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Sunday, May 12th 2019, 1:46am

Müde lenkt Dar den Wagen zum Mietstall. Dass der Nachtwächter unterwegs den Anbruch der schwarzen Stunde ausgerufen hatte, hatte Dar, der dachte, das Fest von Briants Familie um die Stunde der Nachtwache herum verlassen zu haben, zwar verwundert, aber vermutlich hatte das doch einfach länger gedauert. Das tatsächlich die allabendliche Meditation, die Ketell ihm zur Festigung des eigenen Geistes in dieser Nacht auf dem Knochenacker mal eben gut siebenmal so lange gedauert hatte, wie üblich – der Gedanke war ihm gar nicht erst gekommen, auch wenn sein Steiß in schmerzte, als hätte er stundenlang mit bloßem Arsche auf einem eisigen Totenacker herumgesessen. Olett aber ist schnell abgerieben und versorgt und auch ansonsten steht wohl erst am kommenden Abend ein großes Ausmisten der Box an. Als Dar schließlich den Pfirsich betritt, sieht er sich indes sofort Tane gegenüber, der besorgt fragt, ob er wisse, was mit Briant ist und, ob Dars darauf folgender Beschwichtigung, „Alles in Ordnung, sie begießt nur mit ihrer Familie die Geburt ihrer zwei Neffen und bleibt wohl über Nacht da!“ beinahe ärgerlich reagiert. Dass eine Nachricht, eben über die Geburt der Zwillinge ihrer Schwester, hier eingegangen war, sie aber eben nie erreicht hatte und das darum die Sorge aufgekommen war, die alte Vettel von der Orchidee könne einen neuen bösen Streich angezettelt haben wird ob seiner offensichtlichen Müdigkeit von Dar nur mit einem lapidaren „‘schuldigung, muss die Zeit auf dem Fest vergessen haben.“ bloß beantwortet, ehe er sich an Tane vorbei erst in die Waschküche und dann ordentlich sauber geschrubbt ins Bett in den Keller verzieht.

Noch bis in seine Träume hinein folgt ihm indes die Erinnerung an jene steinerne Sphinx und auch wenn Dar sich am kommenden Morgen an nichts davon festzuhalten vermag, glaubt er doch lange Wege unter dunklen Zypressen zu erinnern, die er, mit jener – nur dieses Mal überaus lebendige – Sphinx an seiner Seite einherschreitend in stundenlangen Gesprächen zugebracht hatte. Doch statt sich, ob dieser intensiven Träume, etwa zusätzlich seines eh schon spärlichen Schlafes beraubt zu sehen, fühlt sich Dar am Morgen vielmehr ausgeruht, als hätte er Stunden geschlafen oder – er kennt das Phänomen leider nur zu gut – als hätte er so wenig geschlafen, das sein Körper von sich aus schon in den Ausnahmemodus geschaltet hat – in welchem Falle er irgendwann im Laufe des kommenden Tages dann vermutlich von der Müdigkeit brachial wohl überrannt werden dürfte. Aber nichtsdestotrotz findet sich Dar als einer der Ersten heute zum Frühstücken ein, hilf noch ein wenig in der Küche aus und will grade gehen, als Briant schließlich in die Küche geschlurft kommt, so übernächtigt – aber glücklich dabei – ausschauend, wie er sich eigentlich fühlen müsste. „Na du K- … äh, na du? Ist wohl doch noch etwas länger bei dir geworden, hm?“ Und um den Beinaheversprecher zu kaschieren, wendet sich Dar an den mit am Tisch sitzenden Perrin: „Du sag mal, Perrin. Ich hab noch etwa zwei Stunden, ehe ich beim Tempel sein muss. Denkst du, die Zeit reicht die Box von der Olett auszumisten? Ich fürchte nämlich, dass ich heute Nachmittag nur noch seitwärts in meine Matratze kippen werde, wenn ich wieder komme und dann sicherlich keinen Finger mehr mit Ausmisten krumm machen will.“ Am liebsten würde Dar, nach gestern, ja einfach blau machen. Aber wie heißt es doch so schön? Wer feiern kann...
“Siehst du einen Riesen, so prüfe den Stand der Sonne und gib acht, ob es nicht der Schatten eines Zwerges ist.”

Briant

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Occupation: Pfirsich

Location: Pfirsich in Talyra

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Monday, May 13th 2019, 3:42pm

Briant kehrt in den frühen Morgenstunden zum Pfirsich zurück. Das Frühstück bei ihrer Mutter hat sie schweren Herzens ausgeschlagen, mittlerweile hat sie nämlich ein schlechtes Gewissen ob ihrer langen Abwesenheit. Im Hinterhof weicht sie den Geschenken des Pfirsichkaters aus, der gönnerhaft seine Jagdbeute – in diesem Fall eine fette Ratte - mit den Bewohnern des Gasthofes teilen will. Ihhh wähhh, das braucht man in aller Götterfrüh! Perrin oder sonst jemand würde in den Genuss kommen, den Kadaver zu beseitigen. Mit einem Gähnen betritt sie die Küche. >Na du K- … äh, na du? Ist wohl doch noch etwas länger bei dir geworden, hm?< wird sie von Dar begrüßt. „Naja man sollte sich nicht überreden lassen, zu nächtlicher Stunde neue Saufspielchen mit seinen Brüdern auszuprobieren.“ Grinst sie etwas schief. Ihr war nicht entgangen, dass dem Zwerg beinahe ihr Spitznamen entschlüpft wäre, aber sie übergeht es geflissentlich. Das hat sie in ihrer Familie gelernt, je weniger man über solche Dinge meckert, umso schneller werden sie vergessen. Tane, der sich gerade im hinteren Teil der Küche einen Cofea einschenkt, brummt was von herumstreifenden Weibsbildern, denen ein Brummschädel nur recht geschehe. Aber dennoch stellt er der Mogbar ebenfalls einen Becher vor die Nase.

Dar hat sich eben an Perrin gewandt, um Tipps zum Ausmisten und den Zeitaufwand derselben Arbeit zu bekommen. Der Rotschopf kratzt sich hinter einem seiner Segelohren. >Naja, die Box sollte nicht schlimm aussehen, stand ja nicht lange drinnen. Aber ich mach dir einen Vorschlag: Du fängst an und wenn es nicht fertig wird, mach ich den Rest mit. Und dafür … könntest du mir vielleicht demnächst helfen, das Dach am Stall zu richten? Sonst bricht uns das ganze beim ersten Schnee noch zusammen. Ein paar Schindeln sind verdammt morsch. Ich wollte das ganze Dach im Frühjahr neu decken aber ein paar Stellen müssen schon jetzt abgedichtet werden.< Briant entgeht nicht der leicht unsichere blick des angehenden Heilers. Sie kann sich lebhaft vorstellen, dass die Vorstellung, auf einer Leiter und einem Stalldach herum zu klettern nicht zu seinen Lieblingstagträumen zählt. Doch ehe sie etwas sagen kann, fährt Perrin fort >Ich klettere selbst rauf, das ist kein Problem. Aber wenn du mir die Materialien hoch reichst, wäre mir geholfen.<
Lieber eine Hure mit Herz, als eine Edle mit Gift in der Seele

Tane

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Location: Pfirsich

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Wednesday, May 29th 2019, 11:34am

!!ACHTUNG: Spielt vor den letzten Einträgen!!

Am Tag nach der Auslegung der Katzenköder Ende Nebelfrost 518

Tane hat nach der Schmach mit dem Nachttopf den Abend damit zugebracht, sich gepflegt volllaufen zu lassen. Zum einen, um sich nicht mehr ganz so idiotisch zu fühlen, zum anderen um seinen Ärger über Briant, Tasha, Sigourny und überhaupt all die Weiber auf Rohas Weiten zu ersäufen. Tief drinnen weiß er ja, dass die Ablenkung notwendig war, um den Pfirsich zu schützen aber auf der anderen Seite wäre das nicht notwendig gewesen, wenn Sig nicht wie eine Geistesgestörte in die Unterstadt gestampft wäre. Und wer hat mit den blutigen Ratten an der Tür angefangen? Und das Ale geschickt? Das war sie sicher nicht! Gib die Schuld also den Schuldigen! Meldet sich eine kleine Stimme in seinem Kopf, die sich Vernunft nennt. Aber zu allen neun Höllen, er will nicht unbedingt vernünftig sein. So gießt er sich einen weiteren Schnaps (so ziemlich das stärkste was zu finden ist) hinter die Binde. Und weil er ist wer er ist, braucht auch sein angekratztes männliches Ego Pflege und so landet er schließlich mit Estella in seiner Kammer.

So erwacht er am kommenden Morgen erstaunlich ausgeruht mit der weichen, anschmiegsamen Estelle an seiner Seite. Die Hure grinst ihn frech an.>Besser? < Tane erwidert das Grinsen. „Ay, danke Stell. Das hab ich gebraucht.“ >Immer wieder gerne. Und jetzt komm, ich brauch was im Magen. Und soweit ich mitbekommen habe, hast du einen Weg zu erledigen. < Fragend sieht er sie an. >Sigourny hat Dar gestern gebeten, ihr einige Geschäftsunterlagen zu schicken. Beth hat gestern alles gerichtet, du wolltest gleich los … hat da jemand etwas Gedächtnislücken? < „Ach das meinst du, sicher erinnere ich mich! Los Frechdachs, raus aus dem Bett!“ Estella lacht vergnügt und wenig später betreten sie die Küche des Pfirsichs. Briant verteilt hier gerade diverse Arbeiten für den Tag und Tane fragt sich bereits zum wiederholten Male, wie diese kleine, quirlige Mogbar es so schnell geschafft hat, Sigournys Abwesenheit abzufedern und sich um all die organisatorischen Kleinigkeiten zu kümmern, die man zwar kaum bemerkt, ohne die der Betrieb aber zum Stillstand kämme. Er selbst kann in der Gaststube die Gäste unterhalten, ausschenken und für Stimmung sorgen, aber diese ganzen Tätigkeiten im Hintergrund würden ihn hoffnungslos überfordern. Er stopft sich noch schnell zwei Honigfinger in den Mund, nickt seinen Arbeitsauftrag bezüglich Holz hacken ab und verschwindet dann durch die Hintertür.

Die Straßen der Stadt ->

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Wednesday, July 24th 2019, 11:02pm

>Na bitte, geht doch!< spricht Perrin, als Dar, der vorgeschlagen hatte dann doch lieber jetzt gleich beim Hochschaffen der Schindeln zu helfen, auf das der schlaksige Rotschopf nicht den ganzen Tag warten musste, die Arbeit anzufangen, sollte sich eine Gelegenheit für die Arbeit denn ergeben. „Der Stall ist doch eh leer, solange ich mit der Olett unterwegs bin, und wenn du eh schon sagst, das nicht zu viel zu tun ist, wo die Box doch noch nicht zu lange benutzt wird, kann das sicher auch bis morgen noch warten.“ Das Dar sich damit gerade zusätzliche Arbeit aufgehalst hat, wenn er morgen die Box alleine ausmistet … Nun ja, man sollte halt keine Verhandlungen wagen, wenn man nicht einmal mehr zusammen bekommt, was man die letzten Stunden der vergangenen Nacht unternommen hat. Fast schon mit genugtuung hatte Dar zu Briant hinübergeschaut, die wirkte, als wenn die vergangene Nacht auch an ihr nicht wirkungslos vorübergegangen wäre, fühlte er sich doch unter seiner scheinbaren Erholtheit, so gerädert wie selten. Wäre seinesgleichen nicht den Unsterblichen zugehörig – er hätte sich darob beinahe alt fühlen mögen! Und nun steht er hier in der eisigen Morgenluft – wieso muss Perrin auch ausgerechnet im Winter auf die Idee kommen, ein Stalldach decken zu müssen? – und hört diesen von oben herab rufen. >Geht doch auch schneller, wenn du nicht weiterhin stur deine Stiefel auf dem Boden lässt und die paar Steige mir entgegenk- WAS ZUM DUNKLEN?!<

Erschrocken weicht Dar dem Bündel neben ihm hernieder fahrender Holzschindeln aus, welche krachend neben ihm zu Boden gehen. Ob des sich dem anschließenden schlitternden Geräusches von der Dachkante und der neben ihm zusätzlich niederstürzenden Leiter, lässt der Fro'gar erschrocken die lange Heugabel fallen, die er – unter erheblichem Kraftaufwand – an deren äußerstem Ende festgehalten hatte, das Bündel Holzschindeln bis zur Dachkante empor zu heben, und breitet die Arme aus den über die Dachkante gerutscht seienden Menschen aufzufangen. Perrins weitere Flüche ignorierend, die wohl selbst einen gestandenen Seebären noch zu einem respektvollen Nicken veranlasst hätten, hebt Dar die Leiter auf und schiebt sie unter Perrin wieder an die Dachkante, das der zuletzt nur mehr mit einer Hand sich festgehalten Habende wieder einen sicheren Tritt findend erneut auf das Dach sich heben kann. „Und genau darum Perrin“, Dar ergreift wieder die Heugabel, hakt ihre Zinken ein weiteres Mal unter das noch immer festgeschnürte Bündel an Schindeln und hebt – den Griff seiner Hände immer weiter nach hinten wandern lassend, bis seine Arme, unter der schweren Last zittern, wie zuletzt wieder nurmehr die letzte Handbreit des Stieles der langen Heugabel umfasst haltend – das schwere Bündel erneut bis zur Kante des Stalldaches empor. „… genau darum bleibe ich mit meinen Füßen lieber da, wo Sil sie sich in seiner großen Weisheit hingedacht hat.“

Erst als Perrin das Bündel entgegengenommen hat und hinter sich auf das Dach wirft, bemerkt Dar, dessen starren Blick und wendet sich rasch um. „Oh, Madame Al'Mere!“ ruft Dar erfreut aus, hinter sich die Kutsche Shalhors mit Sigourny und Xilian bemerkend. Perrin, die Hausherrin vermutlich einfach schon etwas besser kennend, und ihre scheinbare Fassungslosigkeit ob der jüngsten, unglücklicherweise von ihr wohl bemerkten Szene, recht deutend – schwindet rasch aus ihrem Blickfeld, das Bündel Schindeln dabei beiseite schaffend. >Hätte sie nicht einen Augenblick später kommen können.< murrt Perrin leise und wirft das letzte Bündel an Schindeln zum bereits oben liegenden Rest. >Oder hätte der Zwerg nicht wenigstens früher auf diese bescheuerte Idee mit der Heugabel kommen können, dass ich da dann schon vor Überraschung fast vom Dach gefallen wäre?< Rasch ist Perrin über die Dachschräge zu einer offenen Gaube und von dort in das Innere des Stalls oder um genauer zu sein, dessen Heuboden gehuscht, wo er erst einmal in Sicherheit abwarten will ob Sigourny ob des eben Gesehenen… Beinahe tut Dar ihm leid! Aber andererseits: >Besser er als ich!<

Derweil unbetrübt, ungewarnt und aufrichtig erfreut Sigourny wiederzusehen, stapft Dar zur Kutsche. „Es ist alles in Ordnung, hoffe ich? Die Schiene sitzt und drückt nicht und das Bein schmerzt hoffentlich auch sonst nicht?“ Strahlend öffnet der Zwerg die Seitentüre der Kutsche, bietet Sigourny – als sei nichts weiter gerade geschehen – seinen Arm, sie die wenigen Schritte zum Pfirsich nichtsdestotrotz zu stützen, wenn sie dieser Hilfe denn bedarf. „Und hallo auch, äh… Xilian war der Name?“
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Sigourny

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Thursday, July 25th 2019, 2:43pm

Den ganzen Weg von Taresnar zum Pfirsich hat sie darüber nachgegrübelt, wie sie auf die neueste „Zuwendung“ ihrer Widersacherin reagieren soll. Kein Verzetteln in einem Kleinkrieg hatte sie Shalhor versprochen aber es juckt sie unter den Fingern sich zu revanchieren. Sie ist das ganze Theater schon so leid, eben schwankt sie zwischen Wut und Resignation. Bestürzt stellt sie fest, dass die Zermürbungstaktik der Grappe erste Früchte trägt. Noch heute Morgen hat sie sich so frei und glücklich gefühlt, das Hundekind am Arm und in der Gesellschaft ihres Seemanns. Und dann dieses verfluchte Paket, das ihr so deutlich vor Augen geführt hat, dass sie auch auf Taresnar nicht sicher ist. Ihr kommt Shalhors Vorschlag in den Sinn: Hinunter gehen und die Unterstadt aufräumen. In diesem Moment kommt diese Option ihr so verlockend vor. Doch hätte die Alte dann nicht auch gewonnen, wäre sie dann nicht genauso wie sie, ohne Rücksicht auf Unschuldige zuzuschlagen? Wäre es nicht besser, einfach zu verschwinden, vielleicht sogar die Stadt zu verlassen? Still und heimlich? Und alle um sie herum zu schützen? Oder würde das die Wut der Grappe nur weiter schüren und unter ihrer Vergeltung hätten die ihr nahe Stehenden nur noch mehr zu leiden? Wie sie es auch dreht und wendet, in keiner Version gefällt ihr das Ergebnis. Aý hjir ay'as îr ay'as hjir â, einer für alle und alle für einen … fremde Sprachen sind eigentlich nicht so ihr Talent und wenn sie diesen Satz, der sich in ihr Gedächtnis eingebrannt hat, laut ausspräche, würde Shalhor sich entweder vor Lachen am Boden wälzen oder die Flucht ergreifen ob der Verunstaltung seiner Muttersprache aber die Bedeutung der Worte hat sich um ihr Herz gelegt, das und die Zuneigung, die ihr ihr Seemann entgegenbringt. Sie würde nicht davonlaufen, ihn nicht einfach unwissend zurücklassen, ihre Leute nicht schutzlos der Willkür der Alten ausliefern. Sie würde das tun, was sie Xilian versprochen hat: Shalhor am nächsten Tag von dem Paket erzählen und dann gemeinsam mit ihm überlegen, was sie tun kann … auch wenn die Untätigkeit sie schier wahnsinnig zu machen scheint.

Eben biegt die Kutsche in den Hof ein, der zwischen Mietstall und Pfirsich liegt. Im ersten Moment weiß Sigourny nicht, ob sie lachen oder schreien soll: Perrin hängt an der Dachkante während Dar mit einer Leiter unter ihm herumwuselt und versucht, selbige so zu platzieren, dass der Junge seine Füße wieder auf eine der Sprossen setzen kann. Und als das geschafft ist, bugsiert der Zwerg doch tatsächlich das Bündel Dachschindeln, das am Boden liegt, mit einer Mistforke nach oben, wo Perrin es sich, wieder ziemlich abenteuerlich auf der Leiter balancierend, nach oben fischt. Umständlicher und vor allem waghalsiger geht es nun wirklich nicht, vor allem, wenn man bedenkt, dass der gesamte Dachstuhl einer Renovierung bedarf. Xilian hält vor der Hintertür und nun scheint ihre Ankunft auch bemerkt zu werden, denn Perrin verdrückt sich blitzartig in das Innere des Dachsstuhls. Der Junge kennt sie lang genug, um zu wissen, dass sie von solch unnötig riskanten Aktionen gar nichts hält. Wo Sigourny selbst schon einmal Kopf und Kragen riskiert, ist sie bei anderen vorsichtiger was das angeht. Dar hingegen scheint sich gar nicht bewusst zu sein, dass die Hausherrin die eben beobachtete Situation nicht wirklich lustig findet und kommt grinsend auf sie zu. > Es ist alles in Ordnung, hoffe ich? Die Schiene sitzt und drückt nicht und das Bein schmerzt hoffentlich auch sonst nicht? < „Bis auf die Tatsache, dass ich mich frage, warum du dir deine Patienten selbst erzeugen willst und ob Perrin Ambitionen hat, zum Artisten zu werden, geht es mir gut. Aber Dar, sag seid ihr von allen Göttern verlassen? Habt ihr euch das Gebälk einmal angesehen? Perrin kann froh sein, dass er nicht mitsamt der Dachkante herunter geknallt ist … ich weiß, dass du mich hörst junger Mann, komm runter, jetzt!“ Knallrot klettert der Angesprochene in den Hof, versucht sich aber sogleich aus der Affäre zu ziehen, indem er die unaufschiebbare Notwendigkeit des Schindelaustausches ins Treffen führt… oder führen will. Denn Sigourny lässt ihn nicht wirklich zu Wort kommen. „Ich weiß, dass das Dach geflickt gehört, keine Frage. Aber nicht SO! Irgendwer muss die verdammte Leiter festhalten bei dem morschen Unterbau und Schindeln TRÄGT man nach oben und balanciert sie nicht mit einer Mistforke hinauf! Da ist es noch besser wenn die Fee mit den Dingern rauffliegt, auch wenn das Monde dauern wird.“

Sigourny atmet hörbar aus. Eigentlich hat sie nicht vorgehabt, gleich nach ihrer Heimkehr die strenge Chefin heraus zu kehren aber sie haben im Moment genug um die Ohren und ein Unfall aus so unüberlegtem Handeln heraus würde ihr gerade noch fehlen. Apropos … „Damit die Mistforke nicht gänzlich zweckentfremdet ist … Perrin, kannst du das bitte entsorgen?“ Mit diesen Worten fischt sie die Schachtel aus der Kutsche. Den Brief hat sie schon auf der Fahrt hierher vom Schwanz der Ratte geklaubt und in ihrem Ausschnitt verborgen. Diese Botschaft wollte sie vorerst mit niemandem teilen. >Was …? < Der Rest des Satzes bleibt Perrin im Hals stecken, als er den Deckel der Schachtel hochhebt. In die kommende Stille hinein wendet sie sich Xilian zu, der mittlerweile auch den Korb it den Messern aus der Kutsche geholt hat. „Danke fürs Herbringen, Xilian. Fahr jetzt zurück, sonst versäumst du die Feierlichkeiten zu Kayas Ehrentag.“ Der Kutscher blickt sie zweifelnd an aber sie nickt ihm entschieden zu. War zuvor die Versuchung noch kurz da gewesen, mit ihm zurück zu fahren und sich einfach zu verkriechen, ist sie jetzt sicher: Sie wird nicht aufgeben und heute Abend wird sie sich im Schankraum zeigen und wie! Sicher hat die Grappe ihre Spitzel positioniert und die sollen ihrer Herrin ruhig berichten, dass sie sich von solchen fiesen Psychospielchen nicht einschüchtern lässt.

Sie blickt der Kutsche nach, die soeben den Hof verlässt, ehe sie sich wieder Perrin und Dar zuwendet, die sie mit fragenden Augen ansehen und dann wieder angeekelt auf das Geschenk in der Schachtel starren.
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Thursday, July 25th 2019, 6:47pm

Ein wenig verwundert, aber stumm, verfolgt Dar Sigournys Reaktion, macht sich nicht einmal die Mühe sich zu rechtfertigen, sondern nickt einfach nur wortlos, als die Hausherrin auf ein größeres Sicherheitsbewusstsein beharrt. Ihr Haus, ihre Regeln! erinnert er sich nur stumm. Von seinem ersten Schritt aus dem verlassenen Steingarten an, hatten ihn seine Brüder in die Wichtigkeit klarer Hierarchien unterwiesen und wenn ihm irgendwann einmal nicht mehr gefallen sollte, was sie befahl – es stand ihm jederzeit frei, zu gehen. Dennoch, als Sigourny sich ausreichend Luft gemacht Perrin die Kiste gereicht und Xilian verabschiedet hat, Dar blickt noch immer nachdenklich auf den Inhalt der Kiste, den er auch ohne weitere Botschaft zu verstehen glaubt, erhebt er dann doch noch seine Stimme. Die darauf folgende Reaktion tatsächlich im Vorfeld schon befürchtend, spricht Dar nichtsdestotrotz mit einer Stimme, die ruhig und knarzend, wie ein sich leicht in schwachen Wind wiegender Ast. Nicht als Frage, sondern vielmehr als Feststellung formuloert er seine Worte, es Sigourny so indirekt noch schwerer machen wollend, das Gesagte auszuschlagen: „Wir müssen die And-...“ doch weiter kam Dar gar nicht. Doch statt erneut laut zu werden, bittet sie Perrin und Dar nun vielmehr, die anderen nicht zu informieren. Erneut nickt Dar daraufhin stumm und ohne auch nur den Versuch einer Diskussion zu wagen. „Ich will mir den Fuß kurz ansehen, ehe ich mich zum Unterricht aufmache. Während Perrin darum nun also, leicht angewidert die Schachtel entsorgt – wobei Dar ihm rät, sich anschließend die Hände gründlich zu waschen „Wer kann schon wissen, mit welchen Giften oder Krankheiten die Schachtel oder auch ihr Inhalt in Berührung gebracht wurden.“

Sigournys leichtes Zusammenzuckens, ob der Erkenntnis, was sie da aus Schachtel geklaubt nun an ihrem Busen trägt, bemerkt Dar indes nicht, geleitet sie nur in die Küche des Pfirsichs, wo plötzlich alle um sie herumwuseln, die Rückkehr der Hausherrin zu feiern, diese freudig zu begrüßen. Dort, während er ihren Knöchel untersucht und Annest einige abschwellende Wickel für Sigourny zu bereiten bittet, erzählt er der Hausherrin – wie beiläufig – von einer Geschichte über eine bis beinahe zehn Schritte lang werden könnenden Riesenschlange, dem sogenannten Rubinwürger die er bei fahrendem Volk auf dem Weg hierher einmal traurig eingesperrt hinter Käfiggittern gesehen hatte. Nachdem, was die fahrenden Leute dazu erzählten, habe dieses Tier in der freien Wildbahn – von den intelligenten Völkern einmal abgesehen – nur einen einzigen Feind: „Und ratet mal welchen! – Die dortige Wanderameise. Jedes Tier einzeln ist gerade einmal vier bis fünf Sekhel groß und nicht schwerer als 3 oder 4 Gran. Und wisst Ihr wieso? Die schiere Masse der Ameisen fällt einfach über die Schlange her und vertilgt sie bei lebendigem Leib. – Etwas, das ein Tier alleine wohl kaum fertigbrächte, nicht?“ Diese Geschichte, so leise erzählend, das vermutlich nur Sigourny ihm folgen konnte, beendet Dar derweil die Untersuchung ihres verletzten Knöchels, sichtlich zufrieden mit den Fortschritten die sie macht. „Und wisst Ihr, wie man wiederum die Ameisen ganz leicht besiegt? Indem man ihre Königin isoliert, die ohne Ihr Volk und gerade einmal 4 oder 5 Sekhel messend, keine wirkliche Bedrohung mehr ist, derweil ihr Volk ohne Königin nicht länger geordnet zu agieren vermag.“ Okay, zugegeben: den letzten Teil hatte Dar sich gerade ausgedacht, in der Hoffnung Sigourny damit seine Einschätzung verständlicher so machen zu können. Ob es der Abermillionen Tiere großen Armee ohne Königin tatsächlich nicht länger gelingt, sich zu formieren? Er hat nicht den mindesten Verdacht. Doch – zumindest soweit es Dar in diesem Moment betrifft, geht es hier ja auch gerade nicht um Ameisen. Auch zweifelt er, dass sie das, was alle in ihrem Umfeld fortwährend betonten, ohne das sie es einzusehen schien, gerade jetzt und in dieser Form aufnehmen würde. Aber andererseits heißt es ja auch nicht umhin, der stete Tropfen höhle den Stein. Warum dann also nicht einfach unbeirrt wieder und wieder mit Seharimsgeduld ihr klarzumachen versuchen, das ihre Selbstisolierung einzig der Grappe und sonst niemandem nützt?

„Gut denn, ich muss nun aber wirklich zu meinen Unterweisungen in den Tempel gehen. Zur Stunde des Lohns sollte ich wieder hier sein. Falls was ist, ich bin im Faêyris-Tempel.“ grinst Dar, runzelt die Stirn und fügt dann nachdenklich hinzu: „…oder andernfalls im Tempel des Sitech!“ Vermutlich weil man ihm dort geholfen und von Sarurnirs Fluch schlussendlich doch noch hatte erlösen können, zieht es den Zwergen mit jedem Tag mehr und mehr dorthin, wann immer ihm der reale Wahnsinn hier draußen zu sehr unter die Haut zu fahren droht – wann immer diese Grappe und ihr Unterstadtvolk ihm und den Anderen hier das Leben erneut unnötig zu erschweren versucht, oder…
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Sigourny

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142

Saturday, July 27th 2019, 10:01pm

Die Wärme und Herzlichkeit, die ihr bei ihrer Ankunft in der Küche des Pfirsichs entgegen schlagen, bestärken sie umso mehr darin, dass ihre vorhin getroffene Entscheidung, sich nicht einfach vertreiben zu lassen, richtig war. Maddie zaubert frisch aufgebrühten Cofea mit einem Klecks Sahne und Cocoastreuseln darauf, eine Mischung, die Sigourny etwas skeptisch beäugt. „Wo hast du das denn her?“ >Einige Händler haben ihre Stände für den Julmarkt schon aufgebaut und einer davon hat das im Angebot. Ich dachte das könnte dir schmecken!< Vorsichtig nippt sie unter den gespannten Augen des Mädchens an ihrem Becher, während Dar beginn, sich an ihrem Knöchel zu schaffen zu machen und Annest nach Wasser und Tüchern schickt. „Nicht übel, ein bisschen süß aber nicht schlecht!“ Maddie lächelt erleichtert und macht sich dann daran, Gemüse für den Eintopf zu putzen, der heute Mittag den Gästen serviert werden soll. Kaum ist das Mädchen außer Hörweite, beginnt Dar ihr eine Geschichte über Rubinschlangen und Ameisen zu erzählen. Zuerst versteht sie nicht, was der Zwerg ihr damit sagen will, aber als er sich mit der Erklärung, wo er im Notfall zu finden sei, auf den Weg machen will, dämmert es ihr bereits. Seine Geschichte schlägt in dieselbe Kerbe, wie Shalhors Satz, der ihr auf der Herfahrt durch den Kopf gegangen ist. „Dar, warte! … Danke. Ich … ich glaube ich verstehe, was du mir sagen willst.“ Nur dass ich sicher keine Königin bin! Und zu verstehen heißt noch lange nicht zu wissen, wie man danach handeln soll.

Als Dar den Pfirsich durch die Hintertür verlässt, kommt Perrin herein. An der Küchentür stockt sein Schritt und Sigourny erkennt, dass er die Schachtel, zusammengedrückt aber doch noch erkennbar, hinter dem Rücken verbirgt. In der anderen Hand hat er den Korb, der ihre Messer enthält. In diesem Moment trifft sie eine Entscheidung: Zwar wird sie ihren Leuten – noch – nicht vom neuen Fund erzählen, aber sie würde alles tun, damit der Wahnsinn endet, bald. Mit einem unauffälligen Kopfnicken bedeutet sie dem Jungen, das Zeug im Herd zu verbrennen - Ratte, Orchideen und Pfirsich hat er sicher schon am Misthaufen vergraben – während sie sich der versammelten Belegschaft zuwendet. Es sind wirklich alle hier, sogar Lux und Dobesto hocken am Kaminsims. Annest hat ihr soeben einen kühlen Wickel um den Fuß gelegt. „Danke, eure Begrüßung … ich weiß gar nicht was ich sagen soll. Ich … ich weiß all das, was in den letzten Siebentagen passiert ist, war sehr schwer und es ist noch nicht vorbei. Aber ich verspreche euch, ich werde einen Weg finden, wie wir das alles beenden können und zwar bald! Aber bis es soweit ist, zwei Dinge: das Erste, passt auf wenn ihr den Pfirsich verlasst. Ich will nicht sagen, verbarrikadieren wir uns, weil ich will mich nicht einschüchtern lassen, sicher nicht. Aber wir passen auf!“ Reihum sieht sie alle an und sieht nur Zustimmung und Verständnis. Das Feuer im Herd lodert eben hell auf, als die Geschenkschachtel entflammt, ganz so, als wollte es ebenfalls seine Zustimmung geben. „Und das Zweite: Langschnee steht vor der Tür und damit die Julzeit. Und das werden wir heute Abend feiern, dass die Stadtmauer wackelt, die Fische im Ildoriel werden mitfeiern wollen …“ Shalhor soll es bis Taresnar hören! „Briant, wie gut bist du bei Stimme?“ Die Mogbar grinst. >Ich hatte gestern einen freien Tag, alles Bestens.< „Gladez, was ist mit dir? Bereit, die halbe Nacht durchzutanzen?“ >Wenn‘s sein muss auch die Ganze!< „Sehr gut!“ Sigourny tippt in ihrer typischen Manier mit den Zeigefinger an die Unterlippe, während ihre Belegschaft schon beginnt, weitere Planungen anzustreben. Annest und Maddie sind bereits im Vorratskeller verschwunden und Lux überrascht alle mit der Ankündigung, sich zum Höhepunkt, also in etwa zur Stunde des Räubers, für die ihr mögliche Stunde groß zu machen und so zu servieren oder hinter dem Tresen zu stehen. „Tane, kannst du in den nächsten beiden Stunden bei den Wachen am Verder Tor die Kunde fallen lassen, dass heute Abend hier groß gefeiert wird? Und dass sie als Stammgäste natürlich herzlich willkommen sind.“ Der Angesprochene signalisiert seine Zustimmung. „Wird erledigt!“

Sigourny lächelt still in sich hinein. Die Idee war erst im letzten halben Glockenschlag entstanden doch die Entwicklung des Plans nimmt rasch Fahrt auf. Und mit einem vollen Haus, wo ein großer Teil der Gäste wohl Angehörige der Stadtwache sein werden, würde das Unterstadtmiststück es kaum wagen, etwas zu unternehmen. So wahnsinnig ist nicht einmal die Alte. Die nächsten Glockenschläge vergehen in fieberhafter Vorbereitung. Tane hat neben dem Verder Tor auch alle anderen Eingänge zur Stadt aufgesucht und die Kunde ob des heutigen ‚Hinein Feierns in den Langschnee‘ bei den diensthabenden Gardisten gestreut. Auch an der Anschlagtafel am Marktplatz hat er einen Aushang platziert, ergänzt um die Ankündigung, dass alle Getränke zur Stunde des Jägers nur die Hälfte kosten. Die gleiche Ankündigung würde auch an der Tür des Pfirsichs zu lesen sein. Diese Idee stammt von Perrin und auch wenn die Zwillinge ob des Gewinnverlusts stöhnen, Sigourny findet sie toll. Was sie ihren Leuten hingegen nicht verrät: Ihrer Meinung nach würde sie damit die Grappe gewaltig ärgern, denn sie tut genau das Gegenteil von dem, was das Biest von ihr erwartet. Und sie bleibt dabei auf ihrem Territorium, so wie sie es Shalhor versprochen hat. Und es hat nicht wirklich etwas von Kleinkrieg.

In den Nachmittagsstunden gönnt Sigourny sich ein langes Bad und Amitaba spendiert ihr eine Kopfmassage, während sie ihr die lange Mähne wäscht. Die ehemalige Sklavin erzählt nie etwas über ihr früheres Leben, aber die Art, wie sie sich um die Bedürfnisse anderer zu kümmern weiß, lassen darauf schließen, dass sie im Haus reicher Herrschaften gedient haben muss. Genießerisch schließt sie die Augen, während die schlanken Finger der Nande in kreisenden Bewegungen erst ihre Kopfhaut und dann ihren Nacken und die Schultern bearbeiten. >Du bist verspannt, Sig. Sollte eine heiße Männerbekanntschaft nicht eher entspannend wirken?< Ein wissendes Grinsen begleitet ihre Worte. Sigourny streckt ihr einfach träge die Zunge heraus. Sie kennt ihre Mädchen und weiß, dass sie nach außen nicht tratschen und sie sich trotz liebevoller Neckerei freuen würden, wenn sie einen Mann finden würde, den sie lieben kann und der auch ihr zugeneigt ist. Aber alles ist noch so frisch und noch ist sie nicht bereit, den Schatz der aufkommenden Beziehung mit Shalhor mit irgendjemandem zu teilen. Beinahe so, als hätte sie Angst, aus einem schönen Traum zu erwachen, sollte sie darüber reden. Amitaba lacht leise auf und nimmt sich einen besonders hartnäckigen Knoten in ihrer Schulter vor. Von den Prellungen auf selbiger sind nur mehr Schatten zu erkennen, doch die Muskeln in diesem Bereich sind noch etwas in Mitleidenschaft gezogen.

Die Stunde der Heimkehr ist bereits angebrochen, als sie sich, solcher Art entspannt, in ihren Räumen schließlich für die kommenden Abend fertig macht. Das Chaos, das sie in der Nacht ihres Ausflugs in die Unterstadt hinterlassen hat, war von einer guten Seele – vermutlich Briant – beseitigt worden. Es ist irgendwie ein seltsames Gefühl, wieder hier zu sein. Es ist ihr Zuhause und doch hat sich in den vergangenen Tagen ein weiterer Ort daran gemacht, diesen Rang ebenfalls einzunehmen. Versonnen fährt sie mit den Fingern den Rahmen ihres Cardossa Spiegels entlang. Was sie sieht, ist eine junge Frau, natürlich und irgendwie verletzlich. Eine Frau, die es in spätestens einem dreiviertel Glockenschlag in dieser Form zumindest äußerlich nicht mehr geben würde, nicht für die nächsten Stunden. Zeit, die Maske der verruchten Wirtin anzulegen.


Als sie das nächste Mal in den Spiegel blickt, muss sie selbst beinahe schlucken: Noch nie war ihr die Veränderung so sehr aufgefallen, die zwischen der Wirtin des Pfirsichs und dem Mädchen Sigourny liegt. Sie trägt nun einen schwarzen Rock, der hinten bis zum Boden reicht, an der Vorderseite hingegen knapp über den Knien endet, hochgerafft durch zwei knallrote Stoffblüten. Das Oberteil ist ein ebenfalls rotes Bustier, das in schwarze, halbtransparente Ärmeln mündet, gerade genug, um die blaue Schulter zu verbergen. Die blonde Mähne ist in losen Locken hochgesteckt, vereinzelte Locken schmiegen sich um ihr Gesicht. Eine rote Blume steckt in diesen. Statt die Schiene zu verbergen, zeigt sie sie offen über den flachen Halbschuhen, die kupferne Kette, die sie im Handwerksviertel erstanden hat, als Schmuck darum gewunden. Als sie ihr gewohntes Make up auftragen will, stockt ihre Hand, nur um dann um einiges weniger zu verwenden als früher. Zum Schluss legt sie noch ein Kropfband aus schwarzer Spitze um.Nur wenig später schwebt sie regelrecht die Stufen in den Schankraum hinunter, der bereits gut gefüllt ist. Auch ihre Mädchen und Jungen haben ihre besten Kleider angelegt. Als einige der Stammgäste ihrer gewahr werden, wird sie mit lautem Jubel und Gröhlen begrüßt. Mit einem Lächeln dreht sie eine Runde durch den Raum, wechselt mit Vielen einige Worte und löst schließlich Ysa hinter dem Tresen ab. >Wenn dir die Steherei zu viel wird, dann gib mir oder einem der anderen Mädchen Bescheid, dann tauschen wir wieder!< raunt der Pfirsich ihr noch zu, ehe sie von einem Gardisten regelrecht an einen der Tische zu seinen Kollegen entführt wird. Die Stimmung ist ausgelassen, dabei ist der Abend noch jung und eben beginnt Gladez ihren ersten Schleiertanz.
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Tuesday, July 30th 2019, 9:50pm

Obwohl die Idee mit der Feier erst im Laufe des Tages entstanden ist, ist der Pfirsich schon zu Beginn der Stunde des Vaters gerammelt voll. Die Mädchen rennen mit Getränken und Speisen, leisten den Gästen Gesellschaft und heizen die Stimmung an. Sigourny wird am Tresen regelrecht von den Stammgästen belagert. Dars Gerücht, sie sei vom Pferd gestürzt, hat die Runde gemacht und einige der Gardisten meinen, sie solle doch Unterricht bei Lady de Winter nehmen, die seit einigen Siebentagen die Rekruten im Reiten unterrichtet. Lachend winkt sie an. „Ich bin nicht direkt beim Reiten gestürzt“ spinnt sie die Geschichte weiter, „Dar wollte es nur ehrenvoller darstellen. Ich war so ungeschickt, beim Absteigen umzuknicken.“ Gutmütiger Spott begleitet die Erzählung während sie hinter dem Rücken die Finger kreuzt. Hatte Shalhor nicht etwas von einem Ausritt gesagt? Da will sie lieber nichts heraufbeschwören. Sie hat zwar die Stute gestreichelt und gefüttert, aber der Gedanke, sich auf ihren Rücken zu setzen … nun ja das ist noch ein anderes Kapitel. Also lieber keine weiteren Unfälle herbei reden.

Eben geht die Tür erneut auf, doch statt weiterer Gäste ist es Dar, der den Schankraum betritt. Der Zwerg schaut im ersten Moment etwas verdattert drein, war er doch schon zum Unterricht aufgebrochen als die Planungen zur Feier begonnen hatten. Doch Briant, ebenso herausgeputzt wie alle anderen, bringt ihn rasch auf den neuersten Stand und ein breites Grinsen überzieht das Gesicht des Fro‘gars. >Vortreffliche Idee!< attestiert er und macht sich daran, mit anzupacken. Was in diesem Moment auch notwendig ist: Ein neues Fass Ale will angeschleppt werden, Annest braucht Weinnachschub für den Glühwein und Maddie bittet ihn, den Pfirsichpunsch auf dem Tresen im Schankraum zu platzieren. Briant bringt eben ein neues zottiges Lied zum Besten:

Wein, Weib und Gesang
Und das ganze ein Leben lang
Wenn das nicht mehr wär
Ich armer Tor
Dann wär mir Angst und Bang
Ja dann wär mir Angst und Bang

Schlaget an das erste Faß
Denn der Wein schlichtet größten Haß
Er benebelt die Sinne
Und schlägt auf die Stimme
Aus jedem Tenor wird ein Baß

Wein, Weib und Gesang
Und das ganze ein Leben lang
Wenn das nicht mehr wär
Ich armer Tor
Dann wär mir Angst und Bang
Ja dann wär mir Angst und Bang

Mannen hebet an den Kilt
Für die Weiber ein lustiges Bild
Doch wer sich nicht traut
Weil er klein ist lieber schaut
Verstecke sich hinter sein Schild

Wein, Weib und Gesang
Und das ganze ein Leben lang
Wenn das nicht mehr wär
Ich armer Tor
Dann wär mir Angst und Bang
Ja dann wär mir Angst und Bang

Weiber knöpft auf euer Hemd aber schnell
Denn wir Mannen lieben Blusen ohne "l"
Bleibt das Hemd zu bis oben
Kriegt ihr keinen Mann zum Toben
Tut ihr's doch gibts Gejaul und Gebell

Wein, Weib und Gesang
Und das ganze ein Leben lang
Wenn das nicht mehr wär
Ich armer Tor
Dann wär mir Angst und Bang
Ja dann wär mir Angst und Bang

Ja das Lied hat mir Spaß gemacht
Doch ich seh es hat nichts gebracht
Drum pack ich die Laute und spiel andern Leuten
Meine ganze Liederpracht

Wein, Weib und Gesang
Und das ganze ein Leben lang
Wenn das nicht mehr wär
Ich armer Tor
Dann wär mir Angst und Bang
Ja dann wär mir Angst und Bang *

Vor allem bei der Stelle mit der Bluse brechen die Gäste in lautes Gejohle aus, vor allem als Briant tatsächlich so tut, als würde sie ihre Bluse öffnen, nur um im letzten Moment, mit einem frechen Grinsen und wackelndem Zeigefinger zu bekunden, dass der letzte Knopf, der zwischen dem Schankraum und der Enthüllung steht, geschlossen bleibt. Sigourny muss herzhaft lachen. Die Mogbar heizt allen so richtig ein und springt eben vom Tisch, auf den sie während ihrer Darbietung gehoben wurde .. und lässt sich von Dar auffangen. Der verdatterte Zwerg bekommt noch einen Kuss auf die Stirn, ehe Briant davon wirbelt und Gladez und einen weiteren Schleiertanz ankündigt. Wenig später verschwindet Dar dann in seinem Keller, jedoch nicht ohne sich zuvor, herzhaft gähnend, von Sigourny und Tane, der mittlerweile am Tresen Platz genommen hat, zu verabschieden. >Wenn ihr mich braucht, weckt mich!< knarzt er noch, ehe er der Feier den breiten Rücken kehrt.

Die Ankündigung zur Stunde des Jägers die Getränke zum halben Preis abzugeben, beschert dem Pfirsich einen weiteren Schwung Gäste, unter ihnen auch Xilian. Der Kutscher wirft Sigourny einen fragenden Blick zu, doch sie bedeutet ihm, dass alles in Ordnung ist und so landet er, einen Pfirsich im Arm, in einer der Nischen, wo er sich mit dem Mädchen dem Pfirsichpunsch widmet … und im Laufe des Abends wohl auch anderen Dingen. Sigourny ist sich nicht sicher, ob der junge Mann aus freien Stücken hier ist oder ob sein Herr ihn her geschickt hat, um nach dem Rechten zu sehen. Und verdutzt stellt sie fest, dass sie ob einer solch möglichen Beschützer- oder sonst was Aktion nicht einmal sauer wäre. Was macht dieser Seemann nur mit mir? Bei diesem Gedanken kann sie sich ein kleines glückliches Lächeln nicht verkneifen, das aber schnell wieder hinter der Maske der verruchten Wirtin verborgen wird.

Mittlerweile ist kaum mehr ein freier Platz im Schankraum zu finden und auch in den Zimmern herrscht schon Hochbetrieb, sodass zuerst niemand den seltsam ruhigen, aber auch höchst unheimlichen Mann bemerkt, der im hinteren Teil Platz genommen hat und den Tresen nicht aus den Augen lässt. Sigourny hat mit Ysa ihren Platz hinter selbigem getauscht, da sich ihr Knöchel ein wenig bemerkbar macht. Die Pfirsichwirtin sitzt nun auf einem der Hochstühle vor der Theke und unterhält sich mit einigen Gardisten, darunter Doug und die Lady de Winter, die von ihren Kollegen auf ein Getränk in den Gasthof geschleppt wurde. >Ein Punsch noch aber dann geh ich, ich muss morgen früh raus!< erklärt die Gardistin soeben. Die kalten Augen des Beobachters streifen die schwarzhaarige Halbelbe nur beiläufig. Er konzentriert sich auf die blonde Menschenfrau, an deren Knöchel eine Schiene aus edlem Holz, verziert mit einem Kupferkettchen, sitzt. Zu der Geschichte mit dem Reitunfall kann er nur kalt lächeln. Er kennt die Wahrheit, hat ihn doch Madame Grappe geschickt, das Geschehen im Auge zu behalten. Und er kann eins und eins zusammen zählen: Das Flittchen hat ihren Ausflug nicht unbeschadet überstanden. Zu Schade dass sie sich nicht den Hals gebrochen hat. Und was er sieht, ist nicht das, womit seine Herrin gerechnet hat und sie wäre sicherlich nicht erfreut darüber. Wie hat sie gesagt? >Das kleine Miststück sitzt sicher in ihrem Haus wie eine verängstigte Maus, ach ich würde mich nicht wundern, wenn sie den Gasthof verrammelt haben!< Davon ist allerdings nichts zu merken, sie feiern hier ein rauschendes Fest und bei der Menge an Leuten und vor allem auch Gardisten ist kein Herankommen an Sigourny al Mere.

Eben kommt eine der Pfirsiche an seinen Tisch, ein hübsches, zartes Geschöpf mit wiegenden Hüften und gewinnendem Lächeln. Sein kalter Blick gleitet über die Kurven der Frau. Wäre er nicht mit einem Auftrag hier, würde er die Kleine mit nach oben nehmen. Auch wenn sie für seinen Geschmack fast zu zart ist, seine Vorlieben verlangen eher robustere Charaktere. Aber die Frage erübrigt sich, er würde für ein Weibsstück keinen Ärger mit seiner Dienstherrin riskieren. >Was kann ich dir bringen?< flötet das Mädchen. Als sein kalter Blick ihr Gesicht trifft, rinnt ihr der kalte Schauer über den Rücken. Ihr Lächeln verkrampft sich aber Estelle ist professionell genug, sich nichts anmerken zulassen und auch auf den, doch sehr deftig ausfallenden, Klaps aufs Hinterteil nicht zu reagieren. Sigourny aber kann sie nichts vormachen und als Stella zum Tresen zurückkommt, um den bestellten Feuerwein zu holen, hält sie sie zurück. „Alles in Ordnung?“ >Ich weiß nicht, der Kerl da hinten, er … er ist mir unheimlich. Ich hab ein ungutes Gefühl bei ihm …< Unauffällig blickt Sigourny über die Schulter des Mädchens in den hinteren Teil des Pfirsichs. Sie kennt den Mann nicht aber auch ihr schleicht eine Gänsehaut über den Rücken. Seine ganze Aura schreit förmlich Unterstadtschläger, das kann auch die saubere Kleidung nicht verbergen. Sie selbst ist ein Kind der Unterstadt und erkennt solches Gesindel förmlich am Geruch. „Soll Rovan ihn vor die Tür setzen?“ >Warum? Ich meine nur weil er unheimliche Augen hat … und ein wenig fest zugelangt hat. Aber … aber aufs Zimmer nehm‘ ich ihn nicht mit, tut mir leid.< „Musst du nicht. Und den Feuerwein bringt ihm Rhoyneera. Du kümmerst dich um Doug, seine Kollegin ist eben gegangen, idealer Zeitpunkt ihn unauffällig zu übernehmen.“ Stella lächelt ihr dankbar zu und Sigourny winkt die Amazone heran. Rasch hat sie sie über die Angelegenheit informiert und als sie dem unheimlichen Gast den Feuerwein serviert, blickt die Wirtin offen hinüber. Der Mann starrt in ihre Richtung, er scheint zu merken, dass seine Tarnung aufgeflogen ist. Provokant prostet er Sigourny zu, worauf diese nur indigniert eine Augenbraue hochzieht. Auch wenn ihr Herz bis zum Hals klopft, sie lässt sich die aufkommende Angst nicht anmerken. Unauffällig deutet sie mit dem Kopf in Richtung Tür. Verschwinde! heißt das. Sie würde hier keine Szene machen, aber der Kerl muss entfernt werden. Ronan und Guivan nähern sich unauffällig und sollte der ungebetene Gast keinen Ärger wollen, muss er den Pfirsich verlassen. Mit einem eiskalten Lächeln leert er seinen Brandwein und erhebt sich. Wie beiläufig fährt er mit dem Zeigefinger über seine Kehle und deutet dann in ihre Richtung. Dann verneigt er sich leicht und verlässt unter den wachsamen Augen der Türsteher den Raum.

Der ganze Vorfall hat nur knapp einen halben Glockenschlag gedauert, aber Sigourny ist, als wären Stunden vergangen. Unauffällig sieht sie sich um. Keiner der anderen Gäste hat etwas bemerkt, die Feier ist im vollen Gange. Langsam beruhigt sich ihr Herzschlag wieder. Sie ist hier in Sicherheit, und sie würde hier bleiben, bis sie mit Shalhor gesprochen hat, ihm nicht nur von dem Geschenk sondern auch von jener subtilen Drohung eben berichten. >Hey Sigourny, trinkst du einen mit mir?< Einer ihrer Stammgäste reißt sie aus ihren Gedanken und sie ist dankbar dafür. Die restliche Nacht feiert sie mit ihren Leuten und Gästen und schiebt das leise Gefühl der Angst ganz weit nach hinten, so wie sie es immer getan hat.

*Die Streuner, Wein, Weib und Gesang
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Sunday, August 4th 2019, 6:41pm

Die Feier geht bis zur Stunde des Diebes und bis endlich alle Gäste den Pfirsich verlassen, Fenster und Türen verschlossen, alle Feuer gelöscht und das nötigste aufgeräumt ist, ist die Stunde der Gefangenen bereits angebrochen. Sigourny fällt wie ein Stein ins Bett, gerade dass sie es noch geschafft hat, sich aus ihren Kleidern zu schälen (die in einem einzigen, chaotischen Haufen auf dem Boden landen), die Schiene und die Haare zu lösen. Der ganze Tag war wieder einmal ein einziges emotionales Auf und Ab gewesen, die Freude, ihre Leute wieder zusehen auf der einen, die beängstigenden Drohungen der Grappe auf der anderen Seite. Die Feier mit ihren Stammgästen war ein voller Erfolg gewesen, aber dieser unheimliche Kerl hatte ihrer Stimmung einen gehörigen Dämpfer verpasst. Ich hoffe, die Feierlichkeiten zu Kayas Ehrentag sind so verlaufen, wie Shalhor es sich erhofft hat, sind ihre letzten Gedanken, bevor sie einschläft. Doch trotz der Müdigkeit bleiben die Träume nicht fern. Ob es daran liegt, dass sie in dieser Nacht allein ist oder daran, dass ihr die Gegenwart der Grappe an diesem Tag so abrupt und deutlich wieder in Erinnerung gerufen worden ist, vielleicht auch beides, auf jeden Fall treffen sie ihre Alpträume wieder mit voller Gewalt, sobald sie eingeschlafen ist. Was genau alles durch ihre Gedanken wirbelt, weiß sie beim Aufwachen nicht mehr, aber ein Bild hat sich in ihre Erinnerungen eingebrannt. Sie sieht sich selbst von oben, wie sie auf einem Bett aus Pfirsichen liegt, eine schwarze Orchidee in den Händen. Sie ist tot, zieht sich doch ein Schnitt über ihren Hals und neben ihr liegt der Dolch mit dem rubinroten Stein. Rund um sie schleichen Ratten, riesen Viecher mit Schaum vorm Maul. Und aus den hallenden Unendlichkeiten klingt das kreischend, höhnische Lachen der Grappe.

Schweißgebadet schreckt Sigourny hoch. Ihr Herz klopft ihr bis zum Hals und im ersten Moment weiß sie nicht, wo sie eigentlich ist. Vor dem Fenster ist es noch dunkel und kein Geräusch dringt von der Straße nach oben. Noch ist die Stunde des Morgenrots nicht angebrochen. Sigourny atmet tief durch. Sie hat nur wenige Stunden geschlafen und stöhnend fährt sie sich übers Gesicht. Es war nur ein Traum, tief durchatmen. Nur ein verdammter, verfluchter Traum! redet sie sich ein. Und dennoch kann sie nicht wieder einschlafen und wälzt sich hin und her. Erst kurz bevor die Stunde des Fischers anbricht, nickt sie ein. Doch auch das ist nicht von langer Dauer und es fühlt sich an, als wären es nur Minuten gewesen, als sie wieder hoch schreckt. Es hat keinen Sinn! So quält sie sich aus der Bettstatt und spritzt sich kaltes Wasser aus der Waschschüssel ins Gesicht. Sie würde sich mit Cofea über den Tag retten, irgendwie. Den Ersten will sie sich gleich holen, dabei nach dem Rechten in Schankraum und Küche sehen und dann nach Möglichkeit ein heißes Bad nehmen. Während sie sich ankleidet, fällt ihr Blick auf ihr Spiegelbild. Na toll, du siehst wirklich bescheiden aus! Müde streckt sie sich selbst die Zunge heraus und versucht mit Puder die dunklen Ringe unter den Augen zu vertuschen. Einige Farbschichten später ist das auch halbwegs gelungen und so geht sie nach unten. Als sie in der Höhe des ersten Stocks ist, hört sie die Hintertüre zum Hof klappern. Entweder ist Perrin in den Stall gegangen oder irgendjemand hat sich schon zum Markt aufgemacht. Wäre nicht verwunderlich, immerhin war am Vorabend auch in der Küche einiges verbraucht worden.

Als sie selbige betritt, ist diese tatsächlich leer. In der Speisekammer rumort es, was bedeutet, dass Annest oder Maddie mit Sicherheit schon auf den Beinen ist. Am hinteren Ofen blubbert ihr heiß geliebter Cofea vor sich hin und da sie beim besten Willen nicht warten will, schenkt sie sich selbst einen Becher ein. Gerade will sie sich dem Eichentisch zuwenden, um sich zumindest pro forma zum Frühstück zu setzen, als ihr ein eigenwilliger Geruch in die Nase steigt. Misstrauisch schnuppert sie. Was bei allen Göttern ist das? Und als sie dem Geruch nachgeht und die Ursache findet, glaubt sie ihren Augen nicht zu trauen: einige Töpfchen mit Sahne, der aber etwas anders beigemengt sein muss, riecht es doch irgendwie … nach Baldrian? Sie kann es sich beim besten Willen nicht erklären. Aber da ploppt es einige Male hintereinander und eine krähende Koboldstimme schreit in einer für diese Stunde absolut unerträglichen Lautstärke: >Ay, Annest ist die nächste Töpfchenfuhre fertig? Meine Brüder und ich sind bereit für einen weiteren Ausflug in d…Oh!< Sigourny sieht sich vier Kobolden gegenüber, die frappierende Ähnlichkeit mit Dobesto haben. Und die so aussehen, als würden sie sich am liebsten in Luft auflösen, da sie mit der Hand in der Keksdose erwischt wurden. „Euch auch einen guten Morgen! Ausflug wohin? Und mit welchen Töpfchen?“ >Ähm …. Äh … also ….< Die Stimmen sind mit einem Mal um einiges leiser und die Kobolde sehen sich an, als hoffen sie, dass irgendeiner von ihnen eine brauchbare Erklärung hat. „Ich warte!“ Hinter den Übeltätern ist das Klappen der Küchentür zu hören.
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145

Sunday, August 4th 2019, 8:49pm

Die zweite Stunde des Tages ist angebrochen und Dar, erstaunlich erfrischt, ist schon seit einer Weile auf den Beinen. Perrin hat er bereits mit dem Dach geholfen, die Stallbox ist ausgemistet, Perrin würde über den Tag neues Stroh darin auslegen und die gute Olett steht schon fertig angeschirrt vor dem Einachser, einen Hafersack vor dem Maul, sodass Dar nun auch noch kurz selbst einen Frühstückshappen zu sich nehmen kann, ehe es wieder zum Unterricht geht. Doch, der Zwerg ist noch keine zwei Schritte an die Küchentür heran getreten, als er sein Frühstück – zumindest eines hier im Pfirsich – für sich abgeschrieben sieht. >Ausflug wohin? Und mit welchen Töpfchen?< … >Ähm …. Äh … also ….< Dar, die Tür ursprünglich hinter sich schon wieder zuziehen wollend, öffnet sie nunmehr weit genug, den vier fleißigen Helfern in der Baldrianverschwörung einen Ausweg parat zu halten. >Ich warte!< Sich selbst jetzt noch, ob ihrer Reaktion auf Grappes fortgesetzte Bösartigkeiten nichts weiter denkend, erkennt Dar im Blick Sigournys – der einem gestandenen Hrakkatvarr zur Ehre glatt gereicht hätte, und der Reaktion der Kobolde, das Sigourny das gleich – und vermutlich recht lautstark wohl – anders sehen würde. „Es war meine Idee, zuallererst. Vielleicht sollte ich dir deine Frage darum am besten beantworten, Sigourny. Und Leute?“ Die Kobolde, die ihn eben noch wie den ersehnten über die Wasser heranschreitenden Erretter angesehen hatten, und gerade an ihm vorüber durch die offen gelassene Tür verschwinden wollten, verharren. „Wartet doch bitte draußen, bis Sigourny entschieden hat, was weiter geschehen soll.“

Vergessen ist darauf der dankbare Blick, als die vier die Tür zum Flur hinter sich ins Schloss ziehen. So beeindruckend Sigourny momentanes Auftreten auch ist und so wenig er seine letzte lautstarke Auseinandersetzung mit der Pfirsichwirtin zu vergessen vermag, scheint der Fro'gar nichtsdestotrotz die Ruhe selbst, als er ihr mit einer Geste rät platz zu nehmen und selbst auch ihr gegenüber dann sich am Tisch nieder lässt. „Ich weiß nicht, wie informiert du bist, weshalb ich einfach mal von vorne beginne.“ Und mit einer ruhigen knarzenden Stimme berichtet Dar von der fortgesetzt Provokation der Grappe mit dem Eislaufplatz, den darin eingelegten Pfirsichen und der schwarzen Orchidee. Ohne die Reaktionen Sigournys in geringster Weise einer Reaktion zu würdigen, sei es ihr Erbleichen ob der Erwähnung der schwarzen Blüte, sei es ihre Verärgerung ob der von ihren Untergebenen unternommenen Eigenmächtigkeiten, fährt Dar ruhig fort, wartet etwaige Ausbrüche Sigournys schweigend ab und fährt dann fort, als sei nichts geschehen. Einzig sein wieder leicht fiebrig wirkender Blick, den er während des Berichtens unstet durch die Küche wandern lässt, zeugt von dem, was unter der oberflächlichen Gelassenheit tatsächlich brodeln mag. „Wir, deren Gesichter dort unten bekannt und gesucht sein mögen, sind der Unterstadt also drum fern geblieben und soweit ich die Freunde Dobestos verstanden habe, ist denen dort unten noch immer nicht klar, was es mit den tollen Katzen wirklich auf sich hat.“

Kurz streift Dars Blick Sigourny, ehe er weiter sprechend wieder die Küche unstet abzusuchen scheint. „Als die Grappe, erst mit dem Ale, dann mit der Eisbahn, nicht nur Euch, sondern auch alle Gäste des Pfirsichs in Gefahr brachte und von alleine nicht aufhörte, haben wir entschieden, sie … abzulenken. Es war meine Idee und wenn ich dafür gehen muss, dann sei es. Aber … wenn man sich Unholden nicht in den Weg stellt, machen sie weiter, hören sie nicht auf und nehmen auch auf … wie ist das Wort Kolloralat-Schaden? … also Schaden an Dritten keine Rücksicht. Darum haben die Kobolde – auf meine Idee hin – dafür gesorgt, das die Katzen der Unterstadt wie toll und mit Schaum vor dem Mund um die Orchidee streifen.“ Nun endlich, da alles gesagt ist, sinken des Zwergen Schultern an seinen Seiten herab, hört sein Blick auf, die Küche zu durchstreifen um nun vielmehr fasziniert eine Brandstelle auf der Tischplatte vor ihm zu betrachten, ehe er trotzig den Blick hebt und Sigourny nun endlich fixiert, ihre Reaktion zu lesen und ihre Entscheidung anzuhören, was weiter nun mit ihm geschehen soll (oder schlimmstenfalls in seiner Funktion als Heiler einen erneuten Schock der Pfirsichwirtin, ob des soeben vernommenen, zu behandeln).
“Siehst du einen Riesen, so prüfe den Stand der Sonne und gib acht, ob es nicht der Schatten eines Zwerges ist.”

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Monday, August 5th 2019, 8:59pm

Der Fro’gar scheint aus den letzten Auseinandersetzungen mit ihr gelernt zu haben, denn diesmal bedient er sich ihrer Taktik: Lass den anderen erst zu Wort kommen, wenn du dein Pulver verschossen und dein Gegenüber am besten in Grund und Boden geredet hast. Tane hat ihr zwar schon von der Eissauerei und den eingefrorenen Geschenken berichtet aber erst jetzt, als sie die Geschichte aus Dars Mund, der ja mitten auf der Eisfläche gelegen und sich somit im Zentrum des Schlamassels befunden hatte, hört, wird ihr klar, was da eigentlich passiert ist. Hätte sich einer der Gäste ernsthaft verletzt, wäre ihr Ruf ruiniert gewesen. Ein Unfall, wie die Sache mit dem Ale, kann ein Gasthof gerade noch verkraften aber mehrere, und dazu noch innerhalb so kurzer Zeit, würden ihr geschäftlich das Genick brechen.

Als Dar ihr aber erzählt, was es mit den Sahnebaldriantöpfchen auf sich hat, würde sie dem Zwerg am liebsten den Hals umdrehen. Auch wenn er ihr erklärt, dass und wie vorsichtig sie gewesen waren, beim Gedanken daran, was da alles schief hätte gehen, wird ihr ganz schlecht. Um nicht irgendetwas zu sagen, was ihr nachher Leid tut, nimmt sie einen großen Schluck Cofea. Verflucht! Sie ist sauer ob der Unbesonnenheit ihrer Leute aber sie versteht Dar auch. War sie nicht selbst Hals über Kopf in die Unterstadt gestürmt, um sich für das vergiftete Ale zu revanchieren? Für einen Moment schießt ihr durch den Kopf, dass sich Shalhor wohl so ähnlich gefühlt haben muss, als er sie von dort untern raus geholt hat …und Tane und dem Zwerg war es wohl kaum viel anders gegangen. > wenn man sich Unholden nicht in den Weg stellt, machen sie weiter, hören sie nicht auf und nehmen auch auf … wie ist das Wort Kolloralat-Schaden? … also Schaden an Dritten keine Rücksicht.< In der folgenden Stille starren sie beide auf den Brandfleck, der ihr zuvor noch nie so aufgefallen ist. „Ich verstehe dich, euch nur zu gut. Aber … verdammt Dar, ist dir bewusst was das für ein Risiko war? Vor allem da ihr mehrmals da runter seid, wenn ich dich richtig verstanden habe. Auch wenn sie euch damit nicht in Verbindung gebracht haben, sie jagen die vermeintlich tollen Katzen und Ratten und wenn sie dabei über die Kobolde stolpern …. Der heutige Ausflug ist gestrichen. Kann ich mich darauf verlassen?“ Dar nickt kurz, lässt sie dabei aber, wie schon während ihrer gesamten Rede nicht aus den Augen.

„Du… ihr …nicht mal Tane bis ins letzte Detail … habt eine Ahnung, wie es da unten wirklich zugeht. Zu was die Leute dort fähig sind. Ein Leben bedeutet nichts, das hast du doch gesehen. Aber ich geb‘ dir recht: So kann es nicht weiter gehen! Heute Abend kommt Shalhor her, dann erzähl ich ihm, was gestern passiert ist. Und … und dann werden wir uns etwas überlegen, wie wir das alles beenden können. Ein für alle Mal.“
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Monday, August 5th 2019, 10:38pm

>… Der heutige Ausflug ist gestrichen. Kann ich mich darauf verlassen?< Dar legt den Kopf schief und es ist offensichtlich, das er einen Augenblick lang auf … m e h r wartet. Dann, den Kopf wieder aufrichtend nickt Dar. „Aye!“ Dann fährt Sigourny fort. >Du… ihr …nicht mal Tane bis ins letzte Detail … habt eine Ahnung, wie es da unten wirklich zugeht. Zu was die Leute dort fähig sind. Ein Leben bedeutet nichts, das hast du doch gesehen< und den Kopf wieder schief legend, sieht er sich dann doch noch zu einer weiteren Richtigstellung, ihn betreffend, genötigt: „Ich habe tatsächlich nicht den blassesten Schimmer, was dort unten vor sich geht, kenne ich die Tasala- Pardon Heimtücke von euch Oberflächenbewohnern tatsächlich nicht im Mindesten, erstaunt ihr mich selbst mit eurem alltäglichsten Verhalten noch immer und immer wieder! Aber hast du auch nur einen Herzschlag lang daran gedacht, wo ich herkomme? Das was du Unterstadt nennst, fühlt sich für mich im Vergleich zum, wie sagt ihr hier oben noch gleich dazu?, zum Vorhof zu den neun Höllen immer noch wie die Oberfläche an. Ich kenne diese Welt hier oben nicht, nenne sie weder vertraut, noch ein Zuhause und erkenne viele Gefahren hier oben nicht! Aber Sil …“ Hier zögert der Fro'gar kurz und ein bitterer Zug legt sich für einen Augenblick unverkennbar über seine Züge! „… ich wurde geschaffen, in der einen oder anderen Weise wider die Dämonen selbst anzustehen und auch wenn ich darin versagt habe und verstoßen wurde, noch ehe ich mich habe bewähren können, habe ich keinen Moment gezögert, mich dem Schrecken der Oberwelt zu stellen um meine Schmach zu tilgen, auf das ich zu meinen Brüdern zurückkehren und an Ihrer Seite wider die verruchten Lotha, die Dämonenbrut des Namenlosen anstehen und kämpfen und, aller Wahrscheinlichkeit nach, dabei sterben werde – ehrenvoll, so“ wieder unterbricht Dar, mit einem bitteren Zug um seine Lippen seine Rede, ehe er erneut fortfährt: „… so Sil will!“ Dar blickt Sigourny ernst an. „Ich bin jung und unerfahren, selbst nach den Maßstäben eurer kurzlebigen Art. Auch kenne ich die Oberwelt nicht und mag die offensichtlichsten Gefahren darum nicht erkennen, selbst hier in der Oberstadt. Aber Sigourny, ich bin nur zu einem einzigen Zweck geschaffen, sieht man von jenem ab, Sil zu gefallen: Ich bin geschaffen, wider Dämonen zu stehen und sie mit aller meiner Macht niederzukämpfen. Glaubst du ernsthaft, das ich nicht von meinem ersten Atemzug an, auf den Tod vorbereitet wurde? Glaubst du, das wenn ich nicht einmal wider die Grappe und die Ihren anzustehen l e r n e , dass ich dann je gegen Dämonen werde bestehen können? Denn wenn ich das nicht vermag, dann hat meine Existenz auf Roha keine, hörst du? … absolut k e i n e Berechtigung!“

Dar erhebt sich und deutet eine förmliche Verbeugung vor Sigourny an. „Ich danke dir tausendfach, das du mich den Wert von Gemeinschaft, Zusammenhalt und auch Vertrauen lehrtest. Das ich aus Sorge darüber, was du hättest tun können, hättest du gleich zu Beginn von Grappes letzten Bosheiten gehört, gut hieß, zu verschweigen, was wir als Reaktion planten, das daure ich! Doch, wenn du mich vor der Bosheit der Welt zu beschützen versuchst, beschützt du mich damit auch vor meiner Bestimmung eben dagegen anzugehen. Bitte Sigourny, wenn du dich auch nur im Mindesten um mich sorgst, versuche mich nicht vor dem Bösen zu bewahren, sondern lehre mich vielmehr, wie ich dagegen bestehen kann! Grappe und die Unterstadt insgesamt ist gefährlich und tödlich und zwar in einer Weise, die ich als Fremder gar nicht begreifen k a n n ? Dann, b i t t e … lehre mich deren Natur, deren Schwächen und Stärken zu erkennen, auf das ich dieser Gefahr zu begegnen vermag. Denn mein von Sil mir bestimmtes Schicksal“ – wieder trieft des Fro'gars Stimme vor Bitterkeit – „ist der Kampf wider das Böse, das Dämonisch und aller Wahrscheinlichkeit nach der Tod! Hilf mir bitte zu lernen möglichst lange allen Widrigkeiten zum Trotz zu überleben, auf das ich möglichst spät und hoffentlich wenigstens ehrenvoll zu sterben vermag, statt sinn- und bedeutungslos bloß zu leben.“ Mit sehr ruhiger und langsamer Stimme hat Dar diesen, für seine Verhältnisse ausgesprochen langen, Monolog vorgetragen, erkennbar bemüht, das Sigourny wirklich versteht, was er ihr soeben zu erklären versuchte. „Wenn Du erlaubst, werde ich die Kobolde nun bitten, von weiteren Aktionen abzusehen, außer wir alle beschließen gemeinsam Weiteres. Danach, wenn du erlaubst, möchte ich mich zum Faêyris-Tempel begeben, mein Studium der Heilkünste dort fortzusetzen. Danach, sollte ich gebraucht werden, werde ich für ein, vielleicht zwei Stunden im Sitech-Tempel meditieren. Seit der Verlorene mich – mit Mitteln, die Grappes Grausamkeiten übrigens vermutlich gleichfalls bei Weitem übersteigen – in Sarurniers Arme getrieben hat, zieht es mich zu dessen Schrein dort, die mir von Ketell, meiner Lehrerin in den Heilkünsten verordneten Meditationsübungen zur Festigung meines Geistes zu absolvieren. So dass ich vermutlich erst zur Stunde des Jägers hier eintreffen werde – wenn das Shalhor und dir nicht zu spät bereits ist?“
“Siehst du einen Riesen, so prüfe den Stand der Sonne und gib acht, ob es nicht der Schatten eines Zwerges ist.”

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148

Tuesday, August 6th 2019, 2:12pm

Sigourny kennt sich mit der Herkunft und Kultur der Zwerge so wenig aus wie mit den fremden Ländern, von denen Shalhor ihr erzählt hat. Was sie aber aus Dars flammender Rede heraushört, ist, dass sich sein Volk dem Kampf gegen die dunklen Mächte verschrieben hat. Und dass es in seinem Leben etwas gegeben haben muss, was zu seiner Verbannung geführt hat, was aber nichts an der Tatsache geändert hat, dass er gegen Dämonen und sonstiges Gesocks bereit ist zu kämpfen. Ihr dämmert, dass er, ebenso wie auch sie, Geheimnisse hat, die er leichtfertig nicht preisgeben würde. An den meisten anderen Tagen wäre es nie so weit gekommen, dass der Fro’gar eine solch flammende Rede hätte halten können, vielmehr hätte sie ihn bereits zuvor zur Schnecke gemacht ob der Eigenmächtigkeit der Revanche Aktion in der Unterstadt. Aber es ist kein Tag wie jeder andere: Sie ist müde, in gewisser Weise apathisch ob der Träume der letzten Nacht und die vergangenen Tage fühlen sich so weit weg an wie ein schöner Traum, aus dem man unerwartet und unsanft geweckt wurde. Auch merkt sie, dass ihr Zorn auf ihn und seine Helfer, denn sie ist sich sicher, dass zumindest Tane und Briant Bescheid wussten, bereits wieder verblasst und einer Resignation Platz macht, die sich zu ihrer Wut auf die Grappe gesellt. Resignation insofern, dass sie sich eingestehen muss, dass sie nicht mehr abgeneigt ist, mit Shalhors Unterstützung in der Unterstadt aufzuräumen, entgegen all ihrer Vorsätze, keine Unschuldigen hinein zu ziehen oder zu gefährden. Ich will aber keine Kollateralschäden, es muss doch eine andere Lösung geben!

Das Scharren der Stuhlbeine reißt sie aus ihren Gedanken. Dar hat sich erhoben und seine Bitte, ihm zu zeigen, wie er auf Rohas Weiten im Kampf gegen das Böse überleben kann, entlockt ihr beinahe ein freudloses Lachen. Oja, sie weiß nur zu gut wie man überlebt aber würde sie jemandem zumuten, so zu leben? Sich immer umzusehen, immer auf der Hut zu sein? >Glaubst du, das wenn ich nicht einmal wider die Grappe und die Ihren anzustehen l e r n e , dass ich dann je gegen Dämonen werde bestehen können? Denn wenn ich das nicht vermag, dann hat meine Existenz auf Roha keine, hörst du? … absolut k e i n e Berechtigung!< Aber hat sie das Recht, ihm sein Leben vorzuschreiben? >Hilf mir bitte zu lernen möglichst lange allen Widrigkeiten zum Trotz zu überleben, auf das ich möglichst spät und hoffentlich wenigstens ehrenvoll zu sterben vermag, statt sinn- und bedeutungslos bloß zu leben.< War es nicht auch ihr Ziel gewesen, mehr zu tun als zu überleben, nämlich mit einem Sinn zu leben?

Erst nach einigen Momenten bemerkt Sigourny, dass Dar geendet hat und sie ansieht, als würde er auf Antworten warten. „Ich kann dir nicht sagen, wie du gegen Dämonen oder deren Anhänger überlebst. Meine einzige Begegnung mit dunkler Magie ging ziemlich schief und ich halte mich davon so fern wie irgend möglich. Aber ich kann dir helfen, in der … wie nennst du es? …. Oberwelt zu überleben. Und ich kann dir wohl besser als jeder andere hier und viele in Talyra sagen, wie du einen Mörder von einer gescheiterten, doch harmlosen Kreatur unterscheiden kannst, einen einfachen Beutelschneider, der es nur tut, um seine Kinder zu ernähren von einem skrupellosen Räuber, der auch vor Gewalt nicht zurückschreckt. Ich kann dir vielleicht auch sagen, was es braucht, dich selbst nicht zu verlieren, in all dem Kampf dein Herz nicht versteinern zu lassen. Was ich dir nicht beibringen kann, denn das muss jeder selbst herausfinden, was es bedarf, um auch zu Leben. Überleben ist eines aber wirklich leben …. Das ist etwas Anderes. Und das muss ich auch erst lernen, zu einem Teil. Und es bedeutet auch für jeden etwas Anderes.“ Nachdenklich nimmt sie einen weiteren Schluck des mittlerweile kalten Cofeas. „Was deine Pläne für den Tag angehen: Ist in Ordnung, auch die Stunde des Jägers. Shalhor wird wohl schon etwas früher herkommen aber ich muss ihn sowieso erst über das ‚Geschenk‘ in Kenntnis setzen. Immerhin wurde es vor seinem Anwesen abgelegt und betrifft ihn daher mindestens genauso.“ Von dem unheimlichen Gast in der vergangenen Nacht sagt sie Dar noch nichts, er würde es früh genug erfahren und sie traut dem Zwerg zu, seine Studien deswegen an diesem Tag erneut ausfallen zu lassen. Und diese Studien sind es ihrer Meinung nach, die ihm neben der Berufung zum Kampf gegen das Böse, welche wie eine Flamme in ihm zu brennen scheint, einen Lebenssinn geben. „Und ja, bitte sag den Kobolden, dass ihre Abenteuer bis auf weiteres vorbei sind …. Wir sie aber vielleicht noch brauchen, sofern sie bereit sind, noch einmal zu helfen.“
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Sigourny

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149

Saturday, August 10th 2019, 5:18pm

Als sich die Tür hinter Dar mit einem ‚Klack‘ schließt, bleibt Sigourny sitzen und starrt vor sich hin. In ihren müden Gehirnwindungen schwirren die Gedanken. Sie hat jedes Wort, das sie Dar über Leben und Überleben gesagt hat, ernst gemeint. Dabei ist sie sich aber nur zu deutlich bewusst, dass sie zwar gut darin ist, Ratschläge zu verteilen, sich selbst aber kaum an ihre eigenen Weisheiten hält. Der Cofea ist mittlerweile kalt, wie sie mit angewidert kraus gezogenem Näschen feststellt und eben will sie aufstehen, um ihn weg zu kippen und sich einen Neuen zu holen, als Tasha hereinrauscht. >Guten Morgen!< trällert der Edelpfirsich. >Bleib sitzen, ich bring dir einen Frischen!< Mit diesen Worten schnappt sie sich Sigournys Becher und marschiert zur hinteren Feuerstelle. >Und, willst du mir etwas erzählen? Über … die letzten Tage.< Verschwörerisch zwinkert sie ihr zu. Im ersten Moment war die Wirtin zusammen gezuckt, aber dann wird ihr rasch klar dass es nicht um die Grappe geht sondern um ihren Aufenthalt auf Taresnar … und um Shalhor. Mit einem Lächeln lässt sich Tasha auf den Stuhl ihr gegenüber plumpsen und schiebt den frischen Cofea über den Tisch. >Ich will alles wissen, und damit mein ich alles. Und sag jetzt nicht, da war nichts, ich hab Augen im Kopf. Hab doch gesehen, wie das Spitzohr dich in den letzten Siebentagen angesehen hat.< Tasha und ihre verdammte Neugierde. Die nach außen hin so kühl wirkende Blondine hat es faustdick hinter den Ohren. Und sie ist verdammt hartnäckig. Um ein wenig Zeit zu gewinnen, nimmt Sigourny einen Schluck, ist sich dabei aber sehr wohl bewusst, dass ihr Gegenüber sie nicht aus den Augen lässt. Irgendetwas in ihr will die aufkommende Beziehung zwischen ihrem Seemann und ihr wie einen Schatz hüten, vor Roha verstecken, dass niemand etwas davon zerstören kann. Verdammter Nargendreck, was ist los mit dir? Das sind deine Leute, das ist … das was einer Familie am nächsten kommt. Und Tane weiß ohnehin Bescheid also … „Shalhor und ich … wir, wir werden es versuchen, zusammen, ich meine wir … wir wollen sehen, wohin es führt aber … aber wir sind einander zugetan, dass stimmt!“ Bei diesen Worten überzieht eine feine Röte ihr Gesicht. Mit einem wissenden Grinsen nimmt Tasha einen weiteren Schluck, sagt aber nichts dazu außer >Freut mich für dich!< Dann springt sie auf. >Ich muss das Wintergemach auf Vordermann bringen, ging gestern heiß her!< Der Becher landet in der Spüle, dann verlässt der blonde Wirbelwind die Küche.

Das kurze Gespräch hat Sigourny für einige Momente von der Grappe und dem ganzen Wahnsinn mit der Unterstadt abgelenkt. Doch nun, da sie wieder allein ist, kommt alles wieder zurück. Eigentlich hat sie sich ja vorgenommen, ein Bad zu nehmen aber nun will sie eigentlich nur etwas tun, sich auf andere Gedanken bringen, trotz der Müdigkeit arbeiten, um ihren Frust zu kanalisieren. Die Geschäftsunterlagen sind auf Taresnar, außerdem bezweifelt sie, dass sie sich jetzt darauf konzentrieren kann. Als sie den, diesmal leeren, Becher wegstellt, fällt ihr Blick auf eines der Sahneminze Töpfchen. Was für eine Schnapsidee! Einem kurzen Wutimpuls nachgebend pfeffert sie das Gefäß auf den Boden, nur um sich im selben Moment zu schämen. Den Göttern sei Dank überlebt der tönerne Topf die unsanfte Behandlung und nur einige Tropfen des Inhalts haben sich am Boden verteilt. Beschämt wischt sie diese auf, ehe Annest etwas bemerken kann. Aufräumen … ja das wäre etwas, um sich zu beschäftigen und gleichzeitig etwas Nützliches zu tun. Ihren Räumen würde es nicht schaden, aber das erscheint ihr nicht nützlich genug. Der Schankraum! Nach gestern haben sie nur das Notwendigste getan, und so macht sie sich daran, diesen wieder betriebsbereit zu machen.

Der Boden ist bereits gekehrt und die Tische sind gewischt, aber hinter dem Tresen finden sich noch einige, eilig weg gestellte Flaschen und auch so findet sich dort noch einiges zu tun. Auch einige Teile der Juldekoration müssen gerichtet werden, Schleifen neu gebunden, Ästchen gerade gerückt und ersetzt werden. Da jedoch die Reinigung der Zimmer und das Spülen des Geschirrs Vorrang hat, bevor das heutige Geschäft losgehen kann, sind die Mädchen alle anderwärtig beschäftigt und der Schankraum ist leer. Sigourny ist das gar nicht so unrecht, muss sie so keine Fassade aufrecht erhalten, niemandem etwas vormachen und kann in Ruhe ihren Gedanken nachhängen. Eben bindet sie eine der Schleifen neben der Eingangstür neu und versteckt dabei einen Fleck, den wohl verschütteter Wein darauf hinterlassen hat, als es an der Tür klopft. „Wir haben noch geschlossen, kommt zur Stunde der Zunft wieder!“ Doch der Besucher lässt sich nicht abhalten und erneut schlägt eine Faust gegen das Holz, merklich ungeduldiger bereits. Sigourny seufzt. Wenn da einer schon des Morgens betrunken ist, kann das ja ein heiterer Tag werden. Vorsorglich tastet sie nach dem Messer an ihrem Oberschenkelgurt, trägt sie doch heute wieder einen ihrer speziell angefertigten Röcke mit den Eingriffsschlitzen. Dann öffnet sie die Tür, bereit, den ungebetenen Gast mehr oder weniger freundlich des Weges zu weisen. Aber als sie den Schlüssel umdreht und die Tür öffnet, ist da niemand. Aber etwas ist da, etwas, dass ihr einen eiskalten Schauer über den Rücken rinnen lässt: eine weitere Ratte mit einer weiteren Nachricht am Schwanz.

Wenn du deine kleine Küchengöre heil wieder haben willst, komm in einem halben Glockenschlag in die kleine Sackgasse am Marktplatz, wo an der Ecke die verlassene Glasbläserei ist. Komm allein, oder sie ist tot!

Sigournys Hände zittern. Maddie, es war Maddie, die bereits früh den Pfirsich verlassen hat und die nun allem Anschein nach in die Hände ihrer Feindin gefallen ist. Für einen kurzen Moment kommt ihr in den Sinn, dass es eine Falle sein könnte. Aber das Risiko kann und will sie nicht eingehen. Auch kann sie nicht riskieren, jemanden mitzunehmen. Vor ihrem inneren Auge sieht sie den unheimlichen Gast von gestern und seine Geste: Finger über die Kehle gezogen, dass versteht jeder! Nein, sie muss Maddie allein zurückholen, irgendwie. Verdammte Unterstadtschlampe! Vor Zorn und Verzweiflung fährt sie mit der Hand über den Tresen, dass die leeren Flaschen fliegen und in tausend Scherben am Boden zerschellen. Doch im Gegensatz zu ihrem Ausbruch in der Küche hat sie keinen Moment ein schlechtes Gewissen sondern stürmt die Treppen so schnell ihr Fuß es erlaubt nach oben in ihr Schlafgemach. Erneut fliegen die Teile aus der kleinen Truhe, gefolgt vom Zwischenboden. Dort liegen zwei weitere, gut bestückte Messerscheiden. Je eine davon kommt an den rechten beziehungsweise linken Oberarm. Die Halbschuhe tauscht sie gegen Stiefel, steckt die Haare mit den zugespitzten Nadeln hoch, wirft sich einen Umhang um die Schultern und stürmt wieder nach unten. Das Ganze hat nur wenige Minuten gedauert, doch jede davon erscheint ihr wie eine Ewigkeit. Seltsamerweise hat niemand auf den Lärm der zerbrechenden Glasflaschen reagiert und so ist der Schankraum nach wie vor leer. Unter ihren Stiefeln knirschen die Scherben. Sie schenkt dem keine Beachtung, ihre Gedanken sind auf Maddie und das kommende fixiert. Sie nimmt sich nicht einmal Zeit, die Tür wieder zu versperren.

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Briant

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Wednesday, September 25th 2019, 11:54am

Briant bugsiert mit einem undamenhaften Schnaufen einen weiteren Korb voll schmutziger Wäsche in den Waschkeller. Sigournys Idee, am vorigen Abend in den Vorjul zu feiern, war an sich ja nicht schlecht gewesen aber wieder einmal wünscht sich die Mogbar, dass die Hausherrin etwas weniger spontan wäre. Ein oder zwei Tage Planung hätte es erleichtert, auch was die heutigen Aufräumarbeiten angeht. Das Laken, das sie eben aus einem der Zimmer gefischt hat, wird wohl kaum mehr zu retten sein, eher wird es wohl eine zweite Karriere als Putzfetzen antreten dürfen. Aber bei allen Göttern, welcher Kerl kommt auch auf die Idee, sich im Lager mit Honig, Fruchtmark und Nüssen zu vergnügen? Sie kann nur hoffen, dass der beteiligte Pfirsich einige Münzen draufgeschlagen hat. Sie würde mit Sigourny oder vielleicht auch gleich mit den Mädchen reden müssen, solche Torheiten sein zu lassen oder sie sich zumindest ordentlich bezahlen zu lassen. Sonst haben wir bald keine Laken mehr, wenn das in Mode kommt! Außerdem war in einem anderen Zimmer das Bett zu Bruch gegangen, zwei Zwerge und die Amazone waren dem Möbelstück dann doch zu viel geworden. Aber vielleicht konnte Ronan das wieder reparieren, der Türsteher war in solchen Dingen recht geschickt.

Von irgendwo dringt das Schlagen einer Tür an ihr Ohr, doch Briant misst dem keine Bedeutung zu. An so einem geschäftigen Morgen knallt schnell mal eine Tür, wenn jemand, die Hände voller irgendwas, eine Tür mit dem Fuß oder einem anderen Körperteil zustößt oder der Wind diese Aufgabe übernimmt. Angewidert schenkt sie der Honig-Fruchtmark-Nuß-Sauerei noch einen letzten Blick und will sich eben erneut nach oben begeben, um ein weiteres Zimmer wieder herzurichten, als Beth hinter ihr erscheint. >Hast du eine Ahnung, wo Sigourny steckt? Dieser dreimal verdammte Bierbrauer will keinen Deut nachgeben, was die Bezahlung des verdorbenen Ales angeht. Und außerdem will er uns nicht mehr beliefern, meinte wir sind schuld, dass sein Ruf leidet!< Briant flucht innerlich. Sicher, ihre Großmutter hatte ihr zwar Lorcan als neuen Bierbrauer genannt, aber hätte der junge Mogbar schon die Kapazitäten, ein so großes Haus wie den Pfirsich zu beliefern? Noch etwas dass sie mit der Hausherrin besprechen musste. „Ich schau mal in ihren Räumen nach, vielleicht hat sie sich noch mal hingelegt. Sie hat heute früh doch etwas erledigt ausgesehen. Geh du mal im Schankraum nachsehen.“ Beth nickt und Briant flitzt die Stufen hinauf.

Auf ihr Klopfen antwortet jedoch niemand. Einem Impuls folgend öffnet sie leise die Tür. Was sie sieht, lässt ihren Atem stocken: Wieder ist der Inhalt der kleinsten Truhe im Raum verstreut. Bei allen Göttern, was war jetzt wieder passiert? >Briant, schnell komm runter!< schallt in diesem Augenblick ein Ruf die Stufen hinauf. So schnell sie ihre Beine tragen stürmt die Mogbar wieder hinunter, rennt dabei um ein Haar Ysa über den Haufen und steigt, kaum im Schankraum angekommen in einen Scherbenhaufen, der unter ihren Schuhen wunderschön knirscht. „Was zum Dunklen ….?“ >Keine Ahnung, der Raum war leer und genauso verwüstet wie du es siehst<, antwortet Beth ist mit einem ratlosen Schulterzucken. Briant überkommt eine böse Ahnung. Irgendetwas ist wieder passiert, Unheil scheint sich wie ein drohendes Gewitter am Horizont zusammen zu brauen.
Lieber eine Hure mit Herz, als eine Edle mit Gift in der Seele

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