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Sigourny

Stadtbewohner

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Occupation: Pfirsichwirtin und Teilzeitdiebin

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91

Monday, January 21st 2019, 9:32pm

>Wenn Du möchtest, zeige ich Dir morgen das ganze Haus< „Sehr gerne!“ Auch sie legt sich die Serviette zurecht und schielt dann neugierig auf die aufgetragenen Speisen. Muscheln und Fischeier kennt sie vom Sehen, Annest hat diese elitären Köstlichkeiten mitunter für besondere Gäste auf Bestellung zubereitet. Gekostet hat sie sie allerdings noch nie. Im Salat erkennt (oder glaubt es zumindest) Apfel aber was bei den Göttern ist das grüne Zeug? Und diese rosa Röllchen … fragend sieht sie Shalhor an. „Ich … ich … ich will jetzt nicht … halt mich jetzt bitte nicht für … ach … was ist das?“ Dabei tippt sie die Fischröllchen, denn als das stellt es sich heraus, skeptisch mit der Messerspitze an. Dabei zieht sie eine so herrlich verzweifelt ratlose Schnute, dass der Elb ein Lachen nicht unterdrücken kann. Na toll, jetzt hält er dich für eine ungebildete Gans … gut, das mit der Bildung stimmt vielleicht auch … seit wann interessiert dich, was andere von dir denken? Bevor sie sich aber noch weiter in einen Wirbel denken kann, ob er sie nun auslacht oder für dumm hält oder beides, beginnt ihr Gegenüber ihr genau zu erklären, dass es eben rohe Fischröllchen sind und es sich bei dem grünen etwas im Salat um Algen handelt. >Windelbische Küche. Aber wenn du sie nicht magst, hier …< „Nein, ich koste. Du hast ja auch Pfirsichkuchen und Cofea zum Frühstück gegessen.“

Sichtlich skeptisch knabbert sie unter seinem amüsierten Blick an einem der Fischröllchen, legt es aber nach ein, zwei Bissen mit einem entschuldigenden Blick zurück. Nein, das ist absolut nicht ihr Geschmack. Sie spült hastig mit einem Schluck Tee nach und stellt mit Bedauern fest, dass sie heute noch keinen Cofea hatte. Nun gut, was solls. Da der Apfel-Algen Salat schon harmloser wirkt, wagt sie sich als nächstes an diesen. Shalhor lässt es sich einstweilen schmecken und tatsächlich, mit dem Salat kann auch sie etwas anfangen. Die Fischeier hingegen sind vielleicht ein wenig salzig aber nach einigen Bissen beginnen sie ihr zu schmecken … vor allem als sie beginnt, sie mit Radieschen und Kohlrabi Scheiben zu kombinieren, was wiederum dem Elben einen verdatterten Blick entlockt. Bleiben noch die Muscheln. Etwas ratlos mustert sie die Dinger. „Wie ess ich das?“ Shalhor grinst und zeigt es ihr. Bei ihm sieht es so leicht aus, doch als sie es versucht, flutscht ihr die Muschel aus der Hand und landet am Boden. Sigourny wird knallrot. Hätte ich doch nur die Finger … Da wird ihr ein Löffel mit dem ausgelösten Fleisch unter die Nase gehalten. Dankbar grinsend aber noch immer mit einer gewissen Röte um die Nasenspitze nimmt sie diese an und kann somit auch die Muschel kosten … wobei es bleiben wird, Muscheln sind ebenso wenig ihr Geschmack wie roher Fisch.

So bleibt sie bei den traditionelleren Speisen (außer den Fischeiern, je mehr sie davon isst desto besser schmecken sie ihr), während Shalhor sich über den Fisch hermacht. Eben garniert sie sich eine weitere Gemüsescheibe mit diesen Dingern, als der Reeder das Wort an sie richtet. Dass er sie solcherart ins Vertrauen zieht, freut sie, merkt sie doch, dass ihm das Thema wichtig ist. „Hmmm … ja, es stimme, Maddie ist sowas wie eine kleine Schwester und ich habe mit ihr auch einiges mitgemacht, aber eher aus anderen Gründen … Aber lass mich mal überlegen …“ Gedankenverloren tippt sie sich mit dem Finger an die Unterlippe. „Dass Mädchen in dem Alter mitunter verschlossen sind und sich nicht leicht öffnen ist normal, vor allem Männern gegenüber. Du musst es dir vorstellen, als würde ihre ganze Welt, also ihr Empfinden und ihre Vorstellungen, auseinander genommen und wieder neu zusammengesetzt werden. Als Kind eingeschlafen und als Frau erwacht, oder beinahe eben. Dinge, die gestern noch normal sind, werden heute hinterfragt. Und gleichzeitig fragt man sich, ob man selbst durchdreht oder der Rest Rohas. Ein Gefährte wäre sicher gut. Ein Vertrauter, aber auch jemand der sich auf sie verlässt, ihr Halt und vor allem einen Sinn und eine Aufgabe gibt. Ich kenn das Mädchen ja nicht, manche sind für diese emotionalen Schwankungen anfälliger, manche weniger. Aber in irgendeinerweise trifft es alle." Sie zwinkert ihm zu. Einem Mann das verwirrende Gefühlsleben eines heranwachsenden Backfisches zu erläutern ist schon ein sehr spezielles Gesprächsthema. "Aber zurück zur Geschenksfrage: Was hältst du davon, wenn du im Zuge des Ausflugs herausfindest, ob Hund oder Pferd ihr Interesse finden würde. Das wird im Larisgrün schlecht gehen aber wenn du stattdessen den Ildoriel entlang fährst, da gibt es doch jede Menge Dörfer. Da hat sicher der eine oder andere Hund geworfen. Und da sind doch auch einige Pferdezüchter. Vielleicht kannst du unter einem Vorwand bei einem Halt machen. Ich weiß ja nicht, aber vielleicht ist dort in der Nähe eines solchen Hofes ein guter Picknickplatz? Dann siehst du, wie sie auf die Tiere reagiert.“ Und nach einem Moment „Du solltest dir die Strecke vielleicht vorher ansehen, mit den Leuten reden und vorverhandeln … oder kennst du vielleicht jemanden dort in der Gegend?“
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Shalhor

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92

Friday, January 25th 2019, 2:14am

Gespannt hängt Shalhor an ihren Lippen, als Sigourny davon zu erzählen beginnt, was es für Mädchen nun so kompliziert macht, zur Frau zu erblühen. Es ist das erste Mal, dass er eine Frau überhaupt offen darüber sprechen hört - zumindest gegenüber einem Mann und er wünschte, er könnte sich irgendwie in dieses Mysterium hineinversetzen. Er kann es nicht. Vielleicht ist es so, wie Frauen zumeist zu sagen pflegten, dass Männer von diesen Dingen grundsätzlich nichts verstehen. Vielleicht lässt ein Korsett aus Vernunft und Disziplin keinen Raum, emotionale Verwerfungen zu begreifen. Vielleicht ist er hier und jetzt auch einfach nur zu müde dafür.
>Ein Gefährte wäre sicher gut<, hört er Sigourny sagen und denkt im gleichem Atemzug: Auf gar keinen Fall! Irgendwann einmal, vorausgesetzt der Bursche taugt etwas. Aber darum macht sich Shalhor im Augenblick noch keine Sorgen. Seinem Wölfchen imponiert so schnell keiner. >Ein Vertrauter<, überlegt sie weiter und ob es seiner Lordschaft nun gefällt oder nicht, diese Position dürfte Rialinn weit vor ihm einnehmen. >aber auch jemand der sich auf sie verlässt, ihr Halt und vor allem einen Sinn und eine Aufgabe gibt<, ist dann wohl schon eher sein Part und er hofft inständig, er wird diesem einigermaßen gerecht. So gesehen bliebe lediglich der Gefährte offen und im weit gefassten Sinn führt es ihn zu der Frage nach Pferd oder Hund zurück. Sigournys Idee dazu ist ... brilliant! Sie ist so gut, dass er noch im selben Augenblick den Entschluss fasst, es genau so zu machen, an einem der kommenden Tage auszureiten und sich auf den Gehöften im Umland umzuhören. Beeindruckt legt er seine Hand über ihre und drückt diese in stummer Geste aufrichtiger Dankbarkeit. "Du bist also nicht nur eine hübsche und verwegene Phu'daerai, sondern auch noch klug ... wenn Du willst", neckt er sie leise lachend, um jeder Befangenheit zuvor zu kommen und nimmt sich die Serviette vom Schoß, da auch sie nicht mehr isst. "Na komm Puh', bevor wir hier im Sitzen einschlafen, ziehen wir uns zurück."
Er zeigt ihr von der Galerie aus, hinter welchen der Türen sie unten auf der anderen Seite der Großen Halle die Latrinen findet und führt sie so am Arm zurück, wie zuvor. Als sie jedoch an die Nordwende des Wandelganges gelangen, zögert er, den Gang zum Gästezimmer einzuschlagen. Es ist noch keine Stunde her, dass sie bei ihm gelegen hat. Sie jetzt seines Gemaches zu verweisen ist doch blanke Heuchelei und so absurd obendrein. Sie hat ihm ihre Kammer nicht verwehrt und er will es auch nicht tun. Also nimmt er sie mit. Dabei bemerkt er, dass er ihr zwar ein Tageskleid besorgt hat, an ein Nachtgewand hatte er jedoch nicht gedacht. Da wäre noch ihr Hemdchen, dass noch genauso über den Paravent hängt, wie er es dort abgelegt hatte, aber nein... Er braucht jetzt wirklich Ruhe. Und weil er überhaupt keine Muse verspürt, jetzt noch auf den Dachboden zu steigen und die alten Truhen zu durchwühlen, reicht er ihr kurzerhand eine der Tuniken aus seinem Schrank. Ihr geht sie beinahe bis zu den Knien und die Ärmel müssen sie natürlich ein wenig hochkrempeln, aber das ist tausend Mal besser als dieser Hauch von nichts - jetzt jedenfalls. Während sie schon in das warme, weiche Bett schlüpft, legt er nur noch seinen Morgenmantel ab, und folgt ihr sogleich. Das Letzte, dass er noch mitbekommt, ist, dass sie sich in seinen Arm kuschelt und ihre kalten Füßchen zu ihm steckt. Schon nehmen ihn die dichten Nebel der elbischen Trance gefangen.
Man sollte keine Dummheit zweimal begehen, die Auswahl ist schließlich groß genug!

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Sigourny

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93

Friday, January 25th 2019, 2:55pm

Schläfrig vergräbt sie ihr Näschen an seiner Brust während er sie sanft im Arm hält und auch nicht protestiert, dass sie ihre kalten Füße (zu der Jahreszeit barfuß herumzulaufen ist einfach nicht warm) zu ihm steckt, um sich aufzuwärmen. Wie in einem sicheren Kokon schläft sie ein, kaum dass er neben ihr liegt und für die ersten Stunden beschert dieser Schutz ihr auch einen ruhigen und friedlichen Schlaf.

Doch Träume sind Biester und Erinnerungen lassen sich nicht von treuen Hunden, starken Mauern und den Armen eines wunderbaren Mannes abhalten. Und so mischen sich die Eindrücke des Tages mit lang verdrängten Erinnerungen und verleugneten Ängsten, schleichen sich in ihren Geist und vergiften die wohlverdiente Ruhe.

Sigourny sitzt in jenem Raum, Botanikum hat Shalhor ihn genannt, in dem sie zu Abend gegessen haben. Durch die Fensterfront dringt warmes Sonnenlicht und die exotischen Pflanzen blühen in allen Farben. Sogar Schmetterlinge schwirren umher, tiefer Frieden ist um sie herum. Doch dann wird es dunkel, die Schmetterlinge fallen rund um sie tot zu Boden. So wie das Licht schwindet, verfärben sich die Pflanzen, werden schwarz. Und die Blüten verformen sich, werden zu Orchideen, unabhängig ihres Ursprungsaussehens. Sigourny dreht sich um, zur Tür. Raus hier! Doch die Tür ist weg, die Mauer geschlossen, als wäre nie ein Ausgang an dieser Stelle gewesen. Panisch dreht sie sich im Kreis, umgeben von schwarzen Orchideen, die gierig nach ihr greifen wollen und Finsternis. Der Raum zersplittert vor ihren Augen, zurückbleiben die Pflanzen. Und diese haben ihre Verwandlung noch nicht beendet. Die Blüten bleiben doch die Blätter werden zu Messern, Dolchen, geschmückt mit roten Rubinen. Und die Blumen leben, die scharfen Klingen werden auf sie gerichtet. Und der zuvor ruhige und friedliche Raum ist erfüllt von einem höhnischen Frauenlachen. >Hast du geglaubt, ich hätte dich vergessen, hätte all die Jahre nicht gewusst wo du bist? < Unter den Orchideen entdeckt sie Pfirsichblüten, die von den schwarzen Blumen erbarmungslos erdrückt werden. Die Pfirsiche haben sich als einzige Pflanzen nicht verändert, doch sie haben keine Chance. Und ihr selbst kommen die Messerblätter immer näher. Begleitet vom höhnischen Gelächter rennt sie los, die Klinger zerschneidet ihre Haut, ihre Kleider sind nur mehr Fetzen. Die Wände sind endgültig zerborsten und durch schiefe, verfallene Mauern ersetzt, die aber trotz allem so stabil sind, sie in eine bestimmte Richtung zu drängen. Und nun beginnt auch der Boden zu zerbrechen. Sie stolpert, kann sich gerade noch fangen. Doch der Boden scheint sie immer heftiger abwerfen zu wollen und schließlich kann sie sich nicht halten und fällt. Vor einem Abgrund kommt sie auf den Knien zum Liegen, kann einen Absturz gerade noch vermeiden. Im Graben unter ihr fließt ein fauliger Strom, eindeutig Teil der Kanalisation. Und in diesem Abwasser schwimmen Körper, bekannte Gesichter. Blicklose Augen starren sie an. Sie erkennt die Gesichter: Tane, Annest, Maddie, Dar … und obwohl sie es Jahre nicht gesehen hat, erkennt sie eine weitere Frau, die auf den ersten Blick ihr Spiegelbild hätte sein können. Mamman! Und das Gelächter wird lauter, durchdringender. Sie presst ihre Hände auf die Ohren, kann den Blick aber nicht von den Toten abwenden, die unter ihr quälend langsam vorbeitreiben. >Sieh sie dir an, so endest du auch! Wie sie im Dreck, wo du hingehörst! < Und dann, ganz am Ende, ein weiterer Körper. Elbische, alterslose, edle Züge … tote, indigoblaue Augen starren sie an, sehen ihr in die Seele. Und in diesem Moment beginnt der Boden unter ihr zu zerbersten, in messerscharfe Splitter. „Ahhhh!“ Schreiend stürzt sie in die Tiefen der Kloake, begleitet vom immer lauter werdenden Gelächter und beobachtet von anklagenden, toten Augen und ….


Mit einem Schrei schnellt sie in Höhe. Ihr Herz rast, kalter Schweiß rinnt ihr über den Rücken und Tränen übers Gesicht. Für einen Moment weiß sie nicht wo sie ist, panisch fliegt ihr Blick umher, wie der eines gehetzten wilden Tieres. So keucht sie erneut erschrocken auf, als sie starke Arme umfangen, will sich losreisen, um sich schlagen. Doch eine beruhigende Stimme redet auf sie ein, auch wenn sie die Worte zunächst nicht versteht. Und einen langen Moment später sinkt sie an eine starke Brust, sich zitternd festkrallend. „Halt mich!“ ist alles, was sie hervor bringt.
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Shalhor

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Sunday, January 27th 2019, 4:11am

Beunruhigende Schatten recken sich durch den Nebel, gestaltlose Geister auf ruheloser Suche. Er sieht sie nicht, kann sie nicht hören, doch sie sind da. Er spürt den Schrecken, der sie umflicht wie ein wehendes Gewand gesponnen aus Angst und Entsetzen. Sie kommen. WACH AUF! Shalhor schnellt aus der Trance wie ein fliegender Fisch aus dem Wasser, sein Puls rast, sein Atem fliegt und seine weit aufgerissenen Augen suchen hastig nach dem Grund. Irgendetwas stimmt hier nicht. Auch Sigourny neben ihm regt sich unruhig. Doch sie ... schläft? Verwirrt starrt er sie an und es dauert einige Augenblicke bis er realisiert, dass es nicht seine Angst ist, die er fühlt und begreift, dass es nichts gibt, wovor sie sich fürchten müssen, denn hier ist nichts außer ihr und ihm. Doch ihre Angst wütet in seinem Geist, dass es ihm schwer fällt, sich zu beruhigen und sich gegen ihre Empfindungen abzuschirmen. In Momenten wie diesen verflucht Shalhor die Gabe der Empathie, denn allen anderen Sinnen gleich verliert sie nicht in den Nebeln der Trance und weckt seinen Geist auf gleiche Weise wie es auch Schmerz oder Lärm tun würde - in der Welt der Sterblichen und ihren Träumen nicht sonderlich vorteilhaft.

"Puh', wach auf", flüstert er noch ganz atemlos und benommen und will seine Hand auf ihren Oberarm legen, um sie aus ihrem Traum zu wecken, doch sie schlägt sie sofort weg und wirft sich panisch neben ihm hin und her, dass er sie umschlingt. "Ssssssssscht, es nur ein Traum. Puh', komm schon, wach auf und es ist vorbei." Mit einem Schrei schnellt sie hoch und mit einer solch unbändigen Kraft, dass sie sich seiner Umklammerung entrissen hat. Zwei, drei Atemzüge wartet er ab, aber ja, sie ist wach. "Es ist alles gut, Puh'. Es war nur ein Traum. Du bist hier bei mir und nichts kann Dir geschehen." Shalhor redet leise und sanft auf sie ein, während er sich aufsetzt, damit er sie nicht erschreckt. Und rückt sich ein Stück weit hinter sie, damit sie sich gegen ihn lehnen kann und zieht sie an sich. Dabei spannt sie sich so an, dass er schon befürchtet, sie würde gleich wieder um sich schlagen, doch schließlich gibt sie den Zug seiner Arme nach. Sie ist vollkommen durchgeschwitzt, keucht wie ein gehetztes Tier und zittert wie Espenlaub. Ja selbst ihr Herz schlägt noch so wild, dass er es unter ihren Rippen spüren kann. "Es ist vorbei, Puh'. Beruhige Dich. Das war nur ein böser Traum."

Eine ganze Weile hält er sie so umschlungen und streichelt sie sanft. Er weiß nicht, ob er sie fragen soll, was sie geträumt hat oder ob es nicht besser ist, wenn sie gar nicht mehr daran denkt. Ein ordentlicher Schluck Rum würde ihr jetzt sicher gut tun, aber dazu müsste er hinunter ins Arbeitszimmer gehen und sie allein lassen. Allerdings könnte sie sich einstweilen umziehen, denn in dem durchgeschwitzten Ding verkühlt sie sich sonst noch. Nach dem Bad hat er hier im Kamin kein Holz mehr nachgelegt, weil er besser ruht, wenn es etwas kühler ist. Oder er nimmt sie gleich mit hinunter und ... "Ich glaube, ich weiß, was Dir jetzt gut tun könnte. Komm!" Er gibt ihr gar nicht erst die Möglichkeit zu widersprechen, steigt aus dem Bett, streift sich seinen Morgenmantel über, nimmt die Hausschlüssel an sich und nachdem er eine frische Tunika aus dem Schrank geholt hat, hebt er sie kurzerhand auf seine Arme und trägt sie hinter in die Große Halle und von dort in die Nische vor seinem Arbeitszimmer, wo er sie absetzt, um die beiden Türen aufschließen zu können. "Warte kurz", heißt er sie und braucht wirklich nur einen Moment, um aus dem Arbeitszimmer den Rum und zwei Trinkbecher zu besorgen, die er ihr in die Hand drückt. Schon findet sie sich auf seinen Armen wieder und nach weiteren Stufen abwärts in der Grotte. Die Sonnensteine, die das Wasser im Becken angenehm warm halten sorgen gleichzeitig dafür, dass es nicht stockdunkel ist. Trotzdem entzündet er die beiden Öllampen der ersten Säulen, nachdem er Sigourny auf der steinernen Bank abgesetzt hat. Dann wendet er sich zu ihr um. "Mich entspannt ein Bad hier unten immer und macht mich auf angenehme Weise müde. Steig ruhig schon ins Wasser. Ich will nur den Kamin einheizen und uns Handtücher herauslegen."
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Sigourny

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95

Sunday, January 27th 2019, 6:08pm

Puh‘ … nur eine Person auf Rohas Rund nennt sie so und der Klang dieses doch ein wenig fremd klingenden Namens ist es, der sie zurück aus ihrer Panik ins Hier und Jetzt führt, in die Sicherheit starker Arme, die sie sanft streicheln und zu beruhigen zu suchen. Trotzdem wird sie das Zittern nicht wirklich los und als er sie die Treppen hinunter trägt, ist sie nur froh, nicht allein zu sein, egal wo er sie auch hinbringt. Einen kurzen Stopp später (nachdem sie eine Flasche und zwei Becher in der Hand hat) findet sie sich an einem Ort wieder, der auf sie noch wundersamer wirkt, als das Botanikum im Obergeschoß. Sie sind unter dem Haus, unter der Erde, doch im Gegensatz zur Unterstadt, deren Kälte und Dunkelheit sie erst vor noch nicht allzu vielen Stunden entronnen sind, ist es hier freundlich, warm. >Steig ruhig schon ins Wasser. Ich will nur den Kamin einheizen und uns Handtücher herauslegen. < Sigourny nickt und beginnt, die Bandagen um den verletzten Knöchel zu entfernen. Shalhor macht sich inzwischen am Kamin zu schaffen und dreht ihr dabei dem Rücken zu. Unter dem Morgenmantel zeichnet sich das Spiel seiner Schulter- und Rückenmuskulatur ab. Einen kleinen Moment zögert sie, doch dann streift sie die schweißfeuchte Tunika über den Kopf. Was soll‘s, er hat schon alles von ihr gesehen und jetzt prüde zu tun wäre … scheinheilig, heuchlerisch, dumm. Und selbst wenn es nicht so gewesen wäre, es wäre ihr dennoch egal; die Alpträume, die immer wieder kommen, hinterlassen sie stets in einem Zustand der Leere, die der Panik folgt. Während die Flammen im Kamin zu lodern beginnen, rutscht sie die Bank bis zum Rand des Beckens entlang um dann die vier Stufen ins Becken zu gleiten.

Mit einem leisen Seufzer lässt sie sich nach hinten sinken, treibt mit geschlossenen Augen auf dem Rücken durch das warme Wasser. Auch in ihrem Heim, im Pfirsich, flüchtet sie sich nach solch schrecklichen Träumen ins Wasser, verkriecht sich nach Möglichkeit in Inaris Bad. Oder, sollte dieses von Kunden belegt sein, in einem Waschzuber. Einmal, als ihr auch diese Möglichkeit verwehrt war, hatte sie sich einfach im Mietstall in die Pferdetränke geworfen, mitsamt Kleidern – einfach nur um die Schrecken abzuwaschen. Und zu spüren, dass sie nicht mehr in der Unterstadt ist, denn Waschzuber oder gar Bäder sind dort unten Mangelware, vor allem für Leute wie sie. Und dieser Traum heute war einer der Schlimmsten der vergangenen Sonnenläufe, gänzlich neu, und über alle Massen beängstigend, denn noch nie waren Personen vorgekommen, die noch leben, die ihr etwas bedeuten.

Sie spürt eine Bewegung neben sich und sanft wird sie an den Rand zu den im Wasser versenkten runden Sitzgelegenheiten gezogen. >Hier Puh‘ trink das! < Shalhor drückt ihr einen der Becher gefüllt mit Rum in die Hand. Schweigend nimmt sie einen Schluck, während er sich hinter sie setzt, ihr die Haare über die Schulter nach vorne legt und beginnt, ihr mit sanftem, aber festem Griff die Schultern zu massieren. Ganz langsam beginnt sie sich zu entspannen. Bis auf ihren Schrei und ihr Flehen, sie zu halten, hat sie seit dem Erwachen kein Wort gesagt. Nun aber beginnt sie mit leiser Stimme zu sprechen, erzählt Shalhor ihren Traum, jedes Detail. „Und dann bin ich gefallen und das Letzte, was ich gesehen habe, waren eure, waren deine Blicke, so leer und … so anklagend. Weil ich schuld bin, einfach weil ich ich bin. Ihr Hass erstreckt sich doch mittlerweile auf alle in meiner Umgebung. Ich … ich weiß nicht mehr wie ich meine Leute schützen soll. Dich habe ich jetzt auch noch mit rein gezogen … sie will mich ruinieren und wenn ich am Boden liege, dann … dann... Ich habe Angst, Angst alles zu verlieren und … und noch mehr alle zu verlieren und … ich kann damit nicht umgehen, ich meine ich will nicht schuld sein, wenn, wenn …“ Es fällt ihr so unsagbar schwer, über ihre Ängste zu sprechen, zuzugeben, dass sie nicht weiter weiß. Mit sanftem Druck bringt der Elb sie dazu, sich umzudrehen, ihn anzusehen. >Wir finden eine Lösung Puh‘. < „Aber, ich meine das Ganze …“ Weiter kommt sie nicht, denn ihr Widerspruch wird von einem Kuss erstickt. Und einen Atemzug später erwidert sie selbigen.

>Besser? < Schwer atmend lösen sich ihre Lippen voneinander und sanft streicht Shalhor eine nasse Haarsträhne aus ihrer Stirn; dabei wird er der Schramme an ihrer Schläfe gewahr. Nachdenklich fährt er diese Spur mit dem Daumen nach. >Willst du mir erzählen, was du da unten eigentlich getrieben hast, Puh? < fragt er vorsichtig. Mit einem Seufzer lehnt sie sich an seine Brust. „Ich … ich wollte es ihr heimzahlen. Ich meine, sie hat unser Ale und Bier vergiftet verdammte Höllen. Sie ist nicht nur auf mich losgegangen, sondern auch auf meine Leute, auf meine Gäste. Der Tag war einfach nur die Hölle, ich… ich will mir nicht ausmalen was passiert wäre wenn … Ich, naja im ersten Moment wollte ich sie umbringen aber … aber ich kann das nicht, nicht noch einmal. Und außerdem sollte sie leiden, verflucht ich hab mir die Seele aus dem Leib gespuckt. Na ja und da bin ich auf die Idee gekommen …. Ich bin in ihr Schlafgemach eingedrungen und hab ihr Juckpulver ins Bett, in die Leibwäsche und die Turbane geschüttet. Ich wollte eigentlich noch den Abtritt auch behandeln und in ihrem Arbeitszimmer nach Beweisen suchen, also wegen der Sache mit dem vergifteten Ale und den Flammenblüten Tattoo Flugblättern aber sie ist zurückgekommen, zu früh. Ich musste wieder zum Fenster raus, sonst hätte mich die Alte erwischt und … die Fassade hat schon bessere Zeiten gesehen, glaub mir. Das verdammte Mauerwerk hat zu bröckeln begonnen und das haben sie im Inneren gehört und naja, da musste ich halt springen … so ungefähr aus der Höhe des ersten oder zweiten Stocks. Die Landung ginge etwas schief.“ Sigourny schielt den Elben von unten her an. Mit einem Mal kommt sie sich so blöd vor, der Plan, den sie am vergangenen Abend noch glorreich und brillant gefunden hat, erscheint ihr nun nur mehr riskant und verrückt. >Gesprungen? < „Ja schon …. Irgendwie … ich bin noch nie abgestürzt, ich kann das, also die Kletterei … gut vielleicht war es ein ... kontrollierter Absturz. Aber ich habe es bewusst getan!“ >Kontrollierter Absturz? < echot er mit hochgezogenen Augenbrauen. „Sicher, besser als erwischt werden. Ich, ich hab mich dann versteckt bis ich sicher war, dass die Grappe und ihre rückgratlose Tochter die Kammer wieder verlassen haben und dann hab ich mich aufgemacht wieder zurück nach oben zu kommen. Aber der Fuß hat nicht mitgemacht und so wollte ich den Tag als Bettlerin getarnt überdauern und in der nächsten Nacht weiter … hätte auch bestimmt funktioniert, wenn dieser brünftige Vollidiot nicht aufgetaucht wäre und mir mit dem Messer vor der Nase gewedelt hätte. … Den Rest kennst du.“
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Shalhor

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96

Tuesday, February 5th 2019, 5:00pm

Immer wieder wirft Shalhor einen kurzen, besorgten Blick über die Schulter zu Sigourny und als das Feuer leise im Kamin vor sich hin knistert und er die Tücher zum Abtrocknen aus dem Eckregal nimmt, hat er für sich bereits entschieden, auch ins Wasser zu steigen - nicht weil ihm nach einem Bad gelüstet oder er die Entspannung sucht, wohl aber zu ihrer Sicherheit. Sie wirkt so schrecklich mitgenommen, dass er befürchtet, sie könne zusammenbrechen. So hat er sie noch nicht erlebt, verzweifelt ja, wütend auch, aber niemals so ... apathisch? Sie spricht nicht mehr, sagt nicht einmal ja oder nein, tut einfach nur, was er ihr sagt und er bezweifelt, dass sie darüber nachdenkt, ob sie das überhaupt möchte. Sie noch dazu so reglos auf dem Wasser liegen zu sehen, ohne jede Ambition sich Schweiß und Schrecken abzuwaschen, gefällt ihm gar nicht und er schreitet ein. Ganz behutsam zieht er sie an den Beckenrand hin zu den Wassersitzen und verabreicht ihr Rum - vielleicht nicht das probateste aller Mittel in dieser Situation, aber er könnte es ihr leichter machen, so wenigstens hofft Shalhor und setzt sich hinter sie, um ihr die Schultern zu massieren. Er wünschte nur, er könne auch ihre seelische Anspannung lösen, doch viel mehr als unerschütterliche Ruhe auszustrahlen, sie spüren zu lassen, dass sie bei ihm sicher ist und geduldig zu sein, bleibt ihm wohl nicht. Und tatsächlich, sie nicht zu drängen zahlt sich aus, denn sie beginnt schließlich ganz von allein von ihren Traum zu erzählen, leise zwar und er kann das zittern in ihrer Stimme regelrecht fühlen, aber sie redet tapfer weiter und er unterbricht sie nicht - auch nicht, als es längst nicht mehr um diesen Traum geht sondern ganz reale Sorgen und Ängste. Ihm offenbart sich allerdings auch eine sonderbare Auffassung von Verantwortung und Schuld, in die sie sich gerade ziemlich verirrt, dass er nicht länger mit ansehen mag. Mit sanften Druck bringt er sie dazu, sich zu ihm umzudrehen, ihn anzusehen und versichert ihr: "Wir finden eine Lösung Puh'." Doch er hat es kaum ausgesprochen, schon eilt ihm ein aber entgegen. Genug mit all der Selbstgeiselung! Er küsst sie einfach, um sie aus diesem aussichtslosen Gedankenstrudel herauszumanövrieren und weil fühlen vermutlich gerade viel einfach als zuhören ist. Sie ist nicht allein und niemand will, dass sie sich allen Widrigkeiten allein entgegen stellt, niemand außer die Grappe, der allein es dienen würde. Doch wenn diese Anschläge dazu gedient haben sollen, Sigourny und ihre Leute derart einzuschüchtern, dass sie einander im Stich ließen, hat sich die Unterstadtbestie gründlich verkalkuliert. Er hat gesehen, wie es sie alle nur noch fester zusammenschweißt. Sigourny muss es nur begreifen und als die Stärke verstehen, die sie der Grappe voraus hat, statt heimlich und allein ... ja was eigentlich?
"Besser?" Noch ganz atemlos von diesem Kuss, streicht er ihr sanft die nasse Haarsträhne von der Stirn und umfährt nachdenklich die Schramme ihrer Schläfe. "Willst du mir erzählen, was du da unten eigentlich getrieben hast, Puh?" Mit einem Seufzer lehnt sie sich gegen seine Brust und er hält sie, streichelt unbeirrt ihren Rücken, während sie ihm tatsächlich aufgelöst erzählt, was sich zugetragen hatte, als er mit seinen Männern in der Gildenhalle Corvalants Hochtag fröhnte, was sie zu dieser irrsinnigen Idee getrieben hatte, es der Grappe heimzuzahlen, was sie getan hatte, was sie eigentlich alles hatte tun wollen, was schief gegangen war und wie das Ganze ausging, bevor sie sie gefunden hatten. Kontrollierter Absturz ... dass ist ja wohl die fadenscheinigste Untertreibung, die sie ihm hätte auftischen können. Shalhor weiß gerade nicht, ob er schreien oder lachen soll. Gewiss, man könnte nicht behaupten, dass es die Grappe nicht jucken würde, was Sigourny da arrangiert hatte und ja ein lädierter Fuß ist sicherlich besser, als der Grappe in die Hände zu geraten. Noch besser aber wäre gewesen, sich nicht leichtsinnig in eine solche Gefahr zu begeben. Sie hatte wahrlich mehr Glück als Verstand, dass sie aufgetaucht waren, bevor dieser im wahrsten Sinne des Wortes schnittige Unterstadtgalan dazu gekommen ist, ihr seine glühende Verehrung angedeihen zu lassen. Letztlich tut er nichts davon, weder lachen noch schreien, sondern zieht sie nur noch enger an sich und schmiegt seufzend seine Wange an ihren Schopf. "Das war die dämlichste Aktion, von der ich je gehört habe. Und was hat es genützt? Die Grappe mag sich ein paar Tage die Haut vom Leib kratzen, aber dafür weiß sie auch, dass sie Dich nur genug reizen muss, um Dich zu purem Leichtsinn zu verführen. Ist es das, was Du bezwecken wolltest? Weitere E i n l a d u n g e n in ihr Refugium? Und wenn es nach Dir ginge, schauen wir anderen alle geflissentlich weg, aye? Das könnte Dir so passen. Aber daraus wird nichts, weil wir nämlich auch nicht in Deine starren, leeren Augen blicken möchten. Aý hjir ay'as îr ay'as hjir â, sagen wir in meinem Volk und es bedeutet: Einer für alle und alle für einen. Nach allem, was ich gesehen habe, will ich meinen, Deine Leute haben verstanden, wie Gemeinschaft funktionieren sollte. Mehr noch ist es nur das, was gegen die Grappe funktionieren kann. Du allein bist ein viel zu leichtes Ziel, erst recht, wenn Du Dich auch noch zu leichtsinnigen Alleingängen hinreißen lässt. Wenn Du gegen sie vorgehen willst, sprich mit dem Lordcommander der Steinfaust, erzähl ihm von den Übergriffen und bitte ihn um so viele Männer, wie er entbehren kann. So will auch ich unter den Seeleuten alle kampffähigen Männer mobilisieren. Dann, aber wirklich auch nur dann gehen wir da runter und räumen auf. Oder aber Du tust genau gar nichts gegen sie, sondern ausschließlich für Euch und das mit aller Umsicht und Vorausschau, die nur möglich ist, um ihren Attacken nur den geringsten Schaden zu erlauben. Wenn sie fortwährend wenig Erfolg hat, der all ihre Mühen kaum lohnt, wird sie früher oder später das Interesse an Dir verlieren. Aber niemals, hörst Du", hebt er ihr Antlitz vor das seine und mahnt sie eindringlich, "n i e m a l s wieder wirst Du Dich auf einen Kleinkrieg einlassen, denn den kannst Du nicht gewinnen. Du wirst immer Skrupel und Grenzen haben, solang es jemanden gibt, der Dir etwas bedeutet. Sie nicht. Deshalb lass Dich nicht auf ihr Spiel ein. Wähle Deines! Aye?"
Man sollte keine Dummheit zweimal begehen, die Auswahl ist schließlich groß genug!

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Sigourny

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97

Tuesday, February 5th 2019, 9:34pm

>Einer für alle, alle für einen. < Der erste Teil ist ihr geläufig, sie ist für all ihre Leute da. Der zweite Teil hingegen … sie hat noch nie versucht, herauszufinden, ob alle oder zumindest einige, auch für sie da sein würden. Sie hat nie jemandem die Gelegenheit dazu gegeben, immer wenn sie in Schwierigkeiten war, hat sie sie allein gelöst und alle, die ihr helfen wollten zurück gestoßen. Tane kann ein Lied davon singen. Auch wenn er ihr so nahe steht wie kaum jemand sonst hat sie ihn noch kein einziges Mal aktiv um Hilfe gebeten, seine Unterstützung hat sich immer mehr oder weniger ergeben.

Sigourny spürt sein Seufzen mehr als sie es bewusst hört als er sie an sich zieht und sie erwidert seine Umarmung. >Das war die dämlichste Aktion, von der ich je gehört habe.< Ein kleiner rebellischer Funken in ihr will sofort aufbrausen aber zum einen lässt Shalhor sie nicht zu Wort kommen und zum anderen ist sie viel zu ausgelaugt zum Streiten. Ausserdem hat er recht, dass musst du verrücktes Huhn zugeben! meldet sich ihre Vernunft ungefragt wieder mal zu Wort und anders als vor einigen Stunden in den Tiefen der Unterstadt lässt sich diese Stimme nun nicht so einfach zurück schieben. Trotzdem, sich nicht äussern geht gar nicht, immerhin ist sie eine eigenständige Frau, die zu dem was sie getan hat steht. Sanfte Finger heben in diesem Moment ihr Gesicht an und der eindringliche Blick aus alterlosen Augen hält ihren fest. „Ich hielt die Aktion für genial … zuerst. Das so viel schief geht ... Trotzdem, sie hat es verdient und wenn ich doch Beweise gefunden hätte ... Schau mich nicht so an, ich geb ja zu dass ich Mist gebaut habe. Und ja, du hast recht, ich …ich werde immer Skrupel haben, das stimmt auch. Und … und genau darum kann ich nicht runter gehen und aufräumen. Es ist reizvoll, geb ich zu. Die Orchidee in die Luft jagen, einige üble Kerle fertig machen, der Grappe so richtig Feuer unterm Hinterm anzünden … aber ich kann nicht. Weil da unten gibt es nicht nur Grappes und Messerstecher, Schläger und Vergewaltiger. Es gibt da unten auch Unschuldige, so seltsam es für dich klingen muss. Ich denk an Maura, die mich nach dem Tod meiner Mutter aufgezogen und beschützt hat. Oder an den alten Mann, den Dar heute unbedingt mitnehmen wollte. Und davon gibt es so viele Seelen dort und auch diese würden darunter leiden, wenn wir … wie sagst du, aufräumen. Vielleicht nicht gleich, ich bin mir sicher, die Blaumäntel und auch deine Seebären wissen sehr wohl zu unterscheiden, wem sie ans Fell gehen sollen und wem nicht. Aber dann, wenn wir wieder weg sind … ich kann mich noch erinnern, als die Herrschaft der Kanalratten gebrochen wurde, die erste Zeit war Chaos, fast schon Krieg. Verschiedene Banden und Individuen wollten an die Macht. Nurio Kulgur hat die Zügel jetzt fest in der Hand, man sagt, so wie Borgil die Hälfte der Oberstadt gehört, so gehört Nurio die Hälfte der Unterstadt. Die Orchidee gehört ihm auf alle Fälle. Und wenn wir gegen ihn vorgehen, dann gibt es wirklich Krieg. Und den will ich nicht, nicht in der Form. Ich könnte es mir nicht verzeihen, wenn es wegen mir zu so was kommt.“

Die ganze Zeit über hat sie ihm in die Augen gesehen. Eigentlich hat sie ja damit gerechnet, dass er sie anschreien, auslachen oder erneut mit kalter Wut abkanzeln würde, aber in seiner Stimme schwingt echte Besorgnis mit, und der ernste, wenn auch ruhige Ton, nimmt ihr den letzten Wind aus den Segeln, einen Streit zu beginnen. „Mein Spiel? Meine Regeln?“ Shalhor nickt. „Aye, dann wähle ich die Variante nichts zu tun – erstmal. Ich werde von mir aus nichts gegen sie unternehmen, kein Kleinkrieg, aber …“ bei diesen Worten legt sie ihre Hand auf die Narbe an seinem Kiefer. „… wenn ich ihre Handlanger bei irgendetwas erwische, dann werde ich mich wehren, mich verteidigen, uns verteidigen. Ich weiß auch, dass du mich wohl nicht verstehen wirst aber … ich könnte mich nicht mehr in den Spiegel sehen, wenn ich der Grund dafür bin, dass noch mehr Unschuldige zu Schaden kommen. Aber … würdest du mir trotzdem helfen? Mir helfen, meine Leute davor zu schützen, noch mehr Schaden zu nehmen? Weil ich … ich glaube, ich versuch‘s mal mit der zweiten Hälfte des Elbenzitats, also mit dem alle für einen … wenn, wenn ihr, du mich als 'für eine' sehen wollt.“ Götter, ich bitte euch, macht dass meine Entscheidung richtig ist und niemand der meinen zu Schaden kommt ... vor allem nicht ...er.
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Shalhor

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98

Saturday, February 9th 2019, 2:21am

Bedächtig schiebt sich seine Rechte über ihre schmale Hand auf der alten Narbe seines Unterkiefers, nimmt sie fort und zwischen seine und er küsst ihre Fingerspitzen. Gewiss ihm wäre lieber, sie würde bei dieser Wahl jeglicher Konfrontationen aus dem Weg gehen. Aber er muss gestehen, dass es auch bei aller Vorsicht schwer möglich ist, jeden Anschlag zu vereiteln und natürlich soll sie dann nicht auch noch die andere Wange hinhalten. Wenn sie dabei auf ihrem Terrain bleibt, kann er ihr schlecht verwehren, sich notfalls auch zu verteidigen. Nicht allein versteht sich, aber das hat sie sich zu Herzen genommen und bittet ihn, um seinen Beistand. "Natürlich kannst Du auf mich zählen", lächelt er sie zuversichtlich an und versichert ihr "Ich werde die Wachen an Speichern und Werft verstärken" und sei es nur zu Deiner Beruhigung. Vielleicht ist etwas dran an ihren Befürchtungen und die Grappe könnte es auch auf all jene abgesehen haben, die ihr zur Seite stehen, vielleicht auch nicht. Es schadet nicht, Vorsichtsmaßnahmen zu treffen. "Und hier auf Taresnar sind die Faêntjares die aufmerksamsten Wächter, die ich nur haben könnte. Wir können ganz unbesorgt wieder zu Bett gehen, wenn Du magst." Shalhor hat keine Ahnung, welche Stunde inzwischen angebrochen sein mag, aber es war noch tiefe Nacht, als er sie hier herunter getragen hat. Sie macht noch immer einen sehr müden, erschöpften Eindruck und mit neuer Zuversicht, so wenigstens hofft er, findet sie in ruhigen Schlaf. Als sie also einwilligt, hilft er ihr aus dem Wasser und schlingt sie in eines der Tücher, um sie in einen der Marmorsessel an den Kamin zu setzen, dessen Feuer sie schön warm hält. "Dein Knöchel sieht nicht gut aus", muss er leider feststellen. "Kannst Du die Zehen bewegen?" Er ist natürlich kein Heiler und seine Einschätzung äußerst laienhaft, aber in Anbetracht der Tatsache, dass sie sich die Verletzung erst gestern bei diesem "kontrollierten" Absturz zugezogen hatte, ist es sicherlich das Beste, ihr wieder einen Verband anzulegen, wie es die Frauen zuvor getan hatten. Das kriegt er hin und wenn sie sich ausgeschlafen hat, sehen sie weiter.

Wenig später ist sie mit frischem Verband und Tunika versehen tatsächlich schnell an seiner Schulter eingeschlummert. Ein ganzes Weilchen wacht er über sie, lauscht ihren gleichmäßigen Atemzügen, fühlt ihren ruhigen Herzschlag an seiner Seite und lässt seine Gedanken treiben. Doch mit einem Mal taucht da diese unliebsame Frage auf, was er hier eigentlich tut und will sich partout nicht mit halbherzigen Ausflüchten zufrieden geben. Sie sollte gar nicht hier sein, nicht hier in seinem Gemach und schon gar nicht in seinem Bett. Gewiss der Alptraum gibt seinem Gewissen eine kleine Legitimation, wenigstens jetzt. Und ja, es ist auch nicht das erste Mal, dass sie sich ein Bett teilen. Es ist nur ... Es ist nichts, nur die Schwäche eines Augenblicks nach so vielen Jahren, löst sich sein Augenpaar vom nächtlichen Firmament hinter hohen Sprossenfenstern und legt sich auf ihr friedliches Antlitz. Und wenn nicht? Lange sieht er sie so an und beginnt sich zu fragen, was ihn so an ihr reizt. Es gibt auch andere hübsch anzusehende Frauen in dieser Stadt. Und Keiner hast Du je ans Herz legen müssen, Dir eine runterzuhauen. Es gibt auch einige hübsche Frauen mit aufregend üppigen Brüsten, gleitet sein Blick an ihrem Leib hinab. Aber haben sie dich aufgeregt? Nur Neridye seinerzeit und sollte ihm das nicht Mahnung genug sein. Außerdem ist es pervers, reißt er seine Augen los, irgendwohin. Er sollte sich von einem ganz anderen Frauentyp angezogen fühlen, Frauen seiner eigenen Art.

Lang hat er nicht mehr geruht in dieser Nacht. Mit dem Sonnenaufgang ist auch er aus der Trance erwacht, hat sich vorsichtig aus dem Bett geschält, um sie nicht zu wecken und sich so leise erfrischt wie angekleidet. Ihr Leibchen, dieser Hauch von Nichts hat er zu dem Kleid gelegt, dass die Mägde herausgesucht hatten und mit seinem Gesinde das Morgenmahl in der Küche eingenommen und ihr ein Tablett anrichten lassen, mit Coffea. Sie liebt Coffea. Doch bevor er ihr es herauf bringen konnte, war ein Botenkind mit einer Nachricht aus dem Pfirsich eingetroffen. Er hat gleich nichts Gutes geahnt und soll sich leider auch nicht irren.

Quoted

Shu're Shalhor, gestern kam es zu einer erneuten unschönen Begebenheit, unsere gemeinsamen Freunde wollten unser Etablisment um eine Möglichkeit zum Schlittschuhlaufen vor dem Eingag erweitern. Leider wurde es verabsäumt, uns vorab darüber in Kenntnis zu setzen. Den Göttern sei Dank ist keinem etwas geschehen und wir haben die Gabe schon entsprechend entversorgt.
Ich bitte euch, Sigourny nichts zu sagen, da sie sich ansonsten bemüsigt fühlen wird, zurück zu kommen und ich, wir der Meinung sind, es ist angesichts der Lage und der letzten Vorkommnisse besser, sie bleibt wo sie ist. Besten Dank und verzeiht die Mühen, Tane

Tut mir Leid, Puh', aber ich muss Dich früher beim Wort nehmen, als Du wissen darfst. Alle für eine und eine erholt sich erst einmal vernünftig, steckt er die Nachricht ein, bevor sie ihm zufällig in ihre Hände geraten kann. Als er mit dem Frühstückstablett sein Gemach betritt, schläft sie noch immer. Leise stellt er es auf dem Tischchen am Fensterrund ab, wobei sein Blick wieder auf ihr Leibchen fällt und verharrt. Vielleicht ist es besser, es einstweilen verschwinden zu lassen, bevor sie auf die Idee kommt, es anzuziehen. Sie braucht züchtigere Leibwäsche, solang sie hier ist ... um seinetwillen. Also besorgt er ihr welche vom Dachboden aus einer von Neridyes Truhen, wie auch warme, lange Strümpfe und ein wollenes Schultertuch, dass sie sich umlegen kann, wenn es abends kühler wird. Um sie nicht zu stören, zieht er sich ins Arbeitszimmer zurück, schreibt Lanzir eine Nachricht mit Anweisungen, da er in den nächsten Tagen nicht abkömmlich sein wird und kehrt schließlich mit einem Buch in sein Gemach zurück. Die Mittagstunde muss schon vorüber sein, als sie sich und wie ein Kätzchen reckt und räkelt, dass er lächeln muss und das Buch beiseite legt. "Gut geschlafen, Puh'?"
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Sigourny

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99

Saturday, February 9th 2019, 5:14pm

Der Rest der Nacht verläuft ruhig und nach Stunden tiefen Schlafes schwinden dessen Nebel und sanft gleitet sie in den Wachzustand, in die Realität Rohas. War das alles nur ein Traum gewesen, inklusive einem bösen Traum im Traum? Sigourny streckt und reckt sich, noch in einem gewissen Dämmerzustand gefangen. Dabei bemerkt sie, dass sie keineswegs in ihrem eigenen Bett liegt, das ist nicht der Pfirsich. War es doch kein Traum? >Gut geschlafen, Puh'?< dringt in diesem Moment eine vertraute Stimme an ihr Ohr. Noch reichlich verschlafen setzt sie sich auf und blinzelt in Richtung der selbigen, in Richtung des Fensterrundes. Und wird Shalhor gewahr, der dort entspannt in einem der Sessel sitzt. Die langen Beine lässig überschlagen, liegt ein Buch in seinem Schoß, in diesem muss er wohl eben noch gelesen haben. Nun ruhen seine Augen aber auf ihr und ein Lächeln überzieht seine edlen, alterslosen und ansonsten doch meist so ernsten Züge. Hinter seinem Rücken erstreckt sich auf der anderen Seite der Fensterscheiben der Ildoriel, so tief und geheimnisvoll und doch ein Anblick tiefer Ruhe. Der See und Shalhor, diese beiden Teile fügen sich zu einem stimmigen Bild, als scheinen sie einfach zueinander zu gehören und aus irgendeinem Grund macht ihr Herz bei diesem Anblick einen kleinen Satz. Unwillkürlich muss auch sie lächeln und fährt sich dabei durch die doch recht verstrubbelten Locken. „Guten Morgen Seemann! Ja sehr gut, wie ein Säugling! Bist du schon lange wach? Wie spät ist es eigentlich?“ Als er es ihr sagt, lässt sie sich mit einem gespielten Stöhnen wieder nach hinten in die Kissen plumpsen. „So lange schlafe ich normalerweise nie, viel zu viel zu tun. Aber …“ Prüfend schnuppernd richtet sie sich erneut auf, „… rieche ich da Coffea?“ Ihr Blick ist dabei so herrlich hoffnungsvoll welpenmäßig, dass der Elb sich ein Lachen nicht verkneifen kann. >Du riechst richtig, aber den musst du dir schon holen, kleine Schlafmütze!< „Worauf du dich verlassen kannst!“

Mit einem vorfreudigen Grinser schält sie sich aus den Laken, schwingt die Beine aus dem Bett, um aufzustehen und … „Au!“ Scharf zieht sie die Luft zwischen den Zähnen ein, derweil ihr Hintern wieder am Bettrand Platz findet. Sie hat den verletzten Fuß vergessen. „Verdammter Nargendreck!“ mit einem doch eher deftigeren Fluch versucht Sigourny erneut aufzustehen. Shalhor ist schon beim ersten misslungenen Versuch aufgesprungen doch sie winkt ab. „Es geht schon …“ Muss gehen! Vorsichtig humpelt sie, nur die Zehen des verletzten Fußes aufsetzend, zum Tisch am Fensterrund und lässt sich mit einem „Huh!“ auf einem der Sessel nieder. Frustriert schließt sie die Augen. Das darf einfach nicht wahr sein! Da erwacht sie im Gemach des aufregendsten Mannes, dem sie je begegnet ist, bei einem Mann, der Seiten in ihr berührt, die sie längst für tot oder nicht vorhanden hielt, dem sie nach kurzer Zeit sosehr vertraut, dass sie schlafen kann, obgleich er wach neben ihr sitzt und was macht sie? Sie quickt wie ein dummes Mädchen und humpelt herum wie eine alte Frau. Am liebsten würde sie im Boden versinken. >Trink das Puh‘!< „Hmm?“ Sie öffnet ein Auge und schielt nach oben. Shalhor hält ihr einen Becher Coffea vor die Nase. >Und essen solltest du auch etwas!< „Danke!“ Sie nimmt einen Schluck. Herrlich! Zwei Tage ohne das Zeug ist einfach zu viel. Tane und Briant ziehen sie regelmäßig damit auf, dass in ihren Adern kein Blut sondern Coffea fließt. Mittlerweile hat auch ihr Magen beschlossen, dass ob der Tageszeit diese Mahlzeit nicht als Frühstück gilt und verlangt vehement sein Recht auf Nahrung. Mit einem kurzen Seitenblick zu ihrem Gastgeber greift sie schließlich zu. Was solls? Immerhin kommt sie mit Brot, Käse und Schinken um einiges besserer zurecht als mit Muscheln, Fischeiern und Algen. Und nach Heulkrämpfen, Alpträumen und verdreckten Unterstadtkleidern muss ihr Frühstück unter seinen Augen in übergroßer Tunika und mit komplett zerzausten Haaren wohl auch nicht peinlich sein. Shalhor hat ihr gegenüber wieder Platz genommen und beobachtet sie, wobei nach wie vor ein feines Lächeln um seine Lippen spielt. Langsam wird ihr bewusst, was für einen Hunger sie eigentlich hat, mit Ausnahme des leichten Abendmahles am Vorabend ist das hier das Erste, was sie seit zwei Tagen zwischen die Zähne bekommt. Als sie sich so über das zweite Brot hermacht, wandelt sich das elbische Lächeln in ein Grinsen. „Was ist, hab ich was zwischen den Zähnen?“ kann sie sich nicht verkneifen, als sie damit fertig ist. Amüsiert schüttelt ihr Gegenüber den Kopf. >Hinter dem Paravant steht eine Waschschüssel und eine Kanne Wasser. Frische Wäsche liegt auch dort bereit, wie auch das Kleid von gestern.< „Ist gut, dann … dann zieh ich mal an!“ Rasch leert sie den Becher Coffea, wappnet sich gegen den erneuten Schmerz und steht auf. So hoheitsvoll wie möglich humpelt sie in die genannte Richtung. Nur nichts anmerken lassen, Frau hat auch ihren Stolz … verfluchte Dämonen das tut weh!
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Shalhor

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Sunday, February 10th 2019, 3:17am

Mit ihr schlüpft all die Bettwärme unter den Decken hervor und trägt ihm ihren Duft in die Nase, wie das Bouquet eines Weines, dass sich im Glas entfaltet - eines verdammt guten Weines mit diesem gewissen Etwas an weicher, sinnlich schwerer Samtigkeit, das einem Liebhaber das Wasser im Mund zusammen laufen lässt. Mmmmmh, schnurren seine Sinne und erinnern sich an ihre warme, weiche Haut ... >AU!< ... und werden jäh aus ihrer betörten Schwärmerei heraus gerissen. Bei ihrem spitzen Aufschrei springt Shalhor sofort auf, um ihr behilflich zu sein. Aber sie winkt ab. Es geht schon? Möglicherweise ist er da ein klein wenig anderer Ansicht, aber er sagt nichts dazu und lässt sie gewähren. Über ihre Unmutsbekundungen sollten sie allerdings demnächst einmal reden. Diese Gossenflüchte wirken auf ihn so charmant wie übler Mundgeruch und stören ihn an ihr noch mehr als an anderen Frauen. Es wäre vielleicht sogar grundsätzlich nicht verkehrt, sie etwas eleganteres Gebaren zu lehren, kommt ihm in den Sinn, als sie sich mit einem unüberhörbaren "huh" auf dem Sessel niederlässt. Andernfalls könnte es zu peinlichen Momenten kommen, wenn ... Shalhor stutzt. Wieso in aller Häuser Namen kommt er denn jetzt bloß darauf, sie elegant auszuführen? Als würdest Du überhaupt noch ausgehen, entledigt er sich dieser seltsam konfusen Gedanken und reicht ihr lieber Coffea. "Trink das, Puh‘", statt mir durch den Kopf zu geistern. "Und essen solltest du auch etwas!" Mit einem feinen Lächeln beobachtet er sie dabei, dabei gilt es weniger ihr oder ihrem gesundem Appetit, als seinen närrischen Gedankengängen ... von eben ... von letzter Nacht. Das muss aufhören. So gesehen sollte er ihr diese schlimme Flucherei auf gar keinen Fall abgewöhnen, muss er schmunzeln, was ihr wiederum nicht entgeht. Nein, sie hat nichts zwischen den Zähnen, schüttelt er den Kopf, denkt aber nicht im Traum daran, ihr den Grund seiner Erheiterung zu nennen. Stattdessen erklärt er ihr lieber, wo sie alles finden kann, um sich herzurichten.
Eigentlich hat er ihr eine Führung durch sein Haus zugesagt. Doch wenn er sie so humpeln sieht und wie steif sie dabei geht, ist es wohl besser, jemand sieht sich ihren Knöchel einmal an - jemand der mehr davon versteht. Dar gehört doch jetzt zu ihren Leuten. Rasch hat Shalhor das Geschirr auf das Tablett verfrachtet und nimmt es mit nach unten in die Küche, wo er es Gesines Händen überlässt und durch die Gesindepforte hinüber zu den Stallungen geht.
"Xilian?"
"Hier drüben, Mylord."
"Ah, da steckst Du. Ich möchte, dass Du die Kutsche anspannst und zum Pfirsich fährst. Dort wirst Du erfahren, wo Du einen Zwerg namens Dar finden kannst. Bring ihn her! Madam Sigourny bedarf seiner Künste. Und lass Dich nicht aufhalten!"
"Jawohl Mylord."
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Sigourny

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101

Sunday, February 10th 2019, 9:35am

Der Weg bis zum Paravant erscheint ihr ewig lang und die ganze Zeit hat sie das Gefühl, seine Blicke im Rücken zu spüren. Die ganze Zeit spukt ihr sein Lächeln im Kopf herum. Was hatte es zu bedeuten? Hinter der Abtrennung, geschützt vor Beobachtung, kratz sie mit den Fingernägeln schnell durch die Zahnzwischenräume und begutachtet ihre Finger kritisch. Nichts, also an dem kann es nicht liegen. Dennoch irgendetwas war an seinem Lächeln, seltsam hintergründig gewesen. Naja, hat wohl doch an der Humpelei gelegen oder dass sie gegessen hat wie ein ausgewachsener Stier. Oder an ihrer Plapperei oder … verflucht, genau das! Die Flucherei! Ihre Gedankengänge waren vom Klappern des Geschirrs hinter dem Paravant begleitet worden und eben ist das Klappen der zufallenden Tür zu hören. Mit einem Stöhnen lehnt sich Sigourny an den Rand des Badezubers. Was hast du dumme Kuh dir eigentlich gedacht? In den letzten Wochen hatte sich eine Freundschaft oder Ähnliches entwickelt, ohne Zweifel aber würde diese halten, wenn der Reiz der Gefahr und des Neuen vorbei war? Gestern Nachmittag hatte sich all jene Spannung, die sich zwischen ihnen aufgebaut hat, mit einem Mal entladen – auf eine wunderbare Weise. Und die Sicherheit, an seiner Seite zu schlafen, war ein Geschenk der Götter gewesen. Und heute? Würde er mit der Sigourny zurechtkommen, Kontakt haben wollen, die hinter der Maske der Geschäftsfrau und Wirtin steckt? Er kennt zwar schon ihre verletzliche Seite, einen großen Teil ihrer Ängste aber … Verstohlen schleicht sich eine Träne aus ihren Augenwinkeln. Was bildest du dir ein? Er ist ein Lord und du nichts weiter als eine kleine Gossengöre, die aus dem Dreck gekrochen ist. Ein hübsches Gesicht und ein ansehnlicher Körper sind nicht genug. Aber … aber seit wann machst du dir Gedanken, was andere von dir halten? Vor allem Männer? Muss an dem Stress liegen … Aber vielleicht solltest du doch ein klein wenig damenhafter sein, zu sein versuchen …? Für einen Mann ändern, bist du wahnsinnig? Aber ist es so schlecht …. ?

Energisch schiebt sie die Gedanken, die in ihrem Kopf Karussell fahren, beiseite. Bald würde Shalhor zurück sein und bis dahin will sie eigentlich fertig sein. Mit einem Seufzen zieht sie die Tunika über den Kopf und gönnt sich eine Katzenwäsche. Auf dem Kleid, dass die Mägde ihr gestern schon gegeben haben, liegen frische Leibwäsche und warme Strümpfe. Zweifelsohne von ausgezeichneter Qualität und doch … Sigourny beäugt die Teile mit skeptischem Blick. Nicht so ganz das, was sie normalerweise trägt. Irgendwie bedeckt, züchtig. Aber andererseits: es ist zumindest kein Feinripp dabei. Kritisch betrachtet sie sich: die Wäsche passt perfekt, versuchsweise zupft sie am Rand des Ausschnitts herum, um ihn ein wenig nach unten zu bugsieren. Moment, was machst du denn da? Hast du heute noch nicht genug von Patzern? Humpeln, verbale Ausrutscher, Heißhungerattacken … und das gestrige Malheur mit der Muschel … Ahhh, was soll das jetzt wieder? Anscheinend hab ich mir gestern doch den Kopf mehr gestoßen als gedacht. Entschlossen schlüpft sie in das Kleid und kämmt sich die Haare. Fertig. Auf der anderen Seite ist im Gemach nach wie vor kein Geräusch zu hören, vermutlich ist ihr Gastgeber noch nicht wieder zurück. Gut so. Nun kann sie sichtlich entspannter (aber auch um einiges auffälliger) zurück humpeln. Kurz fällt ihr Blick auf das Bett: Nein, sie würde ihn sicher nicht im Bett erwarten, das ist einfach nur billig … und mitunter sehr missverständlich. So kehrt sie zurück ins Fensterrund, setzt sich in einen der Sessel mit Blick auf den See und legt den verletzten Fuss auf einen weiteren. Ja besser. Ihr Blick fällt auf das Buch auf dem Tisch, jenes in dem Shalhor zuvor gelesen hat. Versonnen nimmt sie es in die Hand, fährt mit den Fingern die Buchstaben am Buchdeckel nach. Legenden der Seefahrer … wie von selbst schlägt sie die erste Seite auf. Lady Shin hat ihr vor ihrem rätselhaften Verschwinden neben Rechnen und Buchführung auch versucht Lesen und Schreiben beizubringen – mit mäßigem Erfolg. Die Bücher in ihrem Gemach sind mehr Dekoration, sie hat kaum jemals darin gelesen. Nun aber versucht sie es, vor Konzentration hat sie die Unterlippe zwischen die Zähne geklemmt. Doch bereits nach wenigen Zeilen stockt sie, sie kennt die Geschichte. Es ist eine jener, die ihre Mamman ihr erzählt hat. Auch nach all den Jahren ist es, als könnte sie ihre Stimme hören. Eine einsame Träne fällt auf die Buchseite, schnell schließt sie das Buch, lässt aber den Finger in der Seite. Ihr Blick gleitet nach oben, durch das Fenster über die Weiten des Ildoriel. Wie von selbst kommt ihr eine Melodie in den Sinn, wie die Geschichte lang in ihrem Geist verschüttet. Die zugehörigen Worte kommen kaum hörbar über ihre Lippen.

Gegen den Wind
Gegen den Wind
Immer weiter geradeaus
Gegen den Wind
Gegen den Wind
und dann bin ich zu Haus
Gegen den Wind
Gegen den Wind
Und gegen jede Flut
mit Herzen in der Hand
und Köpfen frei von Wut *


*Gegen den Wind, EAV ft. Lemo
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Shalhor

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102

Sunday, February 10th 2019, 2:54pm

"Will sein wie Amurs edler Ritter,
der die Hoffnung nie verlor,
weil er seinem Traum und seiner Hoffnung
die Treue schwor ...
(Gegen den Wind, EAV ft. Lemo - abgewandelt)

Mit einem Ruck löst sich Shalhor aus dem Türrahmen, gegen den gelehnt er ihrem Gesang gelauscht hatte und schlendert zu ihr. "Weiter kenne ich dieses Lied leider nicht." Seine Männer haben es zu Corvalants Hochtag gesunden, aber er erinnert sich, dass es in der Gildenhalle anders geklungen hatte, kraftvoller, entschlossener und vor allem zuversichtlicher. Sie hat es ganz leise gesungen und so voller Melancholie, dass er gar nicht so tun will, als sei es ihm entgangen. Sie kann sich ihm mit allen Sorgen anvertrauen, wenn sie will, ganz gleich worum es geht. Er vermutet allerdings die Grappe hinter ihrer Wehmut, weil sich derzeit alles um dieses Unterstadtmonster dreht und weniger das Buch in ihren Händen, auch wenn es von schaurigen Geschichten berichtet. "Glaub nicht alles, was darin geschrieben steht. Das meiste davon ist nur Seemannsgarn, Flauten und zu viel Rum geschuldet und ... nun ja ... weil es ohne Geisterschiffe und schreckliche Seeungeheuer nur halb so aufregend klingen würde. In welcher Geschichte hast Du gestöbert?
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Sigourny

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103

Sunday, February 10th 2019, 5:11pm

Als sie seine Stimme das Lied fortführen hört, schließt sie kurz die Augen. Mehr spürt sie seine Annäherung als sie seine Schritte wirklich hört. „An viel mehr als an den Refrain und die Melodie kann ich mich auch nicht mehr erinnern. Mamman hat mir dieses Lied immer vorgesungen, wenn sie mich ins Bett …in die Truhe gebracht hat.“ Ein wehmütiges Lächeln liegt auf ihren Zügen. „So wie sie mir immer wieder vom Ildoriel erzählt hat, muss sie ihn gesehen haben. Ich wüsste gerne, wo sie her kam.“ Sanft drückt er ihre Schulter, stumme Geste seiner Unterstützung. >In welcher Geschichte hast du gestöbert?< „Gleich in der ersten, ‚Eine wundersame Reise‘ …. Bin aber noch nicht recht weit. Irgendwie kommt sie mir bekannt vor, aber anders, irgendwie … kindgerechter. Ich glaube da sind keine Geisterschiffe vorgekommen, das waren … fliegende Traumsegler oder so ähnlich. Und Regenbogenfische … ich glaub Mamman hat sie abgeändert, damit ich keine Angst bekomme. … Willst … willst du diese Version hören, also soweit ich mich erinnern kann?“ >Gern Puh‘<. Sie räuspert sich, dann beginnt sie. „Vor vielen hundert Jahresläufen lagen in den Häfen zwischen all den Handel- und Passagierschiffen, zwischen den Fischkuttern und Barkassen auch die sogenannten Traumsegler. Den ganzen Jahreslauf über waren es ganz gewöhnliche Schiffe, doch einmal im Jahr, an Corvalants Hochtag, machten sie sich mit einem durch die Gnade der Götter Auserwählten auf, eine besondere Reise zu unternehmen, eine Reise der Träume, begleitet von schillernden Regenbogenfischen. In einem Jahr schlief nun ein kleiner Junge, geboren und aufgewachsen in der Gosse, an Deck eines solchen Schiffes. Am Abend zuvor hatte er sich unbemerkt an Bord geschlichen, um in Sicherheit vor den Wachen zu sein. Als mit der Stunde der Geister Corvalants Hochtag anbrach, wurde der Junge von einer Stimme geweckt. ‚Wach auf, die Götter haben dich erkoren, eine besondere Reise zu machen, in dieser Nacht zu den Plätzen deiner Träume.‘ Der kleine Junge setzte sich auf, rieb sich die Augen und sah sich den fliegenden Regenbogenfischen gegenüber. ‚Wirklich?‘ Ja, ein Ziel deiner Träume können wir heute bereisen.‘ Der kleine Junge überlegte, dann sagte er: ‚Ich möchte einmal die Wunder der Sommerinsel zu sehen‘ …. Weiter weiß ich es nicht mehr. Ich glaube, ich bin immer eingeschlafen.“ Nachdenklich fährt sie über den Buchrücken. „Die hier hat Geisterschiffe und es ist nicht Corvalants Hochtag sondern … „ Sie schlägt die erste Geschichte wieder auf, fährt mit den Finger über die Zeilen. „ … All … Aller …Allerseelen.“
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104

Sunday, February 10th 2019, 5:31pm

Der Tag ist noch nicht weit fortgeschritten, als Dar die letzte Aufgabe erledigt beiseite legt! Was ihm heute Morgen noch wie ein unbezwingbarer Berg erschienen war, hatte ihm zuletzt regelrecht Freude bereitet, so das nun nicht nur alle Aufgaben erledigt sind, sondern er morgen auch noch auf dem Weg zum Tempel im Haus der Bücher halt machen will, dort noch einige anatomische Unklarheiten, auch bezüglich der Frage, inwieweit die Kinder der anderen Völker nicht einfach nur kleiner sind, denn die Älteren, sondern tatsächlich unfertig und in Entwicklung sich noch befinden. Aber das entspringt nunmehr nicht der Sorge um die Schankkinder, sollte ihnen etwas geschehen, oder etwa einer Angst den Erwartungen der Tempelschule möglicherweise nicht zu genügen. Vielmehr ist es reine Wissbegier, die Dar dieses Mal antreibt. Und ohne die drohenden Schatten der Vergangenheit, ohne die eigenen Ängste vor der Zukunft im Nacken, denn ganz und gar im hier und jetzt sich bewegend... Leise pfeifend legt Dar die Pergamente zusammen, die Meditationsübung sollte er nun, auch ohne erneute Sichtung der Schriften hierzu, allabendlich wohl praktizieren können. Aber es ist weniger das, denn die Worte Briants, die diese innere Wandlung (der Alchemist, beziehungsweise Apotheker, in ihm muss ob der Worte einer inneren Wandlung leise schmunzeln) vollzogen, beziehungsweise anstießen. Inwieweit die Betelbissen ihren Teil zu seinem momentanen Hoch beigetragen haben und wie es in ihm aussehen würde, wenn diese ihm nicht länger verordnet würden, bleibt wohl noch abzuwarten. Doch Dar ist sich sicher, das von jetzt an alles anders werden wird – wenn er es denn zulässt.

Einzig der Umstand, dass diese Erkenntnis oder meinethalben auch nur die vermeintliche Erkenntnis, rein verstandesmäßig ihm bloß gegenwärtig ist und er mitnichten das Maß an Freude verspürt, welches man bei einem solchen Fortschritt, gleich, ob nur eingebildet oder nicht, erwarten sollte, zeigt, dass er weiter vorsichtig sein muss, sein Grundproblem unterschwellig nach wie vor Bestand hat. Aber auch diese Selbstbeobachtung hatte der Fro'gar schon niedergeschrieben, Selbiges morgen vorzuzeigen. Nicht um irgendeiner Prüfung oder Aufgabe wegen, sondern wiederum nur aus dem Drang heraus, diesen diesem interessanten Fall so besser erklären wie verstehen zu können. Zum ersten Mal, seit er dem Steingarten entwachsen ist, scheint ihm, dass er etwas um dessen selbst willen und weniger irgendeiner Erwartung wegen angeht. Es ist eine irgendwie und trotz seiner emotionalen Störung, er kann es nicht anders beschreiben ... befriedigende Erfahrung. Dar erhebt sich, wissend alles was getan werden muss vollbracht zu haben, streckt sich und beschließt, sich nochmals der Verletzten wie Vergifteten anzunehmen. Kaum das er sich, denn Keller verlassen habend, den Krankenzimmern zuwendet, taucht Briant auch schon leicht verärgert wie aus dem Nichts auf, erklärt erneut, das auch ohne sein Zutun nach den Kranken geschaut wird. Doch das, wenn auch immer noch leicht melancholische, Lächeln, mit dem er ihr erklärt, alle eigenen Angelegenheiten, inklusive einer kurzen Meditation bereits erledigt zu haben, scheint ihr ein wenig den Wind aus den Segeln zu nehmen und tatsächlich ist er recht entspannt, während er die Kranken und Verletzten untersucht. Die im Zuge der Vergiftung mit dem Ale mit Schüttelfrost und dergleichen niedergestreckten letzten Kranken erklärt er für gesund, derweil er auch die Treppenstürze allesamt für harmlos und glimpflich befindet. Was an blauen Flecken und Beulen noch gegeben ist, wird ganz von alleine heilen und irgendwelche Prellungen oder Verletzungen des Kopfes wagt der angehende Heiler heute geradeheraus auszuschließen.

Sich darum die nächsten Stunden in einem Zuber in der Waschkammer des Pfirsichs entspannt einweichen zu lassen, ein Vorschlag, der nun endlich auch wieder Briants Zustimmung findet, schafft er dann aber doch nicht. „Dar?“ Perrins Schopf lugt durch die Hintertür des Pfirsichs und lenkt Dars Weg von der Treppe fort und in den Hinterhof. »Ja?«, grinst der Zwerg wieder sein undeutbar sardonisches Lächeln, das die Bewohner des Pfirsichs, aber kaum mehr zu irritieren vermag. „Eine Pferdekutsche, die Euch zu Madame Sigourny bringen soll. Eure Kenntnisse werden gebraucht.“ Statt wie heute Morgen noch aufgelöst eine nun tödlich verletzt aus der Unterstadt zurückgekehrte Sigourny als Grund des Rufes zu vermuten, grummelt er nun nur leise missmutig ob des versäumten Bades und folgt dem Pferdeburschen nach draußen. Den Kutscher als eben jenen wiedererkennend, mit dem Shalhor gestern auch unterwegs war, verwirft der Zwerg beruhigt die Überlegung, ob diese Grappe ihm nicht einen falschen Boten geschickt haben könnte, ihn so möglichst unauffällig aus dem Spiel zu nehmen und besteigt mit einem knappen Nicken das Gefährt. Das er immer noch das Handtuch über der Schulter trägt, mit welchem er gerade noch auf dem Weg zum Waschkeller war, sein Bad zu nehmen, bemerkt indes niemand von ihnen – oder zumindest weist ihn niemand darauf hin, einzig Briant ihnen noch auf den Hinterhof folgt, und Dar einen Beutel mit den Worten „Für Sigourny!“ in die Hand drückt.

Entspannt sich zurücklehnend lässt der Zwerg die Fahrt über sich ergehen. »Doch, an diese Art des Reisens könnte ich mich glatt gewöhnen!«, ist alles, wozu er sich auf der Fahrt zu sprechen hinreißen lässt, doch könnte er schwören die Schultern des jungen Kutschers in einem stummen Lachen sich darob kurz schütteln zu sehen. Das große Meer oder besser der See, wie alle dieses je Hörende ihn fast automatisch schon korrigieren, rückt näher und näher, die Häuser werden größer und stattlicher, die sie umgebenden Gärten größer und die sie umschließenden Mauern höher. Doch statt einer mit jedem gefahrenen Schritt wachsenden Ehrerbietung, beginnt der Fro‘gar schließlich die Stirn zu runzeln. All dieser Luxus, derweil in der Unterstadt… Aber er ist nicht hier an der Weltordnung zu rühren. Also lehnt er sich erneut zurück, schließt die Augen, die Krempe des weiten Schlapphutes weit in die Stirn gezogen um, noch bevor er Zeit findet die Fahrt recht zu genießen, mit einem Knirschen vor einem imposanten Eingang anzuhalten. Statt ihn, wie halb von Dar schon befürchtet, an der Eingangspforte an eine steife alte Bedienstete weiterzureichen, die ihn bittet, doch eine halbe Stunde in der Vorhalle zu stehen, bis die Herrschaften Zeit für ihn fänden – ja, Dar hatte auf dem Weg nach Talyra schon das eine oder andere herrschaftliche Anwesen betreten – springt der Kutscher, Dar im Schlepptau die Treppe hinauf, begrüßt eine Bedienstete, die er nach dem Aufenthalt des Herrn fragt um Dar dann schließlich einen neuen Gang betretend auf die rechte Tür hinzuweisen sofort wieder Kehrt zu machen und im Fortrennen begriffen, über seine Schulter noch zu rufen, er müsse sich rasch um die Pferde kümmern.

Dar tritt an die besagte Tür heran, vernimmt durch diese leise Shalhors Stimme >... weil es ohne Geisterschiffe und schreckliche Seeungeheuer nur halb so aufregend klingen würde. In welcher Geschichte hast Du gestöbert?< Die Hand schon auf der Klinke, erstarrt der Zwerg wie zu Stein! Geister? Zitternd warter Dar die hereinbrechen müssende Flut der Bilder vergangener Schrecken, der durch den Verlorenen seiner verstümmelten Seele beigebrachten Phantomschmerzen ab. Doch… tut sich nichts! Ob seiner Erstarrung indes wird der Zwerg so zu einem unabsichtlichen Horcher an der Tür und erst als Sigournys leise zu lesen anfängt, fühlt Dar sich wieder imstande sich normal zu bewegen. Mit einem »Hy Shalhor, Sigourny.« drückt Dar die Klinke schließlich hinab und betritt das, wie alles hier im Haus, ausgesprochen erlesen eingerichtete Zimmer. »Lasst euch von mir nicht stören.«, grinst Dar, der trotz des, ob der jüngsten Erwähnung von Geistern und dergleichen, wieder sardonisch auf seinen Zügen klebenden Lächelns weit befreiter wirkt, als sowohl Sigourny, wie auch Shalhor ihn je erlebt haben. Tatsächlich kümmert sich der Zwerg nicht weiter um der beiden Gespräch, sollten sie dieses denn fortführen und winkt vielmehr nur Sigourny stumm zu einem benutzen Bett, ihr Humpeln zu diesem hin allerdings genau beobachtend. Nachdem sie sich von ihm sanft aber bestimmt rücklings auf das Bett hat herunterdrücken lassen, eilt Dar zu etwas, das wie ein gepolsterter Fußschemel aussieht, trägt in zur Bettkante, das er etwas erhöht darauf stehend Sigournys Knöchel abtasten kann, leise dabei vor sich hinsummend. Schließlich hebt er, ihre Ferse vorsichtig umfassend, das betroffene Bein etwas an und drückt dann, sacht aber bestimmt, das Schienbein von oben hinab. Sigorny vermag, ohne zusätzliche Schmerzen dabei zu verspüren, wohl doch bemerken, wie ihr Fuß irgendwie ungewohnt und unrichtig sich anfühlend stark nach vorne sich schiebt. »Ja, ich verstehe nun, was Garchons Fibel mit spürbarer Schubladenbewegung meint«, murmelt der Fro‘gar leise aber vernehmlich vor sich hin, derweil er die gleiche Prozedur an ihrem gesunden Fuß – aber ohne diese gefühlt unrichtige Verschiebung nach vorne – wiederholt. Nachdem Dar noch kurz den Knöchel, wie den Rest des Fußes jetzt auch mit kräftigeren Griffen abtastet, gezielt Sigournys Schmerzreaktionen dabei zu beobachten, steigt er seufzend wieder von dem Schemel herab.

»Eine der Sehnen im Fuß ist gerissen. Aber neben dem Außenband existieren zum Glück noch zwei weitere Sehnen, die den Fuß stabilisieren.« Dann an Shalhor sich wendend, fährt er fort: »Ich muss eine Schiene bauen und möglichst exakt an Sigournys Fuß anpassen. Das dauert ein wenig. Ich brauche Holz, etwa so lang, zweimal. Dann weiches Leder zur Polsterung; ein Messer zum Schnitzen, will sagen Anpassen; Werkzeug zum Bearbeiten des Leders, Sattlerwerkzeug wäre hier ideal und Zeit bis heute Abend, da mir die Übung hierbei noch fehlt. Ein Sattler oder Tischler würde die Zeit natürlich verkürzen. Aber« hier grinst Dar dann wieder Sigourny an, »…mit der Schiene sollte normales ja selbst schnelles Gehen und leichtes Rennen erlaubt sein. Die muss allerdings die nächsten sechs bis sieben Siebentage bei jeder Bewegung am Fuß bleiben. Danach sind weitere sechs bis sieben Siebentage vorsichtiger Aufbau angesagt. Die anderen Sehnen halten den Fuß auch noch, aber eine gezielte Stärkung der Muskulatur um den Fuß herum, sobald die Schiene dann ab ist, sollte nicht schaden.« Dar zögert kurz, überlegt scheinbar und fährt dann knarzend fort. »Das steht jetzt zwar in keinem der Lehrbücher, aber mit etwas Ton könnte ich einen exakten Abdruck des verletzten Beines formen und daran dann die Schien in Ruhe in einer Werkstatt anpassen.« Auch würde ich hier dann weit weniger stören. Denn seit er den Raum betreten hat, vermeint er – ohne es an etwas Bestimmten festmachen zu können – eine Vertrautheit zwischen den Beiden zu bemerken, die vorher so nicht da gewesen schien: Eine Vertrautheit, die er nur ungern durch seine Anwesenheit weiter stören würde. Insbesondere da ihm hier tatsächlich die Übung zur Erstellung einer individuellen Schiene noch fehlt, was sich in einer deutlich längeren Herstellungszeitdarum wohl niederschlagen dürfte.
“Siehst du einen Riesen, so prüfe den Stand der Sonne und gib acht, ob es nicht der Schatten eines Zwerges ist.”

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Shalhor

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Sunday, February 10th 2019, 11:55pm

"Aye, Allerseelen." Er wusste es schon, bevor es ihr über die Lippen kommen will, unterbricht sie aber nicht dabei, Buchstabe an Buchstabe und Silbe an Silbe zum Wort zusammenzusetzen. Er könnte sich ohrfeigen, sich über so etwas nebensächliches wie die Feinheiten der Etikette Sorgen gemacht zu haben. Lesen, schreiben und rechnen wären so viel nützlicher für sie. Den Göttern sei Dank hatte er dieses Ansinnen verworfen, bevor er es ihr unterbreiten konnte. Sie hätte ihn doch für den überdrehtesten Schnösel ganz Rohas halten müssen ... vollkommen zu recht. "Ich hoffe, der kleine Junge hat die Sommerinseln zu sehen bekommen, denn sie sind wunderschön, wild und ursprünglich und nicht ganz ungefährlich, aber wirklich einzigartig und bisweilen rätselhaft. Es gibt dort feuerspeiende Berge und solche, die hoch in den Lüften schweben. Nicht von ungefähr werden diese Inseln auch 'Nannas wilder Garten' genannt. Ich glaube nirgendwo gibt es einen solchen Reichtum an Tier- und Pflanzenarten wie dort, darunter Geschöpfe, die so wundersam wie gefährlich sind und man nirgendwo sonst kennt, gewaltige Echsenvögel, Heldýre und Hel...

"Hy Shalhor, Sigourny."
"Oh, Dar ... schön dass Ihr so schnell kommen konntet", erhebt sich Shalhor aus der Hocke neben Sigourny, zu der er sich niedergelassen hatte, als er ihr von den Sidh'Amriel vorzuschwärmen begonnen hatte. Für ein >lasst euch von mir nicht stören< ist es mithin zu spät, aber das macht ganz und gar nichts. Der Zwerg ist nicht ohne Grund hier und ihr Knöchel hat Vorrang. Allerdings hat er sich derart verschwatzt, das er weder weiß, warum sie so traurig gesungen hatte, noch dazu gekommen wäre, ihr zu sagen, dass er nach Dar geschickt hatte ... vom ungemachten Bett, dass besser vorher gerichtet worden wäre ganz zu schweigen. Siedend heiß erinnert sich Shalhor der unüberlegten Worte eines ereignisreichen Abends am Tresen des Pfirsichs, mit denen er eben diesem Zwerg unfreundlich erwidert hatte, nur den Frauen behilflich zu sein, die er ... nun ja. Schwer zu sagen, ob es nun diese Worte und das zerwühlte Bett sind, die den Zwerg zu erheiternden Rückschlüssen verführen. Dessen auffällig gute Laune dagegen ist schwerlich zu übersehen. Er zieht es vor, Sigourny aufmunternd zuzunicken, Dars auffordernder Geste zu folgen und sich einstweilen auf dem Sessel niederzulassen.
Garchons Fibel ... Schubladenbewegung? Im Gegensatz zu Dar versteht Shalhor genau gar nichts, bedauert allerdings die hernach folgende, schmerzhafte Untersuchung und wünschte im Stillen, der Aniran seines Vertrauens wäre in der Stadt. Zu ändern ist dies nun aber einmal nicht, also lauscht er interessiert den Ausführungen über Außenbänder und Sehnen und dass der Zwerg eine Schiene bauen will. Als dieser anmerkt, mit etwas Ton einen exakten Abdruck anfertigen zu wollen, um besagte Schiene irgendwo anders anfertigen zu können, lehnt Shalhor jedoch entschieden ab: "Das wird nicht nötig sein. Ich stelle Euch mein Arbeitszimmer gern zur Verfügung und kümmere mich um alles, was Ihr benötigt. Betrachtet Euch als meinen Gast." Mit diesen Worten erhebt er sich und wendet sich an Sigourny. "Es wird schneller gehen, wenn er nicht erst ein Modell anfertigen muss und Du könntest ihm direkt sagen, wenn diese Schiene irgendwo drückt. Außerdem ist die Bibliothek gleich nebenan. Ich habe unter anderen Werken auch einen Reisebericht über die Sommerinseln mit bemerkenswerten Illustrationen zum Zeitvertreib, wenn Du magst?"
Man sollte keine Dummheit zweimal begehen, die Auswahl ist schließlich groß genug!

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