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Azra

Stadtbewohner

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Occupation: Wirtin der Goldenen Harfe

Location: Talyra

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Wednesday, March 5th 2014, 3:16pm

Faêyristempel

Inmitten des Tempelhaines im Norden Talyras erheben sich zwischen mächtigen Schwarzkiefern und hohen Rosskastanien die weißen Mauern des Tempels der Mondgöttin. Schon vor der Gründung Talyras durch Cobrin den Priester muss an dieser Stelle ein kleinerer Faêyristempel gestanden haben und Gelehrte vermuten, die Quelle, die noch heute vor dem Altar im Inneren sprudelt, sei schon in alter Vorzeit ein Druidenheiligtum gewesen. Bei der Schlacht im Larisgrün im Jahr 1433 des Vierten Zeitalters wurde dieser ältere Tempel jedoch von den Barbarenhorden Asgrims völlig zerstört. Erst zehn Jahre nach Gründung Talyras im Jahr 1441 VZ gab der damalige Stadthalter Sinán den Bau des heutigen Tempels in Auftrag und zwölf Jahre später wurde das Haus der Mondgöttin vollendet. In den ganzen Herzlanden kennt man den Faêyristempel wegen seines Reichtums an blau-weißen Fliesen, welche vor allem die Sockel der Außenwände, die Säulen und die Kuppel zieren, auch als "Blauen Tempel". Diese kostbaren Kacheln stammen aus Azurien und zeigen traditionelle Ranken, Kreis- und Mondphasenmotive, bei denen nachtblaue und indigofarbene Töne dominieren. Der Hauptraum des Tempels ist mit dreiundfünfzig Schritt Länge und einundfünfzig Schritt Breite fast quadratisch. Die Kuppel darüber hat einen Durchmesser von vierundzwanzig Schritt und ist vierundvierzig Schritt hoch. Sie wird von vier Spitzbögen und vier flachen Zwickeln getragen, die wiederum auf vier riesigen, vier Schritt dicken Säulen ruhen. Nicht weniger als hundertvierundvierzig Fenster "erhellen" den Innenraum, doch ist ihr Glas - bis auf die Mondfenster in der Kuppel - von so dunkelblauer Tönung, dass im Tempel stets nächtliches Dämmerlicht zu herrschen scheint. Zwölf breite, schneeweiße Stufen führen hinauf zu einem von Marmorsäulen gerahmten Hauptportal aus dunklem Lapislazuli, das kostbare Einlegearbeiten aus Wahrsilber, Mondstein und Perlmutt aufweist.

Der Hauptraum ist im Inneren umrandet von Säulen und marmornen Archonenstatuen, und am Ende des immensen Raums erhebt sich Faêyris selbst, dargestellt als eine überirdisch schöne Elbin, deren steinernes Gesicht jedem Tempelbesucher freundlich entgegenblickt. Zu ihren Füssen sprudelt eine Quelle aus dem Boden und füllt ein silbernes, halbmondförmiges Becken von sicherlich acht Schritt Länge und vier Schritt Breite. Vor dem Becken ist ein reichverzierter Altar aus nachtblauem Marmor und unmittelbar vor dem Altar wiederum ein rundes Bodenmosaik aus Lapislazuli und Yalaris, das einen Nachthimmel mit allen bekannten Sternbildern zeigt. Das Haus der Mondgöttin ist stets von silbrigem Dunst erfüllt, das Dämmerlicht blau und voller Sternenschimmer. Mitternachtsindigo ruht zwischen den mächtigen Säulen, die das Kuppeldach des Tempels tragen und den sehr viel schlankeren Pfeilern, welche die Schreine der Archonen ein wenig vom Hauptraum trennen. Silbernes Licht fällt durch die Fenster in Form von Neumonden, die als Oberlichter in die Seiten der Kuppeldecke eingelassen sind und aus zart geschliffenem Mondstein bestehen.

Der schneeige Alabaster der Faeyrisstatue leuchtet silbrigweiß aus dem tiefen Mitternachtsblau und der Mondteich zu ihren Füßen schimmert klarer als die Luft an einem Wintermorgen. Links und rechts zwischen den mächtigen Säulen gehen Seitenkapellen für die Archonen der Mondgöttin ab: Sheilair, der Träumer, Anira, Herrin der Heilkunst und Ruhe, Xinaoha, Meisterin der Erkenntnis und Weisheit, Yen der Wächter, Gebieter über Geheimnisse und Mysterien und Alanthala, Herrin der Sterne, der Reinheit und Unberührtheit. Zwischen den Säulen wandeln Priesterinnen und Priester in dunklen Roben, die mit Monden und Sternen bestickt sind, und ab und an durchbricht das eilige Tappen der Füße von geschäftigen Novizen die Stille des Tempels. Zwischen zwei Säulennischen linkerhand - dem Schrein der Anira und dem des Sheilair -, ist eine Tür aus silbrigem Holz, die hinüber in die angrenzenden Gebäude führt, wo die Kammern der Priester, Tempeldiener und Novizen untergebracht sind. Gegenüber zur Rechten zwischen den Kapellen Yens und Alanthalas führt eine Tür aus nachtblauem Holz in den ummauerten Tempelgarten, wo zwischen marmornen Springbrunnen allerlei seltene Kräuter und Blumen wachsen.

Die Krypta unter dem Faêyristemmpel ist die größte imperiale Säulenhalle der Herzlande. Zweiundvierzig Kreuzgratgewölbe ruhen auf Säulen mit einfachen Würfelkapitellen. Die abwechselnd gemauerten silbriggrauen und bläulich gefärbten Sandsteinquader greifen selbst hier noch die Farbgebung von Nacht und Sternen auf. Die ersten acht imperialen Statthalter Talyras wurden hier mit ihren Gemahlinnen begraben, dazu einige berühmte Hohepriester und -priesterinnen der Faêyris aus alter Zeit, einige Adlige der Stadt, die sich auf besondere Weise mit der Mondgöttin verbunden fühlten und schließlich Tymeon Silberschild, einer der ruhmreichste Templer seiner Zeit.

SC: Loba die Wölfin, eigentlich Tarnaloba Caleya Bretowen von Kap Taret, eine Hohepriesterin der Faêyirs. Sie weilt nur gelegentlich in der Stadt, doch wenn sie Talyra besucht, ist sie hier anzutreffen. Loba die Wölfin ist nicht mehr jung. Sie ist nicht sehr groß, aber kräftig, besitzt graues Haar und ein wettergegerbtes, vom Alter gezeichnetes Gesicht mit riesigen, gelben Eulenaugen, dessen strenge Züge noch nie hübsch gewesen sein können, aber Ruhe und Kraft ausstrahlen.

NSC's Gilraen von Sûrmera, Erzpriesterin im Dienste der Faêyris und Vorsteherin des Tempels, eine hübsche junge Frau mit langem, schwarzen Haar und dunklen Augen, deren sinnliche, südländische Züge azurianische Vorfahren verraten. Sie ist mit fast sechs Fuß sehr groß für eine Frau und nennt eine üppige, weibliche Figur ihr Eigen.

Bittertrank, der Kräutermeister, ein noch sehr junger, sehr ambitionierter Priester, der das wandelnde Kräuterwissen auf zwei Beinen darstellt. Sein rundes Gesicht blüht vor allem auf Wangen und Nase vor Sommersprossen, seine grünen Augen scheinen ständig vom Nachgrübeln über dies und jenes Kräutlein verklärt und sein Haar lässt sich am besten mit "unordentliches Nest voller Kringellocken" beschreiben, die dringend irgendjemand schneiden oder wenigstens kämmen könnte (was aber nie geschieht).

Hájek, einst ein talyrischer Adliger und entfernter Verwandter Lord Ellyn Tallards, nun Priester im Dienst der Faêyris. Besitzt schwarzes Haar, schwarze Augen und ein recht aristokratisch wirkendes, gutaussehendes Gesicht.

Sálvadain, der Novizenmeister, Gelehrter und Mystiker. Ein sehr alter, sehr weiser Priester, von dem niemand weiß, wo er herkommt oder was ihn eigentlich nach Talyra verschlug. Salvádain erinnert von seinem Aussehen und Auftreten her an einen gütigen, alten Erzmagier, hat schneeweißes, langes Haar und einen ebensolchen Bart, ein von tausend Falten gezeichnetes Gesicht mit scharfen, braunen Augen unter buschigen Brauen.

Sárka, Amsel, Dorea, Massram, Chen Leichtehand und Gryllen Cole - eine Auswahl wissbegieriger, arbeitsamer junger Novizen, stellvertretend für die drei Dutzend Zöglinge der Mondfrau im Faêyristempel. Gryllen Cole ist im Übrigen der einzige Sohn von Grand Maester Cole, einem in den Tausendwinkelgassen ansässigen Gelehrten und eine zweite Ausgabe seines etwas sonderbaren und behäbigen Vaters, doch das nur am Rande.
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An Irish taxi driver: "We Irish don't tell lies. We just try hard not to tell the truth."


nyanyanyanyanyanyanyanya.... BAT-CAT! :yell:

You walk me animally on the cookie! - Du gehst mir tierisch auf den Keks! ;D

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Tuesday, January 22nd 2019, 8:26pm

Ende Siltha im Jahre 518 - Vom Pfirsich zum Tempel

Es ist die Stunde des Morgenrots, als erste Laute aus der Küche zu Dar herab klingen und seinen Schlaf stören. Grummelnd erhebt sich der Zwerg, wirft sich seine Sachen über und schlurft zur Küche hinauf, die Schale mit dem schmutzígen Waschwasser gegen eine saubere zu tauschen, die Toilette aufzusuchen, mit sauberem Wasser in den Keller zurückzuschlurfen, sich zu waschen, was er am Abend versäumt hatte, weswegen er sich heute besonders Zeit lässt. Doch schließlich, findet der Fro'gar sich aufbruchsbereit in Rüstung und mit den gesteppten Bändern um seine Arme und Beine geschlungen in der Gaststube ein, an einem der Fensterbänke sich niederzulassen und im Scheine einer Ölfunzel seine Niederschriften von Gestern durchzuarbeiten. Müde grunzt Dar nur, als Annest ihm ungefragt eine dampfende Tasse Tees bereitstellt. Alles um ihn her ignorierend, fokussiert Dar sich ausschließlich auf die Texte vor sich, bis schließlich die Stunde der Andacht von der Straße her verkündet wird. Tief atmet er durch, schließt einen Moment die Augen und packt dann seine Aufzeichnungen zusammen, die Zimmer mit den letzten noch nicht auf ihre eigenen Kammern zurückgekehrten Kranken, wie den neu hinzugekommenen Verletzten aufzusuchen. Doch spricht er keine Silbe, als er müde Verbände überprüft, Pulsschläge an den Handgelenken prüft, in trübe Augen linst und fortwinkt, wen er für genesen hält, alle anderen derweil stumm wieder in ihr Kissen drückend. Unten angelangt erfährt er schließlich von den Vorbereitungen der Anderen, die Vortäuschung der tollen Wut betreffend und tut seinen Teil, mit den inzwischen zusammengetragenen Zutaten eine möglichst überzeugen könnende Mixtur zu bereiten, die einerseits so viele Katzen, als möglich anlocken soll, wie andererseits möglichst furchterregend ausschauen soll. Zum Destilieren des Baldrians fehlt wohl die Zeit, aber wenn man einige Baldrianblätter zusätzlich kurz vor dem Abstellen zerreibt und in die Schalen gibt, diese eventuell gar noch erwärmt, dass die Dünste den Lockduft mit sich tragen… Doch auch während dieser ganzen Vorbereitung spricht Dar kein überflüssiges Wort. Dann schließlich verabschiedet er sich zum Tempel. Nochmals prüfend, das keine neue Eisschicht den Eingang des Pfirsichs über Nacht beschert wurde, trottet Dar dann in einem müden Dauerlauf – ist er heute doch reichlich spät dran – gen Tempelbezirk.

„Dar, auf ein Wort bitte!“ Die erste Unterrichtseinheit nur mit Mühe die Augen offen halten könnend, hatte Dar eigentlich vorgehabt sich unter der Kellertreppe für einige Minuten zum Schlafen niederzulegen,zumindest etwas ihm fehlenden Schlaf nachzuholen. Aber wenn die in die Heilkunst einführende Anirani ihn auf ein Wort zu sich befiehlt…Also dreht sich Dar stehenden Fußes um, der Heilerin zu folgen. „Dar, ich mache mir Sorgen um dich! Gestern entlässt du dich eigenständig aus dem Unterricht, wirkst völlig aufgelöst, als du wiederkommst, erscheinst heute, als hättest du kein Auge zugetan und… Nun, ich frage mich einfach ob es dir ernst überhaupt ist, mit deinem Studium der Heilkunst.“ Doch statt empört zu protestieren, legt der Fro'gar ihr wortlos seine Aufzeichnungen vor, die diese auch tatsächlich aufmerksam zu. »Prüft mein Wissen, meinen Fortschritt, wenn ihr an meiner Ernsthaftigkeit zweifelt.«und die Anirani tut auch dieses. „Gut, du hast dich vorbereitet. Bleibt aber die Frage, was dann an dir zehrt.“ Als Dar zögert steht die Anirani auf und schließt die bisher nur angelehnte Tür zu ihrem Studierzimmer, setzt sich dem Zwergen gegenüber wieder hin und blickt ihm ernst entgegen. Ich spreche jetzt als eine Anirani u n d als deine Lehrmeisterin zu dir. Als erste garantiere ich dir, bei Yen, das kein hier und heute zwischen uns gesprochenes Wort je außen dringen wird. Als Letztere warne ich dich, das wenn deine Antworten mich nicht restlos eines anderen belehren, ich an meiner Entscheidung festhalten muss, deinen Ausschluss vom weiteren Unterricht Ketell gegenüber zu empfehlen. Lange blickt Dar der Heilerin gerade in die Augen, die – trotz eines merklichen Unbehagens ob jener Augen – seinem Blick standhält und ihm aber auch die Zeit lässt, die er braucht, zu einer Entscheidung zu finden. Dann schließlich beginnt der Fro'gar zu berichten!

„Und das ist alles?“ Dar schüttelt müde den Kopf. »Natürlich nicht! Aber es ist alles, was ich zu meiner Verteidigung vorzubringen vermag, ohne das in mich gesetzte Vertrauen anderer in mich zu verletzen.« Nun ist es die Anirani, die lange schweigt, aufsteht, sich an das Fenster stellt und in das den Tempel umgebende Grün blickt. Dar pocht das Herz bis zum Hals, doch diesmal ist es an ihm zu warten, bis sie zu Reden bereit ist. „Du wirst umgehend zurück zum Pfirsich gehen“, Dar fühlt regelrecht sein gesamtes Blut einem Sturzbach gleich in seinem Körper nach unten drängen: also ist alles aus! „– und diese Texte bis morgen studieren.“ Fassungslos blickt Dar der Heilerin entgegen, die mit geübtem Blick die plötzliche Blässe als nichts, als n o c h nichts Ernsthaftes entschlüsselt. „Ich werde dich morgen prüfen und weitere Aufgaben für dich vorbereiten. Du wirst so lange zuhause studieren, bis das Problem des Pfirsichs sich erledigt hast! Du wirst hart lernen! Du wirst dir vom Apotecarius drei Betelbissen holen und den Tag über zu dir nehmen, aber keine anderen Rauschmittel, das schließt jeglichen sexuellen Rausch mit ein, dir erlauben!“ Mit diesen Worten kritzelt die Heilerin eine handschriftliche Notiz auf ein Papyrusblatt, faltet es, verschließt es mit einem Wachssiegel und reicht es an den Fro'gar weiter. „Du wirst“, mit diesen Worten reicht sie ihm eine alte pergamentene Schriftrolle aus einem Krug voller weiterer Pergamente. „…diese Meditationsübungen von jetzt an jeden Abend vor deiner Bettruhe und in jedem freien Moment üben …vor der Nachtruhe aber für mindestens den dritten Teil einer Stunde. Und–“, hier schenkt sie Dar einen sehr ernsten Blick. „Wenn Sarurnirs Blick dich erneut streift, kommst du s o f o r t hierher, egal zu welcher Stunde, hörst Du? S o f o r t !“ Noch immer reichlich blass-grau um die Nase fragt Dar leise knarzend: »Dann, dann – bin ich nicht des Unterrichts verwiesen?« Die Heilerin lächelt und schüttelt den Kopf! „Nein Dar! Aber wenn du gehst und kommst, wie es dir beliebt, untergräbt das die Moral der anderen. Und wenn du weiterhin dich so verausgabst, untergräbt es deine eigene Gesundheit. Hast du denn gar nichts gelernt, aus deiner Begegnung mit Sarurnir?“
“Siehst du einen Riesen, so prüfe den Stand der Sonne und gib acht, ob es nicht der Schatten eines Zwerges ist.”

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Tuesday, February 26th 2019, 9:47pm

Neugierig betrachtet Dar Sigournys Bemühungen mit ihren alten Stiefeln und denkt darob einen Gedanken leise vor sich hin, der gestern Shalhor hinterm Haus gleichfalls so, oder zumindest doch ähnlich, schon gekommen war: Wozu eigentlich die mühe, wenn das doch bloß hinter hochschaftigen Stiefeln verschwindet? Doch dann erinnert er sich der Freude, die Sie Shalhor gegenüber gezeigt hatte, als dieser mit den Hölzern zurück kam. Langsam geht er bis nach draußen und tatsächlich scheint Sigourny zumindest nicht gleich nach den ersten Schritten an den Schienen zu zerren, weil es etwa hier oder da noch drückt oder aber zu locker noch ist. Als er Sigourny auf die Wiese folgt, hat er dann auch gleich eine weitere Begegnung mit Hunden und beschließt, das er diese Haustiere nicht sonderlich mag. Vor allen Dingen bezweifelter, das sie selbst ihn, der er beileibe kein Kämpfer ist ernstlich aufhalten könnten, wollte er denn passieren. Aber – ab des Umstandes, das er sich hier gerade möglicherweise selbst gehörig über-, beziehungsweise die Hunde da gerade eventuell doch ein wenig unterschätzen mag – erkennt Dar recht schnell darauf deren eigentliche Funktion, als der Kutscher von Gestern um die Ecke gebogen kommt und lapidar die Worte >…und dann habe ich die Hunde schon g e h ö r t <, fallen lässt.

„Ach übrigens, wo es doch hier Pferde gibt: Vielleicht sollte man verbreiten, das du hier beim Reiten gestürzt bist und dich so verletzt hast – also falls es nicht wider deinen Ruf ist, einen Sturz vom Pferd sich vorzustellen?“ schlägt Dar Sigourny schließlich beim Besteigen der Kutsche leise vor. Schließlich muss man ja nicht unnötigen Raum für Spekulationen schaffen, wenn eine knappe plausible, wenn auch absolut unwahre Erklärung die Neugierde doch so einfach zu beruhigen vermag. Auf der Fahrt klaubt Dar sich ein Bündel Papiere aus einer Tasche hervor und überfliegt diese leise murmelnd. „Hm, Frauen und Kinderheilkunde fehlen mir noch die Grundlagen. Wen wundert's? Wieso nur konnten die anderen Götter das Problem nicht genauso elegant lösen wie Sil: Steinsinger und -gärten schaffen und gut ist's. … Siechen und Krankheiten, Arzeneymittelkunde und Geistheilung liege ich gut da, so-so. Aber eine vierte Disziplin ist noch nicht zu erkennen. … Geburtshelfer kann ich wohl vergessen und Wundarzt? Ich kann mir wahrlich besseres vorstellen, als knöcheltief im Blut zu waten – auch wenn das im Unterreich keine zu unterschätzende Gabe ist. Aber wenn andererseits die einzige Alternative die dann noch bleibt die Naturheilkunde ist? Wozu sollte die Gut sein, wenn man die weit wirksamere Arzneybereitung doch schon beherrscht. Schwierig schwierig.“ Die Papiere wieder weg steckend, wirft Dar einen knappen Blick aus der Kutsche und ist beinahe erstaunt, sich im Tempelbezirk schon wiederzufinden. „Ich muss mich in den kommenden Tagen für ein weiteres vertiefendes Studium entweder der Frauen- und Kinderheilkunde, der Wund- oder aber der Naturheilkunde zuwenden. Was würdest du an meiner statt wählen?“ wendet sich Dar, vor dem Tempel vorfahrend, an Sigourny.

Als sie die zwölf schneeweißen Stufen zu den heiligen Hallen der Göttin der Nacht hinter sich lassend in das azurdunkle Innere des Tempels treten, ist sogleich ein Novize zur Stele mit dem Dar, kaum vernehmlich einige flüsternde Worte austauschte: „Meisterin … Unterricht … Arbeit?“ >Nein, nein … Kapelle … Bescheid geben … sobald Ihr … Studierstube … warten.< „Und warst du hier schon einmal oder in einem der anderen Tempel?“ Sigourny durch eine verhangene Tür in einen in ein Nebengebäude führenden Flur und dann noch eine Treppe hinauf geleitend öffnet Dar eine Tür, die unverschlossen ist und bietet Sigourny einen Platz an, als wäre dieses hier seine Studierstube und nicht etwa der Rückzugsraum einer hochgestellten Priesterin. „Weist du“, setzt er auf die Türe deutend zu reden an. „Das schätze ich an den Tempeln hier.“ …zumindest soweit mir denn bekannt! „Sie schließen nichts ab und trotzdem kommt auch nichts weg, noch betritt jemand ohne Erlaubnis eines anderen Refugium. Das ist beinahe wie bei meinen Leuten! Die Bedrohung durch den Feind ist dort so erdrückend, das kaum einem einfiele das Vertrauen der Anderen zu verletzen.“ Natürlich war das etwas beschönigend gedacht, gibt es schwarze Schafe doch all-überall. Doch Szenen, wie er sie in der Unterstadt gesehen hatte … mag Dar sich, vielleicht etwas naiv, so im Unterreich einfach nicht vorstellen. „In der Oberwelt indes, herrscht außerhalb der Tempel – und von wenigen Ausnahmen einmal abgesehen“, hier nickt er der Herrin des Pfirsichs zu, „… einfach kein rechtes Vertrauen untereinander.“
“Siehst du einen Riesen, so prüfe den Stand der Sonne und gib acht, ob es nicht der Schatten eines Zwerges ist.”

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Sigourny

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Occupation: Pfirsichwirtin und Teilzeitdiebin

Location: Der Pfirsich

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Wednesday, February 27th 2019, 10:22am

Ein Reitunfall … durchaus eine Erklärungsmöglichkeit. „Dann bin ich bei meiner ersten Reitstunde gleich vom Pferd gefallen … oder, vielleicht noch besser, ich war zu tolpatschig und bin beim absteigen umgeknöchelt, einfach nicht aufgepasst, weil ich so erledigt vom ersten Reitversuch war.“ Spinnt sie die Geschichte weiter, während sie in der Kutsche Platz nimmt. Verschwörerisch zwinkert sie Dar zu. Sie hat gar nicht daran gedacht, dass es eventuell einer Geschichte bedarf, die Verletzungen zu erklären. Denn mit der Wahrheit will sie sicher nicht hausieren gehen, würde das doch nur die Erinnerungen an jene geheimnisvolle Einbrecherin und Fassadenkletterin wieder wachrufen, die Talyra lange Zeit heim gesucht hat und dann von einem Tag auf den anderen von der Bildfläche verschwunden war. Während der Fahrt vertieft sich Dar in seine Unterlagen, während sie einfach zum Fenster hinaussieht. >Ich muss mich in den kommenden Tagen für ein weiteres vertiefendes Studium entweder der Frauen- und Kinderheilkunde, der Wund- oder aber der Naturheilkunde zuwenden. Was würdest du an meiner statt wählen? < wendet sich ihr Begleiter schließlich an sie. „Schwierig. Ich meine Frauen und Kinder, das ist ein wundervolles Feld, aber auch schwierig, also vom Emotionalen her. Die Bindung zwischen Müttern und ihren Kindern ist etwas ganz besonderes, ein ganz eigenes Wunder ...“ Ein kurzer Schatten legt sich über ihr Gesicht, als sie daran denken muss, diese Zeit mit ihrer eigenen Mutter nur vier Sommer gehabt zu haben. Und ob sie selbst einmal Kinder haben wird … das wissen nur die Götter, in ihrer derzeitigen Situation erscheint ihr dieser Gedanke mehr als nur abwegig. „Ich denke, diesen Weg zu gehen ist eine Berufung, noch mehr als es der Weg des Heilers ohnehin schon ist. Ich sehe es doch bei den Mädchen: Du weißt wie sie Geld verdienen, aber wenn es um die Heilkunde geht, da sind sie schüchtern wie Jungfrauen, lassen nur wenige an sich ran. Hat sehr viel mit Vertrauen zu tun. In diesem Feld der Heilkunst wahrscheinlich noch mehr als in anderen Bereichen. In gewisser Weise ist da ein Heiler auch Priester, Vertrauter … Freund.“ Nachdenklich tippt sie an ihre Lippe. Sie weiß nicht, ob Dar versteht, was sie ihm sagen will, wie sie einem Mann diese besondere Verletzlichkeit auch der stärksten Frau in diesen Belangen verständlich machen kann, um ihm Einblick in Dinge zu geben, die wohl in keinem Lehrbuch stehen. „Naturheilkunde … daran muss man glauben sagt Annest immer. Und sich besinnen, dass eigentlich alles aus der Natur kommt. Ist nicht meine Weisheit, ich zitiere hier nur meine Perle. Mir selbst ist es reichlich egal, welchen Ursprung die Arznei hat, Natur oder Apotheke, Hauptsache es hilft. Mit Wundheilung kann ich persönlich wieder mehr anfangen, das ist greifbar, alltäglich. Aber auch schlimm, vor allem im Krieg. Ich kann mich noch daran erinnern, als die Verletzten nach dem Nargen Feldzug zurückkamen. Ich hab‘ es nur am Rande mitbekommen aber was ich gesehen habe … ich bewundere die Heiler, was sie da geleistet haben, ob ich es auch nur im Ansatz gekonnt hätte … ich weiß es nicht.“ Mit einem sanften Ruck kommt die Kutsche vor dem Tempel zum Stehen. „Ich weiß nicht, ob ich dir bei deiner Entscheidung eine große Hilfe bin aber eines kann ich dir sagen: Folge deinem Herz, finde deinen Weg. Und wenn alle anderen ob deiner Wahl den Kopf schütteln, es ist egal. Du musst dich wohl fühlen, für dich muss es das Richtige sein, dann wist du es gut machen.“ Genauso war es ihr gegangen, als sie den Pfirsich übernommen hat. Tane hatte sie für verrückt gehalten, kaum einer hat es ihr zugetraut. Aber sie hat gespürt, dass es ihre Change war, endgültig ein neues Leben zu beginnen.

Schweigend und in Gedanken folgt sie dem Zwerg die Treppen hinauf und zuckt fast zusammen, als er sich im Inneren mit der Frage nach ihren Tempelerfahrungen an sie wendet. „Hier war ich noch nie … aber in der ersten Zeit, nachdem ich den Pfirsich übernommen habe, war ich oft im Tempel der Inari. Ich habe sie gebeten mir zu helfen, mir zu zeigen was ich tun soll und vor allem mir Mut zugeben, das Richtige zu tun und die Kraft, durchzuhalten. Eine der Priesterinnen hat mir damals etwas gesagt, was mir sehr geholfen hat: Man weiß nicht, wie stark man wirklich ist, bis man es sein muss.“ Mittlerweile haben sie eine weitere Treppe erklommen und eine Studierstube betreten, in der sich Dar bestens auszukennen scheint. Erleichtert nimmt sie Platz, denn mittlerweile spürt sie ihren Fuß doch etwas. Vertrauen ... irgendwie scheint sich alles um dieses Thema zu drehen. Und ausgerechnet sie befragt er zu diesem, sie, die kaum jemandem wirklich vertraut … ihren Leuten, Tane, auch Dar mittlerweile … und auch einem gewissen Elben, der sie durcheinander bringt wie einen verliebten Backfisch. Sosehr sie sich auch einreden will, dass nur ihre überspannten Nerven daran schuld sind: Tief in ihrem Inneren weiß sie, dass das nicht stimmt, dass er etwas geweckt hat, was sie für tot und verschüttet hielt.

„Vertrauen … einander vertrauen, das ist nichts Selbstverständliches. Du kannst nie wissen, was den anderen antreibt, wo seine Interessen sind. Ob er diese nicht auf deine Kosten durchsetzen will. Ob du ihm wichtig genug bist, dass er es nicht tut …. Und ob all der Härte, die das Leben bereithält, ist es schwer, Vertrauen zu schenken. Sich wirklich aufeinander verlassen zu können ist ein Geschenk, dass man gibt, entweder weil man sich einfach lange genug kennt …. oder weil einem das Herz sagt, dass es das Richtige ist. Bande zwischen Familien, Freunden …“ und Liebenden „… sind wohl eine gute Basis. Vor allem Kinder haben noch ein göttergegebenes Vertrauen doch wenn das Leben zuschlägt, zerschlägt es selbiges oftmals. Und je härter das Leben zuschlägt, in je mehr Scherben dieses Kindervertrauen geschlagen wurde, desto schwerer ist es, denke ich, wieder Vertrauen zu fassen.“ Nachdenklich sieht sie ihn an. „Vielleicht hat die Bedrohung, in der dein Volk lebt, die so erdrückend wirkt, für euch auch eine gute Seite: Sie schweißt euch zusammen, bringt euch dazu, einander zu vertrauen. Anders als in der Unterstadt: Dort bringt die ewige Gefahr die Leute dazu, sich zu misstrauen, niemanden an sich heran zu lassen, niemals jemandem den Rücken zuzukehren. Und jeden als potentiellen Feind zu betrachten.“
Avatar (c) by Azra 8)

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Wednesday, February 27th 2019, 12:34pm

Nachdenklich blickt Dar zu Sigourny auf, erstaunt, wie tiefsinnig auch die so kurzlebigen Menschen doch sein können. Zwei Atemzüge später schilt er sich selbst einen Narren. Kurzlebigkeit hin oder her. Die Frau vor ihm hat vermutlich vergleichbar viele Jahre auf ihrem nicht vorhandenen Buckel, wie er – Lang- oder Kurzlebigkeit hierbei mal ganz ignorierend. Wo er hinderliche Eitelkeiten ob eines eingestandenen Sturzes befürchtet hatte, hatte die Pfirsichwirtin fast schon mit spitzbübischer Verschmitztheit weiter an der Idee gesponnen und ihre Worte die Wahl des Berufes doch mit dem Herzen zu treffen und aus dem Beruf so Berufung zu machen… Vielleicht müssen die kurzlebigeren Völker einfach so geradeheraus sein, in der ihnen gegebenen Zeit etwas bewegen zu können. überlegt Dar auf dem Weg, die Treppen zum Tempel hinauf. Sein alter Lehrmeister, auf jeden Fall, hätte ihm solch einen Rat indes vermutlich in Dekaden nicht gegeben. Ja, was will i c h eigentlich? Eine interessante Frage. Wundärzte sind das, was es im Unterreich am Ehesten bräuchte. Aber wenn ich das aus Pflichtgefühl heraus nur lernte, nicht wissend ob ich überhaupt je zurückkehren werde? Dann, nach einem kurzen Gespräch mit dem Novizen Massram, den Weg zur Studierstube seiner neuen Lehrmeisterin wieder einschlagend, wandern seine Gedanken zurück zu dem, was er w i r k l i c h will: Frauen- und Kinderheilkunde – da hat Sigourny wohl absolut Recht. Wenn das keine Berufung und der Heiler nicht ganz er selbst ist – und das wäre ich wohl nicht. Was aber dann? G l a u b e n tue ich an Naturheilmittel nicht, bin ja kein Priester. Im Blut waten will ich aber auch nicht, mein restliches Leben lang … hm – schwierig, schw- „Oh, hallo! Darf ich vorstellen: Ketell von…“ Doch weiter kommt Dar nicht, da ist die Anirani auch schon an ihm vorbei und begrüßt die Pfirsichwirtin freundlich. „Ich freue mich, endlich den Quell all des Getuschels unter den Lehrlingen und Novizinnen, seit Bekanntwerden von Dars gegenwärtiger Bleibe, kennen lernen zu dürfen.“

Das freundliche Funkeln in den Augen der Frau nimmt ihren Worten augenblicklich jede Uneindeutigkeit. Ihre Freude ist aufrichtig und etwaige Vorbehalte wider Sigournys Beruf offenkundig dermaßen fern, wie etwa einer Priesterin Inaris gegenüber. Nach einer freundlichen Begrüßung, während derer sich die beiden austauschen und Sigourny so erfährt, das Ketell seit ihrer Priesterweihe schon nicht mehr im Tempel lebt und auch nur aushilfsweise für den Novizenmeister Sálvadain dieses Jahr den Unterricht übernommen hat, das Leben außerhalb der Tempelmauern also sehr gut kennt, schaut sich die Anirani die Arbeit Dars an und fragt Sigourny auch sonst gekonnt nach ihrem Verbleib seit dem Unfall aus. Dar, den Stolz über seine Arbeit nur mit Mühe verbergen könnend, wird indes um mehrere Sekhel kleiner noch, als Ketell zornesfunkelnd zu ihm herum fährt und statt eines Lobes ihm ein wütendes >Männer!< entgegen faucht. „Was … ich … ist die Schiene ni-?“ Betreten senkt Dar den Blick, nicht wissend, was hier gerade passiert. >Ihr Männer und eure Spielzeuge!< faucht Ketell erneut. >Die Schiene ist p e r f e k t gelungen!< dehnt Ketell das von Dar doch so erhoffte Urteil. Doch ihr Blick scheint noch immer Dolche zu verschießen, so das er schweigend abwartet und sich fast ängstlich schon duckt, als sie an ihm vorüber und zu einem Regal schreitet. >Die Schiene ist perfekt, Dar. Aber hast du auch nur einen Augenblick lang …<, Ketell schreitet mit eine kleinen Beutel voll Kies, dem von diesem ausgehenden leisen Knirschen nach zu urteilen, wieder zu Sigourny zurück, deren Fuß auf einen Schemel zu heben, die Schiene zu lösen und den Beutel mit einem >Kenenor, mein Liebes.< der darob wohlig aufseufzenden Sigourny aufzulegen. >Wie ich höre, hast du nicht einmal die Kühlung ihres Fußes verordnet oder ihr etwas wider die Schmerzen empfohlen, während du nichts anderes, denn dein Spielzeug hier im Kopf hattest?< Betreten schaut Dar zu Boden, während Ketell die Schiene nochmals genau in Augenschein nimmt. >Besser hätte wohl auch ich das nicht hingekriegt.<, attestiert sie, nun mit milderer Stimme um dann aber mit wieder mahnenderen Worten anzufügen. >Doch das Wichtigste Dar, ist und bleiben die Kranken, bleibt die Heilung – das hättest du nicht vergessen dürfen! Übrigens, hast du dich schon entschieden, worin du deine Kenntnisse noch zu vertiefen gedenkst?< Bei diesen Worten legt sie, wie nebenbei, eine Hand auf die Schulter Sigournys, die darob beinahe augenblicklich den letzten verbliebenen Schmerz in ihrem Fuß abklingen spürt.
“Siehst du einen Riesen, so prüfe den Stand der Sonne und gib acht, ob es nicht der Schatten eines Zwerges ist.”

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Sigourny

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Location: Der Pfirsich

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6

Wednesday, February 27th 2019, 3:07pm

Ketells offene und herzliche Begrüßung lässt Sigourny auflachen. „Soso, ich bin der Quell von Getuschel, na das nehm‘ ich mal als Kompliment. Ich freue mich auch, euch kennen zu lernen!“ Die freundliche Art der Anirani vermittelt in der Minute ein Gefühl der Sicherheit und nimmt jeden Anflug von Scheu oder Unbehagen. Sogleich sind die beiden Frauen in ein Gespräch vertieft und im Gegenzug zu den Ausführungen der Heilerin über ihr Leben berichtet Sigourny ihr, dass sie den Pfirsich vor ungefähr achteinhalb Jahresläufen übernommen hat, als er ziemlich herunter gekommen gewesen war. >Ich kann mich erinnern, nach Dancys Tod war es eine schlimme Zeit für die Mädchen. Wir haben ihnen in gesundheitlichen Belangen geholfen so gut es ging aber ich bin ehrlich, es hätte nicht mehr lange gedauert und wir hätten ihn durch den Stadtrat schließen lassen.< Die Wirtin nickt, sie kann sich erinnern, als wäre es gestern gewesen. Viel Arbeit und Herzblut war hinein geflossen, um den Gasthof zu dem zu machen, was er jetzt ist.

Mit sanften Händen beginnt die Heilerin schließlich, Sigournys Fuß zu untersuchen. Die Schiene findet ihre vollste Zustimmung, allerdings handelt sich Dar eine gewaltige Standpauke ein, da er anscheinend vergessen hat, ihr begleitende therapeutische Maßnahmen zu verordnen. Der Beutel mit Kenor, den Ketell ihr dann an das verletzte Gelenk legt, entlockt ihr einen Seufzer. Die Kühle ist wunderbar, genau wie es am Vorabend auch mit Adeles Umschlag gewesen war. „Danke!“ Irgendwie tut Dar ihr leid, hat er sich doch solche Mühe mit der Schiene gegeben und handelt sich nun Schelte ein. Doch sie kommt nicht zu Wort, um ihm vor seiner Lehrerin Rückendeckung zugeben, den die Anirani wendet sich nun mit eben jener Frage an Dar, zu der er auf der Herfahrt ihren Rat eingeholt hat. In welchem Bereich will er sein Wissen vertiefen? Sie kommt nicht obhin, gespannt zu lauschen, als sich eine sanfte Frauenhand auf ihre Schulter legt und fast im gleichen Moment der klopfende Schmerz zur Gänze verschwindet. Und nicht nur jener im Knöchel, auch das leise Pulsieren, das noch in ihrer geprellten Schulter zu spüren war, ist weg. Sigourny ist noch nie mit Heilmagie in Berührung gekommen, in ihrer Zeit auf der Straße hatte sie sich eine solche, nein hatte sie sich keinerlei Art von Heiler leisten können und nach ihrem Zusammenstoß mit der dunklen Magie hatte sie erst Recht um jede Art von Zauber einen weiten Bogen gemacht. Unbewusst spannt sie sich an, nur einen Moment, dann erfüllt sie ein Gefühl der Ruhe und Heilung. >Alles in Ordnung, Liebes, entspann dich. Deine erste magische Heilbehandlung will ich meinen ... < Ein Nicken ist die Bestätigung. >Ich habe dir den Schmerz genommen, der bei einer solchen Verletzung in den ersten Tagen doch recht heftig sein kann. Mitnichten ist aber irgendetwas geheilt, also ist durchaus Schonung und Vorsicht angesagt.<
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Wednesday, February 27th 2019, 4:52pm

Sehr genau erfassen Ketells Sinne eine jede von Dars Regungen, als sie ihn schilt, die Patientin über die Heilmethode aus dem Fokus gelassen zu haben und auch wenn ihre Rüge für sich so durchaus berechtigt wohl ist, hat sie ihn doch nicht ohne Grund so auf dem falschen Fuß erwischen wollen und obgleich ein verspielter kindischer Teil ihrer Selbst seine Reaktion mit einer leisen Häme betrachtet – auch Ketell ist nur ein Mensch und muss diese ihre dunklen Aspekte zwar besser beherrschen können, denn Andere, derweil aber auch sie unterschiedslos mit allen göttergegebenen Schwächen doch auch versehen ist und selbige nie wird gänzlich ablegen können – gilt ihr Auftreten doch primär nur der Prüfung seiner Gemütsverfassung. Zufrieden kann sie sein Verhalten als durchaus normal einstufen und will sich schon entspannt geben, als ihre im Nachgang noch geäußerte Frage, ob er sich, seinen weiteren Weg betreffend, denn schon entschieden habe, ihn regelrecht und in, in diesem Falle wiederum von ihr für abnormal befundenes, Gestammel ausbrechen lässt. „Ich … aber … in dem Schreiben stand doch, das ich bis morgen noch …“ Besänftigend winkt Ketell ab. >Aber sicher hast du bis morgen Zeit, sogar darüber hinaus. Ich war nur neugierig, dachte, das ich dir bei der Entscheidung vielleicht helfen könnte.< Nur mühsam kann Dar sich wieder fassen und auch wenn es für Sigourny noch immer so aussehen mag, als sei der Zwerg ob der ersten Zurechtweisung noch verunsichert, erkennt Ketell hier Zukunftsängste und übersteigertes Pflichtgefühl, wo einfache Begeisterung für die erwählte Berufung doch besser am Platze wären. „Ich … ich weiß nicht so recht. Als Geburtshelfer sehe ich mich eher nicht, noch als Kinderarzt.“ Ketell nickt nur verstehend. „Und das blutige Handwerk eines Wundarztes? Das ist es wohl, was man von jeher von mir erwartete, doch …“ Der Zwerg muss es nicht aussprechen und insesondere seines schon gezeigten Wahns wegen, ist Ketell nicht unglücklich, das der Zwerg diesen schwersten aller Wege, von vornherein für sich auszuschließen wagt.

Also wenn er nicht einen der von ihm schon begonnenen Wege noch vertiefen will, bleibt nur noch … „Aber Naturheilmittel, die nur wirken wenn man daran glaubt …“ Hier kann die Anirani dann aber doch nicht umhin in ein helles schallendes Gelächter auszubrechen. >Wer hat dir denn bitte den Floh ins Ohr gesetzt. Natürlich grassiert hier in vielen Fällen der Aberglaube, wenn es etwa darum geht, womit mit man etwa Warzen so alles los wird. Aber die Naturheilkunde ist eine ernste Wissenschaft und manche Wurzel zur rechten Tageszeit ausgegraben ist wirkmächtiger als manch zusammengebraute Arzeney aus weit transportierten Grundstoffen.< Das Funkeln in Dars Augen, nein, nicht das rot schimmernde, denn vielmehr das von aufkeimender Wissbegier erweckte solche, macht die Sache für sie fest. >Ich werde dich auch morgen noch vom Unterricht freistellen, Dar.< Anstelle privater Übungen wirst du aber morgen Bittertrank im Larisgrün zur Hand gehen. Wenn du danach dann immer noch glaubst, die Naturheilkunde sei nur etwas für abergläubische alte Vetteln …< Nein, Ketell ist sich schon relativ sicher darin, zu wissen wie des Zwergen Entscheidung ausfallen wird. >Aber nun muss ich zum Unterricht zurück.< Lächelnd begleitete sie Dar und Sigourny noch bis zur Tempelhalle zurück, ehe sie kehrt macht und Sigourny aber nochmals ermahnt, es ob des ihr genommenen Schmerzes keinesfalls mit dem Laufen nun zu übertreiben. >Ihr würdet es noch heute Abend sonst bedauernd. Und Dar? Das w a r eine gute Arbeit, nichtsdestotrotz!< wieder an der Kutsche angelangt, grinst Dar dem wartenden Xilian entgegen um, nachdem Sigourny das Gefährt bestiegen hat mit sorgenschwerer Stimme und einem herzerweichenden Seufzen das nächste Ziel bekannt zu geben. „Zum Schuhmacher denn …“ Doch das Lächeln auf seinen Zügen, auch wenn es seine Augen nicht zu erreichen vermag, straft die schicksalsergebene Resignation in seinen Worten Lüge. Für Dar hätte der Tag bis hierhin durchaus übler verlaufen können; auch wenn ihm, der er sich die Ermahnung seiner Lehrerin, ob der von ihm gezeigten Prioritäten bei der Behandlung der Verletzung Sigournys, wohl zu Herzen nimmt, noch immer die Ohren klingen.
“Siehst du einen Riesen, so prüfe den Stand der Sonne und gib acht, ob es nicht der Schatten eines Zwerges ist.”

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Sunday, April 28th 2019, 2:00am

Ein früher Nachmittag, Ende Eisfrost 518

Mit sprichwörtlich rauchendem Kopf, aber hochzufrieden, legt Dar die Schreibfeder beiseite, trocknet seine Niederschrift mit etwas Löschsand ab, verschließt das Tintenfass und verstaut alle im Fach seines Schreibpultes bis zum morgigen Tag. Nicht nur das er endlich wieder gemeinsam mit den anderen angehenden Heilkundigen unterrichtet wurde und das Gefühl hat nicht nur mitzukommen, sondern gar hie und da herauszustechen, nicht nur das die Fortführung seiner Naturheilkundlichen Ausbildung beschlossen und sein weiterer Weg damit endlich festgeschrieben steht, kann sich Dar ob der Nachricht aus den Ställen, die ihn vorhin zwischen zwei Unterrichtseinheiten erreicht hatte, ein zufriedenes Grinsen nicht verkneifen. Offenkundig, so sehr es ihm ob des Leids des Tieres leid wohl tut, hat sich herausgestellt, dass er – insbesondere als ungeübter – Reiter, wohl doch eine zu große Last für das Tier ist und die morgend-, wie abendlichen Ritte darum nun nicht mehr länger auf seinem Lehrplan stehen. Sich darum innerlich schon auf einen langen und geruhsamen Fußweg einstellend, schaut er dann aber doch ein wenig verdrießlich, als der für die Betreuung von Stall und Pferden mitverantwortliche Novize ihn am Ausgang des Tempels abfängt, ihn bittet, doch nochmal kurz mitzukommen. Haben sie jetzt etwa doch noch ein kräftigeres Reittier, eine Mantikora etwa, für mich aufgetr-

Mitten im Schritt, wie im gerade getätigten Gedanken innehaltend, blickt Dar – innerlich fluchend – zu dem voraus stehenden, wie breit grinsenden Bittertrank hinauf, beziehungsweise auf den zweirädrigen schlanken Einspänner, mit gerade mal Platz für eine Person – logischerweise darum also den Wagenlenker. „Nein!“ >Aber ja doch, mein schwergewichtiger, pferdeliebender Freund.< grinst Bittertrank ihm entgegen. >Der Reitprüfung bist du entronnen. Aber nur um als Wagenlenker dich nun bis zu deinem Ausbildungsende beweisen zu müssen. Und lasse mich dich warnen: Die Prüfung wird dich auch ab der Wege und Straßen führen.< Beinahe scheint es Dar, als wenn der Kräutermeister sich an seinem Elend labt, doch wieso sollte der. Was aber noch mehr zählt – und Dar ein zaghaftes Lächeln auf die Züge gar zaubert: Als Wagenlenker vermag sich der Fro'gar tatsächlich sehen. „Also gut, einverstanden!“ Obgleich es hier nichts gibt, zu dem er sich irgends bereiterklären müsste, ist es doch nicht so, als ließe ihm der Priester irgend eine Wahl, nickt der Mensch. >Es wird mehr Arbeit für dich bedeuten, als wenn du nur das Reiten hättest erlernen müssen.< Dar nickt. >Es wird dich mehr kosten, als nur ein Sattel zum Pferd und auch wenn dieses für die Dauer deiner Ausbildung als Leihgabe an dich geht, wirst du schlussendlich selbst dafür aufkommen müssen.< Wieder nickt Dar. „Ich freue mich darauf, das Wagenlenken zu lernen!“ und tatsächlich meint der Zwerg es auch so. Dass er also weder zu Fuß nach Hause spazieren kann, noch mit einem Reittier den Rückweg nun antreten muss, sondern vielmehr nun noch über eine Stunde in die Grundlagen des Wagenlenkens sich einweisen lassen darf, ehe es dann endlich nach Hause geht … freut ihn tatsächlich mehr, als alles Andere.

Eine und eine halbe Stunde später schließlich schwirrt Dar der Kopf vor gänzlich anderen Begriffen, denn noch beim Verlassen des Tempels: Da sind etwa das Geschirr mit Brustblatt, Kumpt oder Zugsträngen, Selett, Schweißriemen, Hintergeschirr mitcSchweifriemen, Bauchgurt, dem Einachser mit seinen einzuspannenden Scherbäumen, Schnappriemen, Halsriemen, Martingal, Bauchgurt, Trense, Peitsche und Fahrleine, das Gebiss nebst Kinnkette und Beissring, da sind die Leinen und die Leinaugen, das Ortscheit, der Aufhalteriemen und und und. Doch statt zu verzweifeln legt Dar hier vielmehr eine ihn selbst erstaunende Begeisterung dort an den Tag und schlägt am Ende der Einweisung gar vor, den ihn die ersten Tage noch begleiten sollenden Stalljungen doch besser für andere Aufgaben abzubestellen. „Nein, im Ernst! Hier könnt ihr mir helfen; beim Pfirsich können Perrin oder die Leute vom Mietstall nebenan mir beistehen und wenn es mich zu Meister Shalhors Anwesen verschlägt, können zur Not die Leute mir dort weiterhelfen – oder ich frag schlimmstenfalls wen auf der Straße. Nein, im Erst: je schneller ich das alles alleine mache, desto eher krieg ich's am Ende alleine dann auch hin.“ Und so kommt es schließlich, das Dar langsam aber breit grinsend, nach unzähligen Proberunden vor dem Tempel selbst, alleine das Gefährt aus dem Tempelviertel heraus und gen Shalhors bescheidener Bleibe lenkt. Einzig vorerst nicht die Straßen und erst recht nicht die Stadt zu verlassen er den Pferdeknecht hoch und heilig noch versprechen musste.
“Siehst du einen Riesen, so prüfe den Stand der Sonne und gib acht, ob es nicht der Schatten eines Zwerges ist.”

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