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Montag, 21. Januar 2019, 20:48

>Was allerdings schwierig werden wird, ist, wie wir diese nette Mischung da runter bringen sollen, ohne erwischt zu werden. Gibt es dazu auch schon Vorschläge? < Dar blickt kurz sardonisch zu der Türe zum Keller. Tja, man sollte sich nie zu bildreich ausmalen, was man n i c h t wünscht, tritt meist doch genau das ein! „Dar?“ mit einem Ruck reißt sich der Fro'gar von seinen Gedanken los. „Dar, alles in Ordnung?“ Dar schüttelt den Kopf, aber nicht wie um die Frage Briants zu verneinen, sondern vielmehr, wie um den Kopf frei zu bekommen. »Verzeihung, ich habe gerade nicht zugehört. Was meintest du?« „Ob du in Ordnung bist fragte i… ach, egal. Wie bringen wir die Schalen aber runter?“ Wie schön wäre es, jetzt warm eingepackt dort drunten im Dunklen im Stroh zu liegen, das Kohlenbecken in der Ecke gut gefüllt und wärmend? „Dar?“ »Die Schalen dort runter bringen, richtig. Also das ich oder Tane da nochmals einen Fuß runter setzen« „Auf – keinen – Fall! So lange wie die uns hinterher sind, müsste es mit einem Wunder zugehen, wenn nicht an jeder verdammten Unterstadtmauer Bilder von uns Hängen, mit dem Versprechen, einer fetten Belohnung für einen unserer Köpfe!“ Dar wartet in Ruhe ab, bis der Mensch, vor Aufregung aufgesprungen seiend und mit der Faust auf den Tisch gehauen habend, sich wieder setzt. Es sind neun tiefe Atemzüge, dar hat jeden Einzelnen gezählt, bemüht selbst die Fassung so auch zu wahren. ‘Wenn es schlimmer wird’, erinnert sich Dar der mahnenden Worte Ketells, ‘solltest du dich in der Meditation – nein nicht dem Gebet Dar! Ehrlich jetzt, mit deinem Groll auf Sil, den du mir partout nicht erklären willst, solltest du echt irgendwann einmal ins Reine kommen. Wenn, nein besser falls es wieder schlimmer wird, solltest du dich in Meditationstechniken üben.’ und sie hatte ihm den Unterschied zwischen Gebet und Meditation erklärt, ihn so etwas weniger voreingenommen zu machen. Dar hatte nie darauf zurückgreifen wollen, doch… Nicht ablenken lassen, Junge! Dieses Mal reißt Dar sich ohne Hilfe von außen aus seinem Gedankenkarussell, blickt Tane und Briant an, die noch immer darauf warten, das er seine Gedanken vorträgt. »Das einer von uns dort runter geht, wird also nicht geschehen.« knarzt Dar, worauf Tane sich leicht entspannt. »«Darum…«, lächelt er müde von Tane zu Briant, die alleine ob des Blickes schon beginnt vehement den Kopf zu schütteln. „Eher verbringe ich mein restliches Leben als schweigende Schwester im Sitechtempel, als das ich da runter– was Dar?“ knurrt sie wütend, ob des plötzlichen Grinsens in seinem Gesicht. Doch auch Tane muss an der Stelle das Grinsen sich mühsam verkneifen, von wegen das Bild einer sich zum Schweigen verpflichtet habenden Briant…

Doch schlagartig ist das kurze Lächeln, das plötzliche Aufflackern eines echten Lebenszeichen jenseits bloßen, den verschiedenen Verpflichtungen bloß geschuldet seienden Trottes, den Dar seit langem gezeigt hat, verflogen. »Eine Möglichkeit, auch wenn ich nicht wüsste wie man so jemanden finden sollte, wäre es einem leichtgläubigen Freier der schwarzen Orchidee – oder irgend einem anderen regelmäßigen Besucher der Unterstadt zu verkaufen, das mit einem furchtbar geheimen, unendlich magischen Zauberritual«, hier muss Dar plötzlich an den verfluchten Dämonenkompass denken, mit dem der Herr des Hauses der Bücher ihn auf die Probe gestellt hat und ist sich plötzlich nicht mehr ganz so sicher, das sich richtig angesprochen, kein fügsamer Narr findet dieses zu tun, »seine geheimsten Wünsche sich erfüllen würden – oder auch nur das alle Orchideen dort sich nichts sehnlicher wünschen, als ihm den Rest des Lebens umsonst mit Liebeswonnen zu verwöhnen. Wenn dieses Ritual nun er beinhaltete um die Orchidee herum unsere vorbereiteten Schalen unbemerkt zu platzieren und dann – um ihn fürs Erste aus dem Weg zu schaffen eine Pilgerfahrt zu irgendeiner Landmarke, etwas entfernt von hier pilgern und dort noch ein paar Tage zu meditieren…?« Dar erwartet eigentlich das ihn beide nun auslachen, Briant jetzt endgültig sicher ist, das er sich in seinem verdammten Keller dort drunten das Fieber geholt hat und beide ihn mit sanften Worten auffordern, sich doch am besten ruhig hinzulegen und den Erwachsenen alles Weitere zu überlassen. Aber zu seinem großen erstaunen, hört er vielmehr Dobesto in seinem Rücken sagen: „Weißt du, für die Idee eines Zwergen ist das gar nicht mal so dumm, wie man glauben mag!“ Weit zu erschöpft, der Beleidigung irgend eine Regung zu schenken, wobei es andererseits das größte Lob auch war, das Dobesto ihm bisher hatte zukommen lassen, verfolgt er des Kobolds mit einem brennenden Eifer vorgetragenem Vorschlag nur recht halbherzig, ein paar Koboldvettern und – Dobesto blickt schwärmerisch zur von der Treppe zu ihnen hinab schauenden Fee über Ihnen – ja also Koboldvettern zusammenzutrommeln, das passende Drumherum zu schaffen, dieses – der Kobold lacht – Zauberritual so glaubwürdig zu machen, das selbst die Ratsmitglieder der Stadt das für wahr halten würden (da Lux Flammenblüte so stolz ob seines Elans zu ihm herunter blickt, ist diese winzig kleine Übertreibung in seinen Reden ja wohl sicherlich legitim). Doch tatsächlich entspinnt sich so, um Dar herum ein Plan, der immer festere Formen annimmt.

Doch Dar lässt dies alles, wie das kalte Wasser des Llarelon vorhin um die Pfeiler der steinernen Brücke, auf der er sich so unversehens wiedergefunden hatte, an sich vorüber und auch auch abgleiten. „Dar, was-“ »Ich brauche Ruhe, brauche Schlaf!« abrupt steht Dar auf. »Ihr schafft das sicherlich auch alleine!« Er zumindest ist ihnen unbestreitbar bei allen weiteren Schritten keine gute Planung. »Wenn was ist: Ihr wisst, wo ihr mich findet.« Spricht's und verschwindet erst in die Küche und dann mit einer Pfanne heißer Kohlen in den Keller hinab. Die glühenden Kohlen auf ein in der Ecke des inzwischen sauberen und trockenen, aber noch immer weitestgehend leeren Kellers, befindliches, vorbereitetes Kohlenbecken gebend, sinkt der Zwerg auf das, dem Becken nicht zu nahen, Strohlager, entledigt sich seiner Rüstung, wäscht sich über einer Schale kalten Wassers und begibt sich dann zu Bett. Keine der Übungen zur morgigen Unterrichtseinheit hat Dar auch nur angeschaut, keine der Übungen zu heute nachgearbeitet. Doch all das ist ihm, dem beinahe augenblicklich einsetzenden lauten Schnarchen nach zu urteilen so einerlei, wie in seinem jetzigen Zustand wohl auch schlicht nicht möglich.
“Siehst du einen Riesen, so prüfe den Stand der Sonne und gib acht, ob es nicht der Schatten eines Zwerges ist.”

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Briant

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122

Dienstag, 22. Januar 2019, 13:15

Nachdenklich blickt Briant dem Zwerg nach, als er in Richtung des Kellers schlurft. Tane und Dobesto sind in eine rege Planungsdiskussion verstrickt, wie man das Ganze am besten einfädeln kann.

>Einige von meinen Vettern werden schon aus reiner Abenteuerlust mitmachen, ein Ausflug in die Unterstadt ist eine Mutprobe. Normalerweise wird als Beweis die Wäsche einer Treppenkatze oder einer sonstigen Hure mitgebracht aber …<
„Sicher nicht. Und das Ganze ist auch kein Spiel!“

Briant reißt den Blick vom Kellerabgang los und funkelt den Kobold an. „Falls es dir noch immer nicht bewusst ist, der ganze Zirkus hat damit begonnen, dass du dein Feenliebchen her gebracht hast, ohne irgendjemandem ein Wort zu sagen. Und komm mir jetzt nicht damit, dass du der edle Retter bist. Du kennst die Regeln und Gesetzte Talyras, Sklaverei ist ein schweres Verbrechen, dafür gehen die Blaumäntel auch in die Unterstadt und nehmen die auseinander, schneller als du ‚Sommerwein‘ sagen kannst. Bevor wir hier also irgendetwas weiter planen, will ich bei allen Dämonen, Nargen und sonstigen Monstern wissen was WIRKLICH hinter dieser bescheuerten Aktion steckt.“ Mittlerweile ist die Fee zu ihnen herunter gekommen. Briant funkelt sie böse an. „Raus mit der Wahrheit und diesmal mit allem. Und halt mich nicht für blöd.“ Dobesto schnauft entrüstet aber die Fee legt ihm nur beruhigend die Hand auf den Arm. >Is gut Honigbärchen, Sigourny weiß Bescheid, warum sollen es die beiden nicht auch wissen? Wisst ihr wie es ist, die Sonne, den Himmel nicht mehr zu sehen? Ich habe das ertränkt in Luxus und Feentau. Aber es war irgendwann nicht mehr möglich. Und da hab ich, es ist sicher schon sechs oder sieben Mondläufe her, gesagt dass ich gehen will. Die Grappe hat getobt aber der Zwerg, Nurio, hat nur gelächelt. Und mir dann gesagt ich könne jederzeit gehen. Wenn ich meine Schulden bezahlt habe. Weil Feentau ist teuer. Ich .. ich hab kein Geld ich meine … wozu auch, ich hab ja alles bekommen was ich wollte. Wenig später kam dann sie Sache mit der zweiten Fee und damit, dass ich mich doch mehrmals am Tag verwandeln solle. < Lux atmet tief.

Was für ein Schlamassel! Als wollten sich die Götter einen bösen Scherz machen haben sie jenes Wesen, dass der Unterstadt entkommen will mit jener Frau zusammengebracht, die es geschafft hat und die sich dabei den Hass einer der mächtigsten Personen dieses Dreckslochs zugezogen haben muss. Schweigen macht sich am Tisch breit. Es ist Tane, der das Wort ergreift. > Wir müssen den Plan durchziehen, bevor Sigourny wieder da ist. Da geb‘ ich dem Zwerg recht. Und es muss absolut glaubhaft sein, sie dürfen gar nicht erst auf die Idee kommen, dass der Pfirsich dahinter steckt. < Briant nickt. Da gibt sie ihm Recht. „Wir müssen auch die Zutaten unauffällig besorgen, also verteilt. Seife haben wir genug im Haus. Baldrian ist aus, den müssen wir besorgen. Aber da schick ich Maddie zum Markt. Mittlerweile hat die Geschichte mit der Krankheitswelle sicher die Runde gemacht und da wird es nicht auffallen, wenn wir die Vorräte wieder auffüllen. Vor allem wenn wir auch die anderen Kräuterbestände ergänzen. Fehlt nur mehr Sahne …“

>Die machen wir selber! < Alle vier fahren herum. Hinter ihnen steht Annest. Die alte Köchin war lautlos wie ein Schatten herangetreten. >Himmel, Götter, Annest, ich bekomm noch einen Herzstillstand! < zetert Tane. Die alte Köchin winkt ab. >Sei nicht albern, du bist noch jung. Rutsch mal Briant! < mit einem Schnaufen lässt sich die Alte nieder. >Ihr glaubt doch wohl nicht, dass ihr die Sache allein... wie nennt ihr das…durchziehen werdet? Auch wenn ich da oben im Bett gelegen bin, hab ich sehr wohl mitbekommen, dass Sigourny weg ist und wenn ich mir ansehe, was sie in meiner Küche angestellt und vor allem mitgenommen hat, ist mir klar, dass das Ärger bedeutet.< Die Runde sieht sie fragend an. >Zerstoßene Pfefferkörner, Hagebuttennüsschen, Mehl … na was ist das? < „Juckpulver?“ >Genau Briant. Und wir kennen unseren Hitzkopf …. < Tane stöhnt auf und stützt den Kopf in die Hände >Wenn sie getan hat was ich denke dann ist es besser sie bleibt wo sie ist. Am besten irgendwo eingesperrt. < Briant versteht nur mehr Tempelhof „Kann mir das mal wer erklären?“ Zusammen setzen sie zusammen, was sie wissen und kommen darauf, was passiert sein könnte. Warum, nun sie haben jetzt die Fee, aber ist das alles? Briant bezweifelt es, ebenso Tane aber beide sprechen das nicht an. Es reicht schon so, Spekulationen würden nur noch mehr Besorgnis schüren. Tane holt sich hinter dem Tresen ein Stück Pergament und eine Feder. Er ist des Schreibens kundig, auch wenn er das nicht gern an die große Glocke hängt. Nun verfasst er aber einige Zeilen, faltet das Schreiben und versieht es an der Vorderseite mit ‚Shu’re Shalhor – Tane‘. >Das schicken wir morgen zum Reeder, dann sollte zumindest Sigourny sicher gestellt sein. < >Und was die Sahne angeht, wir schicken ein paar von den älteren Kindern zu den Bauern, sollen Milch und Butter besorgen. Direkt auf den Höfen fällt es weniger auf als am Markt, das Gesocks verirrt sich doch sobald es einen Fuß aus der Stadt setzt … geschweige denn dass sie nicht mehr rein kommen, denn die Blaumäntel werden den Dunklen tun, die wieder durchs Tor zu lassen. Am besten gehen sie bei einem Tor raus und bei einem andern wieder rein. < Briant bleibt der Mund offen stehen Annest wäre die letzte gewesen, der sie solch Raffinessen zugetraut hätte. >Was denn Mädchen? Ich habe schon einmal alles verloren, dass passiert nicht noch einmal. Und Sigourny … ich hab keine Kinder, keine Tochter, aber ich wäre stolz, wenn Sigourny es wäre … egal was sie hier so treibt. < Verstohlen wischt sich die Köchin eine Träne aus dem Augenwinkel. Abrupt steht sie auf. >Ich gehe zu Bett, meine alten Knochen sind so viel Aufregung nicht mehr gewohnt. <


Schweigend sehe sie ihr nach, nicht einmal Lux und Dobesto äußern sich in irgendeiner Weise. Briant ist die erste, die das Wort ergreift. „Wir haben also einen Plan: Tane lässt den Brief ausbringen, ich hoffe der Elb weiß was er tun soll. Maddie und die Kinder schicken wir aus, alles zu besorgen. Und dann lassen wir Annest und Dar das Zeug zusammenmischen. Dobesto, du suchst unter deinen Vettern jene aus, die so viel Hirn zwischen ihren Spitzohren haben, dass ihnen klar ist, auf was sie sich da einlassen und dass das K-E-I-N Spiel ist. Die sollen sich bereithalten, bis wir sie holen, das muss Dar sagen, ich hab keine Ahnung wie lang er für die Mischung braucht.“ Einhelliges Nicken. Mittlerweile haben sich alle anderen Bewohner des Pfirsichs bereits zurückgezogen und auch Tane, Lux und Dobesto begeben sich nach oben. Briant hingegen macht noch einen Abstecher zum Keller. Im Vorbeigehen nimmt sie noch einige Kohlen aus der Küche mit ebenso wie eine Decke aus der Wäschekammer. Leise öffnet sie die Tür. Der Keller ist mittlerweile trocken und sauber aber kahl. Einzig eine Waschschale, ein Kohlebecken und ein Strohlager, auf dem der Zwerg schnarcht, sind im Raum. Briant schüttelt den Kopf. Sie wird es nie verstehen. Dennoch huscht sie auf leisen Sohlen zum Becken, ergänzt die Kohlen und breitet anschließend vorsichtig die Decke über den schlafenden Dar. Von all dem bekommt dieser nichts mit.
An der Tür dreht die Mogbar sich noch einmal um. Der schwache Lichtschein aus der Türöffnung lässt den Raum noch karger wirken. Da muss sich was ändern! Mit diesem Gedanken wendet sie sich ab, schließt die Türe und geht in ihre eigene Kammer, um sich endlich schlafen zu legen.
Lieber eine Hure mit Herz, als eine Edle mit Gift in der Seele

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Briant

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123

Mittwoch, 23. Januar 2019, 14:55

Als Briant am nächsten Morgen die Treppen herunter kommt, sind die Schankkinder bereits zu den verschiedenen Bauern unterwegs um Milch und Butter zu erwerben. Maddie ist bereits am Markt und in der Tausendwinkelgasse unterwegs, bewaffnet mit einer langen Liste von Kräutern, die es zu besorgen gilt. Und dabei ist auch Baldrian. Zur Tarnung hat Annest verschiedene Untersorten des Krautes aufgeschrieben, sodass das Mädchen diese in verschiedenen Läden und bei diversen Ständen besorgen muss. Sie hat, ebenso wie die Kinder, keine Ahnung, für was sie all das besorgen. Zur Tarnung für die Unmengen an Sahne hat Annest vor, einen Teil davon für die Küche zu nutzen.

Im Schankraum hockt Dar, die Nase in seinen Aufzeichnungen vergraben, eine riesen Schale Tee daneben und sieht aus, als könnte er locker die nächsten vier Siebentage durchschlafen. Generell ist der Zwerg so mürrisch und wortkarg, dass Briant auf die Anstiftung zu ihrem üblichen Geplänkel verzichtet. Nachdenklich sieht sie ihm nach, wie er den Pfirsich in Richtung Faêyristempel davon eilt. Nur zu gern würde sie wissen was ihn belastet, wohin seine Gedanken mitunter abtrieften. Aber wenn er mir nichts sagt, kann ich ihm auch nicht helfen! Wenn sie es überhaupt könnte. Aber etwas anderes kann sie tun. Und so verbringt Briant die folgenden Stunden in der Rumpelkammer, in der aus den früheren Tagen noch jede Menge alte Möbel lagern. Manchmal ist es ja doch gut, dass Sigourny sich von nichts trennen kann und erst dann etwas weggibt, wenn es unrettbar ruiniert ist. So sucht die Mogbar einige Schemel, einen Tisch, eine Truhe und ein Bett aus, rückt sie zusammen und staubt sie ab. Zufrieden stemmt sie die Hände in die Hüften. Sie weiß, dass es nur ein Angebot sein kann, Dar muss entscheiden, ob er diese Möbel (oder andere aus dem Haufen hier) für den Keller haben will. Sie kann sich noch immer nicht recht erklären, wie jemand freiwillig in diesem Loch wohnen will aber wenn er es soll, nun, sie würde ihn unterstützen.
Als der Fro’gar den Pfirsich betritt, hat das Mittagsgeschäft schon begonnen. Briant hat ihm regelrecht aufgelauert und bevor er in den Keller abtauchen kann, hält sie ihn auf. „Dar? Würdest du mal mitkommen?“ Und schon schleift sie den verdatterten Zwerg hinter sich her. „Bitteschön!“ Mit Schwung stößt sie die Tür zur Rumpelkammer auf.
>Was?<
„Was was?“
>Was soll ich hier? <
„Oh .. ich … also … ich war gestern Nacht noch mal in deinem Keller, du hast es nicht mitbekommen. Entschuldige, aber ich wollte dir noch eine Decke bringen und die Kohlen auffüllen … egal … Dar, so geht das nicht, ich meine, du schläfst auf Stroh und mehr als ein Kohlebecken gibt es da unten nicht. Und … du hast schon so viel für uns getan und da dachte ich … also …. Hier: Such dir aus was du für den Keller an Möbeln brauchst.“
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Donnerstag, 24. Januar 2019, 20:05

Ende Siltha im Jahre 518, zur Stunde der Zunft

Müde und erschöpft sich fühlend, war Dar aus dem Studierzimmer der Anirani im Faêrystempel getreten und hatte sich auf den Weg zur Apotheke des Tempels begeben. Der Apotheker hatte ihm, nach Entgegennahme des versiegelten Rezeptes milde lächelnd drei in Papyrus eingewickelte Betelbissen aus einem Regal ausgehändigt, ihm eine gute Besserung gewünscht und dann entlassen, so das der Fro'gar nun über die Straße durch das Westviertel der Stadt in Richtung Pfirsich streift. Man hat ihn nicht aus dem Tempel geworfen, seine Ausbildung nicht für vorzeitig beendet erklärt und doch, wenn er in sich hinein hört, fühlt er nichts als Leere. Doch den ersten Betelbissen – er weiß um dessen Wirkung, hatte vor einigen Tagen selbst doch noch an deren Fertigung mitgewirkt, dafür Muschelschalen in einem Athanor verbrannt, deren Asche anschließend mit einem schweren Hammer zerschlagen und das Pulver dann, mit etwas Wasser und aus dem Fruchtfleisch mehrerer Kokosnüsse gewonnenem Fett, vermischt, den für die Betelbissen notwendigen gelöschten Kalk so zu gewinnen, derweil die anderen Lehrlinge der Heilkunst sich um die Betelnüsse, -blätter selbst und die heilerisch wirksamsten Gewürze dazu gekümmert hatten – er will ihn sich für den Moment aufsparen, da die Bücher auf seinem Rücken aufgeklappt vor ihm liegen und er das Lernen beginnt. Und so braucht Dar ganze drei mal so lange für den Rückweg zum Pfirsich, wie für den Hinweg von dort zum Tempel, heute Morgen. Und als wäre das nicht genug, ist er kaum durch die Tür getreten, als man auch schon nach ihm verlangt:

„Dar? Würdest du mal mitkommen?“ Sogar zum Augenverdrehen fehlt ihm die Kraft! Wenn selbst seine Lehrmeisterin im Tempel unter ihren zwanzig Anwärterinnen und Anwärtern mit klarem Blick erkennt, das mit Dar kein Blumentopf zu gewinnen ist, wieso können die Pfirsichbewohner nicht erkennen, das er wohl nicht grundlos so früh wieder zurück ist? Und so sehr er Briants offene Art doch schätzt, in diesem Moment wünscht er sich nichts sehnlicher, als ihr nicht begegnet zu sein – nicht heute, nicht hier, nicht jetzt und vor allen Dingen nicht so. Halb erwartet er zu Sigournys Kammer geschleppt zu werden um dort zu erfahren, das sie sich aus Shalhors Obhut gestohlen hat, wieder in der Unterstadt war, zuendezuführen, was ihr beim ersten Mal möglicherweise nicht geglückt war und ihr Fuß, inzwischen unrettbar verdreht, von ihm doch bitte mal schnell mit etwas Spucke und Erdpech wiederhergestellt werden soll. Als es dann aber zu einer von ihm noch nie betretenen ebenerdigen Kammer geht – na klar, wie sollte Sigourny auch wohl mit nun gänzlich verkrüppeltem Fuß auch in die oberen Etagen gelangen? – da: „Bitteschön!“

Einen Moment lang blickt Dar in die gänzlich menschenleere Kammer. »Was?« Fehlt nur noch, das Sigourny aus dieser Kammer wieder ausgebrochen nun einbeinig in der Unterstadt herum hüpft. Einen Moment lang ist der Zwerg versucht hysterisch lozugackern, doch – es ist noch immer nichts anderes in ihm, denn eine unbeschreibliche Leere – und wirklich komisch wäre diese Vorstellung ja auch sowieso nicht. Doch statt völlig aufgelöst über das erneute Verschwinden Sigournys, oder um wen auch immer er sich nun gerade kümmern soll, zu reagieren, schaut Briant ihn einfach nur voller Erwartung irgend einer Reaktion an und erwidert ob seiner flapsigen Frage nur „Was was?“ Tief atmet Dar ein, nicht sicher, dass da nicht doch noch irgendwas in dem allumfassenden Nichts in ihm ist, das auf Veralberungen wie diese nicht doch noch mit heftigsten Ausbrüchen zu reagieren vermag. »Was soll ich hier?« Und dann, mit jedem folgenden Wort von Briant, bricht ein weiteres Stück seiner Fassade gefasster Selbstbeherrschung – von ihm unbemerkt – ein! „… Such dir aus was du für den Keller an Möbeln brauchst.“ Fassungslos blickt der Zwerg, in der Tür stehend, zwischen der Mogbar und den vor ihm aufgestellten Möbeln hin und her. »Das… danke!« strahlt er Briant bemüht leichtherzig mit einem dankbaren Lächeln an, derweil ihm plötzlich die Tränen aus den Augen schießen und Sturzbächen gleich in seinen Bart rinnen. „Hey, das ist doch kein Grund loszuheulen! Ich wollte dir doch nur eine kleine Freude machen.“ »Aber wer heult denn hier?«, fragt Dar daraufhin mit aufgesetzt frechem Lächeln, um, erst als Briant auf sein Gesicht weist, zu bemerken, dass er… Fassungslos, als könne er es nicht glauben, wischt sich Dar die Hand über das Gesicht, betrachtet, noch immer voller Unglauben, die tränennasse Handfläche um darob dann, inmitten der Kammer stehend, wortlos zusammenzusacken und von stummen Weinkrämpfen geschüttelt sich nicht mehr von der Stelle zu rühren.
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Donnerstag, 24. Januar 2019, 21:20

Mit vielem hat Briant gerechnet, aber nicht damit einen weinenden Zwerg vor sich hocken zu haben. Doch es wäre nicht die Mogbar, wenn sie nicht auf pragmatische und praktische Art und Weise auf die Ereignisse reagieren würde. So hockt sie sich einfach neben Dar auf den Boden, nimmt ihn wortlos in den Arm und hält ihn einfach nur fest. Sie kann förmlich spüren, wie all die Spannung von ihm abfällt, während seine Tränen ihre Bluse durchdringen. Fast wiegt sie ihn wie ein kleines Kind hin und her. „Schsch, alles gut. Lass es raus, es ist gut.“ Wie lange sie so sitzen, sie weiß es nicht. Langsam werden die krampfartigen Schauer weniger und Dars Tränen versiegen. „Geht’s wieder?“ Der Zwerg nickt wortlos und trocknet sich mit einem Tuch, dass die Mogbar ihm in die Hand drückt, das Gesicht. „Ich, wir, hätten das schon viel früher machen sollen, also die Möbel, bitte entschuldige. Normalerweise ist auch Sigourny nicht so … so gedankenverloren was das angeht. Komm ...“ Briant steht auf, hält dem Fro’gar die Hand hin und zieht ihn auf die Füße. Sie sieht ihm in die Augen und kein Hauch von Unbehagen ob des roten Schimmers ist in ihren eigenen Braunen zu sehen. „Von mir erfährt auch keiner was, also was das eben jetzt angeht, die … die Tränen mein ich. Versprochen!“ Dankbar drückt er ihre Hand.

Die nächste Zeit vergeht damit, dass sich Dar in der Rumpelkammer jedes Teil ansieht und sich jene aussucht, die er im Keller will und braucht. Briant wischt und poliert die Stücke und da noch nicht wirklich viel los ist, zitiert die Mogbar dann noch Guivan und Ronan heran, damit diese beim Möbelschleppen helfen. Als das Ganze dann im Keller ist, marschiert Briant mit dem Zwerg in die Wäschekammer. „Heute können wir in Sachen ‚Gegenaktion zu Ale und Glatteis‘ eh nichts mehr machen, laut Annest braucht die Sahne einen ganzen Tag, um fertig zu werden. Angesetzt ist sie ja schon, aber nutzen können wir sie erst morgen. Die Kranken und Verletzten sind versorgt, ich hab vorhin nach ihnen gesehen und Verbände gewechselt. Das heißt, das musst du auch nicht mehr machen. In Summe also genug Zeit, um den Keller … zu einem, deinem Zuhause zu machen.“

Und so landen Stroh und Pferdedecken dann wieder im Stall, wo sie hingehören, und stattdessen Kissen, Laken und Felle im Keller. Es ist schon später Nachmittag, als die beiden fertig sind und sich zufrieden ihr Werk ansehen. „Richtig wohnlich geworden, finde ich. Und jetzt erzähl mal, wie war dein Tag, also abgesehen von Möbelschleppen und Einrichten?“
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Freitag, 25. Januar 2019, 18:54

Schweigsam den letzten Happen seines Betelbissen aus den diesen umwickelnden Blättern schlürfend, hockt Dar auf einer Kiste, als Briant mit Guivan und Ronan den Raum betritt. »Medizin!« grinst er entschuldigend, als er nach dem letzten Hinunterschlucken, recht gekonnt rötlichen Speichel in weitem Bogen in einen in der Kammer stehenden Spucknapf befördert. Tatsächlich spricht Dar während der ganzen Möbelrückaktion kaum ein unnötiges Wort, doch wirkt er mit jedem verrückten Möbelstück etwas gelöster, in sich ruhender. Als er Guivan und Ronan schon längst mit einem stummen Lächeln und einem Nicken für deren Hilfe gedankt hatte und diese ihren eigenen Pflichten nunmehr wieder nachgehen und die geliehenen Möbel alle an ihrem richtigen Platz stehen, erwähnt Briant die Aktion, die noch vor ihnen steht. Doch Dar ist die Verzögerung ganz recht, so das er sich nunmehr mit ihr um Kissen, Felle, Laken kümmert und die Pferdedecken und das Stroh wieder zum Stall zurück befördert. In dem innen mit Fellen ausgelegten, vormals kaputten und nun aber an den Kanten geglätteten und aufgebockten alten Weinfass, wie in einem Kugelsessel es sich gemütlich machend, bedeutet Dar, den Besen dazu aus der Hand legend, Briant, doch bitte auf einer alten Banktruhe Platz zu nehmen, die wohl vormals in einer der Fensternischen gestanden hatte, immer noch die deutlichen Brandspuren eines früheren Malheurs erkennen lässt, ansonsten aber voll funktionsfähig hier unten ihren Dienst nun tut. »Ja«, erkannte er ihre eigentliche Frage hinter der Erkundigung nach seinem sonstigen Tag. »… ich denke wohl auch, das ich dir eine Erklärung schulde!«

Und so, einen zweiten Betelbissen aus einer Tasche sich klaubend – wie wiederum erklärend, das diese keine gewöhnlichen Betelbissen sondern Arzeneyen doch seyen, und tatsächlich sehen die Bissen wie lasiert und haltbar gemacht aus und weniger wie frisch von einem Händler auf der Straße etwa erstanden, weswegen er ihr nichts davon anbieten könne – fängt Dar an, davon zu berichten, wie er vor bald zwei Zwölfmonden aus seiner Heimat und an die Oberfläche verbannt wurde (das "warum" kund zu tun scheint er indes versehentlich zu versäumen). »Denn damit hat es wohl angefangen.« Mit bedachten Worten versucht er der Mogbar zu vermitteln, was es für ihn, ja wohl für ausnahmslos jeden Fro'gar heiße die dunklen Tiefen des Unterreiches zu verlassen, berichtete von den Geschichten, die die Fro'gar sich von der Oberwelt berichteten, mit der über ihr drohenden grenzenlosen kalten und seelenlosen Leere, die die Oberweltler "Himmel" nannten, berichtete davon, wie die Fro'gar diese Leere zwischen den Sternen als Manifestation des Namenlosen daselbst fürchteten und den den Steingärten frisch Entwachsenen warnend nahelegten, niemals an die Oberfläche hinauf zu steigen, wollten sie nicht von Nelchazels Schergen daselbst in die Himmel und die endlose Leere zwischen den Sternen gezerrt werden. Und als Dar an dieser Stelle mit tief knarzender Stimme sprechend kurz inne hält und einwendet, man solle besser selbst hier nicht von derlei Dingen sprechen, da glaubt er selbst Briant, den steten Sonnenschein unter den Pfirsichen verstehend schaudern zu sehen. Die Angst, die die Oberweltler verspüren, wenn es um die Unterwelt geht, mag Briant langsam begreifen, erleidet Dar, wie vermutlich jeder an die Oberfläche verbannte Fro'gar, in nur eben genau umgekehrter Weise, nun schon seit bald zwei Sonnenläufen. Ja selbst die anderen Zwerge, jene, die die Unterwelt verließen und die man heute als Eisen-, Feuer., oder auch Grauzwerge kannte, sie flohen seiner Rede nach nicht die Schutz bietenden Tiefen selbst, sondern vielmehr nur die Dämonenscharen dort drunten, die um ihren ewig schlafenden Herrn kreisten. Doch die wahre Heimat der Götter, und so auch des verstoßenen Dreizehnten, sie ist ja doch der Himmel, deren Sterne die Zwölf verkörpern und deren Dreizehnter die seelenlose kalte Leere zwischen diesen als Verkörperung seiner selbst versteht.

»In unseren Augen ist dieses alles hier dem Ursprung allen Bösen weit näher, als es die Unterreiche trotz des gerade dorthin verbannten Namenlosen jemals sein können.« Dar legt eine der gesteppten Bänder um seine Arme ab und wirft ihn auf die Bank neben Briant, wo diese mit einem dumpfen Laut nieder geht. Briant hebt ihn prüfend auf um ob dessen Schwere sofort zu erahnen, das die gesteppten Fächer jenes Riemen mit Bleigranulat statt Sand oder etwas Anderem gefüllt sein dürften. »Gegen die Angst in den Himmel gezogen zu werden und um überhaupt eine ruhige Minute und Schlaf hier finden zu können!« Inzwischen seien diese Ängste etwas abgemildert, aber »…kannst du dir vorstellen, tagein, tagaus,mit jedem Herzschlag, jedem Atemzug, jedem Schritt dieser Furcht ausgesetzt zu sein?« Die Reste des zweiten Betelbissens beiseite legend, wie deren ersten Auswirkungen verspüren zu können vermeinend, beginnt Dar nun hastiger und schneller zu sprechen, als hoffe er so, das was er zu sagen zu hat so schneller noch hinter sich zu bringen und so kommt es, das Briant von ihm das erste mal von dem erfährt, was sich in Mogbars End zugetragen hatte. Hastig mit sich beinahe gegenseitig überholen wollenden Worten berichtet Dar wispernd von seiner Begegnung mit einem Verlorenen und wie dieser, für wer weiß wie lange, auf seinen Ängsten wie auf einer Klaviatur gespielt hatte, wie dieser aber nicht zufrieden damit schien, Dar einfach nur einem schnellen Tod zu überantworten, sondern wie er Dar zu einem Selbstmord hatte zwingen wollen, hoffend ihm damit ein dem seinen eigenen Schicksal an Schrecknis mindestens gleichkommendes Ende so zu bescheren. Dann, stockend plötzlich und langsam, berichtet davon, wie der Wahnsinn ihn überfallen hatte, wie man ihn schließlich – von dem Verlorenem in seinem damaligen Zustand scheinbar nicht länger manipulierbar und darum vermutlich freigelassen, nackt mit den Hunden im Fliegengrund um im Müll verbliebene Knochen kämpfend fand, wie man ihn in ein vom Sitech-Tempel scheinbar gestiftetem Heim für hoffnungslos Wahnsinnige unterbrachte, wie er dann doch aus Sarurnirs Fängen wieder entlassen wurde und seitdem aber verdächtig nahe an einer Grenze wandelt, die er hofft niemals wieder überschreiten zu müssen.

»Und dann, gestern, Sigournys Extratour, unser Abstieg in die Unterwelt, wo ich zwei so gänzlich sinnlosen Toden beiwohnen musste und wofür ich meine Studien zum Heiler eigenmächtig verlassen hatte, weswegen ich heute, aus dem Unterricht gerufen, einen schrecklichen Moment lang zu Unrecht glaubte des Tempels verwiesen meine Ausbildung nun niemals mehr beenden zu können… Als du mich dann riefest, dachte ich einen kurzen Moment lang tatsächlich, das Sigourny sich von Shalhor fortgestohlen haben könnte, erneut in die Unterstadt zu gehen und ich nun als Heiler retten sollte, was denn dann noch zu retten gewesen wäre oder das eine andere Gemeinheit dieser Grappe jemandes Leben hier...« Mit bebender Stimme bricht Dar hier ab, endet mit einem: »Es war einfach zu viel, das alles!« und wünscht sich nichts sehnlicher als einen dreifachen Zwergenbrandt oder besser noch Feentau, je stärker, je besser! Aber Alkohol ist ihm für heute verboten, wie er sich leider zu gut erinnert. »Ich bin keine Gefahr für Andere, aber wer Sarurniers Klauen einmal entkommen ist, ist wohl nichtsdestotrotz für immer gezeichnet.« Sinnend gegen die Rückwand des Fasses gelehnt schaudert der Zwerg, steht auf und legt zwei Schaufeln weitere Kohlen in die Feuerschale. Doch diesem Schaudern ist mit glühenden Kohlen wohl kaum Herr zu werden. »Ewige Wachsamkeit ist der Preis der Freiheit!« zitiert er nachdenklich eine Parole der Thyr Nir Kalarra des Unterreichs, ehe er sich, eine Wolldecke vom Bett klaubend, in selbige gewickelt wieder in das Fass, in seinen hausgemachten Kugelsessel zurücksinken lässt. »Berichte Sigourny oder sonst wem ruhig was davon dir Not-wendig erscheint. Es soll mir recht sein.« Und glosend spiegelt sich der Widerschein des Kohlebeckens in zwei schimmernden Iriden im Dunkel des Fasses, derweil das Schweigen sich im Keller nun ausbreitet.
“Siehst du einen Riesen, so prüfe den Stand der Sonne und gib acht, ob es nicht der Schatten eines Zwerges ist.”

Dieser Beitrag wurde bereits 9 mal editiert, zuletzt von »Dar« (26. Januar 2019, 10:12)


Briant

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127

Samstag, 26. Januar 2019, 18:06

Nun ist Briant einiges klarer: der Keller, die Bänder, seine teilweise Emotionslosigkeit. Sie versteht ihn, irgendwie, aber sie hat gleichzeitig das Gefühl, sie müsse ihm einen Stoß verpassen, um ihn sozusagen ins Leben, in die Zukunft zu schubsen. Gedankenverloren spielt die Mogbar mit dem Besen in ihren Händen. Dann, nach einigen Minuten des Schweigens, beginnt sie mit leiser Stimme zu sprechen. „Weißt du, auf den ersten Blick ist der Pfirsich einfach nur ein Hurenhaus. Aber auf den zweiten ist es mehr als nur ein Bordell, es ist ein Zuhause und für manche auch mehr als das. Für einige in diesem Haus ist es … eine Zuflucht … und ein Neubeginn. Zugegeben, ein Neubeginn der spezielleren Art aber ein ehrlicher Neubeginn. Jeder hat seine Geschichte, das nennt man wohl Leben. Aber manche Geschichten, manche Leben, sind beschießen, beschießener als andere. In diesem Haus ist es egal, was man war, wer man ist solange man nichts tut, was dem Pfirsich schadet. Annest, Tane, Ronan, seine Kinder, sie und auch einige der anderen sind hier gestrandet, bei Sigourny, von der ich kaum eine Ahnung hab, was sie erlebt hat, bevor sie den Pfirsich übernommen hat. Beth hat mir einmal erzählt, es hat geschüttet an jenem Tag, als sie einfach im Schankraum gestanden ist, tropfnass, mit einem Vertrag in der Hand und gesagt hat >Ich hab keine Ahnung, was es heißt, ein Bordell zu betreiben, ich hoffe ihr helft mir. Ich kann nicht versprechen, dass es wieder so wird, wie zu Dancys Tagen aber ich verspreche euch, dass ich mein bestes tue, dass es gut wird.< Und das hat sie getan. Was ich damit sagen will: Jede hat seine Vergangenheit, wir dürfen nur nicht zulassen, dass sie unsere Gegenwart verdunkelt und unsere Zukunft blockiert. … Das ist nicht von mir, sondern von meiner Großmutter. Und die weiß schon von was sie redet.“

Briant steht auf und geht zur Tür. Doch auf halbem Weg dreht sie sich noch einmal um. „Was ich Sigourny und jedem anderen, der hören will, sagen werde, ist, dass Dar ein toller Zwerg ist, der sich für uns hier ziemlich den Hintern aufgerissen hat, obwohl er uns nicht gekannt hat. Der auf sich selbst vergessen hat, weil er uns helfen wollte, als es uns dreckig ging. Der sein Leben und seine Ausbildung riskiert hat, um Sigourny aus was weiß ich woraus geholt hat. Und dass ich mir sicher bin, dass wir uns auf ihn verlassen können. Deine Vergangenheit gehört dir und somit entscheidest du, ob und wenn ja wem du davon erzählen willst. Ich werde es nicht tun, weder entscheiden noch erzählen. Aber wenn du Hilfe brauchst, egal bei was oder reden willst, egal worüber, du weißt wo du mich findest.“ Mit diesen Worten steuert sie den Schankraum an, dreht sich in der Tür aber erneut um. „Wir sind füreinander da und du gehörst jetzt auch dazu … wenn du willst!“ Leise schließt sie selbige und lässt den Zwerg allein mit seinen Gedanken.
Lieber eine Hure mit Herz, als eine Edle mit Gift in der Seele

128

Sonntag, 27. Januar 2019, 12:57

Nachdenklich lehnt Dar, noch lange nachdem Briant fort ist, in seinem, mit jedem weiteren Moment ihm mehr behagenden Fass und denkt nach. Über das was sie, was ihre Großmutter gesagt hatte, aber auch über die Unmöglichkeit eines Neuanfangs, was Briant, ohne die ganze Geschichte zu kennen, ja aber auch nicht hatte sehen können. >Jede hat seine Vergangenheit, wir dürfen nur nicht zulassen, dass sie unsere Gegenwart verdunkelt und unsere Zukunft blockiert. < In diesem Punkt aber hat Briant vollkommen Recht! Er wird niemals a l l e Brücken hinter sich abreißen können, es nicht dürfen – um nichts in der Welt! Aber einen neuen Abschnitt seines Weges beschreitet er unbestritten seit nun ja schon an die zwei Sonnenläufen. Daran… beißt die Maus keinen Faden ab! Seine Verbannung i s t nun einmal geschehen. Was er aber daraus macht? Bisher war Dars alleiniges Sinnen darauf gerichtet, den im Namen des Hochkönigs vom Char seines Clans höchstselbst wider ihn ausgesprochenen Bann aufzuheben! Was, wenn er nur die Ausbildung zum Heiler an der Oberwelt vollendete, mit neuem, fremden und wertvollen Wissen zurückkehrte, im Stande seiend, seine Schmach zu tilgen? Alles bisherige hatte Dar mit Ausrichtung auf diese unwahrscheinlichste aller Hoffnungen vollbracht, und mit jedem logischerweise daraus folgendem weiteren Misserfolg, sich mehr und mehr in Schwermut darob verloren. Diesen Teil betreffend, muss Dar unumwunden zugeben, hatte Briants Großmutter unbekannter weise den Nagel wohl auf den Kopf getroffen. Sein letzter Eid, er bindet ihn wohl nach wie vor! Doch die mit jeder Faser seines Seins ersehnte Rückkehr in das Unterreich, sie ist nichts weiter, denn ein schändliches, weil unerfüllbar quälendes Wunschdenken bloß. Diesen Teil seiner Vergangenheit muss er in der Tat besser ablegen, waren doch genau das die Waffen, mit denen der Verlorene ihn in den Wahnsinn hatte treiben können. Was hätten dann nur erst die Seelenlosen, die Kinder des 13. mit dieser seiner Schwäche alles anstellen mögen? Die Dämonen aber, würden niemals aus dieser Welt verschwinden. Also muss er sich gegen sie wappnend, jener seiner Schwächen entledigen, auf das diese und andere Verfluchte sie niemals mehr als Waffen wider ihn würden einsetzen können.

Mit einem leisen Summen auf den Lippen erhebt Dar sich schließlich aus dem Fass und lässt dabei mehr doch darin zurück, denn die bloße Wärme seines Leibes, die sich den Fellen darinnen eingeprägt hatte. Vielmehr lässt Dar auf den wenigen Schritten, hin zum Schreibtisch, worauf ausgebreitet die Anleitung zur Meditation nebst den von ihm zu lernenden Schriften über die Frauenheilkunde liegen, in denen er den größten Nachholbedarf noch aufweist, den Teil seiner Vergangenheit zurück, der unrettbar und hoffnungslos verloren, ihm bis eben noch nichtsdestotrotz wie schwere unsichtbare Ketten angehangen hatte. Wie verzweifelt hatte Dar sich an die Hoffnung geklammert, irgendwann, und sei es auch in noch so ferner Zukunft, seine Schmach tilgen und zurückkehren zu können. Die Schmach zu tilgen, das strebt er noch immer wohl an. Doch wenn SIl ihn hier oben – auf – Rohas Rund zu haben wünscht? Ja, selbst der Groll wider der Herrn des hohen Hauses Erde, der Dar so lange gequält hat, scheint mit dem Loslassen der Vergangenheit mit einem Male weit hinter ihm nun zu liegen. Die alten Wunden noch an sich wissend, die Aura Sarurnirs im Nacken noch verspürend, weiß Dar noch einen langen, harten und steinigen Weg voller Rückschritte und sicherlich auch noch etlicher Irrungen vor sich liegend. Und doch: Wie von einer schweren Last befreit, fühlt er sich mit einem Male. Beinahe ist es wie mit einer Last, die man nun schon so lange mit sich herum trägt, das man erst da man sie ablegt, ihre schmerzliche Gegenwart überhaupt gewahr wird. Die engen Riemen um den Arm und die Beine lösend, wie dorthin auf die Banktruhe werfend, wo die weise Briant soeben noch gesessen hatte, macht er sich daran, die ihm von der Anirani gestellten Aufgaben, die mit einem Male gleich viel weniger unüberwindbar deuchen, anzugehen. Danach dann wird er die Schleuder auspacken und wieder regelmäßig damit üben, wie er es früher schon zur Erholung von seinen Studien stets so gerne doch getan hatte. Hier in der Stadt, wo jederzeit ein unglücklicher Passant einem Fehlschuss zum Opfer fallen mochte, oder im Larisgrün vor der Stadt, wo jeder Jäger ihn des Wilderns bezichtigen und schlimmstenfalls gleich an den nächsten Baum aufgeknüpft sehen mochte, hatte er keinerlei Möglichkeiten dazu gewähnt. Aber wenn er sich außen an der Stadtmauer ausprobierte, weit genug weg, keine normalen Reisenden in Gefahr zu bringen, aber noch nahe genug, nicht die Heimlichkeit eines vermeintlichen Wilderers an den Tag zu legen? Mit einem entspannten Lächeln legt Dar die Studierunterlagen beiseite und widmet sich statt derer nun vielmehr der Meditationsübung, befreit sich fühlend dabei Weiteres für die kommenden Tage bereits planend…
“Siehst du einen Riesen, so prüfe den Stand der Sonne und gib acht, ob es nicht der Schatten eines Zwerges ist.”

Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von »Dar« (10. Februar 2019, 17:42)


Briant

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129

Sonntag, 3. Februar 2019, 21:16

Als Briant den Schankraum betritt wartet schon die nächste Sache darauf, gelöst zu werden. Am Tresen steht ein Trupp Blaumäntel, den Gesichtern nach sind diese aber nicht zum Vergnügen hier. Briant atmet tief durch. Lang Zeit gelassen haben sich Varin und Rhordri nicht, jemanden zu schicken, aber wenn sie sich ehrlich ist, hat sie damit auch nicht gerechnet. Denn dass es um die vermaledeite Sache mit dem Ale geht, daran besteht kein Zweifel. Na toll, und was jetzt? Sigourny ist nicht da und Briant hat nicht vor, ihnen zu verraten, dass sie in Taresnar ist. Von der Aktion mit der Unterstadt ganz zu schweigen. Andererseits ist sie neben Dar wohl diejenige, die am meisten über den ganzen Wahnsinn mit der Vergifterei weiß. Die Mogbar strafft die Schultern, setzt ihr strahlendes Briant-Lächeln auf und marschiert zu den Wachen.

„Seid gegrüßt. Wie kann ich euch helfen?“
> Sei gegrüßt Briant. Wir sind dienstlich hier. Ist Sigourny zu sprechen. <
„Leider nicht, kann ich euch helfen?“
> Nun ja, vielleicht. Weißt du etwas über das verunreinigte Ale und Bier?“

Briant kann sich ein Schnauben nicht verkneifen. Ob sie etwas davon weiß? Sie war hier an vorderster Front gewesen und sie fragen ob sie etwas mitbekommen hat?
„Ja weiß ich, was wollt ihr wissen?“
> Wo kam das Zeug her? Ist euch etwas an den Fässern aufgefallen? Und vor allem: Wo sind sie jetzt? <
„Wir haben sie als Zwischenlieferung von unserem Bierbrauer bezogen, vor etwas zwei Siebentagen. Das Geschäft ging gut in den letzten Tagen, wir wären nicht ausgekommen bis zum Ende des Mondes, wenn wir nicht zwischen geordert hätten. Es war eigentlich alles wie immer allerdings … wenn ich es mir genau überlege: An diesem Tag war der Braulieferant irgendwie seltsam, ich habe es darauf zurückgeführt, dass er vielleicht zu viel getrunken hat am Vorabend. Ich hab mir nicht wirklich was gedacht dabei. Vor zwei Tagen ging dann der Grundbestand dann aus und wir haben auf den Zukauf zurückgegriffen.“
> Habt ihr alles davon ausgeschenkt? <
„Nein, wo denkt ihr hin? Es sind noch einige Fässer über …. Weggesperrt.“
>Und wo? <
„Hinten, ich zeig‘s euch. Die leeren Fässer sind auch dort.“


Bei ihrer Beteuerung, die verdächtigen Fässer seien weg gesperrt, löst sich ein Teil der Anspannung der Wache. Denken die etwa ich lass sowas offen rum stehen? Trauen Männer uns Frauen nicht mal ein bischen Hausverstand zu? Die Mogbar kann im Geiste nur den Kopf schütteln und führt den Trupp zu dem Lagerraum. Vor der Tür fischt sie die Kette mit dem Schlüssel aus dem Ausschnitt und löst das Schloss an der Kette. Zum Glück hat sie an eine Kerze gedacht, sodass die Blaumäntel den Lagerraum im Licht inspizieren können. Beth hat in der Zwischenzeit die Lieferpapiere hervor gekramt und so kann die Sorge, dass ein Fass verschwunden sein könnte, schnell aus der Welt geschafft werden.

„Ich … ich hab dann gemerkt, dass es andere Fässer sind als üblich, irgendwie schäbiger. Leider erst zu spät, ich, wir wäre nie auf den Gedanken gekommen, dass etwas nicht stimmt. Darum haben wir die Fässer nicht genau in Augenschein genommen.“ Während Briant mit dem Anführer des Trupps spricht, untersuchen die restlichen Blaumäntel die Fässer. Um sicher zu gehen wird auch eines der noch vollen geöffnet: Die Mogbar hat mit dem Ergebnis gerechnet, trotzdem weicht alle Farbe aus ihrem Gesicht, denn auch dieses Fass wurde mit den Giftpflanzen versetzt. „Götterverfluchte Schweinerei!“ entfährt es ihr. >So wie die Fässer aussehen, wurden die Pflanzen schon bei der Erstabfüllung hinzugefügt. Kein Anzeichen dafür, dass ihr da nachträglich manipuliert habt. < Beschwichtigend hebt die Wache die Hände. >Reg dich nicht auf Briant, du musst zugeben, dass es naheliegend war. Wir mussten es überprüfen. < Die Mogbar schnaubt nur entrüstet und verschränkt die Arme unter der Brust. Jetzt ist sie froh dass Sigourny nicht da ist. So wie ihre Dienstherrin im Moment gelaunt ist, würde sie ein falsches Wort schon die Wände hoch treiben. Und sie kennt das Temperament der jungen Frau: Mitunter handelt sie zuerst bevor sie nachdenkt.
>Die Fässer nehmen wir mit, die leeren und die vollen. Wir entsorgen das verseuchte Zeug auch. Und mit eurem Bierlieferanten reden wir auch noch. Habt ihr von ihm in der Zwischenzeit wieder etwas bezogen? < Briant nickt und so muss auch ein Fass der am Vortag beschafften geöffnet werden. Dieses ist in Ordnung und bei genauer Begutachtung erkennt Briant, dass es sich um eines der gewohnten Fässer handelt. >Die Fuhre scheint in Ordnung zu sein. <

Einige Zeit später blickt die Mogbar den Wachen nach, die in Richtung Steinfaust davon marschieren, zwischen ihnen ein Wagen, auf dem die Fässer abtransportiert werden. Sie ist froh, dass sie das Mistzeug los sind, aber ein schaler Nachgeschmack bleibt.
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Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Briant« (4. Februar 2019, 09:19)


Briant

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130

Samstag, 9. Februar 2019, 18:29

Nachdem die Blaumäntel den Pfirsich verlassen haben, blickt Briant sich im Schankraum um. Ysa und die anderen Mädchen haben alles im Griff und noch sind wenige Gäste im Pfirsich. Zeit also, nach oben zu gehen und einiges zu erledigen, woran die Männer bei ihrer ‚Sigourny-in-Sicherheit-bringen‘ Aktion mit Sicherheit nicht gedacht haben oder denken würden. Wenn ihre Dienstherrin schon einige Zeit in Taresnar sein würde (immerhin war das der Plan) würde sie einiges brauchen. Und zwar dringend, denn immerhin ist das ein Männerhaushalt und da würde es an einigen grundlegenden Dingen fehlen. Sicher, es gibt weibliche Bedienstete (das weiß sie von Xilian) aber wenn sie da dessen Erzählungen denkt, nein, das kann sie Sigourny nicht zumuten. So marschiert die Mogbar in Sigournys Räume, fischt sich am Weg einen Leinensack aus der Wäschekammer und beginnt diesen mit all dem zu befüllen, was eine Frau so zum Überleben braucht. Leibwäsche, zwei, nein besser drei Blusen, zwei Röcke, Sigournys Lieblingskleid, Nachthemden, Haarbürste, Rosenseife, Schleifen, Haarnadeln, … nach und nach verschwindet so einiges in dem Beutel, bis gerade oben auf noch ein paar Stiefel Platz hat, solche zum Schnüren, immerhin hat Dar etwas von einem verrenkten Knöchel erzählt und da ist enges Schuhwerk wohl nicht gerade passend. Für einen Moment verharrt ihr Blick auf einem ganz besonderen Kleid, aber nein, die Entscheidung, dieses zu tragen muss Sigourny selbst und allein treffen. Energisch verschließt Briant die Truhen und schleppt sie den prall gefüllten Leinensack nach unten. Da würde eines der Kinder sich ganz schön abrackern müssen aber was solls? Die Lauser können ruhig was tun. Einen Moment überlegt sie noch, um dann in die Küche zu verschwinden. Zu einem Überlebenspacket für eine verletzte Frau gehört auch etwas für die Seele (auch wenn diese ob des Anblicks des doch sehr stattlichen Elben bis zu einem gewissen Grad ohnehin schon versorgt sein sollte). Und so wird noch ein kleines Paket mit Honigfingern und Pfirsichkuchen geschnürt. Maddie steckt noch schnell einige ihrer ersten selbst gemachten Rumpflaumen dazu, fertig. Das ganze Bündel wird von Briant dann hinter den Tresen verfrachtet, bis sie jemanden gefunden hat, der das Ganze an seinen Bestimmungsort bringt.
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