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241

Donnerstag, 8. November 2018, 17:55

How are you?

27. Beerenreif 518

I act like I'm okay. Please don't interrupt my performance


Mit dieser Frage hat Fianryn nicht gerechnet, obwohl es doch ganz natürlich ist, nach dem Befinden gefragt zu werden, wenn man sich länger nicht gesehen hat. "Oh... Wir sind alle wohlauf," erwidert sie ausweichend. Sie kann unmöglich ehrlich antworten – erstens ist ihr Verhältnis zu Aurian zwar durchaus freundschaftlich, aber so vertraut auch wieder nicht, zweitens hat die Gardemagierin wohl kaum den ganzen Vormittag Zeit, und drittens... wie soll sie denn eine Frage beantworten, wenn sie es selbst nicht weiß? Ihre Stimmungen ändern sich ja jeden Viertelglockenschlag, und so anstrengend das mitunter auch für alle um einen herum sein mag, die können ja gern einmal mit ihr tauschen und versuchen, wie anstrengend es erst ist, sich in der eigenen Haut kaum mehr auszukennen! Aurians Kompliment, sie sehe gut und schon ganz erwachsen aus, lässt Fianryn ehrlich erfreut lächeln und sie wird sogar ein bisschen rot um die Nase. Erwachsen werden, oder zumindest erwachsener als sie es jetzt mit ihren knapp vier-und-zehn Jahren ist, ist augenblicklich ihr vordringlichstes Ziel. Oder sagen wir, erblüht und großjährig, das würde ihr für den Anfang schon vollkommen genügen. Den Körper einer fast erwachsenen Frau zu besitzen und noch nicht erwachsen zu sein ist jedenfalls eine Art seltsamer... Zwischenzustand... in dem sie sich selbst einigermaßen unwohl fühlt. Cedrics Tochter Bryja ist jünger als ich und doch ist sie schon eine Frau, wurde von Inari berufen und dient im Tempel. "Danke," erwidert sie ein wenig schüchtern und bietet Aurian einen Platz bei ihr in der Fensterbank an, während sie ihre Näharbeit wieder zur Hand nimmt. Ihr Blick fällt auf die gute Stoffschere und die feineren Nähscheren, und plötzlich kommt ihr ein Gedanke. Sie hat sowohl Conn, als auch Njáll immer die Haare geschnitten, bevor ihre Brüder beschlossen hatten, dass sie mit beinahe vier-und-zehn und zehn so gut wie erwachsene Männer wären, die ihr Haar nach alter herzländischer Sitte ab sofort lang tragen wie alle freien Männer. Vielleicht könnte sie Aurian ja anbieten, etwas gegen das Durcheinander auf ihrem Kopf zu tun? Unauffällig mustert sie die Halbelbe und ihr fällt zum ersten Mal auf, dass sie Aurian de Winter inzwischen um fast eine halbe Handbreit überragt. Aurians Haar war immer das schönste an ihr gewesen, jedenfalls hatte sie das in kindlicher Überzeugung stets so empfunden. Es war so lang und schwer und seidig schwarz gewesen... Unschlüssig beißt sie sich auf die Unterlippe. Vielleicht später... "Du warst lange fort, wie ist es denn dir in der Fremde gegangen? Da hat gesagt, du hättest nur einen Brief hinterlassen, aber gar nicht gesagt, wo du hingegangen bist. Wo warst du denn? Oder war es eine geheimer Auftrag?"

Aurian

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242

Donnerstag, 8. November 2018, 21:24

27. Beerenreif 518

Sein oder nicht sein

Aurian kann die Unsicherheit Fianryns spüren: es ist eine schwierige Zeit: noch keine Frau aber auch kein Mädchen mehr. Nur zu gut kann sich die Halbelbe an ihre eigene Jugend erinnern: zu der Verwirrung einer Heranwachsenden war auch das erste Aufflammen der Magie gekommen und die Notwendigkeit, sie zu verbergen.

Auf Fianryns Aufforderung hin setzt sie sich zu ihr auf den Fenstersims. Bei der Frage nach ihrem Verbleib und ob sie nicht einen geheimen Auftrag gehabt hätte, muss Aurian schmunzeln. Für die Kinder ist das Leben ein Abenteuer. „Nein, kein Auftrag. Ich hätte wahrscheinlich keinen Brief hinterlassen sollen, sondern mit deinem Da reden. Aber ich hatte Angst und hab mich geschämt. Weißt du, ich bin wie du eine Halbelbe. Ich kenne meine Mutter nicht aber ich habe von ihr nicht nur Elbenblut sondern auch Magie geerbt.“ Fianryn nickt. Aurian hat den Kindern von Zeit zu Zeit kleine Tricks vorgeführt, vor allem als diese noch kleiner waren. „Aber Magie ist auch harte Arbeit und manchmal ist sie stärker als man selbst. Du hast großes Glück, du hast schon immer jemanden um dich gehabt, der dich liebt, der dich so akzeptiert wie du bist. Du vertraust deiner Familie, sie vertrauen dir und das ist gut so. Ich hatte dieses Glück nicht und muss Vertrauen erst lernen. Und weil ich das noch nicht wirklich geschafft habe, bin ich davon gelaufen. Weil ich dachte, ich muss es allein schaffen. Die Magie war zu stark für mich und ich hatte Angst, jemanden zu schaden. Und ich habe mich geschämt, weil ich das Mana nicht beherrschen konnte. Wo dein Da und alle hier mich doch unterstützt haben.“

Aurian atmet tief durch. „Ich bin nach Sorbonn an die Akademie und hab das Mana drosseln lassen. Ich bin keine Magierin mehr, nur mehr eine einfache Zauberin.“ Bewusst lässt Aurian die Details ihres Kampfes gegen ihre Magie aus. Sie will das Mädchen nicht ängstigen, ihr nicht verdeutlichen wie sehr sie selbst gelitten und wie nahe sie dem Ausbrennen war. Immerhin werden über diese Dinge schon genug Schauergeschichten erzählt und im Nachhinein zu erfahren mit einer brennenden Lunte unter einem Dach gelebt zu haben … nicht gerade das was sie einer vier-und-zehn Jährigen vermitteln will. „Ich stehe dazu, das Drosseln war der richtige Weg. Falsch war wohl, dass ich mich mehr oder weniger heimlich davon gemacht habe. Damit hab ich wohl einige verletzt. Das wollte ich nicht. Und jetzt bin ich hier, um zu sehen, ob dein Da und die anderen mir verzeihen können und mich noch hier haben wollen.“

Ein Räuspern und das Geräusch der sich schließenden Tür lässt die beiden zusammen fahren: Am Türrahmen lehnt der Lord Commander. Weder Aurian noch Fianryn haben Olyvar kommen hören und so haben keine Ahnung wie lang er schon da steht und was er alles gehört hat. Der ausdruckslosen Miene ist kein Hinweis zu entnehmen.
Prinzessinnen richten das Krönchen, Königinnen ziehen das Schwert. :pferd:

Schreiben ist leicht. Man muss nur die falschen Wörter weg lassen. (Mark Twain)

243

Freitag, 9. November 2018, 13:04

Il Barbiere di Talyria

27 Beerenreif 518

Figaro qua, Figaro la, Figaro qua, Figaro la,
Figaro su, Figaro giu, Figaro su, Figaro giu.

Pronto prontissimo son come il fumine:
sono il factotum della citta....della citta, della citta, della citta, della citta

Ah, bravo Figaro! Bravo, bravissimo;
Ah, bravo Figaro! Bravo, bravissimo;
a te fortuna a te fortuna, a te fortuna non manchera.
LalalalalalalalaLA! Lalalalalalalalala... (Rossini, Il Barbiere di Siviglia)


Fianryn kommt gar nicht dazu, das Gehörte zu verdauen oder Aurian irgendwie darauf zu antworten, denn ein Räuspern schreckt sie beide auf und als sie Kopf und Blick hebt, sieht sie ihren Vater im Türrahmen stehen. Sein Gesicht hätte auch aus Bronze gegossen sein können, so unbewegt wie es ist, doch sie kennt diese Miene – es ist sein strenges, unnachgiebiges Lord Commander Gesicht. Sieh hat es in letzter Zeit selbst oft genug zu sehen bekommen und weiß, dass es nichts Gutes verheißt. Noch mehr seine Augen, die so hart und hell schimmern wie getemperter Stahl. Sie weiß aber auch, dass aller Zorn, den ihr Da vielleicht - und trotz allem, was er gerade möglicherweise mit angehört hat - für die ehemalige Magierin empfinden mag, aus der Sorge um die junge Frau heraus geboren ist... jedenfalls hofft sie das. Sie kann deutlich sehen, dass er mehr als verärgert ist und sie weiß, dass sie eigentlich aufstehen, ihre Nähsachen nehmen und die beiden allein lassen sollte, aber dann fällt ihr Blick auf Aurian, die ganz in sich zusammengeschrumpft ist und ihr gerade gesagt hat, dass sie niemanden auf der Welt hat und nie gelernt hat, irgendjemandem wirklich Vertrauen zu schenken; Fianryn denkt noch 'Papperlapapp!', und ehe sie es sich versieht, ist sie aufgestanden, hat einen Stuhl herangezogen, die verwunderte Aurian darauf bugsiert, die Scheren zur Hand genommen und verkündet. "Setz dich, ich kümmere mich jetzt um dein Haar, während du mit dem Lord Commander sprichst." Dann sieht sie ihren Vater eindringlich an. "Da, warum schimpfst du sie nicht auf Tamairge aus? Das erleichtert dich und sie versteht kein Wort, und alle sind zufrieden, aye?" Sie wartet weder von ihm, noch von Aurian eine Antwort ab, breitet ein Tuch über die Schultern der Magierin und beginnt ihr das Haar auszukämmen. Es sind war Ællas Kamm und Bürste, die sie dafür zur Hand nimmt, genau genommen sind es sogar Ællas Scheren, doch auf solche Feinheiten kann sie jetzt gerade nicht achten. Halb erwartet sie, aufgefordert zu werden, den Raum zu verlassen, doch ihr Vater gibt nur einen sehr tarasconschen Laut der Verachtung von sich, baut sich hinter seinem Schreibtisch auf, furchtbar groß und unverrückbar, das Gesicht angespannt und die Augen immer noch hell und grau wie Stein auf Aurian gerichtet. Dann legt er los. "A Dhiathan, thois cobhair! Far an robh ifrinn air a bhith?" - Götter steht mir bei! Wo zur Hölle bist du gewesen? Will er wissen, während Fianryn die Schere zur Hand nimmt und nach den kürzesten und längsten Strähnen im zerfransten Haar der Halbelbe sucht, um überhaupt einen möglichen Anfang zu finden. Ihr Vater predigt derweil im förmlichen, drohenden Tonfall eines Priesters, der vom Tempelaltar aus die Finsternis verdammt. 'Einfältiges Frauenzimmer,' hört sie ihn auf Tamairge schimpfen, 'du hast weniger Verstand als in eine leere Haselnussschale passt, dich einfach so davonzustehlen!' und dann: "A bheil beachd agad air dè cho iomagain 'sa bha sinn?" - 'Hast du auch nur die leisteste Ahnung, wie sehr wir uns um dich gesorgt haben?' Fianryn findet endlich eine Stelle in Aurians Haar, wo sie ansetzen kann und beginnt behutsam, die unterschiedlichen Strähnen auf eine Länge zu bringen, ohne dabei noch viel mehr abschneiden zu müssen – und das ist gar nicht so leicht. "A Siarla bheannaichte! A bheil fios agad dè cho cruaidh 'sa tha e air dearbhadh nach eil Varin a' dol gad lorg? No na cleòcan gorm eile? Bidh Morna a 'moladh gach latha anns an teampall airson do shlàinte agus do thilleadh sàbhailte!" - 'Gesegneter Siarl! Weißt du eigentlich wie schwer es war, Varin davon zu überzeugen, dich nicht zu suchen? Oder die anderen Blaumäntel? Morna hat jeden Tag im Tempel für dein Wohlergehen und deine sichere Rückkehr gebetet!' Fianryn schnippelt und schnippelt, kürzt hier und begradigt dort, während sie ihre Augen auf das Tun ihrer Hände gerichtet hält und innerlich mit einem leisen Lächeln kämpft. Ihr Vater klingt ziemlich bedrohlich, bedrohlicher, als er in der Allgemeinsprache geklungen hätte mit all den harten, rollenden, kehligen Lauten des Tamairge, das sich ohnehin immer anhört, als knurrten und grollten sich große, zornige Hunde an - aber sie versteht im Gegensatz zu Aurian ja jedes Wort.

Jetzt beschreibt er ihr gerade im freundlichen Gesprächston, was er eigentlich alles mit ihr anstellen sollte, angefangen damit, ihr den Hintern zu versohlen, so wie sie es verdient hätte, und zwar so, dass sie mindestens zwei Siebentage lang nicht mehr auf ihrem Allerwertesten sitzen könnte, bis hin zu wochenlangem Latrinenschrubben und noch längerem Dienst bei den Scheuermägden. Als er endlich mit seinen farbenfrohen, blumigen Ausführungen – Tamairge ist eine wortreiche, aber sehr formelle Sprache – endet, hat Fianryn Aurians Haar auf etwas über Kinnlänge gekürzt, aber immerhin ist es jetzt wieder gleichmäßig und sieht nicht mehr aus, als wäre eine hungrige Ziegenherde darüber hergefallen. Sie fasst sie schweren, lackschwarzen Strähnen der Halbelbin am Oberkopf, zusammen, teilt sie in drei Stränge und beginnt einen Briocazopf zu flechten – er würde ihr zwar nur bis in den Nacken gehen, aber dadurch das auch das Haar von den Seiten eingeflochten wird, würde es ihr nicht ins Gesicht fallen. "Bha thu na ghillean-faire. Ghabh thu bòid." - 'Du warst eine Stadtgardistin. Du hast einen Eid geleistet.' Erinnert ihr Vater Aurian derweil streng, doch die ehemalige Gardemagierin versteht ja kein Wort. "Allgemeinsprache, Da," wirft Fianryn ein und bindet ein blaues Band um das Zopfende. "So, fertig," flüstert sie Aurian zu und tätschelt ihr beruhigend die Schulter. "Ich musste es noch ein bisschen abschneiden, es ging nicht anders. Aber es wächst ja wieder nach."
"Es ist mir scheißegal, ob du eine Hohemagierin oder eine einfache Zauberin bist, das ist nicht der Punkt," hört Fianryn ihren Vater grollen, doch er klingt schon etwas weniger streng. Das verleiht nicht nur ihr Hoffnung, sondern auch Aurian auf ihrem Stuhl, die sich prompt ein wenig aufrichtet. "Einen Brief mit einer Bitte um Freistellung vom Dienst zu hinterlassen und mit keinem Wort zu erwähnen, warum, weshalb oder wieso ist noch keine Erlaubnis, einfach zu verschwinden! Wir hätten dich alle unterstützt, wenn du nur deinen Mund aufgemacht hättest, Himmelgötter Aurian! Du hast mir mit deiner Vergangenheit vertraut und mit Lestats windigem Erbe, mit Tallard, verdammte Neun Höllen, aber nicht mit deinen Schwierigkeiten wegen deiner Magie? Bas mhallaichte!"
"Es tut mir..." beginnt Aurian ganz zerknirscht, doch ihr Vater lässt sie gar nicht zu Wort kommen: "Weiß ich schon. Es tut dir leid. Mir auch, aber wenn du glaubst, ich lasse dich nur mit einer Entschuldigung vom Haken, hast du dich getäuscht." Ihr Da wendet sich brüsk ab und marschiert zur Tür, doch bevor er sein Solar wieder verlässt, wendet er sich noch einmal zu ihnen um. "Du bist eine Gardistin, du hast den Dienst nicht quittiert, und wenn du glaubst, ich lasse dich jetzt in dein Anwesen marschieren, damit du dich dort verkriechen kannst, täuscht du dich genauso. Aber du wirst nicht zu deinem alten Trupp zurückkehren, auch nicht als Zauberin. Du wirst bis auf weiteres vormittags die Botenkinder im Lesen, Schreiben und Rechnen unterrichten und nachmittags die jungen Rekruten der Spähergarde auf den Reitplätzen. Außerdem wirst du dich als Springerin für die Torwachen der Wächtergarde bereithalten, und dort Dienst versehen, wo Varin dich einteilt, wenn jemand ausfällt." Spricht's, verschwindet und wirft die Tür hinter sich ins Schloss. Rumms! Fianryn blinzelt. Aurian auch. Wenn ihr Da sie oder irgendeinen ihrer Brüder wegen etwas bestraft, das sie angestellt haben, fühlt sich das nämlich nie wie... nun ja, wie eine Begnadigung an. Ja, er ist furchtbar zornig auf die ehemalige Magierin – aber das ist wohl sein Weg ihr zu sagen, dass er sie trotzdem irgendwie versteht und ihr aus ihren Taten keinen Strick drehen wird. "Vielleicht kannst du ja versuchen, angemessen zerknirscht auszusehen, wenn du anfängst, die Kinder zu unterrichten," rät Fianryn ihr mit einem belustigten Schniefen, als sie das Tuch von Aurians Schultern nimmt und beginnt, die Haarschnipsel auf dem Boden aufzuwischen. Dann reicht sie ihr einen Handspiegel mit bronzenem Rahmen (auch Ællas), so dass sie sich ansehen kann. "Besser hab ich es nicht hinbekommen. Ich musste mehr abschneiden, als ich dachte. Wenn du den Zopf aufmachst, geht dir dein Haar nur noch bis knapp über die Schlüsselbeine. Unten sind ein paar Stufen, die ich nicht auch noch herausbekommen habe, aber im großen und ganzen ist es jetzt gerade und wird gleichmäßig nachwachsen."

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Aurian

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244

Freitag, 9. November 2018, 20:33

27 Beerenreif 518

Vom Himmel in die Hölle und wieder zurück (oder halt beinahe)

Aurian starrt auf die Tür des Solars und versucht zu verdauen, was in den letzten Minuten (angefühlt hat es sich wie Stunden) passiert ist. Von der in schönstem Tamairge gehaltenen Standpauke hat sie kein Wort verstanden, wahrscheinlich ist es besser so. Zumindest dankt sie den Göttern dafür, dass sie Fianryn diese Idee gegeben haben. Nur Namen hat sie verstanden, aber da kann sie sich gut ausmalen, in welchem Zusammenhang diese gefallen waren. Mit Varin hat sie ja schon am Vorabend gesprochen aber die Erwähnung von Morna ….dafür der alten Seele solch Sorgen bereitet zu haben könnte sie sich selbst ohrfeigen. So war sie auf dem Stuhl gesessen, hinter sich Fianryn, die sich nicht nur ihren Haaren gewidmet hat, sondern ihr auch ein Gefühl der Sicherheit vermittelt hat, sozusagen ihre Rückdeckung gewesen war und vor sich der Commander, der sprachlich eher Ähnlichkeit mit einem normander Bluthund denn einem Menschen zu haben schien. Sie hat mit allem gerechnet: Latrinen schrubben, zu Radegunds Besenbrigarde versetzt zu werden, sogar damit, für einige Siebentage im Kerker zu landen. Aurian hätte jede Strafe angenommen, denn schlimmer, als die Wort sind die Emotionen, die die Strafpredigt begleiten: Zorn, doch noch schmerzhafter ist Olyvars Enttäuschung.

Doch die Eröffnung, dass sie für die nächste Zeit den Unterricht der Botenkinder und Späherrekruten übernehmen soll und zusätzlich als Springerin Varin unterstellt ist, ist dann doch nichts, was sie erwartet oder auch nur ansatzweise zu hoffen gewagt hat. Es sind Dinge, die ihr eigentlich gefallen, sie kann mit Kindern und unterrichten ist zwar anstrengend aber doch auch schön. Und hatte Varin nicht am Vorabend noch angeboten, sie in seiner Truppe aufzunehmen? Olyvar hat ihr zwar offiziell eine Strafe und eine Art Degradierung aufgebrummt, ihr aber gleichzeitig auch eine neue Aufgabe und Perspektive gegeben. Und gleichzeitig sichergestellt, dass sie sich nicht verkriechen kann. Und ihr zu verstehen gegeben, dass ein Fehler, sei er noch so groß wie der ihre, nicht Grund genug ist, sie fallen zu lassen. Der Kloß in ihrem Hals wird immer dicker und dann, als Fianryn ihr noch den Spiegel vor die Nase hält und sie sieht, was für ein Wunder die Tochter des Commanders vollbracht hat, brechen die Dämme. Tränen rinnen ihr übers Gesicht, etwas was sie sich eigentlich nie zugesteht, schon gar nicht vor anderen. „Danke, danke, danke!“ aus einem Impuls heraus umarmt sie Fianryn. „Danke dass du hier geblieben bist, für das mit den Haaren, mit dem Tamairge …“ Etwas verlegen tritt die Halbelbe einen Schritt zurück und wischt sich beschämt über die Augen. „Wenn ich das irgendwie wieder gut machen kann, also wenn du Hilfe brauchst … sag‘s einfach.“
Prinzessinnen richten das Krönchen, Königinnen ziehen das Schwert. :pferd:

Schreiben ist leicht. Man muss nur die falschen Wörter weg lassen. (Mark Twain)

Aneirin

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245

Sonntag, 11. November 2018, 14:03

In der Nacht vom 22. auf den 23. Beerenreif 518 im Branturm

Aneirin weiß nicht so recht, was er erwidern soll. Genau genommen ist er überhaupt nicht in der Lage irgendetwas zu erwidern. Angespannt starrt er durch einen wässrigen Schleier auf seine Hände, die sich Halt suchend in die Decke gekrallt haben und versucht krampfhaft nicht in Tränen auszubrechen. Noch gibt es keinen Grund. Noch gibt es Hoffnung. Was auch immer geschehen ist, vielleicht hat es Brianna dazu veranlasst, sich zu verstecken oder davon zu laufen. Vielleicht hat sie jemand gefunden und mitgenommen, wohin auch immer das ist. Und hat dabei hoffentlich keine dunklen Absichten. Bei den Göttern, wenn irgendjemand Hand an sein kleines Mädchen legt… Und was, wenn sie nicht mehr lebt? Wenn er bei ihrem letzten Atemzug nicht bei ihr sein konnte? Wenn…
Aus dem Augenwinkel kann er erkennen, dass Sire Rhordri immer noch bei ihnen steht. Erwartet man eine Antwort von ihm? Aneirin ist sich nicht sicher, nickt aber auf gut Glück kurz mit dem Kopf, nachdem er feststellen musste, dass er kein Wort über die Lippen bekommen würde. Ob das nun die erwartete Antwort war oder nicht, weiß er nicht, doch der Kastellan verlässt sie wieder, nicht ohne noch einmal zu versichern, dass man sie umgehend informieren würde, wenn es neue Nachrichten gibt.
Es vergeht noch eine Weile, in der Arúen ihm weiterhin stumme Gesellschaft leistet, bis das Dröhnen in seinem Schädel ob Rhordris Nachricht etwas weniger einnehmend geworden ist und er erfolgreich den Tränenschleier fort geblinzelt hat. Als er sich dann vorsichtig aufsetzen will, zuckt die Elbin an seiner Seite und ist mit ihren Händen sofort bei ihm als befürchte sie, er würde erneut versuchen aufzustehen. Beschwichtigend legt Aneirin eine Hand auf ihre und sieht sie an. „Ich… würde gerne nach Hause. Vielleicht…“ Er hält kurz inne und versucht einen schweren Kloß im Hals herunter zu schlucken. Nein, er wird hier nicht in Tränen ausbrechen. „Vielleicht hat sie es ja irgendwie heim geschafft. Oder jemand hat sie zur Bäckerei gebracht.“
Aneirin weiß Arúens sanftes Lächeln zu schätzen, auch wenn es ein schmales Lächeln ist. „Ich werde mit Maester Dynan sprechen“, verspricht sie ihm und erhebt sich auf sein dankbares Nicken hin auch sogleich. Aneirin lehnt sich zurück in die Kissen und folgt ihr mit den Augen soweit er kann. Als er sie nicht mehr sehen kann, richtet sich sein Blick ins Leere und unbewusst krallen sich seine Finger erneut in die Decke. Brianna… Wo bist du nur?
Als er das nächste Mal Arúen seinen Namen wispern hört, schreckt er zusammen. Offenbar ist er tatsächlich noch einmal eingeschlafen. Wie lange vermag er nicht zu sagen, doch er hat das Gefühl, dass es in dem Raum bereits etwas heller geworden ist. „Aneirin, Sire Tiuri und die Späher werden jeden Augenblick aufbrechen, um die Suche fortzusetzen.“ Aneirin nickt und spannt sich bei dem Gedanken daran unwillkürlich an. Da fällt ihm wieder ein, um was er die Elbin zuvor gebeten hatte. Gerade will er nachhaken, da antwortet sie ihm bereits. „Ich werde dich nach Hause bringen, wenn du das noch möchtest. Aber du musst mir versprechen, dass du dich ausruhst.“ Er sieht an ihrem Blick, dass er es ihr tatsächlich versprechen muss, wenn er nach Hause möchte.
Seufzend nickt er und murmelt ein raues: „Versprochen.“ Arúen scheint sich damit zufrieden zu geben. Da nimmt sie seine Hand, dreht die Handfläche nach oben und legt etwas hinein. Als der Bäckermeister darauf blickt, bemerkt er wie sich seine Augen erneut mit Tränen füllen. „Du darfst die Hoffnung nicht aufgeben, hörst du?“ Aneirin nickt, während er Briannas Nussmühle in seiner Hand betrachtet. Nein, sein kleines Mädchen lebt. Das Band, das sie verbindet ist noch unversehrt, da ist er sich sicher. Schließlich schließt er die Finger um das Spielzeug und drückt dankbar Arúens Hand.
Schon kurz darauf, nach einer fürs Erste abschließenden Untersuchung durch den diensthabenden Aniran, stehen sie beide neben dem Bett sich an den Händen haltend, bereit das Gewirr zu betreten. Zumindest hofft Aneirin, bereit dafür zu sein, denn auf diese Art ist er noch nie zuvor gereist. Arúen hat ihn gewarnt, dass es für ihn anstrengend werden würde und ihm beteuert, dass er sich an ihr festhalten könne falls nötig. Nun beobachtet er wie Arúen für einen kurzen Moment die Augen schließt und hält beinahe den Atem an als sie sie wieder öffnet und auf ihrer Stirn strahlend grün das Siegel Anukis‘ leuchtet. Grüner Nebel steigt auf und nimmt sie beide ein. Und als Arúen den Zauber vollendet hat zittert dort, wo sie eben noch gestanden haben, lediglich noch die Luft.


→ Bäckerei Gerdenwald
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Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Aneirin« (17. November 2018, 21:41)


246

Sonntag, 11. November 2018, 19:22

All we could do was cry

27. Beerenreif 518

Can our morrows be foretold? Mayhaps. There are certain spells in old books...But you may ask instead, 'Should our morrows be foretold?' And to that I should answer 'No'. Some doors are best left closed. (George R.R. Martin)


Fianryn hat mit vielem gerechnet, aber nicht damit, dass Aurian in Tränen ausbrechen würde, und ehe sie sich versieht, hält sie die weinende Halbelbin in den Armen und tröstet sie, als wäre Aurian das hilflose Kind und nicht umgekehrt. "Nicht doch..." beginnt sie und tätschelt der Älteren den Rücken, doch dann erwidert sie einfach deren Umarmung. "Nicht doch, nicht doch." Und dann summt sie leise, so wie sie es die letzten Jahre getan hat, wenn ihr kleiner Bruder sich die Knie aufgeschlagen oder manchmal nach seiner Mutter geweint hatte, die nie dagewesen war. "Alles ist gut."
>Danke dass du hier geblieben bist, für das mit den Haaren, mit dem Tamairge …< die Halbelbin löst sich ein wenig verlegen, wie ihr scheint, von ihr und wischt sich die Tränen vom Gesicht. "Keine Ursache, Aurian," versichert sie. "Ich hab doch eigentlich gar nichts getan und das wenige, das ich tun konnte, hab' ich gern gemacht. Wenn er sich Sorgen macht, ist mein Da auch nicht anders, als andere Männer. Sie knurren und grollen und fluchen eine Menge, und sagen lauter Dinge, die sie gar nicht meinen, anstatt einfach zu sagen, wie sie sich fühlen."
>Wenn ich das irgendwie wieder gut machen kann, also wenn du Hilfe brauchst … sag‘s einfach.<
"Du musst gar nichts..." beginnt Fianryn, doch Aurians Worte rühren sie, viel mehr, als sie zugeben mag, und plötzlich ist sie es, die den Kloß im Hals hat und die aufsteigenden Tränen fort blinzeln muss. Hilfe? "Aurian... ich weiß nicht... ach! Ifrinn!" Sie beißt sich auf die Zunge. "Hast du schon von Ælla gehört... natürlich hast du, du bist seit gestern wieder da." Wenn man in Talyra die richtigen Leute kennt, und das tut Aurian zweifellos, ist die Stille Post etwas, auf das man sich stets verlassen kann. "Du weißt bestimmt schon alles."
Aurian nickt auch nur vorsichtig und erwidert, Varin habe ihr ein wenig von allem erzählt. Fianryn nickt, verschränkt die Arme unter ihrer Brust und beginnt im Solar hin und her zu laufen, weil sie mit einem Mal genauso wenig mehr stillstehen kann wie ihre kreisenden Gedanken. "Was du nicht weißt, ist wie mein Da vorher war... ich meine letzten Sommer, als er aus Azurien wiederkam. Er war hier und wieder bei uns... aber es war trotzdem, als wäre er gar nicht mehr da. Ihr wusstet alle, dass es ihm nicht gut ging, das ganze letzte Jahr über nicht, bis er in die... bis Tante Nan ihn und Brenainn geholt hat, um ihr in irgendwelchen Schattenjägerdingen zu helfen. Ihr wisst alle, dass er auf dieser Abenteurerfahrt in die Wüsten den Narrenkönig und Rayyan verloren hat und auch Diantha, ohne dass er es wusste, denn er war ja nicht hier. Die Wahrheit ist, sie hat uns lange vorher schon verlassen, schon als das mit ihrem Edelsteinhandel begann, vielleicht sogar schon vorher. Sie wollte uns erst und dann wollte sie etwas anderes vom Leben..." Als wäre eine Familie ein Spielzeug, das man einfach in eine Truhe legen und getrost dort vergessen kann, wenn es einem nicht mehr in den Kram passt. "Als Da in Azurien war, um Karamaneh zu helfen, ihre Schwester zu befreien, war sie für ein paar Wochen hier in Talyra, kam nach Hause, als wäre alles in bester Ordnung, nachdem sie fast ein Jahr lang fort gewesen war und wir kaum etwas von ihr gehört hatten. Ich war so wütend auf sie, aber sie hat gesagt, sie würde bleiben, alles würde wieder gut werden und ich habe ihr geglaubt. Sie war die einzige Mutter, die ich je gekannt habe... zumindest die einzige, an die ich mich erinnern konnte. Und als wir klein waren, Conn und ich, war auch alles gut. Sie war für uns da, sie hat uns vorgesungen, mit uns gespielt. Dann kam Njáll zur Welt und ich dachte... ich dachte... ach. Egal. Es spielt keine Rolle mehr. Alles kam ganz anders. Sie ist fort und wir waren wieder allein.

Und Da war... er war leer, Aurian. Es war, als hätte jeder, der ihm etwas bedeutet und ihn verlassen hat oder ihm gestorben ist, ein Stück von ihm mitgenommen, bis nichts mehr von ihm übrig war: seine Mutter, die bei seiner Geburt starb, sein Vater, der ihn zu Zieheltern gegeben hat, Elron Weißauge, dessen Knappe er gewesen war, dann der erste seiner Sieben, der in der Schlacht von Liam Cailidh gestorben ist, den er getötet hat, schnell und voller Gnade, damit er nicht in endlosen Qualen auf dem Schlachtfeld krepieren muss, dann meine Mutter, die uns verlassen hat, Karmesin, der auf der Jagd nach dem Schattenwanderer fiel, der Narrenkönig, Rayyan... Diantha. Er war nicht traurig, weißt du. Er war leer. Wenn man leer ist, kann man nicht traurig sein. Man kann gar nichts mehr sein. Dann haben wir den Westflügel ausgeräumt. Nach seiner Rückkehr aus Azurien. Wir haben fast alles weggegeben oder verbrannt. Es war wie eine große Reinigung. Doch anstatt ihn danach wieder zu füllen, mit uns selbst, mit einem Zuhause für uns alle, haben wir ihn einfach so gelassen. Wir konnten uns nicht überwinden, alles hat sich so falsch angefühlt und doch haben wir unser Heim schrecklich vermisst, und hier war es so eng und chaotisch mit uns allen, zusammengepfercht in zwei kleinen Zimmern. Doch wir haben nichts getan. Manchmal bin ich hingegangen und durch die leeren Räume gelaufen und ich hatte das Gefühl, durch ein Grab zu gehen. Und dann... dann hat er die Rhínemoor mitgebracht. Ich war schrecklich zu ihr, Aurian. Ich bin es immer noch... manchmal. Meistens. Und obwohl ich es oft gar nicht mehr sein will. Ich war schon ganz erwachsen, bevor sie kam. Jeder hat das gesagt. Ich musste es ja sein, für Njáll, selbst für Conn, manchmal, als Diantha weg war. Aber dann kam Ælla und ich habe mich von einem Tag auf den anderen wieder in ein trotziges Kind verwandelt. Ich bin zu Tante Kea hinausgeritten und habe mich bitter bei ihr beschwert. Ich bin zu Morna gegangen und habe Ælla schlechtgeredet, wo ich nur konnte. Dabei sehe ich genau... " sie beißt die Zähne zusammen und schließt für einen Moment die Augen. "Ich hab auch damals schon genau gesehen, wie sie ist. Das hab ich getan. Nicht gleich im ersten Moment, aber schon sehr bald. Ælla ist so wahrhaftig wie man nur sein kann. Sie ist furchtbar nett und sie gibt sich solche Mühe mit allem, und sie liebt meinen Vater, das kann jeder sehen, der Augen im Kopf hat. Jeder hat sie gern, man muss sie einfach gern haben. Niemand kann auch nur einen Viertelglockenschlag mit ihr verbringen, ohne sie gern zu haben! Es ist zum aus der Haut fahren. Sie ist wie Azra Blutaxt, weißt du. Das ist mir... mir gerade erst klar geworden, als du vorhin gekommen bist. Jeder liebt Azra – außer Shalhor Danjafaên, der sie hasst, nur weil sie ein Blutelbenmischling ist, obwohl er sie gar nicht kennt und sie sich das bestimmt nicht ausgesucht hat. Und jetzt weiß ich nicht, was ich tun soll, weil ich Ælla einfach nicht über den Weg trauen kann. Sie liebt meinen Da und sie bekommen ein Kind, und eine Weile wird alles in Ordnung sein. Und gerade dann, wenn wir uns auf sie einlassen, wenn wir anfangen, sie zu mögen, dann wird sie auch einfach verschwinden, so wie sie alle verschwinden."

Aurian

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247

Montag, 12. November 2018, 09:37

27.Beerenreif 518

Schon als Varin Aurian am Vorabend von Olyvars neuer Frau Ælla erzählt hat, war ihr der Gedanke gekommen, wie es wohl den Kindern damit geht. Vor allem angesichts der Tatsache, dass der Commander sie, aus welchen Gründen auch immer, so ganz genau hat sie die Geschichte nicht durchschaut, nicht vorher darüber informiert hat. Auch weil Varin sich mehr auf die Episode mit dem Stadtrat als mit der Vorgeschichte zur Hochzeit befasst hat. Wobei Aurian sich nicht sicher ist, wie genau Olyvar diese Details vor seinen Offizieren ausgebreitet hat, immerhin ist so eine Hochzeit ja auch Privatsache. Nun ist es, als hätte ihr Angebot sämtliche Dämme brechen lassen. Fianryn redet sich alles von der Seele, wobei sie im Solar hin und her läuft, als würde sie einem unsichtbaren Weg folgen. All die Ängste, Zweifel und Unsicherheiten stehen zum Greifen im Raum, man muss kein Empath sein, um zu merken, wie sehr das junge Mädchen von der Situation belastet und auch ewin wenig überfordert wird. Aurian ist sich sicher, dass das das erste Mal ist, dass die Tochter des Commanders all das in Worte fasst. Deren Augen glänzen verdächtig ob der unterdrückten Tränen und ihre fest unter der Brust verschränkten Arme wirken, als müsste sie sich selbst fest halten, weil sie das Gefühl hat, keiner sonst tut es. So lässt sie Fianryn sich alles von der Seele reden und als sie mit den Worten > … Und gerade dann, wenn wir uns auf sie einlassen, wenn wir anfangen, sie zu mögen, dann wird sie auch einfach verschwinden, so wie sie alle verschwinden. < endet, ist es an der Gardistin, ihr Gegenüber in den Arm zu nehmen. „Es ist in Ordnung, ich versteh dich. Jeder wird es verstehen. Du hast einfach Angst, wieder verletzt zu werden. Und da ist es normal, dass man nicht immer vernünftig sein kann. Sind wir Erwachsenen ja auch nicht immer. Das lebende Beispiel siehst du an mir.“

Aurian zieht das Mädchen zu sich auf die Fensterbank, auf der sie schon vorher gesessen sind und die Jüngere lehnt sich an ihre Schulter. „Deine Gefühle sind ganz normal: in den letzten Monden hast du deine Brüder und deinen Da beschützt, warst die Starke, der weibliche Rückhalt. Und du willst sie weiter beschützen, hab ich recht?“ Ein Nicken ist die Antwort. „Und gleichzeitig willst du selber auch wieder beschützt werden, willst dass alles wieder so ist wie früher, gut und beschaulich.“ Ein weiteres Nicken ist die Folge. „Und wenn ich mal raten darf: Du bist auch ein wenig sauer auf deinen Da, weil er euch nicht Bescheid gegeben hat, sie einfach mitgebracht hat. Und auf deine Brüder, weil die damit – so wie ich die beiden kenne – leichter zurecht kommen. Oder zumindest so tun als ob. Und trotz all der Wut und Angst willst du dich einlassen, also ganz tief drinnen. Aber da ist so eine kleine gemeine Mauer, die man nicht recht einreissen kann, über die man nur drüber schaut und auf der anderen Seite sieht, was sein kann. Aber man kann oder traut sich nicht hin, ist nur der Zuschauer. Ich kenn das, Fianryn, glaub mir. Wenn du magst erzähl ich dir mal von mir, wenn du‘s nicht glauben kannst … aber nicht jetzt. Jetzt geht es mal um dich.“ Und um deinen Da. Wie Aurian den Commander kennt, leidet er auch in gewisser Weise unter den Spannungen zwischen seiner neuen Frau und seiner Tochter. Sie weiß, wie wichtig ihm seine Familie ist und die Leere, die Fianryn beschrieben hat, war nur zu greifbar. Vielleicht, denkt Aurian bei sich, war das einer der Gründe, warum ich mit ihren Sorgen nicht zu ihm gekommen bin. Die Hemmung, die Leere noch zu vertiefen … Aber dieser Gedanke wird sofort wieder zur Seite geschoben. Hier geht es jetzt um Fianryn. Aurian hat es nicht angesprochen, aber sie spürt, dass das junge Mädchen bis zu einem gewissen Grad auch ein schlechtes Gewissen hat. Eben weil sie nicht aus ihrer Haut kann, so schrecklich zu Ælla war und ist und überhaupt ….

„Hast du schon mal mit deinem Da darüber gesprochen, also darüber wie du dich fühlst, was in dir vorgeht?“
Prinzessinnen richten das Krönchen, Königinnen ziehen das Schwert. :pferd:

Schreiben ist leicht. Man muss nur die falschen Wörter weg lassen. (Mark Twain)

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Tiuri

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248

Montag, 12. November 2018, 14:38

Der Morgen bringt wenigstens etwas Helligkeit mit sich, aber der unbarmherzige Regen gibt kein Stück nach. Hauptmann Kaney hat Tiuri freie Hand über seine Späher erteilt und dem jungen Korporal die Leitung über die Suche erteilt da er mit dem Fall und dem Gelände am Ort der Suche schon vertraut ist. Tiuri hätte die Aufgabe auch ungern abgetreten, da ist es auch nicht wichtig, dass er die ganze Nacht praktisch nicht geschlafen hat, er würde ohnehin keine Ruhe finden. So lässt er die ihm zugeteilten verfügbaren Späher und Jäger, jeden der sich mit Spurensuche auskennt, alle Rekruten die nichts Besseres zu tun haben und wer auch immer sich freiwillig meldet im inneren Zwinger versammeln und erklärt ihnen in kurzen Anweisungen wo die Suche statt findet und dass es sich bei der Vermissten um ein kleines Mädchen handelt. Er muss niemandem klar machen, dass ein kleines Kind bei diesen Temperaturen, im starken Regen und schon seit mehreren Stunden abgängig alleine im Larisgrün, in höchster Gefahr schwebt.
Während er da vor ihnen steht und in die ernsten, schon jetzt vom Regen nassen Gesichter der Männer und Frauen der Steinfaust blickt, spürt er trotz all der Anspannung auch tief in sich Stolz dieser Gruppe anzugehören und obwohl er es immer wieder miterlebt, ist er jedes Mal tief beeindruckt davon was für eine wohlgeölte Maschine die Steinfaust doch ist. Der Loaritter hatte es in der Zeit, die es gedauert hat all diese Leute zu versammeln, gerade mal geschafft sich die nassesten Kleidungsstücke vom Leib zu schälen und sie gegen trockene einzutauschen. Jetzt steht er hier und während er zu ihnen spricht weiß er, dass sich im Hintergrund die Räder weiter drehen. Pferde werden gesattelt und vorbereitet, die Wächter werden alarmiert und informiert auch in der Stadt Ausschau zu halten, selbst in der Küche arbeiten alle daran Rationen für die Suchenden zusammen zu stellen, damit diese so lange wie möglich oder es eben sein muss durchhalten können.
Tatsächlich sind sie auf all diese Versorgungshilfen dann auch angewiesen. Tageslicht hin oder her, der Regen hat den Boden mittlerweile noch schlimmer aufgeweicht und die einzigen Spuren, die die Späher noch finden können, sind die wilder Tiere, die jedoch absolut im Nichts oder einem Wildschweinbau verlaufen.
Sie suchen bis im Osten der Ildorel ihre Suche begrenzt und sie marschieren in den Westen bis sie irgendwann das Feenwasser erreichen und jedem von ihnen klar ist, dass dem Mädchen Flügel gewachsen sein müssten um es alleine bis hier her geschafft zu haben. Sie suchen im Norden bis sie die ersten kleinen Dörfer erreichen und im Süden bis zum kleinen Waldsee, doch Brianna ist und bleibt wie vom Erdboden verschluckt.
Trotz ihrer großen Zahl an Suchern und auch neuen Leuten und Hunden die die alten im Laufe des Tages abwechseln, müssen sie als die Dämmerung vollends über sie herein gebrochen ist und sie die Grenzen des Möglichen ausgereizt haben, unverrichteter Dinge zurück kehren. Tiuri hat immer den blassen, verwunderten Bäcker auf seinem Bett im Branturm vor seinem inneren Auge und weiß beim besten Willen nicht wie er ihm diese Nachricht überbringen soll. Überhaupt ist es die erste richtig große Aufgabe die ihm als Korporal der Steinfaust übertragen wurde und er fühlt sich wie der mieseste Versager, selbst wenn er weiß, dass sie alles Menschenmögliche getan haben um das Mädchen zu finden.
Zurück in der Steinfaust, wo alle todmüde in ihre Betten fallen, macht sich Tiuri als erstes mit den schlechten Nachrichten auf zu Rhordri. Natürlich würden sie die Suche nicht aufgeben, aber Tiuri weiß natürlich ganz genau, je mehr Zeit verstreicht desto unwahrscheinlicher wird es, dass sie das Mädchen jemals lebend auffinden.

249

Montag, 12. November 2018, 20:04

Withershins
(adv.erb; counterclockwise, in a direction contrary to the natural one)

27. Beerenreif 518, im Solar des Lord Commanders

I can't explain what I meant. And even if I could, I'm not sure I'd feel like it. (J.D. Salinger; The Catcher in the Rye)


Fianryn wischt wütend die Tränen von ihrem Gesicht und schüttelt hilflos den Kopf. Mit vielem, was Aurian ihr sagt, hat die Ältere so recht, vor allem über die Dinge mit der Mauer und dem Gefühl, alles als Zuschauer zu erleben. Es tut auch gut, sie so nahe zu haben, einfach um des Trostes einer mitfühlenden, verständnisvollen Freundin wegen, und doch, je mehr die Magierin...nein, sie ist jetzt eine Zauberin, vergiss das nicht... sagt, desto unbehaglicher fühlt sich Fianryn. "Ich bin nicht wütend auf meinen Vater, weil er uns nicht vorher Bescheid gegeben hat. Oh, ich war es, ganz am Anfang. Aber Aurian, du musst wissen, dass er uns keinen Raben geschickt hat, weil er es uns selbst sagen wollte, von Angesicht zu Angesicht. Er und Ælla konnten ja nicht wissen, dass ein königliches Sendschreiben aus Fa'Sheel an den Stadtrat früher hier in Talyra eintreffen würde, als sie selbst. Und als ich ihre Geschichte gehört hatte, konnte ich es verstehen, wirklich. Er hat sie ja nicht geheiratet, weil er sich Hals über Kopf in eine Fremde verliebt hat, sondern um ihr Leben zu retten, und sie..." weil Aurian einigermaßen verwirrt dreinblickt, nimmt Fianryn ihre Hände und sieht der Halbelbe bedeutungsvoll in die Augen. Sie sind von einem ganz anderen Grün als die der Rhínemoor, mehr wie die einer Katze vielleicht. "Ælla ist keine Rebelllin oder Verräterin an der rhaínländischen Krone, ganz egal, was du vielleicht an Gerüchten aufgeschnappt hast. Jeder, der sie kennenlernt, begreift das innerhalb von fünf Herzschlägen, Aurian, selbst ich und ich bin nur ein Mädchen. Sie ist ein grundehrlicher Mensch, ich hab' dir ja schon gesagt, sie ist so wahrhaftig, wie man nur sein kann. Selbst wenn sie das nicht wäre, ich glaube, sie kann überhaupt nicht lügen; man sieht ihr immer an, was sie denkt. Sie ist nur die Tochter eines Rebellen, aber das hat der guten Königin der Rhaínlande schon genügt, um sie monatelang von ihren Rebellenjägern wie einen tollwütigen Hund kreuz und quer durchs Land jagen zu lassen. Ihr Vater und ihr Bruder sind in Northoren als Anhänger Juriaan bar'Òorans, des Bruders der Königin, hingerichtet worden, doch sie konnte fliehen. Diese Männer, die sie verfolgt haben, haben schreckliche Dinge getan; sie haben Menschen gefoltert und ermordet und dasselbe hätten sie auch mit ihr gemacht. Ihr Anführer, ein Mann namens Asger von Rekenhael, hat es wohl als... als persönliche Schmach empfunden, dass sie ihm so lang entkommen ist. Vielleicht wollte er sie auch, weil er anscheinend gern Frauen und Kinder quält, ich weiß es nicht. Wie auch immer, sie hat es bis Suthaward an der Grenze zum Verdland geschafft und wollte eigentlich mit einer Handelskarawane oder anderen Reisenden in die Herzlande kommen, aber es ging nicht. Wegen irgendeinem Holzschmuggel und ein paar Zusammenstößen zwischen Rhaínländern und den Waldläufern der Verdwälder wurden alle Reisenden kontrolliert. Also hatte Ælla den Einfall, zum Schein einen Herzländer zu heiraten und so unentdeckt über die Grenze kommen zu können und die Ehe danach wieder auflösen zu lassen. Ein ungewöhnlicher Plan, das gebe ich gern zu, aber ein anderer wäre mir angesichts der Umstände vermutlich auch nicht eingefallen, wenn ich überhaupt darauf gekommen wäre. Wie dem auch sei, Brenainn - du weißt ja, dass Borgils und Azras Ältester der Knappe meines Vaters ist oh... und er ist jetzt übrigens ein Ritter Shenrahs... - hat sie aufgelesen und meinen Da dann so lange bekniet, bis er bereit war, ihr zu helfen und sie zum Schein zu heiraten. Also haben sie das getan.

Dann kamen Asger und seine Männer in den Tempel, gerade als sie die Ehe geschlossen hatten, und alles... alles ging schief. Asger hat ihren Haftbefehl herumgeschwenkt, mein Da hat gesagt, Ælla sei jetzt eine Herzländerin und unterstehe nur noch talyrischem Recht, der Tempelvorsteher hat sich eingemischt und sie wurden gezwungen, die Ehe zu vollziehen, um sie rechtsgültig zu machen, wenn mein Da sie nicht an die Rebellenjäger ausliefern wollte. Ich muss dir nicht sagen, dass er das niemals getan hätte, denn das hätte ihren Tod bedeutet, also... waren sie am nächsten Morgen rechtmäßig vermählt, und nun ist sie hier." Während ihrer ganzen Rede ist Fianryn nicht aufgefallen, dass sie sowohl die Rhínemoor, als auch ihren Vater und das, was sie getan hatten, die ganze Zeit über verteidigt hat – nicht, dass Aurian sie irgendwie beschuldigt hätte. "Sie haben gesagt, sie hätten beschlossen, das beste aus ihrer Ehe zu machen, da sie nun einmal verheiratet sind. Ich hab sie Tante Kea gegenüber eine Heiratsschwindlerin genannt und ein falsches Kuckucksei und... und Morna gegenüber noch viel schlimmere Dinge. Ich hab meinem Da gesagt, dass ich ihr nicht über den Weg traue und dass ich sie hier nicht haben will. Und ihr auch. Sie wissen genau, wie ich mich fühle, ich hab sie nicht angelogen. Ælla ist ganz unglücklich deswegen, aber sie versteht es, sagt sie, oder sie versucht es. Du hättest ihr Gesicht sehen sollen, ich hab dir ja gesagt, sie kann niemandem etwas vormachen. Es hat ihr weh getan und ich, ich hab mich gefühlt wie eine gehässige blöde Ziege und gleichzeitig... gleichzeitig... ach! Ich hab ihr die Pest an den Hals gewünscht; am ersten Tag, da... da hab ich mir sogar gewünscht, der Stadtrat würde auf ihrer Auslieferung bestehen, obwohl ich gewusst habe, was das heißt. Ich hab Brenainn ein blaues Auge verpasst, nur weil nach ein paar freien Tagen in der Harfe einmal nach ihr gefragt hat. Ich bin auf ihn losgegangen, so wütend war ich, und hätte Rimeon mich nicht... ach, ich bin einfach schrecklich, Aurian. Ganz furchtbar, doch wirklich. Und ich weiß es. Ich tue Ælla bestimmt Unrecht, die ganze Zeit, und doch kann ich nicht anders, weil ich an nichts anderes denken kann, als daran, dass sie meinem Da irgendwann das Herz brechen und uns verlassen wird, genau wie meine Mutter und Diantha es getan haben." Eine Weile schweigt sie und blickt auf ihre verschränkten Hände. "Tut mir leid, dass ich das alles bei dir abgeladen habe. Du musst selbst genug um die Ohren haben mit deiner Rückkehr erst gestern und allem, was du... erlebt hast." Seufzend nimmt sie ihre halbfertige Näharbeit wieder auf und fährt gedankenverloren über die Stickereien. "Danke, dass du mich trotzdem angehört hast."

Aurian

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Montag, 12. November 2018, 21:38

27. Beerenreif 518

Zuerst ist Aurian verwundert ob der Heftigkeit von Fiaryns flammender Rede aber dann lächelt die Halbelbe innerlich: das Mädchen verteidigt sowohl ihren Vater als auch seine neue Frau als hätte jemand sie aller Sünden und Vergehen Rohas angeklagt. Im Zuge dieser Rede erfährt die Zauberin auch gleich die genauen Umstände der Hochzeit. Es ist wirklich eine abenteuerliche Geschichte, fast schon unglaublich. Dass Brenainn seine Finger auch mit im Spiel hat, macht das Ganze nicht weniger verworren.

Und dann berichtet das Mädchen, was sie nach der Ankunft des frisch vermählten Paares alles getan und gesagt hat und Aurian dämmert immer mehr, dass es auch diese Worte sind, die die Jüngere belasten. Dass sie sich sogar körperlich mit dem Knappen ihres Vaters angelegt hat, wo sich die beiden sonst doch sehr gut verstehen, sagt einiges. "Du bist sicher keine blöde Ziege" wiederspricht sie ihr dann aber doch, denn diese Anflüge von Selbsthass will sie der Jüngeren auf keinen Fall durch gehen lassen. "Du hast dich nicht richtig benommen, dass stimmt. Aber ehrlich warst du und das ist schon mal viel mehr wert, als wenn du freundlich geheuchelt und hinter ihrem Rücken gehetzt hättest. Das wäre richtig fies gewesen." Die Jüngere starrt auf die Stickereien in ihrer Händen als könnten die Blumen ihr die Lösung ihrer Probleme mitteilen. Aurian ist sich nicht sicher, ob sie noch mitbekommt, was sie ihr sagt. "Ich hab dir gern zugehört, wofür sind Freunde da? Und wenn du es möchtest, bin ich sehr gerne deine Freundin. Du musst es nicht gleich entscheiden, überlegs dir einfach. Du kannst immer zu mir kommen. Egal mit was und womit. Und vielleicht kannst du dir überlegen, ob du Aella nicht doch versuchen kannst, ein wenig zu vertrauen. So ein kleines Bischen in einem kleinen Bereich, der für dich passt. Auch auf das musst du mir jetzt nicht antworten, musst du nie. Beantworte es nur für dich selbst."

Noch einmal nimmt sie das Mädchen kurz in den Arm. "Ich muss los, sollte mich noch umziehen bevor ich zu meiner ersten Unterrichtsstunde mit den Botenkindern gehe. Ich glaube, ich sollte nicht zu spät kommen und die Geduld deines Vaters überstrapazieren." An der Tür dreht sie sich nochmal um: Fianryn sitzt gedankenverloren am Fenstersims, die Stickerei in den Händen. Aurian spürt, dass die Jüngere Zeit für sich und ihre Gedanken braucht und so schließt sie leise die Tür. Die Wachen vor der Tür versuchen, unbeteiligte Mienen zu machen. "Alles in Ordnung bin noch eine von euch." Diese Worte auszusprech zu können, macht sie dankbar, auch wenn der Halbelbe klar ist, dass sie noch einiges wird aufräumen müssen. Du redest von Vertrauen und bist selber Meisterin darin, alle um dich herum vor den Kopf zu stossen. Mit diesen Gedanken geht sie zurück in ihre Kammer und kramt sich eine Uniform heraus. Diese sitzt enger als früher, vor allem an den Schultern aber auch an den Hüften. Sie wird wohl Avila oder Morna bitten müssen die Kleidung zu ändern. Bei einem Kampf oder auch im Training könnte da sonst etwas reißen ... eine Erfahrung, die sie tunlichst vermeiden will. Beim Gedanken an Morna wird ihr beinahe schlacht vor Scham. Sie hat nicht verstanden, was der Commander im Bezug auf Rhodris Frau gesagt hat, aber denken kann sie es sich. Ich muss heute noch zu ihr. Aber jetzt ist die Zeit dafür zu knapp und so verlässt sie ihre Kammer, um die Bande der Botenkindern in die Kunst des Rechnens zu unterweisen - ein neues Abenteuer, soviel ist sicher.
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Aurian

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Dienstag, 13. November 2018, 11:47

27.Beerenreif 518

Die folgenden Stunden vergehen wie im Fluge: Den Vormittag verbringt Aurian mit einem Haufen Botenkinder in den verschiedensten Altersgruppen, die ihr eigentlich lieber Löcher in den Bauch fragen würden, anstatt sich auf den Unterricht zu konzentrieren. Irgendein Spaßvogel hat doch wirklich das Gerücht in die Welt gesetzt, dass sie in den vergangenen Monden auf der Jagd nach einem untoten Narg war, was natürlich ein streng geheimer Auftrag war. Wer bei allen Göttern ist nur auf so eine Idee gekommen? Vor allem die Jungen sind enttäuscht, als sie ihnen sehr deutlich macht, dass sie zum einen einem sehr schlechten Scherz aufgesessen sind und zum anderem sie jedem, der diesen Unsinn auch nur ansatzweise weiter verbreitet, die Ohren lang ziehen wird. Die kleine Geri erklärt darauf hin altklug, dass sie sowieso gewusst hat, dass das nicht stimmen kann weil der Lord Commander das nie zulassen würde und jeder weiß, dass die Nargen vertrieben sind. Und dass nur eine tragische Liebesgeschichte dahinter stecken kann, wenn sich eine junge Frau Hals über Kopf aus dem Staub macht. Jetzt kann sich die Halbelbe wirklich nicht mehr halten vor Lachen. „Nein, auch keine Liebesgeschichte. Ihr seid ja neugieriger als ein Haufen Irrlichter.“ Ihr Tadel ist gutmütig amüsiert lässt aber auch keinen Zweifel, dass sie nicht bereit ist, ihre Geschichte vor einem Haufen Kinder auszubreiten. „Ich wäre euch sehr verbunden, wenn ihr das Gerüchte streuen und spekulieren sein lassen würdet. Ich könnte sonst auf die Idee kommen dass euch langweilig ist und mir fallen da sicher einige Aufgaben ein, zum Beispiel was Rechnen und Schreiben angeht oder ….“ Diese Drohung wirkt besser als die Aussicht auf langgezogene Ohren und den Rest der Unterrichtseinheit geben sich die liebenswerten Plagegeister Mühe, es ihrer neuen Lehrerin recht zu machen. Bis zu diesem Zeitpunkt hat Schussel, der junge Wassermagier, den Unterricht abgehalten und da sein Name irgendwie Programm ist, ist der Wissensstand der Botenkinder sehr unterschiedlich: in manchen Gebieten sehr gut, in anderen wieder leicht chaotisch. Ein Abenteuer, wie die Halbelbe schon vermutet hat.

Als der Unterricht um ist und die ganze Bande zur Tür hinausstürmt, atmet Aurian einmal tief durch. Keine Frage, es ist eine wichtige und auch schöne Aufgabe, die Olyvar ihr da aufgebrummt hat aber auch anstrengend und fordernd. Und verantwortungsvoll. Aber nichts zu dem was ihr nun bevorsteht: Ein Besuch bei Morna, der Frau des Kastellarn. Die gute Seele länger nicht aufzusuchen wäre mehr als gemein und so steigt sie die Stufen zur Wohnung des Paares hinab. Auf ihr Klopfen hört sie ein gedämpftes >Herein< und tritt in die Küche des Ehepaars Dinefwr. Ausnahmsweise ist die geräumige Wohnküche leer, bis auf die Herrin des Hauses, die eben in einer der Truhen herumkramt. Als sie sich, den Arm voller Tücher, aufrichtet und umdreht, entfährt ihr ein Schrei und der gesamte sauber gefaltete Stoffstapel fällt zu Boden. Im ersten Moment ist die alte Frau bleich wie ein Lacken, ganz so als hätte sie einen Geist gesehen, und schlägt die Hände vor dem Mund zusammen. Aber im nächsten Moment hat sie die Halbelbe an sich gedrückt, als wollte, müsste sie spüren, dass es eben keine Erscheinung ist. >Mädchen, wo warst du? Du lebst …. Was hast du dir eigentlich dabei gedacht, einfach weg zu laufen? Den Göttern sei Dank …weiß es Olyvar schon? Den Hintern sollte man dir versohlen … lass dich anschauen … gut schaust du aus… aber deine Haare …. Geht es dir gut? Oh ich hab mir solche Sorgen gemacht, wie konntest du uns das antun? Ich sollte, ich sollte ….< In einer Mischung aus Lachen, Tränen, Schelte und Dankbekundungen an die Götter schiebt die alte Frau Aurian abwechselnd zur Musterung von sich weg um sie dann wieder in die Arme zu schließen. Es dauert etliche Minuten, bis der erste Gefühlsausbruch zu Ende ist und sich die Jüngere auf einen Stuhl bugsiert wieder findet, einen Teller dampfenden Eintopf vor der Nase. >Hier iss! Schaust zwar besser aus aber für meinen Geschmack immer noch zu dünn. Und jetzt erzähl, wo warst du … du hast dich doch nicht etwa mit irgendeinem windigen Herumtreiber eingelassen und bist womöglich …..“ Der Satz verhalt unbeendet, aber Mornas Blick auf Aurians Leibesmitte spricht Bände. Energisch schüttelt die Zauberin den Kopf. „Nein Morna, das wirklich nicht. Kein Mann und auch kein Kind!“ Der alten Frau entweicht ein Seufzer der Erleichterung. >Was war denn dann? Warum bist du einfach auf und davon? Oh ich könnte dir jetzt noch die Ohren langziehen …< Aurian, die eben einen Löffel des wunderbaren Eintopfs in den Mund steckt (würde sie nicht nebenbei essen, wäre Morna schwer beleidigt), verschluckt sich beinahe, als die resolute Kastellarnfrau ihr einen Klaps auf den Hinterkopf verpasst, nicht fest aber deutlich genug um zu zeigen was sie von so einem Verhalten hält. Aurian legt den Löffel zur Seite und sieht der alten Frau in die Augen. Und dann erzählt sie ihr, was passiert ist, warum sie ihre Magie hat drosseln lassen und auch von ihrem Aufenthalt bei Dorian Flammenhaar. Den alten Gardisten kennt Morna und ein belustigtes Schnaufen zeigt, dass der Alte auch früher schon ein liebenswerter Brummbär war. Dann aber wird die alte Frau wieder ernst und tränen schimmern in ihren Augen, als sie Aurian sanft über die Wange streicht. >Mädchen, warum bist du denn nicht zu mir gekommen? Wir hätten eine Lösung gefunden und wenn ich dich selbst nach Sorbonn begleitet hätte. Ich weiß, du wirst sagen, du wolltest uns schützen aber ich weiß genau, dass du niemandem geschadet hättest, das hättest du nicht gekonnt, niemals!“ Wenn ich mir da nur sicher gewesen wäre! Diesen Gedanken behält Aurian aber für sich. Sie will die alte Frau nicht im Nachhinein ängstigen.

Die Zeit vergeht wie im Flug und bald ist es an der Zeit, sich zum Reitplatz zu begeben, denn nun warten die Rekruten der Späher darauf, ihr Reittraining zu beginnen. Zum Abschied nimmt ihr Morna das Versprechen ab, sie bald wieder zu besuchen. Kaum hat Aurian die Wohnung verlassen, packt die alte Frau ihre Sachen zusammen: Zum einen will sie sofort in den Tempel, um den Göttern zu danken. Zum anderen will sie ihren Mann suchen, der wohl wieder die Zeit vergessen hat, denn zum Mittagsmahl ist er nicht erschienen und sie muss ihm unbedingt erzählen, dass Aurian wieder da ist. Obwohl er es wohl schon weiß aber sicher ist sicher.
Prinzessinnen richten das Krönchen, Königinnen ziehen das Schwert. :pferd:

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Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von »Aurian« (13. November 2018, 13:37)


Aneirin

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Dienstag, 27. November 2018, 23:05

11. Erntemond 518

← Bäckerei Gerdenwald


Am Abend

Den Gang zur und durch die Steinfaust bewältigt er beinahe schon geistesabwesend und ohne viel um ihn herum wahrzunehmen. Tatsächlich bemüht er sich krampfhaft, wie jeden der letzten Tage, ein erträgliches Gleichgewicht zwischen Hoffen und Bangen zu finden. Zwar ist er der Meinung hätte man Brianna gefunden, hätte man ihm unlängst Bescheid gegeben und nicht darauf gewartet, dass er die Steinfaust von selbst aufsucht. Auf der anderen Seite hat man sie womöglich erst vor wenigen Augenblicken in die Stadt gebracht und noch gar nicht die Gelegenheit gehabt, eines der Botenkinder zu ihm zu schicken. Wer weiß… Die Hoffnung stirbt zuletzt.
Wenn sie sie heute nicht gefunden haben, dann finden sie sie vielleicht morgen. Er ist sich sicher, dass sein kleines Mädchen noch lebt. Seine Finger umschließen Briannas kleine Nussmühle in seiner Manteltasche, während er die inzwischen leider viel zu vertrauten Gänge und Flure der Steinfaust entlang geht. Er kann es nicht erklären, aber er spürt, dass es so sein muss. Wo auch immer sie stecken mag, er hofft inständig, dass sie wohlauf ist.
Aneirin blickt auf als er das Knarren einer Tür und Schritte vernimmt. Der Schemel, auf dem er sitzt und auf Sire Tiuri wartet, knarrt kurz als er sich aufrichtet. Ein Botenkind flitzt an ihm vorbei den Gang entlang. Der Bäckermeister senkt den Blick wieder auf seine Füße. Da erst bemerkt er, dass sein Herz für einen kurzen Augenblick ganz aufgeregt geschlagen hat. Er weiß nicht wie viele Augenblicke vergehen als er wieder Schritte vernimmt. Der Loaritter ist es nicht, dessen Schritte sind allein aufgrund seiner Statur schon schwerfälliger, das hat Aneirin in den letzten Tagen inzwischen herausgefunden. Und da es nicht Sire Tiuri ist, gibt es für ihn keinen Grund aufzusehen.
Am liebsten würde er laut seufzen. Stattdessen beobachtet er gedankenverloren das Schattenspiel, welches das ab und an aufflackernde Kerzenlicht einer Laterne auf den Steinboden malt.
Avatar © 2013 liegt bei der wundervollen Azra

Aurian

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Freitag, 30. November 2018, 11:18

Von Ende Beerenreif bis 2. Langschnee 518

Die Siebentage nach Aurians Rückkehr verlaufen ruhig aber doch geschäftig. Ihre neue Diensteinteilung, die den meisten als Strafe erscheinen mag, füllt die Halbelbe aus und macht ihr auch richtig Spaß: Die Botenkinder, zwar offiziell Rhordri unterstellt, haben in ihr schon immer eine große Schwester und Vertraute gesehen und oft waren sie eher zu ihr als zum Kastellan beichten gegangen, wenn sie mal übers Ziel hinaus geschossen hatten. Mehr als einmal war sie als Rückendeckung zu diesem mitgeschleift worden und der alte Mann hat ihr des Öfteren beschieden, dass ihr weiches Herz für die Bälger einmal ihr Untergang sein werde. Was einer gewissen Erheiterung nicht entbehren kann, denn gerade Rhordri hat ein Herz so weich wie überreifer Schimmelkäse. Nun unterrichtet sie diese Bande ganz offiziell und die Kinder geben sich Mühe, „ihrer“ Aurian zu gefallen. Jedenfalls meistens, denn es wären ja keine Kinder, wenn nicht doch der eine oder andere Streich an der Tagesordnung steht. Als es die Plagen dann doch einmal zu bunt treiben und so überhaupt nicht wissen wohin mit ihrer Energie, verfrachtet Aurian sie kurzerhand ins Larisgrün und jagt sie in einem Dauerlauf über Stock und Stein. Einen Kübel Wasser über der Tür zum Branturm zu deponieren und sich dann kringelig zu lachen, als der arme Schussel so zu einer unfreiwilligen Dusche kommt, ist dann doch zu viel. Da kommen sie ihr ungestraft nicht davon. Unterbrochen wird der mehrstündige Waldlauf, den Aurian auf dem Großen reitend begleitet, nur von Erklärungen zu Bäumen, Tierspuren und sonstigen Dingen des Waldes. Die Halbelbe ist zwar nicht so bewandert wie die Späher und Waldläufer, aber Grundlegendes kann sie der Bande schon vermitteln. Und da sie ihnen ja eigentlich lesen und schreiben beibringen soll, verdonnert sie sie im Anschluß dazu, je einen Bogen Pergament mit den Erfahrungen jener Waldeinheit voll zu schreiben. Da ihnen bewusst ist, dass sie von anderen den Hintern versohlt bekommen hätten, gibt es kein Murren, zudem sind sie doch rechtschaffen müde von der Rennerei.

Was die Späher Rekruten angeht, ist es da mitunter schon schwieriger, den Bengeln Verantwortung einzubläuen. Vor allem drei Jungen aus bürgerlichen Häusern denken sie seien etwas Besseres: bereits geübte Reiter und ein eingeschworenes Trio fühlen sie sich den Anfängern überlegen. Alick, Cathal und Nevan, so die Namen der drei, haben aber nicht damit gerechnet, dass sich ihre Lehrerin, noch dazu eine Frau, von ihren Allüren nicht beeindrucken lässt. Als Aurian nämlich mitbekommt, dass die drei sich ihre Pferde von den anderen Rekruten versorgen lassen und nur großspurig daneben stehen und kluge Sprüche klopfen, explodiert die sonst so beherrschte junge Frau regelrecht. Formell sind die Bengel ja Kaney unterstellt, aber die Halbelbe kennt den Hauptmann der Späher schon lange genug, eigentlich seit sie hier in der Steinfaust angefangen hat, um zu wissen, dass er ihr nur recht gibt. Und so sind die nun gar nicht mehr großspurigen Jungen für die nächsten zwei Wochen Faron, dem Stallmeister zugewiesen und zum Ausmisten der Ställe, Putzen des Sattelzeugs und Ausbessern der Dachschindeln vor dem Winter verdonnert. Und nichts ist mit angeberischen Runden am Reitplatz. Nach dem ersten vier Tagen hassen sie Aurian bis aufs Blut, während sie sich kaum rühren können vor Muskelschmerzen, nach dem ersten Siebentag beginnen sie sich zu bemitleiden und als sie Mitte des Zweiten Aurian dabei beobachten wie sie, nachdem die Rekruten ihr Training beendet haben, selbst in den Sattel des riesigen Fuchses steigt, den sie mitgebracht hat und das junge Pferd mit einer Leichtigkeit und ohne ersichtliche Hilfen über den Platz lenkt, beginnen sie nach zu denken. Vor allem als sich das Tier auf Kommando mit seiner Reiterin hinlegt, sie absteigt und sich neben ihn in den Sand setzt. „Das ist Vertrauen, nicht Kontrolle. Ihr wollt Späher werden, da seid ihr meist allein da draußen, nur euer Pferd oder euer Hund oder beide sind bei euch. Sie sind eure Kameraden und ihr müsst ihnen vertrauen und sie euch. Wenn sie euch aus Angst, Zwang oder reinem Gehorsam folgen, werden sie bei euch bleiben wenn es kritisch wird? Vielleicht … aber wahrscheinlicher ist, dass die Instinkte siegen und sie fliehen oder sie greifen im Falle eines Hundes an, obwohl ihr das nicht wollt. Nur wenn sie euch vertrauen, bleiben sie an eurer Seite, auch wenn es gefährlich wird. Und davon kann euer Leben abhängen.“ Aurian steht auf, gibt dem Großen ein Zeichen und das Pferd springt auf. Wie ein Hund folgt ihr das Tier, ohne dass sie den Zügel greifen muss. In ihrem Kopf manifestiert sich endlich ein Namen für ihn: Creideas*. Ja, das passt. Bei den Jungen angelangt, sieht sie einem nach dem anderen in die Augen. „Vertrauen muss man sich verdienen. Tiere schenken uns meist einen Vorschuss davon aber dessen müssen wir uns würdig erweisen, sonst sind wir wieder im reinen Gehorsam, wenn nicht sogar in der Angst. Und würdig erweist ihr euch nicht, wenn ihr nur reitet und all die Pflege den anderen überlasst. Denkt darüber nach … und geht euch waschen, ihr stinkt als hättet ihr euch im Misthaufen gesuhlt!“ Mit diesen Worten lässt sie sie stehen. An der Stalltür trifft sie auf Faron, der ihre Worte mitgehört hat. Der Faun nickt ihr nur stumm zu, sie brauchen keine Worte um zu wissen, dass sie einer Meinung sind.

Den dritten Teil ihres Dienstes versieht sie als Springerin bei Varins Stadtwache. Vor allem als zu Beginn des Nebelfrostes ein Teil der Wache von einer wirklich fiesen Erkältung heimgesucht wird, verbringt Aurian einen großen Teil ihrer Zeit an den diversen Toren und in den Straßen. Dank ihres elbischen Erbes ist sie gegen Erkrankungen weit resistenter als ihre rein menschlichen Kameraden dennoch: durchnässt und durchgefroren durch die Straßen zu patrouillieren gehört nicht zu ihren liebsten Beschäftigungen. Aber sie ist nun Teil der Stadtwache und sie würde den Dunklen tun, sich hinter der Lehrtätigkeit zu verstecken oder ihre Freundschaft mit Varin auszunutzen, um sich zu drücken. An einem dieser, wohlgemerkt seltenen, verregneten und kalten Blätterfallabenden begegnet sie auch zum ersten Mal der neuen Frau des Lord Commanders. Gesehen hat sie die junge Frau schon öfter aus der Ferne, doch nun wechseln sie das erste Mal einige Worte miteinander. Aurian kann Varins Eindruck von Ælla von Tarascon nur teilen: sie ist ein Goldstück. Es ist keine lange Unterhaltung, kaum mehr als ein Gruß und eine kurze Vorstellung aber Aurians empathische Sinne, die sie vorsichtig ausstreckt spüren nur Liebe für den Commander, Freude auf das Kind und überhaupt ein Herz aus Gold. Dann hatten sich ihre Wege auch schon wieder getrennt, Ælla war davon, um bei der Ausspeisung der Späher zu helfen, die immer noch nach der Tochter des Bäckers suchen und Aurian war in ihre Kammer gegangen, sich trocken legen.

In den wenigen, ihr frei bleibenden Tagen hilft sie Avila und Lyall das Anwesen zusehends winterfest zu machen. Die Wargin tut ihre Pflichten wie immer, doch Aurian merkt, dass es sie zu Cinaed und nach Glyn-y-Defaid zieht und so tut die Halbelbe ihr Möglichstes, ihr so viel Zeit wie nur möglich frei zu schaufeln, indem sie selbst anpackt. Ich werde nicht umhin kommen, weiteres Gesinde anzustellen, denkt sie bei sich, als sie eben einen widerspenstigen aber doch unrettbar verdorbenen Rosenbusch auszugraben versucht. Schließlich ist es ihr zu blöd und sie versetzt den unkooperativen Pflanzenteil einen magischen Schups. Seit ihrer Drosselung hat sie Magie kaum bis gar nicht angewandt, die Angst, dass es wieder ihrer Kontrolle entflieht ist tief verwurzelt obwohl sie es eigentlich besser weiß. Aber Herz und Hirn arbeiten nun mal nicht immer im Gleichklang. So erschrickt sie fast vor sich selbst aber nichts passiert – außer dass der Rosenbusch wie gewollt umfällt. Einen Moment hält Aurian den Atem an und dann lacht sie, befreit wie schon lange nicht mehr. Kein Gefühl, mehr tun zu müssen, kein inneres Ziehen, kein krampfhaftes Zurückdrängen der Macht ist notwendig. Frei, ich bin frei! Denkt die Halbelbe und Tränen der Freude rinnen über ihr Gesicht.

So gehen die Monde ins Land und ehe man sich versieht, steht der Langschnee mit seinem Höhepunkt, dem Julfest vor der Tür. Der unnatürlich lange Sommer hat endlich dem Winter Platz gemacht und dabei vergessen, den Herbst in die Immerlande einzuladen. Es ist schon die Stunde des Wissens, als Aurian aus ihrem Lager in der Steinfaust kriecht. Sie hat die letzte Nachtwache am Verder Tor gehabt und obwohl es eine ruhige Nacht war, hatten ein paar Stunden Schlaf nicht geschadet, zumal heute kein Unterricht für Botenkinder und Rekruten ansteht. Aus einem einfachen Grund: Der Julmarkt beginnt und auch die Kinder und jungen Leute sollten die Möglichkeit haben, sich an den Marktständen satt zusehen. Im letzten Sonnenlauf hat Aurian dieses Ereignis gemieden wie Vampire das Sonnenlicht aus Angst, irgendetwas magisch Unkontrolliertes anzustellen. Doch in diesem Jahr ist alles anders und die Halbelbe freut sich auf einen Bummel über den Markt. Überhaupt freut sie sich auf das Julfest wie ein kleines Kind, auch wenn sie keine Ahnung wie und wo sie feiern wird. Lyall würde mit ihrem Verlobten feiern (und wenn sie das aus Mitleid mit Aurian nicht tun will, dann würde sie die Wargin höchstpersönlich beim Schafzüchter abgeben). Avila trifft sich seit dem Erntemond mit einem jungen Mann aus der Stadt und wenn sie will soll sie Jul mit ihm verbringen. Aurian ist sich bewusst, dass sie allein ist aber sie ist nicht einsam: In der Steinfaust ist immer jemand und warum nicht dieses Fest mit den Kameraden verbringen? Aber noch ist Zeit bis dahin, heute geht es erst mal auf zum Julmarkt. So schlüpft sie in Lederkleidung, legt sich aber eine Umhang in der Farbe der Garde um, dazu Mütze, Schal und Handschuhe und die wärmsten Stiefel, die sie findet. Ihre Haare haben wieder ein klein wenig an Länge zugelegt und sehen nun auch offen nicht mehr aus wie ein Krähennest. Fröhlich vor sich hin pfeifend macht sich Aurian auf den Weg.


*gälisch für Vertrauen
Prinzessinnen richten das Krönchen, Königinnen ziehen das Schwert. :pferd:

Schreiben ist leicht. Man muss nur die falschen Wörter weg lassen. (Mark Twain)

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Lyall

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254

Freitag, 30. November 2018, 22:40

~ 28. Beerenreif 518, vormittag ~


Sie stellt sich etwas unbeholfen bei dem Versuch an auf das Pferd zu kommen, sodass Aurian wortlos herbei eilt, um ihr beim Aufsitzen zu helfen. Es ist nicht so, dass Lyall noch nie auf einem Pferd gesessen hätte, aber die paar Male kann man wirklich an einer Hand abzählen. Die meisten Huftiere sind auf Lyalls Anwesenheit nicht gut zu sprechen und versuchten ihre Nähe so gut es geht zu meiden, sodass Lyall nur dann Zeit auf einem Pferderücken verbracht hatte, wenn Aurians gutes Zureden und ihre Überredungskünste gefruchtet hatten. Was bei diesem Thema selten genug vorkam. Auch hatte Aurian bei ihren Reitversuchen das Pferd immer am Zügel geführt und so gesichert, dass weder Ross noch Reiter einen Rückziehen bei diesem Unterfangen machen konnten. Wirklich wohl gefühlt hatten sich jedoch beide nicht. Die Wargin zieh es vor auf ihren eigenen Pfoten voranzukommen, und die Pferde schienen mit diesem Entschluss ebenso zufrieden.

Doch heute ist es anders. Lyall ist nicht bei der Sache, nach der Nachricht ziemlich unkonzetriert und lässt sich daher widerstandslos auf den Rücken des größeren Pferdes bugsieren, welches erstaunlich ruhig bleibt und nicht einmal eines seiner vier Beine in einem Anfall von Nervosität rührt. Nur seine Ohren drehen sich interessiert zur Wargin um, aufmerksam ob diese sich mit einem Kommando oder einem lobenden Wort an es richten würde. Das Pony hingegen ist in seinem Element und versucht gleich Aurians Grenzen auszutesten, kommt damit jedoch nicht weit. Aurian ist im Gegensatz zur Wargin eine geübte Reiterin und weiß den Übermut des Tieres geschickt in die richtigen Bahnen zu lenken.
Ihre Herrin auf Dikta führt das Gespann, welches sich in Richtung Steinfaust in Bewegung gesetzt hat, an und zu Lyalls Erleichterung folgt der Fuchs dem führenden Pony ohne ein wirkiches Zutun der Magd. Schlaff hängen die Zügel herab und die Wargin wirkt auf dem großen Pferd eher wie ein zu transportierendes Gut, als wie ein wirklicher Reiter.
Friedlich und entspannt setzt der Fuchs einen Huf vor den anderen, lässt es das Pony vor sich führen, scheint mit sich und der Welt im Reinen und schaut nur ab und zu nach links oder rechts, um ein zartes Aufwallen seiner Neugierde sofort zu befriedigen.
Lyall hingegen blickt sich nicht um, bemerkt weder die Straßen, die sie durchqueren noch die Leute, die sie umgeben. Ihre Augen sind an Aurians Rücken geheftet und sehen diesen doch nicht wirklich. In Gedanken ist sie schon bei Aneirin und Briannas Verschwinden.
Wie konnte so etwas Schreckliches nur geschehen? Wer konnte dem Bäcker nur Böses wollen? Und die Entführung seiner Tochter... Aneirin hätte dies sicher nicht zugelassen, wenn er gekonnt hätte. Egal wie die Wargin es dreht und wendet, jemand musste das Mädchen verschleppt haben. Davon ist sie felsenfest überzeugt. Brianna würde sich nie freiwillig von ihrem Vater trennen. Oder kannte sie den Entführer gar? War sie doch freiwillig mitgegangen?
Bei Ealaras grünem Blut... was haben sie Aneirin angetan? Hoffentlich ist er nicht schwer verletzt...
Grauenhafte Bilder wollen in ihr aufsteigen, ein jedes schlimmer als das davor. Ihr Freund, blutüberströmt... blutige Strähnen auf rubinrotverkrusteter Haut; Waffen, die auf Fleisch treffen und es mühelos durchtrennen, wie ein heißes Messer einen Block Butter... grauenhaft einfach und ohne Widerstand; in blankem Entsetzen aufgerissene grüne Augen, welche das unabwendbare Unheil mit ansehen müssen...
Und Brianna? Wo ist sie nun? Was hat man mit ihr gemacht? Warum sollte jemand dieses Mädchen entführen? Oder ist es nur Zufall? Waren die beiden einfach zur falschen Zeit am falschen Ort? Hatten Menschenhändler das Kind jetzt? Oder hatte man dieses furchtbare Vergehen sorgsam geplant? Wofür wollten sie das Kind nur haben...
Übelkeit steigt mit dem bitteren Geschmak nach Galle in ihr auf und sie muss alle weiteren Gedanken vehement niederkämpfen. Diese sind so widerlich und in ihren Augen ekelerregend, dass sie nicht einmal nur Ansatzweise wagt, sie zu Ende zu denken.
Nein... solange man sie noch nicht gefunden hat, besteht auch Hoffnung. Sie wird es schaffen. Er wird es schaffen. Es muss einach so sein. Oh Ea! Beschütze dieses Kind! Ich bitte dich! Sie will der Erdenmutter vertrauen und Hoffnung aus ihr schöpfen, doch ganz gelingt es ihr nicht. Denn eine kleine zweifelnde Stimme kann nicht umhin die Frage zu stellen: Warum hat Ealara in ihrer großen Güte und Macht, solch ein Verbrechen einfach gewähren lassen?
Vielleicht war es ja doch kein Verbrechen? Sondern nur ein Unglück? Möglicherweise hat das Pferd gescheut..., korrigiert sie sich und hält selbst gegen ihre vorherigen Gedanken an. Vielleicht ist sie verletzt und hat sich irgendwo verkrochen?
Ach ja? Und warum findet sie dann keiner?, meldet sich die Stimme wieder zu Wort.
Ihr innerer Disput wird jedoch abrupt beendet, denn das Tier unter ihr bewegt sich nicht mehr vorwärts. Verdutzt und leicht orientierungslos schaut die Wargin drein, bis sich ihre Sicht klärt und dieschwarzseherischen Gedanken sich in ihrem Kopf zurückdrängen lassen.

Aurian und sie haben die Steinfaust erreicht. Im Inneren Zwinger angekommen, steigt Aurian gerade ab und übernimmt die Zügel des Fuchses, bevor Lyall auch nur einen Fuß aus den Steigbügeln ziehen kann.
Der Abstieg der Magd aus dem Sattel ist Ea sei Dank um einiges eleganter als der Aufstieg; schnell hat sie wieder festen Boden unter den Fußen und streicht dem Pferd in einer Geste des Dankes kurz über den breiten warmen Hals. Große braune Augen beobachten sie bei diesem Tun genau, doch das Pferd zeigt keine Panikreaktion, schnaubt nur kurz und wendet seinen Blick dann wieder interessanteren Dingen zu, wie den zwei Wachen, welche eben aus einer der großen Türen heraustreten und Aurian im vorbeigehen leise grüßen.
„Ich danke dir, auch für deine Begleitung.“, sagt sie nun ebenfalls an Aurian gewandt, die bis jetzt still und augenscheinlich auf eine Reaktion von ihr wartend, neben ihr gestanden hat.
„Sollte Aneirin nicht hier sein, werde ich in bei sich zuhause besuchen.“ Kurz nennt sie ihrer Freundin die Adresse der Bäckerei, da sie sich gerade nicht erinnern kann diese jemals erwähnt zu haben.
„Warte nicht auf mich. Ich werde zurück zum Anwesen kommen, wenn ich mehr weiß.“ Lyall drückt kurz Aurians Hand bevor sie sich umwendet, hat mit mehreren zügigen Schritten den Zwinger durchquert und taucht in das ewige Dämmerlicht der Steinfaust ein.

Auch hier sind die Gänge leer und nur ab und zu kommt ihr eine Wache oder ein Rekrut entgegen. Sie hat vor zu Rhordri zu gehen, um diesen eingehender zu fragen. Denn wer, wenn nicht er, weiß was mit Aneirin passiert ist und wo er gerade zu finden ist? Doch als sie an Rhordris Tür klopft, muss sie festellen, dass er nicht zugegen ist. Seine Kammer liegt verschlossen vor ihr. Nun, es ist Shentag, das hätte sie vorraussehen können.
Unschlüssig was sie nun tun soll, irrt sie etwas in den Gängen umher, entschließ sich aber doch eine der Wachen zu fragen, welche hin und wieder an Abzweigungen postiert sind.
Aneirin hätte er persönlich nicht gesehen, bekommt sie zu hören. Doch auch er hat von dem Vorfall mitbekommen und weiß daher zu sagen, dass besagter Bäcker nicht mehr in der Steinfaust ist. Deckungsgleich mit Aurians Beschreibung ist auch die Ausführung des Blaumantels, dass Aneirin jeden Tag hier her zurückkommen würde, heute hätte er dies jedoch noch nicht getan. Zumindest weiß er gerade nichts gegenteiliges zu sagen.
Höflich fragt die Magd des Anwesens de Winter noch, ob man denn wüsste, wie die Suche verliefe, doch wirklich Neues bekommt sie nicht zu hören. Bis darauf, dass Kaney auch bei dem Suchtrupp wäre und seine Männer die Suche unterstützen. Das lässt die Wargin hoffen, denn wer wenn nicht Kaney sollte das Mädchen bald wiederfinden?
All ihre Hoffnung ruhen nun auf Tiuri sowie Kaney, als sie der Wache freundlich dankt, die Steinfaust verlässt und sich zu Fuß auf den Weg zur Bäckerei ihres Freundes macht.



--> Bäckerei Gerdenwald
'Er, excuse me,' said the man as Nanny Ogg turned away, ' but what is that on your shoulders?'
'It's... a fur collar,' said Nanny.
'Excuse me, but i just saw it flick its tail.'
'Yes. I happen to believe in beauty without cruelty.'
~Terry Pratchett "Maskerade"~

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Tiuri

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Beruf: Stadtgardist

Wohnort: Goldene Harfe, Talyra

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255

Donnerstag, 14. Februar 2019, 14:20

>Sire Tiuri?< eine vorsichtige Mädchenstimme lässt ihn aus seinen Gedanken hoch schrecken. Ein Botenmädchen steht in der Tür und tritt unsicher von einem Bein auf das andere. Ihr Klopfen hat er, auf seine Notizen vor sich konzentriert, offensichtlich überhört. „Ja?“ fragt er und versucht dieses kurze Wort betont sanft klingen zu lassen, um das Botenkind nicht noch mehr zu verunsichern. Aber selbst in seinen Ohren klingt er einfach nur müde und monoton. „Was gibt es denn?“ setzt er hinterher und zieht einen Mundwinkel schräg nach oben um so gut wie möglich ein Lächeln zu simulieren.
>Sire, Meister Gerdenwald ist hier um Euch zu sprechen!< sagt sie schnell und ist bei seinem erwiderten „Danke“, schon fast wieder die Treppen hinunter gelaufen. Vor diesem Gespräch graut es Tiuri schon den ganzen Tag. Natürlich hat er selbst gemerkt wie ihrer Suche langsam, jeden Tag etwas mehr, die Luft ausgeht. Es kommt ihm vor als gäbe es keinen Stein in Talyra und dem talyrischen Umland, den sie nicht nach dem Mädchen umgedreht haben, jedoch die Suche nach Brianna ist weiterhin erfolglos geblieben. Es ist als wäre sie einfach von Erdboden verschluckt worden. Die wenigen Spuren die sie verfolgen konnten sind alle im Nichts verlaufen. Niemand hatte das Kind gesehen und es sind auch keine neuen Spuren aufgetaucht. Schon die letzten paar Tage hatte Tiuri nichts anderes mehr tun können als Patrouillen auszuschicken die einfach nur die Augen nach irgendetwas Verdächtigem in der Gegend offen halten. Aber er weiß es, seine Vorgesetzten wissen es und die ihm unterstellten Offiziere wissen es schon länger, es gibt nichts mehr was sie zu diesem Zeitpunkt noch für Aneirin und Brianna tun können. Zu diesem Zeitpunkt könnte sie auf den unterschiedlichsten Wegen schon quer durch die Immerlande gekommen sein. Sie könnte aber auch tot auf dem Grund des Ildorels liegen – obwohl sie selbst dort gesucht haben – das einzige was sie bis jetzt sicher wissen ist, dass sie die Spur verloren haben und ohne ein Wunder auch nichts mehr von dem Mädchen hören werden.

Seufzend streicht sich der Ritter das Haar aus der Stirn ehe er aufsteht und langsam aus seiner Kammer geht. Aneirin wartet wie jeden Abend an der gleichen Stelle auf Tiuris Bericht. Jeden Abend bis her musste Tiuri dem Bäckermeister schlechte Nachrichten überbringen, doch an diesem Abend wünscht er, er könnte einfach umdrehen und sich in seinem Bett verkriechen. Zum ersten Mal in seiner bisherigen Steinfaustlaufbahn wünscht er sich zurück an den Anfang, als er einfach nur die Verantwortung inne hatte seine Befehle so gut wie möglich auszuführen. Zurück zu einer Zeit wo jemand anderes dieses Gespräch übernommen hätte und er jetzt mit einem trüben, aber schnell vergessenen Gedanken an das Schicksal dieser Familie, heim gegangen wäre zu seinen eigenen Lieben.
Der Bäcker schaut schon gespannt hoch als er Tiuris schwere Schritte über den Treppenabsatz kommen hört. Der Loaritter ist sich sicher, dass der Mann seine Schritte mittlerweile wahrscheinlich blind unter hunderten heraus hören kann. Tiuris Gesicht sagt eigentlich schon alles und wie jeden Abend kann er sehen wie Aneirins Gesichtszüge verfallen und die Hoffnung immer mehr aus seinem Blick schwindet.

„Meister Gerdenwald“, sagt Tiuri und nickt zur Begrüßung. „Es tut mir Leid, Euch auch heute keine guten Nachrichten überbringen zu können.“ Der blonde Mann vor ihm nickt und wie jeden Abend, antwortet er, dass sie das Mädchen bestimmt morgen finden würden, er dürfe nur nicht aufgeben. Doch das ist der Teil vor dem Tiuri am meisten graut. Fest legt er Aneirin die Hand auf die Schulter um ihn – und auch sich selbst – dazu zu zwingen der Wahrheit ins Gesicht zu sehen. „Wir suchen nun schon seit mehreren Siebentagen nach Brianna, ich muss Euch leider sagen, wir haben alle unsere Ressourcen erschöpft. Es gibt keine weitere Spur mehr der wir noch folgen können. Es tut mir wirklich sehr Leid Euch das mitteilen zu müssen, aber wir müssen die aktive Suche nach Brianna leider einstellen. Außer weiterhin die Augen und Ohren offen zu halten gibt es derzeit nichts mehr was wir für Euch tun können.“

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