett in den Händen kommt Shalhor an Kayas Tür. Und weil er keine Hand frei hat um anzuklopfen, drückte er die Klinke mit dem Ellenbogen herunter. Nur ein handbreiten Spalt schiebt er die Tür auf, weil er nicht abschätzen kann, ob sie nicht vielleicht doch schon aufgestanden, aber noch nicht angekleidet ist. Also bleibt er vorerst vor ihrer Schwelle und ruft nur hinein. "Guten Morgen, Kaya. Bereit für Deinen großen Tag?"
Man sollte keine Dummheit zweimal begehen, die Auswahl ist schließlich groß genug!

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