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Shalhor

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Beruf: Schiffbauer / Reeder

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61

Freitag, 7. Dezember 2018, 23:27

Bei den Göttern ... DAS hat er mit seiner Frage nicht bezwecken wollen und nun fühlt sie sich genötigt, sich vor ihm zu rechtfertigen. Aber vielleicht muss es auch einfach heraus, weil sie den ganzen Tag schon unter unsäglicher Anspannung stand und so lässt er sie sich ungestört von der Seele reden, was sie quält und beschränkt sich darauf, ihr zuzuhören, bis sie eine Flasche Feuerwein zückt.
"Grämt Euch nicht. Ich denke ganz bestimmt nicht schlecht von Euch. Und wenn es Euch beruhigt, ich war heute auch alles Andere als ein mustergültiges Paradebeispiel unerschütterlicher Gelassenheit. Nein wirklich nicht!" Hinter Shalhors Eingeständnis steckt mehr, als ob Borgils Häme die Beherrschung verloren zu haben, obwohl das allein schon ausreichen würde. Er weiß selbst nicht, was zum Dunklen heute nicht mit ihm stimmen will, aber ihm fehlt die gewohnte innere Ruhe in mehr als einer Hinsicht. Eben, als Madam den Schlüssel an sich nahm und in ihr Dekolleté schob, drängte sich ihm wieder dieser inspirierende Anblick auf, als sie ihm diesen aushändigte und statt des Gästezimmers ... ähm ja, er kann ganz gut einen Schluck vertragen! Shalhor schnappt sich kurzerhand die Flasche und schenkt ihnen beiden nicht zu knapp ein.
Zu allem Überdruss scheint ihn Madam für einen ehrlosen Feigling zu halten, der sich besser aus den Staub macht, wenn es hässlich wird. Seine Lordschaft weiß nicht anders darauf zu reagieren, als sie entgeistert anzustarren, während sie ihm zuprostet. Nun gut, nimmt er es schließlich hin, dann soll das die gerechte Straße für meine unkeuschen Gedanken sein und wir sind quitt, hebt das Glas und stürzt sich den Inhalt in einem Zug hinunter. Das Feuer in seiner Kehle ist höchst willkommen.

In der eintretenden Stille dringt das Wort Elb aus einem anderen Gespräch an sein Ohr und bringt ihn dazu, sich nach dem Mann umzusehen, der es ausgesprochen hat. Sollte es ihn noch wundern, den Zwergen dort zu sehen, obwohl er sich sicher ist, dass dort eben noch ein Anderer saß? Und wenn nicht das, dann vielleicht dass der in ihm einen Pfirsich sieht? Er würde ja lachen, wäre er heute nicht schon von einem anderen Zwerg gefickt worden. Also sei ganz unbesorgt, Zwerg. ICH traue Dir ganz sicher nicht weiter, als mein Schwertarm reicht. Mit vor der Brust verschränkten Armen lehnt er sich rücklings gegen den Tresen und schaut zu, wie die Mogbar den Fremden darüber aufklärt, wen er vor sich hat.
Man sollte keine Dummheit zweimal begehen, die Auswahl ist schließlich groß genug!

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Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von »Shalhor« (8. Dezember 2018, 14:46)


62

Samstag, 8. Dezember 2018, 11:56

„Das? Das ist Shu’re Shalhor, angesehener Reeder, Schiffsbauer und Händler. Sigourny bezieht schon seit Jahren Wein und andere erlesene speisen von ihm…“ »Ein Spirituosenhänder, hm?« Neugierig und nicht im Mindesten ertappt oder beschämt, blickt Dar zu dem Reeder herüber. Warum auch? Nähme er an, dass jemand die oder der sich prostituierte weniger wert oder auch nur wertzuschätzen wäre, denn andere, dann würde er doch wohl kaum hier im Pfirsich absteigen oder rein privat mit einer Hure schäkern. Klar hatte er schon erlebt, das Manche dazu neigten andere vordergründig zu umgarnen, um hinter deren Rücken dann aber nur um so abfälliger über diese dann bloß herzuziehen. Aber in Dars Augen sagt das über die so Handelnden zumeist weit mehr aus, denn über irgendwen anderen. Darum dem zu ihnen gerader herüberblickenden Elben un-verschämt mit einem angedeuteten Lächeln zunickend, als wäre nichts gewesen – was von Dars Warte aus betrachtet auch vollkommen der Fall ist – spricht er halb zu sich, halb zu Briant gewandt: »Ob der Herr Shu’re Shalhor, als angesehener Reeder und Händler wohl auch an eine Flasche original abgefüllten Dusharrenmrtva Zwergenbrand kommt oder zumindest doch weiß, wo es hier in der Stadt einen solchen geben mag? Das muß ich ihn doch gleich mal fragen. Ist es dir Recht, Briant, unserer kleinen Erzählstunde kurz auszusetzen, Briant? Du kannst dir ja schon einmal überlegen, was du mir von deinen Leuten erzählen magst.« Müde, mit der Schale Tee in der Linken, wie das Schild an der Bank gelehnt stehen lassend, erhebt Dar sich von der Bank. »Pass du doch bitte solange auf die Straße auf. Bin gleich wieder zurück.« verspricht Dar leise und marschiert dann durch den dunklen Raum direkt auf Shalhor zu.

»Sil zum Gruße, Shalhor. Ich hörte, dass Ihr Händler und Reeder, unter anderem auch für Weine, seid, und da dachte ich Ihr wüsstet wo man hier in der Stadt wohl ein echtes zwergisches Seelenwässerchen, will sagen einen Dusharrenmrtva erstehen kann, oder ob es das überhaupt hier irgendwo gibt?« Alleine schon die Aussicht auf etwas Heimat auf der Zunge macht es dem Fro‘gar weit erträglicher, dem bevorstehenden Ärger entspannter entgegenzublicken. Neugierig blinzelt Dar zu dem großgewachsenen hinauf, wobei ein kaum merkliches rotes Schimmern über seine Augen huscht, das wohl zu schwach ist, einem Menschen Blick bemerkbar zu sein. »Und helft Ihr nebenberuflich eigentlich häufiger holden Damen in Not aus eben jener?«, grinst Dar, dem gar nicht in den Sinn kommt, dass es gesellschaftlich fragwürdig sein könne, einen höher Gestellten – weil angesehenen und renommierten Händler – so auszuhorchen. Tief zieht Dar die Nase hoch, ehe er den Becher in seiner Linken zur Hälfte leert. »Silverdammt!« knurrt er leise in seinen Bart, ehe er wieder mit beinahe knarzenden Stimme leise, sowie mehr zu sich selbst, als irgendwem anderen, fortfährt: »Eine Erkältung ist das Letzte, was ich jetzt gebrauchen kann.«

Während der Reaktion des Elben auf seine Worte, scheint Dar indes nur halb bei der Sache zu sein. Erst fährt er sich mit seiner Rechten über die Stirn, so als wolle er selbst seine Temperatur abnehmen. Danach die Handinnenfläche begutachtend, schaut er nach Schweiß, reibt dazu die Finger der Rechten aneinander. Den Becher in die Rechte nehmend fährt seine Linke an seinen Hals, legen sich Zeige- und Mittelfinger an seinen Hals, derweil seine Lippen stumm auf Zardakh bis zehn zählen. Und trotz dieser Abgelenktheit macht es den Anschein, als wenn er Shalhors Äußerungen zur Gänze auch erfasst. Gerade als er jedoch darauf reagieren will, hört er von einem der nach vorne weisenden Fenster einen leisen Ruf. „Hey, ich glaub, ich hab hier was.“ Den Elben beim Ellenbogen kurz fassend – mag Sil alleine wissen, was er mit dieser Geste auszudrücken versucht – schließt Dar wieder den Mund, schluckt seine Erwiderung wieder herunter und eilt, nicht als Einziger, zur vorderen Fensterfront. Erst als er dort beinahe eingetroffen ist und Briant auch unter den Neugierigen vorfindet, biegt er zu seinem Fenster ab, an dem nun ja niemand mehr ein Auge auf die Seitenstraße hat und nimmt darum seine Wache wieder auf. „Ach nein, nur eine Magd, die – warum auch immer – mitten in der Nacht mit einem Käfig voller Hühner durch die Nacht spaziert. Falscher Alarm, 'tschuldigung!“
“Siehst du einen Riesen, so prüfe den Stand der Sonne und gib acht, ob es nicht der Schatten eines Zwerges ist.”

Shalhor

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63

Samstag, 8. Dezember 2018, 23:06

Nun will ihm dieser Zwerg natürlich nicht den Gefallen erweisen, in irgendeiner Weise enttäuscht zu wirken, dass er über jeden Zweifel erhaben ist, noch ihn anderweitig ficken zu können, dass es seiner Lordschaft an jeder noch so kleinen, erhofften Befriedigung seines persönlichen Zwergenfrustes mangelt. Als dieser hier lediglich mit einem stummen Gruß reagiert, verliert Shalhor das Interesse daran, wendet sich vorzugsweise wieder Madam Sigourny zu und schenkt ihnen beiden nach - längst nicht so maßlos wie zuvor, denn dieser Branntwein hat es zweifelsohne in sich. Auch wenn ihm danach wäre, diese Nacht ist nicht dazu geeignet, sich dem Rausch des Vergessens hinzugeben und sich bis zur Besinnungslosigkeit zu betrinken. Dem folgenden Wortwechsel zwischen Zwerg und Mogbar folgt er also nicht, des Zwergen schwere, näher kommenden Schritte entgehen ihm allerdings nicht und ihm soll nichts anderes übrig bleiben, als die Zähne zusammen zu beißen und sich zusammen zu nehmen.

>Sil zum Gruße, Shalhor. Ich hörte, dass Ihr Händler und Reeder, unter anderem auch für Weine, seid, und da dachte ich Ihr wüsstet wo man hier in der Stadt wohl ein echtes zwergisches Seelenwässerchen, will sagen einen Dusharrenmrtva erstehen kann, oder ob es das überhaupt hier irgendwo gibt?<
"Ich bin kein Händler, nur Schiffbauer und Reeder und das Hauptgeschäft meiner Reederei liegt neben der Beförderung von Reisenden zu Wasser in der Verschiffung diverser Handelswaren, nicht aber deren Verkauf", erklärt Shalhor nun nicht abweisend, aber auch keineswegs zuvorkommend und geflissentlich geradewegs an der Frage vorbei und lässt dabei nur deshalb unerwähnt, dass er gelegentlich treuhändisch den Geldverkehr zwischen Kaufleuten regelt, sofern diese kein Bankhaus damit betrauen wollen oder nebenbei tatsächlich auch Geschäfte auf eigenes Risiko betreibt, um absehbaren Engpässen entgegen zu wirken oder wenn sich ihm eben die Gelegenheit bietet, an besonders rare Waren zu gelangen, weil es den Zwergen schlichtweg nichts angeht, lässt er aber auch unter den Tisch fallen, dass er im bekanntesten aller talyrischen Gasthäuser sicherlich fündig werden dürfte. Vielleicht, aber auch wirklich nur vielleicht stellt der Zwerg deshalb eine äußerst befremdliche Frage, die Shalhor natürlich aufhorchen lässt.

>Und helft Ihr nebenberuflich eigentlich häufiger holden Damen in Not aus eben jener?<
Jeder, der Shalhor wirklich kennt, weiß, dass es ihm beileibe nicht um die Person denn die Notlage ginge, aber diese Frage ist selbst gegenüber einem Unbekannten so gehässig, dass sie nur eine Antwort verdient und genau die soll er bekommen:
"Nur denen, die ich vögeln will", hält Shalhor dem grinsenden Zwerg gelassen entgegen, der nun nicht mehr grinst. Allerdings stellen sich Shalhor gleich darauf die feinen Nackenhärchen auf, nicht oder vielmehr nicht vordergründig weil dieser Gossenzwerg nicht wenigstens ein bisschen diskreter seinen widerlichen Nasenschnodder hochzieht, sondern dem Elben gerade wie Schuppen von den Augen fällt, dass es das sein könnte, woran sich der Harfenwirt aufgeilen wollte, wenn es denn eben wirklich nicht Madams Gewerbe gewesen sein soll. Über den Auslöser mag er sich getäuscht haben, doch die Häme gegenüber einem Empathen zu leugnen, ist ziemlich... pardon ... dämlich.

Der Zwerg neben ihm flucht derweil und fabuliert etwas von einer Erkältung, dass Shalhor tatsächlich wieder einen Seitenblick riskiert. "Wenn es Euch erwischt hat, dann zieht Euch gefälligst auf Euer Zimmer zurück und versucht die Nacht zu überstehen, statt uns hier alle anzustecken. Denn falls es Euch entgangen sein sollte, wir können hier gerade niemanden vor die Tür schicken, um Euch einen Heiler oder Aniran zu holen."

Wie auf*s Stichwort ertönt prompt von einem der bewachten Fenster. >„Hey, ich glaub, ich hab hier was.> Shalhor soll nicht mehr dazu kommen, sein Glas abzustellen, als der Zwerg ihn daraufhin am Ellbogen packt und dafür sorgt, dass sich der Branntwein aus dem Glas über seinen Surcot ergießt. Einen Moment lang scheinen sich ihrer beider Augenpaare zu messen, doch was immer dem Zwergen auf der Zunge gelegen haben mag, findet seinen Weg nicht über dessen Lippen. Also schluckt auch Shalhor seinen Unmut hinunter und wird unfreiwilliger Zeuge zwergischer Spontanheilung. Inzwischen hängt aber nicht nur der Zwerg an den unverriegelten Fensterscheiben wie ein Tonröhrchen in der Schießbude irgendeines Jahrmarktes, dass Shalhor am liebsten aufstöhnen möchte. Allein die Entwarnung kommt ihm zuvor. >„Ach nein, nur eine Magd, die – warum auch immer – mitten in der Nacht mit einem Käfig voller Hühner durch die Nacht spaziert. Falscher Alarm, 'tschuldigung!“< Glück gehabt! "Das nächste Mal bleibt von den Fenstern weg! Ihr wart nämlich allesamt gerade ..." ganz ausgezeichnete Zielscheiben hat er sagen wollen, doch die Ereignisse überstürzen sich nun. Er verstummt augenblicklich, als jemand von außen gegen die Tür hämmert. Die Rechte am Heft seiner Klinge und die Fenster im Blick nähert er sich der Tür.

>Sigourny, Mistschlampe, ich weiß, dass du da bist. Mach auf und gib die Flammenblüte heraus<, tönt es derweil von draußen und er lauscht in die darauf eintretende Stille, ob von draußen mehr zu hören ist als dass, leise Stimmen, schnelle Schritte ... irgendwas ... doch da ist nichts. Stattdessen brüllt der Eine von eben, aber sicherlich nicht der Einzige da draußen nun:
>Rück das Getier raus und wir lassen dir dein verdrecktes, missratenes Leben. …. Nein? Du weißt, dass Madame Grappe nicht vergisst. Zeig, dass du der Unterstadt loyal sein kannst, auch wenn dein verlogener Arsch das noch nicht bewiesen hat. Dann ist die Grappe bereit, Teile zu vergessen.< Und dieses Mal lässt Madam Sigourys Antwort nicht auf sich warten:
>Sag der alten Hexe, wer auch immer an die Tür des Pfirsichs klopft und Unterkunft sucht, um diesem Drecksloch von Unterstadt zu entkommen, den werde ich einlassen - aber auch im Auge behalten, also versuch bloß nicht, mich rein zu legen. Und falls Madame nicht zu feig ist, soll sie doch ihren faltigen, vertrockneten Hintern hier rauf bewegen, dann sage ich ihr das auch gerne persönlich. Und was das Vergessen angeht …. ICH werde nicht vergessen, niemals.< Als sie endet, zieht Shalhor die Klinge auf eine Weise, dass der Stahl singt, um die da draußen wissen zu lassen, Madam wird hier nicht allein und verlassen auf weiter Flur stehen und ist in bester Position jedem Eindringling, der es wagen sollte, ihre Tür einzutreten um dessen Kopf zu erleichtern. Doch nichts dergleichen geschieht. Stattdessen schneidet ein Pfiff die Stille. Es würde Shalhor nicht wundern, wenn das Gebrüll da draußen die Stadtwachen vom nahen Verder Tor auf den Plan gerufen hätte, doch er bleibt wo er ist, wie auch die Klinge in seiner Hand. Es könnte genauso gut das Angriffssignal sein. Mit dem was dann folgen soll, hat er jedoch nicht gerechnet, nicht rechnen können. Fensterscheiben klirren und lassen ihn herum fahren. Seine Klinge teilt eines der Geschosse im Reflex, doch er weiß, es waren mehr. "Licht", schreit er dem Nächstbesten zu und steckt die Klinge weg, um seine Hände frei zu haben. Doch bevor sie zu sehen bekommen, mit was genau sie dieses Pack attackiert, bekommen sie es zu riechen. Ein so bestialischer Gestank entfaltet sich im Schankraum, dass seine Lordschaft hustend und keuchend darum ringt, nicht seinen Mageninhalt zum Besten zu geben. Und den Göttern sei Dank liegt seine letzte Mahlzeit zwölf Glockenschläge zurück. Hastig zerrt er sich den Stehkragen seines Surcots bis über Mund und Nase und ist nicht länger erbost darüber, dass dieser inzwischen durch und durch mit den Aromen des Branntweins durchzogen ist. So wie der Brechreiz verfliegt, reißt er die Hände in die Höhe, um einen Zauber zu wirken. Begleitet von elbischer Zunge beschwören seine unablässig kreisenden Hände einen Wirbelsturm, nicht stark genug, um irgendwelche Zerstörungen im Schankraum anzurichten oder die Menschen darinnen in Gefahr zu bringen, aber stark genug, die Luft des Raumes in seinen Sog zu ziehen, dass die frische Nachtluft von draußen durch die zerborstenen Fenster nachströmen muss, denn so wollen es die Gesetze der Natur.
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Dieser Beitrag wurde bereits 4 mal editiert, zuletzt von »Shalhor« (9. Dezember 2018, 00:03)


64

Sonntag, 9. Dezember 2018, 01:35

Der Ton des Großen lässt Dar annehmen, dass er aus irgend einem Grund etwas gegen den Zwerg wohl hat, sodass Dar, schon bevor er er mit einer entschuldigenden Geste die Hand auf dessen Ellebogen legend, für ein kleines Malheur sorgt, sich wieder zurück auf die Bank ans Fenster wünscht. Nicht das er sich irgends persönlich betroffen fühlt, nein; dass andere auch rein sprichwörtlich auf ihn herab blickten passierte ihm hier schließlich nicht zum ersten Mal. Das, was ihn tangieren könnte, war schließlich nie seine etwaige Unangepasstheit an irgendwelche gesellschaftlichen Etiketten, denn vielmehr der Umstand die in ihn gesetzten Erwartungen nicht erfüllt, ihm wichtige Bezugspersonen enttäuscht zu haben. Und auch wenn sein letzter Versuch mit seinem Gegenüber in ein Gespräch zu kommen, indem er dessen Hilfsbereitschaft offen anspricht, ihn scheinbar nur noch erbärmlicher in des anderen Wertschätzung erscheinen lässt, berührt ihn all dieses nicht wirklich. Wobei Dar offen gestanden dann doch etwas entgeistert von Shalhor zu Sigourny schielt, als Ersterer, direkt neben Letzterer stehend, verkündet, nur jenen Damen beizustehen, die er auch „vögeln wolle“, ehe er sich dann entgültig den Rufen von der Vorderfront zuwendet. Gerade als er wieder auf seiner Bank vor dem zur Seitenstraße weisenden Fenster des Pfirsichs sitzt ertönt erst die Entwarnung und dann der Auftritt des Boten Grappes, wer auch immer Grappe ist. Während die meisten zu den vorderen Fenstern eilen oder aber sich tiefer in den Raum zurück ziehen, bleibt Dar an seinem Seitenfenster sitzen und ein kurzer Blick zeigt ihm, dass wenigstens zwei von Sigourys Leuten gleichfalls die zur anderen Seitengasse weisenden Fenster, ihm gegenüber, weiter im Blick auch behalten. Schließlich kann die Aktion vor der Hauptpforte auch nur eine Ablenkung bloß sein.

Doch während zu den Seiten hier alles ruhig bleibt, bricht das Chaos dann doch tatsächlich an der Vorderfront los, als von dort etwas durch ein Fenster segelt, an zwei Stellen auf dem Boden, ein weiteres Mal auf einem Tisch beziehungsweise ein viertes Mal an der Bar des Gastraumes zerschelt. Beinahe sofort steigt selbst Dar etwas unangenehm Stechendes in die, mit einem Male nun zu seiner Freude nun, beinahe gänzlich verstopfte Nase und panische Rufe, begleitet von würgenden Geräuschen und dem Klatschen von sich zusätzlich auf den Boden ergießendem Erbrochenem, durchdringen von überall her kommend den Raum. Beinahe sofort kommt ihm die Erinnerung an eine Szene im Labor seines alten Lehrmeisters in den Sinn, der ihm auf die Frage, weswegen er neben etlichen Arzneien, Pülverchen, Tinkturen, Erzen und Säuren denn bitteschön auch einen großen Sack Mehl denn hatte ordern lassen, als die allgemeinen Vorräte mal wieder aufgestockt wurden. Sein Lehrmeister war daraufhin wortlos zu einem der Versuchsaufbauten gegangen, hatte sich dabei etwas aus einer kleinen Dose um die Nase gestrichenund dann vorsichtig den Alembik von zwei Glaskolben genommen, Dar kalt angelächelt und anschließend die beiden Kolben mit einem absolut unglaubwürdigen „Oups!“ umgestoßen, dass die darin befindlichen Flüssigkeiten zischend zusammenflossen um in aller Gemütsruhe anschließend zwei Handvoll Mehl darüber zu streuen, derweil Dar sich die Gedärme aus dem Leib kotzend am Boden wand. So zögert Dar nicht lange, stürmt zur Küche und ruft der ihm aus dem Dunkel derselben entgegenkommenden Annest zu, sie möge schnellstens Mehl herbeisch- doch da fliegt ihm auch schon ein offener Dreikilosack Mehl entgegen, während die Köchen einen Gutteil Ihres eigenen Beutels über das Malheur am Tresen schüttet. Offensichtlich wissen also auch gute Köchinnen um die hervorragend geruchsbindenden Eigenschaften fein gemahlenen Mehls. Aber sich darüber auszutauschen ist wohl auch später noch Zeit.

Erst jetzt, im Umwenden, bekommt er mit, was der Elb schon hilfreiches vollbracht hat. Doch auch das muss warten. Von einem Malheur zum Anderen eilt Dar und staubt Erbrochenes, wie auch das undeutbaren Konglomerat aus den zerbrochenen Wurfgeschossen zu, wobei der Wind diese Aktion zumindest doch eher erschwert. Derweil streiten die an den Fenstern stehenden Bewohner des Pfirsichs ob die Fenster nun geöffnet werden sollten – frische Luft einzulassen – oder aber – ob der Bedrohung von draussen – alles an Fenster und Türen geschlossen zu halten sei. Aber noch ehe Dar und Annest die letzten Reste Mehl ausgestreut haben erschallen auch schon laute Rufe der Stadtwache, die Einlass begehrt, erfahren will, ob denn auch alles in Ordnung ist. So kommt es schließlich, dass Dar und Annest wie zwei bleiche Mehlgeister inmitten der restlichen Bewohner des inzwischen auch wieder illuminierten Gastraumes des Pfirsichs sich wiederfinden. „Madame Sigourny, alles in – ough – aehm, in Ordnung?“ Die von Keuchen und einem leichten Würgen begleitete Frage des Blaumantels, kommt sogar Dar reichlich dämlich vor. Aber während Annest mit einigen Anderen das Aufwischen der stinkenden Überreste übernimmt, stapft Dar nur mit einem lapidaren „Muss wohl nochmal baden.“, die Treppe hinnauf. Mit den Blaumänteln ist‘s jetzt wohl wieder sicher, so das Dar sich oben einer erneuten Wäsche widmet, allerdings dieses Mal über eine Waschschüssel gebeugt und nicht wieder ausgiebig in der Wanne.
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Sigourny

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65

Sonntag, 9. Dezember 2018, 16:19

>Nur denen, die ich vögeln will. < Sigourny hätte sich beinahe am Brandwein verschluckt. Bitte wie, was? Mit großen Augen starrt sie den Elben an und kann gerade noch so vermeiden, dass ihr die Kinnlade runterklappt. Hat dieser ansonsten immer so korrekte und beherrschte Elb eben „vögeln“ gesagt und das in einem Satz mit ihrer Person? Die Wirtin zieht eine Augenbraue hoch und mustert das Spitzohr unauffällig. Sicher, dass er ein ansehnliches Mannsbild ist, dass ist ihr schon des längeren aufgefallen, aber weiterreichendere Gedanken hat sie sich bis dato vehement verboten, immerhin ist er ihr Geschäftspartner und vor allem: Seine Lordschaft hat es sicher nicht notwendig, sich mit einer Hurenmutter einzulassen. Sollte diese seine Aussage aber nur ansatzweise der Wahrheit entsprechen und nicht nur aus einem Affekt heraus getätigt worden sein …. Von der Bettkante schubsen würde sie Shalhor sicher nicht. Bist du noch bei Trost? Draußen treiben sich was wissen die Götter was für Gestalten herum und du denkst darüber nach, ob dir ein vornehmer Elb unter Umständen das Lager wärmen will? So von ihren Gedanken (und einigen klitzekleinen Phantasien) abgelenkt, bekommt sie das Wortgefecht um eine mögliche Erkältung Dars nicht mit, sehr wohl aber, dass am Fenster Alarm gegeben wird. Doch es ist ein Fehler … was dann kommt aber nicht. Bei den Beleidigungen der Stimme, in dessen Dialekt „Unterstadt“ nur zu deutlich mitschwingt bleibt Sigourny noch ruhig aber als dieses Individuum beginnt von Vergessen zu reden, platzt ihr der Kragen. Schneeweiß ist sie um die Nase und ihre zu Fäusten geballten Hände zittern, aber ihre Stimme ist klar, als sie den ungebetenen Gast erklärt, was sie vom Vorschlag der Grappe hält. Aus den Augenwinkeln wird sie einer Bewegung gewahr: Der Elb zieht sein Schwert und eine Welle der Dankbarkeit steigt in ihr auf. Das wäre ein Moment, in dem sie ihm nicht böse gewesen wäre, wenn er verschwunden wäre aber nein: Er ist bereit sich mit ihr und ihren Leuten dem Gesocks zu stellen. Wie auch der nicht mehr ganz so fremde Zwerg, der wieder am Fenster Stellung bezogen hat, ebenso wie Ronan.

Und dann bricht das Chaos aus: Es stinkt bestialisch, es stinkt nach Erinnerungen, nach Unterstadt. Fäulnis, Verderben. Rings um sie hört sie Leute, die sich übergeben, auch sie würgt, doch ihr Mageninhalt bleibt wo er hingehört: Sie hat diesen Gestank lange Zeit eingeatmet, ihn mit der Muttermilch inhaliert und auch wenn diese Tage vorbei sind: Eine gewissen Resistenz gegenüber diesem „Geschenk“ ist ihr erhalten geblieben. Irgendetwas macht Shalhor an ihrer Seite, die Gestanksschwaden ziehen zum zerschlagenen Fenster. Dar und Annest haben in Geistesgegenwart begonnen die Bescherungen am Boden mit Mehl zu bestreuen, die Windböen des Elben verwandeln die beiden dabei aber in etwas, dass stark an Mehlmonster erinnert. Als dann auch noch ein Trupp Blaumäntel, angeführt von Doug, im Schankraum auftaucht und mit, ob des Restgestanks, mühsam aufrecht erhaltener Selbstbeherrschung wissen will, ob alles in Ordnung ist, ist es mit ihrer Selbstbeherrschung endgültig vorbei. Hysterisch kichernd lässt sie sich einfach in Mitten des Chaos auf den Boden plumpsen (zum Glück ist an dieser Stelle kein Mehl oder sonstiges). Alle, bis auf den Zwerg, der sich mit einem trockenen >Muss wohl nochmal baden< in seine Kammer verzogen hat, starren Sigourny an, als wäre sie von allen guten Göttern verlassen. Einige Minuten ringt sie um Luft, um dann, unter Kichern (oder ist eher schon ein trockenes Schluchzen?) eine mühsame Antwort hervor zu bringen. „In…. In Ordnung? Ja schon … ich meine …. Wir leben … es ist zwar alles voller Mehl und …. Was das auch immer ist, der Ge ….Gestank bleibt sicher einige Tage und das Fenster …. Fenster ist hin aber …. Alles , alles in Ordnung. Nur ein blöder Streich. Oder nicht?“ Und dann, etwas gefasster und würdiger, weil wieder auf den Beinen (wer ihr auch immer aufgeholfen hat, das hat sie gar nicht mitbekommen) „Entschuldigt bitte, Ich … Ich war etwas erschrocken ob der Angelegenheit. Ich vermute, da war jemand erbost weil wir heute früher geschlossen haben. Habt dankt für euer rasches Kommen.“ Wendet sie sich an die Blaumäntel. „Auf den Schreck sollten wir uns vielleicht einen Schluck genehmigen.“ Mit diesen Worten ist sie bereits hinter dem Tresen, stellt Gläser bereit und will einschenken. Doch ihre Hände zittern und es ist Tane, der ihr wortlos die Flasche abnimmt, die Gläser befüllt und die Wache in ein Gespräch verwickelt. Mit einem Mal fühlt sie sich unsagbar müde, alles um sie herum scheint sie nicht zu tangieren: Tane, der die Wachen beruhigt und seine Charme einsetzt, Annest und die Mädchen, die den Schankraum säubern, Ronan und Gurvan, die das zerstörte Fenster notdürftig mit Brettern verschließen. Da spürt sie eine Hand auf der Schulter und als sie den Kopf wendet, steht Shalhor hinter ihr. „Das werde ich dieser Kanalhexe in ihrem Loch dort unten heimzahlen, das schwöre ich bei allen Göttern und Archonen. Irgendwie, ich weiß noch nicht wie! Aber das bekommt sie zurück …“ Ihre Stimme ist so leise, dass nur der Elb sie hören kann und wenn, kann er es übergehen, so leise waren die Worte.

Shalhor

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66

Sonntag, 9. Dezember 2018, 21:15

So unaufhörlich der bestialisch-beißende Gestank aus den Überresten der Geschosse jede nachströmende Luft wie faulige Firnis verdirbt, so unablässig tanzen seine Hände und murmeln seine Lippen, die Kraft der Windhose zu nähren und das ätzende Fluidum einzufangen, dass sich in ihrem Innersten zu einem immer dunkleren, giftgrünlichen Gewölk verdichtet. Noch mag sein Zauber verhindern, dass sich ein Jeder hier im Raum halberstickt am Boden windet. Er kann sie nur fähig halten etwas zu tun und das müssen sie, sonst wäre sein Zauber nur ein aussichtsloser Kampf gegen das Symptom, begrenzt von dem Mana in seinem Blut. Er weiß es und darf sich dennoch auf nichts anderes konzentrieren als diesen Zauber zu kontrollieren. Und sie tun etwas! Aus dem Augenwinkel wird er dessen gewahr, nicht wer oder was genau. Wenn sich jetzt noch irgendwer erbarmen würde, die Tür zu öffnen, wäre er sehr dankbar, denn sein Gespinnst erreicht langsam eine kritische Masse gleich einer Gewitterwolke, spannungsgeladen und inzwischen zu groß, um es durch ein Fenster zu schmettern. Den Göttern sei Dank wird sein Flehen erhört. "BEISEITE", ist sicherlich nicht die übliche Begrüßung, mit der Blaumäntel empfangen werden, aber sie reagieren geistesgegenwärtig und wie geheißen. Und kaum ist der Weg nach draußen frei, drängt Shalhor die Windhose mit allem was sie mit sich trägt in die Nacht hinaus und lässt sie sich in den Himmel hinauf schrauben. Mögen die Winde günstig stehen.

So kehrt seiner Lordschaft Aufmerksamkeit wieder ins Hier und jetzt zurück und sieht das ganze Ausmaß des Chaos hier im Schankraum vor sich und mitten darinnen eine Köchin, so paniert wie ein Filét und eine auf dem blanken Boden sitzende Madam, die so hysterisch auflacht, als sei sie von allen guten Geistern verlassen. Langsam zieht er sich den Surcot von seinem Antlitz und noch langsamer senken sich seine Augen auf sein Erscheinungsbild hinab. Neben dem dunklen Kuss Normander Feuerweins zieren nunmehr helle Schlieren seinen einst graublauen Surcot wie Wolkenbänder. Modell beschwipster Windbeutel? Er mag lieber nicht so genau darüber nachdenken, auch nicht wie das hier Marthe erklären soll oder ob überhaupt. Madams Schluchzen (so wenigstens hört es sich für ihn an), holt seine Aufmerksamkeit ohnehin wieder ein. Die Erklärungen, die sie den Blaumäntel liefert, sorgen ihn nicht weniger. Warum erzählt sie ihnen nicht von der Fee und der Grappe und warum das hier alles tatsächlich geschehen ist? Es fällt ihm schwer, sich hier herauszuhalten und die Dinge nicht beim Namen zu nennen. Und er ist froh, dass sich Tane um die weiteren Fragen der Gardisten kümmert, denn Madams Einladung auf einen Schluck, können sie im Dienst schließlich nur ablehnen. Unauffällig entfernt auch er sich aus dem Kreis um die Gardisten und folgt Madam an den Tresen.

Sie wirkt auf ihn nicht so, als habe sie sich wirklich wieder gefangen, vielmehr als suche sie eine Beschäftigung und seien es nur gewohnte Handgriffe, an die sie sich klammern kann, um nicht zu fallen. Er kennt diese Art Ohnmacht, mag sie auch schon länger zurück liegen ... all die Strohhalme um nicht in düsteren Erinnerungen zu ertrinken ... all die Nebel, die den Blick auf das Gute nehmen ... Um sie nicht zu erschrecken, legt er seine Hand auf ihre Schulter und spürt wie sie zittert.
>Das werde ich dieser Kanalhexe in ihrem Loch dort unten heimzahlen, das schwöre ich bei allen Göttern und Archonen. Irgendwie, ich weiß noch nicht wie! Aber das bekommt sie zurück …< "Sssssscht", zieht er sie einfach an sich und hält sie nur. "Es ist für vorbei. Für heute ist es einfach nur vorbei. Eure Leute haben schon begonnen, das angerichtete Chaos zu beseitigen. Die Fensterscheiben lassen sich ersetzen. Ich kümmer mich morgen gleich darum und dann habe ich auch wieder genug Mana im Blut, die Luft im Schankraum nochmal zu reinigen. Ihr könnt Euch ausruhen. Es war ein harter Tag für Euch."
Man sollte keine Dummheit zweimal begehen, die Auswahl ist schließlich groß genug!

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Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Shalhor« (9. Dezember 2018, 21:45)


Sigourny

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Beruf: Pfirsichwirtin und Teilzeitdiebin

Wohnort: Der Pfirsich

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Montag, 10. Dezember 2018, 09:16

Den Brandwein schlagen die Gardisten mit dem Hinweis auf ihren Dienst aus, einen guten, starken Cofea jedoch nicht. Maddie taucht eben mit diesem aus der Küche auf, so schüchtern und scheu das Mädchen sonst auch ist, in der Küche tritt sie schon jetzt in Annests Fußstapfen, auch was Umsicht und das Erahnen kulinarischer Wünsche und Bedürfnisse angeht, aber sie lernt ja auch von einer der Besten. Eigentlich hätte sie ja mit ihrem Bruder oben bleiben sollen aber als der Radau unten losging, konnte die Geschwister nichts mehr halten. Perrin ist mittlerweile in den Mietstall gesaust, um nach den Pferden zu sehen, sie sind seine Verantwortung, die er sehr ernst nimmt.

Tane kann sich auch nicht ganz erklären, wieso Sigourny den Vorfall so herunterspielt, sie stehen es sich gut mit der Wache und ein Hinweis würde genügen, um die Wachen im Umkreis des Pfirsichs diskret zu verdoppeln. Wird schon ihre Gründe haben, was weiß ich, was sie mit der Grappe verbindet …. Oder wohl eher abstößt! Tane hat keine Ahnung, was damals wirklich passiert ist, als die jetzige Pfirsich Wirtin die Orchidee verlassen hat, er hat sie erst später im Rahmen eines Einbruchs kennen gelernt. Sie spricht eigentlich nie über ihre Kindheit in der Unterstadt, und so sehr sie sich sonst wie Bruder und Schwester vertrauen, dieses Thema kam nie zur Sprache.

Aus den Augenwinkeln sieht er, wie das Spitzohr sich Sigourny nähert, die für ihn den Eindruck macht, gleich vollkommen umzukippen. Sie muss schleunigst hier raus! Wenn sie vor allen noch mehr Schwäche zeigt, als sie ohnehin schon durchblitzen hat lassen, wird sie sich das kaum verzeihen. Als der Elb die junge Frau in den Arm nimmt, und sie das auch noch ohne jede Gegenwehr geschehen lässt, fühlt Tane sich bestätigt. Er hat das hier schon im Griff, Annest kommandiert die Putztruppe und die Blaumäntel schicken sich an, den Pfirsich zu verlassen, nicht ohne zuvor zu versprechen in der nächsten Zeit ein besonders wachsames Auge auf den Gasthof zu haben. Sein Blick findet den des Elben und er gibt ihm mit einem kurzen Nicken in Richtung der Treppe ein Zeichen, die Wirtin aus dem Schankraum zu bringen, hoffentlich versteht er ihn.

Annest hingegen hält nichts davon, in so subtile Zeichen zu vertrauen. Sie ist, ebenso wie Tane der Meinung, dass die Dienstherrin genug für heute hat. So taucht die ältere Dame unauffällig hinter dem Reeder auf, steckt ihm einen Schlüssel in die Tasche seines Surcots (den sie mit leichtem Nasenrümpfen beäugt) und flüstert ihm zu „Im Dachgeschoß, auf der linken Seite, die letzte Tür rechts. Dort ist ihre Wohnung, bringt sie hinauf, ich bitte euch. Das ist der Zweitschlüssel. Euch wird sie folgen, uns nicht.“ In der Stimme der Köchin schwingt ehrliche Sorge mit. Sie ist mit den Geschäften des Pfirsichs nicht immer einverstanden aber Sigourny hat sie in ihr Herz geschlossen, ein wenig wie eine Tochter, die sie nie hatte (obwohl sie einer Tochter ob dieses ihres Betätigungsfeldes die Ohren langgezogen hätte). „Und hier …“ ein zweiter Schlüssel findet den Weg in die Surcot Tasche. „Im ersten Stock, nach Norden hinaus, dritte Tür links. Die Kammer ist gerichtet, ich denke ihr wollt heute nicht mehr den Weg in euer Anwesen in Angriff nehmen.“ Darüber, ob der Reeder diesen zweiten Schlüssel in dieser Nacht noch nutzen wird, denkt Annest lieber nicht nach, sie hat ihren moralischen Ansprüchen Genüge getan.

Von all dem bekommt Sigourny nicht wirklich etwas mit. Als Shalhor sie mit einem beruhigenden >Sssssscht< in die Arme zieht, ist sie nicht fähig, sich irgendwie zu wehren. Will sie eigentlich auch gar nicht. Sie ist nur müde und will sich verkriechen, obwohl sie doch stark sein sollte, ihre Leute brauchen sie, sie ist doch (neben der Flammenblüte) Grund für dieses Schlamassel. Aber es tut einfach nur gut, sich in den starken Armen des Elben zu befinden, sich an die breite Brust zu lehnen, auch wenn der Mantel ziemlich nach Brandwein riecht. Aber sie duftet nach der was-auch-immer Attacke auch nicht wie eine Frühlingsblume. Am liebsten würde sie die Zeit anhalten, sich hier in gefühlter Sicherheit ausruhen, Kraft sammeln, Pläne schmieden. Denn Schlaf würde sie trotz allem vermutlich kaum finden und wenn, dann durchdrungen von dunklen Träumen, genährt aus den finsteren Erinnerungen. Nur am Rande nimmt sie den Gruß der Blaumäntel wahr, die den Pfirsich verlassen. Dann merkt sie, dass sie, immer noch umfangen von den starken Armen Shalhors in Richtung Treppe geführt wird. Kurz hebt die junge Frau den Kopf „Tane …“ „Schon gut, Sonnenschein, hab alles im Griff. Ab mit dir!“ Eigentlich sollte sie wiedersprechen, aber sein Ton und der bestimmte Zug die Treppen hinauf ersticken jeden Widerspruch im Keim.

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Shalhor

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68

Montag, 10. Dezember 2018, 18:07

Ihr Racheschwur war kaum mehr als das letzte Aufbäumen einer Frau, die nicht klein beigeben mag. Wie ausgebrannt sie tatsächlich ist, spürt er, als sie seinen Armen widerstandlos nachgibt, auch wenn es noch ein paar beruhigender Worte bedarf, seinen Halt anzunehmen und sich gegen seine Brust zu lehnen. Es würde sicher nicht schaden, wenn sie sich die ganze Anspannung von der Seele weinte. So wie er sie hält, würde es keiner sehen und von ihm auch niemand erfahren. Aber das geht wohl noch einfach nicht. Er sollte sie hier wegbringen, irgendwohin wo es ruhiger ist und sie nicht auf die Idee kommt, für irgendjemand anderen stark sein zu müssen, sich um irgendwas zu kümmern oder irgendetwas in der Art. Die Sache hat nur einen kleinen Haken, außer Schankraum und Kontor kennt er sich in ihrem Haus überhaupt nicht aus. Sein Blick findet den Tanes, der ihm mit einem kurzen Nicken hin zum Aufgang zu verstehen gibt, dass er das genauso sieht. Dort hinauf, folgen seine Augen der gewiesenen Richtung noch unschlüssig und dann? Er möchte sie ungern in eines der "Spielzimmer" (was auch immer er sich darunter vorzustellen hat) verfrachten oder in dieses, von der Fee erwähnte, Bad, in dem man Spaß haben könnte. Erst Recht nicht weil Sie dabei stand, als er dem Zwerg die passende Antwort auf eine seltsame Frage gab, die sie keinesfalls missverstehen soll. Da merkt er, wie irgendjemand an seinem Surcot zupft, so als wolle ihm jemand in die unauffällig in die Seitennaht eingelassene Tasche langen. Doch wie er danach schaut, sieht er die Köchin und das letzte metallische Aufblitzen eines kleines Gegenstandes, den sie ihm zusteckt. Auf ihren verschworenen Blick hin neigt er sein Haupt zu ihr und hört sie flüstern: „Im Dachgeschoß, auf der linken Seite, die letzte Tür rechts. Dort ist ihre Wohnung, bringt sie hinauf, ich bitte euch. Das ist der Zweitschlüssel. Euch wird sie folgen, uns nicht.“ Shalhor glaubt ihr das sofort, so wie er sie kennt,nickt und dankt ihr mit einem Lächeln. Aber das ist nicht der einzige Schlüssel, den sie ihm unterschiebt. Diese gute Seele hat nicht nur ein sorgsames Auge auf die Hausherrin. Sie hat sogar an ihn gedacht, so umsichtig und zuvorkommend, dass sich Shalhors Linke angetan und kurz um Annests Hand legt, um ihr seine aufrichtige Dankbarkeit zu zeigen, ohne dass ihr beider "Sorgenkind" darauf aufmerksam wird. Dann lotst er Madam einen Arm weiter um sie gelegt behutsam gen Aufgang. Ins Dachgeschoß also, linke Seite, letzte Tür rechts.

Weit kommen sie nicht. Als sich die Blaumäntel verabschieden und somit etwas Unruhe in den Schankraum kommt, sperrt sie sich weiterzugehen und sieht sich nach Tane um und ruft nach diesem. Es ist nicht das Erste mal, dass Shalhor den Eindruck hat, dass der junge Mann ihr besonderes Vertrauen genießt, so wie er immer ein besonders Auge auf sie zu haben scheint, beinahe so wie Bruder und Schwester. So irritiert es ihn nicht, dass er sie Sonnenschein nennt und sich auch nicht scheut, seine Dienstherrin hinaus zu scheuchen. Wirklich überzeugt ist sie allerdings nicht. So folgt sie nur widerwillig seinem sanften Schub, dass er sie wie selbstverständlich einfach auf die Arme nimmt. Trotz all ihren hinreißend üppigen Vorzügen an genau den richtigen Stellen (die Shalhor heute schon bemerken durfte) ist sie gertenschlank und leicht wie eine Feder und soll ihm keine große Mühe kosten, die Stufen hinauf bis unter das Dach zu tragen. Linke Seite, letzte Tür rechts! Die hier muss es sein. Vor ihren Räumlichkeiten angelangt setzt er sie auf ihre eigenen Füße ohne sie aus seinem Arm zu lassen, holt sich die beiden zugesteckten Schlüssel hervor, die wieder in jener Tasche landen, nachdem er aufgeschlossen hat und nimmt sie wieder hoch. Der Raum den sie betreten, scheint nur dem privaten Aufenthalt zu dienen, wartet mit Sitzgruppe, Bank und einem großen Bücherregal auf, dass er sie gleich durch die zweite Tür trägt und findet sich in ihrem Schlafgemach wieder. Dort packt er sie gleich auf ihr Bett und hockt sich an das Fußende, um ihr die kleinen Stiefelchen aufzubinden und von den Füßen zu ziehen. "Ich werde heute Nacht auch hier im Haus übernachten. Fühlt Euch also bitte absolut sicher und bleibt liegen, Ihr müsst Euch unbedingt ausruhen, aye? Kann ich sonst noch irgendetwas für Euch tun?"
Man sollte keine Dummheit zweimal begehen, die Auswahl ist schließlich groß genug!

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Dieser Beitrag wurde bereits 4 mal editiert, zuletzt von »Shalhor« (10. Dezember 2018, 18:39)


Sigourny

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69

Montag, 10. Dezember 2018, 22:58

>Kann ich sonst noch irgendetwas für Euch tun? < An jedem anderen Tag hätte Sigourny das letzte bisschen Stolz und Selbstbeherrschung zusammengekratzt und Shalhors Frage dankend verneint. Aber heute ist kein Tag wie jeder andere: Ihre Fassade ist in der letzten Stunde regelrecht auseinandergebrochen und hat eine sehr verletzliche junge Frau zurückgelassen. „Bitte … bitte bleibt noch etwas hier, nur … nur bis ich eingeschlafen bin!“ Bei diesen Worten stielt sich eine Träne aus ihrem Augenwinkel. Der Elb nickt nur stumm und lässt sich auf der Bettkante nieder, nicht ohne sie vorher jedoch behutsam mit dem Laken zuzudecken. Ihre Hand findet seine und umschließt sie, als wollte sie sich an irgendetwas festhalten. Und dann, nach einigen Minuten der Stille beginnt Sigourny zu reden. Was sie ihm erzählt, hat sie noch niemandem je erzählt, selbst Tane hat keinen blassen Schimmer davon.

„Meine Maman war eine schöne Frau, jedenfalls soweit ich mich erinnern kann. Sie hat mir immer Geschichten vom großen See und den Schiffen im Hafen erzählt. Und von der Sonne und weiten Wiesen. Und vom Glücklich sein. Ich kann mich an ihr Gesicht nicht mehr erinnern, aber an ihre Stimme, wenn sie mir die Geschichten erzählt hat … bevor sie die Truhe verschlossen hat, in der ich geschlafen habe, unten in der schwarzen Orchidee. Ich musste immer ganz leise sein, damit die Freier nicht mitbekommen haben, dass ich da war. Aber ich hab immer alles gehört, auch wenn Maman dachte ich schlafe. Und irgendwann hab ich sie auch gesehen, als ich das kleine Loch in der Truhe entdeckt habe. Aber ich hab es ihr nie erzählt, sie sollte sich doch keine Sorgen machen. Wisst ihr, Schreie sind in der Orchidee etwas Normales, Schreie der Lust, aber auch des Schmerzes oder der Angst. Ich habe schon als Kind gelernt, sie auseinander zu halten, sie nicht mehr zu hören. Aber eines Abends, ich war vielleicht vier Sommer alt, da hat Maman geschrien, wie ich noch nie zuvor jemanden hab schreien gehört. Sie hat mich in die Truhe gesteckt, aber sie war so anders an diesem Abend, so fahrig, als hätte sie Angst. Und sie hat mir mehr als sonst eingebläut, mich nicht zu rühren, keinen Mucks von mir zu geben, egal was sei. Sie hat mir auch etwas Brandwein zu trinken gegeben, ich war ganz schläfrig und dann auf einmal hat sie geschrien. Aus Schmerz und Angst, Todesangst. Ich … ich hab mich nicht gerührt, so wie sie gesagt hat, aber sie hat nicht aufgehört und geweint hat sie auch. Da hab ich durch das Loch geschaut, dafür musste ich mich nicht viel bewegen. Und da hab ich ihn gesehen, einen Mann, das heißt eigentlich nur seine Rückseite. In einer Hand hielt er ein Glas, in der anderen eine Kerze. Und dann hat er die Kerze geneigt, so dass das Wachs auf Mamans Bauch getropft ist und als sie geschrien hat, hat er getrunken. Sie konnte sich nicht wehren, er hat sie ans Bett gefesselt. Und er hat gelacht und irgendwas gesagt, ich habe es nicht verstanden. Aber dann hat er die Kerze weggestellt und einen Dolch genommen, den muss er mitgebracht haben, Maman hatte so was nicht. Ein blutroter Stein war da am Heft, er hat fast wunderschön im Kerzenlicht geglänzt. Aber Maman hat nur noch gewimmert. Er ist zu ihr auf Bett gestiegen, hat sie genommen und dabei ist er mit dem Dolch immer wieder über ihre Haut gefahren. Er war schon ganz rot vor Blut, als er gekommen ist und sie in diesem Augenblick ….“ Sigournys Stimme bricht, die Tränen rinnen nun ungebremst, doch sie scheint es nicht zu bemerken. Der Blick ist ins Leere gerichtet, gefangen in den Erinnerungen. Nur ihre Hand, die sich nun fast krampfhaft an den Elben klammert, hält sie noch im Hier und Jetzt. „ … in diesem Augenblick hat er sie erstochen. Einfach so. Dann ist er aufgestanden, hat sich die Hände gewaschen, sich angezogen und ist zur Tür raus. Ich hab gewartet, aber als er nicht zurückkam, bin ich aus der Truhe raus. Sie hat sie an diesem Abend nicht verschlossen, ich weiß nicht warum. Ich bin zum Bett und da lag sie: Überall war Blut und das schwarze Wachs von den Kerzen. Ich hab sie angesprochen, gerüttelt, gesagt, dass sie aufwachen soll, weil es vorbei ist. Aber sie hat nicht geantwortet, nie mehr. Dann hab ich Schritte gehört und ich bin wieder in die Truhe zurück. Der Mann ist wieder gekommen, mit der Grappe. Die hat ihn beschimpft, weil er sich nicht beherrscht hat. Aber er hat ihr nur Münzen in die Hand gedrückt, gemeint, sie soll sich wegen einer räudigen Treppenkatze nicht so anstellen und dass er nun ohnehin die Stadt verlassen müsse. Aber es sei eine Freude mit ihr Geschäfte zu machen. Dann ist er gegangen, die Grappe hat ihre Handlager gerufen und ich hab Maman nie mehr wiedergesehen.

Stunden später hat Morna mich in der Truhe gefunden. Sie war die einzige, die wusste, wo ich versteckt wurde, wenn Freier kamen. Sie hat mich mitgenommen, aufgezogen und beschützt. Aber sie hat mir auch eingebläut, nie jemandem von jener Nacht zu erzählen. Ich hab das alles damals nicht verstanden aber ich hab verstanden, dass ich sterben werde, wenn ich ein Sterbenswörtchen sage. In den nächsten Jahren bin ich der Grappe aus dem Weg gegangen, hab versucht nicht aufzufallen. Was ich gebraucht habe hat Morna mir besorgt … oder ich habe es gestohlen. Aber ich wurde älter und eines Tages hat mich die Grappe doch wieder bemerkt. Ich muss so an die zehn Sommer gewesen sein, da ist Morna ganz aufgelöst aufgetaucht und hat gemeint, ich müsse nun noch viel vorsichtiger sein: Die Grappe hätte mich im Auge und würde davon reden, mich als die Tochter eines Seharims an den Mann zu bringen. Von da an war es ein immerwährendes Verstecken … und es ging gut, drei Sommer.“ Sigourny dreht den Kopf und sieht Shalhor in die Augen. Die Gesichtszüge des Elben sind unbewegt doch er erwidert ihren Händedruck, stumme Aufforderung, auch noch den Rest zu erzählen. „Eines Abends haben mich die Handlanger der Grappe erwischt. Ich vergesse nie Mornas Ausdruck, als sie mich mit ins Innere der Orchidee gezerrt haben. Sie konnte mir nicht helfen, nicht mit einem Messer an der Kehle. Sie haben mich in ein besonders schönes Zimmer geschleift. Dort hat die Grappe gewartet und ein Mann … der Mann. Jener, der Maman erstochen hat. Ich habe sein Gesicht nur kurz gesehen, als er blutverschmiert vom Bett gestiegen ist, aber vergessen habe ich es nie. Er war wieder da und er hat wieder mit der Grappe Geschäfte gemacht. Ich habe die letzten Sätze noch gehört, es ging um Opiate und darum, dass die Grappe nicht in Geld, sondern in Naturalien, mit mir zahlen wollte. Ihre letzten Worte, bevor sie den Raum verlassen hat, waren: Bitte lasst nach Möglichkeit genug von ihr über, dass sie noch ein paar Jahre arbeiten kann. Noch ist sie eine Jungfrau und sie gleich in der ersten Nacht zu verlieren wäre ein herber Verlust. Dann hat sie die Tür hinter sich versperrt, mich mit diesem Monster eingeschlossen. Alles war wie in der Nacht von Mamans Tod, Seile am Bett, schwarze Kerzen und der Dolch am Nachttisch. Und Wein, irgendetwas Teures. Er hat mich angesprochen, aber ich hab seine Worte nicht verstanden. Dann hat er mir die Kleider vom Leib gerissen und mich ans Bett gefesselt, wie Maman.“ Ihre Stimme bricht. Shalhor nimmt sie in den Arm und so beschützt kommt sie zum Ende.

„Er hat die Kerzen entzündet und sich Wein eingeschenkt. Dann hat er begonnen, mit den Kerzen zu spielen und …und dann fiel der erste Tropfen Wachs auf meinen Bauch. Der war noch nicht mal so heiß und ich hab nicht geschrien, ich wollte ihm die Genugtuung nicht geben. Erst hat es ihn erheitert, aber als ich auch beim zweiten und dritten Tropfen nicht geschrien habe, ist er wütend geworden. Er hat die Flamme ganz nahe an meinen Bauch gehalten, hier hin.“ Ihre freie Hand legt sich auf eine Stelle unter ihrem linken Rippenbogen. „Und das Wachs direkt aus geringster Höhe heruntertropfen lassen. Da … da habe ich dann geschrien, es war zu viel. Und er hat gelacht. Gelacht und getrunken. Sie ist entzündet! hat er geschrien. Dann hat er begonnen an seiner Hose rumzumachen, ich hab genau gewusst was er jetzt will. Aber ich wusste auch, dass er mich umbringen wird, ich hab’s in seinen Augen gesehen und da lag ja der Dolch. Ich hab begonnen mich zu wehren, hab an den Seilen gezerrt, aber er hat nur gelacht, es hat ihm gefallen. Aber Inari muss mich beschützt haben, weil der eine Knoten an meiner Hand war nicht fest und er ging auf. Da war meine Hand frei und daneben der Dolch und er war ober mir, nackt, lachend und bereit, über ich herzufallen und … und da war der Dolch in meiner Hand und …. Und ich hab ihn erstochen. Immer und immer wieder hab ich zugestochen. Und dann hab ich die Fesseln durchgeschnitten, und bin durchs Fenster abgehauen. Ich hab irgendwo Kleider gestohlen. Ich war ja nackt und dann bin ich gerannt, immer weiter. Irgendwann war ich aus der Unterstadt draußen, ich weiß bis heute nicht warum mich keiner aufgehalten hat.“ Sie atmet einmal durch, und eine einzelne Träne läuft über ihr Gesicht. „Nun wisst ihr, warum ich die Grappe so hasse … und sie mich. Ich habe damals unbewusst ihren Opiumlieferanten umgebracht. Jahre später habe ich durch Zufall erfahren, dass sie mit ihm groß ins Geschäft einsteigen wollte ….“ Sigourny starrt auf ihre Hand, die noch immer die des Elben hält. Noch hält er sie im Arm aber wie lange? Wann hat er sich von dem Schock erholt, dass sie eine Mörderin ist?

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Sigourny

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70

Montag, 10. Dezember 2018, 23:21

Briant

Briants Blick folgt dem Elben, der Sigourny die Treppen hinaufträgt. Sie ist froh darüber, ihre Dienstherrin hat bei allen Göttern nicht gut ausgesehen. Und sie schaffen das hier schon allein. Energisch schwingt sie den Putzlappen, während sie den unbekannten Werfern von was-auch-immer alle nur erdenklichen Qualen und Verhängnisse an die fünfmal verfluchten Hälse wünscht. So einer sollte ihr mal unter die Nase kommen, der könnte was erleben! Energisch tauscht sie den Wischer in den Kübel, fast zu energisch, denn es spritzt gehörig. „Verdammter Nargendreck!“ flucht die Mogbar. Das bringt ihr einen strengen Blick von Annest ein. Briant zuckt die Schultern. Was solls? Tane versperrt in der Zwischenzeit die Tür hinter den Blaumänteln. Das zerbrochene Fenster ist auch bereits notdürftig geflickt und gut zehn Minuten später ist auch der Boden wieder halbwegs sauber. Allerdings liegt nach wie vor ein seltsam fauliger Geruch in der Luft, der Briant einen leichten Brechreiz beschert. Morgen … oder eigentlich heute würden sie bei Morgengrauen gründlich lüften müssen und auch den Boden bei Tageslicht nochmal gründlichst reinigen. Auch das Fenster gehört erneuert und irgendwie hat sie das Gefühl, dass ob dieser Arbeiten der Pfirsich morgen geschlossen bleiben wird.

Ihr Blick wandert suchend durch die Gaststube, doch der Gesuchte ist nicht da: Dar, der Zwerg. Am Rande hat sie mitbekommen, dass er in seine Kammer gehen und sich waschen wollte. „Der kann doch gar kein warmes Wasser haben, wie will er denn den ganzen Mehlstaub und den Geruch vom Körper bekommen? Briant ist ein praktisches Mädel, eigentlich schon eine Frau und so marschiert sie in die Küche, wäscht sich kurz die Hände, schüttelt den Mehlstaub aus den Haaren und steigt, mit einer Schüssel heißem Wasser und zwei sauberen Handtüchern bewaffnet die Treppen hinauf. Chaos hin oder her, Gastfreundschaft hat man auch in solch einer Situation nicht zu vergessen und immerhin hat Dar, so hat sich der Zwerg vorgestellt, ihnen in diesem Chaos, dessen Grund sie eigentlich noch immer nicht ganz versteht, ja auch geholfen. Außerdem, seine Kleider gehören gewaschen, wenn er den Geruch je wieder los werden will. Im ersten Stock steuert sie auf die Tür zu seiner Kammer zu, sie hat sie ihm ja auch gerichtet. Ihr Klopfen ist dann aber doch etwas leiser, nur für den Fall, dass er sich doch schon zur Ruhe begeben hat, will sie den Gast nicht wecken. „Herr Dar? Seid ihr noch wach? Ich hätte noch frisches, warmes Wasser, falls ihr wollt und wenn ihr mir eure Kleider gebt, kann ich die noch waschen und ausklopfen.“

71

Gestern, 19:25

„Herr Dar? Seid ihr noch wach? Ich hätte noch frisches, warmes Wasser, falls ihr wollt und wenn ihr mir eure Kleider gebt, kann ich die noch waschen und ausklopfen.“ Nach nur wenigen Augenblicken hört Briant schwere, sich der Tür nähernde Schritte und dann geht diese auch schon auf. Barfuß aber leicht nach Kernseife duftend und mit sauberem und trockenem Oberhemd sowie einer ebensolchen Hose aus festen Hanffasern gewoben, steht Dar vor ihr. »Komm rein.« lächelt er und tritt beiseite. Den Badezuber hatte Dar, wie Briant erkennt, offensichtlich bereits wieder geleert und dem neben diesem stehenden Eimer nach zu urteilen mit zwei Hand breit frischem Wasser bereits wieder neu aufgefüllt. Mit einem lapidaren »Ich habe mich selbst bedient, wollte nicht stören, aber nur kaltes Wasser gefunden.« nimmt Dar ihr, die Tür offen lassend, die Schüssel ab und kippt dann aber den Inhalt derselben in den Zuber, darin eingeweicht in seifigem Waschwasser die abgelegten und immer noch ein wenig streng riechenden vormals noch getragenen Kleider Dars einweichen. »Aber würdest du mir einen anderen Gefallen wohl tun?«, verfällt der Zwerg, ohne es selbst zu merken, in ein vertrauliches “Du”.

An dem einzigen Tisch im Raum angelangt, auf welchem die noch zur Hälfte voller Mehlstaub seiende Rüstung liegt, setzt sich Dar auf den gleichfalls einzigen Hocker und greift sich eine Bürste, die er sich offenbar ungefragt irgendwo geschnappt hatte, und fängt an diese weiter zu reinigen. »Könntest du dich setzen«. Dar deutet, in Ermangelung eines weiteren Sitzplatzes hier im Raum, auf die Kante des momentan unbesetzten Bettes. »…und mir erzählen wer Grappe ist und was es mit der Unterstadt auf sich hat? Denn ich habe nicht vor, diese kleine Freundlichkeit«, mit einem Kopfnicken gen Zuber und dem Anheben der zwischenzeitlich weiter von ihm gereinigten Rüstung begleitet Dar seine Worte, »…unerwidert zu lassen!« Ein ruhiger, aber entschlossener Zug umspielt seine Lippen, derweil durch das geöffnete Fenster kalte Nachtluft in die Kammer dringt und die, ob des heißen Wassers im Zuber, aufsteigenden Dampfschwaden geisterhaft durcheinander wirbelt.

Gut den vierten Teil einer Stunde später, weiß Dar soviel von der schwarzen Orchidee mit ihren Treppenkatzen vor und Orchideen hinter den verschlossenen Türen, sowie dem allgemeinen Elend und aber auch der Gesetzlosigkeit dort drunten, wie wohl jeder halbwegs anständige, wie grundlegend informierter Talyraer. »Treppenkatzen, hm?« Sich seiner vorherigen ersten Befürchtung von durch die Vordertür des Pfirsichs getriebenen tollwütigen Normander Bluthunden erinnernd, wringt Dar die geschrubbten, eingeseiften und im Eimer mit klarem Wasser abschließend gespülten Kleider über dem Zuber aus. »Katzen… «, grübelt Dar laut. »Sagt, Frau Briant, habt Ihr in der Küche wohl Eiklar, Milch oder besser noch Sahne, Honig und Baldrian?« Dar schüttelt, erneut herzhaft gähnend, den Kopf. »Nein, Baldrian wohl nicht, aber richtet Madame Sigourny morgen doch bitte folgenden Vorschlag aus…« – Die Tür nun doch noch schließend, beugt sich Dar zu Briant vor und berichte ihr leise und in verschwörerischem Tone von seiner Überlegung Baldrianessenz in Eiklar aufzuschlagen und etwas Seife eventuell noch dazuzugeben um den Katzen – also den Tieren jetzt – um die Orchidee herum das großzügig anzubieten, derweil man leise das Gerücht von in der Unterstadt aufgetretenen Fällen von Tollwut streut und danach dann zurückgelehnt zuschaut, ob diese ominöse Grappe denn auch genauso gut einstecken, wie austeilen kann.
“Siehst du einen Riesen, so prüfe den Stand der Sonne und gib acht, ob es nicht der Schatten eines Zwerges ist.”

Dieser Beitrag wurde bereits 5 mal editiert, zuletzt von »Dar« (Gestern, 23:50) aus folgendem Grund: Rächtschraib'nngh


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