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Riaril

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  • "Riaril" started this thread

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1

Wednesday, March 5th 2014, 4:33pm

Die Schwarze Orchidee

Tief im Herzen der Unterstadt, am nordwestlichen Rand des Wolfsmarkts, befindet sich die Schwarze Orchidee, das verruchteste und berühmt-berüchtigteste Bordell von ganz Talyra. Das Gebäude ist groß, wirkt baufällig und erinnert an eine alte Befestigungsanlage - eine Befestigungsanlage mit der ausgesprochen frevelhaftes Schindluder getrieben wird. Ein breites Treppenportal, welches offenkundig nicht ganz so alt ist wie die meisten anderen Gebäudekomplexe, führt zu einem wuchtigen Eingangsportal empor. Darüber prangt seit einiger Zeit ein nigelnagelneues, protziges Schild, welches Nurio Kulgur der Orchidee großzügig gestiftete, nachdem er sich zu ihrem neuen Besitzer erhoben hat. Sehr viel schöner als das alte Schild, ist das neue Prunkstück über dem Eingangsbogen aber auch nicht. In schwarzen, geschwungenen Lettern steht auf der hölzernen Platte geschrieben: Zur Schwarze Orchidee.
Neben dem auffälligen Schriftzug prangt eine schwarze, stilisierte Blüte, damit auch alle Analphabeten der Unterstadt, und derer gibt es hier viele, sogleich wissen, wo sie sich befinden. Notwendig wäre dies aber nicht, denn die zahlreiche Schar der Treppenkatzen (und –kater), die überall in der Unterstadt wohlbekannt ist, sagt einem jeden deutlich genug vor welchem Etablissement er sich gerade befindet. Und so sitzt die liederliche Schar dar, in Gewänder aus dünnen, hauchzarten Stoffen gekleidet, die mehr entblößen als sie verdecken. Die meisten von ihnen sind noch blutjung, dem Kindesalter gerade eben erst entwachsen und fast alle von ihnen warten sehnsüchtig darauf, von Madame Grappe in den erlesenen Kreis der Orchideen aufgenommen zu werden, die ihre Gäste ausschließlich im Inneren des Bordells umgarnen.

Lässt man die Treppenkatzen hinter sich und betritt die Schwarze Orchidee, so wird man gewiss überrascht sein. Von Außen mag die Anlage baufällig, schmutzig und heruntergekommen wirken, doch im Inneren wird man von geradezu verschwenderischem Luxus empfangen. Bereits die große Empfangshalle lässt einem die Augen übergehen. Dicke Teppiche, in welchen man bei jedem Schritt versinkt, bedecken den Boden und auch die Wände sind mit kostbaren Brokatteppichen und ähnlichem Plunder geschmückt. Überall stehen riesige Vasen, gefüllt mit herrlichen Blumengestecken, deren Duft sich mit dem schweren Dunst von Parfüm vermischt, welches die Damen in der Schwarzen Orchidee aufgelegt haben. Dazwischen stehen überall größere oder kleiner Statuen herum, vornehmlich Standbilder Inaris sowie ihrer Archonen Damarias, Veissa und Lalaid. Die übrigen Räume sind nicht weniger prunkvoll ausstaffiert. Es gibt einen Schankraum mit offenem Kamin und kleine abgetrennte Alkoven für abgeschiedene Zusammenkünfte. Hier kann man lernen wie Rubinwein und gebratener Schwan schmecken und wie es sich anfühlt, auf ceresdorer Seidenlaken zu liegen - immer vorausgesetzt, man bringt das nötige Gold mit, um diesen völlig dekadenten Luxus zu genießen.
Auch die restlichen Räume, in welche man sich zu gegebener Zeit zurückziehen kann, sind mit prächtigen Teppichen, wallenden Vorhängen, kostbaren Wasserpfeifen, kleinen Silberbecken, Diwanen, Kissen und Ruheliegen ausgestattet, auf welchen sich die wahren Schätze der Schwarzen Orchidee tummeln und wie die Spinne in ihrem Netz darauf lauern, ihren willigen Opfern das Gold aus der Tasche zu ziehen. Für jeden Geschmack ist etwas dabei: Füllige warme Mogbarmädchen, gertenschlanke Elben, junge, hübsche Menschenfrauen, Lustknaben oder dunkelhäutige Damen aus den Südländern. Wer die Wahl hat, hat die Qual. Und ist man erst einmal in der Schwarzen Orchidee gefangen, verlässt man sie so schnell nicht wieder. Denn wie gesagt, ruhige Zimmer stehen, über drei Stockwerken verteilt, in ausreichender Zahl zur freien Verfügung und niemand bleibt hier lange allein. Mit katzenartiger Geschmeidigkeit, raubtierfeinem Gespür und der List einer Schlange angeln sich die Mädchen einen jeden Gast den sie wollen.

Madam Grappe, die Herrin all dieser Mädchen, thront zwischen ihren Orchideen wie eine dicke Matrone, ihren ebenso runden Kater liebevoll im Arm. Gebieterisch schaut das Tier mit seinen stechenden, grimmigen Augen umher und mustert jeden neuen Gast eingehend. Nur selten gewährt er jemand anderem als seiner Herrin die Ehre, über sein langes, seidenweiches, weißes Fell zu streichen. Die ungekrönte Herrscherin der Schwarzen Orchidee begrüßt derweil jeden Gast auf ihre eigene vortreffliche Art. Einige Auserwählte kommen sogar in den großen Genuss einer seltenen Ehre: sie werden in jenes geheimnisvolle Hinterzimmer vorgelassen, welches die Hausherrin ihr eigenes privates Refugium nennt. Dort werden die Karten aufgelegt. Gelegentlich wagt Madame Grappe zu solchen Anlässen einen Blick in die Zukunft, wesentlich öfter zieht sie aber ein gepflegtes Spiel in angenehmer Gesellschaft vor. Manch reicher Freigeist verließ ihr Refugium daher als gebrochener Mann, denn was das Kartenspiel anbelangt, ist Madame Grappe mit allen schmutzigen Wassern gewaschen.
Doch auch wenn sich die Grappe sich nach wie vor gerne als uneingeschränkte Herrin in der Schwarzen Orchidee aufspielt, so ist sie, trotz all ihres Einflusses, nur noch eine Marionette, seit Nurio Kulgur, ein Steingartenvetter Borgils, der neue Besitzer der Schwarzen Orchidee ist. Im Hintergrund zieht Kulgur dort an allen wichtigen Fäden und ganz Verwegene behaupten gar: Wie dem einen Zwergen die Hälfte der oberen Stadt gehöre, so gehöre dem anderen die Hälfte der unteren Stadt.



Die NSCs der Schwarzen Orchidee

Madame Grappe, die Leiterin des Bordells Schwarze Orchidee, eine alte, dicke Matrone mit einem ebenso fetten, langfelligen weißen Kater. Früher einmal war die ehemalige Hure eine schöne Frau, aber ihre Glanzzeiten sind längst vorbei. Dennoch hegt die behäbige Frau noch immer eine Vorliebe für üppige, dekadente Kleider, reichlich aufgetragene Schminke, welche ihr teigiges Gesicht geradezu maskenhaft erscheinen lässt, und aufwendige Turbane - gehässige Mäuler behaupten, sie schmücke sich lediglich damit, um darunter ihr schütter gewordenes Haar oder gar einen unansehnlichen Glatzkopf zu verbergen. Für auserwählte Besucher legt Madame Grappe gelegentlich die Karten, doch ob etwas Wahres an ihren Prophezeiungen ist, weiß niemand zu sagen. Die Bordellleiterin zieht es ohnehin zumeist vor ihre Karten zu einem ganz anderen Zweck aufzulegen: schon so mancher wohlhabende Dummkopf verließ ihr Reich als gebrochener Mann, den was Kartenspiele anbelangt, kennt die Grappe jeden noch so dreckigen und hinterhältigen Kniff.

Nurio Kulgur, der unorthodoxeste Zwerg, den man sich nur vorstellen kann. Gepudert, parfümiert und stets angetan mit den elegantesten Kleidern nach der neuesten, geckenhaftesten Mode, mit Schleifchen und Spangen in Haar und Bart, Spazierstock oder Schirm. Nurio hat die gepflegtesten Manieren, die man sich nur denken kann und eine schon fast gezierte Art sich auszudrücken, doch darf man sich weder von seinem Aussehen noch von seinem Auftreten täuschen lassen: er ist gerissen, skrupellos, steinreich, grausam und verschlagen, und nach Blaerans Tod ist er zu einer der mächtigsten Persönlichkeiten der Unterstadt avanciert. Nurio handelt vor allem mit Informationen, kostbarem Diebesgut und erlesener Schmuggelware, und ist Besitzer der Schwarzen Orchidee.

Ailes und Ceres*, die Töchter von Madame Grappe. Ceres war eine üppige, goldlockige Schönheit und Orchidee, die sich auch schon lange vor ihrem Tod nicht mehr in dem Bordell, welches sie verabscheute, hat blicken lassen. Ihr Name ist in dem Etablissement aber immer noch in aller Munde. Von Zeit zu Zeit kann es sogar heute noch vorkommen, dass jemand, unwissend von Ceres Ableben, nach ihr verlangt.
Die schweigsame, unauffällige Ailes hat nichts von der spöttischen, hochmütigen Sicherheit ihrer sieben Götterläufe jüngeren Halbschwester an sich und ist den meisten Gästen der Orchidee nur als der Schatten bekannt, denn sie dient ihrer Mutter mit unterwürfiger, alles erduldender Ergebenheit. Sie bietet keinen verlockenden Anblick. Ailes, die immer dunkle, schlichte Gewänder trägt, wirkt vielmehr knochig und hohlwangig, was zusätzlich dadurch betont wird, dass sie ihr glattes, aschgraues Haar stets im Nacken zu einem festen Knoten zusammen bindet. Und wenn jemand optisch so rein gar nicht in die Orchidee passen mag, dann ist dies Ailes.
*Achtung! Ceres ist ein ehemaliger SC und wurde am 21. Grünglanz 508 d5Z im Zuge des Quests "CSI Talyra" ermordet aufgefunden.

Coming soon: Conchobar, der Hund.


Ein paar ganz besondere Orchideen:

Aranis, die derzeitige Schwarze Orchidee. Die feurige Südländerin macht ihrem gegenwärtigen Titel wirklich alle Ehre: Schwarz glänzendes, schulterlanges, welliges Haar; dunkelbraune Augen umrahmt von langen, dichten Wimpern; sinnliche, volle Lippen; sehr dunkle, samtige Haut - wer von diesem wohl gerundeten, festen Körper kosten will, muss eine wahrlich mehr als gut gefüllte Geldkatze sein eigen nennen können.

Eilidh und Parla, zwei kleine, dralle Mogbarmädchen, sind sowohl einzeln als auch im Doppelpack zu haben. Für jeden, der gerne etwas mehr in den Armen hält, genau das Richtige. Eilidh und ihre jüngere Schwester haben krauses, kastanienbraunes Haar, nussbraune Augen, runde, sommersprossige Gesichter und rot glänzende Wangen. Die Rundungen ihrer Körper sind äußerst üppig und lassen eigentlich nichts zu wünschen übrig.

Lux, die Flammenblüte, gehört zu den exotischsten Juwelen der Schwarzen Orchidee, denn sie ist eine Fee. Wie alle Geschöpfe ihrer Art ist sie nicht sonderlich groß, nur knapp 27 Sekhel. Ihre seidige Haut schimmert elfenbeinfarben, ihre Augen funkeln rotbraun, ihr Haar, so fein wie Spinnenseide, ist immer zu einer frechen-fransigen Kurzhaarfrisur zurechtgemacht und von feurigem, flammendem Rot, während ihre Schmetterlingsflügel in warmen hellem kirschrot, flammenorange und sonnenblumengelb schillern. Sich nur einfach so von Lux verwöhnen und bezaubern zu lassen, hat allein schon deshalb einen stolzen Preis. Wünscht jemand gar, dass sich die Fee extra für ihn auf Menschengröße verwandelt, so kostet ihn dies mindestens das Doppelte.

Coming soon: Rhiz'an'th'ella Nachtschatten, wahlweise Rhiz oder Ella gerufen.

Nairca, eine halbe Blutelbe und Aranis schärfste Konkurrentin - wer Gefahr und Schmerz nicht scheut und den besonderen Nervenkitzel sucht, sollte sich ihr zuwenden. Ein freundschaftlicher Rat am Rande: zusätzlich zu einer prall gefüllten Geldkatze kann eine ordentliche Portion Mut nicht schaden. Wen dies nicht schreckt, den erwartet ein schlanker, hochgewachsener Körper von raubtierhafter Anmut und Geschmeidigkeit; helle, fast schon schneeweiß zu nennende Haut; lange, auf Hochglanz polierte Fingernägel; blutrote Lippen; pechschwarze Augen und ebenso schwarzes, glattes Haar, welches von etlichen weißen Strähnen durchzogen ist und bis zum Gesäß hinabreicht.

Sotirios, der unbestritten hübscheste aller Lustknaben der Schwarzen Orchidee. Wilde, schwarze Locken, strahlende, azurblaue Augen und ein fester jugendlicher Körper, so schön anzusehen wie eine meisterlich gefertigte Bronzestatue, bekommt man unter anderem von ihm geboten – übrigens ein Anblick, den auch Madame Grappe gerne von Zeit zu Zeit genießt.


Einige aus der Schar der Treppenkatzen:

Fayza, Lileas und Nyree, drei blutjunge, kindliche Schönheiten. Sie gehen dem Gewerbe in der Schwarzen Orchidee noch nicht lange nach. In hauchdünne Gewänder gehüllt, dienen sie auf den Stufen vor dem Bordell zunächst einmal als Blickfang, doch selbstverständlich sind auch sie für klingende Münze zu haben. Fayza ist eine südländische Schönheit, in ein paar Jahren, wenn sie sich im Gewerbe halten kann, ist sie möglicherweise eine ausgezeichnete Anwärterin für den Titel der Schwarzen Orchidee; zudem ist Fayza die kleinste der drei Grazien. Lileas, die Schwanenbraut, eine Elbe, besitzt helle, milchige Haut, rose Lippen, stechendgraue Augen und langes, weißes Haar; sie ist noch etwas scheu. Nyree, eine Halbelbe, ist die größte der drei jungen Frauen; sie hat ebenfalls recht helle Haut, graugrüne Augen, Sommersprossen und feuerrotes, fülliges Haar.

Maura, die älteste Dame, die in der Schwarzen Orchidee arbeitet. Die brünette Frau mit den braunen Augen ist aber noch immer recht ansehnlich, auch wenn sie schon die ersten Falten und grauen Strähnchen aufweißt. Ihr Körper ist rund und etwas mollig, aber nach wie vor fest und die scheuen, jungen Kätzchen können von ihrem schlagfertigen Mundwerk noch so einiges lernen. Vor allem ältere Herren nehmen Mauras Dienste gern in Anspruch, denn wie alle Treppenkatzen ist Maura günstiger zu haben, als die hübschen Orchideen. Darüber hinaus steht sie in dem Ruf eine gute Zuhörerin zu sein. Aus diesem Grund erfährt Maura natürlich etliches, was die Männer sonst eher für sich behalten würden, und Madame Grappe weiß dieses Talent sehr gut für ihre eigenen Zwecke zu nutzen.

Sunan und Thao, der älteste und der jüngste Treppenkater; die beiden Männer sind gute Freunde. Sunan ist Ende dreißig und bereits ein gestandener Mann, weshalb sich die Leute schon des Öfteren fragen, wieso er noch immer in der Schwarzen Orchidee seinen Körper verkauft. Wer ihn kennt, weiß, dass er dies vor allem tut, um dem jungen Thao zur Seite zu stehen, als dessen Beschützer er sich gibt und den er mehr als einen Bruder liebt. Wer Thao nicht höflich und angemessen behandelt, kann es daher sehr rasch mit dem dunkelhäutigen, schwarzhaarigen Hünen zu tun bekommen, der auch oft von Madame Grappe gerufen wird, wenn es darum geht, Gäste aus der Orchidee zu befördern, die sich mehr als ungebührlich benommen haben. Thao ist ein zierlicher, schlanker Jüngling mit blond gelocktem, kinnlangem Haar und blassen, veilchenblauen Augen. Niemand weiß genau wie er ausgerechnet in der Schwarzen Orchidee gelandet ist. Die ewigen Lästermäuler am Wolfsmarkt tuscheln jedenfalls schon, dass sich der etwas kränklich wirkende junge Mann auf Dauer nicht in der Unterstadt behaupten kann und gewiss eines Tages ein recht tragisches Ende finden wird.
★| Für Schwarz-Weiß-Denker hört die Welt dort auf, wo sie bunt zu werden beginnt. (Ernst Ferstl)
07/27

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Erzähler

Stadtbewohner

Posts: 16

Occupation: Erzähler

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2

Friday, December 14th 2018, 2:57pm

I don't exactly hate you,
but if you were on fire and I had water,
I would drink it...
(Unknown)

Mitte Nebelfrost 518


Ein kleines Mäuschen hockt ängstlich in einer dunklen Ecke unter dem pompösen Himmelbett. Die Schnurrhaare des Tiere zittern nervös. Aufgebracht trommelt Madame Grappe mit ihren teigigen Fingern auf der Ablage ihrer Frisierkommode herum, während Ailes ihr den Turban richtet und ihr ihre Perlen um den Hals legt. "Dieses Biest!", keift die Alte aufgebracht. "Glaubt wohl, ich hätte sie vergessen, was? Denkt wohl, ich wüsste nicht wo sie sich all die Jahre verkrochen hat! Meint wohl, sie wäre sicher da oben!" Wütend wuchtet sie sich in die Höhe und beginnt behäbig in ihrer Kammer auf und ab zu schreiten.
Es dauert eine Weile bevor sie sich beruhigt und ihr hochroter Kopf wieder eine halbwegs normale Gesichtsfarbe angenommen hat. Was jedoch nur geringfügig darüber hinwegzutäuschen vermag, dass die Grappe innerlich nach wie vor vor Wut kocht. Als sie ihren schwarzen Gehstock mit seinem grinsenden Katzenkopf-Knauf und den hinterlistig darin funkelnden Smaragdaugen dreimal wuchtig auf die Holzdiehlen poltern lässt, hält das Mäuschen in seinem Versteck die Anspannung nicht länger aus und huscht panisch einmal quer durch den Raum hinüber zu seinem Loch unter der großen Eichenkommode.

"Ratten!", kreischt die Grappe eifrig, als sie das Tier gewahrt und ruckt zu Ailes herum. "Ratten! Schick ihr ein paar Ratten zur Warnung! Das wird ihr eine Lehre sein.” Schnaufend stampft Madame aus dem Raum. "Orchideen und Pfirsichblüten passen einfach nicht zusammen", grollt sie leise vor sich hin und verschanzt sich übellaunig für Stunden in ihrem Arbeitszimmer. Als sie wieder herauskommt, hat sie zweierlei bei sich: einen Brief mit Siegel und eine welke Orchidee.
"Conchobar, mein Hündchen, wo bist du?", kreischt sie schrill, und alle Türen, die eben noch offen gestanden haben mögen, werden eilends ins Schloss gezogen. In dieser Laune, geht man der Grappe wenn möglich besser aus dem Weg.

Nur Conchobar kommt eilfertig angekrochen wie immer, Speichellecker der er ist. Der kahlköpfige Kobold verbeugt sich unterwürfig. "Ihr wünscht M'dame?", nuschelt er eifrig.
Madame Grappe reicht ihm sowohl den Umschlag als auch die Orchidee. "Schick ein paar Männer los und lass das hier rauf in den Pfirsich schaffen", keift die Alte. Die letzten Jahre haben es nicht gerade gut mit ihr gemeint. Auch die dicken Schichten aus Puder und Schminke, die sie trägt, können ihr wahres, von Alter, Gicht und Arthrose gezeichnetes Selbst mittlerweile nur noch notdürftig verbergen. Die Grappe verfällt. Hinter vorgehaltener Hand ist es bereits in aller Munde.
Madame schnaubt verächtlich. Glauben wohl alle, sie könnten ihr ungestraft auf der Nase herumtanzen. Glauben wohl, sie stünde mit einem Bein schon sicher im Grab. Nun, sie würde ihnen schon das Gegenteil beweisen. Allen voran dieser eingebildeten kleinen Göre. Wie alt sie jetzt wohl ist? Siebenundzwanzig? Achtundzwanzig? Egal. Es spielt keine Rolle. "Fort mit dir", heischt die Herrin der Schwarzen Orchidee den Kobold an. "Und auf dem Weg raus, schick mir Rhiz her, ich muss mit ihr reden."

Sigourny

Stadtbewohner

Posts: 119

Occupation: Pfirsichwirtin und Teilzeitdiebin

Location: Der Pfirsich

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3

Sunday, January 6th 2019, 6:45pm

<-- Pfirsich
Nacht und frühe Morgenstunden des 25.Nebelfrost 518
Wie ein Schatten huscht die schlanke Gestalt durch die Straßen Talyras. Es ist dunkelste Nacht, der Mond hat sich hinter Wolken verborgen, als wollte er die Gestalt schützen, die durch die Gassen und Straßen schleicht. Die redlichen Bürger schlafen in ihren Häusern und auch das lichtscheue Gesindel, das sich mitunter des Nachts draußen aufhält, kreuzt nicht ihren Weg. Zweimal hat sie sich allerdings in Mauernischen vor einer vorbeikommenden Wache verbergen müssen.

>Möchte nur wissen, was die sich gestern im Pfirsich hinter die Binde gekippt haben, so einen Kater hab ich noch bei keinem Mann gesehen. <
>Ich hab von einem der Maester gehört, dass das Ale und Bier verdorben war. <
>Was? Das kann doch nicht sein! Die waren im Pfirsich und nicht in irgendeiner Spelunke! Sigourny würde nie etwas ausschenken, das nur im Ansatz verdorben ist. <
>Wer weiß? Angeblich hat die Kleine Schwierigkeiten, denk an den Überfall mit dem Stinkzeug. Und geschlossen war der Pfirsich auch an zwei Tagen in diesem Mond. Kannst du dich erinnern, dass das je der Fall war? <

Die Stimmen verhallen und die Gestalt, die niemand anderer als Sigourny al’Mere, besagte Pfirsichwirtin ist, atmet tief durch. Das Ganze nimmt immer mehr Ausmaßen einer Katastrophe an: Es scheint, als würde der Plan der alten Kanalhexe Grappe aufgehen. Ihr Ruf leidet, der Ruf des Pfirsichs leidet. Und eben dieses Gehörte bestärkt sie in ihrem Plan. Durch einen verborgenen Eingang steigt sie nach unten, in die Stadt unter der Stadt, in die Unterstadt. Die Kapuze des dunklen Mantels hat sie tief ins Gesicht gezogen, doch hier unten nimmt keiner von ihr Notiz. Besser nicht zu viel sehen oder wissen, dass kann in diesem Teil der Stadt das Leben beträchtlich verlängern. So bleibt Sigourny unbehelligt, als sie sich zum nordwestlichen Rand des Wolfsmarktes schleicht, wo sich das Ziel ihres absolut wahnwitzigen Ausflugs befindet: Die schwarze Orchidee.

Der jungen Frau läuft ein Schauer über den Rücken. Nie wieder wollte sie hier her zurückkehren, doch nun hat sie in ihren Augen keine andere Wahl. Die letzten vierundzwanzig Stunden haben sie zitternd, krampfend und sich übergebend ans Bett gefesselt, sie und einen Großteil ihrer Leute und Gäste. Und bei allen Göttern, das schreit nach Rache, denn die Handschrift dieses feigen Anschlages ist unverkennbar. Aber auch sie kennt schmutzige Tricks und die alte Hexe soll sich lieber auf einiges gefasst machen. Von den Treppenkatzen unbemerkt huscht sie um die Ecke in jene dunkle Gasse, die zur Rückseite des plumpen Bauwerks führt. Nur einen Moment verharrt sie, beobachtet die Frauen und Männer auf der großen Freitreppe. Eine der Katzen sticht ihr ins Auge und eine Welle der Wehmut überkommt sie: Maura, jene Frau die sie nach dem Mord an ihrer Mutter groß gezogen hat. Wie gerne würde sie zu ihr gehen, sie in den Arm nehmen doch damit würde sie nicht nur ihren Plan gefährden sondern die Ältere auch in Gefahr bringen. So reißt sich Sigourny von dem Anblick los, um gänzlich in den Schatten der Gasse zu verschwinden.

An der Rückseite des Gebäudes, im zweiten Stock, befindet sich das Schlafgemach der Grappe. Mit ziemlicher Sicherheit sitzt die fette Kröte um diese Zeit in den unteren Stockwerken, hält Hof und zieht beim Kartenspiel so manchem armen Narren das Geld aus der Tasche. Ailes hingegen wird entweder in ihrer Kammer am anderen Ende des Ganges darauf warten, ihrer Mutter wieder zu dienen oder vielleicht ist sie gar bei ihr, um ihr jederzeit sofort zu Diensten sein zu können. Sigourny verabscheut das unterwürfige Wesen Ailes, hat sie schon immer. Aber wenigstens hat diese sie in Ruhe gelassen, sie regelrecht übersehen, was ihr immer noch am liebsten gewesen ist.

Die Pfirsichwirtin sieht sich noch einmal um, streift dem Mantel von den Schultern und versteckt ihn hinter einigen verrottenden Kisten. Dann zieht sie eine der Nadeln aus dem Haar, klemmt sie sich zwischen die Zähne und beginnt, lautlos und geschmeidig wie eine Katze, die brüchige Fassade hinaufzuklettern. Ihr Ziel ist das Fenster, das zum Schlafraum der Grappe führt. Als sie es erreicht hat, späht sie vorsichtig durch den Fensterflügel. Die Luft ist rein. Ein sanfter Zug und selbiger öffnet sich einen Spalt, den Göttern sei Dank war er nicht verriegelt. Ganz im Gegensatz zum inneren Flügel aber dafür hat sie ja die Nadel zwischen den Zähnen. Die bröckelnde Mauer gibt ihr genügend Halt und so kann sie eine Hand loslassen und mit geübtem Griff die Verriegelung lösen. Dann zieht sie sich in das Innere des Raumes und verharrt für einen Moment schwer atmend. Zwei Schweißtropfen rinnen ihr über das Gesicht und hinterlassen schmale Spuren in der Aschetarnung. Zähneknirschend muss sie sich eingestehen, dass diese Schweißtropfen nicht nur der Angst geschuldet sind: Sie ist noch nicht wieder auf dem Damm und eine kleine Stimme in ihrem Hinterkopf meldet sich mit der ernstlichen Frage zu Wort, ob es denn eine kluge Aktion gewesen ist, das hier zu tun. Aber nun ist sie schon mal hier, dieses Quäntchen Vernunft hätte sich vielleicht früher bemerkbar machen sollen. Jetzt ist es dafür zu spät und so befielt sie sich (oder eben jener Vernunftanwandlung) die Klappe zu halten. Mittlerweile ist sie auch wieder zu Atem gekommen und beginnt damit, ihren eigentlichen Plan in die Tat umzusetzen: Die Ingredienzien, die sie aus der Küche hat mitgehen lassen, sind nichts anderes als die Zutaten für …. Juckpulver! Gemahlene Pfefferkörner, mit Erde versetztes Mehl (hat sie auf dem Weg hierher fertiggestellt) und natürlich die Nüsschen der Hundsrose, schön frisch, denn Maddie hat ihnen am gestrigen Tag Hagebuttentee bereitet. Und dieses Juckpulver findet nun den Weg in das Bett der Grappe, genauso in ihre Kleider (vorzugsweise in ihre Leibwäsche, die Sigourny aber nur mit spitzen Fingern anfasst, igitt) und in ihre Turbane. Sie ist sehr vorsichtig, alles ist nachher genauso wie vorher, kein Teil ist auch nur einen Hauch verrückt. Unter den Turbanen legt sie noch eine kleine Karte.

Ich hoffe du hast wohl geruht!

Nicht mehr, kein Gruß, keine Unterschrift doch daneben legt sie einen Pfirsich. Sigourny ist sich durchaus bewusst, dass sie sich damit exponiert doch auf der anderen Seite: Die Grappe würde wissen, wer sie beehrt hat, wer dieses wahnsinnige Risiko eingegangen ist, in ihr Schlafgemach einzubrechen und sie auf diese Art zu verhöhnen. Mit sardonisches Grinsen begutachtet die Pfirsichwirtin ihr Werk. Gut und jetzt … auf dem Gang sind mit einem Mal Stimmen zu hören, begleitet von einen ‚Klock, Klock, Klock‘ dem Geräusch eines Stockes auf dem Boden. Hektisch sieht sich Sigourny um. Zu früh und vor allem bereits zu nah sind sie und das Klocken des Stockes verrät ihr, dass die Grappe dabei ist. Rasch überschlägt sie ihre Möglichkeiten: Messer ziehen und sich den Weg frei kämpfen: verschwindend geringe Chancen, eher würde sie ihr Leben hier drinnen verlieren, als irgendwie die Tür zu erreichen, geschweige denn die Unterstadt verlassen zu können. Sich hier im Raum verstecken: schlechte Idee, sie wäre eingesperrt. Selbst wenn sie sich an der Grappe vorbei schleichen könnte, das fette Katzenvieh würde sie hören und verraten. Bleibt nur der Weg, auf dem sie gekommen ist, aus dem Fenster. Und das schnell. Was wieder sehr riskant sein würde, denn die Mauer ist bröckeliger als sie es erwartet hat und schon beim Aufstieg haben sich Steine gelöst, die sie ein, zwei Mal in Sturzgefahr gebracht haben. Aber diese Variante ist noch die aussichtsreichste und mit einem Hechtsprung ist sie am Fenster, in der nächsten Sekunde draußen. Verriegeln geht von außen natürlich nicht und so zieht sie das Innenfenster nur zu und schließt auch den Aussenflügel soweit wie möglich. Gerade noch rechtzeitig, denn im Inneren des Raumes hört sie, wie die Tür geöffnet wird. >Ailes, hast du das Fenster nicht geschlossen? < hört sie die Grappe keifen. Schritte sind zu hören und Sigourny presst sich mit klopfendem Herzen gegen die Fassade. Unter ihren Füssen spürt sie die bröckelige Mauer, ihre Finger beginnen zu verkrampfen um den Halt nicht zu verlieren und doch wagt sie nicht zu atmen. Das Fenster ist neben ihr und wenn Ailes oder sonst wer sich aus dem Fenster beugt, wäre sie entdeckt. Doch Inari und ihre Archonen sind ihr hold und es wird einzig Außen- und Innenfenster geschlossen.

Dafür spürt Sigourny aber, dass das Mauerwerk immer mehr nachgibt. Zeit zu verschwinden! Der Schweiß rinnt ihr mittlerweile über den Rücken und die Muskeln zittern. Sie beißt die Zähne zusammen und beginnt vorsichtig mit dem Abstieg. Doch weit kommt sie nicht, denn ein Tritt geht ins Leere als die Steine genau in dem Moment bröckeln, als sie den Fuß belastet. Sie muss ihr Gewicht fast nur mit den Fingern halten, ein Umstand, den die Mauer ihr übel nimmt. Ihre rechte Hand rutscht ab und der Putz rieselt auf die Gasse. Es ist fast als wollte das Gebäude selbst sie abwerfen. Und zu allem Übel scheint es nicht ungehört geblieben zu sein. >Was ist da draußen los? Geh nachsehen Ailes, was sich da unter herum treibt!“ Sigourny bleibt nur ein Moment, ehe die Tochter der Grappe am Fenster sein wird. Ohne groß nachzudenken springt sie in die Tiefe. Es sind nur eineinhalb Stockwe… Au! Bei der Landung schießt ihr ein stechender Schmerz durch den Knöchel. Instinktiv rollt sie auf die Seite, knallt noch mit der Schulter gegen irgendwas und spürt, wie die Steine der Straße ihre Schläfe zerkratzen. Doch sie kommt im Dunkeln der Schatten zu liegen und von oben hört sie >Da ist nichts Mutter, waren wohl Ratten oder Katzen! < >Mistvieher! Hilf mir mit dem Turban, da hat sich etwas gelöst … und verschließ das Fenster diesmal anständig, du weißt, was sich da draußen alles herum treibt! < Mit einem Knall wird das Fenster wieder geschlossen.

Sigourny tastet nach ihrem Umhang, legt ihn sich ob der geprellten Schulter etwas umständlich um die Schultern und zieht die Kapuze ins Gesicht. Dann stemmt sie sich hoch. Vorsichtig bewegt sie den beleidigten Knöchel. Das geht, gebrochen sollte er also nicht sei. Aber als sie auftritt, hätte sie beinahe aufgeschrien vor Schmerz. Im letzten Moment kann sie einen erneuten Sturz vermeiden. Für einen Moment wird ihr schwarz vor Augen. Bei allen verdammten und verfluchten Dämonen! Mit zusammengebissenen Zähnen blinzelt sie die Schmerzenstränen weg und belastet vorsichtig den Vorderfuß. Wenn sie nicht mit der ganzen Sohle auftritt und sich an der Mauer abstützt, geht es und so humpelt sie in Richtung Wolfsmarkt. Als erstes muss sie weg vom Fenster der Grappe, weg aus der unmittelbaren Nähe der Orchidee. Wenn ihr Geschenk sich so entwickelt wie sie erhofft, darf sie nicht mehr in der Nähe sein, wenn die Alte ihre Botschaft findet. Die war eine meiner schlechteren Ideen, ohne sie hätte ich mir vielleicht Zeit erkaufen können. Aber wer rechnet damit, dass die Mauer bricht, ausgerechnet hier muss ich das erste Mal abstürzen! Doch geschehen ist geschehen, über vergossene Milch zu weinen bringt genau gar nichts. So bewegt sie sich unendlich langsam zum Rand des Wolfsmarktes. Hier kann sie sich besser verbergen, vielleicht als Bettlerin durchgehen. Mit einem Mal ist sie froh, Tane den Zettel hinterlassen zu haben. Die Stunde des Mühens ist zwar noch weit und sich so lang hier zu verweilen ist riskant. Aber allein zu fliehen, das würde erst wieder in den Nachtstunden möglich sein. Jetzt ist sie zu langsam und würde wohl nicht draußen sein, wenn die Unterstadt erwacht.

Endlich hat sie das Ende der Gasse erreicht. Mit einem leisen Aufstöhnen sinkt sie zu Boden. Sie ist schweißüberströmt, teils vor Schmerz, teils auf Grund der Entkräftung. Seit mehr als vierundzwanzig Stunden hat sie nichts gegessen und das fordert seinen Tribut. Nein, so hat sie sich das nicht vorgestellt. Sie hat sich definitiv überschätzt.
Avatar (c) by Azra 8)

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Erzähler

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Occupation: Erzähler

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Wednesday, January 23rd 2019, 4:00pm

25.Nebelfrost 518

Der Radau auf der Straße ist bereits so gut wie vergessen als Madame Grappe nach weiteren zwei Stunden in ihre Kammer zurückkehrt. Ailes folgt ihr, wie immer ihr getreuer Schatten. Die Alte hat gute Laune, in der vergangenen Stunde hat sie einem gutgläubigen Tölpel das letzte Geld aus der Tasche gezogen und unter dem lauten Gelächter der Huren war dieser mit nichts weiter als seiner Leibwäsche schließlich die Treppen hinunter gestolpert. Sogar seinen edlen Anzug hat der Narr verspielt. Diese Aufheiterung hat sie nur zu gut gebrauchen können, ist es doch erst wenige Tage her, dass ihr ein schleimiger, kriecherischer Wicht eine Kassette überbracht hat. Eine Kassette mit brisantem Inhalt. Diese kleine Schlampe da oben hat es doch tatsächlich gewagt, ihr zu trotzen, ihr Reste der Stinkbomben zusammen mit fauligen Pfirsichen und einem vor Frechheit nur so trotzenden Schreiben zurück zu schicken. Wie gut, dass zu diesem Zeitpunkt die Sache mit dem Ale schon in die Wege geleitet war. Mit bösartigem Grinsen malt sich die Alte aus, wie sie sich da oben alle winden vor Schmerzen. Und was es für den Ruf des Miststücks bedeuten mag. Jeder weiß, dass ein großer Teil der Kundschaft von den Blaumänteln gestellt wird. Und die würden es sich merken, wenn eine kleine Missgeburt ihnen schlechtes Bier vorsetzt, das würde ihren Ruf schädigen. Noch steht sie unter deren Schutz aber wenn sich alles im Sinne der Grappe entwickelt, dann ist das bald zu Ende und dann hat sie freien Zugriff. Und dann würde die kleine Schlampe leiden.

Vergnügt summt Madame vor sich hin, während Ailes ihr den Turban löst und ihr beim Entkleiden zur Hand geht. Dann begibt sich die Alte in ihr Lager, während ihre Tochter die Kammer verlässt. Doch die Nacht- oder eher Tagruhe ist keine Erholsame: Schon nach kurzer Zeit erwacht die Alte, geplagt von schier unerträglichem Jucken. Je mehr sie sich kratzt, desto schlimmer wird es. Die Wärme der Laken macht es nicht besser. Auch der fette Kater, der bei ihren Füßen zu schlafen pflegt, beginnt sich zu kratzen. „Hast du fetter Flohbeutel dein Ungeziefer in meinem Bett hinterlassen?“, schnauzt sie das Tier an. Protestierendes Maunzen ist die Antwort ehe sich das Tier erneut kratzt, dass die Haare fliegen. „AILES!“ Wenige Augenblicke später kommt die Gerufene in ihre Kammer. „Richte mir einen Zuber und kämm den Kater. Das Vieh hat mir Flöhe ins Haus gebracht!“ Es geschieht wie geheißen aber daran, die Bettwäsche zu wechseln kommt sie nicht. So beginnt alles von vorn, kaum dass sie sich erneut zu Bett begeben hat.

Dementsprechend schlecht gelaunt ist sie, als sie sich schließlich erhebt und die Stimmung bessert sich nicht, als auch nach dem Ankleiden das vermaledeite Jucken nicht besser wird. Im Gegenteil. Ailes wagt keinen Ton von sich zu geben, doch als sie einen der Turbane aufhebt, um ihn der Mutter aufzusetzen, entweicht ihr ein erschrockenes Keuchen. „Was ist?“ schnauzt Madame Grappe. Wortlos zeigt ihre Tochter auf das Pergament, das vor ihnen liegt.

Ich hoffe du hast wohl geruht!

Und daneben ein Pfirsich. Die Alte schäumt, wütet. Das würde das Miststück büßen, hierher zu kommen, hier in ihre Kammer. Sich an ihrer Bettstatt zu vergreifen! Zu allem Überfluss wird die Juckreiz immer schlimmer, am ganzen Körper. „CONCHOBAR!“ wer nicht bereits wach ist, ist es nun. Kriecherisch erscheint wenig später der Kobold. „Ihr wünscht?“ „Finde heraus, ob in der letzten Nacht irgendetwas Ungewöhnliches passiert ist, egal was. Und dann besorge zuverlässige Männer, und damit meine ich Zuverlässige, nicht solche kriecherischen Individuen, die du sonst anschleppst. Ich habe Aufträge für sie…“



(Text by Sigoury)

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5

Wednesday, July 3rd 2019, 8:01am

In den vergangenen Tagen war die Laune der Grappe immer weiter gesunken. Zum einen hat es gedauert das dreimal verfluchte Juckpulver los zu werden, das dieses kleine Miststück in ihren Kleidern und Perücken hinterlassen hat. Zum anderen sind kurz darauf wie aus dem Nichts tollwütige Katzen und Ratten aufgetaucht. Und nicht nur vereinzelt, wie man es in der Unterstadt kennt, nein in Scharen waren die Biester um die Orchidee geschlichen. Mit glühenden Augen und Schaum vor den Mäulern waren die Viecher in den dunklen Gassen ein verstörender Anblick, der manchem, oder besser gesagt den meisten, Kunden die Lust auf ein Schäferstündchen in der Orchidee verdorben hatte. Sie und Nurio haben sofort Männer losgeschickt, die dem Spuk ein Ende machen sollten aber die Biester hatten sich nicht verhalten, wie es tolle Tiere im Allgemeinen tun. Jeder hier unten weiß, dass die von der Krankheit befallenen leichtsinnig sind und den Zweibeinern aggressiv begegnen. Doch diese hier fauchen zwar und zeigen die Zähne, suchen aber dann schleunigst das Weite. Ein Umstand, der der Grappe äußerst verdächtig vorkommt.

Und natürlich kommt ihr die Sache sehr ungelegen, fordert Nurio doch vehement, dass sie sich um dieses Ärgernis kümmert, schaden diese Mistviecher doch den Einnahmen der Orchidee. Auch zicken die Treppenkatzen herum, weil sie sich vor den tollen Ratten fürchten und sogar Maura, die ansonsten nichts erschüttert, hat Bedenken geäußert. Und dann ist zu allem Übel noch dieses verdammte Pfirsichflittchen. Dieses Miststück scheint das Glück gepachtet zu haben, denn anstatt ängstlich und allein in ihrer Oberstadtspelunke zu hocken und sich vor dem nächsten Tag zu fürchten, fährt sie in einer herrschaftlichen Kutsche durch Talyra und scheint neuerdings im Seeviertel zu residieren. Die Alte knirscht mit den Zähnen: Auch wenn sie ihr Domizil so gut wie nie verlässt, sie hat ihre Augen und Ohren und sie kennt diesen Elb, diesen Reeder. Er ist kein grüner Junge, kein verwöhntes Kind adliger Eltern. Solange ihre Widersacherin dort bei ihm ist, würde sie kaum an sie herankommen oder nur unter Verlusten und mit sehr viel Aufsehen. Etwas, dass sie sich nicht leisten kann. Nurio scheint sie im Auge zu haben und das ist sicher keine gute Ausgangslage. Sie will Rache, um alles auf Rohas Weiten, aber wie süß kann Rache schmecken, wenn man dabei selbst das Leben oder anderes verliert? Nein, sie muss planen, genau planen.

Gedankenverloren krault sie den fetten Kater hinter dem Ohr. „Na mein Hübscher, womit wollen wir unsere Beute aus dem Loch locken? Mäuse fängt man mit Speck und Pfirsiche mit …hmmm.“ In ihrem Geist beginnt ein Plan Gestalt anzunehmen und ein bösartiges Lächeln schleicht sich in ihr Gesicht. „Du wirst schon sehen, du kannst dich nicht verstecken. Ich finde dich überall und ich werde dich jagen, bist du dir wünscht, in jener Nacht gestorben zu sein wie deine Mutter damals.“ Bei diesen Worten hat die Alte eine Schatulle geöffnet, die immer auf ihrem Tisch steht und die niemand außer ihr öffnen darf. Ihre gichtigen Finger bewegen sich gleich dem Flügelschlag eines Schmetterlings über die Klinge und bleiben am Heft für einen Moment auf einem roten Stein liegen. Dann klappt sie das Kästchen zu, ehe se nach ihrem Handlanger Conchobar ruft. Es gibt Arbeit, jede Menge sogar.



(Text by Sigourny)

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6

Tuesday, August 6th 2019, 3:07pm

Seine kalten Augen ruhen auf dem Gesicht seiner Dienstherrin, die vor Wut zu kochen scheint. Ihr Stock klopft ungeduldig auf den Boden. Durch die geschlossene Tür des Zimmers drangen die Geräusche des Betriebs der Schwarzen Orchidee in das Büro der Grappe. Eben hat er ihr Bericht erstattet, was im Pfirsich so vor sich ging. Und wie er vermutet hat, ist die Alte alles andere als erfreut. Das kleine Miststück scheint immer offensiver zu werden, je mehr sie provoziert wird. Keine Spur von Angst! Nicht einmal als er ihr die wortlose Drohung hinterlassen hat, hat sie mit der Wimper gezuckt. Stures Weibsbild! Wie gerne würde er ihr die Arroganz austreiben … vielleicht … Aber er ist klug genug, die Grape nicht anzusprechen, nicht im Moment. Um nicht wie ein Bittsteller herumzustehen, schnipst er ein imaginäres Fussel von seinem Hemd. Der saubere Aufzug hatte ihm auf deinem Weg über den Wolfsmarkt einige dumme Sprüche und aufdringliche Gesellen eingebracht. Die meisten hatten nach einem oder zwei deutlichen Worten, garniert mit einem Blick aus den kalten Augen, verstanden, dass sie lieber das Weite suchen sollten doch ein unbelehrbarer Tropf suchte wohl noch immer im Dreck nach seinen Fingern.

>Es reicht!< die keifende Stimme reißt ihn aus seinen Gedanken. Aufmerksam blickt er seine Dienstherrin an, als sie ihm seinen Auftrag erklärt. Seine Lippen verziehen sich zu einem gemeinen Grinsen. Ja das klingt nach Spaß. >Und je schneller es erledigt ist, desto besser! Alles andere hat dann Zeit … such‘ dir ein, zwei verlässliche Männer. Keine Dilettanten oder Anfänger, es darf nichts schief gehen!< Er nickt. Insgeheim ärgert er sich ein wenig, immerhin ist er kein Idiot. Er weiß, was auf dem Spiel steht, sollten sie erwischt werden. Die Zeit ist nicht die Beste ob des anstehenden Julfestes. Aber die Alte ist ungeduldig und ihr zu erklären, dass es besser wäre sich in Geduld zu üben ist, kämme einem Selbstmord gleich. Mit einem Kopfnicken ist er entlassen. Er würde seine Leute zusammensuchen und instruieren. Lange braucht er für die Suche nicht, sitzen die beiden, die er für den Auftrag im Kopf hat mit zwei der Treppenkatzen im Erdgeschoß. Die Mädchen ziehen zwar Schnuten, als er seine Spießgesellen mitnimmt aber zu widersprechen wagen sie nicht. Man kennt ihn und jeder weiß, dass sein Geduldsfaden kurz und seine Messer locker sind.

Der Rest der Nacht vergeht mit Planung und der Befragung der diversen Spitzel, die in der Stadt für die Grappe aktiv sind. Was sie zu erzählen haben ist aufschlussreich und für den Plan sehr hilfreich. Zufrieden putzt er sich mit dem Messer die Fingernägel aus. Der morgige Tag würde sehr interessant werden …

Text by Sigourney

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