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Azra

Stadtbewohner

  • "Azra" started this thread

Posts: 1,058

Occupation: Wirtin der Goldenen Harfe

Location: Talyra

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1

Wednesday, March 5th 2014, 3:14pm

Der Sithechhain

Im Süden der Stadt, inmitten eines parkähnlichen Hains aus Trauerweiden und dunklen Zypressen, liegen die Begräbnisstätten Talyras. Das weitläufige Gelände ist bedeckt von kurzem, weichem Silbergras und die alten Bäume spenden tröstliche Schatten. Zwischen ihren mächtigen Wurzeln liegen uralte Grüfte aus Marmor und Granit, manche klein und unscheinbar, andere groß wie Schreine und mit wundervollen Fresken und Ornamenten verziert.
Viele sind leer und alt und von Moos und Flechten überwuchert, ihre Inschriften verwaschen und unleserlich geworden - andere noch immer von den ansässigen Familien in Gebrauch. Totenlichter brennen in durchbrochenen Bronzelaternen und werfen ihren matten Schein über Steinfiguren - über marmorne Seharim, die ihre Flügel über Grabplatten und Wege breiten, über Heilige vergangener Jahrhunderte, aber auch über Drachen, Phönixe, Einhörner und Harpiyen, die so manches uralte Grab schmücken, von Efeu überrankt und von zartem Graumoos bedeckt. Um viele Gräber wachsen Môrninaes in dichten Kissen, kleine Blumen mit zarten, silbergrünen Blättern. Nur auf Gräbern gedeihen diese Totenblumen, wie das gemeine Volk sie nennt, die im Sommer zartviolett blühen und süßen, betörend starken Duft verströmen. Aber auch wilde Rosen und purpurne Clematis ranken sich um die Sockel der Statuen und Grabsäulen, erobern sich leere Sarkophage und das Mauerwerk so manchen Mausoleums.

Der Sithechhain ist ein Ort der Trauer, aber auch ein Platz der Ruhe und Besinnung, wo die Stadt mit ihrem lauten, geschäftigen Treiben, den vielen Gassen und Menschen mit einem Mal tausendschrittweit fort erscheint. Der "Knochenacker" wird der Sithechhain im talyraer Volksmund auch genannt, obwohl die Schönheit und tiefe Stille dieses heiligen Ortes den groben Namen Lügen straft.
Avatar (c) by Niniane

An Irish taxi driver: "We Irish don't tell lies. We just try hard not to tell the truth."


nyanyanyanyanyanyanyanya.... BAT-CAT! :yell:

You walk me animally on the cookie! - Du gehst mir tierisch auf den Keks! ;D

Doran

Stadtbewohner

Posts: 38

Occupation: Alchemist

Location: Talyra Haus Sommerwind

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2

Monday, April 28th 2014, 9:46am

<--- Der grüne Aal

Warum musste es auf Friedhöfen immer so schaurig sein? Heute war genauso eine Nacht wie man sie sich in Gruselgeschichten ausmalt. Über dem ganzen Knochenacker liegt ein wabernder Nebel der Doran bis zur Hüfte reicht, die Lichter auf den Gräbern beobachten jeden seiner Schritte als er sich vorsichtig und mehr als ängstlich durch die Reihen der Grüfte zum vereinbarten Treffpunkt bewegt. Gespenstisch ist die Stille der Toten so das der Alchemist den feinen hellen Kies unter seinen Stiefeln knirschen hört so als wenn eine Ogerarmee hinter ihm her wäre. Kalter Angstschweiß rinnt ihm den Rücken herunter und seine Nerven sind zum zerreißen gespannt. Worauf hatte er sich hier nur eingelassen, wieso war er nicht in seinem Labor? Das ganze hier ist Wahnsinn weiß er noch nicht mal ob seine Nachricht Varin erreicht hatte. Was wäre wenn sie ihm hier und heute die Kehle aufschlitzen würden um ihn gleich vor Ort zu verscharren. Eine Eule fliegt über seinen Kopf und lässt ihn panisch zusammenzucken. Fast hätte er geschrien, doch im letzten Moment kann er sich noch zurückhalten.
Der Ort der Übergabe liegt vor ihm, eine Gruft aus weißen Marmor die durch einen alten Metallzaun umgeben ist. Der Sein und auch das Metall sind vom Zahn der Zeit nicht verschont geblieben und alles ist mit Pflanzen und Moos überzogen. Über dem Eingang der Gruft wacht ein Einhorn über die Ruhe der Toten. Auf seinem Rücken hocken zwei in Stein gehauene Raben, einst schmückte auch ein Familienwappen den Eingang doch dies liegt zerbrochen vor der Türe zu Füße von Meister Cunlin, der ihn schon erwartet. Sein breites Grinsen lässt Doran schaudern. Natürlich war er nicht alleine gekommen. Syler, sein ehemaliger Freund hockt etwas abseits an einer Mauer und hällt sich an einer Tonflasche fest, sein Blick ist ebenso panisch wie verwirrt. Ein zweiter Mann, den Doran nicht kennt steht etwas schräg hinter ihm, die mächtigen Oberarme vor der Brust verschränkt. Im Moment fühlt sich der Alchemist wie eine Laborrate in der Falle, doch nun gibt es kein zurück mehr. Vor ihm stehen zwei äußerst brutal aussehende Verbrecher, die sich sicherlich nicht von im einschüchtern lassen, dennoch strafft er die Schultern und versucht selbstsicher zu klingen.
„ Habt ihr dabei worüber wir gesprochen haben?“
Der Glatzkopf lächelt noch breiter und nickt beiläufig „ Du kommst gleich zur Sache, das gefällt mir reicher Bursche.“ Er winkt seinem Begleiter zu der hinter einem Steinsockel einen abgedeckten Käfig hervor holt. „ Du hast die Summe dabei?“ Doran schluckt, er hat das Geld tatsächlich dabei und ist sogar bereit dem schmierigen Kerl es zu geben, doch hofft er immer noch auf die Blaumäntel und Hauptmann Varin. „ Ich stehe zu meinem Wort, das weiß sogar Syler hier“ der Alchemist zeigt auf den versoffenen Kerl der völlig abwesend scheint. „ Zeigt mir euren Fang und ich zeige euch die Münzen!“ Seine Stimme ist brüchig und nervös, alles andere als Selbstsicher und das merkt der Schurke vor ihm nur zu genau. Hätte er keine Ohren würde sein Grinsen kreisförmig werden. „ Aber sicher doch...“

Anarshunjon

Unregistered

3

Wednesday, April 30th 2014, 11:55am

Jedes Zeitgefühl in dem Käfig verloren, glaubt der Feenmann schon gar nicht mehr daran, dass er irgendwas bewirken könnte. Seiner Kräfte beraubt schüttelt sein Gefängnis ihn wieder kreuz und quer durch, dass ihm Hören und Sehen vergeht. Doch heute, wenn es denn ein Heute gibt, ist etwas anders. Ein Fremder, das hört er an de Stimme, muss irgendwie dem Trio zugehören. Es gab schon etliche andere Stimmen die der junge Herr der Feenstadt hörte, aber keine war so ängstlich, wie diese. Auch verspricht diese weniger niederträchtig zu sein. Hier ging es um Geld, jede Menge dieser unnützen Währung der Großen offenbar. So recht mag sein geschundener Geist aber nicht verstehen was vor sich geht. Wieder und wieder hatte der Fastglatzkopf versucht herauszufinden wo die Nachtschattenstadt der Feen im Larisgrün ist und Anarshunjion hofft inständig es nicht verraten zu haben, aber unter all dem Leid und Elend und sicher auch Drogen mochte so alles mögliche Gehör gefunden haben. Anfangs war er sicher dem Schrecken standzuhalten. Lieber würde er zu Staub werden als Geheimnisse zu verraten, aber mittlerweile befand er sich von einem Delirium zum Nächsten. Klare Momente wie dieser hier, kennt er kaum noch.

Mühsam rappelt er sich auf wie jedesmal, wenn er wusste was er tut, um den, den die Großen Meister nannten, mit der wenigen Ehre die er noch hatte aufrecht zu begegnen. Der olle Käfig reicht nicht einmal um seine Flügel auszubreiten ohne dass sie das Gitter berührten und er halb besinnungslos vor Schmerzen wurde.

Das Tuch fällt, wie erwartet und trotzig schiebt der Fürstensohn sein Kinn vor. Unerschrocken starrt er den Fiesling an und sogleich den Fremden. Wie erwartet, kennt er den Mann nicht, aber seine Furcht kann er riechen!

Varin

Stadtbewohner

Posts: 32

Occupation: Blaumantel

Location: Talyra

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4

Saturday, May 3rd 2014, 9:46pm

Ganz in der Nähe eines steinernen Sarkophages, der vor ein paar Jahren zu unrühmlichen Ehren und einigem Bekanntheitsgrad gekommen war, einfach weil er das Pech hatte, Diardra Ailins letzte Ruhestätte zu sein, liegen noch andere, uralte Mausoleen und Gebeinhäuser alter talyrischer Sippen und hochgestellter oder schlicht reicher Persönlichkeiten an abgeschiedenem Ort auf dem Knochenacker unter uralten Weiden und mit langen, zarten Schleiern von Feenhaar verhangenen, knorrigen Eichen. Etwa der wunderschöne Totenbaldachin des Abaelard von Josbarn und Éloisas von Ribérac, die von Schattenefeu überwucherte Gruft der De Winters oder das prachtvolle Grabmal der Tallards, die im Lauf der Geschichte auch ganz andere als den greisen, tattrigen Giftzwerg hervorgebracht hatten, der im Augenblick für den Adel im talyrischen Stadtrat sitzt und anscheinend für immer und ewig leben (und anderen selbiges schwermachen) will. Es ist mitten in der Nacht, passenderweise die 'Stunde des Räubers', und der Nebel ist inzwischen so dicht, dass man noch nicht einmal mehr die Hand vor Augen sehen kann. Es ist kalt, nass und stockfinster, denn selbst der Schein der zahllosen Totenlichter und Laternen auf den Gräbern schafft es nicht, die undurchdringlichen, weißen Schwaden ringsum zu erleuchten. Doch Varin und seinen Männern, die hier wegen der etwas kryptischen, aber dringend klingenden Nachricht eines Alchemisten namens Doran Sommerwind auf der Lauer liegen, kann das nur Recht sein: wer immer sich hier bald einfinden würde, um dem Alchemisten eine gefangene Fee zu verscherbeln, würde in dieser Nebelsuppe noch nicht einmal die Hand vor Augen oder seine eigenen Stiefelspitzen erkennen, geschweige denn die irgendwelcher Blaumäntel hinter Gruftmauern, Sarkophagen und Grabsteinen. Varin und mit ihm zwei Drittel des Neunten Trupps einschließlich der Nahkämpfer, also des Narrenkönigs, Rhahs der Klinge - wie immer bis an die Zähne mit einer unüberschaubaren Anzahl von Messern und Dolchen jeder Form und Größe bewaffnet - , Schildbrecher und Reigen, der beiden Bogenschützen Merfyn Mawr und Merfyn Byr (die bei diesen Sichtverhältnissen wohl allerdings reichlich nutzlos sein werden), der Sappeure Sturmwespe und Rhysifan von Carsairs Ehr sowie des Spähers Orbyn samt seiner schattenstillen und ebenso schattengrauen Castéroner Dogge Grimm (die hoffentlich sehr nützlich sein wird) und natürlich Schussels, des inzwischen nicht mehr ganz so blutjungen und nicht mehr ganz so schusseligen Runensehers, der sie aber unbedingt hatte begleiten wollen.

Nur wohin und wozu? Hier ist ja nichts – nur Gräber, schlafende Tote und Nebel… Die beiden schweren Lanzer des Trupps, Zimperlich und Tornjag, warten zur Sicherheit außer Sichtweite und im Schutz der Dunkelheit eines kleinen Schwarzerlenhains, denn dank ihrer Größe, Statur und üblichen Bewaffnung sind sie eher fürs Grobe und weniger für hinterhältige Heimlichkeit in engen Gängen oder das Sich-hinter-windschiefen-Grabsteinen-Ducken gemacht. Obwohl das bei dem Nebel auch keine große Rolle spielen würde…Wie auch immer, der Narrenkönig – Sergeant und Truppführer des Neunten – hatte sie nicht mithergenommen und Varin würde sich nicht einmischen. Die Sergeanten kennen ihre Trupps am allerbesten. Der Alchemist hatte in seinem Schreiben Ort und Zeitpunkt seines Treffens mit dem Feenschmuggler genannt, um Hilfe gebeten und eine List vorgeschlagen: zu seiner Sicherheit sollten Varin und seine Blaumäntel sie doch bitte, wenn er das in Erwägung ziehen könne, einfach alle verhaften, also auch ihn und die Fee, so dass nicht der Anschein erweckt werden würde, er habe die Schmuggler verraten. Namen der Schmuggler konnte er ihnen zwar nicht wirklich nennen, aber Syler… oder besser Syler der Gescheiterte ist natürlich allen Blaumänteln ein Begriff. Da er nicht wirklich weiß, was ihn hier erwartet, hat er den gesamten Neunten Trupp mobilisiert und hergebracht… und hier sitzen sie nun in stockfinsterer Nacht und weißem Nebel, und harren der Dinge, die da kommen sollen. Wenn die Stunde des Räubers auf die Stunde der Nachtwache trifft… Die Blaumäntel des Neunten Trupps haben einen lockeren Kreis rund um die Gruft mit dem Einhorn und den Raben gezogen, locker genug, um die Schmuggler, die ein Weilchen später wie Schemen durch den Nebel gleiten - und dabei zwar keinen Lärm veranstalten, sich aber auch nicht ausgesprochen leise bewegen, ganz so, als rechneten sie fest damit, hier allein zu sein - in Sicherheit zu wiegen. Sie sind zu viert, einschließlich Sylers, den Varin jedoch nur an ein paar heiser geflüsterten Worten erkennt... und am Geruch nach billigem Branntwein, der wie eine betäubende Wolke durch den Dunst herüberzieht. Von den übrigen Schmugglern kann er weder Bewaffnung, noch Ausrüstung, noch ihre Gesichter sehen… nur ihre Umrisse, ehe sie den ohnehin nur schwachen Schein ihrer abgedeckten Laternen vollends verlöschen, um ihrerseits im Nebel zu warten, nicht anders wie auch die Blaumäntel. Einer der grauen Schattenrisse huscht lautlos davon, offenbar um sich irgendwo auf die Lauer zu legen und Varin schickt mit einem lautlosen Handzeichen Rhah die Klinge hinter dem Schmuggler her, der sich in die Heimlichkeit davonstehlen will, um ihn zum passenden Zeitpunkt ebenso still auszuschalten. Der Blaumantel nickt nur und ist im nächsten Augenblick verschwunden.

Nur einen Moment später tauchen die Bogenschützen bei Varin auf, die missmutig ihre Köpfe schütteln – der Nebel ist viel zu dick, um irgendein Ziel verlässlich anvisieren zu können, also werden sie sich einfach im Hintergrund halten. Auch gut, macht immer noch neun gegen vier… in Ordnung, acht, mit Schussel rechnen wir lieber nicht, nicht bei so etwas. Der Runenseher ist sicher nützlich, aber eher nicht in einem Hinterhalt wie diesem. Leise und mit größter Vorsicht ziehen sie ihren Kreis etwas enger, doch nicht eng genug, um irgendjemanden aufzuscheuchen. Dann erscheint Doran. Varin hat keine Ahnung, ob der junge Alchemist tatsächlich eher furchtsam oder einfach ein begnadeter Schauspieler ist, aber er spielt die Rolle des verängstigten Gelehrten, den allein die Neugier des ewigen Forschers und Entdeckers mitten in der Nacht an solch schaurige Orte treibt, absolut perfekt... und er kommt so nahe an Orbyn und Grimm vorüber, dass sein Umhang praktisch die Nase des Hundes streift, doch er scheint weder den Späher, noch die Castéron Dogge zu bemerken, die sich so still wie die Toten in ihren Gräbern halten. >Habt ihr dabei worüber wir gesprochen haben?< Doran mag Angst haben oder den Ängstlichen spielen, im Augenblick klingt er absolut geschäftsmäßig und die Schmuggler scheinen auf perfide Art sogar davon angetan. Doch als es an die Details geht, wird der Alchemist nervös und das riechen die Kerle auf der Stelle so wie hungrige Hunde ein paar saftige Knochen. Die Stimmung kippt und Varin sieht die Schmuggler schon mitsamt Gold und Fee im Nebel verschwinden, natürlich nachdem sie Doran Sommerwind einfach die Kehle durchgeschnitten haben. Kommt schon… macht die Übergabe perfekt und wir nehmen euch alle hoch… kommt schon…
>Ich stehe zu meinem Wort, das weiß sogar Syler hier. Zeigt mir euren Fang und ich zeige euch die Münzen!<
Varin unterdrückt einen lautlosen Fluch ebenso wie ein ungehaltenes Schnauben. Nicht nervös werden, Kleiner. Nur nicht nervös werden…
Er hört, wie sich jemand bewegt, wie Stoff raschelt, aber er kann kaum etwas erkennen außer vagen Bewegungen. Dann hört er jemanden belustigt ein >Aber sicher doch...< raunen, das so falsch klingt, dass es ihm die Nackenhaare aufstellt und Varin wartet nicht länger. "Zugriff!"

Kaum mehr als ein Flüstern geht der Befehl als Raunen von einem zum anderen. Die Blaumäntel verlassen ihre Deckungen und tauchen wie drohende graue Schatten aus dem wallenden Dunst auf, ein Kreis grimmig entschlossener Gardisten, die das Mausoleum und die Schmuggler umstellt haben… lose zwar, aber keiner könnte sagen, wie viele blaue Mäntel sich noch im Nebel verbergen mögen… und tatsächlich warten dort ja noch zwei Bogenschützen und zwei Lanzer. Nur Rhah ist nicht zu sehen, aber dass die Klinge gerade eines ihrer Messer über die Kehle eines völlig verdattert sterbenden Halbzwergen zieht, der im Nebel auf der Lauer gelegen hatte, um irgendjemanden hinterrücks zu ermorden, können zu diesem Zeitpunkt weder Varin, noch der Anführer der Schmuggler ahnen. Dessen Gesichtsausdruck spricht ebenfalls Bände, vor allem, als Grimm zu Knurren beginnt und das Grollen des Hundes im Nebel klingt, als stünde dort nicht nur ein riesenhafter übellauniger Köter, sondern mindestens ein Dutzend, und natürlich, als Varin vortritt und mit lauter, klarer Stimme verkündet: "Den Göttern zum Gruß, die Herrschaften. Ihr seid umstellt und alle festgenommen. Legt die Waffen nieder und nehmt die Hände hinter den Kopf."

Doran

Stadtbewohner

Posts: 38

Occupation: Alchemist

Location: Talyra Haus Sommerwind

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5

Sunday, May 4th 2014, 5:39pm

Seine eigene Angst lässt den Nebel und die Dunkelheit um ihn herum noch dichter werden, seine eigenen Gedanken gaukeln ihm unmögliche Dinge vor und lassen seine Hände zittern. Hier stand er an einem Ort der Toten, mit Halsabschneidern und Mördern und vertraute darauf das seine in der Nacht geschriebene Nachricht auch wirklich die richtigen Leute erreicht hatte, was wenn der Botenvogel abgefangen worden war von eben genau den Männern die jetzt vor ihm standen und ihn siegessicher angrinsten. Meister Cunlin steht keine drei Schritt von ihm entfernt und zieht das schwere Tuch von dem mitgebrachtem Käfig und präsentiert den gefangenen Feenmann der trotz seiner misslichen Lage stolz die Männer anstiert in der Hoffnung das seine Blicke töten können. Noch nie hatte Doran eine solche Fee gesehen, warum auch immer er hatte diese zierlichen kleinen Frauen mit Libellenflügel im Kopf, dieser hier machte den Anschein das er sich sehr wohl zur Wehr setzen könnte wenn er nicht gefangen wäre. Doch bevor auch nur einer ein Wort sagen kann taucht wie aus dem nichts ein kräftiger Blaumantel auf und erschreckt zumindest Doran völlig glaubhaft fast zu Tode mit den Worten>"Den Göttern zum Gruß, die Herrschaften. Ihr seid umstellt und alle festgenommen. Legt die Waffen nieder und nehmt die Hände hinter den Kopf."< begleitet wird es von schaurigen Klängen aus dem Nebel die einem jeden einen grauenhaften Tot versprechen der sich nicht sofort in den Staub wirft und alle Sünden gesteht die er jemals begangen hat.
Meister Cunlin ist nicht so leicht zu beeindrucken wie der Alchemist, allerdings ist er zumindest nicht so dumm wie sein Leibwächter eine Waffe zu ziehen, der mit gezogenem Messer auf Varin zustürmt wie ein wilder Bulle. Syler springt auf und will über den nahen Zaun springen um im Schutz der Dunkelheit zu fliehen, doch der Brandwein vernebelt nicht nur seine Sinne sondern lässt ihn auch über die eigene Beine stolpern und mit dem Kopf hart auf einen Stein aufschlagen, regungslos bleibt er liegen. Wieder einmal ist er in seinem Vorhaben gescheitert wie so oft in seinem Leben. Früher war er echt ein guter Bursche, doch falscher Umgang und zu viel Alkohol haben ihn zu Grunde gerichtet und zu dem was gemacht was er heute ist. Ein jämmerliches böses verzerrtes Abbild seiner Eltern!
„ Wie es scheint sind wir in einer Falle aus der es kein entrinnen gibt!“ Meister Cunlin grinst Doran weiter breit an, lässt den Käfig fallen und mit ihm auch den Feenmann, dabei greift er in die Innentasche seines Mantels und wirft einen silbernen Staub in die Luft. „ Na zumindest nicht für euch ihr Einfallspinsel“ der Meister verschwimmt vor aller Augen und wird dann gänzlich Unsichtbar unter dem Einfluss von Feenstaub. Doran wird umgerempelt und er stürzt auf alle viere, wieso hatte er an solch eine Möglichkeit nicht gedacht? Dieser Schurke war lange genug im Besitz einer Fee, er hatte gelesen das nach dem Tod einer Fee unsichtbar machender Staub zurückbliebe, wie ein Schuljunge hatte er sich benommen. Eine kalte Wut steigt in ihm hoch die seine Angst vergessen macht. Dieser Halunke würde ihm nicht entkommen und als dummen Jungen dastehen lassen, bevor Cunlin den Ort verlasen konnte, greift nun Doran zu einem seiner Tricks. Mit einer gekonnten Drehung wirft er eine Tonkugel in die Richtung in die er Cunlin vermutet und tatsächlich zerplatzt das Gefäß mitten in der Luft an etwas unsichtbaren und eine phosphorisierte Farbe benetzt seine Schulter. Doran kann sich ein Grinsen nicht verkneifen bevor ihn irgendetwas am Hinterkopf trifft und ihn zu endgültig zu Boden gehen lässt.

Anarshunjon

Unregistered

6

Sunday, May 4th 2014, 9:55pm

Was sollte das werden, ein Verkaufsgespräch? Offenbar! Wie erbärmlich! Dann aber ändert sich die Lage und das schlagartig!
Graue Wächter erscheinen überall, bauen sich drohend und besitzergreifend auf. Ein Knurren dringt durch den Nebel und der Wiederhall künden der Hunde viele. Doch der Feenmann weiß es besser. Es ist nur einer! Nicht das es ihm was nützen würde. Nein sicher nicht. Das verspricht eine klare, kraftvolle Männerstimme. Der Feenmann horcht. Mochte sich das Blatt noch wenden? Die Stimme verkündet, dass die Waffen niedergelegt werden sollen und fordert vehement die Aufgabe.

Mitnichten denkt Meister Cunlin daran sich zu ergeben. Mit einem dummen Spruch lässt er den Käfig los. Damit fällt Anarchunjon mit seinem Gefängnis. Es ist zu eng für die Flügel auszubreiten und so kracht er auf Stein, dass einmal ein Familienwappen war. Das allein reisst ihm fast die Eingeweide aus dem Leib. Aber dummerweise wirft es den Käfig auch noch um und der Waldläufer fällt auf die unangreifbaren Gitterstäbe. Die Luft wird ihm aus den Lungen gedrückt. Die stechenden Schmerzen, die das magisch veränderte Gefängnisgitter hervorruft sind unerträglich, aber Anarchunjon kommt nicht mehr hoch. Zumal ihm der gestürzte Boden keinen Schutz vor der Gitterwand mehr bietet. Das spärliche „Mobiliar“ liegt kreuz und quer halb auf ihn, halb darunter. Und ständig brummt dieser fiese Brummton in seinen Ohren, der immer erklingt wenn man das Gitter berührt. Wenigstens wäre sein Martyrium nun zu Ende, denkt er bevor ihm die Sinne schwinden. Nur hätte der letzte Ton nicht dieses grässliche Vibrieren sein sollen! Sondern das Twitschern und Summen der Waldbewohner. Seit langem fühlt er sich mehr tot als lebendig. Jetzt würde er endlich gehen können. Er hat lange genug ausgehalten, zu lange vielleicht, aber er würde in Freiheit zu Staub verfallen und der Gedanke trägt etwas Tröstliches.

Meister Cunlin hingegen wird von irgendwas getroffen. Gerade noch kann er ein Fluchen unterdrücken. Unsichtbarkeit hieß nicht unsichtbar bis zur Unangreifbarkeit. Aber dieser dumme Alchimist markiert ihn wie eine Zielscheibe. Ihn würde er sich holen, aber nun gut, er würde ohnehin lange hinter Gitter kommen. Möge er dort verrecken! Er nestelt in seinem Umhang nach dem restlichen Feenstaub. Sein letzter Rest! Aber er würde sich mehr besorgen! Viel mehr! Das war er dem Krieger in Miniatur schuldig! Ihn muss er los werden! Und er muss seine Chance nutzen um schnellstens zu verschwinden! Schon hat er das Säckchen in der Hand...

Der Mantel wird dem nächsten Blaumäntel übergeworfen. Das macht ihn sichtbar! Und nun erkennt man auch, dass es nicht die Fastglatze Meister Cunlin ist, sondern der Herzländer, sein Handlanger. Wieder wirft er den silbrigen Staub über sich.

"Zu wenig!" , schreit er und zieht seine Klinge um sich durchzukämpfen, halb sichtbar, halb nicht...

This post has been edited 2 times, last edit by "Anarshunjon" (May 5th 2014, 9:24am)


Varin

Stadtbewohner

Posts: 32

Occupation: Blaumantel

Location: Talyra

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7

Monday, July 28th 2014, 4:34pm

Wie hatte er nur auch nur ansatzweise hoffen können, die Schmuggler könnten seiner Aufforderung einfach nachkommen, ihre Waffen niederlegen und sich artig von seinen Männern in Eisen legen und abführen lassen? Vielleicht hast du die Hoffnung, dass irgendwann einmal ein Schurke mit ausreichend Verstand gesegnet ist, eine aussichtslose Situation auch zu erkennen, wenn er sich in einer wiederfindet? Das wird es sein, aber diese hier und ihr missratener Anführer würden wohl noch nicht einmal auf dem Weg zum Richtblock die eigene Lage richtig einschätzen. Abgesehen von dem Alchemisten natürlich, der sogleich die Hände hebt, um sein Aufgeben zu demonstrieren – aber der wäre ja ohnehin nur zum Schein verhaftet worden. Stattdessen bricht augenblicklich Chaos aus und der Nebel, der bisher ihr bester Verbündeter war, verstärkt das Durcheinander noch um ein vielfaches. Syler der Gescheiterte versucht über eine halbhohe Mauer oder einen Zaun zu flanken und schickt sich selbst ins Aus, einer der Schmuggler zieht sein Messer und geht grunzend auf ihn, Varin los, während ihr Anführer irgendetwas fallen lässt und gleichzeitig etwas hochwirft – was genau kann Varin nicht sehen, weil er vollauf damit beschäftigt ist, sich einen irre kichernden Messerfuchtler vom Hals zu halten und möglichst auch gleich noch zu entwaffnen. Das stellt sich zwar nicht unbedingt als schwieriger heraus, als Varin erwartet hat, es kostet aber mehr Zeit, als er zuerst dachte – und als es geschafft ist, und der Mann sich fluchend am Boden zwischen zwei Grabplatten windet, während andere ihn fesseln und abführen, hat das Feenstaub-Nebel-Mantel-Verwirrspiel um den Alchemisten, den Schmuggleranführer und den Feenkäfig bereits seinen Lauf genommen – und was den armen Doran am Hinterkopf trifft sind nichts anderes als die Stiefelabsätze des Schurken, der eben festgenommen und auf die Füße gezerrt wurde und dabei wild um sich tritt.

Es dauert etwa eine Viertelstunde, bis alle Schurken und Möchtegern-Feenschmuggler dieses nächtlichen Stelldicheins von den Blaumänteln des Neunten Trupps (und einer Casteron Dogge im Dienst) dingfest gemacht, niedergerungen oder erschlagen worden sind, wie etwa der Halbzwerg, den Rah erledigt hatte. Der Nebel hat ihnen allen die Sache unnötig schwer und leichter zugleich gemacht, doch schlussendlich können alle Schmuggler, derer sie habhaft werden konnten und die noch leben gefesselt werden. Varin kümmert sich derweil um die Befreiung der Fee aus ihrem Käfig und anschließend, als das kleine geflügelte Wesen wieder frei atmen, aber noch nicht wirklich sprechen kann, darum, den ohnmächtigen Alchemisten wieder auf die Beine zu bringen. Varin ist kein Heilkundiger, aber er hat oft genug Männer gesehen, die besinnungslos zu Boden gingen um sagen zu können, dass Doran außer einem ordentlichen Brummschädel nichts fehlen dürfte. Sanft aber bestimmt versetzt er dem jungen Mann kleine Klapse auf die blassen Wangen. "He, Augen auf! Kommt schon, kommt wieder zu Euch. Aye, da ist er wieder. So ist es gut." Er hilft dem Alchemisten auf die Füße, lässt auch ihm Fesseln anlegen – schließlich soll er ebenfalls hinter Gitter kommen oder zumindest so tun als ob - und sieht sich dann um. Nebelsuppe, nichts als Nebel, dazwischen Blaumäntel und eine kleine Gruppe gefesselter Schurken, die blutend und missmutig auf ihr weiteres Schicksal wartet. Wo ist der Feenmann? Ah, dort. Varin hat das winzige Wesen auf dem Rand eines moosbewachsenen Grabsteines abgelegt, aber er – wenn es denn ein er ist, Varin ist sich da nicht so sicher – scheint in keiner guten Verfassung. "Ihr seht aus, als ob Ihr dringend einen Heiler brauchen könnt. Erlaubt mir, Euch zu helfen. Narrenkönig, die Schmuggler gehören ganz euch. Den Alchemisten und Syler hier bringt zum Verhör in Rhordris Solar. Rah, sammle die Lanzer ein… und dann lasst uns von hier verschwinden, wenn ihr nichts dagegen habt."

Anarshunjon

Unregistered

8

Monday, July 28th 2014, 10:08pm

Aaah Moos. Anarchunjon riecht den feuchten, unverkennbaren Geruch. Etliche Herzschläge realisiert er aber nicht, dass er nicht ins nächste Leben übergegangen ist, sondern auf einem Friedhof der Langbeiner ist. Er wird angesprochen. Die Worte des Mannes müssen sich erst setzen, reißen sie ihn doch aus der Gewissheit, dass seine Qualen enden. Jeden Knochen spürt er im Leib und der metallische Geschmack im Mund verrät dem Fürstensohn, dass der Blaumantel recht hat.
Also nickt er und hustet sogleich bevor er mit rauer Stimme in der Sprache der Langen spricht: "Anarchunjon von Anar... " er seufzt und immer wieder unterbricht der Feenmann sich, sei es mit Husten, oder Sammeln der Gedanken. "Ich weiß nicht, ob einer eurer Heiler mir noch helfen kann."

Mit der kleinen blauen Hand fährt er sich über den bartstobbeligen Mund um sein silbriges Blut fortzuwischen. "Danke. Immerhin sterbe ich in Freiheit. Das ist mehr als viele unseres Reiches erhoffen durften."

Immer wieder muss er inne halten: "Hört mir gut zu. Dieser dort ist nicht der Drahtzieher. Meister Cunlin nennen sie ihn. Er hat den siebten Ring, sechsten und fünften ?... Ich weiß es nicht mehr... mit all seinen Bewohnern ermordet, für Feenstaub. Ich muss ihn finden. Er weiß wie man nach Anarshunja kommt, wenn es nicht schon zu spät ist".

Wieder dieses Husten, dass nichts Gutes verheißt. "Wie ist euer Name?"
Wie beiläufig nimmt er einen Büschel Moos und drückt Wasser aus ihm um es in den Mund zu träufeln. Anschließend nutzt er ihn tupfend wie ein Schwamm und drückt in an so manche brennende Hautstelle.

Aneirin

Stadtbewohner

Posts: 649

Occupation: Bäcker

Location: Talyra

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9

Sunday, November 1st 2015, 8:34am

1. Nebelmond 515 – Allerseelen

Es ist eine kalte und wirklich neblige Nebelmondnacht, die sich an diesem Totentag wie eine lastende Hand über die Weltenstadt legt. Ungewöhnlich kalt und nebelig meinen die, die fürchten, Gevatter Tod selbst ziehe suchend durch die Straßen, die verlorenen Seelen an die Ufer der purpurnen Flüsse und in die Hallen seines Totenreichs zu treiben. Denn die Schleier zwischen den Welten sind dünn in dieser Nacht, so heißt es. Einer Nacht, in der die Geister ruhelos umherstreifen und empfindsame Menschen unheimliche Schauer spüren.
Der junge Bäckermeister, der sich mit Anbruch der Stunde des Wolfes seinen Weg durch die Straßen Talyras bahnt, macht sich um Geister allerdings gerade keine Gedanken. Zu tief ist seine Aufmerksamkeit in den Erinnerungen vergangener Tage versunken. Erinnerungen, wegen derer er die Andachten in den Tempeln Sithechs und erst recht einen Besuch des Sithechhains selbst mied, anstatt der verstorbenen Liebe zu gedenken, wie es viele Andere taten. Aber es sind auch Erinnerungen, derentwegen er sich nun schließlich doch auf den Weg macht – nicht zuletzt, weil Eolora, die derweil auf sein Töchterchen Acht gibt, ihm ins Gewissen geredet hat. Kaum einer Menschenseele begegnet er zu dieser Stunde. Doch wen wundert es schon, dass die Talyrer Herdfeuer und Kerzenschein, welches die Fenster in diesem Nebel so diffus wie Laternen scheinen lässt, den Vorzug geben, statt durch die Kälte zu ziehen.
In seiner Hand ruht eine einzelne, weiße Lilie, die ihm die zierliche Alma mit den langen, braunen Locken, bei der er hin und wieder eine Blume für Eolora oder Vittoria ersteht, zu dieser späten Stunde noch überlassen hat. Seinem flehenden Lächeln hat sie einfach nicht widerstehen können, als er auf ihrer Türschwelle stand. Er hat ihr dafür auch versprochen, dass das nächste Brot, das sie bei ihm kaufen wolle, aufs Haus ginge. Über seiner Schulter hängt die Laute und schmiegt sich an seinen warmen Mantel. Nur für den Fall. Wer weiß, ob er sich überhaupt dazu durchringen kann, sie anzustimmen. Sie hat es zumeist geliebt, wenn er gesungen hat. Nicht immer allerdings – das Bild eines kleinen, unschuldigen Häschens hat sich unlängst in seine Erinnerungen gebrannt.
Das plötzliche Scheppern von Metall auf kaltem Stein lässt Aneirin erschrocken herumfahren und eiligst Schutz an der nächsten Häuserwand suchen, während der Lärm noch in seinen Ohren dröhnt. Hastig atmend greift er sich an seine Brust, unter der das Herz erschrocken hämmert und sucht mit den Augen die Gasse hinter sich ab. Sein Blick bleibt an einem Eimer hängen, in dem die Schnauze eines verwahrlosten Hundes steckt. Schnüffelnd und leise knurrend schiebt der den Eimer vor sich her, in der Hoffnung darinnen noch an etwas Essbares zu gelangen. Der Bäckermeister atmet tief durch, ehe er sich abwendet und seinen Weg nun mit deutlich rascherem Schritt fortsetzt.

Erst als er den weitläufigen Hain Sithechs beinahe erreicht hat, werden seine Schritte langsamer, bis er schließlich zum Stehen kommt. Sein Herz schlägt nun wieder etwas wilder, dieses Mal aber aus lauter innerer Anspannung. Aneirins Augen richten sich auf die zahlreichen mächtigen Nurmweiden und dunklen Zypressen, die sich als rabenschwarze Schatten im Spiel von Nebel und Mondlicht vor ihm aufreihen, wie Wächter aus einer anderen Zeit. Zu Füßen der alten Bäume kriechen dicke Schwaden über den Boden und decken das kurze Silbergras mit seiner grauen Firnis zu. Fröstelnd zieht der junge Mann seinen Mantel enger um den Leib. Die feinen Nebelwölkchen, die sein Atem in die kalte Nachtluft haucht, fallen ihm auch nun erst auf. Unsicher wirft Aneirin einen Blick über die Schulter und spielt tatsächlich für einen Augenblick mit dem Gedanken umzukehren.
Es ist still. Viel stiller, als er es noch in den Gassen empfunden hat, in denen man wenigstens ab und an noch Stimmen vernommen hat oder von herumstreunenden Hunden, Katzen oder Ratten aufgeschreckt wurde. Hier jedoch ist es als würde alles Lebendige schweigen, so dass Aneirin selbst sein Atmen zu laut empfindet. Er hätte besser eine Laterne mitnehmen sollen, geht es ihm durch den Kopf. Und sei es nur, um sich daran zu klammern und sich einreden zu können, dass sie böse Geister fern halte.
Bedächtig setzt er einen Fuß vor den anderen vorbei an uralten Grüften aus Marmor und Granit, die sich zwischen den mächtigen Wurzeln der alten Baumriesen erheben, manche bescheiden und demütig, andere prunkvoll, die am Tage sicherlich prächtige Verzierungen offenbaren. Einige Gräber wirken gepflegt, andere wiederum sind mit der Zeit von Moos oder Efeu verschlungen worden, ihre Inschriften verblasst, die Verstorbenen vielleicht schon vergessen. Wie kleine Inseln des Trostes durchbrechen Totenlichter die Dunkelheit, die in Laternen seelenruhig leuchten und dem Hain etwas Unwirkliches, ja beinahe Geisterhaftes geben. Viele davon wurden vermutlich an diesem Tage erneuert und angezündet. Doch kein Einziges flackert in dieser Nacht.

Unter all den Grabstätten sucht Aneirin in dieser Nacht nur eine, eine ganz bestimmte. Er hat sie nie zuvor besucht, obwohl es bereits seit einem Zwölfmond existiert. Er wollte es nicht und niemandem ist es bisher gelungen, ihn dazu zu bewegen. Meowin hat ihm am Tage zuvor beschrieben, wo er es finde würde, sollte er danach suchen. Aneirin hatte getan, als höre er ihm nicht zu. Eigentlich wollte er es auch nicht – weder ihm zuhören, noch das Grab aufsuchen. Und dennoch hat er sich selbst dabei erwischt, wie er den Worten des Jungen lauschte, während er Desinteresse mimte. Ob der junge Steinfaust-Rekrut es bemerkt hat oder nicht, weiß Aneirin nicht zu sagen. Jedenfalls hat er den Bäckermeister nicht darauf angesprochen.
Gut erklärt hat der Junge den Weg zweifelsfrei. Aneirin findet selbst in der Dunkelheit jede Abzweigung, jede markante Ruhestätte, die ihm als Anhaltspunkt beschrieben wurde. Etwas abseits schließlich, dort wo die Lichter rar gesät sind und die Schatten der Nacht ihre langen Finger ausstrecken, tritt er an ein unauffälliges, schmales Grab heran. Da ist kein Gedenkstein, keine Inschrift, die es ziert, und dennoch erkennt er es. Im zarten Schein eines Grablichtes umgeben von einem Kranz aus Wildblumen, erkennt er Meowins goldene Feder zwischen ihnen. Auch andere niedergelegte Blumen, vielleicht von Azra und ihrer Familie, streift sein Blick. Eine ganze Weile steht er nur da und starrt gedankenverloren in die kleine Flamme, während er unbewusst die Lilie zwischen seinen Fingern hin und her dreht. Schließlich aber macht er einen kräftigen Atemzug und sinkt auf die Knie. Behutsam legt er die Pflanze auf das Grab, nur um sie ihm nächsten Augenblick wieder aufzunehmen und auf die andere Seite zu legen. Zwei Herzschläge lang liegt sie dort, dann hat er sie wieder in den Händen. Sie wirkt irgendwie fehl am Platze.
„Unserer Tochter geht es gut…“, flüstert er in die nächtliche Stille und empfindet dieses Flüstern als störend. Seinen Blick richtet er auf die weißen Blütenblätter. „Sie ist schon jetzt ein kleiner Wirbelwind… fröhlich… neugierig… einfach liebenswert…“, lächelt er zaghaft. Doch eine kühle Brise trägt das Lächeln wieder fort und lässt ihn frösteln. Lange Augenblicke kniet er dort schweigend. „Du bist einfach gegangen… Einfach so…“, bringt er schließlich hervor, ohne den Vorwurf aus seiner Stimme verbannen zu können. „Hast du dabei auch nur einmal an mich gedacht? An uns? An unsere Tochter?“ Seine Finger schließen sich immer fester um den Stiel der Lilie. „Nein… Hast du nicht…“, schnaubt er leise. Sie ist einfach gegangen, ohne dass er je erfahren hat, warum sie ihn wirklich zurückgelassen hat. Ob sie noch für ihn empfunden hat. Ob sie ihm verziehen hat. Und nicht einmal hat sie zurückgesehen. „Warum hast du nicht gekämpft? Wenn schon nicht für mich, dann für unsere Tochter?“, bahnen sich Enttäuschung und Wut ihren Weg hinaus und hallen in seinen Worten durch die Nacht. Einige Herzschläge vergehen, dann sind sie verraucht. Zurück bleiben ihre feuchten Spuren auf seinen Wangen.
Aneirin legt die Lilie auf das Grab, auf den Platz, welchen er zuerst gewählt hatte. Er sollte den Göttern eine Fürbitte darbringen. Für sie. Für ihre Seele. Er kann es nicht. Wortlos erhebt er sich. Den Mantel zieht er enger, denn ihm ist plötzlich furchtbar kalt. Ein letzter Blick gilt dem Licht, dann wendet er sich ab und blickt nicht zurück.
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Niniane

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10

Monday, October 30th 2017, 9:52pm

Wenn der Wind weht…

30. Blätterfall 517

"Though on the sign it is written: 'Don't pluck these blossoms' --
it is useless against the wind, which cannot read." (Japanese Poem)


Die Asche des Narrenkönigs wird am letzten Tag des Blätterfallmonds beigesetzt, und obwohl es ein sturmdurchtoster Tag ist - und außerdem noch ziemlich nass und ziemlich kalt, denn es regnet seit Tagen auf eine ganz und gar trostlose, unerschütterliche Weise, die gut zur allgemeinen Stimmung passt - ist der Sithechhain ein einziges Meer aus Indigo und Schwarz. Nicht nur der Neunte Trupp der Indigogarde, bei dem der Narrenkönig gedient hatte und die übrigen vier von Olyvars Sieben - Pumquat, der Koboldmagier, Colevar Lorcain, Sithechritter und ehemaliger Offizier der Stadtgarde, Padraig Einarm vom Nordtor und Cinneídinn Bronzedraht von den Maulwürfen - sind hier, sondern augenscheinlich jede einzelne Seele der ganzen Stadtgarde… und immer noch ergießt sich ein Strom aus sich im Wind blähenden blauen Umhängen durch das Tor auf den Totenhain und verteilt sich unter den knorrigen alten Eichen, Nurmweiden und rauschenden Draingaradtannen, dazwischen Tupfen in Schwarz, wo sich Bürger Talyras und des Umlandes in Trauerkleidung unter die Gardisten mischen, die ihrem gefallenen Kameraden das letzte Geleit geben. Niniane steht im Windschatten der vom Efeu überwucherten Gruft der De Winters und lugt unter dem breiten, pelzverbrämten Saum ihrer Kapuze hervor. Sie kann Calait und Rún nirgends erspähen, doch sie weiß, dass sie entweder hier sind oder in der Harfe auf Colevar warten. Dafür sieht sie Brandan aus dem Zeughaus und Euron aus dem Kupferkessel mit roten, laufenden Nasen – das gleiche gilt auch für alle anderen Nasen ringsum – und Lystrato, heute ungewohnt schlicht in schwarzem Gewand, und erhascht einen kurzen Blick auf Arúen, ehe die Gestalt ihrer Freundin wieder hinter einer ganzen Phalanx blaubehängter Schultern verschwindet. Sie sieht Borgil, Brenainn, Kalam und in seinem Arm auch Karamaneh, selbst in ihrem wundervollen goldbraunen Pelzumhang unübersehbar schwanger, die sich durch die Menge in ihre Richtung bewegen, und entdeckt ein wenig weiter vorn Cedric, seine hübsche Tochter, Rhordri, Morna und Olyvars Kinder am Totenbaldachin Abaelards und Éloisas. Als sie den Kopf wieder dreht, erspäht Niniane im Schatten der Tempelmauern sogar ein paar Pfirsiche: die Huren heulen Rotz und Wasser und mögen sie sonst auch so schreiend bunt wie Göttervögel gekleidet sein, heute sehen sie aus wie Krähen. Colevar und die anderen von Olyvars Sieben sind alle im Zentrum des Geschehens beim Lord Commander, der die Urne trägt, gefolgt von den Männern des Neunten Trupps der Indigogarde: Rah die Klinge, Schildbrecher und Reigen, Merfyn Mawr und Merfyn Byr, Sturmwespe, Rhysifan von Carsairs Ehr, Schussel und Orbyn der Späher – sogar dessen Hund marschiert im Trauerzug mit. In der Steinfaust und auf den Wällen kann kein einziger Blaumantel mehr sein… Niniane lässt ihren Blick wieder schweifen und hüllt sich fester in ihren pelzgefütterten Umhang. Die sind alle hier. Wer nicht hier ist, ist Diantha… und allmählich fragt sie sich, ob die Immerfrosterin überhaupt jemals nach Talyra zurückkehren würde. Nun, sie war nicht hier, als ihr Mann aus Azurien wiedergekommen ist und sie war nicht hier, als die Zwillinge vor einem Siebentag ihren dreizehnten Namenstag feierten… das spricht wohl eine Sprache, die deutlich genug ist… ach, Götter, Olyvar, es tut mir so leid…
Niniane erinnert sich, dass es Wochen und Monde gedauert hatte, diese Bestattung zu organisieren, und sie weiß noch, dass Borgil ein paarmal von den Ratssitzungen erzählt hatte, die deswegen abgehalten worden waren – weil alle, sprichwörtlich jeder einzelne Blaumantel, vom Lord Commander bis hinunter zum jüngsten Botenkind kategorisch erklärt hatte, daran teilzunehmen und deshalb die Bürgerwehr der Stadt hatte mobilisiert werden müssen, um die Tore zu besetzen und die Wälle zu bemannen… und die Lorcains und einige andere Fürsten des Umlandes hatten Männer nach Rhayader hinaufgeschickt, um die Grenzen nach Gríanàrdan zu sichern, während die Blaumäntel, die dort stationiert waren, nach Talyra zurückgekehrt waren, um heute hier sein zu können… Aber Olyvars Frau ist es nicht… Wenn sie noch seine Frau ist, inzwischen ist sie sich da nicht mehr so sicher.

Dann sind Borgil, sein wortkarger Ziehsohn, Kalam und Karamaneh bei ihr und sie begrüßt alle nur mit einem stummen Nicken – sie hat sie ja erst gestern zum letzten Mal gesehen und den gesamten Blutaxtclan seit dem Sommer ohnehin fast täglich zu Gesicht bekommen, denn wann immer man in der Harfe ein paar Hände entbehren kann, sind die in der Feenwasserbucht und helfen Kalam dort beim Bau seines Hauses und der Nebengebäude. Auch Olyvar und seine Kinder waren auffallend oft am Smaragdstrand vorbeigeritten… als hätte der Lord Commander jede freie Minute als Zimmermann verbracht. Von meinem eigenen Mann und meinem Sohn ganz zu schweigen… Die Großbaustelle in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft wirkt offenbar auf jedes männliche Wesen, das gern mit Hammer, Schnitzwerkzeug, Säge und Handbeil umgeht wie ein Magnet. Kalam und Karamaneh freut es, und Azra, Shaerela und ich haben Gelegenheit, für viele hungrige Mäuler zu kochen, also sind alle zufrieden…
Die Bronzeglocke des Sithechtempels dröhnt dumpf ein einziges Mal, reißt Niniane aus ihren abschweifenden Gedanken und verkündet den Beginn der Zeremonie… doch der Wind stöhnt so laut mit dem Trauerzug um die Wette, dass er Olyvar und die anderen Offiziere der Steinfaust, die an dem kleinen Urnengrab zwischen den Wurzeln einer uralten Nurmweide bleich und gefasst das Coronach intonieren, beinahe vollkommen übertönt und nur einzelne Satzfragmente zu hören sind: '… heim in das Heim des Winters… heim in das ewige Heim… den ewigen Schlaf… fort mit deinem Leid… Frieden im Sinn… Ruhe aller Ruhen… ruhe nun im Schutz…'
Die Totenmesse für den Narrenkönig war schon vor der Beisetzung im Beisein des Neunten Trupps und von Olyvars Sieben im Sithechtempel gehalten worden, nun werden nur noch ein paar Gebete und Segen gesprochen, das Grab wird eingedeckt und eine ganze Weile herrschen nichts als schweigender Schmerz und würdevolle Trauer. Dann dröhnt die Totenglocke noch einmal, ihr Echo verhallt dumpf im heulenden Wind, der Regen wird stärker und es ist vorbei. Bis sich der Sithechhain wieder leert dauert es eine geraume Weile, trotz des miserablen Wetters – hier und dort bilden sich kleine Gruppen, die ihre Wasserschläuche mit etwas Stärkerem gefüllt haben und auf den toten Narrenkönig trinken, da und dort finden sich Bekannte und grüßen sich würdevoll, andere drängen in den vermeintlichen Schutz der Bäume oder ins Tempelinnere, und Niniane, die wie viele andere zum Ausgang strebt, findet sich plötzlich zwischen Olyvar, der seltsam erleichtert und am Boden zerstört zugleich aussieht, und Borgil wieder. Der Zwerg murmelt angesichts des nun heftig niedergehenden Regens etwas, das sich für eine Beerdigung wirklich nicht ziemt, und Kalam erstickt sein Lachen mit einem Husten, gerade als einer der Männer vom Neunten Trupp - sie glaubt, es ist dieser Schildbrecher - bei ihnen erscheint und den ehemaligen Sithechjünger bittet, zu bleiben und mit ihnen und dem Rest von Olyvars Sieben heute Nacht die Totenwache im Tempel zu halten: sie hatten erfahren, dass er beim Narrenkönig gewesen, als dieser gestorben war und sie würden gern davon hören… wenn es ihm nichts ausmache. Sie glaubt zwar nicht, dass es Kalam nichts ausmachen würde, davon zu erzählen, aber diese Männer waren des Narrenkönigs Freunde und Kameraden… natürlich bleibt er.

Kalam verabschiedet sich also von Olyvar, Borgil, ihr selbst und seiner Frau, und kehrt mit dem Blaumantel zurück, während sie selbst sich langsam weiter von der Menge in Richtung des schmiedeeisernen Tores schieben lassen, und Niniane geht schweigend, aber aufmerksam und voller Sorge neben dem Drachenländer her. Etwas von den mitleidigen Gedanken, die sie sich macht, muss sich wohl auf ihrem Gesicht gezeigt haben, denn irgendwann lächelt er voller Melancholie und schüttelt nur den Kopf. "Nicht hier," ist alles, was er sagt, obwohl sie keine einzige Frage gestellt hat… und sich zu ihrer eigenen Verwunderung eingestehen muss, dass der Lord Commander und sie sich durch die Beschäftigung mit den Prophezeiungen und ihre wachsende gemeinsame Freundesschar in den letzten Monden doch ziemlich vertraut geworden sind. Sie kennt ihn ja schon sein ganzes Leben und sie hat ihn immer gemocht, aber ein wirklicher Freund war ihr der Drachenländer erst in letzter Zeit geworden. "Dann vielleicht bei einem Krug Wein irgendwo im Trockenen? Du siehst furchtbar aus, Olyvar."
"So fühle ich mich auch. Aye… ein Krug Wein irgendwo im Trockenen. Aber ich warne dich. Ich bin keine gute Gesellschaft, Nan."
"Ach papperlapapp, wir… " sie hat gerade ihre Röcke und den Umhangsaum gerafft, um einer großen Pfütze auszuweichen und blickt auf ihre Stiefelspitzen, als sie Olyvars große Hand auf ihrer Schulter spürt und blickt auf. Seine grauen Augen sind allerdings auf irgendeinen Punkt vor ihnen in der Menge gerichtet, den sie, gut eine Elle kleiner als er, nicht sehen kann. "Hm?"
"Da vorn ist Arúen. Konntest du schon mit ihr reden? Über… du weißt schon."
"Noch nicht. Ich weiß, ich hätte es längst tun sollen, aber…"
"Dann tun wir es jetzt. Gleich, wenn du willst. An dem trockenen Ort mit dem Wein."
"Jetzt!?"
"Ja. Jetzt wäre mir sehr recht."
"Feigling."
"Hmpf. Ich schicke nur noch rasch die Kinder mit Morna und Rhordri nach Hause. Sie wollen ohnehin alle lieber nicht in den Westflügel." Damit hat er sich auch schon umgedreht und drängt sich zu seinen Zieheltern, die nur ein paar Schritt hinter ihnen sein müssen, während sie selbst sich Arúen zuwendet und ihr der Gedanke kommt, dass das alte Sprichwort, Hochzeiten und Beerdigungen brächten die Leute zusammen, gar nicht einmal so Unrecht hat. "S'leja," sie umarmt Arúen kurz und flüchtig, weil sie längst alle nass wie die getauchten Katzen sind. "Es tut mir leid, wenn ich dich so überfalle, min Ija, aber wenn du ein wenig Zeit hast… es gibt da etwas, von dem Olyvar und ich dir erzählen müssen. Ich hätte es schon längst tun sollen, aber ich fand nie Gelegenheit dazu. Würdest du auf einen Krug Wein mit uns kommen und dir das verworrene Kauderwelsch anhören, das wir zu berichten haben?"


-> Zeughaus
Me? I'm dishonest. And a dishonest man you can always trust to be dishonest. Honestly. It's the honest ones you have to watch out for, 'cause you can never predict when they're going to do something incredibly… stupid.

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Friday, November 23rd 2018, 11:51am

Von einem, der auszog, das Fürchten zu lernen...

― “I became insane, with long intervals of horrible sanity.” ― Edgar Allen Poe

Mitte Shenjathas im Jahr 518, zur Stunde der Ruhe

»Nein Dar, definitiv nicht!« „Aber…“ »Du versteckst dich Junge! Ich verstehe ja, das du Angst hast, aber…« „Aber das ist es ja eben, ich habe keine Angst mehr, gar keine.“ Ketell wirft dem auf einer niedrigen Mauer sitzenden Dar einen zweifenden Blick zu. „Na gut, schon noch Angst. Aber es immer noch, als wenn ich eines Anderen Leben betrachten und dessen Ängste. Da“ Dar deutet auf seine Brust, dorthin wo das Herz sitzt. „… da kommt nichts davon an. Da… da ist einfach nichts mehr, nichts anderes denn Schatten von dem was einmal war.“ »Das gibt sich mit der Zeit, Dar« antwortet Ketell, nur mit Mühe die Augen nicht verdrehend. „Ja ja!“ knurrt Dar. Doch statt der Wut, die der Klang seiner knarrenden Stimme vermuten ließe, zeichnet eine gewisse Langeweile Dars Züge, nur ein leises Zucken seiner Mundwinkel verrät Ketell eine gleichzeitige Ungeduld, die tief unter der Oberfläche seines gelassenen Gebaren sich rührt, vermutlich nicht einmal von ihm selbst bemerkt. „Das höre ich von der Heilerin im Dienste Sarurnirs auch tagein, tagaus. >> Es wird besser Dar, du musst dich nur gedulden. Du hast viel durchgemacht Dar, bla bla bla.<< Das ist übrigens ein weiterer Grund, das ich hier helfen will. Seit bald zwei Monden liege ich dem Tempel schon auf der Tasche. Ich will zumindest einen Teil meiner Schuld in Arbeit zurück zahlen.“ Ketell lacht. »Die Pflege der von Sarurnir Berührten wird von Gönnern von Mäzenen finanziert, die sich mit Sitech im Allgemeinen oder auch Sarurnir im Speziellen gut stellen wollen. DU schuldest dem Tempel nichts, außer vielleicht das du dich um deine eigene Gesundung bemühst und wenn du dich hier auf dem Knochenacker versteckst und die Häuser der Toten restaurierst, statt dich den Belangen der Lebenden, d e i n e n Belangen zuzuwenden. Ich bleibe dabei: D u - v e r s t e c k s t - d i c h !«

Dar seufzt, schweigt aber. »Was ist mit deiner Idee, die Höhle des Poltergeistes zu einer Behausung für dich herzurichten.« Dar zuckt die Schultern. „Die Blaumäntel haben es wieder zugemauert- Zutritt verboten.“ Doch das war nicht der eigentliche Grund, das er diesen ersten Gedanken rasch wieder verworfen hatte. Die Angst davor in den Himmel zu fallen, der Wunsch wenigstend ein paar Schritt weiten massiven Fels über sich zu wissen… Dar erkannte es als Ausgeburt seiner alten Furcht, auch als ein Ausdruck seines Heimwehs. Doch beides war, es war, als gehörte beides zu einem alten, einem längst abgelegten Leben. Erinnerungen von etwas, das heute nichts mehr zählte. Ketell scheint seine Gedanken zu erahnen, legt ihm eine Hand auf seine Schultern. Dar trägt wieder seine alte Rüstung und Ausrüstung. Man hatte sie in der Höhle gefunden und zwischenzeitlich wieder hergestellt. »Du musst raus in Leben gehen, wenn d dich wiederfinden willst, Dar und du m u s s t ins Leben zurück finden, wenn du deiner Aufgabe, deiner Suche, noch zu einem erfolgreichen Ende verhelfen willst. Und das willst du doch noch, Dar?« Ernste Sorge klingt in Ketells Stimme mit. Dar legt ihr eine Hand auf ihren Arm. Doch auch diese Geste des Mitgefühls ist kaum mehr als ein Schatten ihrer selbst. Eine Erinnerung von Empathie eher, denn eine echte Regung. Dar denkt einige Augenblicke nach. „Ich bin nicht mehr mit dem Herzen dabei, aber dieses ist noch immer eine Schuld die ich auf mich geladen, die ich einzulösen habe.“ »D a n n - g e h - r a u s , - s u c h e - d a s - L e b e n - a u ß e r h a l b - d e s - S i t e c h g r u n d e s.« „Aber…“ Dar deutet auf das Loch im Dach des nahen Mausoleums. »Dafür hat es zwei vorbildliche Gärtner im Dienste des Sitechtempels, einer gar stärker als du und weit besser im Stande bis zum Dach dort hinaufzureichen.« Mit Bedauern bemerkt Ketell das Fehlen jeder Regung darauf. Kein Aufbrausen ob der Anspielung auf seine Größe, noch ein Schmunzeln oder Lachen gar. »Vergiss deine Schande, vergiss deine Wiedergutmachung. Du musst erst zu dir selbst zurück gehen. Außerdem beklagen sich die Sitechpriester schon, das die Novizen aufmüpfig werden, weil du alle nur denkbaren Strafarbeiten für diese auf dich nimmst und diese darum kaum Strafen zu befürchten haben.« Dar lächelt schwach, auch wenn dieses seine Mundwinkel nicht verlässt und in seinen düsteren Augen keinen Widerschein findet.

»Du musst raus, Junge! Wenn die alte Siechengrube, in der ihr letzter Bewohner vor Ewigkeiten zu einem Poltergeist geworden ist, dich nicht mehr reizt, dann solltest du dir eine andere Bleibe suchen. Und eine Arbeit, die erst einmal nichts mit deiner eigentichen Suche zu tun hat. Das ist eine Verordnung!« Die Heilerinnen im Dienste Sarurniers hatten ihr erklärt, wie widerborstig er auf ihre dahingehenden Empfehlungen reagiert hatte, weswegen man Ketell gebeten hatte ihn eines Besseren zu belehren. Wieder zieht der Schatten eines Schmunzelns über Dars Antlitz. Er scheint genau zu begreifen, auf wessen Ersuchen Ketell sich gerade jetzt, gerade hier eingefundet hat. „Gut… gut, ich geh dann mal packen.“ Innerlich aufatmend erkennt Ketell doch, dass das sardonische, Dars Lippen zeichnende, Lächeln gleichfalls nur zu ihrer Beruhigung diente. Er hatte noch viel aufzuarbeiten, ehe er wieder er selbst würde, falls überhaupt. Manche Narben schwinden nie! erinnert sich Ketell müde und blickt dem davonschreitenden Dar traurig nach. Halte deine schützende Hand über ihn, Anira! Ich würde den kleinen Kerl nur ungerne endgültig an Sarurnir verloren wissen.
“Siehst du einen Riesen, so prüfe den Stand der Sonne und gib acht, ob es nicht der Schatten eines Zwerges ist.”

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Kali Maya

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12

Thursday, January 3rd 2019, 8:58pm

Little Velveteen Knight

You are the finest, loveliest, tenderest,
and most beautiful person I have ever known –
and even that is an understatement.
(F. Scott Fitzgerald)

22. Langschnee 518, am Morgen nach Mittwinter


"Du willst WAS werden?" Kalis Stimme zerschneidet messerscharf die Stille, die im winterweißen Sithechhain herrscht.
"Ein Ritter", antwortet ihr Aruna mit seiner für einen Neunjährigen so untypischen ernsthaften Gelassenheit.
"Ein RITTER?", echot seine Mutter gefährlich leise, doch ihr Sohn zeigt sich völlig unbeeindruckt.
"Schick mich in die Steinfaust", erklärt der Junge ungerührt, "oder zu Sire Colevar."
Offenbar hat er die ganze Sache bereits gründlicher durchdacht, als seiner Mutter lieb ist.
"Sire Colevar?", echot Kali erneut, noch immer bedenklich leise.
"Ja", meint Aruna knapp und zuckt mit den Achseln. Er kennt den Sithechritter seit er denken kann. Der Ritter Sithechs mag lange Zeit fort gewesen sein, doch er besucht den Tempel des Gottes, welcher ihn erwählt hat, oft genug, um Aruna ein guter Freund geworden zu sein.
Kali Maya starrt ihren Sohn einen Moment lang einfach nur fassungslos an und schüttelt schließlich ungläubig den Kopf.
"Wie kommst du denn auf diesen Unsinn?", will sie irgendwann ganz nonchalant wissen, während sie ihren Sohn eingehend von Kopf bis Fuss mustert:

Sein Gesicht, bleich wie frisch gefallener Schnee. Weich, fast schon mädchenhaft geschnitten. Mit großen schwarzen Augen und den langen dunklen Wimpern und einem sinnlich-sanften Mund. Ein zartes, ernsthaftes Gesicht, eingerahmt von schwarzem, welligem Haar, dunklen Rabenfedern gleich. Der übrige Knabe steckt in einem dunklen, dick gefütterten Wollmantel und warmen Ledergewändern, die etwas darüber hinwegtäuschen wie viel kleiner und schmächtiger als andere Kinder seines Alters Aruna tatsächlich ist. Ein brauner Schal schützt seinen dünnen Hals, dazu trägt er passende Handschuhe und Stiefel, doch obwohl ein eisiger Wind herrscht und es wieder zu schneien begonnen hat, hat er der Junge seine Mütze in eine Tasche seines Mantels gestopft und bisher nicht hervorgeholt. Wenn sie nun so darüber nachdenkt, dann hat es Kali Maya schon immer verwundert wie wenig ihrem Sohn Kälte doch auszumachen scheint. Ganz im Gegensatz zu ihr. In der Bucht der Schatten, also weit im Süden der Immerlande geboren, hat ihr die harsche Kälte der Herzlande oder nördlicher Regionen nie sonderlich zugesagt und stets Unbehagen bereitet. Nicht so hingegen ihrem Sohn. Ob Hitze oder Kälte, extreme Temperaturen scheinen ihn nicht sonderlich zu berühren. Und was er an körperlicher Kraft vermisst, gleicht er leicht in Form von Schnellig- und Wendigkeit aus. Die Azadoura seufzt. Egal wie sie es auch dreht und wendet, sie kann ihren Sohn einfach nicht in der Rolle eines Ritters sehen. Seine Schwester, ja, Usha war von Geburt an zur Kriegerin bestimmt gewesen, dessen ist Kali sich sicher. Doch mit absoluter Sicherheit würde sie dies nie wissen, denn das Schicksal hatte andere Pläne gehabt. Usha und Aruna. Zwillinge die nicht unterschiedlicher hätten sein können. Stark und laut, still und schwach. Wie oft hatte sie gedacht, dass das falsche ihrer Kinder gestorben sei?

Kali Maya strafft ihre Schultern.
"Du wirst kein Ritter!", erklärt sie bestimmt. Es tut mir leid, mein Sohn, aber du bist nicht aus dem Stoff geschaffen, aus dem Ritter geboren werden. Eisern hält sie seinem weichen, aber unnachgiebigen Blick stand. Du bist sanft und zart und unschuldig wie der Schnee um uns herum. Agutrot hätte dich längst gebrochen. Du bist nicht für Kampf und Blut und Schmerz geschaffen.
"Werde ich doch", entgegnet Aruna mit dieser absolut nervtötenden Gelassenheit, die seine Mutter allmählich an den Rand der Verzweiflung treibt.
"Nein!", hält sie wütend mit zusammengebissenen Zähnen dadegen.
"Doch!"
"NEIN!!!" Nein, nein, NEIN. Du bist alles was ich noch habe und ich werde nicht zulassen, dass du dein Leben wegwirfst. Dass du dich lächerlich machst und vom Kriegshandwerk zugrunde gerichtet wirst.
"Doch", antwortet Aruna sanft.
"Nein...", murmelt Kali schwach, obwohl ihr schlagartig klar wird, dass sie längst verloren hat. Nein, nein, NEIN. Niemand in Agutrot ist wie du. Niemand, hörst du? Nie habe ich eine schönere Seele gesehen... Eine einsame Träne stiehlt sich ihre Wange hinunter. Sie will ihn beschützen, um jeden Preis, aber an Arunas Augen kann sie ablesen, dass er notfalls auch ohne ihr Einverständnis in sein Unglück rennen würde. Bisher hatte sie seine kindlichen Schwärmerein für Ritter und Helden als belanglos abgetan. Als eine Phase. Etwas flüchtiges, vergängliches. Nicht von Bestand. Doch offenbar hat sie sich mit dieser Einschätzung nur selbst getäuscht.
"Gut, wenn es das ist, was du wirklich willst", gibt sie schließlich viel zu schnell nach. Einige Siebentage im Dienst der Steinfaust werden dich schon von diesem Unsinn kurieren. Und wenn das nicht genügt, werden dich hoffentlich ein paar Runden auf dem Übungsplatz zur Vernunft bringen.
Aruna verzieht keine Miene, als er seiner Mutter antwortet. Er ist Neun, und nicht dumm.
"Danke, Ammah." Der Junge neigt leicht den Kopf, dann lächelt er sanft. Er hat erreicht was er wollte, es besteht also kein Grund, seiner Mutter jetzt schon zu beichten, was in der vergangenen Nacht vorgefallen ist. Sie würde sich ohnehin nur unnötig aufregen, und jetzt, wo Nathan fort ist... nein, es ist gewiss klüger noch etwas zu warten...
Das Böse lernt sich leicht, das Gute schwer. (Chin. Sprichwort)
She walks in beauty, like the night. (Lord Byron)

13

Sunday, May 12th 2019, 12:48am

Dumpf pochen die Hufe nun über den nicht länger gepflasterten Untergrund des Weges. Zwischen Zypressen und Trauerweiden hindurchlenkt Dar den Wagen gen den sich vor dem dunklen Nachthimmel schattenschwarz abhebenden Tempel Sitechs, wird dabei aber immer langsamer, bis er schließlich neben einer uralten Totengruft anhält und Olett nach rechts vom Weg herunter lenkt. So sehr ihn der Schutz vor der endlosen Leere über ihm verheißende kompakte Bau lockt, werden doch dort Andere auch sein: Priester, Gläubige, Blaumäntel vielleicht … und so sehr man ihn bei seinen bisherigen Besuchen dort in Ruhe gelassen hatte, wenn ihm danach gewesen war, ist ihm just in diesem Moment deren bloße Gegenwart, egal wie sehr sie sich auch selbst vielleicht zurücknehmen mögen, zu viel. Einen Futterbeutel mit Hafer greifend und Olett vor das Maul hängend, wie die Bremsen des Wagens festziehend und die Zügel um eine steinerne Stele des nahen und verfallenen Grabes bindend, versichert er sich, dass das Gespann so eine Weile auch ohne ihn hier sicher ist, löst die Laterne von deren Aufhängung am Wagen und schreitet, statt auf den sich noch in einiger Entfernung befindlichen Tempel, auf die Türnische des verfallenen und dunklen Grabmals. Doch was Dar wie der Eingang zur Totengruft schien, erweist sich vielmehr als bloße Nische in der sowohl eine steinerne, wie allerdings vor Jahrhunderten vermutlich schon zerbrochene Bank und dieser gegenüber die Statue einer Sphinx mit einem kaum mehr erkenntlichen, moosüberwachsenen wie vormals aber vermutlich anmutigen Gesicht einer menschlichen Frau thront. Sich aus einem unbestimmten Gefühl heraus für die Störung des Friedens der hier Ruhenden entschuldigend, betritt Dar die dunkle Nische und atmet erleichtert auf. „Verzeiht, aber ich suche gleichermaßen einen Ort der Stille, wie eine Zuflucht vor der über mir drohenden Kechtetra und beabsichte niemandes Ruhe hier zu stören.“ spricht Dar in die Stille vor ihm, stellt die Laterne in eine Aussparung der Mauer, in welcher früher vermutlich das Totenlicht leuchtete, setzt sich auf den kalten Boden, nur eine Decke vom Kutschbock zwischen sich und dem eisigen Boden platzierend und lehnt sich mit dem Rücken an die gleichfalls eisigen steinernen Überreste der Sitzbank.

Die Vorbereitungen zur allabendlichen Meditation nun bereits auswendig könnend, versenkt Dar sich schließlich – überraschend leicht – in seine Meditation und verharrt so also äußerlich reglos in einer Nische der alten von Zypressen umstandenen Krypta. Kaum mehr etwas von seinem Umfeld bemerkend lässt Dar darum alle last des vergangenen Tages von sich abfallen, indem er sich jedes Ereignis nochmals bewusst vor Augen führt und dann loslässt – alle Übel des vergangenen Tages, wie aber auch alles Gute, ruft Dar sich erneut ins Bewusstsein, betrachtet es eine Weile vor seinem inneren Auge und lässt es dann los. Und was in den vergangenen Tagen immer etwas Erzwungenes an sich hatte, ergibt sich hier und heute beinahe wie von selbst. Die vielen Male, da er sich gezwungen sah, den Blick zu heben und den Schwindel ob der darob an ihm zu zerren scheinenden Kechtetra über ihm: Sie kommen beinahe noch bevor er danach zu greifen versucht ihm vor Augen und noch ehe er sich gegen die erneute Aufwallung von Angst wappnen kann, schiebt sich das Bild der vor ihm thronenden Sphinx vor sein geistiges Auge, verdrängt die Angst davor in den Himmel gezogen zu werden. So wenig, wie dieses steinerne Bildnis über die Jahrhunderte hinweg in den über ihr drohenden freien Himmel, die Kechtetra, je gezogen wurde, fühlt auch Dar sich in diesem Moment von der Angst vor der Leere über ihm gerade unbedrängt. Aber auch die angenehmen Erlebnisse dieses Tages reissen ihn nicht zurück in diese leider krankhaft nur zu nennende Euphorie, der vergangenen Stunden. Vielmehr betrachtete Dar es mit einem Lächeln zwar, aber doch auch dem gebotenen Abstand und ließ auch das schließlich los, das lächelnde Antlitz der Sphinx direkt vor ihm thronenden Sphinx – trotzt stets geschlossener Augen – dabei stets präsent habend.

Dass, was in den vergangenen Tagen, meist nicht mehr denn höchstens den dritten Teil einer vollen Stunde an Zeit beansprucht hatte und ihm dafür meist schwerer von der Hand ging, hier sich nun schon über zwei, drei Stunden hinzieht, Dar bemerkt e so wenig, wie etwa die zwei Gestalten einmal ein großes hässliches tumbes Etwas, mit Augen, die diesem regelrecht aus den Höhlen zu quellen drohen und ein ander Mal ein buckliges, kleines Männlein, mit fedrig weißen in alle Richtungen abstehenden Haaren, als hätte es gerade ein Blitz getroffen, sich dem Grab nahen. Der Eine, wie der Andere nahen sich nur im Abstand einer Nachtstunde, sicherstellten, das dort nicht Verbotenes gerade geschieht, noch das der seltsame Zwerg Hilfe benötigt. Doch als auch der zweite Besucher, Klageweh, Dar so vorfindet, wie es Krötenauge ob seines ersten nächtlichen Rundgangs über den Knochenacker vorgefunden und beschrieben hatte, kommen beide noch vor der nächsten anstehenden Runde und dieses mal gemeinsam zurück und streiten sich – auch dieses noch von Dar gänzlich unbemerkt – noch eine Weile und gerade außer Hörweite des Zwergen leise darüber, ob man den seltsamen Zwergen einfach weiter machen lassen, ihn doch besser des Knochenackers verweisen oder aber Hilfe durch die Priester vielleicht holen solle. Als Krötenauge und Klageweh schließlich verschwinden um, rein zur Sicherheit, eine der schweigenden Schwestern, herzuführen, dass diese entscheiden möge, findet selbige indes nur das verlassene Grabmal vor. Die im Dunkel nur Dank ihrer eigenen Laterne erkennbaren Wagen- und Hufspuren, wie auch der warme Marmor an der Oberseite der Nische in der laut den beiden Totengräbern die Laterne des Fremden gestanden hatte, beweist der schweigenden Schwester zwar über jeden Zweifel die Richtigkeit der Aussage der beiden Männer doch darüber hinaus kann sie nichts weiter tun, als umzukehren, nachdem sie sich vergewissert hat, das der Ruhe der Toten kein Abbruch hier getan wurde.
“Siehst du einen Riesen, so prüfe den Stand der Sonne und gib acht, ob es nicht der Schatten eines Zwerges ist.”

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