You are not logged in.

Dear visitor, welcome to Weltenstadt Forum. If this is your first visit here, please read the Help. It explains in detail how this page works. To use all features of this page, you should consider registering. Please use the registration form, to register here or read more information about the registration process. If you are already registered, please login here.

Sigourny

Stadtbewohner

  • "Sigourny" started this thread

Posts: 116

Occupation: Pfirsichwirtin und Teilzeitdiebin

Location: Der Pfirsich

  • Send private message

106

Tuesday, December 25th 2018, 10:26pm

Der Rest des Tages vergeht in geschäftigem Treiben: Bis zum Mittag ist das Fenster repariert und da, den Göttern sei Dank, der Tag trocken bleibt, können sie die noch im Raum hängenden Gerüche gut auslüften. Die verräterischen Flecken sind getilgt und auch die letzten Überreste der Was-auch-immer-Wurfgeschosse, die in der Nacht noch übersehen wurden, sind eingesammelt und von Perrin (mit einer Wäscheklammer auf der Nase) am Misthaufen vergraben. Kurz nach Ende der Stunde der Ruhe kehrt Tane in den Pfirsich zurück, frustriert, müde und stinksauer. Grußlos schenkt er sich einen Brandwein ein und kippt ihn in einem Zug hinunter. Sigourny zieht nur eine Augenbraue hoch, sagt aber nichts. In so einer Laune lässt man den jungen Mann am Besten in Ruhe wenn irgend möglich. Und wenig später trollt er sich mit einem „Muss noch schlafen“ in seine Kammer. Wer hingegen im Schankraum aufgetaucht, ist Lux. Ganz im Gegensatz zu der eher vorlauten Art, mit der sie Briant am Vorabend begegnet ist, ist sie an diesem Tag eher ruhig. Dobresto hingegen ist, unaufgefordert und zur Verwunderung aller, in Inaris Bad verschwunden um das verursachte Chaos, dem sich bisher noch keiner widmen konnte, zu beseitigen. Während er dort, magisch oder mit Scheuerlappen und Wischmop, wieder für Ordnung sorgt, ziehen sich die Fee und Sigourny in eine der Nischen zurück. Dem geschlossenen Pfirsich ist es zu verdanken, dass heute auch Zeit für ein ruhiges Gespräch bleibt und so erfährt Sigourny, weit weniger flapsig und um einiges bereitwilliger als Briant in der letzten Nacht, was es mit der Beziehung zwischen Lux und Dobresto auf sich hat:

Die Fee, schon seit Jahren in der Orchidee tätig, war eines Tages nach einer hitzigen Diskussion mit der Grappe in die Tausendwinkelgassen verschwunden, um einfach wieder Oberwelt Luft zu schnappen. „Mir ist einfach alles zu eng geworden und ich hab mir gedacht, ob ich nicht vielleicht einen Fehler gemacht habe. Ich war jung und abenteuerlustig und, ja es war ja kein schlechtes Leben, ich mein, ich hab bekommen was immer ich wollte: Kleider, Schmuck … und Feentau, soviel ich wollte. Die Männer … ja das war am Anfang etwas gewöhnungsbedürftig aber ich war neugierig und ich hab schnell bemerkt, wenn einer was wollte was mir nicht passt, hab ich ihn entfernen lassen. Von Zeit zu Zeit hab ich mich mal groß gemacht, für besondere Kunden. Aber in den letzten Mondläufen … jeden Tag. Und die Grappe wollte wirklich, dass ich es öfter versuche aber, ich meine, das weiß doch jeder, dass eine Fee nur einmal am Tag für zwei Stunden groß sein kann. Das ist ein Gesetz Rohas, das funktioniert einfach nicht. Und selbst jeden Tag ist anstrengend, dass kannst du mir glauben. Nun ja, darüber habe ich eben an diesem Abend mit der Grappe gestritten und in den Tausendwinkelgassen dann Dobresto getroffen. Zuerst wollte ich mich nur ablenken aber dann … ich meine …“ die Fee sieht Sigourny direkt in die Auge „... dann hab ich mich in ihn verliebt. Wirklich … aber ich wollte es mir nicht eingestehen bis …bis die Grappe erklärt hat, sie holt weitere Feen in die Orchidee und ich müsste teilen, alles. Und dass es Feentau nur mehr gäbe, wenn ich Leistung bringe, ‚Lohn‘ nannte sie es. Ich müsse es verstehen, hat sie gesagt, sie müsse etwas Neues bringen aber sie sei sich sicher, ich würde den Anforderungen gerecht werden, es gäbe ja einen Anreiz. Oh ich war so wütend, das ist Erpressung und überhaupt, ich bin einzigartig. Da kam Dobresto, mein Honigbärchen, und …er hat gesehen, dass ich traurig bin, Angst habe, mit einem Mal habe ich mich so eingesperrt gefühlt. Da hat er mich mitgenommen. Ich .. ich habe ihm gesagt, dass es keine gute Idee ist, hier her zu kommen. Ich weiß ja nicht was da unten passiert ist, als du da unten warst aber was ich weiß ist, dass die Grappe noch immer verdammt wütend auf dich ist.“

Sigourny atmet tief durch. Ihre schlimmsten Befürchtungen haben sich eben bewahrheitet: Die Alte hat sie in all den Jahren nicht vergessen. Insgeheim wundert sie sich, warum sie in den letzten Jahren nicht mit einem Messer im Rücken aufgewacht ist. Wahrscheinlich nur deshalb, weil sie sich von der Unterstadt ferngehalten hat. Nur ein einziges Mal ist sie dieses Risiko eingegangen, in Verbindung mit einem Auftrag. Ihr Herz hatte geklopft und sie wäre fast vor Angst gestorben. Nie wieder, das hatte sie sich geschworen, würde sie das noch einmal tun. Sie war unbemerkt wieder verschwunden, aber die Panik war ihr im Nacken gesessen.

Entschlossen schiebt die Wirtin diese Gedanken zurück. Nein, sie will sich nicht in einem fort von den Erinnerungen, die sich seit dem gestrigen Tag so vehement einen Weg nach oben bahnen, quälen lassen. „Danke, dass du mir die Wahrheit gesagt hast. Es wäre wirklich besser gewesen, ihr wäret gleich zu mir gekommen, statt euch zu verstecken. Aber da muss ich eher Dobresto an den Ohren nehmen, er sollte doch eigentlich wissen, dass ich keinen weg schicke der Hilfe braucht, schon gar nicht, wenn er aus der Unterstadt kommt. Leichter wäre es gewesen, ich hätte gewusst … egal. Du kannst hier bleiben, fürs Erste. Wohnen wirst du wohl eh beim Kobold oben im Kobel wie ich den kenne. Aber, einige Regeln gibt es: Du musst nicht anschaffen, dass ist deine Entscheidung aber nützlich machen wirst du dich und sei es nur das Abstauben der oberen Regale und Flaschen. Hier hilft jeder mit, so gut er kann. Und vor allem: Keine Geheimnisse, die dem Pfirsich oder einem seiner Bewohner schaden könnten. Da kenn ich keine Entschuldigung und keine zweite Chance, wenn da was rausfinde fliegst du raus, ohne Wenn und Aber. Und was im Pfirsich passiert, bleibt im Pfirsich, keiner meiner Leute trägt Klatsch nach draußen. Haben wir uns verstanden?“ Lux nickt, das klingt fair. „Dann: Willkommen im Pfirsich Lux Flammenblüte!“ Ysa hat bringt ihnen eine Karaffe mit Wein sowie ein Glas und einen Fingerhut und so stoßen die beiden Frauen an. Sigourny ist sich bewusst, dass sie mit dieser Aktion der Grappe einen weiteren Grund gibt, sie zu hassen aber sie kann einfach nicht anders: Zu deutlich ist ihr im Gedächtnis, wie sie sich gefühlt hat, als sie auf der Straße gelebt hat. Sie kann und will das niemandem zumuten, sofern sie irgendwie etwas dagegen tun kann.

Eben bringen Ronan und Perrin jede Menge Tannenreisig in den Schankraum und die Pfirsiche beginnen, alles vorjulfestlich zu schmücken. Sigourny begibt sich inzwischen endlich zu Briant, Annest und den Zwillingen in die Vorratsräume, aber die vier haben alles im Griff und die Wirtin muss nur mehr die Bestellungen abzeichnen. Ale muss schnell wieder nachgeliefert werden und so schickt sie eines der Schankkinder los. Ebenso muss die nächste Mehllieferung größer ausfallen, da ja einiges in der letzten Nacht am Boden im Schankraum gelandet war. Auch diese und weitere Bestellungen verlassen, ausgetragen von Schankkindern den Pfirsich. Schließlich kramen sie aus einer der hintersten Ecken noch einige Kisten mit roten Schleifen und sonstigen Juldekorationen hervor und schleppen diese in den Schankraum, der schon mit Reisig bestückt ist. Lux stürzt sich mit einem begeisterten Quicken auf die Kisten und schon flattert die Fee zu den höchsten Tannenzweigen, um Schleifen und sonstiges anzubringen. Alles in allem wirkt es, als wären die Ereignisse der letzten Nacht nur ein böser Traum gewesen und langsam scheinen sich die Bewohner des Pfirsichs zu entspannen. Briant schaut immer wieder nach dem Zwerg, doch Dar schläft und merkt es anscheinend nicht einmal, dass die Mogbar immer wieder die heißen Steine in seinem Bett wechselt.

Es ist bereits späterer Abend und Sigourny balanciert eben auf einem Sessel, um noch einige kleine Ergänzungen an der Juldekoration über der Eingangstür anzubringen, als Shalhor durch die Hintertür den Pfirsich betritt. Mit einem Lächeln springt sie behände herunter. Tane bekommt sein Hemd zurück (der Blick des jungen Mannes schwankt zwischen Verwunderung, Unglauben, Belustigung und Skepsis), der Elb seinen Surcot, den Annest tatsächlich retten konnte und dann sitzen Sigourny und Shalhor am Tresen, bei einer guten Flasche Wein. Die Wirtin genießt die Ruhe, die heute im Pfirsich herrscht und ihr die Möglichkeit gibt, sich in Ruhe zu unterhalten. Eine seiner ersten Fragen ist die, ob es neuen Ärger gibt und als sie das verneint, erkundigt er sich nach dem Zwerg und dem angeforderten Heiler. Die Wirtin hat gleich nach seinem Aufbruch eines der Schankkinder losgeschickt doch auf Grunde des noch herrschenden Heilermangels kann erst am nächsten Tag jemand vorbei kommen. Die Erkältungswelle hatte einfach sehr früh eingesetzt in diesem Jahr und so rotz und schnieft ein großer Teil der Stadt schoon jetzt vor sich hin. Nichts Bedrohliches aber überaus lästig und zeitraubend für die Heiler. Bestätigen kann der kontaktierte Heiler aber auch aus der Ferne, dass Zwerge sehr wohl empfindlicher auf Krankheiten der Oberwelt reagieren als andere Völker. Annest hat sie aber trotzdem vorsorglich alle mit Hühnersuppe versorgt und jeder, der ein Kratzen im Hals oder einen Anflug einer Erkältung verspürt, hätte sich sofort in seine Kammer zurück zu ziehen. Wirklich glücklich scheint der Elb nicht mit dieser Lösung zu sein aber es lässt sich daran leider nichts ändern. Die nächste Stunde vergeht in gemütlicher Plauderei und als seine Lordschaft den Pfirsich durch die Hintertür wieder verlässt begleitet Sigourny ihn noch bis zur Tür. Den Schlüssel, den er ihr wieder zurückgeben will, nimmt sie nicht. „Behalt ihn, mir ist wohler wenn noch jemand einen hat, der nicht hier wohnt, nur zur Sicherheit. Jemand … jemand dem ich vertrauen kann. Außerdem …“ sie zwinkert ihm schelmisch zu „hast du dann eine Alternative zur Vordertür, wer weiß?“ Der Elb grinst, weiß aber sehr wohl, dass der letzte Zusatz nur verschleiern soll, dass das Gespenst der Orchidee noch immer über dem Pfirsich schwebt und die Ruhe vermutlich nur trügerisch ist. Dann verschwindet er in der Nacht und Sigourny schließt ab.

In der Nacht verfolgen sie dunkle Träume: schwarze Kerzen, Dolche mit roten Steinen, die ihr wie die Augen von Raubtieren erscheinen und alles in einem Meer von schwarzen Orchideen. Und Blut, sie sieht sich selbst, in einem weißen Kleid, dass voller Blut ist. Und hört ein Lachen, dass sie seit Jahren nicht gehört hat.

Schweißgebadet erwacht Sigourny. Ihr Herz klopft ihr bis zum Hals. Noch ist es dunkel draußen doch am Horizont ist schon ein grauer Streifen zu sehen. An Schlaf ist nicht mehr zu denken und so tapst sie barfuß und nur im Nachthemd in den ersten Stock hinunter. Ihr Ziel ist Inaris Bad. Wie immer ist das riesige Becken in der Mitte des Raumes gefüllt und wohl temperiert. Sie hat keine Ahnung wie der Kobold das macht aber es ist ihr egal. Rasch schlüpft sie aus dem Nachthemd und lässt sich in das Wasser gleiten. Mit einem Seufzen schließt sie die Augen, lässt sich treiben und wäscht sich all den Angstschweiß und die Nachwehen der Träume ab. Dreimal taucht sie unter, nur um sich sicher zu sein, dass kein Blut in ihren Haaren ist. Es war nur ein Traum und doch hat sie das Gefühl, den roten Lebenssaft wahrhaftig am Leib zu spüren. Schließlich klettert sie wieder aus der Wanne, schlüpft, nass wie sie ist, wieder in das Nachthemd und huscht, nasse Spuren hinterlassend, wieder in ihre Kammer. Dort trocknet sie ihre Haare und flicht sie zu einem Zopf, um die Nässe zu kaschieren. Dann kleidet sie sich an und wirft einen letzten Blick in den Spiegel: Keiner würde ihr die Schrecken der Träume noch ansehen. So begibt sie sich die Stufen in die Küche hinunter, bereit es mit allem und jedem aufzunehmen, das ängstliche Mädchen ist wieder gut hinter der Maske der Pfirsichwirtin verborgen.
Avatar (c) by Azra 8)

This post has been edited 3 times, last edit by "Sigourny" (Dec 26th 2018, 5:55pm)


107

Thursday, December 27th 2018, 2:57am

Mehrfach erwacht Dar des Tags, wie er es erwartet hatte, so dicht unter dem freien Himmel, nur durch diese dünen Wände vor der schrecklichen Leere über im getrennt. Doch sein Plan, sobald die Ziegelsteine abgekühlt sind sich eine weitere Dosis der Arzenei zu geben erweist sich indes als ein schlechter Plan, hat er doch fast das Gefühl, das die Steine nicht nur nicht kälter werden, sondern zwischen seinen Wachen Momenten sich vielmahr gar noch aufheizen. Das Briant, oder jemand Anderes die Steine auswechselt, bemerkt er so wenig, wie sein umnebelter Verstand in der Lage ist dieses sich zu erschließen. Und so, weit später als dies klug gewesen wäre, wie aber gleichzeitig befürchtend, sich gefährliche Nebenwirkungen zuzuziehen, die zu starke Dosen dieser Medizin bedeuten, schwankt Dar schließlich aus dem Bett, sich erneut der neben dem Bett auf dem Holzhocker plaziertem Gläsern und Mörser zuzuwenden. In das leere glas kommen wieder drei Fingerspitzen Termahlenes, dazu zwei fingerbreit der wässrigen Lösung. Die Seife, da das Wasser inzwischen längst erkaltet ist, spart er sich, gibt gleich zwei Fingerbreit der Ölmischung dazu, leert es mit einem Zuge und mischt es im Mund, indem er es zwischen den Zähnen hin und her spült, wie man es gemeinhin mit Nelkenwasser bei Zahnleiden tut. Dem Gesichtsausdruck nach zu schließen aber ist der Geschmack nicht halbwegs so angenehm, wie die bei Nelkenwasser zu erwarten wäre. Vielmehr scheint es nur seiner gesamten restlichen Willenskraft geschuldet, das er es heruntergewürgt und vor allen Dingen anschließend auch bei sich behalten kann. Mühsam kriecht der Zwerg wieder unter die warme Decke des Bettes und als Briant das nächste Mal nach ihm sieht, findet sie ihn zusammengekrümmt, als quälten ihn schreckliche Bauchkrämpfe. Auch fiebert und schwitzt Dar schrecklich, doch als sie darauf nochmals seine Ziegelsteine austauscht findet sie ihn dann endlich entspannt, wenn auch schrecklich laut schnarchend vor. Aber allem Anschein nach scheint die Arzenei – oder wie Briant sich wohl zugutehalten wird, ihre Hausmittel – vermutlich ist es eine gute Mischung aus Beidem, eher – ihre Wirkung zu tun.

Als Briant schließlich, Dar wagt nicht einmal abzuschätzen wie viel oder wenig Zeit inzwischen vergangen sein mag, erneut nach ihm sieht, findet sie Dar schließlich dick eingepackt in alle Decken, derer er habhaft werden kann und nun nicht nur allen ihren weiteren Ideen gegenüber aufgeschlossen sich zeigend, sondern diese teilweise beinahe vorausahnend oder mit fast besseren eigenen Ideen gar noch konternd vor, also so ganz anders, als die typisch männlichen Männergrippeopfer. Dar inhaliert den Rest des Tages auf Anweisung folgsam über heißem Salzwasser, isst artig, um nicht zu sagen dankbar gar, von Annests Hühnerbrühe, trinkt begierig heißen Grog und und und… Nur das er immer noch auf die regelmäßige weitere Einnahme seiner „Medizin“ besteht und Briant gar dazu bringt, die wässrige Lösung wieder neu zu erhitzen, sie mit etwas Seife und den anderen Zutaten zu mischen, mag der Mogbar noch weiterhin missfallen. Doch zumindest, kann doch auch Briant da nichts gegen einwenden, schadet die Medizien doch zumindest offensichtlichst in keinster Weise ihren eigenen Kuren. Doch erst als Dar beginnt, auffällig verlegen auf ihre Gegenwart zu reagieren und sie ihn hin und wieder bei verstohlenen Blicken ertappt, etwa als sie sich sein Kissen richtend, weit über ihn beugt und ihm dabei gefährlich tiefe Einblicke in ihren Ausschnitt etwa gewährt, ist Briant sich schmunzelnd endlich sicher, dass die Männergrippe, oder zumindest doch deren ärgsten Auswirkungen von ihm gewichen scheinen. Und doch sind sich Briant und Dar beide einigig, braucht es wohl noch mehrere Tage, bis er wieder ganz der Alte wird. Tage, die er aber möglicherweise nicht haben wird – so diese Grappe ihren Drohungen weitere Taten denn folgen lässt. Ein Umstand der durch die weiterhin gegebene Anwesenheit der Lux Flammenblüte nicht gewichen ist.

Immer wieder sinkt Dar in einen leichten Schlummer. der der Erholung und weiterhin notwendigen Genesung wohl geschuldet ist. Doch, zumindest soweit es ihn betrifft, ist alles nun noch folgende nichts weiter, denn eine bloße Erkältung, die es auszustehen halt gilt, sobald er schließlich die restlichen Dosen seiner Medizin zusich genommen hat.
“Siehst du einen Riesen, so prüfe den Stand der Sonne und gib acht, ob es nicht der Schatten eines Zwerges ist.”

Briant

Stadtbewohner

Posts: 28

Occupation: Pfirsich

Location: Pfirsich in Talyra

  • Send private message

108

Thursday, December 27th 2018, 11:54am

Zwischenzeitlich macht sich Briant dann doch gröbere Sorgen um ihren Patienten und zweifelt etwas an der Aussage des Heilers, Zwerge würden stärker unter den Auswirkungen diverser Oberweltkrankheiten leiden und diese seien zu ziemlicher Sicherheit der derzeitige Erkältungswelle zuzuschreiben. Wenn das nicht bald besser wird, geh‘ ich selbst ins Haus der Heilung und schleif mir einen der Airani an den Ohren hierher. Bewaffnet mit weiteren heißen Steinen, Leinenwickeln und Schmalztopf marschiert sie nach oben. In der Schankstube ist das geschäftige Putztreiben in einen Vorjulschmuckwahnsinn umgeschlagen und sogar die Fee, weit freundlicher und höflicher als in der vorigen Nacht, hilft mit. Wie auch der Kobold, der doch tatsächlich Inaris Bad wieder aufgeräumt hat und das alles ohne Murren. Was Sigourny auch immer gesagt hat, es scheint zu wirken. Schauen wir mal, wie lang das so bleibt! Die Mogbar ist sich noch immer nicht sicher, ob das Ganze, also die Fee im Haus zu behalten, eine gute Idee ist aber wenn’s die Wirtin so meint … im Normalfall weiß die junge Frau was sie tut.

Leise öffnet Briant die Tür und da sitzt Dar, dick in sämtliche Decken gemurmelt, auf einem Hocker und pantscht sich einen weiteren Was-auch-immer-Zwergen-Trank zusammen. Er scheint wieder mehr Herr seiner Sinne zu sein und so bekommt er umgehend einen Teller von Annests Hühnerbrühe (dem ein Zweiter unmittelbar folgt), ein heißes Fußbad, Salzinhalationen und ein frisch bezogenes Bett, in welchem dann Schmalzwickel und weitere heiße Steine um des Zwergens Füße gepackt werden. Zwar lässt Dar sich nicht von seinem Gebräu abbringen (des lieben Frieden willens macht sie ihm das Zeug auch heiß), aber er ist auch dem Grog (der ihrer Meinung nach das beste Mittel von allen ist) nicht abgeneigt. Überhaupt ist er ein recht kooperativer Patient. Was aber wohl bis zu einem gewissen Masse auch an den Vorzügen der Krankenschwester liegen mag, denn denen ist Dar sichtlich nicht abgeneigt. Das Bett wird er aber noch einige Tage hüten müssen und sollte er sich nicht daran halten, wird sie ihn eigenhändig wieder hinein stecken, das steht fest. Einig sind sie sich aber auch darüber, dass die Sache mit der Grappe noch nicht ausgestanden sein kann. Briant vertraut dem Zwerg an, dass sie sich doch auch Sorgen um Sigourny macht. „Ich kenn sie jetzt seit acht Sonnenläufen, fast seit dem Tag, als sie das hier übernommen hat. Sie ist eine wunderbare Dienstherrin, sie ginge für uns durch die neun Höllen ... und wir für sie. Aber niemand, nicht mal Tane und der kennt sie noch länger als wir alle, weiß etwas über ihre Vergangenheit. Aber wenn du mich fragst, hat das was mit diesem Loch von Unterstadt zu tun. So wie gestern hab ich sie noch nie gesehen. Sie ansonsten ist die Selbstbeherrschung in Person, wird mit allem und jedem fertig ohne mit der Wimper zu zucken. Bevor Ronan hier angefangen hat, hat sie die randalierenden Trunkenbolde eigenhändig vor die Tür befördert, schneller als die bis drei zählen konnten. Was ich sagen will … ich bin mir nicht so sicher, ob wir sie wirklich in unsere Pläne einweihen sollten, also im Detail. Sie bringt es fertig und zieht das selber durch und mein Bauchgefühl sagt mir, dass das eine schlechte Idee wäre.“

Der Zwerg und die Mogbar spinnen noch einige Zeit an diversen Plänen aber Dar fallen immer wieder die Augen zu und so stopft Briant noch einmal die Decke fest (und liefert dem Zwerg dabei angenehme Inspiration für seine Träume), wünscht ihm eine gute Nacht und schließt leise die Tür. Im Schankraum entdeckt sie Sigourny, die entspannt mit Shu’re Shalhor am Tresen bei einer Flasche Wein sitzt – ein Bild, das die Mogbar wieder etwas beruhigt. Die junge Wirtin scheint einen Vertrauten außerhalb des Pfirsichs gefunden zu haben, was vielleicht bedeutet, dass sie sich jemandem anvertraut und nicht immer versuchen wird, alles allein zu schaffen. Von den beiden unbemerkt zieht sich Briant zurück und steigt selbst die Treppen zu ihrer Kammer hinauf. Ein geschlossener Pfirsich bedeutet die Möglichkeit auf eine längere Nachtruhe und bei allen Göttern, diese Möglichkeit will sie nutzen.
Lieber eine Hure mit Herz, als eine Edle mit Gift in der Seele

Leys

Stadtbewohner

Posts: 1

Occupation: Heilerlehrling

  • Send private message

109

Sunday, December 30th 2018, 9:19pm

Als Meisterin Ketell sie nach der Mittagsmesse ausgeschickt hatte einen neuen Schüler in Empfang zu nehmen und auf dem Weg einem fiebernden Patienten einen Besuch abzustatten, war es Leys noch eine willkommene Abwechslung gewesen. So hatte sie sich der eintönigen Aufgabe des Verbändewickelns entziehen und etwas Stadtluft schnuppern können. Noch immer grassierte in Gríanàrdan und den angrenzenden talyrischen Umlanden eine namenlose Seuche und viele der erfahrenen talyrischen Heilkundigen und Anirani waren von den Tempeln an die Grenzen entsandt worden, um sich dort um die Opfer zu kümmern und dafür zu sorgen, dass die Krankheit sich nicht weiter ausbreitet. Die Zahl der Infizierten ist bereits seit einigen Siebentagen rückläufig, doch erst vor zwei Tagen hatte die Hohepriesterin des Faêyristempels vor der gesamten Tempelbelegschaft verlauten lassen, dass auch die Toten allmählich weniger wurden. Die Erleichterung war allseits spürbar gewesen und auch Leys hatte innerlich aufgeatmet. Hätte das Sterben sich gehalten oder wäre gar auf talyrischen Boden übergeschwappt, wäre es Meisterin Ketell am Ende noch in den Sinn gekommen, die Gunst der Stunde zu 'nutzen' und sie praxisnah vor Ort in der Seuchenlehre zu unterrichten. Das wäre Leys aus vielerlei Gründen sehr ungelegen gekommen, allem voran kann sie es sich nicht leisten zu sterben. Außerdem wäre ein einfaches Grab auf dem verlotterten Stück Erde, das sich in dieser Stadt Sithechacker schimpft, ihrer schlicht nicht würdig.

"In der Nähe des Verder Tors", hatte die Priesterin und Heilermeisterin ihr die Richtung gewiesen und sie war in der naiven Annahme davongetrottet, der junge Mann hätte eine Unterkunft im Kleinen Eber oder der Schwarzen Gans gefunden, kleinere Schenken und Hinterhoftavernen, die einzelne Kammern und (für die etwas prallere Geldkatze) auch Zimmer vermieten. Erst kurz vor dem Tor hatte sie die Anschrift gelesen und stumm in den Kragen ihres hochgeschlossenen Kleides hineingelächelt. Sowohl Patient, als auch Schüler waren im Pfirsich zu finden. Dem größten und angesehensten Bordell der ganzen Stadt, das sich besonders unter den Blaumänteln großer Beliebtheit erfreute. Zufrieden mit dem Zufall, den die kleine Glücksmaid ihr da in die Hände spielte, war sie weitergestiefelt und hatte kurz darauf das genannte Etablissement betreten. Sehr zu ihrer Enttäuschung ist allerdings kein einziger blauer Mantel weit und breit zu entdecken gewesen, nicht einmal eine blaue Stoffspitze, dafür ein Haufen gelangweilter Weiber, die sich in kleinen Grüppchen plaudernd auf Stühlen und Tischen räkeln und sich beim Quietschen der Türangeln sofort in eine appetitliche Haltung werfen. Als sich Leys nicht sofort eine aussucht, nehmen sie ihr Geschwätz leise wieder auf, doch ihre Augen bleiben an der Rhínemoor kleben.

Leys lauscht mit halbem Ohr, während sie an die Theke tritt und dort von einer Mogbar, der die Brüste fast aus dem Mieder rutschen, grinsend in Empfang genommen wird. "Faêyris zum Gruß", wendet sich Leys mit der Begrüßung, die sie in den Monden seit ihrer Ankunft in Talyra adaptiert hat, an die junge Frau, die daraufhin auf einen Schemel klettert und sich einladend über die Theke lehnt. "Willkommen im Pfirsich, was kann ich für dich tun?" Leys ignoriert die unhöfliche Anrede, streicht ihre feuchten Locken aus ihren Wangen und ihrer Stirn und erwidert förmlich: "Ich suche jemanden."
"Wir suchen alle jemanden, Schätzchen. Die Frage ist nur: nach was lüstet es deinem Kätzchen?"
Leys blinzelt. Nicht etwa, weil die Frage ihr peinlich ist, sondern weil sie von der Dummheit der Frau tatsächlich irritiert ist. Diese fasst ihr Schweigen allerdings als Unwissenheit auf und holt großzügig aus: "Weißt du, unser Angebot ist ziemlich breit gefächert. Wenn ich dir das Richtige verkaufen soll, musst du mir schon beschreiben, wonach genau dir dein sommersprossiges Näschen steht. Männlich? Weiblich? Drall und voll oder schlank und zart? Möchtest du einstecken, oder lieber aust…"

"Nichts von alledem", unterbricht Leys die Mogbar, die sie offenbar mit einem potentiellen Kunden verwechselt und ihr dabei ihre prallen Titten feilbietet, als wären es die saftigsten Fische aus dem Tagesfang: "Ich suche nach einem Zwerg."
Mit einem fast schon bedauernden Zungenschnalzen rückt die Mogbar daraufhin ihre Fische zurecht: "Ach Schätzchen, einen Zwergen hätte ich auch gerne. Aber der Pfirsich hat leider keine im Angebot. Angeblich soll die Orchidee sich einen halten. Du weißt schon, für Frauen, die es etwas… größer mögen." Die Frau zwinkert ihr verschwörerisch zu und Leys fühlt die Farbe ihrer Wangen von dem leuchtenden Rot frisch erblühter Renairisrosen (der Kälte geschuldet) zu dem dunklen Purpur reifer Himbeeren wechseln (dem wachsenden Ärger geschuldet). Offenbar dem Irrglauben verfallen, Leys fühle sich in ihren geheimen Gelüsten ertappt und erröte deshalb vor Scham, wackelt die Mogbar mit ihren Brauen und wispert gerade laut genug, damit nur ihr Gegenüber es hört: "Keine Sorge. Bist nicht die Erste, die danach fragt. Gibt viele Frauen, die Zuhause einen viel zu kleinen Schwanz im Bett haben und sich zwischendurch mal etwas zum Anp..."

"Ich bin nicht an dem Schwanz des Zwergen interessiert", lässt Leys alle Höflichkeit und Förmlichkeit fallen, zu genervt von so viel mutwilligem Missverstehen auf gerade einmal drei Schritt: "Meisterin Ketell, die Heilermeisterin des Faêyristempels, hat mich ausgeschickt in diesem Haus nach einem Patienten zu sehen und mit einem Zwergen namens Iza k'Dar zu sprechen. Mit Verlaub, seht nach ob einer von beiden zugegen ist. Ansonsten verschwendet nicht meine Zeit. Auf mich warten drei Körbe voller frischgekochter Verbände."

This post has been edited 4 times, last edit by "Leys" (Dec 31st 2018, 1:13am)


Briant

Stadtbewohner

Posts: 28

Occupation: Pfirsich

Location: Pfirsich in Talyra

  • Send private message

110

Monday, December 31st 2018, 10:50am

Briant zieht eine Augenbraun nach oben und mustert ihr gegenüber. Höflich ist anders! Doch die Mogbar lässt sich nichts von ihrer leichten Verärgerung anmerken, immerhin muss sie zu geben ist sie ja ein wenig Mitschuld an dem Missverständnis (aber ehrlich, hätte an das nicht mit ein wenig mehr Humor sehen können?). Vielleicht würde der Kleinen ein richtiger Kerl zwischen den Fellen mal nicht schaden, hat erwiesenermaßen eine gewisse entspannende Wirkung! „Verzeih…t das Missverständnis. Sowohl der Zwerg Iza k'Dar als auch euer Patient sind anwesend, um genau zu sein handelt es sich um ein und dieselbe Person. Ihr könnt also eure wertvolle Zeit für eure Verbände durchaus sparen, denn beide Anliegen lassen sich in einem Aufwaschen erledigen. Wenn ihr mir bitte folgen wollt?“ Mit diesen Worten hopst Briant vom Schemel, winkt Ysa, die Theke zu übernehmen und stolziert die Treppen hinauf. Sie führt die Fremde die Treppen hinauf in den ersten Stock und klopft hier an eine der Türen. „Dar? Bist du wach?“ Ein Grunzen ist die Antwort und so öffnet die Mogbar die Tür und steckt den Kopf hinein. Nach wie vor ist es dunkel wie im Hintern eines Höhlenbären und dermaßen stickig, dass es einem fast den Atem verschlägt. „Die Heilerin ist da.“ Ein erneutes Grunzen ist die Antwort und so öffnet Briant die Tür zur Gänze um selbige mit einem süßlich, höflichen Lächeln hinein zu bitten. „Bitte schön. Wenn ihr etwas benötigt, ich bin im Schankraum.“ Mit diesen Worten zieht Briant die Zimmertür hinter sich zu und lässt die Heilerin (eigentlich ist das Mädel ihrer Meinung nach ein wenig jung dafür) mit den Zwerg allein.

Auf dem Gang lehnt die Mogbar den Kopf in den Nacken und atmet tief durch. Der Tag hat ja toll begonnen, vielen Dank auch. Normalerweise ist sie die Ruhe und Freundlichkeit in Person aber die Ereignisse der letzten Tage haben ihr zugesetzt. Und was hat Sigourny heute Morgen gesagt? >Wir machen weiter wie immer, keiner der Kunden darf auch nur im Ansatz mitbekommen, dass wir eventuell Ärger am Hals haben. Die Sache mit den tätowierten Flammenblüten und den Stinkbomben war schon Einbuße genug. Aber das waren dumme Streiche und die sind vom Tisch. Also hopp auf, der Pfirsich ist wieder offen! < Briant hat der Wirtin kein Wort abgenommen: Die dunklen Ringe unter ihren Augen sprechen Bände und sie kann förmlich riechen, dass sie irgendwas verheimlicht. Aber bevor sie irgendetwas sagen kann, ist die junge Frau, bewaffnet mit dem wohl dritten oder vierten Becher Cofea, in ihrem Kontor verschwunden und nachdem Tane wieder einmal irgendwo unterwegs ist, blieb ihr nichts anderes über, als den Tresen zu übernehmen.

Noch einmal wirft sie der verschlossenen Tür, hinter der Dar und die Fremde sich nun befinden, einen Blick zu, ehe sie wieder ihr berühmt freundliches Briant Lächeln aufsetzt (nur ist es diesmal nicht wirklich echt) und in Richtung Schankraum marschiert. Weiter als wäre nichts gewesen … wenn das nur so leicht wäre! Denn ihr Bauchgefühl sagt ihr, dass es noch lang nicht alles gewesen ist.
Lieber eine Hure mit Herz, als eine Edle mit Gift in der Seele

This post has been edited 1 times, last edit by "Briant" (Dec 31st 2018, 1:52pm)


Sigourny

Stadtbewohner

  • "Sigourny" started this thread

Posts: 116

Occupation: Pfirsichwirtin und Teilzeitdiebin

Location: Der Pfirsich

  • Send private message

111

Monday, December 31st 2018, 1:50pm

In den Vormittagsstunden im Kontor des Pfirsichs

Mit einem Seufzer lässt Sigourny die Tür hinter sich ins Schloss fallen. Die Zwillinge haben sich Inventur mässig an diesem Tag die Wäschekammern vorgenommen und bis sie mit der Zählerei und Sortiererei aller Laken, Felle und ähnlichem fertig sind würde es Abend werden. Genug Zeit für sie, das zu tun, wovon keiner wissen muss. Jedenfalls nicht in allen Details. Die Ansprache vor ihren Leuten in der Küche am heutigen Morgen war ihr sehr schwer gefallen, am liebsten würde sie alles verbarrikadieren und allen raten, sich in Sicherheit zu bringen. Doch sie darf und will sich weder ihre Angst anmerken lassen noch aufgeben, nein sie würde kämpfen, bis zum Letzten, um all das hier, Bewohner und Haus, zu verteidigen. Und nachdem Angriff die beste Verteidigung ist, würde sie die alte Gewitterziege da unten heute wissen lassen, dass sie keinesfalls vorhat, wie das Kaninchen im Loch zu hocken, das sich vor der Schlange fürchtet. Nein, alle sollen sehen, dass der Pfirsich nicht untergeht, Ratten, Tattoos und Stinkbomben hin oder her. Daher hatte sie am Vorabend noch jede Kleinigkeit im Schankraum selbst ausgerichtet, ganz so, als wäre die Schließung des Tages geplant gewesen, um die Vorjulzeit entsprechend einweihen zu können. So festlich hat sich der Schankraum noch nie präsentiert. Aber das ist noch nicht alles: Wenn man ihr Geschenke schicken kann, so kann sie das auch. Und so steht ein kleines Kästchen vor ihr, gefüllt mit angeschimmeltem Küchenabfall, einem vergammelten Pfirsich und den Resten einer der Stinkbomben, die sie Perrin wieder ausgraben hat lassen. Der Junge hat sie zwar angesehen als wäre sie durchgedreht, doch sie hat ihm das Versprechen abgenommen, niemandem etwas zu sagen, auch seiner Schwester nicht. Wofür sie das braucht, nun das weiß er nicht, ganz der alten Ganovenregel gemäß: Nie mehr wissen lassen als unbedingt notwendig.

Eben löscht sie die Schrift auf einem Pergament mit Löschsand ab. In ihrer schönsten Handschrift (was eine Arbeit von einer Stunde bedeutet denn die Wirtin hat erst als Erwachsene schreiben gelernt) hat sie einen Brief verfasst, eine Antwort auf die beiden letzten Tage:

Vielen Dank für die Vermittlung neuer Kunden, es wäre nicht notwendig gewesen.
Gleichwohl solltet ihr die Kunstfertigkeiten euer Handlanger überprüfen, denn ein Meister seines Faches scheint Blaunadel nicht zu sein.
Gleichwohl übermittle ich ein Zeichen der Dankbarkeit.

Keine Anrede, keine Unterschrift. Nur eines der leidigen Flugblätter liegt der Rolle bei, zu dem das Pergament nun gerollt und mit einer Kordel verschlossen wurde. Wachsiegel, so etwas besitzt Sigourny nicht, aber es würde auch so ungeöffnet an die Adressatin gelangen. Und die Grappe würde wissen, wo es herkommt, vor allem wenn sie den zweiten Zettel sieht, der mit den „Gaben“ im Kästchen liegt:

Verrotte mit diesem Zeug du alte Kanalratte.
Das ist alles was du je aus dem Pfirsich bekommen wirst und selbst das bist du nicht wert!

Vor dem Fenster erschallen hintereinander drei Pfiffe. Das Zeichen. Sigourny legt sich einen dunklen Mantel um und zieht die Kapuze über den Kopf. Ihr Gesicht liegt so im Schatten verborgen als sie durch die Hintertür auf die dunkle Gasse hinter dem Mietstall tritt. Hier stehen die Häuser so eng, dass selbst zur Mittagsstunde kein Sonnenstrahl die Schatten bricht. Tane wartet hier auf sie, einen schmächtigen Kerl mit fauligen, schiefen Zähnen am Kragen festhaltend, der schlottert wie Espenlaub. >Hat ein wenig gedauert Sonnenschein, die Boten haben sich verdammt tief in ihrem Löchern verkrochen. Aber ich bin gut im Graben! < Ein bösartiges Grinsen schleicht sich in sein Gesicht und der Kerl an seiner Hand schlottert gleich noch mehr. Sigourny spielt gedankenverloren mit dem Messer, das sie blitzschnell aus dem verborgenen Schlitz in ihrem Rock gezogen hat. Dieses Messer, es ist ihr ständiger Begleiter, immer in einem schwarzen Holster an ihrem Oberschenkel. Ein sardonisches Lächeln spielt um ihre Lippen und verleiht ihr eine grausame Schönheit. „Soso du hast also für gewisse Damen Zetteln verteilt. Lüg mich nicht an, du stinkst nach Orchideen.“ Der Kerl wird noch weißer und starrt mit großen Augen auf das Messer in ihrer Hand. Die Schneide blitzt gefährlich nahe vor seinem Gesicht auf. Er bringt keinen Ton heraus und vor Angst bildet sich zwischen seinen Beinen ein nasser Fleck. Wie Tane vermutet hat ist er nur ein kleines Würstchen, ein Handlanger der Handlanger und ganz tief im Inneren tut er Sigourny fast leid … aber nur fast. „Hör mir genau zu: ich will mir an dir eigentlich die Hände nicht schmutzig machen aber ich werde es tun wenn du nicht genau tust, was ich dir sage: Bring das hier …“ mit diesem Worten drückt sie ihm das Kästchen und die Pergamentrolle, beides in ein Leinentuch gewickelt, in die zitternden Hände „… zur Orchidee und übergib es der Grappe und zwar nur ihr und nur persönlich. Sag ihr die Königin der Nacht schickt es, sie weiß wer ich bin. Und wenn du mich verscheißt, finden wir dich und dann ….“ Sie lässt es ungesagt, schneidet ihm aber mit einer raschen Bewegung eine Strähne seines schmierig gelblichen Haares ab. Der Kerl nickt, wimmert und der Fleck auf seinen Beinlingen wird nochmal größer. „Lauf! Und bete dass wir uns nie wieder sehen!“

Tane gibt den Mann frei und dieser rennt, rennt wie ein Hase auf der Flucht vor den Hunden. Als er um die Ecke ist, verlässt die Spannung Sigourny und sie lehnt sich an die Mauer. >Also Sonnenschein wenn ich es nicht besser wüsste, jetzt hätte ich Angst vor dir! < Tane stößt einen anerkennenden Pfiff aus. Die Wirtin grinst leicht. „Los, schau dass er keinen Unsinn macht, denke zwar es sollte reichen aber wer weiß. Und dann lass uns beten, dass die alte Kanalratte sich dadurch deutlich machen lässt, dass ich kein kleines Mädchen bin!“ Nicht mehr …
Avatar (c) by Azra 8)

This post has been edited 1 times, last edit by "Sigourny" (Dec 31st 2018, 4:07pm)


112

Monday, December 31st 2018, 3:18pm

*In einem der Gästezimmer des Pfirsichs*

„Dar? Bist du wach?“ Noch immer mit leicht angeschlagenen Stimmbändern kommt dem Fro‘gar weiter nichts, denn ein knappes Knurren – welches wohl nur ob seines beharrlichen Zweifels, dass seiner Gesundung alleinig durch klassische Mogbarfürsorge auch beizukommen gewesen wäre, als Grunzen missgedeutet werden mochte – über die Lippen. „Die Heilerin ist da.“ Wieder ein Knurren, einzig jedoch in diesem sich nunmehr ein vernehmlicher Unmut kund tut. Die angekündigte – so unnötige –Heilerin! Es ist das Recht der Hausherrin wohl, an seinem Urteil zu zweifeln. Aber gerade ob des Umstandes, dass erst jetzt eine Heilerin Zeit für diesen Besuch findet, zeigte doch, dass er nur ihre Zeit vergeudete, die andernorten von ihr nutzbringender wohl hätte verbracht werden können. Dennoch steht die junge Frau reichlich unschlüssig auf dem Flecken, statt endlich hinne zu machen. Und erst nach einigen weiteren Augenblicken dämmert ihm an ihrem umhersuchenden Blick, dass es für sie reichlich dunkel doch noch sein dürfte. »Moment!« grunzt, nein – Pardon! – knurrt Dar, um wenig später mit Feuerstein und Stahl einen Funken auf den Docht einer neben dem Bett auf einem niedrigen kleinen Schemel stehenden Öllampe zu schlagen. Fest eingewickelt in Decken, aber der Rücken aufrecht gegen das Kopfstück desselben gelehnt blickt Dar der Heilerin entgegen, die für seinen Geschmack reichlich jung ausschaut und in die jetzt auch, mit dem langsam aufflammenden Lichtschein im Inneren dieses Gastzimmers endlich Bewegung kommt. Das erste was ihm an ihr auffällt, sind die zwei verschiedenfarbenen Augen. Das erste was ihr an ihm auffallen mag, sind wiederum zwei leicht schimmernde rote Kreise in der zurückweichenden Dunkelheit, welche sich in seinem sich langsam aus der zurückweichenden Finsternis herausschälenden Gesicht schließlich als ihr entgegenbliclkende Augen entpuppt.

»Ich sagte schon allen«, knurrt Dar verstimmt, »das es nur eine lausige Oberwelterkältung ist. Wollen's aber wohl von euch nochmal hören.« Dars Stimme kratzt immer noch, selbst für seine Verhältnisse, stark, aber immerhin hat er nun wieder eine. Auch wird die Heilerin noch letzte Reste seiner „Medizin“ auf einem nahen Hocker vorfinden und überprüfen können, so sie denn mag. Doch soweit es ihn betrifft, ist er über den Berg und sollte in zwei oder drei Tagen soweit sein, Ketell wegen seiner Anfrage um eine Möglichkeit der Fortsetzung seiner Ausbildung nochmals zu kontaktieren. »Der Hals ist noch entzündet. Fieber sinkt. Glieder schmerzen. Gleichgewicht im Ar- – Pardon! – im Argen. Eine Erkältung halt.« Die drei Gläser nebst Mörser und Seife, bis auf die Seife alle fast aufgebraucht, auf den Boden stellend, wie dabei fast aus dem Bett fallend, bietet Dar der Heilerin nun auch endlich einen Sitzplatz an, gähnt herzerweichend und lehnt sich dann, einen der heißen,in Tuch gewickelten, Ziegelsteine vom Fußende des Bettes ergreifend, zurück, diesen dabei gegen seine Kehle pressend, als hätten alleine schon diese wenigen Worte, den Schmerz in seinem Halse neu entfacht. Die Augen, ab des rötlichen Schimmerns, auch noch einen leicht fiebrigen Glanz aufweisend, blicken indes unter schweißfeuchten kurzen Haaren wach und aufmerksam auf sein junges Gegenüber. Wirklich jung! Aber nicht zum ersten Mal gewinnt er den Eindruck, dass die Ausbildung zum Heiler unter den kurzlebigeren Völkern der Oberwelt weit salopper und rascher abgeschlossen wird. Doch haben seine bisherigen Begegnungen mit den Heilern der Oberwelt ihn auch gelehrt, deren Können auf keinen Fall zu unterschätzen. Also legt Dar, den umwickelten heißen Ziegelstein unter seinem ungeflochtenen Bart mit dem Kinn festhaltend, die Hände auf der Brust zusammen und wartet geduldig die Untersuchung und – wie er annimmt – Bestätigung seiner Diagnose durch die Heilerin ihm gegenüber ab.
“Siehst du einen Riesen, so prüfe den Stand der Sonne und gib acht, ob es nicht der Schatten eines Zwerges ist.”

This post has been edited 6 times, last edit by "Dar" (Dec 31st 2018, 4:10pm)


Sigourny

Stadtbewohner

  • "Sigourny" started this thread

Posts: 116

Occupation: Pfirsichwirtin und Teilzeitdiebin

Location: Der Pfirsich

  • Send private message

113

Saturday, January 5th 2019, 2:22pm

Abend 23 .bis zum Morgen 24.Nebelmond 518

Entgegen aller Befürchtungen verlaufen die folgenden Tage ruhig. Fast erscheint es, als wäre alles nur ein böser Traum gewesen. Einzig das neue Fenster zeugt von jenen seltsamen und doch erschreckenden Ereignissen im vergangenen Siebentag. Was aber ebenfalls geblieben ist, und das ist alles andere als negativ, sind die abendlichen Besuche Shalhors. Jeden Tag, rund um die Stunde des Jägers, taucht der Elb im Pfirsich auf, setzt sich an den Tresen und trink mit Sigourny aber auch mit Tane das eine oder andere Glas Wein. Gesprächsthemen sind eigentlich nur Belanglosigkeiten und die Ereignisse des Tages aber genau diese Normalität gibt der jungen Wirtin die Sicherheit, die sie braucht. Auch Tane überwindet langsam sein Misstrauen gegenüber dem Elben. Er kann sich zwar noch immer nicht wirklich erklären, was da zwischen dem Reeder und seiner angenommenen kleinen Schwester ist (und irgendwas muss da sein da würde er seine Nase drauf verwetten) aber das Spitzohr tut ihr gut und nur das zählt für ihn. Trotzdem behält er ihn im Auge, sicher ist sicher. Was ihm aber auch auffällt: Sigourny verfällt nicht in ihr übliches Muster, sich in Zeiten der Anspannung einen Liebhaber nach dem anderen zu suchen, im Gegenteil, kein einziger Mann findet in diesen Tagen den Weg in ihre Kammer.

Am Abend des dreiundzwanzigsten Nebelmondes ist im Pfirsich voller Betrieb. Einige Blaumäntel, die meisten Angehörige des Wächtertrupps, feiern den Namenstag eines ihrer Kameraden und dementsprechend ausgelassen ist die Stimmung. Daneben sind noch einige weitere Gäste im Haus, gut verteilt auf Schankraum und Zimmer. Die Mädchen rennen (wenn sie nicht gerade anderweitig beschäftigt sind), Annest und Maddie rühren in den diversen Töpfen und im Mietstall sind fast alle Boxen belegt, sodass auch Perrin nicht langweilig wird. Aber dennoch herrscht eine friedliche Stimmung, keiner scheint auf Ärger aus zu sein. Gladez hat eben auf einem der Tischen ihren berühmten Schleiertanz beendet und sitzt nun, schwer atmend, auf dem Schoß des Jubilars, der den Ausblick sichtlich genießt und die Hände an den dafür am besten geeigneten Stellen hat. >Briant, sing für uns! < ruft eben ein anderer der Gardisten herüber. Die Mogbar spielt noch ein wenig die Schüchterne doch nun fallen auch andere Stimmen in die Bitte ein und nur wenige Augenblicke später gibt sie eine zottige Weise zum Besten, begleitet vom Grölen der Gäste:

Der Bauer aus dem Lariswald
Der hat ne schöne Frau
Daß seine Dienstmagd schöner war
daß wußt er ganz genau

Schiebe nach, schiebe nach, schiebe langsam nach
Schiebe langsam aber gut

Und als die Bäuerin zum Julmarkt ging
Da war der Bauer froh
Er nahm sich die saubere Dienstmagd
Und ging mit ihr ins Stroh

Schiebe nach, schiebe nach, schiebe langsam nach
Schiebe langsam aber gut

Und als die Bäuerin vom Julmarkt kam
Und ging die Treppe hinauf
Da sah sie die saubere Dienstmagd
Den Bauern oben drauf

Schiebe nach, schiebe nach, schiebe langsam nach
Schiebe langsam aber gut

Die Bäuerin zum Bauern sprach
"Mir ist es eben recht
Wenn Du die Magd geliebet hast
So liebet mich der Knecht"

Schiebe nach, schiebe nach, schiebe langsam nach
Schiebe langsam aber gut

Schiebe nach, schiebe nach, schiebe langsam nach
Schiebe langsam aber gut *

Den Text kennen sie alle und so wird beim Refrain mitgesungen was das Zeug hält. Die letzte Strophe ist eben zu Ende, als Shalhor den Pfirsich betritt. „Slàn leat!“ begrüßt Sigourny ihn mit einem Lächeln. „Heute geht es hier ziemlich rund, die Burschen feiern.“ Sie prostet den Blaumänteln zu, die eben bei Ysa eine neue Runde ordern. „Wenn sie so weiter machen, kann Annest morgen eine Großrunde Katerfrühstück zubereiten. Wie geht es dir?“ Die Wirtin angelt eine Flasche Rotwein hervor und schenkt ihnen beiden jeweils ein Glas ein doch zum Reden sollen sie an diesem Abend nur wenig kommen. Es ist noch nicht annähernd geleert, als das Ale- und auch das Bierfass leer werden und getauscht werden müssen. Ronan und Guivan sind heute nicht nur Türsteher sondern auch Bierfassschlepper und um ihnen nicht im Weg zu stehen kommt Sigourny hinter dem Tresen hervor. „Ich kann wahrscheinlich diesen Monat gleich nochmal beim Brauer nachbestellen. Entschuldige, gemütlich ist wirklich ander … passt doch auf, Mann.“ Eben ist ein doch ziemlich angetrunkener Mogbar in sie hinein gerannt und der Inhalt ihres Weinglases ergießt sich in den Ausschnitt ihrer Bluse. „Na toll, Rotwein geht so was von schlecht raus, Annest wird sich freuen.“ Tane wirft ihr ein Tuch zu, die gröbste Bescherung lässt sich damit ja abtupfen aber auf der hellblauen Bluse prangt nun ein sehr verräterischer roter Fleck. Der Verursacher des Malheurs wird knallrot und taumelt, Entschuldigungen nuschelt gegen den Tresen, hält sich an selbigen fest und versucht, die Gelegenheit nutzend, gleich sich einen weiteren Krug zu angeln. Allerdings sieht er anscheinend schon doppelt den sein Griff geht ins Leere, beim zurückzeihen der Hand fällt allerdings auch der Alekrug beinahe der alkoholbedingten Tollpatschigkeit zum Opfer. >Du hast genug für heute! Komm, ab nach Hause! < den schwachen Protest ignorierend schnappt Ronan den Trunkenbold am Kragen und bugsiert ihn sanft aber bestimmt zur Tür. >Woll noch kuscheln und bisi …< nuschelt der selbige und wirft einem der Mädchen einen sehr schiefen Kussmund zu. „Heute nicht, da spielt sich heute nichts mehr ab, glaub mir. Dein kleiner Freund macht bereits das, was du am besten auch machst: Rausch ausschlafen!“ Mit mildem Lächeln beendet Sigourny die Diskussion, tätschelt dem Mogbar die Wange, haucht einen kleinen Kuss auf ihre Finger und berührt mit diesen dessen Stirn. „Schlaf gut!“ Das reicht aber um ein verzücktes, reichlich dämliches Grinsen in das Gesicht des Gastes zu zaubern und widerstandslos lässt er sich von Ronan hinausgeleiten. Mit einem schelmischen Lachen dreht sich die junge Frau zu Shalhor um. „Irgendwie scheinen wir beide die Tendenz zu haben, unsere Getränke am Gewand zu verteilen statt sie zu trinken. Oder verteilt zu bekommen.“ Auch in Shalhors Gesicht schleicht sich ob der Erinnerung an jenen denkwürdigen Abend vor rund einem Siebentag ein leises Lächeln. So schlimm diese Nacht auch gewesen war, war sie doch Beginn einer besonderen Freundschaft gewesen. Wortlos stoßen sie an, sie wissen beide, was gemeint ist. „Ich muss mich schnell umziehen gehen, wenn du kurz warten willst …?“ Bedauernd schüttelt der Elb den Kopf. > Heute nicht, Sigourny. Ich muss mich noch um einige geschäftliche Angelegenheiten kümmern. Morgen ist Corvalants Hochtag, da werde ich ab dem Nachmittag in der Gildenhalle sein und mit meinen Leuten feiern. Wenn irgendetwas ist, schick Tane oder eines der Kinder vorbei. Abends … ich denke den wirst du diesmal auf mich verzichten müssen. < „Mach dir um uns … um mich ... keine Gedanken. Ich komm schon zurecht. Feier du nur mit deinen Leuten … und tu nichts, was ich nicht auch tun würde. Viel Spaß!“ Mit einem schelmischen Lachen haucht sie ihm einen schnellen Kus auf die Wange, ehe sie flink die Stufen hochflitzt, sich auf der Hälfte umdreht, und ihm noch einmal zuwinkt.

Als sie, in einer neuen Bluse und mit sauberem Dekolleté wieder in den Schankraum zurückkehrt ist der Reeder gegangen. Der Rest der Nacht vergeht in feucht fröhlicher Ausgelassenheit und Sigourny kommt, ebenso wie Tane, nicht umhin mit den feiernden Blaumäntel das eine oder andere Glas zu trinken. Im Gegensatz zu dem jungen Mann (der schon recht fest zulangt) lässt sie es aber bei leichtem Wein und gerade Mal einem Krug Bier bewenden. Sie will ihren Verstand beisammen behalten, sicher ist sicher. Die Stunde des Diebes ist schon vorbei, als der letzte Gast gegangen oder in einem der Gastzimmer verschwunden ist, die Türen verriegelt und die Bewohner des Pfirsichs ebenfalls in ihren Betten sind.

Die Nachtruhe wärt allerdings nicht lange. Die Stunde des Hahnes ist eben angebrochen als Sigourny auch schon wieder erwacht … und es gerade noch schafft, nach dem Nachttopf zu angeln. Dann erbricht sie sich bereits unter heftigen Magenkrämpfen. Mit einem Stöhnen sinkt sie wieder in ihre Kissen, wird aber sofort wieder von schneidenden Schmerzen gequält. Was bei allen Göttern und Archonen? Mit zusammengebissenen Zähnen stemmt sie sich hoch und auf die Beine doch ihre Kammer beginnt sich vollkommen unvorbereitet zu drehen. Sigourny plumpst zurück auf ihr Lager, nur um erneut dem Nachttopf zu huldigen. Verdammt und verflucht! Schließlich scheint sich ihr Magen – zumindest für den Moment zu beruhigen – und unsicher tapst die junge Frau Richtung Tür. Um den Schüttelfrost, der die Krämpfe begleitet, einzudämmen, wickelt sie sich in ein Schultertuch. Annest muss irgendein Hausmittel haben. Oder noch besser: Dar, er wird schon irgendwas wissen. Wofür hab ich mir einen angehenden Heiler ins Haus geholt? Weit kommt sie aber nicht, denn aus Tanes Kammer dringt ein Würgen und Stöhnen an ihr Ohr. Als sie die Tür öffnet, sieht sie ihn, schwitzend und bleich im Bett liegen und der unverkennbare Geruch von Erbrochenem liegt im Raum. „Tane?“ >Mir ist schlecht, verdammt Sonnenschein, wie viel hab ich gestern getrunken? < Diese Frage kann sie ihm nicht beantworten. „Ich hol Dar, wofür haben wir uns einen Pfuscher ins Haus geholt!“ >Lass nur, Annests Tee sollte …uahh! < Sein Protest versandet in einer neuerlichen Würgattacke. >Ihr Götter! < Tane lässt sich zurückfallen und bedeckt die Augen mit seinem Unterarm. >Bei allen neun Höllen verdammt! < Sigourny ist sich ob seinem Zustand nicht sicher, dass Tee da reichen würde. Mit zusammengebissenen Zähnen ob der erneut auftretenden Krämpfe tapst sie unsicher in den ersten Stock, immer wieder muss sie stehen bleiben da sich das Haus gefährlich zu drehen scheint. Vor der Tür des Zwerges ist sie in Schweiß gebadet. „Dar?“ Inari, bitte lass ihn wach sein! „Dar, ich glaube wir brauchen unseren Heilpfuscher!“

*frei nach „Der Bauer aus dem Odenwald“ (Die Streuner, Text adaptiert by Sigourny)
Avatar (c) by Azra 8)

This post has been edited 1 times, last edit by "Sigourny" (Jan 5th 2019, 5:01pm)


114

Saturday, January 5th 2019, 7:01pm

Es ist noch ausgesprochen früh am Morgen, doch mit allem, was Dar inzwischen an täglichen Aufgaben auf sich genommen hat, ist Schlaf, etwas, das sich ihm in den vergangenen Tagen immer spärlicher nur zu nehmen erlaubt ward. So hockt er nun also auch an diesem Morgen, noch weit vor dem ersten Hahnenschrei, beim Scheine einer schwachen Funzel,über diverser mit engen Runen beschriebenen und mit der einen oder anderen ungeschickten anatomischen Zeichnung zu den verschiedenen Völkern der Oberwelt bestückten Schiefertafeln. Tatsächlich ist Dar in der Anatomie weit zurück. Sogar die weibliche Anatomie und das genaue Prozedere der Fortpflanzung der nichtzwergischen Völker hatte er sich unlängst, unter kaum verhohlenem Gekicher umstehender Jüngerer, ausführlich erklären lassen müssen. Doch kann er dafür in anderen Bereichen punkten, in denen sein Wissen demjenigen selbst voll ausgebildeter Heiler gleich kommt. Doch der – wiederum von allerheftigstem Gekicher vorgetragene – Rat einer jungen angehenden Heilerin, seine Bleibe sich diesbezüglich doch mal zum Vorteil gereichen zu lassen, er hatte durchaus etwas für sich. Die, von seiner, ihr irgendwie reichlich langweilig scheinenden Fragen, genervt wirkende Fee Lux Flammenblüte dann doch noch erteilten Antworten, hatten ihm recht viel über ihre eigene Art, wie aber auch ihre bisherigen Kunden aus den unterschiedlichsten Völkern verraten können, ebenso auch die Ausführungen der anderen Pfirsiche des Hauses und Debesto erst, der – vermutlich aus reiner Solidarität mit Lux – beschlossen hatte, Dar nicht minder langweilig zu finden, hatte gleichfalls eher unwillig aus erster Hand von Koboldgebrechen und Anatomie berichtet, sodass Dar nun alles in allem sage und schreibe sieben eng beschriebene Schiefertafeln noch auswerten muss um sich pünktlich für die nach der Stunde der Andacht angedachte weitere Unterweisung in die Heilkunst gewappnet zu zeigen. Ein herzhaftes Gähnen indes veranlasst den Fro'gar Griffel und Tafel beiseite zu legen, das Innenfenster weit und die beiden Außenläden einen Spalt breit zu öffnen. Zusätzlich zur kalten Winterluft gönnt Dar sich eine frische Morgenwäsche mit dem kalten Wasser aus einem Holzeimer. Schließlich, bibbernd aber nun endgültig wach, faltet er das Handtuch zusammen, legt die Seife beiseite und wechselt den Morgenrock gegen die noch kalt auf der Haut liegende Kleidung für den Tag. Schnell noch mit dem Kamm durch den Bart gefahren, und auch das Haupthaar dabei nicht vergessend, schiebt Dar sich schließlich eine kleine langstielige Bürste mit einer Paste aus feiner Lößerde, Salz und Wasser in den Mund, die Zähne sich damit zu putzen, als er von dem Stockwerk über sich verhaltene Geräusche hört, die irgendwie anders als sonst klingen – ganz abgesehen davon, das außer vielleicht Annest niemand sonst im Pfirsich um diese Zeit schon freiwillig auf den Beinen ist. Die Bürste noch im Mund, greift Dar nach den Stiefeln, diese sich überzuziehen. Bevor er aufbricht will er den nicht leiser werdenden Lauten, die auch aus den anderen Etagen – nun da er sich bewusst darauf konzentriert – ihm an die Ohren dringen, noch nachgehen. Dar spuckt die Zahnpaste gerade in den Wascheimer und spült mit einem Schluck aus dem Trinkbecher nach, die Zahnpflege hat heute erst einmal zu warten, als die Stimme der Hausherrin vor seinem Gastzimmer erklingt. Doch mehr noch als die Worte, erschrickt ihn deren Klang.

»Was zum…?« gerade noch rechtzeitig weicht Dar zur Seite, als Sigourny sich krampfhaft vorbeugt, den Mund noch zu schließen versucht, sich darob aber nur durch die Nasenöffnungen und ob des Schreckens darauf dann doch noch aus dem Mund heraus erbricht .Nicht weiter nachdenkend, greift Dar nach Sigourny, sie sich auf beide Arme zu heben. »ANNEST, MADDI, DEBESTO, HIERHER – SOFORT!«, dröhnt Dars Stimme lauter denn je hier vernommen durch den Pfirsich. Das Sigournys Hand ob seines Vorgehens fahrig zu ihrem Oberschenkel fährt, an dem des Tags stets verborgen eine bestückte Dolchscheide für ihre Sicherheit sorgt, bemerkt er gar nicht, als er mit ihr in den Flur und eine Türe nach rechts eilt um mit dem Hinterkopf die Klinke eines der leeren Gastzimmer zu öffnen. Nur einen Augenblick später federt Sigourny auch schon auf dem unbezogenen Bett, bemerkt wie Dar ihr ein zweites Kopfkissen unter die Beine legt und, eine schwielige Hand auf ihrer Stirn, ihre Augenlider prüfend zurück zieht, dann an ihrem Hals den Pulsschlag ihres Herzen zu prüfen scheint, nur um nach einem zweiten Blick unter das Bett zu tauchen und gerade noch rechtzeitig einen staubige aber immerhin und anders als in seiner Kammer, noch leeren Nachttopf ihr entgegenzuhalten. Den nun nicht mehr ganz so leeren Nachttopf wieder abstellend, will Dar sich gerade zum Flur hin umwenden, als Maddi sich schließlich reichlich atemlos im Türrahmen lehnend doch noch einfindet. „Entschuldige Dar, Annest geht es nicht gut und ich musste… oh ihr Götter!, was?“ »Keine Zeit Kind! Hol Wasser und« „Tane…“ erklingt es erstickt von hinter ihm, ehe eine Folge unappetitlich plätschernder Laut davon zeugte, das der Nachttopf neues Futter erhält. »…und scheuche unterwegs auf, wen du kannst! Bringt, wer noch krank ist in dieses Stockwerk.« „Tane…“ kommt es da wieder erstickt von hinter ihm. »Die erste, die du triffst, schicke, nach Tane zu sehen. Und sobald du in der Küche bist, koche mindestens einen Sterfuß an schwarzem Tee auf… oder besser noch Anirian-, Lindenblüten oder auch Hagebuttentee, falls du hast und mache heiße Steine oder Wärmflaschen oder was ihr hier noch habt bereit.« „Dar, verdammt, was ist hier…“ Aniandra gar nicht erst zuende reden lassend, fährt Dar dem Edelpfirsich ungalant ins Wort. »Sieh nach Tane! Wenn er krank ist, bring ihn hier herunter. Und bring auch alle anderen Erkrankten in den ersten Stock Ich will alle an einem Ort zusammen haben.« Denn auch aus den Nachbarräumen erklingen nun mehr und mehr, teils verhalten, teils erschreckend deutlich Laute, durch die zwischenzeitlich von den Pfirsichen, aus Neugierde oder aber auch der Not heraus geöffneten Türen. »DEBESTOOOOOOOO!«, brüllt Dar erneut, als eine tränenüberstürzte Fee auftaucht und Dar wegzuzerren versucht, da Debesto in seinem Kobel gerade sterbe.

Die Stunde der Andacht ist bereits hereingebrochen, ehe Dar erstmals wieder zu Atem kommt. Alle sind versorgt, wobei es Tane – den es, wie auch Debesto auch, besonders schlimm erwischt zu haben scheint und Annest, die den Fehler begangen hatte Milch zur Linderung ihrer Beschwerden zu trinken, was es jedoch nur mehr verschlimmerte. Eine Lebensmittelvergiftung vermutend, hatte Dar allen Betroffenen erst einmal Unmengen an Baldriantee, dessen Beschaffung Briant ob seiner Überlegung zu den Katzen um die schwarze Orchidee in weiser Voraussicht schon veranlasst hatte, warme Wickel und Amitabas berühmt berüchtigte Massagen verordnet, die unter seiner Anleitung indes eher krampflösende, denn ihre gewohnte Wirkung hier entfalteten. Doch auch Sigournys Schüttelfrost, den sie mit einem Viertel der anderen Betroffenen – und das offenbar ganz unabhängig vom Schweregrad der weiteren Symptome – teilt, gibt ihm zum denken. »Was raus will, soll auch raus!« hatte er recht unempathisch die Betroffen vertröstet und nur für Tane und Annest eines der Schankkinder, die glücklicherweise größtenteils unbetroffen schienen, nach Schwarzholunderrindensud schicken wollen, worauf Annest ihn nur böse anschaut und sich mit einem „Das kannst du auch leichter haben, Junge!“ den Finger in den Hals steckt, bis da schlicht nichts mehr zum Erbrechen ist. Alle gen Norden weisende Gästezimmer sind nun mit den Kranken und genügend Nachttöpfen für deren Belange bestückt, wobei Letztere nichtsdestotrotz beinahe durchgehend von recht undankbaren Helfern geleert, gespült und wieder heraufgebracht werden müssen, derweil Dar zwischen allen Erkrankten hin und her hastet, bis er sich sicher ist, das niemandem ernstlicher oder dauerhafter Schaden droht. Dann, wie gesagt schon mitten in der Stunde der Andacht angelangt, findet er das erste Mal die Muße mit Sigournys einige Worte zu wechseln. »Ich habe nach einem ausgebildeten Heiler zum Haus der Heilung schicken lassen. Es sieht wie nach verdorbenem Essen aus. Aber der Schüttelfrost von dir und einigen Anderen… Ich bin kein Heiler und ein solcher sollte, nein muss sich das auch noch Anschauen. Auch habe ich einige der Schankkinder zu den Kunden nach hause geschickt, von denen wir wissen, das sie gestern hier waren, diskret nachzusehen, das es ihnen gut geht oder sonst auch ihnen Hilfe holen. Und jetzt wüsste ich gerne was jede und jeder hier gestern gegessen oder auch nicht gegessen hat. Ach und ich muss meine Verabredung für heute wohl absagen. Das hier ist eindeutig wichtiger.« Mit diesen letzten Worten, lässt er sich an dem Tisch in Sigournys momentanem Krankenzimmer nieder und verfasst auf billigem Papyrus zwei Nachrichten, derweil er parallel dazu sich von Sigourny und den nicht erkrankten Pfirsichen hier im Raum bis ins Kleinste berichten lässt, was sie und was sie nicht gegessen und getrunken hatten, selbiges auf einer Schieferplatte mit dem Griffel in der Handelssprache festzuhalten. Als er mit den Kranken in diesem Raum fertig ist, bittet er auf dem Weg ins nächste Gäästezimmer indes eines der Schankkinder nochmals zwei Nchrichten zu überbringen. »Die sind aber nicht für Sigourny und den Pfirsich, zumindest nicht direkt.« befleißigt er sich vor der Übergabe indes zu sagen, da alleine die Zusicherung, es sei für die Hausherrin und das Haus daselbst von überbordender Wichtigkeit diese Gänge zu machen, die Kinder zuvor veranlasst hatte, seinen Worten Folge leistend, möglichst unauffällig nach den gestrigen Kunden des Pfirsichs schauen zu gehen. Und Dar will diese Gefälligkeit der Kinder keinesfalls für teils eher private Botengänge nun ausnutzen. »Eines« flüstert Dar leise, »…muss zum Tempel der Mondgöttin. Gib es einfach irgendwem dort.« Dieses war nur eine Erklärung das und warum er heute dem Unterricht wohl fernbleiben wird und ist in der Anrede an Ketell gerichtet. Das zweite Schreiben indes, wie das Erste nur zweifach gefaltet und ohne Sigel oder derlei Firlefanz, hat außen folgende Worte, in hastiger Schrift zu Papyros gebracht, stehen: “Nur von Shalhorpersönlich zu öffnen. – Iza k'Dar” »Das ist für den Reeder Shalhor, der in den letzten Tagen immer wieder hier war. Sag, dass diese Worte von mir und nur für seine Augen persönlich bestimmt sind.«

Trotz der doch noch eigentich so frühen Stunde schleppt sich Dar, reichlich erschöpft zum nächsten Krankenzimmer. Tane und Annest hatte er wegen deren schlimmeren Beschwerden zusätzlich noch Kohle zu essen gegeben und war sich hier aber nicht wirklich sicher, das dieses nicht – ähnlich wie Annest Milchkur – eventuell doch mehr schadete, denn nutze, weswegen er bis zum Eintreffen einer echten Heilerin, diese Beiden noch genauer als alle Anderen im Auge behalten muss. Einem der mit angeekeltem Gesichtsausdruck und einem vollem Nachttopf aus dem Raum eilenden Schankkind ausweichend, betritt Dar den Raum, legt die Schiefertafel samt Griffel auf den Tisch, schaut nach Tane, Debesto und Annest und kommt dann aber auch schon ohne weitere Umschweife, wie den Griffel packend, auf den Punkt: »Also, was hat jede und jeder von euch gestern alles gegessen und getrunken und wann genau gab es zuletzt Pilze in der Küche und … oh verdammt … was ist mit dem Mörser passiert, in dem ich mir vor Tagen meine Medizin bereitet habe? Ist der, wie ich bat, gereinigt worden?« Oh silverdammt, lass es nicht mein Arsenik gewesen sein, das das hier alles bewirkt hat. Plötzlich etwas grauer um die Nase herum, versucht sich Dar die Vergiftungserscheeinungen der Oberflächler bei Arsenikgenuss zu vergegenwärtigen, derweil er Annests Entrüstung, dass ihr noch nie jemand vorgeworfen hätte giftige Pilze nicht erkennen zu können, überhörend, niederschreibt was in dieser Kammer denn nun eine Jede und ein Jeder alles gegessen und getrunken hatte.
“Siehst du einen Riesen, so prüfe den Stand der Sonne und gib acht, ob es nicht der Schatten eines Zwerges ist.”

This post has been edited 3 times, last edit by "Dar" (Jan 5th 2019, 7:59pm) with the following reason: Stilistisches und anderes, für das mich meine Deutschlehrer wohl liebend gerne erschlügen, käme es ihnen wo zu Gesicht. (._.)'


Briant

Stadtbewohner

Posts: 28

Occupation: Pfirsich

Location: Pfirsich in Talyra

  • Send private message

115

Saturday, January 5th 2019, 8:44pm

Briant geht es, im Gegensatz zu einem großen Teil der Bewohner und Gäste des Pfirsichs, gut. So rennt sie wie ein Hase um Dar und vor allem auch Maddie zu unterstützen. Die Kleine ist zwar ob des Schreckens der ausgebrochenen Krankheit weiß um die sommersprossige Nase, tut aber ihr Bestes. Allerdings eilt sie immer wieder auch in den ersten Sock, denn auch ihr Bruder Perrin ist unter den Erkrankten. Zwar geht es ihm nicht gar so schlimm wie den anderen aber es reicht, um sich ordentlich zu übergeben. Ihr Vater Ronan hingegen ist gesund geblieben und ein Fels in der Brandung, anders als sein Helfer Gurvan, der ebenfalls dem Nachttopf huldigt.

Die Mogbar ist den Göttern sei Dank nicht zimperlich und auch nicht unerfahren, wenn es um die Versorgung von Kranken geht. In einer solch großen Familie wie der ihren ist alle Naselang ein Kind am Spucken, Rotzen, Husten oder sonst was. Und wenn es nicht die Kleinen sind, dann sind es die Großen, sei jetzt eine durchzechte Nacht oder ein Ungeborenes in einem Frauenbauch daran schuld. Allerdings, das plötzliche Auftreten und die Heftigkeit der Beschwerden gibt ihr zu denken. Lebensmittelvergiftung hat Dar gesagt … das kann ich mir bei Annest nicht vorstellen. Sicher, sie ist alt aber in der Küche immer noch eine Göttin und sicher hat sie noch all ihre Sinne beisammen. Aber was soll es sonst sein? Aber weiteren Überlegungen gibt die Mogbar sich dann nicht hin, dafür ist später noch Zeit und Dar hat ohnedies schon begonnen, sämtliche Bewohner und Gäste zu befragen. Briant scheucht also die ebenfalls gesund gebliebene Ysa in die Küche, um sich um Tee Nachschub zu kümmern, hängt eines der ‚Heute geschlossen‘-Schilder an die Tür (Schon wieder) und will eben zurück in die Küche, um einen Nachschub an heißen Steinen zu besorgen, als es hinter dem Tresen verdächtig scheppert. Was zum Dunklen? Aus einem Reflex heraus bewaffnet sie sich mit einer leeren Flasche, die noch herumsteht und schleicht sich hinter die Ausschank. Dank ihrer Größe muss sie sich nicht mal viel bücken. Aber der Eindringling ist schlicht weg eine der Stallkatzen, die wohl, als die Schankkinder mit Dars Aufträgen davon gesaust sind, die Gunst der Stunde genutzt hat und in die Gaststube gehuscht ist. Und dieses freche Vieh hat nichts besseres zu tun, als an der Alelacke zu schlecken, die sich ob eines schlampig verschlossenen Fasses am Boden gebildet hat. „Ay was wird das denn wenns fertig ist? Bist du noch ganz bei Trost? Raus hier, eine besoffene Katze, das fehlt …“ Weiter kommt Briant nicht mit ihrer Standpauke denn das Tier beginnt mit einem Mal zu würgen und erbricht sich auf den Boden. Auch das noch … wobei … die Stallkatzen sind zähe Biester, fressen alles was ihnen unter die Pfoten kommt und sie vermeint sich zu erinnern, dass das haarige Untier ihres noch haarigeren Großonkels auch einmal Bier gesoffen hat. Gekotzt hat das Vieh (im Gegensatz zum Großonkel) nicht, aber besoffen waren alle beide. Und diese Katze wirkt nun wirklich nicht besoffenen, nur als wäre ihr schlecht.

„Noch ein Patient, komm du Dummerchen!“ Briant hat ein weiches, großes Herz, auch wenn es um die Fellnasen geht und so trägt sie das maunzende Bündel in den Stall und beauftragt einige der jüngeren Kinder, sich um das Tier zu kümmern. Dann kehrt sie zurück, bewaffnet sich mit Kübel und Wischer und macht sich daran die Katzenbescherrung zu beseitigen. Und auch gleich den Alefleck, der schon fast Seeausmasse angenommen hat. Schnaubend dreht sie den Zapfhahn ganz zu … und stutzt. Das Fass, es ist anders. Das ist kein Fass, wie sie es normalerweise hier haben und sie beziehen das Bier immer beim gleichen Braumeister. Dieses Fass wirkt billig gefertigt und der Hahn tropft auch wieder. „Ronan“, wendet sie sich an den Türsteher, „habt ihr gestern Fässer getauscht?“ Der Mann nickt. „Welche habt ihr da genommen? Also wo waren die?“ >In der hinteren Vorratskammer wie immer. < „Links oder rechts von der Tür?“ bohrt sie weiter. Ronan starrt sie verdutzt an, anscheinend hält er die Mogbar für komplett verrückt, als ob es angesichts des Chaoses nicht egal wäre, von welcher Seite des Raumes die Fässer gekommen sind. „Rede Mann!“ herrscht sie ihn an. >Li…Links, ja links“ lautet die Antwort. „Und wo ist das leere Fass?“ >Bei den anderen im Hof. Wir haben gestern zwei Mal getauscht, die Blaumäntel haben ganz schön was weg gesoffen. < Briant stürmt ohne ein weiteres Wort an ihm vorbei in den Hof zu den leeren Fässern. Was in einer schummrigen Schankstube leicht übersehen werden kann, wenn man bei Tageslicht genau hinschaut und weiß, worauf zu achten ist, fällt es gleich ins Auge: Das vorderste Fass sieht anders aus als die übrigen aber gleich wie jenes in der Gaststube. Und auch in der besagten Vorratskammer sind auf der linken Seite nur solche Fässer. „Seit wann stehen die eigentlich links?“ >Na bei der letzten Lieferung hat der Brauer sie hier hingestellt. Wir haben ihm zwar gesagt nach rechts aber der war so besoffen vom Vorabend, der hätte dich mit seiner Mutter verwechselt. < Briant wirft ihm einen, nicht sehr überzeugenden, bösen Blick zu. „Sorg dafür, dass keiner aus dem Ale- oder Bierfass trinkt. Und rührt die hier nicht an. Ich hab einen Verdacht!“

Mit diesen Worten lässt sie einen noch verdutzteren Ronan stehen und stürmt die Stufen in den ersten Stock. Fast wäre sie mit einem der Schankkinder zusammen gestoßen, dass eben Sigournys Kammer verlässt. Die Wirtin ist weiß wie die Wand. Aniandra ist bei ihr, massiert sie sanft und hat ihr auch die blonde Mähne zu einem Zopf geflochten. >Briant, wie … müssen schließen für heute … und …< ein erneuter Würgekrampf zieht der jungen Frau alles zusammen aber es ist schlicht weg nichts mehr da, das ausgespuckt werden könnte. „Lass nur, ich hab alles im Griff, gesperrt hab ich doch gleich als Erstes. Aber ich suche Dar, wo steckt er?“ >Bei Annest und Tane< antwortet Aniandra an Sigournys Stelle und mit einem mitfühlenden Blick auf ihre Dienstherrin verlässt die Mogbar das Zimmer.

> … oh verdammt … was ist mit dem Mörser passiert, in dem ich mir vor Tagen meine Medizin bereitet habe? Ist der, wie ich bat, gereinigt worden? < Als sie eintritt, hört sie die letzten Worte des Zwerges, der mit einem Mal einen doch ziemlich gehetzten Eindruck macht. „Keine Sorge, dass hab ich selber gemacht. Und dann hab ich ihn mit all dem anderen Zeug, dass in deinem Zimmer für deine Zwergen-was-auch-immer Medizinzubereitung herhalten musste in eine Kiste gepackt und in den Lagerraum gestellt. Nicht böse sein, aber dem Zeug, was du dir da gepanscht hast trau ich nicht und sicher ist sicher.“ Dar starrt sie an als wäre sie eine Erscheinung. „Aber ich glaube, ich weiß was Schuld an der ganzen Misere hier sein könnte: Ale und Bier!“ Und dann erzählt sie dem Zwerg, was sie entdeckt hat, einschließlich der Episode mit der Katze.
Lieber eine Hure mit Herz, als eine Edle mit Gift in der Seele

116

Sunday, January 6th 2019, 5:23pm

„Nicht böse sein, aber dem Zeug, was du dir da gepanscht hast trau ich nicht und sicher ist sicher.“ In dem Moment fallen Dar die sprichwörtlichen sieben Nir Kalarra vom Herzen und er wäre Briant am liebstem um den Hals gefallen. Wieso eigentlich hatte er das noch nicht getan, solange wie er nun schon mit ihr und den anderen Pfirsichen und Edelpfirsichen unter einem Dach weilte? Vor einem Sonnenlauf wär er noch vor Ende der ersten Nacht sturzbetrunken und mit leeren Taschen, aber in himmlischer Glückseligkeit schwelgend aus selbst nur halb so guten Etablissements geworfen worden. Doch jetzt? „…was Schuld an der ganzen Misere hier sein könnte: Ale und Bier! “ Wie aus weiter Ferne dringt Briants Stimme zu ihm vor und sein verdattertes »Was?« als Reaktion auf das vorhergesagte missdeutend erklärt Briant ihre Entdeckungen. Ein letzter Blick auf Tane, Annest und Debesto werfend, greift Dar sich Briants Unterarm, um sie mit einem »Zeig mir das Fass, schnell!« aus dem Raum und die Treppe hinab zur Schankstube zu ziehen. Doch ohne Alchemistenküche und mehr Zeit, als er hat oder auch nur einen Grundverdacht, was mit dem Bier gemacht worden sein konnte, zeigen sich hier nun endgültig seine heilerischen Grenzen, so das er regelrecht erleichtert aufatmet, als den nutzlos verstrichenen zehnten Teil einer Stunde später die angekündigte Heilerin an die Tür klopft. Nachdem Dar mit knappen Worten auf eine mögliche mutwillige Vergiftung des Biervorrats hinweist, vermutet die Heilerin zuerst eine missglückte Versetzung des Bieres mit schwarzem Bilsenkraut, macht das die Trinker mit jedem weiteren Schluck doch nur noch durstiger und das Bier zugleich kräftiger, doch – Briants Entrüstung ob solcher Unterstellungen ignorierend – bringt die Untersuchung der Patientinnen und Patienten sie doch rasch wieder von jener Idee ab. Nachdem Dar sie zu jeder Krankenstatt begleitet und alles bisher Getane und Verordnete ihr darlegt, wendet sie sich schließlich im Hausflur an ihn und fragt ihn geradeheraus, wieso er sie denn gerufen habe, wenn er doch selbst offensichtlich hehlerisch tätig sei und schon alles was getan werden könne getan hat - außer das Gift ausfindig machen. »Nun zum Einen habe ich meine Ausbildung nie beendet und weiß also mitnichten alles und zum Anderen: Wie bitte soll ich ohne Handwerkszeug, ohne Alchemistenküche das Gift denn bitte ermitteln? Ich schlage vor, ihr nehmt ein Probe und prüft als erstes über dem Brenner eine Veränderung der Flammfarbe um Erdmetalle auszuschließen und dann könnte man noch mittels Säure–« Da unterbricht ihn die Heilerin mit einem lapidaren Vorschlag, der ihm regelrecht die Sprache verschlägt: „Habt Ihr schon in das Fass geschaut?“ »Wah-…?« „Ins Fass geschaut.“ wiederholt die Heilerin ihre Worte, als wäre es das Offensichtlichste, was man tun könnte und nun ist es vielmehr Briant, die den verdatterten Zwergen hinter sich und der Heilerin her in die Schankstube schleppt. „Dieses Fass hier?“, fragt die Heilerin das Fass ansteuernd, auf dem eines der Schankkinder Wache schiebend sitzt. Briant nickt bestätigend und scheucht den Jungen vom Fass. „Das Fass aufrichten!“ schnauzt die Heilerin Dar harsch wie unhöflich an, der aus seiner Verdatterung, wie aus einem tiefen Schlaf erwacht und ohne geringste Mühe das Fass aufrichtet. „Einschlagen!“, verlangt die Heilerin erneut harsch und erst jetzt bemerkt Briant, das Dar wie in Schock erstarrt scheint und nur darum so von der Heilerin angegangen wird, weil er auf alles Andere in seinem momentanen Zustand wohl kaum reagiert hätte. Dar schaut noch immer fassungslos von seinen leeren Händen zum Fassdeckel, als wisse er nicht wie ohne Hammer er denselben bitte beseitigen solle, da ist Briant auch schon wieder aus der Küche zurück und drückt im wortlos ein schweres Hackmesser in die Hand.

Nachdenklich stehen anschließend die Heilerin, Dar hat sie noch immer nicht nach ihrem Namen gefragt und falls sie sich selbst vorgestellt haben sollte, muss das wohl an ihm vorübergegangen sein, Briant und der Zwerg um das aufgeschlagene Fass und blicken in dessen Inneres. Dicht an dicht finden sich dort, in das Holz genagelt, die vom Bier zwischenzeitlich reichlich eingeweichten Wurzeln einer Dar unbekannten Pflanze. Schwalbenblume! Mühelos kann die Heilerin eine der aufgeweichten Wurzeln über den Kopf des Nagels hinweg abziehen und näher in Augenschein nehmen. „Ja, ganz eindeutig! Außer Übelkeit und Erbrechen, sollte das nichts weiter bewirken“ »Und das hier?« fragt Dar, mit einem beherzten Griff in die giftige Brühe am Boden, hervorzuklauben, was knapp unter der Oberfläche der letzten Reste an Bier mit einem billigen Dolch, statt eines Nagels dort festgekeilt steckt. Die Heilerin blinzelt, nimmt Dar die Klinge ab und begutachtet die aufgespießte Wurzel, die ganz sicher keiner Schwalbenblume gehört nachdenklich an. Hexenrauch. Das hätte auch übler ausgehen können. Die Fiebrigen haben wohl einen Kreislaufzusammenbruch erlitten und das kann – muss nicht, aber kann – leicht auch schon mal tödlich enden. Diese eine Wurzel auf das ganze Fass ist alles andere als ein Mordversuch, sonst müsste ich das hier umgehend den Blaumänteln kund tun, aber es hätte auch schlimmer kommen können. Was ist mit den Gästen, die davon getrunken haben?“ Briant mischt sich ein: „Dar hat als allererstes die Schankkinder ausgeschickt, möglichst unauffällig nach denen zu suchen und Hilfe zu organisieren, falls nötig.“ „Nun denn, Herr “ich bin kein Heiler”, Ihr habt alles bestens gehandhabt. Nur“, die Heilerin deutet auf das angeschlagene Fass, „…ein kühler Kopf, der sich dem Naheliegendsten nicht verschließt ist manchmal mehr als hundert Laboratorien wert, merkt euch das.“ Doch ist dieser Tadel von einem freundlichen Lächeln begleitet. „Ich muss nun weiter. Die Blaumäntel haben gleichfalls nach zusätzlichen Heilern verlangt. Ich vermute, ich weiß nun warum. Und ach ja, dieses zur Anzeige zu bringen, oder auch nicht, überlasse ich ganz euch. Aber lasst euch gesagt sein: Bei Brechwurz ist die Grenze zu harmlosen Streitereien meiner Überzeugung nach überschritten. Also nehmt euch besser in acht. Anira zum Gruße und gehabt euch wohl.“ sprichts und eilt aus der Vordertüre und gen Steinfaust davon.
“Siehst du einen Riesen, so prüfe den Stand der Sonne und gib acht, ob es nicht der Schatten eines Zwerges ist.”

This post has been edited 3 times, last edit by "Dar" (Jan 6th 2019, 10:19pm)


Sigourny

Stadtbewohner

  • "Sigourny" started this thread

Posts: 116

Occupation: Pfirsichwirtin und Teilzeitdiebin

Location: Der Pfirsich

  • Send private message

117

Sunday, January 6th 2019, 6:29pm

24.Nebelfrost Abend und Nacht zum 25.Nebelfrost 518

Den ganzen Tag hat Sigourny in einem der Gästezimmer im ersten Stock verbracht. Dar hat die Pflege der Kranken übernommen und zusammen mit den nicht erkrankten Pfirsichen und Angestellten Erstaunliches geleistet. In den Stunden nach der Stunde der Ruhe geht es allen bereits ein wenig besser aber die Stimmung ist mehr als gedrückt. Dar und Briant haben, unterstützt von einer Heilerin, die der Zwerg herbei gerufen hat, herausgefunden, was an der Krankheitswelle schuld ist und das ist erschreckend: Vergiftet! Zwar in keinster Weise lebensbedrohlich aber doch. Und nicht nur sie und ihre Leute, nein auch ihre Gäste. Sie lässt Dar und Briant schwören, keiner Seele etwas zu sagen, nicht einmal Tane. Sie muss erst mal klar sehen, verstehen und sich überlegen, was sie tun wird. Am liebsten würde sie irgendetwas zertrümmern so wütend ist sie. Schreien, aber auch einfach nur haltlos weinen. Denn sie weiß genau, aus welcher Ecke dieses Geschenk kommt. Mit einem Mal ist ihr die kleine Kammer zu klein, sie muss allein sein, ihre Beherrschung ist so dünn, dass sie für nichts garantieren kann. Sie muss stark sein, stark für den Pfirsich und geheult hat sie erst vor allen, das sollte nun wirklich nicht zur Gewohnheit werden. Und zum Toben fehlt ihr einfach die Kraft. So tapst sie, nach einer heftigen Diskussion mit Dar, gestützt von Aniandra in ihre Kammer. Eine gute Seele hat einen Badezuber mit heißem Wasser gefüllt und so kann sie sich noch waschen, ehe sie in ihre Bettstatt kriecht.

Dort rollt sie sich in den Fellen zusammen. Der Schüttelfrost hat sich ebenso wie die Übelkeit und die Krämpfe gebessert, allerdings ist sie erledigt, komplett ausgelaugt. Aber auch unsagbar wütend, rastlos. Am liebsten würde sie, entgegen ihrem Schwur, nie mehr dorthin zurückzukehren, in die Orchidee stürmen und das Etablissement und vor allem die Grappe in ihre Einzelteile zerlegen, der alten Hexe alles heimzahlen. Leiden soll das vertrocknete Miststück, ihr faltiger Arsch soll ihr auf Grundeis gehen. Der Körper der jungen Frau sehnt sich nach Schlaf aber die Gedanken rasen, voll von Rachegelüsten. Sie ist allein, Shalhor feiert mit seinen Leuten in der Gildenhalle und sie würde den Dunklen tun, ihm das zu verderben. Auch wenn er ihr gesagt hat, sie solle jemanden schicken, wenn irgendwas passiert aber verdammt nochmal sie ist kein hilfloses Weibchen, dass wegen jeder Kleinigkeit (gut, vergiftetes Ale und Bier ist vielleicht keine Kleinigkeit) zu einem Mann rennt. Außerdem ist das ihr Kampf, ihrer ganz allein. Sie würde ihn da nicht mit hineinziehen, er ist schon viel zu weit hineingeschlittert. Sicher, was sie verbindet, das bereut sie keine Sekunde aber gerade deshalb will sie dieses, in ihren Augen zerbrechliche, … Was-auch-immer nicht gefährden. Denn längst ist ihr klar geworden, dass es beileibe nicht nur um die Fee geht, auch, aber unter anderen Umständen hätte sich das regeln lassen, es hätte zwar gekostet aber es wäre machbar gewesen. Aber sie ist nicht irgendwer, sondern Sigourny al’Mere, jene Frau, die von der Grappe so sehr gehasst wird, wie wohl kein anderes Wesen auf Rohas Weiten. Und sie hasst die Grappe, mit jeder Faser ihres Körpers, ihres Herzens und ihrer Seele.

All diese Gedanken gehen ihr durch den Kopf, kreisen immer wieder um die Frage, wie bei allen Göttern sie sich rächen kann, ohne dabei irgendjemanden zu gefährden, jedenfalls nicht mehr, als sie es ohnehin schon getan hat. Am einfachsten wäre es wohl, der Alten einfach den faltigen Hals durchzuschneiden. Für einen Moment setzt sich diese Idee fest, aber dann sieht sie sich selbst vor ihrem inneren Auge, ihre blutigen Hände um den Griff eines Dolches mit einem unverkennbaren roten Stein gekrampft. Sie hat es schon einmal getan, einen Menschen getötet. Und sie will und wird es nie wieder tun, nicht wenn sie es verhindern kann. Sie würde sich nicht mehr im Spiegel ansehen können, wenn sie sich hinunterschleicht und es tut. Dann hätte die Alte gewonnen, sie endgültig zerbrochen und alles zerstört, was sie sich geschaffen hat. Und außerdem, es würde zu schnell gehen, die Giftkröte soll leiden. Nur wie? Wie soll sie …? Irgendwann fordert der Tag doch seinen Tribut und der Schlaf überwältigt sie, doch in den Träumen kreisen die Gedanken weiter, entstehen Ideen, Bilder …. Und mit einem Schlag erwacht Sigourny. Und in ihrem Kopf hat sich eine Idee manifestiert, verrückt, absolut wahnsinnig aber … genial. Ein bösartiges Grinsen schleicht sich in ihr Gesicht. Ohja, dass würde gehen, und wäre genau die richtige Antwort auf den vergangenen Tag.

Ihr Blick wandert zum Fenster. Noch ist es stockdunkel, es ist wohl die schwarze Stunde. Warum warten? Heute ist ob der Ereignisse des Tages der Pfirsich, sehr zu ihrem Leidwesen, wieder geschlossen, alles schläft. Wenn sich nichts geändert hat, hat sie Zeit bis zur Stunde der Jungfrau, vielleicht auch des Hahnes. Es ist Jahre her, doch den Tagesablauf in der Orchidee würde sie nie vergessen, ihr Leben war davon abhängig gewesen: In den Nachtstunden, wenn das Leben in der Orchidee pulsiert, verschwinden. Zurückkehren wenn alle, vor allem die Grappe und ihre engsten Vertrauten, schlafen. Und bevor es wieder gefährlich wird erneut verschwinden. Jahrein, jahraus. Bis es ihre zweite Natur wurde, ein Wesen der Nacht zu sein. In den letzten Jahren hat es sich geändert, aber das Wissen ist tief in ihr noch immer da, schlummert nur. Und nun ist es bereit, wieder zu erwachen. Vorsichtig setzt sie sich auf, hört prüfend in sich hinein. Die Krämpfe sind weg, auch die Übelkeit scheint vorbei zu sein. Testen würde sie es aber nicht, daher sicher auch nichts essen, jedenfalls nicht jetzt. Ein leichter Schwindel ist noch da aber der gibt sich nach einigen Augenblicken. Gut, dann mal los! Leise schleicht sie zu der kleineren ihrer Truhen, jede knarrende Diele vermeidend. Licht braucht sie keines, sie kennt ihre Räume genau. Der Inhalt der Truhe, vornehmlich Leibwäsche und Strümpfe, landen auf ihrer Bettstatt. Einem aufmerksamen Beobachter würde auffallen, dass der Wäscheberg im Vergleich zur nun leeren Kiste etwas klein wirkt. Und es stimmt, denn nun greift sie erneut hinein und mit einem lesen Klick löst sich ein doppelter Boden. In dem Fach darunter liegen Kleidungsstücke, die sie seit Jahren nicht mehr getragen hat: eine hautenge Hose, eine hochgeschlossene Bluse, ein Mieder, Handschuhe, Stulpenstiefel mit weicher, flacher Sohle und ein Tuch. Alle Teile sind nachtschwarz.

Sigourny legt alles an, flicht die Haare zu einem festen Zopf und steckt selbigen hoch. Doch nicht mit gewöhnlichen Nadeln: Nachtschwarz und spitz genug, als Waffe zu dienen oder Schlösser zu knacken sind sie mehr als nur Schmuck. An ihrem rechten Oberschenkel wird die Scheide mit ihrem Messer befestigt, diesmal offen nicht wie sonst unter Röcken verborgen. Verborgen ist hingegen das zweite Messer in ihrem linken Stiefel. Zum Abschluss legt sie noch einen schmalen Gürtel um die Taille, an dem einige leere Beutelchen befestigt sind. Ihr Blick fällt auf ihr Spiegelbild. Im Mondlicht, dass durch das Fenster in ihrem Rücken in den Raum fällt, sieht sie eine Frau, die sie jahrelang nicht gesehen hat: Sigourny, die Einsteigdiebin, die Gesetzlose, jene Frau, die mit den Schatten zu verschmelzen vermochte und für die keine Mauer und keine Fassade ein Hindernis darstellte. Kurz schließt sie die Augen. Sosehr hat sie gehofft, nie wieder zu jener Frau werden zu müssen. Aber was getan werden muss, muss getan werden. So hat sie es immer gehalten und das würde sie auch jetzt tun. Sie greift sich noch ihren schwarzen Umhang und huscht, wieder genau auf die Dielen achtend, aus der Tür ihrer Gemächer. Im Flur lauscht sie kurz doch kein Geräusch ist zu hören. Aus Tanes Tür klingt leises Schnarchen, ein Zeichen das auch der Junge Mann sich von den Strapazen des Tages erholt. Für einen kurzen Moment beschleicht sie ein schlechtes Gewissen: Soviel haben sie gemeinsam durchgezogen, ihn jetzt im Unklaren zu lassen erscheint ihr ungerecht. So huscht sie zurück, um auf ihrem Bett (er würde hierherkommen, wenn es denn sei muss) einen hastig hingekritzelten Zettel zu hinterlassen:

Wen ihc zur Stunde der Mühe nich zurük bin, hüll den Pfirsihc in Blau und komm zur Blumenhale.

Er würde es verstehen und auch entziffern können, denn immer, wenn sie nervös ist wird ihre Handschrift fast unleserlich und die Botschaft strotzt vor Fehlern. Rechnen und Lesen, das bekommt sie relativ gut hin aber mit der Schreiberei würde sie nie wirklich klarkommen.

Erneut verlässt sie ihre Kammer, huscht sie auf den Flur, lauscht kurz und gleitet die Treppen hinab, lautlos wie ein Schatten. Auch im Erdgeschoß ist alles ruhig. Sigourny betritt die Küche, in der noch ein letzter Rest des Herdfeuers glimmt und ein wenig Licht verbreitet. Nicht viel aber es reicht. Sie kann zwar nicht kochen aber sie weiß zu genau, was sich mit Kräutern, Gewürzen und sonstigen Dingen aus einer Küche sonst noch anstellen lässt. Mit flinken Fingern durchsucht sie Annests Schätze: weiße und schwarze Pfefferkörner, in einem Mörser zerrieben, finden ebenso den Weg in einen der Beutel wie kleine, unscheinbare Kügelchen: Nüsse der Hundsrose. Auch Mehl nimmt sie mit, denn mit Erde vermengt würde es ebenso einen guten Dienst erweisen. Und noch zwei weitere Dinge werden in einem der Beutelchen verborgen. Neben der Feuerstelle steht der Aschkübel, den Göttern sei Dank hat diesen am Abend niemand entleert. Verzeih mir das Chaos Annest! Entschuldigt sie sich im Geist, ehe sie mit den Händen in diesen Kübel fährt, dabei natürlich entsprechende Spuren hinterlässt, und sich die Asche mit gespreizten Fingern ins Gesicht schmiert. Nun ist auch ihre helle Haut getarnt, sie von den Schatten der Nacht wirklich kaum mehr zu unterscheiden.

Ebenso lautlos, wie sie die Treppe heruntergekommen ist, huscht sie zur Hintertür, hält beim Drehen des Schlüssels den Atem an aber außer einem leisen ‚Klick‘ ist nichts zu hören. Auch die Tür verkneift sich ein verräterisches Quietschen und so kommt sie ungehört und ungesehen aus dem Haus. Einmal tief durchatmen, dann nutzt sie Tanes Hintertür der Hintertür um zu verschwinden. Auf der anderen Seite der Mauer muss sie kurz innehalten, eine gewisse Schwäche versucht sich ihrer zu bemächtigen, doch entschieden schiebt sie diese zur Seite. Wenn alles vorbei ist, ja dann kann sie sich erholen aber nicht jetzt. Und so verschwindet sie in den Gassen der Stadt.

Schwarze Orchidee -->
Avatar (c) by Azra 8)

This post has been edited 2 times, last edit by "Sigourny" (Jan 7th 2019, 8:22am)


Briant

Stadtbewohner

Posts: 28

Occupation: Pfirsich

Location: Pfirsich in Talyra

  • Send private message

118

Sunday, January 6th 2019, 8:13pm

Morgen des 25.Nebelmondes 518

Am nächsten Morgen sind die Erkrankten eigentlich alle weitgehend Beschwerdefrei, aber noch sichtlich erledigt. Annest hat doch allen Ernstes in der Früh versucht, aufzustehen und für alle Frühstück, schonendes selbstverständlich, zuzubereiten, war aber von Maddie, die sowas schon geahnt hat, wieder ins Bett geschickt worden. Das Mädchen war über sich hinaus gewachsen in den letzten Stunden, nichts ist zu sehen von jenem schüchternen, scheuen Wesen, das sie eigentlich ist. Die Aufgabe hat sie wachsen lassen.

Dar und Briant waren schon am Vorabend zum Entschluss gekommen, den Pfirsich auch an diesem, dem folgenden, Tag geschlossen zu halten. Keiner der Vergifteten ist in der Lage, ein Gasthaus oder gar Bordell zu betreiben. Außerdem muss neues Bier und Ale her und die Fässer mit dem ekelhaften Gepantsche müssen entsorgt werden. Die Frage ist nur, wohin damit? Außerdem, vielleicht würde Sigourny das Ganze ja wirklich zur Anzeige bringen und dann wären es Beweismittel. Also lässt Briant die Finger von dem Zeug, verschließt aber jene Vorratskammer, in denen die Fässer lagern, mit einer Kette und einem Schloss. Den Schlüssel hängt sie sich an einer Kette um den Hals. Wenn Sigourny wach wird würde sie ihn ihr übergeben.

Die Wirtin scheint sich gesund schlafen zu wollen, denn die Stunde der Andacht ist bereits angebrochen und noch ist nichts von ihr zu sehen oder zu hören. Ich sollte vielleicht mal nach ihr sehen. Immerhin war die junge Frau eine jener gewesen, die sich zusätzlich zur Übelkeit auch mit den Kreislaufproblemen herum schlagen musste. Eben will sie die Treppe hinaufsteigen, als Tane ihr entgegen kommt. Wie Sigourny hat auch er am Abend noch den ersten Stock verlassen und war in seine eigene Kammer zurückgekehrt. Bei ihm war es aber in erster Linie Dobesto geschuldet, der sich von Lux pflegen und bemitleiden lassen hat. Irgendwann hat der junge Mann genug von ‚Honigbärchen‘ und ‚Schmusemäuschen‘. >Da wird einem ja schlecht und davon hab ich heute genug! < knurrt Tane und wankt die Treppe hinauf, um sich in seiner Kammer die Laken über die Ohren zu ziehen. Briant gibt ihm innerlich recht: Dobesto nutzt es leidlich aus, gepflegt und umsorgt zu werden und die Fee wird zur reinsten Kampfgelse, wenn es darum geht ihren Herzenskobold zu umschwirren. Annest hingegen ignoriert das mit der ihr eigenen stoischen Ruhe, brummelt irgendwas von ‚Torheit der Jugend‘ und lässt die beiden einfach links liegen.

Nun komm Tane eben aus dem Obergeschoß, sichtlich blass um die Nase aber auch aufs Äußerste alarmiert.

>Ist Sigourny hier? <

„Was nein, die schläft noch, ist doch in ihre Kammer gegangen gestern Abend, noch vor dir. Erinnerst du dich nicht? Ich will eh gera…“>Nein, sie ist nicht oben, da war ich schon. Verdammt Sonnenschein was machst du? <

Briant versteht nur Tempelhof, sie war heute eine, nein die erste hier unten, hat Dar Frühstück gemacht, ehe der Zwerg sich zum Heilerunterricht aufgemacht hat. >Schick eines der Kinder, wenn es irgendwem wieder schlechter geht, ansonsten leichte Kost, Hühnerbrühe vorzugsweise und Tee. Und lass Sigourny keinen Cofea trinken, heute muss sie ohne dieses Zeug auskommen. Ihr Magen wird es danken! < Als ob sie das nicht wüsste. Aber sie enthält sich jeglichen Kommentars, Dar war gestern ein Geschenk der Götter gewesen und mit sowas sollte man sich besser nicht streiten. Und außer dem Zwerg, der kurz vor Beginn der Stunde der Andacht den Pfirsich verlassen hat, hat keiner das Haus verlassen. „Kannst du mir erklären, was jetzt wieder los ist?“ herrscht sie Tane an. Ihre gute Laune hat in der letzten Zeit gelitten und mit wirr daher redenden Männern hat sie nun so gar keine Geduld mehr. >Was genau los ist, weiß ich nicht aber ich sag dir, mein Bauchgefühl sagt mir, dass Sigourny dabei ist, eine riesen Dummheit zu machen. Oder vielleicht hat sie sie schon gemacht und steckt in gewaltigen Schwierigkeiten. < Tane schnauft durch. >Ist Dar noch da? < „Nein der ist schon weg zum Tempel!“ >Verfluchter Nargenarsch! Gut … nein nicht gut … pass auf, schick eines der Kinder hin, lass ihn rausholen. Der Knirps soll ihm sagen, dass Sigourny dabei ist, eine riesen Dummheit zu machen und er mich am Eingang der Unterstadt treffen soll, also dem verbor … ahhh, der weiß ja nicht wo der ist!< Tane schlägt sich gegen die Stirn. So ein Durcheinander!


Briant folgt seinen Ausführungen schweigend und kommt zum wiederholten Mal zu der Erkenntnis, dass Organisation und Logik eindeutig nicht Sache der Männer ist. „Lux, komm her!“ Eben ist die Fee aufgetaucht, wahrscheinlich um Tee (vorzugsweise mit Brandwein angereichert) für den Kobold zu holen. „Du musst was für uns tun, nein keine Wiederrede, das ist jetzt kein Spaß mehr. Du fliegst jetzt zum Faêyris-Tempel, holst Dar da raus und sagst ihm, dass Sigourny dabei ist, … nein sag ihm Sigourny ist in Schwierigkeiten. Und dann bringst du ihn zum verborgenen Eingang zur Unterstadt. Und dort wartest du auf Tane der …?“ >Der Verstärkung holt! < Mit diesen Worten stürmt der junge Mann zur Hintertür hinaus.
--> Taresnar
Lieber eine Hure mit Herz, als eine Edle mit Gift in der Seele

This post has been edited 1 times, last edit by "Briant" (Jan 7th 2019, 8:06am)


Shalhor

Stadtbewohner

Posts: 143

Occupation: Schiffbauer / Reeder

Location: Talyra

  • Send private message

119

Sunday, January 13th 2019, 2:25pm

Der -> Kanalisation und Unterstadt entstiegen ist es nur ein flüchtiger Blick an sich herab im Licht des Tages und er weiß, was er wissen muss. Nicht etwa der Tag, an dem er auf die dämlichste aller Ideen kam, Borgil Blutaxt aufzusuchen, um den Freund, der er einmal war um Hilfe zu bitten, war der mieseste Tag dieses Sonnentanzes. Dieser hier und jetzt ist schwerlich noch zu überbieten. Nun wenigstens sind sie diesem üblen Dreckloch mit heiler Haut entkommen, von Sigournys Knöchel einmal abgesehen, aber was gäbe er darum, jetzt nur nach einer durchzechten Nacht zu riechen. Er ist blutbesudelt von Kopf bis Fuß, als habe er dort unten ein Massaker veranstaltet und mag sich gar nicht ausmalen, wessen Exkremente an seinen Stiefeln kleben oder was noch so alles. Das Katerfrühstück hätte er sich sparen können, denn sein Schädel dröhnt jämmerlicher als zuvor und der Schlafmangel rächt sich nicht weniger mit Gliedern schwer wie Blei. Und wofür das alles? Um ein übergeschnapptes Frauenzimmer vor der Naivität zu bewahren, sie könne der Grappe wie ein kandiertes Früchtchen auf's Silbertablett hüpfen und die würde keine Notiz davon nehmen? Nach allem, was sie ihm über diese skrupellose Missgeburt erzählt hatte? Wie eilig hat sie es, diesem bestialisch perversen Opiumhändler kredenzt zu werden? Gibt es denn nicht genug andere Männer, die sie auch ganz ohne Fesseln, Quälerei, Blutrausch und Mordgelüste ficken würden? Er weiß, er ist ungerecht, aber er ist wütend, verdammt wütend auf sie, auf ihren Leichtsinn - wütend, weil er ein Leben auslöschen musste, weil sie ihnen allen Ernstes vorgeschlagen hatte, sie dort unten zurück zu lassen, weil er zum Himmel stinkt und weil sie ihm nicht einmal vergönnt hatte, seinen Rausch auszuschlafen. Wie gern er sie doch wirklich über's Knie legen wollen würde. Natürlich wird er nicht die Hand gegen eine Frau erheben, aber er wird auch den Dunklen tun, sie jetzt mir nichts, dir nichts nach hause spazieren zu lassen und das alles einfach vergessen.

Als sie durch einen Hintereingang (so die Götter wollen ungesehen) in den Innenhof des Pfirsich schlüpfen, stoppt seine Lordschaft Sigournys "Abschleppung" und sagt zu Tane: "Ich nehme sie erst einmal mit zu mir. Vielleicht hält es das Pack ab zurückzuschlagen, wenn die, der es gelten soll, gar nicht hier ist. Und ich habe da noch ein ernstes Wörtchen mit ihr zu reden und ich ziehe es vor, dass nicht vor ihren Leuten zu tun." Der junge Mann nickt und so ist es beschlossen ohne das Einer von beiden willens wäre, Madam ein Mitspracherecht einzuräumen. Während Tane losgeht, dem Kutscher Bescheid zu geben, hebt Shalhor sie sich einfach auf die Arme und wendet sich respektvoll das Haupt vor ihm neigend an den Zwerg: "Iza k'Dar, ich möchte mir nicht vorstellen, wie diese Unternehmung ohne Euer Zutun ausgegangen wäre. Wenn Euch nun also noch immer an einem Zwergenbrand gelegen ist, solltet Ihr in der 'Goldenen Harfe' fündig werden. Nur erwähnt Ihr besser nicht, von wem diese Empfehlung stammt. Und wenn Ihr schon einmal dort seid, lasst Euch die Gelegenheit nicht entgehen, ein Fläschen Feuerkehl zu erstehen. Meine Wäschemagd schwört auf das Zeug und ist damit noch jedem Schmutzfleck beigekommen. Gehabt Euch wohl." Dann packt er Sigourny in die Kutsche, heißt Tyalo im Fußraum Platz zu nehmen und verabschiedet sich von Tane, den er wissen lässt, jederzeit auf Taresnar willkommen zu sein. Wenige Augenblicke später verlässt die Kutsche den Hof.
Man sollte keine Dummheit zweimal begehen, die Auswahl ist schließlich groß genug!

Avatar © 2015 gewichtelt by Niniane, der Bezaubernden

This post has been edited 1 times, last edit by "Shalhor" (Jan 13th 2019, 2:31pm)


Briant

Stadtbewohner

Posts: 28

Occupation: Pfirsich

Location: Pfirsich in Talyra

  • Send private message

120

Monday, January 21st 2019, 4:27pm

Die Stunden und Minuten kriechen wie Schnecken dahin und mittlerweile hat Briant jeden Krug und jeden Becher hinter der Theke sicher fünfmal poliert. Bis auf Perrin, den die Verantwortung in den Stall treibt und Annest, die erklärt, dass sie genauso gut in der Küche sitzen kann wie in ihrer Kammer, sind alle von der Vergiftung des Vortags betroffenen in ihren Betten. Außer natürlich Tane, der mit dem Elben zur Hintertür hinaus ist. Was hat er ihr zum Abschied zugerufen? Wenn dir was seltsam vorkommt, hol die Blaumäntel! Was zum Dunklen soll das heißen, wenn ihr etwas seltsam vorkommt? Bei allen Dämonen und Ausgeburten der Niederhöllen, in den letzten Siebentagen war doch so gut wie alles seltsam! Tote Ratten an der Tür, schlecht tätowierte Blüten auf Männerärschen, ein liebestoller Kobold und sein Feenliebchen … was sollte da bitte daran normal sein? Vom gepantschten Ale und Bier will sie gar nicht reden und dann verschwindet Sigourny mitten in der Nacht, obwohl sie halb krank ist und hinterlässt dabei eine Spur des Chaos in ihrer Kammer und der Küche. Mit einem deutlichen Rums knallt die Mogbar den (mittlerweile zum sechsten Mal) polierten Zinnkrug auf den Tresen. Ysa zuckt zusammen. Diese fegt schon den gesamten Vormittag den Boden, mittlerweile kann man davon wohl schon essen. Aber auch sie will sich beschäftigen. Beide Frauen haben keine Ahnung was, wirklich los ist aber das flaue Gefühl bleibt.

Der Kutscher des Elben, Xilian, hockt am Ende des Tresens, in Ermangelung von Ale einen großen Krug gewässerten Most vor der Nase. Geht aufs Haus! Mit diesen Worten hat Briant ihm den Humpen hingestellt. Sie kennt den Mann, ist er als ungebundener Junggeselle doch von Zeit zu Zeit Gast in diesem Haus. Er ist ein angenehmer Zeitgenosse, freundlich und unkompliziert und dementsprechend beliebt bei den Mädchen.

Irgendwann ist aus Richtung der Hintertür ein Rumpeln zu hören und Tane, missmutig, verdreckt und stinkend, stapft zur Tür herein. >Dein Herr erwartet dich! < knurrt er Xilian zu, der sofort zur Hintertür hinaus eilt. „Tane, was ist los, wo ist Sigourny?“ >Draußen beim Elb, der nimmt das verrückte Weibsstück mit, ist wohl besser sonst … Ich brauch jetzt einen Waschzuber, mein Bett und vor allem keine Fragen von irgendwelchen Frauenzimmern!“ Briant klappt die Kinnlade herunter, so einen Ton ist sie bei allen Göttern wirklich nicht gewohnt von ihm. Ysa verdreht nur die Augen >M-ä-n-n-e-r!< formuliert sie tonlos, ehe sie ihm folgt, um zumindest das größte Chaos im Waschraum zu vermeiden. Die Mogbar schnaubt entrüstet. Was heißt hier mitnehmen, wohin, weshalb? Und wenn dieser freche Kerl nicht den Mund aufbringt, dann muss sie eben selbst sehen, was da draußen los ist. Allerdings kommt sie nicht bis zur Tür, denn im Gang stößt sie mit Dar zusammen.

„Wo ist Sigourny?“.
>Weg!<
„Wie weg?“
>Shalhor hat sie mitgenommen, ist besser so. <
„Aber … was … warum …“
>Später, brauch einen Zuber und frische Kleider, und dann muss ich in den Tempel zurück. Bei Sil … was machst Annest hier herunten? Frauen werden wohl nie vernünftig, egal wie alt sie sind! <

Eine weitere Stunde später ist Dar, mit der größten Dauerwurst bewaffnet die zu finden war, wieder auf dem Weg zurück zum Tempel, Annest (unter Protest) wieder in ihr Bett verfrachtet und Briant weiß zumindest in groben Zügen, was passiert ist. Sie hat sich nämlich einfach auf einen Schemel neben dem Waschzuber des Zwergen gesetzt. Sein Protest wurde mit den Worten: „Stell dich nicht so an, ich kenn Männer. Da ist nichts, was ich nicht schon gesehen hätte!“ Und da sie keine Anstalten gemacht hat, ihren Platz zu verlassen, hat Dar schließlich berichtet, was in der Unterstadt passiert ist. Und ihr das Versprechen abgenommen, den Mund zu halten. Als ob das nötig wäre, sie ist doch kein Klatschweib, dass nichts Besseres zu tun hat als andere auszurichten und Tratsch zu verbreiten. Mit einem schnauben hat sie ihn dann doch allein gelassen, um ihm das Verlassen des Zubers ohne interessierte Frauenaugen zu ermöglichen.

In der Zwischenzeit haben Perrin und sein Vater es geschafft irgendwoher einige Fässer Bier und Ale aufzutreiben und im Laufe der Nachmittagsstunden lassen sich immer mehr Mädchen im Schankraum sehen. Auch die wenigen Gäste, die noch von der Krankheitseinlage zurückgeblieben sind, gesellen sich zu ihnen und Maddie kredenzt allen ein magenfreundliches und doch schmackhaftes Frühstücksmittagsmahl. Briant nimmt das Mädchen zur Seite, als dieses wieder in die Küche zurückkehren will. „Schaffst du es, wenn wir den Pfirsich für den Abend zumindest zum Gastbetrieb öffnen? Ysa und die anderen Mädchen können dir schon helfen, aber es liegt an dir …“ Maddie nickt. > Ich schaffe das. Sigourny kann sich auf uns verlassen … wo ist sie überhaupt? < „Bei Shu‘re Shalhor.“ Mehr sagt sie dazu nicht.

So öffnet der Pfirsich zur Stunde des Lohns, allerdings so, wie Briant gesagt hat, nur der Schankraum. Dennoch ist die Gaststätte gut besucht und ein Hauch von Normalität macht sich breit. Da die Temperaturen mittlerweile doch sehr tief sind, wird ein großer Pott Glühwein zu bereitet und es kommt wirklich so etwas wie Vorjulstimmung auf. Da ertönt ein Scheppern und Gezeter, dass man meinen könnte, eine Horde Narge versuche sich Einlass zu verschaffen. Ronan, Guivan, Briant und zwei beherzte Gäste öffnen die Tür, um Nachschau zu halten … und sind die Treppen hinunter verschwunden. Verdattert hockt Brinat auf der Straße, unter ihrem Hintern ist es verdächtig glatt und … kalt. Einige Schritte entfernt zetert Dar was das Zeug hält. Am oberen Treppenabsatz kommt Tane schlingernd, eine Laterne hochhaltend zum Stehen. Im Schein der Flamme mutet die Szene beinahe amüsant an, doch das aufkommende Lachen bleibt ihr im Hals stecken, als sie der eingefrorenen, mitunter verfaulten Pfirsichstücke gewahr wird. Oh ihr Götter! „Ysa, Perrin, bringt bitte die Gäste hinten raus.“ Aber schaut euch bloß den Hof an. „Irgendein unvorsichtiger Kerl hat wohl ein Wasserfass verschüttet.“ Die Mogbar versucht ein unschuldiges Gesicht zu machen und mit gekonnt nach vorne oben gereckten Brüsten die Blicke auf sich und weg von der Eisfläche zu lenken. Mehr schlecht als recht funktioniert die Ablenkung aber zumindest verlassen die Gäste den Pfirsich durch den (eisfreien) Hintereingang. In der allgemeinen Aufbruchsstimmung tauchen dann auch der Kobold und Lux auf. >Also wirklich, was habt ihr Süßen denn jetzt wieder gemacht? Das Bad ist oben und wir waren im Kobel, ihr hättet euch gern dort vergnügen können! < Lux klimpert mit den Augen und flattert keck um die am Boden Liegenden, jedoch nicht ohne den beiden Gästen, die das Pech haben, ebenfalls hier gelandet sind, schöne Augen zu machen. Dobesto grinst anzüglich, während er mit verschränkten Armen zwischen ihnen schwebt. Briant kann erkennen, dass Dar knapp davor ist, dem Kobold den Hals umzudrehen. Doch ehe sie oder der Zwerg etwas sagen können, ist es die Fee, die mit einem Mal sehr ernst wird. >Dobilein, mach das bitte weg! <

Woher der plötzliche Sinneswandel kommt, wird Briant nur zu schnell klar, denn neben ihrem Fuß wird, nebst einem fauligen Pfirsich, auch eine schwarze Orchidee ersichtlich. Mit flinken Fingern lässt die Mogbar die verräterische Blume zwischen ihren Röcken verschwinden, ehe einer der Gäste ihrer gewahr wird. Halt bloß dein vorlautes Mundwerk! Ihr Blick spricht Bände und den Göttern sei Dank versteht die Fee den Blick.

Es dauert nicht lange, dann ist das Dilemma beseitigt und alle sind in das Innere des Pfirsichs zurückgekehrt. Dar kümmert sich um die Verletzungen, die den Göttern sei Dank eher glimpflich ausgegangen sind. Währenddessen setzt Briant Tane von ihren Plänen in Kenntnis: Schon in der ersten Nacht des Zwerges hier im Pfirsich hatten sie in Folge der Stinkbombenattacke einen Racheplan ausgetüftelt, der aber dann ob der Erkrankung Dars und der anderen Vorkommnisse aufgeschoben worden war. „Wenn wir Baldrianessenz oder –tee in Eiklar aufschlagen und dann in Sahne mischen, eventuell mit Seife anreichern und das dann den Katzen der Unterstadt rund um die Orchidee unterschieben, dann schaut es nach einer Tollwut Plage aus. Wenn wir Glück haben, fressen auch ein paar von den Ratten davon, tollwütige Ratten sind noch Furcht einflößender. Da haben die Missgeburten da unten dann genug zu tun, um dem Herr zu werden. Weil das ist sicher sehr schlecht fürs Geschäft. Weil das war sicher von unten, schau mal …“ mit diesen Worten zieht sie die Orchidee aus dem Rock. Tane keucht auf. Die Pfirsichstücke hat er gesehen, die Blume war ihm entgangen. >Briant, Sigourny darf das nicht erfahren, zumindest nicht im Moment. Sie ..sie ist nicht ganz heil aus der Unterstadt zurückgekommen, ihr Bein hat etwas abbekommen und ihre Schulter auch. Das ist einer der Gründe, warum der Elb sie on hier weg gebracht hat, sie ist aus irgendeinem Grund noch mehr Ziel als die Fee. Und wenn Sigourny davon erfährt, was heute hier passiert ist, dann trau ich ihr zu, dass sie noch mal da runter geht und dann kann ich für nichts mehr garantieren. Wir hatten sehr viel Glück, das hat keiner zweimal. < Die Mogbar wird blass um die Nase, nickt aber. „Wir erzählen ihr das Gleiche wie den Gästen, dass irgendein Tölpel ein Wasserfass vor dem Pfirsich hat auslaufen lassen. Und das sagen wir ihr auch nur, wenn es sich nicht vermeiden lässt.“

Mittlerweile hat Dar alle Verletzten versorgt und gesellt sich zu ihnen. Tane mustert ihn von der Seite. Er hat den Zwerg unterschätzt, dass muss er zugeben. Auch wenn er noch immer verstimmt ob der Sache mit en Wachteleiern ist, muss er doch zugeben, dass es sich um einen brillanten Zug gehandelt hat. Und dieser Plan jetzt … >Was allerdings schwierig werden wird, ist, wie wir diese nette Mischung da runter bringen sollen, ohne erwischt zu werden. Gibt es dazu auch schon Vorschläge? <
Lieber eine Hure mit Herz, als eine Edle mit Gift in der Seele

1 user apart from you is browsing this thread:

1 guests

Similar threads