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Sunday, January 6th 2019, 10:18pm

Dar ist endgültig an seine Grenzen angelangt. Dürfte er seinem Können und Wissen als Heiler vertrauen, wäre es wohl nur halb so schlimm gewesen. Aber so? Jede getroffene, wie nicht getroffene Entscheidung mochte Leben oder Tod bedeuten! Was wenn er etwas verordnet hätte, das dem Arsenik gleich, für seinesgleichen eine Stärkung, für alle Anderen, oder meinethalben auch nur für den Kobold oder nur die Menschen den Tod oder Schlimmeres gar noch bedeutete? Und dann auch noch gleich eine ganze Zimmerflucht voller Kranker, dazu besorgte Verwandte oder Freunde, die wissen wollten, worauf er ja aber keine Antwort hatte. Den ganzen Morgen über hatte Dar nur im Geiste jede Entscheidung doppelt und dreifach überprüft, alle Lehrtexte sich gedanklich vor Augen gehalten, mit der teilweise selbst für seinen Geschmack zu gestelzten, weil veralteten oder dadurch klüger wirken wollenden Gelehrtensprache. Hatte er Hagebutten- oder Baldriantee verordnet? Beides? Ja wer hatte dann aber welchen Tee oder hatten welche beide Tees und wie vertrugen sich die beiden Kräuter und was musste er… ? Bald hatte Dar das Gefühl, er funktioniere nur noch wie eine Marionette, deren Fäden nicht länger von einem Puppenspieler, sondern nur mehr dem Wind bewegt wurden und einfach nur noch reagierten. Ein Windhauch von links? Den linken Arm heben! Eine Böe von Rechts? Ausfallschritt und bitte einmal im Kreis drehen. Und dann das Ale! Jeder vergeudete Moment, mochte Tod oder zumindest aber dauerhafte Schädigungen bringen und er hockte hier ohne das kleinste Laboratorium, ganz ohne Kurbith oder Leierschwanz von einem Athanor ganz zu schweigen! Was brachte es da, das er Elechrims Ausführungen zu giftigen Erden beinahe Wort für Wort erinnerte? “Man tauche ein mit der Substanz bestrichenes oder getränktes steriles Hölzchen in eine von Fremdzusätzen freie Flamme und betrachte an der Veränderung der Flammfarbe...” Silverdammt, das Feuer in Annests Küche würde alleine schon ob des immer wieder über den Flammen nachgesalzenen Essens gelb aufstrahlen, gleich was er in diese hielt. Und wo bitte sollte er Steinsäure herbekommen, mit deren Reaktion man laut Baruchians Fibel diverse mineralische Gifte ermitteln konnte? Und als wäre das nicht genug, stritten Briant und die Heilerin dann auch noch völlig überflüssig über Bilsenkraut, das er mit als erstes heute Morgen doch schon ausgeschlossen hatte und dann die Frage mit dem einfach in das Fass schauen! Da hatte schließlich endgültig irgendwas in dem Zwergen ausgehakt. Wo bitte fand sich in Elechrims Ausführungen zu giftigen Erden oder auch Baruchians Fibel, in Dobrilugks 1000 Wegen einen Trank zu verderben oder auch Kelcharns Schriften von elementaren Seuchen und wie sie sich verbreiten die Anweisung, in Fässer zu schauen? Nirgends! Was also sollte – „Das Fass aufrichten!“ – ja-ja, schon gut! Was also sollte – „Einschlagen!“ – Sil'Usthor–Sakrament noch eins, kann man hier nicht einmal einen einzigen kleinen Gedanken zuendebringen? Und womit vermaledeit noch eins, sollte er bitte dieses silverfluchte Scheißfass nun eigentlich öffnen? Sollte er es vielleicht mit seinem Schädel einschlagen und hoffen, dass jener härter als das Fassholz ist? Beinahe schon wollte Dar tatsächlich kräftig mit dem Schädel wider das Fass schlagen immer und immer wieder, bis nur endlich Ruhe wäre, da drückte Briant ihm auch schon ein Hackmesser in die Hand. Na klasse! Sollte er sich besser gleich damit den Schädel einschl- oh, nein. Natürlich, das Fass!

Und dann, langsam erst, die Heilerin war schon längst fort, dämmerte ihm zweierlei. Zum Einen, was sie mit ihrem Tadel wie der Forderung in die Fässer zu schauen eigentlich gemeint hatte und zum Anderen, das er selbst nun auch Ruhe brauchte, und das dringend. „…und du auch Dar, schwöre, dass du kein Sterbenswörtchen über das vergiftete Ale verlierst!“ Ruhe Dar, du brauchst ganz dringend Ruhe. Aber vorher erklärst du ihr noch, dass das nicht geht. Einfach nur erklären, sie kann's ja nicht wissen. Da war sie wieder die innere Stimme, na wun-der-bar! Aber Recht hatte sie ja. Also hatte Dar tief durchgeatmet, die zu Fäusten geballten Finger wieder gelockert, noch einmal tief durchgeatmet und dann mit grabesruhiger Stimme erklärt, was Sigourny ja nicht wissen konnte: »Nein Sigourny, das weder ich nicht! Es gibt nur zwei Gelegenheiten, beziehungsweise Gründe, zu denen ich einen Schwur abgebe. Erstens einem anderen Fro'gar gegenüber und das auch nur nach ausgiebiger Überlegung, und/oder im Namen und also auch im Sinne Sils. Und da hier keines von beidem zutreffen sollte, werde ich Euch nichts schwören. Aber wenn Ihr es wünscht, dann werde ich es wohl für mich behalten und wenn ein Fro'gar sich erst einmal zu etwas entschlossen hat, muss wirklich sehr viel passieren ihn von dieser Entscheidung wieder abzubringen. Wenn Euch das nicht genügt?« Fragend blicken Dar's Augen zu der Hausherrin empor. Das seine Stimme mit einem Male beinahe so kalt wie müde klingt und das er vom "du" zur höflichen Anrede zurück gewechselt ist, das Briant halb empört, halb irritiert und halb verschreckt – na klasse, jetzt konnte er nicht einmal mehr in simpler Bruchrechnung mithalten – reagierte, er bekam es nicht mit. Und als Sigourny nach einem kurzen Zögern, entweder hatte sie so wenig von seinen Worten mitbekommen, wie er gemeint hatte, oder aber sie hatte beschlossen es auf seine unverkennbare Erschöpfung zu schieben oder aus welcherlei Gründen sonst nicht weiter zu thematisieren, schließlich genickt und sich damit also zufrieden gegeben hatte, hatte er sich empfohlen, gefragt ob es nicht einen Keller gibt, in den er sich zurückziehen konnte und nach reichlichem hin und her mit Briant sich mit einem Schemel in einen neben dem Eiskeller befindlichen zweiten Keller zurück gezogen. Einfach nur die Dunkelheit wie Sicherheit und Kühle des ihn umgebenden Gesteins genießend. Alle zwei Stunden, außer das Haus brennt ab, hatte er gebeten, ihn aus dem Keller hinaufzurufen und aber sonst nicht zu stören. Als dann aber bereits in der zweiten Rückzugsphase das Haus dann tatsächlich brannte, na-ja, eigentlich bestand Sigourny nur darauf in ihre Dachkammer zurückzukehren, da war ihm dann endgültig der Kragen geplatzt! Vermutlich hatten wenige sich zuvor ein solch lautes Streitduell mit der Herrin des Pfirsichs in eben diesem Haus erlaubt. Andererseits hatten indes aber auch nur verdammt wenige es wohl bisher geschafft, einen sturen Zwergen niederzubrüllen und zum Umlenken zu bewegen! Ein Umstand, der Dar… aber egal. Und als wäre es damit nicht genug, hatte dann auch noch Tane, keinen Bock auf vergleichbare Streitereien habend, einfach ungefragt sein eigenes Zimmer auch wieder bezogen. Aber wenn Dar jetzt eh schon der Madame wegen in den zweiten Stock extra musste…

Als Dar dann schließlich gegen Abend darum bittet, ihm etwas Stroh oder Heu aus dem Stall in dieses „Drecksloch von einem Keller!“ (Briants empörten Worte, als sie von seiner Absicht hier zu nächtigen erfährt) zu schaffen, ist er aber endgültig zu erschöpft zum streiten. »Ich werde hier schlafen Briant. Entweder auf dem nackten Boden, oder wenn wer so nett ist es herzuschaffen, auf Stroh und/oder Heu! Das ich hier schlafe ist meine Entscheidung. Wie ich hier schlafe darfst du bestimmen.« Oh ja, auch die friedlichen Mogbar können aus der Haut fahren, das weiß Dar nun. Aber heute sollte es nur einer Frau gelingen die Sturheit eines Zwergen zu überwinden und dieses Duell hatte Sigourny ja nun schon gefochten. Wie lang Dar nun schon ohne Licht hier drunten sitzt, der Zwerg weiß es nicht zu sagen. Doch die letzte Wacht über die Kranken liegt nun hinter ihm und die junge Maddi, Annest noch zu große Fußstapfen auszufüllen versuchend, hatte mit dem Kochlöffel drohend darauf bestanden, das Dar die Nacht zu ruhen habe, ehe man ihn wieder auf die Kranken loslassen könne. „Andernfalls brüllst du noch wen von denen zu Tode, wenn Briant dich nicht vorher erschlägt.“ hatte das Kind ihn angefaucht und damit doch tatsächlich ein erstes Lächeln, seit unzähligen Stunden, ihm wieder aufs Gesicht gezaubert. Recht hatte sie ja, Recht hatten sie ja alle - sogar Briant mit ihrem Dreckslochargument. Aber das hier, Dar lässt sich schließlich vom Schemel in das daneben liegende Stroh gleiten, sich mit den ebenfalls hier heruntergebrachten Pferdedecken aus dem Stall zusätzlich zudecken zu können, er braucht es einfach und tatsächlich sinkt der Zwerg hier drunten in den tiefsten und traumlosesten Schlaf seit vielen Monden. Wie am Abend zuvor, als es um die Planung für den kommenden Tag ging, beißen sich Dar und Briant vermutlich beide gleichermaßen auf die Zungen. Der Tag muss schließlich irgendwie organisiert werden und das gelingt nicht, wenn alle sich gegenseitig an den Hals fahren. Doch die Nachtruhe hat dem Zwergen so dermaßen gut getan, das er sich des Morgens bei allen entschuldigt, denen er des Tags zuvor in irgendeiner Weise quer gekommen ist. Ausgenommen Sigourny, die nicht zu stören Briant ihm kaum hätte sagen müssen. Aber selbst das Zusammenbeißen der Zähne ob solcher Unnötigkeiten, gelingt ihm heute wieder halbwegs gut.

Ein gutes Frühstück und eine ausgiebige Wäsche später dann macht sich Dar auf den Weg zum Tempel. Wie gehen Heiler mit Belastungen um? Das ist die Frage, die er heute stellen will. Doch – warum hatte er auch gesagt, das man ihn im Zweifelsfalle rufen soll – „Dar? Die Fee Fräulein Flammenblüte aus dem Pfirsich wünscht Euch zu sprechen… jetzt, Herr Zwerg.“ Verdammt, kichernde Jungheilerinnen sollten verboten gehören, ebenso wie dreckig grinsende Jungheiler oder pikiert dreinblickenden Botengänger! Vor der Tür schwebt dann aber tatsächlich Lux vor ihm. »Du hättest dich nicht etwas diskreter anmelden können Lux?« „Wieso sollte ich, Schatzilein, solange du nicht in der Lage bist Dobestos Namen richtig auszusprechen? Aber ich bin nicht hier um mit dir zu turteln. Sigourny ist in Schwierigkeiten und ich soll dich zu Tane bringen, sie schlimmstenfalls aus Grappes gierigen Klauen wieder hervorzureissen.“»Geh vor, ich bin direkt hinter dir!« Und so folgt Dar der Flammenblüte, hinaus auf die Straßen der Stadt…
“Siehst du einen Riesen, so prüfe den Stand der Sonne und gib acht, ob es nicht der Schatten eines Zwerges ist.”

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Sigourny

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Occupation: Pfirsichwirtin und Teilzeitdiebin

Location: Der Pfirsich

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Thursday, January 10th 2019, 8:26pm

In den Vormittagsstunden nach Corvalants Hochtag 518

Von Taresnar zum Pfirsich und in Richtung Unterstadt

TANE

Die Fahrt vom Anwesen des Elben zum Pfirsich verläuft schweigend. Sie sitzen sich in der Kutsche gegenüber und der Hund liegt zwischen ihnen am Boden. Beide Männer hängen ihren Gedanken nach, die sich in erster Linie um Sigourny drehen. Was ist dir da nur eingefallen, Sonnenschein? Tane lehnt den Kopf nach hinten und schließt die Augen. Er würde es nicht zugeben aber er ist froh, den Weg zurück zum Pfirsich nicht laufen zu müssen. Seine Beine fühlen sich an wie Pudding und er kann sich nicht erinnern, je so außer Atem gewesen zu sein wie bei der Ankunft auf Taresnar. So versucht er, so schnell wie möglich wieder zu Kräften zu kommen, denn das Ganze ist noch nicht vorbei. Auch Shalhor schweigt und widmet sich seinen eingelegten Fischen. Tane ist froh darum, so kann er unauffällig durch den Mund atmen, denn der Geruch, der dem Steinguttöpfchen entsteigt, bringt seinen noch immer angeschlagenen Magen auf recht unliebsame Ideen. Noch dazu kommt, dass er dieser Form des Katerfrühstücks so gar nichts abgewinnen kann: Er hält sich lieber an deftigen Speck mit Eiern und eingelegten Gurken. Das Beste nach einer durchzechten Nacht … neben der Gesellschaft einer schönen Frau natürlich. Aber an diesem Morgen sind ihm solche Gedanken fern wie nie. Er ist nicht sonderlich gläubig und doch sendet er ein stummes Gebet an die Götter. Lasst es ihr gut gehen, lasst sie am Leben sein. Und vielleicht ist sie schon zurück. Oh er hofft es und doch, irgendetwas sagt ihm, dass es eine vergebliche Hoffnung ist.

Als die Kutsche vor dem Pfirsich anhält, wendet sich der Elb, nachdem sie beide, inklusive Hund, ausgestiegen sind, an seinen Bediensteten. >Bring das Gespann nach hinten in den Mietstall, aber schirr nicht ab. Einer der Burschen soll dir Heu für das Pferd geben. Warte hier, egal wie lang es dauert. Aber halt dich bereit vielleicht … vielleicht muss es dann schnell gehen!< Der Mann stellt keine Fragen, nickt seiner Herrschaft zur Bestätigung nur zu und trollt sich in die angegebenen Richtung davon. Tane ist inzwischen schon die drei Stufen zur Tür hinauf, entgegen jeder Vernunft hofft er, dass Sigourny da ist, zurück und dass er sie umarmen und zusammen stauchen kann, egal in welcher Reihenfolge. Aber als er aufschließt und eintritt ist die Schankstube so gut wie leer. Nur Briant und Amitanba sind anwesend und aus der Küche hört er leises Klappern. Sein fragender Blick trifft den der Mogbar. „Ist sie …?“ Die Frau schüttelt nur den Kopf. Für einen Moment sacken Tanes Schultern nach vorne, das letzte bisschen Hoffnung, nicht hinunter zu müssen ist soeben verpufft wie heiße Luft. Verdammt! Er wäre wohl noch länger so dagestanden, wenn nicht Shalhor und sein Hund zur Tür hereindrängen würden und ihn bestimmt vorwärts schieben. >Wir müssen in ihre Kammer. Tyalo braucht etwas um Sigournys Geruch aufnehmen zu können.< Und schon steuert der Elb der Treppe zu, das Tier immer an den Fersen wie ein Schatten. Briant folgt ihnen und auch Tane will hinterher aber Amitaba hält ihn zurück. >Du musst etwas essen. Wie ich dich kenne gehst du mit, egal wohin. Aber du brauchst Kraft, verdammt seit mehr als vierundzwanzig Stundenläufen hast du nichts gegessen. Es reicht wenn wir hier am Ende des Tages eine Person wieder auf die Füße stellen müssen.< Sie sagt nicht wen sie meint, sie wissen es. Und so lässt sich Tane auf eine der Bänke drängen und Maddie stellt ihm einen Teller Hühnerbrühe vor die Nase. >Annest ist noch im Bett aber ich hab das denk ich ganz gut hinbekommen.< Scheu lächelt sie ihm zu. Briant hat dem Mädchen nicht genau gesagt, was los ist, doch sie ahnt, dass etwas nicht stimmt. Müde versucht der junge Mann das Lächeln zu erwidern, ehe er beginnt, widerwillig aber doch, die Brühe zu löffeln.

Mittlerweile sind Briant, Shalhor und die vierbeinige Schnüffelnase im Dachgeschoss angekommen. Kein Laut dringt aus den Zimmern, einzig aus dem Koboldkobel dringt verhaltenes Schnarchen. Shalhor kennt den Weg zur Kammer der Wirtin, war er auch erst einmal hier. Trotz der drängenden Eile lässt er Briant aber den Vortritt, die sich aber ebenso sputet wie er. Im Schlafraum bietet sich ihnen ein Anblick, der nur mit dem Ausdruck reines Chaos beschrieben werden kann: Auf der Bettstatt türmen sich Leibwäsche und Strümpfe in einem einzigen wild durcheinander geworfenen Haufen, die kleinere Truhe steht offen und ein doppelter Boden lehnt daneben. Das Nachtgewand der Hausherrin liegt zusammengeknüllt neben dem Bett, welches ein einziger zerwühlter Haufen aus Kissen, Laken und einer fellenen Überdecke ist. Alles zeugt von einem hastigen Aufbruch. Auch die Feder, die neben dem noch offenen Tintenfässchen am Tisch liegt und auf einem weiteren Pergament einen Fleck hinterlassen hat, da nicht abgestrichen und nur hastig zurückgelassen wurde.

Der Elb führt Tyalo zu der Bettstatt. >Tekat!< Der Hund beginnt zu schnüffeln, wirkt aber etwas verwirrt. Briant räuspert sich >Verzeiht, aber gestern waren so viele Leute in diesem Raum, nicht nur Sigourny. Ich war hier, Amitaba, Dar. Heute Tane. Aber vielleicht …< Ihr Blick geht suchend durch den Raum. Und bleibt an einem weiteren Kleiderhaufen neben dem Spiegel hängen, der in dem ganzen Durcheinander gar nicht aufgefallen ist. Briant angelt danach. Das eine der beiden Kleidungstücke, die sie in den Händen hält, nämlich die Bluse die vor zwei Tagen Bekanntschaft mit dem Rotwein geschlossen hat, erkennt Shalhor sofort. Doch sie riecht stark nach Wein, das würde die Nase des Hundes erst recht durcheinander bringen. So schüttelt er den Kopf. Aber die Mogbar ist noch nicht fertig und das nächste Teil, das sie hervorzieht verschlägt dem Elben für einen Moment den Atem: ein hauchzartes Batist Leibchen. Wortlos hält sie es dem Elben hin. Dieser hält es dem Hund vor die Schnauze >Tekat!< wiederholt er. Das ist nun ein eindeutiger Geruch, doch als er der Mogbar das Kleidungsstück zurück geben will, schüttelt sie den Kopf. >Nehmt es mit, vielleicht muss er nochmal schnuppern!< Sie hat nicht wirklich Ahnung von Hunden aber sicher ist sicher. Und was ist schon ein Leibchen gegen eine Rückkehr Sigournys.

Es kommt Tane wie Stunden vor, als Briant, Shalhor und sein wandelnder Flohzirkus endlich wieder die Treppen herunterkommen. Er springt auf und ist schon bei der Hintertür, ehe sie die letzten Stufen hinter sich gebracht haben. „Wird ja auch Zeit“, knurrt er. „Was kann das so lange dauern?“ Aber er sagt es sehr leise, ganz traut er dem Hund nicht, hat er noch nie. Hunde waren bei einer seiner früheren Tätigkeit (der Einbrecherei nämlich) das größte Ärgernis. Die meisten der Biester sind nämlich unbestechlich und auch mit der fettesten Schwarte Fleisch oder der schönsten Wurst kaum abzulenken. Aber wenn Tyalo, so heißt das Vieh, Sigourny finden kann, dann wäre er vielleicht bereit seine Meinung über Hunde zu ändern. Zumindest ein wenig. Ein weiterer Bewohner des Pfirsichs, der nichts von Hunden hält, ist der Stallkater. Gestern noch sterbenselend ob des aufgeschleckten Ales ist er heute schon wieder Herr der Stallungen und des Hofes und in dieser Rolle erscheint ein Hund nicht gerade als gern gesehener Gast. Mit imposantem Katzenbuckel faucht das Untier von einer niederen Mauer herunter. Doch Tyalo ignoriert das Großmaul einfach, was einer Beleidigung der Katerehre gleichkommt. Schmollend zieht dieser sich zurück.

Mensch und Elb bekommen davon nichts mit. Tane führt Shalhor durch die Straßen zum versteckten Abstieg in die Unterstadt. Auf dem Weg dorthin erzählt er kurz von Sigournys Nachricht und seiner Anweisung an Lux, Dar zum Abstieg zu bringen. „Er ist zwar nur ein Pfuscher aber er hat das gestern ganz großartig gemeistert. Ich bete bei den Göttern, dass wir keinen Heiler brauchen aber … er ist auch stark.“ Der Satz endet so platt, dass es klar ist, dass Tane eigentlich etwas anderes sagen wollte. Einige Male hält der Hund an und schnuppert, wendet seinem Herrn den Kopf zu. Besonders bei zwei verborgenen Nischen zeigt er dieses Verhalten. >Sie war hier!< erklärt seine Lordschaft. Dann eilen sie weiter. In einer dunklen Gasse stoßen sie schließlich auf Dar. Lux flattert aufgeregt neben dem Zwerg auf und ab. >Kann ich wieder zurück ich meine … muss ich ….< „Schwirr ab. Dich nehm‘ ich sicher nicht mit da runter, du bist da unten bekannt wie eine bunte Hummel. Da können wir gleich laut unsere Namen schreien.“ Empört dreht die Fee ab. Doch nach wenigen Flügelschlägen ruft Tane sie zurück. „Lux … danke! Dass du Dar geholt hast. Und sag Briant sie soll alles verrammeln und wenn ihr was komisch vorkommt soll sie Ronan zum Verder Tor schicken und ein paar Blaumäntel holen.“ Lux nickt. >Holt Sigourny zurück.< Nichts ist mehr von der sonstigen großspurig frechen Art der Fee zu merken. „Wir tun unser Bestes und wir werden sie finden!“ Mit diesen Worten geht Tane zu Dar und Shalhor und die Fee flattert in Richtung Pfirsich davon.
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Sunday, January 13th 2019, 5:50pm

Wie gerädert bewegt sich der Zwerg in der Kanalisation und auch später hinter den Anderen her. Abgesehen von einem leisen Fluchen auf die Sturheit der Zwerge und einem geknurrten Dank an Sil, die Zwerge von derlei Geschöpfen weitestgehend bewahrt zu haben, spricht Dar indes kein Wort. Den Weg durch die die derweil trottet er wieder reichlich hilflos durch das helle Tageslicht einfach nur stur hinter den anderen her, ignoriert etwaige Kommentare in seine Richtung, etwa von Tane, der ihm die präsentierten Wachteleier scheinbar nicht nachsehen mag, und ist beinahe erstaunt, als er sich "plötzlich" im Hinterhof des Pfirsichs wiederfindet. Nur als der Elb ihn direkt anspricht und auf eine Möglichkeit an einen Schluck Zwergenbrand zu kommen, es braucht ein paar Herzschläge, ehe sich das an ihre erste Begegnung diesbezüglich zurück erinnert, schaut er unter der breiten Hutkrempe und mit leicht schief gelegtem Kopf zu Shalhor auf, nickt nach einem etwas längerem Blick und antwortet dann mit einem schlichten: »Danke!« Er weiß noch immer nicht, was der andere gegen ihn hat, von ihrer ersten Begegnung an gegen ihn hatte. Aber Dar hat das Gefühl, als wenn alleine diese späte Auskunft ihn viel an Überwindung gekostet hatte. »Ihr hättet sicher auch ohne mich einen Ausweg gefunden.« Nachdenklich blickt er noch der davonfahrenden Kutsche nach, ehe auch er schließlich im Pfirsich verschwindet, erst einmal den nächsten großen Badezuber für sich in Anspruch zu nehmen, in neue Kleider zu schlüpfen, die protestierende Annest mit Maddies Hilfe aus der Küche raus und wieder in ihre eigene Schlafkammer zu bugsieren und anschließend mit einem großzügigen Stück Dauerwurst wieder zurück zum Tempel zu eil- nun ja, zumindest noch rechtzeitig genug für eine Standpauke, ob es ihm denn vielleicht doch nicht so ernst mit seiner Ausbildung ist, anzukommen und die anschließende letzte Unterrichtseinheit für heute vorzunehmen.

Und danach? Dar lässt sich von einem anderen weltlichen Schüler der Heilkunst berichten, was an Unterrichtsinhalten er verpasst hat und also bis morgen eigenständig nachholen darf. Lange bleibt Dar vor dem Faêyris-Tempel unschlüssig stehen, ehe er schließlich stumm nickt, seine Geldkatze, oder besser deren Inhalt prüft und schließlich dann einen vorüber eilenden Novizen am Ärmel packt. »Wo ist der Tempel Sils?« Der Novize grinst und erwidert als erstes: „Ja, wer auch sonst?“ ehe er Dar dann aber doch freundlich den Weg erklärt. Es ist ein kleinerer Tempel nur, doch fühlt sich der Zwerg sofort und auf befremdliche weise willkommen geheißen, kaum das seine Schritte in in das Gebäudeinnere leiten. Es ist ein Gefühl, das indes von einer gewissen Bitternis in ihm selbst gleich wieder zurückgedrängt wird. „Ah, ein Kind Sils. Womit kann ich dienen, werter Herr?“ ein kräftiger Mensch, der die besten Jahre schon hinter sich hat, aber noch längst nicht vom Alter gebeugt ist, tritt Dar in priesterliche Roben gewandet freundlich lächeln gegenüber um dann aber, aus dar unerfindlichen Gründen sein Lächeln abzulegen und Dar ernst und mit gerunzelter Stirne anzuschauen. Vermutlich bloß nur wieder meine silverd- … Verzeihung… Augen. tut Dar dieses ab, obgleich eher Sorge, denn die beim Anblick seiner Augen sonst übliche Verunsicherung des Mannes Gesicht zeichnet. Dar greift sich also die Geldkatze, holt das Raîndesjatch daraus hervor. »Es ist nicht viel, Herr.«, hält er dem Priester den zehn Silberlinge wert seienden zwergischen Geldstab entgegen. »Aber ich habe auch nicht viel.« Dar drückt es dem Priester in die Hand. »Als die Erde mich ausspie, schwor ich Sil, ihm dieses zu spenden, sollte ich es lebend bis nach Talyra schaffen. Er hat sein Wort gehalten. Und drum…« Dar wendet sich um und geht. „Kann ich euch noch…“, hebt der Priester dem Davongehenden noch zu sagen an. Doch: »Nein!« Selbst Dar erschrickt leicht über die Bitternis und Kälte in seiner Stimme, wendet sich darum um und zwingt ein Lächeln auf sein Gesicht, welches ihn merklich Mühe doch kostet. »Verzeiht! Wenn ihr damit, es ist nicht viel, ich weiß!«, entschuldigt der Fro'gar sich ein weiteres Mal. »Aber wenn ihr damit vielleicht irgend etwas Gutes tun könntet?« Dar wendet sich nun endgültig um, den kleinen Tempel zu verlassen. „Möge der Segen des Hohen Hauses Erde stets mit euch sein, Herr Zwerg!“ Dar zögert ob dieser Abschiedsworte kurz, schreitet dann aber weiter und sieht sich nicht mehr um, bis der ganze Tempelbezirk schließlich hinter ihm liegt.

Auf dem Weg zum Verder Tor, um entweder doch noch das Haus der Bücher aufzusuchen, oder aber gleich in den Keller des Pfirsichs sich zurück zu ziehen kommen ihm Shalhors Abschiedsworte in den Sinn: "Wenn Euch nun also noch immer an einem Zwergenbrand gelegen ist, solltet Ihr in der 'Goldenen Harfe' fündig werden." Warum eigentlich nicht einen Schluck sich darauf gönnen noch am leben und gar unversehrt zu sein. Aber vorher… Dar lenkt seine Schritte an der Goldenen Harfe, ein riesiges und stets bestens besuchtes Gasthaus, das er eben darum zwar von außen längst kannte, zugleich aber auch von vornherein als Unterkunft als für seinen leeren Geldbeutel zu teuer befunden und ergo auch noch nie betreten hatte und weiter gen Süden, bis die Häuser mit dem zu dieser Stunde langsam sich mehrenden warmen durch dicke Butzenscheiben dringenden Lichtschein zurückfallen und statt dessen vermehrt kleine Lichte links und rechts des Weges sich zeigen – Grablichte. Dann schließlich schält sich ein, selbst gegen das Abenddämmer sich noch deutlich hervorhebender großer schwarzer Schatten aus der hereinbrechenden Dunkelheit. Und wenn zu dieser Stunde schon alles zu ist? Leise tritt Dar auf das Bauwerk zu, dessen Mauern ihn so sehr an die Schattenmarmorkluft erinnert, in der so viele Jahre gelebt hatte. Müde lehnt sich Dar einen Moment gegen die Tür, schaut zu dem gewaltigen Flügelpaar des über ihm thronenden steinernen Raben. Doch dieser Druck reicht schon aus, die Türe lautlos nach innen schwingen zu lassen. Außer dem leisen Rascheln, der selbst zu dieser Stunde um die Statue des Fährmanns sich bewegenden Falter, herrscht eine tiefe Stille. Doch sein Ziel ist das kleine Lichtermeer um eine andere Statue. Fragend schaut Dar vor der unscheinbaren grauen Statue zwischen seiner kaum gefüllten Geldkatze und den neben dem Altar, neben einer Geldschale befindlichen kleinen Opferkerzen hin und her. „Was ihr geben könnt, oder wollt Herr Zwerg.“ beantwortet eine Priesterin seine unausgesprochene Frage. „Und wenn Ihr heute nicht, aber später vielleicht erst geben könnt, oder wollt – oder vielleicht auch gar nicht…“ Freundlich lächelt die, schon etwas ältere Priesterin ihn an und lächelt selbst dann noch, da er einen jämmerlichen Kupferling nur in die Schale legt und fast zaghaft nach der kleinsten Kerze dort greift, diese entzünde und ganz an den Rand zu den anderen Kerzen dort auf den Altar stellt. „Ein Freund? Oder doch eher für die Familie?“ Dar blickt die Priesterin fragend an, die zu seiner nun ruhig neben den anderen Kerzen ihr Licht verströmt? Dar schüttelt den Kopf. »Nein, nur zwei Fremde, denen ich nicht habe helfen können.« Sanft legt die Frau eine Hand auf seinen Arm, wendet sich dann aber ohne den, von Dar schon befürchteten, klerikalen Sermon über ihn auszulassen. Lange lehnt Dar darauf und ungestört wider die kühle unverrückbare dunkle Außenwand des Tempelinnern, derweil Menschen und andere Völker an ihm vorrübe strömen, derweil die Bilder des heutigen Tages an seinem inneren Auge vorüber ziehen.

Als er sich schließlich wieder auf den Weg macht, will er es wenigstens noch einmal kurz in der Goldenen Harfe versuchen. Selbst wenn das verbliebene Geld für einen Schluck guten Zharenogurns nicht reichen sollte, kann er sich doch zumindest eine preisliche Vorstellung dessen machen. Also wirft er sich todesmutig in das, insbesondere nach seinem gerade erfolgten Tempelbesuch gleich doppelt quirlige Treiben in der Goldenen Harfe, schiebt sich langsam aber beharrlich einen Weg durch de Menge und bis zum Tresen um mit seinem letzten Silberling, so der denn reicht etwas Heimat in einen Krug füllen zu lassen - oder andernfalls zumindest doch sich ein Bild vom Angebot und den Preisen machen zu können.
“Siehst du einen Riesen, so prüfe den Stand der Sonne und gib acht, ob es nicht der Schatten eines Zwerges ist.”

This post has been edited 3 times, last edit by "Dar" (Jan 16th 2019, 10:56pm)


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Sunday, January 20th 2019, 9:05pm

(24. Siltha im Jahre 518, des Abends)
*Auf Umwegen zum Pfirsich*


Draußen, endlich draußen! Dar kann sich nicht erinnern jemals so froh gewesen zu sein, den offenen, weiten, leeren, die Kälte des Namenlosen ausstrahlenden Himmel so ohne schützendes Felsendach über sich zu wissen und stolpert erst einmal nur vom Eingang der Goldenen Harfe fort, bis er sich auf einer ihm unvertrauten Brücke über den LLarelon, in einem ihm nicht minder unvertrautem Viertel wiederfindet. Also umkehren und zur Harfe zurück? Nein, das ist keine Option. Darum heißt er sich weiterzugehen. Die kleinen verwinkelten Gässchen zur Rechten und Linken der Straße verschwinden, machen größeren, stabileren, wehrhafteren Bauwerken platz. Wahllos biegt der Fro'gar nach rechts ab, und fragt sich, ob er denn überhaupt zum Pfirsich und das dort vermutlich zwar weniger zahlreiche, aber sicherlich nicht minder aufgekratzte Volk zurück will, an desen vorbei den Keller aufzusuchen? Eventuell noch die eine oder andere aufgekommene Blessur behandeln müssen, Briants und Annests Bemühungen weiter erdulden, sich doch wieder im Obergeschoss wohnlich einzurichten, oder…? Nein, das kann er nicht! Das will er nicht, nicht jetzt und nicht so. Also setzt sich Dar auf die unterste Stufe einer breiten Treppe zu seiner Linken und ignoriert die um ihn her hastenden Menschen, Elben, Mogbar, Kobolde, Feen, gar einen Zentauren und blickt – zum ersten Mal, seit er sich erinnern kann, gänzlich angstfrei in den Himmel über sich. „Schön nicht?“ Dar brummt unverständig, wie aber zustimmend. „Ich bin erstaunt!“ Erst jetzt wird Dar bewusst, das da wer zu ihm spricht. Aber es ist eine ruhige, eine einzelne und vor allen Dingen eine leise Stimme, also so ganz anders, als das chaotische, sich in seiner Wahrnehmung zuletzt regelrecht überschlagen habende Sprachwirrwarr in dem Gasthaus, das wohl immer noch – aber nun in wohltuender Ferne ertönend – nicht mehr bis an seine Ohren dringt. Eine schlanke Hand, wie von einem Menschen, drängt sich in sein Blickfeld, deutet auf einen hell funkelnden Stern, dann auf einen weiteren und zuletzt auf einen dritten, trotz seiner ebenfalls merklichen Helligkeit, eher fahl grau schimmernden Stern, den Dar zuletzt ob dessen blassen Strahlens auf seinem Weg über das Firmament verfolgt hatte. „Zamhîn, Ranavaí und dort dann noch Ombra.“ Dar grunzt. Obgleich die Stimme eine gewisse Ruhe ausstrahlt, fragt der Zwerg sich doch, warum der Andere ihn nicht einfach in Ruhe lassen kann. „Wieso gerade diese?“ »Hrmpf!« „Ich wundere mich ja nur. Ihr sitzt hier nun schon seit geschlagenen fünf Stunden beinahe reglos auf der Stufe dort, nachdem ihr wie ein Vergessener bis zur Treppe hier euch treiben ließest und…“ »Was?« „…und verfolgt gerade dieses Sternenbild mit eurem Blick, wo dort über den Dächern das Sternenbild des Schmiedes mit dem heute Nacht besonders gut sichtbaren Stern Yarn doch…“ »Was meint Ihr mit fünf Stunden?« „Was?“ Dar wendet sich nun schließlich doch noch um, um sich einem neben ihm sitzenden Menschen in hell schimmerndem Plattenharnisch gegenüberzufinden, hinter ihm, auf der breiten Treppe neben einem mit Schnitzereien beinahe schon überladenem altersdunklen schweren Holztor, ein weiterer geharnischter Mensch mit Speer und einem wachsamen Auge auf seinem Kumpan und Dar. »Oh!« „Was?“ »Der Shenrah-Tempel?« „Ich weiß das! Ist Euch nicht gut, wollt ihr vielleicht eintreten?“ »Was? Oh, nein… nein, danke! Aber… aber was, was meintet Ihr gerade mit … mit fünf Stunden?« Der Ritter schüttelt, milde lächelnd, den Kopf. „Habt ihr es nicht gehört? Es wurde gerade die Stunde der Geister ausgerufen und auch wenn mein Waffenbruder meint, ich solle euch einfach nur in Ruhe lassen… Ihr müsst aber schon zugeben: Wie orientierungslos aus der Festungsviertel zu streunen, sich mir nichts, dir nichts auf die Tempeltreppe zu setzen und dann fünf Stunden lang reglos die Wanderung des Raben über das Firmament zu verfolgen? Also wenn Ihr vielleicht reden wollt, Vater Breocca hat immer ein offenes Ohr für – hey!“

Dar war mit einem Male so plötzlich aufgesprungen, das der neben ihm sitzende Ritter die Hand schon am Schwertknauf, sein Kumpan den Speer an dessen Seite schon kampfbereit gesenkt hatte, ehe beide bemerkten, das der Zwerg sich nur den Staub von den Kleidern klopfte und mitnichten etwa… „Bei Lyam! Was sollte das denn jetzt? Ich hab mir fast-“ »Muss weiter! Habt dank für eure Gastfreundschaft!« „Welche Gastfreundschaft denn? Ihr habt doch nur auf der Treppe gesessen! Pejol, hast du das gesehen? Sitzt stundenlang rum, das mir längst die Beine bis zum Hals hinauf eingeschlafen wären, um dann wie von Sechmet gestochen aufzuspringen. Ich, ich hätt mir fast in die Büchs gemacht, Bruder!“ „Und genau darum habe ich dir geraten, den Zwergen einfach in Ruhe zu lassen. Aber du mit deiner astronomischen Begeisterung für alles was den Blick gen Himmel wirft!“ Das vom leisen Lachen des zweiten Ritters gelegentlich unterbrochene Getuschel der beiden Torwächter zur Linken wie Rechten des Einganges zum Shenrah-Tempel verklingt bald, derweil Dar gen Pfirsich hastet. Da er keinen Schlüssel zum Eingang hat, und nicht sicher ist, das sie zu dieser Stunde noch Betrieb haben, fürchtet er schon, wen herausklopfen zu müssen und wenn das Briant oder Annest ist, dann kann er sich schon mal jetzt auf eine gehörige Predigt verlassen! Also eilt der Fro'gar schneller, denn es seine Art ist, Richtung Verder Tor um dann in Richtung des Eingangs des Pfirsichs zu huschen und – RUMMS!!! Aufs erbärmlichste fluchend schlittert Dar die letzten Meter zur Treppe des Pfirsichs hin, nachdem er sich auf einem scheints glatten Stück des Wegs spektakulärst auf den Rücken gelegt hat, dass ihm noch, da er am Fuße der Treppe die unfreiwillige Rutschpartie längst abgebremst hat, der Schädel läutet, als wenn Sil höchstselbst mit seinem Hammer ihm gegen die volltönende Hohlbirne geschlagen hätte. Derweil im Pfirsich sein lautstarkes Gezeter wohl vernommen wurde und – wohl auch ob der vergangenen Ärgernisse – alsbald die Türe aufgerissen wird und – RUMMS!!! RUMMS!!! RUMMS!!! RUMMS!!! RUMMS!!! – drei, vier, fünf Gestalten aus der Tür geschossen kommen und einer über den Anderen sowie alle über Dar die Treppe vom Pfirsich hinab zur Straße herunter purzelnd und schlitternd sich überschlagen und teils noch hinter Dar in Richtung einer kleinen Senke weiterrutschen, in der das Regenwasser vom Platze her in die Kanalisation hinab fließt. »NICHT ÜBER DIE TÜRSCHWELLE TRETEN!«, bellt Dar, der nicht noch mehr Pfirsiche, Gäste und andere Bedienstete über sich hinweg stürzen sehen mag. »Holt Licht und Dobesto und…« Dar, sich in eine zumindest sitzende Position aufgerichtet habend, blickt sich wütend um und erkennt unter dem spiegelglatten Eis vor dem Pfirsich und auf dessen Stufen, was den Anderen zu dieser Stunde mit bloßem Auge noch verborgen bleibt: Kleine Scheiben von Pfirsichfruchtfleisch, gut sichtbar unter dem Eis drapiert. »…und Tane!«

Dar muss keine zwei Herzschläge lang überlegen, von wem das hier wohl kommt, und wenn er erinnert was Sigourny alleine schon ob des Ale's gemacht hatte, derweil, dem Wimmern um ihn her nach zu urteilen, sie von Glück reden können, wenn sich dieses Mal keine längerer Heilung bedürfenden gebrochenen, -stauchten oder -prellten Knöchel, ausgeschlagene Zähne oder schlimmeres gar noch als Ergebnis dieses Streites nun zeigen sollte, sollten sie das besser irgends erledigt haben, ehe die Pfirsichwirtin davon auch nur erfährt. Als schließlich das helle Licht einer Laterne über den vereisten Platz vor dem Pfirsich hinweg strahlt und alle paar Schritte ein halbverfaulter Pfirsichscheitel unter dem glatten Eis glitzert, hört Dar unter den vielen Stimmen auch Tanes lautes Fluchen. »Tane, wir müssen das beantworten, bevor sie wieder hier ist,…« zischt Dar so leise, das der Mensch es ihm fast von den Lippen ablesen muss. Das unausgesprochene sonst…, Dar braucht es nicht laut zu äußern. Eine weitere Kurzschlussreaktion Sigournys mochte dieses Mal nicht wieder gar so glimpflich ausgehen, wenn man denn den – wortwörtlich – kopflosen Gauner vor der Nische der Unterstadt, denn als glimpflichen Ausgang verstehen mag. Und kalte Wut in Briants Augen auch zu lesen vermeinend, die leider das Pech hatte, mit zu den Sturzopfern zu gehören, wendet Dar sich nun direkt an sie. »Magst du Tane erklären, wie wir das hier ganz elegant beantworten können«, Dar erhebt sich vorsichtig, »derweil ich nach den Verletzten sch-?« RUMMS!!! »Und kann nicht vielleicht endlich wer den vermaledeiten Wassermagier aus seinem Kobel scheuchen, dieses verdammte Malheur hier unten irgendwann einmal zu beseitigen?«, dringt leise zwischen Bart und Eisfläche des nunmehr mit seinem Gesicht flach auf dem Eis liegenden Zwergs ein greinend anmutender Seufzer hervor.
“Siehst du einen Riesen, so prüfe den Stand der Sonne und gib acht, ob es nicht der Schatten eines Zwerges ist.”

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Tane

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Saturday, February 23rd 2019, 5:11pm

<-- Der Pfirsich

Tanes Laune bessert sich nicht gerade, als er, kaum dass er den Pfirsich verlassen hat, Doug über den Weg läuft. Der Blaumantel ist ein geselliger und leutseliger Mensch, korrekt und unbestechlich wie alle Angehörigen der Stadtgarde aber trotzdem einem Schwätzchen nicht abgeneigt, vor allem wenn es sich um Tane oder einen anderen Bewohner des Pfirsichs handelt. Als eingefleischter Junggeselle ist er Stammgast im Gasthof und somit mit Tanes amourösen Abenteuern durchaus vertraut. >Tane mein Freund!< begrüßt er ihn mit einem eindeutigen Grinsen. >Was hat Briant mir eben erzählt? Du willst dein Verhältnis zur Witwe Graustein wieder aufleben lassen? Mutig, mutig sag ich nur …!< Der Angesprochene macht gute Miene zum bösen Spiel, im Geiste geht er aber durch, was er der Mogbar alles antun würde, Spinnen im Bett ist nur eines davon. „Nun ja, also ..“ >Also wirklich, ich dachte das Mädl will mich zum Narren halten, als sie es mir vorhin erzählt hat. Sagte, sie müsse zum Wochenmarkt aber sie muss mir die guten Neuigkeiten erzählen, eben dass du die Witwe wieder beehren willst, weil du dich in den letzten Wochen so gegrämt hast, weil du sie verlassen hast. Ich muss gleich weiter, aber lass dir einen Rat geben … Blumen, Frauen lieben Blumen!< Tane kann nur nicken, ehe der Blaumantel schon weiter eilt, worüber der junge Mann ausnahmsweise froh ist. Davon, dass Briant dieses Gerücht auch gleich unter den Wachen verbreiten würde, hat Tasha natürlich nichts gesagt.

Die Affäre mit der jungen Witwe Graustein … am liebsten hätte er diese Geschichte vergessen und wäre besagter Dame nie wieder begegnet. Die Besagte ist ein lebenslustiges, aber sehr temperamentvolles Wesen, die mit einem wesentlich älteren Mann verheiratet wurde. Im letzten Jahr war dieser dann sanft entschlafen und hat seinem jungen Weibe ein schönes Vermögen und ein stattliches Haus im Herzen Tayras hinterlassen. Also im Grunde genau die Sorte Frau, deren Aufmerksamkeit Tane zu gewinnen sucht. Doch in diesem Fall war die Sache beinahe schief gegangen, denn Geraldine Graustein hatte es sich in den Kopf gesetzt, Tane zu ehelichen. Im Gegensatz zu ihrem Verblichenen wäre ein junger Ehemann ja genau das Richtige, vor allem weil sie beschlossen hatte, Kinder von ihm zu wollen. Tane hatte sich nicht anders zu helfen gewusst, als Ysa zu überreden, seine neue Geliebte zu mimen, um die Witwe los zu werden. Das Ganze war nun drei Mondläufe her … und nun soll er genau dieser Dame vorspielen, dass er die Beziehung wieder aufleben lassen will. Er will besser gar nicht daran denken, was es heißt, wenn sie darauf einsteigt. Und zu allem Überfluß hat Tasha ihm aufgetragen, sein Werben sehr öffentlichkeitswirksam zu gestalten. Sonnenschein, wenn du wüsstest ….

Am Weg zum Haus der Witwe erwirbt er aber dann doch einen Blumenstrauß (gestaltet das die ganze Inszenierung doch glaubwürdiger) und atmet tief durch, als er sich unter dem Fenster zu ihrem Schlafgemach postiert. Dieses geht zum Marktplatz hinaus und aus der Vergangenheit weiß er, dass die Dame länger zu schlafen pflegt. Augen zu und durch … Götter behütet mich! Dann wirft er einige kleine Steinchen an die Fensterscheibe. Schon da bleiben einige Passanten interessiert stehen und als die Angebetete das Fenster öffnet und Tane zu deklamieren beginnt, bildet sich schnell ein kleiner Auflauf. „Oh holde Geraldine, Sonne meines Herzens, bitte verzeih mir meine Verblendung! Ich kann meine Scham nicht in Worte fassen, dich verlassen, dich verraten zu haben. Schatten haben sich über meine Tage gelegt, seit ich den Fehler meines Lebens beginn, dich zu verlassen, dein Lächeln zurück zu weisen, dass mir …..“ Weiter kommt er nicht, denn ein Schwall ergießt sich über ihn, der Inhalt ihres Nachttopfes. >Spar dir deine Lügen, du dreckiger Hundsfott! Scher dich zum Dunklen, ich will dich nie wiedersehen! Und dein armseliges Gemüse kannst du deiner Hure mitbringen!< Mit einem lauten Krachen schlägt Geraldine Graustein das Fenster zu und lässt einen im wahrsten Sinne des Wortes begossenen Tane auf der Straße stehen. Die Umstehenden schwanken zwischen Belustigung und Mitgefühl aber eines ist gewiss: Die Sache würde in den nächsten Tagen eines der Gesprächsthemen Talyras sein. Besser hätte es – zumindest in Briant und Tashas Augen – nicht laufen können. Tane hingegen hätte eine verbale Abfuhr gereicht, auch wenn dieser Ausgang sicher nicht die schlimmste Variante ist. Denn wäre die Witwe auf seine Entschuldigung herein gefallen, hätte er bis zum Hals in Schwierigkeiten gesteckt.

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Saturday, February 23rd 2019, 8:21pm

Schon früh am Morgen erwacht Dar ob des von der Küche zu ihm herab schallenden Lärms. Doch erstaunlicherweise fühlt sich der Zwerg, trotz des nur geringen Schlafpensums, erstaunlich erholt. Nach oben steigend findet er die Küche voller ihm unbekannter Kobolde und die Vorbereitungen für ihr Ablenkungsmanöver in vollem Gange. Da alle alles hier fest im Griff zu haben scheinen, stiehlt sich Dar in zu den Wasch- und Badezubern, füllt sich einen mit kaltem Wasser, wäscht sich gründlich und kehrt schließlich – frisch gewaschen und gekleidet und, nach einem letzten kurzen Abstecher in seinen Keller, auch wieder geharnischt in die Küche zurück, sich ein herzhaftes Frühstück zu gönnen. Doch ehe er sich noch auf den Weg machen kann, ist auch schon Jehan zur Stelle, ihm in Briants Auftrag aufzutragen, er möge sich heute doch gut sichtbar platzieren und wenn möglich auch Sigourny und Shalhor dazu bringen, sich in der Öffentlichkeit sehen zu lassen. >Briant hatte die Idee, das ihr …<, doch an dieser Stelle unterbricht Dar den Jungen ruhig. „Ich habe gestern – in aller Bescheidenheit gesagt – eine meisterliche Beinschiene für Sigourny gefertigt und möchte, so stolz wie ich auf meine Arbeit nun einmal bin, Sigourny bitten, mit der Schiene doch bei meiner Lehrerin im Faêyris-Tempel vorbeizuschauen, selbiger selbige mal vorzuzeigen.“ Jehan hinter sich zurücklassend mach Dar sich bald darauf auf dem Weg, erst zu Haus der Bücher, danach dann zum Tempel. Wieder verlangt die Anirani dort den Zwergen alleine zu sprechen und nachdem er ihr ausführlich vom vergangenen Tag berichtet – zumindest die Ereignisse betreffend, die er berichten konnte, ohne indiskret zu werden – verordnet sie ihm einen weiteren Tag Befreiung vom Unterricht, dieses Mal jedoch ohne zusätzliche Verordnung von Betelbissen oder anderen Arzeneyen. >… und es würde mich freuen, die Schiene zu sehen, auch wenn es in erster Linie trotzdem eher um Funktionalität, als modische Aspekte gehen sollte.<. schmunzelt die Frau, beinahe schon vergnügt an der Tür stehend, nachdem Dar mit weiteren Aufgaben für den kommenden Tag wieder verabschiedet. Sie scheint mit seinen Fortschritten nicht minder unzufrieden zu sein, denn er selbst.

Vom Tempel zu Idorell schreitend kann Dar nicht umhin das eisig kalte Morgenwetter zu genießen. Rauhreif glitzert hier und dort von Fernstern, Erkern und einigen blattlosen Ästen der immer imposanter werdenden Gärten auf dem Weg zu Shalhors Domizil, derweil die Sonne noch schwach nur über die östlichen Mauern der Stadt lugt. Selbst der weite Himmel wirkt heute weniger bedrohlich auf Dar, denn noch tags zuvor. Doch mag dies alles auch nichts weiter als ein unechtes Hochgefühl Dars nur sein, dem bald ein umso tieferer Absturz nur folgt. Sarurniers Pläne schließlich, sind undurchschaubar. „Aber wie heißt deine Schwester, noch gleich, Vater Wahnsinn?“, wendet Dar sich, leise murmelnd, an den Archon des Sitechs. „Ah ja genau – Kenen.“ Beinahe wie ein Kind lässt er seine Rechte freudig über die vereisten Stäben eines Metallzaunes gleiten, um dann mit einem Schreckenslaut zurückzuhechten, dass die anderem mit ihm die Straße hinab gehenden morgendlichen Passanten laut auflachen. Doch zu plötzlich waren die Wachhunde. „Was in Sils Namen…“ >Dein erster Bärenhund, Herr Zwerg?< Das Kind an der Hand einer Magd grinst nur frech. >Sind eigentlich recht harmlos, aber die Hunde dort<, der Junge deutet auf das hinter dem Zaun befindliche Grundstück, >… sind alle irgendwie fies drauf. Nicht wahr, Ama?< Die Magd nickt nur mit einem unbehaglichen Blick, als wäre ihr der Zwerg vor dem Zaun nicht minder ungeheuer, dass das so offenkundig beißwütige Tier hinter der nun wieder hundelos wirkenden Begrenzung, hinter welcher eine hoch wachsende Hecken jeglichen tieferen Einblick in das dahinter liegende Grundstück verwehrt.

Doch auch diese Begegnung vermag ihn die Begeisterung ob der eisig kalten Luft, des Frostes und des sich ankündigen Winters nicht zu vertreiben. So steht Dar bald vor dem rechten Tor und macht – ob der jüngsten Begegnung mit einem Vierbeiner – klugerweise am Tor auf sich aufmerksam, um dann schließlich ins Haus und zu Shalhor vorgelassen zu werden. „Sagt, habt Ihr hier eigentlich auch Pferde auf dem Gelände, also Reitpferde jetzt?“ Immerhin wäre es doch eine ideale Erklärung der Verletzung in der Öffentlichkeit, zu verkünden, das Sigourny einen Reitunfall gehabt hat und darum nun jene Schiene tragen muss. Was Sigourny genau angestellt hat und das Grappe darüber bereits hinreichend Kenntnis besitzt, kann der Zwerg immerhin nicht wissen.
“Siehst du einen Riesen, so prüfe den Stand der Sonne und gib acht, ob es nicht der Schatten eines Zwerges ist.”

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Friday, March 1st 2019, 3:14pm

Die Erleichterung ist Dar schließlich deutlich anzusehen, als er – den Mund vom Reden ganz trocken – Sigournys Widerstand endlich einknicken sieht. Das Tane ihr ihre Arbeit vorbei bringen kann, scheint die Wende gebracht zu haben, hatte er doch vorab bei jedem Wort den Eindruck gehabt, wie gegen drohende eine Sturmfront anzureden. Die nächste Zeit der schließlich von Sigourny akzeptierten Fahrt zurück zum Ufer des Idorel verbringt der nun wieder weit schweigsamere Zwerg mit dem Anfertigen von Notizen bezüglich der Anweisungen der Pfirsichwirtin. Denn hier nun geht es um einen Geschäftszweig, der ihm ähnlich unvertraut ist, wie seiner Patientin etwa die Schreibkunst. So landet auf der Rückseite der ihm heute von Ketell mitgegebenen Unterlagen schließlich eine Liste von Stichpunkten der Art: *Zwillinge sprechen*Bestellliste letztes Jahr (Jul/Midwinter von Beth)*Inventurlisten der letzten Siebentage* Damit schließlich fertig will Dar sich schon entspannt zurücklegen, als sein Blick aus der Kutsche heraus auf zwei ärmlich gekleidete Kinder fällt, von denen eines das Andere – stets dicht an einer schmutzigen Häuserwand entlang halb stützt, halb trägt. Die Beiden, vom nahen Marktviertel zu kommen scheinend, bemühen sich redlich möglichst unsichtbar zu erscheinen, derweil die restlichen auf den Straßen sich bewegenden Bewohner der Stadt sich ihrerseits anzustrengen scheinen deren bemühter Unsichtbarkeit mit teilnahmloser Nichtbeachtung zu einem scheinbaren Erfolg zu verhelfen. Dar jedoch presst ein knarzendes „Anhalten, sofort!“ hervor um die Kutsche indes schon verlassen zu haben, als die Wagenräder noch knirschend an den sich auf sie niederdrückende Bremsklötzen entlang schleifen. Mit raschen Schritten ist der Zwerg aus der Kutsche und bei den sich darob panisch gegen die Mauer in deren Rücken pressenden Kinder angelangt. „Ruhig, ich will helfen! Was ist passiert?“ Das plötzlich, wie aus dem Nichts, aus einer in den Augen der Kinder sicherlich schon herrschaftlich anmutenden Kutsche ein grimmiger kleiner Wirbelwind gefegt kommt, um sie aus, über einem struppigen Bart platzierten, rotfunkelnden Augen heraus tückisch anzusehen, derweil ein Knarzen, jenen Lauten, mit dem das edle Gefährt hinter diesem schließlich zum Halten kommt, nicht unähnlich, ihnen entgegengefaucht kommt – zumindest mag dieses ob deren momentanen Schrecken so und nicht anders auf die beiden verschreckten Kinder gerade wirken – ist eindeutig zu viel für diese, die sich weiter wider das Mauerwerk in deren Rücken drücken, als hofften sie, es täte sich plötzlich hinter diesen auf, sie zu verschlingen und vor dem Grauen voraus so doch noch retten. >Wir haben nichts stehlen wollen, ehrlich nicht! Aber der Händler hatte da diesen Korb mit angefaulten Früchten neben seinem Verkaufstisch, die er doch sowieso nicht mehr verkaufen wollte und wir – wir hatten doch so großen Hunger!<

Die sich nun doch um sie vergrößernde Menge an Schaulustigen, wie auch alles weitere um ihn her ignorierend, streckt Dar vorsichtig die Hand nach dem Hemd des gestützt sich nur vorwärts begegnen könnenden Mädchens und hebt es hoch genug an, den Quell des äußerlich auf dem verdreckten Lumpen bereits sichtbar gewordenen Blutes zu erblicken. Drei Punktierungen der Haut, die über beinahe den gesamten rechten Brustkorb des Kindes hinweg dunkelblau-violett sich verfärbt hat wirken fast wie die Verletzung eines Streitkolbens. „Bitte sag, dass das keine Waffe war, mit der er nach euch geschlagen hat!“ Das ernste Entsetzen, welches aus des Zwergen Worten erklingt, besänftigt die Kinder, die sich nun nicht mehr wie gehetzte Beute nach einem letztverbliebenem möglichen Fluchtweg panisch umblicken. Das der Junge, dem Aussehen nach vielleicht ein Geschwister des Mädchens indes nun in Tränen ausbricht, macht das ganze Geschehen nicht wirklich angenehmer. Und als Dar ihm mit dem Finger und einem sanften „Das wird schon wieder!“ die Tränen von dessen Gesicht wischen will, bricht der Junge gänzlich zusammen, derweil ihm zu Boden sinkend tatsächlich einige unansehnliche Früchte unter dem losen Hemd hervorkugeln. Mit einem erneuten „Sch, das wird schon wieder!“ klaubt der Zwerg rasch die Früchte zusammen, sie dem jungen wieder zu reichen, als er mit einem Male innehält und einen, an einer Stelle leicht angefaulten Zimtapfel einbehält. Was war das, was Iniandras, Iniandras war einer seiner Mitschüler im Tempel, … noch gleich über die Heilwirkung von Zimtäpfeln vorgeschwärmt hatte? Ein Teil der Pflanze war giftig. Die Wurzel wohl, oder waren es die Fruchtsamen? Egal! Wichtiger war der andere Teil der von seinem Mitschüler so stolz vorgetragenen medizinischen Wirkung. Nur was war das noch gleich? „Die Blätter, die Blätter …“, versucht Dar sich angestrengt zu erinnern, derweil er dem Jungen die anderen gestohlenen Früchte zurück reicht. Nachdenklich zupft Dar drei, vier um den Stiel des Zimtapfels herum noch verbliebene vertrocknete Blätter hervor, derweil er mit einem „Ich bin ein angehender Heiler – darf ich?“ sich den Verletzungen des Mädchens zuwendet, das älter als der Junge und trotz deren Zustand den klareren Kopf von Beiden zu bewahren scheint.

>Keine Waffe, Herr – autsch!<, nickt es, derweil Dar die – wie sich zu seiner Freude herausstellt, nur – Prellungen des Kindes untersucht. >Es war eine noch unreife Dorn- autsch …baumfrucht.< erklärt das Mädchen tapfer und fügt, als es Dars darob verständnislosen Blick sieht, hinzu: >Schwere Früchte in einer harten Dornenschale und Stielen, so fest wie ein Knüppel.< Dar knurrt ob des Gehörten wütend, derweil er, sich des Berichtes Iniandras nun wieder erinnernd, dem Mädchen die vertrockneten Blätter und dem Jungen den angefaulten Zimtapfel zurückreicht. „Die gute Nachricht ist, es ist nichts gebrochen.“, lächelt er das kleine an. „Wenn du daheim bist, dann mache aus den Blättern einen Brei. Zerkaue sie einfach, wenn du nichts anderes hast. Es ist nicht viel. Aber es sollte genügen, das auf die Wunden zu geben, das diese sich nicht entzünden. Danach halte die Wunden so sauber, wie du nur kannst.“ Das Kind nickt verstehend, derweil ihr Bruder weiter sich den Tränen hingibt. Aus einem Impuls heraus fragt der Zwerg die Beiden, ob sie es denn noch weit haben und als das Mädchen tapfer, aber schmerzgezeichnet, nickend beteuert, den Weg dennoch wohl zu schaffen, schüttelt Dar den Kopf. „Xilian ruft er darum nach hinten. „Dürfen wir Eure Dienste wohl doch noch einen Augenblick länger in Anspruch nehmen?“ Die Menge um sie her hat sich, von Dar unbemerkt inzwischen längst wieder zerstreut und der kleine Junge, seinen Gefühlsausbruch vergessend, eilt sich sogleich, seine große Schwester auf dem Weg zur Kutsche wieder hilfreich zu stützen. >Ma‘ hat uns eigentlich verboten mit Fremden so einfach mitzugehen.<, zögert die Kleine vor den Stiegen dann noch halbherzig, was Dar zu einem erwiderten „Und da hat deine Ma‘ eigentlich auch vollkommen Recht! Ich bin Iza k‘Dar vom Pfirsich und das dort vorne ist“ >Madame Sigourny, ja!<, strahlt die Kleine plötzlich erleichtert Sigourny an, die das Kind indes noch nie gesehen haben dürfte und steigt, vom Zwergen gestützt, nun unbesorgt in das Gefährt. >Wir wohnen im Nordspitz, Herr!< wendet sich das Mädchen nun zaghaft an Xilian. >Wenn ihr uns nur, falls das nicht auf Eurem Weg liegt, bis zum Rand unseres Viertels…?<

Doch Xilian lässt es sich nicht nehmen, die Kinder in das eigentlich doch recht wohlhabend scheinende Nordviertel und bis vor ein in diesem Viertel dann doch wieder reichlich heruntergekommenes Ladengeschäft zu fahren, das wohl Altes und Abgelegtes von den umliegenden Häusern sammelt, repariert und wieder – zu ausgesprochen moderaten Preisen – neu feilzubieten. Die Mutter, seit dem kürzlichen Tod ihres Mannes neue und einzige, wie reichlich mit dieser Aufgabe überforderte Ladeninhaberin kommt reichlich verschreckt aus ihrem Geschäft, als ihr >kleiner Schatz< von ihrem >frechen Wonneproppen< gestützt, direkt vor dem Schaufenster aus der Kutsche gehievt wird. Doch rasch ist alle Unklarheit zwischen den Erwachsenen geklärt – auch wenn der Zwerg reichlich missgestimmt ist, das die Mutter, wie ihre beiden Kinder auf der Fahrt hierher bereits, nichts davon wissen will, die Blaumäntel in die Geschichte einzubinden, so den unsäglich feigen Angriff des Obsthändlers auf wehrlose Kinder doch zu ahnden. Im Ergebnis sich ohne die Einladung zu einem Tee anzunehmen, also verabschiedend – Dar verspricht, eine Entlohnung dafür ausschlagend, in den folgen Tagen nochmals nach dem verletzten Kind zu schauen – trennen sie sich so schließlich von der Witwe und ihren beiden Kindern, auf dass Xilian nun endlich und ungestört den Weg zurück zum Besitz seines Dienstherren einzuschlagen vermag und, Sigourny und Dar mit seinem üblichen, >Muss mich jetzt aber erst einmal um die Tiere kümmern.< dann schließlich vor der Eingangstür zum Haupthaus auf Shalhors Anwesen zurückzulassen. Die Magd, die sie einlässt bittet Dar indes und noch vor einer Begrüßung, leise um Auskunft, ob es im Hause hier denn auch Botenkinder gebe, die man mit einer eiligen Nachricht ausschicken könne, da er sonst selbst noch rasch zum Pfirsich würde aufbrechen müssen.
“Siehst du einen Riesen, so prüfe den Stand der Sonne und gib acht, ob es nicht der Schatten eines Zwerges ist.”

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Saturday, March 2nd 2019, 6:47pm

Der Weg zurück zum Pfirsich war wie im Fluge vergangen und kaum das er den Gastraum betreten hatte, hatte er sich zuerst einmal nach der Aktion der Kobolde erkundigt. Allem Anschein nach hatten diese alles wie geplant geregelt und waren unerkannt wieder verschwunden. Falls es kleinere oder größere Schwierigkeiten gegeben hatte, hatten diese es schön für sich behalten und auch im Pfirsich hatte sich kein weiterer Ärger ergeben. Rasch waren alle anwesenden Bewohner des Gasthauses über Sigournys Befinden informiert, die Zwillinge wollten zusammentragen, was Sigourny sich erbat und allgemein waren alle zwar einerseits froh, Sigourny aus der Schusslinie zu halten, respektive dank deren Abwesenheit somit selbst aus der direkten Schusslinie zu sein, doch bemerkte der Zwerg ob deren neugieriger Fragerei auch, das sie die Hausherrin vermissten, sie gerne wieder im Hause gewusst hätten – nicht weil sie ohne diese etwa nicht klar kämen, nein – sie wurde einfach nur vermisst und ohne sie war die Stimmung einfach eine … eine Andere. Selbst die Gäste hatten es gemerkt und fragten fortlaufend nach ihr. >Mir fallen langsam keine anzüglichen Lieder ein, die Gäste abzulenken, wann immer sie zu sehr über Sigournys Verbleib grübeln.<, verkündete etwa Briant um gleich darauf wegen Dars ungläubigen Blick ob ihres zu versiegen drohenden Repertoires an anzüglichen Liedern beruhigend nachzuschieben, dass sie n o c h das eine oder andere freche Liedchen wüsste. >Aber ich wünschte dennoch, das dieser, dieser Streit zwischen ihr und der Grappe bald ein Ende findet.<, ein Wunsch, den alle anderen in der Küche gerade Versammelten mit ernstem Nicken doch bekräftigten. Wenig später hatten die Zwillinge alle Unterlagen zusammen und Tane überreicht, der sich sogleich auf den Weg zum Seeviertel machen wollte, von Dar aber mit dem Hinweis zurückgehalten wurde, das Sigourny heute doch recht viel unternommen habe und sich noch schonen müsse, weswegen es morgen früh zu ihr zu bringen noch zeitig genug wäre. „Sonst hockt sie womöglich noch bis in den Morgen über den Papieren, statt sich zu schonen!“

Dar war danach auch wieder aufgebrochen und fand sich nun vor dem verschlossenen Verder-Tor und konnte den Blaumänteln dort partout nicht abringen ihn passieren zu lassen. >Was auch immer Ihr für Geschäfte habt, Herr Zwerg, sie werden auch bis morgen warten können. „Ich habe aber nur Abends oder Nachts Zeit und wenn die Tore dann immer geschlossen sind…“ Was hast du denn so dringendes zu erledigen, Herr Zwerg?< „Seht, ich habe mich lange nicht mehr in der Waffenkunst geübt und da ich wohl kaum inmitten der Stadt das Schießen mit der Schleuder üben kann, muss ich halt außerhalb der Mauern…“ >Wir haben hier Übungs- und auch Schießplätze in der Stadt, Herr Zwerg?< „Ja, aber ich bin – wie man vermutlich deutlich sieht – kein Blaumantel und werde darum wohl kaum eure Übungplätze nutzen dürfen?“ … >Und was lässt euch das annehmen, Herr Zwerg?< Dar muss sich einen Augenblick lang auf die Zunge beißen, nicht genervt die Augen zu verdrehen und berichtet von Teilen seiner Reise hierher und wie die Herrschaften der Fürstenhöfe ihm allesamt die Benutzung ihrer Übungsflächen verwehrt hatten, weil niemand dort wehrhafte Vasallen heranziehen wollten, die ja wider ihre gegenwärtigen Herren die Waffen ja auch sonst jederzeit erheben könnten. Als statt Verständnis ihm dann aber belustigtes Lachen nur entgegenschlägt und man ihm mitteilt, das es in Talyra sogar eine Bürgerwehr gäbe – >… weil wir hier als Freie alle nun einmal in einem Boot sitzen!<, da war es erneut vonnöten sich auf die Zunge zu beißen, dieses Mal jedoch aus Scham, hatte er davon bis zum heutigen Tage noch gar nichts je vernommen. „Und wo gäbe es einen Schießplatz, an dem ich üben dürfte?“ >Wartet, ich zeig's Euch! Ich habe eh verordnet bekommen meine eigenen Waffenkünste noch weiter zu üben…

Cumall, der Torwächter, der offensichtlich eh seit einer halben Stunde schon Wachwechsel hatte und sich nur noch ein wenig mit den Anderen festgequatscht hat, wie er erklärt, zeigt sich inzwischen nicht mehr sonderlich redlich, führt Dar in das Festungsviertel und bis zu einem Schießplatz, in dem tatsächlich bei Fackelschein einige Blaumäntel sich noch im Nah- wie Fernkampf üben. >Dorin, dort ist von der Bürgerwehr – falls du Interesse hast.< ist, neben der anfänglichen Nennung seines Namens, alles was er an Worten für Dar übrig hat, ehe er sich einen Übungsbogen und Geschosse schnappt und davon schnappt. Dorin weist Dar ein. Waffen müsse er schon selbst mitbringen, Spenden für die Benutzung sind willkommen aber kein Muss >Aber wer nichts geben kann, ist gerne auch als neues Mitglied der Bürgerwehr willkommen, so etwas für die Benutzung des Schießplatzes zurückzugeben. Dar lächelt auf diese Worte, erwidert aber nichts, stellt sich an das Ende einer Schießbahn auf, an deren Ende eine gespannte Tierhaut aufgestellt ist, legt eine Kugel in die Schlinge, wirbelt diese einmal über seinem Kopf und entlässt den Stein, der sirrend durch die Nacht jagt und mit einem vernehmlichen Tock wieder die Tierhaut prallt. >Nicht schlecht Herr Zwerg, wirklich nicht schlecht. Seid Ihr sicher, das ich Euch nicht für die Bürgerwehr begeistern kann? Dar lächelt nur ein stummes Lächeln, als Dorin plötzlich erschrocken zurückprallt und zu den Stadtwachen hinüber verschwindet. Dar, dieses wieder auf die Augen schiebend, ignoriert Dorins seltsames Gebaren, legt ein neues Geschoss in die Schlinge und wirbelt diese erneut über seinen Kopf, das Geschoss mit einem erneuten Sirren und anschließendem Poch ins Ziel zu feuern, um gleich darauf das nächste Geschoss einzulegen und erneut die Schleuder über seinem Haupt kreisen zu lassen...
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Sunday, March 3rd 2019, 9:23pm

Als Dar bemerkt, welche Wendung die Ereignisse nehmen, ist es längst zu spät, noch etwas daran zu ändern. Also macht er gute Miene zum bösen Spiel und verschießt auch noch die letzten beiden Geschosse. Jedes einzelne davon hat ihr Ziel gefunden, auch wenn es den Anderen so erscheinen mag, als wenn manches Geschoss das Ziel verfehlt hat und gegen Pfosten oder Strohzielscheiben auf benachbarten Bahnen gekracht oder mit zu wenig Kraft oder im falschen Winkel abgefeuert auf der Hälfte der Strecke schon zu Boden gingen. Als das letzte der Geschosse verfeuert ist, lässt der Zwerg die Schleuder in der linken Tasche seiner Hose verschwinden und schickt sich an, die abgefeuerten Geschosse wieder einzusammeln. >Haltet ein, Zwerg – wenn Ihr so freundlich sein mögt!< Immerhin einer der Blaumäntel!, der hofft mit jenen eher reden zu können als mit irgendeinem Bürgerwehrler, der deren Diziplin (wie ihnen gegebenenfalls auch eher drohen mögenden disziplinarischen Maßnahmen) eher weniger besitzen (respektive fürchten) dürfte. Langsam dreht sich der Zwerg, die Hände sichtbar an seiner Seite belassend um, dass die mit leichten Armbrüsten, gespannt und mit aufgelegten Bolzen an Strategisch günstigen Punkten auf ihn angelegt haben stehen. >Könnt Ihr Euch wohl denken, was Dorin hier< >Verdammt, ich sagte doch: keine Namen!< zischt der Anwerber von der Bürgerwehr halb änstlich, halb zornig, >… beobachtet hat?< „Ich habe da so eine vage Idee, ja!“, lächelt Dar sardonisch. >Na bitte, er gibts zu, macht kurzen Pr-< „Halt dein Maul … Dorin!“ unterbricht Dar den aufgebrachten Menschen müde, der darob innehält. Wenn der Zwerg wirklich ist, was er in diesem vermutet, sollte er diesen besser nicht unnötig verärgern. Das, wenn Dar wirklich wäre, was Dorin – ob des von ihm bemerkten kurzen rötlichen Aufblitzen in Dars Augen – annahm, jetzt vermutlich eh alle Sympathiepunkte vergeben wären, kommt dem Menschen indes nicht in den Sinn. >Dann erklärt Euch! Erklärt, warum Eure Augen, wie die eines Dämons oder zumindest doch eines verkommenen Schattenwanderers aufglühten. Tief atmet Dar tief ein. „Ich will Euch nachsehen, dass Ihr mir gerade die unverzeihlichste aller Beleidigungen, die man einem Fro'gar nur gegenüber äußern kann, an den Kopf warft, wenn Ihr näher kommt und Euch von der Falschheit der Aussage des … Menschen … dort“ die Verachtung mit der Dar Dorins Voklszugehörigkeit ausspricht, macht mehr als deutlich, das ihm etwas anderes als Beschreibung des Bürgerwehrlers eigentlich auf den Lippen lag, „überzeugt“.

Die Blaumäntel mit den Armbrüsten bewegen sich zur Seite, das ihr Kumpan zu keiner Zeit zwischen sie und ihrem Ziel steht, respektive immer einer das Gesicht ihres Bundgenossen, respektive Dars genau im Blick hat. Der auf ihn zukommende, Dar erkenn in ihm den Torwächter Cumall, der ihn gerade erst hierhergeführt hatte, Blaumantel zuckt plötzlich leicht zusammen, hebt aber beinahe gleichzeitig beschwichtigen die Hand. >Alles in Ordnung, glaube ich zumindest.< Dar bewegt den Kopf leicht, Cumall erneut leicht zurückschreckt, die Augen zusammenkneift, aber noch immer beschwichtigend die Rechte erhoben hält. >Nun sag schon, du hast doch was!< Dar hebt die Hand sehr langsam und bedacht an, bis diese zwischen seinen Augen und der blakenden Flamme einer nahen Fackel ist, senkt sie wieder, schiebt sie wieder zwischen seine Augen und das Licht. Cumall ruft nach hinten: >Runter mit den Armbrüsten! … Und Ihr erklärt mir besser glaubwürdig, wie Ihr an eine solche Augen kommt!< Dar lächelt sardonisch, wobei den Blaumänteln seine Erleichterung ob der von ihm weichenden Anspannung sehr wohl auffällt. „Was wollt Ihr hören? Dass ich in einen Knast landete, in dem ich nie wieder das Tageslicht erblicken würde, um dort von einem Wundarzt zum Preise von 20 Mentholzigaretten eine kleine Schönheitsoperation an meinen Augen erhielt.“ Dar lacht bitter auf. „Dann müsste ich Euch leider enttäuschen. Sil gefiel es, mich so zu erschaffen! Warum? Das müsstet Ihr ihn selbst wohl fragen. Und haltet mir d a s da vom Leib!“, schnappt der Zwerg, als mit den Wachen auch Dorin einfällt, näher kommen zu wollen. Doch es ist nicht nötig, das die Blaumäntel auch nur einen Finger rühren, hat Dorin ob der von plötzlichem kalten Zorn erfüllte Stimme Dars verschreckt im Schritt doch auch so innegehalten um nun mit einem >Ist spät, meine Frau warter vermutlich schon…< sich umzudrehen und den Schießplatz zu verlassen.

Nachdem Dar sich erklärt hat: Angehender Heiler, der täglich im Faêyris-Tempel verkehrt, auch im Sitech-Tempel bekannt ist, im Pfirsich als Pfuscher sich derweil ein Zubrot verdient… und einer der Blaumäntel tatsächlich veranlasst hat, das zu dieser späten Stunde noch jemand Dars Angaben überprüft lässt man ihn indes – zwar nicht aus den Augen, aber doch zumindest – seine verschossenen Geschosse wieder einsammeln und weiter trainieren. Dreimal muss Dar seine Geschosse erneut einsammeln, wieder etliche vermeintliche Fehlschüsse suchen müssen (wie aber auch erkennend, das ihm die Übung gefehlt hat und er bei weitem nicht mehr so sicher mit der Schlinge ist, wie zu Zeiten seiner Reise hierher), ehe ein Blaumantel zurückkehrt und Dars Bericht bestätigt. >Verzeiht, Herr!< spricht Cumall, derweil seine Bundgenossen nun endlich die Sehnen der Armbrüste entspannen und die Bolzen wieder wegstecken. Dar nickt stumm! „Das passiert mir leider nicht das erste Mal und so wie Ihr gehandelt habt, gibt es auch nichts zu entschuldigen!“ Als Dar schließlich zum Pfirsich zurückkehrt, bemerkt er weder das Streitgespräch, das die zurück gebliebenen Blaumäntel mit Dorin führen, noch dessen aufgebrachtes störrisches Gebaren, ob dessen, was die Blaumäntel ihm zu erklären versuchen oder das Dorin, kaum das Dar um eine Hausecke verschwunden ist, wütend die Unterhaltung mit den Blaumänteln mit einem >Ich weiß, was ich gesehen habe!< unterbricht und Dar hinterher eilt. Einzig die Gestalt des Bürgerwehrlers, der sich im Schutze der Nacht glaubend, etwas zu auffällig an des Fro‘gars Fersen heftet und noch lange nachdem Dar den Pfirsich betreten hat, grübelnd vor dem Gebäude nahe dem Verder Tor stehen bleibt, bemerkt der Zwerg sehr wohl. Doch nach einigen Minuten hinter einem der Fenster des inzwischen geschlossenen Pfirsichs – mit seiner festen Anstellung hatte Dar endlich auch einen Schlüssel für Haupt- wie Hintertüre erhalten, so auch zu später Stunde noch ungehindert ein-, wie ausgehen zu können – ist es Dar müde, das Verschwinden des Bürgerwehrlers noch abzuwarten, weswegen er sich schließlich zum Schlafen hinab in den Keller begibt.
“Siehst du einen Riesen, so prüfe den Stand der Sonne und gib acht, ob es nicht der Schatten eines Zwerges ist.”

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265

Sunday, April 28th 2019, 6:06pm

Ein früher Nachmittag, Ende Eisfrost 518...

Das Dar nicht auch mal eine etwas schnellere Gangart versuchen könnte, hat ihm tragischerweise niemand abverlangt. Uns so weiß er nun immerhin auch schon, was passiert, wenn man mit etwas zu viel Elan in die Kurven geht und das es die Tempelgänger nicht sonderlich mögen, wenn man sie versehentlich beinahe zwischen Pferdeleib und Steinmauer aufreibt, noch dass es Olett, der kleinen Stute sonderlich behagt von Hecken oder kleineren das Gefährt abrupt ausbremsenden Abflussrinnen am Wegesrand unsanft aufgehalten zu werden. Aber und alleine davon zeugen Dars freudensprühenden Blicke gerade nur, es ist nichts und niemand ernstlich zu Schaden gekommen, auch wenn es einige Male mehr als knapp nur war und er ab morgen – alleine schon der teils wie Rohrspatzen hinter ihm herfluchenden Besucher wie Priester wegen – ganz sicher auch ob der ihm hier gewährten Geschwindigkeit noch den einen oder anderen zusätzlichen Eid wohl wird ablegen müssen. Das er sich zu Anfang noch reichlich unsicher ist, wo es nun eigentlich hingehen soll, macht es den Besuchern des Tempelviertels nicht gerade leichter. Denn nur eines weiß der Zwerg mit absoluter Sicherheit: 1.) Ab jetzt wird jede verfügbare Münze für ein eigenes Gefährt, nebst Reittier aufgespart! 2.) Mit dem, was ihm als angehender Heiler in Sachen eigener Mobilität abverlangt wohl abverlangt werden wird, wird Dar sich mit Sicherheit nicht zufrieden geben! Wenn ein Tier so zu lenken schon so verdammt viel Spaß macht, wie muss das dann erst sein, wenn man ein Zweier-, Dreier- oder Vierergespann lenkte und was ist wohl die Grenze des da Machbaren? Sechst Tiere, acht, zwölf, vierundzw- „Ahhhh!“ Nur mit Mühe und Not kann Dar ein lück vermeiden! Von der Vorstelung ein espann mit 24 Tieren vor sich meisterlich zu führen, hatte er wohl etwas zu nachlässig mit einem Zügel geschnalzt – oder daran gezogen? Auf jeden Fall hatte Olett daraufhin genau das gemacht, was Dar ihr (unbeabsichtigt) aufgetragen hatte und war nach links ausgeschert – direkt auf eine kleine aber durchaus dralle Mogbar zu.

>Bei allen Göttern kannst du nicht aufpassen? Um ein Haar hättest du mich über den Haufen gefahren. Was …. Dar?< Erst in diesem Moment, da sein Name fällt nun auch seinerseits bemerkend, wen er da gerade beinahe versehentlich über den haufen gefahren hat, begeht der Fro‘gar einen möglicherweise fatalen Fehler und prustet ob des ihm verdattert engegengeworfenen Blickes lauthals los. „Ich – chh – 'tschuldigung, aber wenn du dich grad sehen könntest!“, prustet Dar so vergnügt los, wie Briant ihn mit Sicherheit noch nie erlebt hatte, steigt dann aber doch von dem Einspänner hinab um halb besorgt, halb prustend nach Briant zu sehen. „Du – chh – dir ist nichts passier, oder? Chhchhhihihi!“ Doch offensichtlich fängt der reste Rest verbliebenen Überlebensinstinktes etwas in Briants Blick auf und vertreibt den letzten Rest an Erheiterung. „Als Heiler muss ich schneller sein, als mich meine eigenen Füße vorwärts tragen können und Gestern hat sich gezeigt, das ich zum Reiten wohl zu schwer bin, weswegen ich nun das Wagenlenken werde lernen müssen, nein … werde lernen dürfen! Und Du? Was treibt dich hierher?“ Das Tier nun an der Trense führend schlendert Dar an Briants Seite entlang, bis ein Knirschen in seinem Rücken die Berührung eines der Räder mit einer nahen Tempelwand bezeugt. „Ups!“ grinst Dar schelmisch, zwei Schritte hin zur Straßenmitte und von Briant, wie der nahen Tempelmauer, forttuend. „Ist mein erter Tag. Will darum noch üben, bis es zum Pfirsich zurück geht. Dachte erst daran, Sigourny und Shalhor zu besuchen, aber da wäre ich wohl wie das“, zwinkernd grinst Dar über seine Schulter auf das einachsige leichte Gefährt in seinem Rücken. „sprichwörtliche 3. Rad am Wagen. Oder kann ich dich vielleicht irgendwo hin mitnehmen?“ Da sie sich, das Gefährt hat gerade mal einen Sitz, ihm schon auf den Schoß setzen müsste, wollte er sie denn mitnehmen, was selbst einen erfahreneren Wagenlenker … nun ja über Gebühr doch ablenken könnte, verbietet sich der Gedanke indes wohl von selbst, will sie nicht mit dem Gefährt direkt wider die nächste Tempelmauer oder eventuell schlimmer gar noch, in die Fluten des Llarelon sich hinabstürzen. Seinen eigenen Vorschlag darum nochmals überdenkend, schüttelt Dar selbst lachend den Kopf. Hatte sie ihn jemals zuvor schon lachen sehen? Wenn es nicht so überhaupt nicht zu Dar passen würde, könnte man beinahe schon annehmen, der Zwerg hätte sich irgendwelche seltsamen Drogen einverleibt. Doch anders als bei durch Solche oder etwa auch Alkohol ausgelösten Stimmungsaufhellungen, scheinen Dars Augen weiterhin unverändert wach und klar unter dem schatten seines Huts ihr entgegenzulugen.
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Briant

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266

Monday, April 29th 2019, 6:04pm

Briant kann ihren Augen nicht glauben, als sie Dar gewahr wird. Einem lachenden, vergnügten Dar. Und zwar nicht, wie bisher mit sardonischem Grinsen, das immer wie eine Maske wirkt, sondern ein herzliches Lachen. Fast wirkt es überdreht aber auf eine angenehme Art, befreit. Es wirkt ansteckend und so muss Briant auch lachen. >Was treibt dich hierher?< „Ich war im Tempel der Inari, ich habe unserer Göttin schon lange keinen Besuch mehr abgestattet.“ Eben will sie ihm noch von ihrem Besuch in den Badehäusern erzählen, als er, obgleich er das Pferd am Zügel führt, die Tempelmauer tuschiert. >Ups! Ist mein erster Tag. Will darum noch üben, bis es zum Pfirsich zurückgeht.< „Dann solltest du es aber ein wenig langsamer angehen. Nicht dass du dir deine Patienten noch selbst besorgst!“ Nebeneinander schlendern sie durch dem Tempelbezirk, während Dar ihr von Sigourny und Shalhor erzählt. Ihr Herz macht einen Sprung vor Freude. Würde Inari ihre Gebete für die Freundin schon so schnell erhören?

Auf seine Frage, ob er sie irgendwohin bringen kann, wirft sie seinem Gefährt einen skeptischen Blick zu. Da ist doch gerade genug Platz für den Lenker und, wenn sie ehrlich ist, vertraut sie seinen Fahrkünsten nicht gerade. Zum Glück scheint Dar den Vorschlag aber ebenfalls schnell wieder ad acta zu legen, sodass sie um eine fadenscheinige Ausrede herum kommt. „Ich wollte meine Familie im Mogbarviertel besuchen, wenn du willst kannst du gern mitkommen. Und bevor du fragst: Es ist kein Problem, meine Familie ist sehr gastfreundlich. Mama hat sicher Kuchen und Paps freut sich, wenn er jemanden hat, der mit ihm ein Pfeifchen raucht. Und die Krümmelbande wird dir sowieso Löcher in den Bauch fragen.“ Beim Gedanken an das chaotische, aber gemütliche und immer fröhliche Haus schleicht sich ein Lächeln in ihr Gesicht. Sie weiß, dass es ein Geschenk ist, so eine Familie zu haben, eine, die sie nimmt wie sie ist und die ihr nie einen Vorwurf gemacht hat, weil sie im Pfirsich arbeitet. Lebe so, dass du glücklich bist und dich am Abend in den Spiegel sehen kannst, ohne dich zu schämen! Diesen Satz hat ihre Großmutter geprägt und der Geist dieser Einstellung durchdringt sie alle.

„Ich meine, natürlich nur wenn du mich begleiten willst, ich meine wenn du lieber bei Sigourny und Shalhor vorbei schaust, bin ich dir nicht böse. Und Dar: Ich war vorhin in den Badehäuser. Ich weiß gar nicht was ich zu deinem Geschenk sagen soll, vielen, vielen Dank!“ Und ehe sich der Zwerg versieht hat sie ihn einen raschen Kuss auf die Wange gesetzt.
Lieber eine Hure mit Herz, als eine Edle mit Gift in der Seele

267

Wednesday, May 1st 2019, 11:29pm

>Dann solltest du es aber ein wenig langsamer angehen. Nicht dass du dir deine Patienten noch selbst besorgst!< Dar lacht ein tiefes und Grollendes Lachen und nickt verschmitzt. „Ja, auch langsam will gelernt sein.“ Sich den Hut in den Nacken schiebend, gönnt der Zwerg sich einen kurzen Blick, die nahem Tempelfassaden hinauf – und hält sich kurz schwankend an Briants Schulter fest. Auch das mit sicheren Bewegen in der auf der Oberwelt gehört eindeutig noch geübt! Doch genau darum zwingt er sich ja, seit Bittertranks entsprechender Maßregelung, immer wieder zu Blicken auch und gerade doch nach oben. „‘tschuldigung, mir wird immer noch schwindlig, wenn ich in das Nichts hinaufblicke, das ihr Oberweltler Himmel nennt.“ Auf seine Frage, ob er sie mitnehmen könne, geht Briant verständlicherweise nicht näher ein, schlägt ihm aber dann doch glatt vor, ihre Famiilie doch einfach mit besuchen zu kommen. „Weißt du“, erwidert er lächelnd, „… auf deine Großmutter, die intelligenteste Frau unter Rohas Himmel – nach dir – bin ich tatsächlich auch etwas neugierig wohl und danach dann könnte ich gleich noch einen kurzen Abstecher im Sitechtempel vielleicht sogar machen.“ Während Briants Reaktion auf das doch reichlich übertrieben wirken müssende, aber durchaus aufrichtig freundlich gemeinte Lob ihrer Großmutter, erwartbar ausfällt, ist ihr Blick ob des beabsichtigten Abstechers in den Sitechtempel dann doch eher von Verwunderung gezeichnet. „Ach, ich weiß auch nicht. Vielleicht sind es einfach nur die schwarzen Mauern des Tempels, die mich an meine Wohnhöhle in der Schattenmarmorkluft erinnern, aber immer wenn ich dort bin, fühle ich mich wie zuhause, wie angekommen und ohne Sorge wegen der so bedrohlich nahen Leere über mir.“ Wieder lacht Dar über sich selbst, aber wenn er ehrlich ist… „Hast du was dagegen, wenn ich aber wieder aufsteige und fahre? Es ist nur so, das wenn Bittertrank erfährt, das ich den Wagen nach Hause geführt, statt gefahren habe…“

Das langsame Fahren erweist sich indes tatsächlich bald als erhebliche Herausforderung, da ob dieses Tempos die Stute Olett auf die leisesten Zügelbewegungen und anderen Anweisungen reagiert und mit der Zeit ob des Tempos, wie Dars vermeintlicher Unschlüssigkeit reichlich genervt wirkt ganz zu schweigen von den sich durch den unbeirrbar langsam neben Briant her fahrenden »Shentagsfahrer«, eine Bezeichnung, die er freilich erst weit jenseits der Grenzen zum Tempelbezirk zu hören bekommt, Kanonaden. Doch lässt sich Dar dadurch nicht ein Mal zu irgendwelchen rüden Gegenaktionen verleiten, sondern winkt allenfalls freundlich (also jetzt wirklich freundlich und nicht etwa spöttisch oder verhöhnend) zurück, erklärt denen, die lange genug innehalten seine Reaktion auch noch zu erfahren, das ein jeder mal das Fahren erlernen müsse und nickt allenfalls auf die Vorschläge doch vor der Stadt oder zu anderen Zeiten zu üben. Erst jenseits des Kupferkessels, auf Höhe des Blaupfuhls schlägt Dar eine kleine Rast vor und lässt Olett schließlich vorsichtig bis zum Seeufer trotten, wo sie ihren Durst stillen kann. Absteigend – und sich einige Bemerkungen der älteren Herrschaften anhören müssend, das ein Edelmann früher sicherlich nicht gewagt hätte, eine Dame neben dem eigenen Fuhrwerk herlaufen zu lassen – geht er zu dem Tier an das Ufer, diesem einen Apfel hinzuhalten, den er eben dafür beim Tempel zuvor noch rasch noch mitgegeben eingesteckt hatte. Denn je besser ein Wagenlenker sich mit dem Zugtier vertraut macht…

Während er sich inzwischen schon soweit von Briants Familieverhältnissen hatte vereinnahmen lassen, das er glaubte das Verhältnis der Base des Vetters von Briants Schwägerin Bruder mit dem Sohn vom Onkel des Vaters vom Nachbarn des Fasschmiedes nun richtig einzuordnen zu können (aber zur Sicherheit auf entsprechende Rückfragen hierzu verzichtete), hatte nun tatsächlich aber auch Briant ein wenig von seinem Alltag im Unterreich in Erfahrung gebracht und die eine oder andere Anekdote um Dars ehemaligem Lehrmeister nun etwa auch schon erzählt bekommen. Gerade hier im verhältnismäßig Grünen um den Blaupfuhl herum, fällt Briant indes wieder auf, das er mehrfach den Blick gen Himmel richtet und regelmäßig dabei noch die Luft anhält, schwankt und haltsuchend um sich dann greift. Doch wirkt Dar selbst dabei heute eher wie einer, der den Seiltanz gerade zu erlernen versucht: Begeistert aber noch weit zu ungeschickt, wirkliche Erfolge dabei verzeichnen zu können. Schließlich, als Olett aufgehört hat, sich am wenigen Gras nahe des Ufers gütlich zu tun, besteigt Dar erneut den Wagen und setzt diesen, mindestens ebenso nervös, wie die nahe des Wassers unruhig sich gebende Stute, aber doch erfolgreich zurück um neben Briant her das letzte Wegstück bis ins Mogbarviertel noch anzutreten. „Gibts noch irgendwas, was ich wissen müsste, irgendwelche Schnitzer, die ich besser vermiede?“ versucht Dar auf den letzen Hundertschritt noch in erfahrung zu bringen, derweil er sich gerade mit unbehagen der teils doch sehr engen gässchen im Mogbarviertel erinnert und innig hofft, das Briants Familie nicht gerade in einer solchen, für einen Fahranfänger wie ihn doch recht großen Herausforderung, ausgerechnet untergekommen ist.
“Siehst du einen Riesen, so prüfe den Stand der Sonne und gib acht, ob es nicht der Schatten eines Zwerges ist.”

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Kaya

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268

Wednesday, May 8th 2019, 4:01pm

Eisfrost 518



Am Abend eines verschneiten Shentages

Ruhig folgt Kaya auf nackten Sohlen dem vor ihr liegenden Pfad, dessen Ende hinter einer dichten Nebelwand verborgen liegt. Das Mädchen aber fürchtet sich nicht, beschreitet es diesen Weg doch schon seit einigen Jahren. Auch wenn im Laufe der Zwölfmonde Weg und Ziel mit ihr gewachsen sind und sich langsam aber stetig verändert haben, genau wie sie selbst, so ist und bleibt es doch stets der vertraute Gang: ihr persönliches Tor zu den Welten.
Inzwischen ist der Pfad nicht mehr kalt, steinig und vollständig wie unbarmherzig von Schnee bedeckt. Stattdessen scheint es, als zöge der Frühling ein. Der Weg, auf dem sie geht, ist nun frei von Schnee und durch das gemächlich tauende Weiß zu beiden Seiten schieben sich die Köpfchen erster zarter Pflänzchen.
Mit einem Lächeln nimmt Kaya die letzte steinerne Stufe einer Treppe, die gar nicht mehr so heruntergekommen wirkt wie noch vor wenigen Jahren, und tritt durch ein dunkles, schmiedeeisernes und von dichtem Nebel umgebenes Tor. Fast augenblicklich lichtet sich der Nebel als wäre sie geradewegs durch eine Wand hindurch gegangen.
„Hej, Kaya“, begrüßt sie eine vertraute, dunkle Stimme. Eine Stimme, die nicht mehr zu einem Kind passt und doch noch nicht nach einem Mann klingt.
„Aluu, Roo“, erwidert Kaya die Begrüßung und blickt den Jungen mit dem schneeweißen Haar und den eisblauen Augen an.
„Willst du etwas üben?“, gesellt er sich an ihre Seite, als sie an ihm vorüber geht und eine riesige alte Eiche in der Mitte des Platzes unter einem Sternenhimmel ansteuert.
„Nein… und ja“, antwortet Kaya dem neugierigen Geist. Zumindest vermutet sie, dass er einer ist, auch wenn sie sich tatsächlich nicht sicher ist, wer oder was genau er ist. Denn eigentlich erscheinen ihr hier an ihrem Übergang zwischen den Welten keine Geister. Auf die trifft sie für gewöhnlich erst, wenn sie weiter geht, in die Welten, in denen sie üblicherweise wandeln oder drüben in der greifbaren Welt.
Doch dieser hier ist irgendwann einfach da gewesen, woher auch immer er gekommen sein mag, und scheint auch nicht gehen zu wollen. Und da er behauptet hat, keinen Namen zu haben, nennt Kaya ihn Roo, angelehnt an das Wort für Geist in ihrer Muttersprache. Und Roo akzeptiert, dass sie ihn auf diese Weise ruft. Genaugenommen ist es ihm wohl egal wie sie ihn nennt, so zumindest behauptet er.
Kaya nimmt den Blick von ihm und lässt ihn durch das Geäst des Baumes gleiten. Jahrelang nahm sie an, der Baum wäre genauso tot wie die Umgebung. Ein dunkler, toter Baum inmitten eines kargen Platzes, umringt von mehreren schweren, schmiedeeisernen Toren und dicken, scheinbar undurchdringlichen Nebelwänden zwischen diesen. Tatsächlich aber kann sie seit Kurzem wieder vereinzelte Knospen an den dünnen Zweigen des Baumes ausmachen.
Kaya legt den Kopf schief und blickt den Jungen, kaum merklich größer als sie selbst, mit einem schon fast aufgeregten Lächeln an.
„Ich muss ein Seelenfragment finden und zurückbringen.“
Roo pfeift zuerkennend. „Hast du das schon einmal gemacht?“
„Nein“, grinst Kaya.
Der Geist lacht. „Brauchst du Hilfe?“
Kaya tritt ganz nah an die Eiche heran, bis sie ihre Hände auf den riesigen Stamm legen kann.
„Nein, ich denke, das schaffe ich allein.“
„Na dann“, meint der Weißhaarige und nimmt sich umgehend zurück.
Kaya wirft einen Blick über ihre Schulter zu ihm herüber. Dann aber wendet sie sich wieder dem Baum zu und schließt die Augen.
Tief atmet sie ein und wieder aus, um Ruhe in sich einkehren zu lassen und bittet schließlich mit ehrfurchtsvoll gesenkter Stimme:
„Ewige Mutter von allem das ist, von allem das war und von allem das jemals sein wird. Große Mutter allen Seins, geleite mich auf meinem Pfad.“
Wenige Herzschläge vergehen bis Kaya hinter sich das Klappern und Quietschen eines der eisernen Tore vernimmt. Mit einem leisen „Danke“ löst Kaya sich von dem Baum. Welches der Tore sich etwas für sie geöffnet hat, hat sie schnell überblickt und steuert geradewegs auf dieses zu.
„Viel Erfolg“, hört sie Roo noch sagen, als sie sich zwischen den beiden Torhälften hindurch schiebt und in den Nebel tritt.

Tane

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269

Wednesday, May 29th 2019, 11:37am

<- Der Pfirsich

Am Tag nach der Auslegung der Katzenköder Ende Nebelfrost 518

Es verspricht ein sonniger Nebelfrosttag zu werden und Talyra erwacht nach und nach zum Leben Das schöne Wetter sorgt dafür, dass sich Tanes Laune hebt und fröhlich pfeifend schlendert er durch die Straßen. Wohlweislich nimmt er jedoch einen Umweg, um nicht erneut Bekanntschaft mit Geraldine Grausteins Nachttopf oder anderen unliebsamen Geschenken aus ihrem Haus zu machen. Blumen … Tane hat mittlerweile das Seeviertel erreicht und mit einem Mal kommt ihm ein Gedanke. Doug recht gehabt: Frauen mögen Blumen! Eben marschiert er am Anwesen de Winter vorbei. Früher, vor dem Auftauchen der Lady, hatten er und Sigourny gerne in dem leerstehenden Haus die Tage ausgesessen. Noch immer wirkt das Haus, als würde es sich in einem Dornröschenschlaf befinden, auch wenn es mittlerweile wieder bewohnt ist. Es war ein riesen Aufheben gewesen, als herausgekommen war, dass die Gardemagierin Aurian in Wahrheit die Tochter und Erbin der de Winters ist. Tane hat ja nicht viel für die Geschichte der Adelshäuser über, aber an jener hat sogar er Gefallen gefunden: Liebe, Skandale, ein betrogener Ehemann … irgendwie hat er das Gefühl dass er den alten de Winter sehr sympathisch gefunden hätte. Seine Tochter kennt er mittlerweile, ist sie doch mittlerweile bei den Wächtern und das eine oder andere (aber seltene) Mal mit ihren Kollegen nach Schichtende im Pfirsich gelandet. Wohlweislich nur, um etwas zu trinken oder Annests Küche zu genießen. Tanes Blick wandert über den schmiedeeisernen Zaun. Dort, hinter einer Hecke, ist nach wie vor eine Stange locker. Ein Blick nach links, rechts und er gleitet auf das Grundstück. Selbst in den Jahren, als das Anwesen leer stand, war der Rosengarten berühmt. Nun ist er gepflegt und trotzdem hat er seine wilde, urtypische form behalten. Auch wenn sich der Jahreslauf seinem Ende zuneigt haben einige Rosen die ersten kalten Nächte überstanden. Eine davon, eine Nikotrisrose, wird von Tane nun mit seinem Messer abgeschnitten und flugs ist er wieder auf der Straße. Den Göttern sei Dank bleibt sein Ausflug unbemerkt, sodass er seinen Weg nach Taresnar ungestört fortführen kann. Eine Konfrontation mit den Wachen hätte er nun überhaupt nicht gebrauchen können und Sigourny hätte ihm dafür wahrscheinlich die neun Höllen heiß gemacht.

Taresnar ->

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Tane

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270

Tuesday, July 2nd 2019, 8:49pm

Von Taresnar zum Pfirsich, etwas später am gleichen Tage

Leise vor sich hin pfeifend schlendert Tane durch das Tor, das ihn von Taresnar wieder auf die Straßen der Stadt führt. Zwei der Hunde begleiten ihn bis zu selbigen, als wollten sie sicher gehen, dass der Fremde das Anwesen auch wieder ordnungsgemäß verlässt. Auf der Promenade blickt er sich noch einmal um. Es geht seiner Schwester gut, davon hat er sich mit eigenen Augen überzeugen können. Und sie scheint glücklich zu sein, auf eine Art, wie er sie noch nie an ihr gesehen hat. Leise seufzt er. Irgendwann, wenn sich das ganze Pfirsich – Orchidee Chaos gelichtet hat, würde er wohl trotz allem ein Männergespräch mit dem Spitzohr führen, das ist er seiner Rolle als großer Bruder schuldig. Nicht, weil er dem Reeder nicht traut oder ihm böse Absichten unterstellt, er will nur sicher sein, dass seinem Sonnenschein niemand weh tut. Ob der Elb sich bewusst ist, dass sie aus zwei verschiedenen Welten kommen? Sinniert Tane. Und er meint damit nicht nur die Sache mit der Unsterblichkeit. Auch die Herkunft, das bisherige Leben … es könnte wohl kaum zwei Wesen geben, die gegensätzlicher sind. Und doch, tief in seinem Inneren wünscht er den beiden alles Glück Rohas.

In Gedanken ist er in Richtung Pfirsich marschiert, als sich ein Gefühl, das er schon seit seinem Aufbruch hat, immer stärker manifestiert. Es ist, als würden ihm Augen folgen, egal wohin er sich wendet. Zur Probe dreht er eine vollkommen unnötige Runde, baut Umwege ein. Das Gefühl bleibt. Tane runzelt die Stirn. Da ist etwas faul, bei allen Göttern, er will ein Kobold sein, wenn das nicht so ist. Scheinbar unbeteiligt hockt er sich hin und tut, als müsse er den Schnürsenkel an seinem Stiefel neu binden. Dabei huschen seine Augen links und rechts, nehmen jeden anderen Passanten in Augenschein: Der alte Mann, der einen Karren nach Hause schiebt, die Mutter, die ihr zeterndes Kind an der Hand hinter sich her zieht, die Elbe, die in Richtung der Tempel eilt, die Stadtwache auf ihrem Patrouillen Gang, der Bettler, der wie jeden Tag an der Hausecke um Almosen bittet. Und dort, in den Schatten einer engen Gasse bewegt sich etwas, unmerklich nur und für ein ungeübtes Auge leicht zu übersehen oder mit einer Katze oder einem streunenden Hund zu verwechseln. Doch seine Sinne sind durch jahrelanges Ganovendasein geschärft.

Er lässt sich nichts anmerken, als er sich erhebt und auf den Bettler zugeht. Von dessen Platz aus ist es nicht weit zu der Stelle, wo sein Verfolger ausharrt und sich wohl schon fieberhaft nach einem Rückzugsweg umsieht. Scheinbar nebenbei lässt er einige Kupferlinge in den Hut fallen, macht dabei aber ein unmerkliches Zeichen in der Ganovenzeichensprache: Wieviel? Und deutet in Richtung der Gasse. Der Bettler bedankt sich wortreich, nur um zu kaschieren dass er ihm ebenso unauffällig ‚Einer‘ gestikuliert. Tane nickt. Das hat er sich gedacht, ein Spitzel, kein Angreifer. Na dann wollte er mal sehen, wie schön das Vögelchen singen kann. Mit zwei schnellen Schritten ist er in der Gasse. Doch der Austausch mit dem Bettler hat seinem Verfolger die Zeit gegeben, die er zum abhauen braucht, denn Tane sieht nur mehr einen Schatten über die Mauer zu einem Hinterhof hechten. Von dort kann er ungesehen verschwinden und nur wenige Strassen weiter ist ein Einstieg in die Kanalisation. „Verdammter, dreimal verdrehter und verstaubten Kobolddreck!“ wütend kickt er einen Stein beiseite und scheucht damit eine Katze auf. Das verlauste Ding facht ihn wütend an und macht einen Buckel, ehe es sich aus dem Staub macht.

Missmutig stapft Tane aus der Gasse wieder heraus. Der Bettler sieht ich interessiert an. Diese Gesellen werden oft unterschätzt, scheinbar am Rand der Gesellschaft bekommen sie doch mehr vom Stadtgeschehen mit, als die Meisten denken. „Hast du den schon öfter gesehen?“ fragt Tane den alten und spielt dabei scheinbar zufällig mit einem weiteren Kupferling. Der Alte schüttelt den kopf. >Nein, aber du bis heute früh doch auch schon hier lang gegangen und da war n anderer, der hat genauso gerochen, wenn du verstehst, was ich mein …< Tane versteht. Seine gute Laune hat einen gehörigen Dämpfer bekommen. Er schnipst den Bettler die weitere Münze zu und setzt seinen Weg in Richtung Pfirsich fort. Im Hinterhof des Gasthofes würde er seinen Unmut am Brennholz auslassen.

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